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03 Jun 2012

Sind Sie auch eine Nummer?

sind-sie-auch-eine-nummerEs gibt ja viele Arten, sich selbst auf einem Nummernschild zu verwirklichen. Weiterlesen → [...]

Man(n) zeigt ja gern, wer man(n) ist.

Eine kurze Anregung zum Nachdenken, liebe Blog-Gemeinde. Ich habe gerade die neue Kolumne fertig, in der sich alles um Nummernschilder und deren erwünschte Bedeutung geht. Und was ich so vermute, wenn ich dann beim Vorbeifahren die Fahrerinnen und Fahrer dieser plakettierten Botschaften erblicke :-) muuhaha. Haben Sie da vielleicht auch schon Erfahrungswerte gemacht?

Ich mein…

Es gibt ja viele Arten, sich selbst auf einem Nummernschild zu verwirklichen. Dichtung und Wahrheit sind da eng beieinander. Oder eben auch nicht, ich habe auch schon von der Mutter einer Freundin gehört, dass sie sich immer die Kennzeichen so hat geben lassen, wie sie gerade kommen. Um dann in der Bibel die Seite der Zahl aufzuschlagen und die künftigen Lebensweisheiten daraus zu ziehen. Das geht natürlich auch.

Haben Sie Geschichten parat, in denen Nummernschild und Pilot besonders gut oder eben so richtig GAR nicht zusammen gepasst haben?

Sandmann

Original: Sandmanns Welt

Created Sonntag, 03. Juni 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags Absurdistan | Kennzeichen | Nummer | Nummernschild | Plakette | Wort | Wunschkenzeichen
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25 Apr 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Rinnen dicht

Ich musste gestern eh in die Werkstatthölle, etwas abholen. Also habe ich auf dem Weg noch einen 40kg Sack Zementmörtel geholt, um die Rinnen noch komplett aufzufüllen. Den Abfluss wollte ich nicht dicht machen. Wer weiß, vielleicht brauche ich den noch einmal. Ich hatte an der Stelle schon vorgearbeitet und einen Abschluss mit Steinen gemauert. Wie man auf dem Bild sehen kann - da war wohl schon einmal ein Deckel geplant oder irgendwann im Einsatz.

Ablauf

Ich hatte noch eine 2mm Stahlplatte, die nicht viel größer als das Loch war - musste kaum was wegflexen, um das als Abdeckung zu nutzen können. Koste trotzdem 2 Flexscheiben, schön massives Material. Dass wirklich keine Kante einen 90° Winkel hat, muss ich nicht extra erwähnen, oder? Die haben früher nicht lang nachgedacht, sondern einfach gebaut.

Eingesetzt und dann drumrumgemauert, dass die schön abdeckt.

Rinnen dicht

Das ist keine Stolperfalle mehr, es fällt nix rein, im Bedarfsfall kann man die Platte runternehmen und draufstellen kann man sich auch. Perfekt.

Den Rest der Rinnen habe ich auch aufgefüllt. Damit ist die Werkstatthölle nun rinnenfrei.

Rinnen dicht

Wenn ich überlege, dass ich jetzt die Werkstatthölle seit 9 Jahren nutze frage ich mich ernsthaft: Warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht? So oft, wie ich mich über diese Drecksrinnen geärgert habe - so ein Rießenaufriss war das nu wirklich nicht, die Rinnen zuzumauern...

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Werkstatt/rinnen-dicht

25 Apr 2015

Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015

Mit Petrus war schon vorher alles geklärt und abgemacht: Wir bestellen schönes Wetter und bieten dafür einen bunt gemischten Strauß schöner alter Autos und beste Oldtimerlaune. Gesagt getan, ab 08:30 Uhr fanden sich am Sonntag in Porschestadt Zuffenhausen zwei Dutzend DKW, Audi, Trabant und Wartburg zur traditionellen Frühjahrsausfahrt des DKW-Stammtischs Stuttgart-Solitudeein. Von 3=6, Junior, Munga, 1000 SP und Monza war alles dabei. Die Verwandten aus Zwickau und Eisenach rundeten das Feld der blauen Wolken ab. Ein seltener Audi 100 C1 war ein besonderer Hingucker.

Die Tour führte zuerst über die Filderebene und durch das Siebenmühlental nach Waldenbuch, wo es im Museumscafe von Ritter-Sport das Butterbrezelfrühstück gab. Durch den Schönbuch und Tübingen ging es weiter ins Ammertal nach Unterjesingen. Dort erhielten wir im Rahmen einer Führung durch das Isinger Dorfmuseum interessante Einblicke in das vorindustrielle Handwerk sowie in die ländliche Arbeits- und Lebenswelt des 19. und 20. Jahrhunderts in dieser Region. Danach ging es vorbei an Tübingen, über Reutlingen und Eningen am Fuße der Achalm hinauf auf die Schwäbische Alb zum Landesgestüt St. Johann.

Ein gelungener Altautotag mit netten Leuten. Dank an Gerhard und Elke Buse für die Organisation!

DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude

Alle Fotoreihen zu den DKW-Ausfahrten findet ihr dann zusammengefasst hier.

Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015Frühjahrsausfahrt DKW-Stammtisch Stuttgart-Solitude 2015

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#DKW-Stammtisch

Original http://www.formfreu.de/2015/04/25/fruhjahrsausfahrt-dkw-stammtisch-stuttgart-solitude-2015/

24 Apr 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Wenn sie dürfen, Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II-1854

Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II

Noch nicht erstelltMercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II
So ein wirklich leichtes Leben hatte der kleine 16V-Mercedes nicht. Klar, der Auftakt war nett, die Dauerlauf-Rekorde in Nardo etwa, oder die Rennen im Rahmenprogramm der Formel 1, bei der man zum ersten Mal auf einen gewissen Ayrton Senna aufmerksam wurde.
Dann kam leider der BMW M3 dazwischen. Schlanker, fokussierter und generell mehr Sportwagen als der 190E – der Münchner heizte dem Benz tüchtig ein. Dazu summierten sich diverse Kinderkrankheiten des Daimlers. Der in Kooperation mit Cosworth gebaute 2.3-16-Langhuber etwa: kein Ausbund an Standfestigkeit, ganz im Gegensatz zu sonst von Mercedes- Benz gewohntem. Auch ärgerlich, dass das Triebwerk trotz der nominell soliden Leistung wenig stark wirkte. Kollege Georg Kacher attestierte ihm im September 1988 ein Ansprechverhalten «wie ein komatöser Eunuche».
Weiter beim Fahrwerk: das war zwar insgesamt vernünftig abgestimmt, in letzter Konsequenz aber vielleicht doch eine Spur zu sicherheitsbetont. An der Bremse liess sich ebenfalls wenig Gutes feststellen, so auch an der Lenkung – allein das riesige Lenkrad, bei dem man sich eher als Kutscher denn als Sportfahrer fühlte. Selbst das Getrag-Sportgetriebe liess Raum für Verbesserungen, hakelig, mit zu langen Wegen und vor allem durch die viel zu lange Hinterachsübersetzung derart an Spritzigkeit beraubt, dass sie sich wirklich ein paar Gedanken in Stuttgart machen mussten, sollte die 16V-Geschichte nicht zu einem totalen Rohrkrepierer werden.
Es kam zum Kräftemessen. Vom 2.3-16 wechselte man auf den 2.5-16, der allerdings durch den M3 Evolution wieder mehr als ausgekontert wurde. Einen noch tieferen Griff in die Trickkiste und ein Jahr später folgte deshalb der 2.5-16 Evolution. Ein radikal geändertes Triebwerk: Kurzhubig, aggressiv, stark. Dazu ein neues Fahrwerk mit ärgerer Geometrie und eine vernünftige Bremse. Endlich war der Benz auf Augenhöhe mit dem BMW.Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II
Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II
Bis es 1990 zur totalen Eskalation kam. Sie waren es leid: Das Hinterherfahren der vergangenen Jahre. Der Makel des ewigen Zweiten, nein, das wollte man in Stuttgart nicht auf sich sitzen lassen - und so entschlossen sie sich den Evo für das letzte Modelljahr noch einmal so richtig scharf zu machen. Was dann auf dem Genfer Salon 1990 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, macht auch heute noch sprachlos: der Mercedes-Benz 2.5-16 Evolution II.
Dieser Flügel. Dieser Dachspoiler. Diese Kotflügelverbreiterungen. Dieser Frontsplitter. Was um Himmels Willen? Ein Mercedes, wie noch kein Mercedes vor ihm.Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II
Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II
Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II
Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II
Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II
Die treue Kundschaft war angesichts seiner Erscheinung dem Herzinfarkt näher als dem Scheckbuch. Spätestens beim Blick in die Preisliste: 115.260 DM. Mit Klimaanlage 119.717 DM. Dafür gab es locker eine über alle Zweifel erhabene S-Klasse mit V8.
Doch der Daimler meinte es diesmal mehr als ernst. Alles vom Feinsten und noch mehr. Den Motor haben sie noch einmal komplett auseinandergenommen. Eine komplett neue Ölversorgung, leichtere und steifere Pleuel, dazu ein neuer Zylinderkopf mit anderer Kanalgeometrie, schärfere Nockenwellen mit grösserem Ventilhub und eine auf 10,5:1 erhöhte Verdichtung. Dazu aggressivere Zündwinkel und eine angepasste K-Jetronic. Das Ergebnis war eine Spitzenleistung von 235 PS bei 7200 Umdrehungen pro Minute. Die Abregeldrehzahl bot mit 7700 Umdrehungen noch einmal zusätzliche Reserven. Selbst diesem klassischen Frisieren zum Trotz konnte das maximale Drehmoment um 10 Nm auf 245 Nm bei gleichbleibender Drehzahl – 5000 Touren – gesteigert werden.
Der M102 ist mit dem Typ 102992 endgültig zu einem echten Sportmotor gereift. Und auch bei der Peripherie haben die Stuttgarter Ingenieure dieses Mal alle Hausaufgaben erledigt. So wurde das Hinterachsdifferential nicht nur gekürzt, sondern auch mit dem ASD genannten hydraulischen Sperrdifferential aufgewertet. 35 % Grundsperrwert stellten den ambitionierten Fahrer meist schon zufrieden, in Situationen kolossalen Übersteuerns sprang die Ölpumpe an der Nockenwelle dann aber zur Hilfe und sperrte die Hinterhand bei Bedarf stufenlos bis 100% durch.
Das Öl von der Nocke hatte aber noch einen weiteren Zweck, es konnte im verstellbaren HPF-Fahrwerk (Hydropneumatik vermied man gerne, klang das doch gar zu sehr nach Citroën) auch gleich noch die Höhe in drei Stufen variieren.Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evolution II
Dass die Serienstellung die tiefst mögliche – 45 mm unter einem Serien 2.5-16 – war, ist abermals Beweis dafür, dass man in Stuttgart beim Evo II nichts dem Zufall überliess. Neben deutlich gesteigerten Federraten kamen zudem auch verstärkte Radträger an Vorder- und Hinterachse zum Einsatz. Die Radlager und Aufhängungsbuchsen stammten ebenfalls nicht aus dem Standardteileregal.
Bei der Bremsanlage bediente man sich hingegen schon aus der Serie. Allerdings beim 500SL, dessen Vierkolben-Anlage auf 300 mm messenden Scheiben mit weit höherem Gewicht und 326 PS fertig werden musste. Die 1340 kg des Flügel-190ers stellten deshalb kein grosses Problem dar und liessen ihn endlich motorsportlich verzögern. Über der Bremse: 17 Zoll Felgen – in 8.25 Zoll Breite. Ein Wert, der schwäbischer nicht sein könnte. Acht Zoll hätten nicht gereicht, acht und ein halbes wären aber wohl wieder zu viel gewesen um den 245/40er Reifen korrekt zu stützen.
Bloss, taugt das heute, 25 Jahre nach der Präsentation noch?
Schon. Allein das Anwerfen. Kommst Du Dir nach dem Einsteigen noch ein wenig befremdlich angesichts der barocken Sitzposition vor, fegt der heisere Ton des Zweifünfers nach den ersten Kurbelwellenumdrehungen jeden Zweifel vom Tisch. Diese Prise ungedämpfte Heiserkeit, die sich mit der spürbaren Unruhe der Maschine im Leerlauf mischt, zeigt unmissverständlich an: Hier läuft ein echter Sportmotor. Keiner, der Laufleistungskönig werden möchte und keiner, der mit feinen Manieren beeindrucken soll. Stattdessen einer, der nur eines will: siegen!
Und so rastet die Erste links unten ein, der 190er federt erstaunlich sanft von der Kupplung und Du tauchst in den Verkehr ein. Zart warmfahren, hineinhören in die Maschine, ihre Befindlichkeit überprüfen und dann, nach zurückhaltenden zehn Kilometern das erste Mal: Feuer! Das Gaspedal und seine Mercedes-typische Schwergängigkeit mit Macht niedergerungen, schon erhebt sich der Stern majestätisch gen Horizont und das Tremolo unter der Haube beginnt.
Erst ist es nicht viel, man ist beinahe überrascht wie wenig überhaupt, doch dann, nachdem die Drehzahlskala an der 4000 vorbeiwischt, erwacht das Triebwerk. Es saugt, grunzt, giert und hämmert das erste Mal in den Himmel. Drehzahl, weisst Du noch?
Nein, wir wissen es kaum noch, denn das Drehmoment hat uns versaut, den Blick für das Wesentliche verlieren lassen und die Sinne abgestumpft. Wenn das nicht ab Leerlaufdrehzahl in grossen Wogen an die Räder schwemmt, nicht ab dem Anrollen an der Ampel das Profil von den Reifen föhnt, sind wir gelangweilt. Wir sind die grobe Macht der Newtonmeter gewohnt, den fetten Hammer. Das Feine, das Präzise haben wir völlig vergessen. Dabei ist es genau das, was wir von einem Sportmotor erwarten sollten. Gross in der Rückmeldung und exakt in der Ausführung zu sein.
Natürlich, so ein moderner C350e Plugin-Hybrid paniert Dich beim Ampelstart massiv, Doch: Reiss’ ihn während der Fahrt in die Zweite zurück, untermale das Ganze mit einer guten Portion Zwischengas und dann. Ein siegesgewisses Tier wird freudig aufbrüllen und Dich derartig vorwärtsreissen, dass dir Sehen und vor allem Hören vergeht.
Es ist ergreifend. Auch nach fünfundzwanzig Jahren. Dieser Ton, wie ihn eben nur ein scharfer Vierzylinder-16V bringt, hat seinen ganz eigenen Reiz. Diese Mischung aus hohlem Ansaugen, ekstatischer Drehzahlgeilheit und quasi-ungedämpftem Auspuffrock – es ist schön. Richtig schön. Da passt es dann auch, dass die Kontrollleuchte der hydraulischen Sperre in der ersten scharf gefahrenen Kurve zart glimmend Beifall klatscht. Weil er immer noch richtig gut geht. Zackig einlenkt, der Linie stoisch folgt und jederzeit mit Macht aus der Ecke schiesst.
Selbst nach heutigen Massstäben macht er seine Sache gut. Natürlich, Dinge wie Abgasverhalten, Kraftstoffverbrauch oder Komfort – das können alle besser. Schnellfahren aber? Nein. Denn wie man ein schnelles Auto baut, das wussten sie schon damals.  Und es ist genau diese Kompromisslosigkeit, die begeistert. Mercedes-Benz hat mit dem Evo II ein Auto ohne Rücksicht auf jedwede Lastenhefte gebaut. Es stand einzig und allein das Niederringen des übermächtigen M3 auf dem Plan.
Und das hat er geschafft: 1992 gewann er nicht nur die Meisterschaft in der DTM, sondern auch gleich 16 der 24 Rennen gegen den BMW.
Wir bedanken uns bei Fabian Mechtel für die feinefeine Geschichte. So müssen, unserer Ansicht nach, Stories sein: Kenntnis der Materie, Freude am Objekt, Sprachgewalt. Danke, Fabian.
Mehr Mercedes gibt es in unserem Archiv.

Original http://www.radical-mag.com/fahrfreude/mercedes-benz-190e-2_5-16-evolution-ii-1854/seite_1-2

24 Apr 2015
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Ansichten, Test Mercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake-1645

Test Mercedes CLS350 Shooting Brake

Noch nicht erstelltMercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake
Man muss ja nun nicht alles verstehen wollen. Wir schon gar nicht. Was die deutschen Premium-Hersteller in jüngster Zeit als «Facelift» bezeichnen, das sind mehr so sehr sanfte Modellpflegen. Früher wurden neue Lämpchen ohne grosses Brimborium jeweils einfach in die neuen Modelljahrgänge eingepflegt, aber unterdessen wird bei Audi, BMW und natürlich auch Mercedes für Kleinigkeiten auf der ganz grossen Theaterbühne gespielt. Gut, bei der Erneuerung des CLS und des CLS Shooting Brake gab schon noch mehr als nur neue Laternen, das Design wurde sehrsehr dezent gepflegt (man will ja die bestehende Kundschaft nicht verärgern...), es gab eine Reihe weiterer Assistenz- und Sicherheitssysteme (da muss man Mercedes-Händler sein, um die Übersicht behalten zu können) und die schon edle 7-Gang-Automatik wurde um zwei weitere Stufen aufgestockt. Es gibt, bei den BlueTech-Varianten und im CLS500, jetzt neun Gänge, ein neuer Rekord (den andere Marken aber längst egalisieren konnten).
Unser Testwagen, ein CLS350 BlueTec, verfügte auch über dieses neue Getriebe. Und man kann diesem technischen Wunderwerk das grösste Lob aussprechen, das man einem Automaten verteilen kann: man spürt nichts. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, wo diese Vielgänger etwas gar hecktisch nach der richtigen Stufe suchen, überzeugt der Antrieb im Mercedes (3-Liter-V6-Diesel, 265 PS, 650 Nm maximales Drehmoment zwischen 1600 und 2400/min, Allradantrieb) durch einen wunderbar sanften Kraftfluss. Absolut souverän und ruckfrei bewegt sich der 1,9 Tonnen schwere CLS Shooting Brake über die Strassen, Kraft hat er sowieso im Überfluss. Einzig beim Kaltstart vernimmt man, dass es sich um einen Selbstzünder handelt - ist der Benz einmal auf Betriebstemperatur, dann säuselt fast ruhig wie ein Benziner.
Mercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake
Mercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake
Er schluckt aber halt weniger: 6,7 Liter sollten es gemäss Norm sein, im Test kamen wir aber auf 7,5 Liter. Immer noch ein guter Wert, denn, eben, es handelt sich bei so einem Shooting Brake schon um ein mächtig Trumm, fast fünf Meter lang ist er.
Mit dem auf der E-Klasse basierenden viertürigen Coupé CLS hatte Mercedes 2004 eine neue Klasse begründet, Audi und BMW folgten mit Verspätung. 2011 folgte die zweite Generation, ab 2012 gab es den CLS auch als Shooting Brake - auf den die Konkurrenz bisher noch keine Antwort fand. Ein echter Kombi ist dieses Modell nicht, dafür ist das Ladevolumen von 590 Liter (bei abgeklappten Rücksitzen maximal 1550 Liter) zu gering, auch empfinden die hinteren Passagiere wohl kaum Raum im Überfluss - aber es sieht halt gut aus.Mercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake
Mercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake
Mercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake
Mercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake
Mercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake
Der X218, wie er intern genannt wird, war für eine kurze Zeit die Hoffnung, dass die Stuttgarter ihr Design-Problem, das sie nun schon länger umtreibt, in den Griff bekommen haben, doch es folgten ja dann leider wieder Modelle, welche den Anspruch der Marke, dass nämlich jedes Fahrzeug ein Klassiker werden muss, nicht wirklich befriedigen konnten. Egal, es gibt ihn ja, den CLS Shooting Brake, und er ist auch nach dem Facelift eine Macht, ein gutes Statement auf der Strasse.
In den Ausmassen quasi auf S-Klasse-Niveau, bleibt der CLS aber eine E-Klasse. Grundsätzlich ja kein schlechtes Automobil, aber halt, gerade in Sachen Fahrwerk, nicht auf dem Niveau der obersten Liga. Nicht falsch verstehen jetzt: er macht alles richtig, der CLS, ist sehr komfortabel und kann doch auch einmal den Bogen etwas zügiger umrunden. Doch man weiss halt immer auch, dass das alles noch besser geht - und wenn man da in die Preisliste schaut, da ist da im Hinterkopf ein leichter Schmerz.
Weil: der Basispreis für einen Mercedes-Benz CLS350 BlueTec 4Matic Shooting Brake, wie das ausgeschrieben heissen muss, beträgt schon stattliche 88'600 Franken (ohne die derzeitigen Rabatte). Bei unserem Testwagen kamen dann noch Sonderausstattung im Wert von sage und schreibe 48200 Franken dazu, was den Preis auf eher exorbitante 136'800 Franken trieb. Das ist dann schon richtig viel Geld für einen Wagen, der zwar auf der ganzen Linie zu überzeugen vermag, auch innen, edelste Materialien, ausgezeichnete Verarbeitung, vorbildliche Ergonomie, aber auch nicht mehr kann als jedes andere Automobil (und weniger als eine S-Klasse). Doch Fragen nach der Preisgestaltung sollte man sich in der automobilen Oberklasse eh besser nicht stellen.
Mehr Mercedes gibt es in unserem Archiv.Mercedes CLS350 BlueTec Shooting Brake

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/test-mercedes-cls350-bluetec-shooting-brake-1645/seite_1-2

24 Apr 2015
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Zweiklassengesellschaft Techno Classica

TC

Die Techno Classica 2015 ist vorbei, Zeit ein wenig darüber nachzudenken, was da so alles geboten wurde.

Ich gebe offen und ehrlich zu: Ich bin dieses Jahr kaum zum Herumlaufen auf der Messe gekommen. Ein meinungsspaltendes Fahrzeug am eigenen Clubstand stehen zu haben - da geht man sehr ungerne vom Stand weg. Zu viele interessante, lustige, verwunderte Gespräche. Man stellt schließlich ein Auto aus, um im Feedback zu baden. Es ist einfach sehr motivierend, wenn andere die eigene Leistung anerkennen.

Es steht in den Sternen, wie es mit der Clublandschaft weitergeht. 2016 werden wohl die zweigeschossigen Messehallen in Essen abgerissen und durch einstöckige ersetzt. Der Großteil der Clubs hat aber seine Stände in den Obergeschossen. Ob der Neubau die gleiche Grundfläche bringen wird, wie sie jetzt vorhanden ist, kann man anzweifeln. Natürlich hoffen wir auf ein Wunder, hat uns doch die diesjährige Techno Classica etwas gelehrt: Wenn es darum geht, Geld zu verdienen, dann stehen die Clubs ganz hinten an.

Die Kellerhalle 1A war bisher immer die unbeliebteste Halle - und für einige Besucher aber auch die interessanteste. Dort standen die Clubs, für die wo anders kein Platz mehr war, vor allem aber die Clubs, die sich um den Erhalt von US Klassikern gekümmert haben. In der Mitte der große Stand des Street Magazines, drumrum die Einzelclubs. Die Halle 1A hat aber einen entscheidenden Nachteil: Die Abgänge in die Halle sind schwer zu finden, deshalb laufen viele Besucher durch die Messe, ohne dass es ihnen auffällt, dass sie die Halle übersehen haben. Dieses Jahr beschloss die SIHA, Veranstalter der Techno Classica, diese Halle zur reinen Autoverkaufshalle zu machen. Eigentlich eine gute Sache: Wer ein Fahrzeug zum Kauf sucht, bekommt ein kompakt zusammengestelltes Angebot und die Clubs sind aus der Halle 1A, die schwer zu finden ist, raus. Allerdings waren sie nicht nur aus der Halle 1A raus, sie waren komplett raus. Bis auf den Stand des Street Magazines und den eines Ford Mustang Clubs war keiner mehr vertreten. Es ging das Gerücht um, dass diese ausgeladen wurden. Das ist nicht ganz richtig. Dafür hätten sie eine Bestätigung haben müssen. Ihre Clubstandbewerbungen wurden abgelehnt. Und das leider sehr ungeschickt erst kurz vor der Messe, als einige schon tief in der Standplanung waren und teilweise schon Aufbauten gebaut hatten, Material dafür gekauft hatten etc.

Die Zusagen für die Clubstände kommen immer sehr kurzfristig vor der Messe und ich gebe zu, auch wir planen unseren Clubstand schon lange vorher. Manche Ideen entwickelt und realisiert man eben nicht zwischen 12 Uhr und Mittag. In dem Fall hätte man zumindest so diplomatisch von der SIHA sein können und schon im Vorfeld ankündigen an die betroffenen Clubs, dass eine Umplanung der Halle 1A ansteht und die Zusage mehr als unsicher sein wird.

Ich habe von einigen Scenegrößen gehört, dass sie wegen den fehlenden US Clubs und vor allem der Art der Absage aus Protest von der Messe fern geblieben sind. Und ich rede durchaus von fernsehbekannten Personen.

Ich hoffe, der Veranstalter hält sich daran, was immer so schön bei der Preisverleihung des Clubstandwettbewerbs betont wird. Da heißt es immer, dass die Clubs ein wichtiger Stützpfeiler der Messe wären. Bitte, liebe SIHA sägt den nicht um! In vielen Gesprächen mit Besuchern habe ich immer wieder gehört: Wären die Clubstände nicht, sie würden nicht mehr kommen, weil der Rest der Messe inzwischen zu abgehoben ist und sich der Privatschrauber, der sich am Wochenende sein persönliches Schätzchen wieder zurechtschweißt, nicht mehr wieder findet.

Beabsichtigt oder unbeabsichtigt: Die Wertschätzung der Clubs und kleinen Teilehändler bekamen wir am Ausstellerabend zu spüren. Bei diesem Abend werden pro Stand 2 Personen eingeladen zum Buffet und Livemusik. Jeder muss seine Einladung vorzeigen und wird dann eingelassen, um in der Feier Arena noch einmal an ein Absperrband zu kommen. Hinter dem Absperrband war das Buffet aufgebaut. Eine elitäre Menge war bereits hinter dieser Absperrung, für sie wurde das Buffet zuerst eröffnet. Erst als diese bedient waren, durfte das "Fußvolk" ans Buffet.

Natürlich kann man das so argumentieren, dass man Stau am Buffet vermeiden wollte, aber ich kam mir in der Schlange vor wie ein Mensch zweiter Klasse, der essen darf, was die anderen übrig gelassen haben. Zur Ehrenrettung muss man sagen: Es war natürlich noch genug da am Buffet und es wurde auch nachgelegt.

Was gab es sonst noch auf der Techno Classica? Einige Automarken haben einen starken Auftritt hingelegt, den es sich sicherlich gelohnt hätte, anzusehen, wenn ich vom Stand weggekommen wäre. Beispiel ist die Feuer des 50jährigen Jubiläums des Opel GT - im Vorbeigehen habe ich das Modell fotografiert, das den Vergleich zwischen Studie und Serienmodell sehr schön im Maßstab 1:1 demonstriert:

Opel GT

Zum SEHEN war die Techno Classica sicherlich wieder eine gelungene Messe - zum KAUFEN nach Aussagen vieler wohl eher nicht. Die Preise der Fahrzeuge sind teilweise so abgehoben, dass es mit der Realität nichts mehr zu tun hat. Und wenn es einen Schnapper gibt, dann gibt es ihn nicht lange. Ich habe aus mehreren Quellen gehört, dass Händler günstige Autos auf der Messe kaufen und gleich wieder mit Aufschlag anbieten. Teilweise bewegen sich dafür die Fahrzeuge keinen Millimeter nur das Preisschild wird ausgetauscht. Das Problem dabei: Es gibt offenbar noch genug Leute, die völlig unwissend von reellen Marktpreisen trotzdem zuschlagen. Das Geld sitzt locker.

Mir fällt immer wieder die Kinnlade herunter, wenn ich Geschichten höre, wie die von einem Stand der 2 Porsche 911 stehen hatte. Beide je zu einem Preis von 160.000,- Euro. Der Käufer fragt, ob der Paketpreis von 300.000,- Euro in Ordnung wäre und als man sich darauf geeinigt hat, knallt er den Kaufpreis in bar(!) auf den Tisch. Seine Begründung für den Kauf: Der eine ist weiß, der andere rot. Er ist Pole und das passt wunderbar zu seiner Landesfahne.

Das hat mit unserer Art das Oldtimerhobby auszuleben nichts gemein.

Klar, eine Messe ist ein Wirtschaftsunternehmen, für das zählt, was letztendlich unten auf der Bilanz steht. Trotzdem wäre es schön, wenn es langsam wieder zu einer Trendwende kommt. Ein wenig weniger Spekulation mit Oldtimern als Anlageobjekt (viele Autos gingen dieses Jahr Gerüchten zufolge nach Griechenland) und ein wenig mehr Faszination, was mit eigenen Händen, dem Sonnenbrand vom Schweißen und dem Sparen auf den Doppelvergaser wieder auf die Gasse gekommen ist.

 

Original http://www.fusselblog.de/index.php/zweiklassengesellschaft-techno-classica?blog=14

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23 Apr 2015

Hyundai sendet Botschaften ins All

hyundai-message-to-space

Advertorial | Anzeige

Nur wer selbst keine Kinder hat wird den nachstehenden Clip von Hyundai nicht rührend finden. Die kleine Stephanie aus Houston vermisst ihren Vater, der als Astronaut auf der Internationalen Raumstation ISS arbeitet und dort oft lange bleiben muss. Sie wollte ihrem Vater eine besondere Nachricht schicken. Hyundai hat ihr mit der Nachricht geholfen und zu ihrem Vater ins Weltall gebracht wurde.

Ein Team von elf Hyundai Genesis-Fahrzeugen schrub gemeinsam auf dem Delamar Dry Lake in der Wüste von Nevada in den Vereinigten Staaten die Nachricht als „das größte Reifenspur-Bild“, die Nachricht hat eine Größe von 5.55 qkm. Ganz nebenbei hat man es damit ins Guinness-Buch der Weltrekorde 2015 geschafft.

Mitmachen!
Wenn Du auch eine Nachricht versenden willst – auch wenn keiner Deiner Lieben im All sitzt, dann brauchst Du nur ein kleines Video erstellen und kannst ganz nebenbei noch ein iPad Air2 oder ein iPhone 6 zu gewinnen. Wie das geht. Einfach hier entlang, bitte!

Wer sich für das Auto aus dem Clip interessiert, den Hyundai Genesis gibt es auch in Deutschland zu kaufen ab einem Preis von 65.500 Euro.

Original http://auto-geil.de/2015/04/23/hyundai-sendet-botschaften-ins-all/

Created Donnerstag, 23. April 2015 Tags Advertorial | allgemein | hyundai Document type Article
Categories Timeline Author Jan Gleitsmann
23 Apr 2015
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Zu wenig!

Kampf den Wasserrinnen im Boden war angesagt. Um das vernünftig durchziehen zu können, musste ich erst einmal den EuroHotRod aus der Werkstathölle bringen. In der Vorhölle stand der Benz von Andy. Der ist angemeldet, also kann er auch einmal auf die Gasse und der EuroHotRod nahm seinen Platz ein.

Zu wenig!

Die Wasserrinnen mit Haftvoreinstrich eingepinselt für einen besseren Halt des folgenden Materials.

Zu wenig!

Als Füllmaterial habe ich mich für Zementmörtel entschieden. Warum? Nun, damit habe ich 2010 auch in der Vorhölle den Boden ausgebessert und das hat bis heute gehalten. Ich hatte mir einen großen Sack im Baumarkt geholt und fing an, das Zeug anzurühren und einzubringen.

Zu wenig!

Leider hat der eine Sack Zementmörtel nicht gereicht. Ich hätte das gerne gestern komplett durchgezogen.

Ich habe noch ein paar Souvenirs von der Techno Classica in der Werkstatthölle untergebracht. Zu den Ausstellungfahrzeugen bekommt man von der Messe immer Tafeln zum Ausfüllen der Fahrzeugdaten. Und auch diesmal habe ich diese Tafel mitgebracht. Die hängen alle am Zwischentor zwischen Vorhölle und der eigentlichen Werkstatthölle. Dieser Torflügel ist nun voll.

Zu wenig!

Mal sehen, wo ich kommende Tafeln hinpacke. Ebenfalls vom Stand stammt das Schild Qualitäts- und Beschwerdemanagement. Eigentlich klar, wo das hinkam: An die Tür der Werkstatttoilette.

Zu wenig!

Ab heute sind meine Vermieter eine Woche im Urlaub und ich habe mit ihnen abgesprochen, dass sie beide Autos in die Vorhölle stellen können. Damit kann ich kein Auto in die Werkstatthölle fahren - was gut ist. Denn dann muss ich etwas anderes machen - Aufräumen z.B. Ist wieder nötig. Zudem rückt so langsam das Hallengrillen am 16.05. näher. Da sollten die Gäste sich ja auch frei bewegen können...

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Werkstatt/zu-wenig

22 Apr 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Jetzt reichts! Das wird geändert!

Die Techno Classica ist vorbei, Zeitdruck ist weg, das bedeutet für mich immer: Jetzt erst einmal wieder etwas Ordnung schaffe in der Werkstatthölle, damit man sich wieder bewegen kann. Werkzeug wieder einmal einordnen - und wenn die Motivation länger anhält auch Teile sortieren. Eine Änderung, die ich mir vorgenommen habe, immer im Hinterkopf: Alles, was eher unwahrscheinlich ist, dass ich es brauche, kommt in Kisten, die ich zur Veterama mitnehme.

Gestern kam wieder etwas zum Vorschein, das mein bei mir eher selten sieht: Der Hallenboden.

Werkstatthölle

Und dieser Hallenboden hat einen großen Nachteil, der wieder tierisch beim Einrangieren des EuroHotRods in die Werkstatthölle gestört hat: Die Werkstatthölle war früher einmal eine Kelterhalle. Und damit man die nass rausspritzen konnte, sind im Boden Ablaufrinnen eingelassen. Die führen übrigens nicht zur Kanalisation sondern stumpf auf die Straße. So hat man das eben früher gemacht.

Ablaufrinne

Ablaufrinne

Eigentlich sind diese Rinnen wirklich immer im Weg. Vor allem bleiben immer die Rangierhilfen drin hängen. Was habe ich mich schon über sie aufgeregt die letzten Jahre. Es reicht. Ich werde die jetzt schließen. Sonst ärgere ich mich noch ewig darüber, dass immer die Rinne genau da ist, wo ich den Rangierwagenheber ansetzen will, die Räder der Rangierhilfen hängen bleiben und Stolperfallen sind es zudem...

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Werkstatt/jetzt-reichts-das-wird-geaendert

22 Apr 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Peter Ruch  

Streifenhörnchen, VW Scirocco GTS 2180

VW Scirocco GTS

VW zeigt in Shanghai den neuen Scirocco GTS. Weil wir den Ur-Scirocco aber viel lieber mögen, gibts die Fotos des Neuen erst in der Bildergalerie.

220 PS gibt es im Scirocco GTS, dessen Urahn als Scirocco II GTS 1982 das Licht der Welt erblickte. Der war mit dem Golf GTI von damals eng verwandt. In 6,5 Sekunden soll der Neue aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen und er bekommt auch viele der GTS-Insignien von damals. Von aussen fallen neben den serienmässigen 18-Zoll-Alu's (optional 19-Zoll) und den Besonderheiten des R-Line Exterieur-Pakets vor allem die roten Bremssättel ins Auge. Wie einst der 82er Scirocco GTS, kommt auch der Neue mit zwei roten Zierstreifen, die von der Motorhaube, über das Dach bis zur Heckklappe reichen. Ein Streifenhörnchen eben. Gerüchte, wonach auch ein Neuauflage des weissen Modells «Scala» geplant ist haben sich nicht erhärtet, auch weil Sascha Hehn ja mittlerweile in Pension ist. Wie gesagt, die Bilder des neuen Scirocco GTS gibt es in der Bildergalerie, ebenso ein paar Fotos von den alten Scirocco's, auch eines des nie in Serie gegangenen Scirocco Targa.
Mehr Volkswagen gibts im Archiv.
Streifenhörnchen, VW Scirocco GTS 2180

Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/vw-scirocco-gts-2180/seite_1-2

22 Apr 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Ralf Becker  

1968 AMC Playmate of the Year AMX - Jay Leno's Garage

1968 AMC Playmate of the Year AMX - Jay Leno's Garage

Why is this car Playmate pink? Mark Melvin tells Jay the sordid backstory of the car he and his AMX Club buddies restored from the ground up.
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1968 AMC Playmate of the Year AMX - Jay Leno's Garage
https://youtu.be/YsQvxZbiiac

Jay Leno's Garage
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In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/1968_AMC_Playmate_of_the_Year_AMX_-_Jay_Lenos_Garage.html

 
22 Apr 2015
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SHUTTER STANCE

SHUTTER STANCE

Shutter Stance is a short film documenting and telling the story of three different worlds and how they all tie together. Photography, RC drifting, and Stance, all supporting each other online and in the real world.

Music (in order of appearance):
Forest Swords- Thor's Stone
Elliot Lipp- Alive
Yung Gutted- Lots Of Cheese
Air Shaper- Exit Strategy
Knowmads- Thoughtless
RW Smith- Tune In
Erick The Architect- Jaded For She

http://1123productions.com/

https://instagram.com/rcslide/

http://www.kmayphoto.com/

https://www.facebook.com/pages/Kong-Rc-Drift/1556642444617806?fref=ts

https://www.facebook.com/AfrosRCClub?fref=ts
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/SHUTTER_STANCE.html

21 Apr 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

again. and again..., Qoros-1644

Qoros vor Neubeginn?

Zurück auf Feld 1: Qoros will jetzt zuerst einmal die Hausaufgaben machen.

Man dachte eigentlich: wenn eine chinesische Marke, dann könnte es Qoros in Europa schaffen. Diese Kooperation der Israel Corporation mit dem chinesischen Hersteller Chery hatte bei ihrer Gründung 2007 - für China unter dem Namen Guan Zhi - zumindest Grosses vor, wollte den chineischen Markt aufmischen und auch den Europäern mal zeigen, wo der Bartl den Most holt. Dafür wurde reichlich europäische Auto-Prominenz nach Shanghai gelockt, vor allem vom österreichischen Vorzeigebetrieb Magna, aber auch der ehemalige Mini-Chefdesigner Gert Volker Hildebrand.
Es wurde dann halt: nix. Zwar wurde das eine oder andere Modell homologiert (irgendwo im dunklen Osteuropa), es gab sogar fünf Sterne bei NCAP für den Qoros 3, doch so richtig aus den Startlöchern kamen die Chinesen nie. Nicht einmal auf ihrem Heimmarkt - 150'000 Einheiten jährlich waren der Plan, im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 7000 Stück. Und in Europa wohl eher so gegen: Null.Qoros
Doch jetzt will Qoros alles anders machen, zuerst die Hausaufgaben in China erledigen, dann, frühstens in zwei Jahren, einen neuen Versuch wagen in Europa. Sagt zumindest der neue Chef, Phil Murtaugh. In Shanghai zeigten die Chinesen, wie das in Zukunft klappen soll - mit einem kleinen SUV. Das Ding sieht gar nicht einmal so übel aus, auch wenn wir etwas gar viele Zitate von anderen Herstellern erkennen können, die waagrechten Lichter von Cadillac, ein Heck wie ein Renault Avantime, manch ein Käntlein von BMW. Technisch, immerhin, scheint der Qoros ganz interessant zu sein, geladen werden kann er nämlich induktiv.
Die Frage ist aber: wie lange wird es dauern, bis Qoros solch ein Gefährt auf der Strasse hat? Der bestehende Qoros 3 ist zwar ganz hübsch (Hildebrand versteht sein Handwerk, das will ihm niemand absprechen), aber so richtig vom Sitz reisst das niemanden. Da braucht es mehr, anderes, sonst geht da auch in China nicht viel. Wir schauen da mal ein bisschen zu - und hören, dass neben anderen Qoros-Führungskräften auch Hildebrand nach einem neuen Job Ausschau hält...
Weitere Exoten gibt es in unserem Archiv.Qoros
Qoros

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/qoros-1644/seite_1-2

Mehr lesen von : Jens Tanz

Current Article

24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
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10 Apr 2015
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Für immer Musik

Für immer Musik

Drittes Lied, erste Seite

Was für eine Macht dieser Aneinanderreihung von Tönen.
Mit Musik verbinde ich ganze Blockbuster-Episoden des Lebens. Musik lief im Auto meines Papas, in der Stereoanlage im Wohnzimmer und im Radio meiner großen Schwester. Musik war tanzbares für die Schulfeten und der Soundtrack für den ersten richtig schlimmen Liebeskummer. Musik untermalte Kinofilme und ließ die Momente unsterblich werden, wenn ich sie später wieder hörte. Ich kann mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Heute kamen zwei Pakete von ebay, und die haben mich zu meinen allerersten musikalischen Momenten zurückgeworfen. Die lassen mich über ihre Bedeutung in meinen ganz frühen Jahren nachdenken, als Musik mehr war als ein überall vorhandener Dauerbeschaller. Sie war wertvoll.

Platten. Kassetten.
Ich sitze im Wohnzimmer meiner Eltern in Uelzen vor der schicken Telefunken Anlage aus Holz und Chrom und dem DUAL Plattenspieler. Mein Papa hat mir kapitulierend eine seiner LPs geschenkt, weil ich die immer und immer wieder hören wollte. David Dundas. Den kennt heute keine Sau mehr, aber sein One-Hit-Werbe-Wonder “Jeans On” kennen zumindest die etwas Älteren noch. Das fand ich gar nicht so super. Vielleicht weil ich’s nicht richtig verstanden habe, ich dachte immer, er singt: “I put maggel Jeans on, I put my aggel Jeans on“. Hm. “Tsch Tsch“. Was maggel und aggel Jeans sind wollte sich mir damals nicht erschließen, also widmete ich mich lieber dem dritten Lied auf der ersten Seite. Ja, erste Seite, liebe Kinder. So eine Platte konnte (musste) man nach der Hälfte einigermaßen aufwändig umdrehen :-) Der gute Mann sang da über “Another funny Honeymoon“, was das war wusste ich auch nicht aber das alte Wurlitzer Klavier und der Synthi klangen irgendwie toll. Immer und immer wieder. Ich setzte die Nadel alle drei Minuten an den Anfang des Liedes zurück, während ich auf dem großen Wohnzimmertisch verträumt ein 500-Teile Puzzle vom Hamburger Hafen zusammenlegte.
Keine Ahnung wo diese Platte geblieben ist, aber im ersten ebay Paket ist so eine drin und die höre ich jetzt gerade. *schluck* Alles wieder da. Ohjeohje…

Für immer Musik

Manchmal muss ich die Zeit zurückdrehen

Meine erste richtige, eigene, selbstgewünschte Platte war Truck Stop – Nicht zu bremsen. Von den Jungs aus dem Raum Hamburg hört man heute vor allem, dass sie einer nach dem anderen sterben. Damals hörte man “Die Frau mit dem Gurt” oder “Der Wilde Wilde Westen:-) Peinlich? Na ja, deutsche Country Musik ist schon sehr speziell, vor allem, wenn sie viele Jahrzehnte alt ist. Ich fand es damals super. Die Platte hab ich noch immer, vorn drauf ist ein fetter US Truck. Ich glaube ich wollte das Vinylstück damals haben, weil ich gerade den Film Convoy gesehen hatte. Amerikanische Trucks waren bei mir in den frühen 80ern ganz hoch im Kurs, und die Jungs haben das auf dem Kamm der Welle ihres Erfolgs werbewirksam umgesetzt. Truck Stop lösten Herrn Dundas auf dem DUAL Plattenspieler ab, und diese neue LP hörte ich sogar regelmäßig ganz durch, während ich verträumt Plastikmodellbausätze von Autos, Flugzeugen und Kriegsschiffen zusammenklebte.
Heute hab ich ein paar mp3s rausgelöscht, die ich schon damals doof fand und höre das Album manchmal im Audi. Und ich singe jedes einzelne Lied mit.

Für immer Musik

Wer kennt die Frau die nichts an hat als den Gurt?

Tiffy war meine erste große Liebe. Sie hieß nicht wirklich Tiffy, aber ich hieß damals Samson (was man so in der Grundschule eben spielt) und da bot sich das an, rote Haare hatte sie jedenfalls. Auf ihren legendären Geburtstagsparties im vertäfelten Partykeller mit gedimmtem Licht und allerhand süßem Kram zum Essen und Trinken lief auf dem Plattenspieler das Album Rom von Dschinghis Khan. Immer und immer wieder :-) Ich war fasziniert von den historischen Geschichten, welche die bunten Damen und Herren, von Ralph Siegel produziert, in ihren Kostümen so dahinschlagerten. “Rom” selbst ist noch immer ein musikalischer Epos, Madagaskar rührte mich damals zu Tränen und Die Fremden versprüht zeitlose esotherische Weisheit. Die Platte war mir zu teuer. Aber mein Freund Klaus hatte einen Kasettenrecorder mit einem Mikrofon, also lieh ich mir das Album von Tiffy aus, kaufte im Kaufhaus Klappenbach eine Kassette und nahm die Lieder mit dem Mikrofon von den Lautsprecherboxen im Wohnzimmer auf, während ich ganz leise, damit keine Störgeräusche kamen, ein paar farbige Liebesgedichte für Tiffy zusammenklebte.
Heute habe ich das Album im Schrank, ich fand es für einen Euro auf dem Flohmarkt. Tiffy ist inzwischen verheiratetund meine großen Töchter tanzen auf den Abtanzbällen noch immer ausgelassen im Kreis zu Moskau.

Für immer Musik

Rom. Wo die Liebe auf der Straße liegt.

Und ich wollte unbedingt ein eigenes Radio mit Kassettenteil haben, so was wie Klaus. Vor allem weil ich aus dem Radio kostenlos meine Lieblingslieder aufnehmen wollte. Die Neue Deutsche Welle tobte gerade los, und der kleine Jens baute seine allgemeine Begeisterung für etwas seltsame Musik aus. Immerhin hatte ich schon zwei Platten (nein, drei, Micky Maus Starparade war auch noch dabei, aber da spreche ich nicht gern drüber ;-) ). Meine große Schwester Anita war gerade – warum auch immer – zu unerwartetem Reichtum gekommen und vertickte mir ihren alten Kassettenrecorder. So ein Stereoding, links ne Box, rechts ne Box, in der Mitte das Tape und oben die Skala für das Radio und ne Menge Knöpfe. Von ISP. Und dann ging’s los. Jedes Wochenende saß ich Abends vor NDR2 und dem Club Wunschkonzert, bei jeder Moderation von Günter Fink einen Finger auf REC und einen auf PLAY. Endlich hatte ich Major Tom eingefangen, nebenbei noch Perlen wie “Aloa He” von der Neuen Heimat oder “John Wayne is big leggy” von Haysi Fantayzee. Geil. Und alles mit Wortfetzen am Anfang und am Ende, zurückspulen und beschneiden war nicht, da konnte man ja das nächste Lied verpassen ♫ Es waren aufregende Abende, aber es war später unter der sicheren Bettdecke liegend ein super Gefühl, diese Musik konserviert zu haben, ohne jeweils 6 Mark für die Single ausgeben zu müssen.
Ich habe diese Kassetten noch. Und im zweiten ebay Paket steckte eben so ein Recorder der Firma ISP. Genau der gleiche, STR-793. Vor dem sitze ich jetzt…

Für immer Musik

Das Leben ist kein Wunschkonzert

David Dundas ist fertig, mein Plattenspieler hat sich mit einem leisen *schnarrklack* ausgeschaltet. Der lebt in Südfrankreich und ist zwischendurch mal ein Lord gewesen oder noch immer, ich weiß es nicht. Ob er noch singt? Die Überlebenden von Truck Stop sind so alt wie meine Eltern und machen weiter Musik. Was aus Dschinghis Khan geworden ist weiß ich nicht so richtig, einige sind ebenfalls verstorben und Ralph Siegel produziert ja noch immer dies und das.
Die Platten drehen sich nicht mehr. Macht aber nichts, ich habe jetzt Radio an. Als Kind verkroch ich mich bei dieser Musik gedankenverloren in einer Menge Basteleien, während sich gar nicht so heimlich, still und leise meine Mama und mein Papa auseinandergerissen haben. Diese Jahre brannten sich gemeinsam mit der Musik in meine Seele, und ich glaube inzwischen, dass ich das nicht mehr aufarbeiten kann. Obwohl ich meine old Bluejeans an habe. Das ist dann wohl so. Ich sitze mit einem Glas Wein in der Hand vor diesem ISP Kasettenrecorder, das rote “Stereo” Lämpchen leuchtet und es ist dunkel draußen. Das Plastik von dem Ding RIECHT sogar so vertraut wie damals, können Sie sich das vorstellen? Auf dem Oldiesender läuft Maffays Es war Sommer. In den 90ern habe ich mit meiner Gitarre im Irish Pub in Kiel damit 150 besoffene Iren begeistert. Heute Abend macht es mich traurig. Sachen sind vorbei. Sachen sind kaputt. Aber die Musik wird immer da sein. Sie wird uns immer begleiten, und sie wird auch in Zukunft Momente in unserem Leben konservieren. Für später. Manchmal für die Ewigkeit. Ich ziehe den Stecker vom Recorder und trinke mein Glas aus. Und dann weine ich ein bisschen.

Sandmann

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05 Apr 2015
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Baggaaaaa Papa!

Baggaaaaa Papa!

Entertainment entlang der Autobahn

Sturm, Regen, eine zweijährige Mitreisende und keine Kinderlieder.
Eine Pendelei von Hamburg nach Kiel dauert normalerweise eine Stunde, mit dem alten Audi 100 eher 1,5 Stunden, bei Regen noch ein wenig länger und seit ein paar Wochen (seit der Ausbau der A7 zur dreispurigen Pendelachse nach Dänemark begonnen hat) unabschätzbar lange. 60km/h bis 80km/h. Parken auf 100 Kilometern. Das viertelfinnische Sandmädchen, jäh der Kita entrissen, sitzt leicht pampig auf dem Kindersitz neben mir – und Kiel ist noch weit weg. So um Ostern rum sind eine Menge bunte Bagger entlang der A7 versteckt, vielleicht…..? Stationen einer Autofahrt, während Sturmtief Niklas unbefestigte Gegenstände quer durch das Sichtfeld treibt.

16:10 Uhr.
Dieses Wetter macht mich fertig.

Baggaaaaa Papa!

Ein sagenhaft eintöniges Stück Norddeutschland

Und nicht nur das Wetter. Und nicht nur mich :-( Die Bundesautobahn 7 zwischen Hamburg und Kiel war schon mehrfach Thema meiner verworrendsten Albträume, meistens hatte das aber mit hohem Verkehrsaufkommen und den entsprechenden Folgen in Richtung Süden zu tun. Heute fahren wir in Richtung Norden. Neben mir sitzt ein kleines viertelfinnisches Mädchen mit einem großen vollfinnischen Willen und blickt finster aus ihren blauen Augen. Der Gurt des Kindersitzes schränkt ihre Bewegungsfreiheit leicht ein, da ist es auch nach wenigen Minuten nicht mehr supercool, vorn neben Papa im Audi zu sitzen. Im Mercedes muss sie immer hinten sitzen, der Audi hat da aber keine Gurte. An diesen blauen Augen zieht jetzt die A7 vorbei, die auf diesem Teilstück noch nie sagenhaft unterhaltsam war. Abgeschaltete Windgeneratoren vor einem tiefgrauen Himmel, aus dem eine Menge Regen fällt. Kaum Häuser. Selten Büsche, noch ohne Blätter. Ein Szenario, wie geschaffen um einen zwei Jahre alten Menschen bei der Stange zu halten. Nicht.
Der Wind reißt am Audi. Mein Kind beginnt zu nörgeln.

16:23 Uhr
Wo gebaut wird, stehen Bagger. Kinder finden Bagger toll, allein schon wegen der leuchtenden Farben. Okay, hallo Ostern, es geht los. Ich zeige meiner kleinsten Tochter den ersten Bagger und jauchze euphorisch in der Hoffnung, so etwas wie Begeisterung säen zu können.

Baggaaaaa Papa!

Endlich. Lasst die Spiele beginnen!

Es funktioniert. Nun ist das mit Baggern so eine Sache. Die sind sicherlich toll, wenn sie da sind. Aber wenn die Lunte erstmal brennt, brennt sie schnell. Das Kind will jetzt Bagger sehen und ist in ihrer noch recht kleinen Welt der Meinung, Papa kann machen, dass welche kommen. Das kann Papa aber nicht. Papa kann den Radiosender verändern, und er kann es im Auto wärmer machen. Das war es dann auch schon. Er kann nicht mal das Tempo bestimmen, denn das machen die anderen Autos vor ihm, und die haben heute beschlossen, sich Zeit zu lassen. Die meisten norddeutschen Autofahrer reagieren auf Regen, Schnee oder Wind mit dem Absenken der eigenen Geschwindigkeit auf Schritttempo und dem angestrengten Lauschen der Verkehrsmeldungen, die sie mit ihrem Verhalten gerade selbst produzieren. Lobpreiset das Bundesverkehrsministerium, denn es hat gemacht, dass noch mehr Bagger kommen :-) Da. Guck.

Baggaaaaa Papa!

Bagger. Sie ist glücklich.

Wenn Sie bei diesen Bildern mutmaßen, dass wir auf einem kleinen Bundesstraßen-Teilstück irgendwo bei Quickborn dahindödeln – nein nein. Quickborn ist zwar nicht ganz falsch, aber was man hier sieht ist die Hauptverkehrsader quer von oben nach unten durch Schleswig-Holstein, die in den nächsten Jahren (JA-HREN!) eine Dauerbaustelle ist. Hurra. Wenigstens gibt es Bagger für die Dame, und das nicht zu knapp. Mein viertelfinnisches Sandmädchen giekst vor Wonne und zeigt emsig mit ihrem kleinen Fingerchen auf die gelben, orangen und türkisen sandbewegenden Kolosse. Einige blinken, andere fahren, die meisten stehen einfach nur rum.

Baggaaaaa Papa!

Ganz aufregend. Gut so.

16:35 Uhr.
Zeigefinger wohin das Auge blickt. Die Straßenplaner haben alles gegeben. Wenn mal für ein paar Meter kein Bagger zu sehen ist taucht das kleine Köpfchen mit fragendem Blick hinter den Sitzwangen auf: “Baggaaaa, Papa?” Ich versuche ihr zu erklären, dass ich nicht machen kann, dass noch mehr Bagger kommen, aber dass bestimmt gleich noch einer am Rand der Autobahn stehen wird. Wir werden schneller. Der Verkehr läuft inzwischen so gut, dass ich es wagen kann, 60 zu fahren. Cool. Vielleicht sind wir ja doch noch vor Einbruch der Dunkelheit in Kiel? Flott fließender Individualverkehr wiederum hat in unserem Falll als Hintergrund das streckenweise Nicht-Vorhandensein von Fahrbahnverengungen. Hier ist die A7 noch die gute alte A7, zweispurig und ohne Baustelle. Allerdings deshalb auch ohne Bagger. Ich ahne nichts gutes.

Baggaaaaa Papa!

Läuft. Aber nun ohne Baggaaa

16:39 Uhr
Seit 4 Minuten keine Bagger am Straßenrand. Nicht einmal die großen Werbetafeln von Dodenhof, die man hier nur aufgestellt hat, damit Berufspendler nicht vor Eintönigkeit sterben können den immer böser werdenden Blick der kleinen Dame erhellen. “Baggaaaa?” Sie wird ungeduldig. “BAGGAAAAAA???? PAPAAAA???” Es sind aber keine da. Wo ist eine Baustelle, wenn man sie mal braucht? Verdammt. Ich greife zum vorletzten Mittel der allgemeinen Kindesberuhigung auf eintönigen Überlandstrecken: Lebensmittel. In meiner Jackentasche ist noch ein Zwieback. Den habe ich da vor ein paar Tagen mal drin vergessen. Das trockene, komplett nährwertbefreite Stück verbranntes Weizenmehl zaubert ein Lächeln ins Gesicht meiner Beifahrerin und scheint prädestiniert dafür zu sein, einige Kilometer für glückliches Schweigen zu sorgen.

Baggaaaaa Papa!

Nährstoffbefreite Pausenfüller

16:42 Uhr
Rechts von mir schnurpst es leise vor sich hin, während der Regen weiter gegen die Scheiben geweht wird. Doof: Am Straßenrand stehen schon wieder extrem viele Bagger, die aber ungesehen verdampfen, weil die kleine Genießerin gedankenverloren auf dem trockenen Knusperteil rumkaut. Was für eine Verschwendung von optischem Entertainment, ich muss mir mal merken, bei welchen Kilometermarken es sich lohnt, Nahrungsmittel aus der Tasche zu zaubern. Hier nicht. Der blöde Nebeneffekt des uneigennützig angebotenen Zwieback ist, dass ich ebenfalls Hunger bekomme :-( Meine grundsätzlich teilungsbereite Tochter scheint meinen knurrenden Magen gehört zu haben, beugt sich leicht vor und hält mir den Zwieback hin. Die Süße. Ich verbuche das wohlwollend für meine küntfigen Reaktionen auf die kleinen, aber lautstarken Willensdurchsetzer, die da noch kommen werden. Heute, morgen, übermorgen. Man nennt dieses Alter auch “Terrible Two”.

Baggaaaaa Papa!

Jetzt will Papa auch.kf

Jetzt knurpsen wir beide. Aber ich lasse ihr selbstlos den Rest und bin neugierig, wie lange der Motz-Stopper aus dem Hause Brandt seinen Dienst verrichten wird. Knurps. Lecker irgendwie, ich bin im Kopf immer sofort im Freibad oder am Strand, wenn ich Zwieback oder Butterkekse esse :-) Kennen Sie das? Man sollte viel öfter Zwieback schnurpsen.
Für die nächsten Minuten bin ich mit mir, meinen Gedanken, ein paar Krümeln auf dem Hemd und der Musik allein auf der träge dahinfließenden A7. Weil ich persönlich die tobende Begeisterung für im Regen stehende Baustellenfahrzeuge nicht teilen kann fällt mein Blick auf das Display vom Radio, und zum ersten mal seit ich es eingebaut habe fällt mir auf, dass die Sendefrequenzen irgendwie nicht stimmen. Nanu? NDR1 sendet hier doch auf 89.5 und nicht auf 89.3?

Baggaaaaa Papa!

Off Topic. Sendefrequenzen.

Ich tippe auf dem Suchlauf rum. Hamburg II ist eigentlich auf 95.0, heute bei mir aber auf 94.8 :roll: Am auffälligsten ist die Verschiebung beim lokalen Rentnersender NDR Neunzig Komma Drei, den ich trotz seines eindeutigen Namens auf 90.1 finde. Was ist denn mit meinem Radio los? Frequenzen ohne Grenzen? Kann auch eine elektronische Skala sowas wie einen Versatz haben? Ist es wetterfühlig? Langweilt es sich? Schräg. Bisher war mir das nie aufgefallen, denn die Sender waren eingespeichert und zeigen dank fehlendem RDS ihre Namen sowieso nicht. Na gut, da habe ich wieder was dazu gelernt. Ich habe anscheinend eine Art behindertes Radio, aber solange da Musik rauskommt ist ja alles okay.
16:55 Uhr
Lustig wie die Zeit vergeht wenn man Spaß hat. Der Zwieback auf dem Beifahrersitz neigt sich gefährlich dem Ende entgegen…

Baggaaaaa Papa!

bald ist das Pulver verschossen

Dabei bietet dieser Autobahnabschnitt doch so viel Schönes!
Die Dauerbaustelle hat sich inzwischen auf die Fahrbahnmitte verlagert und ich erkläre meiner kleinen Zwieback-Schnurpserin, dass sie meistens dann mit frischen Baggern rechnen kann, wenn plötzlich überall diese kleinen Schildchen mit den roten und weißen Streifen rumstehen. Sie klatscht fröhlich verstehend in die Hände und spendiert mit dieser Aktion generös ein weiteres Stück Knuspergebäck dem blauen Teppich im Fußraum. Das klaut mir Zeit. Mist.

17:00 Uhr
Hey – für Papa ist da draußen auch mal etwas zum Gucken unterwegs. Ein schönes T-Modell vom W124, was einen Trailer mit einem wundervollen alten Auto zieht. Leider fahren die beiden viel langsamer als wir, und schwupps sind wir dran vorbei. Da kommt vor der Brücke der nächste Bagger, und trotz letzten Zwiebackfragmenten in Hand und Mund skandiert mein viertelfinnisches Sandfräulein ihre Entdeckung: “DA! PAPAAA! BAGGAAAAAAAAA!!!” Nun befindet sich auch Zwieback auf der Windschutzscheibe und dem Armaturenbrett.

Baggaaaaa Papa!

Nicht nur Baggaaaaa. Auch Oldiesg

17:20 Uhr
Kiel ist nicht mehr weit, aber wir haben bereits die baggerintensive A7 verlassen. Nicht, dass es hier irgendwie spannender vor den Fenstern wäre, und für das Wort “gleich” ist mein kleines Töchterchen noch zu klein. Die Synapsen einer Zweijährigen sind vorhersehbar geschaltet, nach über einer Stunde perfekter Passgenauigkeit beginnt nun plötzlich der bequem geschnallte Gurt zu drücken und zu eng zu sein. Ah ja. Sie jammert theatralisch ein wenig vor sich hin. Dann beugt sie sich leicht nach vorn, guckt mich mit diesen riesengroßen blauen Augen an und fragt: “Papa? BAGGAAAAAAA???” Und nun ist auch noch der Zwieback alle.

Baggaaaaa Papa!

Alle. Und nun?

Der Haken an so einem Automobil auf einer Autobahn ist, dass man nicht rauskommt, wenn es brennt. Und das Feuer wird genährt von fehlenden Baggern, aufgegessenem Zwieback und der voranschreitenden Zeit. In diesem Alter können Kinder unangenehm werden. Sehr unangenehm. Das erfordert Kreativität – aber es ist nicht viel in meiner direkten Erreichbarkeit, womit ich noch in den letzten Minuten um ihre Gunst werben könnte. Die Wasserflasche will sie nicht. Der neue Mitfahrer im Audi, “Fragen-Sie-den-Frosch”, ist auch schon im Fußraum gelandet. Ah. Fußraum. Moment, das könnte klappen.
17:23 Uhr
Sie lacht. Ich auch.

Baggaaaaa Papa!

Was man nicht alles macht.

Es gibt zahllose Bücher über Zeitgestaltung mit kleinen Kindern auf Reisen. Es gibt mindestens genau so viele Kassetten oder CDs mit Kinderliedern drauf. Ich besitze sowas alles nicht. Vielleicht sollte ich mal losziehen und ein paar doofmopsige klitsch-klatsch-in-die-Händeeee ♫ Tonbanalitäten erwerben, vielleicht zieht das ja. Wissen Sie was? Ich glaube nicht. Dieses Kind ist schon in Mamas Bauch mit Rammstein, den Ramones und Depeche Mode beschallt worden, die Zuckowskis dieser Welt könnten sie eher verstören. Sie liebt Wiederholungen und Routine. Bagger können gar nicht oft genug kommen. Ach ja, und Brücken. Brücken tun es auch.

17:30 Uhr
Die Brücken von Kiel. Wir haben es geschafft.

Baggaaaaa Papa!

Wenn der Bogen kommt, sind wir da.

Ich habe die rosa Mütze aus verschiedenen Gründen inzwischen wieder abgenommen. Sie war ein bisschen zu klein, sie roch und schmeckte in der Mundgegend überraschend nach längst vergangenen Lebensmitteln und einige überholende Menschen haben etwas verstört rübergeguckt. Ich will die Osterreisenden nicht unnötig verängstigen, heute wird man derartig vermummt ja leicht in eine Schublade gesteckt und hat schnell das LKA im Nacken. “BRÜCKEEEEE!!! DA! Huiiiiii!” Kurz vor Kiel kommen ungefähr 10 Brücken hintereinander, und wissen Sie was? Die nächsten Jahre können wir auf der A7 zu jeder Jahreszeit noch Bagger zählen. Das wird ein Spaß :-) Und bis dahin lassen Sie es sich gut gehen. Wir tun das jetzt auch. Ei Ei Ei.

Sandmann

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Created Sonntag, 05. April 2015 Tags A7 | Absurdistan | Audi 100 LS 1977 | Autobahn 7 | Bagger | Baustelle | Dauerbaustelle | Stau Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
26 Mar 2015
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Abschied und Lebewohl?

Abschied und Lebewohl?

Das Eckige muss ins Eckige.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Egal, wie alt man ist.
Zehn Jahre an der Seite ein und desselben Partners sind heute eine Seltenheit. Ein Schatz, der gehütet werden sollte, wenn er noch immer funkelt und beide Partner sich Zeit für einander nehmen. Die Generation unserer Eltern hat das Leben ausgehalten. In guten wie in schlechten Zeiten, das haben sie sich irgendwann einmal vor Gott geschworen, das mussten sie dann auch durchziehen. Heute ist man ein bisschen liberaler. Wenn es nicht mehr passt, wird darüber geredet. Wird versucht, eine Lösung zu finden. Und wenn die nicht gefunden wird, dann trennt man sich. Nach 10 Jahren fand ich keine Lösung mehr für mich und meinen Audi V8. Jedenfalls keine, die mir UND ihm gut getan hätte und bei der wir zusammen bleiben konnten.
Ein später Nachruf zwischen Garagentoren.

Das Rad der Zeit dreht sich weiter.

Abschied und Lebewohl?

Weg, weit weg von Kiel

Neulich hatte ich noch relativ viel Zeit, arbeitete in Kiel und war immer rechtzeitig zu Hause. Da stand dann der Audi, konnte bei Bedarf beschraubt werden und bekam alle Unterstützung, die ihn bis zu seinen 520.000 Kilometern auf dem Tacho brachte. Und wollte er einmal nicht, dann nahm ich das Fahrrad zur Arbeit, ging früher nach Hause und reparierte dann abends die zumeist kleinen Defekte. Neulich.
Neulich war 2011. Jetzt ist alles anders. Ich arbeite meistens in Hamburg und manchmal in Kiel, und seit zwei Jahren gibt es zudem ein süßes kleines Sandmädchen, was meine beiden wundervollen großen Mädels im Tochter sein ordentlich unterstützt. Auch sie lebt weitestgehend in Hamburg. Ich bin also jeden Morgen und jeden Abend auf ein Auto angewiesen, das auch wirklich fährt. Mit dem Fahrrad ist Hamburg nämlich von aus Kiel ein bisschen weit.

Nacht und Nebel

Nacht und Nebel

Sie sollte also nicht mehr sein, die 10 Jahre währende Beziehung mit dem 1993er Audi V8 4.2 Quattro, mit BOSE Soundsystem, Klimatronic, beheizten Sportledersitzen mit Memory, elektrischem Heckrollo und LPG Gasanlage. Wer stöbern möchte – rechts am Rand von Sandmanns Welt hat das Auto eine eigene Rubrik. Ich habe es schon gefahren, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und ich gerade erst mein Staatsexamen in der Tasche hatte. Ja, wirklich. Ich wäre fast Lehrer geworden, da sehen Sie mal, wie lange das her ist. Heute stecken noch ganz andere Dinge in den Kinderschuhen, kleine tappsige Kinderfüße zum Beispiel. Dem V8 folgte mit einem beruflichen Neuanfang mein erster Mercedes nach, auch nicht gerade eine super Entscheidung, aber super Entscheidungen sind die berühmten “Sprungbretter” direkt nach langen Beziehungen ja nie. Wir haben das treue Auto in einer Nacht-und-Nebel Aktion nach Wahlstedt zu Markus1975 gebracht, der hier auch regelmäßig seinen geschätzten Senf dazu gibt und sich dem sehr besonderen Audi, der aber trotz aller Besonderheit sehr Liebebedürftig war, annehmen wollte.

Abschied und Lebewohl?

Markus – und Audi V8 Nummer 2

Warum komme ich denn erst jetzt mit dem Kram raus, vier Jahre später?
Keine Ahnung, wirklich nicht. Ein Entwurf der Geschichte lag seit damals im Speicher meines Blogs rum, ich habe ihn niemals beendet. Seit 2011 ist wiederum so viel passiert, dass der alte Textentwurf mir heute wie eine Komödie vorkommt, also habe ich ihn gelöscht. Die superschlechten, viel zu dunklen Bilder habe ich nochmal neu bearbeitet. Und jetzt hacke ich endlos sentimental in die beleuchteten Tasten, trinke Rotwein und drehe komische Gedanken in meinem Kopf. Kann mich da mal ganz schnell jemand wieder rausholen, bitte? Hm, tja. Wir haben den Kahn damals erst in Markus’ Garage gebracht, dann zog er um in die erste Schrauberhalle (deren Adresse noch immer in meinem Navi gespeichert ist) und heute steht er neben seiner aktuellen Schrauberwerkstatt. Draußen. Glaube ich.

Abschied und Lebewohl?

runter kommen sie immer.

Die Diva und die Lady. Das sind sie, die beiden Audis von Markus, einer davon ist “meiner” und inzwischen hat der Mann sich eine ganze Menge Ahnung angeschraubt. Aber den V8 hat er nie fertiggestellt. Immer kam was dazwischen, die Alltagsautos mussten am Laufen gehalten werden, sein eigenes V8-Baby wollte ebenfalls Zuneigung und am Ende des Tages hat auch Markus eine Frau und eine Tochter, die ihn ab und an mal sehen wollen. Ich glaube, dass mir während meiner Ausformulierungen jetzt und hier ein Grund dämmert, warum ich das ausgerechnet JETZT online bringe. Wo doch schon so viele Autos danach kamen, der W124, Rudolf Diesel, dann das Taxiund bis heute der dunkelblaue Avantgarde. Der V8 steht nämlich noch immer so da, ein Stück meiner eigenen Vergangenheit, ein Stück Blech gewordene Unvernunft und ein wirklich teures Stück Automobil. Wer die Ersatzteilpolitik von Audi kennt weiß, was ich meine.

Abschied und Lebewohl?

links, rechts, rückwärts rein

Ich hasse diese Sentimentalität!
Mir schwirren grad total bescheuerte Gedanken im Kopf rum. Schwachsinnige Gedanken. Teure Gedanken. Gedanken, die mit meinem aktuellen Leben gar nicht vereinbar sind, von meinem Portemonnaie und der Geduld meines halbfinnischen Fräulein Altonas will ich gar nicht reden. Ich glaube, das liegt daran, dass ich in den letzten Jahren sehr viel losgelassen habe. Da waren Dinge bei, die wirklich entbehrlich waren, da waren aber auch Dinge bei, die ich unter normalen Umständen niemals freiwillig losgelassen hätte. Und doch habe ich es getan. Und es tat sehr oft sehr weh. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie stehen plötzlich vor Ihrem Lieblingsauto, was Sie vor vielen Jahren mal jemand anderem gegeben haben. Vor Ihrer großen Liebe. Vor einem Pool voller Geschichten, vor der Karre, in der Ihre Kinder autofahren gelernt haben, in die sie reingekotzt haben. Und es gibt da noch so eine klitzekleine Restmöglichkeit….. nnngghhhhhh…..
Moment, ich schreib Markus mal ne SMS…

Abschied und Lebewohl?

Steht. Wie lange…..?

GNARGH. Er hat mit der Zerlegung begonnen. Es müsste zu viel Geld in den Wagen fließen, mehr als 3000 Euro, bevor der wieder ne HU bekommt. Eigentlich weiß ich das ja. Ich hab ihm grad geschrieben, dass er zügig damit weitermachen soll, die Kiste auseinanderzureißen. Sonst komme ich noch auf GANZ blöde Gedanken. Und während ich hier sitze schreiben wir uns hin und her. “Der Wagen ist nicht mehr existent. Er ist aus deinem Blickfeld verschwunden“…. so viel Poesie hätte ich ihm gar nicht zugetraut ;-) Aber er hat ja Recht. Ich kann mit so einem Zeit- und Geldfresser nichts mehr anfangen, und er kann das Geld für die Einzelteile sehr gut gebrauchen. So wie es aussieht schließe ich also heute offiziell ein weiteres Kapitel meiner Vergangenheit ab. Darauf ein Astra, Markus, alter Kumpel.

Abschied und Lebewohl?

Prost. Endgültig.

Es ist schon…. komisch. So viel habe ich über das Leben mit diesem Auto geschrieben, von Anfang an im V8-Forum, noch ohne Bilder. Ob es diese Beiträge noch gibt? Was waren da für verrückte Geschichten dabei. Und das jetzt hier… das ist Sandmanns letzter Audi V8 Blog. Ever. Vermutlich. Was im Forum begann, was im AutoBild Blog weiterging und was in Sandmanns Welt mündete hat nun ein Ende. Aber es gibt über 100 Geschichten, und die wird es immer geben. Kennen Sie die mit dem Zahn? Egal. Lebewohl, mein Audi V8. Du hast einen bewegten Abschnitt in meinem Leben begleitet. Du warst Hochzeitskutsche, Urlaubsauto, du warst Kombi-braucht-man-nicht, Fahrschulwagen meiner Kinder, Kummermobil nach der Trennung, hast mich zur Scheidung getragen und durch viele Urlaube begleitet. Du warst immer dabei. Und jetzt bist du Geschichte. Du hast deine Aufgabe gut gemacht. Ich kalibriere mich jetzt darauf, dass du am Ende – nur ein Auto bist. Der Rest ist in meinem Kopf.

Sandmann

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Created Donnerstag, 26. März 2015 Tags 2 Quattro | Abschied | audi v8 | Audi V8 4 | d11 | Quattro | teuer | Unterhaltskosten Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
23 Mar 2015
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Salima und Laura

Salima und Laura

Weder Thelma – noch Louise. Egal.

Thelma und Louise, aber ohne Klippe am Ende.
Das wäre auch eine sagenhafte Verschwendung von Mensch und Material, würden ich diese Geschichte so enden lassen wie den Film von 1991. Dabei sind die beiden Ladies in dem Mustang Convertible nicht weniger sweet und quirlig als Geena Davis und Susan Sarandon. Heute wurde allerdings niemand erschossen, und niemand ist auf der Flucht. Aber dazu später. Salima strahlt trotz oder gerade wegen ihrer dunklen Hautfarbe noch heller als die heute schon recht heftig scheinende Sonne, und ihre Freundin Laura setzt noch einen oben drauf. Weiße Klamotten, helle Hüte und ein silberner Mustang mit dem Namen “Jonny”. Ich alter Mann mit Hut und Kamera auf dem blauen Rücksitz. Es verspricht, ein wundervoller Tag zu werden :-)

Salima und Laura

sowas wie Patriotismus.

Ich fang mal vorn an. Ganz vorn. Ein typisches Mädchen ist die kleine Salima mit den großen Augen nämlich nicht, auch damals schon (ist diese Zeitform grammatikalisch okay?). Sie spielt nicht mit goldmähnigen großäugigen Plastikpferdchen oder dämlich lächelnden rosa Frisierköpfen, sondern begeistert sich für das Auto ihres Vaters. In Papas silbergrauem 1971er E-Type Coupé mit der roten Innenausstattung lässt sie während ausgedehnter Wochenendtouren den Wind in ihren Haaren wühlen, wäscht und pflegt den damals etwas über 20 Jahre alten Klassiker mit Inbrunst und wünscht sich brummelig, auch endlich!!! autofahren zu dürfen. Wie wir alle. Die für ein Kind nahezu ewige Zeit bis dahin überbrückt sie mit Modellautos. Das erste in einer langen Reihe ist ein 65er Mustang Convertible, ausgelöst durch den James Bond Film “Goldfinger“. Shirley Eaton bewegt in dem Streifen ein weißes Cabrio, und mit Erlaubnis ihrer Mutter bestellt sich Salima so eins im Internet. Es folgen Corvette C1 und C3, Camaro Trans Am, KITT und KARR und ergänzend diverse Oldtimerzeitschriften im Abo, die sich in ihrem Kinderzimmer stapeln. Als 2001 Anne Hathaway als Mia in “Plötzlich Prinzessin” in einem etwas abgerockten 65er Mustang Convertible durch die Gegend schrabbelt ist Salima endgültig verknallt. Nicht wie alle ihre Freundinnen in Michael, den Freund von Mia. Nein nein, in das Auto.

Salima und Laura

Endlich erwachsen…

Papa wird weiter fleißig jeden Sonntag um Touren mit dem Jaguar angebettelt, und irgendwann ist Mia, nein sorry: Salima, endlich nicht plötzlich Prinzessin, sondern 17,5 Jahre alt und kann mit dem eigenen Führerschein loslegen! Endlich!!! :roll: Papas Heiligtum darf sie allerdings nur in seinem Beisein bewegen und kann daher an vielen Ausfahrten der “Wormser Oldtimerfreunde” nicht teilnehmen. Papa hat auch noch etwas anderes zu tun als mit dem Auto durch die Gegend zu fahren. Der Wunsch nach einem eigenen Auto wird also täglich größer, und ein spontan angebotenes Mustang Coupé bei einem Händler in der Nähe bringt sie erneut zurück auf ihre all-time Autoliebe. Aber kein Coupé, ein Convertible muss es sein! Nach oben wird Luft gewünscht. Oma, Opa und die Eltern sind sich aber irgendwie nicht ganz einig, wer denn gern das erste Auto der quirligen Lady bezahlen wird. Einigkeit besteht allerdings in der Verwunderung darüber, dass nicht wie vorherbestimmt ein zuverlässiger Mercedes werden soll. Ein Amerikaner? Will man so etwas unterstützen?

Salima und Laura

Unter der Haube. Zumindest der Motor.

Die Beharrlichkeit der jungen Dame lässt die Verwandtschaft einlenken (oder kapitulieren), und kurz darauf bekommt ein weiterer Händler in Baden-Baden den Suchauftrag nach einem Pony ohne Dach, am liebsten Schwarz oder Nightmist-Blue und auf jeden Fall aus den Jahren 1967 oder 1968. In diesen Jahren war der Mustang seiner allerersten Serie entwachsen und wurde von Ford zwar optisch an den Vorgänger angelehnt, aber etwas massiger proportioniert, um Platz für die großvolumigen Motoren zu schaffen. Die Ära der Muscle Cars, also der viel zu kleinen Autos mit viel zu großen Motoren hatte begonnen. Die Heckblende mit dem mittigen Tankstutzen wurde konkav gestaltet und gilt unter Fans heute als der Pony-Po mit dem meisten Sexappeal. Die geniale und massive Werbekampagne für die erste Serie ließ den Mustang in den Verkaufszahlen-Olymp der USA explodieren und löste bei Ford intern den Thunderbird (Thelma? Louise??) als Verkaufsschlager ab. Die Möglichkeit, den Wagen auf Wunsch quasi nackt für sehr kleines Geld oder vollausgestattet für nicht wesentlich mehr Geld (mit allen Varianten dazwischen) zu ordern schmeckte den freiheitsliebenden Amerikanern.

Salima und Laura

Ein frühes Pony mit V8. Geil.

Und Salima stellt es vor die Frage, welches der angebotenen Fahrzeuge sie denn nun nehmen soll. Die Motorenpalette reicht beim Mustang aus den Baujahren vom 3,3 Liter Reihensechser bis hin zum 7,0 Liter Big Block V8. Und die Popularität des (damals) preiswerten Sportlers ist ungebrochen, trotz der hohen Stückzahlen. Allein in den Jahren 1967-1968 verkaufte der Konzern 789.000 Mustangs, davon 113.000 Fastbacks und 70.000 Convertibles.
Betrachtet man den Kleider- oder Schuhschrank einer Frau, weiß man, wie schwer sie sich mit Entscheidungen tut. Oha. Aber wie wir ja wissen, ist Salima anders als die anderen. Außerdem kommt ihr ein wenig entgegen, dass der Händler aktuell nur zwei Convertibles im Importprogramm hat: Einen roten 1967er mit dem dicken 390cui V8 und einen 1967er mit der klassischen 289er Maschine in “Silver Frost” mit blauem Interieur.  Nee, also Silber? Niemals. Hm… Es ist ausgerechnet Papa, der die Dame mit eher weiblichen Argumenten zur Vernunft bringt: Auf silbernem Lack sähe man den Dreck nicht so. Vielleicht ist Salima doch nicht so anders als die anderen Frauen. Der Mustang wird ihr erstes Auto.

Salima und Laura

Erstaunlich viel Platz da drin.

Auf dem Hof des Händlers traut sich Salima erst gar nicht, das sehr erhaben wirkende Fahrzeug anzufassen. Silver Frost. Yo. Passt ja zur Jahreszeit, irgendwie :-) Vielleicht ist die Farbe ja doch gar nicht so übel? Der Zustand des Ponies ist super, und irgendwie harmoniert das blaue Interieur super mit dem silbernen Lack. Und nach einer kleinen Gewöhnungsphase fährt sie auf trockenen Januarstraßen mit ihrer eigentlich für Mercedes plädierenden Oma neben sich und einem geschlossenen Verdeck über sich zurück nach Worms. Die Automatik legt die Gänge sauber ein, alles funktioniert und fühlt sich richtig gut an.

Salima und LauraSalima und LauraSalima und Laura

Sie nennt ihn Jonny.
Jonny bekommt noch einen Bremskraftverstärker (das Auto wurde ursprünglich zum vorwärts Fahren gebaut, eher nicht zu Bremsen…), einen Ölwechsel und frischen deutschen TÜV. Derweil recherchiert Salima ein bisschen über die Wurzeln des Autos, viel erfährt sie allerdings anfangs nicht über die Geschichte ihres Ponys. Ein einziger Name im Title, ausgeliefert am 06. Juni 1967 in Texas an einen Händler zusammen mit einem identischen Zwilling in eben diesem Sonderlack. Die Fahrzeuge sollten als Showroom-Kundenfänger dienen, und das scheint ihnen gelungen zu sein, denn schon am 30. Juni 1967 wurde Salimas Exemplar von einem jungen Schüler aus der High School gekauft. Der soll ihn lange, sehr lange gefahren haben, um das Pony dann eines Tages an seinen Sohn weiterzugeben. Der fuhr damit ebenfalls zur High School und beschloss 2009 eine Komplettrestauration in den Auslieferungszustand, mit Bildern und Belegen. Es gibt vermutlich nur ganz wenige Mustangs auf der Welt, die nicht irgendwann schon einmal restauriert wurden. Und es gibt vermutlich überhaupt keine Restaurationen, die sich finanziell gelohnt haben. Schwupps kam die Wirtschaftskrise – und der Wagen wurde verkauft.

Salima und Laura

eines der attraktivsten Cockpits der 60er

Das war’s auch schon an Details zu Jonnys Historie, aber Salima ist ja noch jung und hat sich vorgenommen, weitere Details über den Oldtimer mit dem guten Herzen und der robusten Technik herauszufinden.
Jonny ist ein Junge. Definitiv. Allein schon, weil er wenig rumzickt oder Probleme macht. Einen einzigen Liegenbleiber kann sie verbuchen: Eine defekte Zündspule, die den Convertible auf den Standstreifen zwingt. Da Salima an dem Tag auf dem Weg zu einem Oldtimertreffen ist finden sich umgehend sechs hilfsbereite Herren, die ihre Köpfe in den Motorraum stecken, aber trotz richtiger Diagnose nicht helfen können. Defekte Zündspulen heilt die Zeit, zumindest kurzfristig, als der Wagen wieder kalt ist kommt die Lady weiter. Immerhin bis vor den Wormser Puff, da bleibt Jonny wieder stehen. Ein wenig verlegen und lieber das Verdeck schließend kontaktiert die Dame ihren Papa, und kurz darauf wird der Mustang abgeschleppt und der Defekt in einer Werkstatt behoben. Jonny legt den Heimweg auf eigener Achse zurück. Er macht süchtig nach Ausfahrten in die Pfalz, allein oder mit ihrer Freundin Laura, die sie auf einer Party kennen gelernt hat und die von den endlosen Benzingesprächen nicht genug bekommen konnte.

Salima und Laura

Achte Sie bitte auf das Auto!

Alle drei zusammen verdrehen der Herrenwelt gehörig den Kopf und rocken den First Mustang Club of Germany, wenn auch mit diesem klischeebehafteten “Küken”-Status! Und wieder ist es dieser Film, an den mich die Fotos erinnern. Ausgerechnet in Salimas Geburtsjahr kommt “Thelma und Louise” in die Kinos. In dem Film flüchten die von ihrem despotischen Ehemann genervte Hausfrau Thelma und ihre überdrehte Freundin Louise in einem Ford Thunderbird Convertible (na gut) raus in die Freiheit. Das geht aus verschiedenen Gründen ganz schön schief und endet ganz hinten bei dieser Klippe auch nicht happy, aber wenn die Mädels auf den vorderen Sitzen jetzt noch Kopftücher umbinden würden wäre die Illusion fast perfekt. Ein bisschen vorsichtig sind sie schon, als sie sich an und auf dem polierten Mustang posieren. Und die permanente Pflege zahlt sich schon jetzt aus. Auf dem Treffen in Sinsheim erreicht Jonny  in der Kategorie “Originalgetreuester Bestzustand” den 3. Platz.

Salima und Laura

da lässt Mann sich gern mal chauffieren

Was man so erlebt auf US-Car-Treffen. Eigentlich ist mir nur die hübsche junge Frau in dem tollen Auto aufgefallen. Kurz darauf springt ihre nicht weniger hübsche Freundin dazu, und nicht viel später cruisen wir zusammen durch die Stadt und sabbeln und lachen und haben den Wind in den Haaren ;-) Ich bin ein bisschen beseelt und habe ein bisschen dazugelernt über eine heute unübliche Definition von Liebe. Eine Liebe zwischen Salima und Jonny. Ab und an klemmt mal eine Visitenkarte hinter einem Scheibenwischer, zumeist sind es zurückhaltende Herren mittleren Alters, die den Wagen kaufen wollen. Und sie bieten wirklich eine Menge Geld. Auch wenn das stolz macht – Salima gibt ihren Jonny nicht mehr her. Er hat zwar “nur” den kleinen 289cui V8, aber auch hier zeigt sich wieder, dass sie vielleicht doch anders als die anderen Frauen ist: Sie will nichts verändern. Sie liebt ihn so, wie er ist…

Sandmann

Salima und Laura

Vollgas zum Horizont

Ford Mustang Convertible
Baujahr: 1967
Motor: 289 V8
Hubraum: 4736 ccm (289 cui)
Leistung: 148 KW (200 PS) bei 4400 u/min
Max. Drehmoment: 407 NM bei 2800 u/min
Getriebe: 3 Gang Automatik
Antrieb: Hinterrad
Länge/Breite/Höhe: 4663/1801/1311 mm
Leergewicht: 1800 kg
Beschleunigung: 0-100 in 13 Sek.
Top Speed: ca 190 km/h
Preis / Wert: ca. 38.000€

Originalartikel auf TRÄUME WAGEN

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Created Montag, 23. März 2015 Tags 1967 | 1967 Convertible | cabrio | ford mustang | Laura | Salima | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
15 Mar 2015
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Lecker Kabelsalat

Lecker Kabelsalat

Viele viele Brandbeschleuniger

Salat ist nicht so mein Fall.
Manchmal lasse ich mich zu einem Caesar’s (Cesars? Cäsar’s??) Salad hinreißen, mein halbfinnisches Fräulein Altona zaubert darüber hinaus ein ganz hervorragendes Senfdressing für Feldsalat und ähnliche Knusperblättchen – aber zu oft, das macht mich nicht glücklich. Salat im Auto macht mich sogar UNglücklich, vor allem wenn es sich dabei um einen farbenfrohen Kabeldschungel (Jungel? Djungle?) hinter dem Armaturenbrett handelt. Willkommen beim Tatort “Nicht-Ersthand-Auto”. Eigentlich möchte ich nur einen alten Zusatzverstärker aus den 80ern hinter das Radio schleifen. Am Ende habe ich wenigstens die Frontscheibe an ihren Rändern von der 38 Jahre alten Klebefolie befreit *grummel*

Samstag, Wetter kalt aber gut, Kinder versorgt.

Lecker Kabelsalat

Fragmente der 80er Jahre

Aus den Tiefen meines Kellers habe ich heißen Scheiß geborgen, jedenfalls in meiner Welt sind das coole Sachen: Den alten Interconti Equalizer Booster 8-) den ich schon 1990 im lila Taunus drin hatte und der zwar hektisch und albern rumblinkt, aber den Klang der zu kleinen Lautsprecher tatsächlich dramatisch verbessert. Als etwas dezentere Alternative liegt da noch ne kleine Blaupunkt Endstufe für zwei Euro vom Flohmarkt, wenn ich gaaaanz schnell bin und viel Zeit übrig habe (hahahaaaaa) warten auch noch zwei Lautsprecher auf ihren Einbau in die Heckablage.
Aufgabe 1: Die unlängst entdeckten bunten Kabelhinter dem Kombiinstrument in die Tiefen des Armaturenbretts verfolgen und ergründen, was die eigentlich treiben. Mysteriös.
Aufgabe 2: Klären, ob die weißen Lautsprecherkabel, die im Fahrerfußraum zwischen meinen Füßen rumpendeln noch irgendwo anfangen und gar irgendwo enden. Sie kommen weder beim Radio noch bei den Lautsprechern an. Mysteriös.
Aufgabe 3: Die Interconti Endstufe hinter das alte Blaupunkt hängen und Bass abfeiern.

Lecker Kabelsalat

Ansatzweise nachgebastelt. Wo gehen die hin?

Ich schätze Ordnung in der Bordelektrik. Sehr. Nun ist der Kabelbaum eines 1977er Audi 100 LS zwar schon ab Werk einigermaßen überschaubar, aber spätere Besitzer haben bei so alten Autos gern mal das eine oder andere Teilchen aus dem Zubehör nachgerüstet. Und das nicht immer mit ausgeprägtem Sinn für stromführende Verbindungen, die in der Geborgenheit eines Armaturenbretts schnell mal ein kleines Feuerchen in der Dämmwolle oder dem Teppich entfachen können. Drehzahlmesser mit Lüsterklemmen angeschraubt? Super! Radio und CD Wechsler reingestopft, mit dem Küchenmesser freigelegte Kupferlitzen zusammengedreht und mit Malerkrepp isoliert? Klasse! Rote Dauerpluskabel mit grün oder gelb verlängert und offen rumliegen lassen? Großartig! Einen ersten Eindruck von den tätig gewordenen Spezialisten konnte ich mir schon vor rund zwei Jahren verschaffen, als ich nur das Radio einbauen wollte…
Ich fang’ mit meinen Forschungen heute oben an, Deckel ab, Kombiinstrument raus und abtauchen unter die Lenksäule, mal schauen wo rot/gelb/blau/weiß, sauber über Gewindeschrauben mit der Leiterfolie hinten am Tacho verschraubt, am Ende hinführen.

Ah. Sackgasse.

Ah. Sackgasse.

Urks. Werde ich langsam alt? Oder dick? Oder ist in einem Audi 100 Fußraum einfach nicht so viel Platz? Hinter der Presspappe und dem blauen Kunststoff ist es jedenfalls, über Kopf betrachtet, tugendhaft 70er-deutsch aufgeräumt. Da sind ein sauber verlegter Kabelbaum, etwas Dämmung und die Luftkanäle zu den in diesem Modell reichlich vorhandenen Lüftungsdüsen. Die gehen von links nach rechts einmal quer rüber, das hat mich schon als kleines Kind begeistert ;-) Und weil das so ordentlich hier ist findet sich auch gleich der vierfarbige Kabelkandidat, beendet durch eine Lüsterklemme. Ah. Also wird hier nicht wie zuerst befürchtet der Armaturenträger wegen Kontaktproblemen mit neu verlegter Fremdspannung versorgt – es wurden vielmehr an seiner Rückseite in die andere Richtung Signalleitungen und Spannungsversorgung abgegriffen. Handwerklich gut gemacht, auch wenn ich selbst das jetzt vielleicht woanders abgezweigt hätte, aber egal. Wofür wohl? Was immer es war, es ist nicht mehr da. Also raus mit den vier Litzen. Aufgabe 1 erledigt. Enorm schrauberentgegenkommend finde ich (nebenbei bemerkt) den gerade entdeckten Massepol hier unten, direkt an der Karosserie angeschraubt. Mehrere blanke gut zugängliche Steckplätze im Kreis, auf die sich super massebedürftige Kabelschuhe stecken lassen. Audi hat seinerzeit mitgedacht.

Na immerhin.

Na immerhin.

Auch das weiße, lange Lautsprecherkabel lässt sich nach dem Entwirren von zwei gelben Kabelbindern komplett aus dem Fußraum rausziehen. Nach hinten auf die Hutablage führte das nicht, die ist noch jungfräulich. Na gut, Aufgabe 2 ist auch erledigt, dann kann ich jetzt ja noch mit dem vorhandenen Material die kleine Endstufe aus den 80ern einbauen *freu*
Das wiederum…. äh… gestaltet sich schwieriger, als ich dachte. Die weiter hinten liegenden Kabel, die hinter dem Radio zum Vorschein kommen stecken noch immer in klapperigen Lüsterklemmen. Die stromführenden Leitungen sind unzureichend mit Gaffer isoliert und die Anschlüsse an dem Interconti Booster habe ich damals zwar sauber verlötet – heute, 20 Jahre später, sind sie aber ausgehärtet und brechen wie Kekse ab. Toll.
Dabei war der Plan einfach: Stromversorgung der Endstufe über den Automatik-Antennen-Ausgang des Radios, Masse vom eben entdeckten Massepol. Stecker krimpen, Leitungen legen. Hm. Immer noch zu viele Lüsterklemmen, das gefällt mir nicht. Die zwei langen Leitungen der Endstufe zum Lautsprecherausgang des Radios hinter der Mittelkonsole durchwursteln. *rups* ein weiterer Stecker abgefallen. Aber jetzt will ich es wissen, den Lötkolben kann ich später noch immer anwerfen. Frontlautsprecher in die Endstufe stöpseln, Strom drauf und los. Wow. Klingt fett. Leider nur links :-(

Lecker Kabelsalat

Nee, so wird das nix

Alle Leitungen sind fest verdrahtet, aber rechts kommt nix. Gar nix. Hurra. Ich tausche die Stecker durch und nehme die anderen beiden der vier Ausgänge des Boosters – das gleiche Problem. Laut, leise, mal drauf klopfen und wackeln. Nichts. Der “Graphic Equalizer” meiner automobilen Sturm und Drang Zeit ist anscheinend halbseitig gelähmt. Angesichts der inzwischen ziemlich wüsten Verkabelung ist das nun nicht so schlimm, so hätte ich das eh nicht einbauen können ;-) Die optionale, aber optisch ansprechendere Variante mit der Blaupunkt Endstufe vom Flohmarkt macht es mir noch einfacher, die funktioniert gleich überhaupt nicht. Yay. Ein voller Erfolg. Aufgabe 3 ist heute nicht lösbar. Immerhin habe ich mir mit diesem wild verlegten 12-Volt-Kabelsalat nicht den Sicherungskasten hochgejagt. Notiz an mich selbst: Neue Endstufe oder gleich ein dickeres Radio besorgen und dann sämtliche Anschlussleitungen neu verlöten und mit Schrumpfschlauch isolieren. Ich bastel das ganze Geraffel sauber wieder zurück.
Und als die Sonne zärtlich durch die Wolken bricht, sehen meine trüben Augen diese mistige Folie an den Rändern der Frontscheibe. Einst vor 38 Jahren beim Einkleben eben dieser verwendet und als schmaler schwarzer Rand drumrumlaufend, jetzt von der Sonne zerbröselt, abbröckelnd, extrem doof aussehend. Das stört den ungetrübten Blick auf die Straße vor mir schon seit jenem Tag im März 2013. Ha! Zusatzaufgabe 4: endlich, endlich mal wegkratzen, da Shit!

Lecker Kabelsalat

was lange bröselt verschwindet endlich

Ich liebe Off-Topics und bekloppte thematische Wendungen.
Die fröhlich blauen A-Säulen-Verkleidungen lassen sich bei einem Audi 100 mit einer einzigen Schraube lösen und abklippsen. Und die Folie, so hartnäckig, statisch aufgeladen und klebend sie ist, weicht kapitulierend dem liebevollen Zuleiberücken mit einem flachen Schraubendreher. Nein, liebe Wattestäbchenfanatiker und Politurpuristen, keine Sorge, die Scheibe leidet darunter nicht. Das ist ein bisschen so wie mit dem Ceranfeldkratzer, der macht seinen Job ja auch ganz sorgenfrei. Und Viss KANN nicht kratzen.
Kennen Sie diesen Effekt, wenn irgend etwas über Jahre ein Dorn im Auge war, aber aus Faulheit oder Vergesslichkeit (oder Zeitmangel) hatte man gelernt, damit zu leben? Bestimmt. Ich meine heute mal nicht Ihre Lebensgefährtin. So banal die Entfernung dieser Folienreste auch ist, plötzlich sehen die Ränder der Windschutzscheibe nicht mehr geborsten und abgerockt aus. Plötzlich habe ich wieder einen unausgefransten Blick auf die Straße :-) Ein Traum. Zusatzaufgabe 4 ist erledigt. Dafür sind jetzt das Armaturenbrett, meine Hose, meine Hände und der Teppich voller klitzekleiner schwarzer klebender Folienfrisselchen. Aber irgendwas ist ja immer.

Lecker Kabelsalat

vorher – nachher

Ich ziehe Bilanz eines zwei-Stunden-Einsatzes an einem Samstag Mittag im März.
Es dümpeln ein paar nutzlose Leitungen weniger hinter dem Armaturenträger des Dottore rum. Das ist gut. Die beiden alten Endstufen aus meinem Keller sind anscheinend kaputt. Das ist doof, aber halb so wild. Ich hab ja das Radio, und es funktioniert einwandfrei. Ich schau die Tage mal bei ebay Kleinanzeigen, was so in der Gegend angeboten wird. Und dann werden die vorhandenen Leitungen gleich sauber durchgelötet. Die Bröselfolie rund um die Frontscheibe ist weitestgehend weg. Das ist toll :-D Es sind noch Reste unter der Dichtkante oben beim Wagenhimmel, da wollte ich heute nicht ran. Die Heckscheibe, das nur am Rand, leidet unter dem gleichen Problem. Das mache ich dann auch noch irgendwann. Nach zwei Stunden merke ich, dass wir erst Anfang März haben und die Kälte meinen Rücken hochkrabbelt.
Also nehme ich aus diesem Tag vorwiegend Erkenntnisse mit, leider keine satt bassige Musik. Ich werde jetzt mal heiß und laaaange duschen und fahr dann Frustshoppen :-( So ein Vergaserreiniger-Additiv für den Tank macht ja glücklich. Und vielleicht kaufe ich mir gleich noch einen neuen Staubsauger, dem alten geht’s nicht so gut. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe mit dem Dottore noch eine Menge vor, musikalisch akustisch gesehen ♫ Oder funktioniert bei IHNEN das Radio aus den 80ern etwa einwandfrei??

Sandmann

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08 Mar 2015
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*Click* passt. Äh… fast.

*Click* passt. Äh… fast.

Drehn drehn und endlich sehn

Der Dottore. Ja, der Dottore. Der gute alte Nullausstatter Baujahr 1977, ich schätze es prinzipiell sehr, dass dem alten Neckarsulmer quasi sämtliche elektronischen Helferchen fehlen. Wo nix ist kann auch nix kaputt gehen. Nicht mal getönte Scheiben hat er, was einzig die obenrum bröselnden Stoffsitze kapitulierend bemängeln, ich wiederum find’s schön hell drinnen :-) Nun entdeckte ich beim Schrotti ein sehr seltenes und begehrenswertes Kombiinstrument, passend für meinen VorFacelift. Mit einem Drehzahlmesser trotz Vierzylinder. Eigentlich war der den geil röhrigen 5-Bangern vorbehalten, aber ein paar Ausstattungsvarianten hatten den auch “weiter unten”. Mein LS nicht. Und irgendwie wollte ich schon immer wissen, was da so wie doll dreht, also rein damit. Original? Nö. Egal ;-)

Die Kellerordnung geht ja ihre ganz eigenen Wege.

*Click* passt. Äh… fast.

Ich habe es tatsächlich gefunden…

Wobei ich da nicht weiß, wie es Ihnen geht. Ob Sie sich auch in den vergangenen Jahrzehnten genau so zugemüllt haben wie ich, zu Weihnachten immer den Osterkram finden und zu Ostern dann den Weihnachtsschmuck? Es fehlt eigentlich immer an 13er Schlüsseln, 10er Nüssen, Wasserpumpenzangen und Hammern. Immer. Also kauft man das immer alles neu. Seit ich im Herbst nicht nur mein Leben, sondern auch meinen Keller aufgeräumt und umgelagert habe weiß ich wo Weihnachten und Ostern versteckt sind. Ich bin Besitzer von sieben 13er Schlüsseln, sechs 10er Stecknüssen, drei Wasserpumpenzangen und acht Hammern. Tendenz steigend. Das ist toll, und vor allem finde ich die paar Auditeile, die ich fein gebündelt in einem Regal gelagert habe sofort wieder. Werkzeug? Brauche ich nicht viel. Kreuzschlitz, Schlitz, Kombizange. Mehr ist nicht nötig.

*Click* passt. Äh… fast.

man muss nur wissen wo…..

Ich spreche selten von Liebe. Heute liebe ich das Wetter, wir haben den ersten richtigen Frühlingstag und die sonntägliche Sonne strahlt auf ein sich langsam erwärmendes Kiel. Ich mag diese Stadt. Sie mag mich nicht, jedenfalls nicht immer, aber da kann die Sonne nichts für. In diesem Fall heute liebe ich aber auch die Einfachheit der Technik in einem 38 Jahre alten Auto, was damals als Technologieträger abging und noch immer irgendwie zeitlos ist. Irgendwo in den Tiefen des Kofferraums klappert ein kleiner Werkzeugkasten rum, von dem ich heute nur sehr wenige Inhalte benutzen werde. Ich habe schon unzählige male am Kombiinstrument irgend eines Typ 43 zwischen 1976 und 1979 geschraubt (den Facelift ab 1980 mag ich nicht), der Dottore ist mein dritter in 20 Jahren, da sollten keine unvorhergesehenen Vorkommnisse die Bastelei bremsen. Links die unechte Holzleiste ab, darunter ist eine Schraube vom Armaturendeckel. Am unteren Rand sind nochmal zwei, alles normale Kreuzschlitz, dann kann man das blaue Ding auch schon runternehmen. Versuchen Sie sowas mal bei einem aktuellen Auto. Nein. Vergessen Sie’s.

*Click* passt. Äh… fast.

fast schon raus der Lump

Danach noch zwei Kreuzschlitz, die das Kombiinstrument halten – und das war’s dann schon. Jetzt hängt es nur noch an der mechanischen Tachowelle, zwei breiten flachen Steckern vom Kabelbaum und dem Blinkrelais. Jawoll, ein Relais. Hier wird kein elektronisches *klick* *klack* akustisch simuliert, was die ansonsten geräuschfreie Arbeitsweise einer elektronischen Kippstufe vertont. Hier ziehen noch Spulen und Elektromagneten Kontakte auf und zu, die dann Glühlampen blinken lassen. Und das macht dann *klick* *klack* :-) Äh… ja. Die Hoffnung, das ordinäre LS Cockpit (mit links Tank und Temperatur, Mitte Tacho und rechts der Uhr) einfach so gegen den neuen besser bestückten Mitbewohner (links Drehzahlmesser mit Temperatur, Mitte Tacho und rechts Uhr mit Tank) zu tauschen gestaltet sich nicht ganz so sorgenfrei wie ich gehofft hatte. Audi hat in diesem Fall alles richtig gemacht, die Stecker im Kabelbaum sind komplett durchkontaktiert und passen 1 zu 1 auf das neue Kombiinstrument. Allerdings… sind da hinten dran ein paar Kabel, die da nicht hingehören. Angeschraubt an Stellen, an denen nichts angeschraubt wird.

was ist DAS denn nun?

was ist DAS denn nun?

Zwei Möglichkeiten….
Hier hat irgend ein Vorbesitzer Teile des vielleicht völlig maroden und irgendwo innen gebrochenen Kabelbaums überbrückt und das originale Cockpit mit selbst gezogenen Strippen angeschlossen, damit es überhaupt funktioniert. Diese Annahme ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, weil die Funktion der Rückfahrscheinwerfer des Dottore auf genau so einem selbst gezogenen Kabel basiert. Sagte mir der Vorbesitzer. Hm.
Oder aber hier wurde irgend ein zusätzliches Gerät angeschlossen, was mal am anderen Ende dieser bunten Leitungen war und irgendwas gemacht hat. Was weiß ich, eine Endstufe, ein Navi, ich weiß ja nicht woran genau diese rot/gelb/blauen Litzen angeschraubt worden sind. Um das zu prüfen müsste ich hinter dem Armaturenbrett verfolgen, wohin diese drei Leiter gehen. Da hab ich jetzt keine Lust drauf. Also….. schraube ich sie einfach genau an die gleichen Anschlüsse am neuen Cockpit wieder an. Wird schon funktionieren :-) Glaube ich.

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Altes raus, neues rein

Mein liebes treues Kombiinstrument. Du warst mir zwei Jahre lang ein warm beleuchteter Freund, der mich mit den wesentlichen Informationen über dieses alte Auto versorgt hat. Ich hebe dich natürlich auf, falls ich es mal über den Kopp bekomme und den Dottore wieder in den Auslieferungszustand zurückversetzen will. Man weiß ja nie. Der Kilometerstand wird fotografisch festgehalten (der “neue” Tacho hat ein paar weniger drauf, ich glaube ich tausche die Tage einfach noch mal das einzeln ausbaubare Instrument damit das wieder stimmt) und jetzt ist es richtig ein bisschen spannend. Geht alles? Die Erfahrung hat mich gelehrt, einmal die wichtigsten Funktionen eines Umbaus auszuprobieren, bevor man alles wieder zusammenschraubt. Zündung an – drei rote Lampen leuchten. Motor springt an. Drehzahlmesser dreht hoch :-D YES! Blinker blinkt, Licht geht, Fernlicht auch. Tank klettert hoch, Temperatur auch. Da kann ich ja gleich eine kleine Probefahrt in den Sonnenuntergang das Westufer hoch machen, da wird ein Radiowecker aus den 80ern verkauft. Den will ich haben.

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Ohne 80er geht es nicht

Der steht nun, wie Sie sehen, auf meinem Nachttisch und wird mich hoffentlich morgen zur neuen Arbeitswoche pünktlich mit einem von sechs speicherbaren Sendern wecken ;-) Aber das ist eine andere Geschichte. Was mir während des Tiefflugs über die Holtenauer Hochbrücke und den Nord-Ostsee-Kanal dämmerig in den Augen brennt: Die Cockpitbeleuchtung geht nicht :-( Natürlich geht die nicht! Die geht nach Jahrzehnten des Drehens an den immer defekten kleinen Potentiometern in irgend einer Ecke der Tachoeinheit NIE. *grummel* Und ich habe echt keine Lust mehr, mit der Zunge zwischen den Zähnen feinfühlig und konzentriert so lange an diesem kleinen runden Plastiknuppel mikrometerweise zu popeln, bis der Schleifer irgendwann mal einen Rest Kupfer erwischt und für ein paar Minuten wieder Licht auf die Instrumente scheint – bis zur nächsten Bodenwelle. So ein Unsinn. Also ziehe ich auf die ESSO Tanke beim Holtenauer Flughafen und hol das Werkzeug wieder raus. Blauer Deckel ab. Schrauben weg, Tachowelle ab und umgedreht das Ding. Ach guck. Na klar. Das kleine Plastikteil, in dem der Schleifer für die Dimmung der Cockpitbeleuchtung sitzt quillt schon auf vor Oxid und zerbröseltem Metall. Wie immer.
Kurzer Prozess: Aus den Tiefen des Armaturenbretts ziehe ich ein Ex-Lautsprecherkabel (was liegt denn da NOCH alles so rum?), knippse 5cm ab, mache die Enden blank und lege es mit zusammengedrehten Litzen unter die beiden Schrauben, die den Dimmer halten. Und überbrücke den damit. So wie ich das schon beim Taunus, beim Granada, beim KaSi und bei den anderen beiden Audi 100 gemacht habe. Jetzt kann man das Licht zwar nicht mehr dimmen – aber das habe ich sowieso nie gemacht :-) Leucht leucht. Hell. Alles fein.

*Click* passt. Äh… fast.

es werde Licht! Jahaaaa!!!

Das Leben ist schön. Bei gutem Wetter durfte ich mal wieder ein ganz klein bisschen schrauben, und das auch noch mit Erfolg. Ein paar Mysterien bleiben. Wo gehen diese drei Leiter hin, die hinten angeschraubt sind? Ist es normal, dass der 2-Liter Vierzylinder bei 100 km/h “nur” 3000 Umdrehungen macht? Der klingt eigentlich eher nach 4500…
Na ja, und die üblichen Verdächtigen. Wie bekomme ich den Verbrauch des neu abgedichteten Motors unter 10 Liter? Wann komme ich dazu, die linke Antriebswellenmanschette zu ersetzen? Wo packe ich den blinkenden 90er-Jahre Interconti Booster Equalizer hin, den ich aus meinem Taunus gerettet habe? :-) Für mehr BUMMS im Dottore. Und wo kriege ich die kleinen Ausstellfensterchen für die vorderen Türen her?
… Aber das hat alles nichts mit dieser weitestgehend Plug and Play getauschten Tachoeinheit zu tun. Die geht nu. Und wenn wieder Blätter an den Bäumen sind sehen wir weiter.
Oder… juckt es Ihnen etwa NICHT in Ihren Schrauberfingern?

Sandmann

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Created Sonntag, 08. März 2015 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Audi 100 Typ 43 | ausbauen | Beleuchtung | C2 | Dimmer | Drehzahlmesser | Kombiinstrument | LS | tacho | tauschen | wechseln Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
07 Mar 2015
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Zu spät geboren

Zu spät geboren

Ende und (Neu)Anfang zweier Marken

Von Sven Bortlisch
Kleinwagen…   1.4 Liter…   Oder sowas wie “87 PS” – dürften bisher nicht zu den Suchbegriffen gezählt haben, die Leser auf diese Seite geführt haben. Eigentlich habe ich sogar ein schlechtes Gewissen, falls sich das nach diesem Beitrag ändern sollte. Ein Lobgesang auf umweltfreundliche, platzsparende Autos soll das hier gar nicht werden, da bin ich hier auch falsch. Als jemand der hofft, irgendwann in seinem Leben einen gebrauchten Jaguar F-Type oder Aston Martin neben den Adam (und den Tesla) stellen zu dürfen, möchte ich einfach ein paar Sätze über die besondere Beziehung zu meinem ersten eigenen Auto beitragen. Ich bin Sven. Und ja – mein erstes Auto ist ein Opel Adam.

In den 90ern geboren beneide ich frühere Generationen, die sich in den 70er/80er Jahren als Student gebrauchte Opel oder Ford Coupés gekauft haben und damit zur Uni gefahren sind. Heute landet man irgendwie zwangsläufig beim Corsa oder anderen vergleichbaren Kleinwagen. Mag vielleicht auch daran liegen, dass die 90er und frühen 2000er Jahre nicht unbedingt die Glanzzeit des guten Designs bei bezahlbaren Autos darstellten und es deshalb an Modellen mit Charakter fehlt. Ein Kadett C Coupé hat für mich eindeutig mehr Charme als ein Tigra. Aber man liest ja eh immer öfter, dass der heutigen Jugend das neueste iPhone wichtiger als das eigene Auto ist. Im Prinzip reichen Bus und Bahn im Ruhrgebiet vollkommen – so lange man nicht nach 23:00 Uhr von Dortmund nach Mülheim muss und der Bahnhof auf der anderen Seite der Ruhr liegt.

Zu spät geboren

Farben der Vernunft

Wäre meine Familiengeschichte eine andere, würde mich das Thema Auto wahrscheinlich überhaupt nicht interessieren und wie den anderen der ÖPNV reichen. Allerdings ist mein Vater KfZ-Meister und hat – wie man Großvater und mein Großonkel – im Opel Werk in Bochum gearbeitet. Die ersten Autos, in denen ich unterwegs war, waren ein Kadett GSi 16v und ein Corsa A GSi. Manta A und GT kenne ich auch nicht nur von Fotos, Vati hatte sie alle und ich war dabei. Später wurde es praktischer und der Kindersitz landete im Omega A Caravan mit sechs Zylindern. Mittlerweile stehen zwar keine OPC-Modelle vorm Haus, aber es gibt sicher vernünftigeres, als einen Corsa D mit dem 130 PS Turbodiesel zu bestellen. Mein Clan ist schon immer Opel verBlitzt gewesen.

Es war also niemand da, der Ende 2013 glaubhaft dagegen argumentieren konnte, sämtliche Ersparnisse für einen nagelneuen Opel Adam zu opfern und die Kreuze bei den Farbkombinationen zu setzen, die einen schnellen Wiederverkauf unmöglich machen (zu dem es aber hoffentlich nie kommen wird). Gelb/Schwarz wäre vielleicht nicht gerade meine erste Wahl gewesen, aber was will man dagegen machen, wenn die weibliche Hälfte des Haushalts ein Auto haben möchte, dass sich aus der Masse abhebt (was im Prinzip nichts schlechtes ist)? Die selbst gewählte, eigenwillige Zusammenstellung sorgt natürlich dafür, dass mir der Kleine noch ein bisschen mehr ans Herz wächst und irgendwie ein bisschen besonderer wird.

Zu spät geboren

Ein bisschen Sandmann steckt in uns allen

Und als wäre das noch nicht genug, wurde mir im Dezember letzten Jahres zusätzlich bewusst: Der Adam besitzt auch in anderer Hinsicht eine Eigenschaft, die ihn von den anderen Autos in meinem Leben abhebt und abheben wird. Viele Stunden meiner Kindheit habe ich damit verbracht, am Werk in Bochum mit meinen Eltern und Großeltern neue Autos zu bestellen und abzuholen. Als Mitarbeiter hat man die Möglichkeit, zu besonderen Konditionen jedes Jahr einen neuen Wagen zu leasen beziehungsweise zu kaufen. Mit der Schließung des Werkes war klar, dass unser Auto das letzte sein würde, welches dort ausgeliefert wurde. Es ist zwar nur ein kurzes Kapitel im Leben, aber es ist zu Ende und es kommt so nicht mehr wieder. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, dass mein Großvater, der quasi von Anfang an in Bochum dabei war, die Schließung nicht mehr miterleben musste.

Der Adam mag zwar nur ein Kleinwagen sein, aber auch ohne Vorgeschichte mit anderen Besitzern konnte er schnell etwas besonderes werden. Oder vielleicht gerade deshalb. Die Geschichten – erleben wir zusammen, er und ich. Wenn mich Jens lässt (und ich hier nicht vom Hof gejagt werde), ließe sich nach diesem Einstieg in Zukunft vielleicht noch das ein oder andere Thema anfangen und fortsetzen. Manche Geschichten beinhalten zwar die Worte „E-Carsharing“ und „BMW i3“, aber warum nicht die Suchanfragen gleich vollkommen in eine falsche Richtung lenken?

Sven

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Created Samstag, 07. März 2015 Tags bochum | erstes auto | Fremde Federungen | gelb | Kleinwagen | opel | opel adam | Opelwerk | Selbstlose Schreiber Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
02 Mar 2015
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Das Lichtschwert deines Vaters

Luke. Ich bin's!

Luke. Ich bin’s!

Die Beleuchteten. Teil 3: LED
Luke! *pchchchch* *zschschsch* Was habe ich seit der Tour im Reyrol von 1909 gelernt? In über 100 Jahren ist nicht viel passiert in der Entwicklung des Mythos Automobil. Es hat noch immer meistens vier Räder, einen Motor, ein Getriebe. Alles wurde nur emsig immer weiter verbessert, das Grundprinzip ist geblieben. Aber nicht – beim Licht (Reim!). Man mag es mögen oder man mag es hassen (aus welchen persönlichen Gründen auch immer), aber im neuen Jahrtausend hat der olle Glühfaden ausgedient. Weg. Britz! *knack* Heute schimmern Halbleiter heller als die Sonne und verbrauchen dabei weniger Strom als der Vibrator der Nachbarin. Das macht die Nacht über Barcelona am Ende der Reise zum Tag.

Die Generation der Hipster

Die Generation der Hipster

Nach Bilux kam ja noch was. Mit Bilux ist das Leucht-Latein ja noch nicht am Ende. Schon in den frühen 60er Jahren gab es H1 und H3 Glaskörper mit Halogenfüllung, 1966 präsentiert Philips die Zweifaden Halogenlampe für Fern- und Abblendlicht. Ja ja, die Niederländer. Seit 1971 (ein wirklich gutes Jahr) kennen Sie diese Zweifadenlampe  in diversen Fahrzeugen als H4 Lampe. Die ist auch heute noch in vielen jung gebliebenen Karren drin und an jeder Tanke zu haben. Jahaaa so alt ist das Teil schon. So alt wie ich. Ich muss unbedingt noch Wein nachkippen, Moment….

Wo war ich?
Fabra leuchtet hell. Vor dem alten Observatorium leuchten neue Autos, eigentlich nicht wirklich im Fokus meiner Begierde, aber einige tragen immerhin einen Stern auf der Nase, und sie alle gemeinsam erhellen die Straße vor ihnen wesentlich besser als all die anderen heute schon gefahrenen Karossen. So schön sie waren – für angemessenes Licht haben sie nicht gesorgt. Gut geschult erklären mir die Jungs an den Lenkrädern der neuen Limousinen, die ausnahmslos meine Kinder sein könnten, die Funktionsweise und die Lichtausbeute dessen, was da vorne strahlt. Luke! Luuuuke!!

Am Observatorium

Am Observatorium

Schon um 1876 erzählte Ferdinand Braun (der mit der Röhre) seiner lauschenden Gefolgschaft etwas über den Stromfluss durch Kristalle. Das war ungefähr zur gleichen Zeit, wie der Jahrmarkt oben auf dem Tibidabo eröffnet wurde. Um 1907, als der Reyrol das Licht der Welt erblickte beobachtete ein Herr Round, dass einige anorganische Stoffe anfangen zu leuchten, wenn man Strom durch sie durchschickt. Es ist nicht überliefert, warum er damals auf gut Glück Strom durch anorganische Stoffe geschickt hat, aber na gut. Das klingt ein bisschen so, als ob ich morgen mal eine … hm … sagen wir mal eine Mango mit einem Zahlencode füttere und schau, was passiert. Oder nicht? Na ja, es hat schon Gründe, warum ich kein Erfinder bin und nicht in den Geschichtsbüchern stehen werde. Es sollte noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg dauern, dann wurde der Transistor erfunden und mit ihm die Erklärung für das Rumgeleuchte von bestimmten Halbleitermaterialien. Nebenbei war das auch der Startschuss für den Computer, wie wir ihn heute kennen. Schlafen Sie schon? Eigentlich ist das voll spannend! 1962 wurde die erste echte Leuchtdiode erwähnt :-) 1977 kam Star Wars in die Kinos. Damals ahnte man noch nicht, dass die Autos bald aussehen werden wie einige der Protagonisten der Weltraum-Oper… Und das mit den Lichtschwertern… nun…

ziemlich hell

ziemlich hell

Das Licht aus modernen Autoscheinwerfern ist nicht zu vergleichen mit dem Gefunzel von Bilux- oder Halogenlampen, so ungern ich das auch zugebe. Das ist schlicht … besser! VIEL besser. Xenon-Brenner der neuesten Generation und LED Scheinwerfer zieren schon längst nicht mehr nur die Gesichter von Oberklasselimousinen. Die Brenner bedienen sich dabei eines Lichtbogens zwischen zwei Wolfram Elektroden, sie sind wesentlich heller und halten vier mal so lange wie Halogenlampen. Vor allem ist ihr Farbspektrum ermüdungsfreier und näher am Tageslicht als das der anderen Leuchtmittel. Und wenn Sie mal derbe geblendet werden – das geht auch mit ollen Bilux Lampen, wenn die Scheinwerfer nicht richtig eingestellt sind. Da kann Xenon nichts dafür :-) In meinem alten Daimler sind auch Xenons der ersten Generation drin, und ich möchte die nicht mehr missen. In den hier umherflitzenden Daimlern sind entweder die allerneuesten Xenons drin oder – LED. Beeindruckend, wie die S-Klasse die nächtliche Straße vor ihr gestochen scharf in einen fröhlichen Tag verwandelt.

LED der ersten GenerationDas Lichtschwert deines Vatersvon hinten erkennnbar...

Ich habe wahrlich genug gesehen, um von einem völlig anderen, mir bisher nicht bekannten Lichtsystem überzeugt zu sein. LEDs waren in meiner Welt bis dato nur in Lichterketten am Weihnachtsbaum, in Schaltern oder maximal in Kombiinstrumenten. Das sind sie noch immer, und ich will eigentlich nie wieder aus dieser S-Klasse aussteigen (Sie sehen das Interieur im Aufmacherbild, das ist schon… ziemlich geil). Die Jungs bei Philips haben tatsächlich über die Jahrzehnte nicht geschlafen und eine Menge auf den Weg beleuchtetes gebracht. Dass man Mittel und Wege finden wird, so viel Strom durch einen geschickt kombinierten Halbleiter zu schicken, dass er reinweiß und hell leuchtet, hätte ich mir während meiner Ausbildung zum Kommunikationselektroniker Anfang der 90er nicht träumen lassen. Okay, damals hatten Computer auch noch 4MB RAM und Festplatten waren 70MB groß. Das Internet stand noch vor der Tür und überhaupt ist das alles schon ziemlich lange her. Mehr Wein! Luuuuuuke!!!! *chchchch* *tschschsch*

Das Lichtschwert deines Vaters

Wein können sie, die Spanier

Wein. Daran mangelt es hier in Südspanien nicht. Ich muss heute nicht mehr fahren, also was soll’s. Bevor es mit den 2015er Limousinen runter in eine Cocktailbar nach Downtown Barcelona geht lerne ich noch ein wenig über die Lasertechnologie, die schon vereinzelt zum Einsatz kommt. Laser. Als Lichtquelle. Luke? Aber davon werden mir meine Kinder vermutlich dann irgendwann mehr erzählen können, wenn das Serie geworden ist :roll: Krass was da geht, und beeindruckend, wie Philips alles ins Licht gesetzt hat. Das war definitiv mal eine Veranstaltung, die ein bisschen… anders als die anderen war. Vielleicht ist es der Wein, vielleicht die Masse an Eindrücken… aber ich werde schon wieder ein bisschen pathetisch. Vielleicht ist es auch einfach dieser sagenhafte Blick aus den Bergen runter auf diese spanische Stadt, die niemals schläft.

Das Lichtschwert deines Vaters

Am Ende ist wohl alles Licht

*phschschsch* *hhhhhhchchchchch* Luke! Luke!!! So, ausgereizt der Gag, ja, Lasertechnologie wird es bald auch in IHREM Auto geben und das Lichtschwert gehört nicht meinem Vater. Der hat noch H4 Lampen in seinem Space Star. Glaube ich. Ich lege mal den Mantel des Schweigens über den Rest der Nacht, aber ich kann versichern, dass ich ordnungsgemäß mir dem letzten Shuttle wieder hoch zum Hotel gefahren bin. Das haben bei weitem nicht alle geschafft, wie ich am nächsten Morgen erfahre :-)
Ich bin in diesen Tagen eine Menge sehr abgefahrener und besonderer Autos gefahren. Das muss ich erstmal verdauen. Was haben Sie denn so an Licht vorn in Ihrem Auto? Na? Gar was von Philips? Würde mich nicht wundern. In diesem Sinne – Prost.
Luke!!!

Sandmann

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Created Montag, 02. März 2015 Tags Barcelona | Bilux | Fremde Federungen | H4 | Laser | Philips | S-Klasse | xenon Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
14 Feb 2015
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Kirmes mit Capone

Kirmes mit Capone

Immer eine Hand an der Waffe

Die Beleuchteten. Teil 2: BiLux.
Fette Karossen aus den 20ern und den 30ern. Dampfmusik aus einer Orgel, Karussells und Riesenräder. Glücksspiel, Prostitution, Handel mit illegalem Alkohol und Schutzgelderpressung…. sucht man hier vergebens, aber ein böse guckender Alfonso Capone, der für all das Pate steht, stromert zwischen geparkten Autos rum. Ich stehe verträumt mit einem heißen, keuschen Kakao in der einen und einem Churro in der anderen Hand zwischen den Blech gewordenen Sehnsüchten mehrerer Generationen, und der Typ kommt an und fragt mich in geknödeltem Englisch mit spanischem Akzent, ob ich Waffen dabei hätte. Coole Sau. Nein, habe ich nicht. Aber ich freu mich schon auf den illegalen Alkohol, später.

Wir kamen, um das Licht zu sehen.

Kirmes mit Capone

Droben auf dem Berge

Ganz oben, über Barcelona, erhebt sich der Tibidabo. Ein lustiger Name für einen Berg, der klingt eher nach einer kleinen Dampflok mit Kulleraugen. Oben drauf stehen die Sagrat Cor und ein sehr alter Vergnügungspark, hinter dessen Toren eine Zeit zwischen Carbid und Halogen aufgereiht steht. Und die Jungs und Mädels aus Presse, Rundfunk und Fernsehen, die hier angereist sind, mittendrin. Der Reyrol von 1909, der mich hier her holperte steht zischend und dampfend vor einem wunderschönen hell beleuchteten Karussell, quasi unbeachtet von den Massen. Denn die drängeln sich inzwischen um den Packard und den Mercedes 170 und die anderen Schätze weiter vorn. Ich sage nochmal hanseatisch “tschüss” zu dieser einmaligen automobilen Erfahrung und lasse mich von dem Spektakel auf der Kirmes weitertreiben, von Gauklern, mutierten Kreaturen und der Sehnsucht nach Schönheit und Form.

Kirmes mit Capone

Ciao Reyrol, ich ziehe weiter.

Eigentlich bin ich allein mit dem alten Auto von eben schon im Geiste den ganzen Abend beschäftigt, was jetzt hier steht übersteigt gelinde gesagt das Fassungsvermögen des Gehirns eines einfachen Bloggers mit einem Hang zu altem Blech. Autos. Autos von 1920 bis 1980. Einige rauben mir den Atem, einige habe ich noch nie gesehen und andere bringen mich zum Lachen. Aber alle sind schön, bunt und vor allem – beleuchtet. Licht an. Als die Kutschen zu schnell wurden, um sich mit einer Carbid Lampe den nächtlichen Weg bescheinen zu lassen kamen handelsübliche Glühbirnen wie die Halbwattlampe von Philips, zu sehen im Ford Modell T. Ab 1925 gab es die Lampe mit zwei Glühfäden, einen für Abblendlicht und einen für Fernlicht, falls man des Nachts mal ein bisschen weiter gucken wollte. Bilux. Vielleicht hatten oder haben Sie ein Auto mit so einer Funzel vorne drin? Hier stehen ein paar davon rum. Gratis dazu gibt es den Geist dieses alten Vergnügungsparks, in dem schon vor 1900 Menschen Spaß hatten, Hau den Lukas spielten und in quietschenden Schiffschaukeln gen Himmel strebten. Klasse.

Kirmes mit Capone

Eine illustre Runde, alle Lampen an.

Genau so, wie die Verantwortlichen von Philips oben beim Hotel zum Start der ersten Etappe einen zeitgenössischen Kutscher aus dem Fluxkompensator gezogen haben springen einem auch hier zwei Figuren ins Bild, die zeitgeschichtlich zu den Autos passen. Einer davon ist der Typ, der uns eingangs nach den Waffen gefragt hat :-) Ein schräger Vogel, gut gekleidet und durch und durch Bilux. Erst später ist man auf die grandiose Idee mit dem Halogen im Glaskörper gekommen, ich erspare Ihnen die technischen Hintergründe, gleichwohl die nicht uninteressant sind. Aber da gibt’s in der nächsten Geschichte noch ein paar Beispiele. Jedenfalls ist Bilux wie in dem Packard von Capone schonmal um einiges besser als Carbid, da geht regelrecht die Sonne auf. Wenn man also im nächtlichen Chicago nicht immer ganz mit dem Gesetz konform unterwegs war sah man zumindest einigermaßen, wohin die Reise geht. Wenn man denn den Weg kannte.

Kirmes mit Capone

Al und sein Dienstwagen

Herr Capone wurde übrigens vor allem deshalb zum gern zitierten Symbol für die organisierte Kriminalität, weil er sich sehr gut selbst in Szene setzen konnte. Sein spanisches Pendant kann das auch ganz gut, und ich mache irgendwie fasziniert ein Bild ums andere von ihm. Er dreht sich, er posiert und er mackert rum wie auf einem Unterhosen-Model-Contest. Geile Schuhe. Aber zurück zu den Autos, ein paar von denen sind schon emsig unterwegs zur nächsten Station. Ich habe das nicht ganz so eilig, die Stimmung hier ist mystisch-rustikal und ich will noch ein bisschen diese Kirmes und die verschiedenen Fahrzeuge anfassen und genießen. Hinter dem Packard und dem 170er Mercedes stehen zwei Kleinwagen rum, die ich besonders knuffig finde. Was denn nun? Die haben auch noch Bilux? Hanna ist grad nicht da, die ärmste muss sich hier um alles gleichzeitig kümmern, aber die würde es wissen…

Kirmes mit Capone

You can call me Al

Prinzipiell ist es uns freigestellt, mit allen Autos, die uns interessieren eine Fahrt zu machen und einmal die Unterschiede der einzelnen Leuchtmittel in der freien, dunklen Natur auf diesem Berg zu erleben. Capone spricht kein Deutsch und nur ein seeeehr gebrochenes Englisch, also lasse ich den lieber seine Posen weitermachen und wende mich direkt an den Besitzer dieses… äh… dieses kleinen roten Autos. Er sieht ein bisschen aus wie eine Mischung aus meinem Opa und einer liebenswerten spanischen Mama, die jederzeit in die Küche stromern und eine deftige Wurstplatte anrichten könnte :-) Aber er hat im Gegensatz zu mir die richtige Pelzjacke an, was irgendwie nicht für die Heizung in seinem Kraftwagen spricht. Ja – ich möchte eine Runde fahren. Auf jeden Fall, deshalb bin ich ja hier!

Gniiihihihi

Gniiihihihi

Wenn Sie sich wieder gesammelt haben – erraten Sie, was das für ein knubbeliges kleines Auto ist? Na? Naaaa? Ich sag’s noch nicht, ich schreibe noch einen großen Artikel für die TRÄUME WAGEN 3/2015 und werde da alles preisgeben :-) Aber ich bin offen für Mutmaßungen, also los, keine Scheu. Die anderen wollen quotenrelevante Daten wie Höchstgeschwindigkeit und Benzinverbrauch wissen, ich will vor allem mal den Motor bewundern und schrecke entsetzt zurück, als das Motorhäubchen geöffnet wird. Jemand hat ihn gestohlen!!! Diese hinterhältigen Diebe, er ist nicht mehr da, nur noch ein paar Schläuche und ein Kühler… obwohl… vielleicht….
Nein, entschuldigen Sie, die ganze Aufregung war umsonst. Der Motor ist noch da, er ist nur ein bisschen kleiner als erwartet. Quer eingebaut, und fast noch winziger als die Starterbattterie :shock: Irgendwie mag ich solchen Purismus. Ich träume ja auch schon seit Jahren von einem Fiat Panda erste Serie (mit der Metallnase vorn), einfach um sich mal wieder auf das Wesentliche beim Autofahren zu besinnen. Und sowas hier ist dafür ein gutes Beispiel.

Kirmes mit Capone

On, jemand hat den Motor gestohlen! – nein, doch nicht!

Das RömmPömm im guten, benutzten Zustand bietet Platz für vier Personen, gleichwohl ich mich auf dem Beifahrersitz neben dem Maestro im Pelz kaum bewegen kann. Aber die Runde soll nicht ausufernd werden, sagt Hanna von Philips, die inzwischen wieder aufgetaucht ist. Wir sollen ja vor allem die Entwicklung der Beleuchtung nachvollziehen, und das geht auf einer kleinen holperigen Runde durch die dunklen Bergstraßen des Tibidabo sehr lehhreich, je nachdem was einem da den Weg leuchtet und was nicht. Der Mann am Steuer mit dem undefinierbare Alter spricht nicht nur ein schlechtes Englisch, er spricht überhaupt kein Englisch. Und ich kein Spanisch. Na gut, dann konzentriere ich mich eben voll auf das Erlebnis als solches und denke mir meinen Teil. Auf dem Rücksitz nehmen zwei ins Gespräch vertiefte Journalisten aus dem bayerischen Raum platz, ich glaube den einen kenne ich aus der Ramp und der andere kommt mir auch irgendwie bekannt vor.

Kirmes mit Capone

sehr spartanisch – aber braucht es mehr?

Auch wenn der Motor fast so klein ist wie die Starterbatterie (oder andersrum die Starterbatterie fast so groß wie der Motor) scheint der Energieblock mit dem angeschlossenen dicken roten Kabel und dem dicken schwarzen Kabel noch der von der Erstauslieferung zu sein. Verdammt. Der Anlasser dreht sich träge, sehr träge und zieht die Bordspannung so tief in den Keller, dass die Lichter ausgehen. Klick. Nochmal. UuaUuaUua Klick. Nach zwei, drei Versuchen startet das Motörchen, und ich lehne mich entspannt zurück. Nein. Lüge. Ich sitze aufrecht eingeklemmt zwischen dem Schaltknüppel und der roh aus dem lackierten Metall geformten Beifahrertür, meine Knie stoßen vorn an das raue Armaturenbrett und mein Kopf liegt leicht geneigt am Wagenhimmel. Hihi. Den Hut habe ich vorsorglich schon mal abgenommen, der hat hier drin keine Daseinsberechtigung. Deshalb fährt Al Capone ja auch den Packard und nicht das Ding hier. Hm. Vielleicht lieber doch keinen Fiat Panda?

Kirmes mit Capone

Vom Licht ins Dunkel

Der Rest dieses Ausritts liegt im Dunkeln.
Vor allem, weil es tatsächlich zu finster ist, um überhaupt auch nur ein einziges vernünftiges Foto zu machen. Von den Straßenverhältnissen, die keine Aufnahme bei diesen Lichtverhöltnissen unverwackelt zulassen ganz zu schweigen. Die Straße direkt vor uns zeigt sich besser beleuchtet als mit den Carbidlampen, das ist klar, ansonsten weiß ich wieder einmal mehr, warum ich nicht mit Freundin und drei Töchtern einen Kleinwagen fahren KANN. Irgendwie ist es allen Beteiligten gelungen, mehr oder weniger am Leben zu bleiben. Mein linkes Knie ist stark in Mitleidenschaft gezogen worden, weil es bei jedem energischen Schaltvorgang des pelzjackenbekleideten Ur-Spaniers im Weg war. Und er hat wirklich oft geschaltet, so voll beladen…
Zurück auf der Kirmes hole ich mir noch einen Kakao und stiefel damit rüber zu jemandem, den ich nicht ganz einordnen kann, der aber auch zu den ausgestellten Autos passt wie das ganze Umfeld hier :-)

Kirmes mit Capone

Stan Laurels Bruder

Ob der gleich einen Steptanz hinlegen wird? Wie Fred Astaire? Dann bleibe ich gern noch ein bisschen und hoffe auf das Eintreffen der jugendlichen Ginger Rogers:-) Nein, leider nicht, ich frage mich allerdings warum der gute Mann noch nicht einen qualvollen Kältetod in seinem Outfit gestorben ist. Mir ist inzwischen etwas wärmer, ich habe aber auch eine Jeans und eine Jacke an, außerdem steckt mir noch die Todesangst der Tour eben gerade in den Knochen und der zweite heiße Kakao schwappt im Magen. Hm. Diese Kälteresistenz wird ein Mysterium bleiben, aber die Welt hat sicherlich größere Fragen zu klären als diese. Der nächste Ausritt steht an, etwas weiter den Berg entlang erwartet uns das Fabra Observatorium. Gentlemen, start your engines.
Caballeros, enciendan sus motores. Das verstehen sie :-D

Kirmes mit Capone

Nochmal in Reihe aufgestellt, bitte

Drei Männer mit drei Hüten hier oben auf der Kirmes zwischen Karussell und Riesenrad. Zwei davon aus einem sehr weit zurückliegenden Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, einer zwar ein bisschen retro drauf aber durchaus offen für Neues. Deshalb bin ich auch sehr neugierig auf die Technologie in den Autos, die am Observatorium stehen werden. Die beiden behüteten Männer bleiben hier, tief in ihrer automobilen Epoche und vermutlich in nicht mal einer Stunde daheim am warmen Kaminofen. Wer empfängt uns denn gleich in der Neuzeit? Ein Zuckerberg Clon? Oder Bill Gates? Man darf gespannt sein, aber erst will ich noch einen Selfie mit den Jungs machen. Moment.

Kirmes mit Capone

Familienfoto? Nein, nicht ganz.

Gniiihihi :lol:
Was mir noch fehlt ist ein adäquates Taxi zum Fabra Observatorium, von dem man sagt, es habe einen erhabenen Platz über der Stadt. Noch besser als die Kirmes? Ich würde mich nicht wundern, wenn mir heute Abend noch irgend eine Sicherung rausfliegt, bei so viel Beleuchtung hier. Ich giere schon seit meiner Reyrol-Ankunft hier auf den alten Mercedes 170 SV und wage es nun, mich ihm mal ein bisschen zu nähern. Wenn wir mit dem weiterfahren könnten meine Gliedmaßen auch morgen noch funktionieren, nochmal in einem Kleinwagen stehe ich nicht durch. Der Sternenträger wurde in (aus deutscher Sicht) schwierigen Zeiten geboren. 1938. Aber er trägt sein Erbe mit einer sehr erhabenen Fassung und steht wie eine wunderschöne Trutzburg wartend vor dem Dampfkarussell. Was genau sind das denn jetzt für Lampen in den Scheinwerfern? Bilux? Wo steckt Hanna? Die Ärmste ist heute überall gleichzeitig, ich frage sie das später noch mal :-)

Erhabenheit

Erhabenheit

Die geräumige Limousine mit den Selbstmördertüren und den Weißwandreifen funkelt unter den Gaslaternen, während im Hintergrund eine Vieltausend-Watt Beleuchtung die Sagrat Cor vor dem schwarzen Himmel in eine Art gelbliches Tageslicht taucht. Erste verwirrte Insekten als Frühlingsboten schwirren durch die Nacht und verdampfen zischend an den hellen Flutlichtern. Romantisch, irgendwie. Die Lampen des Benz sind nicht ganz so hell, aber leuchten auch nicht mehr mit Carbid und Flamme :-) Gut so. Das Ding springt auch spontan aus eigener Kraft an (der Reyrol und der kleine Rote hatten da ja so ihre Manschetten), eben ein Mercedes. Da dieser Markenname auch unter anderem auf meinem kleinen Schildchen am Kragen steht, öffnet man mir galant die Tür. So muss man sich als Würdenträger aus Stuttgart fühlen, der Gentleman schweigt und genießt.

Kirmes mit Capone

Licht an und wieder ab in die Dunkelheit

Und schon wieder springt mich dieses Gefühl an, dass man eigentlich nicht mehr Auto braucht als sowas hier. Es ist warm drin, die Sitze sind plüschig aufgepolstert und quietschen fröhlich in ihren Federkernen wie eine durchgerittene IKEA Matratze. Und die Tür fällt satt und mit einem vertrauenerweckenden, metallischen *KLONK* ins Schloss. Die beiden hinteren auch, die Fuhre ist voll beladen auf dem Weg nach unten. *KLONK* *KLONK* All in. Ach nein, das Glücksspiel lassen wir hier bei Al zurück. Ich weiß nicht, wie der nette Fahrer heißt, bekomme aber den Eindruck, dass er nicht nur erneut überhaupt kein Englisch versteht, sondern auch einen leichten Hörschaden hat und sich in der Gegend nicht auskennt. Das macht mir alles ein bisschen Sorgen angesichts der Dunkelheit, der Kälte und der nach wie vor spärlichen Beleuchtung vorn auch an diesem Auto. Egal. Er reagiert auf Fragen jedes mal mit einem freundlichen Lächeln und einem “Si, si!” und macht ansonsten, was er heute Vormittag von irgend jemandem gesagt bekommen hat. Cool. Ich bin gespannt wie es weitergeht. Und vor allem wo.

Kirmes mit Capone

Mehr Platz als in dem kleinen Roten von eben…

Was den spanischen Herrn Si/Si auszeichnet ist seine fast komplette Herrschaft über das uralte deutsche Auto. In diesem guten Zustand wird die Limousine ein paar mehr Euro wert sein, und er fährt sie vermutlich nicht täglich. Die kurvenreiche Strecke runter zum Observatorium teile ich mir mit einem polnischen, einem finnischen und einem französischen Journalisten, die alle im gegenseitigen Unverständnis der anderen Sprachen nacheinander versuchen, das gleiche Gespräch mit dem Fahrer anzufangen, an dem ich bereits gescheitert bin. Den französischen Satzfragmenten entnehme ich Begeisterung über den Blick auf das erleuchtete Barcelona und die Frage nach dem Baujahr und dem Benzinverbrauch. “Si si!:-)
Ich bin mir nicht ganz sicher was ich am unterhaltsamsten finde. Den Englisch sprechenden Franzosen (wer das schon mal erlebt hat weiß, was ich meine), den Finnen und den Polen, die beide wortgewaltig auf die im Dunkeln rechts an uns vorbeigleitende Ausfahrt zum Fabra Observatory zeigen oder den spanischen Fahrer, der irgendwie in seiner ganz eigenen Welt zu leben scheint und dicht hinter der Windschutzscheibe stoisch alles ignorierend weiter den Berg runterfährt. “Aren’t we supposed to turn right here….?” “Si si!” Und weiter geradeaus auf der dunklen Straße den Berg runter. Na gut, so lernt man mal das Land kennen, und es ist ja recht gemütlich in dem alten Mercedes. Handyempfang ist auch da, was kann also schon passieren?

Kirmes mit Capone

Weg von der Kirmes, runter zum Observatorium

Einige Kilometer weiter, das multinationale Trio auf dem Rücksitz hat geschlossen vor der Situation kapituliert und guckt beseelt, aber uninformiert aus den verschiedenen Fenstern, murmelt unser Chauffeur etwas anderes als “Si” und erweckt mit seinen Bewegungen und seiner Mimik den Anschein, als sei ihm dann doch endlich sein Navigationsfehler aufgefallen. Das beruhigt. Uns sind schon lange keine Autos mehr entgegen gekommen, und beim nächsten Kreisverkehr wendet er die vor der Zeit gerettete German Ingenieurskunst und lässt den schnurrenden Vierzylinder wieder bergauf rollen. Auf dem Rücksitz bricht eine Art Partystimmung aus, man scheint mit der Agenda schon abgeschlossen zu haben. Links ab in die neue Dunkelheit auf dem holperigen, wurzelunterwanderten Weg zur über 100 Jahre alten Sternenwarte werden die fünf Nationen noch einmal kräftig durchgeschaukelt, und dann leuchten sie wieder, die vertrauten Lichter der Veranstalter in weiß und blau. Vorletzter Haltepunkt vor der großen Stadt. Bitte aussteigen.

Kirmes mit Capone

Aber das ist eine andere Geschichte…

Hier geht es jetzt um H4 bis H7 oder wieviel auch immer Lampen, LED und Matrix LED Scheinwerfer. Wir sind in der Neuzeit angekommen. Auch wenn der knuffige FIAT Großraumkombi vor dem alten Gebäude eine andere Sprache spricht, aber der macht sich gleich wieder auf den Weg hoch zur Kirmes, zu Capone und dem Steptänzer. Das war jetzt also Bilux. Kennen Sie das denn noch? Es kann nur heller werden. Ich stehe, inzwischen auf die eine oder andere Art angenehm durchgewärmt, auf diesem Bergvorsprung vor Fabra, um mich rum ein paar alte und einige nagelneue Autos und direkt vor mir der angedeutete sagenhafte Blick auf Barcelona. Wahnsinn. Aber davon nächstes mal mehr.

Sandmann

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Created Samstag, 14. Februar 2015 Tags 1938 | Barcelona | Bilux | Fremde Federungen | Kirmes | Mercedes 170 | Philips | Tibidabo Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
04 Feb 2015
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Wächter des Lichts

Wächter des Lichts

Unter den Blinden ist der Einäugige….. König.

Die Beleuchteten. Teil 1: Carbid
Was sind wir verwöhnt! Keyless entry, rein in die gute Stube, die Webasto hat das Fauteuil schon schön vorgeheizt. *klick* Soundsystem an, *bling* Verkehrsmeldungen aufs Handy. Schlüssel drehen, Xenon Brenner anwerfen und ab in die Dunkelheit, ab auf die Piste, so als würde man seinen Sessel vorm Kamin gar nicht verlassen müssen. Normal? Ja. Und das ist auch gut so. Aaaaber im Jahr 1909 musste eine Fahrt in einem Automobil ein bisschen… äh, sagen wir mal… vorbereitet werden. Der Benchmark der Fortbewegung war die Pferdekutsche ohne Dach und ohne Licht, Treibstoff war Heu und Abgas waren Pferdeäppel. Heute lernen Sie und ich mal was über Carbidlampen, Anlasserkurbeln, körperliche Arbeit und Kälte während eines Ritts auf einem 105 Jahre alten Auto.

Stilvoll. Sehr stilvoll.

Wächter des Lichts

Der Kutscher erklärt die Kutschen

Südspanien, Januar 2015. Vielleicht erinnern Sie sich noch an gestern Abend, ich nicht mehr so, heute wird wohl lieber kein Gin getrunken. Heute wird gearbeitet. Philips feiert den Event “100 Years of Automotive Lighting” und stellt eindrucksvoll Verlauf und Entwicklung von Fahrzeugscheinwerfern zwischen 1914 und 2014 vor. Geladen sind Medienvertreter aus allen Ecken Europas, Finnen, Polen, Italiener, Franzosen. Und ich mitten drin. Nach einem sehr gut unterhaltenden und klasse bebilderten technisch-historischen Vortrag von Peter Stolk, dem Chef-Ingenieur von Philips’ Automotive Bereich ahne ich, was gleich auf uns zukommen mag. Ich bin neugierig auf die ersten Lampen, auf das was dazwischen ist und auf moderne LED- und Lasertechnik. Das Lichtschwert meines Vaters? *ssssssssss* Geil geil.
Draußen vor den Türen des La FLorida stehen zwei Kutschen und ein Kutscher. Ach nein :-) Moment, … keine Pferde. Sind das womöglich Autos? Ja. Sind es. Ein La Ponette und ein ebenfalls französischer Reyrol von 1909. Allein das Anfassen und mal Reinsetzen würde mir schon den kompletten Abend versüßen, ich kann mich nicht erinnern, jemals so alte Autos in freier Wildbahn gesehen zu haben!

Wächter des Lichts

Warum nicht mal wieder freuen wie ein Kind?

Ich freu mich ich freu mich :-) Wenn das nur nicht so kalt wäre! Hab ich nicht gerade noch ohne Jacke in der Sonne gesessen? Die Nacht ist sternenklar, und offensichtlich kann speziell oberhalb Barcelonas die Temperatur auf weniger als 5 Grad fallen. *brrrrr* Der freundliche Kutscher, der für sein Erscheinen im Jahr 2015 irgendein Zeitloch genutzt hat, erklärt uns aus beleuchtender Sicht die Besonderheit dieser beiden Kutschen ohne Pferde und warum gerade sie hier stehen: Carbid Lampen. HA! Das habe ich schon mal gehört. Als ich 8 oder 9 Jahre alt war hat mein Freund Klaus ein Stück Carbid mit zur Schule gebracht, es in der Pause auf einen Papierkorb gelegt und draufgespuckt. Der coole, der. Und wir mussten alle nachsitzen, weil der halbe Mülleimer abgebrannt ist. Carbid also. Finde ich spannend. Wir stehen vor den allerersten ernst zu nehmenden Lampen vorne dran an Autos überhaupt.

Wächter des Lichts

Gut Ding will Weile haben

Carbid fühlt sich an wie ein weicher Stein, riecht wie eine klassische Stinkbombe (gibt es die eigentlich noch?) und hat die chemische Bezeichnung CaC2. Also, Oberstüfler aufgepasst, ein Teil Kalzium und zwei Teile Kohlenstoff. Es kommt in der Natur nicht vor und muss genau wie Aluminium (blöder Vergleich) unter einem erheblichen Energieaufwand hergestellt werden. Aber: wenn man Carbid mit Wasser in Kontakt bringt, entwickelt es das Gas Azetylen. Und das brennt. Ich werde Zeuge, wie jemand ein kleines Gefäß auf dem Trittbrett an der Seite des alten Autos aufschraubt und einen dieser grauen Klumpen da reinwirft. In ein bisschen Wasser. So wie Klaus damals mit der Spucke und dem Mülleimer. Der spanische Mann heißt Fernando und schraubt den Deckel wieder drauf. Er zeigt auf einen dünnen Schlauch, der nach vorn zu den beiden Lampen führt. Nachdem er das Glasdeckelchen der Lampen aufgeklappt hat (heute nennt man das Streuscheibe – ach nee, die gibt es ja seit LED auch schon nicht mehr), hält er ein Feuerzeug über den kleinen Austritt vor dem Reflektor. Es floppt ganz leise, und irgendwie bin ich total beseelt von diesem Akt des eigentlich total banalen “Licht anmachens”.

Wächter des Lichts

Licht will gut vorbereitet sein.

Und dann brennt da ein zärtlich Flämmchen. Wie eine Kerze, hinter der man einen Spiegel aufgestellt hat. Das ist Abblendlicht 1909, abgefahren. Die Flamme wird langsam heller, nach rund 10 Minuten sei erst die volle Leuchtkraft hergestellt. Ein nächtlicher Trip zum Imbiss um die Ecke, um den Fresskick nach zwei Flaschen Wein zu besänftigen muss demnach gut vorausgeplant werden. Also, damals. Bis der Reyrol mit seinen beiden Laternen so weit ist ergreife ich die Gelegenheit beim Schopf beziehungsweise beim Volant und fläze mich noch einmal in den La Ponette. Erst am Tag drauf begreife ich, in (oder auf) was für einem unfassbar seltenen Auto ich gesessen habe. Im Netz findet man nichts über dieses sehr sehr frühe Exemplar französischer Automobilbaukunst. Es sitzt sich super. Das Leder knarzt. Der potenzielle Fahrer ist Wind und Wetter ausgesetzt, ich in diesem Fall nicht dem Wind (denn ich fahre nicht), wohl aber dem Wetter. Die Kälte zieht aufdringlich unter meiner dünnen Jacke den Rücken hoch. Hätte ich doch bloß einen Pullover (noch so ein französisches Wort) mitgenommen. Aber wer denkt denn, dass es in Südspanien kalt sein könnte? Luxussorgen Teil 1. Also – egal.

Wächter des Lichts

Ein Licht muss reichen

Der La Ponette hat nur ein kleines Lämpchen vorn, was schon ein paar Minuten in Betrieb ist und entsprechend heller leuchtet als die beiden vom Reyrol, die noch aufwärmen. Fernando philosophiert mit den Umstehenden über die Autos und das Licht. Ein Funzel-Flämmchen, aus heutiger Sicht mehr als beeindruckend und absolut simpel. Anfang des letzten Jahrhunderts hat das gereicht. Automobile fuhren maximal 30 km/h, und es gab recht wenige von ihnen auf den meist schlechten Straßen. Sehen und gesehen werden war also mit so einem kleinen Carbid-Lämpchen ausreichend gegeben. Die Entwicklung und vor allem die Geschwindigkeiten der Autos nahm seinen Lauf, und Anfang der 20er kippten Henry Ford und Anton Philips ein oder zwei Gläschen Gin miteinander und tauschten Meinungen aus – das Ergebnis war eine Ausstattung des legendären Ford T-Modells mit Philips Halbwattlampen. Heute stehen der Sehwinkel und die Geschwindigkeit in einem ganz anderen Verhältnis, aber das ist eine andere Geschichte. Darüber lernen wir noch, wenn es um das Lichtschwert seines Vaters geht und die Halbleiter die Nacht zum Tag machen. In der übernächsten Geschichte. Heute bleibe ich beim Carbid, und so langsam frieren alle Umstehenden, auch die mit den schicken dunkelblauen Philips Multifunktionsjacken. Meine war mir zu klein. Größe L, leider nach indischen oder chinesischen Maßstäben. Schade, meine Camel-Jacke ist ECHT zu dünn :roll:

Wächter des Lichts

Leuchten? Check. Und weiter gehts.

Action!
Wenn Sie in der Oberstufe keinen Physik Leistungskurs hatten oder das gar als Studienfach genießen durften blieb Ihnen vermutlich verborgen, welche Kräfte tief unten im Motorraum freigesetzt werden, welche Drehmomente angreifen und welche sagenhaften Ampèrezahlen sich da in Form von freien Ladungsträgern durch ein dickes Kabel pressen – wenn Sie drinnen ganz entspannt das kleine Zündschlüsselchen drehen. Nur mal am Rand: So ein Anlasser hat je nach Modell gut und gern 3-4 PS, wenn er den Motor starten soll fließen um die 150 Ampère Gleichstrom. Auch wenn es 1909 schon elektrische Starter für Verbrennungsmotoren gab… man verbaute sie noch nicht so gern. Cadillac war der erste Hersteller, der die Helferchen serienmäßig in seine Autos einpflanzte. Und das erst ab 1911. Schade für Fernando, denn er muss also die Aufgabe des kleinen Elektromotors selbst übernehmen. Der Wagen soll nicht nur leuchten, er soll auch fahren und starten. Mit einer Kurbel vorn am Reyrol. Und das ist sowohl spektakulär als auch nicht ganz ungefährlich als auch anstrengend.

Wächter des Lichts

Action. Anlasser gab es noch nicht.

Der betagte Vierzylinder will noch nicht so ganz. Vermutlich ist ihm auch so kalt wie mir. Fernando wiederum kann sich über mangelnde Bewegung nicht beklagen. Die Kurbel schlägt zurück (das macht es so gefährlich, wenn man darauf nicht vorbereitet ist), wird wieder angesetzt und erneut kraftvoll gedreht. Hinter der geöffneten Motorklappe justiert ein Kumpel von ihm am Vergaser rum und guckt, ob überhaupt Sprit ankommt. Nix Startautomatik. Nix Benzineinspritzung, nicht mal Kugelfischer, gaaanix. Hier will je nach Außentemperatur fein von Hand gemischt werden, 1909 kannte man sein Auto entweder zwangsläufig in- und auswendig – oder man hatte keins. Immerhin fährt in diesem Jahr erstmals die junge Alice Ramsey zusammen mit drei Freundinnen in einem Maxwell-Briscoe quer durch die Vereinigten Staaten von New York nach San Francisco. Ein kombinierter Roadmovie und Mädelsabend. Geil. Also irgendwie muss das ja alles machbar gewesen sein, mein ganzes Vertrauen liegt in den starken Oberarmen von Fernando und den feinfühlig mischenden Fingern seines Kumpels.
KRAWUPP!! ropp ropp ropp PUFF. … zisch … KRAWUPP!! ropp ropp ropp *PAFF* blapp blapp BROMM!!! gackelgackelgackel……

Wächter des Lichts

Ein Haufen Arbeit, bis es losgeht

Man hört, dass er will, der Reyrol, aber nicht so richtig kann. Mit ein bisschen Carbid-Rumgeleuchte will man sich hier aber nicht zufrieden geben. Also spucken alle Umstehenden in die kalten Hände und machen genau das, was man auch 2015 noch bei einem Auto macht, wenn es nicht anspringen will: Anschieben! 10 Mann drücken das kutschenähnliche Ding mit den Holzspeichenrädern über den Vorhof des Hotels, ich auch, deshalb kann ich leider keine Fotos machen :-) Mist. Und plötzlich läuft der alte französische Vierzylinder rund und pöppelig und dampft heiße stinkende Wölkchen in den kalten Abendhimmel. Geil. Vorn funzeln die Carbid-Lampen gelblich historisch auf das Pflaster, neben uns strahlt die Eventbeleuchtung bläulich modern in die grünen Bäume und das alte, das uralte Auto schüttelt sich im Standgas. Fernando drückt die Hupe :-D Das Ding trötet und jauchzt herrlich, und ich fühl mich plötzlich wie in einem Film mit Laurel und Hardy. Oder wie bei den Waltons. Jemand sagt auf Spanisch, dass ein paar mit Fernando hoch zur Kirche fahren könnten, und noch während sich die letzten Silben mit dem Motorengeräusch vermischen sitze ich im Auto. Ich kann eigentlich gar kein Spanisch, aber das habe ich verstanden.

Wächter des Lichts

Ferrari kann ja jeder. Sowas hier aber nicht.

Wir fahren den gleichen Weg, den ich heute Mittag hoch zur Sagrad Cor gelaufen bin. Den mit den vielen Rennradlern. Und wir fahren durch eine andere Welt. Es ist schwarze Nacht, die Gaslaternen leuchten gelb und über allem thront die angestrahlte Kirche. Der Reyrol zieht kraftvoll die Gänge durch und fährt erstaunlich kommod über das Pflaster. Fernando sagt uns, dass der durchaus 60 km/h schafft – das ist Anfang des vergangenen Jahrhunderts eine sagenhafte Geschwindigkeit! Ganz so schnell werden wir hier aber nicht. Neben mir friert Christoph, der auch freier Journalist ist. Das Auto ist komplett offen, und der Wind pfeift uns um die Nase. Was hat man denn damals gemacht, wenn es geregnet hat? Luxussorgen Teil 2. Wie lange war damals denn so die Halbwertszeit eines Automobils? Und wie gern würde ich das Gesicht des TÜV Prüfers sehen, wenn ich mit einem abgerockten Resttüv-Reyrol vorfahre und HU und AU haben will :-D Gniiihihi albern. Wirre Gedanken als Übersprungshandlung.
Ich kann gar nicht beschreiben, was in mir vorgeht. Ich bin ja nun beruflich echt schon viele sehr sehr coole Autos gefahren und habe jedes einzelne genossen (da stumpft man einfach nicht ab), aber in so einem erhabenen alten Gefährt ist das irgendwie nochmal was anderes. In mir wohnt so etwas wie Ehrfurcht. Und Kälte, aber da kann das Auto nichts dafür.

Wächter des Lichts

Reise zum Dach der Welt

Ein Reyrol ist nicht ganz so selten wie ein La Ponette, aber die meisten von uns werden so ein altes Auto vermutlich nicht mal in einem Museum zu sehen bekommen. Und ich darf mitfahren *hach* Der hier ist aus einer spanischen Privatsammlung, und wenn man den Worten der Jungs von Philips glauben darf ist es eine große Ehre, dass der sogar gefahren wird. Glaube ich gern. Aber auch nach über 100 Jahren gebe ich zu Protokoll, dass der sich irgendwie schon wie ein ganz normales Auto fährt. Okay, Fernando hatte ein paar Schwierigkeiten beim Anlassen, und auch die Illumination der Frontscheinwerfer war ein bisschen aufwändiger… Aber sobald man unterwegs ist heißt es: Gas geben, Kuppeln, Schalten, Lenken und Bremsen. Man traut diesem Auto, wenn man sein Baujahr liest, gar nicht so ein zügiges Vorankommen, so einen Anzug und so einen… ich nenne es mal vorsichtig… Fahrkomfort zu. Und man fragt sich zwangsläufig, ob vor diesem Hintergrund der Fortschritt in den über 100 Jahren danach nicht ein wenig schneller hätte verlaufen können? Egal. Auto ist Auto, es gibt superschöne, coole, nützliche und andere. Irgend eine unbeaufsichtigte Entwicklungslinie hat aus diesem mechanischen Kunstwerk hier unter meinem Hintern viele Jahrzehnte später so etwas wie einen Ford KA werden lassen. Irgendwas ist da also heftig schief gelaufen.

Wächter des Lichts

Gut gemacht, Reyrol

Aber heute geht es nicht um Design, heute geht es um Licht. Das in den Carbidlampen brennt noch immer mehr oder weniger hell, als Fernando den wundervollen Wagen parkt. Die Taxifahrt in die Vergangenheit ist zu Ende. Die anderen kommen zu Fuß hinterher.
Im Schatten der Kirche öffnet sich uns eine altertümliche Kirmes. Wir sind auf dem Tibidabo, und den Vergnügungspark gibt es hier schon seit 1889. Also schon 20 Jahre länger als das Auto, mit dem wir hier hoch gefahren sind. Und er sieht noch immer so aus wie damals, wenn man mal davon absieht, dass am Eingang Al Capone selbst die Journalisten auf Waffen durchsucht ;-) Ihn und die Autos um ihn rum lernen Sie in der nächsten Geschichte kennen. Ich lasse mir erstmal ein schokoladiges Heißgetränk und Churros kredenzen. Der heiße, dickflüssige, zuckersüße Kakao und die gepuderten Teigwürste gehören hier überall einfach dazu und schmecken jetzt, nach diesen Stunden in der Kälte, wie eine Offenbarung mit Blick auf Barcelona. Danke compañero, danke für diese Erfahrung im wörtlichen Sinn. Angucken kann man ja alles Mögliche. Ich will den Motor hören, das Leder anfassen und die Vibration eines jeden Radlagers spüren. So muss sich ein Paläontologe fühlen, wenn er die Gelegenheit bekommt, mit einem T-Rex ein Schwätzchen über seinen Ernährungsplan zu halten.

Wächter des Lichts

Lassen wir es leuchten

Danke Philips bis hier her. Es liegen zwischen 1909 und heute noch ein paar Jahrzehnte der Lampenentwicklung vor mir, aber der Abend ist ja noch jung. Und langsam wird mir auch ein bisschen wärmer. Um uns rum ist alles beleuchtet, und unter uns erstreckt sich schimmernd und funkelnd bis zur Küste Barcelona. Ich blicke über das Lichtermeer und erhebe mein Glas Rotwein auf… meine Oma. Die ist erst drei Jahre nach diesem Auto geboren worden. Und sie ist schon lange nicht mehr da. Im Angesicht des technischen Fortschritts, wenn er so geballt über einem niedergeht wie in so einer technischen, rollenden Ahnengalerie, fühle ich mich plötzlich sehr vergänglich. Als das Auto, in dem ich gerade gefahren bin gekauft wurde gab es Menschen, die einfach ihr Leben lebten. Von denen ist niemand mehr da. Hier stehe ich nun, inzwischen neben einem Mercedes-Benz CLS mit LED Licht und lebe auch einfach so mein Leben. Und bin irgendwann nicht mehr da. Hm. Vielleicht doch lieber einen Gin nachher? Prost liebe Oma. Ich bin mit einem Auto gefahren, was gebaut wurde, bevor die Titanic gesunken ist. Was kann mir heute Abend schon noch passieren?

Sandmann

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Created Mittwoch, 04. Februar 2015 Tags 100 jahre | Automotive Lighting | Azetylen | Barcelona | Carbid | Ethin | event | Fremde Federungen | La Ponette | LED | Philips | Reyrol Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
26 Jan 2015
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Über den Dingen

Über den Dingen

Zimmer mit Aussicht

Der Tag ist noch jung, die Nacht ist noch fern. Mein Arbeitsplatz liegt heute ein paar 100 Meter oberhalb von Barcelona, mein Laptop liegt auf einem viel zu großen Bett vor einer offenen Tür zu einem Balkon mit Blick auf ein Lichtermeer. Hinter den Augen drückt es noch ein bisschen, das liegt wohl an gestern Abend. Nein. Ich kann fast noch “vorhin” sagen. Kommen Sie mit? Der Job mit den Autos geht heute erst um 17:00 Uhr los, vorher habe ich noch ein bisschen Zeit. Zeit für zu viel Gin, Zeit für einen Blick von oben nach unten, Zeit für Tina Dickow und einen Ausblick. Zeit für Ehrfurcht, Zeit für warme Sonne und Zeit für eine Badewanne.

Jede Reise, uns sei sie noch so kurz, beginnt mit einer ANreise.

Über den Dingen

Allein unter Hamburg

Wenn Sie, warum auch immer, mit einem Flieger in Hamburg Fuhlsbüttel starten wollen, sollten Sie nicht direkt am Airport parken. Jedenfalls nicht, wenn Sie planen, den Wagen da länger als 10 Minuten stehen zu lassen, so ein Tag kann schnell teuer werden. Und bei drei Tagen auf der Piste übertreffen die Parkgebühren ratz fatz den Preis des Billigfliegers :-) Eine einzige S-Bahn Station entfernt sind ein Haufen kostenfreie Parkflächen ins Grün asphaltiert worden, direkt neben dem Ohlsdorfer Friedhof. Hier ist es schön ruhig. Hier ist der Regen irgendwie ein bisschen wärmer und in nur drei Minuten wähnt sich der Reisende mit seinem von der Sonne (welche Sonne?) ausgeblichenen Rollköfferchen unter dem Flughafen. Ich Fuchs. Auf ein Taxi hatte ich heute keine Lust, und 1,50€ für die S-Bahn gegenüber 20€ für ein Taxi ab Altona lassen mir einen kleinen Spielraum für kontrollierte Nahrungsaufnahme an Bord. Sandmann soll mit Vueling fliegen. Nie gehört. Wühling? Fjuling? Vueling ist eine noch recht junge Airline und quasi die iberische AirBerlin. Ich ahne, dass ich also in meiner engen Sitzreihe mit Fensterplatz nichts reguläres zu essen bekommen werde, jedenfalls nichts für umsonst, und ich habe schon jetzt einen nennenswerten Hunger.

Über den Dingen

Ghost Tunnel Town

Gespenstisch leer hier. Was ist los? Was ist passiert? Sollte ich mal Nachrichten hören? Hm. Ich komme viel zu früh im Terminal an, bei Wühling haben die Check In Schalter noch nicht mal geöffnet. Spanier nehmen ihre Siesta weltweit sehr ernst. Später erfahre ich, dass ich mit dem flatterigen Farbausdruck in meiner Tasche schon eine Bordkarte besitze und dank Handgepäck einfach hätte zum Gate stapfen können :-( Aber egal, ich treibe mich gern auf Flughäfen rum. Dieses geschäftige Hin und Her der vielen bunten Menschen rührt mich an. Fröhliche Tränen der Wiedersehensfreude fließen direkt neben traurigen Tränen des Abschieds, zwischendrin wimmeln gut gekleidete Geschäftsmänner und -Frauen mit wichtigem Blick auf dem Weg in die Business Lounges. Ah. Billigflieger. Nix Lounge. Ich lunger nach dem Security Check auf den ordinären Kunstledersesseln am Gate rum und lese die Boulevardblätter, die ich nebenan bei Lufthansa gemopst habe. Über das Gratis W-LAN von Turkish Airlines erzähle ich der Welt und allen anderen, die es gar nicht wissen wollen, dass ich jetzt in Richtung dieser 1,6 Millionen Einwohner Stadt im Süd-Osten von Spanien aufbrechen werde. Viel Arbeit, viel zu schreiben und zu fotografieren – aber trotz allem eine kleine Auszeit von dem grauen, kalten Regen in Hamburg und Kiel, der seit 10 Tagen niedergeht, als solle die Welt absaufen. Hinter mir lachen Menschen. Neben mir weinen Menschen. Klasse.

Über den Dingen

Ciao Hamburg. Raus aus der Kälte.

Der hanseatische Niederschlag klatscht respektlos an die Scheiben des Airbus, in den man irgendwie noch 10 Sitzreihen zusätzlich eingebaut hat. Jedenfalls bekomme ich meine Beine nicht vernünftig hinter den Sitz des Vordermannes. Eigentlich passen die da GAR nicht hinter. Super. Gegenüber steht ein Flugzeug von Cunni Lingus Airways (ich muss diesen flachen Kalauer einfach bringen, sorry) und färbt das Grau des Tages mit ein wenig Grün. In Barcelona wartet Philips auf mich. Oder zumindest irgend jemand von Philips. Die Damen und Herren aus Holland stellen seit nunmehr 100 Jahren Leuchtmittel für Kraftfahrzeuge her und wollen einmal demonstrieren, wie sich das nächtliche Spektrum des sichtbaren Bereichs vor einem Auto zwischen 1914 und 2014 verändert hat. Von der Carbid-Lampe zum Matrix LED Scheinwerfer. Ich bin aufrichtig gespannt, was da kommt und blättere eingeklemmt und voller Vorfreude in der Speisekarte. Eine Pizza und ein Fläschchen Rotwein für zusammen 13 Euro? Hey. Ein unerwartetes kulinarisches Schnäppchen. Irgendwo 10.000 Meter über Nordfrankreich wird mir später eine 8cm breite mikrowellenerwärmte Teigpfütze zusammen mit einem 0,2 Faustino serviert. Meine Sitznachbarin sieht meinen Blick und fängt hysterisch an zu lachen. Gut, dass ich mit der S-Bahn und nicht mit dem Taxi zum Flughafen gefahren bin, jetzt tut das finanziell nicht ganz so weh. Der Hunger bleibt.

Über den Dingen

Spanien. Tatsächlich Spanien.

Spanien entschädigt für alles. Auch für das typische Aussteigen irgendwo mitten auf dem Rollfeld und das Zusammenpferchen in einem Bus zum Terminal. Es ist warm, es ist keine Jacke nötig. Und hey – es regnet NICHT. Wie lange habe ich dieses Gefühl denn schon nicht mehr gehabt? :-) Schön. Eventuelle Havarien am Lost & Found vor Ort entfallen, da ich nur leichtes Handgepäck dabei habe. Ein paar Socken, ein paar Höschen, Zahnbürste, Bargeld, Kamera und Laptop. Mehr braucht es doch nicht, wenn man eingeladen wird, oder?
Hach und guck. Ich sehe am Ausgang nicht nur ein Schild mit meinem Namen drauf, ich sehe auch einen Mann im besten Alter, etwas verlebt, langsam ausgehende Haare und irgendwie seltsam grinsend. Helge Thomsen, der alte Petrolhead von Motoraver und GRIP ist auch aus Hamburg angereist. Wir kennen uns noch von einer Grillerei auf Sankt Pauli, lesen gegenseitig sporadisch unseren Kram im Netz und haben ansonsten nicht die gleichen Freunde. Helge polarisiert ein wenig. Mir hat er nichts getan, und es ist gut, auf unbekanntem Terrain jemanden in der Nähe zu haben, der noch ein bisschen autobekloppter ist als man selbst.
Nach etlichen Serpentinen in einem schwarzen Vito durch die Dunkelheit kommen wir im Hotel La Florida in den Bergen über Barcelona an. Wow. Zimmer Nummer 409. Fahrstuhl mit mechanischem Stockwerkzeiger und einem BING ♫. Ein Bad mit Wanne und Marmor, ein Bett und…. argh….. ein Balkon. Und was für ein Balkon. Das raubt mir ein bisschen die Sinne:

Über den Dingen

Zimmer mit Horizont

Ich bin wieder einmal froh, dass ich hier nicht als objektiver Journalist auflaufe, sondern als der Typ von der TRÄUME WAGEN und von MERCEDES BENZ, dem es gut gehen soll und der was gezeigt bekommen soll, was ihn interessiert. Primär alte Autos, gern mit Stern. Schon damals, als Blogger in San Diego, wurde ich mit so viel Luxus umschmeichelt, dass objektive Berichterstattung gar nicht möglich war :-) Aber deshalb waren wir damals auch nicht da, und heute ist das nicht anders. Ich will coole Fotos in schönen Gegenden von gut beleuchteten alten und neuen Autos. Und ich will mit den Autos fahren! Und wenn das morgen auch nur ansatzweise mit so guten Horizonten weitergeht wie mit dem von meinem Balkon hier oben – dann nehme ich ein paar feine Geschichten mit zurück nach Deutschland.
Ich könnte einfach nur so hier rumstehen und gucken. Die Minibar leertrinken und gucken. Die Erdnüsse wegfuttern und gucken. Einfach nur gucken. Himmel, ist das ein schöner Anblick von hier oben, und laut meinem großen Töchterchen (die während ihrer Studienfahrt hier war) ist das da unten im Gewühl nicht weniger schön. Aber da soll es erst morgen Abend hingehen, nach der Arbeit. Heute ist Anreisetag. Heute ruft nur noch die Bar unten im Erdgeschoss. Und wohl irgendwann das Bett.

Über den Dingen

Tanqueray No 10, sagt man. Und Rosmarin.

An der Bar, an der Bar, ja ♫ was machen die da?
Einfache Antwort: Gin Tonic verköstigen. Mir wurde in klaren Worten mitgeteilt, dass meine Annahme, Bombay Sapphire Gin sei die qualitative Spitze des Eisberges, eine Fehleinschätzung der Tatsachen sei. Also lasse ich mich bewirten, ich glaube der Stoff hieß am Anfang Tanqueray No 10 und es waren ein paar Strapsel Rosmarin drin. Später gab es noch eine Variante mit irgendwelche Beeren. Interessant, was man alles in seinen Gin werfen kann, und jedes mal wird er noch leckerer. Interessant auch, wer sich im Laufe des Abends alles noch dazu gesellt. Offiziell geht der Event ja erst morgen los, aber wir Germans und ein paar andere sind schon heute da. Also aus jetziger Sicht gestern. Die meisten internationalen Pressevertreter kommen morgen, also entgeht denen der Gin. Die anfängliche Runde startet (in order of appearance) mit Tim, Kai, Helge und mir. Später stößt Andreas dazu, von dem wir hoffen, dass er später am Abend die Rechnung übernehmen wird. Charmant wird der Abend, als Hanna von Philips platznimmt und heute noch nicht weiß, was wir morgen noch alles für löchernde Fragen an sie haben werden :-) Eine Runde später sitzt Matthias, Senior Global Marketing Communications Manager von Philips, an unserer Seite und noch eine Runde weiter auch noch Thorsten, Marketing Manager Automotive DACH. Diese DACH Abkürzung kenne ich noch von meinem Navi :-) Er ist auch von Philips. Ich habe den Verlauf der Gin Runden mal in eine kleine Galerie gepackt… Mit Uhrzeit…

Über den DingenÜber den DingenÜber den DingenÜber den DingenÜber den DingenÜber den Dingen

Die Sofas sind bequem und ich lerne eine Menge über die Möglichkeiten, die Gin einem so bietet. Unser Blick ruht auf einem Wasserfall draußen in der Lobby. In Hamburg wäre das jetzt einfach nur Regen, hier ist es eine künstliche Sintflut, der wie ein großes Loch im Dach in einer Art Innenhof an der Wand herunterfließt. Hoffentlich ist das so gewollt und nicht ein Rohrbruch im 5. Stock, weil jemand es nicht abwarten konnte, die Badewanne vollaufen zu lassen. Mit fortschreitender Uhrzeit erweitert sich das Bewusstsein der Anwesenden auf das Wahrnehmen derartiger Designexzesse. Irgend jemandem fällt auf, dass die Nüsse in Ölsardinendosen serviert werden. Und die Baujahre der Autos, über die wir sprechen sinken mit dem Ansteigen des Hubraums der Motoren. Irgendwann ist mal Schluss. Morgen wartet ein langer Nachmittag, immerhin erst ein Nachmittag, und deshalb nehmen die übrig Gebliebenen einigermaßen gelassen den Fahrstuhl nach oben. Tim hat schon vor langer Zeit einen französischen Abgang gemacht. Schlau. Vielleicht kommt das Badewasser in der Lobby aus seinem Zimmer? Ich mache erst auf der Herrentoilette und dann noch im Fahrstuhl nach oben ein paar nur am Rande erwähnenswerte Bilder :-) Gute Nacht.

Feierabend

Feierabend

Das Bett ist kuschelig und riesengroß. Viel zu groß, um allein drin zu liegen. Meine Ladies, die große wie die kleinen, fehlen mir. Jede einzelne :-(
Ein permanentes, leichtes Tuten erweist sich nach ein wenig investigativem Umherirren als die Außenluft, welche von der nicht abschaltbaren Klimaanlage (ich hasse das) durch die Balkontür nach drinnen gesaugt wird. Na gut – schlafe ich eben bei offener Balkontür, und es tutet nicht mehr.

Mit Gänsehaut zitiere ich meine große musikalische Liebe Tina Dickow aus Dänemark, die da singt:
The dark is falling and the city fills with lights
Cars like shining pearls on strings
moving through the emptiness of night
The wine is running to my head
I’m spellbound by the moment
can’t get up, can’t find the strength to go to bed
Without you
Thank God for this beautiful view

Ein Zimmer mit Aussicht. Oh ja. Draußen sind nur 5 Grad, ja, auch in Südspanien kann es kalt sein, aber meine Bettdecke wärmt angenehm. Die Wasserflasche am Bett entpuppt sich als kleiner Lebensretter in den Morgenstunden, und als es irgendwann hell wird muss ich mich erstmal sammeln. Lange schlafen konnte ich noch nie. Hinter den Augen drückt ein kleines bisschen der Gin. Aber ich gehe trotzdem (oder gerade deshalb) raus auf den Balkon uns sage dem neuen Tag hallo.
Hallo neuer Tag.
Was für ein sagenhafter Anblick, auch jetzt, wo die Lichter der Stadt nicht mehr leuchten. Lichter werden wir heute Abend ja noch genug zu sehen bekommen. Am Horizont schimmert das Mittelmeer, die aufgehende Sonne bescheint Türmchen, Kathedralen, Schornsteine und Schwerindustrie gleichermaßen und taucht alles in ein zauberhafte Farben, wie es nur in Südeuropa möglich ist.

Über den Dingen

Hallo neuer Tag!

Ich werde das Lied von Tina Dickow nicht los.

I need a room with a view
An armchair by the window
A cup of coffee and a cigarette or two
Watch the sky turn from hazy gray to black
Watch my neighbours go to work
and look exhausted and burned out when they get back
Thinking about you
Thank God for this beautiful view

Danke. Trotz eines leichten Hangovers finde ich das hier alles so wundervoll, dass der Tag eigentlich nur super werden kann! Bevor ich mich mit zwei nicht zu kapierenden Marmorhebeln in der Dusche streite atme ich noch einmal tief ein und versuche, das alles zu begreifen.

Über den Dingen

Über den Dingen, über den Bergen, über Allem.

Die Sache mit den Marmorhebeln in der Dusche hat den Vorteil, das große Mengen kaltes Wasser auf mich niedergehen, bevor ich das Prinzip verstanden habe und Temperaturen über 35 Grad herstellen kann. Ich bin wach. Sozusagen glockenwach. Was bimmelt denn da? Da muss ich nachher noch mal schauen, steht hier oben etwa auch eine Kirche? Beim Frühstück lasse ich ein paar Liter guten, starken Kaffee in mich reinlaufen und halte mich primär an den Iberico Schinken. Der Spanier frühstückt gern auch mal süß, hier liegt eine Menge Kuchen und Naschkram zwischen allerlei frischem Obst rum. Damit ist mir um diese Zeit allerdings nicht geholfen :-) Ich will da raus. Ich sehe eine schnell steigende Sonne, die mich im Monat Januar mit totaler Begeisterung erfüllt. Und ich blicke noch immer von diesen Bergen runter auf Barcelona und das Meer. Sie dürfen mich heute mal beim selbstverliebten Sonnenbaden begleiten, ich nehme mir diese Überheblichkeit einfach raus, denn in den letzten Jahren gab es nicht so viele sonnige Momente. Loungige Couch draußen am Pool mit Blick über die Stadt? Check:

Über den Dingen

Sonne. Einfach nur Sonne.

Ich hab ein bisschen verlernt, einfach mal nur so rumzuliegen.
Mir kreisen zu viele Gedanken im Kopf rum, zum Glück heute nicht die schlechtesten. Habe ich den zweiten Akku der Kamera am Netz? Ich glaube ja. Sollte ich noch ein paar mehr Szenen von schönem Wetter festhalten, womöglich gemeinsam mit mir, wie ich pathetisch auf den Horizont gucke? Auch. Wer weiß wann wir so einen blauen Himmel und so eine helle warme Sonne wieder zu sehen bekommen? Das Hotel scheint schon sehr alt zu sein, überall hängen alte Fotos an den Wänden, und die Architektur ist einfach traumhaft. Vermutlich wäre es möglich gewesen, sich ein wenig über das Gemäuer anzulesen, aber ich hatte nur Augen für die Autos…. Ich schlender rastlos eine Ebene tiefer vor den Außenpool, fläze auf den Stühlen rum und gucke dem munteren Treiben der grün gekleideten Gärtner zu, die hier wuseln wie die Ameisen. Anscheinend haben sie Anweisungen, nicht mit Gästen zu sprechen, ich bin quasi gar nicht da. Okay. Und es springt mich wieder diese Unruhe an, die ich während solcher beruflicher Reisen einfach nicht abschütteln kann. Egal wo ich bin, ob das Düsseldorf oder Barcelona ist, ob mein Blick über München oder Maranello schweift – ich bin ganz hibbelig. Sowas nerviges. Da bist du hier mitten im Paradies, hast noch genug Zeit und kannst nicht mal durchatmen. Bah. Aber ich kann ja auf den Bildern zumindest so tun als ob *schnarch*

Über den Dingen

Blauer Himmel. Einfach nur blauer Himmel.

Eine weitere Ebene tiefer, vorbei an den wuselnden Landschaftsdesignern, ist ein schmaler Zaun und ein Geländer. Es trennt die Promenade vorm Hotel von dem, was dann kommt, und das ist vor allem eine Menge freier Fall. Hinter mir plätschert der Pool, vor und unter mir liegt diese riesige Stadt, die gerade zum Leben erwacht und dahinter funkelt das Meer.

I recall you took me swimming
the sea was dark and cold
You’d been there many times before
with many different girls, I’d been told
But what’s a man without a past
We love him for his lies
and then we try to break him down to make it last
’til they come true
Thank God for this beautiful view

Einmal aus den verregneten Häuserfluchten der Großstadt auszubrechen, ein erstes mal in diesem langen grauen Winter auf einen weit entfernten Horizont gucken und sich angenehm klein fühlen. Während die frühen Sonnenstrahlen wärmen. Ich freu mich auf das Jahr, was kommt. Auf viele Geschichten, auf toben und knuddeln und reisen mit meinen vielen Frauen und auf viele Autos. Das alles liegt noch vor mir. Es ist noch nicht mal Frühling, jedenfalls in Norddeutschland noch nicht.

Über den Dingen

Horizonte. Einfach nur Horizonte.

♫ Bim Bam Bum. Da sind die Glocken wieder. Wenn ich sowieso keinen Schlaf nachholen oder sonstwie chillen kann, dann geh’ ich eben spazieren. Wenn ich den serpentinenreichen Weg hier hoch richtig rekonstruiere gibt es sowieso nicht viele Möglichkeiten, und der Blick kann sicher noch besser werden 8-) Vor dem Hotelportal bauen die Jungs von Philips schon die ersten Eventbühnen auf, ich bin ziemlich neugierig…. Aber das ist ja erst heute Abend dran. Ein Stück die Straße rauf ist die Straße auch schon zu Ende. Jeder Fußgänger, der bis hier nicht von unzähligen behelmten verbissen guckenden Rennradfahrern über den Haufen gewalzt wurde hat hier noch einmal die Chance auf einen krass schönen Blick über die Berge hinter Barcelona. Ich erspare den Ihnen jetzt mal, zum einen, weil ich ziemlich erschöpft bin vom zur-Seite-Springen wegen dieser ganzen wahnsinnigen Zyklisten (was MACHEN die alle hier oben???) und zum anderen, weil der Blick übers Land langsam abgreift. Gnihi. Ich stiefel lieber an einem alten Vergnügungspark vorbei weiter den Berg rauf zum Ursprung der Glockenklänge. Ah ja.
Ich lese, dass ich auf dem Tibidabao stehe und sich vor mir ein goldener Jesus mit ausgebreiteten Armen auf dem Dach der Sagrad Cor befindet. Zu normalen Zeiten scheinen hier Unmengen von Touristen zu wimmeln, der Vorplatz mit dem Blick über die Stadt und das Meer ist geflankt von bunten Andenkenbuden und billigen Nippes-Läden. Aber außer den grenzwahnsinnigen Fahrradfahrern in ihren Ganzkörperkondomen ist fast niemand hier. Und die sind allesamt nach der Tour hier hoch nicht zum Plaudern aufgelegt. So ein Januarmorgen scheint perfekt gemacht zu sein für so einen Spaziergang.

Über den Dingen

Klein vor diesen Steinen

Über ein paar Treppenstufen setze ich mich auch von den Rennradlern ab und höre… Orgelklänge <3 Da muss ich hin. Ich schleich mich ab und an in Kiel in die große Nikolaikirche am alten Markt und höre einfach nur den Menschen zu, die dort selbstlos in die Tasten hauen. Das gleicht einem Gebet. Die Atmosphäre einer Kirche, in der Orgelmusik gespielt wird ist wundervoll, egal woran Sie nun glauben oder nicht. Dieses katholische Gebäude hier ist noch gar nicht so alt und eine kleine Kopie der Sacre Coer in Paris, und es ist menschenleer. Irgendwo tief drin sitzt ein Organist und probt wahrscheinlich die Lieder der Messe irgendwann heute Abend. Wahnsinn. Das Gemäuer erhebt sich hell und schlicht über mir in den blauen Himmel, die Sonne fällt verspielt durch die kunterbunten Scheiben herein und die Orgelmusik schwillt an und ab, ohne dass irgend ein Räuspern, irgend ein rumfotografierender Tourist oder ein verirrter Biker den einzigartigen Moment stören würde. Mir kommen die Tränen. Memme, ich.

Über den Dingen

aufstrebende Architektur

Also ich schon wieder draußen bin und aus immerhin 500 Metern Höhe beseelt gucke und gucke und gucke klingt aus den heiligen Hallen noch immer die Musik. Ungetrübt, irgendwie schlicht und wunderschön und perfekt passend zu dieser Stimmung hier ganz oben auf dem Berg mit dem lustigen Namen. Langsam schlender ist zurück zum Hotel, noch immer den nicht enden wollenden Horizont vor Augen. Ich habe 2014 noch nicht ganz verdaut, aber dieser erste Tag in Barcelona lässt mich an ein gutes 2015 glauben. So kann es weitergehen.

I’ve been blind too blind to tell false from true
I’ve been so busy running
never stopped to think where I was running to
But I’ve learned my lesson from the tears I’ve had to cry
Sometimes it helps to take your time

to sit alone and watch the world go by
Cause every day it’s new
Thank God for this beautiful view

Und nun hab ich auch genug durchgeatmet und auf den Horizont geguckt. So langsam merkt der Gin von gestern Abend, dass meine Adern sich mit Kaffee gefüllt haben, das ist gut. Das scheint ihn zu vertreiben. Bevor ich mich nachher in die Pressekonferenz setze und anschließend meinen Kopf und mein Herz den hier oben aufgereihten Autos widme mache ich noch das, was man in Hotelzimmern viel zu selten macht. In den billigen macht man es nicht, weil es nicht vorgesehen ist und in den teuren hat man dazu meistens keine Zeit. Doch. Heute ja. Ich bade! :-) Ich bade um 15:00 Uhr. Das ist der Luxus, der mir viel mehr bedeutet als goldene Wasserhähne und Mischhebel aus Marmor.

Über den Dingen

Nun kann der Abend kommen…

Der Tag ist noch jung, die Nacht ist noch fern.

Uff. Und nachmittags baden macht… äh… müde ;-)
Draußen rollen rappelnd und pöppelnd die ersten Autos vor das Tor, Baujahre zwischen 1907 und 2014. Geil. Es dämmert schon leicht, und ich werde gleich mal den Fahrstuhl nach unten in den großen Saal nehmen. Den Fahrstuhl mit dem mechanischen Zeiger. Warum muss ich an “Shining” denken? Tz. Das wird ein wahrhaft beleuchteter Abend, diesmal ohne Gin und andere alkoholische Substanzen, diesmal mit Benzin, Carbid und Matrix LED. Ich hab Bock drauf. Bis später, und danke für diesen wunderschönen Ausblick.

Sandmann

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Created Montag, 26. Januar 2015 Tags Airport | Automotive Lighting | Barcelona | event | Fuhlsbüttel | La Florida | Ohlsdorf | parken | Philips | Reise Reise Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
22 Jan 2015
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Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Sagenhaft. Sa - gen - haft.

Sagenhaft. Sa – gen – haft.

In der Mitte des Lebens treibt das Verhalten eines Mannes seltsame Früchte. Die einen kaufen sich einen Sportwagen und brennen mit einem jungen Huhn durch. Die anderen kaufen sich ein junges Huhn und brennen mit einem Sportwagen durch. Die dritten finden aufgrund der klarer werdenden eigenen Sterblichkeit ihren Weg in die Religion. Und ich? Ich gehöre zur vierten Kategorie. Ich beginne, mein Leben und meinen Keller aufzuräumen. Und da findet sich neben allerhand nützlichem und überflüssigem Zeugs ein kleines, blaues Auto der Marke Matchbox. Bespielt, benutzt. Meine absolute Traumkarre damals. In der Mitte des Lebens bin ich in der Lage, verrückte Sachen zu machen. Also ziehe ich los, um dieses Matchboxauto mal im Original zu fahren.

Ich will mal wieder spielen.

Ich will mal wieder spielen.

Dieses kleine, blaue, abgewetzte Spielzeug war damals der schärfste Zahn in der Sandkiste neben dem Mack Kipplaster und dem gelben Pickup, auf dem ein weißer Löwe lethargisch im Kreis wanderte, wenn man damit fuhr. Es hat endlose Highways durch Rhabarberbeete bis zum Komposthaufen gemeistert, auf den Opa immer seinen Eimer ausleerte, wenn er mal wieder einen halben Tag lang in seinem Werkzeugkeller vor sich hin gebastelt hat. Dann hat es da immer ziemlich doll gestunken, und ich bin andere Highways gefahren. Türen wurden geöffnet und geschlossen, das BROOAAARR BROMM habe ich in Ermangelung eingebauter batteriebetriebener Soundmodule selbst geknödelt. Aber nie fiel der Blick auf die informative Unterseite des Autos, denn ich konnte noch nicht so gut lesen. Da steht ja immer, was für ein gutes Stück hier im Maßstab 1:64 aus Zinkguss nachgebaut wurde.

Steigen Sie doch ein.

Steigen Sie doch ein.

Jetzt, rund 35 Jahre später, drehe ich das kleine Auto um. “No 14 ISO GRIFO”, darunter die Zeile “Made in England” und ganz unten “by Lesney”. Das war’s. Lesney. Den Laden gibt es seit 1982 nicht mehr. Und das Wörtchen “Superfast” auf der leicht verbogenen Hinterachse besagt, dass sich diese Spielzeugserie von den anderen durch besonders leicht laufende Räder unterschied. Weil die Autos von Hot Wheels auf jedem Teppich schneller waren, die britischen Ingenieure mussten also nachlegen :-) Soweit zum in Metall gegossenen Text. Aber was ist das bitte für ein sagenhaftes Auto, so formvollendet, so elegant und so verboten sexy? Ein Batmobil? Eine Erfindung der Spielzeugindustrie? Iso Grifo, das klingt wie ein Kunstname. MB präsentiert: ISO GRIFO. *bong*

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ach, steigen Sie doch bitte WIRKLICH mal ein.

Die italienische Firma Iso Rivolta tauchte im Weltbild des noch vom Krieg gebeutelten Deutschland zunächst nur inkognito auf. Jeder von Ihnen wird das zweisitzige Rollermobil kennen, was bei BMW entstanden ist: die Isetta. Der kleine Knubbel war ein Design-Meisterstück der Italiener und wurde unter diversen Lizenzen in verschiedenen Ländern gefertigt. Als Erfüllung des Nachkriegstraums der Mobilität in Deutschland von 1954 bis 1962 allein 130.000 Mal. Aber noch lange nicht alles, was dort in der Nähe von Mailand bei Iso Rivolta entstand, hatte Kleinwagencharakter. Unter Mitwirkung des ehemaligen Ferrari-Mitarbeiters Giotto Bizzarrini, der Karosserieschmiede Bertone und dessen neuem, jungen Designchef Giorgetto Giugiaro entstanden verschiedene Coupés und Limousinen im Werk von Renzo Rivolta. Nein, sie entstanden nicht, sie wurden erschaffen. Weil selbst die genialsten Konstrukteure und Designer nicht mal eben ein neues Auto auf die Räder stellen können, wurde sich – wie so oft – in den Regalen diverser anderer Hersteller bedient. Und der dann wohl bekannteste Gran Turismo aus diesem Designerkonglomerat war – der Iso Grifo.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Böser Blick ganz ohne Kamei Leiste

Ja, es gab den Iso Grifo wirklich. Das ursprüngliche Herz der italienischen Sünde war ein 5,4-Liter-V8 aus der Corvette, die Lenkung lieferte Burman, die manuellen und automatischen Getriebe kamen von Borg-Warner und ZF Friedrichshafen. Stationen der automobilen Legendenbildung, die mit dem kleinen Jungen in der Sandkiste so ungefähr ab dem Jahr 1971 diesen Planeten teilten, die mir aber ob meiner unbedingten Jugend nicht wirklich Interesse abrangen. Zwischen 1965 und 1974, also rund um meine eigene Geburt, wurden auch nur 412 Fahrzeuge gefertigt. Das schmälert die Wahrscheinlichkeit, dass ich im ländlichen Uelzen mal einen “in Echt” gesehen haben könnte, wenn auch nur aus Versehen, manchmal brennen sich ja auch zufällige Bilder im Kopf ein und kommen in den Träumen wieder hervor. Aber nee. Der war einfach zu selten. Also kommen andere Sachen in den Träumen vor, leider nicht immer so schöne wie dieses Auto, und der blaue Flitzer wich irgendwann dem Funktionsspielzeug und anderem Teenagerkram. Mädchen und so.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ich finde nur wenig Worte für dieses Auto

Ich will ihn sehen, fühlen, fahren!
Also tu ich so, wie man tut, wenn man beruflich über alte Autos schreibt und durchforste das Internet. Treffer! YAY! Im Ruhrgebiet findet sich tatsächlich ein leibhaftiger Besitzer eines Iso Grifo, der nach einem Telefonat vor allem auch bereit ist, ihn in meine vertrauensvollen Hände und vor mein Kameraauge zu legen. Dem guten Mann gehört eine der verschwenderisch kräftigen 7-Liter-Versionen der ersten Serie. Davon wurden nur 50 Stück gebaut. Sieben Liter Hubraum! Das Triebwerk ist so gewaltig, dass die Motorhaube nach oben heraus erhöht werden musste. Diese kantige Hutze wird unter den Fans liebevoll das “Penthouse” genannt.
Ich habe jetzt lange genug gewartet und bin ungeduldig, ein Termin ist schnell gemacht – ich will nicht nur träumen und mit meinem wieder aufgetauchten blauen Sandkistenauto durch das Wohnzimmer fahren, sondern ich will TRÄUME WAGEN. Ich tanke den dicken Diesel voll und rolle ins Ruhrgebiet. Vier Stunden Fahrt für ein Auto, was mich plötzlich so nervös macht wie ein Wiedersehen mit einer Exfreundin, die man 30 Jahre nicht gesehen hat.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Gegensätze ziehen sich an.

Mein Herz klopft bis zum Hals, als der charmante Besitzer das breite Garagentor unter seinem Haus aufgleiten lässt und den Blick freigibt auf einen echten und (un)fassbaren Iso Grifo 7 Litri. Daneben steht auch noch ein Bizzarrini, aber das ist eine andere Geschichte. Draußen, vor den Toren des Grundstücks in gebührendem Abstand, steht meine Alltagskarre. Nein, sie ist mir nicht peinlich, denn die hat eine Berechtigung und ist eine treue Seele. Aber eine Seele von einem anderen Planeten als dem, auf dem ich gerade stehe. Was in einer anderen Zeit in meiner Sandkiste mittelblau, rechtsgelenkt und absurderweise mit einer kleinen knubbeligen Anhängerkupplung versehen war steht hier als dunkelrote, links gelenkte, rostfreie Schönheit mit schwarzem Leder. Ohne Anhängerkupplung. Es ist wirklich dieses Auto, was in meinen Kinderhänden wie selbstverständlich neben all den anderen SIKU und MATCHBOX Karren geparkt wurde. Ich fühle mich wie beim ersten Date und stammel unprofessionellen Mist vor mich hin.

Lass es raus, V8!

Lass es raus, V8!

Das Herausrangieren des Viertelmillionen-Euro-Schatzes überlasse ich dem Besitzer, umso genussvoller lässt sich von hier aus der bassige Sound aus den beiden Auspuffrohren genießen, durch die das verbrannte Super in einem herrlichen Stakkato die Symphonie aus sieben Litern für acht Töpfe ballert. So klingt also ein Iso Grifo. Gar nicht so sehr anders als mein BROAARR BROAM von damals im Gemüsebeet. In guten Zeiten trinkt das versammelte Orchester made in USA gern mal 25 Liter, belohnt sein Publikum aber mit mindestens 630 Nm Drehmoment und ungefähr 400 SAE-PS. Das genügte in den späten 60er Jahren, um in der Liga von Ferrari und Lamborghini vergnüglich mitzuspielen. Und diese Kraft wurde für den unvorbereiteten Bürger dieser Zeit in einen Body verpackt, der die makellose Schönheit der Venus von Urbinio mit Mona Lisas Lächeln zu einer Durchschnitts-Landpomeranze degradiert. Der Wagen hat (im Gegensatz zum Matchbox Pendant) sogar eine Kofferraumklappe, die sich öffnen lässt. Dieses Heck. Dieser Hintern. Ich glaube ich bin verliebt :-)

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Raum für ein kleines Täschchen

An diesem Auto stimmt fast alles. Ein kleiner Haken (nein, nicht für Anhänger): Es erfordert ein wenig körperliche Verwindung, am Steuer Platz zu nehmen, als 1,90m großer norddeutscher Jung muss ich mich ziemlich unelegant verbiegen. Aber wenn man erstmal sitzt, passt es wieder. Hallo Cockpit. Genau so viele analoge Rundinstrumente wie Zylinder in V-Form geben mir sachlich Auskunft über das allgemeine und momentane Befinden des Autos. Kleine Schalter und Hebelchen verteilen sich großzügig über den breiten, hölzernen Armaturenträger, ich werde ihre Funktion heute nicht vollständig ergründen. Aber ich berühre sie alle, streichel andächtig über die Rundungen der Instrumente und fühle respektvoll das Holz. Es riecht so gut inmitten dieser Materialien. Mein Herz hört einfach nicht auf mit dem schneller Schlagen. Verdammt, ist dieses Auto schön!

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

In keinem Wohnzimmer ist es angenehmer als hier

Gang rein, Kupplung kommen lassen und los. Wir fahren den Iso durch die adretten Straßen mit den Schatten spendenden Bäumen bis zu einem hellen Schotterplatz. Das Getriebe schaltet sich hart und präzise, während für das dünne, kleine Holzlenkrad durchaus Männerarme notwendig sind. Hier wird man nicht von ungezählten Servomotoren umschmeichelt, hier muss man noch ein bisschen selbst arbeiten. Aber das macht man gern. Italienische Autos haben nie so richtig mein Herz erobern können, vielleicht vor allem, weil ich sie mir nie leisten konnte. Auch der Iso Grifo ist finanziell jenseits von allem Machbaren, was mir in den kommenden 20 Jahren so passieren wird, aber er ist anders. Es ist nicht seine Seltenheit. Es ist seine Form. Und wohl die Tatsache, dass diese Form eine der ersten ist, an die ich mich in der Sandkiste erinnern kann. Fahrer und Beifahrer sitzen gefühlt direkt auf der Straße, hart aber trotzdem komfortabel – wie es sich für einen klassischen GT gehört. Schulterblick – hinter den Sitzen kauert eine knappe Notsitz-Bank, gerade einmal geeignet für einen Maxi Cosy und eine Kiste Bier. Aber er ist immerhin ist es kein reiner Zweisitzer, das könnte als Argument für den jungen Familienvater von Bedeutung sein.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Zur Not ist auch hier noch Platz

Trotz der dominierenden Heckscheibe, die formvollendet in der Kofferraumklappe zwischen den Rücklichtern ausläuft, wirkt das Auto unübersichtlich. Die Karosserieüberhänge sind zu elegant, die Seitenscheiben zu schmal und die Art, wie der Wagen seinen Fahrer umschließt, einfach zu passgenau. Über uns der Himmel, fischgrätenähnlich gelocht und makellos. Meine Augen haben Mühe, den Blick nach oben scharf zu stellen, kennen Sie das auch? Wenn man nach oben guckt ist in diesen gelochten Himmeln alles irgendwie leicht psychedelisch unscharf. Aber die Aussicht über die lüsterne Motorhaube und die “Penthouse”-Hutze ist sowieso wesentlich attraktiver 8-) Der Blick sollte also nach vorn gehen, so oder so. Und die Ohren auch.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Auf die Hutze, darunter ist der Himmel

Ich kann lediglich ahnen, dass dieses Kraftpaket made in Italy mit dem Herzen made in U.S.A. weniger als sechs Sekunden für den Sprint auf 100 km/h benötigt und der Vortrieb irgendwo erst weit hinter echten 270 km/h aufhört. Wir können das hier nicht ausfahren, aber der Grifo flüstert es mir, grummelt es mir über den Nacken, bollert es mir durch den Rücken. Ich lasse den V8 noch einmal aufbrausen, bevor ich den Schlüssel drehe und zur Besichtigung nach vorn gehe. ROOAAARRRRR bullerbullerbuller. Ja, der kann das, daran besteht kein Zweifel.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

8 Töpfe für ein Halleluja

Ich schäle mich aus dem Sitz und gehe noch einmal um den Hybriden herum, der raubkatzengleich auf dem Schotterplatz kauert. Meine rechte Hand umgreift unbemerkt das kleine, blaue Spielzeug in meiner Hosentasche. Ich habe den Auslöser dieses Treffens dabei. Schauen Sie sich diese Doppelscheinwerfer in dem gitterähnlichen Grill an. Die Lufteinlässe an den Flanken, die perfekten Proportionen von Reifengröße und Gürtellinie. Die Art, wie diese unglaubliche Dachform nach hinten ausläuft und in einer konkaven Heckblende endet, als hätte ein verliebter Maler mit präzisem Daumen seinem Gesamtwerk noch einen letzten Schliff gegeben… Das Heck ist für mich eins der schönsten in der Geschichte des Automobils. Konkav mag ich ja ohnehin. Mein Granada Coupé hat auch ein konkaves Heck. Er fehlt mir plötzlich. Ich fühle mich, als würde ich fremdgehen. Und es fühlt sich geil an.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Dieser ARSCH. Ich liebe ihn.

Am Himmel über Dortmund brauen sich kontrastreiche Regenwolken zusammen. Das ist toll für die Fotos, aber doof für dieses Auto. Regen soll es nach Möglichkeit nicht auf den Lack bekommen – ich muss schweren Herzens wieder Abschied nehmen. Und ich hab ja auch noch den ganzen Rückweg vor mir. Ciao, Iso. Ab in die Garage zu dem Bizzarrini.
Als auf der Autobahn zurück in den Norden die ersten, dicken Tropfen auf die Scheibe meines Kombis klatschen, kommt mir der eben gefahrene Italiener irgendwie schon wie eine Fata Morgana vor. Bin ich gerade wirklich in einem Iso Grifo gefahren? Krass. Ich ziehe auf den nächsten Rastplatz, kaufe mir irgendwas sehr ungesundes zu Essen und gucke auf dem Kameradisplay die Bilder durch. Tatsächlich. Ich hab’s getan. Und ich bin mir sicher: Es hat nach dem Aus für Iso Rivolta 1974 nie wieder so ein Auto gegeben. All seine zeitlosen, wegweisenden Details hatten schon als Matchbox-Auto Spuren in meinem Kopf hinterlassen, haben sich eingebrannt. Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit. Und ich bin stocknüchtern.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ich sitze drin. Ich sitze drin!!!

Hallo Alltag. Hallo Kiel. Ich schreib dann mal meinen Artikel, während vor den Fenstern draußen graue Kleinwagen vorbeifahren. In der Mitte des Lebens habe ich ein kleines Geheimnis aus der Sandkiste gelüftet. Man sollte sich viel öfter vornehmen, endlich mal die Karren selbst zu fahren, mit denen man schon in den 70ern durch Omas Gemüsebeete geballert ist.
Es kann nicht nur an den vermeintlich sorglosen Jahren der Kindheit liegen, dass ich das Gefühl habe, heute dem mit Abstand schönsten Auto der Welt begegnet zu sein.

Sandmann

ISO GRIFO 7 LITRI SERIE 1, 1969
Motor: V8, GM Corvette Big Block
Hubraum: 6.998 ccm
Leistung: 400 SAE-PS bei 5.200/min
Drehmoment: 630 Nm bei 3.600/min
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 270 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100: weniger als 6 s
Getriebe: Fünfgangschaltung von ZF
Antrieb: Hinterrad auf DeDion-Achse
Länge: 4.430 mm
Breite: 1.770 mm
Höhe: 1.220 mm
Gewicht: 1.400 kg
Bereifung: 225×15
Stückzahl: 412 (7-l-Version ca. 50)

Fotos: Jens Tanz
Originalartikel auf TRÄUME WAGEN
www.IsoRegistry.com

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Created Donnerstag, 22. Januar 2015 Tags 7 Litri | bertone | Giugiaro | Iso Grifo | Iso Rivolta | Penthouse | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz