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02 May 2012

20 Jahre nach dem ersten Auto…

20-jahre-nach-dem-ersten-autoHeute habe ich den Status geändert. Ich habe "ihn" gefunden. Weiterlesen → [...]

… wird es wieder das erste Auto.

Der Typ und der Taunus

Der Typ und der Taunus

Der Weg bis hier her war uneben. Ich habe noch immer nicht den Abschied vom V8 im letzten Sommer gebloggt, habe dem treuen aber durstigen Pendel-Daimler nur mäßig Aufmerksamkeit gewidmet und der Passat TDI läuft einfach so vor sich hin. Nahezu unbemerkt. Zylinder: 8 – 6 – 4. Was Sie da draußen nicht mitschneiden sind meine Gedanken, meine Sehnsüchte und lange Nächte im Internet, die sich mit nur einem Thema beschäftigen: Ich will wieder ein unvernünftiges Auto! Mein ganzes berufliches Leben und meine halbe Freizeit dreht sich um altes und weniger altes Blech, da ist ein VW Kombi Diesel als ausschließliches Ford-Bewegungsmittel einfach nicht authentisch. Heute habe ich den Status geändert. Ich habe “ihn” gefunden.

Es war damals diese Nase.

eine höchst amerikanische Nase

eine höchst amerikanische Nase

Es ist ja immer alles damals. Ab einem bestimmten Alter zieht es einen zurück in die Jugend, himmel das ist dann eben so, warum soll man sich denn immer dagegen wehren? Da ist nichts schlimmes dran :-) Es war im Jahre 1990 absolut nonkonform, noch vor dem Abitur einen Ford Taunus zu fahren. Der Wagen war damals schon alt, hatte das zweifelhafte Image der “Türkenschleuder” (weil er riesengroß und preiswert war) und sah neben all den Golfs und Opels einfach aus wie ein Dinosaurier. Geil. Ich fand das gut. Mein erstes Auto hatte deshalb diese Knudsen-Nase mit dem amerikanischen Flair. Wacki fuhr Golf 1, Nea fuhr Fiesta und ich eben Taunus. Und das drei Jahre lang, quer durch meine Bundeswehrzeit und mitten rein in die Ausbildung in Kiel rein. Schaut:

Vor 20 Jahren

Vor 20 Jahren

Ich teilte mir anfänglich das damals schon sehr rostige Coupé mit meiner Jahrgangsfreundin Nessi, ungefähr drei Monate lang. Ich wollte ihn, nachdem ich die Anzeige in der AVIS gelesen hatte unbedingt haben, konnte aber die 900 Mark noch nicht aufbringen. Also kaufte und fuhr sie ihn, und als ich genug Geld zusammen gespart hatte übergab sie ihn mir. Was war ich stolz! Plön. Das NJ steht für Nessi-Jensi, und ’93 sollte er wieder zum TÜV :-) Mein erstes Auto, es hat mich niemals richtig losgelassen. Den TÜV ’93 hat es nie gegeben, der mäßig gepflegte Taunus war komplett durchgerostet, wir haben ihn damals zerflext und immerhin das Heck aufgehoben. Das gibt es noch immer, aber das ist eine andere Geschichte.

Das Puzzle fügt sich zusammen

Das Puzzle fügt sich zusammen

Ich habe mir Mustangs angeguckt und ich liebäugelte mit einem Jaguar XJ12. Aber warum? Bin ich das? Stehen die mir? Warum was komplett Neues wagen, wenn der eigentliche Traum doch noch unerfüllt seit 20 Jahren in der Schublade liegt – oder im schönen Schweden in Rentnerhand bewegt wird? Vor ein paar Wochen kommt der Anruf von Henning, Carracho Classics in Lüneburg, da hatte ich mal eine Geschichte über ein P5 Hardtop Coupé geschrieben. Sie hätten jetzt ein Taunus Coupé reinbekommen, ich hatte doch gesagt, sie sollen sich melden, wenn da mal eins ist. Oh. Stimmt. Das hatte ich gesagt. Ein wenig unvorbereitet frage ich nach den Daten…?

Innen wie neu, steigen wir ein?

Innen wie neu, steigen wir ein?

Baujahr 1975, also der letzte seiner Art. Genau wie meiner damals. 2-Liter Vierzylinder ohne Servo und ohne alles. Original belegte 94.000 Kilometer auf schwedischen Straßen, deshalb auch die seltenen einteiligen GT-Sitze und die in Deutschland bei einem Taunus vermutlich einzigartige Scheinwerferreinigungsanlage. Kein Radio, keine Boxenlöcher, innen wie neu. Bronze-Metallic mit schwarzem Vinyldach, sonst nix. Kein Pomp, kaum Chrom. Nicht mal ‘ne Uhr.

Auch ein Rücken kann entzücken

Auch ein Rücken kann entzücken

Sssssssit. Sprung. Wie Sie sich vielleicht denken können stehe ich umgehend vor diesem Auto, Lüneburg ist ja nicht weit weg. Er hat Patina, na klar hat er die. Und er hat nach 37 Jahren auch Rost, wer hat den nicht? Aber er ist wunderschön. Die in meinen Augen zeitlose Form hat mich schon zu Abi-Zeiten begeistert, und ich habe mir im Nachhinein das Abwracken meines ersten Autos nie ganz verziehen. Auch wenn es damals unumgänglich schien, es war ja nur ein altes Auto. Hier steht die Reinkarnation dieses Wagens, gleiches Baujahr, schönere Farbe. Ich will ihn mal fahren. Darf ich? Die schwedische Zulassung ist noch aktiv. Ja, ich darf.

Voll durch den Wind

Voll durch den Wind

Yay verdammt ich bin wieder 20 Jahre alt!!! Dieses dünne Lenkrad. Diese Motorhaube. Das schwammige Fahren wie in einem Ami. Das erste Auto im Leben verkörpert das wunderbare Gefühl von Freiheit, von Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Wenn Sie erst einmal die 40 überschritten haben fühlen Sie so etwas nur noch selten. Jetzt ist es wieder da. Ich fahre ein Ford Taunus Coupé, und es fühlt sich großartig an! Tief im Motor klappert laut ein defekter Schlepphebel, aber Henning sagt, das machen sie noch.

DAS gabs nur in Skandinavien

DAS gabs nur in Skandinavien

Okay, eine komplette Zylinderkopfrevision steht an. Neue Schlepphebel, neue Kopfdichtung, Zahnriemen und Ventilschaftdichtungen. Cool. Dann sollte der Motor erst einmal keine Probleme mehr machen. Auch der pöppelnde Endschalldämpfer wird noch gegen einen neuen getauscht. Ansonsten fährt der alte Herr tadellos, die Hinterachse macht keine Geräusche, das Getriebe schaltet die vier Gänge sauber durch, die Bremsen packen einigermaßen gleichmäßig zu. Auf der Hebebühne finden wir die üblichen Rostnester: Endspitzen, Lampentöpfe, Wagenheberaufnahmen, Stehbleche, Windleitblech unter der Scheibe, Schweller. Alles soll noch gemacht werden. Echt? Wow.

Überschaubarer Rost

Überschaubarer Rost

Warum bin ich so entspannt? Vielleicht, weil mein Knudsen-Coupé vor rund 20 Jahren wesentlich, we-sent-lich rostiger war als dieser Schwedenimport? Vielleicht, weil der neulich angeguckte Mustang in Bad Salzuflen mehr kosten sollte und im Vergleich hierzu ein komplettes Wrack war? Vielleicht auch, weil mein Herz mir schon in der ersten Minute klare Signale gegeben hat… Marco und Henning von Carracho Classics wissen, was sie machen, sie wissen was sie da stehen haben und sie sind ehrlich. Ich höre Zahlen, die machbar sind. Soll ich? Soll ich…..????? An diesem Auto ist noch einiges zu tun. Der Deal wäre folgender: Der Wagen wird in einer Karosseriewerkstatt geschweißt, der Motor wird wie beschrieben überholt. Der Taunus bekommt einen deutschen Baurat und eine H-Abnahme für das historische Kennzeichen. Und DANN geht er an mich über.

Zeitlos schöne Hüften

Zeitlos schöne Hüften

Zulassen, losfahren und nach und nach die anfallenden Kleinigkeiten richten. Viel ist ja an Technik nicht dran. Hm. Ich denke nach. Meine Hände kribbeln. Mir fällt hier und heute kein Auto ein, mit dem ich emotionalere Geschichten verbinde als mit meinen Taunus. Nicht mein K70, nicht mein V8. Einfach, weil es damals der Beginn des Erwachsen-Werdens war. Ich höre von irgendwo weit weg die Musik der frühen 90er. Alannah Miles singt “Black Velvet” – ich glaube ich habe sogar noch eines der Tapes von damals. Jungs, ich werde unsachlich. Ich muss da noch eine Nacht drüber schlafen. Sagt mein Mund. Aber eigentlich ist das doch alles klar :-)

So muss ein Auto aussehen

So muss ein Auto aussehen

Ich habe heute um 18:00 Uhr mit Marco telefoniert. Er hat noch einmal ein paar zu erledigende Arbeiten aufgelistet und mir dann eine Zahl genannt. Und ich habe zugesagt. In ein paar Wochen werde ich wieder einen Ford Taunus fahren, mit meinem langweiligen aber zuverlässigen Passat als Backup. Es ist beschlossen. Darauf ein großes Glas Rotwein, liebe Blog-Gemeinde. Das Leben geht weiter, und in diesem Fall nicht zum Schlechtesten!

Sandmann

Original: Sandmanns Welt

Created Mittwoch, 02. Mai 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags Andere Alternde | Coupé | ford | Goldene Gezeiten | Knudsen | schweden | taunus | Venyldach | Vinyldach
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17 Sep 2014

Shades of Grey

Delphingrau im Septembergrau. Nissan 350 Z, gesehen durch die Leica T.

Mehr Nissan 350 Z bei formfreu.de:
My Z-Car
Z meets Z

Leica Camera AG

Shades of GreyShades of GreyShades of GreyShades of GreyShades of GreyShades of Grey

Shades of GreyShades of GreyShades of GreyShades of GreyShades of GreyShades of GreyShades of GreyShades of GreyShades of Grey

Original http://www.formfreu.de/2014/09/17/shades-of-grey/

Created Mittwoch, 17. September 2014 Tags ag | camera | delphingrau | formfreude my | gesehen | leica | meets | nissan | septembergrau | t mehr | z leica | z-car z | automotive Document type Video
Categories Timeline Author T Sälzle und M Haub
17 Sep 2014
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Wohin des Weges?, radical14 (6) Navi

#radical14 (6)

Es ist schon klar, ein Navigationssystem ist nicht das Hauptthema bei einem Sportwagen. Manche wie der Ferrari kommen ganz ohne aus. Das ist besser als wenn man eines hat, dass sich kaum bedienen lässt...

Keine Angst, die Fahrberichte zu #radical14 kommen noch. Gut Ding will eben Weile haben. Aber wir haben uns auch einige Gedanken gemacht zu Sachen, die man nicht zwingend mit einem Sportwagen oder gar einem Supersportler assoziiert. Schliesslich wäre es in der heutigen Zeit doch peinlich, wenn man in einem über 300'000 Franken teuren McLaren 650 S sitzt und irgendwo in Norditalien auf einen analogen Karte nach dem Weg fragen müsste. Zumal die Italiener bei der Frage nach dem schnellsten Weg zu Autobahn eh nur eine Antwort kennen: «Sempre dritto» - immer geradeaus! Und nein, wir listen jetzt nicht einfach gutschweizerisch alphabetisch auf, welches Navi denn wie sehr überzeugt hat. Nö, wir fangen beim Loser an. Und der Verlierer hat eine Gemeinsamkeit mit dem Gewinner - sie stammen aus demselben Land.

Die Aufgabenstellung war ganz einfach. Wegen unserer Gäste aus Germanien wollten wir zwei Fixpunkte programmieren, erstens die Adresse unserer Homebase in der Käserei und andererseits die Adresse der kleinen Rennstrecke im Berner Jura.

Keine unüberwindbare Aufgabe könnte man meinen, doch bei der Corvette haben wir: aufgegeben. Nach 25 Minuten. Wir mochten nicht mehr. Fertig! Schaut doch selbst wie ihr nach Ligniéres kommt. Mir egal. Will nimmer! Sonderziel Centre de Pilotage kennt die Corvette nicht, die Adresse auch nicht und wenn man den Zielpunkt von Hand einzugeben versucht: verzweifelt man. Durchgefallen! Und zwar total.

Schon etwas besser ist da der Subaru, auch hier wurde das Sonderziel nicht gefunden, aber immerhin schafften wir es, den Circuit auf der Karte zu markieren.

Wohin des Weges?, radical14 (6) Navi

10 Minuten brauchten wir rund für die zwei Ziele, damit ist der Subaru gleichauf mit Jaguar oder McLaren. Wobei das Navi des sauteuren Briten sonst so einige Aussetzer hatte, dasjenige von Jaguar dagegen immer problemlos lief. Offenbar sind Inder die besseren Programmierer...

Fein ist das Navi vom Ferrari 458 Speciale. Weil keines vorhanden ist, ist man bei der Programmierung extrem schnell. Zum Sieg hat es natürlich doch nicht gereicht.

In germanischer Perfektion kommt das System von BMW im M4 daher. Das Ziel auf der Karte zu markieren war einfach, nach vier Minuten wars alles erledigt, genau wie beim Volvo V60 Polestar. Wohl das älteste System im Vergleich und trotzdem wunderbar zu bedienen.

Was fehlt? Ja, der Alfa, mit dem wunderlichen Nachrüstsystem von Parot. Da haben wir nicht aufgegeben, wir haben es gar nicht erst versucht. Manche Sachen muss man sich einfach nicht antun.

Kommen wir zu den Siegern. Besser gesagt, zu dem Sieger: der Tesla mit dem riesigen Tablet-Display hatte den Rundkurs als einziger in den Sonderzielen (halt auch Dank der Online-Anbindung dies für Tesla-Fahrer umsonst gib). Eine Minute um zwei Ziele einzugeben. Das kann keiner besser.

Was uns dieser Test gebracht hat? Nicht viel ausser der Erkenntnis, dass man auch für viel Geld nicht unbedingt ein taugliches Navigationssystem bekommt. Von den Updates (da haben wir uns nur eingelesen, ausprobieren wollten wir es dann doch lieber nicht) einmal ganz zu Schweigen. Und, dass wer Karten lesen kann auch heute noch eindeutig im Vorteil ist!

Mehr #radical14 gibts hier.

Wohin des Weges?, radical14 (6) Navi

Text: Cha, Fotos: Wale Pfäffli

Wohin des Weges?, radical14 (6) Navi


 

Original http://www.radical-mag.com/forum/radical14-_6_-navi/seite_1-2

17 Sep 2014
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Mehr als..., Fahrbericht Peugeot 508 2026

Fahrbericht Peugeot 508

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Der neue Peugeot 508 will mehr sein als ein Vertreter-Traum. Will? Nein, er muss mehr sein. Denn die meisten Aussendienstler haben eh längst auf Minivans umgestellt und den klassischen Kombis den Rücken gekehrt. Und sie sind verwöhnt, den so ein Skoda Octavia Combi zum Beispiel bietet auch dem gewerblichen Nutzer so einiges. Da die Limousine des 508 in der Schweiz wohl nur eine Aussenseiterrolle spielen wird, konzentrieren wir uns auf die Kombi-Variante, den SW. Und der neue 508 als Kombi hat durchaus etwas zu bieten, auch wenn er nicht wirklich neu ist. Die Franzosen liessen dem 483 cm langen Fünfsitzer eine umfangreiche Modellpflege angedeihen. Und, die hat dem Peugeot richtig gut getan. Und, das Gesicht welches den grössten Franzosen ziert, wird bald auch bei anderen Modellreihen umgesetzt. Natürlich spielen die optischen Reize bei einem Kombi nicht die wichtigste Rolle. Aber, verstecken braucht sich der Löwe nicht, zumindest nicht vor allen seinen Konkurrenten.

Und auch der zweite wichtige Punkt bei einem Fahrzeug dieser Klasse ist gut - der Kofferraum. 1440 Liter schluckt das Gepäckabteil des 508 SW maximal, das kann sich durchaus sehen lassen. Und auch sonst gibts ausreichend Platz. Insbesondere Fahrer und Beifahrer finden nicht nur genügend Raum sondern auch gute Sitze vor. Und vor allem einem weiten Verstellbereich der Sitze und der Lenksäule. Dazu gibts die üblichen Ablagen und eine Spezialität, die sonst eigentlich nur Porsche zu bieten hat. Den Peugeot startet man nämlich mit der linken Hand - ganz weit aussen hats einen Startknopf. Sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber die Franzosen hatten ja schon früher einen Hang zu aussergewöhnlichen Lösungen. Obs praktisch ist? Jedenfalls sagt man bei Peugeot, man hätte sonst keinen Platz für den Startknopf gehabt. Aha, ja dann... Es wurde auch sonst aufgerüstet im Innenraum. Multimedia- und Navisystem mit Touchscreen, Rückfahrkamera und ein Toter-Winkel-Warner im Aussenspiegel integriert - hier hat man im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich aufgerüstet.

Mehr als..., Fahrbericht Peugeot 508 2026
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Und auch bei der Verarbeitung hat man nachgelegt. Der Innenraum wirkt stimmig aber halt nicht so stimmig wie in einem Auto der germanischen Oberklasse. Von billiger Anmutung kann aber keine Rede sein. Hinzu kommt die selbst in den Basisversionen recht gute Ausstattung und die grosse Auswahl an Motoren und Getrieben. Hier sticht vor allem ins Auge, dass Peugeot voll auf die Karte Automatik setzt. Den 508 bekommt man mit fast allen Motoren in Verbindung mit einer Sechsstufen-Automatik. Auch hier, sechs Stufen sind sicher nicht der Entwicklung letzter Schluss (neun Gänge gibts ja bereits...), aber es reicht völlig aus um bequem unterwegs zu sein. Und dies erst noch auf einem erfreulich geringen Drehzahlniveau. Der 1600er-Benziner zum Beispiel der aus vier Zylindern 165 PS schöpft benötig fürs Autobahntempo gerade einmal 2000 Umdrehungen. Das ist gut für den Gehörgang (dazu später mehr) und für die Geldbörse des Fahrers, denn geringe Drehzahl geht meist mit geringem Verbrauch einher.Traditionell gut sind die Diesel der Franzosen.

Mehr als..., Fahrbericht Peugeot 508 2026
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Sehr Laufruhig und auf Wunsch mit mächtig Dampf (bis zu 200 PS), das Angebot an Antriebsquellen ist mehr als ausreichend. Dazu gibts nach wie vor die Hybridversion, welche allerdings in der Schweiz eher ein Mauerblümchen-Dasein fristet.  Zurück zum 1,6-Liter Benziner, der neben den 165 PS auch noch 240 Nm auf die Kurbelwelle bringt. Der kleine Motor ist mit dem grossen Auto (Leergewicht 1505 kg mit Automatik) meist nicht überfordert. Einzig wenn man das Turbotriebwerk richtig fordert wird der Kleine dann richtig: laut. Und zwar nicht schön laut, sondern unangenehm laut. Ein richtiger kleiner Brüller dieser 1600er. Aber eigentlich ist es gar nicht nötig den Motor an die Brüllgrenze (bei ca. 5000 Umdrehungen) zu bringen. Denn im obersten Drehzahlbereich wird der Motor nur lauter, das Auto aber kaum schneller...

Ganz fein ist der grösste Selbstzünder im Programm. Der unter dem Label «GT» verbaute 2,2 Liter leistet satte 204 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 450 Nm. Das reicht natürlich nicht, um in der Oberklasse einiger anderer Hersteller mitzuspielen, aber das ganze Paket wirkt schon ziemlich souverän. Zumal auch hier die neuentwickelte Sechsstufen-Automazik ihren Dienst ganz hervorragend verrichtet. Klar, den Sieg am Berg wird man mit dem Franzosen nicht einfahren. Dafür ist er auch nicht gedacht. Aber er lässt sich durchaus zügig bewegen, wenn man sich an die relativ hohe Seitenneigung der Karosserie bei flotter Kurvenfahrt gewöhnt hat. Dafür federt der 508 richtig schön ab, nicht Sänftenhaft aber doch sehr bequem. Satt beschreibt das Federungsverhalten des Franzosen wohl am besten.  Auch bei den Preisen kann man sich mit der Konkurrenz messen. Den 508 SW gibts ab 32'600 Franken, mit dem feinen 1600er-Benziner und Automatik (165 PS) kostet er mindestens 39'400 Franken. Die Diesel starten allerdings erst bei 45'300 Franken, auch weil die Selbstzünder nicht in der Basisversion «Access» erhältlich sind. Der schnittige und bestens ausgestattete GT ist ab 52'850 Franken zu haben, die jeweiligen Versionen mit vier Türen kosten 2000 Franken weniger.

Mehr Peugeot gibts im Archiv.

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Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/fahrbericht-peugeot-508-2026/seite_1-2

17 Sep 2014
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Bonn Classic 2014 – Die Oldtimerrallye durch Westerwald und Siebengebirge

2014 fand die Oldtimerrallye BonnClassic bereits zum 12. Mal statt. Wie gewohnt gingen 90 Teams an den Start. Teile des Westerwalds und des Siebengebirges standen sowohl für die sportlich ambitionierten als auch für die touristisches Teams in den Boatrdbüchern. Auch die Variante Touring war erneut eine grossartige Herausforderung.

Bonn Classic 2014 Oldtimer - 15

 

Unsere Fotografen von PhotoAHRT waren an der Strecke unterwegs, um für uns Bilder der vorbeifahrenden Young- und Oldtimer zu schießen!

 

Bonn Classic 2014 Oldtimer - 19Bonn Classic 2014 Oldtimer - 8Bonn Classic 2014 Oldtimer - 13Bonn Classic 2014 Oldtimer - 24Bonn Classic 2014 Oldtimer - 21Bonn Classic 2014 Oldtimer - 5Bonn Classic 2014 Oldtimer - 1Bonn Classic 2014 Oldtimer - 11Bonn Classic 2014 Oldtimer - 20Bonn Classic 2014 Oldtimer - 18Bonn Classic 2014 Oldtimer - 7Bonn Classic 2014 Oldtimer - 9Bonn Classic 2014 Oldtimer - 23Bonn Classic 2014 Oldtimer - 6Bonn Classic 2014 Oldtimer - 10Bonn Classic 2014 Oldtimer - 15Bonn Classic 2014 Oldtimer - 4Bonn Classic 2014 Oldtimer - 14Bonn Classic 2014 Oldtimer - 17Bonn Classic 2014 Oldtimer - 3Bonn Classic 2014 Oldtimer - 2Bonn Classic 2014 Oldtimer - 12Bonn Classic 2014 Oldtimer - 22Bonn Classic 2014 Oldtimer - 16

Mehr Informationen zu Oldtimerrallye Bonn Classic 2014 findet ihr auf der Homepage zur Veranstaltung!

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Original http://germanmotorkult.de/bonn-classic-2014-die-oldtimerrallye-durch-westerwald-und-siebengebirge/

17 Sep 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

100 Jahre Maserati (23), Maserati A6G 2000 Spyder Frua, 1957-1813

Maserati A6G 2000 Spyder Frua, 1957

Heute stellen wir vor: den A6G Spyder von Frua aus dem Jahre 1957 - noch so ein wunderbares Teil.

Von der A6-Reihe von Maserati haben wir nun schon mehrfach geplaudert, etwa von einem A6G von Allemano von 1956, einem ganz frühen A6/1500 von Pininfarina, der so wunderbaren A6GCS-Berlinetta von 1953 . Hier haben wir nun noch ein ganz besonderes Stück, einen A6G 2000 Spyder von Frua, von dem wahrscheinlich drei Stück gebaut wurden. Das hier gezeigte Exemplar hat eine etwas besondere Geschichte: Geboren wurde das Fahrzeug mit Chassisnummer 2054, war der einzige «echte» A6GCS, also 2-Liter-Reihensechser mit drei Weber, etwa 150 PS; die anderen beiden Frua-Spyder verfügten über den etwas lahmeren A6G/54-Motor. Irgendwann verliert sich aber die Geschichte von 2054, wahrscheinlich wurde das Chassis in Südamerika für einen Rennwagen verwendet, doch die Karosserie blieb wie durch ein Wunder erhalten. Und einem echten A6G/2000-Chassis aufgesetzt, Chassisnummer 2190. Also ist der Wagen eigentlich nicht mehr so ganz original, doch er wurde 2013 von RM Auctions «trotzdem» für 2,53 Millionen Dollar versteigert - ein stolzer Preis, auch wenn der Frua-Spyder von einer herrlichen Schönheit ist.
Und nein, kein Schelm, wer bei diesem Frua-Spyder an die Cobra denkt...
Hier: eine Übersicht über die schönsten Maserati der vergangenen 100 Jahre.

Maserati A6G 2000 Spyder Frua, 1957

Original http://www.radical-mag.com/oldtimer/maserati-a6g-2000-spyder-frua_-1957-1813/seite_1-2

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17 Sep 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Der Fusselblogstand / die Bloggerlounge steht!

Irgendwie gehen gerade die Uhren anders - nein, im Ernst, ich hatte für gestern einen Bericht geschrieben und vergessen den abzuschicken, deshalb um einen Tag verzögert der Bericht von Montag - Sorry for that! Natürlich läuft die Automechanika heute schon den zweiten Tag, morgen werde ich davon einiges berichten.

Vorgestern war ich auf dem Messegelände, um den Stand zu vervollständigen. So steht jetzt meine Theke aus Passatteilen wieder mit auf dem Stand.

Messestand

Die Folie auf dem Teppich kommt natürlich noch weg. An den Platzen links im Bild werdeen ab heute auch Laptops stehen, die den Bloggern zur Verfügung gestellt werden, um vor Ort Ah Hoc Meldungen absetzen zu können. Auch wird es schnelles W-Lan am Stand geben.

Den EuroHotRd habe ich auch noch geputzt - vornehmlich eigentlich nur die Felgen und Reifen.

Messestand

Schon am Aufbautag sorgt der Wagen für Verwirrung. Irgendwie bleibt fast jeder stehen, gafft, rätselt, was das ist. Meine Lieblingsreaktionen war ein Asiate, der lange Zeit vor dem Stand verweilte und dann fragte: "Which products do You sell for this car?" - nur noch zu toppen von dem Kommentar des Typs, der meinte "FDGB, die Automarke kenne ich gar nicht". Ich auch nicht. Das FDGB Logo auf der Motorhaube ist ein Gag.

FDGB

Das FDGB steht für Freuer Deutscher Gewerksachftsbund und das war der Dachverband der Gewerkschaften in der ehemaligen DDR. Aber wer weiß, vielleicht haben die auch Hot Rods gebaut  ;-)

Am letzten Aufbautag gibt es einen Presserundgang, bei dem ein paar ausgewählte Pressevertreter vorab zu ein paar Highlights geführt werden, um zum Beginn der Automechanika schon etwas berichten zu können. Dabei entstand dieses nette Foto:

EuroHotRod

Ich glaube, das wird eine lustige Messe. Nur an der Getränkefront muss ich noch arbeiten. Wir bekommen am Stand Getränke vom meesseeigenen Catering, allerdings nur alkoholfrei. Aus Vertragsgründen darf ich aber nicht einfach ne Kiste Bier mitbringen und an Freunde ausgeben. Das würde mächtig Ärger mit der Cateringfirma geben. Diesen Detailfehler muss ich noch irgendwie lösen müssen...

 

Original http://www.fusselblog.de/index.php/der-fusselblogstand-die-bloggerlounge-steht?blog=33

17 Sep 2014
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   T Sälzle und M Haub  

Klassikstadt Sonntagstreff__100 Jahre Maserati

Fest in italienischer Hand war die Klassikstadtin Frankfurt am letzten Sonntag. Das monatliche Treffen stand ganz im Zeichen des Dreizacks von Maserati. Die Marke feiert dieses Jahr seinen 100 jährigens Jubiläum und so stand der Innenhof voll mit den verschiedensten Modellen. Auch andere Hersteller waren willkommen und das bunte Kommen und Gehen wurde von Johannes Hübner und Bernd Schulz fachkundig kommentiert.  Cars & Coffee in Frankfurts Eastside, sehr schön! Im 1.Stock stehen auch schon einige Fahrzeuge für die bb Sonderausstellung bereit, die am Sonntag, den 21. September stattfindet. Der bb Regenbogen Porsche, der bb Mercedes Magic Top, der bb BMW Futuro, dem bb Polo und dem bb Moonracer werden erwartet. Am Nachmittag wird Rainer Buchmann sein neues Buch “Innovation Design Emotion” vorstellen, das die glanzvolle Historie von bb aufleben lässt.

Weitere Fotostrecken von Veranstaltungen in der Klassikstatdt:  MainRallyeAuto Zeitung Youngtimer Classic60 Jahre Mercedes Ponton Treffen,PFF PorschetreffenoderSaisonstart 2011.

Klassikstadt 2010.11 und Klassikstadt 2012.11.

Klassikstadt

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Original http://www.formfreu.de/2014/09/17/klassikstadt-sonntagstreff__100-jahre-maserati/

16 Sep 2014
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Faszination: 40 Jahre Porsche Turbo

Spagat, bis der fette Arzt kommt

1974  bis heute, 2014: 40 Jahre gibt es jetzt den Porsche 911 Turbo, und vom ersten bis zum letzten Modell spannte der Turbo den Spagat Alltag-Racing wie kein anderes Auto.

Leistung allein macht nicht glücklich. Das predige ich immer wieder. Ich fahre auf meiner KTM 690 Duke mit 68 PS in den Schwarzwald oder mit meinem Honda Zoomer zum Einkaufen. Der Zoomer ist eine Art motorisiertes Schuhregal, dessen Leistung ich in der Art dieser Omafahrräder mit Elektrounterstützung angebe, um ihrer erdrückenden Einstelligkeit zu entgehen: “DreiTAUSEND Watt!”

Aber ich bin ein metaphorischer Pharisäer, ein Heuchler also für die Nichtbibelfesten. Ich bin wie diese fetten Ärzte, die sagen “jaja, bewech dich mal mehr”. Ich predige Wasser und saufe heimlich V-Power, bis der fette Arzt kommt. Bei Autos kann es mir gar nicht genügend Leistung geben. Als deshalb unerwartet Bjoern anrief mit einem Auftrag “alte Porsche Turbos fahren, mit neuem Turbo S hinfahren”, so zur Feier von 40 Jahren 911 Turbo, da war die Antwort einfach.

Laaangweilig

Faszination: 40 Jahre Porsche Turbo

Das Erstaunlichste am 911 Turbo S ist, wie gänzlich langweilig er sein kann. Er brummt im Alltag leise durch die Stadt, seine Klappen dicht, seine Turbolader durch ständiges Schalten und Kuppeln des PDK auf Drehzahl gehalten für die angesichts der Leistung überraschende Effizienz, die so viele Turbo-911er auszeichnete. Der Testwagen ist rentnersilber, wie er wahrscheinlich am häufigsten bestellt wird. Das im Vergleich zum eh schon gewachsenen 911-Sauger längere und breitere Fahrwerk mit Porsches lamellengekuppeltem Allradantrieb lässt sich nur mit viel Gewalt aus der Ruhe bringen, niemals unabsichtlich. Man kann bis über 300 km/h im Radio den Intendant der Semperoper auf DLF hören.

Wenn ich noch 100 Jahre fleißig spare und vielleicht ein, zwei Hedgefonds gewinnbringend in den Boden ramme, dann bin ich an dem Punkt, an dem ich mir a) einen Turbo S vielleicht leisten könnte und an dem mir b) die genannten Eigenschaften sehr wichtig werden. Aber solange ich noch nennenswerten Blutdruck habe? Hm. Um das Problem zu ergründen, verlasse ich die Autobahnen, die Städte, begebe mich auf einen einsamen Alpenpass und drücke auf den Knopf, auf dem “Sport” steht. Und plötzlich reißt der Turbo mich mit, physikalisch wie emotional. Mein lieber Herr Konkursverwalter, das ist gannnz schlecht für mein Herz und meinen Führerschein.

Dieses Auto ist das, was in der englischen Sprache so viel besser funktioniert: relentless. Es gibt im Alltag praktisch keinen Punkt, an dem der Motor nicht mit seinem unnachgiebigen Drang in Richtung c [1] am Ende wäre. Er bellt und brüllt und über allem liegt das Schlürfen der Turbolader. Manchmal fiept es auch. Wastegates? Egal was, es ist ein echtes Geräusch, in einem Porsche-typisch technonerdigen Auto. Und genau dieser Spagat zwischen “Laaangweilig bequem” und “Oh mein Gott!” war immer die Stärke des Turbos. Man konnte ihn in Egos vernichtender Weise auf der Rennstrecke einsetzen. Man konnte ihn allerdings auch danach mit Bleifuß auf Achse heimfahren, den Rants des Semperoperintendanten lauschend.

Faszination: 40 Jahre Porsche Turbo

Petition: Schweiz abschaffen

Porsche hat zur Feier des Turbo-Jubiläums eingeladen in die Schweiz. Die Schweiz! Warum? Die Schweiz hasst das Auto an sich. Dort mit Turbo-911ern aufzukreuzen ist wie im genital ausgeschnittenen Darkroom-Kostüm in Lack auf dem katholischen Kirchentag aufzumarschieren. Das MUSS doch Ärger geben. Nun sehe ich mich als eine Art Textsöldner. Solange mir jemand einen entsprechend dotierten Auftrag erteilt, fahre ich mit 560 PS in die Schweiz oder mit nacktem Pimmel auf den Kirchentag. Aber langfristig sollten wir die Schweiz schon abschaffen und die Straßen dort als Rennstrecken ausweisen.

Denn die Straßen sind toll. Und man ist schnell in Italien. Rückspultaste, Porsche 911 Turbo Generation 993, mit der Werksleistungssteigerung auf 450 PS. Der 993 zeigt den Turbo-Spagat von der anderen Seite: Zuerst zeigt sich eine sehr straffe Seite, die in mir den Wunsch erweckt, die Schweiz wäre schon eine Rennstrecke. Das wirkt alles noch heute sehr rennig, sehr arg. Als ich nach langen 30 Minuten endlich die Kupplung bedienen kann, offenbart der 993 jedoch seine Touri-Seite: Wie er schon 1998 auch für Drehmoment von unten heraus sorgte, wie untertourig brummend man ihn durch den dichten Verkehr der Küstenstraße am Lago Maggiore gen Italien fahren kann, die Trittsicherheit des Allradantriebs, das hat schon viel von einem GT-Wagen. Und trotzdem hat ein Ami mit der S-Version beim 1998er-Rennen am Pikes Peak den Sieg eingefahren. Glaubt man drin sitzend sofort.

Faszination: 40 Jahre Porsche TurboFaszination: 40 Jahre Porsche TurboGeneration: Ladedruck.

Die zwei Kanonenrohre

Zum nächsten Skip in Richtung Vergangenheit ein Bekenntnis: Ich bin noch nie einen alten 911er gefahren. Der erste Eindruck im 964 ist daher der, den alle in alten 911ern haben: Die flache Fronthaube liegt unsichtbar unter der Fensterkante, das Lenkrad bewegt diese zwei Kanonenrohre im Sichtbereich, die als Anzeiger der Fahrzeugdimension dienen, und das Geschütz äh: Fahrzeug dreht über seinen Massenschwerpunkt, der da hinten Richtung Heckmotor liegt. Auf einmal verstehe ich diese alten Männer mit ihrem 911er-Fetisch! Genial. Wieso geht das heute nicht mehr? “Weil Fußgängerschutz”, sagt der Porschemann. Den Fußgängerschutz sollten wir gelegentlich auch abschaffen, zumindest auf der Rennstrecke “Schweiz”. Fußgänger haben auf der Strecke zum Rennbetrieb eh nichts verloren.

Wie die Sicht auf die beiden Rohre mit den Lampen drin war früher generell die Sicht im kleinen Glashaus hinter der steilen Windschutzscheibe sehr viel besser. Da kenne ich die Antwort selber: “Weil Insassenschutz.” Ich möchte die Anmerkung machen, dass besser nach draußen sehen können, weil nicht überall armdicke Stahlstreben voller Airbags hängen, auch eine Art Sicherheit ist, und zwar eine aktive.

Vom Fahrverhalten gefällt mir der 964 am besten an diesem Tag, um mal den nächsten Skip vorwegzunehmen. Er stampft aus den Ecken, sein Motor hat außer mehr Leistung (320 PS) vor allem eine fleischigere Mitte als der Vorgänger und der Heckantrieb mit Sperrdifferenzial ist für mich als Motorradfahrer im Erlebnis einfach interessanter als der die Kurven schienende Allradantrieb. Selbst für heutige Verhältnisse kann es der 964 richtig krachen lassen, und (typisch 911 Turbo): Da ist dennoch diese elektrische Sitzverstellung, die Klimaanlage, das Radio, ein Airbag, ein ABS, ein leiser Drehzahlkeller. Nur kann ein Auto aus den schlimmen Neunzigerjahren des Automobilbaus nie das schönste in der Ahnenfolge sein.

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Früher, als alles besser schien, weil wir noch besser waren …

Nein, der schönste 911 Turbo hier ist der älteste 911 Turbo hier: der von 1978 bis 1989 gebaute nämlich, der 930 mit dem 3,3-Liter-Motor. Da sind die Kanonenrohre mit der steilen Schiebe dahinter am ausgeprägtesten, da steht die barock geschwungene Karosserie im schönsten Kontrast mit dem schlichten Bauhaus-Balken, der die Rücklichter integriert. Schöner wurden die Rücklichter nicht mehr, trotz allem Fortschritt in der Leuchttechnik. Dieser Porsche zeigt am besten die Froschartigkeit, die Porsches 911-Gestaltung für mich als Froschfreund ausmacht: breite Schenkel hinten, große Glubschaugen vorne und dazwischen wie Sprungfedern gespannte Linien.

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Der älteste Motor muss natürlich am klarsten auf einer Turbinendrehzahl gehalten werden, die Ladedruck schaufelt. Ab so etwa 3500 U/min geht es voran. Darunter hat der Motor zwar sehr gute Manieren, aber wenig Druck. Das bedeutet: Überholen im zweiten Gang auf der Landstraße, und überhaupt habe ich den Dritten nur zum Cruisen verwendet. “Das muss man halt noch FAHREN”, sagte ein Kollege aus der Schweiz, wobei ich schon von der fahrerischen Einfachheit des ersten Turbo verblüfft bin. Denn eigentlich MUSS man das überhaupt nicht fahren; der Wagen stellt sich perfekt auf gemütliches Cruisen ein. Man KANN das aber fahren. Und wie. Selbst ganz objektiv im Vergleich zu den modernsten Autos ist der 3,3-Turbo ein sehr schnelles Auto. Selbst im Vergleich zum neuesten Turbo: Ja, ich würde im 3,3 sehr bequem nach Hause kommen.

Jetzt klinge ich schon wie die ganzen anderen alten Männer, also die, die immer sagen, was alles “kein echter Porsche” sei. Fun fact: Selbst der 911 war einmal “kein echter Porsche” in den Augen solcher alten Männer. Das ist ja eh irrelevant, denn alte Nörgler kaufen keine Autos, sondern schreiben nur in Foren, was die Anderen nicht kaufen sollen. Es bleibt der Umstand, dass es heute, im Guten wie im Schlechten, keine neuen Autos wie den 3,3 mehr geben kann. Die Hersteller müssen ihre Baureihen den jeweils aktuellen Regeln anpassen. Porsche hat das nie geschadet, im Gegenteil. Abgasvorschriften? Da bauen wir was. Und plötzlich ist ein 911 Turbo das Serienauto mit der weltweit saubersten Verbrennung. Die Regeln haben neben dem technischen und gesellschaftlichen Fortschritt dazu geführt, dass jede Generation des Turbo ihren eigenen Charakter prägen musste. Nur der tiefe Spagat wird wohl immer erhalten bleiben.

Text: Clemens Gleich, Fotos: Porsche Presse, Clemens Gleich
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Lichtgeschwindigkeit

 

Original http://mein-auto-blog.de/faszination-40-jahre-porsche-turbo-77440/

Created Dienstag, 16. September 2014 Tags 40 jahre | 911 | Automobilblog News | Björn Habegger | Clemens Gleich | jubiläum | porsche | schweiz | Titelthemen | Turbo Document type Article
Categories Timeline Author Bjoern Habegger
15 Sep 2014
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Sound-Check, radical14 (5)-1555

radical14 (5)

radical14

Zur Einstimmung empfehlen wir einen Text, den wir kürzlich auf der sehr geschätzten «PS-Welt» veröffentlichen durften. Lesen Sie: hier. Sehen Sie den folgenden Text als Fortsetzung, Ergänzung an, denn wir haben bei #radical14 ganz neue Erkenntnisse gewonnen.

Am Eingang des kleinen Rundkurses von Lignières hängt ein Schild: 95 db max. Wer lauter ist, der fliegt raus. Das ziehen die durch, das ist bekannt. Also mal ganz vorsichtig herantasten, ein paar Runden mit dem Alfa 4C, von dem wir ganz subjektiv das Gefühl haben, dass er schon so ein bisschen ein Krawallbruder ist. Die Strecke ist nass, ganz übles Angasen ist also eh nicht, wer einen Gang höher fährt, ist wahrscheinlich sogar schneller als mit dem Messer zwischen den Zähnen. Beim Anbremsen vor der schnellen Geraden wird gemessen, also dort ganz brav durchrollen: 94,9 db. Echt jetzt, kein Scherz.

Drei Stunden später, wir sollten sowieso langsam weiter. Fabian schnappt sich noch den Ferrari, findet irgendwie den zweiten Gang nicht, will aber anscheinend trotzdem Bestzeit fahren. 104,5 db. Wir sind raus. Tja - wer nicht hören will...

Dazwischen: dann steht man so am Pistenrand. Hört einfach ein bisschen zu. Man kann ja auch nicht immer nur drin sitzen und selber ballern. Und so eine abgesperrte Piste bietet sich ja an für einen Sound-Check.

In alphabetischer Reihenfolge:

Alfa 4C: grossesgrosses Kino, ist zwar ein Turbo und hat nur vier Zylinder, bietet aber die ganz grosse Show, knallt, schiesst, böllert, röhrt - schön, so muss es sein.

BMW M4: von aussen ganz ok - sechs Zylinder, vor allem bei hohen Drehzahlen erstaunlich fröhlich. Zumindest von aussen.

Corvette C7: klassischer V8, grosser Hubraum - aber von aussen erstaunlich leise in diesem Vergleichsfeld.

radical14
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Ferrari 458 Speciale: der König, wunderbar laut, ok, sehrsehr laut, wir flogen dann seinetwegen von der Strecke. Aber das haben wir ja schon erwähnt.

Jaguar F-Type Coupé R: von aussen auch ganz gut, er schiesst und knallt, V8, grosser Hubraum, Sound-Engineering, wenn man aufs Knöpfchen drückt.

McLaren 650S Spyder: so ein bisschen eine Enttäuschung, hat das gleiche Problem wie der California T, viel zu monoton, viel zu freundlich.

Porsche 911 GT3: ganz nett, das übliche Porsche-Sechszylinder-Boxer-Geschepper, hat auch Sound-Klappen, dann wird er ziemlich garstig.

Subaru WRX STi (war nicht mit dabei in Lignières)

Tesla Model S85+ (war nicht mit dabei in Lignières)

Volvo V60 Polestar: erfreulich - und der Beweis, dass ein Reihen-Sechszylinder einfach wunderbare Geräusche macht.

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To be honest: von aussen ist unser Ding nicht. Wir fahren ja lieber selber, erstens, und zweitens: zuschauen, zuhören, das überlassen wir ja gerne jenen, die nicht selber können.

Tobi pflegt einen etwas ruppigen Fahrstil. Eigentlich ist es ja unerträglich, wie er fährt. Kaum sieht er einen Tunnel, schaltet er maximal runter. Das kriegt man auch mit, wenn man zehn Autos vor ihm fährt. Tunnel = Tobispinnt. In der Schweiz gibt es noch so manch einen Tunnel. Einmal hatte ich das Pech, als Beifahrer auf der falschen Seite zu sitzen. Dies unglücklicherweise im Ferrari. Tobi sieht den Tunnel, haut den 458 Speciale vom 7. in den 2. Gang runter, der Tunnel beginnt, er beschleunigt voll, schaltet hoch, Kopf knallt nach hinten, er schaltet wieder runter, Kopf knallt nach vorne, er schaltet wieder hoch, etc.. Manche Tunnel in der Schweiz sind ziemlich lang. Tobi konnte im Ferrari auch - furzen. Weil der Italiener so unglaublich schnell auf Bewegungen am Gaspedal reagiert, genügt ein kurzer Druck, auch im 7. Gang, und schon - furzt er. Tobi machte diese Fussbewegungen eigentlich bei jedem Auto, das er auf der Autobahn überholte. Wie geschrieben: er pflegt einen ziemlich ruppigen Fahrstil.

To be honest: von aussen ist unser Ding nicht. Wir fahren ja lieber selber, erstens, und zweitens: nebenansitzen, zuhören, das überlassen wir ja gerne jenen, die nicht selber können. Ganz besonders dann, wenn Tobi rumruckelt.
Also gut, dann also meine eigenen Betrachtungen. Von innen. In nicht-alphabetischer Reihenfolge. Mehr so - aber Ihr versteht mich schon.

Tesla Model S85+: tja, was gibt es dazu zu schreiben? Ist halt elektrisch, tönt folglich nicht. Ausser: man fährt rückwärts. Der Tesla hat ganz andere Stärken.

Subaru WRX STi: vier Zylinder, Boxer, Turbo. Die Subaru haben ab Werk noch nie besonders gut getönt - für den richtigen Sound, dieses fiese Knurren, dafür ist die Zulieferer-Industrie zuständig.

BMW M4: von aussen ist ja ganz ok, siehe oben. Bei hohen Drehzahlen - wir meinen: 7000/min - geht es auch ganz gut, da jubelt er. Wird laut, wird wild. Doch traurig ist es, wenn man einfach so ein bisschen fährt: da ist gar nix los. Kein Blubbern, mehr so: Staubsauger. Von einem bösen BMW darf man mehr erwarten, oder?

McLaren 650S Spyder: hat ein ähnliches Problem wie der BMW, aber anders geartet. So im täglichen Strassenverkehr ist er brav, sehr brav, fast schon ruhig. Oder: langweilig? Wenn man ihn dann fordert, wird es besser - aber laut wird er eigentlich nie. Very british. Und: Turbo. Wie andernorts geschrieben: durch die Lader müssen die Winde gebündelt und vor allem ganz klar definiert, sonst funktioniert das Zeugs nicht perfekt. Und der McLaren macht ja alles ziemlich perfekt. Was ziemlich charme-frei ist. Immerhin hat er einen fiesen Keuchhusten, wenn man die Kiste des Morgens nach einer kalten Nacht zum Leben erweckt.

Jaguar F-Type Coupé R: too much, sorry, my dear. Also: wir lieben ja den Lärm. Aber bitte nicht irgendeinen Lärm - und bitte, bitte ohne Sound-Engineering. Wenn man beim Jag aufs entsprechende Knöpfchen drückt, dann wird er zu einem fiesen Proleten - und das muss irgendwie nicht sein. Denn dann rennen einem die Bauern mit den Mistgabeln hinterher und die Kinder verziehen sich in den dunklen Keller. Es ist alles zu viel, beim Hochdrehen das Röhren, beim Herunterschalten die zwei Liter Benzin, die überschwappen und explodieren (plus etwa ein halber Liter Öl). Ja, das ist lustig, am ersten Tag, am zweiten schon weniger, ab dem dritten nervt es nur noch. Andererseits: dort draussen auf dem Rundkurs, wenn alle Hemmungen und Hüllen fallengelassen werden können, dort ist es ziemlich: gut. Aber...

Porsche 911 GT3: auch der Porsche hat ein Schalterchen, das gibt bei mir: Abzug. Der Porsche hat nur sechs Zylinder, das gibt bei mir: Abzug. So richtig böse wird er erst bei hohen Drehzahlen, das ist absolut ok. Und dass er scheppert, ganz mechanisch, das ist die Musik, die wir hören wollen. Das Podest schafft er trotzdem nicht.

Corvette C7: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, auch in Sachen Sound nicht. Die Vette ist wunderbar ehrlich, blubbert schön im Leerlauf, kreischt, wenn sie getrieben wird. Im Vergleich mit den wirklich bösen Kisten ist sie aber - zu ruhig, zu wenig exorbitant, zu wenig böse.

Volvo V60 Polestar: es ist mehr die Überraschung als der wahrhaft empfundene Sound, die den Schweden (bei mir) aufs Treppchen bringt. Einverstanden, Reihensechser, das ist halt schöne Musik, Wohlklang. Doch es halt auch richtig gut gemacht, schön linear, der Gasfuss schreibt die Noten, der Pilot ist der Dirigent. So muss das sein. Wäre der Volvo noch ein bisschen lauter, böser, dann - nein, dann wäre er auch nicht weiter vorne.

Alfa 4C: der Alfa ist schon laut, wenn er nur parkiert. Den Nachbarn fallen die Plomben aus dem Gebiss, wenn man die Kiste startet. Er röhrt und stottert und knallt und lärmt, er saugt viel Luft und bläst sie irgendwie unkontrolliert von sich, er macht unnötige Geräusche; er ist ein Krawallbruder. Und oberhalb von 5000/min ist so ein bisschen, als ob man einem von Flöhen geplagten Strassenköter in die Weichteile tritt, AC/DC meets schlecht gelaunte Celtic Frost - und es ist einfach nur: gut. Weil: ehrlich. 4-Zylinder-Turbo können keinen anständigen Lärm machen? Falsch. Sie können. Wenn man nur will. Und keine Sound-Aktuatoren verbaut.

Ferrari 458 Speciale: der König, again. Von aussen, von innen sowieso. Lauter als alle andern, nicht nur im subjektiven Empfinden. Himmel, 104,5 Dezibel - da werden Konzerte verboten. Doch es ist eben nicht unangenehm, es ist das wahre Leben, die Maschine arbeitet direkt am und in den Gehörgang, es ist Mechanik, es ist pure Wolllust. Da braucht es keinen Extra-Zutzel beim Herunterschalten, die Weisswurst häutet sich von selbst, die dritten Zähne bleiben freiwllig drin, denn sie wollen dabei sein bei dieser Oper. Möchten wir das jeden Tag, auch beim Brötchenholen am Morgen? Jaaaa, bitte.

Das Video von V12media zum Ferrari 458 Speciale - da hört man ihn. Und hier sieht man ihn im bewegten Bild.
Was meinen denn Sie - zum Sound? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

radical14


Original http://www.radical-mag.com/forum/radical14-_5_-1555/seite_1-2

15 Sep 2014

Lackiererei aus Neuwied gibt VW Corrado Restauration das perfekte Finish

Als Vorsitzender der Young- und Oldtimer IG in Neuwied bescheinigt man Alex ganz sicher eine große Affinität zum klassischen Automobil. Neben seiner Leidenschaft zu klassischen Renault zählt auch ein VW Corrado G60 zum Fuhrpark des Schraubers. Schon seit seiner Geburt in Familienbesitz, war es nun an der Zeit dem Wolfsburger Sportwagen zu neuem Glanz zu verhelfen. Als Förderer der IG und bekannter Profi um den Lack zeichnete sich für die Restauration am Blechkleid ganz klar die Fahrzeuglackiererei Nalbach & Hinkel aus Neuwied aus.

VW Corrado Restauration Neuwied Nalbach Hinkel

Lackiererei Nalbach & Hinkel lackierte VW Corrado perfekt.

Seit der Geburt in Familienbesitz

Schon seit Anbeginn seines langen Autolebens befindet sich der VW Corrado G60 von Alex in Familienhand. Anfänglich noch von Vater und Mutter gefahren, wechselte der 160 PS starke Sportler nach einigen Jahren in den Besitz von Alex. Auch dort wurde er artgerecht gehalten. Ein G60 braucht den Auslauf, welchen Alex dem roten VW gerne spendierte. Auch anfänglicher Alltags- und Winterbetrieb im Autoleben gingen nun nicht spurlos an dem Wagen vorbei. Parkrempler und Co blieben nicht aus.

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Restauration bei Lackiererei in Neuwied

Alex ist sich sicher, dass er den Wagen bis ins hohe Autoalter behalten möchte. Wenn der Wagen am 18.04.2019 die 30-Jahre-Hürde erreicht hat, soll er auch auf die 07-Nummer genommen werden. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf reifte in dem Young- und Oldtimerfan die Entscheidung dem Wagen ein Lackupdate zu verpassen. Die Wahl der Lackiererei fiel ihm hier nicht schwer. Clubkollege Jörg Hinkel, ebenso ein begeisterter Young- und Oldtimerfan, leitet nun schon in der 5. Generation ein 15-köpfiges Team rund um den Lack. Bei Nalbach & Hinkel in Neuwiedlackiert man noch mit Leidenschaft und weiß um die Wertigkeit einer hochwertigen Lackierung. Und dies nicht nur bei einer Restauration. Profis rund um Karosserie und Lack eben. Das wusste natürlich auch Alex.

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Perfekte Umsetzung

Langer Rede kurzer Sinn: Für die Restauration des Youngtimers ging es zur Neuwieder Lackiererei Nalbach und Hinkel. Hier wurde der komplett zerlegte Wagen des Architekten peinlichst auf die Lackierung vorbereitet. Parkrempler und kleine Dellen wurden behandelt. Anschließend wurde der Volkswagen im originalen Tornadorot lackiert. Von der Karosserie her wurde der Wagen komplett original gelassen. Lediglich die Gummilippen an den Türen wurden nach der Lackierung weg gelassen. Das Ergebnis der Restauration und Lackierung beschreibt der Neuwieder mit nur einem Wort: "Perfekt! "Mehr muss man an dieser Stelle dann wohl auch gar nicht mehr sagen, wenn dieses Wort noch dazu aus dem Mund eines Enthusiasten kommt!

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Saubere Arbeit und ein gutes Gefühl bei Nalbach & Hinkel in Neuwied

Nalbach & Hinkel in Neuwied ist übrigens mehr als nur eine herkömmliche Lackierei. Neben Lackierungen von Motorrad und PKW werden hier auch LKW, Busse, Wohnmobile, Boote und sogar Hubschrauber lackiert. Die für Oldtimerrestauration oftmals notwendige Sandstrahl-Entrostung ist hier ebenso aus einer Hand möglich. Das Portolio reicht von der Fahrzeugaufbereitung über den Spot Repair und dem lackschadenfreien Ausbeulen bis zur Karosserie-Instandsetzung. Auf über 4000qm Betriebsfläche bieten die Profis um den Lack in Neuwied wahrlich alles, was das Autoherz begehrt. Wer eine Restauration eines Oldtimers plant, der findet in Jörg Hinkel einen Gleichgesinnten mit Leidenschaft und Affinität rund um die Welt der Young- und Oldtimer.

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Lackiererei Nalbach Hinkel Neuwied Restauration - 4

 

 

Germanmotorkult Firmen-Info

Nalbach Hinkel Lackiererei Neuwied
 
 
 
 
 
 
Allensteiner Straße 18
56566 Neuwied
Telefon: 02631358033
 
 
mailto: service@nalbach-hinkel.de 
web: www.nalbach-hinkel.de

--

Clubhomepage: Young- & Oldtimer IG Neuwied

Mehr Bilder zum VW Corrado von Alex und der Lackierung bei Nalbach und Hinkel in Neuwied findet ihr natürlich hier in der Bildergalerie.

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Original http://germanmotorkult.de/lackiererei-aus-neuwied-gibt-vw-scirocco-restauration-das-perfekte-finish/

 
15 Sep 2014
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Teaser - Vw Brüder Treffen - 2k14

Teaser - Vw Brüder Treffen - 2k14

O Vw Brüder Treffen surgiu em 2013 em Minas Gerais, reunindo entusiastas, colecionadores e apreciadores de modelos do Grupo Volkswagen.
Descrição
O Vw Brüder Treffen surgiu em 2013 em Minas Gerais, precisamente na Praça Melo Viana, na cidade histórica de Sabará, reunindo entusiastas, colecionadores e apreciadores de modelos do Grupo Volkswagen.

Em um ambiente amistoso e agradável, os participantes tiveram a oportunidade de fazer novas amizades, apreciar belos exemplares que circulam pelas cidades do "mar de montanhas", além de trocar ideias e incentivar o surgimento de novos projetos automobilísticos de qualidade.

Em 2014, o evento será realizado na cidade de São Brás do Suaçuí em MInas Gerais, nos dias 31/05/2014 e 01/06/2014.
Entre no site http://vwbrudertreffen.blogspot.com.b...
e verifique o regulamento.
Inscrições no site http://www.leofoto.com.br/
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/Teaser_-_Vw_Br__der_Treffen_-_2k14.html

15 Sep 2014
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VW Fusca 69 RagTop - Belisário Lobato

VW Fusca 69 RagTop - Belisário Lobato

Belisário Lobato! Assim foi batizado este Vw Fusca 69 por Tamires e Wagner (Cabeça), que além de serem um casal apaixonados, também amam este lowbug.
Aos fins de semana é sempre uma alegria e satisfação para os dois sairem para um "rolezinho" por ai junto com o Belisário. O carro é um sucesso por todas as ruas onde passa em Belo Horizonte. Por diversos momentos durante as filmagens e fotos, pessoas paravam e admiravam o Belisário.
Então, convidamos você para assistir ao vídeo.
Um abraço!
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/VW_Fusca_69_RagTop_-_Belis__rio_Lobato.html

Mehr lesen von : Jens Tanz

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24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
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12 Sep 2014
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Kleine Träume mit großer Sonne

Bin ich alt geworden? Spießig oder bequem? Womöglich VERNÜNFTIG?? :roll: Ein Mittelklasse-Kombi vor einem mobilen Ferienhäuschen. Beides meins, eins gekauft, eins gemietet. Was habe ich früher auf Kombis geschimpft, während ich selbstverliebt auf dem Kofferraumdeckel meines Audi V8 saß. Und was habe ich die Spießer belächelt, die sich auf den Campingplätzen in diese stickigen Plastikbuden eingemietet haben, während ich Ravioli vor meinem Zelt auf dem Gaskocher brutzelte – direkt unter den schnarzenden Zikaden. Nun ja. Wenn das Leben selbst einem Bärenfallen vor die Füße legt und parallel der Himmel mit Barrikaden versperrt wird freut man sich mit 43 über Platz im Auto, noch mehr freut man sich über ein Dach, einen Kühlschrank und ‘ne eigene Dusche. Ein ganz normaler Tag am Mittelmeer.

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Weizenmehl, O-Saft und Kaffee

Frühstücken Sie eigentlich regelmäßig? Ich selbst bin in den 70ern bei Lehrern mit den Arbeitszeiten von Lehrern aufgewachsen, da war es üblich, dass morgens alle gemeinsam am Tisch saßen. Wir wären die klassische Werbefamilie gewesen – es gab Kelloggs Smacks oder frisch aufgeknusperten Golden Toast, drauf war gute Butter und Schwartau Extra Konfitüre, Nutella oder Grafschafter Goldsaft. In meiner Tasse schwappte Uelzena Schlauchmilch mit drei Löffeln Suchard Express (mit den Vitaminen A, B1, B2 und C) drin, und Sonntags kamen die Knack & Back Hörnchen direkt aus dem Ofen auf das Brettchen. Wenn der Tag so begann, konnte einem eigentlich nicht viel passieren, dachte ich damals. Später habe ich begriffen, dass auch ein gutes Frühstück mich nicht vor den Tiefschlägen menschlichen Zusammenlebens schützen kann, aber diese Erkenntnis hat das Frühstück nicht schlechter gemacht. Hier in Frankreich haben wir sogar NOCH mehr Zeit, denn niemand muss um 8:00 Uhr in der Schule sein, weder auf dieser noch auf der anderen Seite des Pultes. Um 8:00 bin ich sogar der einzige, der schon wach ist und genieße den ersten Kaffee in der aufgehenden Sonne…
Wenn sich irgendwann mal alles Jungvolk aus den Betten geschält, geduscht, rasiert, geschminkt und frisiert hat gibt es Frühstück im Jahre 2014. Frische Croissants und Baguettes, Schokopops mit Milch, Orangensaft, Käse, Wurst, Himbeermarmelade und Nutella. Welches in Frankreich weicher ist als in Deutschland, und nein, das liegt nicht an der Außentemperatur. Dazu trinkt Papi noch fünf weitere frisch gebrühte Kaffees. Zwischenmenschlich ist hier bei uns soweit auch alles im Reinen – dann kann der Tag ja losgehen.

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brav abschließen

Ja – so ein Mobile Home ist spießig, Sie haben völlig Recht, vor allem aus der Sicht eines auch-bei-Schnee-Campers oder aus dem Kaminzimmer eines Dänischen Holzhauses betrachtet. Allerdings bin ich dann wohl ein Spießer geworden, denn ich finde es unerklärlich großartig, das Geschirr einfach in die Spüle zu stellen, Herd und Kaffeemaschine auszumachen, Milch und Wurst und Käse im Kühlschrank zu lagern und heute Abend alles frisch und ohne erobernde Ameisenkolonie wieder vorzufinden. Äh… und es dann natürlich noch abwaschen zu müssen :-( bin ich heute dran? Das kläre ich gleich mal. Auf stabilen Stühlen an einem richtigen Tisch sitzen. Super. Und das alles ist trotz Haute Saison (ganz Frankreich hat JETZT Sommerferien und ganz Frankreich ist JETZT am Mittelmeer) für vier erwachsene Personen einigermaßen bezahlbar. Und hey – die Hütte hat sogar Räder! Um uns rum brummt das Leben, wie es nur auf einem großen Campingplatz brummt. Rechts neben uns sitzen die fünf Belgier schon wieder biertrinkend auf ihrer Veranda, das werden sie regungslos bis heute Nacht tun. Und morgen und übermorgen auch. Gegenüber hüpft der lustige kleine französische Junge deformierend auf dem Dach von Mamas VW Sharan rum, springt dann runter und bemüht sich, Papas Motorrad umzuschmeißen. Links von uns turtelt das junge Pärchen aus der Schweiz, anscheinend frisch verliebt, wenn man der nächtlichen Geräuschkulisse Glauben schenken kann. Hinter uns noch mehr Belgier, die schlafen noch, die waren gestern Abend bestimmt beim Karaokesingen am Pool. Davon hören wir leider nicht viel, wir sind weit genug weg :-)

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eine kleine eigene Welt

Französische Campingplätze sind ein Mikrokosmos mit einer ganz eigenen Art der Gelassenheit und des Miteinanders. Man lässt sich gepflegt in Ruhe. Gefühlt sind wir den ganzen Tag draußen und könnten in der Mittagshitze auf den Betten eine schattige Siesta machen. Machen wir aber nicht. Drin kochen, draußen essen. Nebenan wird gegrillt und der halbe Rasen in Brand gesteckt, na und? In keinem Hotelzimmer hat man diese Atmosphäre, und doch verbuchen wir mit dem Minimalkomfort eines Mobile Home prinzipiell alle Annehmlichkeiten einer kompletten Ferienwohnung. Duschen, spülen, waschen, kochen. Schlimm furniert, nicht groß, nicht schön – aber wer braucht das hier im Süden, wo die Sonne einen rauslockt? Wo es an der frischen Luft nach Pinienharz duftet und in einiger Entfernung das Lachen gut gelaunter Menschen am Pool zu hören ist? Nein danke, liebes Zelt, ich lasse dich auf unbestimmte Zeit trocken eingelagert in meinem Keller liegen. Der alte dicke Diesel hat heute Nacht genau wie wir gut geschlafen, und er soll und jetzt mal ins Zentrum von Agde tragen. Ein bisschen Nippes shoppen, einer von uns will sich noch eine neue Cap kaufen, die Mädels dürstet es nach schicken luftigen Kleidchen und Sonnenhüten und ich… hm… na ja vielleicht finde ich ja ein T-Shirt und ein bisschen leckeren Tabak für mein Pfeifchen heute Abend.

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Einkaufen Teil 1 – das was Spaß macht

Das “Zentrum” dieses Örtchens ist wiederum ein ganz anderes Universum als der 5 Kilometer entfernte Campingplatz. Raten Sie, welches Lied wir in den 10 Minuten auf dem Weg hier her auf Radio NRJ gehört haben…? Immerhin gibt es einen zentralen Parkplatz in der prallen Sonne, auf dem wir tatsächlich jedes mal eine Lücke für das ziemlich breite und ziemlich lange Rolling Home aus Stuttgart finden. Tagsüber schlendern Touristen durch die einzige breite Einkaufsmeile, es gibt bunte Gemüseläden, klingelnde und klöternde Andenkenboutiquen mit bedrucktem Schrott aus China, flatternde Klamottenläden voller wirklich schöner Teilchen (ebenfalls aus China, vielleicht auch aus Indien), frostige Eisbuden und unzählige duftende Restaurants, in die man wortgewaltig zum déjeuner reinkomplimentiert wird. Nein danke, wir haben ja sehr gut gefrühstückt ;-) Alles wird auf der einen Seite von einer großen Bühne flankiert, auf der jeden Tag eine andere Veranstaltung tobt und man sich schon für den Abend-Event vorbereitet. Auf der anderen Seite ist das Meer. Ich glaube, wir kommen heute Abend nochmal wieder und schnuppern mal in das Nachtleben von Agde. Vorher gilt es noch, im Super U (oder ist es ein Mega U? Gar ein Geant U oder Giga U?) draußen im Centre Comercial mit einem unfassbar großen Einkaufswagen den Zwei-Tages-Plan für uns vier abzuarbeiten. Frühstück, Mittags-Snack, Abendessen. Sie würden sich wundern, wie viel da zusammen kommt und wie knapp ein Budget von 50 Euro am Tag sein kann… Vor allem, wenn man nicht immer versteht, was auf den Verpackungen draufsteht. Außerdem erwerben wir noch einen Fußball :-D und meinen Tabak finde ich auch…

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Nahrung für die wilde Horde

Wer ist denn heute Abend mit schnibbeln und kochen dran? In der nicht immer leicht zu übersetzenden französischen Supermarktsprache haben wir uns ganz gut geeinigt auf: Fleisch (porc, boef oder dinde), Reis, Zwiebeln und… Cherry Cola. Ich kaufe nichts, von dem ich nicht weiß, was es eigentlich ist. Nachher hab ich da noch Pferd in der Pfanne oder so :-( Also ZACK alles rein in den Kühlschrank (jajaJAAAA!). Und über den Mittag? Nix Siesta, wir sind noch nicht lange genug hier, um müde zu werden (auch wenn das noch kommen soll….), also schält sich die kleine Familie nebst Freund mit den gut gebauten Alabasterkörpern in die Badeaccessoires und stapft in Richtung synthetisches Wasser. Pools, Rutschen, Wasserfälle und viele viele Liegen. Oh. Das ist hier ja wie in einem deutschen Freibad, es sind alle (nochmal: wirklich ALLE) Liegen mit Handtüchern reserviert, aber es ist kaum einer da. Auch nicht im Wasser. Die sind alle beim Mittagessen oder im Mittagsschläfchen. *grummel* In mir wächst der Wunsch, alle Handtücher bei so viel arrogantem Besitzanspruch runterzuziehen und ins Becken zu werfen. Aber nein :-) Ich bin ja weise und möchte hier noch ein paar Tage länger ungestört leben, also legen wir gut gelaunt unsere Badelaken einfach auf den Boden, stellen fest, dass das viel bequemer als die harten und engen Plastikliegen ist und springen ins lauwarme Nass. Einige tiefer, andere flacher.

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Draußen. Nicht im Hotel oder so

Baden. Plantschen. Schwimmen. Ich fühle mich wohl, solange ich das Ufer in meiner Nähe weiß. Ich war noch nie ein echter Fischkopp des Nordens, Kiel hin oder her, ich segel nicht, ich esse kaum Fisch und ich mag keine langen Reisen auf Schiffen. Aber ich mag Schwimmbecken und Freibäder und das bunte Treiben in ihnen. Die Sonne brät auf unsere noch ein wenig UV-unvorbereiteten Körper, und während die anderen drei gut eingeölten Mitreisenden mit Knopf im Ohr musikhörend in eine andere Sphäre driften (oha – einschlafen in der Mittagssonne, das gibt benommene Blicke) liege ich wach auf meinem Handtuch und lasse mich vom Leben berauschen. Spielende Kinder, lachende Menschen, gut gelaunte braungebrannte Einheimische und schneeweiße rotbäuchige Ausländer. Es riecht nach Chlor und Sonnenmilch, und ständig laufen sowohl höchst attraktive Schönheiten gemeinsam mit abstoßenden Halbnackt-Katastrophen durch mein Bild, Männlein wie Weiblein. Ein spannendes Theaterstück, die Regie führt das große Schicksal eines normalen Urlaubstages. Alle diese Menschen haben ein Leben zu Hause, mit Hoffnungen und Ängsten, Mit Liebe und Hass, mit Freude und Kummer. Und hier, an diesem Pool auf einem Campingplatz in Agde am Mittelmeer, treffen sie sich alle für einen kleinen Moment in ihrem Leben – um zu baden :-)

platsch

platsch

Das war anscheinend so eine Art Telepathie, Tochter 1 und Tochter 2 springen auf und ziehen mich mit zur Steilrutsche, wo man auf vier gleichen Bahnen nebeneinander den Schnellsten unter sich ausmachen kann 8-) Großartig. Unser sympathischer Freund mit der Cap ist gerade ein wenig out of Order. Ich möchte das gar nicht episch auswalzen, aber sagen wir mal so… Es gibt Gründe, warum man nicht vom Beckenrand springen soll. Und so ein echt Eindruck schindender mackeriger Steilköpper vom Beckenrand hoch in die Luft und tief ins Wasser ist nie eine gute Idee. Vor allem nicht mit den Händen auf dem Rücken. Hätte er mal die Cap aufgelassen. Seit sie ihn aus der Krankenstation rausgelassen haben liegt er ein wenig benommen im Schatten rum und sieht alles doppelt. Es wird wohl eine kleine Harry Potter Narbe auf der Stirn bleiben, cool, so kann man sich natürlich auch die Andenken aus dem Souvenirshop sparen. Und Tattoos sind viel zu teuer. Alles richtig gemacht.

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Familie Badefreud’

Genug Sonne. Irgend jemand hat mir mal gesagt, man soll das vor allem an den ersten Tagen nicht übertreiben, und da sind auch so ein paar doofe Wolken – also zieht es uns zu einer Alternativbeschäftigung ins “Wohnzimmer”. Vor einem Jahr in Finnland (erinnern Sie sich?) habe ich allen Anwesenden, die schon die Karten selbst halten können Rommée beigebracht. Dieses alte klassische Kartenspiel, bei dem man erst ablegen darf, wenn man 40 Augen zusammengesammelt hat. Meine Eltern (ja, die Lehrer damals) haben mir das schon im zartesten Kindesalter vermittelt und wir haben es bis kurz vor ihrer Scheidung abends am Wohnzimmertisch gekloppt. Später dann, in einem anderen Bundesland mit leicht geänderter Elternbesetzung ging’s weiter mit dem großen Kartenspiel, und auch in den Urlauben haben wir so manchen extrem verregneten Abend in irgendwelchen schwedischen Holzhäusern damit verbracht. Töchterchen klein kann es noch, Töchterchen groß und der Mann mit der Harry Potter Narbe wollen es lernen. Kein Problem. Ein paar Ründchen vorm Kochen schaden sicher nicht. Nebenan ballern die Belgier auf ihrer mitgebrachten Playstation aufeinander und prosten sich zu. Vielleicht habe ich nicht ALLES falsch gemacht :-)

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Rommée statt Counterstrike

Nahrungsbereitung. Essen. Das ist nicht nur notwendig, das kann auch kulturelles Highlight an einem Tag im Mobile Home sein. Während der gute Tag noch mit einem guten Frühstück beginnt endet er hier in Südfrankreich mit einem deftigen Abendessen. Die Ladies haben nicht nur Rommée für sich entdeckt – sie finden auch frische, in Olivenöl angebratene Zwiebeln richtig lecker. Das soll den beiden Männern nur recht sein, wenn noch ein Stückchen Fleisch dazu kommt ist der Abend gerettet. Bevor wir aber so weit sind und schon mal losretten bereiten die Youngster alles vor, schnibbeln und stellen Pött und Pann zurecht, während Vati den Abwasch von heute Morgen erledigt *grummel* Die karge Plastik-Behausung duftet nach Gewürzen und Gemüse, später dann nach britzelndem Fett und scharf angebratenem Rind. Dazu wird ein knackiger Salat serviert, und das alles für weniger als 50 Euro, inklusive dem Frühstück heute Morgen und einem Fläschchen Rotwein (was zugegebenermaßen nur einen Bruchteil der Kosten verursacht hat, weniger als der morgendliche Apfelsinensaft, den man inzwischen als obligatorisch einplant). Nur das mit der Sherry Cola, das dürfen Sie echt keinem erzählen. Ich bin wohl der einzige Mensch auf diesem Planeten, der die mag.

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schnibbeln und manchmal auch weinen

Waah! Und schon ist so ein ganzer Tag fast vorbei. Manchmal rast die Zeit, als wenn sie auf der Flucht vor irgend jemandem ist. Vor wem bloß? Ich bekomme so eine Ahnung, dass es gar nicht sehr lange dauern wird, bis wir vier uns schon wieder ein bisschen traurig angucken und meine Große mit den Fingern einmal schnippt :-( Das ist dann das Zeichen, dass der Urlaub rückblickend in nur einem kleinen Augenblick vorüber gezogen ist. Dann werde ich immer traurig. Dann wird meine Kleine uns anstrahlen und sagen: “Hey, der nächste Urlaub kommt bestimmt!“. Und sie hat recht. Der gut aussehende Typ mit der Mütze steckt sich eine Kippe an. Außerdem ist es noch viel zu früh um melancholisch zu werden, also krabbeln wir ein weiteres mal in den Mercedes und fahren noch einmal nach Agde. Eigentlich nur, um die Stimmung am abendlichen Strand zu genießen und womöglich noch einmal im Meer zu baden. Aber wie sich heute Mittag schon architektonisch angedeutet hat tobt hier Abends der Bär noch viel gewaltiger als tagsüber, Beats und Bässe bumsen, Tänzer und Breakdancer performen auf der Promenade und viele viele Menschen lassen sich mitwippend begeistern. Ist das überall am Meer abends so voll? Krass. Das macht Spaß :-)

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Nochmal zurück auf die Meile….

Ein paar Meter weiter hinter den Dünen liegt der lange Sandstrand fast menschenleer da, klar, die sind alle oben auf der Meile. Am Horizont funkelt die Festung mit dem Leuchtturm, und die Wellen brechen sich träge und sanft in den aufgeschütteten Bunen. Wir bolzen mit dem neu gekauften Ball durch den Sand, toben rum, rauchen, machen ein paar schräge Fotos mit der Kamera und sitzen dann einfach ein bisschen da. Es wird schnell dunkel in Südfrankreich, im Gegensatz zu Finnland. Da ist es irgendwie überhaupt nicht dunkel geworden. Nach so einem wühligen Tag tut es gut, einmal nichts zu sagen, auf den Horizont zu gucken und die Dinge einfach laufen zu lassen. Das Meer rauscht wie eine endlose Melodie, immer wieder neu, ich werde niemals müde dem zuzuhören. Adios, lieber Tag. Du warst gut, auch wenn es leichten Kollateralschaden gab. Wir machen noch ein Bild von uns, irgendwie nennt man das jetzt ja Selfie und es ist voll hip, irgendwie hab ich mich aber schon immer selbst fotografiert und es ist ja auch eigentlich egal, was für Trends welche Namen haben. Ich schwimme die sowieso nicht mit. Dafür fühle ich mich hier viel zu wohl, mit dem Auto am Mittelmeer, umgeben von Menschen, die mir sehr viel bedeuten. Das genügt doch für einen wirklich glücklichen Moment, oder?

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Auch hier wird es irgendwann mal dunkel

So, jetzt aber heim, ab 23:00 Uhr kommt man mit dem Auto nicht mehr durch die Schranke. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz lassen wir Radio NRJ einvernehmlich mal aus. Was tagsüber Spaß macht, kann nach so einem nächtlichen Strandgang die mitgenommene Stimmung platzen lassen, und ich will diese Bilder noch ein bisschen weiter in mir tragen. Stattdessen lasse ich “The Barricades of Heaven” von Jackson Browne laufen. Nein, nicht James Brown, der rumkrakeelende Soulprediger, Jackson Browne ist jemand anderes. Inzwischen ist der auch nicht mehr der Jüngste, das Lied ist von 1996, da war ich knackige 25 Jahre alt. Und die Dame, die im Bild hier oben ihren Freund küsst gab es immerhin schon ein Jahr :-) Das Gute ist ja, dass ich inzwischen sicher bin, selbst einfach nicht älter zu werden. Pha. Niemals. Das passiert nur den Anderen, mir nicht. Dafür gibt es eine Menge Beweise, und auch wenn Jackson Browne inzwischen ziemlich alt aussieht… der sah bestimmt schon immer so aus. Und jetzt lassen Sie uns von was anderem sprechen…

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Zimmer mit Aussicht

Zu Hause. Alle schon im Bett, nur ich noch nicht. Während die winzig kleinen Mücken wie Piranhas meine knusprig braunen Arme und Beine aufessen stopfe ich mir noch meine Pfeife und blicke in die Nacht. Durch die Tür des Mobile Homes fällt ein warmes Licht, lockt weitere Mücken nach drinnen (mit denen wir später noch Spaß haben) und verströmt in mir ein wohliges Gefühl. Vorhin habe ich noch ein bisschen nachdenklich auf Baumarkt-Seiten im Netz rumgeblättert und bin über Hellweggestolpert. Kannte ich gar nicht? Die läuten da schon den Herbst ein, Kaminöfen, Laubsauger, Feuerholz. Das hat mich schon wieder melancholisch gemacht, denn ich weiß momentan gar nicht, ob ich in diesem Herbst noch einen Kaminofen haben werde. Aber das ist eine andere Geschichte, eine von denen, die ich in Kiel lassen wollte. Das klappt leider nicht immer. Aus dem iPhone quaddelt noch einmal Jackson Brown und singt von Seiten, die er umblättert, Jahre bevor er angefangen hat zu lernen. Es gab mal eine Zeit, irgendwann, da hatte man alles noch vor sich. Da waren die wirklich dicken Fehler noch nicht in Gang gebracht und man hatte nicht die leiseste Ahnung, wie viel Scheiße auf einen niedergehen kann, wenn man erstmal “erwachsen” ist. Vielleicht werde ich deshalb nicht erwachsen. Und nicht älter. Vielleicht muss ich noch viel mehr lernen.

Mobile Homes

Notieren Sie, Watson

Aber wie dem auch sei, erst texte ich Sie mit dem unspannenden Tagesablauf einer Familie auf einem Campingplatz zu und fange jetzt auch noch das Rumleiden an, weil früher bestimmt nicht alles besser, aber vieles einfacher war. Früher ist vorbei, genau wie dieser Tag. Morgen ist ein neuer Tag, und er wird wieder viele schöne Sachen hervorbringen, vielleicht auch ein paar nicht so schöne. Wer weiß? Etwas habe ich in den letzten Wochen gelernt: Mein Zuhause ist da, wo die Menschen sind, die ich liebe. Dort komme ich zur Ruhe und kann durchatmen. Diese Erkenntnis ist für den kleinen Sandmann, der schon ein paar mal gegen seinen Willen aus seinem komfortablen Wurzeltopf rausgerissen wurde, existenziell wichtig. Vielleicht erlebe ich deshalb so ein Mobile Home wie eine bewohnbare Metapher für etwas nicht Statisches, etwas nicht Ortsgebundenes, was einem trotzdem Sicherheit und Ruhe spenden kann? Ich bin dankbar dafür und habe erstmals seit Jahren das Gefühl, den Herbst dieses Jahres überleben zu können, ohne mir die Flügel zu brechen.

Und Sie? Sie haben wieder still mitgelesen, vermutlich aus Trägheit nicht mal unten auf “Gefällt mir” geklickt und Sie werden sicher auch nichts kommentieren. Meine Reisegeschichten fangen sich irgendwie immer nicht so viele Kommentare ein, das war schon immer so :roll: Dabei habe ich doch jetzt echt mal was vorgelegt: Frühstücksfamilien, Nachbarn auf Campingplätzen, Shopping-Queens, reservierte Liegen, Kartenspiele, Pools und Verletzungen, Lebensmittelphilosophien und ein tiefer Blick in die Vergangenheit von mir und Jackson Browne. Sprechen Sie mit mir :-) Und wenn Sie mir nur erklären, wo es diese Hellweg Baumärkte gibt – und warum nicht in Schleswig-Holstein.

Sandmann

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Created Freitag, 12. September 2014 Tags Agde | frankreich | Frühstück | Mobile-Home | Pool | Reise Reise | Roadmovie | S210 | Sternstunden | strand | T-Modell | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
11 Sep 2014
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Sur ma Route

Sur ma Route

Un vie de Route

Reisen. Mein Leben lang war der Weg das Ziel, und in der zweiten Hälfte (des Lebens) wird sich das wohl auch nicht mehr ändern. Auch wenn die Wege steiniger werden. Strecke machen. Mit dem Auto, nicht mit dem Flugzeug, denn dann bekommt man ein Gefühl dafür, wie weit man von Zuhause weg ist. Und am Abend gemeinsam sprachlos vor einer Karte aus Papier sitzen und sich über den zurückgelegten Weg unterhalten. Wissen Sie was? Ich habe diese bei mir schräg verknüpften Synapsen an meine Töchter weitergegeben. Statt zu whatsappen, facebooken und twittern sprechen sie mit mir, mal vom Rücksitz, mal vom Fahrersitz. Sie singen die Lieder aus dem Radio mit. Und sie machen Fotos. Auf der Straße von Paris nach Agde, Südfrankreich, Mittelmeer.

Sur ma Route

Echte, also wirklich ECHTE Croissants

Ein guter Tag beginnt mit einem guten Frühstück. War das nicht mal eine Werbung in den 80ern? Egal wann – das stimmt auch 2014 noch, und nichts wäre in der Pariser Morgensonne leckerer als ein frisches französisches Croissant, ein Stück knuspriges Baguette und ein leckerer heißer Kaffee? *hach* Direkt an einer stark befahrenen Hauptverkehrsstraße, die man im Angesicht dieser kalorienreichen Leckereien aber wunderbar ausblenden kann. Nirgends schmecken Croissants oder auch nur ein Stück einfachen Weißenbrots besser als in Frankreich. Kaffee können sie nicht so gut wie die Italiener, aber man muss ja nicht alles können. Wir nehmen noch ein paar Pains Chocolat in einer fettigen Papiertüte mit, für unterwegs, der nächste kleine Hunger kommt bestimmt. Und das Mittelmeer ist noch weit, 750 Kilometer, um genau zu sein. Ich beginne mit dem Chauffieren der wertvollen Fracht, neben mir die sich auf’s Baden freuende Kleine, hinter mir die gute Musik liefernde Große und neben ihr ihre große Liebe, ausnahmsweise mal ohne Cap, aber mit der ADAC Tourset Straßenkarte auf dem Schoß. Denn keine App der Welt kann einem die Entfernungen so schön verdeutlichen wie eine große ausgefaltete Papierkarte. Ich bin begeistert, dass es die noch gibt, inklusive Sehenswürdigkeitenführer und Mauttabelle. Da macht die ADAC Mitgliedschaft ja mal wieder richtig Spaß :-)

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Navigieren wie früher bei Opi noch

Denn die beiden auf dem Rücksitz verfolgen nicht nur den Straßenverlauf der überteuerten Autobahnen, sie lesen uns auch die Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten vor, die auf uns zukommen könnten. Montpellier steht irgendwann auf dem Plan, Daniel Leroc besuchen. Die Große will mal schnell nach Barcelona (das… äh… ist in Spanien) rüber, da ging die Klassenfahrt hin, aber das ist mir zu weit, heute Abend werden wir sicherlich vom Autofahren erstmal genug haben ;-) In unserer Nähe liegt noch Narbonne, außerdem das als Brettspiel in den 90ern ziemlich bekannt gewordene Carcassonne. Und hey – na selbstverständlich wird es wieder einen wundervollen karibischen Tag in den Calanques bei Cassis geben! Das ist diesmal etwas weiter weg, aber der geduldige Daimler wird uns schon tragen. Und es ist eine andere Geschichte. Mein eingeplantes Maut-Budget ist noch absolut im grünen Bereich, der Briefumschlag mit dem Kleingeld in der linken Innentasche der Fahrertür ist prall gefüllt. Obwohl… er alle 40-80 Kilometer, je nach Streckenabschnitt, nach und nach schlanker wird. Immer wenn ich mal so richtig schön lethargisch dem Horizont entgegenträume schleicht sich eine Péage ein, eine Maustelle, wo meist sehr freundliche Menschen den lieben langen Tag sitzen und alle paar Sekunden den durchfahrenden anderen Menschen in ihren Autos Zahlen in die Ohren sagen. Dann das Geld kassieren, dann die Schranke öffnen und sich verabschieden. Ich glaube, ein Job an der Kasse bei Aldi ist dagegen ein echtes Abenteuer.

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Schranke zu, Schranke auf.

Und da kommen sie, sie Worte, die ich nun zum ersten Mal in einem Urlaub höre: “Papa, wenn du willst fahr ich jetzt mal ein Stück…” Ha! Okay, Korrektur, zum ersten mal höre ich sie nicht. Meine Töchter fahren schon etwas länger mit meinen Autos rum, das fing schon mit dem V8 an, als ihr Lebensalter noch einstellig war. Ich bin da ja nicht so, ich mag das… Aber das weiß niemand, ist ja auch alles nicht erlaubt und außerdem ist das noch nie auf einer französischen Autobahn passiert. Deshalb erlebe ich hier doch so etwas wie das erste mal, und dann auch noch legal. Gniihihi :-D Die privatwirtschaftlichen Rennstrecken in Frankreich sind zwar teuer, dafür aber gut in Schuss und mit sehr aufgeräumten Rastplätzen ausgestattet. Irgendwo muss das Geld ja schließlich bleiben. Also soll ich mal das Steuer meiner inzwischen 19jährigen Erstgeborenen übergeben. Geübt hat sie genug, sowohl mit Automatik als auch mit geschalteten Autos. Mein Freund mit der Mütze (nein, sorry, es ist ja IHR Freund) hat sich selbstlos angeboten, das Musikprogramm vom Beifahrersitz aus zu managen. Okay, lassen wir mal die jungen Leute ran.

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Fahrerwechsel. Cool, ich kann mal dösen.

Geht Ihnen das auch so, dass Sie immer ein bisschen seltsam aus der Wäsche gucken, wenn Sie in Ihrem eigenen Auto hinten sitzen? Es gibt ja auch nicht viele Gründe, warum man das tun sollte. Ich glaube das erste mal war das in meinem Taunus Coupé 1991, an dem Tag, als die Probezeit meines Führerscheins ablaufen sollte. Ich war beim Bund, wir waren in einer Pizzaria in Husum lecker essen und ich wollte wegen meines einen Bieres nicht am letzten Tag noch Ärger riskieren – also ließ ich einen Kameraden zurück fahren, der da schon seit Wochen mal heiß drauf war. Schön im Knudsen hinten rechts. Jessas kommt einem ein Auto von hinten rechts auf einmal groß vor! Ich habe es damals sehr genossen. Heute bin ich zwar entspannt, aber schon zu lange unterwegs als dass ich tatsächlich sogar ein kleines Nickerchen machen könnte. Außerdem sitze ich hinten LINKS. Die beiden vorn legen los, ich mache es mir neben meiner “Kleinen” bequem und bin wieder einmal fasziniert vom Platzangebot einer alten E-Klasse. Vor allem, wenn vor einem jemand sitzt, der nicht wie ich 1,90 groß ist :-) Der Verkehr rollt, die Bässe bummsen aus den vier Lautsprechern und ich lerne neue Musik kennen. Immer am Ball bleiben ♫

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Vom Rücksitz betrachtet…

Außer der schon zuvor genannten Hymne von Herrn Forster mit dem Refrain, den einem die Péage-Wächter immer freundlich hinterherträllern scheint hier vor allem in den Radiosendern ein Lied gut zu gehen: “Sur ma Route” von Black M 8-) Ein feines Ding. Wir sollen es noch öfter in diesen Tagen zu hören bekommen. Während die Chauffeuse und ihr DJ vorn mit vorwärtsfahren und Mukke suchen beschäftigt sind und mein Zweier-Teamgegenüber rechts von mir auf ihrem Laptop mit Kopfhörern ein Filmchen inhaliert driften meine eigenen Gedanken über die Grenzen der Autobahn hinaus.

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böse Katze?

Ich frag mich, was wohl meine anderen beiden Frauen, die halbfinnische und die viertelfinnische, gerade machen und in welchen schönen Gegenden sie sich wohl rumtreiben. Ob sie auch grad an mich denken? Puh, zwei Wochen sind echt ganz schön lang… Ich sehe in der Ferne Hochspannungsmasten, die aussehen wie böse guckende Katzen oder Füchse mit abstehenden Schnurrhaaren. Und ich frage mich dabei schmunzelnd, wie lange ich nicht mehr auf dem Rücken in einer Wiese gelegen habe, um in den Wolken über mir Figuren und kleine Geschichten zu entdecken? Wie alt war ich? 8? Vielleicht 9? Auf dem Seitenfenster des Daimlers funkelt die Prägung der Scheibe, ihre Schrift wirft einen Schatten auf das Kunstleder – die Sonne wird intensiver, je weiter wir nach Süden kommen. Ich habe schon einmal hinten links gesessen, ich muss ziemlich klein gewesen sein und fragte mich, was diese Zeichen auf dem Fenster im Audi 100 meines Papas wohl bedeuten mögen. Sie sahen für mich aus wie eine kleine, doppelte Eiswaffel. Die späte, sehr späte Erkenntnis über die tatsächliche Bedeutung einiger als Kind falsch interpretierter Zivilisationszeichen hat mich mal zu einer Geschichte getrieben, die können Sie hier nachlesen:-) Der Diesel schnurrt immer weiter in Richtung Urlaub, und vielleicht bin ich irgendwann doch ein bisschen weggedöst.

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was man so unterwegs entdeckt…

Agde. Es ist später Nachmittag, als wir den Campingplatz am Mittelmeer erreichen. Ich habe nun einen guten Eindruck, wie angepisst M. Leroc gewesen sein muss, als er seinen im camion ausgebüchsten Daniel aus Montpellier abholen musste (wenn Sie nur Bahnhof verstehen lesen Sie die vorangegangene Geschichte). Das war ein ganz schöner Ritt hier runter, nicht auszudenken, wie lange das gedauert hätte, wenn ich nicht den halben Netto-Monatslohn eines Friseurs in Sachsen in die Hände der Autobahnkassierer gedrückt hätte. Überlandstraßen? Routes Nationales? Braucht man nicht. Genug Lebenszeit sur ma route verbracht, jetzt stehen wir (nach ein paar blöden Verfahrern wegen eines schon erwähnten veralteten Navis) vor unserem Mobile Home und sind tatsächlich… angekommen. In Agde. Keine Ahnung wie man das ausspricht. Akte? Ascht? Deshalb sagen wir auch allen wir waren in “Südfrankreich”, das klingt mondäner :-) Seit der Zelterei mit dem Audi V8 Anno 2011haben wir beschlossen, dass zwar ein Campingplatz super ist (und ehrlich gesagt in der Haute Saison in Gallien auch rein finanziell quasi ohne Alternativen punktet), das Schlafen auf dem Boden und das Essen aus Schüsseln voller Kiefernnadeln und Ameisen aber zu den weniger erquicklichen Gegebenheiten gehört. Seit dem wird eine Plastikhütte mit zwei Schlafzimmern, einer Küche und einem Bad gebucht. Mit Kühlschrank und allem, was man so braucht. Das ist nicht wirklich stilsicher, aber es ist auch nicht viel teurer als ein aufgestelltes Zelt – und der alte Reisende hat ein richtiges Bett, Strom und ein Dach über dem Kopf.

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Hallo Zuhause für 10 Tage!

Über diesen Luxus des kleinen Mannes schreibe ich die Tage noch ein bisschen mehr, jetzt werfen wir erstmal unsere Taschen und Klamotten auf die quietschenden Betten, räumen alles grob ein, machen eine kurze Bestandsaufnahme des vorhandenen Inventars (was wahrlich nicht komplett ist, aber man nimmt das hier nicht so genau) und haben ein allererstes, erklärtes Ziel: Wasser. Der Pool, der irre Pool mit Rutschen, Palmen und Badelandschaft ist schon zu. In Agde macht man früh Feierabend, um die Gäste in die Restaurants zu treiben. Egal. Mission: Badeklamotten an, Handtücher geschultert und wieder rein in den staubigen Benz. Klimaanlage auf volle Pulle, das auf Dauer ein wenig Hirnbluten verursachende Radio NRJ einstellen und auf dem Weg zum Strand wieder mal “Sur ma Route” hören. ♫ Und inzwischen ein bisschen mitsingen können – was auch fast alle im Auto machen. Das Leben ist schön :-) Hallo Südfrankreich!!! Wir sind jetzt 10 Tage hier, wir haben ziemlich gute Laune und wir wollen braun werden. Lesen, kochen, baden und ein paar schöne Ecken sehen. Mehr nicht. Die erste schöne Ecke ist der Strand, der sanft ins warme Wasser geht.

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Das Cap d’Agde, vom nassen Wasser aus betrachtet

Ich habe gelogen. Das Wasser ist ARSCHkalt heute Abend, aber es treibt uns trotzdem rein, quietschend, schreiend und plantschend. Dem langen Strand vorgelagert ist eine kleine Festung mit Leuchtturm zu sehen, weiße Yachten und Jetski grummeln am Horizont entlang und die ganze Atmosphäre ist irgendwie unwirklich schön und friedlich. Es ist wohl dieses sagenhafte Licht hier unten, was schon die Impressionisten vor 150 Jahren zu Meisterleistungen der Farben animiert hat. Aus der nahen kleinen Stadt, die erst jetzt zu ihrem eigentlichen Leben erwacht, wehen leckere Gerüche herüber. Gebratener Fisch, Pizza und Gewürze, ich merke erst jetzt hier mitten im Wasser, was für ein Hunger in mir wütet. Von fern klingt Musik, noch weiter hinten beginnt das beleuchtete Riesenrad eines Luna Parks sich langsam zu drehen. Den haben wir soeben auf unsere Agenda geschrieben, da müssen wir auch unbedingt mal ein paar Euros in Drehbewegungen investieren. Plitsch platsch. Baden im Sonnenuntergang im Mittelmeer. Das klingt doch gut, oder?

Sur ma Route

Der Erholung Anfang im Selfie

Und jetzt? Muss ich aufpassen, dass mein iPhone nicht absäuft. Nachdem ich schon mit Sonnenbrille getaucht bin. Ich sollte erstmal ein bisschen runterkommen, den Alltag ausblenden und das eine oder andere Thema, was ich mit hier her geschleppt habe verdauen. Aber dabei helfen mir meine drei jungen Mitreisenden, die weitestgehend ohne Cap im Wasser sind ;-) Urlaub. Nicht bloggen, nicht texten, nicht posten und nicht korrespondieren. Außer, ich will es. Leben, essen, trinken, schlafen. Nach Sur ma Route sind wir jetzt am Ziel, zumindest vorläufig. So richtig an kommt man ja im Leben nie, und das ist auch gut so. Später an diesem Abend wird es vor lauter Hunger und noch leerem Kühlschrank noch eine köstliche Pizza auf dem Campingplatz geben, dann ein Glas Rotwein für mich und noch einmal ein gemeinsamer Blick auf die ausgebreitete große Frankreichkarte vom ADAC. Einmal quer durch. Klasse. Jetzt whatsappen und facebooken sie auch wieder, meine Töchter und der Mann mit den coolen Klamotten. Dank sündhaft teurem W-LAN, was Vati bezahlt hat. Aber jetzt ist es auch okay :-) Noch viel später fange ich mein gebraucht gekauftes Buch an (Mit dem Kühlschrank durch Irland – ganz großes Kino) und werde danach so lange schlafen, bis ich von alleine aufwache. Und morgen ist ein neuer Tag.

Sandmann

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Created Donnerstag, 11. September 2014 Tags Avantgarde | paris | Reise Reise | Roadmovie | S210 | Sternstunden | Sur la route | T-Modell | un vie de route | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
05 Sep 2014
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Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Touristen, wie sie im Buche stehen

… Paris. Nur für einen Tag, auf den Spuren von Famille Leroc. Nein, nicht mit einem Taxi, aber fast. Das Taxi habe ich blutend in Wahlstedt bei Markus1975 eingelagert. Und statt des von Michi Reincke besungenen kleinen Reeendezvoouuus treibe ich mich mit drei mir am Herzen liegenden jungen Menschen in der Stadt der Liebe rum. Wie diese Menschen heißen? Sie müssen ja nicht alles wissen :-) Aber hübsch sind sie, cool und gut drauf. Und zu 2/3 mit mir verwandt. In dieser Geschichte geht’s mal nicht so sehr um Autos, sondern um eine Stadt voller Leben und voller Menschen, eine Familie aus den Französischbüchern der 80er und einen rostigen Turm aus Stahl. Lehnen Sie sich zurück, schenken Sie sich einen Vin de Pays de Herault ein und genießen Sie die Aussicht.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Metro fahren. Alles andere wäre Unsinn

Warum so einen billigen Fusel, fragen Sie? Weil wir später am Tag noch in die Gegend rund um den Fluss Herault fahren (aber das ist eine andere Geschichte), weil dieser französische Landwein gar nicht so schlecht ist wie sein Ruf und weil es dann irgendwie authentischer ist. Oder? :-) In Frankreich zahlen Sie die verschiedenen Preise für den vergorenen Traubensaft vor allem nach der Anbauregion, weniger nach der Qualität. Kleines Gebiet mit großem Namen (wer denkt da nicht gleich an die Champagne) – teurer Saft. Oft direkt in der Flasche vergoren, das scheint toll zu sein. Großes Gebiet mit aus Traubensicht unbekanntem Namen (Herault, Aude, Gard oder Bouches du Rhône) – preiswerte Weine. Und nicht mal schlecht. Glauben Sie nicht, dass ein Rotwein nicht schmecken kann, wenn er nur 1,79 Euro kostet. Außer es steht vielleicht “Melange aus verschiedenen Weinen der Europäischen Union” drauf, aber das wird Ihnen in Frankreich nicht passieren. Äh… pardon, wir sind in Paris, und wir wollen zum Tour Eiffel. Den Rest kann Ihnen mein Weinspezialist Steffen G. erläutern.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Alle wollen da hin, wo wir hin wollen

Ich spreche immer von Wir. Wir sind: Tochter klein (inzwischen auch schon 13 aaarggh), Tochter groß (die bald ein eigenes Auto haben wird) und Freund von Tochter groß (cooler Typ, umsichtig, hilfsbereit, aufmerksam und vermutlich der beste, der ihr passieren konnte). Und ich. Wir sind vier. Vielleicht haben Sie ja schon die erste Geschichte unserer kleinen Reise gelesen, dann sind Sie bereits ein bisschen vorbereitet. Und hier im Bild sehen wir schon die echte Alternative zum Auto in Paris: Die Métro. Mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, während die Franzosen Sommerferien haben gleicht dem Plan, sich mit vier Millionen Fliegen ein einzelnes Stück Aas in der Sonne teilen zu wollen. Keine Chance. Nicht mal mit dem besungenen Taxi. Von unserem Hotel zum Zentrum hätten wir eine volle nervenaufreibende Stunde gebraucht, dann wären wir drei Stunden auf der Suche nach einem Parkplatz (ohne einen zu finden) im Kreis gefahren, würden vielleicht irgendwo in zweiter Reihe genervt stehen bleiben und wären dann abgeschleppt worden. Nee nee. Also: Es steht an der Erwerb einer Tageskarte für die Métro, hier erkenne ich, dass man zu viert in einer großen europäischen Metropole echt ein bisschen mehr Geld in der Hosentasche haben muss als allein in Kiel…

Am Trocadéro raus

Am Trocadéro raus

Wer den Eiffelturm sehen will, der muss am Trocadéro raus. Paris bietet noch eine ganze Menge anderer menschengebauter Sehenswürdigkeiten, wir nehmen später noch ein paar davon optisch mit, aber der Turm muss einfach. Weil er doch eigentlich gar nicht so groß ist, aber dann über dem Betrachter, vor ihm stehend, eine magische Faszination wie einen warmen Mantel ausbreitet. Der Eiffelturm. DER Eiffelturm, auf jedem dritten Kitsch-Gemälde drauf, in jedem Französischbuch der Mittelstufe präsent und als Schlüsselanhänger oder Aschenbecher längst ein fester Bestandteil der hirnamputierten deutschen KIK-TEDI-1EUROSHOP Kultur. Hier über uns im Tunnel steht er wohl, wenn wir die Ströme von Touristen an uns vorbei richtig interpretieren. Als der Elektrozug davonrumpelt könnte es losgehen, doch ich habe die Sehenswürdigkeiten-Rechnung ohne meine Mitreisenden gemacht. Die wollen nämlich, genau wie beim letzten mal hier, erstmal in den Nippes-Shop und die eben erwähnten nicht ganz maßstabsgetreuen China/Thailand/Indien Eiffeltürme begutachten/anfassen/kaufen. Der arme Gustave, wenn der von seinem Ausverkauf wüsste. Ich brauche sowas nicht, aber so ne Baskenmütze…..? Hm….

Mais oui!

Mais oui!

Ich denke zurück an die Zeit irgendwann in den 80ern, als ich noch die fremden grammatikalischen Verdrehungen mit Hilfe von Monsieur und Madame Leroc auswendig lernen musste. Die beiden führten ein übersichtliches Leben mit ihren Kindern Monique und Daniel. Ich erinnere mich daran, dass M. Leroc eigentlich immer au bureau abgehangen hat, während Mme Leroc ergeben die Hausarbeit erledigte. Es gab auch einen Hund, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Le chien. Die beiden Blagen liebten jouer au ping-pong und ecouter de musique pop. Gibt es diese angenehm durchschnittlichen Menschen noch immer in der Mittelstufen-Folterliteratur? Damals waren Frankreich und seine pompösen Wahrzeichen mir so fern wie Montpellier, in das der umtriebige Daniel einmal aus Versehen mit einem camion gebracht wurde, in dem er sich frecherweise versteckt hatte. Der kleine Rebell. Nach Montpellier wird es uns in diesen Tagen auch noch treiben, allerdings freiwillig und nicht auf der Ladefläche eines Lastwagens. Und Popmusik hören wir auch, aktuell hat die Große “Au Revoir” von Mark Foster und Sido am Start, viele Wochen bevor das bei N-Joy Radio auch nur jemand zufällig mal in die Ohren bekommen hat :-) Sie spielt aber auch kein Tischtennis. Okay, ab jetzt ans Tageslicht. Kommt man aus der Métro raus, geht es noch um ein großes altes Gebäude rum und dann – eröffnet sich der große, mit Marmor geflieste Platz vor dem Palais de Chaillot.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Wenn Sie da noch nie waren, sollten Sie mal hin…

Fragen Sie mich nicht warum, ich könnte jedes mal heulen, wenn ich diesen Weg gehe, an dessen Ende der Turm zu sehen ist. Und ich werde immer ganz still, genieße den Moment und blende für eine kurze Zeit alle anderen um mich herum aus. All die hunderte und tausende von Touristen, die Bilder machen, Selfies, lustige festgehaltene Fingerspielchen. Sie “tragen” auf den Fotos das Stahlgerüst, gleich dem witzigen und selten praktizierten Stützen des schiefen Turms von Pisa. Der Turm und ich. Mein captragender Mitreisender ist ähnlich still. Er ist das allererste mal hier. Wir befinden uns noch immer am absoluten Anfang des Urlaubs, was mich mit einer tiefen Ruhe und einer kribbelnden Vorfreude durchströmt. Hinter dem 324 Meter hohen Stahlgestell anlässlich der Weltausstellung 1889 bauschen sich Gewitterwolken auf, aber es ist wenigstens angenehm warm. Sonne und Strand erwarten uns tendenziell ja weiter unten im Land, am Mittelmeer. Südöstlich von Montpellier, wo der genervte M. Leroc den ausgebüchsten Daniel mit dem Auto wieder abholen musste, damals. Langsam dringen die Stimmen der anderen wieder an meine Ohren, langsam komme ich wieder in dieser Welt an. Wenn Sie dem Eiffelturm einmal live gegenüberstehen oder schon einmal gegenüberstanden werden Sie wissen, was ich meine.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

sowas gibt es in Hamburg nicht

Heute belassen wir es nicht bei diesem Blick – heute haben wir ein bisschen mehr Zeit als beim letzten mal. Leider sind die Brunnenanlagen mit langen bösen Bauzäunen umgeben, was ein ausgelassenes Treiben im Wasser und den Fontänen verhindert. Mist :-( Direkt an der Seine, diesem dicken trägen wundervollen Fluss, in dem noch immer die Asche der Jeanne d’Arc treibt kann man der Nahrungsaufnahme und des Toilettenganges frönen – muss man aber nicht. Notiz an mich selbst: Wenn ich den Preis von vier Tageskarten für die Métro schon als Erkenntnis verbuche, dann sind Toilettenbenutzung und Mittagessen für vier Personen direkt am Wasser unter dem Eiffelturm, da, wo die Schiffe ablegen, eine Art Offenbarung. Offenbar müssen wir in den kommenden Tagen mit dem Erwerb von Nahrung ein wenig kürzer treten, wenn wir den Schnitt von 50 Euro am Tag halten wollen. Ich bin nun pleite, gerade mal 8 Euro klimpern noch in meiner Hose. Vor dem Frühstück nachher muss ich wohl nochmal zum Auto, finanziellen Nachschub holen. Es ist ja alles bar in verschiedenen Umschlägen abgezirkelt…… So eine Art Haushaltskasse. Wir stapfen weiter entlang des Ufers, was offensichtlich zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Ach so. Daher die Preise.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Seltsam? Stimmt. Das liegt an Photoshop…

Paris ist als Innenstadt vielleicht nicht ganz so groß wie man meint, aber Kiel ist kleiner. Kiel kann man locker fußläufig durchmessen. Paris sicherlich auch wenn man Rüdiger Nehberg ist, das ist alles eine Frage des Maßstabs und des Schuhwerks, und hier finden wir den Fehler. Mit FlipFlops lässt sich super (südöstlich von Montpellier) am Pool abhängen, aber dass die Dinger nicht als asphalterprobte Wanderstiefel taugen stellen einige der Anwesenden noch vor der Halbzeit fest. Also beschließen wir, so klassische Namen wie den Obelisk auf dem Place de la Concorde, die Tuileries, den Louvre und seine in ihm wohnende geheimnisvoll lächelnde Mona Lisa, den Triumphbogen und die Champs-Elysées nur zu streifen, sie alle wenigstens im Vorbeihumpeln zu sehen und sowohl die letzte Aufmerksamkeit als auch die allerletzten Euros für heute in vier (vier) gefrorene Wassereisgetränke der Geschmacksrichtungen Waldmeister, Pfirsich und Himbeere zu investieren. Herrlich süß und erfrischend und unfassbar kalt. Stattlicher Hirnfrost mit Blick auf Sacré Coer. Klasse. Schön, wenn der Schmerz nachlässt.

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Nicht die Pont d’Avignon, weder l’on noch danse.

Zwei ungleiche “Paare” in Paris auf dem Weg nach Südfrankreich. Vier Menschen, die fast drei Generationen überspannen. Vier Menschen, die das aber alle irgendwie ganz cool finden, miteinander ein paar Tage Urlaub zu machen. Ich sage mir immer wieder (und korrigieren Sie mich da bitte, wenn Sie anderer Meinung sind oder ich mich wiederhole), dass ich wohl nicht alles falsch gemacht habe, wenn die drei freiwillig mit mir im Auto auf einen Campingplatz in Frankreich fahren wollen und sich seit Wochen darauf freuen. Ich übrigens auch :-) Die Kinder von damals sind nun teils tatsächlich, teils fast erwachsen. Und es ist großartig, sich mit ihnen zu umgeben. Diesen jungen Leuten, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben und die ganzen Fehler, die man selbst gemacht hat vielleicht nicht machen. Oder eben doch. Und vielleicht irgendwann mit ihren eigenen Kindern mal nach Paris fahren. Dann…. bin ich wohl Opa :roll:

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Wenn ich die beiden sehe fühle ich mich alt…

Meine große Erstgeborene mit ihrem Freund. Sie kenne ich schon ihr ganzes Leben lang, von ihm weiß ich bisher nur, dass er nicht alles mag, was ich koche, und dass er ab und an mal was sagt, was ich richtig witzig finde. Er hat einen Führerschein und trägt fast immer eine Cap. Viel mehr nicht. Aber ich war schon mit wesentlich schrägeren Menschen unterwegs, ich glaube, das könnte ganz gut klappen. Ich mag den Kerl extrem gern. Ich war ein bisschen in Sorge, weil wir uns vorher nicht oft gesehen haben, aber die Sorge war unbegründet. Schließlich kann ich mich wohl darauf verlassen, dass meine Tochter sich nicht einen Voll-Honk angelt und den dann mit in den Urlaub schleppt. Stimmt :-) Die beiden sind schwer verliebt, und das schon seit einiger Zeit *seufz* und irgendwie glaube ich, dass er der richtige für meine große Hübsche sein könnte. Und dann haben wir noch noch das Papa-Tochter-Team:

Mit einem ♫ Ta-xi nach…

Na, wir beide wissen ja dass wir Urlaub machen können

Meine Zweitgeborene und ich sind ein erprobtes Duo. Sei es Weihnachten mit dem KaSi nach Uelzen oder Weihnachten danach mit dem Audi 100 in die gleiche Stadt und die ganzen Tage dazwischen, wir verbringen eine Menge Zeit zusammen. Ich schiebe das momentan auch noch auf die Tatsache, dass kein Freund existiert, der mitgenommen werden möchte. Ob nun mit oder ohne Cap. Aber wenn ich mir die junge Dame so angucke kann das eigentlich nicht mehr lange dauern. Was dann? Lässt sie den Kollegen dann für Papa zu Hause, weil sie mit Papa einfach ne echt gute Zeit hat, während ihre Schwester und deren Freund das Zweierteam-Pendant bilden? Oder sind wir dann zu fünft unterwegs, und ich sitze abends allein Pfeife rauchend vor dem Wohnwagen während die anderen, inspiriert von der Stadt der Liebe, irgendwo am Rumknutschen sind…? Hm. Ich fürchte, Sie werden es eines Tages hier zu lesen bekommen. Jetzt schließe ich für heute erstmal mit dem Klassiker von Felix de Luxe, auch schon wieder 30 Jahre alt. Morgen fahren wir dann mal ans Meer, gucken, ob M. Leroc seinen Daniel da wirklich weggepflückt hat. Und schreiben Sie mir mal, was Sie über Paris denken….

Sandmann

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Created Freitag, 05. September 2014 Tags Avantgarde | daimler | Eiffelturm | la famille Leroc | M. Leroc | Mme. Leroc | paris | Reise Reise | S210 | Sternstunden | T-Modell | Vieraugengesicht | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
27 Aug 2014
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Vom Dunkel ins Licht

Vom Dunkel ins Licht

Auftakt zum Roadmovie

Mit dem Auto nach Südfrankreich. Abenteuer, Straßenromantik, Sonne und Rotwein :-) Bis auf “Abenteuer” stimmt das auch alles. Romantik, Sonne und Rotwein nehme ich gern mit, aber das Abenteuer bleibt schön zu Hause. Urlaub, Leute! Ich werde mit der freiwilligen Babysitterin meines viertelfinnischen Sandmädchens und ihrer großen Schwester unterwegs sein. Was beides meine Töchter sind. Obendrauf gesellt sich der Freund der großen Schwester der Babysitterin, der nicht komplett alles isst was man ihm vorsetzt und gern Caps trägt. Wir vier in einem alten Mercedes. Erst mitten in der Nacht nach Paris, dann nach Agde am Mittelmeer, irgendwo zwischen Montpellier und der spanischen Grenze. Zwei Wochen in einer kleinen Hütte aus Plastik auf einem Campingplatz. Hm. Okay, vielleicht nehme ich das Wort “Abenteuer” doch wieder mit auf die Liste.

Vom Dunkel ins Licht

Einstimmung auf ein anderes Land

Vorfreude ist eine schöne Freude, wenn auch nicht die schönste, finden Sie nicht auch? Gerade war ich noch mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona und dem Sandmädchen in Portugal, dann habe ich 10 Tage in Kiel und Hamburg meine Freiberuflichkeit mit Fleiß und Nachtschichten einmal mehr strapaziert – und jetzt ist der Abend vor der Nacht, in der es auf die Bahn geht. Ich freu mich. Ich stapfe durch die verregnete Kieler Innenstadt und kaufe ein, was man so braucht. Reisebrötchen-Kram, Eier, Cola, ungesunde Süßigkeiten. Waren Sie schon mal mit Teenagern und gerade eben flügge gewordenen Menschen im Urlaub? Die sind ganz schön anspruchsvoll. Nix hier Schnitzelbrötchen auf die Hand, man ernährt sich einigermaßen ausgewogen. In der Fußgängerzone vor Karstadt spielen ein paar Jungs lustige, französische Musik. Ist das ein Zeichen? Vielleicht. Ich weiß nicht wofür, aber lustige französische Musik gefällt mir. Notiz an mich selbst: Nachher bei iTunes nach lustiger französischer Musik für unterwegs suchen, schließlich sind es ein paar sehr sehr dunkle und einsame Kilometer bis nach Paris.

Vom Dunkel ins Licht

Waschtag für den Daimler

Der dicke Daimler steht vor seiner ersten echten Bewährungsprobe. Wir kennen uns noch nicht richtig. Ursprünglich wollte ich uns mit dem Taxi in den Süden Europas bringen, allein schon wegen des Tages in Paris ♫ Nach den bisher abgespulten Kilometern mit dem treuen 220 CDI breitet sich allerdings in mir eine ziemliche Erleichterung aus, dass ich diesen alten Plan NICHT umsetzen muss. Zu klapperig war er, zu hart die hinteren kaputten Druckspeicher der Federung und zu defekt die Klimaanlage. Alles ist hingegen gesund an unserem aktuellen Beförderungsmittel, und aus purer Dankbarkeit für diesen Zustand bekommt der alte Herr eine “Alles-was-geht” Wäsche beim örtlichen Supermarkt spendiert. Der Tank ist voll, alle Flüssigkeiten sind befüllt und mit Ersatzdöschen hinten im Werkzeugfach ergänzt. Während die Mädels in der Küche die Reisebrötchen schmieren und der Mann mit der Cap vor der Haustür verträumt eine raucht und den Schafen beim Grasen zuguckt bekommt das alte Lisa-Navi ein paar frische Anweisungen. Es geht die A1 nach Westen, durch die Niederlande an Amsterdam vorbei, dann durch Belgien und über die Nordroute runter nach Paris. Wie ich gestern lesen konnte hat jemand bei TomTom mein Greinen erhört und ein neues Navi auf dem Weg zu mir geschickt. Das bedeutet aber, dass dies die letzte Reise sein wird, bei der die alte Lisa das Sagen hat :-( Na okay, in letzter Zeit war sie ein bisschen bockig. Jetzt kann sie nochmal alles geben. Warum zeigt mir das Teil die ganzen BurgerKing Filialen an??? Verwirrend.

Sur la route

Sur la route

1000 Kilometer. Und dieses mal wollen wir noch mehr von Paris sehen als damals, 2011. Oh mann. Geht das nur mir so, oder rennt die Zeit seit ein paar Jahren schneller als vorher? Oder werde ich einfach nur alt? :-) 1991, 1992, 1993 war ich in Südfrankreich, zweimal mit dem Taunus und ein mal mit dem Granada. 2011 mit dem Audi V8 und 2012 mit Rudolf, meinem metallicgrünen Passat. Heute ist es also das sechste mal, und meine große Tochter ist inzwischen nur unwesentlich jünger als ich damals auf der ersten Tour mit dem Taunus. Argh. Der Nachteil: Wenn das so weitergeht begreife ich vielleicht tatsächlich eines Tages, dass das Leben endlich ist. Wie blöd. Der Vorteil: Die genannte Dame hat einen Führerschein. Der Caps tragende Zitronen-Pasta-Verweigerer auch. Was wiederum bedeutet, dass Papa nicht die ganze Strecke alleine fahren muss, denn der wird wie gesagt nicht jünger *schrei* und freut sich vermutlich im Laufe des Tages über einen kleinen Nap auf dem Rücksitz, irgendwo im Süden dieses Kontinents. Vorher ist ein Nap im kuscheligen Bettchen angesagt. Der Wecker steht auf 2:00 Uhr morgens, wer nachts fährt a) hat keine LKW vor sich und b) steht in keinen Staus mit dumpfbackigen Berufspendlern und c) sollte nicht in seinem gewohnten Trott verweilen und erst gegen 23:00 ins Bett gehen. Ach du Scheiße. Ich muss ja in drei Stunden schon wieder raus! :-( Ich kaufe schnell noch die paar hippen französischen Alben auf iTunes und schiebe die auf mein steinaltes Musik-iPhone, was billiger als ein mp3-Player war. Das Jungvolk baut noch ein paar Häuser und Familien mit SIMS 3 und ich entschlummere derweil für eine viel zu kurze Zeit dem Geschehen…

Vom Dunkel ins Licht

Nachts, wenn alles schläft

*klick* “Zwei Uhr. Die Nachichten.” Waah. Hat es Ihr Radiowecker auch schon geschafft, Sie aus einem wundervollen Traum zu reißen und Sie einsam und hilflos in einem stockdunklen Zimmer zurück zu lassen? Um eine Zeit, in der Sie eigentlich in diesem Traum bleiben sollten? Stattdessen wecke ich das Konglomerat aus Heranwachsenden um mich herum auf und geleite die müde Horde zum komplett fertig gepackten Mercedes. Kiel ist absolut still. Es ist die Nacht von Montag auf Dienstag, rechtschaffene Bürger schlafen friedlich, nicht mal die Vögel sind zu hören. Nur eine einzelne verwirrte Grille zirpt resignierend in der Hecke vor sich hin und stimmt mich ungewollt ein auf das Geschnarze der Zikaden in den Calanques bei Cassis. Da ist sie wieder, die Vorfreude. Und JETZT ist dieser Moment, auf den wir uns die vielen Monate und Wochen gefreut haben. So sehr, wie nur Teenager und junge Erwachsene und deren Papa sich freuen können. Wir haben den ganzen Urlaub noch vor uns, und er beginnt – jetzt. Und auch ohne einen Hauch von Pessimismus wird uns in genau diesem Moment klar, dass es einen weiteren Moment geben wird, an dem wir ins Auto steigen und uns auf den Rückweg machen. Dann ist der Urlaub *schnipps* wie ein Fingerschnippen verdampft. Wieder wird er kommen, dieser Moment. Aber noch nicht jetzt, hier und heute.

Vom Dunkel ins Licht

Man sieht nix. Ist vielleicht besser so

Ich mag die Stimmung in der Nacht. Da ich kein Schichtarbeiter bin und lieber früh aufstehe als Nachts zu schuften wirkt die Dunkelheit auf mich immer wie eine große, fremde Unterwasserwelt. Alles ist gedämpft, langsamer, anders. Die Ladies schleppen müde schlurfend ihre Bettdecken auf den Rücksitz, best Boyfriend (mit Cap) raucht eine Zigarette und ich gucke in den Sternenhimmel. Das habe ich hier viel zu selten gemacht. Wie wunderschön er ist, wenn nicht der Lichterschein der großen Stadt ihn komplett verwässert. Tochter klein plappert aufgekratzt vor sich hin, während Tochter groß sich auf dem Rücksitz an ihren Liebsten kuschelt. Noch fragt niemand nach Reisebrötchen. Ich schütte mir einen letzten großen Kaffee in den Kopf und starte den Diesel. Selbst jetzt, um zehn vor drei, sind auf dem Thermometer noch knapp 18 Grad. Sommer de Luxe im Jahr 2014, möge er uns auch in Südfrankreich erhalten bleiben. Wählhebel auf D und los gehts.

Vom Dunkel ins Licht

Dann kann es wohl losgehen

Der erste von 1000 Kilometern bis Paris führt durch das schlafende Kieler Vorörtchen. Kein Mensch ist in keinem Auto irgendwo zu sehen. Na klar, niemand ist so bekloppt und fährt um diese Zeit unter der Woche irgendwo hin. Alle Fenster sind dunkel. Was mag wohl in den Leuten gerade vorgehen, die dahinter schlafen? Träumen sie? Haben sie Hoffnungen und Wünsche? Haben sie Ängste? Bauen sie das Nageln des Common Rail Diesels in ihren Schlaf mit ein? Vor uns liegt die A7. Die scheiß A7. Was habe ich sie mir schon schön geredet, habe über Sonnenaufgänge philosophiert und mich pathetisch in Musik verloren, aber bei allem ist und bleibt sie eine scheiß Autobahn mit scheiß Staus, und das jeden Tag. Jeden einzelnen zwischen Hamburg und Kiel. Der jetzt beschlossene Ausbau zur Dreispurigkeit in den kommenden 10 Jahren wird das nicht besser machen. Entschuldigen Sie diesen Ausbruch. Es ist nicht Tag. Es ist Nacht. Eine Verkehrsdichte wie vor 50 Jahren, hinten schlafen die beiden Großen schon wieder seltsam ineinander verwoben und mein munteres 13jähriges Töchterchen neben mir textet mich fröhlich mit relativistischen Theorien und Ansichten über Freundschaft und Tod zu. Dazu singt uns ZAZ was von Emotionen, dem Richtigen und einem Wiedersehen in Port Coton. Französisch. Wie ich diese Sprache liebe, ihren Singsang und ihre Betonung. Fahr, mein Mercedes, fahr uns vier jetzt nach Frankreich.

Vom Dunkel ins Licht

One thru the night

Wie seltsam, durch den Autobahnabschnitt in Hamburg zu rollen und nicht in Stellingen rauszufahren. Die erste Cola ist inzwischen in mir drin, ich bin glockenwach und bekomme eine gewisse Sehnsucht nach der großen und der ganz kleinen Frau, die nicht weit von hier schlafen. Alle anderen in meiner direkten Nähe schlafen inzwischen ebenfalls. Die beiden hinten sowieso und das kleine Wortwunder neben mir ist vor 15 Minuten mitten im Satz einfach weggeratzt. Das alles erfüllt mein Herz mit einer klebrigen Mischung aus Sehnsucht und Liebe. Um mich rum sind so viele liebe Menschen, dass ich manchmal gar nicht weiß, mit wem ich wann wie viel Zeit verbringen möchte. Am liebsten immer mit allen. Doch die Würfel sind gefallen, der Preis für zwei gemeinsame Wochen mit den hier anwesenden schlafenden wundervollen Menschen ist die Entbehrung. Die Distanz zur finnischen Fraktion. Zu der kleinen (bestimmt Papa auch vermissenden) Gurke und ihrer hübschen Mutter. Mann – kann nicht alles haben. Also schicke ich gute Gedanken von hier aus ein paar wenige Kilometer nach Osten und verspreche flüsternd, bald wieder da zu sein. Hinter dem Elbtunnel strahlen die Hafenanlagen wie eine eigene Stadt, und ich bin allein mit den schlafenden jungen Menschen und der Musik. Genug Französisch für den Moment, ich brauche emotional härteren Stoff. Kettcar ist jetzt gut. Die bringen mich zum Weinen und sicher auf die A1 und damit weg von der A7.

Vom Dunkel ins Licht

Aus grau wird langsam blau

Die Mädels und der Mann mit dem großen Kippenvorrat schlafen über Stunden tief und selig. Ab und an räkelt sich mal was im Rückspiegel, und wenn ich mich umdrehe sehe ich Menschen, ineinander verknotet, aber glücklich. Ich lasse den Diesel fliegen und spule Kilometer für Kilometer ab, solange der Berufsverkehr noch in seinem Bett liegt und dieser einen verirrten Grille zuhört. Kennen Sie diese Stimmung, wenn am Horizont langsam der erste Lichterstreif erkennbar wird? Wenn aus der Dunkelheit fast unmerklich erst ein dunkles grau, dann ein blau und dann der neue Tag entsteht?

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Komische Zeiten. Und ich meine komisch nicht im Sinne von witzig, vielleicht ist Ihnen das schon aufgefallen. Einen Teil dieser komischen Zeiten kann ich in Kiel zurück lassen. Einen guten, festen, beruhigenden Teil habe ich traurig in Hamburg zurück gelassen. Und einen ebenfalls guten, konstanten Teil habe ich hier bei mir im Auto. Solange die Sicherungen im Kopf noch den Strom halten geht es immer weiter, in unserem Fall erstmal immer weiter in Richtung Süden. Aus grau wird blau wird hell. Wo sind wir hier eigentlich? Egal, der Kaffee und die Cola wollen zurück ins Meer, der Hunger fordert verbalisierte Gedanken über Reisebrötchen und meine Gliedmaßen bedeuten mir, dass sie sich gern einmal strecken möchten. Parkplatz. Jetzt.

Vom Dunkel ins Licht

Verschleißerscheinungen

Olala. Die rund vier Stunden seit unserem dunklen Abflug in Kiel stecken dem alten Mann doch mehr in den Knochen, als er es zugeben möchte. Gut, dass die durchgeknallten Mitreisenden im Gesamtalter von 53 Jahren jetzt wach sind und den Fahrer unterhalten können. Während ich mich recke und strecke wandern die müden Augen über den in der Morgensonne liegenden Parkplatz. Auch diese Atmosphäre mag ich, der erwachende Tag, Trucker, die Kaffee holen und vorbeiziehende Karawanen von Blech. Der Verkehr wird auf der Autobahn langsam dichter und es wird merklich wärmer. Aus dem Auto dringt lustige französische Musik, ich glaube das ist jetzt Gregoire. Na ja, nicht wirklich lustig, im Gegensatz zum jüngst ausgetretenen Volk. Giggelnd und brabbelnd kommen die drei aus den Büschen zurück und fragen nach den Brötchen, die irgendwo im Kofferraum in einer Papiertüte liegen. 13 Jahre und 18 Jahre. Und die beiden fahren freiwillig mit ihrem Papa mit dem Auto auf einen Campingplatz nach Frankreich, statt mit ihren Homies irgendwo auf den Ballermann. Okay, ein Homie ist einfach mitgekommen :-)

Vom Dunkel ins Licht

Der Raumgleiter und die Crew

Aber wieder einmal denke ich so bei mir, dass ich vielleicht in der Vergangenheit nicht restlos alles falsch gemacht habe, wenn das bei meinen Kindern die Definition für einen guten Urlaub ist. Ich selbst bin ja auch lange mit meinen Eltern unterwegs gewesen, aber mit 15 wollte ich irgendwie auch mal alleine los. Mit dem Fahrrad nach Uelzen und so. Das ist eine andere Geschichte :-) Die drei fühlen sich anscheinend wohl in Erwartung von Palmen und Sonne, und wenn sie als Preis dafür den einen oder anderen abgegriffenen 90er Jahre Witz von mir und die ab und an mal aufpoppenden Geschichten von “früher” ertragen müssen (mein halbfinnisches Fräulein sagt immer “Vati erzählt aus dem Krieg”. Die doofe…) scheint das für sie ein guter Tausch zu sein. Auch der immer gut gekleidete, gut gebaute junge Mann mit der Mütze findet langsam seine Silben wieder. Das könnte ne echt gute Zeit werden, denke ich gerade…

Vom Dunkel ins Licht

Endlich kann man mal was sehen

Ich fühle mich darüber hinaus perfekt durchorganisiert. Und wer mich kennt weiß, dass ich dieses Gefühl und diesen Zustand eher selten erlebe. Ich habe einen Umschlag mit rund 120 Euro für die Autobahnmaut in Frankreich dabei. In dem steckt auch bar das Geld für das Mobile Home in Agde und das Hotel in Paris. In einem anderen sind 500 Euro für Diesel drin. Genau so viel Geld steckt in einem weiteren Umschlag, das sind pro Tag auf dem Campingplatz 50 Euro Essensgeld für 4 Personen. Ob das reicht? Wenn nicht müssen wir mit der Gitarre rumziehen, singen und Geld sammeln. Na und? Das hat 1992 auch schon mal ganz hervorragend funktioniert ♫ Darauf ein Brötchen mit Jagdwurst. Auch wenn inzwischen die Sonne hinter den Wolken aufgeht – für die gekochten Eier finde ich es noch ein bisschen zu früh.

Vom Dunkel ins Licht

Reisebrötchen. Ich liebe es ♫

Dieser erste Stop mit der just erwachten Brut war ein kurzer, knapper Halt, wir wollen Strecke machen, solange wir Strecke machen können. Paris lockt mit dem Eiffelturm und ein paar anderen baulichen Schönheiten links und rechts von der Seine, da kann man ja gar nicht früh genug aufschlagen. Inzwischen ist die goldene Dämmerung einem grauen Wolkenhimmel in den Niederlanden gewichen. Dass hier die Straße schnurgeradeaus geht ist schön, dass die Autos irgendwie nicht mehr werden auch aber dass wir keine Zeit für Amsterdam haben nicht :-( Schade. Ist lange her, dass ich da war. 1997 glaube ich. Irgendwo muss noch eine sehr schräge Jacke rumhängen, die ich mir da gekauft habe, die muss ich mal suchen. Weiß mit schwarzen Rändern und ganz vielen Schriftzeichen drauf. Hm. Nee, vergessen Sie den letzten Satz ;-) Die Führerscheininhaber sind zwar wach, aber zu träge zum Autofahren. Also lassen wir erstmal die Sitzverteilung so wie sie ist. Wach genug bin ich auch, vielleicht wollen die beiden ja morgen auf der zweiten Etappe mal vorn hinterm Stern sitzen. Wir lassen uns von weniger melancholischer Musik beglücken, seit das Handy von hinten ans Radio angestöpselt wurde und fette Bässe sich mit groovigen Beats abwechseln. Warum nicht? Ein bisschen gute Laune auf dem Weg in den Süden kommt jetzt gut. Sobald wir den Sendebereich der durchgeknallten Holländer verlassen könnte man auch mal nach einem guten Radiosender suchen.

Vom Dunkel ins Licht

Durch echt viele Länder heute

Was folgt sind Anekdoten von Navis, die so alt sind, dass die mal wieder die Ausbaustraßen nicht kennen und einen deshalb auf ausladenden Umwegen über Strecken lotsen, die man nicht genommen hätte, wenn man den gut lesbaren Schildern gefolgt wäre. Außerdem Geschichten von Mautstellen, von Schranken, die einen nur durchlassen wenn man mittlere Geldbeträge in ihnen versenkt und von freundlichen Menschen in Kassenhäuschen, die einem bon voyage wünschen. Ah. Wir sind also endlich in Frankreich. Diese Geschichten in ihrer gesamten Breite erspare ich Ihnen, denn die haben Sie schon in verschiedenen Farben mannigfaltig in vergangenen Blogs zum Thema gelesen. Nicht? Dann suchen Sie mal, da finden Sie so einiges :-)

Fast da

Fast da

Auf den Zubringerstraßen von Paris beginne ich erneut, mich intensiv auf mein neues Navi zu freuen. Die alte Lisa ist total überfordert, die Straßenführung ist verwirrend und das lustige Umschalten auf die französische Sprechstimme “Kathérine” hat uns a) keine Besserung der Verwirrung und b) einen weiteren kleinen Umweg beschert, weil ich in den entscheidenden Momenten nicht verstanden habe, was die zu mir gesagt hat. Also wechsel ich wieder zurück zur Custom Voice, was die Stimmen der beiden anwesenden Töchter von anno 2009 oder so in der Schweiz beinhaltet, die mir aus Langeweile Fahranweisungen aufs Navi pöbelten, als ich mir ein paar Autos anguckte. Hallo Hauptstadt der Franzosen. Stadt der Liebe. Stadt der Touristen. Stadt, wo wir ein erstaunlich preiswertes Hotel mit zwei Doppelbetten in einem Zimmer gefunden haben. Im Netz. In der realen Welt müssen wir es nun noch einmal finden. Um 2:45 Uhr heute Nacht haben wir in Kiel abgelegt, und um 13:00 Uhr sind wir in Paris. Aus Norddeutschland kommend, wohlgemerkt. Ich finde das erstaunlich schnell und denke darüber nach, ab und an mal statt auf einen HotDog mit Blick auf die Nordsee nach Dänemark vielleicht lieber auf ein paar Crepes mit Blick auf Sacre Coer nach Paris zu fahren :-)

Vom Dunkel ins Licht

Namen, die ich lesen will

Ein gutes Hotel in Paris zeichnet sich dadurch aus, dass eine Tiefgarage vorhanden ist. Dass die in unserem Fall pro Nacht fast ein Viertel des Zimmerpreises kostet liegt vor allem an dem günstigen Zimmerpreis. Andererseits ist mitten in Paris ein Parkplatz eigentlich nicht mit Geld aufzuwiegen, vor diesem Hintergrund ist das schon wieder preiswert. Also soll es so sein. Ich ziehe Bilanz. Keine Panne, nicht mal eine leuchtende Warnlampe bis hier. Kein nennenswerter Ölverbrauch. Durchschnittsverbrauch beim ersten Tankstop: 6,8 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Und das voll beladen mit vier Personen und Gepäck und mit seit 8:00 Uhr permanent mitlaufendem Klimakompressor, weil die Sonne von außen rein wollte und der Muff von Menschen und Lebensmitteln raus. Drei Reisebrötchen sind noch übrig. Ich freu mich schon wieder. Das ist nun keine Vorfreude mehr, das ist Freude. Ich bin in Paris. In DEM Paris, hey, an einem ordinären Dienstag Nachmittag :-D

Vom Dunkel ins Licht

Wo parken, wenn nicht hier?

Tickend und knackend kühlt der Daimler nach diesem Marathon für Kolben und Radlager ab. Die vier Reisenden checken ein und bringen das Gepäck aufs Zimmer, was nicht groß, aber gemütlich und sauber ist. Wir wollen hier nur schlafen, mehr nicht. Und das werden wir nach einer Tour durch die City (nach einer Tour durch halb Europa) sicherlich gut. Aber jetzt noch nicht. Die Stadt der Liebe wartet auf uns. Und schon vermisse ich den kleinen Plauderfrosch und seine Mama…. Argh. Zwei Wochen sind ganz schön lang. Aber ich bin mir sicher, dass meine drei Mitreisenden mir die Zeit schon verzaubern werden :-) “Abenteuer” war das nicht, aber: Heute haben wir die Sonne über der Autobahn aufgehen sehen und vier Länder durchquert. Vorhin waren wir noch in Kiel, jetzt sind wir in Paris. In Frankreich. Auf dem Weg ans Mittelmeer. Ich könnte noch ewig so weiterphilosophieren.

Sandmann

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Created Donnerstag, 28. August 2014 Tags mercedes | paris | Reise Reise | Reisebrötchen | Roadmovie | S210 | Sternstunden | Südfrankreich | T-Modell | Urlaub Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
25 Aug 2014
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Donnerschlag!

Donnerschlag!

Anfang und Ende aller Rennwagen

Rumpel Röhr. Zehn Stunden, sieben Minuten und 48 Sekunden. 1955 war das die Zeit, die Stirling Moss für die Strecke Brescia – Rom – Brescia benötigte und damit der Mille Miglia einen neuen Rekord bescherte. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit von 157 km/h war auf den kurvigen eintausend Meilen unmöglich. Aber die 300-SLR-Silberlinge aus Stuttgart-Untertürkheim waren nicht zum Spielen hergekommen, und Moss sagte später über den aus zwei Vierzylindern hintereinander gegossenen Reihenachtzylinder: “Kein anderer Motor klingt so böse wie der des 300 SLR…” Das silberne Moss-Auto mit der Nummer 722 – wegen seiner Startzeit morgens um 7:22 Uhr – steht heute im Mercedes-Benz Museum und ist unbezahlbar. Aber es gibt ja noch Alternativen. Einsteigen. Jetzt. Anschnallen geht nicht, also halten Sie sich bitte irgendwo fest.

Donnerschlag!

Original oder Fälschung?

Dass der SLR unbezahlbar ist stellt in den 80er Jahren auch schon der Schweizer Willy Kaiser fest, der diesen Rennwagen haben will. Koste es, was es wolle. Er bekam ihn aber nicht. Der gelernte Sanitär-Installateur und selbständige Automatenkaufmann war durch und durch Oldtimer-Enthusiast – und sowohl mit Geld als auch mit Zeit gesegnet. Kaiser verstand sich auf die Marke mit dem Stern und hatte genug Fachwissen angesammelt. Er wollte unbedingt so ein Auto, und er war bereit, dafür auch andere Wege zu gehen als den üblichen des Originals.

Donnerschlag!

Selbst die Replik ist schon eine Legende

Ihm wurde in den USA ein SL Roadster mit modifiziertem, aber nicht funktionierenden Motor und langer Hinterachse günstig angeboten. Kaiser schlug zu. Und verwirklichte sich seinen Traum: Sein Grund-SL, heute allein zwischen 400.000 und 600.000 Euro wert, wurde damals ausgeschlachtet. Kaiser besorgte sich die originalen Baupläne der Rennlegende und ließ in einer italienischen Fachwerkstatt eine Kunststoff-Modellkarosserie sowie ein Holzgerüst anfertigen, über das ein Karosseriebauer die Teile dengelte. 750 Stunden verbrachte der Spezialist mit filigraner Blecharbeit und replikierte in drei Jahren die Aluminiumhaut des Rennwagens in handwerklicher Perfektion, bevor sie wieder auf den originalen Gitterrohr-Rahmen gesetzt wurde. Das gute Stück erhielt 15-Zoll-Borrani-Speichenräder mit Zentralverschlüssen, einen außen liegenden Auspuff und, und, und. Ergebnis: eine Eins-zu-eins-Kopie des Moss-Rekordwagens, aber mit 245 statt der serienmäßigen 215 PS, was in Verbindung mit der lang übersetzten Hinterachse für rund 260 km/h gut sein sollte. Und was den korrekten und wohlhabenden Mitgliedern der SL-Clubs auf dieser Welt heute die Originalitäts-Tränen in das Antlitz treibt. Und mich zum Auto. Den die Karre gibt es immer noch.

Donnerschlag!

Herr Engel selbst mit allerhand Unterlagen

Sportwagen Engel am Rhein in der Nähe von Koblenz lockt immer mit automobilen Schätzen, die eine skurrile Geschichte haben. Herr Engel holt für mich diesen begehrenswerten Mix aus Metall, Passion und Kraft mit der Nummer 723 (!) aus der Garage. Nein, nicht einfach nur Garage – allein der Raum, in dem die Rennmaschine von Willy Kaiser steht, gleicht einem wunderbaren Museum voller zeitgenössischer Reliquien. Es sind filigrane Kacheln, die in diesem Teil der Burgschmiede Namedy in Andernach den Fußboden zieren. An den Wänden hängen Lenkräder, blasse Fotos und alte Reklametafeln. Im Fenster steht ein 50 Jahre alter Champagner. Und inmitten von all diesem steht diese Replik, die für sich genommen schon eine Legende ist. Ich habe Gänsehaut und fast schon ehrfürchtigen Schiss davor, mitzufahren.

Donnerschlag!

Allein die Garage ist ein kleines Museum

Herbert Engel ist da ein wenig kühler. Er hat Respekt vor seinen Autos, aber nicht diese Ehrfurcht, die mir in den Augen zu stehen scheint. Nebenan steht ein Hummer randvoll mit AMG Technik, den mal Tina Turner gefahren hat. Um die Ecke linst ein Koenigsegg. Vorhin hat ein Kunde einen Ferrari abgeholt und bar bezahlt. Hand drauf. Krass. Er ignoriert die einzige kleine Tür des Mercedes und erobert mehr oder weniger elegant etwas, was in einem normalen Auto “Fahrersitz” heißt. Klettern beschreibt den Vorgang wohl am besten: Die knappe Karosserie verschluckt seinen Körper nahezu gänzlich, und der Betrachter fragt sich Stirn runzelnd, wie er da jemals wieder rauskommen will. Ich bin zwar eine Handvoll Jahre jünger als er, mache mir aber selbst ein wenig Sorgen.

Donnerschlag!

Nichts für nordische Jungs?

Reinkommen, rauskommen – das alles wird Nebensache, als Engel den Motor startet. Das eigene Herz scheint einen Schlag auszusetzen, als der Anlasser die SLR-Replika zum Leben erweckt. Aus zwei dicken, geraden Rohren an der rechten Fahrzeugseite ballern nahezu ungedämpft verbrannte Abgase in den Raum und haben hier einen ähnlich unpassenden Auftritt wie laute, pöbelnde Grabräuber im Petersdom. Langsam grummelt der silberne Leichtbau rückwärts in die kalte, sonnige Frühlingsluft. Was vorhin noch eine Gänsehaut auf meinen Armen war, ist inzwischen zu einem meinen kompletten Körper bedeckenden Reibeisen geworden. Nackenhaare stellen sich auf, mir fröstelt. Himmle, wie geil das ballert, wir gut das riecht….

Donnerschlag!

Erstmal drin, kommt man schlecht wieder raus

Herbert Engel lacht, möchte den Wagen aber erstmal warm fahren, bevor wir so richtig Gas geben werden: “Ziehen Sie Ihre Jacke an und setzen Sie sich eine Mütze auf!” Ähm. Jacke na klar, eine Mütze habe ich gar nicht dabei. In meinem Auto war es eigentlich angenehm warm… Und es ist gar nicht so einfach, die Gliedmaßen in diesen Maßanzug zu falten. Wie hat Engel das gemacht??? Der Sitz ist ein hartes, winkeliges Brett ohne nennenswerten Seitenhalt, auf das jemand eine karierte Liegestuhlauflage gelegt hat. Silbrige Armaturen mit schwarzen Zifferblättern versprühen spontan Retro-Charme – sie sind aber echt. Der einzige Schmuck scheinen ein paar Hebel, ein paar Schalter und ein dreispeichiges Holzlenkrad zu sein. Alles andere ist blankes, unlackiertes Metall und umgibt die Passagiere kalt und pur. Im kleinen Handschuhfach liegt eine Mütze. Ich sträube mich ein bisschen, aber der schmunzelnde Blick des Fahrers lässt sie mich aufsetzen. Ich gucke ein bisschen schüchtern über das schmale Scheibchen aus Plexiglas, und wir rollen tatsächlich los.

Donnerschlag!

Pur, purer geht autofahren nicht

Donnerschlag!

Beherzt dran reißen, das kann er ab

Das langsame Steigen der Motortemperatur während der ersten Kilometer durch verwinkelte Gässchen und holperige Wohngebiete gleicht dem ersten Berg, den die Achterbahn im Vergnügungspark hochgezogen wird. Es gibt kein Zurück mehr, die Bügel haben sich geschlossen und das Geräusch, wenn die Gondeln zum freien Fall entriegelt werden, klingelt schon mahnend in den Ohren. Hier und heute ist dieses Geräusch der kurze Hebel des Schaltgetriebes, der von Engel in den zweiten Gang gerissen wird. Der Mann kennt den Wagen, er weiß, wozu er in der Lage ist und er vertraut der alten Technik blind. Mir als Beifahrer bleibt eigentlich keine andere Wahl als mich tief hinter die kleine Scheibe zu ducken, mich irgendwo festzuhalten und die Mütze tief ins Gesicht zu ziehen.

Donnerschlag!

Racing am Rhein

Seitlich brüllen die heißen Rohre ihr Stakkato in die unschuldige Nachbarschaft, der Vortrieb ist sagenhaft. Engel kurbelt am Volant und knüppelt souverän mit Schaltern und Hebeln herum, als wäre er eins mit dem Silberpfeil. Neben uns fließt majestätisch der Rhein, aber für touristische Momente hat mein Hirn momentan keine Kapazität. Ich sitze in einem echten Rennwagen. Und es ist mir scheißegal, ob das ein Nachbau ist oder ein Original, denn das Original hat die gleichen Komponenten wie dieses Geschoss hier. Schmeißt eure Subaru Imprezas und eure Audi S3s weg, Leute. Die liegen vielleicht sicherer auf der Straße, aber das hier ist die brutale Realität. Mir wird ein bisschen mulmig, so müssen Astronauten sich fühlen, wenn sie in Zentrifugen auf den Raketenstart vorbereitet werden. Und wie LAUT der ist. Sagenhaft. Werde ich das Grinsen jemals wieder aus dem Gesicht bekommen?

Donnerschlag!

Kaum da, schon wieder vorbei

Donnerschlag!

Den Donner wird mal kilometerweit vernehmen

Was macht dieses Auto mit einem? Es vermittelt tatsächlich Macht, es vermittelt Kontrolle über eine rohe, ungezügelte Kraft. Kaum ein anderes erdgebundenes Gefährt war vor 60 Jahren zu diesen Fahrleistungen in der Lage, und wo heute ein moderner Mercedes-Benz elektronisch abregelt, legt der hier noch 50 Sachen oben drauf. Ein unvorbereiteter Körper hat damit Probleme, weil die Physik an der Wirbelsäule zerrt und der leistungsgesteigerte Drei-Liter-Direkteinspritzer seine kraftvollen Vibrationen direkt an die Nerven weitergibt. Dieses hier ist ein Auto, wie es vor 125 Jahren einmal von Carl Benz erdacht wurde -  alle anderen sind in diesem Moment nur noch bessere Transportmittel.

Donnerschlag!

Er saugt die Straße vor sich auf

Tickend und knackend steht der SLR in der Nachmittagssonne an einer Uferpromenade, wo wir eigentlich gar nicht hinfahren dürfen. Kaum eine Chance, ihn ohne fragende Passanten zu fotografieren. Aber wem will ich das auch übel nehmen, dass er neugierig angeschlurft kommt, die Rundungen der Karosserie streichelt und den Duft von verbranntem, unkatalysiertem Benzin schnuppert? Während ich mir die ersten Frühlingsfliegen aus den noch immer grinsenden Zähnen pule fühle ich mich regelrecht privilegiert, in diesem Ding eben noch mitgefahren zu sein. Und KALT ist mir, Leute…. Ich trete ein paar Schritte zur Seite, während weitere Passanten mit großen Augen gucken und Bilder machen. Kein Wunder – der Motor allein, auch wenn es sich nicht um den Reihenachtzylinder der Mille-Miglia-Rennwagen handelt, ist schon ein Kunstwerk. Herbert Engel besitzt diesen Wagen seit mehr als sechs Jahren. Der Benz ist tatsächlich ständig zugelassen und wird regelmäßig bewegt.

Donnerschlag!

Ein Kunstwerk für sich

Donnerschlag!

Auch ein Rücken kann entzücken

An schönen Sommertagen donnert Engel mit seiner Frau Inka gern einige Runden über die Nordschleife am Nürburgring, da, wo es möglich ist und man nicht allzuviele Menschen belästigt :-) Er erlebt dabei immer wieder die Technik, die Natur, die mechanischen Geräusche und den Wind. Die Zaungäste jubeln, das alles macht den SLR für ihn zum “geilsten Auto der Welt“. Ich kann ein bisschen nachvollziehen, was er meinen könnte. Trotzdem: Altersbedingt wird er sich bald von seinem Traumwagen trennen müssen. Die 723 ist inklusive Wertgutachten und kompletter Historie zu haben. Wie noch viele weitere Exoten in den Hallen dieses charmanten Enthusiasten.

Donnerschlag!

Kein Raum für saubere Luft

Engel zirkelt das blubbernde und fauchende Auto wieder zurück in seinen Raum. Das war ein Blick in die Urgewalt des Autofahrens. Das war viel zu kurz. Es wäre immer zu kurz gewesen, egal wie lange wir den Rhein rauf und runter gedonnert wären, und mein Herzschlag wird sich heute nicht mehr so recht beruhigen. Ich bin ziemlich dankbar für die ausgeliehene Mütze und beschließe, irgendwann mal wieder her zu kommen. Aber das muss ich jetzt erst einmal alles verarbeiten. Die Legende ist greifbar. Wohl denen, die so etwas einmal im Leben erfahren dürfen.

Donnerschlag!

Ich und der SLR

Sandmann

 

Mercedes-Benz 300 SLR (Replica)
Grundmodell: Mercedes-Benz 300 SL Roadster
Baujahr: 1957, Umbau ca. 1987
Motor: M-198 Reihensechszylinder-Direkteinspritzer
Hubraum: 2.996 cm³
Leistung: 245 PS
Drehmoment: 275 Nm bei 4600/min
Höchstgeschwindigkeit: 260 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 9 s
Der Artikel auf TRÄUME WAGEN gibt es hier: KLICK

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Created Montag, 25. August 2014 Tags 300 SLR | Engel | Namedy | rennwagen | Silberpfeil | Sportwagen Engel | Sternstunden | stirling moss | TRÄUME WAGEN | Willy Kaiser Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
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22 Aug 2014
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Kleinanzeigen

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Kein Anschluss unter dieser Nummer

Hallo digitales Deutschland. Du verkaufst billige gebrauchte Digitalkameras und Kleinwagen, die man seiner Tochter vor die Tür stellen kann. Das trifft sich gut, denn ich suche dieser Tage eine billige gebrauchte Digitalkamera und ein Auto, was ich meiner Tochter vor die Tür stellen kann. Früher habe ich mir da eine Annoncen AVIS gekauft und drin geblättert. Und wurde immer fündig. Heute mache ich das in Kleinanzeigen im Netz, wie üblich. Und nach einigen Tagen verliere ich den Glauben daran, dass die Menschen in diesem Land den Mist, den sie inserieren auch ernsthaft verkaufen wollen…

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Da sagt man doch nicht nein

Fangen wir klein an. Vorweg: Das Bild ist leicht nachbearbeitet, es ist nicht genau die Kamera die ich wollte und die hat auch keine drei, sondern sechs Euro gekostet. Cool. Ich will nämlich so eine für meinen Trip nach Frankreich mit den beiden Mädels, weil meine Spiegelreflex grad die Grätsche gemacht hat und in Reparatur ist. Und eine Sony DSC war jahrelang meine Blog Cam, für diesen Preis, noch dazu in Hamburg…. Ich rufe an.
Nee, mache ich nicht, denn es ist keine Nummer angegeben. Also schreibe ich eine Nachricht über das Formular. Abends kommt dann eine freundliche Antwort mit Telefonnummer, ich solle mich morgen mal melden. Okay. Das mache ich auch und – erreiche niemanden. Hm. Nach mehreren Versuchen über einige Stunden schreibe ich eine SMS und frage freundlich, ob ich das Gerät so wie es ist heute vielleicht auf dem Heimweg abholen könnte. Es kommt eine SMS zurück, dass es nicht vor 17:00 Uhr gehe. Das sei kein Problem, schreibe ich, dann gern 17:30 und wo ich denn genau hinkommen müsse? Es kommt lange nichts. Ich fahre nach Hause. Am kommenden Tag kommt eine SMS, dass es alles ein bisschen kompliziert sei, man würde sich nochmal melden. Also rufe ich bei Kamera zwei an, die kostet schon 15 Euro. Hier ist man irgendwie pampig, jaaa, die is noch da, aber er wisse nicht so recht wann er mal daheim sei um mir die zu geben. Ich schlage vor, dass er darüber ja noch ein wenig meditieren könne und er versichert, mich zu benachrichtigen, wenn er die Erleuchtung erlangt habe. Das beides war vor drei Wochen. Von beiden habe ich nichts mehr gehört. Ich habe am kommenden Tag meine alte Sony im Keller wiedergefunden, sie macht seit dem einen hervorragenden Job.

Treiben wir das Thema ein bisschen größer weiter, am Beispiel von *tataaaa* Kleinwagen. In den 90ern habe ich alle meine Autos über die AVIS gekauft. Und wenn ich Bock auf Amis hatte holte ich mir die DAZ Auto Mobiles, die jetzt TRÄUME WAGEN heißt und einer meiner Arbeitgeber ist :-) Auch hier bietet nun das Netz Abhilfe.

Meine große Tochter sucht einen Polo. Einen ab 2002, mit den schicken runden Augen, Zweitürer, Diesel, TÜV und bis 2000 Euro. Das ist machbar. Ich schreibe insgesamt 8 Inserenten im Umkreis von 200 Kilometern freundlich an und bitte jeweils noch um Auskunft über Scheckheft und das erfolgte Zahnriemeninterwall.

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Der hätte es werden… KÖNNEN

Krass. Der oben auf dem Bild war the most sexy. Ich schreibe auch ihn an, bei privaten Inserenten ist ja oft noch Spielraum im Preis und die sind in aller Regel kooperativer als Händler. Es kommt keine Antwort. Drei Tage lang nicht von EINEM der angeschriebenen Menschen, die ihre Autos verkaufen wollen. Meine Tochter ist enttäuscht. Nach drei Tagen kommen zwei Zeilen in gebrochenem Deutsch zu einem anderen Polo, einem blauen, von einem Händler in Norddeutschland. Die Beule im Schweller ist kein Problem, einige Warnlampen leuchten aber der Motor läuft. Kein TÜV mehr. Ist ein Bastlerfahrzeug. Na vielen Dank, und das für 2000 Euro? Ich schreibe dem roten Polo Mann mutig eine freundliche SMS an die Mobilnummer und bitte um eine Probefahrt. Nichts kommt zurück. Ich schreibe weitere drei neue Inserenten an. Nichts. Keine Mails, keine Anrufe, kein Kommentar. Ich rufe die Telefonnummer des roten Polo Mannes an. Es kommt eine Mailbox, der ich fröhlich und charmant meine Absichten mitteile und um Rückruf bitte. Nichts. Nada. Das war vor vier Tagen.

Sind die alle bekloppt? Wollen die ihre Autos nicht verkaufen? Oder sind die inzwischen so abgebrüht, dass jede Kommunikation bezahlt werden muss und nicht im Zeitplan mit drin ist, weil die Karre sowieso vom Hof gekauft wird? Ich verstehe das nicht :-(
Zwei Theorien poppen mir auf.
Entweder: sind genau diese Sony Digitalkameras und VW Polos der Baujahre 2002-2005 von einer geheimen Kraft im Universum dazu auserkoren worden, aufwändig inseriert zu werden, ohne dass eine Verkaufsabsicht dahinter steht. Wer für einstellige Eurobeträge mehrere Bilder und Text zusammenbastelt muss ohnehin ein interessantes Zeitmanagement haben, da versteht man schon mal, dass diese Leute die Teile eigentlich lieber behalten wollen. Und Polos will ja sowieso niemand verkaufen, das sieht nur so aus.
Oder: Die Leute sind gerade alle im Sommerurlaub und checken schlicht ihre Mails nicht. Oder haben vergessen, die Inserate nach Verkauf zu löschen. Alle zusammen.

Und wissen Sie, was mich traurig macht? Ich halte die erste Theorie für die wahrscheinlichere…

Sandmann

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Created Freitag, 22. August 2014 Tags Absurdistan | autos | gewerblich | händler | Inserat | Inserenten | Kleinanzeige | Kleinanzeigen | privat | Sony DSC | vw polo Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
13 Aug 2014
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Strandmanns Welt

Strandmanns Welt

Mehr Schlaf und mehr Geschichten

Ich, sie und sie in Portugal, Teil 4.
Sand. Das wird nochmal ein happy peppi Familienblog hier, wenn das so weitergeht :-) Aber Sie sehen schön, mein Leben dreht sich nicht ausschließlich um Autos. Es gibt auch noch Sand. Sand ist gröber als Schluff und feiner als Kies. Schön, wenn der zudem noch am Atlantik rumliegt und bei angenehmen 25 Grad bebuddelt werden kann. Die letzten Tage in Portugal sind angebrochen, das bedeutet das nahe Ende von Urlaub eins, die Aussicht auf eine wühlige Woche in Kiel und Hamburg und den Anfang von Urlaub zwei (kompliziert). Erfolgreicher Familien-Patchwork verhindert den einen einzelnen großen Sommerurlaub, Papa teilt sich auf. Aber vorher gedenken wir noch ein wenig der Sonne, die auf das Land im Südwesten scheint. Angesichts der langsam fallenden Temperaturen hier in Deutschland ist das zumindest für mich eine schön melancholische Retrospektive. Was Sie draus machen – sehen wir dann. Erstmal lesen. Und dann streu ich Ihnen den Sand auch noch am Ende in die Augen…

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BÄM. Das schmerzt, wenn beim Lesen schlechtes Wetter ist.

Wettergott Petrus™ hat seinen wolkigen Terminkalender nicht so richtig mit uns drei rastlosen Reisenden im Yaris-Wagen abgestimmt, sonst hätte er zu unserem ersten Hotel, dem Boutique-Hotel in den Bergen, von Anfang an besseres Wetter geschickt. Wahrscheinlich ist wieder mal Zoff mit Frau Holle, das kennt man ja. Es war zwar die ganze Zeit irgendwie warm hier im westlichsten Westen Europas, aber nicht gerade sonnig (wie man den Bildern der vorangegangenen Geschichten entnehmen kann) und wir haben uns das immer nett zurecht gelegt. “Stell dir mal vor, die Sonne hätte die ganze Zeit geschienen, dann wäre die Kleine ja komplett verbrannt!” oder “Gut dass es nicht so wahnsinnig sonnig ist, hier in der Stadt wäre das dann ja unerträglich!” waren nur zwei Sätze, die verdeutlichen, dass sich der Mensch gern selbst bescheißt und sich die Lage irgendwie zurecht lügt ;-) Und heute, wo es auf die zweite Halbzeit zurück in den Süden Portugals geht ballert der wärmespendende Gasriese von einem blauen Himmel, als gäb’s kein Morgen mehr. Das gibt’s aber noch, also das Morgen, ich sitze am Pool, schaue ein letztes mal über die irgendwie lieb gewonnenen Berge und tröste mich damit, dass wir in Estoril ganz nah am Meer wohnen werden. Raus aus dem inhabergeführten Boutique Hotel mit dem freundlichen Niederländer und dem Pool, der uns sozusagen ganz allein gehört hat und rein in das Treiben an der Küste nahe Lissabon. Aber mit Sand (als was man einen nicht bindigen Boden mit einer Korngröße zwischen 0,063mm und 2mm bezeichnet). Na gut.

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Die Mauren wachen von oben.

Unterwegs nach da unten gibt es viele schöne Sachen anzugucken, was wir vor allem machen, um uns vom Hunger ablenken zu lassen. Nicht schon wieder trockenes Hühnchen, geschweige denn eine wie auch immer geartete Nahrungsaufnahme an einer Raststätte entlang der Autobahn. Ich habe in der Nähe von Mira (einem kleinen Städtchen an der Westküste, und nicht nur das) schon einen Koffer, die Gitarre, drei Bücher von Stephen King, mein iPhone Ladekabel und die Laptoptasche einem fliegenden Händler verkauft, um mir überhaupt die Autobahn-Maut leisten zu können. In Estoril wird die Fahrerei auch erstmal ein Ende haben, von da aus ruft in erster Linie der Strand. Strand mit Sand. Reine Sandböden bestehen in Mitteleuropa zum allergrößten Teil aus Quarzkörnern. Die durch Sandböden gekennzeichneten Tiefländer Nordmitteleuropas werden auch als Geest bezeichnet. Sie sind das Resultat pleistozäner Sandablagerungen (chchch :-D ). Und was weiß ich von Estoril? Da soll es ein großes Spielcasino geben, was mich persönlich nicht sonderlich reizt. Außerdem wohnt da anscheinend eine meiner beiden Stief-Halbschwestern, das habe ich aber erst hinterher erfahren. Schade. Unter jedem Dach ein Ach. Sachen gibt’s… Jedenfalls bekommt inzwischen mindestens das sandmann’sche Gesicht eine leicht bräunliche Sommertönung, und endlich kann man mal gesunde Facebook-Selfies machen, ohne darauf wie ein blutleerer Zombie auszusehen :-) Gleichwohl SeineKleineSchwester total auf Zombies abfährt. Also… nicht die Stief-Halb, auch nicht eine andere, die heißt so weil…. ach, das ist eine andere Geschichte.

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Profilbilder für Facebook findet man überall

Irgendwann wird der Hunger aber doch so groß, dass wir eine Pause in dem kleinen Städtchen Sintra wagen und uns einen Eiskaffee und ein bisschen Kuchen bestellen. Bollo. Nein, nicht billige Nudeln mit Hackfleischsauce, Bollos sind kleine Kuchen. Natas. Viel zu süß, aber wundervoll glücklich machend. Sie versetzen mein halbfinnisches Fräulein Altona in einen ähnlichen Zuckerschock wie mich der spanische Sherry aus der Vorgeschichte, und ich bin froh, dass mir gleich mein eiskalter Eiskaffee gebracht wird. Die sind ja erfahrungsgemäß eher herb. Parallel hat sich das Touristenbüro in Sintra auf die Agenda geschrieben, die gesamte Altstadt mit Musik zu beschallen. Aus kleinen Lautsprechern auf hohen Pfählen quaddelt portugiesische Musik, die ein bisschen an eine kleine Party und ein bisschen an die Wehlaute ertrinkender Seeleute erinnert, und das Leben geht ganz normal so weiter. Die Müllmänner leeren ihre Tonnen zur Musik. Die Bäcker verkaufen ihr Weißbrot zur Musik. Die Verkehrsplaner stecken ihren Kopf in den Sand zur Musik. Die Kunsthandwerker feilbieten ihre Handarbeiten zur Musik und ich bekomme meinen Eiskaffee zur Musik. Einiges ist anders als wir es kennen in diesem gastfreundlichen Land. Das Essen. Die Akustik. Und… auch die Eiskaffeebecher.

Strandmanns Welt

Äh…. okay. Ich…

Während ich versuche, mit Hilfe einer Leiter die obersten Schichten des gefrorenen Vanille-Koffeeins zu erreichen verteilt mein viertelfinnisches Sandfräulein süßen Kuchen an die Tauben. Reisen mit kleinen Kindern bedeutet vor allem zwei Sachen: Erstens eine gewisse Selbstaufgabe zwischen 7:00 Uhr und 21:00 Uhr zugunsten des sich formenden Willens eines kleinen Menschen (was allerdings regelmäßig mit herzergreifendem Knuddeln belohnt wird) und zweitens ein ganz neues Verhältnis zum Essen. Es fällt eine Menge runter, es bleibt hier und da spontan etwas übrig und nicht alles findet Anklang bei einem 17 Monate alten Gaumen, ist aber auch nicht immer mit den eigenen Plänen der Nahrungsaufnahme vereinbar. Man wird kreativ. Aber auch das ist eine andere Geschichte. Länglicher Eiskaffee und süße Kuchen machen zwar nicht satt, aber besser als Hühnchen ist das allemal. Als uns die Ohren gar zu doll klingeln von der allgegenwärtigen Musikbeschallung trägt uns der kleine Miet-Toyota ohne Sand im Getriebe noch weiter hinauf auf den Hügel über Estoril, kurz vor unserem Ziel. Hier soll es eine Kapelle geben, die einem Kraft spendet, wenn man sie betritt. Göttliche Kraft, universale Kraft, Karma, nennen Sie es wie Sie wollen. Jedenfalls ist sie nicht auf Sand gebaut. Ich geh da mal rein. Derweil klettert der Nachwuchs draußen die vielen Steintreppen ganz allein herunter und bekommt dafür tosenden Applaus von einem kleinen Reisegrüppchen, was unter einer Palme Schatten gesucht hat. Sie sind leicht zu begeistern, die Touristen hier. Vermutlich haben sie noch kein Mittag gegessen.

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Vor der Kapelle der heiligen Madonna

Estoril. Da sind wir also. Estoril hat eine lange Promenade mit (für mein Portemonnaie) viel zu vielen Eisbuden und einen langen Strand mit Sand. Quarzsand. Quarzsandböden gehören zu den am wenigsten fruchtbaren Bodenarten, da Minerale, die bei ihrer Verwitterung Nährstoffe freisetzen bzw. speichern können, in solchen Böden kaum zur Verfügung stehen. Auch versickert Wasser relativ schnell in dem relativ grobporigen Substrat und Nährstoffe werden rasch ausgewaschen. Als Boden entwickeln sich bevorzugt Podsole oder podsolige Braunerden. Die Sandbodenlandschaften Mitteleuropas sind jedoch nicht vergleichbar mit den relativ kahlen und vermeintlich toten Wüsten Afrikas oder Australiens. Nerve ich Sie? Na hören Sie mal, schließlich bin ich der SANDmann, also sagen Sie nicht, Sie hätten in diesem Blog nichts gelernt! Da Sand ein verhältnismäßig großes Porenvolumen hat, sind unterirdische Sand- und Sandsteinvorkommen wichtig als Speichermedium für Trinkwasser, Erdöl und Erdgas! Gniiihihi :-) Aber bevor ich final die Plastikschaufel in die podsoligen Braunerden steche kommen wir noch am Casino vorbei. Sie kennen das irgendwie? Vielleicht aus dem James Bond Film “Im Geheimdienst seiner Majestät” von 1969?

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Ian Fleming was here

Der klotzige Kasten aus den 30er Jahren hat Herrn Fleming anscheinend seinerzeit inspiriert, und man munkelt, dass auch er hier nennenswerte Beträge verzockt hat. Was für ein Glück, mit kurzer Hose, T-Shirt und Kinderkarre lassen die einen hier gar nicht rein :-) Aber ich mag Palmen. Palmen hier und Palmen da, sie sind hier einfach so dabei. Nein, keine Angst, ich werde jetzt nicht auch noch über Palmen referieren. Ich erfreue mich nur ihrer. Am Ende des Tages sind wir hier ja auch wegen des Sandes. In der Vergangenheit (17. oder 18. Jahrhundert) wurde Sand als Schreibsand (auch Streusand genannt) zum Trocknen der schreibnassen Tinte verwendet, später aber durch Löschpapier ersetzt. Kennen Sie noch Löschpapier? In Sanduhren rieselt trockener Sand durch eine kleine Öffnung und zeigt an, dass es immer weiter geht und nichts jemals anhalten wird. Und dass wir alle vergänglich sind. Vogelsand wird als Einstreu in Vogelkäfigen verwendet. Er dient unter anderem den Vögeln als Verdauungshilfe. Nasser Sand wird an Stränden zum Bau von Sandburgen verwendet. Und da sind wir wieder. Nicht zu fassen, was bei Wikipedia und seinen Freunden alles über Sand zu lesen ist, und es beunruhigt mich ein bisschen, dass der Bedarf der Bauindustrie an Quarzsand durchaus zu Weltkriegen führen könnte. Hier und heute führt der Bedarf an Quarzsand maximal zu gefüllten Plastikeimerchen und dem krokettenhaften Aussehen eines vormals mit Sonnenmilch eingeschmierten kleinen Mädchens.

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Da sind wir ja endlich…

Es ist schön am Strand von Estoril. Friedlich und fast windstill. Das viertelfinnische Sandmädchen ist unermüdlich dabei, kubikmeterweise wertvollen Quarzsand von einer Seite ihrer Beine auf die andere zu buddeln. Unser grünpflanzenbefreites Design-Hotel verwöhnt uns des Abends mit einem Balkon zum Wasser hin, der mehr Grundfläche als mein ganzes Häuschen in Kiel hat, aber irgendwie kommt der familiäre Charme des Boutique-Hotels in den Bergen nicht rüber. Das Bett ist bequem, alles ist sauber und nett und Pedro gibt sein Allerbestes, um uns als einzigen Halbpensions-Gästen jeden Abend das trockene Hühnchen mit einer anderen Sauce zuzubereiten. Nachts blinkt das Casino mit mehr Lampen als alle portugiesischen Leuchtfeuer zusammen, Elvis tanzt als Lichtgestalt durch die Nacht und das Meer rauscht gemeinsam mit dem Gebimmel der Slotmachines wie ein naturbelassener Fado der nicht zu ändernden Abläufe. Ach Südeuropa, ich mag dich, doch ich muss bald wieder heim nach Kiel, ein paar Sachen regeln, bevor sie mir wie Sand durch die Finger rinnen. Schon sind 10 Tage wieder vorbei. 10 Tage Dreisamkeit in einem entspannten Land westlich von Spanien, das ist weit weg von Norddeutschland.

Strandmanns Welt

Von Oben sieht es alles immer so friedlich aus

Sand in die Augen streuen ist ja irgendwie unangenehm, genau genommen. Dieses Bild wird als rhetorische Figur eingesetzt für die Täuschung von jemandem, den man so “blind” macht. Meine Augen sind offen. Augen auf und durch :-) Und der Sandmann streut seinen Sand ja auch aus ganz anderen Gründen. Es ist nicht dieser klassische Ursand. Der erste Sand der Erdgeschichte entstand aus magmatischen und metamorphen Gesteinen (z. B. Granit oder Gneisen), die durch physikalische Verwitterung in kleinere Blöcke oder, bedingt durch chemische Verwitterung entsprechend anfälliger Gesteinsbestandteile, direkt in einzelne Mineralkörner zerfielen. Nein, der ist es nicht. Ich streue Ihnen den klassischen Schlafsand in die Augen, immer nach einer Geschichte,damit Sie diese schließen und drüber nachdenken können. Mal mehr, mal weniger. Und damit Sie danach gut schlafen. Erzählen Sie mir mal, wie sich das anfühlt. Bis dahin erinnere ich mich an die Bilder von Sonne, an das Gefühl von Wärme und die unbedingte Sicherheit, die einem nur Familie und Freundschaft bieten kann.

Sandmann

DAS HIER war der vorangegangene Fado…

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Created Mittwoch, 13. August 2014 Tags Aldeia das Dez | Boutique-Hotel | Casino | Estoril | Porto | Portugal | promenade | Reise Reise | reisen | Reißen | sand | Sintra | strand Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
07 Aug 2014
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Sing den Fado!

Sing den Fado!

Im Land der traurigen Seemannslieder

Ich, sie und sie in Portugal, Teil 3
Ich stehe zum zweiten mal auf dem Fußboden dieses Landes, was schon immer unter der Überheblichkeit des großen Nachbarn gelitten hat, was mit Vollgas in den nächsten EU Rettungsschirm schleudert und was langsam unter der Arbeitslosigkeit und dem Verfall auseinanderbricht wie demnächst die Insel Sylt in der Nordsee. Es ist trotzdem oder gerade deshalb rau und schön auf diesem kleinen Zipfel westlich von Spanien. Die einst stolze Seefahrernation singt seit Jahrhunderten ihre traurigen Lieder, und es liegt eine immerwährende, unaufdringliche Melancholie über diesem Teil der Erde. Eigentlich kann man das gar nicht so recht beschreiben. Ich suche mal nach Worten, während ich vom Balkon aus auf eine Reihe abendlich beleuchteter geschlossener Geschäfte blicke, die zu mieten oder zu kaufen sind. Es riecht nach Holzfeuern und gebratenem Hühnchen, und spielende Kinder singen irgend einen Reim immer und immer wieder in den Abendhimmel. Natürlich beginne ich die Geschichte mit einem Flugzeug. Von TAP. Klar.

Sing den Fado!

Tap tap an der Scheibe und auch dahinter

Ich esse im Ausland nicht bei McDonald’s (äh… meistens jedenfalls nicht), weil die kulinarischen Ergüsse der Einheimischen vor Ort fast immer kostenswert sind. So ähnlich verhält sich das auch mit der Fluggesellschaft, es gibt da ja eine Menge Billigflieger ab Hamburg in die ganze Welt, sie, sie und ich haben uns aber für TAP entschieden. Die klassische Transportes Aéros Portugueses mit ihren rot-grünen Schwänzchen hat einen sympathischen Ruf, stürzt nicht übermäßig häufig ab und ist darüber hinaus die einzige Linie, die Direktflüge von Hamburg nach Lissabon anbietet :-) Das macht die Entscheidung noch leichter, denn glauben Sie mir, mit dem ganzen Gepäck einer sehr gut organisierten halbfinnischen Mutter Altona und den gesammelten materiellen Bedürfnissen des kleinen viertelfinnischen Sandmädchens (plus meiner Zahnbürste) möchten Sie nicht irgendwo zwischendrin in einen anderen Flieger steigen. Ich auch nicht. Zumal die Koffer und die Kinderkarre bei wechselnden Fliegern dann nicht da ankommen, wo man es geplant hat. Es genügt schon, mit diesem ganzen perfekt geschnürten Koffergeraffel später noch den Mietwagen zu suchen, aber die Geschichte kennen Sie ja bereits. “Da. Hugzeug. Da.” Sie lernt dazu, wir geben die klitzekleine Kinderkarre noch beim Oversized Luggage ab und steigen ein :-)

Sing den Fado!

Noch auf dem Boden der Tatsachen

Es ist so einem kleinen Menschen, der zwischen der 1 und der 5 noch ein Komma bei der Altersangabe hat, nicht leicht verständlich zu machen, dass man sich mit diesen Sitzen und diesen ganzen vielen Menschen gleich nach ganz oben über die Wolken begeben wird, um gut drei Stunden später inklusive Zeitverschiebung in einem ganz anderen Land zu sein, wo man die Sprache nicht versteht. Schon gar nicht, wenn man so kompliziert verschachtelte Sätze wie den eben gerade anwendet. Sie hat schon einmal einen Flug nach Wales bravourös hinter sich gebracht und beschließt im komplett ausgebuchten Airbus, nach erfolgreicher Nahrungsaufnahme einfach in Mamas Armen einzuschlafen. Das verhindert erfolgreich den ursprünglich geplanten Weiterbildungsschub genannter Dame mit der aktuellen “Gala”, erhöht aber gleichzeitig die Chance, dass alle Anwesenden ungenervt in Portugal ankommen. Denn die Pöbeleien eines gelangweilten Kleinkindes sind nirgendwo so laut wie in einem überfüllten Flugzeug. “Da. Hugzeug. Da”. *schnarch* Derartige Prioritäten lenken die eigene Aufmerksamkeit auf die ersten portugiesischen Ausläufer nationaler Massenkochkunst, und es fällt mir schwer, zu glauben, dass dieses… Hühnchen?… in der Plastikwanne vor mir genug Nährwert hat, um mich durch den Tag zu bringen. Anschließend gibt es von den freundlichen Stewardessen noch einen interessanten Nachtisch auf das Tablett portioniert, der ein wenig an diesen grünen Schleim erinnert, den wir in den 70ern immer zwischen unseren Händen haben durchglibbern lassen. Nur in ist der hier gelb. Gut, dass die Kleine schläft. Ich trinke eine leckere kalte Cola und bereite mich mental auf 10 Tage ohne Internet und ohne Telefon mit meinen beiden Hamburger Frauen vor :-)

Sing den Fado!

so klein ist das Land irgendwie gar nicht…

Merken Sie sich bitte: Wenn Sie in Hamburg eine Kinderkarre beim Check In abgeben und in Lissabon am Gate gefragt werden, ob Sie eine Kinderkarre mit im Flieger hatten antworten Sie auf jeden Fall immer mit JA. Das verhindert bestenfalls, dass jemand mit dieser Karre am Gate auf Sie wartet, während Sie selbst unten am Gepäckband rumlungern und nicht verstehen, warum die Kinderkarre nicht kommt. Auf diese Weise lassen sich die ersten zwei Stunden auf portugiesischem Boden recht monoton im Beisein von im Kreis fahrenden fremden Koffern verbringen. Zwischendurch wird noch ein trockenes Sandwich ohne Butter und ohne Saucen mit Hühnchenfleisch (glaube ich) erworben, und irgendwie sitzen wir drei dann irgendwann in unserem Mietwagen.

Portugal.
Wie lässt sich Portugal jemandem erklären, der noch nicht hier war? Man isst hier entweder leckeren Fisch oder nicht so leckeres Hühnchen. Da sind geografisch unten im Süden die Goldküste und der Tourismus. Die Hauptstadt Lissabon erstrahlt mit seinen Fußgängerzonen entweder im restaurierten Glanz der guten alten Zeiten – oder verfällt, gleich nebenan, zu baumbewachsenen Ruinen. Dazwischen ist nicht viel, es gibt keine Graustufen. Entweder schön und heile oder komplett kaputt und verlassen. Die berühmte Straßenbahnlinie 28E fährt einen für 2,80€ fast wie ein Touristenbus einmal quer durch die Gassen der Altstadt und hinterlässt einen grübelnd ob der Informationen, wie das alles hier eigentlich weitergehen wird, wenn sogar auf den hellen großen Paradeplätzen aus den Dachrinnen der pleite gegangenen Luxushotels kleine Grünpflanzen wachsen. Sieht man über die allgegenwärtigen Ruinen hinweg, weil man es einfach hier und jetzt nicht ändern kann diffundiert langsam der Charme vergangener Jahrhunderte in den Vordergrund. Die große Stadt ist so entspannt wie ihre Bewohner auch. Hier werden Baudenkmäler nicht eingezäunt und mit Eintritt belegt – hier leben die Menschen damit und darin. Der gekachelte Bahnhof ist einfach nur so ein Bahnhof.

Sing den Fado!

Kein Museum, nein. Eine Bahnhofshalle.

Und plötzlich führen die zunächst zusammenhanglos geglaubten Fäden der vorangegangenen Geschichten wieder zusammen. Nagelneuer Mietwagen und steinaltes Navi :-) Wenn man es erstmal geschafft hat, die Banlieu zu verlassen (und womöglich noch zumindest in der richtigen Himmelsrichtung unterwegs zu sein) eröffnen sich ganz neue Reisemöglichkeiten auf den wundervollen, neuen Autobahnen, auf denen wir fast ganz allein unterwegs sind. Was, wie wir später erfahren sollen, an den Mautpreisen in der Höhe von portugiesischen Monatseinkommen liegt und damit ein Schuss in beide Kniescheiben der hiesigen Verkehrsplanung ist, aber das Thema hatten wir ja schon. Viel interessanter für den blauäugig Reisenden ist ja die ungewöhnliche Kombination aus nicht ganz korrekten Ortsangaben seitens des Buchungsportals zum Standort des Hotels in den Bergen weit östlich von Porto und einigen wirklich gut ausgebauten, aber in meinem alten Navi nicht vorhandenen Überlandstraßen auf dem Weg dahin. Ich möchte die Gespräche im vorderen Teil des Autos hier nicht wiedergeben. Lesen Sie den betreffenden Blog. Im Fond wird glücklicherweise nach dem Genuss einer ganzen Banane friedlich im teuer gemieteten Kindersitz geschlafen.

Sing den Fado!

Einfach mal was finden. Super.

Nach drei verzweifelten Telefonaten mit dem freundlichen, Englisch sprechenden Boutique-Hotelbesitzer aus den Niederlanden und einigen, insgesamt mehr als zwei Stunden dauernden landschaftlich schönen Umwegen über Brücken und serpentinenreiche Bergstraßen stehen wir direkt vor unserer schönen Bleibe. Wikipedia bezeichnet “Boutique-Hotels” (ich habe diesen Begriff vorher noch nie gehört) sinngemäß als kleine, inhabergeführte Oasen der Ruhe, und das klingt wie eine leise Musik in den Ohren der an dieser Odyssee teilhabenden Personen. Von Lissabon nach Aldeia das Dez in den Bergen sind es über drei Stunden Fahrtzeit, dann addieren Sie bitte die kleinen aber feinen Navigationsprobleme oben drauf – das Angebot des alten, charmanten Hoteliers, uns noch etwas zu essen zu kochen beantworten wir mit einem glücklichen Nicken und werden endlich mal wieder mit der portugiesischen Küche konfrontiert, die hier eindeutig einen kleinen wirtschaftlich gerechneten Einschlag hat. Aber satt macht. Und diesmal besteht sogar die Möglichkeit, das Hühnchen abzulehnen und etwas anderes zu bestellen. Kaninchen können kleine, gesplitterte Knochen haben, wussten Sie das? Je nachdem wie sie erlegt und zubereitet wurden. Sehr, sehr viele kleine Knochen. Dieses hier ist vermutlich einer Landmine aus dem letzten Weltkrieg zum Opfer gefallen und wurde anschließend fein püriert und lecker gewürzt. Habe ich mal erwähnt, dass ich Fisch wegen seiner Gräten meide? Aber hey – nach einer köstlichen Cola höre ich die Betten des ersten Abends meines Urlaubs rufen. Ein paar Bimmelglocken um die Hälse glücklicher Ziegen dengeln romantisch in der Abenddämmerung, ein lauer Wind treibt interessante Wolkenformationen bis in den Hotelgarten und die Anstrengung einer kleinen Odyssee weicht langsam einer Müdigkeit, die von einem flauschigen Bett mit Blick über die Berge aufgefangen wird.

Sing den Fado!

Der Pförtner ist ausgezogen

Oben im Norden, westlich von uns, liegt Porto, ein Highlight nicht nur wegen des Portweines. Hier sitzen sie alle, die heiligen Weinhändler, die den süßen, schweren Stoff in die ganze Welt verschiffen. Links und rechts an den Ufern des großen Douro stapeln sich steil wie ein Haufen Legosteine Wohn- und Geschäftsviertel die Berge herauf, die mit hohen, mit wirklich wahnsinnig hohen Brücken verbunden sind. Diese erreicht man aber erst, wenn man die entsprechenden Fahrstühle gefunden hat oder wenn man sich mit einer Kinderkarre (die man am liebsten nie wieder weggeben möchte) und dem entsprechenden Zubehör auf anderen, wesentlich ausufernderen Wegen den Stahlkonstruktionen nähert. Es geht sportlich vorbei an bunten, wühligen Häuserzeilen, an denen Fahnen an den schmiedeeisernen Balkongittern hängen und aus dessen Fenstern leiser, trauriger Gesang klingt. Und immer wieder wird dieser Spaziergang gebremst von einem kleinen, mitteilsamen Mädchen mit Sonnenhut, das lieber laufen als geschoben werden will und das halbminütlich einen anderen Plan von der einzuschlagenden Richtung entwickelt. Das Ergebnis dieses Plans unterscheidet sich grundsätzlich von der tatsächlich einzuschlagenden Richtung, geht man davon aus, dass wir theoretisch ein Ziel vor Augen haben :-) Auf diese Weise bekommen wir einen abwechslungsreichen Eindruck von der Stadt und sehen Nebenstraßen, in denen wir sonst nicht gelandet wären und die auch in keinem Reiseführer genannt werden.

Sing den Fado!

Fast schon wie bei Hundertwasser, aber nicht weniger natürlich bunt

Was anfangs nur “irgendwie seltsam” anmutet, was aber nach und nach immer präsenter wird: Die Geschäfte sind fast alle anscheinend grundlos geschlossen, obwohl es früher Nachmittag ist. Und es befinden sich nicht viele Menschen an diesem eigentlich recht schönen Wochentag hier mitten in einer der größten Metropolen des Landes. Jedenfalls findet man sie nicht auf der Straße. Hier und da dringt ein trauriges Lied aus einem höher gelegenen Fenster, manchmal begleitet von einer Gitarre, aber sonst…? Wo sind die alle? Und warum? Ein blasser, sich auffallend langsam bewegender junger Kellner mit blutunterlaufenen Augen klärt uns auf, nachdem es ein wenig gedauert hatte, seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Gestern war doch das Fest des Heligen São João, des Schutzpatrones. Da sei die ganze Stadt auf den Beinen, da feiern alle lange und trinken ziemlich viel. Ah. Und auch das beschreibt die Mentalität der gelassenen Portugiesen, die machen dann am nächsten Tag einfach komplett ihre Geschäfte erst am frühen Abend wieder auf. Wenn der Kater erträglich geworden ist. Dieser Mann hier hatte einen anscheinend nicht optimalen Deal mit seinem Arbeitgeber und wäre sicherlich auch gern ein bisschen länger liegen geblieben. Jetzt bringt er mir dafür ein Clubsandwich mit Hühnchen. Und eine Cola.

Sing den Fado!

Zu Lande, zu Wasser und zu Fuß

Die Stadt erwacht langsam zum Leben, gegen 16:00 Uhr räkeln sich die ersten Ladenbesitzer in einer Wolke aus Vinho Verde und Chicken Piri Piri. Ich will abschließend noch auf diese riesengroße Stahlkonstruktion, die sich wie ein umgekippter Eiffelturm über den Fluss legt und sowohl Fußgängern als auch Straßenbahnen ermöglicht, ihn zu überqueren, ohne dabei sonderlich nass zu werden. Sie kennen doch diese dünnen Stahlgitter, die manchmal wie Fußmatten über den rechteckigen Löchern vor den Eingangstüren von Schulen liegen. Darunter fand man immer verschiedenen Kram, Zopfgummis, Ringe, Kämme, Geld. Und jetzt schieben Sie diese Gitter mal 60 Meter oder so hoch in die Luft, hängen ein paar aneinander und lassen dazu noch Straßenbahnen drüberdonnern. Argh. Ein solch vertrauenerweckendes Gefühl verströmt diese Brücke. Alles wackelt leicht, und wenn man runterschaut sieht man keine Zopfgummis, Ringe, Kämme oder Geld. Da sieht man den Douro. Irgendwo da unten, da ganz weit unten, und mit seiner Fließgeschwindigkeit scheint die Stahlkonstruktion langsam zur Seite zu kippen. Mein halbfinnisches Fräulein Altona ist ein bisschen grün, obwohl sie gestern Abend gar nicht wie alle anderen mit dem Heiligen São João gefeiert hat und schlägt vor, dass wir doch vielleicht schnell ein paar Fotos machen und dann mal wieder festen Boden aufsuchen könnten. Dieser Wunsch wird von der nächsten, direkt an uns vorbei donnernden Straßenbahn unterstrichen.

Sing den Fado!

Über den Dächern von Porto

Natürlich. Einen kleinen Moment noch. Ich pendel zwischen Faszination und Höhenangst und beschließe, zu Hause in Deutschland mal zu schauen, ob es für meinen Microsoft Flugsimulator ein Portugal Add On gibt, denn ich will unbedingt mal unter diesen Brücken durchfliegen :-) Der Blick von hier oben ist wirklich sagenhaft, er geht über Plätze mit großen Public Viewing Leinwänden (die WM läuft noch, und bisher hat niemand eine Anspielung auf das 5:1 von Deutschland gegen Portugal gemacht), Werbetafeln von Sandemann und Graham’s Portwein über das Häusermeer bis zu den Bergen am Horizont, hinter denen unser kleines Boutique Hotel liegt. Dort ganz weit hinten, rund 100 Kilometer entfernt über die Autobahn für Gutverdiener und dann noch einmal 20 Kilometer über gedärmartige Bergstraßen, die auf Beifahrerinnen einen ähnlichen Effekt haben wie Heiligenparties. Das viertelfinnische Sandmädchen ist in ihrer Karre kapitulierend eingeschlafen. Ich bekomme schon wieder Hunger und mache schnell noch einen Selfie, bevor wir auch langsam den Yaris-Wagen aufsuchen, um dem Abend im entspannten Hotel eine Chance zu geben. Sightseeing ist toll, aber irgendwann soll man ja auch bei gutem Essen mal die Füße hochlegen.

Sing den Fado!

Von hier oben kann ich auch nicht in die Zukunft blicken…

Wenn ich in Portugal Fritten bestelle bekomme ich Kartoffelchips, wenn das erstmal bekannt ist und ich es mir gemerkt habe bestelle ich eben keine Fritten mehr. Raststätten entlang der unbefahrenen Oberschicht-Maut-Highways locken den spontan hungrigen Touristen auf seinem Weg zurück ins Hotel mit großen Auslagen voller liebevoll angerichteter Gemüse- und Fleischvariationen, an denen wir uns nur allzu gern laben möchten. Hier tut man gut daran, sich lediglich ein klebriges, süßes Stück Kuchen zu kaufen. Außer, es steht einem der Sinn nach antiken Fleischstücken und Gemüsesorten, die in Europa seit Jahren nicht mehr angebaut werden. Essen. Das müssen wir alle mal irgendwann. Genau wie Kaffee trinken, in Italien ist das eine allgegenwärtige Geschmackswonne, in Frankreich eher nicht so. Hm. Man nimmt es den Portugiesen aber irgendwie nicht übel. Irgendwie nicht. Was können sie denn auch dafür, dass hier auf der Autobahnraste wegen dieser utopischen Mautgeschichten nur alle zwei Monate überhaupt mal jemand vorbeifährt und nur alle vier Monate mal jemand anhält? Und der will dann meist noch nicht mal was essen, denn preiswert sind die Gerichte zu allem Überfluss auch nicht. In den Städten jenseits der Autobahnen wiederum sprechen sie deine Sprache nicht, und egal, was du bestellst, es ist irgendwie immer Hühnchen mit Kartoffelchips. Generell kann ich zusammenfassen: Eine kalte Coca Cola aus der Dose schmeckt immer.

Sing den Fado!

Kaninchen mit Nachtisch

Was sie können, die Portugiesen, ist Wein und Dessertwein. Der extra tief aus dem Keller hervorgezauberte, uralte Cream Sherry aus Spanien (verdammt) entwickelt seine ganz besonderen Eigenarten. Unser niederländischer Gastgeber präsentiert ihn stolz, während das viertelfinnische Sandfräulein einen Klangteppich aus “mehr! mehr! mehr!” über ihrem leergefutterten Teller ausbreitet, auf dem eben noch Hühnchen lag. Ja. Sherry. Man bekommt eine kleine Ahnung, warum Portugiesen und Spanier sich nicht sonderlich mögen, dieses Getränk hier in meinem Glas scheint einen Teil der späten spanischen Rache zu verkörpern. Ich zerschneide der Kleinen noch etwas von diesem Geheimrezept des Hauses und versuche mich nach diesem langen Tag voller Eindrücke zu konzentrieren. Dabei gleitet das eben verköstigte Getränk zähflüssig meinen Hals hinunter und verwandelt mich innerhalb von Sekunden in einen betrunkenen Diabetiker. Vielleicht a) kümmert sich heute mein halbfinnisches Fräulein Altona mal lieber um die nächtliche Betreuung unserer Tochter und b) trinken wir morgen Abend lieber wieder einen klaren, frischen portugiesischen Vinho Verde. *hicks* Ich feier den Ausklang dieses Tages auf dem Balkon mit einem fast kitschigen Blick auf die Berge. Das Dorf da vorn, mit den vielen geschlossenen Geschäften, erwacht zum Leben. Kinder spielen, es wird gegrillt und gesungen. Ich mag Südeuropa…

Sing den Fado!

Abends beginnt das Leben

Während meine Pfeife langsam vor sich hinglimmt und kleine, nach Kirschen duftende Wölkchen in den klaren Abendhimmel entlässt fällt eine schwere, schon viel zu lange drückende Last des Alltags langsam von meinen Schultern. Was für ein unbezahlbares Glück, mit meiner geliebten Freundin und unserem gesunden, quirligen Töchterchen diese Tage hier zu verbringen, früh am Abend zu schlafen und um 7:00 Uhr spätestens von neuen Wortkreationen aus den Tiefen des Reisebettchens wachgeplaudert zu werden. Wer sich anmaßt, so etwas anstrengend zu finden hat noch nicht erlebt, was wirklich anstrengend ist. Was an den Nerven zerrt und über Jahre die Existenz von allem in Frage stellt. Der Anfang dieses kleinen Urlaubs markiert gleichzeitig das Ende einer großen Reise, die aber nicht in Portugal stattfindet. Nicht hier, bei diesen gelassenen Menschen, die alle João heißen und garantiert nicht alle heilig sind. Nicht zusammen mit diesen beiden wundervollen Menschen, mit denen ich mein Leben teile. Hier atmen wir jetzt durch und tanken Kraft für den Endspurt zu Hause. Aber das ist eine andere Geschichte. Morgen fahren wir erst einmal ans Meer…

Sandmann

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Created Donnerstag, 07. August 2014 Tags Aldeia das Dez | Boutique-Hotel | Chips | lissabon | Piri-Piri | Pommes | Porto | Portugal | Portwein | Reise Reise | reisen | Reißen | Sherry Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
22 Jul 2014
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Navi, alt

Navi, alt

Jenseits von allen Routen

Ich, sie und sie in Portugal, Teil 2
In 300 Metern, biegen Sie im Kreisverkehr rechts ab. Zweite Ausfahrt. Dann, Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht.” Ach Lisa, meine große Liebe. Lisa ist die Sprechstimme meines TomTom GO 720 von anno 2007, und Lisa ist in die Jahre gekommen. Dabei war ich ihr ein so kreativer Freund. Ich habe ihr Kathrin zur Seite gestellt, ihre synthetische Computerstimmenfreundin. Und ich habe meine großen Töchter im Custom Modus dieses Navigationssystem selbst besprechen lassen. Das ist auch 6 Jahre später noch verhältnismäßig unterhaltsam. Aber Lisa ist jetzt alt. Sie ist verwirrt. Das bringt mich und unbeteiligte, nachvollziehbar genervte Mitreisende erstmals an Orte auf diesem Planeten, die noch nie zuvor ein moderner Mensch sehen wollte.

Navi, alt

erneut unterwegs mit dem Miet-Yaris

Es hätte so schön sein können. Immerhin haben wir beim Autovermieter 110 Euro Leihgebühr gespart, weil wir mein altes Navi mit in den Urlaub genommen haben. Dass diese Ersparnis nicht mal für eine einzige Paartherapiestunde reicht war mir bis dato nicht ganz klar. Ich vertraue meinem alten TomTom. Es hat mich 7 Jahre lang da hin gebracht, wo ich hin wollte. Immer! Okayyyy….. in den vergangenen Jahren vielleicht nicht immer auf dem bestmöglichen oder schnellsten Weg, denn das Teil stammt noch aus einer Zeit, in der es keine lebenslangen Kartenupdates gab. Das gute alte “Nav Share”, also von einer emsigen Online-Community bereitgestellte, selbst erlebte kleine Korrekturen der Verkehrswege waren damals zwar eine prinzipiell gute Idee, diese Korrekturen betreffen aber auch nur sowas wie Einbahnstraßen in falscher Richtung, Kreisverkehre wo keine sind oder neue Rechtsabbieger. Ganz neue Straßen berücksichtigt dieses Karten-Crowdfunding nicht, und glauben Sie mir, ganz neue Straßen sind seit 2007 eine ganze Menge gebaut worden. Aber nicht im Urlaubsland Portugal, denke ich mir, das wird schon alles so okay sein, bis hier sind die Fördergelder der EU noch nicht geflossen. Ich schalte das Navi an, starte den Kleinwagen und fahre los. Wir wollen ins Nachbardörfchen, da soll es einen Supermarkt geben. Wein und Windeln sind alle.

Navi, alt

Neben der Spur

Da vorn links, von da sind wir gestern gekommen…” sagt nicht das Navi, sondern die eine Frau an meiner Seite. Die, auf deren Aussagen ich eigentlich hören sollte. Ich biege rechts ab. Der Akku von Lisa ist nach all den Jahren so tot, dass sie permanent am Zigarettenanzünder hängen muss wie ein Junkie am Methadontropf. Nicht schlimm. Schlimm ist, dass sie senil wird und immer länger braucht, um ihre Satelliten zu finden. Meistens genau so lange, bis ich exakt in die falsche Richtung gefahren bin und sie mir zart ihr laszives “Drehen Sie wenn möglich um…” ins Ohr säuselt. Wenn ich meine beiden Töchter als Stimme aktiviert habe, dröhnt mir in so einem Fall schmähende Häme entgegen, den Wortlaut möchte ich Ihnen an dieser Stelle ersparen. Meinem halbfinnischen Fräulein Altona auch, deshalb textet Lisa ihre unkreativen Phrasen jetzt quasi vorhergesehen (denn ich bin ja nicht links abgebogen). Die nicht Lisa heißende Dame neben mir ist schon genervt genug von der Tatsache, dass wir uns anscheinend gerade auf einer Straße befinden, die es gar nicht gibt. Ein Projekt aus EU Fördermitteln. Lisa ist entsprechend nervös und orakelt sekundenweise neue Abkürzungen, die derart nerven, dass ich ihr mit zwei Fingertipps den Mund verbiete. Durch frisch betonierte Serpentinen geht es den Berg rauf. Meine Beifahrerin wird langsam grün, die kleine Frau im Fond ist in ihrem Kindersitz resignierend eingeschlafen.

Navi, alt

schön hier, über der Baumgrenze

Das Navi gibt alles, um uns vorausschauend landschaftlich hinreißende Orte in diesem Land zu zeigen, was heute gar nicht das erklärte Ziel mindestens einer in diesem Auto anwesenden Person war. Als wir nach 20 Minuten auf der EU-Betonpiste oberhalb der Baumgrenze mitten in schlechtes Wetter geraten wagt meine attraktive Reisebegleitung erstmals, mich zu fragen, ob ich vielleicht in letzter Zeit mal an den Erwerb eines neuen Navis oder zumindest an ein Kartenupdate gedacht habe…? Ja. Habe ich. Aber die neuen Karten kosten für dieses alte Gerät pro Jahr 70 Euro, das lohnt sich ja nicht. Und warum sollte ich ein neues kaufen, das alte tut’s doch noch ganz gut? Das geht doch noch? Sie ist da irgendwie anderer Meinung und guckt böse aus dem Fenster. Irgendwo hier wird das Dörfchen mit dem Supermarkt schon sein, ich kann schließlich nichts dafür dass die in Portugal absurde Kilometerangaben auf ihre Schilder drucken, wenn sie überhaupt Schilder aufstellen. Und andauernd neue Straßen bauen. Kann denn nicht mal etwas so bleiben, wie es war? Schlüssel rum, Motor aus. Ich halte an und steige aus, es ist doch schön hier oder nicht? Oder? Oder was?

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Endlich wieder Pathos-Selfies

Ja, sagt sie, es sei schön hier, aber das sei es im Niendorfer Gehölz bei Hamburg auch, und auch da wolle sie jetzt nicht hin. Ob ich mich an den Supermarkt erinnern könne, bei dem wir laut meinen epischen Versprechen seit 15 Minuten sein müssten? Zu dem wir nur kurz aufgebrochen seien, um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen? Ach ja, stimmt. Ich bitte meine gut organisierte Lebenshälfte um eine weitere Minute ihrer Geduld, während ich noch ein paar obligatorische Pathosbilder mache, mit Auto am Rand des Abgrunds, Blick auf den Horizont und weitem Land unter mir. Leider ist dieses Auto, ich kann es drehen und wenden wie ich will, nicht für solche Bilder geschaffen. Es sieht einfach unglaublich scheiße aus, verzeiht mir ihr Designer bei Toyota, ich wünsche euch von ganzem Herzen viele viele Kunden – aber ich bleibe bei kantigen Stufenhecklimousinen und vieräugigen Alt-Daimlern. Selbstauslöser. piep piep piep *klick* Gleich noch eins :-) Aus dem Inneren des Wagens höre ich Gebrummel über die typischen männlichen Zeitangaben. Ich liebe diese Frau. Sie ist sehr geduldig mit mir, sie ist trotz der vergangenen fast sechs Jahre immer noch an meiner Seite und ohne sie würde ich vermutlich wie ein Schiff ohne Segel steuerlos über einen großen Ozean aus Planlosigkeit treiben. Ich mach noch mal ein Selfie vor dem Schild mit der Schneefallwarnung.

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FAST … auf dem richtigen Weg.

Man muss dazu kurz rekapitulieren, dass es Sommer ist und wir in Portugal sind. Dann ist es lustig, ich poste es gleich mal bei Facebook. Nein. Hier ist nicht mal ein Handynetz. Und wir sollten jetzt tatsächlich mal zu diesem Supermarkt, weit kann er ja nicht mehr sein, so lange wie wir schon hier auf diesem Bergkamm umherkurven. Oder Lisa, was sagst du? Sie sagt nichts mehr, denn sie hat sich komplett stromlos resettet, als ich den Motor und die Zündung ausgemacht habe. Der Neustart der antiken Software dauert jetzt ein bisschen, ich fahre schon mal vorsichtig weiter, weil ich noch einen Funken Resthoffnung in den schönen Augen meiner erwachsenen Mitreisenden auf dem Beifahrersitz erkenne. Links unten im Tal entdecke ich Häuser. Das Navi ist schon fast wieder da, immerhin erscheint schon wieder mein Zuhause in Kiel auf dem Bildschirm, jetzt müssen im Orbit nur noch ein paar versprengte Satelliten gefunden werden. “Mein Gefühl sagt mir, dass wir hier jetzt rechts abbiegen sollten…” murmelt meine große Liebe mit leicht resigniertem Unterton. Solange sie noch mit mir spricht ist weder Hopfen noch Malz verloren. Oder ist es nur ihr ungebrochener Überlebenswille? Ich habe allerdings links die Häuser gesehen und argumentiere beharrlich, dass das die bessere Richtung sei. Sie guckt aus dem Fenster. Ich biege links ab und vernehme nach ein paar 100 Metern von der aus ihrem Dornröschenschlaf erwachten Lisa “Drehen Sie wenn möglich um.” Ups. Auf einmal, na toll. Das geht hier aber gerade nicht. Bestimmt kommt bald eine weitere Kreuzung, oder Lisa berechnet den Weg in diese Richtung neu.

Navi, alt

Stonehenge?

Wenigstens scheinen wir in Gegenden vorzudringen, in denen zumindest die Ureinwohner irgendwann mal heidnische Kultstätten errichtet haben. Auf den Grundmauern dieser Opferaltäre sind im 19. Jahrhundert oft Supermärkte gebaut worden. Leider kann Lisa uns momentan nicht sagen, wo genau wir sind, die nach unten ins Tal dichter werdende Vegetation aus Bäumen hat sich vor die Satelliten geschlichen. Das mag sie nicht. Inzwischen sind wir meiner Meinung nach auch schon zu weit in Richtung der gesichteten Häuser gefahren, um jetzt noch umzukehren. Unser Benzin reicht noch für mindestens 50 Kilometer, wir sind mitten in Portugal – herrjeh das KANN doch nicht so schwer sein, diesen Supermarkt zu finden? Ich denke an die hippen kostenlosen Verkehrshotlines deutscher Privatsender (“auch vom Handy aus!”), bei denen ständig vom Leben gelangweilte selbsternannte Überland-Sherriffs anrufen und im perfekten Ordnungshüter-Sprech dienstbeflissen die Verkehrslage vor ihrem Dauercampingplatz durchgeben. TomToms “Nav-Share” hätte funktionieren können, genug Melde-Lemminge sind in diesem Land vorhanden. Mein halbfinnisches Fräulein Altona hat sich aus meinen Monologen ausgeklinkt und ist damit beschäftigt, das auf dem Rücksitz erwachte und hungrige viertelfinnische Sandmädchen mit einer Banane bei guter Laune zu halten. Reise Reise. Ich muss mal. Aber alles wird gut, hinter einer engen Kurve um einen beeindruckenden Felsen herum erscheinen die ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation!

Navi, alt

Ein Dorf im eigentlichen Sinne ist das nicht.

Äh. Ja. Das ist nun nicht genau das, was ich mir erhofft hatte. Kleinlaut blicke ich in Richtung des Beifahrersitzes. Von dort kommt weder ein “siehste” noch ein “hab ich doch gesagt”, von da kommt momentan gar nix. Ich fürchte, sie macht intern wieder einen Haken auf der langen Liste der Sandmann-Idiotien, die definitiv zu verhindern gewesen wären. Warum habe ich vor dem Urlaub eigentlich als zufriedenes ADAC Mitglied nicht diese superpraktische Urlaubsbox geholt, mit Touristeninformationen, Sehenswürdigkeiten und vor allem großen Karten über das Land, in dem man sich gerade befindet? Die gute alte Straßenkarte. Wie wünsche ich sie mir jetzt. Lisa hat sich inzwischen wieder zurechtgefunden, der Bildschirm dreht sich ein paar mal um sich selbst und zeigt uns mit unserem Toyota als kleinen Pfeil inmitten einer öden Gegend, in der die Straßen keinen Namen haben. Ach, das meinte Bono also damals. Vom Rücksitz kommt fröhliches Gegluckse, gefolgt von ein paar ersten Zweiwortsätzen. Die süße kleine Gurke. Es ist ein erhabenes Gefühl, sie aufwachsen zu sehen. Ihre Mutter wird ihr später beibringen, nicht so starrköpfig wie ihr Vater zu sein. Hoffe ich. Ich bringe den japanischen Kleinwagen noch einmal zum Stehen, weil ich meine Blase entleeren möchte, bevor ich weitere Pläne schmiede.

Navi, alt

Ach, kommen Sie doch rein.

Auch meine allerletzten Hoffnungen schwinden, hier noch etwas zu finden, was ich meinem halbfinnischen Fräulein Altona als den gesuchten Supermarkt verkaufen kann. Ich gebe mich geschlagen. Wahrscheinlich wird es das beste sein, den Weg einfach wieder komplett zurück zu fahren und nochmal bei der ersten Kreuzung tief in die Augen der Dame mit dem zumeist richtigen Bauchgefühl zu gucken, sie zu fragen, was sie glaubt in welche Richtung wir wohl fahren sollten, diese Aussage dann auch ohne Rücksicht auf die eigene Meinung zu befolgen und die Aktion noch mit dem Versprechen zu würzen, nach diesem Urlaub ein neues, ein nagelneues Navigationsgerät zu kaufen. Das klingt nach einem guten Plan. Ich fahre los. Zurück. Raus aus diesem Tal. Wo immer wir hier auch gerade gelandet sind, nach gruseligen Lost Places steht mir heute der Sinn gar nicht. Mit jedem Kilometer in die richtige Richtung hellt der Blick meiner Freundin auf. Lisa, das verwirrte TomTom, findet sich auf der EU-Betonpiste wieder nicht aber behauptet nun, dass wir prinzipiell auf dem richtigen Weg seien. Lisa, das ist mir egal, das rettet dich jetzt auch nicht mehr und deine Meinung ist nicht gefragt. Nicht mehr.

Navi, alt

Angekommen!

Alors, da sind wir ja. “Nach 100 Metern, Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht.” Gefahren nach Schildern und dem Bauchgefühl meiner halbfinnischen humanoiden Navigationshilfe. Vertrauen Sie immer auf das Bauchgefühl der Frau, die Sie lieben. Immer! Und widersprechen Sie ihr nicht ständig, wenn Ihre Erfahrung aus der Vergangenheit Sie schon gelehrt hat, dass ihre Vorschläge meist gut sind. Mein erster Weg nach unserem Urlaub wird mich in einen Elektronikfachmarkt in der Innenstadt führen. Es soll definitiv wieder ein TomTom werden, allein schon damit ich die Stimmen meiner Töchter mit “rüberretten” kann. Außerdem mag ich TomTom irgendwie. Gleichwohl ich in prähistorischen Zeiten mal Sorgen mit der Befestigung hatte, man erinnert sich vielleicht? :-) Aber da wurde mir im Anschluss tatsächlich unbürokratisch geholfen, und hey, das Navi von damals habe ich schließlich noch immer Navi, alt Mal sehen, was da heute so angeboten wird, ab 150 Euro bekommt man schon lebenslange Kartenupdates aus Amsterdam. Mehr will ich ja gar nicht. Und hören Sie mir auf mit gratis-Navis auf dem Handy oder meinetwegen auch Kaufversionen (ich als Telekom Kunde habe Navigon für 10 Euro komplett drauf) – mein Handy ist ein Telefon. Damit will ich einfach nicht navigieren, denn IMMER wenn ich das doch mal mache ruft jemand an und ich verfahre mich, während die Sprechstimme dem Anrufer ständig reinquatscht. Neee. Ich will TomTom. Und ich will diese tolle Frau an meiner Seite. Und jetzt kaufen wir endlich Wein und Windeln und machen noch was aus dem Tag.

Sandmann

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Created Dienstag, 22. Juli 2014 Tags Absurdistan | alt | karten | Navi | Navigationssystem | neue Straßen | Portugal | Reise Reise | Supermarkt | Tom Tom | TomTom | Update | Urlaub | veraltet Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
20 Jul 2014
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Mietwagen, neu

Mietwagen, neu

Zwischen Land und Meer

Ich, sie und sie in Portugal, Teil 1
Es ist mir fast schon ein bisschen peinlich. Also peinlich auf mehreren Ebenen. Ich bin ja kein Neuwagenblogger und werde das auch niemals sein, aber WENN ich einen Neuwagen fahre, fotografiere und drüber schreibe, dann muss der schon sehr geil sein. Also vielleicht ein CLS AMG wie damals in Kalifornien:-) Und jetzt? Jetzt sitze ich hier neben einem nagelneuen Kleinwagen, den ich sehr hässlich finde. Der total lahm ist. Das ist mir peinlich. Aber ich werde jetzt nicht wie ein allesfahrender Neuwagenblogger trotzdem die tollen Vorzüge dieser langweiligen Karre beschreiben, denn es geht heute um … MIETWAGEN:-) Darüber habe ich noch nie getextet. Sandmanns klugscheißender Wissens-Blog. Und das – ist mir auch peinlich.

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Nun mal mit Kindersitz, bitte.

Miet-Wagen. Meet-Wagen. Meat-Wagen. Need-Wagen. Miet-Plagen. Viele sagenhaft witzige Kalauer sind mir eingefallen, eigentlich wollte ich sie als roten Faden durch die Geschichte spinnen, aber ich bekomme nicht genügend sinnstiftende Zusammenhänge hin. Im Süden gibt es da einige viele, GoldCar, AutoEurope und wie sie alle heißen. Während eine nette junge Dame an der Rezeption bei “Drive on Holidays” irgendwo in Suburbia nahe des Flughafens Lissabon den zum Toyota dazugebuchten Kindersitz einbaut, rekapituliere ich kurz ein paar vergangene Urlaube, bei denen ich auch schon das Vergnügen mit unterdimensionierten Leikarren hatte:

Alle waren sie klein, diese Transportmöglichkeiten. Sehr klein. Und alle hatten was gemeinsam: Sie waren billig, und ich habe sie im Internet über das Portal billiger-mietwagen.de gebucht, weil der Name mir eben genau das anbietet. Im Urlaub brauche ich keinen Komfort, ich will nur motorisiert von a nach b kommen. Für Hotels und Ferienreisen gibt’s Portale, für gebrauchte Autos gibt’s Portale, für Klüngelkrams und Kindheitsspielzeug gibt’s Portale, für Mietwohnungen gibt’s Portale… und für Mietwagen gibt’s die auch. Das wird nun eine kleine Lobhudelei auf diese spezielle Plattform, denn die haben bisher jedes Mal alles richtig gemacht. Und wenn man sich im Vorfeld über ein paar spezielle Modalitäten der südeuropäischen Mietwagenanbieter im Klaren ist tut das meistens auch alles gar nicht so weh. WENN. Dafür haben Sie nun ja mich. Ich liste mal ein paar Stolpersteine auf und hebe die fett hervor. Denn nicht alles, was auf mich zukommen kann erfahre ich offiziell vor meiner Reise :-(

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Kofferraum? Na ja… TASCHENraum eher.

Was wir in Wales mit dem Fiat 500 schon in einer Selbststudie erarbeitet haben: Mit einem Kind dabei muss das Gefährt mindestens VIER Türen haben! Und ‘ne Klimaanlage. Dabei ist billiger-mietwagen als Vergleichsportal sehr bemüht, den Onlinebucher mit allen Informationen nicht nur über Sehenswürdigkeiten vor Ort, sondern auch über Haken und Ösen der südländischen Mietwagen-Mentalität zu versorgen. Wo finde ich im Flughafen den Anbieter, wie schnell darf ich im Urlaubsland fahren, ist Maut fällig, kommen Extrakosten auf mich zu? Aber sie sind eben “nur” das Portal, sie wissen nicht immer was am Ende beim Anbieter vor Ort noch abgeht, weisen aber per Mail darauf hin dass eventuell am Ende beim Anbieter vor Ort noch was abgeht. Eben jener Kindersitz, der uns mit 5 Euro pro Tag zusätzlich berechnet wird :-( Der in Deutschland gebliebene Testsieger “Römer King” hat im Portal für Klüngelkrams und Kindheitsspielzeug neuwertig gerade mal 35 Euro gekostet, da sind wir hier in Portugal preislich schon nach 7 Tagen. Und wir bleiben 11 Tage. Urks. Aber mal ehrlich – wollen Sie einen dicken Kindersitz im sowieso schon viel zu engen Flugzeug mitschleppen? Nein. Trotzdem ne kleine Frechheit, aber wenn schon nicht am Auto verdient wird dann eben hier. Wir wurden schließlich vorher darauf hingewiesen *röchel*, sind also selbst Schuld.

Mietwagen, neu

Er fährt. Wenn auch träge.

Auch dass die GANZ billigen Anbieter (“Drive on Holidays” scheint so einer zu sein) kein eigenes Büro im Flughafen haben und dich am Gate abholen, um dann mit dir in einem klapperigen Ford Transit in die düsteren Favelas der Stadt zu fahren (wo die Autos stehen) kennen wir bereits. Nicht wundern, keine Angst haben, alles ist gut und man spart hier einen Haufen Geld :-) was sich in den Kindersitz investieren lässt. Alles Gepäck hinten drin? Ja. Aber die Ablage musste ausgehängt und auf den Rücksitz neben das viertelfinnische Sandfräulein gelegt werden, was sich in ihrem “neuen” Kindersitz (der so richtig gar nicht einen auch nur ansatzweise lebenserhaltenden Eindruck macht) ein bisschen unglücklich umsieht. Wie erwartet wird beim Anbieter versucht, mir ein Versicherungspaket für nur 5 Euro am Tag zuzubuchen, was Reifenpannen, Diebstahl und Unfälle ohne Selbstbeteiligung abdeckt. Danke nein. Das habe ich vorher schon direkt für 3 Euro am Tag abgeschlossen.
Der knubbelige, verkrampft jugendlich wirkende Toyota Yaris hat erst 2500 Kilometer auf dem Display und deshalb nur wenige Kratzer, die von der jungen Frau auf einer visuellen Checkliste kunsvoll aufgemalt und von mir unterschrieben werden. Hier muss der akribische Deutsche sich ebenfalls noch ein bisschen locker machen, das ist denen hier unten zumeist total egal, wie die Kiste zurückgegeben wird. Beim vorletzten mal fehlte sogar der Tankdeckel. Egal :-) Wichtig zu wissen: Man kann den Wagen als alleiniger Fahrer oder mit mehreren Fahrern buchen. Das macht bei 11 Tagen einen Unterschied von über 100 Euro, also fahr ich doch lieber als Einzelfahrer, mein halbfinnisches Fräulein Altona hat sowieso keine Lust, hinters plastikumbaute Steuer zu schlüpfen.

Mietwagen, neu

Klein passt überall durch

Eine Kaution von 750 Euro wird auf einer Kreditkarte geblockt, also bietet es sich an, eine ausreichend gedeckte Kreditkarte mitnehmen. Was das Benzin betrifft, da gibt es einmal die Möglichkeit Vollen Tank bezahlen und leer wieder abgeben, was je nach Kraftfahrzeug und geplanter Strecke ein finanzielles Desaster werden kann. Mit dem Smart auf Mallorca hat mich das 70 Euro gekostet (“Was haben Sie denn hier für Literpreise, junge Frau???” – “Das ist normal, der Ölpreis, die Weltwirtschaft, wissen Sie….“), und wir haben den Zweisitzer in den 5 Tagen nicht mal halbleer gefahren. Obwohl ich am letzten Abend noch einen Ziegelstein auf das Gaspedal gelegt und den vier Stunden im Kreis habe kacheln lassen, der war einfach nicht leer zu kriegen. Da wurde also gleich zwei mal verdient :-( Dann doch lieber die Variante Vollgetankt mitnehmen und vollgetankt wieder abgeben. Die ist pauschal ein bisschen teurer, passt mir aber irgendwie besser. Auch wenn wir einige 100 Kilometer auf portugiesischem Festland zurücklegen werden und man das bestimmt irgendwie hingezirkelt bekäme, aber sowas ist mir inzwischen zu blöd. Mit südländischer Gelassenheit zeigt die junge Frau mir den ungefähr halbvollen Tank und sagt, wir sollen den Yaris-Wagen einfach wieder ungefähr halbvoll zurückbringen. Ich bin inzwischen ganz entspannt. Ob wir ein Navi für 10 Euro am Tag brauchen würden? Nein. Das — habe ich nun tatsächlich aus Kiel mitgenommen, und das bringt uns jetzt gleich mal von Lissabon nach Aldeia das Dez in den Bergen im Norden.

Mietwagen, neu

Ponte des Tres Entradas

Bevor es über diese einem Mercedes-Stern gleiche Brücke mit ihren drei Zufahrten hoch zum gemütlichen Boutique-Hotel (wieder ein neues Wort gelernt) in den Bergen geht wollen wir noch schnellstmöglich dem Meer hallo sagen, und schnellstmöglich bedeutet in Portugal: Autobahn. Maut. Gerade bei längeren Etappen, zumal mit ab Werk ungeduldigem 17 Monate alten Mädchen auf dem teuer gemieteten Kindersitz im Fond, treibt einen die Navioption “Mautstraßen vermeiden” erst in den Wahnsinn, dann in die Kotzerei und am Ende in ein permanentes zu-spät-Kommen, weil die Fahrtzeiten sich bei diesen gedärmgleichen Nebenstraßen verdoppeln. Also Maut. Die Autobahnen sind angenehm frei, weil kaum ein Einheimischer sie benutzt. Mein Unvermögen, Portugiesisch zu sprechen und die genuschelten englischen Nebensätze der jungen Dame am Tresen von “Drive on Holidays” ließen mich in dem Glauben, dass ich mit dem Tagespreis von 1,80 Euro für den kleinen Sender oben in der Scheibe des Autos die pauschale Tagesmaut und freie Durchfahrt an den Mautstellen gebucht hätte. Freie Durchfahrt stimmt. Aber jedes mal piept die kleine Kiste beim Durchfahren einer Schrankenanlage, und am Ende wird mir klar, dass die 1,80 Euro nur die Tagesmiete für den Sender sind. Die Maut kommt noch oben drauf, in unserem Fall bitte noch einmal 76 Euro nach 11 Tagen, vielen Dank. Das erklärt, warum die Autobahnen so schön frei sind….. *grummel*

Mietwagen, neu

Hallo Atlantik

Der Toyota, der aus irgend einem unerfindlichen Grund aus den Lüftungsdüsen nach Tutti Frutti riecht kühlt uns, hat ein fettes Soundsystem und röchelt einigermaßen müde vor sich hin. Wenns bergauf geht muss ich vom fünften erst in den vierten und dann in den dritten Gang schalten, weil das Motörchen irgendwie sagenhaft schwachbrüstig ist. Da man aber vor allem in den schmalen Bergstraßen im Norden Portugals sowieso immer einen lebensmüden Einheimischen und seine halbe Verwandtschaft direkt an der hinteren Stoßstange kleben hat, egal wie schnell man unterwegs ist, hat sich auch hier bei mir eine gewisse Gelassenheit breitgemacht und ich fahre nur so schnell, wir ich es für angemessen halte. Was ich in Sachen Toyota Yaris lerne: Er ist hässlich, aber schluckt uns drei mit Gepäck. Er fährt laut und träge und schluckt nicht nur Gepäck, sondern auch 8 Liter auf 100 Kilometern, erfüllt aber seinen Zweck und hat gute Lautsprecher. Und zwischen Tanknadel auf halbvoll und Tanknadel auf komplett leer liegen nur knapp 200 Kilometer. Wenn man das weiß kann man sich auch drauf einstellen, rechtzeitig zu tanken ;-)

Mietwagen, neu

Wetter – na ja, das muss besser werden

Jetzt muss ich nur noch damit klar kommen, dass wir mit Regen begrüßt werden. Ich fasse mal zusammen, denn das ist ja ein klugscheißender Lern-Blog für Sie da draußen, den Sie gern immer wieder als Checkliste rausholen können, wenn Sie mal im Süden ein Auto mieten wollen:

  • Alles genau durchlesen, was in den vorab per Mail zugesendeten Reiseunterlagen des Mietwagenportals steht.
  • Ein Fahrer ist wesentlich preiswerter als mehrere.
  • Vor Ort klären wo der Anbieter zu finden ist, meist lächelnd im Terminal mit Schild in der Hand.
  • Es gibt große Unterschiede zwischen “Voll hin und voll zurück” oder “Voll hin und leer zurück”.
  • Versicherungen ja, aber vorher buchen und dann vor Ort KEINE weiteren abschließen.
  • Alle Kratzer und Beulen checken und aufmalen.
  • Genug Deckung auf der Kreditkarte für die Kaution haben.
  • Kindersitze kosten bis zu 5 Euro am Tag.
  • Navigationssysteme kosten bis zu 10 Euro am Tag.
  • Maut ist nicht gleich Maut.
  • Locker bleiben.

Das steht auch alles sinngemäß in den Unterlagen des Portals, aber wer liest denn sowas? Und jetzt die gute Nachricht für alle die von Ihnen, die bis hier immer noch gedacht haben: Wieso sollte ich mir ÜBERHAUPT einen teuren Mietwagen im Urlaub leisten, wenn ich nicht wie der Sandmann an zwei Orten in einem Land für je 5 Tage ein Hotel gebucht habe und im Monat mindestens vier Millionen Euro berdiene? Die Antwort: Weil es dank des vergleichenden Mietwagenportals in unserem Fall nur 130 Euro gekostet hat. Das sind keine 12 Euro pro Tag. Krass, oder wollen Sie bei diesem Preis etwa zu Fuß gehen oder mit dem Bus fahren? Okay, plus die optionale Versicherung plus den optionalen Kindersitz plus Maut und plus Benzin, aber das hat man ja selbst weitestgehend im Griff, wenn man es vorher weiß. Die schlechten Bewertungen der Anbieter im Netz, in unserem Fall ging es um mangelnde Höflichkeit und fehlenden Service, kommen vorwiegend von immer nörgelnden deutschen Mittfünfzigern, die glauben, für einen Appel und ein Ei erste Klasse Highlights hinterhergetragen zu bekommen. Die erstmal alle Kratzer am Auto fotografieren und hinterher ihre Rechtschutzversicherung belasten, um nochmal 20 Euro rauszupressen. Traurig sowas. Ich bin mehr als zufrieden! Ich musste das jetzt mal loswerden. Und nein, ihr featured-Blog-Enttarner da draußen, billiger-mietwagen hat mir kein Geld dafür gegeben ;-) Ich bin tatsächlich begeistert und teile das mit euch und Ihnen. Das musste einfach mal raus. Und jetzt öffne ich mir ein Fläschchen Rotwein auf unserem Balkon mit einem sagenhaft schönen abendlichen Blick über die Berge.

Mietwagen, neu

Am Ende eines langen Tages

Frankreich, dachten Sie? Mit dem Mercedes, war die Ansage? Später, ihr ungeduldigen Leser, das kommt danach. Erstmal: Hallo Portugal. Das Foto ist unscharf. 11 Tage mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona und meinem viertelfinnischen Sandmädchen und einem Toyota Yaris. 11 Tage Familie, Zusammensein, lecker essen und tief und lange schlafen. Äh. Streichen Sie lecker essen. Dazu ein andermal mehr. Und öhm…. lange schlafen ist vielleicht auch nicht so eine der Überschriften, wenn man mit dem quirligen Sandmädchen unterwegs ist. Aber der Rest passt. Morgen früh überlege ich noch, ob ich mein Navi in den Ruhestand schicke oder wieder auf Straßenkarten aus Papier umsteige, aber das ist eine andere Geschichte. Dazu morgen mehr. Heute seid ihr erstmal umfassend auf euren nächsten Mietwagen vorbereitet ;-)

Sandmann

www.billiger-mietwagen.de

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Created Sonntag, 20. Juli 2014 Tags billiger-mietwagen.de | buchen | internet | Kindersitz | Maut | mietwagen | Navi | Online | Portugal | Reise Reise | Südeuropa | toyota yaris Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
18 Jul 2014
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Ein neuer Stern.

Ein neuer Stern.

Folgen Sie dem Stern

Neuland? Neuwagen? Ja und nein. Weil ich mir natürlich NICHT einen Neuwagen gekauft habe, ohgottogott wo denken Sie hin? Es fühlt sich aber (für mich) so an. Meine Freundin war immer jünger als meine Autos. Immer! Okay, mit steigendem Alter wurde das schwieriger, dann brach plötzlich der Audi V8 elfjährig als nagelneuestes Auto in der Familie die Tradition, das Taxi war sogar von 1997 und jetzt – JEEEEETZT — ist im Fuhrpark erstmals eine 2 vorn im Baujahr. 2001. Ich werd bekloppt. Oder spießig? Zur Freundin: so tief in der Midlife-Crisis stecke ich nicht, dass ich mich mit so einem jungen Huhn schmücken müsste. Nein. Automobil gesehen ist das hier aber tatsächlich Neuland, und wenn ich mir die Eckdaten des dunkelblauen Herren angucke könnte das eine Affäre für eine kleine Ewigkeit werden. Ich fahr mal hin und hol ihn ab…

Ein neuer Stern.

Sandmann fährt Bahn

Strenggenommen begebe ich mich in keine gute Verhandlungsgrundlage, wenn ich mit einem One Way Ticket per S-Bahn zum Autoangucken fahre. Ein klassischer Fehler, denn der Vorbesitzer geht in so einem Fall davon aus, dass man den Wagen sowieso mitnehme und bleibt auf seinem ausgerufenen Preis kleben. Normalerweise. Wenn man von Kiel nach München oder so fährt. Diesen Vorbesitzer kenne ich allerdings inzwischen persönlich und mache mir im Vorfeld keine Sorgen, dass ich den Wagen NICHT erwerben werde. Zumal es von Hamburg nach Hamburg geht und ich im Eskalationsfall auch mit einer anderen S-Bahn wieder zurück fahren könnte :-) Flashback: Das Autoschicksal spann schon wieder spinnengleich seine seltsamen, klebrigen Fäden, gerade noch vor ein paar Wochen auf dem Drivestyle Sunday vom DAZ Verlag stand ich so mit einem Kumpel zwischen feinen Autos rum, über dessen weißen 280 S ich gerade eine Geschichte geschrieben habe. Da merkt sein ebenfalls rumstehender Bruder beiläufig an, dass er einen Benz ähnlich meinem aus Funk und Netz bekannten Klappertaxi besäße und dass der jetzt weg solle. Ach? Erzähl? Vielleicht schraube ich mir ja doch nicht für den nächsten Tüv am cremefarbenen T-Modell die Finger blutig sondern sattel um…? Und er erzählte.

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One Way Ticket

Alles neu macht der Mai. Sandmann und Sandmann fahren raus in die Hamburger Suburbs. Mit ganz vielen Gedanken im Kopf. Ich habe nach den Erzählungen von Bruder Marcus versucht, das Taxi am Stück zu verkaufen – keine Chance. Das Thema hatten wir schon. Jetzt steht der alte Herr trocken eingelagert beim Markus1975, also noch einem Mark/cus, und wartet auf seine Filetierung. Aber das ist eine andere Geschichte. Das, was da wiederum in ein paar Minuten vor mir stehen wird ist prinzipiell das gleiche dieselnde Auto – aber eben auch nur prinzipiell. Ich werde mit diesem Wagen, so ich ihn denn mitnehme, erneut ein paar meiner felsenfesten Grundsätze über den Haufen werfen, als da wären:

  • kaufe keinen Common Rail Diesel
  • kaufe kein Auto mit CAN Bus
  • nur noch Leder, nie mehr Stoff
  • vermeide Xenon Lampen
  • Standheizungen sind überflüssig
  • Radios müssen einen AUX Anschluss haben
  • möglichst keine Displays im Tacho

Ohauerha. Ohauerhauerha :-( Nun werden einige von Ihnen den einen oder anderen Gedanken der Liste oben nicht ganz verstehen oder nachvollziehen können. Der vor 20 Jahren einmal gefasste Grundsatz hinter den meisten Punkten ist meine Vermeidung von zu viel Elektronik oder sensibler Motorentechnik. Weil ich ganz gern selbst schraube. Und über den Einspritzdruck von rund 1300 Bar der CDI Motoren haben wir uns an anderer Stelle bereits ausgetauscht, die können einem sauber den Finger mit einem leckeren Dieselstrahl abscheren, wenn man blauäugig an den Injektoren nestelt. Nun. Mit blauen Augen kann ich dienen, mit Blind- oder Dummheit nicht, jedenfalls nicht beim Autokauf, woanders schon mehr. Auf der JAJAJAA!!!!-Seite dieses T-Modells (immerhin habe ich mich langsam an die Präsenz eines Kombis gewöhnt, auch das war mal anders…) stehen auch noch ein paar Fakten. Viele.

Ein neuer Stern.

Reise Reise mit der HVV

JA – es ist wieder dieses Vieraugengesicht, das ich inzwischen lieb gewonnen habe. Ein Mercedes-Benz S210, der ungeliebte, der rostige, der Taxi Benz mit dem Kombiarsch. Der hier ist ein Nach-MOPF, also das überarbeitete Modell (bei Mercedes, wer von Ihnen das vielleicht nicht weiß, heißen die “Modellpflegen” immer MOPF. Das fällt mal umfassender und mal weniger umfassend aus. Bei diesem dicken Daimlerwagen sind nach meinem Taxi im August 1999 über 1800 Bauteile ersetzt oder modifiziert worden, man erkennt den damals noch zum Chrysler Konzern gehörenden so überarbeiteten Dampfer an den Blinkern in den Rückspiegeln (auch das fand ich eigentlich immer doof) und den geänderten Front- und Heckschürzen. Ach ja – und die Nase ist flacher. Aber man kann angeblich noch immer auf der Haube sitzen. Ich werde das testen :-) JA – er ist nicht mehr taxielfenbein getüncht, sondern tief dunkelblau. JA – es sind echte 140.000 Kilometer auf dem Tacho(display), weitestgehend durch das Scheckheft nachgewiesen. Der Kahn ist noch nicht mal richtig eingefahren und hat innen auf Sitzen und Armaturen keinen sichtbaren Verschleiß. JA – er ist immer in einer Mercedes Werkstatt gewartet und repariert worden. Bremsen, Reifen, Anbauteile, da ist nix vom osteuropäischen ebay-billig-Anbieter mit Zerfallszeiten von einem halben Jahr. JA – er hat noch über ein Jahr TÜV. JA – die Avantgarde-Ausstattung ist cool, elektrische Fensterheber (geht), Glasschiebedach (geht), Klimaanlage (geht), serienmäßige Xenonbrenner der ersten Generation (gehen), Zuheizer, graues Wurzelholz, ab Werk ein bisschen tiefer, Alufelgen, Standheizung von Vebasto mit Fernbedienung (geht). Ein Ackerhaken ist abnehmbar dabei… Und der Preis ist mehr als okay. Und schon bin ich da.

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Der neue Sternenkreuzer.

Groß und edel wirkt der erst 13 Jahre alte Herr mit der geringen Laufleistung. Im Vergleich zu meinem Taxi, und sehen Sie mir diesen Vergleich bitte nach denn ich habe keinen aktuelleren Benchmark, ist das blaue Wunder tatsächlich wie ein Neuwagen. Ein paar Kratzer sind im Lack und auf den Alus, aber na und? Unter den Gummidichtungen der hinteren Türen blühen einige Rostblumen, aber na und? Im Inneren riecht es sehr stark nach Rauch, aber na un…. urks. Nee :-( Bah. Mensch Marcus, das ist aber doch ziemlich muffig. Puh. Ich selbst bin ja dem gemeinen Zigarillo oder dem Pfeifchen nicht abgeneigt, aber niemals im Auto. Er ist durchaus gepflegt und sauber von innen, der Daimler, aber im Himmel, in den grauen Stoffsitzen, in jeder Naht hängt der kalte Kippenhecht. Mist. Und zwar so nachhaltig, dass ich überlege, ihn deshalb nicht zu nehmen, weil ich nicht sicher bin, ob das jemals wieder rausgeht. Dabei passt alles andere doch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge…

Ein neuer Stern.

MOPF. Aber irgendwie wohnlich.

Drei Dinge stimmen mich milde.
Da ist zunächst einmal eine Probefahrt mit offenen Fenstern und offenem Schiebedach. Überhaupt, endlich wieder ein Schiebedach. Der rechte Fensterheber ist aus der Führungsschiene ausgehakt, aber im Taxi wartet ja Ersatz auf Abruf. Es fächelt durch die anderen Öffnungen nicht nur Frischluft in den großen Wagen rein und vertreibt ein wenig den alten Rauch, es kommt auch Freude am Fahren auf. Der 220 CDI zieht sauber und kraftvoll, ist sagenhaft leise im Vergleich zum 290er Nagelklotz und die ganze Fuhre schnurrt wie am ersten Tag durch die Vorstadtstraßen. Ein wahrhaft gesundes Auto. Auch wenn es hinten links an der Achse beim Einfedern so komisch knarzt, aber auch das wird man beheben können. Es werfe den ersten Stein, wer ohne Mängel sei… Die Klimaanlage kühlt, ohne zu zischen, alle Warnlampen sind aus und alle Instrumente zeigen das, was sie zeigen sollen. Übers Lenkrad (ohne speckigen 70er Jahre Bezug) lässt sich das fette Becker Radio mit Kasettenschacht steuern (ja, das geht Dank CAN Bus), außerdem kann ich das große mittlere Display lustig in seinen Funktionen durchblättern. Cool.

Ein neuer Stern.

Ich sitze, also bin ich.

Wieder vor der Tür des geduldig wartenden Vorbesitzers angekommen und von der Technik des sonor nagelnden Stuttgarters komplett überzeugt fällt das milde stimmende Wort “Ozonbehandlung”. Davon habe ich schon mal gehört, ist das nicht diese Schicht da oben über der Erde, die mal von Spraydosen kaputt gemacht wurde und wegen dessen Fehlen wir zum Dank jetzt alle im Sommer ganz schnell braun werden? Nein, nicht ausschließlich, mit Ozon lassen sich offensichtlich auch stinkende Geruchsmoleküle knacken und kaputt machen, damit sie anschließend nicht mehr stinken. Ach? Cool. Das kostet aber ein bisschen Geld, und damit kommen wir zum milde stimmenden Ding Nummer drei: Dem Preis. Vorbesitzer Marcus und ich werden uns nach ein bisschen hin und her einig, und ich kaufe das Auto. Handschlag drauf, passt. Sandmann hat das bisher neueste Auto in seiner 25 Jahre währenden Histoire des Voitures erworben. Glück. Freude. Seeligkeit. Neu ist immer gut, ich bekomme sogar noch den Kasettenadapter dazu, über den ich mein iPhone als Musikspender anschließen kann. AUX? Braucht man nicht. Und fangen Sie mir hier nicht an mit FM Transmittern, die taugen überland nicht so weit wie man sie werfen kann. Werfen wir stattdessen einen Blick unter die geschwungene Haube:

Ein neuer Stern.

220 CDI, der typische Taximotor

Der Motor mit der internen Bezeichnung OM 611 hat nur vier Töpfe und ist noch mehr mit Plastik umbaut als der klotzige Reihenfünfer meines Taxis. Aber er hat einen nachgerüsteten Dieselkat und mit seiner grünen Plakette freie Fahrt durch die Smog-Städte der Republik :-) Uuuuund…. er genehmigt sich angeblich nur rund 7 Liter von der stinkenden Brühe, aber das muss noch bewiesen werden. Alle Anbauteile sehen gesund aus, alles um den Motor herum wirkt quasi neuwertig, alles klackt und klickt und funktioniert. Ich kann mein Glück kaum im Zaum halten und hüpfe singend und lachend mit dem Dampfstrahler an der Tanke um mein neues Auto herum und produziere Regenbögen. Ungefähr so lange, bis ein freundlicher, aber bestimmt guckender junger Mann aus dem Kassenhäuschen kommt und mich darauf hinweist, dass ich hier doch bitte die Aktivitäten rund um meine Motorwäsche in Grenzen halten möge. Na gut. Ist ja eh alles nicht nur sauber, sondern rein. Und deshalb kann ich Euch und Ihnen nun endlich meinen neuen Sternenkreuzer präsentieren, nicht mehr nur in geschnipselten Bildern – sondern mal in seiner ganzen Pracht. Tataaaaaaa ♫

Ein neuer Stern.

Avantgarde. Na ja, damals zumindest.

:-) Er ist nicht so kultig wie das Taxi, sondern eher dezent. Aber schick. Er hat keinen Riss in der Frontscheibe, und man rupft ihm beim Einlegen der Fahrstufe nicht den Wahlhebel aus dem Schaltbock. Er trampelt nicht mit der Hinterachse wie ein tiefergelegter Opel Astra, weil die Druckspeicherkugeln der Niveauregulierung gerissene Membranen haben. Er lässt nicht jede Nacht die Heckklappe einfach so offen. All das, was mein Taxi sich herausgenommen hatte. Er ist fast schwarz und funkelt fein in der Sonne. Seine kleinen Kratzer und Schmarren erzählen schon jetzt von einem bewegten Leben, das in meinen Händen nun weitergehen wird. Aber hoffentlich nicht mehr so bewegt, denn das Leben als solches bewegt sich schon genug dieser Tage. Ich hege die vage Hoffnung, hier ein Automobil erworben zu haben, das über einen längeren Zeitraum einfach mal nur so funktioniert. Und zwar so gut, dass auch mein halbfinnisches Fräulein Altona ihm Vertrauen entgegen bringt und mit Kindersitz nebst viertelfinnischem Sandmädchen auch mal allein und behütet unterwegs sein wird. Ohne auf dem Weg nach Berlin den Auspuff zu verlieren (Rudolf) oder mit herausgerupftem Automatik-Wahlhebel ohne Rückwärtsgang an der Tanke stehend (Taxi). Mein Neuwagen. Alles ist ja relativ :-)

Ein neuer Stern.

Der Schlüssel zu Ali Babas Schatzkammer

Jetzt habt Ihr ihn gesehen. Jetzt wisst Ihr, was Sache ist. Und der erste Trip geht gleich mal ganz weit weg – mit meinen beiden großen Töchtern nebst Freund auf einen Campingplatz zwischen Montpellier und der spanischen Grenze. Über Paris. Zwar nicht mehr mit einem Taxi (nur für eiiiinen Taaaaag), aber angesichts der 1700 Kilometer mit einem sehr beruhigenden Gefühl der Zuverlässigkeit. Cool. Ich freu mich drauf. Und ich nenne die Karre irgendwie noch immer “Taxi”, hat jemand einen besseren Vorschlag…?

À bientôt.
Sandmann

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Created Freitag, 18. Juli 2014 Tags Avantgarde | daimler | Ich fahr... TAXI! | kombi | S210 | Schiebedach | Standheizung | Sternstunden | T-Modell | taxi | Vieraugengesicht | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
01 Jul 2014
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Vier / zwei / viele Räder

Tod eines Taxis, Teil 2

Schichtwechsel

Schichtwechsel

Der Stern, abgestellt vor der Halle. Ein letztes mal warngeblinkt. Aber noch nicht gestorben und begraben. Ciao Taxi, erstmal, wenn wir uns wiedersehen habe ich einen Schraubenschlüssel in der Hand und rücke dir auf den Pelz ;-) Und nur genug gejammert, der zweite Teil der Reise erfolgt in der rappeligen goldenen Zeitmaschine. Unter anderem. Hallo KaSi. Das erste von vielen HALLOs heute. Du hast hier den ganzen Winter lang auf mich gewartet, und jetzt bringst du mich nach Hause. Endlich mal wieder. Geht es dir gut? Viel Bewegung bekommst du ja nicht gerade… Na, wollen wir doch mal hören ob du die 40 Kilometer nach Kiel ohne Murren abspulen kannst…

So ein K70 ist ja ein seltsames Ding.

Vier / zwei / viele Räder

Opel HEISST Agila, KaSi IST agiler

Ich will nun gar nicht die ganzen Geschichten hier verlinken, die ich persönlich mit dieser Karre schon erlebt habe, vielleicht erinnern Sie sich an die eine oder andere. Oft lag Schnee :-) Auch referiere ich nicht über die lesenswerte Historie dieses seltsamen Autos, das habe ich schon oft und das haben andere noch viel ausführlicher. Ich fahre den heute einfach nur. Der gute Markus hat den alten Herren sauber gewedelt und gut vorbereitet, Luft auf die uralten Reifen gepustet, die Batterie durchgeladen und den Motor einmal so lange laufen lassen, bis das Thermostat aufmacht. Er funktioniert. Einfach so. Wenn das alte NSU Triebwerk, was optisch auch in einem alten Jagdflugzeug stecken könnte,  erst einmal warm ist schnattert es wie ein Uhrwerk vor sich hin und saugt die frische Luft durch den seitlich hängenden Vergaser, als hätte es nicht das Herz und die Lunge eines starken Rauchers.
Hallo Autobahn 21 von Bargteheide nach Kiel, du ewige Baustelle, auf der aber der Verkehr im Gegensatz zur A7 immer rollt und sich nicht staut. Stau mag KaSi nicht. Ich auch nicht.

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das könnte ich den ganzen Tag machen

Alles andere, egal was es ist, scheint dem wegrationalisierten Wunderwagen aus Salzgitter gut zu bekommen. Der 43 Jahre alte NSU rollt und bremst agil durch die Welt, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Als würde er nicht die meiste Zeit irgendwo gut behütet rumstehen. Geht so ein K70 eigentlich überhaupt irgendwann mal kaputt? Ach ja, da war mal was, vor ein paar Jahren. Mit den Bremsen. Ist aber lange her :-) Ich bin wieder zurückversetzt in andere Zeiten. Gar nicht die Kindheit, das war ja eine andere Geschichte (und beinhaltet den Blick vom Rücksitz nach vorn), mehr die Zeit zwischen meinem ersten Leben und jetzt. Irgendwo rund um 2007 oder 2008. Mein Papa guckt mich von dem Bild auf dem Armaturenbrett irgendwie herausfordernd und fragend an. Aber er lächelt. Ups? Der Plan geht auf, das alte Auto lenkt mich so sagenhaft gut ab dass ich nicht über taxischlachten nachdenke und *schwupps* in Kiel ankomme. Ich habe nicht mal Bilder unterwegs auf irgendwelchen Rastplätzen gemacht, aber ich glaube da sind auch gar keine. Nur zwei Tankstellen, da, wo der Schaufelradbagger des norddeutschen Autobahnbaus noch nicht seine vernichtende Schneise in die ehemalige B404 gefräst hat. Eine Esso und eine NordOel. Bald sind die auch dicht und eingeebnet. Dann ist da nur noch eine vierspurige Asphaltpiste.

dem Horizont entgegen

dem Horizont entgegen

Hallo Kiel.
Ich bin schlecht auf diesen Moment vorbereitet. Der ganze zusammengetragene Mist eines langen, wenn auch warmen Winters stapelt sich in meiner Garage. Ich sollte da öfter mal mein Auto reinstellen, groß genug ist sie ja :-) Jetzt muss ich hier erstmal irgendwie den wannabe VW reinzirkeln, Mofa beiseite, Kinderwagen raus, Winterreifen vom Taxi nach hinten an die Wand und dann mit viiiiiel Gefühl rückwärts schräg von links kommend rein. *knack* War klar. Das alte Bild an der Wand, das mit dem Holzrahmen und den Engeln mit röhrendem Hirsch in den Bergen, hat nach Feindkontakt den zweiten Riss bekommen. Warum sollte heute irgend etwas anders sein als sonst, wenn ich dieses Auto rückwärts in die Garage fahre? Irgendwann hänge ich den Schinken mal an die Wand. Wo kommt der eigentlich her? Ich glaube, den habe ich mitgenommen, als ich vor gefühlt 100 Jahren einen antiken Schreibtisch für mein halbfinnisches Fräulein Altona geholt habe. Mit dem Golf Bon Jovi. Ach ja, und Markus, dem Hallenhüter. Okay, da schließt sich der Kreis. Ansonsten brauchen Sie nicht jedem Gedankengang am heutigen Tag folgen, ich bin ein wenig durcheinander.

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Das lernt man in keiner Fahrschule

Mit ein bisschen Hin und Her passt die gar nicht so kleine Limousine tatsächlich noch in das gemauerte Fahrzeugdomizil rein. Alles, was ich nicht mehr daneben stapeln kann lege ich auf die Motorhaube oder davor. Die gelben Säcke muss ich auch beizeiten mal raus auf die Straße stellen…. In Kiel haben wir den gelben Wertstoffsack, der (glaube ich) jeden zweiten Montag abgeholt wird. Das sind dann die Tage, wo große Mengen von wiederverwertbarem Plastikmüll durch die Straßen wehen, weil hungrige Katzen schon am Vorabend die durchwachsen riechenden Säcke gefleddert und sich an Joghurtresten und anderem Zivilisationsmist satt geschleckt haben. Ciao KaSi. Lange bist du nicht alleine, aber jetzt drückt meine Zeit ein bisschen, denn ich muss zurück nach Hamburg und bin noch nicht mal am Bahnhof.

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bald wird er unter Krams verschwunden sein

Hallo Fahrrad. Fahren Sie Fahrrad? Fährt überhaupt noch irgend jemand Fahrrad heute? Ich habe das zeitlebens gemacht, zur Schule, zum Ausbildungsplatz, zur Uni, zur Firma, in den Verlag…. ich bin immer Fahrrad gefahren. Bei Hitze und Sonne, bei Wind und Regen und auch bei Schnee. Ganz früher war es ein sportliches Herrenrad von Brennabor (huch? :-) ) – seit ich nicht mehr zu Hause bei meinen Eltern wohne habe ich mein Mountainbike, eines der ersten damals Anfang der 90er und seinerzeit entsprechend teuer. Das scheint sich aber irgendwie gerechnet zu haben, ich hatte nie das Bedürfnis, ein anderes Fahrrad zu besitzen, und außer ein paar neuen Kettenblättern und Bremsbacken geht ja daran auch nix kaputt. Schweife ich ab? Von Kiel nach Hamburg ist es ein bisschen zu weit für eine Fahrradtour, 100 Kilometer, dass muss heute nicht wirklich sein. Aber zum Bahnhof, mit leichtem Gepäck, das ist okay, das geht fast nur bergab (ja, Kiel ist ganz schön bergig) und ist fast schneller als mit dem Auto. So, hab ich alles? Nummernschilder, Kamera, Zigarillos…

Auf, auf und davoooon

Auf, auf und davoooon

Irgendwie ist fahrradfahren klasse. Wieso ist eigentlich Kiel – Hamburg zu weit??? Als Teenager bin ich im Sommer regelmäßig von Plön in meine Heimatstadt Uelzen geradelt, mal alleine, mal mit einem Freund. Bei meiner Sandkastenfreundin Silke in Ripdorf konnten wir dann immer unter dem Kirschbaum zelten und so die ewig langen Sommerferien ein bisschen abwechslungsreicher gestalten. Zelten, Stephen King lesen, Kirschen und Erdbeeren essen, Gitarre spielen und Rotwein trinken. Eigentlich könnte ich das mal wieder machen. Ob ich die Strecke noch schaffe? 190 Kilometer? :-) Ich alter Mann. Ich setze das mal auf meine Agenda der noch zu erledigenden Dinge in meinem Leben, inklusive Gitarrenabend mit Kerze und Silke und Rotwein und Lebkuchenherzen. Und vielleicht einer Hollywoodschaukel. Es gibt nicht viele Menschen auf der Welt, die jetzt wissen, was ich meine. Agenda hin oder her, wenn ich den Zug um halb noch erreichen will muss ich mich mal sputen.

Vier / zwei / viele Räder

Kiel, heute mit guter Ökobilanz

Schnell mit dem Zahlenschloss den Drahtesel an einen Poller geknotet und rein in die Halle. Hallo Deutsche Bahn. Ich habe nicht mal mehr ‘ne Bahncard… Jahrelang hatte ich eine Bahncard 50 und die auch immer fleißig genutzt, mal war ich hier, mal mein halbfinnisches Fräulein Altona da, mal in Berlin, mal in Hamburg, mal in Kiel. Das Leben hat sich auf Kiel und Hamburg eingeschossen, keine Kapriolen rund um verschobene Lebensmittelpunkte mehr, also auch keine Bahncard. Für diese 100 Kilometer Distanz fahre ich auch viel zu gern Auto. Na mal sehen, wie das mit der A7 und ihren Großbaustellen um den Elbtunnel rum weitergeht und wie die A21 als Alternativroute damit korrespondieren, vielleicht nutze ich ja bald doch wieder mehr Bahn? ;-) Immerhin sitzt man da entspannt bei seinem Kaffee, schaut aus dem Fenster auf die öde norddeutsche Steppe, liest oder schreibt was… Hauptsache nicht telefonieren, wer noch immer behauptet das deutsche Mobilfunknetz sei gut ausgebaut hat sich noch nicht mit einer Eisenbahn telefonierend zwischen Kiel und Hamburg und Berlin aufgehalten. Und hey – ich bin sogar bei der Telekom, wer noch immer Kunde von E Plus oder so ist sollte die Ballungsgebiete lieber erst gar nicht verlassen…

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von Zuhause nach Zuhause

Einen heißen Kaffee von dem Mann mit dem Kaffeewagen, ein banales und nicht weltbewegendes PC Spielemagazin und der immer gleiche Gedanke, den ich in einem fahrenden Zug habe: Wenn dieser Zug mit Lichtgeschwindigkeit in Richtung Hamburg fährt und der Mann mit dem Kaffeewagen in diesem Zug in Fahrtrichtung läuft – bewegt er sich dann für einen außenstehenden Beobachter schneller als das Licht? :-D Da können Sie ja mal drüber nachdenken. Einstein sagt: nein. Und ich nach ein paar Jahren des Physikstudiums auch. Meine 13jährige Tochter will das unbedingt in den kommenden Wochen mal erläutert haben, ich denke, das wird möglich sein. Ich gucke noch ein bisschen aus dem Fenster, lese noch ein bisschen über die neuen sexy Open World Egoshooter in diesem Jahr und bin – schwupps – auch schon am Bahnhof Dammtor in Hamburg. Wenn auch nicht ganz so schnell wie das Licht.

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und der Tag ist noch immer jung.

Hallo Hamburg. Helloooo again ♫ würde Howard Carpendale trällern. Hier fing heute Morgen alles an, ich weiß im Moment grad nicht wie spät es ist, ich habe unter all den Fortbewegungsmitteln ein bisschen mein Zeitgefühl verloren. Wilde, wühlige Zeiten liegen auch ganz ohne Relativitätskonstante gerade über meinem Leben, dieser Taxi-Transport-Hick-Hack steht ein bisschen Pate dafür und während ich diese Zeilen schreibe fällt mir obendrein noch ein, dass mein Fahrrad in Kiel noch immer vorm Bahnhof steht. Verdammt. Das muss ich dann wohl bald mal abholen, wenn es noch nicht gefleddert wurde. Jetzt bin ich erstmal richtig müde, der Kaffee des freundlichen Bahnbeamten wirkt nicht so wie er soll (weil er eben NICHT schneller als das Licht war) und ich steige auf das nächste Fahrrad. Das alte Brennabor, was ich hier abgestellt hatte, Sie erinnern sich vielleicht. Das ist noch immer da. Warum sollte das auch jemand klauen?

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was vom Tage übrig blieb

Hallo Abend. Nun ist das Taxi also eingelagert. Sein würdiger Nachfolger steht in Altona unter Hamburger Linden und lässt sich von diesen verdammten Läusen genau so klebrig vollpissen wie alle anderen Autos, die ich vor ihm da geparkt habe. Wer hat sich denn ausgedacht, in Großstädten Linden zu pflanzen? Aber ich will nicht noch einen Off-Topic aufmachen. Übrig bleibt, neben vielen vielen ungeordneten Gedanken über diesen langen Tag verteilt, eine weitere Plastiktüte. In ihr sind Radio, Parkscheibe, Kleinkram aus den Seitentaschen, Kugelschreiber und die Christopherus Medallie. Alles, was an persönlichem Kram eben aus einem Auto rauskommt, wenn es den Weg alles irdischen gehen wird. Die Madonna ist schon im neuen Auto eingezogen, das Kleingeld aus dem Aschenbecher auch. Ich habe die Tüte erstmal zu den anderen in die Garage gestellt. Schauen wir mal, wie es so weitergeht, mit den Autos und mit ein paar anderen Sachen. So oder so – ich werde Sie und euch damit volltexten :-)

Sandmann

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Created Dienstag, 01. Juli 2014 Tags Ersatzteile | Fahrrad | hamburg | Ich fahr... TAXI! | K 70 | K70 | K70 - Goldene Zeiten | KaSi | Kiel | S210 | schlachten | Sternstunden | taxi | VW K70 | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz