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02 May 2012

20 Jahre nach dem ersten Auto…

20-jahre-nach-dem-ersten-autoHeute habe ich den Status geändert. Ich habe "ihn" gefunden. Weiterlesen → [...]

… wird es wieder das erste Auto.

Der Typ und der Taunus

Der Typ und der Taunus

Der Weg bis hier her war uneben. Ich habe noch immer nicht den Abschied vom V8 im letzten Sommer gebloggt, habe dem treuen aber durstigen Pendel-Daimler nur mäßig Aufmerksamkeit gewidmet und der Passat TDI läuft einfach so vor sich hin. Nahezu unbemerkt. Zylinder: 8 – 6 – 4. Was Sie da draußen nicht mitschneiden sind meine Gedanken, meine Sehnsüchte und lange Nächte im Internet, die sich mit nur einem Thema beschäftigen: Ich will wieder ein unvernünftiges Auto! Mein ganzes berufliches Leben und meine halbe Freizeit dreht sich um altes und weniger altes Blech, da ist ein VW Kombi Diesel als ausschließliches Ford-Bewegungsmittel einfach nicht authentisch. Heute habe ich den Status geändert. Ich habe “ihn” gefunden.

Es war damals diese Nase.

eine höchst amerikanische Nase

eine höchst amerikanische Nase

Es ist ja immer alles damals. Ab einem bestimmten Alter zieht es einen zurück in die Jugend, himmel das ist dann eben so, warum soll man sich denn immer dagegen wehren? Da ist nichts schlimmes dran :-) Es war im Jahre 1990 absolut nonkonform, noch vor dem Abitur einen Ford Taunus zu fahren. Der Wagen war damals schon alt, hatte das zweifelhafte Image der “Türkenschleuder” (weil er riesengroß und preiswert war) und sah neben all den Golfs und Opels einfach aus wie ein Dinosaurier. Geil. Ich fand das gut. Mein erstes Auto hatte deshalb diese Knudsen-Nase mit dem amerikanischen Flair. Wacki fuhr Golf 1, Nea fuhr Fiesta und ich eben Taunus. Und das drei Jahre lang, quer durch meine Bundeswehrzeit und mitten rein in die Ausbildung in Kiel rein. Schaut:

Vor 20 Jahren

Vor 20 Jahren

Ich teilte mir anfänglich das damals schon sehr rostige Coupé mit meiner Jahrgangsfreundin Nessi, ungefähr drei Monate lang. Ich wollte ihn, nachdem ich die Anzeige in der AVIS gelesen hatte unbedingt haben, konnte aber die 900 Mark noch nicht aufbringen. Also kaufte und fuhr sie ihn, und als ich genug Geld zusammen gespart hatte übergab sie ihn mir. Was war ich stolz! Plön. Das NJ steht für Nessi-Jensi, und ’93 sollte er wieder zum TÜV :-) Mein erstes Auto, es hat mich niemals richtig losgelassen. Den TÜV ’93 hat es nie gegeben, der mäßig gepflegte Taunus war komplett durchgerostet, wir haben ihn damals zerflext und immerhin das Heck aufgehoben. Das gibt es noch immer, aber das ist eine andere Geschichte.

Das Puzzle fügt sich zusammen

Das Puzzle fügt sich zusammen

Ich habe mir Mustangs angeguckt und ich liebäugelte mit einem Jaguar XJ12. Aber warum? Bin ich das? Stehen die mir? Warum was komplett Neues wagen, wenn der eigentliche Traum doch noch unerfüllt seit 20 Jahren in der Schublade liegt – oder im schönen Schweden in Rentnerhand bewegt wird? Vor ein paar Wochen kommt der Anruf von Henning, Carracho Classics in Lüneburg, da hatte ich mal eine Geschichte über ein P5 Hardtop Coupé geschrieben. Sie hätten jetzt ein Taunus Coupé reinbekommen, ich hatte doch gesagt, sie sollen sich melden, wenn da mal eins ist. Oh. Stimmt. Das hatte ich gesagt. Ein wenig unvorbereitet frage ich nach den Daten…?

Innen wie neu, steigen wir ein?

Innen wie neu, steigen wir ein?

Baujahr 1975, also der letzte seiner Art. Genau wie meiner damals. 2-Liter Vierzylinder ohne Servo und ohne alles. Original belegte 94.000 Kilometer auf schwedischen Straßen, deshalb auch die seltenen einteiligen GT-Sitze und die in Deutschland bei einem Taunus vermutlich einzigartige Scheinwerferreinigungsanlage. Kein Radio, keine Boxenlöcher, innen wie neu. Bronze-Metallic mit schwarzem Vinyldach, sonst nix. Kein Pomp, kaum Chrom. Nicht mal ‘ne Uhr.

Auch ein Rücken kann entzücken

Auch ein Rücken kann entzücken

Sssssssit. Sprung. Wie Sie sich vielleicht denken können stehe ich umgehend vor diesem Auto, Lüneburg ist ja nicht weit weg. Er hat Patina, na klar hat er die. Und er hat nach 37 Jahren auch Rost, wer hat den nicht? Aber er ist wunderschön. Die in meinen Augen zeitlose Form hat mich schon zu Abi-Zeiten begeistert, und ich habe mir im Nachhinein das Abwracken meines ersten Autos nie ganz verziehen. Auch wenn es damals unumgänglich schien, es war ja nur ein altes Auto. Hier steht die Reinkarnation dieses Wagens, gleiches Baujahr, schönere Farbe. Ich will ihn mal fahren. Darf ich? Die schwedische Zulassung ist noch aktiv. Ja, ich darf.

Voll durch den Wind

Voll durch den Wind

Yay verdammt ich bin wieder 20 Jahre alt!!! Dieses dünne Lenkrad. Diese Motorhaube. Das schwammige Fahren wie in einem Ami. Das erste Auto im Leben verkörpert das wunderbare Gefühl von Freiheit, von Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Wenn Sie erst einmal die 40 überschritten haben fühlen Sie so etwas nur noch selten. Jetzt ist es wieder da. Ich fahre ein Ford Taunus Coupé, und es fühlt sich großartig an! Tief im Motor klappert laut ein defekter Schlepphebel, aber Henning sagt, das machen sie noch.

DAS gabs nur in Skandinavien

DAS gabs nur in Skandinavien

Okay, eine komplette Zylinderkopfrevision steht an. Neue Schlepphebel, neue Kopfdichtung, Zahnriemen und Ventilschaftdichtungen. Cool. Dann sollte der Motor erst einmal keine Probleme mehr machen. Auch der pöppelnde Endschalldämpfer wird noch gegen einen neuen getauscht. Ansonsten fährt der alte Herr tadellos, die Hinterachse macht keine Geräusche, das Getriebe schaltet die vier Gänge sauber durch, die Bremsen packen einigermaßen gleichmäßig zu. Auf der Hebebühne finden wir die üblichen Rostnester: Endspitzen, Lampentöpfe, Wagenheberaufnahmen, Stehbleche, Windleitblech unter der Scheibe, Schweller. Alles soll noch gemacht werden. Echt? Wow.

Überschaubarer Rost

Überschaubarer Rost

Warum bin ich so entspannt? Vielleicht, weil mein Knudsen-Coupé vor rund 20 Jahren wesentlich, we-sent-lich rostiger war als dieser Schwedenimport? Vielleicht, weil der neulich angeguckte Mustang in Bad Salzuflen mehr kosten sollte und im Vergleich hierzu ein komplettes Wrack war? Vielleicht auch, weil mein Herz mir schon in der ersten Minute klare Signale gegeben hat… Marco und Henning von Carracho Classics wissen, was sie machen, sie wissen was sie da stehen haben und sie sind ehrlich. Ich höre Zahlen, die machbar sind. Soll ich? Soll ich…..????? An diesem Auto ist noch einiges zu tun. Der Deal wäre folgender: Der Wagen wird in einer Karosseriewerkstatt geschweißt, der Motor wird wie beschrieben überholt. Der Taunus bekommt einen deutschen Baurat und eine H-Abnahme für das historische Kennzeichen. Und DANN geht er an mich über.

Zeitlos schöne Hüften

Zeitlos schöne Hüften

Zulassen, losfahren und nach und nach die anfallenden Kleinigkeiten richten. Viel ist ja an Technik nicht dran. Hm. Ich denke nach. Meine Hände kribbeln. Mir fällt hier und heute kein Auto ein, mit dem ich emotionalere Geschichten verbinde als mit meinen Taunus. Nicht mein K70, nicht mein V8. Einfach, weil es damals der Beginn des Erwachsen-Werdens war. Ich höre von irgendwo weit weg die Musik der frühen 90er. Alannah Miles singt “Black Velvet” – ich glaube ich habe sogar noch eines der Tapes von damals. Jungs, ich werde unsachlich. Ich muss da noch eine Nacht drüber schlafen. Sagt mein Mund. Aber eigentlich ist das doch alles klar :-)

So muss ein Auto aussehen

So muss ein Auto aussehen

Ich habe heute um 18:00 Uhr mit Marco telefoniert. Er hat noch einmal ein paar zu erledigende Arbeiten aufgelistet und mir dann eine Zahl genannt. Und ich habe zugesagt. In ein paar Wochen werde ich wieder einen Ford Taunus fahren, mit meinem langweiligen aber zuverlässigen Passat als Backup. Es ist beschlossen. Darauf ein großes Glas Rotwein, liebe Blog-Gemeinde. Das Leben geht weiter, und in diesem Fall nicht zum Schlechtesten!

Sandmann

Original: Sandmanns Welt

Created Mittwoch, 02. Mai 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags Andere Alternde | Coupé | ford | Goldene Gezeiten | Knudsen | schweden | taunus | Venyldach | Vinyldach
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31 Oct 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Der Fusselblog - jetzt 16% mehr!

Na? Bemerkt? Der Fusselblog ist etwas in die Breite gegangen. Ich wurde öfters angesprochen: Mensch KLE, die Bilder in Deinem Blog sind wirklich klein. Ums genau zu sagen: Bisher waren die Bilder 500 Pixel breit. Das kommt von den Ursprüngen des Fusselblogs. Man mag es kaum glauben: Am 29. Dezember wird der Fusselblog 10 Jahre alt. Und vor 10 Jahren waren die Bildschirme noch kleiner, die Standardauflösungen geringer. Inzwischen sollte ich mir keinen Kopp mehr darum machen, etwas in der Breite zuzulegen. Deshalb haben in Zukunft die Bilder im Fusselblog 640 Pixel Breite.

größer

Ich denke, das wird den meisten Lesern gefallen, wenn man auf den Bildern mehr erkennt.

Vielen Dank an dieser Stelle an Daniel, der mir beim Anpassen des Templates geholfen hat.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Bloginterna/der-fusselblog-jetzt-16-mehr

30 Oct 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Sanft, Fahrbericht Mercedes B-Klasse-1578

Fahrbericht Mercedes B-Klasse

Noch nicht erstelltFahrbericht Mercedes B-Klasse-1578
Nichts ist da von schwäbischer Genauigkeit: am 19. November 2011 war die zweite Generation der B-Klasse von Mercedes eigeführt worden. Am 22. November nun kommt die überarbeitete Version auf den Markt, auch in der Schweiz, also drei Tage zu spät. Und doch auch erstaunlich früh, ein Facelift schon nach genau drei Jahren, das war bisher mehr bei asiatischen Herstellern die Regel. Doch auch Mercedes muss sich wohl den neuen Gepflogenheiten anpassen, erst vor kurzem hatte Volkswagen verkündet, den Zyklus der Modellpflege und der entsprechenden Ablösungen zumindest in den USA auf drei bzw. fünf Jahre verkürzen zu wollen; der koreanische Hersteller Hyundai gedenkt die Modell-Lebenszeit auf nur vier Jahre zu verkürzen.
Bei der B-Klasse von Mercedes hat die frühe Auffrischung sicher noch einen anderen Grund, also, eigentlich sind es zwei: da ist einerseits der neue 2er Active Tourer von BMW, der eindeutig im Jagdgebiet des Mercedes zu plündern gedenkt. Und dann ist da auch noch der Golf Sportsvan von Volkswagen, der ebenfalls ganz frisch auf dem Markt kommt - und dessen Erfolgschancen noch niemand so recht einschätzen kann. Aber gleich zwei neue Konkurrenten im Segment der kompakten Vans, das hatte die B-Klasse noch nie. Ausserdem treten an: Ford C-Max und Opel Meriva, aber diese beiden Marken kann man in Stuttgart wohl knapp buchstabieren. In Sachen BMW musste aber schon etwas geschehen. Auch wenn der 2er AT mehr aussieht wie eine B-Klasse der ersten Generation...
Dabei läuft die B-Klasse in der Schweiz noch erfreulich gut: 1525 Stück wurden 2014 bisher verkauft, damit schafft der Kompaktvan das Podium in der internen Rangliste, hinter der A-Klasse (2458 Exemplare) und dem GLA (1680). Diesen 3. Rang hält die B-Klasse nun schon seit drei Jahren - und das ist erstaunlich für ein Fahrzeug, das in seiner Konzeption nicht unbedingt den Kern-Kompetenzen des Stuttgarter Premium-Herstellers zugeordnet werden kann.Mercedes B-Klasse
Mercedes B-Klasse
Fast 400'000 Stück hat Mercedes von der Baureihe W246 in den vergangenen drei Jahren verkaufen können, damit ist Konzernlenker Dieter Zetsche mehr als zufrieden. Vor allem auch deshalb, weil Mercedes mit diesem Fahrzeug neue Kunden erobern kann - auch solche, die später durchaus auf die klassischen und margenträchtigeren C-, E- und S-Klasse umsteigen. Oder sich vielleicht ein dickes SUV anschaffen, weil sie die hohe Sitz-Position nicht mehr missen möchten.
Man muss schon ein Kenner oder ein Mercedes-Mitarbeiter sein, um die äusserlichen Verbesserungen an der B-Klasse zu erkennen. Stossfänger, wie immer bei solchen Mopf (Modell-Pflege im Fach-Jargon bei Daimler), neue Lampen, wie immer (und jetzt mit integriertem Tageslicht), neue Farben, andere Felgen. Innen gibt es nun einen grösseren Bildschirm (immerhin acht Zoll gross jetzt) und auch ein wenig Kosmetik. Trotzdem gehört die B-Klasse optisch, sowohl aussen wie innen, weiterhin zu den eher spiessigen Fahrzeugen auf dem Markt.Mercedes B-Klasse
Mercedes B-Klasse
Mercedes B-Klasse
Mercedes B-Klasse
Mercedes B-Klasse
Selbstverständlich wurden auch die Assistenz- und Sicherheits-Systeme auf den neusten Stand der Technik gebracht. Am wichtigsten sicher «Collision Prevent Assist Plus», das nicht nur vor Auffahrunfällen warnt, sondern bei Bedarf selbständig bis zum kompletten Stillstand abbremst. Damit sollen nach Schätzungen von Mercedes bis zu 30 Prozent weniger Auffahrunfälle geschehen; erfreulich ist, dass dieses System in allen B-Klassen zum Lieferumfang gehört. Wer mehr Aufpreis zahlen will, für den gibt es ein ganzes Buch mit Sonderausstattungen.
Ebenfalls Aufpreis kostet ein weiteres System, das gerade für die Schweizer Kunden sehr wichtig ist: der Allradantrieb. 2800 Franken müssen investiert werden, damit der kleine Mercedes auch wirklich wintertauglich wird. Eine sinnvolle Investition, auch deshalb, weil die B-Klasse auch auf trockenen Strassen deutlich fahraktiver wird mit den vier angetriebenen Rädern; als reiner Fronttriebler neigt der Mercedes ziemlich stark zum Untersteuern. Aber ein Sportwagen ist er ja eh nicht, zu hoch der Aufbau, zu stark die Wankbewegungen. Der Komfort ist dafür zu loben, und auch die Lenkpräzision.
Als Antriebe stehen fünf Diesel und fünf Benziner im Angebot, in der Schweiz wird sich wohl der 211 PS starke B250 grösster Beliebtheit erfreuen. Mit diesem 2-Liter-Turbo ist die B-Klasse mehr als nur ausreichend motorisiert, angenehm ruhig versieht die Maschine ihren Dienst. Geschaltet wird über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das ebenfalls untadelig arbeitet. Wählt man dann noch den Allradantrieb 4matic als Option, verfügt man über ein Fahrzeug, das kaum mehr Wünsche offen lässt, äusserst vielfältig verwendet werden kann, als flotter Familien-Transporter, aber auch von freizeitaktiven Menschen (eine Mercedes-Formulierung), denn der Kofferraum fasst bei abgeklappten Rücksitzen bis zu 1547 Liter. Der Preis ab 49700 Franken für einen B250 4matic ist dann allerdings eher hoch; die Basisversion der B-Klasse ist ab 36500 Franken zu haben.Mercedes B-Klasse
Noch keinen Preis kann Mercedes für eine weitere B-Klasse-Variante nennen, die dann ab Februar 2015 in der Schweiz angeboten werden wird: den Electric Drive. In Zusammenarbeit mit Tesla wurde dieses reine Elektro-Fahrzeug entwickelt, das über 200 Kilometer Reichweite verfügt - ein beachtlicher Wert, zumindest auf dem Papier. Wie bei allen E-Autos ist auch beim Electric-Drive-Mercedes der Antritt sehr überzeugend - in nur 7,9 Sekunden sprintet das leider über 1,7 Tonnen schwere Gefährt von 0 auf 100 km/h. Etwas erstaunlich ist, dass dieses Gefährt die optischen Neuerungen der B-Klasse nicht mit auf den Weg bekommt, also eine alte B-Klasse mit neuem Antrieb ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der ED zu einem Verkaufsschlager werden wird, hält sich in engen Grenzen, aber Mercedes braucht ein solches Fahrzeug im Angebot, weil Haupt-Konkurrent BMW mit dem i3 ein durchaus spannendes Gefährt bei den Händlern stehen hat. Es wird interessant werden zu beobachten, welche Strategie sich durchsetzen wird: das komplett neu konstruierte E-Auto i3, das sich auch in Sachen Design deutlich von anderen BMW-Produkten unterschiedet. Oder die Strategie von Mercedes, die ein schon bekanntes Modell verwendet und dann technologisch aufrüstet. Der Weg von Mercedes ist sicher günstiger.
Was unser Freund Axel Griesinger von der neuen B-Klasse hält, das lesen Sie: hier.
Mehrcedes gibt es im Archiv.

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/fahrbericht-mercedes-b-klasse-1578/seite_1-2

30 Oct 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Könnte was werden....

Der Motor läuft, komplett war er aber noch nicht, als ich mich gestern ans Werk machte. Es standen noch viele Fummelarbeiten an. So mussten noch einige Verkleidungen dran. Besonders kniffelig war die untere Zahnriemenabdeckung. Die Schrauben - fast unerreichbar.

Enge

Der Keilriemen musste auch noch drauf - was ein Gefummel in der Enge.

Keilriemen

Den Motor musste ich natürlich wieder anheben und festschrauben. Zahnriemenabdeckung dranschrauen...

Weil ich jetzt so gut drankam, habe ich mich gleich noch um den Spritschlauch gekümmert. Da waren noch stoffummantelte Schläuche drin, die meist mit den heutigen Spritsorten nicht so zurechtkommen und porös werden. Zudem war vor dem Dieselfilter ein weiterer Filter eingesetzt. Zu was?

Benzinschlauch

Die Schläuche saßen auf diesem Filter auch sehr locker. Der Bock brauchte immer länger, bis er ansprang. Kann durchaus sein, dass er da Luft gezogen hat. Alle alten Schläuche raus und durch moderne ersetzt. Bei der Gelegenheit gleich einen neuen Dieselfilter eingesetzt.

Dieselfilter

Kühler wieder rein, Zusatzbehälter, Lüfter weder anbauen, System befüllen. Luftfilter einbauen und anschließen. Die Liste, die ich abarbeiten musste, war lang. Aber jetzt ist alles wieder drin.

Motor

Zeit die Stoßstange provisorisch ranzustecken und mir mal Gedanken über den Kühlergrill zu machen.

Front

Ja, das könnte aussehen. Den Grill muss ich noch oben einkürzen und schwärzen - und natürlich Befestigungen ausdenken. Ihr könnt ja mal raten von welchem Auto der stammt, er ist seitlich gekürzt. Von der Form passt er perfekt.

Die Stoßstange muss natürlich noch einmal ab. Ich muss darunter alles schwären. Fies, wenn unter dem gelborange und dem Grill noch rot rausblitzt.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/focht/koennte-was-werden

29 Oct 2014

2014 Audi TTS Coupé mit Virtual Cockpit, quattro-Antrieb und 310 PS Leistung satt

2014-audi-tts-gelb

Advertorial | Anzeige

Während der erste Audi TT damals noch polarisierte, hat sich das Fahrzeugkonzept doch schon längst in unseren Köpfen festgesetzt. Die neue und dritte Produktgeneration des TT bezeichnet Audi selbst auch gar nicht als Revolution, sondern als Evolution. Eben als kontinuierliche Weiterentwicklung des bisherigen Produktes. Lediglich im Innenraum – mit dem neuen Audi Virtual Cockpit – sprechen die Ingolstädter durchaus von einer Revolution. Auf ein mittig platziertes Infotainment-Display hat man verzichtet. Alle Informationen werden dem Fahrer direkt zwischen die beiden virtuellen Rundinstrumente projiziert. Wie dies im Einzelnen aussieht, veranschaulicht nachstehender Video-Clip:

Wer den Audi TT nicht nur wegen seinem Blechkleid mag, sondern ihn auch richtig sportlich bewegen möchte, der greift zur stärkeren Motorisierung, dem Audi TTS. Der Grundpreis für den schnellsten TT im aktuellen Produkt-Portfolio liegt bei 49.100 Euro, dafür gibt es 310 PS Leistung, die es ermöglicht, das Sportcoupé innerhalb von 4.7 Sekunden von 0 auf 100 zu beschleunigen. Dabei hilft natürlich auch der im TTS serienmässige Allradantrieb – bei Audi seit jeher quattro genannt. Dieser verfügt über eine künstliche Intelligenz – der Antrieb überprüft mehrfach pro Sekunde die Drehbewegungen der Räder und gleicht diese mit den Soll-Werten ab. Das intelligente System kann somit das Drehmoment über eine Lamellenkupplung dorthin leiten wo diese benötigt wird. Durch dieses moderne System wurde nicht nur die Effizienz sondern auch der Fahrspaß hinterm Volant gesteigert. Auf eine mechanische Sperre wird beim Audi TTS übrigens verzichtet. Bei diesem Fahrzeug setzt man auf ein elektronisch geregeltes System.

Das neue Audi TT Coupé steht ab der 43. Kalenderwoche bei den Händlern. Alle weiteren Informationen zur neuen Version von Audis Sportcoupé findet ihr in den Online-Showrooms hinter den Links zum Audi TTS und Audi TT Coupé.

Foto-Quelle: Audi Deutschland

Original http://auto-geil.de/2014/10/29/2014-audi-tts-coupe-mit-virtual-cockpit-quattro-antrieb-und-310-ps-leistung-satt/

29 Oct 2014

2014 Mercedes-Benz C220 BlueTEC (W205) – Gedanken nach einer 1.200 km Probefahrt

2014-Mercedes-Benz-C220-BlueTEC-W205-schwarz

Als Autoblogger ist man ja oft in der komfortablen Lage lange vor der breiten Öffentlichkeit die Neuheiten der Automobilindustrie zu bewegen. Hin und wieder bekommen wir dafür böse Blicke, weil man uns auch gelegentlich in die weite Ferne fliegt, wo wir dann vermeintlich eine Menge Spass haben. Leider ist es aber auch oft so, dass unsere Reisezeit die eigentliche Zeit in dem Auto übersteigt. Und ein jeder, der oft zwischen verschiedenen Fahrzeugen wechselt, wird mir Recht geben, dass man schon ein Weilchen braucht, ob ein wenig mehr über die Stärken und Schwächen des jeweiligen Fahrzeugs heraus zu finden.

2014-teaser-mercedes-benz-c-klasse-w205
Alles, was Du schon immer über die neue 2014 Mercedes-Benz C-Klasse (Baureihe 205) wissen wolltest – hier bei Auto.Geil – nur einen Klick entfernt.

Meine erste Fahrt in der neuen Mercedes-Benz C-Klasse liegt nun auch schon ein Weilchen zurück, damals wurde uns ein Flug storniert und somit auch die Testfahrzeit zusammen gestrichen. Dennoch habe ich mich in der Lage gefühlt einen Fahrbericht zu meiner Probefahrt zu verfassen: Mit dem 2014 Mercedes-Benz C400 4MATIC (W205) in Marseille. Am letzten Freitag musste ich auf einen Leihwagen zurückgreifen und habe mir am Flughafen München eine C-Klasse genommen. Die Limousine hatte bereits über 26.000 km auf dem Tacho, war gar nicht mal so schlecht ausgestattet und mit einem Diesel-Motor ausgestattet. Der Vierzylinder im 2014 Mercedes-Benz C220 BlueTEC (W205) verfügt über 2.2 Liter Hubraum und leistet 170 PS. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 233 km/h angegeben, den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der Diesel in 7.8 Sekunden und der NEFZ-Verbrauch mit 4.3 Liter. Als Getriebe war das 7G-TRONIC PLUS Automatikgetriebe verbaut.

2014-Mercedes-Benz-C220-BlueTEC-W205-verbrauch

Ich habe mit dem Fahrzeug von München über Passau und Dortmund nach Bielefeld innerhalb von 3 Tagen immerhin fast 1.200 km zurück gelegt, über die Hälfte davon auf der Autobahn. 1.188 Kilomter nach der Fahrzeugübernahme musste ich das erste und auch einzige Mal Tanken. Ziemlich genau 60 Liter passten da in den Tank, was laut Bordcomputer einem Durchschnittsverbrauch von 5.6 Litern auf 100 Kilometern entspricht. Ich bin auf der Autobahn nur selten schneller als 200 km/h gefahren, meist betrug meine Reisegeschwindigkeit eher um die 140 km/h. Dafür sassen wir zu zweit im Auto, was zudem unsere Kamera-Ausrüstung als auch unser Gepäck für zwei Wochen Reisezeit transportieren musste. Ich bin ehrlich gesagt immer noch ein wenig überrascht, dass der Mercedes wirklich so wenig Diesel verraucht hat.

Andere Stimmen mögen ja anmerken, dass zwischen dem NEFZ-Verbrauch von 4.3 Litern und meinem realen Verbrauch von 5.6 Litern auf 100 Kilometern ja immerhin noch 1 ganzer Liter und somit auch ein “Mehrverbrauch” von über 25% liegen. In Anbetracht meiner nicht unbedingt durchgehend verbrauchsoptimierten Fahrweise und der Beladung der Mercedes C-Klasse bin ich aber wirklich zufrieden. Auch von den Fahrleistungen her, habe ich nichts zu bemängeln. Wenn man sich im “Eco”-Modus befindet, so ist die Beschleunigung alles andere als ein Vergnügen. Zäh, nenne ich das Verhalten durchaus. Wählt man aber über den in der Mittelconsole verbauten “AGILITY CONTROL”-Schalter das Sport+-Programm aus, so präsentiert sich der 2014 Mercedes-Benz C220 BlueTEC (W205) als ganz anderes Auto. Nein, er verwandelt sich nicht in einen Rennwagen, aber die Limousine beschleunigt dann deutlich fixer, so dass man sich ansatzweise sportlich fühlt. Das Fahrwerk war stets komfortabel, da habe ich sonst nichts anzumerken.

Als eher störend habe ich das Glasschiebedach empfunden. Gerade wenn man es zwecks besser Luftzirkulation nur hinten aufstellt, wird es für mich ab 120 km/h doch deutlich zu laut für mich. Gleiches gilt auch für die Seitenscheiben. Öffnet man diese während der Fahrt einen Spalt, so wird eine normale Unterhaltung im Innenraum sehr anstrengend. Bei unserem Testwagen war die Plastikverschalung der Lenksäule im Übrigen gebrochen. Das Teil sollte Mercedes meines Erachtens eh noch einmal überarbeiten, weil es meiner Meinung nach nicht dem Premiumanspruch des restlichen Fahrzeugs gerecht wird.

Positiv möchte ich noch die Sitze erwähnen. Wir hatten Modelle eingebaut, bei denen nur die Sitzlehnenverstellung elektrisch gelöst war. Die Sitze haben sich als Langstreckentauglich erwiesen. Top finde ich auch nach wie vor die neue neue Generation des Infotainment-Systems COMAND Online. Die Darstellung ist sauber und klar, die Animationen zwischen den einzelnen Bildschirmen niedlich, aber nicht zu verspielt. Schmerzlich vermisst habe ich das mit der C-Klasse neu eingeführte Head-up Display. Mit einem Aufpreis von stolzen 1.178 Euro ist es zwar nicht gerade ein preiswertes Feature, aber gerade bei Nachfahrten finde ich ein HUD mittlerweile mehr als nur nett und komfortabel.

Das Vorgängermodell bin ich vor einem Weilchen als 2013 Mercedes-Benz C220 CDI T-Modell (S204) gefahren, die neue Produktgeneration hat mir noch ein wenig besser gefallen.

Original http://auto-geil.de/2014/10/29/2014-mercedes-benz-c220-bluetec-w205-gedanken-nach-einer-1-200-km-probefahrt/

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29 Oct 2014
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Bjoern Habegger  

Erste Fahrt: Stromern mit der Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive

BMW hat den i3, Volkswagen den e-Golf und Mercedes-Benz? Die haben jetzt die B-Klasse Electric Drive. Wobei „jetzt“ ist eigentlich falsch, denn produziert wird der elektrisch betriebene Kompaktvan bereits seit Anfang des Jahres, doch erst ab 3. November kann er auch in Deutschland geordert werden. Der wichtige US Markt hatte Vorrang. Jetzt stand der Stromer mein-auto-blog.de für einen kurzen Ausritt parat und wir rollten genüsslich, still und leise in einen farbenprächtigen mallorquinischen Sonnenuntergang. Hier der Bericht:

Stilles B – Die B-Klasse unter Strom

Wenn die Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive neben der gerade aufgefrischten B-Klasse mit herkömmlicher Antriebstechnik parkt, fällt dem einen oder anderen durchaus auf: Äußerlich ging das Facelift spurlos an dem Fünftürer mit dem 200 kg schweren und der 28 kWh starken Lithium-Ionen Batterie im Unterboden vorbei. Es schauen einen weiterhin die noch etwas traurig dreinblickenden Scheinwerfer aus dem Modelljahr 2011 an. Innen greift das B mit dem lokal emissionsfreien Antrieb jedoch auf die komplette Modellpflegemaßnahme der Baureihe W246 zurück, von der wir bereits berichtet haben.

Dazu gehört auch das 8“ große freistehende Display, auf dem die Insassen genau beobachten können, was der Fahrer mit 132 kW (entspricht klassischen 180PS) macht. Rollt er sanft dahin, läuft ein weißes Energieflussband von Batterie zum auf der Vorderachse sitzenden Elektromotor weiß leuchtend. Kann der Fahrzeugführer dem Druck von 340 Newtonmeter nicht widerstehen und drückt das Strompedal bis zum Bodenblech, blinkt der Energiefluss alarmierend rot und die Meldung „Boost“ erscheint und ja, das Phänomen ist bei allen Elektrofahrzeugen das Gleiche: Der unterbrechungsfreie Schub aus dem Stand fasziniert. Kein kuppeln, kein schalten, kein automatisierter Gangwechsel. Einfach ein Gang eine lineare Beschleunigung, so wie eine Straßenbahn. Doch halt: Welches öffentliche Nahverkehrsmittel beschleunigt seine Insassen schon in 7,9 Sekunden auf 100 km/h? Bei den B-Brüdern, die von fossilen Brennstoffen angetrieben werden, bedarf es schon eines B 220 4Matic um da mithalten zu können.

Es ist jedoch Vorsicht geboten bei solchen Spielchen, denn der von Tesla Motors stammende Antriebsstrang samt Leistungselektronik und Batterieeinheit bestraft ein solch unökologisches Fahrverhalten mit einer rapiden Reduktion der Reichweite. Doch die von Mercedes angegebenen 200 Kilometer sind durchaus ein Wort. Der elektrifizierte Golf kommt nur auf 190km, der i3 sogar nur auf 160km. Und das ist nicht das letzte Wort. Gegen Aufpreis erhöht die Sonderausstattung „Range Plus“ die Reichweite nochmals um bis zu 30 km.

Doch eigentlich macht bei der B-Klasse Electric Drive die Geschwindigkeitsreduktion viel mehr Spaß, als die Beschleunigung, denn sie macht einen automatisch zum Gutmenschen. Der Energiefluss wird umgedreht, die Pfeile leuchten grün. Man rekuperiert, sprich, man gewinnt einen Teil der verbrauchten Energie zurück und zu diesem Zweck haben die Stuttgarter zusätzlich Schaltpaddles hinter das Lenkrad geschnallt. Ein kurzer Zug am rechten Paddle und schon erscheint ein D+ im Multifunktionsdisplay des Fahrers. Der damit einhergehende Effekt: Obacht beim lupfen des Fußes vom Strompedal, denn noch ohne das Bremspedal berührt zu haben, verzögern 1,7 Tonnen B-Klasse massiv. Dem Elektromotor im Modus „maximale Rekuperation“ sei Dank. Genüsslich können die Mitreisenden beobachten, wie die Reichweite langsam wieder steigt. Trotzdem liegt der Elektroschwabe mit einem kombinierten Verbrauch von 16,6 kWh/100 km deutlich schlechter, als der Bayer (12,9 kWh/100 km) oder der Niedersachse (12,7 kWh/100 km).

Für den Alltag ist der vollautomatische Modus zu empfehlen, der die Energie Rückgewinnung der Verkehrssituation anpasst. Auf Wunsch sogar mit optionaler Radarunterstützung. Sollte die Kraft aus der Batterie trotzdem unerwartet zu Ende gehen und man braucht eine Steckdose zur Füllung des Energiespeichers, muss man sich – je nach Anbindung – zwischen drei und neun Stunden gedulden, bis die volle Reichweite wieder zur Verfügung steht. Genug Zeit also, um zu überlegen, ob man ein Elektroauto mit Stern sein Eigen nennen möchte. Denn nur mit dem BMW i3 und seinem kontroversen Design kann man demonstrieren, wie grün und nachhaltig man mobil ist. Da fällt der Hochdach Benz natürlich genauso ab, wie ein e-Golf. Und sollte man sich entscheiden, lieber stiller Genießer einer vorzüglichen B-Klasse Electric Drive zu sein, als extrovertierter Öko Aktivist, dann bleibt nur noch eine Frage zu klären: Was wird er kosten,  der erste vollelektrische Mercedes? Wir haben da so eine Vermutung. 

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Original http://mein-auto-blog.de/erste-fahrt-stromern-mit-der-mercedes-benz-b-klasse-electric-drive-25147/

29 Oct 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Manchmal bräuchte man Edward mit den Kinderhänden

Nachdem geklärt war, was das für ein Teil ist, das unter dem Auto lag, habe ich den Pumpenstößel wieder in die Unterdruckpumpe eingesetzt. Das war nicht wirklich ein Problem, auch wenn die Nockenwelle wieder raus musste dafür.

Pumpenstößel

Aber dann ging´s wieder ans Fluchen und Fingerbrechen. Der Escort Diesel hat 2 Zahnriemen. Einen für die Ventilsteuerung und einen für die Einspritzpumpe. Jetzt, da die Ventile ausgetauscht waren und ich ja einen kompletten Zahnriemensatz hatte, wollte ich natürlich beide wechseln. Nur der der ESP - den alten rauszubekommen und den neuen einzufädeln - was ein bescheuertes Gefummel. Da ist nur ein winziger Spalt, wo der durchmuss.

Zahnriemen

Geht auch nur in einer Stellung durch - es hat etwas länger gedauert, bis ich den Dreh raus hatte.

Den ersten Kolben hatte ich schon bei abgebautem Motor auf OT fixiert mit dem Einschraubstift. Beim offenen Motor konnte ich schön gegenprüfen, dass der Kolben auch tatsächlich oben war. Und so konnte ich auch sehen, dass der kleine Zahnriemen übergesprungen war. Bei der Einstellung der Zahnriemen war ich mir etwas unsicher, deshalb holte ich Peter (Engländer) zur Sicherheit dazu, der mir mal wieder half. Und das war auch gut so, denn ich hatte eine Spannrolle verkehrt eingesetzt. Das war auch der Enge geschuldet. Meine Hände sind für den Job definitiv zu groß.

Enge

Ich konnte da gut mein neues Werkzeug einsetzen - darüber werde ich die kommenden Tage in einem eigenen Artikel berichten.

Wir haben wirklich mit Spiegel arbeiten müssen, um etwas zu sehen. Aber irgendwann war es so weit, dass beide Riemen saßen. Erster Test: Manuelles durchdrehen des Motors. Den hat er schon einmal bestanden, nix stößt mehr an. Gutes Zeichen. Mal kurz Anlassen ohne Kühler geht, wir wollten es jetzt wissen. Batterie angeklemmt und es kam nur ein müdes Leiern. Gut, die Batterie war ewig gestanden und wurde nicht weiter geladen. Kein Wunder. Also die Batterie aus dem Pirat ausgebaut und überbrückt. Und siehe da:

Offenbar alles richtig gemacht. Sehr schön. Klar, jetzt müssen noch einige Verkleidungen wieder ran, ein neuer Rippenriemen auf die Lima, der Kühler wieder rein, aber wenn man weiß, dass die Aktion erfolgreich war, geht das gleich leichter von der Hand.

Ein wenig spielen musste ich nebenbei noch. So ein paar Gags müssen bei mir an jeden Motor. Ich habe zwei der Schilder, die ich auf der Veterama geschossen habe, stumpf mit Sikaflex auf den Motor gepappt. Der Zutritt zum Zylinderkopfdeckel ist jetzt verboten - aber nur den Personen, die der holländischen Sprache mächtig sind.

Verboden Toegang

Und damit jeder sieht, dass ich einsehe, dass der Escocht ein Scheißhaus ist, bekam auch die Ansaugbrücke die entsprechende Beschriftung. Vorsichtshalber in 4 Sprachen.

WC Spülung

Ist natürlich schwarze Magie, um die Göttin des Zahnenriemenriss und die Geister der Ventilkrümmung milde zu stimmen ;-)

Original http://www.fusselblog.de/index.php/focht/manchmal-braeuchte-man-edward-mit

28 Oct 2014

Go South

Bitte wachküssen. Unter der Herbstlaubdecke schlafende IFA-Mobile im Süden der Republik…

ähnlich: Go East #1, Go East #2, Go North #2

Go SouthGo SouthGo SouthGo South

Go SouthGo SouthGo SouthGo SouthGo SouthGo SouthGo SouthGo SouthGo South

Original http://www.formfreu.de/2014/10/28/go-south/

28 Oct 2014

Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!

Noch ziert sich der Stuttgarter Hersteller mit einer Bestätigung. Aber die Preise sind festgelegt und stehen bereits schwarz auf weiß und damit fest! Mercedes-Benz wird die elektrische B-Klasse für “unter” 40.000 € anbieten.

Mercedes-Benz B-Klasse – Unter 40.000 € wird es elektrisch!

39.150 € dürften sehr nah am Einstiegspreis für die elektrische B-Klasse liegen! Dafür bekommen die Käufer einen Raumgleiter der mit den 180 PS des Elektromotors lokal völlig Emissionsfrei unterwegs sein wird.

Wie sich die elektrische B-Klasse fährt, wird man heute Abend nachlesen können.

Galerie zur B-Klasse Electric Drive:

Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!
Die elektrische B-Klasse wird weniger als 40.000 € kosten!

So fährt sich die B-Klasse als B250 4matic … 

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Bjoern

Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports.http://about.me/bhabegger

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Original http://mein-auto-blog.de/die-elektrische-b-klasse-wird-weniger-als-40-000-e-kosten-99252/

28 Oct 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Irgendwie bleiben immer Teile übrig...

Ventile sind drin, der Zusammenbau des Motors konnte beginnen. Flächen sauber gemacht und dann kam eine neue Zylinderkopfdichtung drauf.

Zylinderkopfdichtung

Im Etzold stand nix von neuen Schrauben, da sie aber nicht soooo viel gekostet haben, habe ich vorsichtshalber trotzdem neue genommen. Ich bin eben von VW Dehnschrauben gewohnt. Kopfschrauben mit Drehmoment angezogen, erst 25NM, dann 80NM und obendrauf noch eine Vierteldrehung. Nockenwelle habe ich ebenfalls wieder eingesetzt.

Zylinderkopf

Dann folgte Fleißarbeit. Alles wieder dranschrauben. Bei der Gelegenheit mal nen Schlauch ersetzen, der keinen guten Eindruck machte, etc. Bis eben wieder fast der komplette Motor zusammen war.

Ford 1,8 Diesel Motor 1,8l rtb

Als mir eine Schraube herunterfiel und ich unter dem Auto suchte, fand ich dieses Teil (Kippenschachtel nur als Größenvergleich):

Pumpenstössel

WTF! Ich hatte dieses Teil bewusst nicht in der Hand gehabt. Wo kommt das her? Ich bekam echt Muffensausen, dass ich den Kopf wieder runterreißen muss. Das ließ mir keine Ruhe. Also das Bild gleich vom Werkstattrechner ins Netz hochgeladen bei einem Fordforum und einer Facebookgruppe. Über FB kam quasi Entwarnung: Das ist der Pumpenstößel der Unterdruckpumpe für den Bremskraftverstärker. Kann man also weglassen.

Nein, liebe Kinder, lasst Euch keinen Blödsinn einreden. Natürlich werde ich den wieder einsetzen. Safety first. Dazu muss zwar noch einmal die Nockenwelle raus, um den Stößel in die Öffnung zu stecken...

Loch für Pumpenstössel

...aber das ist jetzt das kleinste Problem. Beim nächsten Mal muss dann der bzw. die Zahnriemen drauf.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/focht/irgendwie-bleiben-immer-teile-uebrig

 
28 Oct 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Ralf Becker  

W123 V8 560TE

W123 V8 560TE

Der 560TE auf dem Leistungsprüfstand (dyno run):
http://www.youtube.com/watch?v=DwLBbO9pjzI

(Same footage without slide show: http://www.youtube.com/watch?v=DRk6wvaJdMY)

Details unter http://roesenclassics.de/560te
Mercedes-Benz 560TE (W123 V8) - Ein paar Bilder vorweg und dann geht es los ;)
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/W123_V8_560TE.html

28 Oct 2014
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Zombies-Click it Or Ticket

Zombies-Click it Or Ticket

Seat belts protect you from scary things: a Halloween-related campaign by OHSP reminds motorists seat belts can save you from a zombie attack.
Note: no actual living dead were harmed in the making of this commercial.
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/Zombies-Click_it_Or_Ticket.html

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24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
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21 Oct 2014
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Ge STUTZ te Flügel

Ge STUTZ te Flügel

Ein bisschen Saurier, ein bisschen Hai

Stutz? Schon mal gehört?Nein? Bestimmt doch, auch wenn Sie es nicht wissen. Durch unzählige Filme der vergangenen 40 Jahre fährt ein Stutz Blackhawk. Herbert Engel besitzt ein Exemplar dieser extrem seltenen Gattung. Das US-amerikanische “Revival Car” wirkt wie der Mix aus einem übergewichtigen Dinosaurier und einem schlanken Hai, die von Virgil Exner gestaltete Karosserie könnte ausgefallener nicht sein – und kleidet eines der teuersten US-Automobile aller Zeiten. Dieser Cocktail aus Luxus und Extravaganz mit verspielten Anklängen an die 30er Jahre begeisterte damals nicht nur Sunnyboy Dean Martin, sondern auch viele andere Reiche und Schöne der Welt… Ich bin weder reich noch schön, aber ich hab mich mal auf den Wagen eingelassen und zähle ein paar Promis auf, die mir das gleich taten. Mit Erfolg? Definitionssache…

Ge STUTZ te Flügel

Eine total verrückte Kombination aus Formen

Das 40 Jahre alte Getüm, das rückwärts aus der kleinen Garage in der Burgschmiede Namedy herausrollt, ist – ein Auto. Wirklich? Formen wie aus einem Batman-Film und ein Name wie ein Rasiermesser: Stutz Blackhawk. Des Engels schwarzer Falke. Der gewaltige 7,5-Liter-V8 mit seinen mehr als 400 SAE-PS murmelt eine ungeduldig vorgetragene Ballade von letztendlicher Freiheit. Dieser gestutzte Falke durfte noch nie so richtig das tun, wozu er einst gebaut wurde: Fliegen. Jagen. Schnell und gefährlich sein. Nur 2.600 historisch verbriefte Meilen sind vom Tacho abzulesen, für einen V8 ist das ein Neuzustand, der Block ist noch nicht einmal richtig eingefahren :-) Und es ist aus heutiger Sicht kaum zu glauben, was einem die ungläubigen eigenen Augen für ein Konglomerat aus Formen ans Gehirn melden. Was der Omnibusbauer Officine Padane aus dem italienischen Modena diesem ur-amerikanischen Klotz da für ein Kleid geschneidert hat.

Ge STUTZ te Flügel

Metall, Holz, Fell soweit das Falkenauge reicht

Ich bin schlecht entsprechend vorbereitet. Dieses Fahrzeug trifft mich in der kühlen Morgensonne wie ein Schlag ins Gesicht, und ich kann mich noch nicht entscheiden, was ich eigentlich über diesen Kahn denken soll. Er steht da lauernd wie eine Provokation, wie ein Legomodell, was ein kleiner Junge aus vielen verschiedenen Themen-Baukästen zusammengesetzt hat. Irgendwie stimmt das auch. Nur, dass der kleine Junge ein bisschen genial war und den extravaganten Zeitgeschmack mit extravaganten Baukästen getroffen hat. Ich fasse die kalten, glatten Flanke an. Ich streichel sie. Und ich habe immer Angst, vom Falken gebissen zu werden.

Ge STUTZ te Flügel

Alles passt zusammen. Echt jetzt.

Was mag Sammy Davis Jr. gedacht haben, als er über den fast wollüstigen Kühler seines Stutz strich und die Hand über die geschwungenen Kotflügel gleiten ließ, die eine fußballfeldgroße Motorhaube flankieren? Irgendwas muss er gedacht haben, schließlich hatte er eine Menge Geld für die Karre auf den Tisch gelegt. Anfang der 70er kostete ein VW Käfer rund 6000 Mark. Ein gut ausgestatteter Opel Kadett Festival lag schon bei 7800 Mark. Ein total ausgefallener Maserati Ghibli war mit etwas über 70.000 Mark teurer als ein Einfamilienhaus am Stadtrand von Uelzen. Der Stutz kostete 150.000 Mark. Viel Geld. Sammy muss irgendwas gedacht haben. Vielleicht ist ihm ein neuer Song eingefallen…

Designelemente der 30er Jahre

Ge STUTZ te Flügel

egal von wo man guckt, die Karre ist unfassbar

Um dieses Auto zu verstehen (und letztendlich auch zu mögen) muss man in die Geschichtsbücher eintauchen.
Der US-Amerikaner Harry Stutz beschäftigte sich schon vor mehr als 100 Jahren mit dem Bau von motorisierten Kutschen, die er über die Jahre als Roadster und Limousinen immer weiter verbesserte. Seine expandierende Stutz Motor Company ging durch die Hände mehrerer Eigner, bis sie 1939 wegen der Weltwirtschaftskrise Insolvenz anmelden musste. Im Jahr 1968 ließ James ODonnell den Markennamen in seinem neu gegründeten Unternehmen Stutz Motor Car of America wieder aufleben. Sein Ziel: Luxuriöse Fahrzeuge mit eigenständigem Design zu bauen, eine Kombination aus Elementen der 1930er Jahre mit zeitgenössischen und robusten Komponenten moderner Autos. Für die Verwendung der Plattform gab ein gewisser Herr DeLorean, damals Chef bei Pontiac, selbst sein okay. Es mussten allerdings statt des nur benötigten Rahmens komplette Fahrzeuge abgenommen werden. Komplette Fahrzeuge vom Typ Pontiac Grand Prix. Der große Preis, Geschäftsmann war er ja durch und durch ;-)

Ge STUTZ te Flügel

Ein wahrlich beeindruckendes Markenzeichen

Der Blackhawk der ersten Serie, von dem es nur 25 Stück gab, gleicht diesem Baukasten. Aber einem Baukasten der Superlative. Am Ende wirkt er irgendwie stimmig kombiniert. Wenn Sie das erste mal vor einem späten Picasso stehen fangen Sie auch an zu lachen, finden das bunte Bild mit der seltsamen Frau und diesem Löffel im Gesicht und diesem kantigen Taschentuch vor der Nase albern und gehen kopfschüttelnd weiter. Zu den gefälligen Seerosen von Monet. Wenn Ihnen aber mal jemand erklärt, dass dieser Löffel auf dem Bild der Frau gerade brutal das Auge aushebelt und die Zacken im Taschentuch auf ihrer Nase scharfe, unbarmherzig schneidende Glassplitter sind – dann bekommen Sie eine Ahnung davon, welche Schmerzen sie wohl gerade durchleiden mag. Schmerzen, die ein normales Bild gar nicht darstellen kann. Der Stutz ist ein Auto, was etwas verkörpert, was Sie mit einem normalen Auto einfach nicht hinbekommen.

Ge STUTZ te Flügel

goldene Felgen und dicke Hurra-Tüten an den Seiten raus

Von den wuchtigen Kotflügeln gerahmt fallen die speziellen Firestone-Reifen auf, die exklusiv für dieses Fahrzeug hergestellt wurden. Mr. Davis Jr. strich über Türgriffe vom Maserati Indy und fuhr die perfekte Linienführung der Flanken nach, deren Filigranität gekonnt von je einem armdicken seitlichen Auspuffrohr unterbrochen wird. Seitenfenster gibt es nicht bei diesem als Zweisitzer konzipierten Coupé. In unserem speziellen Exemplar befindet sich allerdings eine originale, klappbare Rückbank – dieser Stutz ist tatsächlich für vier Personen zugelassen, aber trotz seiner wahnwitzigen Länge nur bedingt als Familienkutsche geeignet.

Ge STUTZ te Flügel

Tierschützer sollten hier mal wegschauen.

Man möge es den damaligen Zeiten und der fehlenden political correctness verzeihen – für diesen Wagen mussten kleine Tiere sterben. Ein großer Teil des mit Chinchilla-Fell ausgelegten Kofferraums wird vom außen liegend montierten Reserverad inklusive Firmenlogo beansprucht – Continental Kit mal ganz anders. Kenny Rogers hätte da nicht einmal seine Gitarre reinbekommen, vermutlich hatte er sie auf dem Beifahrersitz liegen. Nach dem satten Klacken des Schlosses öffnet sich mit der überdimensionalen Tür ein innerer Schrein des Überflusses. So wähnte sich der Schah von Iran wohl in seinem Palast, als er in einem seiner zwölf (nochmal: ZWÖLF) Stutz saß. Feines Wurzelholz vom Zitronenbaum umrahmt kunstvoll die analogen Rundinstrumente und filigranen Knöpfe, die ebenfalls von Maserati geliefert wurden.

Echtes Fell vor geteilter Windschutzscheibe

Ge STUTZ te Flügel

Herbert Engel mitten im Überfluss

Auf Augenhöhe finden sich bei genauerer Betrachtung erneut ein paar graue Chinchillas wieder, deren Fell die Sonnenblenden ziert, mit denen sich die in der Mitte geteilte Frontscheibe abblenden lässt. Feinstes weiches Leder umschmeichelt den Körper und verströmt den wunderbaren Geruch eines alten, erhabenen Autos. Der Blackhawk mutet fast schon britisch an. Trug Elvis Presley am Steuer vielleicht Handschuhe? Seine drei Stutz waren die einzigen Autos, in denen er sich nicht chauffieren ließ. Er nahm das Volant selbst in die Hand, bei unserem Modell ist das übrigens ein sehr sportlich gehaltenes aus dem Mustang Shelby. Das letzte bekannte Foto des King zeigt ihn kurz nach Mitternacht zum 16. August 1977 am Steuer seines schwarzen Stutz mit roten Sitzen. Nur wenige Stunden vor seinem Tod. Der Wagen steht heute in Graceland. Auf jeden Fall hätte Elvis zunächst seine eigene Musik auf einer Cartridge in die original Stutz-Stereoanlage gedrückt. Das antike Teil selbst ist inzwischen so selten, dass ich gar nicht glauben kann, dass es tatsächlich noch funktioniert. Doch, tut es, wenn auch nicht mit Elvis. Hier und heute begnügen wir uns mit Paul Ankas 21 Golden Hits.

Ge STUTZ te Flügel

Paul Anka singt uns einen vom Tonband

Herbert Engel lächelt wie Muhammad Ali nach einem gewonnenen Kampf, als er gleich dem unserblichen Boxmeister selbst am Steuer Platz nimmt. Die charmante Ausstrahlung des Händlers für exklusive Automobile wird vom Geist dieses unfassbaren Autos und seiner prominenten Fangemeinde noch mystisch untermalt. Es sitzt sich hier wie in einem italienischen Gran Turismo aus den späten 60ern, es fühlt sich aber ein bisschen klapperig an wie in einem Ami aus den 70ern und – es klingt wie ein Sportwagen, als Engel den Big Block zum Leben erweckt. Donnerlüttchen. Ich wusste zwar, dass da fast acht große Milchtüten mit Treibstoff versorgt werden, dass die aber so zornig klingen können ist mir neu.

Ge STUTZ te Flügel

Dürfen es ein paar Liter mehr sein?

Ge STUTZ te Flügel

guller guller blubber schlürf

Der Stutz gleitet wie ein gigantisches Schiff durch die Welt

Die originalen LXX-17 Run Flat Firestone-Reifen von der Auslieferung besitzt Herbert Engel noch, hat sie aber aufgrund des biblischen Alters gegen etwas jüngere, einigermaßen fahrbare Pneus auf anderen Felgen getauscht. Auch wenn die originalen Reifen erst besagte 2600 Meilen gelaufen sind. Aber wenn Sie mal ihr seit Jahrzehnten mitgeschlepptes Reserverad im Kofferraum angucken, wissen Sie, wie hart Gummi werden kann. Safety first. Mit der Erhabenheit eines Supertankers gleitet der Blackhawk knurrend über den Innenhof zur Yellow Brick Road, wie Elton John sie besungen hätte, während er durch das verregnete England fuhr. Die Automatik schaltet ohne Ruckeln, die Klimaanlage schnorchelt leise. Es fühlt sich wirklich wie in einem edlen Salon an, ich möchte spontan eine Pfeife rauchen, nehme aber Rücksicht auf die verstorbenen Chinchillas und die Reinheit ihrer pelzigen Hinterlassenschaft. Die 5,26 Meter Länge verteilen sich gefühlt vor allem auf die nicht enden wollende Motorhaube, die 1,91 Meter Breite indes fallen weniger ins Gewicht.

Ge STUTZ te Flügel

Alles im Blick? Schwierig.

Das meilenweit von den Insassen entfernte Cockpit und die runden Armaturen lassen Luft zum Atmen und versprühen das passive Sicherheitsgefühl eines Panzers. Wer mal in einem Leopard II gefahren ist weiß, dass auch der durchaus Bumms haben kann, nicht nur hinter der Kanone. Engel gibt Gas. Ja :roll: der Motor hat Drehmoment, das kann selbst das mehr als zwei Tonnen schwere Gesamtkunstwerk nicht verheimlichen. Es ist nicht überliefert, wie Evil Knievel seinen Stutz gefahren ist, den er sich selbst nach dem legendären River Jump als Belohnung schenkte. Vermutlich aber nicht fliegend durch brennende Reifen oder was er sonst noch alles so veranstaltet hat. Unsere nicht brennenden Reifen hier und heute im 21. Jahrhundert wollen jedenfalls nicht mit dem Wort “waghalsig” in einen Topf geworfen werden, also shuffelt Engel kommod und entspannt zu ein paar wunderschönen Plätzen. Wie gemacht für ein wunderschönes Auto. Ich beginne Gefallen zu finden. Am Ende mochte ich Picasso auch.

Ge STUTZ te Flügel

Gesehen werden? Na gut.

Der Falke will kommod gefahren werden

Egal wo wir auftauchen – vor Ort polarisiert der Bolide die anwesenden Zuschauer, die sich zu allem ungefragt lautstark äußern. Der kleinere Teil sieht in dem Fahrzeug ein hässliches Monster von einem anderen Stern, steigt danach in seinen Multipla Fiat und fährt nach Hause in sein Reihenmittelhaus. Die meisten aber begreifen ihn aber von Anfang an richtig, nämlich wie ein exklusives Kunstwerk, für das man sich gern begeistern kann, ohne es gleich selbst besitzen zu müssen. Angucken erlaubt. Denn das hat der Blackhawk vielen seiner verwandten Kollegen voraus: Ein Ferrari, ein Rolls-Royce, ein Jaguar oder ein Lamborghini pressen ihre Besitzer umgehend in feste, für die Ewigkeit in den Köpfen verankerte Klischees  - der Stutz, im Übrigen wesentlich teurer und seltener als jede der genannten Marken, ist einfach nur stylisch und ein bisschen verrückt. Wie sollte man seinen Besitzer charakterisieren? Geht nicht. Ach doch – reich. Auf jeden Fall reich.

Ge STUTZ te Flügel

Was für sündige Hüften

Spätestens, wenn den Betrachtern am warmen Kaminfeuer der gullernden Zylinder aus der illustren “Stutz Owners” Liste vorgelesen wird, und allerspätestens, wenn der Name Elvis Presley fällt, schwenken sogar ein paar der fast schon wieder abgereisten Neubaugebiets-Zweifler um und gucken genauer hin. Ja ja, Prominenz macht sexy und verursacht explosionsartig ansteigendes Interesse aller Beteiligten. George Normanist, wie alle anderen Stutz-Käufer auch, auf einer Metalltafel an der Mittelkonsole verewigt. Er lebte zwar ein farbenfrohes und interessantes Leben, ist aber nicht so prominent wie einige der anderen Fahrer von insgesamt rund 600 gebauten Stutz verschiedener Serien. Herr Norman als einziger Vorbesitzer dieses Falken hatte in den frühen 70ern ein paar Probleme mit dem Gesetz und tauchte unter, seine Sammlung teurer Autos wurde später konfisziert.

Ge STUTZ te Flügel

Der Erstbesitzer ist verewigt

Der Erstbesitzer wurde international gesucht

So überdauerte auch dieser Stutz fachgerecht eingelagert die Jahre, bis 1985 ein Nachbar von Norman das Fahrzeug verkaufte. Über einige verschlungene Wege gelangte der Wagen letztendlich zu Herbert Engel, der ihn heute prinzipiell verkaufen würde. Doch erwarten Sie kein Schnäppchen. Der Zustand ist weltweit einzigartig, die erste Serie ist wesentlich begehrter als die Nachfolgemodelle. Bei späteren Baureihen hat das Baukastensystem von Pontiac immer mehr Einzug gefunden, der filigrane Charme und italienische Einfluss verflog ein wenig. Bis er einen Käufer gefunden hat bewegt Engel das Unikat mit H-Kennzeichen durch die Landschaft rund um den Rhein und erfreut sich immer wieder an den Reaktionen der Passanten. Für ihn ist es ein gutes, seltenes Auto. Er hat noch andere, noch ganz andere Kuriositäten in seinen Hallen stehen.

Ge STUTZ te Flügel

angesaugt werden – kann passieren

Der seltsame Wagen, welcher an sich schon eine faszinierende Geschichte erzählt, kühlt leise tickend wieder ab. Er verfügt über eine komplette Historie, angereichert mit Berichten von Preisverleihungen und weltweiten Showveranstaltungen. Wie bei fast allen seiner anderen Autos auch hat Herbert Engel ein besonderes Verhältnis zu diesem besonderen Fahrzeug, aber der Handel ist ein Kommen und Gehen. Zu viele Gefühle machen da schnell sentimental, und meistens gelingt ihm, einen professionellen emotionalen Abstand zu den Exponaten zu halten. Manchmal aber auch nicht. Als er das Garagentor hinter dem Blackhawk schließt, hat er dieses Leuchten in den Augen, das nur Männer haben, die ein bisschen verliebt sind.

Sandmann


www.sportwagenengel.de

STUTZ BLACKHAWK Serie 1
Baujahr: 1971
Erstzulassung: 1972
Motor: Pontiac Big Block V8
Hubraum: 7.500 ccm
Leistung: 431 PS
Drehmoment: 570 Nm bei 4.000/min
Verbrauch: ca 30l/100km
Getriebe: GM TH-400 3-Gang Automatik
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,4 s
Gewicht: 2.300 kg
SammyAliKennyEvilElvisElton
Originalartikel auf TRÄUME WAGEN

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Created Dienstag, 21. Oktober 2014 Tags Burgschmiede Namedy | Herbert Engel | Sportwagen Engel | Stutz | Stutz Blackhawk | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
20 Oct 2014
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Aus Versehen TÜV

Aus Versehen TÜV

Lange her, der letzte Werkstattbesuch…

Eigentlich sollte es ein ganz normaler Tag in meinem Leben werden. Früh Morgens mit dem Dottore ohne Zündschloss das Töchterchen zur Schule fahren und ab 9:00 Uhr an den Schreibtisch, schreiben und Fotos bearbeiten. Wie immer in meinem Leben ist es natürlich KEIN normaler Tag geworden, zumindest kein normaler Morgen. Er schüttelt mich zwischen 7:00 und 9:00 Uhr von Himmelhochjauchzen bis Zutodebetrübt, vielleicht sollte ich mich langsam mal an eine derartige relative Emotionsgeschwindigkeit gewöhnen. Ich fang mal vorn an, damit ich um 9:00 Uhr auch rechtzeitig an meinen Computer komme…

Aus Versehen TÜV

Na – da ist er ja

6:42 Uhr
Papa, ich hab grad das Netzteil vom alten Laptop aus der Kommode geholt, da ist so ein Schlüssel mit rausgefallen…” Argh. Tropfnass direkt aus der Dusche kommend (ich hatte noch nicht mal einen Kaffee) stehe ich überraschend vor meinem verlorenen Autoschlüssel. Sie erinnern sich? Ich werde in diesem Leben nicht mehr erfahren, was er in meiner Kommode im Wohnzimmer gemacht hat und wie er da hin gekommen ist. Ich sehe jedenfalls eine Chance für einen guten Tag, trockne mich grob ab, ziehe mich an, bastel noch liebevoll ein Pausenbrot für meine fröhliche Finderin und lasse sie dann für 10 Minuten mit ihrem Müsli allein. Ich und mein Kaffee, wir sind schnell mal draußen beim Audi in der frühherbstlichen Feuchtigkeit. Ich baue mit den schon bereitgelegten neuen Schrauben das alte Lenkradschloss wieder an, ziehe es fest und befinde das Ergebnis für insgesamt vorzeigbar. Lenkstockschalter drauf, Lenkrad drauf und gut. Mein Kaffee unterstützt mich dabei bedingungslos. Das hektisch bei ebay ersteigerte und inzwischen auch eingetroffene Set aus Schließzylinder, Türschloss, Heckklappenschloss und Schlüssel kann ich ja irgendwann mal weiterverkaufen oder beiseitelegen, falls sich der Schlüssel erneut in irgendwelchen undurchsichtigen Ecken meines Lebens niederlassen sollte :-)

Aus Versehen TÜV

Mit Montag Morgen Muffel Musik

07:10 Uhr
Ich hatte ganz vergessen, dass mein Töchterchen am Wochenende mit ihrem Fahrrad bei mir war. Na gut. Kombi? – Braucht man nicht :-) Der Kofferraum des Dottore schluckt das Fahrrad ganz gut, und an so einem kalten grauen Herbstmontag will man die Zweitgeborene ja nicht frieren lassen. Also gullern wir mit ♫ Montag Morgen Muffel Musik ein bisschen verschlafen in Richtung Innenstadt. Ich beschließe, gleich nach dem Rauskippen der hübschen Fracht bei meinem Leib- und Magen-KFZ-Meister Rüdiger Menzel vom 1A Autoservice in Kiel einzukehren und zu fragen, ob er das allgemein schlechte Laufen des alternden Vierzylinders irgendwie kurz ergründen kann. Mit dem bin ich schon seit der Neueröffnung freundschaftlich verbunden. Deshalb: Nein, das sind keine verkauften und irgendwie ins Thema integrierten Links, die kommenden Geschichten werden Ihnen nach und nach erläutern, warum ich den Mann wirklich schätze und glaube, dass er zaubern kann. Und danach könnte ich mir auf dem Rückweg ins Büro gleich einen Termin bei der GTÜ holen, Hauptuntersuchung ist fällig. Bis dahin kann ich mich an den Wochenenden nochmal drunter legen und schauen, was alles gemacht werden muss. Ich fahre den Audi seit fast zwei Jahren einfach nur so….. ich habe da noch nie drunter geguckt, es war schlicht nicht nötig. Guter Plan. Also los.

Aus Versehen TÜV

In guter Gesellschaft

7:32 Uhr
Für einen Montag Morgen ist der Meister ausnehmend gut gelaunt. Ich trau mich gar nicht zu fragen, woran das liegen könnte, nehme aber hin, dass wir zwei uns endlich duzen. Fein :-)Komm ich häng den gleich mal ran” sagt er und fährt den silbernen Herren auch schon in die große helle Halle, gleich neben einen wunderschönen W123. Der alte Daimler guckt den alten Audi ein wenig herablassend an, er ist in einem definitiv besseren Zustand und hat auch eine viel größere Fangemeinde als der Typ 43. Den will irgendwie niemand haben, alle finden den toll wenn man auf die Tankstelle fährt aber kein Mensch lässt sich drauf ein. Na und? Ich bin in diesem Jahr schließlich auch ein Typ 43 :-) Ich hab ihn ein bisschen lieb und freue mich, dass der alte Herr mal wieder eine richtige Werkstatt von innen sieht. Ex-Raffay in Hamburg, wo er einst 1977 gekauft wurde, sollte diese Ehre eigentlich auch zuteil werden. So dachte ich mal, als ich die anschrieb. Dort hat man aber leider das Klischee des “Freundlichen” bestätigt und trotz mehrerer Mails keinen Terminvorschlag gemacht. Hat man das in einem Audi Zentrum nicht nötig? Ich werde dem noch nachgehen, Menzel hat schon seinen Rollwagen hergeschoben und legt los. Hier werde ich auch mit einem 37 Jahre alten Auto ernst genommen, im Hamburger Audizentrum anscheinend nicht.

Aus Versehen TÜV

Mit Herz und Ohr dabei

7:40 Uhr
Standgas und CO vom Vergaser sind frisch eingestellt. “Der bläut aber derbe hinten raus. Da solltest du mal die Schaftdichtungen machen, die sind sicher schon steinhart…” Das hatte ich sowieso vor, lasse mir einen groben Preis nennen (die Nockenwelle muss dazu raus, Mist) und mache gleich einen Termin für die nächste Woche. Morgens bringen, Nachmittags abholen. Klasse. Und dazwischen fahr ich dann eben Fahrrad, noch ist es ja nicht so kalt dass ich dafür zu bequem bin – und dass es hinten rein passt weiß ich ja seit heute Morgen :-) Die gute Nachricht: Kompression auf allen vier Zylindern ist gut, Standgas ist sauber, der Motor macht einen relativ gesunden Eindruck. Die Werkstatt füllt sich langsam, Kundenfahrzeuge werden reingeschoben, Monteure klettern unter die Hebebühnen und geschäftiges Treiben dringt aus allen Ecken.

Aus Versehen TÜV

Der Maestro an seinem Orchester

7:43 Uhr
Wissen Sie, was beschämend ist? Viele Werkstätten haben gar nicht mehr die alten Testgeräte, die über Induktion die Zündsignale abgreifen. Ich bin von drei Markenzentren in Hamburg wieder nach Hause geschickt worden, weil man dort die alten Geräte entsorgt und auf die neue Generation umgestellt hat. Die mit den Diagnosesteckern, wo nur noch ein Computer angeschlossen wird, der dann über die Schnittstelle vom Auto gesagt bekommt, wo es weh tut. Diese Schnittstelle hat mein Audi aber noch nicht, 1977 waren Computer den Universitäten und der NASA vorbehalten :-( Was machen solche Werkstätten denn, wenn ein gut situierter Klassikerfahrer ankommt und zum Beispiel die Vergaser seines Porsche oder seines Audi Coupé S einstellen lassen will? Nichts. Ach doch, sie können was machen – sie können diese Leute zu Menzel nach Kiel schicken, der hat noch so ein Gerät. Und er selbst hat auf dem alten Audi 100 gelernt, und was er selbst bei alten Autos zeitlich nicht hinbekommt regelt sein Vati. Der ist auch noch ab und an dabei, der hat schon die Bremsen meines alten K70 damals wieder gerichtet. Gut. Das Zündbild ist fast perfekt. Es muss also irgendwie an der Spritzufuhr oder am Vergaser liegen, dass der Dottore bei 100 km/h sporadisch immer wieder bockig ist.

Aus Versehen TÜV

Alles gesund im E-Werk

7:48 Uhr
Wir vertagen uns auf die nächste Woche, dann will er außer den Schaftdichtungen auch gleich mal den Vergaser unter die Lupe nehmen. Außerdem soll ich mir mal die Lenksäule anschauen, die macht komische Geräusche und mahlt so metallisch, das ist nicht gut. Ich erzähle von dem ausgebohrten und wieder angeschraubten Schloss. Irgendwas wird das damit wohl zu tun haben. “Das lässt sich schon finden” beruhigt Menzel mich grinsend und scheucht mich gut gelaunt vom Hof :-) Okay. Ich bin nicht wirklich weiter, aber ich kann mir ja noch schnell den Termin bei der GTÜ Prüfstelle holen, bevor ich mich in den Arbeitstag stürze. Die ist quasi eine Ecke weiter und öffnet in wenigen Minuten ihre Pforten. Vielleicht kann ich mir danach sogar noch ein Brötchen bei meinem Lieblingsbäcker holen, bevor es ans Schreiben geht.

Aus Versehen TÜV

Äh… moment, ich bin unvorbereitet…

8:05 Uhr
Sie sind heute der Erste, fahren Sie den schönen alten Audi doch gleich auf die Bühne!” – Äh… ich…. wollte eigentlich nur einen Termin so für in drei Wochen oder so haben…. “Wieso, der sieht doch gut aus. Den machen wir gleich, rauf damit!” Ich bin verwirrt und überfahren. So war das nicht geplant. Während der Plakettenchef in seinem Büro die Daten in den Computer eingibt schleiche ich schnell nach vorn, mach die Haube auf und tausche die gelben Lampen gegen nicht ganz so gelbe, die ich im Handschuhfach für besonders renitente Ordnungshüter mitführe. Und schon ist er wieder da. *schwitz* Ich fühle mich irgendwie ertappt, allein aus dem Grund dass ich absolut nicht weiß, in welchem Zustand dieses Auto ist. Vor allem der Unterboden. Der Mann legt einfach los und lässt den Motor ein paar mal aufjaulen und ihn hochdrehen, als er Temperatur bekommen hat. Abgaswerte sind okay (na klar sind die das, ich komme ja auch gerade erst vom Motortester). Der routiniert vorgehende Sachverständige schaltet das Licht durch, Blinker, Hupe, Fernlicht, Nebelscheinwerfer (oh GOTT die gehen ja sogar noch!). Er prüft das Lenkungsspiel und wackelt an allen Rädern. Während der Motor im Standgas ruhig vor sich hin murmelt und irgendwann der Lüfter anspringt (was den Prüfer auch fröhlich zu stimmen scheint) stellt er noch die Lampen in der Höhe nach. Ich sage danke.

Aus Versehen TÜV

So gestrahlt hat er noch nie

8:23 Uhr
Unter dem Auto höre ich AAAAHS und OOOOHS. “Wie sind Sie denn dem Rost bei diesem Modell Herr geworden? Der sieht ja von unten aus wie neu!” Ich…. ich…. ach wissen Sie, regelmäßige Pflege und Inspektion, wenn man immer dran bleibt ist das gar nicht so wild bei dem Audi 100. Während meine Nase immer länger wird und ich ebenfalls unter dem Dottore stehend Gefahr laufe, sie mir am heißen Auspuff zu verbrennen bin ich selbst ein wenig erstaunt über diesen Unterboden. Habe ich irgendwelche Lemminge im Garten, die Nachts diesen Wagen pflegen und konservieren? Das ist ja nicht zu fassen. “Hier an der Antriebswellenmanschette ist ein kleiner Riss. Nicht schlimm, aber da sollten Sie bald mal ran. Ansonsten okay, wir können wieder raus.” Ach? Was ist denn hier los? So ein gesundes Auto habe ich? Der Mann geht wieder in sein Büro, während die nächsten Prüflinge schon Schlange stehen. Ein total, TOTAL verrosteter T3 Bulli und ein wunderschöner, anscheinend tadelloser Mercedes W108, die alte S-Klasse. Na dann. Auf in den Tag. Da kommt der Chef wieder und hat was rundes, selbstklebendes in der Hand…..

Aus Versehen TÜV

Zwei Jahre Ruhe

8:52 Uhr
Und wie war Ihr Montag Morgen so? Ich bin wieder zu Hause und habe meinen Plan abgearbeitet. Vor zweieinhalb Stunden hatte ich noch einen alten Audi ohne Zündschloss mit Motorproblemen, jetzt habe ich einen alten Audi mit Zündschloss und Schlüssel, sauberen Abgaswerten, frischem TÜV und… noch immer mit Motorproblemen. Aber das weiß ich jetzt noch gar nicht. So erfolgreich dieser Morgen in Sachen Schlüssel und TÜV auch war – er hat seine Langzeithaken. Mit der mahlenden und schabenden Lenksäule habe ich noch ein paar Hühnchen zu rupfen. Und der Satz “Die Schaftdichtungen solltest du machen” in Verbindung mit dem gebuchten Termin soll noch für eine Menge Gesprächsstoff sorgen – und für einen BMW 325e, wenn auch nur für kurze Zeit. Warum sollte in diesem Jahr auch IRGEND etwas einfach mal einfach nur funktionieren? Pha. Ich sitz dann mal am Schreibtisch und schreibe, deshalb heißt er ja auch so. Wir lesen uns bald wieder zu diesem Thema. Aber so unerwartet hab ich noch nie die HU bekommen.
Haben Sie auch so einen Respekt vor diesem Termin…?
Sind Sie auch ein Opfer der Überheblichkeit der Fachwerkstätten mit den vier Ringen?
Oder hat Ihre gar keinen Motortester mehr, sondern nur noch ein Laptop?

Sandmann

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Created Montag, 20. Oktober 2014 Tags 1A Autoservice | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | C2 | gtü | Hauptuntersuchung | Menzel Kiel | TÜV | Typ 43 | Vergaser | Zündung Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
16 Oct 2014
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Schlüsselerlebnisse

Schlüsselerlebnisse

Oldschool Autoknacken

Sag mal, wo’sn der Schlüssel vom Audi…?” Mit diesem Satz fing alles an, irgendwann heute Morgen, im Osten von Kiel. Das ist 8 Stunden her. Nein, sie hatte ihn nicht gesehen, stieg später in den Mercedes und fuhr mit unserem viertelfinnischen Sandmädchen von Kiel zurück nach Hamburg. Ein fröhlich Liedlein singend. Ich will, nein ich MUSS heute Abend mit dem Audi nachkommen und stehe vor einigen Problemen. Ich komme gerade noch nicht mal rein in den alten Dottore, vom Losfahren kann noch viel weniger die Rede sein. Das bedeutet: Entweder den Schlüssel finden oder… oder… hm. Na das sehen wir dann.

Schlüsselerlebnisse

Ich muss da irgendwie rein.

Haben Sie schon mal einen Autoschlüssel nicht wiedergefunden? Ich will gar nicht von “verlieren” sprechen, denn ich bin ja mit der Karre hier her gekommen und habe seit dem das Grundstück nicht verlassen – also muss er hier irgendwo sein. Aber er ist nicht da, wo ich ihn immer hinhänge: Am Schlüsselbrett. Doof. Ich durchsuche alle Taschen, sowohl die an meinen Klamotten am Körper als auch die meiner Arbeitshose, die ich heute auch an hatte. Die Taschen meiner Jacke. Die aller anderen Jacken. Laptoptasche. Alle Ablagen im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad. Manchmal legt man so einen Schlüssel ja in Gedanken mit irgend etwas anderem irgendwo hin. Nein. Hab ich nicht. Der Kofferraum ist offen, da habe ich vorhin ein paar Ersatzteile reingelegt. Aber nicht den Schlüssel. Nirgends. Er ist nicht im Kühlschrank, nicht auf der Terrasse und auch nicht in der Kaffeemaschine. Verdammt. Habe ich den stecken lassen, und jemand hat ihn geklaut? Nein. Ich lasse NIE den Schlüssel stecken, und selbst wenn – alle Türen sind zu. Die Fahrertür lässt sich nur mit dem Schlüssel zumachen, ich glaube nicht, dass sich ein Schlüsseldieb so viel Zeit nähme. Nein, den hat niemand geklaut. Ich laufe die Straße rauf und runter und scanne mit Adleraugen den Straßenrand. Ist er mir aus der Tasche gefallen? Nein. Ich durchsuche alles noch mal. Und noch mal. Was für ein sinnloses Verbrennen von wertvoller Zeit :-( Irgendwann ist klar, dass ich diesen Schlüssel hier und heute nicht mehr auftreiben werde, also plane ich einen gezielten Einbruch. Vielleicht… liegt er ja doch irgendwo im Auto…?

Schlüsselerlebnisse

Der gute alte Kleiderbügel

Ach ja, die guten alten Zeiten. So ein Kleiderbügel von der chemischen Reinigung ist schon ein super Universalwerkzeug, das kennt man ja noch aus den alten Filmen. Heute, bei neueren Autos geht das nicht mehr. Da kann man die Türen nicht so einfach mit einem Schraubendreher von der Dichtung wegdrücken und schon gar nicht den Knopf mit einer Art Haken hochziehen. Die Knöpfe sind heute oben nicht mehr breiter als unten (damals, 1977 waren sie es), und irgendwelche Innenraumüberwachungen würden wohl laut Alarm schlagen. Ich frickel mir so einen Bügel zurecht und finde mich wieder zwischen komisch guckenden Spaziergängern, die mich nicht persönlich kennen und lachenden Nachbarn, die das schon gewohnt sind. Dass ich seltsame Sachen an und mit den Autos vor meiner Haustür mache und mich dabei fotografiere. Es kommt innerhalb von 10 Minuten kein Polizeiwagen, soll mich das nun verunsichern oder beruhigen? Dann bin ich drin. Kein Schlüssel. Nirgends. Hätte mich auch gewundert, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Also nochmal von vorn. Ich laufe die Straße ab. Ich durchsuche nochmal alle Taschen, sowohl die an meinen Klamotten am Körper als auch die meiner Arbeitshose, die ich heute auch an hatte. Ich gucke sogar im Wäschekorb. Die Taschen meiner Jacke. Die aller anderen Jacken. Die Laptoptasche, obwohl ich das alles schon gründlichst gemacht habe. Alle Ablagen im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad. Der Kofferraum ist immer noch offen, ich suche erneut und finde eine verschollen geglaubte Zierleiste unterm Teppich. Aber nicht den Schlüssel. Nirgends. Er ist noch immer nicht im Kühlschrank, noch immer nicht auf der Terrasse und auch noch immer nicht in der Kaffeemaschine. Nochmal Verdammt.

Schlüsselerlebnisse

Dann muss es eben sein.

Ich bin zu alt zum kapitulieren. Nicht vor meiner eigenen Blödheit und schon gar nicht vor einem kleinen Schlüssel. Ich habe in den vergangenen Jahren zu viel Scheiße erlebt, bin da durchgegangen und habe nach und nach alles in den Griff bekommen, da ist das hier ja wohl auch zu regeln. Es muss wohl der harte Weg sein. Die Alternative wäre eine Bahnfahrt nach Hamburg und übermorgen eine Bahnfahrt wieder zurück nach Kiel. Nicht unbedingt unattraktiv, aber dann hätte ich hier noch immer keinen Schlüssel. Der zaubert sich ja nicht plötzlich wieder her. Gleichwohl er irgendwo sein muss….. Egal. Ran an den Speck beziehungsweise den Stahl, Lenkrad runter und das Zündschloss freilegen. Dafür muss der komplette Lenkstockschalter ab, aber das ist bei diesem alten Herren mit dem Lösen einer einzigen Schellenschraube getan. Sollte ich vielleicht noch mal alles durchsuchen…..? Ich rufe mein halbfinnisches Fräulein Altona an, ob der Schlüssel vom Audi vielleicht aus irgend einem Grund im Mercedes liegt? Nein :-( Nun reicht’s. Ich ziehe ein dickes schwarzes Verlängerungskabel aus dem Kellerfenster bis auf die Straße. Hat der Audi grad gezittert? Ja, zu Recht, mein Lieber. Auch wenn du nichts dafür kannst, du kostest mich gerade eine Menge Nerven und Zeit an einem Tag, an dem ich beides nicht habe. Ich fahre heute noch Audi. Definitiv. Und jetzt ist schweres Geschütz angesagt.

Schlüsselerlebnisse

Er will es ja nicht anders

Die gute alte BOSCH hat schon einige Löcher in weichem und hartem Material hinterlassen, heute wird sie erstmals mit rundköpfigen Abrissschrauben (sieht komisch aus, oder? sss) aus Stahl konfrontiert. So ein Zünschloss konnte man natürlich auch in den 70ern nicht einfach mit einer 13er Stecknuss abschrauben, auch damals gab es schon Diebe und auch damals hingen die Menschen an ihren teuer bezahlten Mittelklasselimousinen. Die beiden Schrauben im Alugehäuse des Zündschlosses sind am Ende des Tages auch nur Schrauben. Und nein, liebe Kinder, ich erkläre euch und auch den Erwachsenen, die das vielleicht wissen wollen jetzt nicht im Detail, wie man an diese Schrauben rankommt. Das soll ja hier keine Anleitung zum Audiknacken sein. Auch erzähle ich nicht, wie weit und wie tief man bohren muss, aber lasst euch gesagt sein: Da fallen eine Menge Metallspäne in den Fußraum. Was ich lerne: Die Schrauben halten nicht nur das Zündschloss, sie fixieren auch die komplette Lenksäule am Armaturenträger. Oh. *KNACK* jetzt nicht mehr….

Schlüsselerlebnisse

Ich bin der Schlüsselmann

Die Ingenieure haben sich da vor 37 Jahren in Neckarsulm ganz schön Mühe gegeben, ihre Autos stabil und sicher zu bauen. Mal eben die Kabel rausreißen, aneinanderhalten und dann läuft der Laden (wie im Kino) geht hier nicht. Solange das Zündschloss noch auf der Lenksäule sitzt rastet gegebenenfalls auch noch das Lenkradschloss ein. Also ganz runter mit dem Teil. Hinten drauf steckt ein Bauteil, das gern mal im Alter seinen Dienst quittiert. Der Anlassschalter. Schreibt man den heute wirklich mit drei s? Ist ja gruselig. Auch den hab ich jetzt mal nicht fotografiert, da kommt man auch gaaaanz schwer ran. Echt. Und ich beschreibe hier auch nicht, welche der 7 Klemmen wie verbunden werden müssen, damit man a) die Zündung anschaltet und b) dem Anlass-Relais die Spannung gibt, die es davon überzeugt, den Strom zum Anlasser durchzuschalten. Aber ich kann so viel verraten: Als penibler Kommunikationselektroniker habe ich fein drei Kabel mit Steckern gekrimpt und die in die richtigen Pole gesteckt. Das sieht nicht nur gut aus, das verhindert gegebenenfalls auch einen feinen kleinen Kurzschluss mit Brand hinter dem Armaturenbrett, denn hier wird mit Klemme 30 hantiert, die ist stromführend direkt von der Batterie.

Schlüsselerlebnisse

zündende Ideen

Das muss jetzt nur noch a) überhaupt funktionieren und b) bis Hamburg halten. Ich bin heute ein Mann von viel a und b. Und ich bin Kummer gewohnt, mit dem KaSi fahre ich schon seit Jahren rum und habe das Abblendlicht mit einer Klemme im Sicherungskasten überbrückt, weil irgendwo ein Kabel gebrochen ist. Geht. Warum also nicht auch hier? Ein bisschen Sorgen machen mir die drei anderen unberücksichtigten Klemmen am nun temporär nicht mehr benötigten Anlassschalter, die haben schließlich auch irgend eine Funktion. Aber was kann schon groß ausfallen bei so einem alten Auto? Primär will ich jetzt den Motor zum Laufen bekommen, damit mich der Wagen nachher nach Hamburg tragen kann. Wider der Deutschen Bahn und wider der Kapitulation. Später kann ich mir ja bei ebay ein gebrauchtes neues Schloss kaufen und das entsprechend wieder einbauen. Ich habe ja nur die beiden Schrauben zerstört, den Rest kann ich wieder brav zurückbauen. Okay, vielleicht habe ich auch mit der Bohrmaschine ein bisschen vom unteren Armaturenbrettträger (wirklich heute mit drei t? Krass) weggefräst, aber das sieht man nicht, da ist das Lenkrad vor. Also, dann, wenn ich es wieder draufgeschraubt habe. So. Zwei der drei Klemmen verbinden. Zündung, jetzt?

Schlüsselerlebnisse

Große Freude über zwei rote Lampen

Jawohl! Kupplung treten, die dritte Klemme mit ranhalten – und der Anlasser dreht sich. Und der Motor springt an. YESS!!!!! :-) Nach 45 Minuten bohren und basteln läuft der Dottore wieder, lässt sich lenken und schalten und macht insgesamt einen fahrbaren Eindruck. Ich… äh… okay, die Blinker gehen nicht. Das muss an der Position der Schalter auf der nun nicht mehr fixierten Lenkachse liegen. Glaube ich. Dementsprechend sollte ich Kreuzungen meiden oder vielleicht die Hand raushalten, das geht ja beim Fahrrad auch. Das normale Abblendlicht geht auch nicht. Nur das Standlicht. Also sollte ich los, bevor es dunkel wird, das kriege ich aber hin. Der Scheibenwischer geht auch nicht. Und es sieht nach Regen aus. Aus Mangel an Alternativen lasse ich mich trotzdem drauf ein und beschließe, zur Not einfach so schnell zu fahren, dass die Regentropfen auf der Scheibe nach oben weggefegt werden. Dass das nicht geht weiß ich irgendwie, aber nun bin ich schon so weit gekommen – jetzt will ich das auch durchziehen. Wenigstens weiß ich jetzt, was mindestens alles noch über diesen Anlassschalter gesteuert wird. Das Radio hängt direkt an Klemme 30, das geht immer. Und das ist auch gut so. Die Hupe geht auch. Die Lenksäule schwabbelt ein wenig haltlos ohne ihre Fixierung im Fußraum vor sich hin, ich beschließe, vorsichtig zu fahren und das alles erst zu veröffentlichen, wenn es ein gutes Ende genommen hat :-)

Schlüsselerlebnisse

Ich hör jetzt auf damit, aufzugeben.

Steine im Weg? Fuck you. Nur ein kleines Ereignis innerhalb des riesengroßen Haufens an Arbeit, Kummer und Zeitdruck, der momentan in Sandmanns Welt abgearbeitet wird. Aber weil ich nicht einsehe, dass so ein Dreck jetzt überflüssigerweise auch noch meine Pläne verzögert oder durchkreuzt ist es mir so wichtig gewesen, den Kahn wieder zum Laufen zu kriegen. Dass dies erst der Anfang war und in der Folge nach und nach noch ein weiterhin malader Vergaser, verhärtete Ventilschaftdichtungen, eine durchgeschossene Kopfdichtung, ein zahnloser Zahnriemen und ein geplatzter Kühlwasserschlauch kommen ist nur konsequent. Aber das sind andere Geschichten. Heute fahre ich mit dem Audi nach Hamburg, und ich komme heil und nur leicht genervt da an. Ohne Regen ;-) Und vielleicht bin ich auch ein bisschen stolz auf die alte Karre, denn trotz alledem bringt sie mich auch in stürmischen Zeiten immer wieder nach Hause.

Sandmann

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Created Donnerstag, 16. Oktober 2014 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | schlüssel | Typ 43 | verloren | Zündanlassschalter | Zündschloss Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
15 Oct 2014
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Re-CHARGE my Life!

Re-CHARGE my Life!

Wertanlage mit Hüftschwung

Wie sich ein 68er Dodge in ein Leben einschleicht …
Als Kinder seid ihr irgendwann aus dem Spielzeugalter raus,  habt dann aber kein Geld. Jedenfalls nicht viel mehr als für ein Eis, ein YPS und ein Smartphone. Wenn ihr als Männer später Geld haben, nimmt es euch meist der Alltag, das Finanzamt oder die knapp kalkulierte Doppelhaushälfte wieder ab. Oder die Lebensgefährtin. Denn die legt üblicherweise ein Veto gegen Spielzeug jeder Art ein, so habe ich das jedenfalls in meinem Freundeskreis mehr als einmal beobachten dürfen. Bei Martin Hofmann ist das irgendwie alles anders. Der ist erwachsen, hat Geld gespart und die Freundin auf seiner Seite. Er will auch wieder spielen, und er tut es, und sie lässt ihn.

Re-CHARGE my Life!

Besser als jede Therapie

Keine Spur Midlife-Crisis
Kinder und maskuline Erwachsene spielen gern mit Autos – aber die Form eines 911er, die so viele Männer in der Mitte ihres Lebens erregt (und meist einhergeht mit dem Austausch der Lebenagefährtin gegen ein wesentlich jüngeres Modell), reizt Martin nicht. Er ist ein Kind der 80er. Amischlitten – sie fallen ihm wieder ein, zuerst gesehen in den amerikanischen TV-Serien. Erinnerungen an das “A-Team”, “Knight Rider” und “Ein Colt für alle Fälle” erwecken den berühmten Virus für amerikanische Autos wieder zum Leben. Seiner Freundin gebührt an dieser Stelle großer Respekt, denn statt zickig mit der klappernden Haushaltskasse zu wedeln unterstützt sie geduldig und verständnisvoll diesen Mann in seinem Vorhaben. Obwohl er nichts anderes mehr im Kopf zu haben scheint, aber das kennen wir ja.

Volltreffer in Wisconsin
In Hamburg werden Nägel mit Köpfen gemacht. Mit einem kundigen Importeur bringt Martin monetäre Voraussetzungen mit Wunschvorstellungen in Einklang, und er beginnt die detektivische Suche im Internet. Und gerade das gestaltet sich gar nicht so einfach, wenn man konkrete Gedanken und Vorstellungen besitzt. Es soll ein Dodge Charger werden, das klassische, leider inzwischen recht hochpreisige Muscle-Car der 60er. Martin befolgt den Rat des Importeurs und sieht sich viele, sehr viele Muskelkisten an – und wird immer wieder enttäuscht. Da ihm ein bestimmtes Baujahr mit einer klar definierten Motorisierung vorschwebt, dünnt sich das Angebot im deutschen Lande ohnehin immer weiter aus, und Dichtung und Wahrheit besorgen den Rest. Also erweitert er seine Recherche auf die USA, und schon kurze Zeit später macht es endlich “Klick”. Bei einer Anzeige passt alles – Motor, Innenausstattung, Übersetzung der Hinterachse und der beschriebene Allgemeinzustand. Martin greift zum Telefon.

Re-CHARGE my Life!

Da geht noch was…

Auf der anderen Seite des großen Meeres meldet sich Chris aus der Nähe von Milwaukee in Wisconsin. Ja, der Wagen sei noch da, er habe auch schon eine lange Geschichte in seiner Familie hinter sich. Als das ursprüngliche Fahrzeug in die Jahre gekommen war, erwarb es sein Bruder und wollte es eigentlich zeitgenössisch zum Drag-Racer pimpen. Dieses Vorhaben zog sich aber anscheinend erheblich in die Länge, und Chris konnte es irgendwann nicht mehr ertragen, den schon damals recht seltenen Wagen ohne Motor ausgeweidet auf dem Hof stehen zu sehen. Also kaufte er ihn seinem Bruder ab und baute ihn bis 2004 nach und nach genau so auf, wie er selbst sich einen fabrikneuen Dodge Charger bestellt hätte. Und da scheint zwischen Martin und Chris geschmackliche Einigkeit zu bestehen. Was für ein Treffer!

Farbe? Passt.

Farbe? Passt.

Über den großen Ozean
Der nun erneut wieder auf den Plan gerufene Importeur einigt sich mit dem Besitzer des Muscle-Cars auf die Bestellung eines unabhängigen Gutachters vor Ort, der 120 Fotos vom Auto macht und alle eventuellen Schwachpunkte und Mängel in einem Schriftstück festhält. Die Fotos und die umfangreichen Beschreibungen überzeugen Martin sofort – und das Ja seiner Freundin bekommt er umgehend. Das muss Liebe sein. Also… von beiden Seiten :-) Er kauft den 42 Jahre alten Dodge, ohne ihn je selbst gesehen zu haben und nimmt ihn sieben Wochen später überglücklich und mit Herzklopfen in Empfang. Nach einem kurzen Umbau für den deutschen TÜV und eine auf Anhieb erfolgreiche Zulassung gehört der Dodge zur Familie.

Re-CHARGE my Life!

So soll ein Muscle Car aussehen

Eine eigene Dimension
Und Familientreffen mag ich. Da folge ich der Einladung sehr gern, zumal die Anreise nicht weit ist und es am Treffpunkt einen leckeren Mittagstisch, serviert von der süßen Mary, zu futtern gibt ;-) Martin stellt mich seinem Charger höflich vor, während ich mich verbeuge und ehrfürchtig damit beginne, die Dimensionen zu erfassen. Erstmal innen drin. Ein für die späten 60er Jahre unaufgeregtes Armaturenbrett beherbergt in schwarzem Kunststoff einige Rundinstrumente und dicke Kippschalter. Kleine Aufkleber auf dem Tacho erzählen von Stundenkilometern und verdecken die Meilenangaben. Ein Lichtlein aus dem Mitteltunnel leuchtet den Weg, als sich der Steuermann in das weiße Kunstledergestühl fallen lässt.

Alles im Blick

Alles im Blick

Re-CHARGE my Life!

Beleuchtete Füße. Cool.

Re-CHARGE my Life!

Schalter, die noch geschaltet werden WOLLEN

Re-CHARGE my Life!

Musik zwo drei…

Ich trete zurück, um dieses glänzende, grüne Muskelpaket einmal in Gänze vor die Linse und in mein Bewusstsein zu bekommen. Ich muss dafür ziemlich weit zurücktreten, das Ding ist sagenhaft lang. Was gerade noch als Matchbox-Auto in einer irren Farbe mit dicken Reifen und kurvenreichen Formen in meiner Sandkiste auf eine kleine Reise ins benachbarte Erdbeerbeet wartete, steht hier jetzt im Maßstab 1:1 vor mir. Seine Schnauze wirkt gierig, sein Body wie von einem heißen Gegenwind nach hinten ausgeformt. Ein faszinierender Hüftschwung mit wunderschönen Details wie dem seitlichen Tankdeckel oder den kleinen, runden Rücklichtern lassen meinen Mund permanent offen stehen. Ich beginne zu begreifen, warum dieses Modell bei den Freaks in der Szene so begehrt ist. Hier war ein Künstler am Werk. Der Dodge scheint zu warten.

Re-CHARGE my Life!

Nordische Wangenknochen, sehr sexy

Re-CHARGE my Life!

Grip auf jedem Meter. Die Walzen versprechen es.

Re-CHARGE my Life!

Bremslichter, die aber nicht gebraucht werden.

Ein Motor wie ein Gewitter
Im Hintergrund holpert ein Toyota Aygo die Kopfsteinpflasterstraße entlang, und ich kann mich nicht entscheiden, was mir hier deplatzierter vorkommt. Der knubbelige, japanische Kleinwagen im Angesicht einer gewaltigen, völlig sinnentleerten Fahrmaschine – oder eben diese vor Kraft strotzende, irgendwie unwirkliche Symbiose aus wunderschönen Kurven und Ressourcen vernichtendem 440cui Big Block in einer grauen Welt voller Abgasnormen und Elektroautos. Wie sagten sie so schön im Trailer des ersten Jurassic-Park-Films? “Etwas… hat überlebt!”. Ja geil, und dieses etwas passt, wie ich finde, noch immer wunderbar in diese Welt. Nennen wir es Ansichtssache. Der Anlasser dreht sich.

Re-CHARGE my Life!

Zwischen viel Platz und viel Motor.

Und das, was jetzt kommt, lässt sich kaum in Worte kleiden. 7,2 Liter Brennraum füllen sich mit leicht entzündlichem Nass. Der Anlasser klingt wie bei jedem amerikanischen Hubraumwunder ein bisschen so, als schaffe er es nicht ganz. Tut er dann aber irgendwie doch immer. BRROOOOAAMMMMM!!!!! Ein kurzes, turbinenhaftes Aufbrüllen, dann ein ruhiges Grummeln wie von einem fernen Gewitter, gleichmäßig und völlig unaufgeregt. Martin legt den mittigen Wählhebel des TFT 727 Getriebes in die Fahrstufe ein und fährt an mir vorbei… und fährt vorbei… und fährt vorbei… Ich habe schon kürzere Autos gesehen. Der Aygo ist hoffentlich langsam mal in seinen Vorort verschwunden, wir brauchen gleich die ganze Straße!

Re-CHARGE my Life!

Ein Gewitter donnert durch den Hafen

Käufliche Sehnsucht
Wow – deshalb heißen die auch Muscle Cars. Das tiefe Grollen erzählt von etwas, was gern frei gelassen werden möchte, von einem Raubtier in Lauerstellung, von einem endlich erfüllten Traum. Und Martin lässt es frei. Katzenhaft schnellt der Dodge nach vorn. Wie bei einer nahenden U-Bahn bebt die Straße, er ist gar nicht laut dabei, ich fühle es trotz der Entfernung eher im Magen und bewundere, wie unangestrengt das Fahrzeug dabei wirkt. Ich bin von Evel Knievel geprägt. Ich erwarte einen am anderen Ende der Straße sich entfaltenden Bremsfallschirm, aber diese Aufgabe müssen die vier zeitgenössischen Trommelbremsen übernehmen. Meine Nackenhaare haben sich noch gar nicht wieder gelegt, da brennt er erneut an mir vorbei. Shit, ich soll ja Fotos machen :-) Okay. Die breite, scheinwerferlose Schnauze taucht tief in die Bodenwellen ein, hart und bestimmt stemmen sich die Pneus gegen das Kopfsteinpflaster – und schon ist er wieder weg. Es riecht angenehm nach sauber verbranntem, unkatalysiertem Super.
Das hier ist Sex. Das ist Form und Kraft in einem, das ist käufliche Sehnsucht und erfüllte Lust bei der Kontrolle über die Maschine. Mich fröstelt. Als das Gerät (kann man so etwas überhaupt noch Auto nennen?) wieder an mir vorbei auf den Parkplatz rollt, blicke ich nur noch andächtig lächelnd und ein bisschen irre.

Re-CHARGE my Life!

Wer braucht da noch einen Therapeuten?

Aufladen im Alltag
Martin Hofmann, setzen, alles richtig gemacht. Der Mann erzählt am Ende unseres Treffens bei einem Kaffee in der Oldtimertankstelle Brandshof die Geschichte seines Autos, während es draußen ungeduldig auf ihn wartet. Martin ist noch immer ein bisschen Kind. Und er wirkt glücklich, so glücklich wie ein Mann nur wirken kann, wenn er sich einen Traum erfüllt hat. Der Nachbar muss jeden Tag sein Elektroauto wieder aufladen. Der Charger lädt andersrum Martin jeden Tag wieder auf, bringt Farbe und Sound in den grauen, monotonen norddeutschen Winter und  gewährt einen Ausblick auf viele weitere spektakuläre Reisen und Erlebnisse mit einem mehr als ungewöhnlichen Auto.

Re-CHARGE my Life!

Das Schiff ist im Hafen

So soll es sein. Hier hat ein Mann seine Religion gefunden und lebt sie nun. Und noch immer mit dem Segen seiner Freundin. Der Fahrer des Aygo wird das niemals verstehen…

Sandmann

Location: www.tankstelle-brandshof.de und der Hamburger Hafen
Artikel auch bei TRÄUME WAGEN

Bilder: Jens Tanz und Susann Drews

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Created Mittwoch, 15. Oktober 2014 Tags 1968 | ami | Brandshof | Charger | Dodge | Dodge Charger | hamburg | Import | Musclecar | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
13 Oct 2014
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Zurück in die Sintflut

Zurück in die Sintflut

Wie Sie sehen – sehen Sie nichts.

Finalement bringt der Weg am Ende des Urlaubs mit dem Auto nach Hause viererlei Erkenntnis: Erstens sind es viele Kilometer. Zweitens wird das Wetter in Richtung Deutschland schlechter. Drittens überkommt den Fahrer bei so einer lange Tour am Stück gern mal eine tiefe Müdigkeit. Soweit ist mir das alles bekannt :-) Die Superlativen sind allerdings neu – ich lerne heute, WIE weit es wirklich von Agde am Mittelmeer bis Kiel in Norddeutschland ist, WIE schlecht das Wetter faktisch werden kann und WIE sehr einen die Müdigkeit am Steuer eines Autos erwischt, wenn weit und breit über Stunden kein Rastplatz kommt. Von der vierten Erkenntnis erzähle ich später. Aber ahnten Sie schon, WIE dringend ich ein neues Navi brauche? Aber geben wir dem alten zunächst, bei gutem Wetter in Südfrankreich, die Koordinaten der Heimreise durch:

Argh.

Zurück in die Sintflut

Das… ist WIRKLICH weit.

Zur Verifizierung der ersten Erkenntnis schiebe ich mein bas Erstauntsein auf die Psyche des Menschen und die Verdrängung im Allgemeinen. So ein zweigeteilter Hinweg mit Übernachtung in Paris lässt eine europadurchquerende Gesamtstrecke irgendwie kürzer wirken, als sie tatsächlich ist. Heute sollen es 1635 Kilometer am Stück werden, und nach nur 14 Stunden sollen wir um 1:21 heute Nacht da sein :-) Ha. Ohne Pausen, also eher ein paar Minuten später. Und mein großes Töchterchen regt einen Stopp in Lyon an, da waren sie auf Oberstufenfahrt, und man sagt dort solle es sehr leckere Süßigkeiten geben. Mitbringselalarm!
Das Mobile Home ist fachgerecht abgenommen und mindestens in seinem Ursprungszustand übergeben, das bedeutet (wie immer auch nach jedem Dänemarkurlaub) sauberer als zu Beginn und mit genau so vielen Fehlteilen in der Küche wie vor 10 Tagen. Das stört niemanden, die Gäste offensichtlich auch nicht, uns auch nicht – also kann es losgehen. Jetzt. Jetzt ist er wieder da, dieser Moment, von dem wir zu Beginn der Reise immer sprechen :-( Wenn nach nur einem *SCHNIPP* mit den Fingern all die schönen und schrägen Tage vorbei sind.

Zurück in die Sintflut

Bitte recht traurig…

Mmmmmmhhhhböööh :-( Manno. Zurückfahren heißt sich mit dem Alltag konfrontiert sehen, und zwar ziemlich direkt und unnachgiebig. Heute ist Samstag, und Montag geht die Mühle wieder voll los. Zumindest für den sich in einer Ausbildung befindenden jungen Mann mit der neuen Cap und für mich, also MÜSSEN zumindest wir beide irgendwie morgen im Laufe des Tages in Norddeutschland ankommen. Und dann wird er wieder wacker vor sich hinzimmern, und ich werde ich mich dem stellen, was da auf mich wartet. Die Mädels wiederum haben entweder noch vier Wochen Ferien oder noch vier Wochen Freiheit bis zum Beginn des FSJ vor sich. Beneidenswert. Vier Wochen am Stück, vielleicht hätte ich DOCH Lehrer werden sollen? :-) Neiiiiin. Autos. Der Tank ist voll, Öl, Wasser und Reisebaguettes sind aufgefüllt und Lyon als Zwischenziel in 5 Stunden klingt gar nicht so wahnsinnig weit weg. Gleich bei der Auffahrt auf die erste Autobahn vor Montpellier (wo M. Leroc den ausgebüchsten Daniel mit… ach, lassen wir das nun mal) treffen wir auf viele gleichgesinnte Franzosen, Niederländer und Belgier, die auch nur bis zum heutigen Samstag ihre Domizile gebucht haben und die vermutlich wie wir auf dem Heimweg sind. Stau an der Péage. Na – da fühlt man sich doch gleich wie Zuhause auf der A7 im Elbtunnel…

Zurück in die Sintflut

Samstag ist Bettenwechsel?

Finalement gibt südfrankreichs Sonne noch einmal alles. Ich weiß nicht ob mich die Wetterprognosen, die Regen vorhergesagt haben nun fröhlich stimmen. Eher nein. Denn vom Regen in Frankreich hab ich nichts und bin prinzipiell kein missgünstiger Mensch, außerdem scheint in Deutschland sowieso grad die Welt unterzugehen. Mindestens wettertechnisch. Also nehmen wir es einfach so, wie es ist – bleibt ja eh keine Alternative :-) Und mit Petrus kann ich erst wieder im Dezember über seine Wetterplanung plaudern, wenn er genau wie ich den jährlichen Trip mit seiner Ische Frau Holle auf den Weihnachtsmarkt nach Uelzen macht. Aber das ist eine andere Geschichte. Scrollen Sie doch bitte noch einmal hoch zu dem Bild am Anfang. Das mit der Windschutzscheibe. Dann haben Sie einen ungefähren Eindruck davon, was so auf der Autobahn kurz vor Lyon abgeht. Alle bleiben stehen, der Himmel öffnet seine Schleusen und zwischendurch ballern auch noch Hagelkörner nieder. Hat Lyon keine Lust auf uns? Selbst wenn dem so ist - wir haben Lust auf Lyon. Auch wenn es uns üblicherweise auf dem Rückweg dann doch ziemlich doll nach Hause zieht, wollen wir einmal durch die Stadt flanieren, die Gliedmaßen strecken, etwas essen und ein paar Süßigkeiten kaufen, bevor es auf die finale Etappe raus aus Frankreich geht.

Zurück in die Sintflut

Da braut sich was zusammen

Die Lebensmittelversorgung wird standesgemäß aus Zeitgründen von der amerikanischen Fastfoodkette mit dem goldenen M bewerkstelligt. Notiz an mich selbst: Auf der nächsten Reise dieser Art werden ausschließlich saisonale Köstlichkeiten von lokalen Anbietern gegessen. Man muss ja Ziele haben :-) Für andere Sehenswürdigkeiten neben diesem Etablissement hat der Zeitplan leider keine Lücken gelassen, also hüpfen die drei Mitreisenden und ich zwischen den einzelnen heftigen Starkregenschauern von Fußweg zu Fußweg und suchen und finden dann auch eine Confiserie, wo man diese kleinen bunten süßen Küchlein kaufen kann. Wie heißen die noch mal? Leider sind die hier sechsmal so teuer wie in jeder anderen Bäckerei auf dem Land, aber wir haben nun mal keine andere Bäckerei auf dem Land in der Nähe und das Angebot bestimmt den Preis. Ich beschließe spontan bei soviel kapitalistischer Erkenntnis, das Taschengeld meiner Töchter zu erhöhen. Immerhin sind die Pralinchen sehr hübsch verpackt, die Lieben daheim werden sich freuen :-)

Zurück in die Sintflut

Quasi im Dior-Shop für Pralinen

Tschüss Lyon. Ich glaube du bist ganz schön, wenn man sich Zeit mit dir nimmt. Leider haben wir die heute nicht, aber meine große Tochter kann von einigen wirklich guten Tagen und Abenden im vergangenen Jahr hier berichten. Und auch wenn wir nur den innerstädtischen McDonald’s und diese völlig überteuerte Luxus-Schokoladenmanufaktur gesehen haben, so bekommt man doch beim Durchfahren auf der Suche nach einem Parkplatz einen ganz guten Eindruck von deiner Schönheit. Lyon. Wenn der Regen einem diesen Eindruck gewährt. Kurz vorm Auto werden wir noch einmal nass. Also so RICHTIG nass! Zumindest drei der vier Reisenden können es nicht fassen, dass nach der warmen Morgensonne und dem strahlend blauen Himmel heute bei unserer Abfahrt nun ein paar 100 Kilometer weiter nördlich die erste Sintflut niedergeht. Haben wir denn so sehr gesündigt, dass wir reingewaschen werden müssen? Ich kann mich nicht erinnern. Nummer vier hat eine wasserdichte Cap auf, von der die Regentropfen abperlen, den stört das alles irgendwie nicht ;-)

il pleut

il pleut

Zurück in dem Rettungsboot aus Sindelfingen wird das pensionierte Navi mit neuen, letzten Zielen versorgt. Die Route geht irgendwie nicht so, wie ich sie in Erinnerung habe, sehe ich da einen Zipfel von Luxemburg ins Bild ragen? Sind wir nicht sonst immer über Saarbrücken gefahren? Na wie dem auch sei, wir wollen bei Dämmerung an der Deutschen Grenze sein. Die Große möchte dann ein paar Stunden das Steuer übernehmen, damit ich ein bisschen Schlaf bekomme. Also soll es der erste Rastplatz nach der Grenze werden, bis dahin ist es noch ein laaaaaanger Weg über die große große Landkarte. Genug Diesel schwappt noch im Tank (wir fahren tatsächlich mit einem Schnittverbrauch von 6,8 Litern auf 100 Kilometern, da werden Tankstellen zur Nebensache). Frische Musik ist schon zurechtgelegt, satt sind wir auch, genug Trinkwasser und Cherry-Coke in Dosen befindet sich in direkter Reichweite meiner linken Hand. Also los.

Zurück in die Sintflut

Gallien ist größer als man meint

Die Meilen ziehen sich. Es dämmert früher als erwartet, und in der Nähe der Grenze (jedenfalls GLAUBE ich, dass wir in der Nähe sind) beginnt meine gute alte TomTom Lisa schon wieder zu zicken. Ein paar Straßen scheinen hier neu gebaut worden zu sein, und plötzlich sind wir tatsächlich in Luxemburg. Huch? Es gibt hier keine Raststätten, auf denen man einen Fahrerwechsel durchführen könnte, außerdem möchte ich meiner hübschen Fahranfängerin noch keine so lange Stecke außerhalb klarer Richtungsverhältnisse zumuten. Nicht, wenn ich dabei hinten auf dem Rücksitz vor mich hin schnarche… Also fahre ich weiter. Immer weiter. Von der Autobahn geht es runter auf dunkle Überlandtraßen in irgend eine Richtung, ich hoffe die richtige. Irgendwann nach Mitternach werde ich wirklich müde! Also – so RICHTIG müde. Auf dem Rücksitz sind alle Führerscheininhaber resignierend eingeschlafen, hier kann ich nicht mit Ablösung rechnen. Wir kurven durch die Dunkelheit, es gibt weder Ortschaften noch Rastplätze und es geht nur schleppend voran. Ich hinterfrage nicht mal mehr, ob wir hier eigentlich richtig sind, ich fahre einfach weiter auf der Suche nach einer Autobahn nach Norden. Gegen 1:00 Uhr kommt die tatsächlich. Ich kenne meine Belastbarkeit inzwischen ziemlich gut, und ich weiß, dass ich keine 50 Kilometer mehr gefahren wäre. Die Fracht an Bord des Mercedes ist zu kostbar für Sekundenschlaf.
Und da ist sie endlich, die beleuchtete Oase der Rast, die Tankstelle! Rauf da, Motor aus, Kuschelkissen in den Nacken und… schlafen.

Zurück in die Sintflut

grad noch Zeit für einen verschwommenen Selfie

Haben Sie schon mal auf einer Autobahnraststätte im Auto geschlafen? Hier bieten sich einem alle erdenklichen Klassiker nacheinander, und ich habe sie alle mitgenommen:
Zuerst schläft man nicht ein, weil man noch aufgekratzt von der Konzentration und der Übermüdung ist.
Nach 30 Minuten fangen die Gliedmaßen an, sich unwohl zu fühlen. Schließlich sitzt man in einem Auto.
Nach dem ersten kurzen Wegnicker beginnt das Kühlaggregat des LKW neben einem anzuspringen. Die Lichter des Parkplatzes scheinen von dem Moment an viel heller zu sein und nerven rum.
Nach dem zweiten Wegnicker kommen die Autobahncops und leuchten einem mit ihren MagLites direkt ins Gesicht.
Daraufhin gehen die beiden davon aufgewachten Damen nochmal zum Piseln in die Büsche, der Mann mit der Harry Potter Narbe raucht eine.
Nach dem dritten Wegnicker schläft man dann. Man schläft sagenhaft tief.
Und um 4:00 Uhr weckt einen der Wecker. Hurra.

Aufstehen, strecken, Cola trinken, tanken und weiter auf der Autobahn nach Norden. Ich bin fit und wach, ich habe noch keinen Plan wo wir eigentlich sind aber angeblich sind wir gegen 8:30 Uhr in Kiel. Was für ein blindes Vertrauen in dieses TomTom. Okay.

Zurück in die Sintflut

Der “Rest” der Etappe

Irgendwann (es ist noch immer dunkel) erkenne ich die Städte auf den blauen Schildern als die, die man entlang der A1 gebaut hat. Das beruhigt. So schön die Vorstellung auch ist, endlich mal in Luxemburg gewesen zu sein. Und so angenehm ich die Errungenschaften des vereinten Europas finde, die es möglich machten, dass ich nicht einmal gemerkt habe, dass ich über mehrere Landesgrenzen gefahren bin. Aber es ist noch schöner, zu wissen, wo man ist. Eins muss ich meinem alten Navi lassen – es hat mich am Ende immer dort hin gebracht, wo ich hin wollte. Nicht immer auf dem besten Weg, aber immer zum Ziel. Du bist ehrenhaft ergraut, Lisa. Du warst stets bemüht, das Klassenziel zu erreichen. Aber jetzt kannst du endlich Bäcker werden. Oder vielleicht im ersten Auto meiner großen Tochter ein zweites Leben führen. Wir werden es erfahren. Während ich noch so über die Ereignisse der letzten Nacht sinniere wird es am Horizont langsam hell. Die bekannten Silhouetten der Hamburger Hafenkräne zeichnen sich schattenhaft neben der A7 kurz vorm Elbtunnel ab, vielleicht ist der frühe Sonntag Morgen tatsächlich der einzige Zeitpunkt, an dem man hier nicht im Verkehrsinfarkt steckt? Hallo Hamburg.

Zurück in die Sintflut

Nun, das kennt man ja

Alle schlafen. Mein halbfinnisches Fräulein Altona und mein viertelfinnisches Sandmädchen, die tapfer fast zwei Wochen ohne Papa klargekommen sind schlafen keine drei Kilometer von hier tief in ihren Betten. Meine mittlere und meine große Tochter schlafen auf den Mercedes-Sitzen neben und hinter mir, die große hat den Mann mit der Mütze im Arm. Schlafend. Bald werden sie alle wach werden und in einen neuen Tag starten. Die einen werden sagen: “Heute Abend kommt Papa endlich wieder!” und die anderen werden sagen: “Huch, hier sind wir schon?” Denn es geht immer weiter. Jedes Ende von irgend etwas ist gleichzeitig der Anfang von etwas Neuem. Ich habe einen sehr weiten Weg bis hier hin zurück gelegt, und bald komme ich an. Ich wurde begleitet von Menschen, die ich liebe und Menschen, mit denen man sich gern umgibt. Wollen Sie noch mehr Metaphern? Gern. In diesen Tunnel hinein geht es zwar bergab, aber abwärts bedeutet nicht immer, dass es schlechter wird. Das spart auch Diesel :-) Und ab der Mitte geht es wieder bergauf. Das kostet zwar Kraft, aber am Ende des Tunnels ist Tageslicht.

Unter Normal Null

Unter Normal Null

Und auch wenn es da regnet ist es doch hell.
Ich habe Sie nun über mehrere zusammenhängende Geschichten zugetextet, habe alle meine Gleichnisse und Andeutungen in Urlaubserlebnisse verpackt und bin streckenweise sehr nachdenklich geworden. Zwischen schönen Bildern von Sonne und Palmen standen Zeilen, die nicht immer fröhlich waren. Und wenn Sie verfolgen, wie lange ich benötigt habe, um einen 12 Tage dauernden Urlaub niederzuschreiben bekommen Sie vielleicht eine Ahnung davon, dass die eigentliche Sintflut nicht auf der Autobahn bei Lyon über uns niedergegangen ist, sondern später in Kiel. Gut, dass ich mir rechtzeitig eine kleine Arche gebaut habe, in der ich nur die Menschen mitnehme, die mir am Herzen liegen. Und nur die Dinge, die ich wirklich benötige und an denen ich wirklich hänge. Das ist dann wohl die vierte Erkenntnis. Wir sind wieder da. Ich bin wieder da. Passen Sie auf sich auf, verschließen Sie niemals die Augen und halten Sie an dem fest, was wirklich wichtig ist.

Sandmann

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Created Montag, 13. Oktober 2014 Tags autobahn | Elbtunnel | ende | frankreich | Hafen | hamburg | heimweg | Lyon | regen | Reise Reise | Roadmovie | Rückweg | S210 | Urlaub Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
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09 Oct 2014
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Unbesiegbar. Zumindest hier oben.

Zack bingg ♫ Begeben Sie sich bitte zum Ausgang. Zum Ausgang vom Sommerurlaub nach Südfrankreich, wenngleich ich mir das vor 10 Tagen noch nicht wirklich vorstellen konnte. Ich denke noch nicht darüber nach, was mich alles im deutschen Alltag erwartet, zumindest nicht am Tag, was ich nachts so träume habe ich leider nur bedingt unter Kontrolle. Aber es fehlt im Hier und Jetzt noch ein Pflichtbesuch sur nôtre Route: das mühlige Cassis mit den malerischen Calanques und dem Cap Canaille. Diese kleinen Flecken, auch von offiziellen Quellen als die schönsten auf der französischen Landkarte bezeichnet, sind das Krönchen dieser kleinen Reise, sowohl von den Höhenmetern als auch von der Farbskala als auch vom bleibenden Eindruck. Als auch von… als auch von… ach manno, mein Wortspeicher ist fast leer :-(

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Die fantastischen Vier

Sie sehen hier zusammenhängende, aber nicht geordnete Körperteile in sindelfinger Großkombis. So sieht man aus, wenn der Wecker den Geist rausrappelt, obwohl der Körper doch im Urlaub ist. Also nicht ausschlafen, mit schlurfendem Gang ein paar Croissants und Pains Chocolat vom Camping-Mini-Marché holen und diese in der Morgensonne zu heißem Kaffee genießen. Stattdessen packen die drei jungen Menschen und der mittelalte Papi diversen Badekrams, Sonnenbrillen und Handtücher ein. Und viel Trinkwasser. Und sie machen sich auf den Weg dahin, wo das Wasser unfassbar grün, die Felsen leuchtend weiß und der Himmel sagenhaft blau ist. Blöderweise sind das von hier aus 260 Kilometer. Wer hatte eigentlich die Idee, mal “woanders” zu verweilen und nicht wie immer in der Nähe von St. Tropez? Wer?? Ich? Oh :-( Okay. Na egal, nach so vielen Tagen in und um Agde kann der Südwind gern mal wieder den Staub von dem dicken Daimler blasen, die Autobahnmaut-Tüte ist noch einigermaßen voll und das Ziel heiligt jeden Weg. Glauben Sie mir. Vorglühen, starten, Fahrstufe einlegen und mit französischer Musik ♫ von Radio NRJ im Ohr los bis…

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Stop. Nachhaltig.

… irgendwo bei Montpellier. Alles bremst, alles steht. Na toll. Und nein, es ist nicht dieses sirupartige Dahinquälen wie jeden alltäglichen Montag Morgen auf der A7 von Kiel in Richtung Hamburg, es steht tatsächlich. Und es hört nicht auf damit. Menschen laufen durch die Gegend, die ersten drehen nach einer Stunde Stillstand um und versuchen ihr Glück entgegen der Fahrtrichtung rückwärts durch die just passierte Mautstelle. Der Mann mit der Cap Canaille auf dem Kopf raucht erstmal eine und ist dementsprechend dankbar für diese Unterbrechung, aber ich sehe schmerzlich jede Minute hier auf der teuer bezahlten Autobahn verstreichen, wo ich sie doch auch am smaragtgrünen Wasser in den Calanques bei Cassis verstreichen lassen könnte. Es kommen Krankenwagen. Oha. Es kommen Rettungswagen und Notärzte. Es kommen Hubschrauber, einer, zwei, drei. Und noch mehr Krankenwagen. Und noch mehr Notärzte. Es kommen Feuerwehren. Viele Feuerwehren. Oh je oh je…..

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Ja, es nervt. Aber wir leben wenigstens noch.

Wir machen es irgendwann wie die anderen und fahren zurück, entgegen der Spur, durch eine offene Schranke rückwärts auf die Landstraße. Kapitulierend. Geleitet von der Gendarmerie. Später lese ich auf Facebook, dass in den schweren Verkehrsunfall vor uns ein LKW und mehrere PKW verwickelt waren. Eine Familie wurde in ihrem Kleinbus eingeklemmt und ein 14jähriges Mädchen ist noch an der Unfallstelle gestorben.
Da ist sie wieder. Meine Erdung. Drauf geschissen, hier stundenlang rumzustehen, wen interessieren Hitze und Zeitverlust – da hat gerade ein Vater seine Tochter verloren. Eine Mutter ihr Kind. Da ist aus einem fröhlichen Sommerurlaub mitten auf der Autobahn eine furchtbare Tragödie geworden, wegen Unachtsamkeit, wegen Übermut, was weiß ich weswegen. Das kleine Mädchen ist tot, und ich kann wirklich sehr gut damit leben, nur ein bisschen Zeit verloren zu haben. Wir fahren weiter über Land, vorbei an der Autobahn und allem was da drauf gerade passiert. Weil wir noch immer unser Ziel vor Augen haben und der Tag noch immer recht jung ist. Ich bin ein bisschen dankbarer als ohnehin schon für das, was ich habe, streife die traurigen Gedanken ab und konzentriere mich wieder ganz auf Lisa, mein veraltetes Navi, der ich zum ERSTEN MAL die genauen Koordinaten des Parkplatzes unten an den Calanques eingegeben habe. Die vorigen Male (Sie erinnern sich? KLICK) sind wir mit dem Auto immer irgendwo weit oberhalb des eigentlichen Fußweges gelandet, das war unsexy und anstrengend. Heute sind wir direkt unten auf dem Parkplatz der ersten Bucht und müssen nur weitere 30 Minuten warten, bis jemand sein Auto aus der jetzt schon sengenden Hitze ohne Schatten rausnimmt und wir diese begehrte Parklücke haben dürfen. YESS:

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Deiiiine Spuuuuren im Saaaand

Da vermutlich die wenigsten von Ihnen schon einmal den Fußmarsch in die Calanques gewagt haben, sei erwähnt, dass es auf dem Weg dorthin parallel zu einer wandartigen hohen Klippe tagsüber sehr heiß ist. So heiß, dass der kleine Kiosk am Parkplatz gegen Abend immer zum lebensrettenden Ort für die Heimkehrer, die zu wenig Wasser mitgenommen hatten wird. Ich weiß inzwischen, wie viele Sonnenstunden wir vier so abkönnen und wie man sich mit mehr oder weniger albernen Kopfbedeckungen schützt, aber was kann man eigentlich einem durchschnittlichen Kraftfahrzeug so an Direkt-UV zumuten? Schmilzt das irgendwann? Ein wenig beunruhigt lassen wir (ich) den Mercedes im Staub zurück, sind uns nicht endgültig sicher ob man hier überhaupt einen ganzen Tag stehen darf und bedecken unsere Häupter und Schultern mit allerlei Stoffen. Und dann ab in die Wüste, entlang der Calanque Port Miou über den Kamm rüber zur Calanque Port Pin… Und wir machen das Bild, was wir immer gemacht haben. Schon 1991.

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So heiß wie auf einem Salzsee

Wahnsinn, wie die Zikaden hier ihr lautes, unermüdlich balzendes Liebeslied in den blauen Himmel sägen. Dabei sind die echt winzig, und sie können so einen Krach machen. Jedes mal war es hier heiß, sonnig und schön. Drei mal in den frühen 90ern und nun schon das dritte mal mit meinen Ladies im neuen Jahrtausend – und immer der gleiche blaue Himmel. Gibt es in Cassis gar so etwas wie eine Sonnengarantie für Touristen aus Allemagne? :-) Ein Vorteil und gleichzeitig ein Nachteil dieses Plätzchens unter Pinien, das wir vor 23 Jahren zufällig entdeckten (weil uns zwei junge, hübsche Holländerinnen dort hingeführt hatten, aber das ist eine andere Geschichte): Man muss zu Fuß da hin. Oder mit einem der Boote, aber das kostet Geld. Also zu Fuß, und das dauert eine gute halbe Stunde laufen bei sengender, schattenloser Hitze. Über Sandpisten, lockeres Geröll und über glatt gelatschte Steine zwischen Kiefern und Pinien durch. Wohl denen, die dann NICHT ihre Schwimmreifen und Luftmatratzen mitschleppen und sich auf ein einziges Paar Taucherflossen beschränken. Wohl denen, die aber viel Wasser mitschleppen und auch vorher geschmierte Baguettes mit Käse und Wurst nicht vergessen. Wenn man nämlich erstmal da ist, befindet sich der nächste Kiosk eben genau da, wo man das Auto geparkt hat. Weit weg.

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gut geeignet für Piraterie…

Warum wir aber immer wieder den steinigen Weg gehen (und das phrasiere ich jetzt mal ohne Metaphern mit aktuellem Bezug) erschließt sich beim Blick weg von den staubigen Füßen, hoch, über die Bäume in Richtung Meer. Allein der Weg in die zweite Bucht (es gibt drei) belohnt einen mit sagenhaften, fast karibischen Panoramen von einem Mittelmeer, was hier ganz anders aussieht als an der restlichen Côte d’Azur. Links ist schon das Cap Canaille zu sehen, die mit 396 Metern steil nach unten (von oben gesehen) gehende höchste Klippe Frankreichs. Das messen wir heute Abend mal nach und sagen der Sonne gute Nacht. Vorher ist die aber noch gar nicht in Schlaflaune, diese Sonne, und das Bad in ihr fernab der touristisch völlig überlaufenden Strände ist schon zum Greifen nahe. Frankreich hat Sommerferien, und genau wie die Deutschen sich an Nord- und Ostsee drängeln treibt es die Franzosen ans Mittelmeer. Aber die sind genau so faul wie wir, und den besagten Fußmarsch möchten offensichtlich nicht viele auf sich nehmen. Allein schon deshalb ist die Bucht trotz ihrer Erwähnung in fast allen Reiseführern immer so leer wie eine Bierkneipe mit Rauchverbot. Und da ist er endlich, der erste Blick auf dieses grüne Wasser und die badenden Menschen, der mir in jedem Jahr einen wohligen Schauer über den Rücken treibt. Hallo. Da sind wir wieder :-)

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Karibik? Ein bisschen…

Sandstrand? Nein. Ein Steg, auf dem man seinen blassen Körper bequem sonnen kann? Nö. Treppenstufen, über die man wieder altersgerecht dem Wasser entrinnt? Nicht eine einzige. Warmes Wasser, in das ein jeder gern springt…? Äh – nein, auch nicht. Warum auch immer, das Wasser hier in der Calanque Port Pin ist ungefähr zwei Zentimeter kalt. Es ist so kalt, wie es klar ist. Der über 4 Meter tiefe Grund spannt sich wie eine HD-Fototapete unter der Oberfläche, wenn man hier schnorchelt haut es einem alle Farbsicherungen aus dem Kopf raus und hinterlässt eine tiefe Abneigung gegen trübe norddeutsche Badeseen. Wunderschön. Aber kahaaalt.

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Schattig, weitläufig und ein bisschen hart

Es liegt eine Magie über diesem Ort. Ich weiß nicht, ob nur ich das so empfinde, weil ich vor über 20 Jahren hier meinen ersten richtigen, selbstbestimmten und für plöner Verhältnisse ziemlich abgefahrenen Sommerurlaub verbracht habe? Weil ich hier als junger Mann mit zwei durchaus attraktiven jungen Frauen in einem lila Ford Taunus Coupé hergefahren bin und mir niemand geglaubt hat, dass die beiden wirklich nur Freundinnen von mir sind, obwohl ich 14 Tage zwischen ihnen in einem kleinen Zelt geschlafen habe? Weil ich in die eine der beiden jungen Frauen wie immer und wie seit der ersten Grundschulklasse ein bisschen verknallt war und das immer und immer wieder wie bei den beiden Königskindern nichts wurde? Weil ich hier Petra und Marieke aus Holland kennen gelernt habe, die mich an diesen Ort führten und die beide so wunderschön waren, dass diesmal ich selbst nicht glauben wollte, welcher Film da vor meinen Augen abläuft? Dass die wesentlich blondere der beiden hier auf diesen Felsen meine Gitarre nimmt (welcher Idiot hat die damals eigentlich so weit durch die Hitze geschleppt…? äh…) und mit einer verrauchten, engelsgleichen Stimme anfängt, Like a Hurricane von Neil Young zu singen? Wenn mir heute schon beim Schnorcheln die Farbsicherungen rausfliegen war ich damals entweder blind oder blöd. Wahrscheinlich beides, außerdem jung. Wahnsinn. Soweit zur Magie.

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Wie auf einer Rallye – immer die gleichen Bilder

Jedes Jahr fast die gleichen Bilder. Nur die Auflösung wird immer besser :-) Anfang der 90er hat Nea (die eine meiner beiden Mitreisenden)  mit einer unfassbar teuren analogen Spiegelreflex überlegt die Motive ausgesucht und mit künstlerischem Ansatz fotografiert. Heute hält der Freund meiner großen Tochter sein Telefon vor sich, drückt einen Knopf und dreht sich dann. Zeiten ändern sich. Ich sitze im Schatten und bin noch immer stolz auf mein drei Jahre “altes” iPhone 4, während meine Brut auf die Teile von Samsung abfährt. Sie mussten dafür laaaange arbeiten, ich hab mal geguckt, bei OTTOkostet das S5 ohne Vertrag aktuell zwar weniger als ein iPhone, aber noch immer fast so viel wie ein Friseur in Sachsen im Monat verdient… Na gut. Aus Papierabzügen werden digitale Panoramen, aber die Motive sind hier jedes Mal ähnlich. Weil man es am Anfang einfach nicht fassen kann, wie schön es hier ist. Hier. Genau hier. Und das irgendwie für später festhalten muss. Wir springen in das kalte, wie erwähnt wirklich sehrkalte Wasser und plantschen ein bisschen rum. Später soll der coole Typ, der nicht mal beim Schwimmen seine Cap abnimmt noch einen gewagten Kopfsprung von der Klippe machen. Hier kann er wenigstens sicher sein, dass der Grund weit genug weg ist und er sich nicht eine zweite Narbe auf die Stirn stempelt. Das Wasser ist allerdings heute so kalt, dass der Spruch “Wenn man erstmal drin ist geht’s!” niemandem über die Lippen kommt. Denn er wäre gelogen. *bibber*

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Gekommen um zu bleiben

Handtücher auf harten Steinen. Die Augen schließen und das leise Plätschern des Salzwassers hören. Vereinzelt fröhliche französische Menschen, regelmäßig ein *PLATSCH* gefolgt von spitzen Schreien und vielen verschiedenen französischen Wortformen für “kalt”. Es duftet nach warmen Steinen, Meerwasser, Pinienharz und ein wenig Sonnenmilch. Die Zikaden schnarzen auch hier, als wäre der letzte aller Tage angebrochen und verwandeln den Moment in einen Mikrokosmos, weit weg von der Realität. Ich finde es wundervoll. Auch wenn wir diesmal viel zu viel Wasser mitgeschleppt haben und die Baguettes nicht so gut schmecken wie sonst möchte ich noch verweilen. Eine leichte Unruhe ist in uns allen, vielleicht auch ein bisschen, weil wir noch einen weiten Heimweg vor uns haben und der Urlaub bald zu Ende geht. Ich schließe noch einmal die Augen. Und leise, ganz leise kann ich wieder eine Frauenstimme singen hören.

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You are like a Hurricane…

Der Rückweg kommt einem immer kürzer vor als der Hinweg, vielleicht auch weil es mehr bergab geht, weil wir weniger zu schleppen haben (irgendwie sind die Baguettes dann doch weggefuttert worden) und weil wir ein weiteres schönes (letztes) Ziel in diesem Urlaub noch direkt vor uns haben. Tochter groß, Tochter klein (mit einem leichten Kollisionsschaden an der Hand, im Wasser, womit auch immer) und der Typ mit der Cap stapfen mit mir den noch immer warmen, sandigen Weg zurück zum Benz. Für ein weiteres Jahr sagen wir au revoir.
Und heute lasse ich einmal mehr die blonde Holländerin zurück, singend und neben meinem ewigen Schwarm Silke auf den Felsen sitzend (das ist die andere meiner beiden damaligen Mitreisenden) und langsam leiser werdend, während das Meer weiter unaufhaltsam an den Strand vor Cassis brandet. Das Auto gleicht einem Gewächshaus in einem Hochofen, in dem neuartige Formen der Kernschmelze ausprobiert werden. Die geliebte Klimaanlage regelt das Schlimmste, und nur ein paar Grad bevor der Kunststoff innen anfängt zu schmelzen kehren wir den Prozess um und drehen den Kompass auf die Route des Cretes, Richtung La Ciotat. Der Mercedes nagelt herzzerreißenderweise vorbei am Campingplatz Les Cigales, wo wir damals unser Zelt aufschlugen. Den gibt’s also auch noch. Mich beruhigt es, wenn Orte oder Dinge nach 20 Jahren noch immer da sind, wo sie mal waren. Das ist ein kleiner konstanter Zipfel, an dem ich mich festhalten kann, wenn alles andere um mich rum zusammenbricht und sich verändert…

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La Route des Cretes

Der Weg rauf auf die Klippe ist für sich genommen schon eine kleine Attraktion, denn man ist auf dem Kamm dieses Massivs und schraubt sich Serpentine für Serpentine nach oben. Links ist La Ciotat und das Mittelmeer, rechts ist Cassis und das Mittelmeer. Dieses wundervoll grüne Mittelmeer, über das die Abendsonne langsam ihre Strahlen ausbreitet und die ganze Gegend in genau das Licht taucht, welches den Malern des Impressionismus immer wieder neue Schöpfungskraft und Inspiration gegeben haben muss. Marc Chagall, Pablo Picasso, Henri Matisse und Auguste Renoir – sie MUSSTEN einfach malen, als sie dieses Licht sahen. Wie es die trockenen Pinien und die weißen oder roten Felsen in ein warmes Orange taucht, was sich komplementär vom tiefblauen Abendhimmel absetzt. Fotografieren konnten sie noch nicht, das kam grad erst in Mode. Also haben sie gemalt. Irgendwann muss ich hier mal hin und meine Malutensilien wieder dabei haben…..
Wir parken den Wagen auf dem kleinen Parkplatz, wo wir 1991 auch schon den Taunus geparkt haben. Heute liegen am Rand des kleinen Pfades zwei große schwere Steine, die vermutlich verhindern sollen, dass übermütige Zeitgenossen ihre alten Karren mit Vollgas über den Abgrund entsorgen. Damals war das noch möglich. Jedenfalls lagen unten drei oder vier zerklumpte Autowracks. Ansonsten ist der 400-Meter-Kick unabgesperrt wie eh und je, man hat noch immer gefühlt einen Blick bis nach Spanien und das Herz bleibt für einen kleinen Moment andächtig stehen.

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Erhabene Aussichten

Ich sag ja – das muss festgehalten werden. Meine beiden Töchter kennen die Klippe schon, der charmante Mann mit dem besseren Telefon beginnt schweigend, sich in neuen Panoramen zu drehen. Ich kann das verstehen. Das halbe Land liegt unter uns, was für ein Ausblick! Ich merke, dass mit den Jahren weder mein Mut noch mein Leichtsinn noch mein Gleichgewichtssinn nennenswert besser geworden sind. Im Gegenteil. Bin ich 1991 noch entspannt an den Rand getreten, um a) die zermatschten Autowracks da unten zu bewundern und b) posierende coole Fotos von mir zu machen (ja, damals schon) krabbel ich heute auf allen Vieren über den selben Felsvorsprung und fühle irgendwie, dass die Tiefe an mir zieht. Sie zieht mich regelrecht körperlich da runter. Das ist gruselig. Ich krabbel wieder zurück und mache Fotos von lieben Menschen, die Fotos von sich machen.

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Selfie mit Tiefgang

I am just a dreamer,
but you are just a dream,
You could have been
anyone to me.
Before that moment
you touched my lips
That perfect feeling
when time just slips
Away between us
on our foggy trip.

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nicht nur Papa kann posen

Das Cap Canaille verströmt einen ähnlichen Zauber wie die Calanques. Irgendwie ist es ein unwirklicher Ort, irgendwie ist alles überwältigend und auch hier sind nicht viele Menschen, die einen bei der Verarbeitung der Eindrücke nerven. Damals haben wir hier ziemlich viel Bier getrunken, und als es anfing zu regnen habe ich im Taunus 12 Personen mit nach unten auf den Campingplatz genommen. Eigentlich müsste ich die Bilder auch mal in eine Geschichte verpacken :-) Wollen Sie das sehen und lesen? More Shit of the Past? Was das Cap außer der Höhe über Normal Null von den Calanques unterscheidet ist die Stimmung des Lichts. Ich war hier immer nur Abends. Wenn unten in der Bucht von Cassis schon lange die Gaslaternen angegangen sind, erstrahlt die Klippe noch immer im warmen Abendsonnenlicht. Das sieht auch von unten wunderschön aus, vor allem wenn später bei Dunkelheit das Massiv von großen Scheinwerfern angestrahlt wird. Von oben allerdings ist das Gefühl einer großen Erhabenheit irgendwie erlösend.
Wir stehen quasi über den Dingen und gleichzeitig am Abgrund.
Zwei Schritte von der Lebensgefahr entfernt in warmes Abendrot getaucht.
Krass.

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Zwei aus der Top 5 der schönsten Menschen der Welt

Möge es immer ein friedlicher, schöner Ort bleiben, der auch in 20 Jahren noch seinen Zauber bewahrt. Wenn Sie hier einmal vorbeikommen sollten – senden Sie mir bitte ein Bild. Die Menschen fliegen von Deutschland aus in Richtung Australien, Thailand, Südafrika und Island. Wir sind mit dem Auto über Land einfach nur in den Süden von Frankreich gefahren, und mehr Urlaub, mehr Eindrücke und mehr Panorama braucht kein Mensch. Es ist mir heute tatsächlich gelungen, für ein paar Stunden glücklich und unbeschwert zu sein. Das liegt wohl an den intensiven Farben der Calanques und dem weit entfernten Horizont, wenn man auf dem Cap steht. Das hier sind gute Orte. Sie geben mir Kraft und Zuversicht, und die Menschen, die mit mir hier sind und die Menschen, die Zuhause auf mich warten machen mein Leben lebenswert. Jetzt verstehe ich, warum hier keine Absperrungen sind. Niemand hier oben wird jemals den Wunsch verspüren, über diese Klippen zu gehen. Dafür gibt einem dieser Ort einfach einen zu guten Eindruck davon, wie schön diese Welt ist und dass es sich immer wieder lohnt, weiterzumachen statt aufzugeben. Dass man seinen Peugeot oder seien Renault hier runterkippt – na gut, dafür habe ich Verständnis.

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Der Sonne gute Nacht sagen

“I am getting blown away somewhere safer where the feeling stays…” Neil Young legte in sein Lied mehr Weisheit, als er sich wohl damals gedacht hatte und die hübsche Holländerin pflanzte mit meiner Gitarre und ihrer Stimme in den frühen 90ern, als das Leben noch jung war und Deutschland erst frisch vereint einen Ohrwurm, dessen Bedeutung sich mir erst nach und nach erschließt. Wenn ich Losing my Religion von R.E.M. höre sitze ich vor dem Zelt auf dem Campingplatz Les Cigales und bin unfassbar betrunken von französischem Rotwein. Wenn ich Like a Hurricane von Neil Young höre sitze ich in den Calanques oder auf dem Cap Canaille und bin nüchtern. Zwar berauscht von den Eindrücken der Umgebung, aber klar bei Verstand und offen im Herzen für all das, was da noch kommen mag. Ich wünsche meinen Töchtern genau diese Offenheit, und dass die vielleicht ein paar weniger Fehler machen mögen als ich. Aber wollen das nicht alle Väter? Ich finde das Leben irgendwie schrecklich durchschaubar, aber leider wird einem das immer erst klar, wenn die Kacke schon richtig am Dampfen ist.

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sur la route….

Au revoir Cap Canaille. Wir haben noch ein paar kostenpflichtige Autobahnkilometer vor uns, bevor wir wieder in unsere quietschenden, aber bequemen Mobile Home Betten fallen dürfen. Die Sonne will und will nicht untergehen. Sie wird untergegangen sein, wenn wir auf dem Campingplatz in Agde angekommen sind. Mindestens für ein 14 Jahre altes Mädchen wird sie nie wieder untergehen. Das ist zu früh, das ist fucking zu früh und ich bete zu Gott und allen anderen, an die man meinetwegen in irgendeiner Form glauben kann, dass mir so etwas erspart bleibt.
Gute Nacht Sonne.
Auf dass dieser Tag auch in der Erinnerung meiner Kinder eine bedeutende Rolle spielt, vielleicht fahren sie in 20 Jahren ja mit ihren Kindern hier wieder einmal hin? Wir werden es lesen.

Sandmann

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Created Donnerstag, 09. Oktober 2014 Tags Agde | Calanques | Cap Canaille | Cassis | frankreich | Reise Reise | Route des Cretes | Südfrankreich Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
29 Sep 2014
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Glauben, Licht und Liebe

Männer vorm Himmel

Männer vorm Himmel

Montpellier, Südfrankreich. Auf den Karten ist das (europäisch gesehen) irgendwo links unten am azurblauen Mittelmeer, aus der Sicht eines gebeutelten Mittelstuflers im Französischunterricht der 80er ist das der Name einer Stadt in einer Geschichte mit den Lerocs. Einerseits ein Tagesausflug für drei der vier Anwesenden, andererseits ein Wendepunkt im Denken des vierten von vier Anwesenden. Jeder alte Stein hier, jedes Kirchenfenster und jeder einzelne Blick auf den weit entfernten Horizont will mir etwas mitteilen. Sind Sie bereit für eine kleine Reise mit schönen Bildern und einem mehr als verwirrenden Text? Haben Sie Ihre zweite Tasse Kaffee (morgens) oder Ihr zweites Glas Rotwein (abends) schon im Magen? Dann kommen Sie gern mit.

Glauben, Licht und Liebe

Ich brauche ein neues Navi. Oder weniger wirre Ziele.

Ich brauche ein neues Navi. Das ist nicht erst seit den zwischenmenschlichen Eskalationen im nicht kartografierten Niemandsland von Portugal klar, das zeichnet sich schon länger ab. Ich habe die Updates verpasst, ich habe die neuen Wege nicht beachtet und ich habe vor allem vor lauter Alt-Navi-Vertrautheit versäumt, mit meinen eigenen Augen auf die großen Schilder vor mir auf der Straße zu gucken. Die großen gelben Schilder, die mir sagen, wo es wirklich lang geht. Dann habe ich mich so oft verfahren, dass ich den Ausweg fast nicht mehr gefunden habe. Zum Glück gibt es da ein halbfinnisches Fräulein Altona mit einer viel attraktiveren Sprechstimme als der TomTom “Lisa” auf dem leblosen Chip im Plastikgehäuse des Frontscheiben-Navigators. Mit klaren, unmissverständlichen Ansagen hat sie meinem Dahintreiben eine Richtung gegeben, und ich habe mich störrisch, aber vertrauensvoll leiten lassen. Mal schmerzhaft, mal arbeitsreich, am Ende aber zielführend. Hier in der Innenstadt von Montpellier habe ich aber nur Lisa. Ich glaube, es ist am besten, ich verweile zunächst am Rand des Geschehens und atme tief durch, denn Lisa weiß einfach nichts mehr.

Glauben, Licht und Liebe

La Place de la Comedie

Wie so oft im Leben ist der Rand des Geschehens gleichzeitig das Zentrum und das Tagesziel. Mitten in Montpellier stehen wir auf dem Place de la Comedie, wie passend, und ich habe Hunger. Bin ich eigentlich manchmal witzig? Einige behaupten das. Andere machen sich Sorgen, weil ich in letzter Zeit nicht mehr witzig bin, oder irgendwie anders als sonst witzig. Vor allem sorgen sich Menschen, die mich nur virtuell kennen und die einen gewissen Grad der Leichtigkeit in den belanglosen Geschichten gewohnt sind.Eeinige von denen fragen öfter nach meinem Befinden als meine eigene Familie. Was sagt mir das? Es scheint bei einigen Lesern hier und auf Facebook eine Art tiefe digitale Verbundenheit zu geben, deren Ausmaß mir noch gar nicht richtig bewusst war. Aber die sich warm und richtig anfühlt. Und es sagt mir, dass man im Leben entgegen der Meinung anderer nicht immer witzig sein muss, warum denn? Mein Hunger meldet sich wieder, hier auf dem Witzig-Platz in einer alten Stadt in Südeuropa, in der wir weder M. Leroc noch seinen Sohn Daniel noch irgend einen Hinweis auf die beiden finden werden. Ich sehe vor meinem geistigen Auge mit knurrendem Magen die mediterranen Köstlichkeiten, die sich hier auf einem Markt oder in einer kleinen Brasserie vor uns ausbreiten könnten. Ich rieche gebackene Früchte, frisches Brot und knuspriges Fleisch mit Zwiebeln. Und betrete fremdgesteuert den nächstbesten McDonald’s :-(

Glauben, Licht und Liebe

Da weiß man was man hat

Es ist in jedem Land auf dieser Welt das gleiche. Wenn der Hunger mit dem Portemonnaie um die Wette kneift treibt es den sorgenden Vater und Versorger für vier hungrige Schnäbel in die Frittenbude mit den Golden Arches. Hier schwant einem so eine ungefähre Ahnung davon, was gleich serviert wird. Der lustige Koch mit dem geringelten Anzug, den roten Haaren und der dicken Nase brutzelt es einem frisch aufs Plastiktablett. Und man kann davon ausgehen, dass man wenigstens ein paar Stunden lang satt ist, bevor die undurchsichtigen Inhaltsstoffe vom BigMac und seinen kalorienreichen Freunden einem aus heiterem Himmel eine Unterzuckerung, einen Riesendurst und einen schier unstillbaren Appetit auf Muttis Rouladen mit Rotkohl und Klößen vorgaukeln. Voilà. Cheeseburger für alle, was kostet die Welt? :-D Äh… doppelt so viel wie in Deutschland. Mist.

Glauben, Licht und Liebe

Und sogar Netz haben die hier…

Globalisierung? Ich lache. Immer wenn ich im Europäischen Ausland unterwegs bin wird mir wieder und wieder klar, wie billig Nahrungsmittel in Allemagne sind. Da bekommen Sie einen vollwertigen Mittagstisch im Lokal um die Ecke für rund 5 Euro. Oder gleich ein ganzes chinesisches Mittagsbuffet für 6,95 plus Getränke (ich grüße an dieser Stelle meinen “das war günstig” Papa), und damit es sich “lohnt” kann man hier bei schrägtoniger Musik sogar ausschließlich Garnelen im Backteig futtern. Wenn die Zeit drückt passt auch gern mal das 1 mal 1 für einen Burger und ein Getränk. Reicht grob. Das ist doch ein Witz, für zwei Euro kann man in Kiel
- drei Stunden parken
- satt werden
- eine Kerze anzünden und was in den Opferstock schmeißen
Und hier? Reicht das nicht mal für eine einzige Rindfleischbulette im Weizenbrötchen mit süßen Gurken und Ketchup. Andere Länder, andere Sitten. Und andere Preise. Über Parkgebühren verliere ich weiter hinten noch einen kurzen Satz… Aber wie dem auch sei – heute Abend wird wieder gekocht! *burps* so! Als Verdauungsspaziergang tendieren wir in Richtung Botanischer Garten entlang einiger alter Mauern. Es ist echt warm. Das gehört sich so für Südfrankreich.

Das Streben nach Oben

Das Streben nach Oben

Der Botanischen Garten von Montpellier ist in der Nähe der Uni, fußläufig erreichbar vom Witzig-Platz. Der soll ziemlich schön sein. Aber auf dem Weg dahin findet sich noch das eine oder andere Eis und auch ein paar Häppchen Kunst und Geschichte :-) Die Kathedrale Saint Pierre de Montpellier steht hier vom Prinzip her schon so knapp 700 Jahre rum und hat im Turm echt große Glocken hängen. Unter anderem mit 4 Tonnen Gewicht die größte und schwerste der Region Languedoc-Roussillon. Nein, seien Sie unbesorgt, ich werde Ihnen hier nicht zusammengegoogelte Geschichtshappen kopieren, die Sie schon in 42 anderen Webseiten gelesen haben. Vielmehr will ich da mal rein. Selbst. In diese Kathedrale. Und wissen Sie, was abgefahren ist, abgesehen von der Tatsache, dass drei junge Menschen mit mir altem Sack im Auto in den Sommerurlaub fahren? — Dass genau diese drei Menschen mit zusammen auch in die große Kirche reinwollen. Freiwillig. Und der eine nimmt sogar seine Cap ab.

Glauben, Licht und Liebe

Immer wieder verzaubernd

Ich mag Kirchen. Sie strahlen Ruhe und Geborgenheit aus, das unterscheidet sie gravierend von Finanzämtern oder Banken. Manchmal sind sie hell, manchmal schummerig, aber niemals dunkel. Irgendwo brennen immer ein paar Kerzen, irgendwo sind immer ein paar mehr oder weniger bekannte Leute eingegruftet und es riecht immer gleich. Nach geöltem Holz, nach Steinen und nach…. Vergebung? Kann man die riechen? Vielleicht sind es auch nur alte Gesangbücher, in denen steht viel, womit man heute nichts mehr anfangen kann. Aber es sind auch kleine Schätze in diesen Gesangbüchern, schöne Lieder, die manchmal unerwartet eingängig in einem definitiv unfreiwilligen Gottesdienst an einem grauen Sonntag Morgen intoniert wurden.
Oder stellen Sie sich vor, Sie hören als kleines Kind Ihre Oma morgens in der Küche so ein Lied schmettern. Sie feuert den Ofen an, kocht Kaffee für Mama und Papa und singt. Und genau dieses Lied stimmt die Gemeinde dann an einem Heiligen Abend voller Kerzen und Tannengrün an. Einem Heiligen Abend, an dem die Kirche wie immer gerappelt voll von beurkundeten Christen mit schlechtem Gewissen ist. Einem Heiligen Abend, an dem die Oma schon seit vielen Jahren nicht mehr lebt und ihre Lieder in der Küche längst verklungen sind. Wenn Sie dieses Bild vor Augen haben und vielleicht eine kleine Träne des Vermissens wichtiger Menschen über die Wange kullert werden Sie den Zauber von Kirchen verstehen. Ja. Ich glaube. Und es ist ein Glaube, der mir Kraft gibt.

Weiter von hier an.

Weiter von hier an.

Ich sehe meine beiden hübschen Töchter barfuß andächtig durch das uralte Gemäuer stapfen und verstehe auf einmal, worauf es wirklich ankommt. Auf Liebe. Auf Geborgenheit, auf den Zusammenhalt einer kleinen Familie, in Hamburg und in Kiel. Es kommt nicht auf Grundbesitz an, nicht auf Altersvorsorge und nicht auf Statussymbole. Ein Zuhause ist da, wo mich die Menschen lieben. Dort kann ich ruhig schlafen, dort stehe ich jeden Morgen wieder fröhlich auf und bin für andere da. Lachend und singend. 331, die Nummer wabert durch meinen Kopf. Ich glaube, meine Oma hat manchmal morgens in der Küche das Lied Nummer 331 gesungen. Wir verlassen die Kathedrale wieder, nicht ohne dass ich einen kleinen Schein in den Spendentopf gestopft hätte.
Sie mögen das nicht nachvollziehen können – aber ich bin gerade erst aus der Kirche ausgetreten. Schräg? Ja, vielleicht. Doch was soll ich mein Geld unfreiwillig von einer undurchsichtigen Unternehmensstruktur abbuchen lassen, die ein mies bezahlender Arbeitgeber ist und am eigenen Verwaltungsapparat fast erstickt? Dann spende ich lieber gezielt in Kiel in “meiner” Kirche für die Kirchenmusik und die Obdachlosenhilfe. Glauben Sie mir, ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem das Dach über dem Kopf weggenommen wird. So. Gut jetzt. Hallo Botanischer Garten, wie präsentierst du dich uns an diesem hellen, lichten Montag im Juli?

Glauben, Licht und Liebe

Botanischer Garten – fermé

An diesem hellen, lichten Montag im Juli, an GENAU diesem Montag, hat der Botanische Garten von Montpellier leider gerade geschlossen. Hurra. Vermutlich ist jemand mal wieder investigativ auf den Spuren von Daniel Lerocund durchsucht dabei die hiesige Flora. Ist eigentlich überliefert, wo genau er sich aus dem camion in Montpellier befreien konnte? Nun, das hätte ungefähr die Relevanz der Ortsangabe, wo genau Harry Potter in Hogwarts das erste mal überlegt hat, wie es wohl sein würde, Hermine endlich mal zu küssen. Die drei jung gebliebenen und ich driften, noch immer unkontrolliert Kirchenlieder singend, einigermaßen planlos durch diese schöne Stadt und sind ein bisschen froh, nicht nach Marseille gefahren zu sein. Hier ist es ein wenig übersichtlicher, ein wenig grüner und wesentlich weniger touristisch überlaufen. In Montpellier werden zwei Fakten gespiegelt, die uns schon in Paris aufgefallen sind: Antike Architektur steht einfach so mitten in der Stadt rum und wird betreten, begriffen und benutzt und –  Baustellen sind überall. Offensichtlich nicht nur auf der A7 Richtung Norden zwischen Hamburg und dem Bordesholmer Dreieck, auch in Frankreich wird an jeder Ecke abgesperrt, umgeleitet und gebaut. Aber das halte ich mal von den Fotos fern. Die sind übrigens alle mit meinem alten iPhone gemacht, ich wundere mich, wie gut hier und da die HDR Bilder werden ;-)

Glauben, Licht und Liebe

Vielleicht mal den Horizont erweitern?

Die bronzene Reiterstatue strebt nach vorn (wer ist das bloß?), dahinter baut sich am Ende einer symmetrischen Parkanlage ein großer steinerner Pavillon auf. Von ihm aus spannt sich eine ebenfalls steinerne hohe Mauer in Bögen über das Land, die ehemalige Wasserversorgung von Montpellier. Für mich sieht die antike Wasserstraße aus wie ein Weg direkt in den Horizont hinein, ein Weg ohne erkennbares Ende. Er geht geradeaus, er ist stabil und er überwindet Täler und Flüsse. Ich könnte ihn gehen, aber davor ist noch ein schmiedeeisernes Gitter. Weil man das ja nicht einfach so darf, als Tourist auf einem Aquädukt rumklettern. Falls Sie davon genervt sein sollten, dass ich mich hier in Bildern und Metaphern verliere – kontaktieren Sie bitte meinen Arzt oder Apotheker :-) Leider kennt hier niemand mehr die Famille Leroc, und dieses ewige Herumgereite auf dem Trip von Daniel im camion nach Montpellier hat inzwischen bewirkt, dass bei der Eingabe dieser Suchbegriffe nicht mehr die schönen französischen Schulbücher der 80er Jahre zitiert werde – sondern mein Blog :-) Sachen gibt’s….

Horizonte

Horizonte

Südfranzösische Städtetrips kippen irgendwann von Aaaaaah und Ooooooh in Urks und Gähn. Zwangsläufig, denn die anfangs erkundenden Füße sind plattgelatscht, die Sonne drückt und die Müdigkeit zieht den freizeitgeplagten Körper zurück an den Pool auf dem Campingplatz in Agde. Montpellier macht es einem zwar leicht, sich mit teils antiker Architektur auf du und du zu bewegen, aber wir wollen die Geschichtsstunden des Lebens nicht übertreiben. Schließlich sind wir im Urlaub. Hier noch ein Wasserspeier, da noch ein Triumphbogen – vermutlich werde ich nach Jahren mal was drüber lesen und denken, dass man dem einen oder anderen alten Stein ein wenig mehr Ehrfurcht hätte entgegen bringen sollen. Das ist ein bisschen so wie mit den Leserautos, die ich durchfotografiere. Das sind immer ausnahmslos coole Karren, aber wenn ich später den Artikel drüber schreibe und im Netz über das Modell recherchiere finde ich so viele liebenswerte Kleinigkeiten, dass ich eigentlich am liebsten gleich nochmal fahren würde. Hm. Nun gut, Zeit, mal Tabula Rasa zu machen.

Glauben, Licht und Liebe

Das Tor nach Irgendwo

Ich fasse abschließend und endgültig zusammen, was ich über die Lerocs denke: Aus heutiger Sicht waren die superlangweilig.
Was mag aus ihnen geworden sein? Ich glaube, Daniel Leroc ist mit 19 Jahren dreifacher Tischtennis-Europameister geworden und mit 24 an einer Überdosis gestorben. Er hatte einfach zu viel nachzuholen, nachdem seine Kindheit ein wenig zu unspektakulär verlief. Monique hat sich mit 16 in einen viel zu alten gitarrespielenden Mann verliebt, der ein bisschen so aussah wie ihr Vater, aber nicht andauernd im Büro abgehangen hat. Sie leben heute mit ihren fast erwachsenen Kindern in der Banlieu von Paris, er ist 90 und sitzt seit 15 Jahren im Rollstuhl und sie überlegt, nochmal ganz neu anzufangen. M. und Mme Leroc sind noch immer ein Paar. Er ist pensioniert und weiß nicht, was er mit seiner Zeit anfangen soll und sie ist total genervt, dass er andauernd zu Hause ist und sich kein Hobby sucht. Vor ein paar Jahren hatte sie es mal mit einer Affäre versucht, aber der junge, belesene Claude aus dem Norden hat ihr nur gezeigt, dass sie langsam alt wird. Sie hat es beendet. Pädagogikleichen der 80er Jahre, mögen sie in Frieden ruhen. Amen.

Nicht Familie Leroc

Nicht Familie Leroc

Die erweiterte Patchwork-Familie Sandmann macht es anders als die Lerocs. Ganz anders. Ob das besser ist lasse ich mal im Raum stehen. Schließlich sollten die erdachten Figuren nur eine typische französische Familie darstellen und uns letztendlich an die Sprache heranführen. Und so ganz falsch können sie das nicht gemacht haben, ich spreche und höre gern Französisch, und auch wenn der damalige vorgehaltene Nationenspiegel weit entfernt ist von der heutigen Genialität der Simpsons – sie waren eine Familie. Da kann man eine Menge kaputt machen, ich bin immer wieder erschüttert, wie viel einige Menschen auf dieser Welt kaputt machen. Ich mag momentan gar keine Nachrichten mehr gucken, die Einschläge sind grausam, sie sind unkontrollierbar und sie sind nur eine Flugstunde von Deutschland entfernt. Können die Menschen sich nicht einfach mal darauf besinnen, ihre kleine eigene Welt in Ordnung zu halten? Ihren Kindern menschliche Werte mitzugeben und sie nicht zu Kriegern für den einen oder für den anderen Glauben auszubilden? Offensichtlich nicht. Man kann in einer Familie aber auch eine Menge richtig machen. Was und wie viel zeigt sich offensichtlich erst nach Jahren, manchmal auch erst nach Jahrzehnten.

Glauben, Licht und Liebe

Am Ende ist doch alles Liebe

Als wir wieder im Auto sitzen und ich den Kassenautomaten unter dem Witzig-Platz mit einer Geldsumme gleich dem Bruttoinlandsprodukt von Spanien zur Herausgabe des Tickets und zum Öffnen der Schranke bewegen kann weiß ich nicht so richtig, was ich denken soll. Ich bin hier her gekommen, um die Stadt kennen zu lernen. Stattdessen war ich mit meinen Gedanken überall und nirgends, was mir aber gut getan hat. Ich glaube, ich kann jetzt ein paar Sachen in meinem Leben loslassen. An anderen wiederum halte ich noch mehr fest als vorher. Es war wohl nicht nur die Kathedrale, die diese Erkenntnis kanalisiert hat, aber sie hat dazu beigetragen. Ich weiß jetzt, in welche Richtung ich gehen werde, wenn ich wieder zu Hause bin. Das wird eine Menge Arbeit sein und den Rückweg nicht einfach machen, aber noch bin ich ja hier. In Südfrankreich. Heute Abend kloppen wir wieder Rommée, bis uns die Augen zufallen und sogar die Zikaden draußen schlafen gehen. Und morgen ist ein neuer Tag. Immer wieder. Und er wird an der Seite dieser wundervollen Menschen definitiv wieder schön werden.

Sandmann

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Created Montag, 29. September 2014 Tags camion | Familie Leroc | famille Leroc | Gesangbuch | Glauben | Kiel 331 | Kirche | Montpellier | Reise Reise Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
23 Sep 2014
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Was liegt denn da?

Was liegt denn da?

Hals über Kopf

Ein neuer Tag am Mittelmeer, ein neuer Tag in Frankreich und wir vier gleiten im dunklen dicken Daimler dezent dahin. Ziel: Montpellier, wo in den 80ern der kleine Daniel Leroc aus den Schulbüchern im camion gelandet ist und von wo ihn sein Vater mit dem Auto abholen musste :-) Es ist nicht viel los auf der Nebenstraße, ein paar Autos kommen uns entgegen, eines davon liegt am Straßenrand im Maisfeld auf dem Dach so rum. Huch? Da halte ich doch schnell mal an und gucke, was da los war. Oder ist. Oder sein wird?

Was liegt denn da?

irgendwie ein bisschen schräg das alles

Die Szene ist tatsächlich ein bisschen bizarr. Bei allerschönstem Sommerwetter mit fusseligen Schönwetterwolken vor einem blauen französischen Himmel liegt ein Auto am Straßenrand. Irgend so ein Renault Kombi, Lennart weiß vermutlich genau, was das für einer ist ;-) Oder Touranus, kannst du helfen? Niemand wurde verletzt, keine Tiere sind zu Schaden gekommen, kein Blut und keine Knochensplitter. Nur dieses Maisfeld, die Wärme und das Auto, an dem alle anderen vorbei fahren. Ich lasse Sie mal mit den Bildern allein, was soll ich da auch groß zu schreiben…?

Was liegt denn da?

Scheiße geparkt…

Was liegt denn da?

Wie eine Posterwand

Was liegt denn da?

Der Autor ist stutzig

Was liegt denn da?

brauch ich da noch was von? Nö.

Was liegt denn da?

multiple Ausstiegsmöglichkeiten

Was liegt denn da?

Die Airbags haben wohl funktioniert…

Was liegt denn da?

Stand Up! Na los!

Was liegt denn da?

Ein bizarres Kunstwerk

Schräg, oder? Da stellt man sich doch nun einige Fragen, was da wohl passiert sein könnte. Glatt war es sicherlich nicht, auch nicht regenrutschig. Hier ist es seit Wochen furztrocken. Ob der Fahrer eingeschlafen ist? Ob vielleicht die Achse einfach so brach? ;-) Vielleicht war jemand abgelenkt von einer SMS auf dem Handy, und von links kam ein Krokodil oder so? Hm. Was meinen Sie? Ich steige jetzt erst einmal wieder in meinen Daimler zu meinen Töchtern und dem Typen mit der Mütze.

Was liegt denn da?

…und weiter gehts

Sensationstourismus ist ja so GAR nicht meine Welt, und wenn da grad jemand rausgekrabbelt wäre hätte ich bestimmt keine Bilder gemacht – sondern geholfen. Aber stellen Sie sich mal vor, Sie fahren so in Frankreich durch die Gegend, und am Straßenrand steht plötzlich Ihre Oma und winkt. So ähnlich fühlte sich das grad an. Die drei und ich dieseln jetzt weiter nach Montpellier, von da aus gibt es dann noch ein paar echte touristische Bilder. Eine schöne Stadt, aber das wissen wir jetzt ja noch gar nicht :-)

Sandmann

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Created Dienstag, 23. September 2014 Tags Absurdistan | Maisfeld | Montpellier | Reise Reise | renault | Sète | Südfrankreich | Unfall Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
18 Sep 2014
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G-Kräfte mit Pommes und Limo

G-Kräfte mit Pommes und Limo

Ich weiß auch nicht warum ich das mitmache!

Luna Park! Den Begriff kennen wohl die wenigsten von Ihnen, es sei denn sie treiben sich ab und an in Südeuropa rum. Früher nannte man die Kirmes so. Den Jahrmarkt. Also den Ort, wo man einen Haufen Geld dafür ausgibt, dass einem am Ende des Abends kotzelend ist. In Südfrankreich stehen diverse Luna Parks fest installiert an den Küsten rum und sind von März bis November quasi jeden Abend geöffnet und jeden Abend brechend voll. Warum? Ich weiß es nicht genau. Aber meine drei Mitreisenden wollen heute Abend im Kreis gedreht werden, und da wir mit dem Essensgeld gut gehaushaltet haben lasse ich mich breitschlagen. Es soll auch ein Feuerwerk geben. Aber ich will nicht mit in die Drehdinger rein. Nein nein nein.

G-Kräfte mit Pommes und Limo

Der Eintritt zum Anfang vom Ende

Denn ich verabscheue und meide alles, was mich festhält, während es sich dreht. Abgesehen von der Erde selbst. Das hat schon auf dem Kinderkarussell damals auf dem Spielplatz angefangen. Einmal hat es irgend ein blöder, Kekse kauender fetter älterer Junge übertrieben und mich da drin so schnell gedreht, dass mir gefühlt das Gehirn aus den Ohren gespritzt ist. Ich habe den halben Spielplatz vollgekotzt. Und am Abend zu Hause noch die Küche. Und in der Nacht noch das Bett. Später im Leben habe ich auf diesen drauf rumlaufbaren Drehscheiben gelernt, was Zentrifugalkräfte sind und was sie mit einem machen, wenn man nicht mehr läuft, sondern sich auf der schnell drehenden Platte niederlässt und nicht mehr genau in der Mitte sitzt. Man könnte es als meine erste Flugstunde bezeichnen. So vorbelastet musste ich einfach Physik studieren, und während des Studiums war man natürlich auch mal interaktiv und gemeinschaftsbildend im Heidepark Soltau. Ich konnte die auf mich wirkenden G-Kräfte und die Fallbeschleunigung (9,81 m/s²) nun zwar berechnen, das hat mich aber nicht davor bewahrt, schon um 10:00 Uhr vormittags blass auf einer Bank am Rand der Westernstadt dahinzuvegetieren, während meine Kommilitonen sich kreischend in Loopingbahn, PowerTower und BreakDancer verlustierten. Können Sie mir folgen? Ich will in nichts rein, was sich dreht.

Ein Abend voller Lichter

Ein Abend voller Lichter

Meinen beiden Töchtern und dem Typen mit der Cap und der Harry Potter Narbe auf der Stirn ist das alles total egal. Ich leide schon mal profilaktisch rum, trage gut ausformulierte Argumente vor und muss mir anschließend vorwerfen lassen, schon wieder “Geschichten aus dem Krieg” zu erzählen (werde ich etwa alt?) oder Geld sparen zu wollen :-( Diese unsensiblen Teenager. Aber wenn man die 20 erst knapp oder noch gar nicht überschritten hat ist der Gleichgewichtssinn auch wesentlich robuster als bei uns alten Männern. Da geht sowieso alles noch besser, man kann mehr trinken (und wenn nicht kann man sich wenigstens damit rühmen, alles vollgekotzt zu haben, dann war es eine GUTE Party – versuchen Sie diesen Ansatz mal mit 43), man kann sich minutenlang fünfdimensional durchschütteln lassen ohne einen Stromausfall im Herzschrittmacher zu provozieren und man hat nicht jeden Abend so ab 21:00 Uhr das dringende Bedürfnis, auf der Couch zu verenden und Serien zu gucken. Ach ja, die Jugend. Also stehen wir mitten im Luna Park Cap d’Agde, es dämmert und die Szenerie vor meinen Augen füllt sich mit gut aussehenden, gut gelaunten und durchaus solventen Menschen, die sich alle gegen Geld quälen lassen wollen.

Papas Bart?

Papas Bart?

Ach ja, a propos alt werden….. Ist Ihnen über die letzten Geschichten nicht aufgefallen, dass ich meinen Bart abrasiert habe? Am Tag vor unserem Aufbruch an die Côte d’Azur hab ich das erste mal seit 2008 keine Stoppeln mehr im Gesicht, ich wollte mal sehen, ob ich dann wieder so jung und frisch aussehe wie 1995… :-) Hm. Äh. Nein, aber egal. Es wächst schon wieder nach, schon wieder ein bisschen grauer als noch vor ein paar Monaten, aber irgendwas ist ja immer. Während die jugendliche Brut übermütig von Attraktion zu Attraktion hüpft und beratschlägt, womit man denn alles fahren wolle denke ich ein wenig über die bevorstehende Nahrungsmittelaufnahme nach. Zuckerwatte. Fanden Sie die als Kind auch immer total toll? Und dann haben Sie Ihre Eltern so lange genervt, bis Sie eine bekommen haben? Und mit der haben Sie sich dann die Hände, das Gesicht und den Acrylpullover verkleistert, irgendwie schmeckte die auch nach wenigen Minuten nicht mehr so richtig und niemand wollte den Rest an dem klebrigen Stil entsorgen? Ja genau die. Die gibt’s hier auch, sie heißt in Frankreich traditionell wie das, was ich vor ein paar Tagen abrasiert habe und ich widerstehe dem Wunsch, eine zu kaufen. Warum? Ich habe keine Ahnung.

G-Kräfte mit Pommes und Limo

Freude des Motorjournalisten

Aber auch für die groß gewordenen Kinder gibt es ne Menge zu sehen und zum sich drüber Freuen. Cadillacs mit zwei Lenkrädern? Na klar. Rosa Kutschen mit zwei nackten Einhörnern davor? Jede Menge. Kampfhubschrauber mit doppelläufigem Maschinengewehr? Auch. Ich frage später mal nach, ob ich mir den einen mal für ein paar Leute in Kiel ausleihen kann. Alles tingelt, bimmelt, rollt und fliegt, dreht sich, blinkt und duftet nach Trockeneisnebel, Gummiabrieb und gebrannten Mandeln. Ich liebe Jahrmärkte, habe ich das schon erwähnt? Ich finde es großartig, einfach nur rüberzubummeln, ein paar Würstchen oder ein Eis oder irgend etwas anderes wahnsinnig ungesundes zu futtern und den anderen bei der hochpreisigen Selbstverstümmelung zuzusehen. Der Vorteil in Frankreich gegenüber ähnlichen Veranstaltungen in Deutschland ist ein überdurchschnittlich hoher Intelligenzquotient der anderen Besucher. Während ich mich auf dem Hamburger Dom oder dem Kieler Umschlag immer frage, wo sich alle diese grenzdebilen Halbzombis eigentlich den ganzen Rest des Jahres verstecken flanieren hier männliche und weibliche Augenweiden mit Kommunikationspotenzial. Cool. Vielleicht verstehe ich auch nur die französischen Pendants zu Alder! Digger! und Ey weissu was isch mein? nicht und habe ein falsches Bild im Ohr? Blöd ist vor allem: die anderen drei nötigen mich intensiv, nun endlich mal mit in irgend eine dieser lebensverkürzenden Maschinen rein zu kommen. In irgendwas. Alt geworden ich bin. Die Macht schon lange nicht mehr in mir wohnt. Ich wähle STAR WARS!!!

Ich mutiger Typ, ich.

Ich mutiger Typ, ich.

Was für ein unfassbar überzogener Name für ein einfaches Kettenkarussell. Das dreht sich zwar, aber ich habe das subjektive Gefühl, dass ich das in dieser Form ertragen könnte. Kettenkarussells gab es ja 1920 oder so auch schon, also in der Zeit, die von meinen Kindern immer mit meinem persönlichen Begriff von “früher” verbunden wird. Das ist also genau das richtige für den analogen Sandmann. An den Blechgittern vorm Eingang stapft ein finster guckender Darth Vader schnaufend und knarzend hin und her und bedroht mich periodisch mit seinem Laserschwert. Das lenkt mich ein wenig vom Ticketerwerb und dem damit verbundenen überraschend tiefen Krater in meinem Portemonnaie ab. Was es alles für Ferienjobs gibt, ich habe damals Pizza ausgefahren. Na ja, die Zeiten ändern sich. Und auch die Kettenkarussells ändern sich, was damals noch ein lustiges Ding mit bequemen Sitzen war und sich einfach mehr oder weniger schnell im Kreis dreht ist heute in der Version 2.0 wesentlich ausgeklügelter. Meine Große und ihr Freund sitzen in dem Doppelsitz vor uns, ich halte ein wenig verunsichert die Hand meiner kleinen Tochter und bin nicht ganz sicher, ob ich alle möglichen Risiken in meiner Pro- und Contra Liste berücksichtigt habe. Die Bügel über den Sitzen sind dünn und klapperig. Und warum ist über dem ganzen Ding so eine dicke hohe Stange bis weit in den Himmel hinein? Ist da am anderen Ende der Todesstern?

Skepsis an Ketten

Skepsis an Ketten

Ah. Ich verstehe, dieses Verständnis macht es allerdings nicht besser. Dieses Kettenkarussell dreht sich nicht nur, es beginnt nach kurzer Zeit auch, diese Stange heraufzuklettern. Und die Stange ist dünn und hoch. Sie sieht von oben sogar noch viel höher aus als von unten. Das habe ich übersehen. Urks. Parallel tobt uns pompös der STAR WARS Soundtrack um die Ohren. Aber… hm… irgendwie ist es ganz schön hier oben, wenn man sich erstmal an die einsetzenden Fliehkräfte aufgrund der Trägheit des eigenen Körpers gewöhnt hat. Der beleuchtete Luna Park dreht sich unter uns in der Dämmerung, am Horizont leuchtet die Stadt und von fern brandet das Mittelmeer dunkelblau an den Strand *seufz* Vor uns schweben, irgendwie unwirklich beleuchtet, die beiden Turteltäubchen fast lautlos durch die warme Abendluft. Deshalb mag ich Kettenkarussells so gern, auch wenn sie rauf und runter fahren, sie drehen sich verhältnismäßig leise und sind irgendwie erhaben über dem ganzen Tumult da unten. Schön. Unter wahnsinnigen Verlustängsten mache ich ein paar Fotos mit meinem Telefon.

Die Liebenden

Die Liebenden

Und ja, ich entsteige dem Star Wars Spektakel ohne Kollateralschaden. Weder hat mich der Todesstern weggeschossen noch wurde mir von einem alternden Meister Yoda mit dem Lichtschwert ein Scheitel gezogen – und auch der asthmatische Darth Vader am Eingang hat mehr mit seiner Beatmungsmaschine zu kämpfen als mit der Aufmerksamkeit der Kirmesbesucher. Wir sind zurück auf dem Boden der Erde. Der Vorteil, wenn man sich (wegen des Gleichgewichtssinns einer Weinbergschnecke) von den wirklich, also WIRKLICH schlimmen Dingern fernhält: Der Hunger bleibt. Und der kann hier auf vielfältigste Art und Weise befriedigt werden, denn im Magen klebt noch keine Zuckerwatte. Ah. Da ist er ja, mein gesuchter Grund von vorhin :-) Zwei lustige Gesellen in Form einer fröhlichen Getränkeflasche und eines provokant grinsenden Pommes machen am Rand des Kinderlands darauf aufmerksam, dass sich hier jung und alt den Magen verderben können – und das machen wir auch gleich mal. Hier im Luna Park gibt es noch Limonade, die eine ordinäre Coca Cola zum herben Bio-Getränk degradiert und Fleischersatzprodukte, die mehr Fett enthalten, als Joseph Beuys jemals auf allen seinen Kunstwerken hätte verteilen können. Hhhhmmmmmmm.

G-Kräfte mit Pommes und Limo

Süß und salzig geht noch rein

Ja, es ist teuer. Öffentliche Feste, Jahrmärkte und Großveranstaltungen sind immer teuer. Das weiß man, aber es treibt einen an diesem einen Abend auch nicht in den Ruin. Mich nerven diese Permanent-Pöbler auf der Kieler Woche, die bei jedem Stand rumschimpfen, dass man die Zutaten bei Aldi für einen Bruchteil des Geldes bekommt, die zwischen Schalen von gebratenen Champignons oder panierten Calamares ihr selbst mitgebrachtes Mischbrot mit Käse mümmeln und jeden laut auslachen, der sein mühsam erspartes Vermögen in die überteuerten Nahrungsmittel vor Ort investiert. Was wollen die da? Warum bleiben die nicht zu Hause? Kauft euch doch bei Aldi für einen Bruchteil des Geldes die Zutaten, fresst die allein zu Hause und lasst diejenigen in Ruhe, die hier eine gute zeit haben wollen! Niemand wird gezwungen, den Konsum mitzumachen. Es ist einfach sagenhaft lecker und abwechslungsreich, und hier in Frankreich noch viel mehr, weil alles irgendwie noch ganz anders schmeckt. Das Geld muss man vorher eben einplanen, dann tut es auch nicht weh :-) So. Wir sind satt und ich bin pleite, einigermaßen, aber die drei planen noch, die Zentrifugalkräfte einmal komplett auszureizen und zu testen, was so ein gefüllter Magen alles mitmacht. Da bietet sich so ein Break Dancer an, aber einer von der neueren Generation. Die Gondeln drehen sich nicht nur um die eigene Achse, sie kippen auch noch nach vorn und hinten, während das ganze Konstrukt im Kreis schwirrt. Ohne mich. Ich mache Fotos.

G-Kräfte mit Pommes und Limo

Sie wollen da wirklich rein.

Und daran tu ich auch gut. Die Damen und der Herr grinsen im Kreis (Papa bezahlt), genießen noch mit ein bisschen Abstand die Schreie der anderen, den nach Erdbeeren riechenden Trockeneisnebel und die laut bumsenden Bässe der Musik. Hier unten am Boden dreht sich eine ganz andere Welt als eben noch da oben in dem Riesenrad. Ich liebe es, mich mit Ausreden vor diesem Karussell zu drücken. Ich bin gern ein bisschen älter, das macht mir gar nichts aus :-)

Sie haben es so gewollt

Sie haben es so gewollt

Na gut. Es scheint den beiden Damen und dem Herren tatsächlich zu gefallen 8-) Ich bin mir nach wie vor nicht wirklich darüber im Klaren, wie ein menschlicher Körper mit allen seinen inneren Organen diese unmenschlichen Bewegungen über vier Achsen gleichzeitig aushalten kann, ohne durchzudrehen oder zu sterben. Aber ich muss ja auch nicht alles wissen, dafür gibt es Fachärzte, Neurologen und Therapeuten. Egal. Es geht rund.

torkeln, torkeln....

torkeln, torkeln….

Und für einen kurzen intensiven Moment scheinen die drei tatsächlich ein bisschen außer Kontrolle zu sein, als sie wieder aussteigen, torkelnd aber glücklich. Lediglich der happige Fahrpreis verhindert, dass sie gleich nochmal einsteigen :-) Und soll ich Ihnen verraten, was ein weiterer Vorteil dieser Aufteilung “Ihr geht da rein und ich bleibe hier” ist? Ich schlage generös vor, jetzt doch endlich mal ein Eis zu essen, weil ich echt Bock auf ein Eis habe und es hier überall echt leckeres und vor allem buntes Eis gibt. Mit diesem Wunsch stehe ich aktuell allein da, die jüngere Generation gibt in geschlossener Dreieinigkeit zu verstehen, dass man zwar glücklich sei, Nahrungsmittelaufnahme aber in der kommenden halben Stunde nicht an vorderster Stelle stehe. Also suche ich mir ohne Rücksicht auf Farbe und Form ein ganz persönliches, besonders ekeliges Eis aus und kompensiere damit, dass ich mir weder eine Zuckerwatte gekauft noch mir in irgend einem überzogenen Drehdings magentechnisch den Abend versaut habe. Die Paste meiner Wahl in dem Bottich ist grünblau, schmeckt nach allem was man sich so vorsttellen kann und hat einen komischen Namen. Das will ich :-D

Wie bitte?

Wie bitte?

Nein, das ist kein Schreibfehler, ich glaube was in Deutschland als Schlumpfeis bekannt ist hat hier sein Pendant gefunden. Das Lied der Schtroumphe ♫ Alles ist meiner Meinung nach besser als die sogenannten Trend-Eissorten, die man unbedingt mal probiert haben muss. Sowas wie Schwarzbrot-Vanille oder Limone-Rhabarber. Aber darüber habe ich mich neulich schon mal aufgeregt, jeder wie er will ;-) Schtroumph! Eine leichte Erschöpfung legt sich wie ein warmer Nebel über die Reisenden aus dem Norden in Südfrankreich. Ein Feuerwerk soll es heute geben, und es wäre großartig, wenn das mal jemand zünden würde, denn bald verrammeln die nämlich 5 Kilometer weiter nördlich wieder die Schranke vom Campingplatz. Und der Weg vom äußeren Parkplatz bis zu unserem Mobile Home ist weit, wirklich sehr weit… Der verantwortliche Pyrotechniker der Kirmes ist definitiv auf unserer Seite, und wie aus dem Nichts zischen plötzlich die Raketen in den Himmel, knallen, leuchten, britzeln. Sie malen bunte Farben in das schwarz der Nacht, zaubern flackernde Bälle aus Feuer und knisternde Palmen aus Funken und lassen sogar die fröhliche Getränkeflasche und den provokant grinsenden Pommes mit offenen Mündern stehen und staunen. Wer noch nie einen staunenden Pommes gesehen hat – hier gibt es ihn. Schtroumph!

G-Kräfte mit Pommes und Limo

So schön kann Mitternacht sein.

Ich weiß nicht, wie lange das hier an einem ordinären Wochentag voller Arbeitnehmer und Urlauber noch weitergeht. Wir jedenfalls machen uns jetzt langsam mal auf den Weg zurück zur Hütte, denn die Tage sind müdemachend lang und warm. Vorbei an der Geisterbahn, wo man hinter einem offenen Fenster den geschminkten Statisten mit seiner lärmenden Motorsäge den schreienden Leuten in den Wagen nachstellen sieht. Die trotzdem enttäuscht sind, weil die Fahrt keine 30 Sekunden dauert. Vorbei an dem wunderschönen Riesenrad, in das ich meine Homies nicht reingekriegt habe, weil sie das zu langweilig finden. Vorbei an Dosenwerfen, Hau-den-Lukas und anderen klassischen Kirmesattraktionen, bei denen man sich heute fragt, ob sie in der iPhone und Playstation verwöhnten Welt noch Freunde finden. Aber auch vorbei an einer Kugel mit zwei Menschen drin, die an gespannten Bungee-Seilen nach —> oben! geschossen wird. Daneben das Riesengerüst wie eine Schaukel, an dem sich je zwei Wahnsinnige auf 80 Meter hochziehen und dann in die Tiefe schaukeln lassen können. Es geht noch schlimmer als im Break Dancer. Ich bin beruhigt. Vorbei an einer Freakshow, vor der auf Schildern mit buckeligen Wesen, doppelten Körpern und unfassbaren Abnormitäten geworben und gleichzeitig versichert wird, dass das Gesehene niemand anstößig finden wird. Irgendwie bin ich neugierig, wie man dieses mittelalterliche Dilemma wohl gelöst hat, irgendwie bin ich aber auch froh, dass sich während unserer vielen Runden kein einziger Mensch dort reingewagt hat. Gut so. Schtroumph!

Zum Teufel mit der Kohle

Zum Teufel mit der Kohle

Ui das war jetzt mal ein teurer Abend. Aber jede Minute hat sich gelohnt. Die drei sind aufgedreht, brabbeln durcheinander und lachen über alles mögliche, während Radio NRJ den Soundtrack des Rückweges liefert. Heute ist das mal okay und dem Ereignis angemessen :-)Sur ma Route. Auf ein paar Dinge im Leben ist einfach Verlass, das stroumpfe Repeat-Programm der privaten Radiosender gehört definitiv dazu. Himmel bin ich müüüde. Noch ein Schlückchen Rotwein und einen Zigarillo draußen auf der Veranda, das vertreibt auch die Mücken. Gehen Sie gern mal auf den Jahrmarkt? Oder fühlen Sie sich dort auch von den geballten Menschlichen Abgründen überfordert? Erzählen Sie doch mal. Morgen? Morgen fahren wir vielleicht mal nach Montpellier. Oder lieber gleich in die Calanques bei Cassis? Ach wissen Sie was? Urlaub ist, wenn man sowas einfach – morgen – entscheidet.

Sandmann

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Created Donnerstag, 18. September 2014 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
12 Sep 2014
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Mobile Homes

Mobile Homes

Kleine Träume mit großer Sonne

Bin ich alt geworden? Spießig oder bequem? Womöglich VERNÜNFTIG?? :roll: Ein Mittelklasse-Kombi vor einem mobilen Ferienhäuschen. Beides meins, eins gekauft, eins gemietet. Was habe ich früher auf Kombis geschimpft, während ich selbstverliebt auf dem Kofferraumdeckel meines Audi V8 saß. Und was habe ich die Spießer belächelt, die sich auf den Campingplätzen in diese stickigen Plastikbuden eingemietet haben, während ich Ravioli vor meinem Zelt auf dem Gaskocher brutzelte – direkt unter den schnarzenden Zikaden. Nun ja. Wenn das Leben selbst einem Bärenfallen vor die Füße legt und parallel der Himmel mit Barrikaden versperrt wird freut man sich mit 43 über Platz im Auto, noch mehr freut man sich über ein Dach, einen Kühlschrank und ‘ne eigene Dusche. Ein ganz normaler Tag am Mittelmeer.

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Weizenmehl, O-Saft und Kaffee

Frühstücken Sie eigentlich regelmäßig? Ich selbst bin in den 70ern bei Lehrern mit den Arbeitszeiten von Lehrern aufgewachsen, da war es üblich, dass morgens alle gemeinsam am Tisch saßen. Wir wären die klassische Werbefamilie gewesen – es gab Kelloggs Smacks oder frisch aufgeknusperten Golden Toast, drauf war gute Butter und Schwartau Extra Konfitüre, Nutella oder Grafschafter Goldsaft. In meiner Tasse schwappte Uelzena Schlauchmilch mit drei Löffeln Suchard Express (mit den Vitaminen A, B1, B2 und C) drin, und Sonntags kamen die Knack & Back Hörnchen direkt aus dem Ofen auf das Brettchen. Wenn der Tag so begann, konnte einem eigentlich nicht viel passieren, dachte ich damals. Später habe ich begriffen, dass auch ein gutes Frühstück mich nicht vor den Tiefschlägen menschlichen Zusammenlebens schützen kann, aber diese Erkenntnis hat das Frühstück nicht schlechter gemacht. Hier in Frankreich haben wir sogar NOCH mehr Zeit, denn niemand muss um 8:00 Uhr in der Schule sein, weder auf dieser noch auf der anderen Seite des Pultes. Um 8:00 bin ich sogar der einzige, der schon wach ist und genieße den ersten Kaffee in der aufgehenden Sonne…
Wenn sich irgendwann mal alles Jungvolk aus den Betten geschält, geduscht, rasiert, geschminkt und frisiert hat gibt es Frühstück im Jahre 2014. Frische Croissants und Baguettes, Schokopops mit Milch, Orangensaft, Käse, Wurst, Himbeermarmelade und Nutella. Welches in Frankreich weicher ist als in Deutschland, und nein, das liegt nicht an der Außentemperatur. Dazu trinkt Papi noch fünf weitere frisch gebrühte Kaffees. Zwischenmenschlich ist hier bei uns soweit auch alles im Reinen – dann kann der Tag ja losgehen.

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brav abschließen

Ja – so ein Mobile Home ist spießig, Sie haben völlig Recht, vor allem aus der Sicht eines auch-bei-Schnee-Campers oder aus dem Kaminzimmer eines Dänischen Holzhauses betrachtet. Allerdings bin ich dann wohl ein Spießer geworden, denn ich finde es unerklärlich großartig, das Geschirr einfach in die Spüle zu stellen, Herd und Kaffeemaschine auszumachen, Milch und Wurst und Käse im Kühlschrank zu lagern und heute Abend alles frisch und ohne erobernde Ameisenkolonie wieder vorzufinden. Äh… und es dann natürlich noch abwaschen zu müssen :-( bin ich heute dran? Das kläre ich gleich mal. Auf stabilen Stühlen an einem richtigen Tisch sitzen. Super. Und das alles ist trotz Haute Saison (ganz Frankreich hat JETZT Sommerferien und ganz Frankreich ist JETZT am Mittelmeer) für vier erwachsene Personen einigermaßen bezahlbar. Und hey – die Hütte hat sogar Räder! Um uns rum brummt das Leben, wie es nur auf einem großen Campingplatz brummt. Rechts neben uns sitzen die fünf Belgier schon wieder biertrinkend auf ihrer Veranda, das werden sie regungslos bis heute Nacht tun. Und morgen und übermorgen auch. Gegenüber hüpft der lustige kleine französische Junge deformierend auf dem Dach von Mamas VW Sharan rum, springt dann runter und bemüht sich, Papas Motorrad umzuschmeißen. Links von uns turtelt das junge Pärchen aus der Schweiz, anscheinend frisch verliebt, wenn man der nächtlichen Geräuschkulisse Glauben schenken kann. Hinter uns noch mehr Belgier, die schlafen noch, die waren gestern Abend bestimmt beim Karaokesingen am Pool. Davon hören wir leider nicht viel, wir sind weit genug weg :-)

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eine kleine eigene Welt

Französische Campingplätze sind ein Mikrokosmos mit einer ganz eigenen Art der Gelassenheit und des Miteinanders. Man lässt sich gepflegt in Ruhe. Gefühlt sind wir den ganzen Tag draußen und könnten in der Mittagshitze auf den Betten eine schattige Siesta machen. Machen wir aber nicht. Drin kochen, draußen essen. Nebenan wird gegrillt und der halbe Rasen in Brand gesteckt, na und? In keinem Hotelzimmer hat man diese Atmosphäre, und doch verbuchen wir mit dem Minimalkomfort eines Mobile Home prinzipiell alle Annehmlichkeiten einer kompletten Ferienwohnung. Duschen, spülen, waschen, kochen. Schlimm furniert, nicht groß, nicht schön – aber wer braucht das hier im Süden, wo die Sonne einen rauslockt? Wo es an der frischen Luft nach Pinienharz duftet und in einiger Entfernung das Lachen gut gelaunter Menschen am Pool zu hören ist? Nein danke, liebes Zelt, ich lasse dich auf unbestimmte Zeit trocken eingelagert in meinem Keller liegen. Der alte dicke Diesel hat heute Nacht genau wie wir gut geschlafen, und er soll und jetzt mal ins Zentrum von Agde tragen. Ein bisschen Nippes shoppen, einer von uns will sich noch eine neue Cap kaufen, die Mädels dürstet es nach schicken luftigen Kleidchen und Sonnenhüten und ich… hm… na ja vielleicht finde ich ja ein T-Shirt und ein bisschen leckeren Tabak für mein Pfeifchen heute Abend.

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Einkaufen Teil 1 – das was Spaß macht

Das “Zentrum” dieses Örtchens ist wiederum ein ganz anderes Universum als der 5 Kilometer entfernte Campingplatz. Raten Sie, welches Lied wir in den 10 Minuten auf dem Weg hier her auf Radio NRJ gehört haben…? Immerhin gibt es einen zentralen Parkplatz in der prallen Sonne, auf dem wir tatsächlich jedes mal eine Lücke für das ziemlich breite und ziemlich lange Rolling Home aus Stuttgart finden. Tagsüber schlendern Touristen durch die einzige breite Einkaufsmeile, es gibt bunte Gemüseläden, klingelnde und klöternde Andenkenboutiquen mit bedrucktem Schrott aus China, flatternde Klamottenläden voller wirklich schöner Teilchen (ebenfalls aus China, vielleicht auch aus Indien), frostige Eisbuden und unzählige duftende Restaurants, in die man wortgewaltig zum déjeuner reinkomplimentiert wird. Nein danke, wir haben ja sehr gut gefrühstückt ;-) Alles wird auf der einen Seite von einer großen Bühne flankiert, auf der jeden Tag eine andere Veranstaltung tobt und man sich schon für den Abend-Event vorbereitet. Auf der anderen Seite ist das Meer. Ich glaube, wir kommen heute Abend nochmal wieder und schnuppern mal in das Nachtleben von Agde. Vorher gilt es noch, im Super U (oder ist es ein Mega U? Gar ein Geant U oder Giga U?) draußen im Centre Comercial mit einem unfassbar großen Einkaufswagen den Zwei-Tages-Plan für uns vier abzuarbeiten. Frühstück, Mittags-Snack, Abendessen. Sie würden sich wundern, wie viel da zusammen kommt und wie knapp ein Budget von 50 Euro am Tag sein kann… Vor allem, wenn man nicht immer versteht, was auf den Verpackungen draufsteht. Außerdem erwerben wir noch einen Fußball :-D und meinen Tabak finde ich auch…

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Nahrung für die wilde Horde

Wer ist denn heute Abend mit schnibbeln und kochen dran? In der nicht immer leicht zu übersetzenden französischen Supermarktsprache haben wir uns ganz gut geeinigt auf: Fleisch (porc, boef oder dinde), Reis, Zwiebeln und… Cherry Cola. Ich kaufe nichts, von dem ich nicht weiß, was es eigentlich ist. Nachher hab ich da noch Pferd in der Pfanne oder so :-( Also ZACK alles rein in den Kühlschrank (jajaJAAAA!). Und über den Mittag? Nix Siesta, wir sind noch nicht lange genug hier, um müde zu werden (auch wenn das noch kommen soll….), also schält sich die kleine Familie nebst Freund mit den gut gebauten Alabasterkörpern in die Badeaccessoires und stapft in Richtung synthetisches Wasser. Pools, Rutschen, Wasserfälle und viele viele Liegen. Oh. Das ist hier ja wie in einem deutschen Freibad, es sind alle (nochmal: wirklich ALLE) Liegen mit Handtüchern reserviert, aber es ist kaum einer da. Auch nicht im Wasser. Die sind alle beim Mittagessen oder im Mittagsschläfchen. *grummel* In mir wächst der Wunsch, alle Handtücher bei so viel arrogantem Besitzanspruch runterzuziehen und ins Becken zu werfen. Aber nein :-) Ich bin ja weise und möchte hier noch ein paar Tage länger ungestört leben, also legen wir gut gelaunt unsere Badelaken einfach auf den Boden, stellen fest, dass das viel bequemer als die harten und engen Plastikliegen ist und springen ins lauwarme Nass. Einige tiefer, andere flacher.

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Draußen. Nicht im Hotel oder so

Baden. Plantschen. Schwimmen. Ich fühle mich wohl, solange ich das Ufer in meiner Nähe weiß. Ich war noch nie ein echter Fischkopp des Nordens, Kiel hin oder her, ich segel nicht, ich esse kaum Fisch und ich mag keine langen Reisen auf Schiffen. Aber ich mag Schwimmbecken und Freibäder und das bunte Treiben in ihnen. Die Sonne brät auf unsere noch ein wenig UV-unvorbereiteten Körper, und während die anderen drei gut eingeölten Mitreisenden mit Knopf im Ohr musikhörend in eine andere Sphäre driften (oha – einschlafen in der Mittagssonne, das gibt benommene Blicke) liege ich wach auf meinem Handtuch und lasse mich vom Leben berauschen. Spielende Kinder, lachende Menschen, gut gelaunte braungebrannte Einheimische und schneeweiße rotbäuchige Ausländer. Es riecht nach Chlor und Sonnenmilch, und ständig laufen sowohl höchst attraktive Schönheiten gemeinsam mit abstoßenden Halbnackt-Katastrophen durch mein Bild, Männlein wie Weiblein. Ein spannendes Theaterstück, die Regie führt das große Schicksal eines normalen Urlaubstages. Alle diese Menschen haben ein Leben zu Hause, mit Hoffnungen und Ängsten, Mit Liebe und Hass, mit Freude und Kummer. Und hier, an diesem Pool auf einem Campingplatz in Agde am Mittelmeer, treffen sie sich alle für einen kleinen Moment in ihrem Leben – um zu baden :-)

platsch

platsch

Das war anscheinend so eine Art Telepathie, Tochter 1 und Tochter 2 springen auf und ziehen mich mit zur Steilrutsche, wo man auf vier gleichen Bahnen nebeneinander den Schnellsten unter sich ausmachen kann 8-) Großartig. Unser sympathischer Freund mit der Cap ist gerade ein wenig out of Order. Ich möchte das gar nicht episch auswalzen, aber sagen wir mal so… Es gibt Gründe, warum man nicht vom Beckenrand springen soll. Und so ein echt Eindruck schindender mackeriger Steilköpper vom Beckenrand hoch in die Luft und tief ins Wasser ist nie eine gute Idee. Vor allem nicht mit den Händen auf dem Rücken. Hätte er mal die Cap aufgelassen. Seit sie ihn aus der Krankenstation rausgelassen haben liegt er ein wenig benommen im Schatten rum und sieht alles doppelt. Es wird wohl eine kleine Harry Potter Narbe auf der Stirn bleiben, cool, so kann man sich natürlich auch die Andenken aus dem Souvenirshop sparen. Und Tattoos sind viel zu teuer. Alles richtig gemacht.

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Familie Badefreud’

Genug Sonne. Irgend jemand hat mir mal gesagt, man soll das vor allem an den ersten Tagen nicht übertreiben, und da sind auch so ein paar doofe Wolken – also zieht es uns zu einer Alternativbeschäftigung ins “Wohnzimmer”. Vor einem Jahr in Finnland (erinnern Sie sich?) habe ich allen Anwesenden, die schon die Karten selbst halten können Rommée beigebracht. Dieses alte klassische Kartenspiel, bei dem man erst ablegen darf, wenn man 40 Augen zusammengesammelt hat. Meine Eltern (ja, die Lehrer damals) haben mir das schon im zartesten Kindesalter vermittelt und wir haben es bis kurz vor ihrer Scheidung abends am Wohnzimmertisch gekloppt. Später dann, in einem anderen Bundesland mit leicht geänderter Elternbesetzung ging’s weiter mit dem großen Kartenspiel, und auch in den Urlauben haben wir so manchen extrem verregneten Abend in irgendwelchen schwedischen Holzhäusern damit verbracht. Töchterchen klein kann es noch, Töchterchen groß und der Mann mit der Harry Potter Narbe wollen es lernen. Kein Problem. Ein paar Ründchen vorm Kochen schaden sicher nicht. Nebenan ballern die Belgier auf ihrer mitgebrachten Playstation aufeinander und prosten sich zu. Vielleicht habe ich nicht ALLES falsch gemacht :-)

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Rommée statt Counterstrike

Nahrungsbereitung. Essen. Das ist nicht nur notwendig, das kann auch kulturelles Highlight an einem Tag im Mobile Home sein. Während der gute Tag noch mit einem guten Frühstück beginnt endet er hier in Südfrankreich mit einem deftigen Abendessen. Die Ladies haben nicht nur Rommée für sich entdeckt – sie finden auch frische, in Olivenöl angebratene Zwiebeln richtig lecker. Das soll den beiden Männern nur recht sein, wenn noch ein Stückchen Fleisch dazu kommt ist der Abend gerettet. Bevor wir aber so weit sind und schon mal losretten bereiten die Youngster alles vor, schnibbeln und stellen Pött und Pann zurecht, während Vati den Abwasch von heute Morgen erledigt *grummel* Die karge Plastik-Behausung duftet nach Gewürzen und Gemüse, später dann nach britzelndem Fett und scharf angebratenem Rind. Dazu wird ein knackiger Salat serviert, und das alles für weniger als 50 Euro, inklusive dem Frühstück heute Morgen und einem Fläschchen Rotwein (was zugegebenermaßen nur einen Bruchteil der Kosten verursacht hat, weniger als der morgendliche Apfelsinensaft, den man inzwischen als obligatorisch einplant). Nur das mit der Sherry Cola, das dürfen Sie echt keinem erzählen. Ich bin wohl der einzige Mensch auf diesem Planeten, der die mag.

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schnibbeln und manchmal auch weinen

Waah! Und schon ist so ein ganzer Tag fast vorbei. Manchmal rast die Zeit, als wenn sie auf der Flucht vor irgend jemandem ist. Vor wem bloß? Ich bekomme so eine Ahnung, dass es gar nicht sehr lange dauern wird, bis wir vier uns schon wieder ein bisschen traurig angucken und meine Große mit den Fingern einmal schnippt :-( Das ist dann das Zeichen, dass der Urlaub rückblickend in nur einem kleinen Augenblick vorüber gezogen ist. Dann werde ich immer traurig. Dann wird meine Kleine uns anstrahlen und sagen: “Hey, der nächste Urlaub kommt bestimmt!“. Und sie hat recht. Der gut aussehende Typ mit der Mütze steckt sich eine Kippe an. Außerdem ist es noch viel zu früh um melancholisch zu werden, also krabbeln wir ein weiteres mal in den Mercedes und fahren noch einmal nach Agde. Eigentlich nur, um die Stimmung am abendlichen Strand zu genießen und womöglich noch einmal im Meer zu baden. Aber wie sich heute Mittag schon architektonisch angedeutet hat tobt hier Abends der Bär noch viel gewaltiger als tagsüber, Beats und Bässe bumsen, Tänzer und Breakdancer performen auf der Promenade und viele viele Menschen lassen sich mitwippend begeistern. Ist das überall am Meer abends so voll? Krass. Das macht Spaß :-)

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Nochmal zurück auf die Meile….

Ein paar Meter weiter hinter den Dünen liegt der lange Sandstrand fast menschenleer da, klar, die sind alle oben auf der Meile. Am Horizont funkelt die Festung mit dem Leuchtturm, und die Wellen brechen sich träge und sanft in den aufgeschütteten Bunen. Wir bolzen mit dem neu gekauften Ball durch den Sand, toben rum, rauchen, machen ein paar schräge Fotos mit der Kamera und sitzen dann einfach ein bisschen da. Es wird schnell dunkel in Südfrankreich, im Gegensatz zu Finnland. Da ist es irgendwie überhaupt nicht dunkel geworden. Nach so einem wühligen Tag tut es gut, einmal nichts zu sagen, auf den Horizont zu gucken und die Dinge einfach laufen zu lassen. Das Meer rauscht wie eine endlose Melodie, immer wieder neu, ich werde niemals müde dem zuzuhören. Adios, lieber Tag. Du warst gut, auch wenn es leichten Kollateralschaden gab. Wir machen noch ein Bild von uns, irgendwie nennt man das jetzt ja Selfie und es ist voll hip, irgendwie hab ich mich aber schon immer selbst fotografiert und es ist ja auch eigentlich egal, was für Trends welche Namen haben. Ich schwimme die sowieso nicht mit. Dafür fühle ich mich hier viel zu wohl, mit dem Auto am Mittelmeer, umgeben von Menschen, die mir sehr viel bedeuten. Das genügt doch für einen wirklich glücklichen Moment, oder?

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Auch hier wird es irgendwann mal dunkel

So, jetzt aber heim, ab 23:00 Uhr kommt man mit dem Auto nicht mehr durch die Schranke. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz lassen wir Radio NRJ einvernehmlich mal aus. Was tagsüber Spaß macht, kann nach so einem nächtlichen Strandgang die mitgenommene Stimmung platzen lassen, und ich will diese Bilder noch ein bisschen weiter in mir tragen. Stattdessen lasse ich “The Barricades of Heaven” von Jackson Browne laufen. Nein, nicht James Brown, der rumkrakeelende Soulprediger, Jackson Browne ist jemand anderes. Inzwischen ist der auch nicht mehr der Jüngste, das Lied ist von 1996, da war ich knackige 25 Jahre alt. Und die Dame, die im Bild hier oben ihren Freund küsst gab es immerhin schon ein Jahr :-) Das Gute ist ja, dass ich inzwischen sicher bin, selbst einfach nicht älter zu werden. Pha. Niemals. Das passiert nur den Anderen, mir nicht. Dafür gibt es eine Menge Beweise, und auch wenn Jackson Browne inzwischen ziemlich alt aussieht… der sah bestimmt schon immer so aus. Und jetzt lassen Sie uns von was anderem sprechen…

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Zimmer mit Aussicht

Zu Hause. Alle schon im Bett, nur ich noch nicht. Während die winzig kleinen Mücken wie Piranhas meine knusprig braunen Arme und Beine aufessen stopfe ich mir noch meine Pfeife und blicke in die Nacht. Durch die Tür des Mobile Homes fällt ein warmes Licht, lockt weitere Mücken nach drinnen (mit denen wir später noch Spaß haben) und verströmt in mir ein wohliges Gefühl. Vorhin habe ich noch ein bisschen nachdenklich auf Baumarkt-Seiten im Netz rumgeblättert und bin über Hellweggestolpert. Kannte ich gar nicht? Die läuten da schon den Herbst ein, Kaminöfen, Laubsauger, Feuerholz. Das hat mich schon wieder melancholisch gemacht, denn ich weiß momentan gar nicht, ob ich in diesem Herbst noch einen Kaminofen haben werde. Aber das ist eine andere Geschichte, eine von denen, die ich in Kiel lassen wollte. Das klappt leider nicht immer. Aus dem iPhone quaddelt noch einmal Jackson Brown und singt von Seiten, die er umblättert, Jahre bevor er angefangen hat zu lernen. Es gab mal eine Zeit, irgendwann, da hatte man alles noch vor sich. Da waren die wirklich dicken Fehler noch nicht in Gang gebracht und man hatte nicht die leiseste Ahnung, wie viel Scheiße auf einen niedergehen kann, wenn man erstmal “erwachsen” ist. Vielleicht werde ich deshalb nicht erwachsen. Und nicht älter. Vielleicht muss ich noch viel mehr lernen.

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Notieren Sie, Watson

Aber wie dem auch sei, erst texte ich Sie mit dem unspannenden Tagesablauf einer Familie auf einem Campingplatz zu und fange jetzt auch noch das Rumleiden an, weil früher bestimmt nicht alles besser, aber vieles einfacher war. Früher ist vorbei, genau wie dieser Tag. Morgen ist ein neuer Tag, und er wird wieder viele schöne Sachen hervorbringen, vielleicht auch ein paar nicht so schöne. Wer weiß? Etwas habe ich in den letzten Wochen gelernt: Mein Zuhause ist da, wo die Menschen sind, die ich liebe. Dort komme ich zur Ruhe und kann durchatmen. Diese Erkenntnis ist für den kleinen Sandmann, der schon ein paar mal gegen seinen Willen aus seinem komfortablen Wurzeltopf rausgerissen wurde, existenziell wichtig. Vielleicht erlebe ich deshalb so ein Mobile Home wie eine bewohnbare Metapher für etwas nicht Statisches, etwas nicht Ortsgebundenes, was einem trotzdem Sicherheit und Ruhe spenden kann? Ich bin dankbar dafür und habe erstmals seit Jahren das Gefühl, den Herbst dieses Jahres überleben zu können, ohne mir die Flügel zu brechen.

Und Sie? Sie haben wieder still mitgelesen, vermutlich aus Trägheit nicht mal unten auf “Gefällt mir” geklickt und Sie werden sicher auch nichts kommentieren. Meine Reisegeschichten fangen sich irgendwie immer nicht so viele Kommentare ein, das war schon immer so :roll: Dabei habe ich doch jetzt echt mal was vorgelegt: Frühstücksfamilien, Nachbarn auf Campingplätzen, Shopping-Queens, reservierte Liegen, Kartenspiele, Pools und Verletzungen, Lebensmittelphilosophien und ein tiefer Blick in die Vergangenheit von mir und Jackson Browne. Sprechen Sie mit mir :-) Und wenn Sie mir nur erklären, wo es diese Hellweg Baumärkte gibt – und warum nicht in Schleswig-Holstein.

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Created Freitag, 12. September 2014 Tags Agde | frankreich | Frühstück | Mobile-Home | Pool | Reise Reise | Roadmovie | S210 | Sternstunden | strand | T-Modell | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
11 Sep 2014
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Sur ma Route

Sur ma Route

Un vie de Route

Reisen. Mein Leben lang war der Weg das Ziel, und in der zweiten Hälfte (des Lebens) wird sich das wohl auch nicht mehr ändern. Auch wenn die Wege steiniger werden. Strecke machen. Mit dem Auto, nicht mit dem Flugzeug, denn dann bekommt man ein Gefühl dafür, wie weit man von Zuhause weg ist. Und am Abend gemeinsam sprachlos vor einer Karte aus Papier sitzen und sich über den zurückgelegten Weg unterhalten. Wissen Sie was? Ich habe diese bei mir schräg verknüpften Synapsen an meine Töchter weitergegeben. Statt zu whatsappen, facebooken und twittern sprechen sie mit mir, mal vom Rücksitz, mal vom Fahrersitz. Sie singen die Lieder aus dem Radio mit. Und sie machen Fotos. Auf der Straße von Paris nach Agde, Südfrankreich, Mittelmeer.

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Echte, also wirklich ECHTE Croissants

Ein guter Tag beginnt mit einem guten Frühstück. War das nicht mal eine Werbung in den 80ern? Egal wann – das stimmt auch 2014 noch, und nichts wäre in der Pariser Morgensonne leckerer als ein frisches französisches Croissant, ein Stück knuspriges Baguette und ein leckerer heißer Kaffee? *hach* Direkt an einer stark befahrenen Hauptverkehrsstraße, die man im Angesicht dieser kalorienreichen Leckereien aber wunderbar ausblenden kann. Nirgends schmecken Croissants oder auch nur ein Stück einfachen Weißenbrots besser als in Frankreich. Kaffee können sie nicht so gut wie die Italiener, aber man muss ja nicht alles können. Wir nehmen noch ein paar Pains Chocolat in einer fettigen Papiertüte mit, für unterwegs, der nächste kleine Hunger kommt bestimmt. Und das Mittelmeer ist noch weit, 750 Kilometer, um genau zu sein. Ich beginne mit dem Chauffieren der wertvollen Fracht, neben mir die sich auf’s Baden freuende Kleine, hinter mir die gute Musik liefernde Große und neben ihr ihre große Liebe, ausnahmsweise mal ohne Cap, aber mit der ADAC Tourset Straßenkarte auf dem Schoß. Denn keine App der Welt kann einem die Entfernungen so schön verdeutlichen wie eine große ausgefaltete Papierkarte. Ich bin begeistert, dass es die noch gibt, inklusive Sehenswürdigkeitenführer und Mauttabelle. Da macht die ADAC Mitgliedschaft ja mal wieder richtig Spaß :-)

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Navigieren wie früher bei Opi noch

Denn die beiden auf dem Rücksitz verfolgen nicht nur den Straßenverlauf der überteuerten Autobahnen, sie lesen uns auch die Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten vor, die auf uns zukommen könnten. Montpellier steht irgendwann auf dem Plan, Daniel Leroc besuchen. Die Große will mal schnell nach Barcelona (das… äh… ist in Spanien) rüber, da ging die Klassenfahrt hin, aber das ist mir zu weit, heute Abend werden wir sicherlich vom Autofahren erstmal genug haben ;-) In unserer Nähe liegt noch Narbonne, außerdem das als Brettspiel in den 90ern ziemlich bekannt gewordene Carcassonne. Und hey – na selbstverständlich wird es wieder einen wundervollen karibischen Tag in den Calanques bei Cassis geben! Das ist diesmal etwas weiter weg, aber der geduldige Daimler wird uns schon tragen. Und es ist eine andere Geschichte. Mein eingeplantes Maut-Budget ist noch absolut im grünen Bereich, der Briefumschlag mit dem Kleingeld in der linken Innentasche der Fahrertür ist prall gefüllt. Obwohl… er alle 40-80 Kilometer, je nach Streckenabschnitt, nach und nach schlanker wird. Immer wenn ich mal so richtig schön lethargisch dem Horizont entgegenträume schleicht sich eine Péage ein, eine Maustelle, wo meist sehr freundliche Menschen den lieben langen Tag sitzen und alle paar Sekunden den durchfahrenden anderen Menschen in ihren Autos Zahlen in die Ohren sagen. Dann das Geld kassieren, dann die Schranke öffnen und sich verabschieden. Ich glaube, ein Job an der Kasse bei Aldi ist dagegen ein echtes Abenteuer.

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Schranke zu, Schranke auf.

Und da kommen sie, sie Worte, die ich nun zum ersten Mal in einem Urlaub höre: “Papa, wenn du willst fahr ich jetzt mal ein Stück…” Ha! Okay, Korrektur, zum ersten mal höre ich sie nicht. Meine Töchter fahren schon etwas länger mit meinen Autos rum, das fing schon mit dem V8 an, als ihr Lebensalter noch einstellig war. Ich bin da ja nicht so, ich mag das… Aber das weiß niemand, ist ja auch alles nicht erlaubt und außerdem ist das noch nie auf einer französischen Autobahn passiert. Deshalb erlebe ich hier doch so etwas wie das erste mal, und dann auch noch legal. Gniihihi :-D Die privatwirtschaftlichen Rennstrecken in Frankreich sind zwar teuer, dafür aber gut in Schuss und mit sehr aufgeräumten Rastplätzen ausgestattet. Irgendwo muss das Geld ja schließlich bleiben. Also soll ich mal das Steuer meiner inzwischen 19jährigen Erstgeborenen übergeben. Geübt hat sie genug, sowohl mit Automatik als auch mit geschalteten Autos. Mein Freund mit der Mütze (nein, sorry, es ist ja IHR Freund) hat sich selbstlos angeboten, das Musikprogramm vom Beifahrersitz aus zu managen. Okay, lassen wir mal die jungen Leute ran.

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Fahrerwechsel. Cool, ich kann mal dösen.

Geht Ihnen das auch so, dass Sie immer ein bisschen seltsam aus der Wäsche gucken, wenn Sie in Ihrem eigenen Auto hinten sitzen? Es gibt ja auch nicht viele Gründe, warum man das tun sollte. Ich glaube das erste mal war das in meinem Taunus Coupé 1991, an dem Tag, als die Probezeit meines Führerscheins ablaufen sollte. Ich war beim Bund, wir waren in einer Pizzaria in Husum lecker essen und ich wollte wegen meines einen Bieres nicht am letzten Tag noch Ärger riskieren – also ließ ich einen Kameraden zurück fahren, der da schon seit Wochen mal heiß drauf war. Schön im Knudsen hinten rechts. Jessas kommt einem ein Auto von hinten rechts auf einmal groß vor! Ich habe es damals sehr genossen. Heute bin ich zwar entspannt, aber schon zu lange unterwegs als dass ich tatsächlich sogar ein kleines Nickerchen machen könnte. Außerdem sitze ich hinten LINKS. Die beiden vorn legen los, ich mache es mir neben meiner “Kleinen” bequem und bin wieder einmal fasziniert vom Platzangebot einer alten E-Klasse. Vor allem, wenn vor einem jemand sitzt, der nicht wie ich 1,90 groß ist :-) Der Verkehr rollt, die Bässe bummsen aus den vier Lautsprechern und ich lerne neue Musik kennen. Immer am Ball bleiben ♫

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Vom Rücksitz betrachtet…

Außer der schon zuvor genannten Hymne von Herrn Forster mit dem Refrain, den einem die Péage-Wächter immer freundlich hinterherträllern scheint hier vor allem in den Radiosendern ein Lied gut zu gehen: “Sur ma Route” von Black M 8-) Ein feines Ding. Wir sollen es noch öfter in diesen Tagen zu hören bekommen. Während die Chauffeuse und ihr DJ vorn mit vorwärtsfahren und Mukke suchen beschäftigt sind und mein Zweier-Teamgegenüber rechts von mir auf ihrem Laptop mit Kopfhörern ein Filmchen inhaliert driften meine eigenen Gedanken über die Grenzen der Autobahn hinaus.

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böse Katze?

Ich frag mich, was wohl meine anderen beiden Frauen, die halbfinnische und die viertelfinnische, gerade machen und in welchen schönen Gegenden sie sich wohl rumtreiben. Ob sie auch grad an mich denken? Puh, zwei Wochen sind echt ganz schön lang… Ich sehe in der Ferne Hochspannungsmasten, die aussehen wie böse guckende Katzen oder Füchse mit abstehenden Schnurrhaaren. Und ich frage mich dabei schmunzelnd, wie lange ich nicht mehr auf dem Rücken in einer Wiese gelegen habe, um in den Wolken über mir Figuren und kleine Geschichten zu entdecken? Wie alt war ich? 8? Vielleicht 9? Auf dem Seitenfenster des Daimlers funkelt die Prägung der Scheibe, ihre Schrift wirft einen Schatten auf das Kunstleder – die Sonne wird intensiver, je weiter wir nach Süden kommen. Ich habe schon einmal hinten links gesessen, ich muss ziemlich klein gewesen sein und fragte mich, was diese Zeichen auf dem Fenster im Audi 100 meines Papas wohl bedeuten mögen. Sie sahen für mich aus wie eine kleine, doppelte Eiswaffel. Die späte, sehr späte Erkenntnis über die tatsächliche Bedeutung einiger als Kind falsch interpretierter Zivilisationszeichen hat mich mal zu einer Geschichte getrieben, die können Sie hier nachlesen:-) Der Diesel schnurrt immer weiter in Richtung Urlaub, und vielleicht bin ich irgendwann doch ein bisschen weggedöst.

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was man so unterwegs entdeckt…

Agde. Es ist später Nachmittag, als wir den Campingplatz am Mittelmeer erreichen. Ich habe nun einen guten Eindruck, wie angepisst M. Leroc gewesen sein muss, als er seinen im camion ausgebüchsten Daniel aus Montpellier abholen musste (wenn Sie nur Bahnhof verstehen lesen Sie die vorangegangene Geschichte). Das war ein ganz schöner Ritt hier runter, nicht auszudenken, wie lange das gedauert hätte, wenn ich nicht den halben Netto-Monatslohn eines Friseurs in Sachsen in die Hände der Autobahnkassierer gedrückt hätte. Überlandstraßen? Routes Nationales? Braucht man nicht. Genug Lebenszeit sur ma route verbracht, jetzt stehen wir (nach ein paar blöden Verfahrern wegen eines schon erwähnten veralteten Navis) vor unserem Mobile Home und sind tatsächlich… angekommen. In Agde. Keine Ahnung wie man das ausspricht. Akte? Ascht? Deshalb sagen wir auch allen wir waren in “Südfrankreich”, das klingt mondäner :-) Seit der Zelterei mit dem Audi V8 Anno 2011haben wir beschlossen, dass zwar ein Campingplatz super ist (und ehrlich gesagt in der Haute Saison in Gallien auch rein finanziell quasi ohne Alternativen punktet), das Schlafen auf dem Boden und das Essen aus Schüsseln voller Kiefernnadeln und Ameisen aber zu den weniger erquicklichen Gegebenheiten gehört. Seit dem wird eine Plastikhütte mit zwei Schlafzimmern, einer Küche und einem Bad gebucht. Mit Kühlschrank und allem, was man so braucht. Das ist nicht wirklich stilsicher, aber es ist auch nicht viel teurer als ein aufgestelltes Zelt – und der alte Reisende hat ein richtiges Bett, Strom und ein Dach über dem Kopf.

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Hallo Zuhause für 10 Tage!

Über diesen Luxus des kleinen Mannes schreibe ich die Tage noch ein bisschen mehr, jetzt werfen wir erstmal unsere Taschen und Klamotten auf die quietschenden Betten, räumen alles grob ein, machen eine kurze Bestandsaufnahme des vorhandenen Inventars (was wahrlich nicht komplett ist, aber man nimmt das hier nicht so genau) und haben ein allererstes, erklärtes Ziel: Wasser. Der Pool, der irre Pool mit Rutschen, Palmen und Badelandschaft ist schon zu. In Agde macht man früh Feierabend, um die Gäste in die Restaurants zu treiben. Egal. Mission: Badeklamotten an, Handtücher geschultert und wieder rein in den staubigen Benz. Klimaanlage auf volle Pulle, das auf Dauer ein wenig Hirnbluten verursachende Radio NRJ einstellen und auf dem Weg zum Strand wieder mal “Sur ma Route” hören. ♫ Und inzwischen ein bisschen mitsingen können – was auch fast alle im Auto machen. Das Leben ist schön :-) Hallo Südfrankreich!!! Wir sind jetzt 10 Tage hier, wir haben ziemlich gute Laune und wir wollen braun werden. Lesen, kochen, baden und ein paar schöne Ecken sehen. Mehr nicht. Die erste schöne Ecke ist der Strand, der sanft ins warme Wasser geht.

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Das Cap d’Agde, vom nassen Wasser aus betrachtet

Ich habe gelogen. Das Wasser ist ARSCHkalt heute Abend, aber es treibt uns trotzdem rein, quietschend, schreiend und plantschend. Dem langen Strand vorgelagert ist eine kleine Festung mit Leuchtturm zu sehen, weiße Yachten und Jetski grummeln am Horizont entlang und die ganze Atmosphäre ist irgendwie unwirklich schön und friedlich. Es ist wohl dieses sagenhafte Licht hier unten, was schon die Impressionisten vor 150 Jahren zu Meisterleistungen der Farben animiert hat. Aus der nahen kleinen Stadt, die erst jetzt zu ihrem eigentlichen Leben erwacht, wehen leckere Gerüche herüber. Gebratener Fisch, Pizza und Gewürze, ich merke erst jetzt hier mitten im Wasser, was für ein Hunger in mir wütet. Von fern klingt Musik, noch weiter hinten beginnt das beleuchtete Riesenrad eines Luna Parks sich langsam zu drehen. Den haben wir soeben auf unsere Agenda geschrieben, da müssen wir auch unbedingt mal ein paar Euros in Drehbewegungen investieren. Plitsch platsch. Baden im Sonnenuntergang im Mittelmeer. Das klingt doch gut, oder?

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Der Erholung Anfang im Selfie

Und jetzt? Muss ich aufpassen, dass mein iPhone nicht absäuft. Nachdem ich schon mit Sonnenbrille getaucht bin. Ich sollte erstmal ein bisschen runterkommen, den Alltag ausblenden und das eine oder andere Thema, was ich mit hier her geschleppt habe verdauen. Aber dabei helfen mir meine drei jungen Mitreisenden, die weitestgehend ohne Cap im Wasser sind ;-) Urlaub. Nicht bloggen, nicht texten, nicht posten und nicht korrespondieren. Außer, ich will es. Leben, essen, trinken, schlafen. Nach Sur ma Route sind wir jetzt am Ziel, zumindest vorläufig. So richtig an kommt man ja im Leben nie, und das ist auch gut so. Später an diesem Abend wird es vor lauter Hunger und noch leerem Kühlschrank noch eine köstliche Pizza auf dem Campingplatz geben, dann ein Glas Rotwein für mich und noch einmal ein gemeinsamer Blick auf die ausgebreitete große Frankreichkarte vom ADAC. Einmal quer durch. Klasse. Jetzt whatsappen und facebooken sie auch wieder, meine Töchter und der Mann mit den coolen Klamotten. Dank sündhaft teurem W-LAN, was Vati bezahlt hat. Aber jetzt ist es auch okay :-) Noch viel später fange ich mein gebraucht gekauftes Buch an (Mit dem Kühlschrank durch Irland – ganz großes Kino) und werde danach so lange schlafen, bis ich von alleine aufwache. Und morgen ist ein neuer Tag.

Sandmann

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Created Donnerstag, 11. September 2014 Tags Avantgarde | paris | Reise Reise | Roadmovie | S210 | Sternstunden | Sur la route | T-Modell | un vie de route | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
05 Sep 2014
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Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Touristen, wie sie im Buche stehen

… Paris. Nur für einen Tag, auf den Spuren von Famille Leroc. Nein, nicht mit einem Taxi, aber fast. Das Taxi habe ich blutend in Wahlstedt bei Markus1975 eingelagert. Und statt des von Michi Reincke besungenen kleinen Reeendezvoouuus treibe ich mich mit drei mir am Herzen liegenden jungen Menschen in der Stadt der Liebe rum. Wie diese Menschen heißen? Sie müssen ja nicht alles wissen :-) Aber hübsch sind sie, cool und gut drauf. Und zu 2/3 mit mir verwandt. In dieser Geschichte geht’s mal nicht so sehr um Autos, sondern um eine Stadt voller Leben und voller Menschen, eine Familie aus den Französischbüchern der 80er und einen rostigen Turm aus Stahl. Lehnen Sie sich zurück, schenken Sie sich einen Vin de Pays de Herault ein und genießen Sie die Aussicht.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Metro fahren. Alles andere wäre Unsinn

Warum so einen billigen Fusel, fragen Sie? Weil wir später am Tag noch in die Gegend rund um den Fluss Herault fahren (aber das ist eine andere Geschichte), weil dieser französische Landwein gar nicht so schlecht ist wie sein Ruf und weil es dann irgendwie authentischer ist. Oder? :-) In Frankreich zahlen Sie die verschiedenen Preise für den vergorenen Traubensaft vor allem nach der Anbauregion, weniger nach der Qualität. Kleines Gebiet mit großem Namen (wer denkt da nicht gleich an die Champagne) – teurer Saft. Oft direkt in der Flasche vergoren, das scheint toll zu sein. Großes Gebiet mit aus Traubensicht unbekanntem Namen (Herault, Aude, Gard oder Bouches du Rhône) – preiswerte Weine. Und nicht mal schlecht. Glauben Sie nicht, dass ein Rotwein nicht schmecken kann, wenn er nur 1,79 Euro kostet. Außer es steht vielleicht “Melange aus verschiedenen Weinen der Europäischen Union” drauf, aber das wird Ihnen in Frankreich nicht passieren. Äh… pardon, wir sind in Paris, und wir wollen zum Tour Eiffel. Den Rest kann Ihnen mein Weinspezialist Steffen G. erläutern.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Alle wollen da hin, wo wir hin wollen

Ich spreche immer von Wir. Wir sind: Tochter klein (inzwischen auch schon 13 aaarggh), Tochter groß (die bald ein eigenes Auto haben wird) und Freund von Tochter groß (cooler Typ, umsichtig, hilfsbereit, aufmerksam und vermutlich der beste, der ihr passieren konnte). Und ich. Wir sind vier. Vielleicht haben Sie ja schon die erste Geschichte unserer kleinen Reise gelesen, dann sind Sie bereits ein bisschen vorbereitet. Und hier im Bild sehen wir schon die echte Alternative zum Auto in Paris: Die Métro. Mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, während die Franzosen Sommerferien haben gleicht dem Plan, sich mit vier Millionen Fliegen ein einzelnes Stück Aas in der Sonne teilen zu wollen. Keine Chance. Nicht mal mit dem besungenen Taxi. Von unserem Hotel zum Zentrum hätten wir eine volle nervenaufreibende Stunde gebraucht, dann wären wir drei Stunden auf der Suche nach einem Parkplatz (ohne einen zu finden) im Kreis gefahren, würden vielleicht irgendwo in zweiter Reihe genervt stehen bleiben und wären dann abgeschleppt worden. Nee nee. Also: Es steht an der Erwerb einer Tageskarte für die Métro, hier erkenne ich, dass man zu viert in einer großen europäischen Metropole echt ein bisschen mehr Geld in der Hosentasche haben muss als allein in Kiel…

Am Trocadéro raus

Am Trocadéro raus

Wer den Eiffelturm sehen will, der muss am Trocadéro raus. Paris bietet noch eine ganze Menge anderer menschengebauter Sehenswürdigkeiten, wir nehmen später noch ein paar davon optisch mit, aber der Turm muss einfach. Weil er doch eigentlich gar nicht so groß ist, aber dann über dem Betrachter, vor ihm stehend, eine magische Faszination wie einen warmen Mantel ausbreitet. Der Eiffelturm. DER Eiffelturm, auf jedem dritten Kitsch-Gemälde drauf, in jedem Französischbuch der Mittelstufe präsent und als Schlüsselanhänger oder Aschenbecher längst ein fester Bestandteil der hirnamputierten deutschen KIK-TEDI-1EUROSHOP Kultur. Hier über uns im Tunnel steht er wohl, wenn wir die Ströme von Touristen an uns vorbei richtig interpretieren. Als der Elektrozug davonrumpelt könnte es losgehen, doch ich habe die Sehenswürdigkeiten-Rechnung ohne meine Mitreisenden gemacht. Die wollen nämlich, genau wie beim letzten mal hier, erstmal in den Nippes-Shop und die eben erwähnten nicht ganz maßstabsgetreuen China/Thailand/Indien Eiffeltürme begutachten/anfassen/kaufen. Der arme Gustave, wenn der von seinem Ausverkauf wüsste. Ich brauche sowas nicht, aber so ne Baskenmütze…..? Hm….

Mais oui!

Mais oui!

Ich denke zurück an die Zeit irgendwann in den 80ern, als ich noch die fremden grammatikalischen Verdrehungen mit Hilfe von Monsieur und Madame Leroc auswendig lernen musste. Die beiden führten ein übersichtliches Leben mit ihren Kindern Monique und Daniel. Ich erinnere mich daran, dass M. Leroc eigentlich immer au bureau abgehangen hat, während Mme Leroc ergeben die Hausarbeit erledigte. Es gab auch einen Hund, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Le chien. Die beiden Blagen liebten jouer au ping-pong und ecouter de musique pop. Gibt es diese angenehm durchschnittlichen Menschen noch immer in der Mittelstufen-Folterliteratur? Damals waren Frankreich und seine pompösen Wahrzeichen mir so fern wie Montpellier, in das der umtriebige Daniel einmal aus Versehen mit einem camion gebracht wurde, in dem er sich frecherweise versteckt hatte. Der kleine Rebell. Nach Montpellier wird es uns in diesen Tagen auch noch treiben, allerdings freiwillig und nicht auf der Ladefläche eines Lastwagens. Und Popmusik hören wir auch, aktuell hat die Große “Au Revoir” von Mark Foster und Sido am Start, viele Wochen bevor das bei N-Joy Radio auch nur jemand zufällig mal in die Ohren bekommen hat :-) Sie spielt aber auch kein Tischtennis. Okay, ab jetzt ans Tageslicht. Kommt man aus der Métro raus, geht es noch um ein großes altes Gebäude rum und dann – eröffnet sich der große, mit Marmor geflieste Platz vor dem Palais de Chaillot.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Wenn Sie da noch nie waren, sollten Sie mal hin…

Fragen Sie mich nicht warum, ich könnte jedes mal heulen, wenn ich diesen Weg gehe, an dessen Ende der Turm zu sehen ist. Und ich werde immer ganz still, genieße den Moment und blende für eine kurze Zeit alle anderen um mich herum aus. All die hunderte und tausende von Touristen, die Bilder machen, Selfies, lustige festgehaltene Fingerspielchen. Sie “tragen” auf den Fotos das Stahlgerüst, gleich dem witzigen und selten praktizierten Stützen des schiefen Turms von Pisa. Der Turm und ich. Mein captragender Mitreisender ist ähnlich still. Er ist das allererste mal hier. Wir befinden uns noch immer am absoluten Anfang des Urlaubs, was mich mit einer tiefen Ruhe und einer kribbelnden Vorfreude durchströmt. Hinter dem 324 Meter hohen Stahlgestell anlässlich der Weltausstellung 1889 bauschen sich Gewitterwolken auf, aber es ist wenigstens angenehm warm. Sonne und Strand erwarten uns tendenziell ja weiter unten im Land, am Mittelmeer. Südöstlich von Montpellier, wo der genervte M. Leroc den ausgebüchsten Daniel mit dem Auto wieder abholen musste, damals. Langsam dringen die Stimmen der anderen wieder an meine Ohren, langsam komme ich wieder in dieser Welt an. Wenn Sie dem Eiffelturm einmal live gegenüberstehen oder schon einmal gegenüberstanden werden Sie wissen, was ich meine.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

sowas gibt es in Hamburg nicht

Heute belassen wir es nicht bei diesem Blick – heute haben wir ein bisschen mehr Zeit als beim letzten mal. Leider sind die Brunnenanlagen mit langen bösen Bauzäunen umgeben, was ein ausgelassenes Treiben im Wasser und den Fontänen verhindert. Mist :-( Direkt an der Seine, diesem dicken trägen wundervollen Fluss, in dem noch immer die Asche der Jeanne d’Arc treibt kann man der Nahrungsaufnahme und des Toilettenganges frönen – muss man aber nicht. Notiz an mich selbst: Wenn ich den Preis von vier Tageskarten für die Métro schon als Erkenntnis verbuche, dann sind Toilettenbenutzung und Mittagessen für vier Personen direkt am Wasser unter dem Eiffelturm, da, wo die Schiffe ablegen, eine Art Offenbarung. Offenbar müssen wir in den kommenden Tagen mit dem Erwerb von Nahrung ein wenig kürzer treten, wenn wir den Schnitt von 50 Euro am Tag halten wollen. Ich bin nun pleite, gerade mal 8 Euro klimpern noch in meiner Hose. Vor dem Frühstück nachher muss ich wohl nochmal zum Auto, finanziellen Nachschub holen. Es ist ja alles bar in verschiedenen Umschlägen abgezirkelt…… So eine Art Haushaltskasse. Wir stapfen weiter entlang des Ufers, was offensichtlich zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Ach so. Daher die Preise.

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Seltsam? Stimmt. Das liegt an Photoshop…

Paris ist als Innenstadt vielleicht nicht ganz so groß wie man meint, aber Kiel ist kleiner. Kiel kann man locker fußläufig durchmessen. Paris sicherlich auch wenn man Rüdiger Nehberg ist, das ist alles eine Frage des Maßstabs und des Schuhwerks, und hier finden wir den Fehler. Mit FlipFlops lässt sich super (südöstlich von Montpellier) am Pool abhängen, aber dass die Dinger nicht als asphalterprobte Wanderstiefel taugen stellen einige der Anwesenden noch vor der Halbzeit fest. Also beschließen wir, so klassische Namen wie den Obelisk auf dem Place de la Concorde, die Tuileries, den Louvre und seine in ihm wohnende geheimnisvoll lächelnde Mona Lisa, den Triumphbogen und die Champs-Elysées nur zu streifen, sie alle wenigstens im Vorbeihumpeln zu sehen und sowohl die letzte Aufmerksamkeit als auch die allerletzten Euros für heute in vier (vier) gefrorene Wassereisgetränke der Geschmacksrichtungen Waldmeister, Pfirsich und Himbeere zu investieren. Herrlich süß und erfrischend und unfassbar kalt. Stattlicher Hirnfrost mit Blick auf Sacré Coer. Klasse. Schön, wenn der Schmerz nachlässt.

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Nicht die Pont d’Avignon, weder l’on noch danse.

Zwei ungleiche “Paare” in Paris auf dem Weg nach Südfrankreich. Vier Menschen, die fast drei Generationen überspannen. Vier Menschen, die das aber alle irgendwie ganz cool finden, miteinander ein paar Tage Urlaub zu machen. Ich sage mir immer wieder (und korrigieren Sie mich da bitte, wenn Sie anderer Meinung sind oder ich mich wiederhole), dass ich wohl nicht alles falsch gemacht habe, wenn die drei freiwillig mit mir im Auto auf einen Campingplatz in Frankreich fahren wollen und sich seit Wochen darauf freuen. Ich übrigens auch :-) Die Kinder von damals sind nun teils tatsächlich, teils fast erwachsen. Und es ist großartig, sich mit ihnen zu umgeben. Diesen jungen Leuten, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben und die ganzen Fehler, die man selbst gemacht hat vielleicht nicht machen. Oder eben doch. Und vielleicht irgendwann mit ihren eigenen Kindern mal nach Paris fahren. Dann…. bin ich wohl Opa :roll:

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Wenn ich die beiden sehe fühle ich mich alt…

Meine große Erstgeborene mit ihrem Freund. Sie kenne ich schon ihr ganzes Leben lang, von ihm weiß ich bisher nur, dass er nicht alles mag, was ich koche, und dass er ab und an mal was sagt, was ich richtig witzig finde. Er hat einen Führerschein und trägt fast immer eine Cap. Viel mehr nicht. Aber ich war schon mit wesentlich schrägeren Menschen unterwegs, ich glaube, das könnte ganz gut klappen. Ich mag den Kerl extrem gern. Ich war ein bisschen in Sorge, weil wir uns vorher nicht oft gesehen haben, aber die Sorge war unbegründet. Schließlich kann ich mich wohl darauf verlassen, dass meine Tochter sich nicht einen Voll-Honk angelt und den dann mit in den Urlaub schleppt. Stimmt :-) Die beiden sind schwer verliebt, und das schon seit einiger Zeit *seufz* und irgendwie glaube ich, dass er der richtige für meine große Hübsche sein könnte. Und dann haben wir noch noch das Papa-Tochter-Team:

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Na, wir beide wissen ja dass wir Urlaub machen können

Meine Zweitgeborene und ich sind ein erprobtes Duo. Sei es Weihnachten mit dem KaSi nach Uelzen oder Weihnachten danach mit dem Audi 100 in die gleiche Stadt und die ganzen Tage dazwischen, wir verbringen eine Menge Zeit zusammen. Ich schiebe das momentan auch noch auf die Tatsache, dass kein Freund existiert, der mitgenommen werden möchte. Ob nun mit oder ohne Cap. Aber wenn ich mir die junge Dame so angucke kann das eigentlich nicht mehr lange dauern. Was dann? Lässt sie den Kollegen dann für Papa zu Hause, weil sie mit Papa einfach ne echt gute Zeit hat, während ihre Schwester und deren Freund das Zweierteam-Pendant bilden? Oder sind wir dann zu fünft unterwegs, und ich sitze abends allein Pfeife rauchend vor dem Wohnwagen während die anderen, inspiriert von der Stadt der Liebe, irgendwo am Rumknutschen sind…? Hm. Ich fürchte, Sie werden es eines Tages hier zu lesen bekommen. Jetzt schließe ich für heute erstmal mit dem Klassiker von Felix de Luxe, auch schon wieder 30 Jahre alt. Morgen fahren wir dann mal ans Meer, gucken, ob M. Leroc seinen Daniel da wirklich weggepflückt hat. Und schreiben Sie mir mal, was Sie über Paris denken….

Sandmann

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Created Freitag, 05. September 2014 Tags Avantgarde | daimler | Eiffelturm | la famille Leroc | M. Leroc | Mme. Leroc | paris | Reise Reise | S210 | Sternstunden | T-Modell | Vieraugengesicht | W210 Document type Video
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