Current Article

29 May 2012

Kochen mit 7 Töpfen

Ay liebe Blog-Gemeinde,

wir überbrücken mal die Wartezeit bis zum Taunus mit einem der letzten Anekdötchen zu meinem V8… Ich bin ja noch immer die Verkaufsgeschichte schuldig :-)

Die Wärme kommt von unten

Die Wärme kommt von unten

Es mag für den einen oder anderen ein wenig überheblich klingen, wenn man sich als Eigner einer Küche mit acht Töpfen darüber beschwert, dass nur sieben Töpfe ihren Dienst verrichten. Das sind dann ja immer noch drei Töpfe mehr als bei den meisten anderen Küchen in diesem Land. Wer aber selbst so eine Küche bewirtet, und da spielt das Lebensalter oder das Modell nur eine untergeordnete Rolle, der wird schnell zugeben, dass ein einziger nicht mitlaufender Topf einem extrem die Petersilie verhageln kann. Also – begeben wir uns auf die Fehlersuche in der Küche, zwischen gerebeltem Gummi, vergossenem 15W40, zischendem Kühlwasser mit G12 Plus und einer alles umschmeichelnden Motorwärme, von der Tim Mälzer nur träumen kann. Sind Sie dabei?

Schlimm ist immer die Vorahnung.

Fehlerspeicher abgießen

Fehlerspeicher abgießen

Es kann ja alles Mögliche sein! Gerade noch schnurrt der 17 Jahre alte Alublock fröhlich Flüssiggas verbrennend seiner Wege, und im nächsten Moment schüttelt er sich und nimmt das Gas nicht mehr richtigt an. Er kocht noch. Klar. Aber sehr mühselig. Erinnerungen kommen hoch, damals, als mir auf dem Weg nach Uelzen eine Verteilerkappe durchgebrannt ist und ich mit heftig schlechtem Gewissen weitergekocht habe. Und eine sehr schöne niedersächsische Fotoserie hinlegte, alte Hasen werden sich vielleicht erinnern… Aber was ist denn nun wieder in der Küche los? Angespannt nehme ich mir den Fehlerspeichertopf und gieße ihn behutsam ab. Nichts. All systems running. Roger? Over. Soweit zur modernen Technik, wobei es auch immer noch ein paar Gramm moderner geht, aber das ist eine andere Geschichte.

In den Bergwergsschächten des Kopfes

In den Bergwergsschächten des Kopfes

Die Küche behauptet felsenfest, es gehe ihr gut. Ich fühle mich wie der Notarzt, der dem eingelieferten Patienten erklären will, dass dieses abgerissene Bein ein echtes Problem darstellt, allein wegen des Blutverlusts. Aber der Patient will wieder nach Hause, weil es ihm gut geht. Als guter Arzt ignoriere ich den eigenen Willen des Patienten und betreibe Ursachenforschung. Sieben statt acht Töpfe. Herra jumalla! Eine defekte ZylinderTopfdichtung? Eine geschmolzene Zündkerze? Gar ein abgerissenes Ventil??? Die Abzugshauben stapeln sich in schlimmer werdenden Intensitäten in meinem Kopf. Ich ziehe bei heizender Herdplatte Stecker für Stecker von den Zündkerzen ab und horche, bei welchem Topf sich die köchelnde Verbrennung nicht nennenswert verschlechtert (weil sie sowieso nicht mitspielt). Am Ende habe ich die Gurke eingekreist. Raus mit dem Lump. Ich will ihn sehen!

Verzweifelte Säuberungsversuche

Verzweifelte Säuberungsversuche

Hm. Eigentlich alles okay. Die Nährwerte stimen, das Haltbarkeitsdatum ist noch im Limit und die Färbung geht in Richtung graubraun. Wie sich das gehört. Einzig ein wenig unverbrannte Sauce ist auf der Elektrode auszumachen, aber kann das eine ganze Küche durcheinanderbringen? Nun – man hat ja schon Kleintransporter vor dem Großmarkt kotzen sehen, oder wie die alte Bauernregel heißt, also entschließe ich mich für eine gründliche Säuberung. Das filigrane Löffelset für den ambitionierten Heimanwender finde ich in meiner Besteckschublade, und wie man das so seit 20 Jahren gewohnt ist wird der Braten nach alter Tradition bearbeitet und wieder in den Ofen zurück geschoben. Es duftet nach süßlichem Hydrauliköl und unverbranntem Super. Bilder aus der Kindheit kommen in – nein, das gehört nicht hier her. Ich will Verbrennung. Jetzt.

Gut Ding will gegart sein

Gut Ding will gegart sein

Doch sie wird mir nicht gewährt. Siehe sich einer diese Kappe an. Sie ist schon wieder durchgebrannt!!! Meine fast neuen BERU Käppchen (okay okay, vom Lebensalter her neu, aber ich koche ja auch einige Gerichte am Tag mit dieser Ausrüstung) sind wieder einmal durchgebrannt! Wie kann so etwas sein? Ich kenne Leute, die kochen 10 Jahre lang mit den selben Töpfen ihre tägliche Suppe. Meistens die Funken-Klöße von Bosch, manchmal auch die Zündlis auf intakten Kerzen, auch von Bosch. Aber wenn man die Fertiggerichte von BERU nimmt, verbrennt einem das Ergebnis. So wie damals. Erinnern Sie sich noch? Das kann doch nicht an BERU liegen. Oder? Sind da vielleicht Nährstoffe drin, die mein Audi V8 nicht verträgt?

Equipement du Chef

Equipement du Chef

Nichts wird ja bekanntlich so heiß verbrannt, wie es getankt wird. Es geht nun der Küche wieder blendend, nicht allzuletzt, weil ich noch eine gebrauchte Fertigmischung aus dem Hause BOSCH vorrätig hatte, die uneigennützig einspringen konnte. Zu viele Köche verderben den Brei, und bevor wir hier noch mehr abgedroschene Weisheiten verbreiten kochen wir lieber weiter auf 8 Töpfen und warten das Statement des Herstellers zu seiner zweiten durchgebrannten Verteilerkappe ab. Und wenn es da weder Ersatz noch eine Aussage geben sollte, dann wechselt der Chef einmal mehr zu Markenprodukten mit dem großen BO am Anfang. Denn glauben Sie mir -  auch wenn Sie in den meisten Töpfen leckere Sachen brutzeln haben, wenn in einem die Suppe halbgar durch den Kat sickert, macht das ganze Dinner keinen Spaß. Oder wie sehen und fühlen SIE das?

Sandmann

Original: Sandmanns Welt

Created Dienstag, 29. Mai 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags 7 Töpfe | Alltäglicher Audi | audi v8 | Koch | kochen | Topf
Permalink

Mehr aus der Kategorie : Timeline

31 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Sauregurkenzeit, Lexus RC 200t Coupé-1727

Lexus RC 200t Coupé

Jetzt wird alles anders bei Lexus - das RC 200t Coupé wird Lexus in ganz neue Sphären katapultieren.

Ok, Sommerloch. Der Begriff «Sauregurkenzeit» wird ganz neu definiert. Denn irgendwie so muss man den Lexus RC 200t sehen. In hiesigen Breitengraden wird auch dieses neue Lexus-Modell ganz sicher die grossen Massen nicht begeistern. Weil: Coupé, das kauft eh fast niemand mehr. Und dann ist der RC 200t jetzt auch optisch nicht gerade das, was dem Betrachter Freudentränen in die Augen treiben könnte.
Unter der Haube: 2-Liter-Turbo mit 245 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Nm, er soll den Lexus in 7,5 Sekunden von auf 100 sowie auf maximal 230 km/h beschleunigen. Geschaltet wird über eine sequenzielle 8 Stufen-Direktschaltautomatik (sprich: ein ganz simpler Wandler-Automat), die Kraft gelangt an die Hinterräder. Lexus sieht darin sportliches Fahrvergnügen, wir sehen eher golfspielende Pensionäre, die sich dann beim Einsteigen mit der niedrigen Dachkante abmühen. Aber vielleicht sind wir ja auch ganz einfach einer alten Pressemitteilung aufgesessen, denn da steht: «Der neue Lexus RC 200t kommt in Deutschland im Januar 2006 in den Handel.»
Eine Befürchtung macht sich auch noch breit: wird der eigentlich so wunderbare Toyota GT86 auch diesen Turbo-Motor erhalten? Bitte nicht.
Mehr als dieses eine Bild mögen die Japaner derzeit noch nicht liefern. Aber mehr Toyota und Lexus gibt es in unserem Archiv.


Lexus RC 200t Coupé

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/lexus-rc-200t-coup_-1727/seite_1-2

31 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Und dann nehm ich die Pinsel zur Hand...

Ich könnte tagelang am Pirat herumschleifen, Rost entfernen und Farbe ausbessern. Ich werde es nicht übertreiben, aber am Kotflügel Fahrerseite war Bedarf.

Kotflügel

Kotflügel

Ist inzwischen teilweise wieder grundiert und lackiert.

Kotflügel

Gehen wir den Kotflügel nach oben. Die Antenne war hin, die musste ich entsorgen. Aber die saß so schepp, dass die Lackierung rund ums Loch nicht gerade mittig war. Das deckt eine neue Antenne niemals ab.

Antennenloch.

Problem ist gefixt.

Antennenloch

Beim Photoshooting für VW Classic nervte mich eine blaue Stelle besonders, weil die verhältnismäßig groß war. Die sieht man auf den Bildern. Unter der vorderen Stoßstange war etwas großflächiger der Lack abgeplatzt.

Frontblech

Auch das ist jetzt Geschichte.

Frontblech

Ein echtes Problem hatte ich am Unterboden. Also es hätte eines werden können. Für viele Roststellen ist verantwortlich, dass der Unterbodenschutz abgeblättert ist. Wasser sammelt sich darunter und sobald Rost entstanden ist, hat der eine schön feuchte Umgebung um sich auszubreiten. So entstanden einige Löcher. Ich habe Stellen am Unterboden gesucht und gefunden, an denen der Unterbodenschutz bereit locker ist und habe dort die alte Beschichtung mit der Spachtel abgekratzt.

Unterboden

Ich habe das erst einmal lackiert, später kommt auch da neuer Unterbodenschutz drüber.

An der Heckklappe habe ich ein kleines Pinselchen gearbeitet und frei Hand die Armeebeschriftung ausgebessert.

Heckschriftzug

Das ist nicht perfekt, soll aber auch nicht perfekt sein. Das ist Patina. Keine gefakte, sondern echte. Das Auto lebt.

Den DFT, der da steht, gibt es schon lange nicht mehr. Eigentlich sollte ich den entfernen, um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen. Aber als ich den Pirat gebaut habe, gab es den noch und der Schriftzug gehört eben zu der Geschichte des Autos und deshalb darf der auch bleiben.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/und-dann-nehm-ich-die?blog=29

30 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Peter Ruch  

Die Antwort, 50 Jahre Renault 16-1863

50 Jahre Renault 16 (1)

 

50 Jahre Renault 16

(Es ist dies eine Copy-Paste-Geschichte aus dem Renault-Archiv. Aber sie erscheint uns zu gut, als dass sie einfach da in die Dunkelheit der Schubladen verschwinden dürfte.)
Vor 50 Jahren kam der Renault 16 auf den Markt. Die erste Limousine der oberen Mittelklasse mit Schrägheck, grosser Kofferraumklappe und variablem Innenraumkonzept war 1965 eine automobile Sensation und liess die Konkurrenz der konventionellen Stufenheckmodelle mit einem Schlag alt aussehen. Die Sitzlandschaft des Renault 16 liess sich in insgesamt sieben Positionen an die unterschiedlichsten Situationen anpassen. Damit erwies er sich als Vorläufer der multivariablen Renault Modelle unserer Tage und als würdiger Verwandter des R 4, der 1961 die Formel «maximaler Innenraum bei minimalem Verkehrsflächenbedarf» erstmals perfekt umgesetzt hatte.
Rennsportlegende Stirling Moss nannte den Renault 16 «das am intelligentesten konstruierte Automobil», das er je gesehen habe. Die Zeitschrift «mot Auto-Kritik» verspürte gar «eine Ohrfeige für die deutsche Automobiltechnik» und erhob ihn euphorisch zum «neuen Massstab» für die Branche. Tatsächlich ist die Premiere des Renault 16 im März 1965 nichts weniger als eine Revolution, denn der Franzose bricht mit allen Konventionen der damaligen Autowelt. 1965, das ist die Zeit, in der in Mittel- und Oberklasse das Stufenheck als Mass der Dinge gilt, wahlweise in den Varianten Ponton- oder Trapezformkarosserie, auf jeden Fall aber kreuzkonservativ. Mut für Neuerungen und Innovationen? Fehlanzeige.

Was die Automobilindustrie nahezu geschlossen übersieht: Die Gesellschaft erlebt in den 1960er-Jahren einen tief greifenden Wandel. Vorbei die kargen Nachkriegsjahre, mit steigenden Löhnen und Vollbeschäftigung rücken zusehends Freizeit, Reisen und Konsum in den Blickpunkt.

50 Jahre Renault 16
50 Jahre Renault 16

Der wachsende Wohlstand der westeuropäischen Bevölkerung erzeugt immer mehr Mobilität. Zur selben Zeit siedeln sich an den Stadträndern die ersten Supermärkte an, und auch der Zweitwohnsitz auf dem Lande ist in der umworbenen Zielgruppe der gut verdienenden Angestellten und Selbstständigen nichts Ungewöhnliches mehr. Vor allem aber: In den 60er-Jahren überrollt die Geburtenwelle die westliche Welt. Später wird man von der Generation der «Babyboomer» sprechen. Was fehlt, ist ein Auto, das die vielfältigen Ansprüche der jungen Familien unter einen Hut bringt.

Der weitsichtige Renault Präsident Pierre Dreyfus, der bereits den R 4 initiiert hat, bittet deshalb im Sommer 1961 die Leiter der Entwicklungsabteilung zu sich ins Büro. Sein Auftrag: der Bau eines Familienautos komplett neuer Art.

Renault 16
Renault 16
Renault 16
Renault 16
Renault 16

Es soll elegant wie eine Limousine sein, dabei geräumig und wandlungsfähig wie ein Kombi, denn grosse Familien, so seine Rechnung, brauchen viel Platz. Um den Fond uneingeschränkt zu nutzen, setzt Dreyfus voll und ganz auf Frontantrieb. Ansonsten haben die Entwickler freie Hand.

Zu den kreativsten Köpfen des neu gegründeten «Bureau de Style» zählt der 31-jährige Gaston Juchet. Er zeichnet im Spätsommer 1961 den wegweisenden Entwurf für einen Viertürer mit Schrägheck und je drei Seitenscheiben, die Geburtsstunde des wegweisenden Renault 16 Konzepts. Die Entwicklung erfolgt in der Rekordzeit von nicht einmal vier Jahren. Parallel dazu errichtet Renault für den Renault 16 in nur 18 Monaten in Sandouville bei Le Havre ein komplett neues Werk. Die Serienfertigung des Newcomers startet im Januar 1965, seine Messepremiere hat der Renault 16 zwei Monate später auf dem Genfer Auto-Salon.

Die Masse des Neulings: 4,32 Meter Länge, 1,65 Meter Breite und 1,36 Meter Höhe, dazu serienmässig vier Türen, wenn die grosse Kofferraumklappe hinzugezählt wird, sogar fünf. Das Presseecho: überwältigend. «Sieg der Vernunft: innen grösser als aussen», jubelt die Zeitschrift «hobby». Selbst «auto motor und sport» – in der Bewertung ausländischer Fahrzeuge traditionell zurückhaltend – meint: «Ein neuer Begriff in der Mittelklasse.»

Tatsächlich fällt der Renault 16 nicht nur mit seiner Heckklappe aus dem Rahmen. Auch der lange Radstand und das «Pagodendach» tragen zum unverwechselbaren Erscheinungsbild bei. Die hochgezogenen Karosseriekanten sind mehr als nur ein Design-Gag. Sie verleihen dem Fahrzeug eine ausgezeichnete Verwindungssteifigkeit – und dies trotz fehlender Querwand zwischen Passagierabteil und Kofferraum.
(Hier geht es zum zweiten Teil der Geschichte.)

Renault 16

Text/Fotos: Renault

Original http://www.radical-mag.com/youngtimer/50-jahre-renault-16-1863/seite_1-2

30 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Peter Ruch  

Die Antwort, 50 Jahre Renault 16 (2)-1864

50 Jahre Renault 16 (2)

 

Renault 16

(der erste Teil: hier)

Vor allem aber besticht der Renault 16 durch eine bis dahin nicht gekannte Innenraumvariabilität. «hobby» spricht gar von «Variationsmöglichkeiten…, die vielen Autofahrern die Erfüllung kühnster Träume bedeuten könnten.»
Die Sitzlandschaft lässt sich in insgesamt sieben Positionen an die unterschiedlichsten Situationen anpassen. Wer viel zu transportieren hat, kann das Fondgestühl umklappen, um bis zu 15 Zentimeter nach vorne schieben oder ganz ausbauen. Hierdurch wächst das Ladevolumen von 346 auf 1‘200 Liter. Eine weitere – heute aus der Mode gekommene – Konfiguration erlaubt es, die Rückenlehne der Fondbank unter den Dachhimmel zu hängen, während das Sitzkissen nach vorne gekippt und von hinten an die Vordersitze gelehnt wird.

Der Beifahrer kann zwischen zwei Liegekombinationen für seinen Sitz wählen, eine für unterwegs, die andere für das Nickerchen auf dem Rastplatz. Und in der «Mama»-Position rückt Mutti – so wollen es die Namensgeber – den Beifahrersitz auf Tuchfühlung an die Fondbank, so dass der schlafende Sprössling bei einer Vollbremsung nicht in den Fussraum purzelt.

Auch wenn solche Konstellationen nicht den heutigen Erkenntnissen der Unfallforschung entsprechen mögen, erweist sich der Renault 16 damit als würdiger Vorläufer der multivariablen Renault Modelle unserer Tage, wie etwa Espace, Scénic, Captur und Kadjar. Für den renommierten Automobil-Feuilletonisten Fritz B. Busch ist der französische Revolutionär wegen seiner unerreichten Raumausnutzung schlicht «Auto bis hinten hin». Ein Detail wissen vor allem Männer, die Hut tragen, zu schätzen: Dank der hohen Türausschnitte und der stattlichen Innenraumhöhe können sie im Wagen Platz nehmen, ohne Gefahr zu laufen, dass ihnen der Dachholm die Kopfbedeckung vom Haupt rasiert.

50 Jahre Renault 16
50 Jahre Renault 16

Auch an solche Details wie die solide Kofferraumabdeckung hat Renault gedacht. Sie beugt dem Eindruck vor, in einem schnöden Kombi zu sitzen, der damals noch ein reines Nutztier ist, und hält das Odeur geruchsintensiver Einkäufe von den Insassen fern – wichtig besonders nach Abstechern zum Fisch- oder Käsehändler.
Weiteres durchdachtes und komfortables Detail: Die in Deutschland nahezu ausschliesslich nachgefragte Ausstattung «Grand Luxe» verfügt über eine Mittelarmlehne mit praktischem Ablagefach. Sie erlaubt jene unverwechselbar lässige Renault 16 Fahrer-Haltung, die auch zum Gangwechsel nicht aufgegeben werden muss. Denn geschaltet wird grundsätzlich am Lenkrad. Dazu kann der Ellbogen weiter auf der Armstütze ruhen. Die Fachzeitschrift «auto motor und sport» erklärt den Franzosen im Rahmen eines 50‘000-Kilometer-Dauertests zum «rollenden Wohnzimmer».

Renault 16
Renault 16
Renault 16
Renault 16
Renault 16

Antriebstechnisch hat der Renault 16 ebenfalls Wegweisendes zu bieten: Unter der Haube beherbergt er den ersten komplett aus Aluminium gefertigten Motor von Renault. Anfangs mobilisiert der Leichtmetall-Vierzylinder 55 PS aus 1‘470 Kubikzentimeter Hubraum. Im Lauf der Zeit steigt die Leistung auf 93 PS in der 1973 vorgestellten Spitzenversion TX. Damit verbunden ist ein stetiges Hubraumwachstum auf bis zu 1‘647 Kubikzentimeter. «In Bezug auf Laufruhe, Elastizität und Leistungsverhalten gehört der Motor zum Besten, was heute in der Vierzylinder-Mittelklasse existiert», lobt «auto motor und sport» das Aggregat, das später in leistungsgesteigerter Form auch in den Sportwagen Renault Alpine A110 und A310 Motorsportgeschichte schreiben wird.

Der Vierzylinder ist wie beim R 4 weit in Richtung Wagenmitte nach hinten verschoben eingebaut. Davor haben die Entwickler das Getriebe montiert. Es handelt sich um ein Front-Mittelmotor-Prinzip, nur 55 Prozent des Gesamtgewichts lasten auf der Vorderachse. Die Vorteile lassen sich im Wortsinn «erfahren»: Der günstige Schwerpunkt und die neutrale Gewichtsverteilung ermöglichen ein sicheres und gleichzeitig sehr sportliches Fahrverhalten.

Vom R 4 erbt der grosse Bruder auch die Drehstabfederung. Diese sorgt nicht nur für einen «Federungskomfort, der seinesgleichen sucht», so «auto motor und sport», sondern trägt auch zum ausgezeichneten Ladevolumen des Renault 16 bei, weil keine störenden Federdome in den Kofferraum ragen. Kurioser Nebeneffekt dieser Lösung: Der avantgardistische Gallier hat links einen um 67 Millimeter längeren Radstand als rechts. Bei eindrucksvollen 2‘717 bzw. 2‘650 Millimetern fällt dies indes nur dem äusserst geübten Auge auf.

Die Mischung aus Variabilität, Wirtschaftlichkeit und Oberklasse-Gefühl zieht beim Zielpublikum: 1966, im ersten vollen Verkaufsjahr, setzt Renault allein in Frankreich von seinem neuen Topmodell 68‘916 Fahrzeuge ab.

Renault 16

Bis 1969 steigt die Zahl auf 92‘488 Autos. Weltweit verkauft Renault in jenem Jahr 179‘991 Renault 16, eine Zahl, die 1970 sogar noch überboten wird, als 193‘698 Fahrzeuge das Werk Sandouville verlassen.

Zu diesem Boom trägt auch die Wahl des R 16 zum «Auto des Jahres» durch 32 europäische Fachjournalisten im Dezember 1965 bei. Auch die Einführung des stärkeren TS-Modells 1968 mit 83 PS und der Automatikversion 1969 mit 67 PS kurbelt den Absatz an. Ein Jahr zuvor hat Renault den Export des Renault 16 nach Kanada und in die USA gestartet, wo der französische Exot die Herzen der Motorpresse erobert. Das US-Magazin «Road Test» schlägt vor, «alle in Detroit arbeitenden Designer zwei Wochen ans Lenkrad dieses Autos zu setzen, in der Hoffnung, dass ihre eingeschläferte Fantasie wieder aufgeweckt wird.» Mehr Kompliment geht kaum.
Zum Modelljahr ’71 erlebt der R 16 sein erstes Facelift: Das Raumwunder aus Frankreich erhält unter anderem grössere und rechteckige Heckleuchten, die ausserdem etwas tiefer platziert sind. Die Basisversion leistet jetzt 67 PS wie zuvor beim Automatikmodell. Die Modellpflegemassnahmen halten die Karriere im Schwung: Anfang 1972 rollt in Sandouville der einmillionste Renault 16 vom Band. Längst wird das Erfolgsmodell zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nur in Frankreich gebaut. Montagewerke finden sich in 14 weiteren Ländern der Erde, darunter so entfernten Weltgegenden wie Trinidad, Venezuela, Madagaskar und Australien. Nur ein Jahr später legt Renault nach: Auf dem Pariser Salon im Oktober 1973 debütiert das neue Topmodell der Reihe, der Renault 16 TX mit 1‘647 Kubikzentimetern und 93 PS.

1975 präsentiert Renault auf dem Genfer Automobilsalon den designierten Nachfolger Renault 20, auch er mit Schrägheck. Für den Renault 16 bedeutet dies jedoch noch nicht das Aus, denn eine Vielzahl eingeschworener Fans hält ihm nach wie vor die Treue. Allein 1976 werden weltweit 103‘179 Renault 16 verkauft. Renault produziert deshalb beide Modelle vier Jahre lang nebeneinander. Im Januar 1980 macht der Urahn der Schräghecklimousinen nach 1‘845‘959 produzierten Exemplaren dann endgültig der jüngeren Generation Platz.

Mehr Renault gibt es in unserem Archiv.

Original http://www.radical-mag.com/youngtimer/50-jahre-renault-16-_2_-1864/seite_1-2

30 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Die Gelegenheit war günstig

Es gibt noch so viele Dinge, die sich summieren am Pirat. Der Schweinehaken, bzw. die Streben, die in die Längsträger gehen, waren rostig. Ziemlich kontraproduktiv, wenn ich in die wieder hergestellten Längsträger so ein rostiges Teil reinschraube.

Schweinehaken

Von der Gegenseite wird die AHK mit Gegenplatten unterstützt. Natürlich waren auch die rostig.

Gegenplatten

Ich habe das so gut, wie möglich mit dem Drahtbürstenaufsatz auf der Flex entrostet, danach gab es einen Anstrich mit Brantho 3in1.

Gegenplatten

Am Zigeunerhaken habe ich zudem die Stange des Hakens blank gemacht und lackiert. An dem hing immer noch blaue Restfarbe. damit ist jetzt endgültig Ende.

AHK Passat 32B

Weiter zur Heckklappe, da fand sich auch Rost, der mich störte.

Heckklappe

Hie und da auch tiefe Kratzer und Lackabplatzer - das sind die Stellen, wegen denen ich annähernd identischen Lack haben wollte.

Heckklappe

Die Heckklappe ist das größte "Gesamtkunstwerk" an dem Wagen. Das handgemalte Bild, die meisten Patinaspuren - und die meisten Grautöne. Eigentlich müsste ich die neu machen. Aber das will ich nicht. Es ist keine Dauerlösung, irgendwann kommt es wieder durch, aber ich habe den Rost mit einem kleinen Drahtbürstenaufsatz auf dem Akkuschrauber soweit möglich entfernt und danach mit Brantho nitrofest grundiert.

Heckklappe

Am Ende des Abends habe ich das dann mit dem neuen Lack beigepinselt.

Heckklappe

Irgendwie muss ich den Schriftzug wieder vervollständigen, aber das bekommen wir auch noch hin.

Die Türen sind alle draußen, eine bessere Ausgangslage gibt es ja eigentlich nicht, die Türrahmen, die teilweise noch blau waren, rauszustreichen. Also auch noch die Türdichtungen raus.

Rahmen

Die Fenstereinfassungen sind schwarz, also wollte ich den oberen Teil auch schwarz haben.

Rahmen

Den unteren Teil lackiere ich zusammen mit den Schwellern. Die Aufgabe mit dem Rauslackieren der Türrahmen habe ich nun über 5 Jahre vor mich hergeschoben. Keine Ahnung, ob ich es weiter gemacht hätte, aber Thomas, der mir mit der Punktschweißzange die Schweller reinbraten will, hat erst kommende Woche Zeit und die Zeit kann man ja sinnvoll nutzen...

Original http://www.fusselblog.de/index.php/die-gelegenheit-war-guenstig?blog=29

Anzeige
Webhosting by Speicherzentrum.de
 
29 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Peter Ruch  

Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234

Test Peugeot 208 GT-Line

Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234

Auch kleine Löwen können Brüllen. Nach dem 208 GTi, den wir richtig gut fanden, war ein kleiner Franzose mit 110 PS und Automatik in der Käserei zu Gast. Und ja, auch der «schmale» Peugeot ist okay. Aber, nicht ganz billig.

110 PS aus einem Dreizylinder-Triebwerk, das alles an eine Sechsstufen-Automatik gekoppelt klingen nicht gerade furchteinflössend. Das ist es auch nicht, aber es ist schon erstaunlich wie agil, keck und durchaus sportiv der Peugeot 208 mit dieser Motorisierung – die offiziell auf den Namen PureTech 110 S&S EAT6 hört – auftritt. Im Test stand ein Fahrzeug der GT-Line. Diese edle Sonderaustattungslinie soll die Lücke zwischen den mittleren Versionen und dem Topmodell GTi schliessen. Das tut sie auch, also zumindest preislich. Leistungsmässig liegt der 1200er-Motor aber alles andere als in der Mitte der Basisversion mit 68 PS und dem GTi mit 208 Pferdern. Und eben, auch beim Preis nicht. Ab 26 100 Franken gibt es zwar viel Ausstattung: Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Touchscreen, Tempomat, LED’s innen wie aussen, Einparkhilfe hinten, elektrische Fensterheber hinten, Zweizonen-Klimaautomatik, ein Leder-Lenkrad, Nebelscheinwerfer mit Chromrand und das einfache aber gute Bediensystem via Touchscreen, welches auch in Citroën-Modellen verbaut wird. Man ist also gut gerüstet mit dem kleinen Löwen. Ganz besonders im Alltag. Aber, unser Testwagen hatte noch ein paar nette Optionen drin und kostete dann, obwohl kein Leder an Bord war, 29'900 Franken. Wenn man bedenkt, dass man für fünf grosse Scheine mehr auch einen GTi bekommt...

Das neue Automatikgetriebe macht seine Sache gut. Direktes Ansprechverhalten, sanfte Gangwechsel und eine gute Schaltlogik machen das Fahren mit dem 208 echt angenehm. Hat man sich an das kleine, Peugeot-typische Lenkrad gewöhnt, erfreut der 208 mit seinem spritzigen Dreizylinder auf der Landstrasse wie in der City.

Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234
Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234

Der 1,2 Liter grosse Benziner mit Turboaufladung ist zwar in gewissen Drehzahlbereichen ein etwas kerniger Geselle. Störend sind die Lautäusserungen des Triebwerks aber nie. Wie bei Modellen mit Automatikgetriebe üblich, lässt sich die Gangwahl auch manuell beeinflussen. Auf Schaltpaddel am Lenkrad hat man bei Peugeot allerdings verzichtet. Wer selber bestimmen will, welcher Gang eingelegt werden soll, muss zum Schalthebel greifen. Dort gibt es eine separate «Gasse» für den manuellen Modus. Zudem lassen sich per Knopfdruck auch eine besonders sportliche Automatik-Auslegung sowie eine für glitschige Strassen vorwählen. Also alles wie bei den Konkurrenten des kleinen Löwen auch  ausser bei jenen die ein Doppelkupplungs-Getriebe an Bord haben. Aber wir fahren lieber eine gute Automatik als einen mies abgestimmten Doppelkuppler.

Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234
Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234
Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234
Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234
Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234

Etwas mehr gestört hat uns der Verbrauch. 4,5 Liter verspricht Peugeot für den nur gerade 1165 Kilogramm schweren Wagen. Im Test waren es dann aber knapp über 6 Liter pro 100 Kilometer. Ein Teil dieses Mehrverbrauchs ist aber sicher der geringen Laufleistung geschuldet. Mit 600 km Laufleistung war der Wagen alles andere als «eingefahren» und wegen der hochsommerlichen Temperaturen musste die Klimaanlage hart arbeiten. Innen vermag der 208 zu überzeugen. Zumindest was die Materialien und die Verarbeitung angeht. Etwas störend waren die nur sehr wenig Seitenhalt bietenden Sitze. Wers etwas forscher angeht kommt sich vor wie auf einer etwas abgerockten Parkbank.

Das Platzangebot hingegen ist für ein Auto mit einer länge von 396 cm sehr gut. Durch den nicht allzu mächtigen Armaturenträger herrscht auf den Vordersitzen ein richtig luftiges Raumgefühl vor. Und auch hinten gibts noch genügend Platz, damit die Reise im vollbesetzten Auto nicht zu Qual wird. Im Kofferraum finden 285 Liter Platz. Das ist ein respektabler Wert, aber nicht die absolute Spitze in dieser Fahrzeugklasse. Wer die Rücksitzlehnen abklappt, erhält ein Kofferraumvolumen von bis zu 1076 Liter. Das reicht auch für den Grosseinkauf oder die grosse Ferienreise zu zweit.

Überzeugend ist beim neuen 208 das Gesamtpaket. Der kleine Gallier kann alles, was er können muss. Zudem macht es einfach Spass, den wendigen, agilen Wagen zu bewegen. Dies ist vor allem der Automatik zu verdanken, die dem robotisierten Schaltgetriebe früherer Modelle in Sachen Komfort und Sportlichkeit meilenweit voraus ist. Der 208 mit 110 PS und Automatik ist ein richtig flottes Alltagsauto mit genügend Platz, anständigen Fahrleistungen und einem - in unseren Augen - etwas gar hohen Preis.
Mehr Peugeot gibts im Archiv.

Brüllerchen, Test Peugeot 208 GT-Line 2234


Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/test-peugeot-208-gt-line-2234/seite_1-2

29 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Peter Ruch  

Der Namensgeber, Ferrari 250 GT «Tour de France»-1862

Ferrari 250 GT «Tour de France», #0557GT

Ein kurzer Zwischenruf - jener 250 GT, der zur Bezeichnung «Tour de France» führte.

Ja, manchmal staunen wir auch ein bisschen. RM Auctions, seit kurzem im automobilen Bereich zusammen mit Sotheby's und deshalb jetzt RM Sotheby's benamst, versteigert Mitte August in Monterey die vielleicht wichtigste 250 GT Berlinetta, die besser bekannt ist unter dem Beinamen «Tour de France», Chassisnummer #0557GT. Genau dieses Fahrzeug war im Sommer 1956 an Marquis Alfonso de Portago ausgeliefert worden - und gewann mit de Portago/Nelson die «Tour de France», die vom 17. bis 23. September 1956 stattfand. Der Wagen gewann noch drei weitere Rennen, bevor er 1957 an Hans Tanner weiterverkauft wurde; seit 1992 ist #0557GT im Besitz des mexikanischen Sammlers Lorenzo Zambrano, der sie jetzt anscheinend loswerden will. Aber wohl nur, wenn der Preis stimmt - der bisherige Höchstpreis liegt bei 6,71 Millionen Dollar. Unter einem zweistelligen Millionenbetrag geht wohl nichts - und doch darf man sich etwas wundern, weshalb Zambrano, der eine der schönsten Ferrari-Sammlungen überhaupt besitzt, sich von diesem geschichtsträchtigen Fahrzeug trennen will. Oder ist es vielleicht einfach mal wieder ein Versuchsballon, um die Preise noch weiter nach oben zu treiben?Ferrari 250 GT «Tour de France», 0557GT
Und weshalb staunen wir? RM Sotheby's ist eines der grössten Auktionshäuser überhaupt, die Monterey-Versteigerung im August dürfte die Rekorde wieder purzeln lassen. Doch sie schreiben Mist zu diesem Wagen. Er sei die fünfte 250 GT Berlinetta gewesen, der gebaut wurde; stimmt nicht, sie war die siebte, vorher kamen #0503GT, #0507GT, #0509GT, #0513GT, #0539GT und #0555GT (würde man die zwei Zagato, #0515GT und #0537GT noch dazu zählen, dann...). Und auch, dass er von den Erben von de Portago (der bekanntlich 1957 bei der Tragödie von Le Mans ums Leben) kam an einen Freund des Marquis, C. Keith W. Schellenberg, verkauft wird, stimmt wohl eher nicht, weil, eben: Hans Tanner (der später zum einem der wichtigsten Ferrari-Historikern überhaupt wurde).
Naja, egal. Ein wunderbares Fahrzeug ist es trotzdem. Und wir empfehlen in diesem Zusammenhang unsere Pinterest-Seite, auf der es schon über 300 Bilder von 250ern-Ferrari hat. Und natürlich die Übersicht über unsere Stories zu den Ferrari 250, hier, wo auch die detailiertere Geschichte des «Tour de France» zu finden ist.
Noch mehr Ferrari gibt es in unserem Archiv.Ferrari 250 GT «Tour de France», 0557GT
Ferrari 250 GT «Tour de France», 0557GT

Original http://www.radical-mag.com/oldtimer/ferrari-250-gt-_tour-de-france_-1862/seite_1-2

29 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Farbenspielchen

Manchmal rächt sich meine "Sparsamkeit", wenn es um Teile geht. Den Pirat habe ich, als ich ihn zusammengebaut habe, in RAL 7010 Zeltgrau lackiert. Gekauft hatte ich damals einen großen Pott seidenmatten Lack bei eBay. Ein Restposten, dementsprechend saubillig. Problem dabei: Irgendwann war der Pott leer. Und damit fingen die Probleme an. Denn ich habe nie wieder einen Lack aufgetrieben, der den ursprünglichen Farbton einigermaßen getroffen hat. Entweder zu dunkel, zu wenig Grün Anteil, ... - obwohl immer RAL 7010 auf den Dosen stand. Lack vom ursprünglichen Hersteller habe ich nie wieder gefunden.

Ich habe mir damit beholfen, dass ich immer komplette Flächen lackiert habe, wenn ich etwas geändert habe - unter dem Motto, wenn man etwas aus Blechen zusammennietet, dann haben die Bleche nicht zwingend immer alle die identische Farbe.

So weit, so gut. Einige Flächen am Pirat kann ich aber nicht neu lackieren. z.B. die Heckklappe - ich will das Pin Up ja nicht übermalen. Und auch an manchen Stellen sind kleine Lackabplatzer, weswegen ich nicht gleich das ganze Teil neu lackieren will. Ich brauchte also eine kleine Menge Lack, der sich so gut, wie nicht vom originalen unterscheidet. Farbton scannen lassen und danach anmischen lassen war meine Idee. Bei einem lokalen Lackhändler angerufen, ob sie diesen Service anbieten. Wenn sie ein ausreichend großes Muster hätten, ginge das. Also stand ich gestern mit einem herausgetrennten Blech aus dem Pirat beim Lackhändler.

Das können wir nicht scannen, wir brauchen eine saubere, glänzende Fläche. Na toll. Im Lack des Piraten einmal eingedrungener Schmutz bleibt im Lack. Ist bei matten Lacken eben so. Es folgte eine lange Diskussion zu RAL Tönen. Der erste, mit dem ich redete, meinte: RAL ist immer RAL, da gibt es keinerlei Farbunterschiede. Jaja. Als ich den Mischmeister vor mir hatte, erklärte mir der, dass da sehr viele Variablen Einfluss haben. RAL bezieht sich immer auf glänzenden Lack. Je nach Mattierungsgrad differiert das - Seidenglanz ist nicht gleich Seidenmatt, etc. Also suchten wir nach Farbfächern und wir kamen - man glaubt es kaum, darauf, dass ein Farbton namens RAL7010 meinem Lack am nähesten kommt. Hilft nix, ich muss es probieren, also habe ich mir eine 500ml Dose anmischen lassen. Ich habe es auf meinem Probeblech einmal ausprobiert:

Farbenspielchen

Der Pfeil zeigt auf die Probelackierung auf dem alten Lack. Man erkennt den Unterschied. Aber es kommt näher dran, als bisher alle Versuche. Muss ich wohl damit leben. Wenn ich das irgendwie tupfe fällt das auf jeden Fall weniger auf als unter dem abgeplatzten Lack durchkommendes originales Monacoblau.

Bisher dachte ich, es gibt Brantho Korrux 3in1 nur in Standardfarbtönen. Das Korrosionsschutzdepot mischt das aber wohl auch in Wunschtönen. Teurer, als die Standardtöne, aber ich habe mir da auch einmal eine Dose in Zeltgrau geordert - hätte ich das mal gefunden, bevor ich das Heck und die Seiten lackiert habe. Meinem Brantho Grauton fehlt definitiv der Grünstich...

Original http://www.fusselblog.de/index.php/farbenspielchen?blog=29

28 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   T Sälzle und M Haub  

Mercedes-Benz Classic-Center Fellbach

Das Mercedes-Benz Classic Centerist die offizielle Mercedes-Benz-Abteilung für Oldtimer. Es wurde 1993 in Stuttgart-Fellbach eröffnet. Das Classic Center bietet Originalteile, Wartung, Reparaturen, Restaurationen und Informationen für historische Mercedes-Benz-Fahrzeuge an. Darüber hinaus werden Mercedes-Benz Klassiker verkauft und vermittelt.

Ein exklusiver Rundgang durch die heiligen Hallen in Fellbach und durch die Tradition und den Mythos von Mercedes-Benz. Ganz viel Gänsehaut! Wir danken dem MBCC, die Fotos hier bei formfreu.de zeigen zu dürfen!

Mercedes-Benz Classic

Mercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center Fellbach

Mercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center Fellbach

Mercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center Fellbach

Mercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center FellbachMercedes-Benz Classic-Center Fellbach

Original http://www.formfreu.de/2015/07/28/mercedes-benz-classic-center-fellbach/

28 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Logisch..., Ferrari 488 Spider-1726

Ferrari 488 Spider

War ja klar, dass auch eine offene Variante des 488 GTB kommen würde.

Die Frage war eigentlich ja nur: bleibt Ferrari beim RHT, also Retractable Hard Top, oder gibt es ein feines Stöffchen? RHT, wie bisher, schliesslich hat Ferrari das ja patentiert. Der 3,9-Liter-V8-Turbo hat weiterhin 670 PS und ein maximales Drehmoment von 760 (bei 3000/min) - und deshalb marschiert auch der Spider in 3 Sekunden auf 100. Und in 8,7 auf 200. Als Gewicht nennt Ferrari 1525 Kilo, das Kofferraumvolumen beträgt 230 Literchen. In Frankfurt auf der IAA wird der 488 Spider seine Weltpremiere feiern.
Mehr Ferrari gibt es in unserem Archiv.


Ferrari 488 Spider

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/ferrari-488-spider-1726/seite_1-2

 
28 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Drag Queen..., Dodge Challenger Drag Pak-1725

Dodge Challenger Drag Pak

Es lebe: die Vernunft.

Es ist ja überall nur noch: Stau. Und dort, wo es ausnahmsweise mal keinen Stau hat, dort steht: der Schutzmann. Aber einen Ort gibt es noch, da besteht ein bisschen künstlerische Freiheit: die Ampel. Sie hält dem Piloten vorne mal für ein paar Meterchen den Verkehr weg - und vor Freunden und Helfern braucht man auch keine Angst zu haben, sie rechnen ja nicht damit, dass man bei Grün dann vielleicht mal sanft über das Ziel hinausschiesst.
Dodge hat dafür das perfekte Auto entwickelt. Also, eigentlich sind es zwei, ein 354er, also: 5,8-Liter, dafür supercharged, genannt Gen-III-Hemi, und ein 7-Liter, naturally aspirated, die für den Challenger zu haben sind. PS-Angaben gibt es keine, wir gehen davon aus, es gibt: reichlich. Geschaltet wird über eine 3-Gang-Automatik mit wunderbarem Hurst-Knüppel. Das Fahrwerk und vor allem die Reifen wurden den Anforderungen angepasst: vorne gibt es mickrige 15-Zöller, hinten anständige 30-Zöller.
Ach, da möchten wir doch mal sehen, wie der Lambo-Fahrer staunt, wenn man da am Rotlicht neben ihn rollt. Der 7-Liter kostet gut 100'000 Dollar, der noch bösere 354er einen Zehner mehr - für alles Vergleichbare in Sachen Spurtvermögen muss mindestens das Dreifache ausgelegt werden. Allerdings muss man sich beeilen, vom aufgeblasenen Challenger gibt es 35 Stück, vom feinen 7-Liter gar nur 25 Exemplare. Zu bestellen ist alles unter dem Stichwort: Drag Pak.
Mehr Amerikaner gibt es im Archiv. Passendes Video haben wir auch.

Dodge Challenger Drag Pak

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/dodge-challenger-drag-pak-1725/seite_1-2

28 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Schnecken-Express, Peugeot Foodtruck 2233

Peugeot Foodtruck

Streetfood ist grad ganz gross in Mode. Das hat auch Peugeot erkannt.

Mit «Imbisswagen» wird man dem Foodtruck von Peugeot wohl nicht ganz gerecht. Eher Hipster-Futtertrog. Auch wenn die gemeine französische Küche längst nicht so gut wie ihr Ruf ist, Foodtrucks bauen kann man offenbar in Frankreich. Das Ding sieht in zusammengeklappten Zustand aus wie ein fast normaler Van mit grossem Anhänger. Hat man das Mobil aufgestellt, gibts Geschirr für 30 Gäste, eine richtig nette Kaffeemaschine sowie ein grosse Küche mit viel gekühltem Stauraum (400 Liter für die Zutaten, 350 Liter für Getränke). Fritteuse, vier Platten (Induktion), Grill - alles da was der Küchenchef sich wünscht. Und eine DJ-Anlage zur Unterhaltung der Gäste sowie in grosser Monitor. Auf dem kann man dem Küchenchef bei jedem Handgriff zusehen. Und vor allem Zuhören. Bis zu 40 Lautsprecher übertragen die Geräusche, wenn das Steak zur Schuhsohle wird. Ob das Ding in Serie geht? Kaum, angesichts der der Ausstattung und der Verarbeitung wird sich wohl kaum ein Imbissbuden-Besitzer das Teil leisten können. Schade, wir hätten gerade grosse Lust auf einen Espresso.
Mehr Peugeot gibts im Archiv.


Schnecken-Express, Peugeot Foodtruck 2233

Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/peugeot-foodtruck-2233/seite_1-2

Mehr lesen von : Jens Tanz

Current Article

24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
Permalink
15 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

La vie est belle

La vie est belle

Mit 90 noch SLK fahren? Klar, warum nicht?

Wer liest denn schon meine Reiseberichte?
Na? Finger hoch?
Oh – laut google Analytics angeblich ziemlich viele :-) Aber sie bekommen die wenigsten Likes und die wenigsten Kommentare, wahrscheinlich weil es einfach dichter an einem dran ist, über ein buntes Auto zu lesen als über einen blauen Himmel mit schöner Landschaft. Und weil man seinen eigenen Senf besser dazugeben kann, wenn es um eine alte Karre geht als um Badehosen in Saint Tropez. Und wissen Sie was? Da ich hier in diesem Blog keinem Arbeitgeber oder Werbepartner Rechenschaft schuldig bin – kann ich gut damit leben. Und deshalb gebe ich in diesem Sommer hier mal ein paar andere Bilder zum Besten, schreibe keine zusammenhängende Geschichte über wundervolle Urlaubsorte und lobpreise auch keine subventionierten Mietwagen. Aber ich nehme Sie trotzdem mit nach Südfrankreich, zu alten und neueren Autos, zu inkompatiblen Ansichten und zu narzisstischen Selfies. Das haben Sie sich doch auch verdient, oder?

Na klar haben Sie das.

La vie est belle

Ja hallo erstmal.

Und glauben Sie mir, der Urlaub gemeinsam mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona und dem viertelfinnischen Sandmädchen in Südfrankreich beginnt klassisch, wenn gleich nach der Landung in Nizza das Gepäckband eskaliert. Direkt im Anschluss kann dann so gar nicht klassisch der schon komplett bezahlte Mietwagen nicht mitgenommen werden, weil die vorgelegte Kreditkarte für die zu hinterlegende Kaution nicht die gleiche ist wie die des vorher online eingetragenen Fahrers. Da ist es der verhaltenen Dame am Telefon beim Mietwagenvermittler FTI Touristik in München auch völlig egal, dass ich gerade zwischen drei großen Koffern und zwei Taschen mit einem Kleinkind auf dem Arm bei 35 Grad einem Französisch sprechenden Angestellten gegenüber stehe und die Schlange hinter mir immer länger wird. Den Wagen gibt’s nur gegen Kaution, aber nicht auf die Karte der körperlich und leibhaftig anwesenden Lebensgefährtin. Punkt. Man könne aber von München aus ein Storno einleiten, das würde dann 100 Euro Gebühr kosten und es stünde mir frei, vor Ort jederzeit einen anderen Wagen anmieten. Ich lege auf, nicht ohne vorher mit einigen klaren Worten meinen Unmut kundzutun.

La vie est belle

Finalement, was für eine schwere Geburt.

Franzosen mögen es gern, wenn Ausländer ihre Sprache sprechen. Wenn man auch noch laut und stilsicher französische Flüche in ein Telefon spricht laden die einen direkt auf einen Kaffee ein. Der Chef von enterprise Car Rental Nizza lächelt mich an und schlägt vor, statt des jetzt eigentlich fälligen Kaffees unbürokratisch eine zweite Fahrerin einzurichten und die Kaution für die Karre dann wie gewünscht auf diese Dame zu buchen. Ah. Allemannische Dickköpfigkeit in München gegen Gallisch-Cisalpine Unkompliziertheit in Nizza. Punkt für Gallien. Dankbar entfleucht mir ein „oui, merci„…
Ich habe so eine Ahnung, dass die schlechte Laune meines halbfinnischen Fräulein Altonas noch ein wenig anhalten wird, da die nicht ganz pannenfreie Buchung dieses Autos auf meiner Liste stand und wir nun zwei wertvolle Stunden Urlaub verloren haben. Also halte ich auf den wenigen Kilometern zum ersten Hotel in der Altstadt von Nice meine Klappe und sehe mich ein bisschen in diesem 3200 Kilometer alten Neuwagen um. Vorn ein C, dahinter eine 3. Vier Türen und Klimaanlage, keine Ahnung was für ein Motor vorn drin ist, er tankt Diesel. Der unemotionale Gebrauchsgegenstand fährt sich prima, man kann sogar den Wagenhimmel ein Stück nach hinten schieben und legt somit eine wirklich riesengroße, bis über die Köpfe reichende Windschutzscheibe frei. Der Horror jedes Glasbruchversicherers und unter südfrankreichs unfassbar blauem Himmel nicht zu empfehlen. Oder sind Sie schon mal mit einem Gewächshaus die Côte d’Azur entlang gefahren?

La vie est belle

Badefreuden wie in den 20ern

Côte d’Azur. Klingt das nicht auch auf Ihrer Zunge nach warmem blauen Wasser, schönen Stränden und in den 60ern hängengebliebenem Glamour? Ich verehre und bereise diesen Küstenabschnitt zwischen Saintes Maries de la Mer im Westen und Monte Carlo im Osten seit 1991, und ich werde nicht müde, es zu tun. Der dritte amerikanische Präsident sagte schon: „Jeder Mensch von Kultur hat zwei Vaterländer: das seine – und Frankreich.“ Wenn Sie sich die Zeit nehmen möchten, irgendwann habe ich angefangen, die Reisen in mein zweites Vaterland zu dokumentieren:

  • 2007 Mit dem Audi V8 im Maiin Südfrankreich, noch in einem völlig anderen Leben.
  • Ein Jahr später dann erstmals als Blogger offiziell in Monaco.
  • Im August 2008 noch einmal mit dem Audi V8, episch.
  • 2011 trägt der Audi V8 meine beiden großen Töchter und mich als letzte große Reise zu unserer ersten Familien-Sausean die azure Küste. Auch danach gab es, wie nach dem Trip 2008, einen krassen Umbruch in meinem Leben. Aber das sind andere Geschichten, da kann Südfrankreich nichts für.
  • 2012 wollten die beiden Damen dann gleich nochmal mit Papa da runter, dieses Mal im Passat Rudolf Diesel.Das ist meine „Unvollendete“. Auch in jenem Sommer ging privat hinter den Kulissen mehr ab als ich niederschreiben konnte, aber das hole ich irgendwann mal nach. Die Bilder liegen noch auf der Festplatte.
  • Und vor dem nächsten umwälzenden Lebenseinschnitt ist das Dreamteam 2014 zuletzt mit dem dicken Daimler runtergefahren. Tataaaaa ♫ Also wenn Sie sich jetzt noch nicht auf Ihren nächsten Urlaub freuen kann ich Ihnen auch nicht helfen La vie est belle

Äh… wo war ich gleich? Ach ja, blaues Wasser.

La vie est belle

Schirmchen. Ohne Cocktail.

Die Intensität der Farben an der französischen Mittelmeerküste ist einzigartig. Wenn man nicht völlig emotionslos geboren wurde muss man sich regelmäßig ein Ventil suchen, um nicht vor Reizüberflutung zu platzen. Das Begleichen von kleinen Rechnungen im Urlaubsalltag eignet sich hier ganz gut zum Druck ablassen, am Strand von Nizza gehen für einen Burger, ein paar Pommes, eine Flasche Wasser, eine Coke und ein Eis gern mal 50 Euro über den Tresen. Die Preise hier sind der helle Wahnsinn. Der deutsche Stadtphilosoph Elmar Kupke hat einst vermutet, dass die Franzosen damit der Verschmutzung des Mittelmeeres Einhalt gebieten wollen. Jedenfalls ist das einer der Gründe, warum wie drei nur eine Nacht in einem netten kleinen Belle Époque Hotel in der Altstadt bleiben und morgen weiter zu einem Appartement in der Nähe von Hyères fahren. Andernfalls wäre die Reisekasse nach vier Tagen leer, und das reicht nicht ganz für die angestrebte Bräune :-) Ein Tag in Nizza. Kinder Kinder was habe ich mich auf diesen Moment gefreut… Es duftet nach Sonnenmilch und teurem Parfum auf heißer Haut. Nach Blumen auf dem Markt, nach dem frischen Wasser in den Brunnen und nach Kaffee. Ein ganz warmer Wind lässt die Palmwedel auf der Promenade des Anglais leicht hin und her wiegen, während vom Wasser fröhliches Juchzen und Platschen zu vernehmen ist. In Nizza backt man die Haut auf Stein. Sandstrände sind eher selten in Südfrankreich, hier im westlichen Teil fehlen sie fast ganz. Das macht aber nichts, heute Morgen waren wir noch im 14 Grad kalten Hamburg, jetzt genügen schon die Sonne und die Wärme für ein Glücksgefühl, baden und am Wasser rumhängen können wir die Tage noch immer.

La vie est belle

Vom Blumenmarkt zur Promenade

Während ich in den frühen 90ern noch Delial mit Lichtschutzfaktor 6 in meine faltenfreie Haut rieb, ist im Jahr 2015 zumindest auf der Kleinkindoberfläche Sonnenmilch angesagt, mit der man damals nicht mal Tapeten an die Wand geklebt hätte. Lichtschutzfaktor 50. Und wenn Sie glauben, dass man damit nach zwei Wochen noch immer wie ein kalkleistiger Engländer aussieht kennen Sie die Sonne der Côte d’Azur nicht. Ich bin gespannt, was sich meine Enkelkinder eines Tages auf die Pelle kleistern, während sie über Faktor 50 lachen. Oder ob sie überhaupt noch in die Sonne gehen? Oder ob es vielleicht irgendwelche Smart Wearables gibt, die sich automatisch nachdunkeln und Sonnenmilch überflüssig machen? Nee, das wäre doof, dann fehlte ja einer dieser guten Gerüche in Nizza. Waren Sie eigentlich mal hier? Aus den Bildern der Reiseführer kennt man immer nur das Hotel Negresco und den Küstenschnellweg mit seiner Palmenallee, doch dahinter ist noch eine liebliche Altstadt mit engen Gassen und vielen kleinen Geschäften. In zweiter Reihe steht da dieses feine kleine Hotelchen, in das wir am Abend mit plattgelaufenen Füßen zurück kommen. Die weichen Wände sind mit dünnem Stoff bespannt, auf dem sich Rosen ranken. In so einem Zimmer mit Blick auf den grünen Innenhof schmeckt das erste Glas kalter Rosé gleich doppelt so gut.

La vie est belle

Ein wahres Fest für die Augen

Nach diesem etwas unglücklichen Start (genau genommen war es nach einer unglücklichen Landung) stimmt der erste Urlaubsabend versöhnlich. Es ist wieder dieser Moment, wo mir klar wird, dass ich diese vielen schönen Tage alle noch vor mir habe. Abends um 22:00 Uhr sind noch immer trockene 30 Grad, und die Wetter-App orakelt ausschließlich Sonnenschein in den kommenden Tagen :-) Wundervoll. „Aufregend war der erste Abend in Frankreich. Es ist mir nicht möglich, mich auch nur der Hälfte der Stätten zu entsinnen, denen wir einen Besuch abstatteten, ebenso wenig dessen, was wir im Detail erblickten; wir verspürten gar kein Verlangen, ein Ding ausführlich zu inspizieren – wir trachteten lediglich danach, uns zunächst einmal umzuschauen und umherzugehen – uns zu bewegen, in Bewegung zu bleiben! Der Geist des Landes war auf uns niedergekommen„. Sagte mal Mark Twain. Später an diesem Abend schlafen wir drei im riesigen Bett nebeneinander, aber mit finnischem Abstand zueinander und träumen jeder unsere eigenen Träume. Das halbfinnische Fräulein Altona träumt von einem Typen mit dem perfekten Plan, der nicht ständig Sachen verpeilt. Das viertelfinnische Sandmädchen träumt von einer großen Wasserpfütze, durch die sie durchtappsen kann und in der NICHT urplötzlich ganz viele nasse Fontänen hochzischen und sie erschrecken. Und ich… hm. Fragen Sie lieber nicht.

La vie est belle

Fragen Sie nicht.

Au revoir Nizza. Du bist super, aber du bist echt teuer.
Drei große Koffer und zwei Taschen sind mit ihren Besitzern unterwegs nach Hyères, einem Städtchen irgendwo zwischen Marseilles und Saint Tropez. Vor rund 25 Jahren bin ich diese Strecke in einem riesigen zweitürigen Granada Coupé fern der gebührenpflichtigen Autobahnen direkt an der Küste entlang gefahren, die großen Fenster runtergekurbelt, die Ausstellfenster gekippt und die Lüftung auf volle Pulle, damit der Schweiß auf der Haut wenigstens für ein bisschen Verdunstungskälte im Luftstrom sorgt. Heute fahre ich die Strecke in einem winzigen viertürigen aber voll klimatisierten Citroën, über die gebührenpflichtigen Autobahnen, weil es schneller geht. Und ich sage mir immer wieder, dass der Komfort und die Bequemlichkeit nicht dem Alter, sondern der Anwesenheit eines kleinen Mädchens auf dem Kindersitz geschuldet sind. Um das zu untermalen muss ich wohl hier eines Tages nochmal mit eben jenem Granada auftauchen. Es ist zwar alles nicht mehr so teenage-lustig wie damals, aber nun, ich bin auch keine 21 mehr und – immerhin ist Hyères Neuland für mich. Da war ich noch nie.

La vie est belle

Gullideckel können auch schön sein

Um diese Stadt zu verstehen muss man sich nur einmal ihre Gullideckel ansehen. Der Rest ist ebenso schön. Ich glaube, wenn ich mal in Südfrankreich leben möchte dann wird das in der Nähe von Hyères sein :-) Ein wenig außerhalb des Städtchens, gleich hinter dem Kreisverkehr bei der kleinen Bäckerei links rein steht ein herrschaftliches, altes Haus von Achtzehnhundertirgendwas. Nur sechs Appartements, ein wunderschöner wilder Garten und ein Pool hinter den Pinien. Unsere Bleibe für die kommende Woche. Ein wahres Meer von Singzikaden schnarzt wundervoll ihr Lied in den Bäumen, sie beginnen morgens gegen 8:00 Uhr und werden erst am Abend gegen 21:00 Uhr müde. Der natürliche Lärm ist so permanent präsent, dass er nach einiger Zeit gar nicht mehr auffällt. Herrjeh ist das SCHÖN hier! Der Patron selbst ist schon 90 und kommt in seinem verstaubten SLK um die Ecke gefahren, sein fast genau so alter Hund sitzt auf dem Beifahrersitz, hüpft raus und begrüßt uns fröhlich. Allein über diesen kleinen, weisen Mann müsste ein ganzes Buch geschrieben werden. Auch die Tochter des Chefs (ein ganzes Stück älter als ich), der Gärtner und sein Sohn stehen bereit, um die Anreisenden zu begrüßen. Klasse. Jenseits der gepflasterten Pfade erkennt man noch den ursprünglichen Charakter des Anwesens, vielleicht wurde hier mal Gemüse angebaut. Oder Wein?

La vie est belle

Landwirtschaft für Fortgeschrittene

Der Blick aus den Fenstern geht auf der Rückseite des Gebäudes über eine hohe Bergkette, nach vorn raus in den Garten bis zum Pool. Der Familienbetrieb hat das Grundstück erst vor drei Jahren gekauft, und nachdem das Haupthaus renoviert und der Pool gebaut wurde ist nun Stück für Stück der Garten dran. Alles wird urbar gemacht, und alles geschieht mit der typischen südfranzösischen Langsamkeit. Andere Arbeitsweisen sind bei den Mittagstemperaturen hier auch nicht möglich, und man erzählt uns, dass in den kommenden Tagen diverse Wärmerekorde gebrochen werden sollen. Oha. Na das kann ja heiter werden. Aber nun wird es erst einmal Abend. Der W-LAN Key ist eingegeben, auf dem Balkon unter uns klampft ein Geschäftsmann aus Aachen auf seiner Gitarre und die Jungs machen sich wieder an ihre Arbeit. Sie wollen einen Stein, der so groß ist wie eine Badewanne, mit dem klapperigen Renault aus dem Beet ziehen. Ich glaube, ich stopfe mir nachher noch ein leckeres Pfeifchen und übe mich beobachtend in französischer Gelassenheit. Leicht wird das nicht, denn mein kleines strahlendes Entdecker-Töchterchen ist in einem Alter, wo sie eine unfassbare Energie entwickelt. Besonders in nicht enden wollenden Suchen nach der kompletten Aufmerksamkeit und dem gezielten Einsatz der Wörter „nein“ und „doch„. Egal, alles ist besser als mit einem Renault einen riesigen Stein auszugraben.

La vie est belle

Alle packen mit an, das Auto auch.

Vorsaison.
Lassen Sie dieses Wort auf sich wirken und holen Sie es aus Ihrer Erinnerung, wenn Sie jemals eine Reise nach Frankreich planen. Vor – sai – son. Man bekommt überall Parkplätze, die Strände sind regelrecht vereinsamt und Übernachtungsmöglichkeiten zeigen sich noch einigermaßen bezahlbar. Frankreich hat anders als Deutschland eine zentralistisch orientierte Regierung, auch wenn es „schwer ist, ein Volk zu regieren, das 246 Sorten Käse hat„, wie Charles de Gaulle mal zugab. Ab dem 01. Juli hat der Zentralismus hier Zentralferien. Das bedeutet, alle (in Worten: ALLE) Franzosen bekommen gleichzeitig für zwei Monate Schulferien oder nehmen sich parallel Urlaub. In diesem Moment verdoppeln sich die Preise für Unterkünfte, verdreifachen sich die Preise in den Supermärkten der Touristengebiete und verzigfacht sich die Personendichte, weil alle ans Wasser wollen. Vorsaison ist jetzt, kurz vor der Wende zum Juli. Wir werden uns dessen gewahr, als wir am nächsten Tag auf die Spitze der kleinen Halbinsel südlich von Hyères fahren (das französische Wort dafür ist „presque isle“ – :-) fast Insel). Hier ist ein Hot Spot für Kiter und Surfer. Der kostenlose Parkplatz direkt am Wasser ist völlig leer. In nicht mal einer Woche werden sich hier Autos in der Sonne stapeln, Pizzabuden stehen und ein Kiosk überteuerte Getränke verkaufen. Aber erst in einer Woche.

La vie est belle

Wo kann man hier denn parken?

Von hier aus fährt ein Schiffchen rüber auf die Insel Porquerolles, angeblich gibt es dort Sandstrand. Gut auf den Tag vorbereitet sind wir jedenfalls. Ich hätte nie gedacht dass mich Wärme mal so packen würde. Es ist schon am frühen Morgen echt heiß, und in der Nacht kühlt es nicht sonderlich ab. Aber wenn ich die Klimaanlage laufen lasse frieren meine Füße, die gucken immer unter der Decke raus. Ein Dilemma. Die knusprigen, frischen Baguettes und die Pains Chocolats von dem kleinen Bäcker, die ich heute Morgen schon mit dem C3 geholt habe machen glücklich und lassen die Temperaturwallungen in den Hintergrund treten. Warum bekommen es eigentlich nur die Franzosen hin, so wahnsinnig gute komplett nährstofflose Weizenbrote zu backen, dass man gar nix anderes dazu essen möchte? Warum ist dieser pappige, zwischen den Zähnen knirschende Meterbrot-Mist in deutschen Backshops und ähnlichen Billig-Katastrophen so schlecht? Die Zutaten können doch nicht so wahnsinnig variieren, Weizenmehl, Wasser, Salz, fertig. Ich glaube in meinem nächsten Leben mache ich eine echt französische Bäckerei in Hamburg auf. Das könnte eine Goldgrube sein.
Goldgruben sind auch die kleinen Restaurants auf Porquerolles. Die Buchung eines Appartements hat zwar den gewissen Preisvorteil gegenüber einem Hotel, das Problem ist nur, dass ja trotzdem Nahrungsaufnahme stattfinden muss. Und wenn man zu faul zum Kochen ist hat man wieder das Nizza-Strandsnack-Problem. Aber ich glaube, ich finde mich einfach mal damit ab, dass ich hier mehr Geld für Essen und Trinken ausgebe als geplant. Und dann geht das schon irgendwie.

La vie est belle

Das Leben ist schön

Mama und Papa sind mit uns früher im Sommer oft nach Cuxhaven gefahren. In die Ferienwohnung Mendikowski. Oder so. Das Wasser war salzig, der Sand war weich und warm und der kleine Jensi hat sich zwei Wochen lang glücklich bis zum Erdmittelpunkt gebuddelt. Fahrtzeit von Uelzen: Zwei Stunden. Am etwas steinigen Strand von Porquerolles sitzend stelle ich die leicht ketzerische Frage, ob wir drei dort nicht für ein Fünftel der hier insgesamt anfallenden Kosten einen ähnlichen Urlaubseffekt gehabt hätten?
Nein, hätten wir nicht.
Cuxhavens Kleingarten-Charme zieht heute vor allem Rentner und Menschen an, die denken, sie hätten dort einen ähnlichen Urlaubseffekt wie an der fünfmal so teuren Côte d’Azur. Dort singen aber keine Zikaden. Dort sprechen die Menschen nicht Französisch. Dort duftet es nicht nach all diesen südlichen Düften, nach Pinien und nach Oleander. Dort gibt es nicht diese sagenhafte Vielfalt beim Einkaufen in den Supermärkten, diese göttlichen Baguettes und all diese gut aussehenden, entspannten Menschen. In Cuxhaven gibt es Labskaus und dialektreichen Zickenalarm von Hermann und Ilse aus Gelsenkirchen in der Strandburg nebenan. Ich bin froh und stolz, dass der Horizont meiner drei Töchter schon früh mindestens auf Europa erweitert wird. Deutschland hat wunderschöne Ecken überall, aber die Welt da draußen ist so groß und so schön und so anders! Und ich hör jetzt echt mal auf, über Geld zu jammern.

La vie est belle

Fast ein kleines Paradies

Eincremen. Die beiden Frauen mit 50, ich mit 19. Ich weigere mich, Sonnenmilch mit dem Lichtschutzfaktor eines Castorbehälters zu benutzen. Wenn ich im Alter Hautkrebs bekomme werde ich das bereuen, vielleicht bereue ich das schon in rund vier Tagen zum ersten Mal, aber das ist eine andere Geschichte. Junge Pärchenurlauber verbuchen als Highlights des Tages sowas wie „wir haben Sting in einem Open Air direkt am Wasser gesehen und waren danach romantisch essen„. Unsere Tageshighlights sind: „unsere Tochter ist zum ersten Mal alleine mutig ins Wasser gegangen und schläft zufrieden in ihrem eigenen Bett„. Und wissen Sie was? Ich bin überglücklich, dass es genau so ist wie es ist. Ich möchte es gar nicht anders haben. Die Tage sind lang, sie sind anstrengend aber sie erfüllen mich mit einer grenzenlosen Liebe. Ich bin in Südfrankreich. Wenn jetzt noch meine beiden großen Töchter mit hier wären würde ich vor Freude auf die Knie gehen. Das lasse ich jetzt, aber unter meinen Füßen im Wasser ist endlich dieser weiche Sand, den es auch in Cuxhaven gibt. Ha.

La vie est belle

Strandmanns Welt

Angekommen im Sommerurlaub. Zwei Wochen ohne berufliches Facebook und ohne noch ungeschriebene Artikel über große alte Autos. Ich gebe zu, dass diese Jobs nicht zu den schlechtesten gehören, aber es entspannt trotzdem sehr, einfach mal so lange zu schlafen, bis ich von alleine aufwache. Oder von den Zikaden. Oder vom Töchterchen, die feststellt, dass es schon hell ist. Alles ist besser als ein klingelnder Wecker, der einen in den Alltag drängt. Keine Termine, keine To Do Liste, einfach nur da sein und mit meinen beiden Frauen entspannen, chillen, rumalbern und schöne Sachen machen und sehen. Savoir vivre. Da ist es auch gar nicht schlimm, dass in Cuxhaven parallel gerade ähnliche Temperaturen sind wie in Südfrankreich. Aber da gibt es keine Singzikaden. Wenn Sie die noch niemals gehört haben, dann wissen Sie nicht, wie der Süden klingt. Ich lese gerade, dass es vor allem die Männchen zu sein scheinen, die diesen Lärm veranstalten. Der griechische Dichter Xenarchos sagte vor 2400 Jahren: „Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber:-) Gniiihihi. Und glauben Sie mir – in Cuxhaven wäre ihm so ein Satz nicht gekommen. Ein paar Tage haben wir hier noch, mal sehen was da noch so geht…

Sandmann

Read more

Created Mittwoch, 15. Juli 2015 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
06 Jul 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Die alte Frau und das Meer

Am Rand der Küste

Am Rand der Küste

Vielleicht ist die alte Frau gar nicht einsam.
Na ja, sie schlurft so seltsam um einen freien Tisch rum, als ich mich umdrehe und mit kalter Cola und einem Panini vom Kiosk zu unserem schattigen Plätzchen zurück gehe. Ein paar Plastikstühle unter Platanen und Palmen, der wahrscheinlich einzige grüne Rasen an der gesamten Côte d’Azur, ein bisschen Schatten für das kleine viertelfinnische Sandmädchen und ein wundervoller Blick über das Wasser. Die furchtbaren Hotelburgen kann die Frau von hier aus nicht sehen. Die waren früher auch noch nicht da. Auch nicht die Russen und Engländer. Irgendwie unbeholfen setzt sie sich auf einen der wackeligen Stühle und guckt verwirrt in die Ferne, fast schon pathetisch, aber für echten Pathos ist ihr Blick zu leer.

Während ich den herrlich ungesunden teuren Kram vor meinen beiden Damen ausbreite und wir uns auf salziges Essen und süßes Trinken stürzen knackt sie sich ein einziges Kronenbourg. Sie gießt das Bier schäumend in das Glas und guckt weiter auf das Mittelmeer, als wäre genau hier der Platz, an dem sie vor langer Zeit etwas sehr wertvolles verloren hätte.

Die alte Frau und das Meer

Nicht mehr ihr Mittelmeer

Buntes, pauschaltouristisches Treiben am frühen Nachmittag an einem der heißesten Tage des Jahres. Die alte Frau fällt in ihrem Kleid und mit den schön lackierten Fußnägeln in den Sandalen zwischen all den Menschen hier gar nicht auf. Sie nippt zwei, dreimal an dem Bier aus dem Kiosk hinter uns und packt ein selbst mitgebrachtes Sandwich aus. Weißer Toast und roher Schinken. Sie lacht kurz und laut über etwas, was nur sie ganz allein hört und guckt zu der neuen Generation junger Franzosen rüber. Teenager mit Arschgeweihen, die laut und respektlos sind und überall einen riesen Saustall hinterlassen. Nein, es ist nicht mehr die Belle Époque, nicht mehr die wilden, stilvollen 20er, keine Sommerfrische und auch keine swinging Sixties. Wann auch immer sie gelebt haben mag, diese Zeit ist vorbei. Trotzdem sitzt sie heute hier, mit einem selbst gekauften Bier. Und sie blickt immerhin auf die mondäne Côte d’Azur, so als wäre alles noch immer wie damals, als sie mitten im Leben stand.

Die alte Frau und das Meer

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Die alte Frau holt ein antikes Handy aus ihrer Tasche und wählt umständlich über mehrere Minuten eine kurze Telefonnummer. Die lauten Rüpel sind feiernd weitergezogen, die meisten anderen Menschen fliehen vor der Wärme mit ihren klimatisierten Autos in ihre klimatisierten Hotelzimmer. Meine beiden Frauen und ich ziehen ebenfalls von dannen (wir haben noch lustige Sachen heute vor, ich will noch Fotos machen und wir und wollen am Abend schön Essen gehen). Mit dem Telefon am Ohr spricht sie viel zu laut in einem fast unverständlichen französischen Dialekt. Ihr Sandwich ist aufgegessen. Das Bier ist ausgetrunken. Ihr Ticket, hier sitzen zu dürfen läuft langsam ab.
Vielleicht ist die alte Frau gar nicht einsam.
Vielleicht ist auf der anderen Seite des Telefonats aber auch nur die automatische Zeitansage.

Sandmann

Read more

Created Montag, 06. Juli 2015 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
19 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Leb‘ wohl, B404

Leb‘ wohl, B404

Zwischen Tag und Traum

Es gibt spannendere Themen als eine Bundesstraße in Schleswig-Holstein, aber ich muss das jetzt mal loswerden. Solange es da noch was loszuwerden gibt. Von Kiel in Richtung Süden bis Schwarzenbek schlängelt sich die Bundesstraße 404. Grobe Richtung: Uelzen. Ganz grob. Sie trug in den frühen 80ern meine Mama aus der Lüneburger Heide hoch nach Plön zu dem Mann, der später eine Vaterrolle für mich übernahm. Sie trug mich auf dem Fahrrad in den späten 80ern immer wieder zurück zu dem Ort, den wir wegen des Mannes aus Plön verlassen haben. Und sie war immer eine verlässliche Überland-Alternative zu der chronisch verstopften A7. Seit ein paar Jahren fräsen sich die Bagger durch diese Bundesstraße und machen aus ihr die Autobahn 21. Und sie hauen alles um, was im Weg steht. Auch meine geliebte Nordoel-Tanke, sie stehen schon direkt vor ihrer Tür.

Eine klassische Tankstelle mit Werkstatt und Waschhalle.

Leb‘ wohl, B404

Bald ein historisches Bild.

Sie ist nur die erste Station der Erinnerungen, so etwas wie das Tor vom Norden auf den Weg in Richtung Elbe. Die hochen Bäume sind schon alle gefällt. Schon seit letztem Jahr. Die alte Tankstelle ist noch in Betrieb und trotzt wie ein störrischer Eremit dem Ausbau der alten kleinen B404. Der Sprit war hier, ein paar Kilometer aus Kiel raus, immer angenehm preiswert. Es gab sogar LPG für den Audi V8. In dem kleinen Shop wurde man nicht zugeballert mit Sonderangeboten für Vodka und Whiskey oder musste sich an aufgestapelten Warsteinerkisten vorbeiquetschen. Es gab ein paar Zeitungen, was zu naschen, Cola und Fanta, ein wenig nützlichen Kram fürs Auto und Bockwurst. Sind wir mal ehrlich – mehr braucht eine Tanke eigentlich auch nicht zu verkaufen. Diese blinkenden Supermärkte, die manchmal auch Benzin verkaufen und wo einen der Student am Schalter fragend anguckt wenn man eine 21 Watt Lampe für hinten oder Sicherungen kaufen möchte nerven mich. Hier in der Nähe von Nettelsee bekommt man in erster Linie Treibstoff. Noch. Bald wohl nicht mehr, denke ich mal, denn das Autobahnfundament geht schon direkt bis an den Zaun.

Leb‘ wohl, B404

Bis hierher und nicht weiter. Heute.

Guckt man sich an, was die Schaufelbagger im ostdeutschen Tagebau alles so vom Planeten getilgt haben und vor allem was sie für Löcher hinterlassen – dann ist so ein mehrspuriger Ausbau einer Bundesstraße vergleichsweise belanglos. Das passiert jeden Tag in jedem Bundesland. Trotzdem bin ich heute ein bisschen trübselig. Der „Kieler Schnellweg“ war eine zeitintensive, aber landschaftlich schöne Route zwischen Kiel und Lauenburg an der Elbe, ich bin diese Strecke immer gefahren wenn ich es nicht eilig hatte. Anfangs noch als Beifahrer in Mamas rotem Jetta, den sie sich neu gekauft und für den sie Opas guten alten rostfreien Käfer in Zahlung gegeben hatte. Darüber könnte ich mich heute, 30 Jahre später, immer noch aufregen. Aber damals war es einfach nur ein altes Auto :-( Und der Jetta war neu, cooler als ein Golf und echt schnell. Bumms war die Kelle draußen, ich fand mich als 10jähriger in meiner ersten Polizeikontrolle wieder und erinnere mich noch sehr gut an die allerersten Blicke auf das Haus, was später mein neues Zuhause werden sollte.

Leb‘ wohl, B404

Baustopp am Rand der Tanke.

Den Fahrradweg, den ich (vor meinen eigenen automobilen Eskapaden) als Teenager entlang des Nord-Süd-Highways für meine Touren in Richtung „zwei-Wochen-unbeschwerten-Sommerzeltens“ bei Silke in Uelzengenutzt hatte gibt es schon lange nicht mehr. Als zur Jahrtausendwende große Autobahnteilstücke freigegeben wurden hat man den planiert. Okay, ich bin nun auch schon länger nicht mehr die 180 Kilometer in meine alte Heimatstadt geradelt, aber wo würde ich denn eigentlich langfahren, wenn ich das mal wieder machen will? Das muss ich mir doch glatt mal raussuchen. Auf so einer Autobahn fährt sich das vermutlich gar nicht schlecht mit meinem Mountainbike, aber es gibt eine gewisse Art von Öffentlichkeit, die ich nicht unbedingt haben muss Leb‘ wohl, B404 Hm. Hat denn jemand, der von Kiel nach Uelzen mit dem Fahrrad fahren möchte heute keine Lobby mehr?
Schon krass. Ich sitze in meinem Daimler und gucke über einen kleinen Zaun auf den neuesten Streckenabschnitt, der bis an dieses Grundstück geht. Jedes mal wenn ich hier entlangfahre ist ein Stückchen mehr von der A21 fertig. Und nun sind sie am Grundstück angekommen. Wie geht es weiter?

Leb‘ wohl, B404

Und wann geht es hier nun weiter?

In den letzten drei Jahren hatte die Streckenführung ab hier in Richtung Süden einen gewissen Unterhaltungswert. Alte Brücken weg, neue Brücken hin, Sandberge hier, Baumfällarbeiten da – und die schmale, schnell mal hinasphaltierte Behelfsstraße schlängelte sich jede Woche in anderer Art durch die Baustelle. Mein kleines viertelfinnisches Sandmädchen hätte an den Baggaaaaasihre wahre Freude gehabt. Inzwischen toppt der über eine Dekade geplante dreispurige Ausbau der A7 dieses Baumaschinenszenario um Längen, auch wenn es dort immer nur geradeaus geht. Hier kurz hinter Kiel eigentlich nie. Es war keine gute Idee, sich an eine aktuelle Straßenvariante zwischen den rot-weiß gestreiften Baken zu gewöhnen, denn eine Woche später fuhr man schon wieder woanders lang. Und dann, wenn ich durch war, war die Bahn offen, es ging bis Bargteheide flott voran und das alte Navi wurde fröhlich verarscht und überfordert, denn es dachte wegen der fehlenden Kartenupdates immer noch, ich würde viel zu schnell auf und neben der B404 fahren. Lisa. Na wenn du wüsstest. Deine Nachfolgerin weiß es schon.

Leb‘ wohl, B404

Lost Place Showroom

Wie trist.
Die hellen, großen Verkaufsflächen gehörten mal einem Anbieter für Rasentrecker und ähnliche motorisierte Kleinmähmaschinen, der vermutlich rechtzeitig was neues gesucht hat und nun umgezogen ist. Irgendwie zum Tonberg, das steht jedenfalls auf einem komplett zerrissenen Segeltuch. Die gepflasterte Parkplatzfläche vor den erstaunlich sauberen Scheiben wächst langsam zu, hier fährt niemand mehr hin und hier hält niemand mehr an, warum auch? Wann werden die Hallen wohl abgerissen und räumen das Feld für den nächsten Autobahnkilometer? Nächste Woche? Nächsten Monat? Und wie lange wird die Tanke noch da sein? Spannend. Ich könnte ja eigentlich mal reingehen und fragen, aber mein Tank ist noch fast voll und – letztendlich werde ich es ja miterleben.

Leb‘ wohl, B404

Keine Rasenmäher mehr.

Die leeren Räume erzählen von lange vergangenen Zeiten, als man noch entlang einer Bundesstraße mit Rasenmähern ne Mark verdienen konnte. Ich bin hier niemals drin gewesen, ich hatte nie Bedarf an einem Aufsitzmäher. Und ich bin schwer verwundert, dass die Scheiben noch nicht eingeworfen sind, diese großen Glasflächen an einem abgelegenen Ort ohne Laternen schreien ihre Einladung an die Zerstörungswut regelrecht in die Welt. Das kommt bestimmt bald. Genau so wie die Pest der Sprayer, die ihre Teks auf jede unschuldige weiße Wand genervter fremder Menschen klatschen müssen um was-weiß-ich damit zu kompensieren kommen irgendwann die Scheibeneinschmeißer. Oder sind die inzwischen ausgestorben, weil es dafür keine App gibt und man sein komfortables Zimmer verlassen müsste? Ich weiß es nicht. Auch das werde ich miterleben, ich komme hier ja ein bis zwei mal in der Woche dran vorbei. Noch ist alles heile. Mal sehen.

Leb‘ wohl, B404

Na gut. Das wars dann wohl.

Es ist ja auch irgendwie fein, in Zukunft schneller von Kiel über Bargteheide auf die A1 und in den Osten Hamburgs zu kommen. Da habe ich kein Problem mit, da ist der Verlag und ich begrüße jede erdenkliche Alternative zu dieser wahnsinnig machenden A7. Aber es verschwindet mit der B404 auch ein kleines Stückchen Langsamkeit. Vor ein paar Jahren noch war es über eine Strecke von 50 Kilometern faktisch unmöglich, einen Lastwagen zu überholen, also haben die meisten es einfach gelassen und sich ihrem Schicksal geduldig ergeben. Andere, die es trotzdem wissen wollten, weil sie einfach alles vor sich überholen müssen gab es auch immer wieder. Ein paar Kreuze am Straßenrand erzählen von ihnen und leider noch von ein paar anderen Menschen, die ihnen unschuldig entgegen kamen. Ich bin hier deshalb immer langsam gefahren, habe Abstand gehalten und ein paar Wahnsinnige geduldig vor- und vor mir reingelassen. Hinter der A1 nach Hamburg holpert die Bundesstraße heute noch immer wie vor 30 Jahren weiter bis zur A24 nach Berlin, und dann verschwindet sie irgendwann im schönen Sachsenwald. Hier gibt es sogar noch Fahrradwege :-)

Leb‘ wohl, B404

Kaum ein Horizont zu sehen

Genug Fotos gemacht. Es sieht auch so aus, als fängt es gleich an zu regnen. Ich stecke mir noch einen Zigarillo in den Mundwinkel und paffe ein paar Vanillewolken in den Abendhimmel. Schon komisch, wie viele Erinnerungen an einem Stückchen Straße hängen können. Straßen sind etwas ganz besonderes. Sie bringen uns an andere Orte und sie verbinden Menschen, privat und beruflich. Entlang den Straßen finden wir alles, was wir für eine Reise brauchen. Und wir können uns außerdem über die Menschen amüsieren, die ihre seelenlosen vollfinanzierten Neubauhäuser direkt an diese Adern des Individualverkehrs pflanzen, weil die Grundstücke hier ein bisschen billiger waren als drüben am Waldrand. Das wiederum ist aber nicht so schlimm, denn diese Menschen trennen sich meistens sowieso wieder, weil sie den Kredit so knapp finanziert haben, dass sie das ganze Jahr nur für ihr Neubauhaus schuften und sich schon bald nichts mehr zu sagen haben, der Verkehr ist eh zu laut. Ich schweife ab. Sie sehen, ich habe eine klare Meinung zu knapp finanzierten Neubauhäusern entlang der Bundesstraßen. Rund um mich rum gehen gerade erschreckend viele Familien aus diesem Grund den Bach runter, aber es kann ja jeder wie er will. Hier an der B404 wird nicht gebaut. Hier wird bald abgerissen.

Leb‘ wohl, B404

Bis bald in diesem Streckenabschnitt

Wenn der Highway fertig ist versuche ich mal, genau hier ein neues Foto zu machen – dann auf der Straße fahrend. Vielleicht erkennt man die Bäume links ja wieder :-) Die Baggerarbeiten laufen, die Brücke am Horizont steht schon, lange kann es eigentlich nicht mehr dauern. Aber jetzt fahre ich erst mal weiter in Richtung Hamburg, mal schauen wie die Streckenführung hinten bei der Brücke heute verläuft Leb‘ wohl, B404 Ich nehme ein paar Erinnerungen mit, Radtouren mit dem Zelt, dem Kasettenrecorder und der Gitarre hinten drauf, Sinnsprüche mit einem Edding auf Brückengeländern. Freundschaften mit Binz und mit Lutz, meinen beiden Begleitern in jenen Jahren im Sommer auf dem Rad. Dann mal her mit der Autobahn, es wird wohl Sinn machen. Wenn ich heute durch das völlig verstopfte Hamburg fahre frage ich mich sowieso, wie viele Autos wir noch vertragen können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sandmann

Read more

Created Freitag, 19. Juni 2015 Tags A21 | Alltag im W210 | ausbau | autobahn | B 404 | B404 | Baustelle | Bundesstraße 404 | hamburg | Kiel | Nordoel | Tankstelle Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
15 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Seid ihr Finanzierer?

Seid ihr Finanzierer?

Haben wollen. Nicht bezahlen können.

Autos.
Ich kaufe meine Autos normalerweise für eine Handvoll Euro bar. Was heißt normalerweise, ich habe ALLE meine Autos bisher bar bezahlt, der mit Abstand teuerste war damals anno 2001 der Audi V8. Das Geld für den hatte ich aber locker, weil ich vorher meinen Cadillac Eldorado für knapp den doppelten Kaufpreis an den Mann brachte. Ich Fuchs. Zeiten ändern sich, die D-Mark ist nicht mehr da und der Anspruch an ein Auto wird mit zunehmendem Alter größer. Bei einigen von uns jedenfalls. Ich für meinen Teil fahre weiter mit einem 38 Jahre alten Audi 100 durch die Gegend, aber der weibliche Teil wünscht sich mehr Zuverlässigkeit und ein bisschen Komfort im Alltag. Und weniger abfallende Teile auf Autobahnen. Stimmt ja auch. Und da grübel ich mal nach über das, was da angeblich so geht.

Ich bin nicht so der Kredit-Aufnehmer.
Wenn wir als kleine Familie nun aber über einen S212, also das letzte T-Modell der E-Klasse mit vier Augen vorn, nachdenken – wird das ein bisschen dünn mit den Barreserven. Ich hab im Netz viele zu viele verlockende Angebote gefunden. Ich hab im Netz aber auch eine Grafik gefunden, die alle Risiken und auch alle Vorteile bei der Autofinanzierung aufgreift. Das meiste davon wusste ich schon, einiges war mir neu. Zum Beispiel, dass ich im EU-Ausland bis zu 40% sparen kann, was ist denn da falsch gelaufen? :-) Haben Sie da schon mal Erfahrungen gemacht?

 Seid ihr Finanzierer?

Hm.
Es gibt also genau wie Mietwohnungs-Nebenkosten-Vergleicher und Handytarif-Vergleicher auch Kredit-Vergleicher wie SMAVA, von denen die Grafik ist. Das ist ja eigentlich nicht so verkehrt, ich habe weder BWL studiert noch bin ich auf dem Finanzmarkt firm. Aber ist das, wenn ich meine Möglichkeiten kenne, vielleicht so wie ein versoffener Abend vor mobile.de, wo man entweder in Depressionen versinkt, weil es so viele wundervolle und gar nicht so teure Autos zu kaufen gibt oder am nächsten Morgen verkatert aufwacht und am viel zu früh klingelnden Telefon jemand fragt, wann man denn heute den Jaguar abholen käme? Seid ihr Finanzierer? Oder ist das einfach gut, weil ich es nutzen kann, wenn ich es brauche? Und sonst eben nicht? Viele Fragen. Ich geh mal ein bisschen Bargeld holen. Mit der Mofa.

Bares ist Wahres

Bares ist Wahres

Mich interessiert an dieser Stelle Ihre und eure Meinung.
Im Jahr 2015 kann sich fast jeder einen nagelneuen Mercedes leasen oder finanzieren. Der Charakter als „Statussymbol“ hat sich gewandelt. Ich weiß, dass die meisten von euch genau wie ich ihre Autos bar bezahlen und selbst am Laufen halten. Aber die Zeiten, wo nur Bares wirklich Wahres war sind vorbei. Was ist also mit den anderen? Finanziert ihr? Hausbank? Bank des Händlers? Online? Macht das Sinn? Ich stopfe derweil noch ein paar Euro in den Strumpf unter meinem Bett, denn irgendwann wird sie kommen, die neuere E-Klasse. Nicht neu, aber neuer. Und rostfrei :-) Damit mein halbfinnisches Fräulein Altona keinen Auspuff mehr verlieren muss…
Erzählt es mir…

Sandmann

Read more

Created Montag, 15. Juni 2015 Tags Autokredit | Barzahlung | finanzierung | Fremde Federungen | Kredit Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
12 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Verdammte letzte Tage

Verdammte letzte Tage

Am Ende einer Reise

Gerade noch fährt man voller Endorphine und mit guter Musik im Ohr für eine Woche in ein Häuschen am Meer. Der Hinweg. Sieben Tage Alleinsein, einen Haufen Arbeit, viele Wörter aber auch gute Zeiten mit einer Kaffeemaschine und chilligen Abenden. Wenn Sie auf dem Hinweg sind, denken Sie am ersten Abend, die vor Ihnen liegende Zeit entspricht einer kleinen süßen Ewigkeit. Und nur ein Augenzwinkern später stehen Sie in einem aufgeräumten Wohnzimmer, die meisten Sachen sind schon tief im Kofferraum des Audis verpackt und es ist der letzte Abend :-( Ich hasse letzte Abende. Sie machen mich melancholisch und traurig. In dem noch nicht abgebauten Computer singt Herr Mumford irgendwas von einem Wilder Mind, und in dem noch nicht ganz dunklen Himmel geht die Sonne unter und taucht die Küste in ein tiefes Rot. Ich will zum Strand. Ich möchte mich verabschieden.

Die Hütte ist vorbereitet und sauber. Fast verlassen.

Verdammte letzte Tage

Sieht nach Mehr Platz aus als es ist.

So ein Sandmann ganz alleine ohne menschliche Peripherie macht nicht viel Dreck. Man sagt mir nach, ich sei stubenrein, und wenn niemand guckt bin ich regelrecht minimalistisch. Es ist mir an sieben Abenden gelungen, weitestgehend vom selben Geschirr zu essen, aus dem gleichen Glas zu trinken und die Krümel nur um den Tisch herum zu verteilen. Ohne Spülmaschine wird man sparsam :-) Ein bisschen Staub vom Kaminholz hier, ein kleiner Rotweinfleck auf dem Tisch da, nichts, was sich nicht restlos beseitigen ließe. Dank einer komplett vitaminfreien Ernährung ist es mir auch gelungen, alle noch vorhandenen lebensmittelähnlichen Reste aus dem Kühlschrank zu einem relativ homogenen Abendessen zu kombinieren, was danach noch nicht gegessen ist nehme ich morgen mit nach Kiel. Eine Flasche Henkell Trocken steht für später bereit, ich glaube perliger kalter Sekt hilft besser gegen aufkommende Melancholie als Rotwein. Aber jetzt erstmal raus, mit dem Auto an den langen, fast endlosen Strand, wo die Sonne nach erfüllten und sehr produktiven Tagen endgültig im Meer versinken wird. Zumindest für heute.

Verdammte letzte Tage

Harmonie mit gelbem Licht

Da stehen Bunker in den Dünen, die nicht nur eine ähnlich schlimme alte Geschichte erzählen wie die einbetonierte MG-Lafette auf dem Blåbjerg, sondern auch einen prima Sockel für viele viele neue Fotos liefern. Ich hab zwar mein Stativ (wie immer) dabei, aber ich benutze es (wie immer) nicht. Lieber suche ich mir Steine, Mülleimer oder Baumwurzeln, so eine Kamera kann man ja fast überall draufstellen, und nur sehr selten fällt sie runter und noch viel seltener geht sie dabei kaputt. Bis jetzt erst ein mal. Oder… ich klettere eben auf einen Bunker. Damit Sie sich nicht zu Tode langweilen habe ich mich hier auf ein paar wenige stimmungsvolle Bilder des Dottore mit laufendem Motor und ziemlich gelbem Licht beschränkt. Der 38 Jahre alte Audi 100 LS ist ziemlich oft Mittelpunkt meiner Fotos geworden, okay, das ist hier auch grundsätzlich ein Autoblog, da darf er sich in den Vordergrund spielen. Ich selbst mach das ja auch schon oft genug. Und heute Abend ist die Kaffeemaschine mal nicht mit draußen, die kennt den Strand ja schon, also sind es nur wir zu fünft. Der alte Audi 100, die Sonne, das Wasser, der Strand und ich.

Verdammte letzte Tage

Perspektivwechsel vom Bunker

Nach und nach verschwinden die Protagonisten. Hier oben auf dem klotzigen Bunker, der hinter dem Parkplatz in Henne Strand rumliegt kommt die Sonne noch einmal ein bisschen weiter raus. Selbst der dunkelste Abend lässt sich aufhellen, wenn man die Perspektive verändert. Aber auch nur temporär. Ich denke in diesen Momenten immer wieder an meine beiden großen Töchter, denen ich all die Jahre am Ende eines Urlaubs, wenn sie traurig wurden, immer wieder gesagt habe dass jedes Ende eines Urlaubs der Anfang der Freude auf den nächsten Urlaub ist. Sie haben das so verinnerlicht, dass sie inzwischen MIR mit den gleichen Worten die Traurigkeit nehmen :-) Doof: die sind nicht hier. Niemand ist hier. Aber hier ist auch nicht das Ende eines Urlaubs, es ist das Ende einer Arbeitswoche. Ich kann mir das noch so oft wie ich will einreden, das macht es nicht besser. Audi: verschwindet jetzt. Ich fahre an den Rand des Parkplatzes und gehe die letzten Meter zu Fuß. Der Sand knirscht weich unter meinen nackten Füßen, er ist warm und weich und ich stapfe zu den beiden Holzbänken, wo ich an diesen Tagen so oft gesessen habe.

Verdammte letzte Tage

Pathos mit geradem Horizont

Die Nordsee ist sehr ruhig. Die sinkende Sonne bemalt die kleinen Schaumkronen chromig mit einem Hauch Orange, der Abendhimmel ist wolkenlos und niemand sonst ist hier, um sich dieses unfassbar schöne Schauspiel anzusehen. Die sitzen alle schon da drinnen vor ihren Flachbild-Fernsehern und glotzen den gleichen Scheiß, den sie auch im Alltag in Deutschland jeden Abend glotzen. Schon vier mal gesehene Blockbuster, permanent unterbrochen von blödmachenden Netto-Lebenszeit-Werbeblöcken über dick machende Müslis, schlank machenden Ekelbrei und wohlschmeckendes Abführmittel. Sie fläzen auf ihren Sofas im Mief ihrer unsexy Jogginghosen, während doch die Natur hier draußen ihren ganz eigenen Film zeigt, ohne harte Schnitte, ohne Werbung und immer wieder neu – und doch so vertraut. Sehen Sie, diesen Vorteil hat die Nordsee gegenüber der Ostsee definitiv: Die Sonne geht über dem Meer unter. Man muss nicht als verliebter Teenager in einer lauen Sommernacht am Strand von Sylt fassungslos auf das Meeresleuchten gestarrt haben, um eine niemals enden wollende Zuneigung zu solchen Szenen an der Westküste zu entwickeln. Aber es fördert das ungemein.

Verdammte letzte Tage

Bring es auf die Bank

Auf der Bank am Strand von Henne bekommt man keine günstigen Kredite. Da kann man nur so vor sich hin sitzen und zusehen, wie der Tag langsam zur Nacht wird. Und man kann eine steigende Anzahl von kleinen Schildchen entdecken, warum auch immer hier ein paar Päärchen ihre Namen auf das Holz geschraubt haben. Haben die sich hier verlobt? Oder einfach nur verewigt? Ich frage mich, welchen Kredit das Leben diesen Liebenden, diesen Beziehungen gewährt. Günstig ist die Zeit, welche wir uns nur geliehen haben nie. Und die Zinsen sind hoch. Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat haben die Brillen ihre rosa Farbe verloren und man verinnerlicht, dass Liebe viel Arbeit ist. Dass ein Zusammenleben niemals zum Murmeltiertag werden darf und dass nichts, aber auch gar nichts sicher ist. Dass man sich jeden Tag neu entdecken und neu angucken muss und sollte. Das ist eine fast unlösbare Aufgabe, an der inzwischen die Hälfte der Menschen offiziell scheitert. Wenn die Augen offen sind und man respektvoll mit dem anderen umgeht, mit seinen Wünschen, seinen Sorgen und auch seinen Ängsten – dann kann etwas wundervolles daraus wachsen. Jeden Tag wieder. Ach Ulla & Wolfgang, Jule und Dennis, Jacqueline + Norman, Sabine og Axel und ihr zwei ganz unten, die schon beim Gravieren der Platte Geld sparen wollten – ich wünsche euch im Angesicht des Sonnenuntergangs alles Gute. Möget ihr mit eurem Zeitkredit etwas schönes erleben und nicht eines Tages zu dieser Bank hier zurückkehren, um etwas zu suchen, was es nicht mehr gibt.

Verdammte letzte Tage

Der ewige Kreislauf

Zu Hause in Kiel und Hamburg erwartet mich eine Welt, die inzwischen so ist, wie ich sie mir selbst mit offenen Augen gebaut habe. Nicht alleine, sondern mit der Hilfe von vielen lieben Menschen um mich herum. Eine Welt, in die ich gern zurück kehre, zumal sie nicht so einsam ist wie eine Woche in Henne Strand. Und genau deshalb machen mich die letzten Abende immer so fertig. Die Zeit ist vorbei, aber trotzdem ist man noch da. Ausschlafen ist nicht, weil der Schlüssel um 10:00 Uhr bei der Ferienhausvermittlung sein muss. Frühstücken ist morgen auch nicht, das krümelt ja wieder alles voll. Und außerdem packt mich diese größer werdende Traurigkeit, die ihren Gipfel morgen Vormittag im Abschließen der Haustür finden wird. Ich habe zu viele Dinge in meinem Leben loslassen müssen. Als Kind, wo ich es nicht selbst in der Hand hatte. Als junger Mann, als ich es selbst in der Hand hatte und es verkackt hab. Und als reifer Erwachsener, als ich es mal wieder nicht selbst in der Hand hatte. Nicht alles war immer weg, aber wenn die großen Säulen der Sicherheit wackeln wird das Fundament bröckelig. Ich habe gelernt, mich dort zu Hause zu fühlen, wo es schön ist und wo Menschen sind, die ich liebe. Nachdem man mir zwei mal mein Zuhause genommen hat, ohne mich nach meiner Meinung zu fragen ist das für mich ein guter Weg, der die Seele beschützt und mich innerlich ankommen lässt. Aber im Gegenzug geht es mir immer schlecht, wenn ich einen schönen Platz verlassen muss. Verdammt. Wie man’s macht…

Verdammte letzte Tage

Blicke ich nun zurück oder nach vorn?

Nicht mal Seevögel sind heute Abend hier, während ich meinen tristen Gedanken freien Lauf lasse. Nein, ich bin kein depressiver Mensch, ich kann einfach nur nicht gut loslassen. Ich weiß, dass morgen ein neuer schöner Tag beginnt, ich freue mich auf meine großen und kleinen Frauen und sogar auf die vor mir liegende Woche, in der ich wieder über alte Autos schreiben kann. Aber manchmal brauche ich die Traurigkeit, um an anderer Stelle wieder lachen zu können. Das Meer platscht und rauscht an den Strand, die Luft riecht salzig und leicht nach verbranntem Holz. Der Wind streicht ganz leise durch die Gräser auf den Dünen, und man kann dieser roten Sonne jetzt förmlich zugucken, wie sie immer kleiner wird. Selbst wenn ich wollte, ich könnte das jetzt nicht mehr verhindern, auch nicht wenn ich nochmal auf den Bunker kletter. Sie geht unter und macht der Nacht platz. Ich fahre gleich zurück ins Häuschen, zünde noch ein paar Kerzen an und höre ein bisschen neue, gute Musik. Danke Internet, danke iTunes. Jackson Browne hat in einem Lied einmal gesungen, dass die Roadies nach seinen Konzerten einen guten Job machen, aber dass sie bitte erst alles andere einpacken sollen, bevor sie sein Klavier holen. So ist das heute Abend mit meinem Rechner, dem Desktop, auf dem die Musik drauf ist. Der bleibt bis zum Ende morgen früh stehen und spielt wie die Band, als die Titanic schon am Sinken war.

Verdammte letzte Tage

Bis nächstes mal, Nordsee

Klingt alles sehr pathetisch, metaphorisch und fatalistisch, oder? :-) Aber nein, so schlimm ist es ja gar nicht. Ein ganz normaler letzter Abend, gepresst durch die verstärkende Tatsache, dass die Einsamkeit hier keine Chancen zur Ablenkung erfährt, wenn man erstmal in der Mühle drin ist. Also Augen auf und durch. Vielleicht gebe ich es mir auch noch richtig dreckig und spiele ein bisschen Gitarre, die habe ich die ganze Woche über kaum angerührt. Gute Nacht, liebe Sonne. Bis morgen. Und tschüss Nordsee, du immer rauschendes Meer, ich werde wiederkommen. Mal sehen welche Geschichten das Leben bis dahin neu geschrieben hat. Verdammte letzte Abende! Ich freue mich auf alles, was kommt. Denn es geht immer weiter.

Sandmann

Read more

Created Freitag, 12. Juni 2015 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Dänemark | Henne Strand | letzter Abend | Reise Reise | sonnenuntergang | Typ 43 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
Anzeige
Webhosting by Speicherzentrum.de
 
09 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Strandmanns Kaffeewelt

Strandmanns Kaffeewelt

Sonne, Wind und Kaffeebohnen

Wann haben Sie zuletzt Ihrer Kaffeemaschine den Strand gezeigt? Oder waren mit ihr einkaufen? Hatten Sie schon mal zusammen auf einer Hüpfblase ausgelassen Spaß? Ich nutze die Zeit im dänischen Henne Strand, um meinem mitgereisten Freund Moltio alle diese Freuden angedeihen zu lassen. Parallel dazu schreibe ich eine Menge Artikel und erstelle Facebook Postings, muss also arbeiten. Viel arbeiten. Aber wenn ich grad mal nicht schreibe – sind wir zwei unterwegs. Er und ich mit dem 38 Jahre alten Audi 100. Es ist ja sonst keiner da, meine Familie blieb daheim und meine besuchswilligen Freunde habe ich allesamt ausgeladen. Glauben Sie mir, wenn man tagelang mit niemandem gesprochen hat, wohnt einem Kaffeevollautomat ein noch viel größerer Unterhaltungswert inne als so manchem menschlichen Begleiter.

Ich werf Sie gleich mal mitten ins Geschehen.

Strandmanns Kaffeewelt

Endlich. Ein guter Freund.

In Strandmanns Ferienhaus geht der ungemahlene Kaffee zur Neige. Im Supermarkt von Kobmand Hansen, auch bekannt als „Der König von Henne Strand“, wird allgemein eingekauft, wenn der ungemahlene Kaffee alle ist. Ich habe mir wie schon beschrieben abgewöhnt, deutsche Lebensmittel zu importieren, das shoppen mit Fremdwährung macht hier viel mehr Spaß und erweitert den Horizont. Alles ist voller Farbstoffe und Sachen, die ich weder erkennen noch entziffern kann. Super. Das geht nicht jeden Tag gut, gestern strich ich mir voller Lebensmittel-Optimismus etwas auf mein luftiges Brötchen, von dem ich glaubte, es sei Krabbensalat. Tiefseekrabbensalat. Das Bild auf der Packung jedenfalls sah ganz danach aus, aus einer dicklichen weißen Sauce lächelten mich rote gepellte Schalentiere an und winkten mit den Fühlern. In meinem Mund entpuppte sich die teuer erworbene Feinkost als zähflüssige, salzige Paste mit Spargel und anderen Sachen drin, ich glaube, ich habe seit Jahren nichts widerlicheres gegessen. Bäh. Weg damit. Seit dem bin ich vorsichtig geworden und beschränke mich auf Tiefkühlpizza, Pommes und rote Pölser. Na ja und Kaffee. Was ist die Freude groß, als wir beim Kobmand ein altertümliches sympathisches Mahlwerk treffen und Moltio sofort mit ihm Freundschaft schließt. Die beiden haben sich von Anfang an verstanden, und auch der feilgebotene Kaffee scheint was zu taugen.

Nehmen wir den?

Nehmen wir den?

Um uns herum bewegen sich drei Kategorien von Menschen.
a) diejenigen, die genau wie ich in ihrem Ferienhaus eine mehr oder weniger schlechte billige Brühmaschine stehen haben und neidisch dem gut aussehenden Norddeutschen hinterhergucken, der diesen gut aussehenden großen Brühwürfel durch den Supermarkt schleppt und heute Nachmittag bestimmt guten Kaffee trinken wird.
b) diejenigen, die sich fragen, ob das Gerät wohl kaputt sei und ob ich es hier irgendwo umtauschen will und wo hier denn überhaupt diese Saecos stehen, die man anscheinend kaufen kann, andere Gründe kann es nicht geben warum der Typ das Teil durch den Laden trägt.
c) unbeteiligte Touristen in gleichen bunten Multifunktionsjacken. Ich treffe Helga und Dieter wieder, sie unterhalten sich ausführlich über den Preisunterschied der dänischen Lebensmittel zu deutschen Lebensmitteln und dass bei Lidl doch alles viel billiger sei. Dieter hat auf seinem Handy aus dem letzten Jahrtausend (aber mit Gürteltasche) den Taschenrechner gezückt und wirft Helga ständig die Europreise über die Truhe an den Kopf. Was für ein erfülltes Leben. Ich meine auf ihren Schultern interessante neue Muster in den lila Windbreakern zu erkennen, vielleicht ist das aber auch nur Fasanenscheiße.
Ich wuchte die Kaffeemaschine neben dem Laufband der Kasse auf den Tisch, lächel die beiden hübschen, aber verwirrt guckenden Däninnen dahinter an und flüster leise: „Don’t ask...“ :-) Das fanden die wohl ziemlich lustig, die eine prustet sich Kaffee durch die Nase und die andere giggelt in ihre Kasse und vertippt sich ständig. Hihi. Wir verlassen den Konsumtempel und fahren mit dem Audi rüber nach Houstrup. Da habe ich in der Vergangenheit auch ein paar Häuschen gemietet, und da ist vor der lokalen Ferienhausvermittlung eine tolle Hüpfblase. Einmal in jeder Dänemarkwoche muss ich mich da austoben, und Moltio will das heute auch.

Strandmanns Kaffeewelt

Großer Spaß auf Luft

Kennen Sie diese Blasen? Die prominenteste der dänischen Nordseeküste ist bei Blavand, wo man, wie ich inzwischen gelernt habe, auch einen köstlichen Kuchen kaufen kann. Aber die hier ist auch super und nur 5 Minuten entfernt. Schuhe aus und rauf da, am liebsten mit mehreren Personen. Und spätestens wenn es einen derart zerlegt dass er oder sie sich auf den Hintern setzt, während die anderen noch hüpfen bekommt man einen nachhaltigen Eindruck der physikalischen Begriffe Kraftverteilung, Trägheitsmoment und Impulserhaltung. Für Nicht-Physiker: Man fliegt unkontrolliert sehr sehr hoch und eskaliert letztendlich neben dem Gummiteil auf dem Rasen. Mit Moltio bin ich natürlich ein bisschen vorsichtiger, hier treibt mich nicht der fiese Sadismus, der immer wieder aufflammt, wenn eins meiner Töchterchen im Fadenkreuz auftaucht :-) Wir haben Spaß. Die Kaffeebohnen rascheln fröhlich im Kaffeebohnenfach wie in meiner Jackentasche die Zigarillos, das Wasser im Wasserbehälter schwappt so rhythmisch wie in meinem Bauch das Frühstücksbrötchen mit Leberpastete und erschöpft und lachend sitzen wir noch lange am Rand der Blase in der Sonne und gucken den vorbeifahrenden Autos zu. Das Leben ist schön. Und die Zeiten zwischen den Arbeitsphasen kann man hier durchaus angenehm gestalten.

Aber ein Sandmann fühlt sich aber erst wohl, wenn er Sand sieht.

Strandmanns Kaffeewelt

Sylt? Nein. Aber so ähnlich.

Wie das einem Kaffeevollautomaten beim Anblick von Sand geht weiß ich nicht. Moltio ist vom Gehopse eben und von unserem Besuch auf der Düne und dem Blåbjerg heute Morgen noch ein wenig benommen, ich denke, die Höhenluft war vielleicht ein bisschen viel für ihn. Was für ein Leben. Die ganze Zeit durch die Gegend getragen werden, Land und Leute kennen lernen und ab und an mal einen kleinen Kaffee pressen. Vielleicht auch mal ne Milch schäumen. Klasse. Aber ich gönne der Saeco dieses Leben, und das Ding scheint mit sich und der Welt ganz und gar im Reinen zu sein, nach der Begegnung im Supermarkt erst recht. Er macht, dass ich morgens gut wach werde. Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte habe ich mein schwarzes Gold immer mit einer orangen Melitta aus den 70ern gebrüht. Das schmeckte irgendwie ganz gut, aber ich glaube das lässt sich vergleichen mit der oberflächlichen Zufriedenheit, die einem innewohnt, wenn man einen runtergerockten Rest-Tüv-fünfthand-Kia von 1994 fährt. Er bringt einen ans Ziel und man lebt irgendwie mit den kaputten Fensterhebern, der quietschenden Lüftung und den wimmernden Radlagern. Bis man dann mal einen gepflegten Mittelklasse-Mercedes ohne Reparaturstau fährt. Das ist wie eine Erfüllung. Moltio ist mein Mittelklasse-Mercedes. Aber ich schweife ab.

Strandmanns Kaffeewelt

Deiiiine Spuren im Saaaand

Windig ist es an der Nordsee. Und sehr sandig. Ich glaube, ich parke den alten Audi gleich noch mal um, wenn ich den hier länger als 15 Minuten stehen lasse ist das Blech komplett blank gestrahlt. Das wäre teilweise gut, aber heute ist nicht der richtige Zeitpunkt. Allein während ich das Foto mache ist meine Gitarre halbvoll geweht, und im Audi hat sich hinter der aufgelassenen Beifahrertür eine kleine Düne gebildet. Und eine Ameisenkolonie, aber das steht glaube ich in keinem direkten Zusammenhang. Yeah jetzt habe ich direkt im Fußraum eine Menge Zeigs, dass ich euch nach der Geschichte in die Augen streuen kann, damit ihr gut schlafen könnt :-) Ich fahre den alten Wagen ein paar Meter vor in den Windschatten und Schutz eines alten Toyota Corollas. Die Dänen fahren viele Japaner. Wenn es den hier zerschmirgeln sollte ist mir das egal.
Der Strand ist schon wieder so leer, wie er nur hier in der Vorsaison leer ist. Inzwischen habe ich es geschafft, deutsche Nachrichten zu gucken, und es ist kein neuer Krieg oder sowas ausgebrochen. Helga und Dieter und alle ihrer Artgenossen haben sich nur längst in ihre Domizile eingeigelt, gucken RTL II, essen ihr gutes mitgebrachtes Deutsches Essen und machen noch ganz viele andere Sachen, bei denen ich mich frage, warum sie dafür in ein anderes Land gefahren sind. Aber jeder wie er möchte. Ich selbst bin vorhersehbar und bodenständig und trage meine Gitarre und meinen Kaffeevollautomat an den weitläufigen Nordseestrand. Also ganz normal.

Strandmanns Kaffeewelt

Der alte Mann und das Meer

Meer. Naturgewalten. Wind.
Sie werden mich niemals auf Dauer in die Berge umgesiedelt bekommen. Wenn ich über den geraden, klaren Horizont gucke und den frischen, salzigen Wind im Gesicht spüre bin ich Zuhause. Die Wellen mit ihren Schaumkronen rollen ewig und beständig an den Strand, nichts kann sie wirklich aufhalten. Und sie machen das schon seit Jahrtausenden, jede Sekunde eines neuen Tages von vorn. Das Wasser wird vom Mond vor und zurück gedrängt, Inseln verschwinden und entstehen, Küsten verändern sich und am nächsten Tag schon ist nichts mehr, wie es gestern noch war. Tägliche Vergänglichkeit, die doch so beständig ist. Dagegen wirkt ein Menschenleben klein und unbedeutend, manchmal sind solche Erkenntnisse hilfreich und erden angenehm die eigene Einstellung. Wenn man das verinnerlicht hat regt man sich nicht mehr auf über Spurwechsler in der Innenstadt oder Drängler auf der linken Spur. Dann lässt man sie einfach spurwechseln und drängeln, denn man erzieht sie sowieso nicht. So ein weiter Horizont hilft einem, gelassen zu werden. Während ich all das meiner Kaffeemaschine zu erklären versuche weht mir Sand in die Schuhe, den Kragen, die Ohren, die Haare und die Hosentaschen. Feiner, weißer Sand. Jetzt hat Moltio auch einmal das Meer gesehen und hat damit dem einen oder anderen Bundesbürger sogar was voraus. Es soll Menschen geben, die noch niemals am Meer waren. Vielleicht die Spurwechsler und Drängler…?

Strandmanns Kaffeewelt

Erklär mir das Meer

Sie vermissen Bilder, auf denen ich mit dem Automaten einen Kaffee koche? Stimmt. Ich habe ein paar gemacht, heute Morgen. Aber die sind sehr profan, während die raue Natur an der Küste etwas sakrales hat. Etwas unbändiges, schönes. Und der Kaffeeautomat und ich dürfen mitten drin sein. Über guten Kaffee unterhalten wir uns gern im Herbst noch einmal, wenn ich morgens in der Dunkelheit aufstehen muss und mir Kaffee gefühlt das Leben rettet. Hier und heute ist die Kaffeemaschine mir ein guter Freund, der mich an diesen Tagen ein wenig begleitet hat. Gleich geht es wieder zurück ins Haus, ich muss heute noch den zweiten Artikel fertig schreiben. Insgesamt sind das jetzt schon sechs Stück, sehr produktiv, die Rechnung ist aufgegangen. Jetzt schon. Als ich mir den Sand aus den Haaren strubbel bemerke ich auf der Lehne der alten Holzbank kleine, angeschraubte Plaketten mit Vornamen drauf. Huch? Eine Verlobungsbank? Oder was ist das für ein netter Brauch? Na – ich glaube ich komme übermorgen Abend noch einmal wieder, um dem Meer tschüss zu sagen. Dann ist der letzte Tag schon wieder Realität. Ich hasse letzte Tage, und vielleicht komme ich besser klar mit einem Sonnenuntergang und ein bisschen Meeresrauschen. Dann aber ohne Moltio. Der braucht auch mal eine Pause.

Und auch wenn Sie noch nie Ihre Kaffeemaschine dabei hatten – am Meer waren Sie doch wohl hoffentlich alle schon mal, oder?

Sandmann

Read more

05 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Berge in Dänemark?

Berge in Dänemark?

Ja wo sind sie denn?

Doch, die gibt es.
Rund um Henne Strand sogar gleich zwei, eine Düne gleich am Ortseingang und der sagenhafte Blåbjerg, zu dem es mich in jedem Urlaub wegen der Wälder und Ameisen zieht. Meine Kaffeemaschine Moltio lebt mit mir in der norddeutschen Tiefebene von Kiel und kennt keine Berge. Als Kaffee Vollautomat kommst du eher wenig rum. Das Interesse an schönen Landschaften wurde dem Ding ja nicht origin ins Frischwasserfach gelegt. Um das treue Gerät nicht eines Tages dumm sterben zu lassen zeige ich ihm heute Morgen noch vor dem Frühstück diese beiden erhabenen Plätze. Ich schütte die letzten Bohnen oben rein (wir müssen heute Abend dringend neue kaufen, wir zwei), nehme den heißen Würfel vom Netz und fahre mit ihm im Audi los.

Berge in Dänemark?

Wo eine Düne ist, ist auch ein Weg

Wenn Sie noch nie in Henne Strand waren stellen Sie sich das vor wie Sylt. Wenn sie auch noch nie auf Sylt waren stellen Sie sich das vor wie die Lüneburger Heide, nur ohne Birken, dafür aber mit Heckenrosen. Wenn sie auch noch nie in der Lüneburger Heide waren sind Sie ein Stubenhocker und ich kann Ihnen auch nicht mehr helfen. Ändern Sie das. Hier ist alles trocken und kleinwüchsig, es duftet wundervoll nach warmem Sand, Heidepflanzen und Gräsern. Weit oben trillert eine Lärche, und wäre da nicht dieses dumm schwatzende korpulente Paar zweier Mittfünfziger in identischen lila Multifunktionsjacken aus Hessen, ich könnte meine Morgenfreude kaum fassen. So warte ich geduldig, bis „Helga” und „Dieter” die Treppe endlich verlassen, ihre gravitationsgeplagten Körper auf ihre geliehenen E-Bikes geschwungen haben und in Richtung Städtchen abschwirren. Nun ist die Luft wieder rein und ohne Geschwätz. Navi Lisa will im Auto warten. Sie hat ein bisschen Höhenangst und behauptet, schon fast alles gesehen zu haben. Na gut. Sie kann sich mit ein paar Verkehrsinfos verlustieren, wenn sie nicht will dann eben nicht. Ich schnappe mir Moltio und wir beide stapfen nach oben, der Morgensonne entgegen.

Berge in Dänemark?

Eine Form von Frühsport

Vielleicht sollte der Crema-aufschäumende Kasten aus dem Hause Philips eher mich tragen, der hat nämlich ganz schön zugenommen. Oder sind das die schweren Kaffeebohnen? Ich weiß nicht, ob ich Moltio jetzt in jeden Urlaub mitnehmen werde, irgendwo müssen ja auch noch die Kinder sitzen. Und mein halbfinnisches Fräulein Altona steht bekanntermaßen mehr auf den Kessel-Espresso aus der Bialetti, da hat meine geliebte Saeco also ebenfalls keine Lobby. Hm. Aber in dieser Woche bin ich ja alleine mit den beiden unterwegs, als Blogger und Social Media Manager muss man auch seinen Elektrogeräten ein Mindestmaß an Unterhaltung im Urlaub bieten. Sagt auch Sascha Lobo. Glaube ich.
Betreffende Düne taucht wie aus dem Nichts plötzlich rechts auf, wenn man nach Henne fährt. Wenn man aus Henne kommt dann links. Weil alle auf dem Hinweg schnell ihre Hüttenschlüssel haben wollen (und nicht jeder pünktlich ankommt :roll: ), alle auf dem Heimweg nur noch nach Hause ins deutsche E Plus Netz wollen und an den Tagen dazwischen träge und statisch bei übertriebener Ofenhitze vor RTL II sitzen und ihre letzten IQ Punkte abfackeln klettern nur wenige Touristen auf die Düne. Ich bin einer von ihnen. Ich guck aber auch kein RTL II.

Berge in Dänemark?

Kleine Pausen verlängern das Leben

Zuletzt war ich glaube ich 17 oder 18 Jahre alt, als ich das gemacht habe. Damals sind Jan und ich mit den Mopeds kreuz und quer von Plön nach Kopenhagen und dann hier das erste mal nach Henne Strand geknattert, eine Tour, die wir 2013 (ohne Kopenhagen) wiederholt haben. Die hölzernen Stufen nach oben sind anscheinend noch die gleichen, aber mein alternder Körper nicht mehr. Außerdem habe ich damals in den späten 80ern keine Kaffeemaschine getragen, seinerzeit brühte man das koffeeinreiche Gesöff noch durch einen Filter in eine Kanne. Kaffeevollautomaten gab es nur in der Gastronomie, und niemand kam auf die Idee, die Dinger mit in den Urlaub zu schleppen. Ein wenig erschöpft mache ich auf halbem Weg nach oben Rast auf einer kleinen wohl extra dafür eingerichteten Bank, atme die frische Luft ein und erkläre Moltio, in welchen Ecken des Örtchens ich schon in all diesen Jahren ein Ferienhäuschen gemietet hatte. Das waren wirklich viele Ecken. Und weiter. Von ganz oben ist der Blick (glaube ich mich zu erinnern) noch viel besser, in Ermangelung irgendwelcher anderer Erhebungen außer dem benachbarten Blåbjerg kann man über das ansonsten platte Land bis hoch nach Skagengucken und bei gutem Wetter sogar Schweden, Norwegen und Finnland sehen. Okay. Nicht ganz.

Horizonte

Horizonte

Schweigen. Einfach mal innehalten, keine Musik hören und nur auf den Horizont gucken. Ich zähle mich ohnehin nicht zu den alles um sie rum ausblendenden Kopfhörer-Typen, ich habe auch ohne Knopf im Ohr schon genug Media um mich rum und genieße draußen die Geräusche der Natur und die Stimmen der Menschen. Es macht mich sehr froh, dass die beiden Hessen nicht mehr da sind, Moltio und ich haben die Düne für uns ganz allein. Wie so viele Orte hier, die Saison hat noch nicht angefangen, und es findet sich fast überall eine Menge Platz zum Dasein. Der Kaffeevollautomat hält beeindruckt inne und rückt ein bisschen näher an mich ran. Er findet das hier ziemlich hoch und zischt schüchtern etwas von Alpen und dem Mont Blanc, das hat er wohl mal im Fernsehen mitbekommen. Vielleicht muss ich ihn doch noch mal mitnehmen nach Süddeutschland oder in die Schweiz, wenn ihn das hier schon plättet dann werden ihm die echten Berge gefallen. Vielleicht verguckt er sich da ja in eine schicke junge Jura? Na, ich werde ihm den Wasserfilter nicht zu wässerig machen, nachher zieht er schneller aus als mir lieb ist. Sie werden so schnell erwachsen…

Berge in Dänemark?

Platz, wirklich viel Platz.

Der Blick von dieser Düne über die Heide und Henne Strand bis zur Nordsee bestätigt mir wieder einmal, dass ich ein Mann des Nordens bin. Ich brauche die Weite des Landes und ich brauche das Meer. Berge sind toll, aber wenn die mir auf Dauer im Weg stehen bekomme ich Platzangst. Das kann hier nicht passieren :-) denn nicht mal die Bäume werden in Dänemark viel größer als man selbst. Da sorgt der Wind schon für. Inzwischen habe ich mich auch endlich mal schlau gemacht über den lustigen Namen meines seit 25 Jahren bereisten Lieblingsplatzes, sowas wie „Ringköbing Fjord” oder „Kopenhagen” klingt alles viel weniger albern als „Henne„. Und in der Tat, ich lache zurecht. Wikipedia: Der Ortsname Henne, erstmals 1145 als Hænningh belegt, leitet sich von hane (dt. Hahn) ab, bedeutete ursprünglich also „Ort mit (Birk-, Auer-) Hähnen“Berge in Dänemark? Hier wurde also der Hahn zur Henne gemacht, und ich hatte gehofft, der Ursprung liegt in irgend etwas spektakulärerem, irgend einer Wikingersage oder so. Tz. Wie um das zu untermalen steigt ein Fasan aus den Gräsern auf und flattert krakeelend in Richtung Meer. Ob er den beiden Multifunktionsjacken-Hessen auf die Schulter scheißt? Bitte ja. Ich fände das sehr witzig. Und schleppe Molito wieder die Treppen runter.

Berge in Dänemark?

Heute mal auf der Straße, nicht der Haube.

Die Straßen um den Ort mit Hähnen zeichnen sich durch ihren highwayartigen Geradeauslauf aus, nur die Finnen können das noch toppen. Da gibt es dann sogar richtige Bäume am Straßenrand :-) Da sämtliche Touristen offensichtlich tatsächlich gerade vor RTL II sitzen (eigentlich sollte das ein Witz sein) bin ich sogar auf der Hauptstraße mit mir, der Kaffeemaschine, Lisa und dem Audi allein. Irgendwie seltsam. Sollte ich doch mal wieder den Fernseher anmachen und einen deutschen Sender suchen? Vielleicht ist mir ja zwischen den ganzen vomitierenden dänischen Nachrichtensprechern der dritte Weltkrieg durchgerutscht? Nee. Oder? Egal, bevor wir zum Blauen Berg weiterfahren mache ich noch ein Foto. Diesmal nicht als Haubensitzer, diesmal als Straßensitzer. Und immer schön nachdenklich gucken, *hach* wer braucht schon einen Selfie Stick?
Der Blåbjerg ist nur ein paar Kilometerchen von hier weg, auf dem Weg da hin kommt mir nicht ein einziges Auto entgegen. Auch der kleine Parkplatz inmitten des Naturschutzgebietes der Gemeinde ist entvölkert. Herrlich. Dann muss ich mich ja nicht intolerant über andere deutsche Touristen mit furchtbaren Dialekten aufregen, die genau wie ich auch einfach nur hier sind und gucken wollen, mir aber immer wieder auf den Sack gehen. Ich werde nochmal ein grumpy Old Man, wenn das so weitergeht Berge in Dänemark? Hey Moltio, wir sind da. Komm, ich mach dir die Tür auf.

Berge in Dänemark?

Ach bitte, steigen Sie doch aus.

Von den blauen Bergen kommen wir,
von den Bergen, ach so weit von hier.
Auf dem Rücken unsrer Pferde reiten wir wohl um die Erde.
Von den blauen Bergen kommen wir.
Sowas. Ich hatte den Text ganz anders in Erinnerung, irgendwas mit Lehrern, die genau so blöd wie wir sind. *grübel* Jedenfalls habe ich immer dieses Lied im Kopf, wenn ich auf den Blåbjerg steige. Hier oben war schon meine ganz große Tochter zu Grundschulzeiten, und es gibt Filmdokumente, die belegen, dass hier hoch genau fümundsiepzich Schtufn zu erklimmen sind. Vermutlich sind es heute nicht weniger geworden, ich vergesse sie nachzuzählen. Womöglich mache ich das eines Tages mal mit meinem geliebten großen Töchterchen. Habe ich erwähnt, dass ich diesmal alleine hier bin? :-( Kommt sowas wie ein kleiner Koller? Erkenne ich, dass die Gegenwart eines tragbare Navigationsgerätes und eines Kaffeevollautomaten nicht die lieben Menschen ersetzen kann, die man landläufig als „Familie” bezeichnet? Etwas ausgebremst schnappe ich mir Moltio und erklimme den Pfad bis hoch zum Stein.

Berge in Dänemark?

fümunsiepzich schtufen

Ich bekomme Hunger.
Absurderweise habe ich bis jetzt nicht mal einen Kaffee getrunken, und das ganze Philosophieren über den Ortsnamen macht mich scharf auf Chickenwings oder Hähnchenbrustfilet. Verdammt. So runtergerockt bin ich allerdings nicht, dass ich derartige Massentierhaltungsauswürfe schon zum Frühstück vertilge. Ja, lieber Magen, ich kaufe dir ja gleich deine Brötchen. Zunächst möchte ich meinem kubischen Freund noch ein paar Sachen zu diesem Berg hier erklären. Kammerherr Thyge de Tygeson hatte nämlich einst diese 64 Meter hohe Düne bepflanzt, um der Sandflucht Einhalt zu gebieten. Später wurde im Gedenken an den Thyge ein Gedenkstein auf der Kuppe des Blåbjerg errichtet. Argh. Und ich habe meinen Kindern immer erzählt, das sei ein geheimnisvoller Runenstein der Wikinger, der magische Kräfte habe :roll: Hoffentlich lesen sie das hier niemals! Das bewaldete Dänengebirge war früher eine wichtige Landmarke für Seefahrer. Dass sie aus der Entfernung bläulich aussah, verhalf ihr zu ihren Namen. Heute ist der Blåbjerg das Wahrzeichen der Kommune, aber für Wahrzeichen scheint sich hier niemand außer mir und Moltio zu interessieren. Aus der Ferne glaube ich, Gesang zu hören. Ist das Lisa?

Berge in Dänemark?

Geschichtsunterricht für eine Kaffeemaschine

Schau, da unten ist der Jungs-und-Mädchen Wald. Und da der Löcherbaum. Weiter da drüben sind der gefährliche Ameisenhügel und das Feenreich. All das, was ich meiner Kaffeemaschine von hier oben aus zeige würden meine Kinder als „Papa erzählt schon wieder Geschichten aus dem Krieg” bezeichnen, auch wenn sie selbst in diesen Geschichten durchaus mitgespielt haben. Kann sich ein Vollautomat langweilen? Ich habe nicht den Eindruck. Geduldig saugt er all die Informationen und die horizontreichen Aussichten in sich ein und behält auch alles drin. Der Behälter für den verbrauchten Kaffee ist jedenfalls nicht voller geworden. Etwas weiter vorn finden wir noch einen kleinen Bunker und die Reste einer MG Lafette aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Rund ist mit Beton ausgegossen, und ich vermute dass es hier auch zu aktiven Zeiten nicht viel zu verteidigen gab. Krieg ist doof. Ich muss nachher mal Nachrichten hören.
Singen ja ja jippi jippi je,
singen ja ja jippi jippi je,

singen ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi je
Ich rauche einen Frühstückszigarillo.

Berge in Dänemark?

Rauchen über Dänemark

Sie werden verstehen, dass man an so einem besonderen Platz zwar ewig philosophieren könnte über die Weite des Landes, das Bepflanzen von Dünen, was eigentlich genau ein Kammerherr ist, die Vergangenheit und das viel zu schnelle Älterwerden – aber mein Bock auf Frühstücksgeflügel macht mich nervös. Irgendwie liegt das an diesem Berg, damals bekam mein Freund Jan auf der Mofatour hier auch einen Bärenhunger. Es zieht mich zurück nach Henne Strand, rein in den Arbeitstag, an den Schreibtisch, wo es Kaffee gibt. Offtopic. Es existiert eine sehr kinderfreundliche Variante des Liedes mit den Blauen Bergen, die ich gerade entdeckte und die zur selben Melodie Melodie gesungen wird:
Wenn ich froh bin klatsch ich in die Hand, ( zweimal Klatschen )
wenn ich froh bin klatsch ich in die Hand, ( zweimal Klatschen )
wenn ich froh bin klatsch ich, wenn ich froh bin klatsch ich,
wenn ich froh bin klatsch ich in die Hand. ( zweimal Klatschen )
Das allerdings definiere ich als den  Sommerhit 2014 der RTL II Gucker und PEKiP Befürworter, im selben Moment fällt mir noch „Meine Tante aus Marokko” ein. Sagenhaft. Pitsch Patsch. Singen heute Eltern noch mit ihren Kindern Lieder, so wie meine Eltern das gemacht haben? Die haben damals im Sinne des Begriffs „Familie” so einiges verkackt, aber es wurde dabei viel gesungen. Das war gut so, das hat der Katastrophe eine Melodie gegeben. Na gucken Sie, kaum ist man in einer Art dänischem Gebirge und die Luft wird dünner kommen komische, lange verschüttete Gedanken. Ich bin froh, alle diese Lieder noch von damals zu erinnern und singe sie jetzt meinem viertelfinnischen Sandmädchen vor. Also, nicht jetzt, sondern wenn ich wieder zurück bin.

Berge in Dänemark?

So kann ich es aushalten.

Und das ist ja schon bald.
So begehrenswert in den ersten Tagen das Gefühl von Alleinsein war, die Tatsache, machen zu können was ich will und temporär keine Verantwortung für jemanden tragen zu müssen, so nachhaltig schleicht sich ein Vermissen in mein Herz. Ich bin eben nicht nur ein Nordmann, ich bin auch ein Papa. Und das mit Leib und Seele. Und wenn ich jetzt nicht langsam mal was zu Essen bekomme bin ich noch was ganz anderes! Ich schleppe Moltio wieder die fümundsiepzich Schtufn runter, setze ihn auf den Beifahrersitz und schnalle ihn an. Morgen hüpfen wir auf der Blase in Houstrup und gehen zum Strand. Und Kaffee müssen wir auch noch nachkaufen. Aber das wird eine andere Geschichte.

Singen ja ja jippi jippi je,
singen ja ja jippi jippi je,

singen ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi je

Sandmann

Read more

03 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

7 Tage raus. Mit Lisa und Moltio.

7 Tage raus. Mit Lisa und Moltio.

… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein..

Schreiben ist so ne Sache. Da sitzen Sie in Ihrem Büro, haben grad eine gute Idee oder ein paar passende Formulierungen – und dann kommt von hinten jemand und fragt ob die Fotos schon hochgeladen sind. Oder das Telefon klingelt. Oder jemand will einfach nur nett einen Kaffee mit Ihnen trinken oder einen Zigarillo unten rauchen. Das ist alles gut und schön, reißt mich aber aus den Geschichten raus. Zum Schreiben bin ich am liebsten ganz allein. Die letzte Woche war ich jeden Tag unterwegs und hab viele coole Autos vor meine Kamera gezerrt. Und jetzt? Jetzt krabbel ich in meinen alten Audi und fahre in ein kleines Holzhäuschen an der dänischen Westküste, um die Geschichten zu den Fotos zu schreiben. Eine ganze Woche. Aber nicht ganz allein, bei mir sind meine Lisa (das TomTom Navi) und mein wundervoller Kaffeeautomat Moltio. Der war selbst noch nie im Ausland, also werde ich ihm mal ein paar Highlights rund um Henne Strand zeigen. Kommen Sie mit?

Hinten nicht, vorne Pflicht.

Vorn muss man sich anschnallen

Vorn muss man sich anschnallen

So alt ist die Saeco Kaffeekiste noch nicht, eigentlich muss das Ding hinten sitzen. Aber da sind keine Gurte. Ich lege meinen heißgeliebten Michel (nur meine Schwester Anita weiß, was ich meine) unter den Automaten, jetzt sitzt er hoch genug um angeschnallt zu werden. Er kann sogar rausgucken, das ist doch super. Dann kann ich mich unterwegs wenigstens mit meiner Kaffeemaschine unterhalten, Lisa ist schließlich dafür bekannt, dass sie zwar klare Monologe raustutet, ansonsten aber keine gute Zuhörerin ist. Außer wenn sie mich bei Staus fragt, ob sie die schnellere Route nehmen soll. Meine Redezeit ist dann auf ein “ja” oder ein “nein” begrenzt, und je nachdem wie laut die Musik ist versteht sie mich meist falsch. Also quatsche ich lieber mit Moltio. Andere sind nicht dabei. Mein halbfinnisches Fräulein Altona und das viertelfinnische Sandmädchen bleiben die ganze Woche daheim im Hamburger Alltag und gehen ihren Berufungen im Büro und der nicht bestreikten KiTa nach. Meine beiden großen Töchter haben Besuchswünsche angemeldet, die aber aus schulischen Gründen nur an den Wochenenden möglich wären. Da habe ich mir die einzigen Termine im Pölserland gelegt, also habe ich auch diese Bitten ablehnen müssen. Die Bemerkungen von ein paar Freunden, sowohl Kiel als auch Flensburg wären doch recht nah, ob man mich denn da nicht mal….? Nein. Ich möchte arbeiten, ist doch immer das gleiche wenn man von lieben Menschen besucht wird. Man redet und trinkt und bleibt die halbe Nacht wach. Also. Nein. Diesmal nicht.

Ich und Moltio

Ich und Moltio

Ich verabschiede mich mit etwas gemischten Gefühlen von den beiden Frauen, die zusammen mit mir noch in der Nähe von Schleswig im Ferienhaus von Freunden zu Besuch waren. So reizvoll die Aussicht auf sieben Tage völlige Einsamkeit mit Kaminofen und Internet ist, so sicher bin ich mir, dass ich die beiden spätestens heute Abend schon vermissen werde. Und die beiden Großen spätestens am nächsten Dienstag, denn da treffen wir uns immer in Kiel und kochen. Ich habe täglich so viele geliebte große und kleine Freuen um mich rum, diese Woche wird ein Loch in mein Herz reißen. Während ich einen Kloß runterschlucke widmet sich das viertelfinnische Sandmädchen schon wieder ihrem ebenfalls viertelfinnischen Freund Pikku T. und zerlegt mit ihm fachgerecht das Kinderzimmer. Na danke. Sie ist noch zu klein, um so etwas wie “morgen” oder “nächste Woche” zu verstehen, aber sie hat ja ihre wunderschöne Mutter an ihrer Seite, die ihr erklären kann, wo Papa grad steckt. Ich für meinen Teil habe nur Lisa und Moltio.

Lisa zeigt mir den Weg

Lisa zeigt mir den Weg

Seltsam ruhig ist es plötzlich. Der 38 Jahre alte Dottore schnurrt zufrieden mit 120 über die Autobahn, ziemlich beladen mit drei Kisten Kaminholz, drei Computern (meinem Desktop, meinem Laptop und einem Reserverechner, man weiß ja nie), einem bunten Blumenstrauß an Ersatzteilen und Werkzeug, Gitarre, Zahnbürste und Bargeld. Niemand spricht. Nicht mal Lisa, denn es geht bis hinter Flensburg nur geradeaus. Eine zeitlang genieße ich diese fast asketische Stimmung, dann knipse ich das Radio an. Keine Staus, keine Behinderungen, in drei Stunden bin ich in meinem gebuchten Refugium zwischen Esbjerg und Ringköbing. Zuletz waren Jan und ich mit den Mofas da, erinnern Sie sich? In der vor mir liegenden Woche werde ich diesmal allerdings nicht im Zelt schlafen. Wir haben laut Kalender zwar Anfang Juni, aber das Wetter da draußen könnte auch im Oktober oder Februar geboren worden sein. Außerdem ist das kein Urlaub, sondern ein Arbeitscamp. Und für meine Arbeit brauche ich einen bequemen Stuhl, einen PC und ein schnelles Internet. Dänemark ist in diesen Tagen noch weit entfernt von der Hauptsaison, und man bekommt gut ausgestattete Häuschen mit Meerblick für eine Woche zum Preis eines guten Abendessens für zwei Personen. Mit Steckdosen für meine Schreibmaschinen und WLAN :-) Und ohne Kollegen, die einen fragen, ob man die Fotos schon hochgeladen hat…
Während ich so vor mich hinsinniere sind wir plötzlich schon in Dänemark!

Na guck. Grenze.

Na guck. Grenze.

Schau, lieber Molito, hier fängt Dänemark an. Genau so wie ein zweijähriges Mädchen die Bedeutung von “morgen” oder “nächste Woche” nicht begreift versteht ein Kaffeevollautomat vermutlich auch nicht die Bedeutung von Grænsen. Ich erkläre ihm, dass hier früher mal Schranken und bøse Polizisten waren, die grimmig guckend den Ausweis und die Fahrzeugpapiere sehen wollten. Und die Örg und mich mal in dem komplett mit Bauschaum eingesprühten Knudsen Taunus nicht einreisen lassen wollten. Als dann auch noch unsere Ratten aus den Ärmeln gekrochen kamen, haben die Beamten… äh… das ist eine andere Geschichte. Die Grænsen sind heute nicht mehr da. Weder die einmal quer durch Deutschland, noch die nach Dänemark. Verschwunden ist auch die Infrastruktur, die davon gelebt hat, dass mindestens jeden Samstag hier Heerscharen von Touristen anhalten mussten. Verstehst du das, Moltio? Er sacht nix. Dafür quatscht mich jetzt überraschend Lisa an, ob ich die Autobahn oder die Landstraße fahren will. Landstraße! Und mein Handy erzählt mir, dass ich in Dänemark bin und mein Tarif hier genau so flatratig ist wie in Deutschland. Eigentlich bin ich gar nicht so alleine.

bis an den Horizont

bis an den Horizont

Waren Sie schon mal in Dänemark?
Abenteuerurlaub dürfen Sie hier nicht erwarten. Das Land zeichnet sich vor allem durch komplette Flachheit aus und wird hauptsächlich bevölkert von Landwirten, Kühen, Pornoproduzenten und Ferienhäusern. Teenager an der Seite ihrer konservativen Eltern sterben hier regelmäßig vor Langeweile oder werden innerhalb weniger Tage drogensüchtig. Das Tempolimit der Überlandstraßen liegt bei 80 km/h, und man darf im asketischen Horizontrausch nicht zu sehr Eins werden mit der vorbeiziehenden Natur, dann reißt einem spätestens nach 8 Kilometern ein unerwartet auftauchender Kreisverkehr die Achsen weg. Dänemark ist aufgrund der Geschwindigkeitsbeschränkung ein Paradies für Benzinsparer, was in seinem fast perfekten Entspannungs-Idyll nur getrübt wird durch die lokalen Radiosender, auf denen in endlosen Werbeblöcken hektische Stimmen im Kanon oder im Dialog klingen, als ob sich ihre Besitzer jeden Moment übergeben müssen. Ich spreche diese wundervolle Sprache leider nicht. Für eine Verständigung ist das allerdings auch nicht nötig, denn gemeinsam mit mir branden an diesem Samstag wieder tausende meist deutsche Urlauber in die Ferienhäuser und sorgen mit ihrer überheblichen Besatzerart dafür, dass man hier inzwischen überall auch mit Euros bezahlen kann und dass quasi jeder Däne in den Touristengebieten ein besseres Deutsch spricht als die Deutschen in den Ghettos von Hamburg.

Unendliche Weiten

Unendliche Weiten

Ich freue mich auf frühes Aufstehen (jaaaa ich mag das!) und joggen kurz nach dem Sonnenaufgang am endlosen Strand. Dann auf frischen Kaffee, den mir Moltio bereiten wird und knusprige dänische Brötchen, die vorwiegend aus Luft bestehen und mit zweifelhafter Leberpastete aus dem Aluschälchen bestrichen das köstlichste sind, was man zu Beginn eines Arbeitstages essen kann. Ich freue mich auf Fotos sichten und schreiben, schreiben, schreiben. Ich freue mich auf das Häuschen, auf den Bildern sah es hell und gemütlich aus. Und ich freue mich auf Abende zwischen dem Kaminofen und dem HD Flachbildfernseher, ein Glas Rotwein in der Hand und hoffentlich auf mindestens einen fertigen Artikel pro Tag zurückblickend. Ich freue mich nicht darauf, abends allein in mein Bettchen zu krabbeln. Aber die Dinge, die ich tagsüber erledigen will sind allein gut zu bewerkstelligen. Wie so einige andere Aktionen auch, ich merke, dass die ersten Kaffees wieder raus wollen.

Lieber alleine

Lieber alleine

Bei diesen spontanen Aktionen am Straßenrand muss ich die Kaffeemaschine nicht unbedingt dabei haben, das wird das Ding verstehen. Es genügt schon, dass sich im Moment des Knopfleisten-Öffnens sämtliche Landwirte und Pornoproduzenten aus einem Umkreis von 42 Kilometern mit ihren Familien wie aus dem Nichts materialisieren und sowohl hupend als auch winkend und lachend in ihren Autos vorbeifahren. Knopfleiste wieder zu – alle wie vom Erdboden verschluckt. Ist das schon mal wissenschaftlich untersucht worden?
Dank fehlendem RDS muss ich ständig neue Radiosender suchen. Das gibt mir einen irgendwie deprimierenden Einblick in den Musikgeschmack der insgesamt rund 20 Einheimischen und beeindruckt mich im Halbstundentakt mit immer wieder neuen vokalen Kotzanfällen, wobei ich da nicht mehr zwischen Werbung und Nachrichten zu unterscheiden vermag. Hvis det nu lyder, som om jeg skulle kaste op, behøver du ikke at bekymre dig. Dette skyldes det sprog, jeg taler. Schräg. Kurz vor Esbjerg werden meine Mitreisenden und ich von flackernden Leuchtfeuern aus unseren Gedanken gerissen. Zivilisation? Hier??? Das sieht aus wie ein Flugplatz, Moltio hat sowas noch nie gesehen, ich zeige ihm das mal.

Oh, da gibt es was zu sehen!

Oh, da gibt es was zu sehen!

Ein eher kleiner Flugplatz, weiter hinten am Horizont. Die Leuchtfeuer stehen wie Wäscheständer auf der saftigen grünen Wiese rum. Sie dient als Nahrungsquelle für die Kühe, welche gute Milch für Kærgarden Salzbutter, Kløver Sødmælksyoghurt Peach Melba und andere nahrungsähnliche Lebensmittel liefern. Ich muss noch einkaufen, ich hab nix mitgenommen. Die Zeiten, wo man im Urlaub den ganzen Kofferraum voller Lebensmittel aus Deutschland rüber nach Skandinavien geschleppt hat, weil die da wesentlich teurer waren sind heute vorbei. Lebensmittel kosten hier zwar noch immer ein kleines Vermögen, aber Hand aufs Herz – man geht doch sowieso einkaufen. Und wenn man nicht ständig Dänische Kronen in Euro umrechnet ist das alles halb so schlimm. 18 Kronen für drei Luftbrötchen, da, bidde. Moment *grübel* das sind aber….. äh… oh…..
Kein Flugzeug kommt. Schade. Aber die Wolken sind super, ich überlege kurz, mich mit Moltio ins Gras zu legen und die Phantasie ein bisschen driften zu lassen. Diesen Gedanken verwerfe ich allerdings recht schnell, denn ich habe Angst vor dem, was ein Kaffeevollautomat in den Wolken sehen könnte und ich habe Angst vor zufällig vorbeikommenden Pornoproduzenten, welche die Szene mit mir und dem Automaten im Gras missverstehen könnten. Mal davon ab ist es echt kalt!

7 Tage raus. Mit Lisa und Moltio.

Flyveplads heißt das glaube ich.

Nach knapp drei Stunden sind wir da. Lisa war auf den letzten Kilometern ein bisschen muksch, weil ich nicht die Strecke gefahren bin, die sie vorgeschlagen hatte. Da können die ja echt patzig werden, diese Navis. An der letzten Abbiegung brummelte sie nur noch leise und mürrisch irgendwas von einem längt fälligen neuen Kartenupdate vor sich hin und ging dann beleidigt in den Ruhemodus. Ich erkläre ihr immer wieder, dass ich für sowas Zeit brauche. Neue Karten für Europa sind über 6 Gigabyte groß, das macht man nicht jede Woche. Ist ihr egal. Na gut. Frauen!
Hallo Henne Strand. Ich weiß eigentlich gar nicht, warum du so einen albernen Namen hast, aber du bist schon ein bisschen so was wie mein drittes Zuhause :-) An diesem Schild standen Jan und ich mit unseren Knallerts am Ende eines langen verknatterten Hinweges im warmen September 2013, schauen Sie mal hier. Faxen und Fotos machen ist lustig, und ab jetzt nehme ich den Vollautomaten einfach immer gleich mit aufs Bild. Vielleicht kann Moltio mich im Supermarkt mit seinem epischen Wissen über dänische Kaffeesorten beeindrucken? Wir werden sehen.

Da bin ich wieder.

Da bin ich wieder.

Als ich um 17:20 Uhr nach all dieser Askese des edukativen Alleinseins mit einer Kaffeemaschine und einem tragbaren Navigationsgerät vor der Ferienhausvermittlung von Købmand Hansen stehe habe ich ein Deja Vu der ganz besonderen Art. Die machen nämlich schon um 17:00 Uhr zu, also vor ziemlich genau 20 Minuten. Eigentlich weiß ich das, denn ich musste schon einmal für die erste Nacht in mein gebuchtes und bezahltes Haus einbrechen, damals 2009 mit Örg. Das ist zwar schon sehr lange her, aber sowas merkt man sich eigentlich. Irgendwie war ich der Meinung, am Anreisetag hätten die Herrscher von Henne vielleicht länger auf. Haben sie auch. An den anderen Tagen machen sie schon um 16:00 Uhr zu :-( Gnargh. Auch dieses mal ist im Auto schlafen keine Alternative, und noch während ich mich haareraufend selbst bemitleide drückt eine dänische Reinigungsfachkraft ihre Nase von innen an der abgeschlossenen Tür platt. Ich erbitte Einlass. Welche Hausnummer ich denn hätte, fragt sie mich in akzentfreiem Deutsch. Oh. Die, äh, also ich könnte mal nach den Mails gucken……? Man findet aber auch ohne einen Onlinegang mein Tütchen mit den Schlüsseln, dem Ablesezettel für den Stomzähler und einem Gutschein für vier Brötchen vom Bager morgen früh. Yay. Und es bleibt mir sogar noch genug Zeit, beim Kobmand gegenüber eine Schinken-Pilze-Pizza, eingelegte Oliven und geriebenen Mozzarella zu holen. Ich werde gerade so richtig neugierig, ob es wohl möglich ist, sich sieben Tage lang komplett vitaminlos zu ernähren? Geil…

Auf dem Rand vom Land

Auf dem Rand vom Land

Heute arbeite ich aber noch nichts weg. Heute schleppe ich erst einmal das ganze Geraffel rein, der Audi kommt mit dem Arsch wieder aus der Hüfte und seufzt hörbar. Armer Kerl. In grenzenlosem Optimismus habe ich sogar einen Akkuschrauber, Zopfbürste, Schleifpapier, Rostschutz und Lack eingepackt, weil ich dachte, ich könnte vielleicht ein paar Roststellen beseitigen? Das wird sich zeigen. Als alles im Haus ist feuer ich den Ofen an und treibe die Kälte aus den Wänden. Diese Elektroheizungen in den Ferienhäusern hasse ich wie die Pest, die mach’ ich nicht an. Zumal hier ein Kilowattstunde fast so viel kostet wie ein Liter Super, wahscheinlich werden mit den Gewinnen die Milchbauern und die Pornoindustrie subventioniert. Seit man dank der Globalisierung auch Bio-Milch aus dem Senegal kaufen kann und seit das gute alte Geschäft mit den “Dänischen Western” auf DVD von Internetkanälen wie Youporn verdrängt wurde geht es den Dänen nicht gut. Sie haben genau genommen nur noch ihre Ferienhäuser als Einnahmequelle. Aber das soll mir recht sein, ich bin ja hier. Schön. Schön hell, Fenster ums Wohnzimmer rundherum, ein Schlafzimmer kleiner als das Handschuhfach vom Audi und insgesamt 23 Stühle und Sessel. Passt. Ich fühle mich ab der ersten Minute SAUwohl.

Mein neuer Arbeitsplatz

Mein neuer Arbeitsplatz

Moltio steht auf dem Küchentresen und wartet geduldig auf morgen Früh. Ich bin für diesen ersten Abend überraschend müde, vielleicht liegt das auch an der Bullenhitze, die der inzwischen rot glühende Kaminofen abstrahlt. Ich werde morgen nicht wieder so viele Eichenscheite reinlegen. Was für ein Tag ist heute? Egal. Draußen zieht es sich zu und wird windiger, perfektes Wetter um viele Wörter zu schreiben.
Eine Arbeitsauszeit. Haben Sie so etwas auch schon mal gemacht? Und war das erfolgreich? Ich kann noch gar nicht abschätzen, was die Einsamkeit und die Ruhe hier mit mir machen werden, auf jeden Fall werde ich mit Musik gegen etwaige traurige Momente angehen. Im Moment läuft die neue Platte von Simply Red, Big Love, sehr enspannte Abendmusik. Mick Hucknall kann’s noch. Im Ofen knuspert die dänische Schinken-Pilze-Pizza mit extra Oliven und geriebenem Mozzarella und duftet unerwartet gut, während draußen unzählige frisch angereiste und noch gut gelaunte Eltern mit noch unzähligeren jetzt schon gelangweilten Kindern auf dem Weg zum Strand vorbeistromern. Der Audi vorm Haus zieht die Blicke auf sich. Soll er. Ich geh jetzt mal offline und lese ein Buch, vielleicht mach ich auch schon um 21:00 Uhr das Licht aus und schlafe einfach so. Denn ab morgen hab ich viel zu tun. Aber es gibt schlimmere Orte als diesen, um zu arbeiten.

Wir lesen uns

Sandmann

Read more

01 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Keine halben Sachen hier.

Keine halben Sachen hier.

Lass die Funken fliegen

Eine Geschichte von unten.
Was würden Sie für ein altes Auto tun? Also, eins, zu dem Sie eigentlich gar keinen richtigen historischen Bezug haben, weil es zu jung ist, um ein Oldtimer zu sein und zu alt, um einen sorgenfreien Alltag zu garantieren? Eins, bei dem volltanken rund 5% des Wagenwertes ausmacht? Ich bin immer gut zu meinen Autos gewesen. Ich habe sie nie sonderlich gepflegt oder geputzt oder bin sie gar im Winter NICHT gefahren, aber ich war immer gut zu ihnen. Denn dann waren sie (meistens) gut zu mir. Warum sollte ich das bei meinem täglich treuen T-Modell jetzt anders machen, nur weil es eine ellenlange Mängelliste verpasst bekommen hat? Aufgeben war noch nie meins. Teile lassen sich kaufen und Blech lässt sich schweißen. Dies ist eine Hommage an Markus1975 und Alex von den Hallenwerken. Mit Happy End. Na klar.

Schrauben dreeeeehn… Muddern dreeehn…..

Keine halben Sachen hier.

Markus macht kurzen Prozess

Kennen Sie noch das alte Lied aus dem Werner-Film? :-) Ich habe mir einen Nachmittag und einen Abend zwischen Familie, Kiel und Hamburg, Artikel schreiben, Social Media und Schlaf freigeschaufelt (nütza nix) und die lieben, kurzfristigen Angebote der beiden Jungs angenommen. Was sie eint: Sie haben beide eine Halle und eine Hebebühne. Und jeder für sich hat definitiv Schrauberqualitäten. Bei Markus in Wahlstedt legen wir los, Missionsziel sind der Auspufftopf, die Traggelenke und die Koppelstangen an der Vorderachse. Die vorderen Federn bei einem Mercedes-Benz ohne den passenden Federspanner zu tauschen haben wir nach ein paar Minuten fluchen und schimpfen aufgegeben. Für die braucht man den, der von innen in die Feder mit Platten eingelegt wird. Für McPershon Federbeine. Wir haben aber nur die klassischen Krallen von außen, und die haben hier im vorderen Radkasten nicht genug Platz. Keine Kompromisse bei Fahrwerksfedern. Die sind in der Lage, dir mal kurz die Hand abzureißen, oder den Kopf, oder was sonst noch in ihrem Weg ist. Also habe ich morgen Abend gleich noch einen Termin bei Mercedes-Benz in Kiel. Nun ist’s auch egal, sollen die das eben machen. Für Geld. Aber den Auspufftopf – den gehen wir selbst an. Markus trennt schon mal fröhlich funkensprühend das alte Rohr durch, wo die neue Schelle angesetzt wird.

Keine halben Sachen hier.

sieht fast schon deplatziert aus

Man kann für den Endtopf eines S210 T-Modells Baujahr 2001 locker 320 Euro ausgeben. Man kann auch 270 Euro ausgeben. Oder 120 Euro mit dem langen Rohr bis zum Kat (was aber nie kaputt geht). Man kann für einen passenden Endschalldämpfer mit Rohr auch 48 Euro inklusive Schellen, Schrauben und Haltegummis ausgeben. Für alles zusammen. Ich versteh das nicht… Stahl ist doch Stahl, und wir reden hier von einem Zehntel des Preises??? Was geht denn da schief? Keine halben Sachen hier. Als das Ding an seinen neuen Gummis schmatzend unter dem Heck hängt (im Bild sind links und rechts noch fein die schon ungeduldig wartenden Durchrostungen zu sehen) jauche ich noch reichlich schwarzen Auspufflack über alles drüber, damit der zumindest nicht von außen rostet. Jedenfalls nicht so schnell. Okay, der zerbröselte Topf war anscheinend noch der allererste, es scheint also zwischen Stahl und Stahl doch Qualitätsunterschiede zu geben, vermutlich wird dieser keine 14 Jahre halten. Oder? Hat jemand von euch ‘ne Ahnung, worin sich ein Original Auspuff und dieses Billigteil aus Thyssen-Stahl unterscheiden? Immer her mit den Ratschlägen.
So. Sitzt. Weiter geht es mit der Vorderachse.

Keine halben Sachen hier.

wo rohe Kräfte sinnvoll walten…

Markus ist eine Seele von Mensch, so ziemlich der hilfsbereiteste Schrauber den ich aktuell kenne. Angefangen hat unserer rein platonische Beziehung zu Audi V8 Zeiten, inzwischen hat er eine Halle gemietet und die mit einer Hebebühne und allerhand sinnvollem Werkzeug bestückt. “Mein” Audi V8 steht ja auch noch da rum, und falls Sie sich mal gefragt haben was eigentlich aus dem KaSigeworden ist… Geduld, auch der wird hier in der Nähe von Bad Segeberg sorgsam über die Monate gerettet Keine halben Sachen hier.
Fluchen hilft. Haben Sie schon mal die Traggelenke an Ihrem Auto gewechselt? Das sind so kleine bewegliche Kugelköpfe, die auf der einen Seite unten im Federbein und auf der anderen Seite im Fahrwerksrahmen oder Motorträger stecken. Die “tragen” sozusagen das Federbein, an dem das Vorderrad hängt. Sie kosten selbst in Erstausrüsterqualität um die 15 Euro, von Febi, und wer selbstschraubend einen alten Mercedes fährt sollte sich die Frage stellen, warum er irgend etwas anderes als die beste Qualität bei diesen Teilen kauft und warum er nicht regelmäßig diese Teile prüft und gegebenenfalls wechselt. Denn: Wenn die abreißen, weil sie seit Monaten poltern und ausschlagen und das niemanden interessiert – hat das komplette Federbein keine Führung mehr. Das Vorderrad knickt also weg wie ein dünner Ast, je nach Geschwindigkeit reißt das ganz ab und nimmt noch alles um sich herum mit in den Tod. Soll vorgekommen sein. Die hier sind nun nagelneu :-)

Keine halben Sachen hier.

Kleines Bauteil, große Aufgabe

Mitdrehende Muttern? Getriebeheber drunter und dann rohe Gewalt. Konus festgegammelt? WD40 drauf und den Hammer sprechen lassen. Markus schraubt normalerweise an vernachlässigten Audi V8s rum, da kann ihn ein Daimler nicht schocken. Nach 30 Minten sind beide Seiten getauscht, die alten Traggelenke waren eigentlich gar nicht so tot. Aber wenn man schon mal dabei ist, dann auch gleich richtig. Und in die Kategorie “richtig” fällt dann auch der Tausch der Koppelstangen am vorderen Stabilisator. Auch die können für Gepolter sorgen, wenn sie verschlissen sind und auch die kosten nicht die Welt. Kann mir mal jemand erklären, warum man bei solchen Fahrwerksteilen, wo nach ein paar Jahren ein immenser Kraftaufwand zum Lösen nötig ist, mit TORX Innensternschrauben oder wie die heißen arbeitet? Wenn man die rundgnibbelt ist man verloren, dann muss die Flex sprechen. Unsere am Benz lassen sich zum Glück lösen, und mit viel Fett und Kraft und hier nicht zitierten Flüchen gelingt es uns auch, die neuen Koppelstangen mit der neuen Gumminut auf den Stabi zu pressen. Argh. Sitzt. Passt. Ich weiß schon, warum ich kein KFZ Mechaniker geworden bin Keine halben Sachen hier.

Keine halben Sachen hier.

Alles neu macht der Mai

Markus und ich begutachten abschließend mit Argusaugen den Unterboden des dicken Daimlers und stellen fest, dass der bis auf die beiden Durchrostungen gar nicht so schlecht dasteht. Wo die Falze vor dem Lackieren mit Dichtmasse beschmiert wurden ist hier und da Aufmerksamkeit angesagt, aber das sieht alles (noch) gut aus. Notiz an mich selbst für diesen Sommer: Den Keller retten wir. Quasi während Markus den Wagen mit der Bühne wieder in Erdnähe runterfährt tauscht er die beiden unrund abgelaufenen Vorderräder gegen zwei gute vom Taxi (verdammt, andere Alufelgen…) und ich ersetze die hintere Lampe der Nebelschlussleuchte. Wieder so ein Mysterium. Die Ostblock-Noname Billigfunzel sieht einwandfrei aus, intakter Glühfaden und keine Korrosion. Aber sie leuchtet einfach nicht. Neue Birne von Philips eingesetzt – alles geht. Mann! Muss ich erst 44 Jahre alt werden, um endgültig die Schnauze von diesem Billigscheiß voll zu haben? Wer billig kauft kauft zweimal. Ich werde das ab sofort mantramäßig vor mich hin beten, wenn ich Ersatzteile erwerbe. Immer und immer wieder. Warum nun plötzlich der beim TÜV Termin defekte rechte Nebelscheinwerfer auch wieder leuchtet steht allerdings in den Sternen. Er leuchtet. Und das reicht :-)
Hab vielen Dank Markus bis hier hin!!! Morgen Nachmittag bekommt der Benz neue Federn bei Benz in Kiel und morgen Abend schweißen wir die Löcher bei Alex in Kiel zu. Viel Kiel. Auf geht’s.

Keine halben Sachen hier.

Hallenwerke. Mit Blech.

In der Niederlassung in Kiel durfte ich keine Fotos machen :-( Dafür saß ich aber entspannt in der Lounge mit W-LAN und Getränk rum und durfte warten, bis meine selbst mitgebrachten Federn eingebaut und für gut befunden wurden. Okay. Passt. Nach dem Begleichen der Rechnung überlege ich nun allerdings doch, KFZ Mechaniker zu werden. Oder bekommen die pro Stunde etwa nicht das, was ich grad bezahlt habe? Mist. Da hätte ich auch ein Federspanner-Set für kaufen können. UNd noch ein bisschen mehr. Egal. Nun sind die Federn drin und ich muss da nicht nochmal bei. Konzentrieren wir und lieber auf die nächste Halle, irgendwo in Kiel treffe ich auf Familienväter, deshalb ist es auch schon 21:30. Vorher müssen die Kinder noch zu Bett gebracht werden, hart ist das Schrauberleben mit Nachwuchs. Mein Optiker-Freund Alex erfreut sich heute der Unterstützung durch seinem Hallenfreund Mathias, und der fackelt nicht lange. Während ich noch einen großen Karton Negerküsse (oh sorry, das sagt man heute ja nicht mehr) auf der Werkbank platziere drückt er mir schon ein Bier in die Hand und fährt die Hebebühne hoch. Die Flex spricht eine klare Sprache, die Funken fliegen, ich fühle mich irgendwie wohl.

Kunst am Metall

Kunst am Metall

Während Mathias die beiden maladen Stellen mit der heftig rotierenden und schreienden Flex entrostet und das zerfressene Blech entfernt schneidet und dengelt Alex aus ein paar alten neuen Blechresten die beiden benötigten Metallflicken. Immer wieder dranhalten, anpassen und abschneiden, während draußen über Kiel ein Unwetter niedergeht, als wollte der Herrgott uns alle wegwaschen wie damals zu Zeiten der Sintflut. Dabei habe ich mir doch gar nichts zu Schulden kommen lassen.. Oder? Ich glaube nicht. Kennen Sie den Geruch von getrenntem Metall? Wenn es glüht, wenn der Unterbodenschutz wegschmilzt und sich die fliegenden Funken auf den Brillen, den Jacken und allem anderen im Umkreis von drei Metern niederlassen? Das ist Schrauben. Das roch schon immer so, und das spricht von einem erfüllten Abend, wenn man damit fertig ist. Leider dauert das noch ein bisschen. Aber wir werden besucht von einem fröhlichen Vespa Fahrer, der uns ein Wundermittel vom Rost Doc in Kiel anbietet. Fluid Film. Rost Doc? Ich sehe schon, ich muss da noch ein paar Geschichten nachlegen.

Passt? Passt.

Passt? Passt.

Passt?
In den verschiedenen Dekaden der Rostbekämpfung gab es verschiedene Methoden, dem Lochfraß an den Pelz zu gehen. In den 70ern kloppte man den Rost nach innen, klebte eine mit Harz getränkte Polyestermatte drauf und verspachtelte das ganze fein. Wenn es ein tragendes Teil war klemmte man noch eine Coladose hinter die Matte, das ging schon irgendwie. Das ausgehärtete Harz klebte trotz intensivem Waschen noch Monate später an den Händen. In den 90ern ließ man alles wie es ist und punktete mit dem Schweißgerät das neue Blechteil einfach über das Rostloch drüber, sofern noch irgendwo gesundes Blech vorhanden war, was die Schweißpunkte schluckte. Das ging schnell, hatte nur den Nachteil dass der Rostherd natürlich mit seiner originen Aufgabe weitermachte und zwei Jahre später alles noch viel schlimmer aussah. Nun, die Abwrackprämie hat das dann alles klar gemacht. Bei Alex und Mathias wird in den 2000ern (nennt man die so? Oder sind das jetzt die Zweitausendzehner?) alles, was porös ist rausgetrennt und frisches Blech eingesetzt. Vermutlich werden diese Flicken länger halten als die anderen Bleche um sie rum, aber wir sind inzwischen zu alt, um halbe Sachen zu machen. Zack.

Eine Form von Kunst

Eine Form von Kunst

Ich selbst komme mir fast ein bisschen überflüssig vor, weil die Jungs emsig arbeiten und ich so ziemlich gar nichts tun kann als ein paar Negerküsse zu essen und ab und an mal an dem Bierchen zu nippen *burps*. Okay, die Radkästen kann ich abschrauben, und als nach nicht allzu langer Zeit beide Löcher frisch geschweißt sind zücke ich selbst die Flex und mache die Schweißpunkte mit der Schruppscheibe platt. Immerhin kann ich so einen kleinen Beitrag zur Wiederauferstehung des Daimlers beisteuern :-) Als das sagenumwobene Fluid Film vom kmplett an meiner Wahrnehmung vorbeigezogenen Rost Doc trocken ist schmiere ich noch ein bisschen klebrig-schwarzen Unterbodenschutz auf die Bleche und spüre regelrecht körperlich, wie diese beiden verschraubten Tage sich langsam einem Ziel nähern. Dem Ziel der frischen TÜV Plakette womöglich? Von unten sieht nun jedenfalls alles gut aus. Es gibt noch ein paar Stellen, die meiner Aufmerksamkeit bedürfen, unter der Karosseriedichtmasse haben sich ein paar kleine Rostnester in den Falzen festgesetzt. Da müssen wir mal bei. Aber nicht hier und heute. Danke, Jungs, für eure Hilfe! Und jetzt lasst uns mal schlafen gehen, ist ja bald Mitternacht und morgen ist die Nachprüfung…

Für gut befunden.

Für gut befunden.

Hauptuntersuchung, Teil 2.
Und diesmal stehe ich mit dem Prüfer zusammen drunter. Stolz zeige ich den neuen Auspuff, die frisch gelagerte Vorderachse und die geschweißten Bleche nebst neuer Federn. Zwei Sätze bleiben mir wohl von heute besonders im Kopf hängen. “Warum gibst du denn noch so viel Geld für so eine Karre aus mann? Du kriegst doch an jeder Ecke ne neue?” Äh… na ja, weil Sie das so wollten, ich kann den doch jetzt nicht einfach wegschmeißen nur weil er ein paar Mängel hat? *heul* “Ja und ey was ist DAS denn hier, am Motor und am Differential ist ja noch immer Öl. Ey das ist der TÜV hier, da musst du das doch mal sauber machen!” Argh. Ich hatte den vorderen Unterfahrschutz extra noch nicht wieder angeschraubt, weil ich dachte, der gute Mann kann nun besser das Resultat der neuen Federn und Achsteile sehen…? So wird es einem gedankt. Ein bisschen schwitzen sei doch aber eigentlich für einen Motor okay, oder? frage ich. “Ja aber das musst du doch sauber machen das ist der TÜV hier! Da nimm mal n Lappen und wisch das mal weg“. Ich wische. Und bekomme von dem Mann eine geklebt, dieses Jahr in rosa. Hallo HU. Zwei Jahre Ruhe, zumindest offiziell. Außerdem weiß ich jetzt, dass das der TÜV hier ist. Nächstes mal dann wieder GTÜ oder DEKRA.

Na bitte!

Na bitte!

Und die Moral von der Geschicht’?
Durch meinen Einkauf bei motointegrator.de habe ich bei den Teilen einen Haufen Geld gespart. Alles zusammen hat keine 250 Euro gekostet (denkt dran, ihr bekommt mit meinem Code SANDMANNSWE da bis nächstes Jahr 10% Rabatt!). Allerdings ist die Rechnung von Mercedes für den Einbau der Federn nochmal als unangenehmes Bäuerchen aufgestoßen, aber im Gesamtpaket habe ich jetzt wieder einen gesund dastehenden Benz, in den auch mein halbfinnisches Fräulein Altona sorgenfrei und voller Vertrauen einsteigen mag. Das ist wichtig. Alte Karren aus den 70ern hin oder her, aber die Dame des Hauses soll sicher, komfortabel und zuverlässig von a nach b kommen, so sie das wünscht. Mission accomplished. Ein paar Kleinigkeiten habe ich noch vor mir, die Spur muss eingestellt werden, das rechte Bremslicht geht mal und mal nicht (nein, keine Korrosion an dem Lämpchen – vermutlich auch wieder so ne Ostblock-Birne die ich nur ersetzen muss) und na ja… die Türkanten unter den Dichtungen. Die haben den Prüfer nicht interessiert, mich aber schon. Ich mag es einfach nicht, wenn derbe rostige Stellen am Auto zu sehen sind. Es sei denn, ich werf den in 2 Jahren einfach weg. Aber dafür mag ich ihn einfach zu gern :-) Letztes Bild. Finden Sie den Fehler Keine halben Sachen hier.

Finden Sie den Fehler

Finden Sie den Fehler

Andere auf diesem Planeten verbringen Stunden um Stunden mit Photoshop, um ihrem Auto verschiedene Alufelgen draufzupappen und zu gucken, wie das denn so aussieht. Ich für meinen Teil brauche dazu nur einen Radmutterschlüssel. Die innen abgelaufenen Vorderreifen kommen wieder drauf, die sind noch sehr gut, aber vorher lasse ich die Achse vermessen. So mit neuen Federn… da liegt er höher als vorher. Und bei der Gelegenheit werde ich vom Taxi gleich noch die guten Winterreifen abreißen, wer weiß wann ich die nochmal brauchen kann? Seid ihr bei Facebook? Dann schaut doch mal auf der Seite vom Alex und seinen Werkstattkumpels vorbei, da gibt’s immer was zu sehen: Hallenwerke
Sandmanns Welt habt ihr doch hoffentlich alle bereits mit einem Like bedacht, oder? Oder???
Ich geh mir jetzt mal anständig die Hände waschen. Ich weiß, die meisten von euch zelebrieren regelmäßig noch ganz andere Schrauberaktionen, der Benz ist da nur ne Lachnummer. Ich jedoch pendel zwischen zwei Wohnsitzen in Kiel und Hamburg, habe zwei Jobs die mich stark einspannen, zwei Familien in zwei Städten und drei Töchter, von denen eine erst 2 Jahre alt und in zum Glück in einer Kita untergebracht ist, die nur solidarisch mal einen Tag mitstreikt. Aber irgendwas ist immer. Täglich. Da ist einfach nicht viel Zeit übrig. Deshalb bin ich so froh über die unkomplizierte und selbstlose Hilfe meiner Freunde. Nochmal Danke Jungs. Wenn ihr mich mal braucht….

Sandmann

[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]

Read more

31 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Plakettengeschichten

Plakettengeschichten

Alle zwei Jahre wieder

Aaaaaa_lle Jaaahre wiiiiie_deeeer … koommt da_haaas Prüferkind
Untern Daimler nie_hiiie_der wo die_hie Mängel sind ♫
Es ist soweit. Der treue S210, das ach so verschriene “Rostmodell”, muss zur Hauptuntersuchung. Hatte ich den nicht grad erst gekauft, mit fast frischem TÜV? Ist das schon wieder so lange her? Verdammt. Er fährt ja sehr souverän und fluffig, zuverlässig und sparsam, ging während all dieser Kilometer niemals kaputt (im Gegensatz zum Taxi) und rostet, soweit ich das sehen kann auch nur unter den Dichtungen der hinteren Türen. Also denke ich mir – fahr ich doch einfach mal hin zu den freundlichen plakettenklebenden Jungs und nehme, wie beim Audi, gleich einen frischen runden duftigen Aufkleber in rosa mit nach Hause. Äh…. nein. Das war falsch gedacht :-( Und es ist der Anfang einer Bestell- und Schrauberodyssee, die so nicht eingeplant war.

Eine Mängelliste, länger als ein Weihnachtslied.

Plakettengeschichten

Mehr Text als ein Weihnachtslied

Es ist mehr als eine Mängelliste – es ist eine kleine Katastrophe. Nicht in den Augen von jemandem, der professionell Autos restauriert und auch nicht in den Augen von jemandem, der ne Menge Zeit zum Schrauben an seinen Autos hat. Aber in meinen schon, denn der Benz wird täglich gebraucht, ich habe sowieso im Sommer chronisch kein Geld übrig und überhaupt war das jetzt so echt nicht eingeplant. Dreck. Nebelleuchten sind Pipifax, ein “undichtes” Diffi auch (das ist einfach seit 2 Jahren niemals sauber gemacht worden) – aber gebrochene Federn vorn? Verdammt. Ein Klassiker beim W210 und S210. Und der damit zusammenhängende Reifenverschleiß, na gut, selbst Schuld, wenn sich die Karre korrodierend selbst tiefer legt laufen auch die Reifen unrund ab. Der Rost hält sich in Grenzen, nur zwei Stellen, was um alles in der Welt ist denn der “Hilfsrahmen”? Ist das die hintere Achsaufhängung? Na super. Und die Bremsschläuche und die Bremsen gehören offensichtlich zu den bedrohten Arten, wenn auch nicht akut. Und der Auspuff. Ach? Hört man gar nicht. Genaugenommen eine gute Bilanz für ein 14 Jahre altes Auto, das bisher nicht viel Liebe von mir bekommen hat. Ich habe nicht ein einziges mal drunter gelegen. Das sollte, nein das MUSS ich wohl jetzt mal nachholen. Erstmal zu Markus1975 nach Wahlstedt, da steht noch mein Taxi. Schauen wir doch einmal, was wir von dem noch so retten können.

Plakettengeschichten

Er schwindet dahin, der weit Gereiste

Da ist er wieder. Der alte Herr mit den 650.000 Kilometern auf dem Tacho. Er liegt da rum, als hätte ich ihn grad erst geholt. In schweren Zeiten hat er meistens funktioniert. Ja, es gibt ihn noch, aber auch nur weil ihn niemand, ich betone NIEMAND nicht mal mit TÜV und einem Haufen neuer Teile (Servolenkgetriebe, Bremsen, Scheinwerfer, Saugrohr, Dieselleitungen und und und) für magere 900€ haben wollte. Tz. Egal, zu spät, das Schlachtfest hat begonnen. Schlösser, Türverkleidungen und Fensterheber sind schon raus, die hinteren Leuchten auch, da könnte ich die Nebelschlussleuchte abzweigen. Aber der Rest… Hm. Für meinen Daimler ist da quasi nix dabei, jedenfalls nicht, wenn man es ernst meint mit seinem Leben. Gebrauchte Bremsen baue ich nicht ein, da kommen nur neue Teile an die Achse. Die alten Federn kann ich auch nicht nehmen, weil ich jetzt ja die Ausstattung “Avantgarde” fahre, der ist ab Werk ein bisschen tiefer als der “Classic” und hat andere – kürzere – Federn. Na super.

Plakettengeschichten

Brauch ich alles nicht – also ab zu ebay

Dann schleppe ich eben den ganzen Kram in der Pappkiste mit und beginne, den beigen Truppentransporter bei ebay rauszukloppen. Irgendwann mal. Wenn ich dazu Zeit habe, meine Uhr tickt jetzt erstmal die Tage bis zur 5 Euro teuren Nachprüfung runter. Warum hat mir in der Werkstatt eigentlich niemand gesagt, dass da der TÜV selbst prüft? Also der “TÜV” TÜV? Mit der DEKRA oder der GTÜ habe ich zeitlebens wesentlich entspanntere Erfahrungen gemacht. Okay, gebrochene Federn müssen bemängelt werden. Aber der Auspuff und der Hilfsrahmen… Nächstes mal stehe ich wieder mit dem Prüfer gemeinsam unter dem Auto. Markus, lass uns den Dicken mal auf die Bühne nehmen bitte. Ich will das mit eigenen Augen sehen.

Plakettengeschichten

Oh. Ach DAS meinte der Prüfer.

Ups. Ja nun. Der fette quer eingebaute Endtopf hängt nur noch an einer einzigen Aufhängung, die sich bei genauerem Hingucken als bereits schon mal nachgeflickte winkelig gedengelte und stümperhaft angeschweißte Gewindestange entpuppt. Die Außenhaut ist quasi nicht mehr dran. Das sind Fluch und Segen des Turbodiesels mit Kat. Segen: Der ist hinter dem Kat so leise, dass ich auch komplett ohne Endtopf fahren könnte. Es… äh… es ist ja nicht so, dass ich das nicht auch schon mal über ein Jahr lang mit meinem Rudolf gemacht hättePlakettengeschichten *flööt* Fluch: Es scheint noch der allererste Topf unter der Heckklappe zu hängen (Hut ab Mercedes-Benz), und niemand bekommt es mit, dass der sich nun endgültig aufgelöst hat. Weil man es nicht hört. Ach doch, einer hat es mitbekommen – der Prüfer. Vielleicht hätte ich mich vorher wenigstens einmal drunter legen sollen, mit so einer porösen Altblechatrappe ist es ja schon fast peinlich, auf eine Plakette zu hoffen. Wie unangenehm. Schauen wir mal, was das Rostmodell an Rost zu bieten hat:

Plakettengeschichten

Der Klassiker unter den Rostlöchern

Die Reserveradwanne. Ein Klassiker. Die tiefste Stelle im hinteren Fahrzeugbereich, wo sich alles sammelt, was so in einem Autoleben auf der Ladefläche ausläuft. Wasser, Brause, Bier, Wein, Farben und Lacke, Lösungsmittel, Urin von diversen Haustieren und was weiß ich was man alles in einem T-Modell durch die Gegend kutschiert. Das ätzt von oben. Von unten wirft in diesem Bereich das linke Hinterrad fleißig Wasser, Dreck und Salz dagegen. Da kapituliert irgendwann jedes Blech, das ist nicht nur bei Mercedes so. Also. Die ist nun durch. Die Wanne. Aber das sollte kein Problem sein, der Bereich ist nach Demontage des inneren Plastik-Radkastens (drei Schrauben) gut zugänglich. Vorher muss natürlich das Reserverad raus Plakettengeschichten Bei modernen Autos kennt man dieses Problem nicht, die haben ja keine Reserveräder mehr. Da steckt nur noch eine Dose Reifenpilot in der Seitenablage, na wenn das bei einem Platten mal wirklich reicht? Ich habe gern noch ein altes, schweres Reserverad und das gute Gefühl, definitiv nicht wegen einer kalten Lötstelle in irgendeinem bekloppten Steuergerät liegenzubleiben. Aber ich schweife ab.
Hallo Hilfsrahmen.

Plakettengeschichten

Das ist ja fast schon albern.

Spiegelverkehrt zur durchgerosteten Reserveradwanne ist im Spritzwasser des rechten Hinterrades ein Winkelblech, an dem der rechte innere Radkasten angeschraubt wird. Mehr nicht. Keine tragenden Teile und eigentlich auch keine weitere Funktion. Hier verzeichnen wir den aus Funk und Fernsehen bekannten Lochfraß, der sonst nur an den Heizstäben von nicht-Kalgon-gepflegte Waschmaschinen auftritt und von einem Herrn Bürgi demonstriert wurde. Genaugenommen kein Grund zur Bemängelung, aber ich denke der Prüfer zeigte sich von dem rotten Auspuff und den gebrochenen Federn derart provoziert, dass er sich gleich das ganze Paket aufgeschrieben hat. Wenn schon denn schon. Okay, es ist wie es ist, ich habe ab jetzt noch drei Wochen Zeit und eigentlich keine Zeit.
Auf ins Netz, zum Start der Aktion die benötigten Ersatzteile ranschaffen. Die Zeit läuft. Mein Schwerpunkt: NICHT den billigsten Schrott, den man gern mal bei ebay in zweifelhaften Shops bekommt. Ich will BOSCH, ATE oder andere Erstausrüster. Zumindest, was das Fahrwerk betrifft, beim Auspuff lasse ich noch mit mir handeln, da kostet so einer gern mal halb so viel wie der ganze Daimler. Was sind die bekannten Plattformen? kfzteile24.de? departo.de? autoteile-guenstig.de? Ich finde was ganz anderes. www.motointegrator.de:-) Schon mal gehört? Ich noch nicht. Liest sich aber gut, was dort geschrieben steht.

Plakettengeschichten

Ab ins Netz, Teile kaufen.

Bau ich das doch mal in meine Geschichte ein: Motointegrator gehört zur Inter Cars SA, die seit 25 Jahren weltweit Ersatzteile vertreibt. Die bieten auch Teile für ältere, auch für SEHR viel ältere Autos an (auch für meinen 38 Jahre alten Audi, aber das ist eine andere Geschichte) und es gibt die Möglichkeit, zwischen Premiumanbietern und Budgetanbietern mit guten Kundenbewertungen zu wählen. Für europäische, amerikanische und asiatische Autos. Klingt wie ein Pressetext? Plakettengeschichten Nicht ganz, ich habe mich da ein bisschen reingelesen und dann meine Bestellung aufgegeben. Federn vorn von Lesjöfors, Bremsscheiben und Klötze von BOSCH hinten und vorn, dann gleich noch neue Traggelenke und Koppelstangen vorn. Bremsschläuche, einen Auspuff (da hab ich einen billigen genommen :roll: ) und wenn ich schon mal dabei bin neue Radlager hinten und vorn. Weil ich immer Lust habe, aus meinem Alltag eine Geschichte zu machen und weil ich ein kommunikativer Knopf bin rufe ich da einfach mal an:

Plakettengeschichten

Investigativ Telefonate

Drrriinggg hallo. Ich erfahre nicht nur, wie schnell die Teile da sein können (zwei Tage) sondern auch die weiter oben zitierten Firmeninformationen. Und ich bekomme noch ein kleines Schnäppchen: Einen Gutscheincode für Sie und euch hier im Blog. YES. Denn ich gehe mal davon aus, dass ihr die Website genau so wenig kennt wie ich, und wenn ich dermaßen freundlich behandelt werde gebe ich den Support gern weiter. Ab heute bis zum 01.06.2016 (also ein Jahr lang!) bekommt ihr auf alle eure Bestellungen bei Motointegrator.de einen Rabatt von 10% auf den Gesamtbetrag. Immer wieder. Und was müsst ihr dafür tun? Nix. Kein Gewinnspiel, kein Online-Seelenstrip, schaut einfach mal da rein und wenn ihr für euer Auto was findet – bestellt es mit dem Code und schönen Grüßen :-) Code? Code. Der hier:
SANDMANNSWE
Der gilt für Ersatzteile (und bitte NUR für Ersatzteile) und wird im Warenkorb eingegeben. Und dann gibt es 10%. Die Differenz nehme ich gern persönlich als Rotweinspende entgegen :-) Ich schick meine Liste jetzt mal ab und harre dem Postmann, dass er zweimal klingelt. 4. Stock. Na der wird sich freuen.

Plakettengeschichten

Augen auf bei der Berufswahl

Wer einmal drei Kartons mit Bremsscheiben und Klötzen, Radlagern, Traggelenken und ähnlichen Artikeln, die definitiv nicht aus leichtem Material hergestellt wurden, bis in den 4. Stock getragen hat der überlegt sich danach, ob er wirklich bei DHL oder GLS oder HERMES hauptberuflich Paketbote werden möchte. Der gute Mann, der das hier hochgebuckelt hat ist es schon, überlegt aber nun, den Job zu wechseln. Ich für meinen Teil finde seinen Einsatz super, fluche aber in mich rein weil ich die Pakete alle wieder RUNTER tragen muss. Ich kann die Arbeiten ja nicht hier oben in der Wohnung ausführen :-( Na toll. Aber beeindruckend ist, dass tatsächlich nach zwei Tagen alles da war. Sauber. Ich telefoniere derart euphorisch bestückt noch mit Markus und Alex. Beide haben Hebebühnen. Bei Markus wollen wir die Vorderachse angehen, bei Alex die Schweißarbeiten. With a little Help from my Friends, sangen die Beatles damals. Ich bin so dankbar über meine Kumpels aus der schraubenden Fraktion. Alleine würde ich das diesmal nicht stemmen….

Plakettengeschichten

Kombi? Braucht man nicht.

Sie erinnern sich an das Bild ganz oben? Da habe ich den Kram gerade ins Auto gebuckelt. Kombi – braucht man nicht? Hm. Vielleicht doch, es kommen nachher noch der Auspuff und die Federn dazu. Morgen schrauben und schweißen wir los. Und Sie werden gefühlt live dabei sein. Geschichten von Schweiß, Funken und Unterbodenschutz. Von Auspuffen und Blechtafeln. Von Fett, mitdrehenden Muttern und Rost. Und von der Erkenntnis, dass man bei dem W210 regelmäßig die Traggelenke wechseln sollte, sonst… aber bleiben Sie neugierig :-) Es geht bald weiter. Bis dahin mal alle ab auf  www.motointegrator.de, fein mit dem Code arbeiten, und berichtet mal ob ihr da für euer Auto fündig geworden seid. Bei mir hat alles wunderbar geklappt!
Und schimpft nicht auf das Vierauge. Andere Autos rosten und verschleißen auch. Wir lesen uns dann von unter der Hebebühne…

Sandmann

Read more

Created Sonntag, 31. Mai 2015 Tags Alltag im W210 | erhebliche Mängel | HU | Mängelbericht | mercedes | Mercedes S210 | T-Modell | TÜV | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
18 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Wo ist mein Auto?

Wo ist mein Auto?

Vergessen? Nicht… GANZ.

Jugendlieben. Jugendsünden.
Die Karre, die in meinem Leben beides vereint existiert noch immer. Granada Coupé, Baujahr 1975. Gefahren von 1993 bis 1995 und dann so wie er war weggestellt, weil ich ihn damals eigentlich verschrotten oder verschenken wollte. Das habe ich nie getan. Nun stolpert ein Fernsehteam des NDR über meinen Blog und fragt, was denn aus dem Auto geworden sei? Und ob man mit mir eine kleine Reportage über das Thema “Unsere Geschichte – mein erstes Auto” drehen könnte? :-)Ja aber sehr gern!, sage ich der freundlichen Dame am Telefon. Wir machen einen Drehtermin. Und nur wenige Minuten später stehe ich total bedröppelt da. Wo hatte ich die Karre den rostigen Saurier eigentlich eingelagert? Ich habe weder einen Namen noch eine Adresse, und es ist fast 5 Jahre her dass ich mal da war. Verdammt. Wo ist mein Auto???

Total bescheuert, oder? Stimmt.

Wo ist mein Auto?

Ersatzteile rein und ab in die Garage

Jeden Monat überweise ich einen kleinen Betrag Garagenmiete für dieses alte V6 Schiff aus meiner Sturm-und-Drang-Zeit. Aber ich habe vergessen, wo der Örg und ich den damals hingeschleppt hatten. Ich war der Meinung, dass es ein Bekannter von ihm war und rufe ihn an. “Wa? Neee, ich hab keine Ahnung wer das war, der Kontakt kam von dir. Ich kenn den gar nicht!” Oh. Das hilft mir nicht wirklich weiter. Wer hatte mir denn diesen Stellplatz vermittelt??? Himmel! Das war irgendwo bei Rendsburg, ich erinnere mich noch daran, dass wir den Granada damals mit allen Ersatzteilen vollgeladen haben und von Örgs Werkstatt mit dem V8 und einem Trailer da hin zogen. Wann? Keine Ahnung, 2010 oder so. Ein Resthof, Wiesen und ein paar Garagen. Ein netter Kerl, der das alles gekauft hatte und da auch Konzerte veranstaltet. Ich frage auf Facebook rum und ernte vor allem Schmäh :-( Wie bescheuert man sein kann, dass man nicht mehr weiß, wo man sein Auto abgestellt hat. Ja nun. Ich hatte halt ein paar Jahre lang andere Sorgen, was soll ich denn machen? Keiner kann sich erinnern, woher der Kontakt zu dem Bauernhof herkam oder wo der überhaupt ist. Niemand. Außer Steffi, “Seinekleineschwester“, die mir einen Namen nennt, der sich mit dem Namen auf meinen Kontoauszügen deckt. Ah. Nun habe ich noch immer keine Nummer, aber einen Namen.

Wo ist mein Auto?

Ein Prosit auf den Stellplatz. Aber WO?

Obwohl….
Doch, eine Nummer habe ich schon. Nur eben keine Telefonnummer. Sondern eine Kontonummer. Der Drehtermin rückt näher, und ich komme mir täglich ein bisschen bekloppter vor, dass ich dem Redaktionsteam am Telefon regelmäßig sagen muss, ich wisse noch nicht genau, wo der Wagen eigentlich stehen würde, aber ich arbeite daran. Gut organisierten Menschen passiert sowas nicht, die wissen im Allgemeinen, wo ihre Autos stehen. Ich bin nicht gut organisiert. Und der Granada… steht da ja sogar schon recht lange…
Ich überweise dem Garagenbesitzer einen Euro, schreibe in den Betreff der Überweisung meine Handynummer und die Bitte, mich doch dringend einmal anzurufen :-) Ha. Ich Fuchs. Was Ole drei Tage später dann auch macht. Und ich falle aus allen Wolken. Ja klar. Ole!! Den habe ich auch als Ole im Telefon gespeichert, das ist der Typ wo mein Auto steht??? Und sein Resthof ist der Resthof, auf dem ich erst vor drei Wochen bei einem Konzert meinem Freund Danny zugehört und zwei Bier getrunken habe???? Ohne den Ort wiederzuerkennen, wo mein Coupé steht????? Ohgottogott es wird ja immer peinlicher. Ole ist umfassend amüsiert, ich frage ob er zu Hause ist und mache mich auf den Weg. Ich war ja grad erst da :roll:

Wo ist mein Auto?

Erkenntnisse…

Ja klar. Unter diesen Vorzeichen erkenne ich den Ort jetzt auch wieder. Ich denke, es ist ein deutliches Zeichen, sein Leben dringend zu entschleunigen, wenn man auf einem Konzert ist und noch denkt: Mensch das wär hier doch super, um alte Autos unterzustellen! – ohne das mit dem Platz übereinanderzubringen, an dem genau das eigene alte Auto bereits seit Jahren steht! Ole lacht und lacht, als ich ihm das erzähle. Ja na klar, Ole. Jetzt erkenne ich auch den Typen wieder, der uns damals in Empfang genommen und den Wagen eingelagert hat. Es ist der gleiche, der mir auf dem Konzert vor drei Wochen zwei Bier verkauft hat. Ich muss entschleunigen, noch mehr, echt dringend.
Ein Garagentor. Ich rufe das Filmteam an und gebe Entwarnung. Ja, sie können kommen. Ich habe mein Auto vermutlich wiedergefunden.

Wo ist mein Auto?

Ali Babas Schatzkammer

Da steht er. So, wie er 1995 abgemeldet wurde. Die Aufkleber sind noch drauf, die Bonbons im Handschuhfach und der Pizzazettel und ein Parkschein liegen im Fußraum. Es hat sich nichts verändert. Warum auch? Ich wollte ihn ja damals nicht verkaufen und habe ihn weder aufgeräumt noch sauber gemacht. Das Jahr 1995 ist direkt in ihm eingefroren worden.
Die Geschichte verdient eigentlich noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und noch mehr Bilder, und glauben Sie mir – die kommen auch noch. Aber jetzt steht das Kamerateam neben mir und filmt mich, wie ich zum ersten mal seit all diesen Jahren das Tor öffne. Und was so in mir vorgeht, als ich mich wieder in meinen alten Granada setze. Nicht ganz mein erstes Auto, aber fast. Und dieser Film kommt am Mittwoch Abend um 21:00 Uhr im NDR Fernsehen: Unsere Geschichte – Mein erstes Auto.
Vorher bin ich noch ab 16:10 Uhr live zu sehen auf dem Sofa in: Mein Nachmittag.

So, und nun kommt ihr :-) Habt ihr auch schon mal euer Auto nicht gefunden? Und dann? Ich bin gespannt auf das Interview (ich habe KEINE Ahnung wie das laufen wird) und ich bin gespannt auf die kleine Reportage (ich habe KEINE Ahnung was da von dem gefilmten Material gesendet wird). Und ich hoffe, Sie und ihr seid dabei?

Sandmann

Read more

Created Montag, 18. Mai 2015 Tags Absurdistan | Coupé | finden | Ford Granada | Granada Coupe | Granada MK 1 | Heimwärts Highways | Scheune | vergessen Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
13 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Brot und Spiele

Brot und Spiele

Groß, rund, unfassbar

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Drei Tage sind viel zu kurz, um alle gegessenen Pizzen hier zu zeigen. Ich bin ja kein Food-Blogger, ich finde es schon anstrengend genug, auf Facebook ständig sehen zu müssen, was andere gerade essen, wie sie es kochen oder in welchem Etablissement sie gerade sitzen :-) Heute kommen zu unserem städtischen Etablissement noch ein paar kleine Katastrophen dazu, ähnlich wie auf dem Hinweg, viele alte Steine und jede Menge ganz alte Geschichte zum Anfassen unter einem blauen, italienischen Himmel. Ein paar der geschichtsträchtigsten Plätze Roms und Bestandteil der meisten Asterix Hefte – der große Zirkus und die klassische Tempel- und Shoppingmeile. Beides rund 2000 Jahre alt, beides nicht mehr ganz so gut erhalten und beides natürlich mit sagenhaft langen Schlangen von blöden Touristen belagert. Endspurt, los, ich will heute mal was altes sehen! Und ne Pizza.

Man –könnte– wie zu all den anderen Plätzen in den vergangenen Tagen zum Kolosseum von hier aus zu Fuß gehen, aber heute sind wir faul.

Brot und Spiele

unter der Erde

U-Bahn fahren in Rom klingt vielleicht auf den ersten Blick abenteuerlich, auf den zweiten ist es das auch. Nicht etwa, weil das Schienennetz so verwirrend ist, nein, daran liegt es nicht. Ich hatte mich schon gewundert, warum die freundliche Dame in der unter Tage befindlichen Information zwischen Pennern und Selfie Stick Verkäufern lachend zusammengebrochen ist, als ich sie nach einem Linienplan für das U-Bahn Netz fragte. Sie hätte mir auch fast einen verkauft, aber ich wollte keine drei Euro zahlen. Später wusste ich dann, warum wir ihr Lachen noch zwei Stationen weiter hören konnten: Es gibt unter Rom nur zwei U-Bahn Linien, die in einem Kreuz unter der Stadt laufen. Zwei. Es ist quasi unmöglich, in die falsche einzusteigen. Ah. Was diese Art der Fortbewegung aber trotzdem abenteuerlich macht ist die schiere Menge an Menschen, die an besonders bekannten Haltestellen gleichzeitig in die Züge ein- oder aussteigen will. Aber irgendwas ist ja immer. Wir sind da.

Brot und Spiele

Ich hatte mir das größer vorgestellt

Das Kolosseum. Endlich! Während wir noch überlegen, ob wir uns hinten an die Schlange anstellen oder wieder die zeitraffende Touristenfalle “Skip the Line” kaufen lese ich mich ein bisschen in die Geschichte dieses gigantischen Theaters. Denn hier war ich damals nicht drin. Ungefähr ein Menschenleben nach Christi Geburt ist das Kolosseum fertig geworden und bot damals 50.000, ja FÜNFZIGTAUSEND Menschen Platz. Die saßen auf mehreren Rängen auf Marmorklötzen, der Eintritt war frei, es fanden den ganzen Tag Veranstaltungen statt. Das Volk wollte bei Laune gehalten werden, denn wenn es genug zu Essen und gute Unterhaltung hatte fing es nicht an, die Regierungsform zu hinterfragen. Der Zirkus muss beeindruckend gewesen sein, wilde Tiere, aus den fernen römischen Kolonien auf der ganzen Welt mit Schiffen rangeschafft wurden über den Sand der Arena in der Mitte getrieben. Für die Giraffen gab es sogar extra hohe Tore. Und natürlich sahen sich Kinder wie Erwachsene nicht nur die lustigen Tiere an, sondern auch die nicht ganz so lustigen Menschen, die auch da unten waren. Und dann wurde es krass. Aber Moment, da wanzt sich ein britischer Einpeitscher an uns ran und will uns geführte Kombitickets für den Zirkus und das Forum Romanum verkaufen. Jep. Nehmen wir. Und jetzt bin ich erstmal pleite, aber drin.

Brot und Spiele

Echt und groß. Skip the Line.

Die diesmal nicht ganz so attraktive, aber trotzdem sehr belesene Führerin kniet sich professionell rein und erzählt uns allerhand von der Architektur und den Dingen, die zwischen den Mauern passiert sind. Damals. Zwischendurch betont sie ein paar mal, dass wir alle zunächst bei der Gruppe bleiben sollen, weil wir keine einzelnen Tickets haben und nur im Verbund mit dieser Gruppe nachher raus und auch ins angrenzende Forum Romanum und den Palatin wieder REIN kommen. Check. Und dann blende ich sie langsam aus und versinke in Vorstellungen, Geräuschen und haptischem Begreifen.
Es gibt nur noch eine kleine Ecke, in der die Bänke aus Marmor so sind wie sie mal waren. Alle anderen Steine hat man nach und nach als Baumaterial für andere Gebäude verwendet, Petersdom und so. Aber trotzdem vibrieren die Steine vor lauter Geschichte. Was muss hier für ein Wuseln, für eine Stimmung gewesen sein, als die tausende von Zuschauern in den Morgenstunden aus den Vomitorien auf die Ränge gekotzt wurden? Die Arena in der Mitte war mit Holzplanken belegt, auf denen frischer weißer Sand lag. Darunter schlängelten sich im Dunkeln, spärlich und stinkend beleuchtet von Fackeln, die Gänge und Räume für die Kämpfer, die Gladiatoren, und die wilden Tiere. Es waren verurteilte Verbrecher und Sklaven, die hier ihrem fast sicheren Tod entgegen sahen.

Brot und Spiele

Die Sprengung von allem Fassbaren

Zur Belustigung des Volkes kämpften Menschen gegen Menschen oder gegen Tiere. Sie hatten verschiedene Waffen, vom Netz bis zum Schwert, und wurden sogar in eigens dafür eingerichteten Schulen für diese Kämpfe ausgebildet. Ihre einzige Überlebenschance war, den Kampf zu gewinnen oder eine so gute Nummer hinzulegen, dass der oft anwesende Imperator, der Caesar, seinen Daumen hob und damit dem Gladiator die Freiheit schenkte. Ihm zumindest seinen Tod ersparte. Oft stimmte auch das Publikum ab. Nach einer bestimmten Anzahl von überlebten Kämpfen konnten einige der Statisten sich auch freikaufen. Soweit die historische Theorie. In der Praxis erstachen und zerfleischten sich täglich Menschen und Tiere, und jeden Abend war der weiße Sand rot von Blut und Leichenteilen und muss besonders an warmen Tagen erbärmlich gestunken haben. Und wer nicht oben in der Arena gestorben ist verreckte später elendig an seinen infizierten Wunden. Die Zuschauer aßen dabei Knabberkram und amüsierten sich köstlich.
Und wissen Sie, was mich an all dem jetzt so fasziniert? Es ist HIER gewesen. Das ist kein Museum oder ein Film, es war genau HIER. Ich fasse die Mauern an, die schon vor 2000 Jahren todgeweihte Menschen berührt haben. GENAU diese Mauern. Sie sind genau diesen Wen über genau diese Steine gegangen. Das plättet mich immer wieder.

Brot und Spiele

Alle da? Dann kann es ja losgehen.

Wie muss die Luft gekocht haben unter den riesigen Sonnensegeln, die an hölzernen Masten über der Arena gespannt waren? Und was für ein krasser Kontrast zum Geruch von Schweiß, Blut und Tod unter dem Sandboden in den Gängen, wo man die Tiere schon fauchen und scharren hören konnte. Ich streiche über die Brüstungen, fasse alles an, versuche es zu begreifen und stelle mir die Szenen vor. Unsere Führern ist inzwischen zum Ende gekommen und ermahnt uns, um 16:30 Uhr an dem Bücherladen am Ausgang zu sein, von wo man uns geschlossen rüber zum Forum führen wolle. Meine große Tochter und ich stromern noch die Ränge rauf und runter, lachen über die Selfie Stick Fraktion und genießen ganz nebenbei auch die echt bräunende Sonne Italiens, während Norddeutschland im Regen ersäuft. Ach ja, einen Selfie machen wir natürlich auch noch, nein, SIE macht ihn. Ganz ohne Stick. Wie sich das gehört für eine angehende Fotografin Brot und Spiele Hübsch ist sie. Und ich kann herrlich blöd gucken. So haben wir eben alle unsere Gaben…

Brot und Spiele

Selfie ohne Stick

Um 16:25 Uhr stehen wir am Bücherladen.
Um 16:35 merken wir, dass es zwei gibt, und der hier ist nicht der am Ausgang.
Um 16:38 ist niemand mehr da, mit dem wir mitgehen könnten.
Na klasse. Rausgehen bedeutet endgültig raus, ich habe aber sehr viel Geld für das Kolosseum UND das Forum bezahlt und ärgere mich grün und blau.
Greg, ein smarter Brite mit vielen neugierigen Menschen im Schlepptau fragt mich, wie denn unsere Führerin geheißen habe. Das weiß ich doch nicht! Klein, 50, schwarze Haare, wenig Humor. Er telefoniert. Er erklärt ein paar Leuten die Situation. Verrücktes Business, die kennen sich alle. Und er schickt uns raus aus dem Kolosseum, raus auf den Vorplatz. Denn da steht die nächste Gruppe mit einer neuen smarten Führerin, die uns zwei kostenlose Tickets in die Hand drückt, die eigentlich die Guides bekommen. Bei einer Kontrolle müssten wir wohl draußen bleiben, wir seien ja schließlich keine Guides, aber man könne es ja mal versuchen, sagt sie. Das finde ich cool. Sehr cool.

Brot und Spiele

Menschlichkeit. Überraschend.

Ein Stück Restglauben an die Menschlichkeit zurück gewinnend sitzen wir zwei noch ein bisschen vor dem Forum und dem Palatin, dem ersten besiedelten der sieben Hügel Roms rum und mampfen ein Sandwich mit luftgetrocknetem Schinken und Mozzarella. Pizza gibt es hier nicht. Wir üben den unbeteiligten Blick, den die Guides beim Passieren der Schranken immer aufsetzen und glauben fest an unseren Erfolg. Bisher hat doch alles einwandfrei geklappt, wenn auch mit Stolperfallen. Und 15 Minuten später stehen wir zwischen alten Mauern und erfahren auf Englisch wissenswertes über die Paläste auf dem Palatin, die Geschichte der ersten Besiedlung Roms und die Zeit um Christi Geburt. Nun weiß ich auch, warm es nur zwei U-Bahnen gibt. Es ist fast unmöglich, Tunnel unter der ewigen Stadt zu graben, ohne nennenswerte Mengen an historischem Material zu zerstören. In den Jahrtausenden ist der Sand und Matsch um etwa sechs Meter nach oben gewandert, man vermutet dass rund 2/3 der antiken Mauern noch immer unter dem Erdboden darauf warte, ausgegraben zu werden. Nicht jeden hat freilich das antike Welterbe beeindrucken können. Mussolini ließ ohne Rücksicht auf Verluste eine breite Prachtstraße quer durch die Ruinen und Ausgrabungen ziehen, um seinen Kollegen Hitler mit einer Fahrt in Richtung Kolosseum zu beeindrucken. Seltsame Prioritäten. Wir stehen derweil unter einem Triumphbogen, der von Kaiser Titus, auf dem ein Gespann mit vier Pferden zu sehen ist. Hinten drauf steht die griechische Siegesgöttin Nike, und ich mag dieses Motiv so gern, weil ihr geschwungener Flügel ganz rechts im Bild das Logo einer ähnlich klingenden Bekleidungsmarke geworden ist Brot und Spiele

Brot und Spiele

Nike? Ja, Nike.b

Vom Palatin aus, auf den Ruinen der gigantischen Villa von Augustus stehend, hat man einen grandiosen Blick auf den Circus Maximus, die vermutlich größte Arena der Antike und der Neuzeit. Der Welt. Des Universums. Es hat nie wieder einen größeren Veranstaltunsort gegeben. Und wissen Sie was? Der Anblick ist relativ unspektakulär, man ahnt das Oval der Rennbahn für die Wagenrennen und die Anhöhe der Tribünen, alles mit Gras bewachsen. Keine Steine. Na klar – die liegen ja auch alle ein paar Meter unter Dreck und Schlamm, und weil es da recht sumpfig ist hat man noch nicht mit den Ausgrabungen angefangen.
Es gibt fesselnde Bücher, welche die Plätze dieses Zentrums des kulturellen und politischen Lebens der Stadt mit durchsichtigen Folien im Heute und Damals darstellen. Es muss hier wunderschön und beeindruckend urban gewesen sein. Es gab Brunnen, Basiliken und Kirchen, der Senat tagte hier und mittendurch geht die Via Sacra, die berühmte alte Straße vom Kapitolhügel zum Kolosseum, auf der schon so mancher Imperator in seinen Sandalen stapfte. Und da ist es wieder. HIER war es. Ich laufe den gleichen Weg, das ist kein Museum. Noch um 1800 guckten hier nur ein paar vereinzelte Säulen aus dem Rasen raus, mit den Ausgrabungen im hochgelevelten Boden hat man erst vor rund 200 Jahren begonnen.

Brot und Spiele

Wandeln wie der Imperator

Schwer, die Sicherungen drin zu behalten. Die anderen Touristen verteilen sich angenehm auf die Fläche und die schmeißfliegigen Selfie Stick Verkäufer dürfen nicht rein. Ich streichel hier einen Stein, fasse da eine Mauer an und lege meine Arme dort um eine Säule. Wenn diese Mauern doch erzählen könnten. Was mögen die bloß alles schon gesehen haben! Vielleicht will ich das auch gar nicht so genau wissen. Meuchelmorde, Ehrungen, Paraden. Geschäftiges Treiben und profane Einkaufstouren in die Basiliken, eben um die Dinge des täglichen Lebens zu besorgen. Meine attraktive Begleiterin philosophiert vor sich hin, wie es wohl wäre, wenn man ein paar Tage im Damals leben könnte. Der klassische Zeitmaschinen Gedanke, und das in dem Jahr, in dem Marty McFly in der Zukunft gelandet ist. Ich habe mich das aber auch schon oft gefragt, wie es wohl wäre, mal im Damals zu sein. Die Luft zu riechen. Die Menschen reden zu hören. Zu essen und zu trinken, was sie gegessen und getrunken haben. und schon fühle ich mich wieder sehr vergänglich, denn ich habe definitiv nichts erschaffen, was 2000 Jahre später noch von Menschen angefasst wird. Aber okay, ich bin auch kein Kaiser oder Caesar, und das ist ja auch ganz gut so. Guck mal. Säulen, die stehen hier schon sehr lange, die sind auch auf vielen ganz alten Bildern und Zeichnungen drauf.

Brot und Spiele

Ich und 2000 Jahre alter Kram

Mann war das alles groß und prachtvoll.
Wenn ich mir vorstelle, wie lange ich allein an einem einzigen Bauteil so einer Säule mit Hammer und Meißel rumkloppen würde, bis sie diese perfekt symmetrische Form hat – man bekommt tatsächlich einen Eindruck von der Ewigkeit. Und nun rufen die Schuhe von unten, dass sie schon echt weit gelaufen sind. Der Schrittzähler im Samsung Handy meiner Großen behauptet, dass wir jeden Tag mehr als 15 Kilometer gestapft sind, und heute wird das bestimmt nicht anders sein. Also gönnen wir uns einen Platz in der U-Bahn für den Rückweg und überlegen, was wir noch nicht gesehen haben.Eigentlich war ziemlich viel dabei, auch Orte, die ich hier jetzt mal stumpf weggelassen habe. Die Engelsburg, die Piazza Navona, die Piazza Popolo, das Patheon und was weiß ich nicht noch alles. Man kommt ja ständig an irgendwelchen berühmten Gebäuden vorbei, mit den Bildern die wir gemacht haben könnte ich 10 Geschichten füllen. Aber das will ja keiner Brot und Spiele Außerdem haben wir Hunger. Also ab nach “Hause” in Richtung Vatikan.

Brot und Spiele

Liebe unter Tage in der ewigen Stadt

Karierte Decken, fast nur Einheimische (so weit ich das beurteilen kann, jedenfalls reden alle sehr schnell und sehr Italienisch), lustige Musik und ein mürrischer, aber aufmerksamer Kellner. So stelle ich mir eine gute Pizzeria vor, und so ist genau diese hier mal wieder. Die Pizza Quattro Stagioni hat es mir hier echt angetan. Nicht, weil da alte Audi-Gefühle hochkommen und nicht, weil die auch nur IRGEND etwas mit diesen überfrachteten, käsetriefenden Teigwürsten in Deutschland zu tun haben könnte. Nein. Sondern weil sie eine Offenbarung ist. Noch während Sie die frischen Champignons auf dem Gaumen zerdrücken steigt Ihnen der Duft der Oliven in die Nase (ich mag keine Oliven, aber auf Pizza mag ich sie). Der luftgetrocknete Parmaschinken rundet alles ab, der Rand knuspert leicht, der Boden ist dünn und heiß und schmeckt nach Holzofen. Dazu einen offenen Hauswein aus der Karaffe. Das Leben kann so verdammt einfach, so köstlich und so schön sein. Unsere letzte Pizza in Rom. Irgendwie traurig, dass gute Zeiten immer so schnell vorbei gehen.

Brot und Spiele

Da weiß man was man hat

Aber wissen Sie was? Ich habe endlich, nach Jahren, ein Versprechen eingelöst. Das hat nun ein paar hart ersparte Kröten gekostet, aber ich glaube es hat jemanden an meiner Seite, der bald 20 wird und eine Ausbildung in einem Fotoatelier anfängt sehr glücklich gemacht. Daheim in Kiel dreht sich die Welt leider auch weiter, und nicht alles läuft so rund wie sich das manche der Anwesenden wünschen würden (und da stehe ich ausnahmsweise mal nicht alleine da) aber erstens ist das weit weg in Kiel und zweitens haben wir jetzt Papst Franziskus dabei. Der wird das schon richten :-) Auf dem kleinen Bild erzählt er mehrsprachig und goldglänzend irgend etwas vom Frieden und wie wichtig der ist. Ich mag das. Also, den Frieden sowieso, aber auch so kleine Superkitsch-Teile. Den hänge ich mir zu Hause gleich mal neben den Badezimmerspiegel, und ins Regal stelle ich den Petersdom und das Kolosseum als kleine Spreckstein-Miniaturen für je einen Euro. Wer kann denn da schon nein sagen? War günstig. Nech, Papa Kalle?

Brot und Spiele

Wir sind Papst. Jetzt in meinem Badezimmer.

Ciao Roma.
Zwei Tage länger wären auch okay gewesen. So sehr ich mich schon nach einer einzigen Nacht fern von Hamburg nach meinem Zuhause sehne – so ein paar Tage ohne Plan, ohne Verpflichtungen und ohne Termine (aber mit viel Pizza und Hauswein) sind schon etwas sehr Besonderes. Etwas besonders Erholsames! Ich habe ganz neue Einblicke in die erwachsene, reife Denke meiner Tochter bekommen, ich weiß jetzt, dass Grafikkarten von Laptops kaputt gehen können. Ich habe nach Jahren mal wieder zwei Folgen Lost geguckt und der alte FIAT 500 ist im Straßenbild von Rom noch durchaus präsent. Klein und rostig. Aber das sind alles andere Geschichten. Ich bin so dankbar für diese drei wunderbaren Kinder, die ich habe, und nach so einer kleinen Reise stelle ich wieder einmal fest, was das wichtigste im Leben ist. Familie und Freunde. Und den Rest wird man schon irgendwie hinbekommen. In diesem Sinne, schlafen Sie gut.

Sandmann

Davor war der Selfie Stick Wahn…

Read more

Created Mittwoch, 13. Mai 2015 Tags Colosseo | Foro Romano | Forum Romanum | Kolosseum | Palatin | pizza | Reise | Reise Reise | rom | Skip the line | Ticket Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz