Current Article

06 Jun 2012

Ewig die Schöne – Borgward Isabella Coupé

Vor mehr als 50 Jahren betörte ein Auto aus Bremen sowohl Experten als auch Laien: Das Borgward Isabella Coupé gilt auch noch heute als elegantestes deutsches Nachkriegsauto. Träume Wagen setzte sich an den Bakelitkranz einer solchen vornehmen alten Dame.

Formen und Chrom im Überfluss

Formen und Chrom im Überfluss

Text: Roland Löwisch

Frauen umgeben sich gerne mit den besonderen, persönliche Atmosphäre ausstrahlenden Annehmlichkeiten des Lebens. Sie fühlen sich wohl in einem Coupé, das Eleganz, Temperament, und Sicherheit harmonisch vereint. Formen und Farben begeistern, komfortable Behaglichkeit verwöhnt, Gediegenheit der motorischen Kraft erweckt spontane Sympathie…
Kaum zu glauben, aber wahr: 1957 hofften die Werbestrategen, mit diesen schwülstigen Sätzen Autos abzusetzen. Am liebsten sogar an Frauen. Da kommen doch tatsächlich Gedanken an “Sekretärinnen-Porsche” auf.

HIER geht es zum Artikel auf TRÄUME WAGEN

Original: Sandmanns Welt

Created Mittwoch, 06. Juni 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags Borgward | borgward isabella | Bremen | classic | Coupé | experten | Isabella | Klassiker | oldtimer | rte | TRÄUME WAGEN | Wertanlage
Permalink

Mehr aus der Kategorie : Timeline

27 Jan 2015

2015 SEAT Ibiza SUN Sondermodell

2015 SEAT Ibiza SUN Sondermodell

Die spanische Volkswagentochter SEAT präsentiert zum Jahresanfang 2015 eine Sonnen-Sondermodellreihe mit kundenfreundlichen Preisvorteilen. Neben dem SEAT Mii, dem SEAT Toledo, dem SEAT Altea und dem SEAT Alhambra wird es auch vom Kleinwagen und Bestseller SEAT Ibiza ein preisreduziertes SUN Sondermodell für alle drei Karosserievarianten geben.

Beim Kauf eines SEAT Ibiza SUN erhält den Kunde nicht nur einen Preisvorteil von 1.290 Euro, er profitiert auch noch von 1.535 Euro “Sonnenrabatt”. Das SEAT Ibiza Einstiegsmodell beispielsweise, also der SEAT Ibiza SC SUN 1.2 12V mit 70 PS kostet aktuell laut SEAT-Preisliste 13.990 Euro. Abzüglich des Sonnenrabatts in Höhe von 1.535 Euro reduziert sich der Basispreis auf auf 12.455 Euro.

Das Ibiza SUN Sondermodell basiert auf der Style Ausstattungslinie und verfügt damit serienmäßig über eine Klimaanlage, Alufelgen und ein Lederlenkrad. Weitere im Basispreis inkludierte Ausstattungsmerkmale sind u.a. ein Audiosystem mit Bedienungssatellit am Lenkrad, die Coming-Home-Funktion, das Dauerfahrlicht, die elektrisch anklappbaren Außenspiegel, ein Tempomat, ein automatisch abblendender Innenspiegel, die Licht-an-Automatik, wie auch Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht, ein Regensensor und das „SUN“ Schlüsselcover.

Am meisten sparen kann allerdings der potentielle SEAT Altea Kunde. Hier können aktuell bis 6.000 Euro gegenüber einem vergleichbaren Modell eingespart werden.

Wer gerade finanziell klamm ist und trotzdem sparen will, der profitiert zusätzlich zum Preisvorteil und zum Sonnenrabatt. SEAT bietet für die SUN Sondermodelle eine Finanzierung mit null Zinsen und null Anzahlung an. Den Ibiza SC SUN 1.2 12V mit 70 PS zahlt man so monatlich bei einer Kreditlaufzeit von 60 Monaten 109 Euro monatlich.

Original http://auto-geil.de/2015/01/27/2015-seat-ibiza-sun-sondermodell/

Created Dienstag, 27. Januar 2015 Tags 2015 SEAT Ibiza SUN | 2015 SEAT Ibiza SUN Sondermodell | allgemein | Ausstattung | Ibiza | Preis | SEAT | SUN Document type Article
Categories Timeline Author Jan Gleitsmann
27 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Out of Order

Ich mache mit oft Gedanken: Wieviel von meinem Leben verrate ich im Fusselblog? Denn eigentlich soll es hier nur um eines gehen: Autos.

Mit wem ich wann einen trinken gehe z.B. geht den Fusselblog nichts an, es sei denn, es steht in direktem Zusammenhang mit dem Hobby. Genauso ist es mit meiner Gesundheit. Am Sonntag telefonierte ich mit einem Freund aus dem Hobby und er fragte mich, warum gerade so spärlich Beiträge im Blog erscheinen. Nun, das liegt einfach daran, dass ich gerade nicht in die Werkstatt fahren kann - ich bin quasi out of order.

Ich habe keine Ahnung, wie ich mir das zugezogen habe, aber ich habe eine Gelenkentzündung im rechten Fußgelenk.

Schiene

Bedeutet, mein Fuß ist gerade geschient, ich gehe auf Krücken. So kann ich natürlich nicht Autofahren geschweige denn vernünftig schrauben.

Keine Angst, ich bin auf dem Weg der Besserung und ich bin hart im Nehmen. Ab und an spielt unsere Gesundheit uns eben einen Streich. Und da muss man eben Prioritäten setzen. Wenn der Fuß wieder in Ordnung ist, geht´s wieder in die Werkstatthölle. Ich will den EuroHotRod auf die Techno Classica stellen. Und da sollen wieder Fortschritte zu sehen sein gegenüber der Ausbaustufe zur Automechanika. Zur Tuning World Bodensee habe ich mich mit ihm auch beworben. Da bin ich gespannt, ob ich ihn da ausstellen kann.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Werkstatt/out-of-order

26 Jan 2015

2014 BMW X5 xDrive40d (F15) – Video und Fakten

2014-BMW-X5


2014 BMW X5 xDrive40d auf Youtube ansehen

 

Die Geschichte:
Der BMW X5 läuft, so wie seine X-Kollegen auch (bis auf X1) im Werk in Spartanburg, South Carolina. 1999 rollte da erstmals also der X5 vom Band. Es folgten die zweite Produktgeneration in 2006 sowie die dritte in 2013. Zu seinen Mitbewerbern könnten Porsche Cayenne, VW Touareg oder der Audi Q7 gehören. Wir haben für euch die aktuelle Variante in Form eines 2014 BMW X5 xDrive 40d (F15), um genau zu sein, getestet.

 

Der Eindruck:
Das “Schiff”, wie wir es gern genannt haben, hat uns Stadtbewohnern zuweilen etwas Probleme bereitet: Erst einmal musste ein Parkplatz gefunden werden, und dann konnte es durchaus sein, dass die Lücke quasi zu kurz war – es ist halt wirklich ein großes Auto. Dafür lässt es sich gut rangieren, die Lenkung ist in diesem Zusammenhang sehr zufriedenstellend. Je schneller man wird, desto mehr verhärtet sie sich. Dennoch hatten wir bei Autobahnfahrten zuweilen ein “eiriges” Gefühl im Comfort-Modus, deshalb haben wir da lieber in Sport geschaltet. Gleiches gilt auch für das Fahrwerk – im Sport-Modus bei höheren Geschwindigkeiten gab es uns einfach ein sichereres Gefühl.

Bis 180 km/h gestaltet sich das Fahren als recht entspannt, darüber hinaus wird es anstrengend. Übrigens nicht etwa wegen der Windgeräusche, die ab 140 km/h einsetzen und interessanterweise nicht lauter werden, je schneller man fährt, sondern weil man im Prinzip mit einer Schrankwand daherprescht – das ist einfach ein Fahrgefühl, dass jetzt nicht so viel Fahrspaß repräsentiert. Die Achtgang-Automatik ist sehr unauffällig, schaltet je nach Modus eben deutlich schneller oder langsamer.

Top funktioniert hat die Schildererkennung, richtig top finden wir das Head-up-Display von BMW. Die verschiedenen Farben – quasi Tag- und Nacht-Modus, die Darstellung der Informationen und die Schärfe der Projektion sind sehr überzeugend. Was wir schmerzlich vermisst haben, ist eine 360-Grad-Rückfahrkamera und ein Totwinkelwarner. Gerade letzterer sollte doch mittlerweile zum Standard-, also Serienprogramm bei Premiumherstellern gehören.
Leidiges Thema – der Verbrauch. Nach mehr als 2300 Kilometern im Eco Pro-Modus und bei vorzugsweise 130 km/h standen 9 Liter auf der Uhr. Laut NEFZ sind 6 Liter möglich. Einerseits deutlich drüber, andererseits aber in Anbetracht der Ausmaße und des Gewichts ist es noch so gerade eben akzeptabel.

Grundsätzlich waren wir also vom X5 xDrive 40d angetan: massig Platz, bequemes Reisen, ein wenig “King-of-the-Road-Gefühl. Abstriche gibt es vor allem in Sachen Parkplatzsuche und -passgenauigkeit sowie in Sachen Heck (-klappe). Muss das so sein, mit dieser Zweiteilung? Und jeder, der nicht gerade riesig, also über 1,80 Meter groß ist, hat wirklich Probleme, das Ladegut im Kofferraum zu erreichen, wenn es mal weiter nach hinten gerutscht ist. Auch das Hineinhieven an sich ist aufgrund der sehr hohen Ladekante nicht ohne.

 

Die Fakten:
Unter der Haube vom 2014 BMW X5 findet man z.B. den, Achtung: 3-Liter-BMW-TwinPower-Turbo-Reihen-6-Zylinder-Dieselmotor mit einer Leistung von 313 PS (230 kw) und einem maximalen Drehmoment von 630, das bei 1500-2500 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht.
Von 0 auf 100 km/h beschleunigt unser BMW X5 xdrive40d innerhalb von 5.9 Sekunden. Der Vortrieb endet bei 236 km/h.
Der BMW ist 4.89 m lang, 1.76 m hoch und von Aussenspiegel zu Aussenspiegel 2.18 m breit. Der Radstand beträgt 2.93 m und der Wendekreis 12.7 Meter.

Die maximale Zuladung liegt bei 715 kg, das zulässige Gesamtgewicht beträgt 2825 kg. Die Dachlast wird vom Hersteller mit 100 kg angegeben. In den Kofferraum vom 2014 BMW x5 xdrive40d passen 650 Liter (bei umgeklappter Rückbank sind es 1870 Liter). Die maximale Anhängelast beträgt ganze 3.5 Tonnen.

BMW gibt den kombinierten NEFZ-Verbrauch mit 6 Litern auf 100 km an. Dank des 85 Liter großen Tanks sind rein rechnerisch Reichweiten von 1410 Kilometer möglich.
Der Basispreis vom 2014 BMW X5 liegt bei 54.050 Euro, je nach Ausstattung kann man diesen Wert natürlich auch nach oben schrauben.

AUSFAHRT-TV

Bericht zum 2014 BMW X5 xDrive40d auf auto-geil.de

Bericht zum 2014 BMW X5 xDrive40d auf rad-ab.com

Bericht zum 2014 BMW X5 xDrive40d auf sarah-sauer.de

Original http://ausfahrt.tv/2014-bmw-x5-xdrive40d-f15-video-und-fakten/

26 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Vorankündigung: Hallengrillen Zwanzigfünfzehn

Hallengrillen 2015

Ich weiß, es sind noch ein paar Tage hin bis zum Mai, aber wer seine Wochenenden aufteilt, ist sicherlich nicht böse dafür, wenn er einen Termin frühzeitig erfährt. Deshalb lege ich schon jetzt den Termin für mein traditionelles Hallengrillen schon im Januar fest:

Samstag, den 16.05.2015

Bereits zum achten Mal lade ich ein in meiner Werkstatthölle einen gemneinsamen Abend zu verbringen. Ich stellen einen großen Grill, versuche vorher etwas aufzuräumen und jeder Blogleser kann vorkommen. Ab Nachmittag ist die Werkstatt offen, gegen Abend wird gegrillt. Ob, wann wer kommt ist jedem selber überlassen. Es ist kein Autotreffen, es gibt keine Parkplätze.Nebenbei habe ich am Vortag Geburtstag, Ihr müsst aber keine Geschenke mitbringen. Staubfänger habe ich genug. Sorgt lieber dafür, dass genug Getränke und Speisen für Euch selbst dabei sind.

Also notiert Euch schon mal den Termin, gegrillt wird egal ob wir 5 oder 200 sind. Egal wie das Wetter ist etc.

Die Werkstatthölle ist in der Umgebung von Mainz, den genauen Ort bekommt Ihr nur per Mail, weil man Adressen von Schrauberwerkstätten nicht veröffentlichen. Und die Wiederholungstäter wissen es eh.

Ich bin gespannt, wer dieses Jahr den Weg finden wird...

Für die FB Junkies: Die Veranstaltung auf Facebook.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Werkstatt/vorankuendigung-hallengrillen-zwanzigfuenfzehn

26 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Schön und gut, Fahrbericht Honda CR-V 2109

Fahrbericht Honda CR-V

Honda bietet den überarbeiteten CR-V neu mit einem 1600er-Diesel und Neunstufenautomatik an. Wir sind den 160-Pferder gefahren.

Der japanische Hersteller mochte uns in den letzten Jahren nicht besonders. Keine Einladungen zu Testfahrten, keine Testwagen - wir existierten für Honda nicht. Nun durften wir zumindest mal ein Facelift fahren. Den überarbeiteten CR-V mit dem neuen 1,6-Liter grossen Dieseltriebwerk. Wie wir zu dieser Ehre gekommen sind? Keine Ahnung. Ist letztlich auch egal. Sicher ist, dass Honda den CR-V stetig verbessert hat. Auch wenn die neuste Überarbeitung eher Detailarbeit war. Auch wenn wir ein paar der CR-V-Vorgänger nicht gefahren sind ist schon nach den ersten Metern klar: der neue CR-V kann alles, was so ein SUV heute so können muss. Will heissen: genügend grosses Raumangebot, grössere Übersicht wegen der leicht erhöhten Sitzposition und je nach Wunsch Vorder- oder Allradantrieb. Nach wie vor ein Highlight ist das System der Rückbank. «Easy-fold-down» nennt es sich und lässt mit nur einem einzigen Handgriff den CR-V von fünfsitzigen SUV zum Kleintransporter mutieren. Das Ladevolumen erweitert sich durch das Umklappen der Rücksitze von 589 auf bis zu 1669 Liter. Neu ist auch auch das Multimediasystem Honda Connect. Es basiert auf  Android 4.0.4  und ermöglicht die vom Smartphone bekannten Multi-Touchscreen-Bedienfunktionen. Der 7-Zoll-Bildschirm lässt sich individuell auf die Vorlieben des Benutzers anpassen. Wir als alte Apfel-User fanden das System - brauchbar. Aber das soll jeder für sich entscheiden.Schön und gut, Fahrbericht Honda CR-V 2109
Kommen wir zur grössten Neuheit, dem 1600er-Diesel in Kombination mit der Neunstufenautomatik. Wir sind ja nach wie vor nicht überzeugt davon, dass es so viele Gänge braucht. Aber es wird halt alles versucht, den CO2-Ausstoss zu reduzieren und dafür sind mehr Gänge und damit einhergehend eine grössere Spreizung der Gänge offenbar unumgänglich. Das Getriebe funktioniert prima, schaltet weich und verfällt auch nicht in unnötige Hektik so lange man den CR-V so bewegt, wie man ein SUV so bewegt. Will man es am Berg aber mal wissen, ja dann kommt das Bauteil ganz schön in Schwitzen. Immerhin kann man via Schaltwippen auch manuell eingreifen, das hilft, insbesondere bei langen Fahrten bergab.
Der kleine Diesel macht seine Sache hervorragend. Die 160 PS reichen aus, um den gut 1,6 Tonnen schweren Honda ordentlich in Schwung zu bringen. Dazu gibts ein maximales Drehmoment von 350 Nm - schon beachtliche Zahlen für einen so kleinen Motor. Wie bei Honda üblich arbeitet der Selbstzünder recht leise. Vielleicht sogar zu leise, denn uns sind bei höheren Tempi recht unangenehme Windgeräusche aufgefallen. Ein lauter Diesel hätte die überdeckt. Honda nennt für das 460 cm lange Auto einen Durchschnittsverbrauch von 4,9 L/1200 km mit der 17-Zoll-Bereifung. Das mag im Labor stimmen, im echten Leben dürften es aber eher 5,8 Liter sein, dies vermeldete jedenfalls der Bordcomputer nach 100 km ruhiger Fahrt rund um Barcelona. Wir finden das Gesamtpaket des CR-V nach wie vor stimmig auch wenn die Konkurrenz in diesem Segment nicht kleiner wird. Preise wurden allerdings noch keine genannt, das neue Modell soll aber nicht teurer sein als bisher. Was bedeutet, dass man einen CR-V ab etwa 25'900 Franken geben wird (2,0-L-Benziner mit Vorderradantrieb). Der neue Motor in Verbindung mit 4x4 und Automatik wird in etwa so viel kosten wie die bisherige 2,2-Liter-Variante, welche aus dem Programm fällt. Also um die 39'000 Franken.
Mehr Honda gibts im Archiv.

Schön und gut, Fahrbericht Honda CR-V 2109

Text: Cha, Fotos: Werk.

Schön und gut, Fahrbericht Honda CR-V 2109

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/fahrbericht-honda-cr-v-2109/seite_1-2

Anzeige
Webhosting by Speicherzentrum.de
 
25 Jan 2015

Modernes Design und innovative Technik: Der neue Audi TT

Seit Herbst 2014 steht mit dem neuen Audi TT die dritte Generation des wendigen Sportwagens bei den Händlern. Im Vergleich zu seinen Vorgängern kommt der als Coupé und Roadster angebotene Flitzer mit kantigeren Formen und einigen interessanten Innovationen daher. Bei alldem ist der neue TT aber kein Leisetreter.

Breiter, flacher, kantiger

Der neue Audi TT ist ein Hingucker: Breiter, flacher und kantiger als sein Vorgänger fällt der Sportwagen zuallererst durch seine optische Präsenz auf. Sowohl die Scheinwerfer als auch die LED-Rückleuchten sind flächiger gestaltet, das vordere Audi-Logo mit den vier Ringen wanderte vom weiterhin ansprechend geformten Single-Frame-Kühlergrill auf die Motorhaube. Gefertigt in einer modernen Aluminium-Stahl-Mischbauweise spart das nun 4,18 Meter lange Auto rund 50 Kilogramm Gewicht gegenüber seinem Vorgänger. Der Radstand wuchs um 37 Millimeter auf jetzt 2.505 Millimeter, was sich an den auffallend kurzen Überhängen an Front und Heck bemerkbar macht.

Weiterhin ein beliebtes Markenzeichen des Audi TT ist der ausfahrbare Spoiler, welcher sich beim Erreichen einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern aus der Heckklappe erhebt und dem Fahrzeug nicht nur eine bessere Bodenhaftung beschwert, sondern - vor allem in Kombination mit den beiden runden Auspuff-Endrohren - sehr zum sportlichen Erscheinungsbild beiträgt.


Mit virtuellem Cockpit



Ein echtes Highlight des neuen Audi TT ist das sogenannte "Virtual Cockpit". Dieses hochmoderne und volldigitale Kombiinstrument mit einer Diagonale von stolzen 12,3 Zoll ersetzt den bisherigen zentralen MMI-Monitor und stellt sämtliche Informationen zum Fahrzeugzustand dar. Je nach persönlicher Vorliebe kann zwischen zwei unterschiedlichen Anzeigemodi gewählt werden. Bei der klassischen Ansicht werden dabei sowohl Tachometer als auch Drehzahlmesser in Rundinstrumentenform dargestellt, in der "Infotainment"-Ansicht hingegen steht die Karte des Navigationssystems im Vordergrund. So gut wie alle Funktionen lassen sich dabei vom Multifunktionslenkrad aus steuern.




Kein Sparfuchs



Fakt ist: Der neue Audi TT ist nichts für schmale Geldbeutel. Abgesehen vom hohen Anschaffungspreis ab 35.000 EUR, gehört der kräftige Bolide weder in Sachen Verbrauch zu den sparsamsten Fahrzeugen, noch bewegen sich die Kosten für Reparaturen und Ersatzteile im Niedrigpreissegment. Wer hier nach einem Unfall ohne Beteiligung der Versicherung selbst reparieren lassen will, muss tief in die Tasche greifen. Allerdings können die mitunter fast unverschämt anmutenden Preise der Vertragswerkstätten durch den Ersatzteilkauf über den Versandhandel geschickt umgangen und die Reparaturkosten damit nicht selten beachtlich gesenkt werden. Die auf diesem Weg erworbenen Autoteile können dann ruhigen Gewissens dem Werkstattmeister mit der Bitte um weitere Veranlassung in die Hand gedrückt werden. Längst wissen auch die letzten Autohäuser, dass die Kunden nicht bereit sind, für die benötigten Teile jeden Preis zu zahlen. Die Handelsspanne ist immens und macht es daher möglich, Original-Teile in einem Online Shop so wie bei teileshop.de/auto/audi günstig zu ordern.




Starke Leistung unter der Haube



Die Antriebspalette des neuen Audi TT setzt sich in erster Linie aus drei Vierzylinder-Turbomotoren zusammen, zu denen sich ein 2.0 Liter TDI mit reichlich 184 PS und einem Drehmoment von 380 Newtonmetern gesellt. Mit diesem Aggregat vermag der Fronttriebler in 7,2 Sekunden die 100 km/h-Marke zu erreichen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt hier bei 235 Stundenkilometern. Mit den Vierzylindern, die eine Leistung zwischen 230 und 310 PS erzeugen, ist der neue TT bereits in 4,7 Sekunden auf 100 (Modellvariante TTS). Abgeriegelt wird hier bei 250 km/h.

The post Modernes Design und innovative Technik: Der neue Audi TT appeared first on Audi 100 Coupe S MrsOrangina.

Original http://www.coupe-s.de/blog/modernes-design-und-innovative-technik-der-neue-audi-tt

Created Sonntag, 25. Januar 2015 Tags blog Document type Video
Categories Timeline Author Michael Peschel
23 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Ralf Becker  

2012 General Tire Mint 400

2012 General Tire Mint 400

The General Tire Mint 400 is the roughest, most spectacular off-road race in North America! Started in 1976, The Mint is steeped in American lore as thousands of racers as well as celebrities from around the world have attempted to tame the brutal Nevada desert. The 2012 Mint 400 was an epic battle between some of the top off-road racers in the world in twenty-five different classes of vehicles. Shot entirely in HD by the largest, most experienced film production crew in off-road, The Mint features stunning cinematography, captured in some of the most remote spots on the racecourse. Witness the bumper-to-bumper battling from helicopter, feel the power of these incredible vehicles from the passenger seat, watch as racers fall away, embroiled in the agony of defeat, and share in the glory of victory! ...This is The 2012 General Tire Mint 400.

Actors - Cameron Steele, Mikey Childress and Kent Kroeker

Director - The Martelli Brothers

Producers - Mad Media, Travis Roffler
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/2012_General_Tire_Mint_400.html

23 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Der Teufel im Detail, Oldsmobile 442 W-30 Cabrio-1836

Oldsmobile 442 W-30 Cabrio

Der Europäer sieht in diesem Oldsmobile-Cabrio einfach einen dicken Ami-Schlitten. Für einen Kenner war dieser 71er 442 W-30 als Cabrio über 100'000 Dollar wert sein.

Was da in den vergangenen Jahren in den USA mit dem amerikanischen Fahrzeugen passiert ist, mutet für Europäer seltsam an. Da werden für Corvette fast 4 Millionen Dollar bezahlt - und das nur deswegen, weil dieser 67er Stingray eine ganz spezielle Konfiguration von Motor und Getriebe hatte, als L88 bezeichnet, und nur gerade 20 Stück davon gebaut wurden.
So ähnlich ist das mit dem hier gezeigte Oldsmobile 442 Cabrio aus dem Jahre 1971. Zuerst einmal war 1971 der letzte Jahrgang der richtigen bösen Muscle Cars bei Oldsmobile, nie wieder danach war es so schön wie zwischen 1964 und 1971. Dieser 442 verfügt über den so genannten «Dr. Oldsmobile»-Motor, logischerweise ein V8, aber mit sagenhaften 7,5 Liter Hubraum. Dazu kam dann noch die Option mit der Bezeichnung W-30, da gab sich sich das Werk ein bisschen mehr Mühe bei der Fertigung der Maschine, nur die besten Teile. Als W-30 hatte der 442 offiziell 350 PS, doch das nur deshalb, weil damals erste Diskussionen um den Benzinverbrauch und PS-Exzesse und Verkehrssicherheit aufkamen; man darf davon ausgehen, dass es eher so gegen 500 Pferdchen sind. Dies nun kombiniert mit dem manuellen 4-Gang-Getriebe von Muncie - und schon hatte man eines der schnellsten Cabrios des Jahres.Oldsmobile 442 W-30 Cabrio
Dieses Exemplar hat dann noch einige andere Optionen, die für Normalsterbliche wie eine Fremdsprache tönen, dem Freak aber die Freudentränen in die Augen treiben: Hurst-Schaltgestänge, die Heavy-Duty-Positraction-Hinterachse (3,73:1 - machte den Olds aber ein bisschen langsamer im Sprint als das extrem kurz übersetzte Muncie-Original, 3,42:1), eine W27-Hinterachsabdeckung, die «Rocket Rally»-Armaturen, die «Tic-Toc-Tach»-Sicherheitsgurten. Noch Fragen?
Nur gerade 32 Exemplare des 442 W-30 mit manuellem Getriebe wurden als Cabrio gebaut - und schon ist auch der exorbitante Preis erklärt, den so ein Fahrzeug kostet. RM Auctions erwartete am vergangenen Wochenende den Zuschlag zwar frühstens bei 200'000 Dollar, doch die erreichten 112'500 Dollar sind so schlecht nicht.
Mehr schöne Klassiker gibt es im Archiv.

Oldsmobile 442 W-30 Cabrio
Oldsmobile 442 W-30 Cabrio

Original http://www.radical-mag.com/youngtimer/oldsmobile-442-w-30-cabrio-1836/seite_1-2

22 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108

Fahrbericht Ford Focus ST

Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108

Bald erblickt der superscharfe Ford Focus RS das Licht der Welt. Zuvor hat Ford aber dem Focus ST ein Facelift angedeihen lassen. Und, ihm neben dem 250-PS-Benziner auch noch einen einigermassen scharfen Dieselmotor spendiert. Und das alles zu sehr, sehr konkurrenzfähigen Preisen. Mindestens 37'050 Franken sind für den ST als Fünftürer fällig, und dies erst noch ohne den Abzug der derzeit wieder grassierenden Euro-Prämien. Das ist ein Wort. Vor allem auch, wenn man zur Konkurrenz blickt. So will Seat für den Leon Cupra mit 265 PS 38'350 Franken, VW für den Golf GTI Performance mit 230 PS mindestens 42'550 Franken. Auch hier, alle Preise ohne die zahllosen Boni. Und, auf den Golf werden wir später noch zu sprechen kommen.

Doch erst fahren wir mit dem Focus und zwar mit dem Benziner. Der hat natürlich nicht mehr den legendären Fünfzylinder-Turbo von Volvo unter der Haube sondern einen Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum. Allerdings scheinen die Ingenieure den Fünfender zu vermissen. Jedenfalls wurde der Soundgenerator, welcher für eine sportliche Akustik im Innenraum sorgen soll, sehr nahe an den Fünfzylindersound geführt. Allerdings stören uns diese synthetisch erzeugten Klänge mehr, als sie uns erfreuen. Aber die Kunden werden es wohl so wollen. Sagt zumindest Ford. Dann wirds schon stimmen. Nach den ersten Kilometern vermissen wir den Fünfzylinder unter der Haube nicht wirklich, denn der Vierzylinder mit 250 PS macht seine Sache richtig gut. Ganz besonders das Ansprechverhalten des Motors ist trotz des mächtigen Turboladers sehr gut. Klar braucht er ein paar Momente, bis die Luft vom Luftfilter durch den Lader und den Ladeluftkühler geblasen wird. Aber mit dem kleineren Motor reagiert das Triebwerk deutlich schneller auf Befehle des Fahrers als dies beim Fünfzylinder der Fall war. 6,5 Sekunden nennt Ford als Wert für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h. Das kann sich genauso sehen lassen wie der Topspeed von 248 km/h.

Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108
Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108

All die Power nützt aber wenig, wenn das Fahrwerk und die Bremsen da nicht mitspielen. Tun sie aber, zumindest auf öffentlichen Strassen. Die Federwege sind lang genug, um auch üble Strassen in Spanien zu verdauen. Nicht so hart, dass man nach einem scharfen Ritt den Dentaltechniker aufsuchen muss. Aber auch nicht so weich, dass sich die Fuhre eher wie eine Rheinfähre anfühlt. Den Mix aus Sportlichkeit und Komfort konnten sie beim Focus schon immer, daran hat sich auch bei der neusten Version nichts geändert. Gleiches gilt für die Lenkung die feinfühlig reagiert. Alles wunderbar auf den Strassenbetrieb abgestimmt. Denn das Tracktool wird Focus RS heissen, also hat man beim ST alles richtig gemacht. Jedenfalls beim Fünftürer. Denn den ST gibt es ja auch als Kombi. Und der war irgendwie nicht so harmonisch. Wir haben in der kürze der Zeit nicht genau herausgefunden, an was es liegt. Klar, der Kombi ist ein paar Kilo schwerer, aber das allein kann es nicht sein.

Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108
Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108
Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108
Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108
Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108

Irgendwie liegt der «Turnier» einfach nicht so satt auf der Strasse wie der Fünftürer. Man merkt, wir müssen schon etwas nach Kritikpunkten suchen, denn in Sachen Fahrdynamik ist der Focus ST echt ein feines Auto. Im Innenraum gibts es feine Sportsitze, dazu eine etwas billig anmutenden Dreier-Kombi an Zusatzinstrumenten in der Mitte des Armaturenbretts. Ach ja, Alu-Pedale natürlich. Und dann selbstverständlich alle Sicherheits- und Assistenzsysteme, die ein Focus so zu bieten hat. Zudem ein Sportmodus fürs ESP, welches vor allem den Eingriff der Traktionskontrolle unterbindet. Ja, Traktion, das ist so ein Thema. Und damit sind wir wieder beim Golf GTI Performance. Dieser hat nämlich ein mechanisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse. Das gibts beim Focus werder gegen Geld noch gegen gute Worte. Und weil maximal 400 Nm auf die Vorderräder wirken geht öfters ein grösserer Tiel des Vortriebs in Rauch auf. Also natürlich nur, wenn man es sehr eilig hat. Aber, hier ist der Focus gegenüber den Modellen von VW oder Seat (Leon Cupra mit 280 PS) klar im Nachteil. Ansonsten aber hat das Facelift dem Focus ST richtig gut getan. Auch weil man den Verbrauch - zumindest im EU-Zyklus - senken konnte. 6,8 L/100 km soll der ST nun verbrauchen. Das mag sein. Wir können uns da noch kein Urteil bilden, jedenfalls hat unser Wagen - nicht zuletzt weil wir als Videoauto unterwegs waren - deutlich mehr geschluckt. Immerhin blieben wir unter 20 Litern... Aber wir wissen, dass sich die  EcoBoost-Motoren eher aufs Boost und weniger ans Eco verstehen. Dennoch ist der ST ein richtig schnelles, gut gemachtes und schön ausgestattetes Alltagsautomobil. Und der Preis ist heiss. 

PS: Den Diesel mit 185 PS haben wir in unserem Fahrbericht nicht erwähnt. Wieso? Es ist dieselbe Krux wie zum Beispiel mit dem Skoda Octavia RS als Diesel. Ein Vierzylinder-Selbstzünder ist einfach um Potenzen träger als ein scharfer Benziner. Und wir wollen ja vor allem von Fahrfreude berichten. Wer unbedingt Treibstoff sparen will, kann sich ja einen Kleinwagen mit Dreizylinder-Dieselmotor anschaffen.
Mehr Ford gibts im Archiv.

Gute Option, Fahrbericht Ford Focus ST 2108

Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/fahrbericht-ford-focus-st-2108/seite_1-2

22 Jan 2015

Mit diesen Modellen will Audi 2015 punkten

Zwischen 2015 und 2018 plant Audi eine komplette Überarbeitung seiner Modellpalette. Vom wendigen Kleinwagen A1 bis zum sportlichen Flitzer R8 sind für alle Baureihen Facelifts oder einschneidendere Veränderungen in der Warteschleife, mit dem Luxus-Coupé A9 und dem SUV-Coupé Q8 stellt Audi 2016 sogar zwei völlig neue Modelle in der Premiumklasse vor.

Audi Vorstellungen im ersten Halbjahr von 2015

Mit dem neuen Audi TTS setzt Audi gleich zum Start von 2015 ein Ausrufezeichen. Die Sportversion des TT verfügt über einen serienmäßig verbauten Allradantrieb mit einem Turbo-Vierzylinder, der knapp 300 PS auf die Straße bringt und pure Fahrfreude vermittelt. Ebenfalls im Jahr 2015 kommt eine neue Modellvariante des Audi TT Roadster auf den Markt. Wer mit offenem Verdeck durch die Gegend fahren und dabei keine Abstriche bei Dynamik und Leistung machen möchte, entscheidet sich für den sportlich kompakten Roadster, der dank seines Zweiliter-Diesel-Motors immerhin stolze 184 PS und 241 km/h auf den Asphalt zaubert. Im März ist das Facelift von Q3 und RS Q3 geplant. Insgesamt soll die neue Modellausführung durch horizontale Linien an der Front und am Heck breiter wirken. Anspruchsvolle Interessenten haben neuerdings die Wahl zwischen den Ausstattungslinien "design" und "sport". Wer originalgetreue Autoteile für seinen Gebrauchten sucht, wird im umfassenden Sortiment bei Versandhändlern wie z.B. teilestore.de fündig, dort finden sich auch Kfz-Teile anderer Hersteller.

Neuvorstellungen von Audi Ende 2015

Im dritten Quartal 2015 ist die Vorstellung des neuen Audi RS 3 anberaumt. Mit 367 PS bleibt das Kraftpaket zwar hinter den Erwartungen vieler Liebhaber zurück und knackt die 400 PS-Marke nicht, dennoch dürfte der kraftstrotzende Turbo-Fünfzylinder seine Fans mit anderen Argumenten überzeugen. Wer zufällig den Genfer Autosalon im März 2015 besucht, wird den brandneuen Flitzer bereits etwas früher zu Gesicht bekommen. Für Ende 2015 sind auch die Neuvorstellungen vom A5 und vom A8 geplant. Den A8 möchte der Hersteller vor allem durch mutiges Design nach vorne bringen.

Neuvorstellungen im Premium-Segment

Fans der Premium-Modellreihen Q7 und R8 fiebern wahrscheinlich bereits den Neuvorstellungen der Topmodelle des Ingolstädter Herstellers entgegen. Der neue R8 glänzt mit einem überarbeitetem Design, teilt sich neuerdings die Plattform mit dem Lamborghini Huracan und wird ab Juni 2015 produziert. Die offene Spyder-Variante folgt im Jahr 2016. Der neue R8 setzt weiterhin auf die Leichtbaustoffe Aluminium und Carbon, die den agilen Flitzer besonders leicht, dynamisch und effizient machen. Hinsichtlich der Motorisierung der Edelkarosse wird in der Fachwelt noch spekuliert, wird der bestehende V10-Motor etwa durch einen leistungsstarken Turbodiesel, wie er in ähnlicher Bauform schon erfolgreich im A8 verbaut wird, ersetzt? Denkbar wäre statt eines V8-Motors auch eine V12-Variante, die auf der Detroit Motor Show 2008 präsentiert wurde. Auf dieser Autoshow wird 2015 auch der neue Q7 vorgestellt, der deutlich abgespeckt hat und bis zu 325 Kilogramm leichter sein soll. Zusätzliche intelligente Assistenzsysteme wie Ausstiegswarner und Querverkehr-Assistent sind im neuen Q7 zwar verbaut, insgesamt wirkt das Modell jedoch schlanker. Im Premium-Segment erwartet die Autoliebhaber zum Jahreswechsel von 2015 auf 2016 ein echtes Highlight mit dem Audi A9, mit dem der Hersteller endlich seine Lücke im Hochpreissegment schließt. Darüber hinaus ist mit dem Q8 ein SUV-Coupé für 2016/2017 geplant.

Im Jahr 2015 präsentiert Audi einige Neuheiten auf dem Automobilmarkt, die die Herzen vieler Fans höher schlagen lassen. Aber auch in den Folgejahren kann man gespannt sein, wie Q8, Q6, A9 und A6 von der Fachwelt und den Verbrauchern angenommen werden.

The post Mit diesen Modellen will Audi 2015 punkten appeared first on Audi 100 Coupe S MrsOrangina.

Original http://www.coupe-s.de/blog/mit-diesen-modellen-will-audi-2015-punkten

Created Donnerstag, 22. Januar 2015 Tags audi | blog Document type Video
Categories Timeline Author Michael Peschel
 
22 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Sagenhaft. Sa - gen - haft.

Sagenhaft. Sa – gen – haft.

In der Mitte des Lebens treibt das Verhalten eines Mannes seltsame Früchte. Die einen kaufen sich einen Sportwagen und brennen mit einem jungen Huhn durch. Die anderen kaufen sich ein junges Huhn und brennen mit einem Sportwagen durch. Die dritten finden aufgrund der klarer werdenden eigenen Sterblichkeit ihren Weg in die Religion. Und ich? Ich gehöre zur vierten Kategorie. Ich beginne, mein Leben und meinen Keller aufzuräumen. Und da findet sich neben allerhand nützlichem und überflüssigem Zeugs ein kleines, blaues Auto der Marke Matchbox. Bespielt, benutzt. Meine absolute Traumkarre damals. In der Mitte des Lebens bin ich in der Lage, verrückte Sachen zu machen. Also ziehe ich los, um dieses Matchboxauto mal im Original zu fahren.

Ich will mal wieder spielen.

Ich will mal wieder spielen.

Dieses kleine, blaue, abgewetzte Spielzeug war damals der schärfste Zahn in der Sandkiste neben dem Mack Kipplaster und dem gelben Pickup, auf dem ein weißer Löwe lethargisch im Kreis wanderte, wenn man damit fuhr. Es hat endlose Highways durch Rhabarberbeete bis zum Komposthaufen gemeistert, auf den Opa immer seinen Eimer ausleerte, wenn er mal wieder einen halben Tag lang in seinem Werkzeugkeller vor sich hin gebastelt hat. Dann hat es da immer ziemlich doll gestunken, und ich bin andere Highways gefahren. Türen wurden geöffnet und geschlossen, das BROOAAARR BROMM habe ich in Ermangelung eingebauter batteriebetriebener Soundmodule selbst geknödelt. Aber nie fiel der Blick auf die informative Unterseite des Autos, denn ich konnte noch nicht so gut lesen. Da steht ja immer, was für ein gutes Stück hier im Maßstab 1:64 aus Zinkguss nachgebaut wurde.

Steigen Sie doch ein.

Steigen Sie doch ein.

Jetzt, rund 35 Jahre später, drehe ich das kleine Auto um. “No 14 ISO GRIFO”, darunter die Zeile “Made in England” und ganz unten “by Lesney”. Das war’s. Lesney. Den Laden gibt es seit 1982 nicht mehr. Und das Wörtchen “Superfast” auf der leicht verbogenen Hinterachse besagt, dass sich diese Spielzeugserie von den anderen durch besonders leicht laufende Räder unterschied. Weil die Autos von Hot Wheels auf jedem Teppich schneller waren, die britischen Ingenieure mussten also nachlegen :-) Soweit zum in Metall gegossenen Text. Aber was ist das bitte für ein sagenhaftes Auto, so formvollendet, so elegant und so verboten sexy? Ein Batmobil? Eine Erfindung der Spielzeugindustrie? Iso Grifo, das klingt wie ein Kunstname. MB präsentiert: ISO GRIFO. *bong*

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ach, steigen Sie doch bitte WIRKLICH mal ein.

Die italienische Firma Iso Rivolta tauchte im Weltbild des noch vom Krieg gebeutelten Deutschland zunächst nur inkognito auf. Jeder von Ihnen wird das zweisitzige Rollermobil kennen, was bei BMW entstanden ist: die Isetta. Der kleine Knubbel war ein Design-Meisterstück der Italiener und wurde unter diversen Lizenzen in verschiedenen Ländern gefertigt. Als Erfüllung des Nachkriegstraums der Mobilität in Deutschland von 1954 bis 1962 allein 130.000 Mal. Aber noch lange nicht alles, was dort in der Nähe von Mailand bei Iso Rivolta entstand, hatte Kleinwagencharakter. Unter Mitwirkung des ehemaligen Ferrari-Mitarbeiters Giotto Bizzarrini, der Karosserieschmiede Bertone und dessen neuem, jungen Designchef Giorgetto Giugiaro entstanden verschiedene Coupés und Limousinen im Werk von Renzo Rivolta. Nein, sie entstanden nicht, sie wurden erschaffen. Weil selbst die genialsten Konstrukteure und Designer nicht mal eben ein neues Auto auf die Räder stellen können, wurde sich – wie so oft – in den Regalen diverser anderer Hersteller bedient. Und der dann wohl bekannteste Gran Turismo aus diesem Designerkonglomerat war – der Iso Grifo.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Böser Blick ganz ohne Kamei Leiste

Ja, es gab den Iso Grifo wirklich. Das ursprüngliche Herz der italienischen Sünde war ein 5,4-Liter-V8 aus der Corvette, die Lenkung lieferte Burman, die manuellen und automatischen Getriebe kamen von Borg-Warner und ZF Friedrichshafen. Stationen der automobilen Legendenbildung, die mit dem kleinen Jungen in der Sandkiste so ungefähr ab dem Jahr 1971 diesen Planeten teilten, die mir aber ob meiner unbedingten Jugend nicht wirklich Interesse abrangen. Zwischen 1965 und 1974, also rund um meine eigene Geburt, wurden auch nur 412 Fahrzeuge gefertigt. Das schmälert die Wahrscheinlichkeit, dass ich im ländlichen Uelzen mal einen “in Echt” gesehen haben könnte, wenn auch nur aus Versehen, manchmal brennen sich ja auch zufällige Bilder im Kopf ein und kommen in den Träumen wieder hervor. Aber nee. Der war einfach zu selten. Also kommen andere Sachen in den Träumen vor, leider nicht immer so schöne wie dieses Auto, und der blaue Flitzer wich irgendwann dem Funktionsspielzeug und anderem Teenagerkram. Mädchen und so.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ich finde nur wenig Worte für dieses Auto

Ich will ihn sehen, fühlen, fahren!
Also tu ich so, wie man tut, wenn man beruflich über alte Autos schreibt und durchforste das Internet. Treffer! YAY! Im Ruhrgebiet findet sich tatsächlich ein leibhaftiger Besitzer eines Iso Grifo, der nach einem Telefonat vor allem auch bereit ist, ihn in meine vertrauensvollen Hände und vor mein Kameraauge zu legen. Dem guten Mann gehört eine der verschwenderisch kräftigen 7-Liter-Versionen der ersten Serie. Davon wurden nur 50 Stück gebaut. Sieben Liter Hubraum! Das Triebwerk ist so gewaltig, dass die Motorhaube nach oben heraus erhöht werden musste. Diese kantige Hutze wird unter den Fans liebevoll das “Penthouse” genannt.
Ich habe jetzt lange genug gewartet und bin ungeduldig, ein Termin ist schnell gemacht – ich will nicht nur träumen und mit meinem wieder aufgetauchten blauen Sandkistenauto durch das Wohnzimmer fahren, sondern ich will TRÄUME WAGEN. Ich tanke den dicken Diesel voll und rolle ins Ruhrgebiet. Vier Stunden Fahrt für ein Auto, was mich plötzlich so nervös macht wie ein Wiedersehen mit einer Exfreundin, die man 30 Jahre nicht gesehen hat.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Gegensätze ziehen sich an.

Mein Herz klopft bis zum Hals, als der charmante Besitzer das breite Garagentor unter seinem Haus aufgleiten lässt und den Blick freigibt auf einen echten und (un)fassbaren Iso Grifo 7 Litri. Daneben steht auch noch ein Bizzarrini, aber das ist eine andere Geschichte. Draußen, vor den Toren des Grundstücks in gebührendem Abstand, steht meine Alltagskarre. Nein, sie ist mir nicht peinlich, denn die hat eine Berechtigung und ist eine treue Seele. Aber eine Seele von einem anderen Planeten als dem, auf dem ich gerade stehe. Was in einer anderen Zeit in meiner Sandkiste mittelblau, rechtsgelenkt und absurderweise mit einer kleinen knubbeligen Anhängerkupplung versehen war steht hier als dunkelrote, links gelenkte, rostfreie Schönheit mit schwarzem Leder. Ohne Anhängerkupplung. Es ist wirklich dieses Auto, was in meinen Kinderhänden wie selbstverständlich neben all den anderen SIKU und MATCHBOX Karren geparkt wurde. Ich fühle mich wie beim ersten Date und stammel unprofessionellen Mist vor mich hin.

Lass es raus, V8!

Lass es raus, V8!

Das Herausrangieren des Viertelmillionen-Euro-Schatzes überlasse ich dem Besitzer, umso genussvoller lässt sich von hier aus der bassige Sound aus den beiden Auspuffrohren genießen, durch die das verbrannte Super in einem herrlichen Stakkato die Symphonie aus sieben Litern für acht Töpfe ballert. So klingt also ein Iso Grifo. Gar nicht so sehr anders als mein BROAARR BROAM von damals im Gemüsebeet. In guten Zeiten trinkt das versammelte Orchester made in USA gern mal 25 Liter, belohnt sein Publikum aber mit mindestens 630 Nm Drehmoment und ungefähr 400 SAE-PS. Das genügte in den späten 60er Jahren, um in der Liga von Ferrari und Lamborghini vergnüglich mitzuspielen. Und diese Kraft wurde für den unvorbereiteten Bürger dieser Zeit in einen Body verpackt, der die makellose Schönheit der Venus von Urbinio mit Mona Lisas Lächeln zu einer Durchschnitts-Landpomeranze degradiert. Der Wagen hat (im Gegensatz zum Matchbox Pendant) sogar eine Kofferraumklappe, die sich öffnen lässt. Dieses Heck. Dieser Hintern. Ich glaube ich bin verliebt :-)

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Raum für ein kleines Täschchen

An diesem Auto stimmt fast alles. Ein kleiner Haken (nein, nicht für Anhänger): Es erfordert ein wenig körperliche Verwindung, am Steuer Platz zu nehmen, als 1,90m großer norddeutscher Jung muss ich mich ziemlich unelegant verbiegen. Aber wenn man erstmal sitzt, passt es wieder. Hallo Cockpit. Genau so viele analoge Rundinstrumente wie Zylinder in V-Form geben mir sachlich Auskunft über das allgemeine und momentane Befinden des Autos. Kleine Schalter und Hebelchen verteilen sich großzügig über den breiten, hölzernen Armaturenträger, ich werde ihre Funktion heute nicht vollständig ergründen. Aber ich berühre sie alle, streichel andächtig über die Rundungen der Instrumente und fühle respektvoll das Holz. Es riecht so gut inmitten dieser Materialien. Mein Herz hört einfach nicht auf mit dem schneller Schlagen. Verdammt, ist dieses Auto schön!

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

In keinem Wohnzimmer ist es angenehmer als hier

Gang rein, Kupplung kommen lassen und los. Wir fahren den Iso durch die adretten Straßen mit den Schatten spendenden Bäumen bis zu einem hellen Schotterplatz. Das Getriebe schaltet sich hart und präzise, während für das dünne, kleine Holzlenkrad durchaus Männerarme notwendig sind. Hier wird man nicht von ungezählten Servomotoren umschmeichelt, hier muss man noch ein bisschen selbst arbeiten. Aber das macht man gern. Italienische Autos haben nie so richtig mein Herz erobern können, vielleicht vor allem, weil ich sie mir nie leisten konnte. Auch der Iso Grifo ist finanziell jenseits von allem Machbaren, was mir in den kommenden 20 Jahren so passieren wird, aber er ist anders. Es ist nicht seine Seltenheit. Es ist seine Form. Und wohl die Tatsache, dass diese Form eine der ersten ist, an die ich mich in der Sandkiste erinnern kann. Fahrer und Beifahrer sitzen gefühlt direkt auf der Straße, hart aber trotzdem komfortabel – wie es sich für einen klassischen GT gehört. Schulterblick – hinter den Sitzen kauert eine knappe Notsitz-Bank, gerade einmal geeignet für einen Maxi Cosy und eine Kiste Bier. Aber er ist immerhin ist es kein reiner Zweisitzer, das könnte als Argument für den jungen Familienvater von Bedeutung sein.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Zur Not ist auch hier noch Platz

Trotz der dominierenden Heckscheibe, die formvollendet in der Kofferraumklappe zwischen den Rücklichtern ausläuft, wirkt das Auto unübersichtlich. Die Karosserieüberhänge sind zu elegant, die Seitenscheiben zu schmal und die Art, wie der Wagen seinen Fahrer umschließt, einfach zu passgenau. Über uns der Himmel, fischgrätenähnlich gelocht und makellos. Meine Augen haben Mühe, den Blick nach oben scharf zu stellen, kennen Sie das auch? Wenn man nach oben guckt ist in diesen gelochten Himmeln alles irgendwie leicht psychedelisch unscharf. Aber die Aussicht über die lüsterne Motorhaube und die “Penthouse”-Hutze ist sowieso wesentlich attraktiver 8-) Der Blick sollte also nach vorn gehen, so oder so. Und die Ohren auch.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Auf die Hutze, darunter ist der Himmel

Ich kann lediglich ahnen, dass dieses Kraftpaket made in Italy mit dem Herzen made in U.S.A. weniger als sechs Sekunden für den Sprint auf 100 km/h benötigt und der Vortrieb irgendwo erst weit hinter echten 270 km/h aufhört. Wir können das hier nicht ausfahren, aber der Grifo flüstert es mir, grummelt es mir über den Nacken, bollert es mir durch den Rücken. Ich lasse den V8 noch einmal aufbrausen, bevor ich den Schlüssel drehe und zur Besichtigung nach vorn gehe. ROOAAARRRRR bullerbullerbuller. Ja, der kann das, daran besteht kein Zweifel.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

8 Töpfe für ein Halleluja

Ich schäle mich aus dem Sitz und gehe noch einmal um den Hybriden herum, der raubkatzengleich auf dem Schotterplatz kauert. Meine rechte Hand umgreift unbemerkt das kleine, blaue Spielzeug in meiner Hosentasche. Ich habe den Auslöser dieses Treffens dabei. Schauen Sie sich diese Doppelscheinwerfer in dem gitterähnlichen Grill an. Die Lufteinlässe an den Flanken, die perfekten Proportionen von Reifengröße und Gürtellinie. Die Art, wie diese unglaubliche Dachform nach hinten ausläuft und in einer konkaven Heckblende endet, als hätte ein verliebter Maler mit präzisem Daumen seinem Gesamtwerk noch einen letzten Schliff gegeben… Das Heck ist für mich eins der schönsten in der Geschichte des Automobils. Konkav mag ich ja ohnehin. Mein Granada Coupé hat auch ein konkaves Heck. Er fehlt mir plötzlich. Ich fühle mich, als würde ich fremdgehen. Und es fühlt sich geil an.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Dieser ARSCH. Ich liebe ihn.

Am Himmel über Dortmund brauen sich kontrastreiche Regenwolken zusammen. Das ist toll für die Fotos, aber doof für dieses Auto. Regen soll es nach Möglichkeit nicht auf den Lack bekommen – ich muss schweren Herzens wieder Abschied nehmen. Und ich hab ja auch noch den ganzen Rückweg vor mir. Ciao, Iso. Ab in die Garage zu dem Bizzarrini.
Als auf der Autobahn zurück in den Norden die ersten, dicken Tropfen auf die Scheibe meines Kombis klatschen, kommt mir der eben gefahrene Italiener irgendwie schon wie eine Fata Morgana vor. Bin ich gerade wirklich in einem Iso Grifo gefahren? Krass. Ich ziehe auf den nächsten Rastplatz, kaufe mir irgendwas sehr ungesundes zu Essen und gucke auf dem Kameradisplay die Bilder durch. Tatsächlich. Ich hab’s getan. Und ich bin mir sicher: Es hat nach dem Aus für Iso Rivolta 1974 nie wieder so ein Auto gegeben. All seine zeitlosen, wegweisenden Details hatten schon als Matchbox-Auto Spuren in meinem Kopf hinterlassen, haben sich eingebrannt. Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit. Und ich bin stocknüchtern.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ich sitze drin. Ich sitze drin!!!

Hallo Alltag. Hallo Kiel. Ich schreib dann mal meinen Artikel, während vor den Fenstern draußen graue Kleinwagen vorbeifahren. In der Mitte des Lebens habe ich ein kleines Geheimnis aus der Sandkiste gelüftet. Man sollte sich viel öfter vornehmen, endlich mal die Karren selbst zu fahren, mit denen man schon in den 70ern durch Omas Gemüsebeete geballert ist.
Es kann nicht nur an den vermeintlich sorglosen Jahren der Kindheit liegen, dass ich das Gefühl habe, heute dem mit Abstand schönsten Auto der Welt begegnet zu sein.

Sandmann

ISO GRIFO 7 LITRI SERIE 1, 1969
Motor: V8, GM Corvette Big Block
Hubraum: 6.998 ccm
Leistung: 400 SAE-PS bei 5.200/min
Drehmoment: 630 Nm bei 3.600/min
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 270 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100: weniger als 6 s
Getriebe: Fünfgangschaltung von ZF
Antrieb: Hinterrad auf DeDion-Achse
Länge: 4.430 mm
Breite: 1.770 mm
Höhe: 1.220 mm
Gewicht: 1.400 kg
Bereifung: 225×15
Stückzahl: 412 (7-l-Version ca. 50)

Fotos: Jens Tanz
Originalartikel auf TRÄUME WAGEN
www.IsoRegistry.com

Read more

Created Donnerstag, 22. Januar 2015 Tags 7 Litri | bertone | Giugiaro | Iso Grifo | Iso Rivolta | Penthouse | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
22 Jan 2015

Testsieg für Sonax Xtreme Felgenreiniger Plus

Acht Felgenreiniger stellte die Redaktion „Auto Bild“ in Zusammenarbeit mit den Experten der Dekra auf dem Prüfstand. Als Testsieger setzt sich der Sonax Xtreme Felgenreiniger Plus dank hoher Reinigungsleistung und zuverlässiger Materialverträglichkeit durch.

Bewertet wurden vor allem die Reinigungsleistung, aber auch die Materialverträglichkeit mit Lack, Aluminium, Stahl und Kunststoff. Der Sonax Xtreme Felgenreiniger Plus überzeugte die Experten von Auto Bild und Dekra in allen Prüfbereichen mit der Gesamtnote „sehr gut“. Nur ein Produkt konnte in der Gesamtpunktzahl mit dem Sonax Produkt gleichziehen. Zwei weitere Produkte erreichen noch ein „sehr gut“, dreimal vergaben die Tester ein „befriedigend“. Das Schlusslicht im Test wurde vor allem aufgrund des hohen Säuregehalts abgewertet, dieser beinhalte „teuflische Inhaltsstoffe“ und könne Materialien angreifen.

230209_lightbox

Die Redaktion empfiehlt grundsätzlich die Verwendung säurefreier Reiniger, aggressive Produkte können beispielsweise Korrosion an Radbolzen oder Bremssätteln verursachen.
Die prämierte Wirkformel des säurefreien Sonax Testsiegers löst dagegen materialschonend auch hartnäckigste Verschmutzungen an den Rädern – zum Beispiel eingebrannten Bremsstaub, Öl- und Gummirückstände. Die Zusammenstellung hochwertiger Komponenten und der angenehme Citrusduft sorgen zudem für maximale Anwendungsfreundlichkeit.

The post Testsieg für Sonax Xtreme Felgenreiniger Plus appeared first on GERMANMOTORKULT.

Original http://germanmotorkult.de/testsieg-fuer-sonax-xtreme-felgenreiniger-plus/

Created Donnerstag, 22. Januar 2015 Tags presse | Sonax Document type Video
Categories Timeline Author Michael Peschel

Mehr lesen von : Jens Tanz

Current Article

24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
Permalink
22 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Sagenhaft. Sa - gen - haft.

Sagenhaft. Sa – gen – haft.

In der Mitte des Lebens treibt das Verhalten eines Mannes seltsame Früchte. Die einen kaufen sich einen Sportwagen und brennen mit einem jungen Huhn durch. Die anderen kaufen sich ein junges Huhn und brennen mit einem Sportwagen durch. Die dritten finden aufgrund der klarer werdenden eigenen Sterblichkeit ihren Weg in die Religion. Und ich? Ich gehöre zur vierten Kategorie. Ich beginne, mein Leben und meinen Keller aufzuräumen. Und da findet sich neben allerhand nützlichem und überflüssigem Zeugs ein kleines, blaues Auto der Marke Matchbox. Bespielt, benutzt. Meine absolute Traumkarre damals. In der Mitte des Lebens bin ich in der Lage, verrückte Sachen zu machen. Also ziehe ich los, um dieses Matchboxauto mal im Original zu fahren.

Ich will mal wieder spielen.

Ich will mal wieder spielen.

Dieses kleine, blaue, abgewetzte Spielzeug war damals der schärfste Zahn in der Sandkiste neben dem Mack Kipplaster und dem gelben Pickup, auf dem ein weißer Löwe lethargisch im Kreis wanderte, wenn man damit fuhr. Es hat endlose Highways durch Rhabarberbeete bis zum Komposthaufen gemeistert, auf den Opa immer seinen Eimer ausleerte, wenn er mal wieder einen halben Tag lang in seinem Werkzeugkeller vor sich hin gebastelt hat. Dann hat es da immer ziemlich doll gestunken, und ich bin andere Highways gefahren. Türen wurden geöffnet und geschlossen, das BROOAAARR BROMM habe ich in Ermangelung eingebauter batteriebetriebener Soundmodule selbst geknödelt. Aber nie fiel der Blick auf die informative Unterseite des Autos, denn ich konnte noch nicht so gut lesen. Da steht ja immer, was für ein gutes Stück hier im Maßstab 1:64 aus Zinkguss nachgebaut wurde.

Steigen Sie doch ein.

Steigen Sie doch ein.

Jetzt, rund 35 Jahre später, drehe ich das kleine Auto um. “No 14 ISO GRIFO”, darunter die Zeile “Made in England” und ganz unten “by Lesney”. Das war’s. Lesney. Den Laden gibt es seit 1982 nicht mehr. Und das Wörtchen “Superfast” auf der leicht verbogenen Hinterachse besagt, dass sich diese Spielzeugserie von den anderen durch besonders leicht laufende Räder unterschied. Weil die Autos von Hot Wheels auf jedem Teppich schneller waren, die britischen Ingenieure mussten also nachlegen :-) Soweit zum in Metall gegossenen Text. Aber was ist das bitte für ein sagenhaftes Auto, so formvollendet, so elegant und so verboten sexy? Ein Batmobil? Eine Erfindung der Spielzeugindustrie? Iso Grifo, das klingt wie ein Kunstname. MB präsentiert: ISO GRIFO. *bong*

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ach, steigen Sie doch bitte WIRKLICH mal ein.

Die italienische Firma Iso Rivolta tauchte im Weltbild des noch vom Krieg gebeutelten Deutschland zunächst nur inkognito auf. Jeder von Ihnen wird das zweisitzige Rollermobil kennen, was bei BMW entstanden ist: die Isetta. Der kleine Knubbel war ein Design-Meisterstück der Italiener und wurde unter diversen Lizenzen in verschiedenen Ländern gefertigt. Als Erfüllung des Nachkriegstraums der Mobilität in Deutschland von 1954 bis 1962 allein 130.000 Mal. Aber noch lange nicht alles, was dort in der Nähe von Mailand bei Iso Rivolta entstand, hatte Kleinwagencharakter. Unter Mitwirkung des ehemaligen Ferrari-Mitarbeiters Giotto Bizzarrini, der Karosserieschmiede Bertone und dessen neuem, jungen Designchef Giorgetto Giugiaro entstanden verschiedene Coupés und Limousinen im Werk von Renzo Rivolta. Nein, sie entstanden nicht, sie wurden erschaffen. Weil selbst die genialsten Konstrukteure und Designer nicht mal eben ein neues Auto auf die Räder stellen können, wurde sich – wie so oft – in den Regalen diverser anderer Hersteller bedient. Und der dann wohl bekannteste Gran Turismo aus diesem Designerkonglomerat war – der Iso Grifo.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Böser Blick ganz ohne Kamei Leiste

Ja, es gab den Iso Grifo wirklich. Das ursprüngliche Herz der italienischen Sünde war ein 5,4-Liter-V8 aus der Corvette, die Lenkung lieferte Burman, die manuellen und automatischen Getriebe kamen von Borg-Warner und ZF Friedrichshafen. Stationen der automobilen Legendenbildung, die mit dem kleinen Jungen in der Sandkiste so ungefähr ab dem Jahr 1971 diesen Planeten teilten, die mir aber ob meiner unbedingten Jugend nicht wirklich Interesse abrangen. Zwischen 1965 und 1974, also rund um meine eigene Geburt, wurden auch nur 412 Fahrzeuge gefertigt. Das schmälert die Wahrscheinlichkeit, dass ich im ländlichen Uelzen mal einen “in Echt” gesehen haben könnte, wenn auch nur aus Versehen, manchmal brennen sich ja auch zufällige Bilder im Kopf ein und kommen in den Träumen wieder hervor. Aber nee. Der war einfach zu selten. Also kommen andere Sachen in den Träumen vor, leider nicht immer so schöne wie dieses Auto, und der blaue Flitzer wich irgendwann dem Funktionsspielzeug und anderem Teenagerkram. Mädchen und so.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ich finde nur wenig Worte für dieses Auto

Ich will ihn sehen, fühlen, fahren!
Also tu ich so, wie man tut, wenn man beruflich über alte Autos schreibt und durchforste das Internet. Treffer! YAY! Im Ruhrgebiet findet sich tatsächlich ein leibhaftiger Besitzer eines Iso Grifo, der nach einem Telefonat vor allem auch bereit ist, ihn in meine vertrauensvollen Hände und vor mein Kameraauge zu legen. Dem guten Mann gehört eine der verschwenderisch kräftigen 7-Liter-Versionen der ersten Serie. Davon wurden nur 50 Stück gebaut. Sieben Liter Hubraum! Das Triebwerk ist so gewaltig, dass die Motorhaube nach oben heraus erhöht werden musste. Diese kantige Hutze wird unter den Fans liebevoll das “Penthouse” genannt.
Ich habe jetzt lange genug gewartet und bin ungeduldig, ein Termin ist schnell gemacht – ich will nicht nur träumen und mit meinem wieder aufgetauchten blauen Sandkistenauto durch das Wohnzimmer fahren, sondern ich will TRÄUME WAGEN. Ich tanke den dicken Diesel voll und rolle ins Ruhrgebiet. Vier Stunden Fahrt für ein Auto, was mich plötzlich so nervös macht wie ein Wiedersehen mit einer Exfreundin, die man 30 Jahre nicht gesehen hat.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Gegensätze ziehen sich an.

Mein Herz klopft bis zum Hals, als der charmante Besitzer das breite Garagentor unter seinem Haus aufgleiten lässt und den Blick freigibt auf einen echten und (un)fassbaren Iso Grifo 7 Litri. Daneben steht auch noch ein Bizzarrini, aber das ist eine andere Geschichte. Draußen, vor den Toren des Grundstücks in gebührendem Abstand, steht meine Alltagskarre. Nein, sie ist mir nicht peinlich, denn die hat eine Berechtigung und ist eine treue Seele. Aber eine Seele von einem anderen Planeten als dem, auf dem ich gerade stehe. Was in einer anderen Zeit in meiner Sandkiste mittelblau, rechtsgelenkt und absurderweise mit einer kleinen knubbeligen Anhängerkupplung versehen war steht hier als dunkelrote, links gelenkte, rostfreie Schönheit mit schwarzem Leder. Ohne Anhängerkupplung. Es ist wirklich dieses Auto, was in meinen Kinderhänden wie selbstverständlich neben all den anderen SIKU und MATCHBOX Karren geparkt wurde. Ich fühle mich wie beim ersten Date und stammel unprofessionellen Mist vor mich hin.

Lass es raus, V8!

Lass es raus, V8!

Das Herausrangieren des Viertelmillionen-Euro-Schatzes überlasse ich dem Besitzer, umso genussvoller lässt sich von hier aus der bassige Sound aus den beiden Auspuffrohren genießen, durch die das verbrannte Super in einem herrlichen Stakkato die Symphonie aus sieben Litern für acht Töpfe ballert. So klingt also ein Iso Grifo. Gar nicht so sehr anders als mein BROAARR BROAM von damals im Gemüsebeet. In guten Zeiten trinkt das versammelte Orchester made in USA gern mal 25 Liter, belohnt sein Publikum aber mit mindestens 630 Nm Drehmoment und ungefähr 400 SAE-PS. Das genügte in den späten 60er Jahren, um in der Liga von Ferrari und Lamborghini vergnüglich mitzuspielen. Und diese Kraft wurde für den unvorbereiteten Bürger dieser Zeit in einen Body verpackt, der die makellose Schönheit der Venus von Urbinio mit Mona Lisas Lächeln zu einer Durchschnitts-Landpomeranze degradiert. Der Wagen hat (im Gegensatz zum Matchbox Pendant) sogar eine Kofferraumklappe, die sich öffnen lässt. Dieses Heck. Dieser Hintern. Ich glaube ich bin verliebt :-)

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Raum für ein kleines Täschchen

An diesem Auto stimmt fast alles. Ein kleiner Haken (nein, nicht für Anhänger): Es erfordert ein wenig körperliche Verwindung, am Steuer Platz zu nehmen, als 1,90m großer norddeutscher Jung muss ich mich ziemlich unelegant verbiegen. Aber wenn man erstmal sitzt, passt es wieder. Hallo Cockpit. Genau so viele analoge Rundinstrumente wie Zylinder in V-Form geben mir sachlich Auskunft über das allgemeine und momentane Befinden des Autos. Kleine Schalter und Hebelchen verteilen sich großzügig über den breiten, hölzernen Armaturenträger, ich werde ihre Funktion heute nicht vollständig ergründen. Aber ich berühre sie alle, streichel andächtig über die Rundungen der Instrumente und fühle respektvoll das Holz. Es riecht so gut inmitten dieser Materialien. Mein Herz hört einfach nicht auf mit dem schneller Schlagen. Verdammt, ist dieses Auto schön!

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

In keinem Wohnzimmer ist es angenehmer als hier

Gang rein, Kupplung kommen lassen und los. Wir fahren den Iso durch die adretten Straßen mit den Schatten spendenden Bäumen bis zu einem hellen Schotterplatz. Das Getriebe schaltet sich hart und präzise, während für das dünne, kleine Holzlenkrad durchaus Männerarme notwendig sind. Hier wird man nicht von ungezählten Servomotoren umschmeichelt, hier muss man noch ein bisschen selbst arbeiten. Aber das macht man gern. Italienische Autos haben nie so richtig mein Herz erobern können, vielleicht vor allem, weil ich sie mir nie leisten konnte. Auch der Iso Grifo ist finanziell jenseits von allem Machbaren, was mir in den kommenden 20 Jahren so passieren wird, aber er ist anders. Es ist nicht seine Seltenheit. Es ist seine Form. Und wohl die Tatsache, dass diese Form eine der ersten ist, an die ich mich in der Sandkiste erinnern kann. Fahrer und Beifahrer sitzen gefühlt direkt auf der Straße, hart aber trotzdem komfortabel – wie es sich für einen klassischen GT gehört. Schulterblick – hinter den Sitzen kauert eine knappe Notsitz-Bank, gerade einmal geeignet für einen Maxi Cosy und eine Kiste Bier. Aber er ist immerhin ist es kein reiner Zweisitzer, das könnte als Argument für den jungen Familienvater von Bedeutung sein.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Zur Not ist auch hier noch Platz

Trotz der dominierenden Heckscheibe, die formvollendet in der Kofferraumklappe zwischen den Rücklichtern ausläuft, wirkt das Auto unübersichtlich. Die Karosserieüberhänge sind zu elegant, die Seitenscheiben zu schmal und die Art, wie der Wagen seinen Fahrer umschließt, einfach zu passgenau. Über uns der Himmel, fischgrätenähnlich gelocht und makellos. Meine Augen haben Mühe, den Blick nach oben scharf zu stellen, kennen Sie das auch? Wenn man nach oben guckt ist in diesen gelochten Himmeln alles irgendwie leicht psychedelisch unscharf. Aber die Aussicht über die lüsterne Motorhaube und die “Penthouse”-Hutze ist sowieso wesentlich attraktiver 8-) Der Blick sollte also nach vorn gehen, so oder so. Und die Ohren auch.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Auf die Hutze, darunter ist der Himmel

Ich kann lediglich ahnen, dass dieses Kraftpaket made in Italy mit dem Herzen made in U.S.A. weniger als sechs Sekunden für den Sprint auf 100 km/h benötigt und der Vortrieb irgendwo erst weit hinter echten 270 km/h aufhört. Wir können das hier nicht ausfahren, aber der Grifo flüstert es mir, grummelt es mir über den Nacken, bollert es mir durch den Rücken. Ich lasse den V8 noch einmal aufbrausen, bevor ich den Schlüssel drehe und zur Besichtigung nach vorn gehe. ROOAAARRRRR bullerbullerbuller. Ja, der kann das, daran besteht kein Zweifel.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

8 Töpfe für ein Halleluja

Ich schäle mich aus dem Sitz und gehe noch einmal um den Hybriden herum, der raubkatzengleich auf dem Schotterplatz kauert. Meine rechte Hand umgreift unbemerkt das kleine, blaue Spielzeug in meiner Hosentasche. Ich habe den Auslöser dieses Treffens dabei. Schauen Sie sich diese Doppelscheinwerfer in dem gitterähnlichen Grill an. Die Lufteinlässe an den Flanken, die perfekten Proportionen von Reifengröße und Gürtellinie. Die Art, wie diese unglaubliche Dachform nach hinten ausläuft und in einer konkaven Heckblende endet, als hätte ein verliebter Maler mit präzisem Daumen seinem Gesamtwerk noch einen letzten Schliff gegeben… Das Heck ist für mich eins der schönsten in der Geschichte des Automobils. Konkav mag ich ja ohnehin. Mein Granada Coupé hat auch ein konkaves Heck. Er fehlt mir plötzlich. Ich fühle mich, als würde ich fremdgehen. Und es fühlt sich geil an.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Dieser ARSCH. Ich liebe ihn.

Am Himmel über Dortmund brauen sich kontrastreiche Regenwolken zusammen. Das ist toll für die Fotos, aber doof für dieses Auto. Regen soll es nach Möglichkeit nicht auf den Lack bekommen – ich muss schweren Herzens wieder Abschied nehmen. Und ich hab ja auch noch den ganzen Rückweg vor mir. Ciao, Iso. Ab in die Garage zu dem Bizzarrini.
Als auf der Autobahn zurück in den Norden die ersten, dicken Tropfen auf die Scheibe meines Kombis klatschen, kommt mir der eben gefahrene Italiener irgendwie schon wie eine Fata Morgana vor. Bin ich gerade wirklich in einem Iso Grifo gefahren? Krass. Ich ziehe auf den nächsten Rastplatz, kaufe mir irgendwas sehr ungesundes zu Essen und gucke auf dem Kameradisplay die Bilder durch. Tatsächlich. Ich hab’s getan. Und ich bin mir sicher: Es hat nach dem Aus für Iso Rivolta 1974 nie wieder so ein Auto gegeben. All seine zeitlosen, wegweisenden Details hatten schon als Matchbox-Auto Spuren in meinem Kopf hinterlassen, haben sich eingebrannt. Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit. Und ich bin stocknüchtern.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ich sitze drin. Ich sitze drin!!!

Hallo Alltag. Hallo Kiel. Ich schreib dann mal meinen Artikel, während vor den Fenstern draußen graue Kleinwagen vorbeifahren. In der Mitte des Lebens habe ich ein kleines Geheimnis aus der Sandkiste gelüftet. Man sollte sich viel öfter vornehmen, endlich mal die Karren selbst zu fahren, mit denen man schon in den 70ern durch Omas Gemüsebeete geballert ist.
Es kann nicht nur an den vermeintlich sorglosen Jahren der Kindheit liegen, dass ich das Gefühl habe, heute dem mit Abstand schönsten Auto der Welt begegnet zu sein.

Sandmann

ISO GRIFO 7 LITRI SERIE 1, 1969
Motor: V8, GM Corvette Big Block
Hubraum: 6.998 ccm
Leistung: 400 SAE-PS bei 5.200/min
Drehmoment: 630 Nm bei 3.600/min
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 270 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100: weniger als 6 s
Getriebe: Fünfgangschaltung von ZF
Antrieb: Hinterrad auf DeDion-Achse
Länge: 4.430 mm
Breite: 1.770 mm
Höhe: 1.220 mm
Gewicht: 1.400 kg
Bereifung: 225×15
Stückzahl: 412 (7-l-Version ca. 50)

Fotos: Jens Tanz
Originalartikel auf TRÄUME WAGEN
www.IsoRegistry.com

Read more

Created Donnerstag, 22. Januar 2015 Tags 7 Litri | bertone | Giugiaro | Iso Grifo | Iso Rivolta | Penthouse | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
20 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Scheibenkleister

Scheibenkleister

Auf Kaperfahrt

Papaaaaaaa die haben mir heute Nacht den Audi aufgebrochen!:-(Scheibe kaputt, alles voller Glas, Radio weg WAS MACH ICH DENN JETZT???” Oh jemineh. Ein Stich ins Herz meines großen Töchterchens. Das erste eigene Auto, kaputt, geschändet, entweiht. Die Cops waren schon da, aber das ändert nichts am Ergebnis. Keine Teilkasko und ein offenes, kaputtes Fenster bei Regen und Frost mitten in Kiel. Fahranfängerins Horror. Eine neue Mission für Superpapa. Er fährt zum Autoverwerter Kiesow in Norderstedt und versucht bei 2 Grad und Nieselregen, einen Endgelagerten A3 erstmal zu finden und ihm dann seine Seitenscheibe zu entlocken. Und hey, was da noch so alles rumliegt!

Finden ist gar nicht so leicht.

Scheibenkleister

zwischen all diesen Audis…

Wir erinnern uns noch an die Galileo XXL Dokumentation über Deutschlands größte Autoverwerter. Da erfuhr man über mich, dass ich zusammen mit meinen Freunden fast jedes Wochenende hier im Norden Hamburgs am Schrauben und Teile scheffeln bin. Mir selbst war das auch neu, aber gut. Ich lerne gern was über mich. Meine Freunde und ich waren seit der Sendung, also seit rund zwei Jahren nicht mehr hier ;-) Das hatte allerdings zeitliche Gründe, und ich brauchte irgendwie nichts, was ich hier finden könnte. Man muss dazu aber sagen, dass ein Besuch bei Kiesow sogar lohnt, wenn man nichts braucht. Einfach weil es total geil ist, zwischen den aufgestapelten Autos rumzulaufen und auf “Schatzsuche” zu gehen. Das ist allerdings im Sommer ein wenig erquicklicher. Das Jahr ist noch jung, heute ist es grau und ungemütlich. Blöd. Seitenscheiben haben die Jungs nicht am warmen überdachten Tresen, dafür ist anscheinend der Aufwand beim Ausbauen zu groß und der Preis zu gering (25-30€). Die muss man selbst ausbauen. Das hab ich bei einem 1997er A3 noch nie gemacht, aber am Ende ist das auch nur ein Auto. Einige hab ich aus dem Augenwinkel auch schon gesehen, allerdings allesamt ohne Seitenscheiben. Verrückt, was hier sonst noch so rumliegt!

Scheibenkleister

Ein Audi 100 Typ 43!

Da stapfst du zwischen all diesen vollverzinkten fast rostfreien Wohlstands-Wracks umher und denkst wieder einmal darüber nach, wie bekloppt es ist, ein intaktes Auto wegzuschmeißen, weil irgend ein Steuergerät die Lötpunktgrätsche gemacht hat und seine Reparatur den Fahrzeugwert übersteigt. Das macht mich traurig. Hier liegen Autos rum, die sehen so aus, als könnte man einsteigen und noch 10 Jahre damit rumfahren! Und ganz oben drauf, ich fasse es nicht: Schon wieder ein alter Audi 100. Typ 43, so einer wie der Dottore, allerdings ein von mir nicht so begehrter Nachfacelift mit den weißen Blinkern und den großen Rücklichtern. Anfang der 80er. Genau so selten, wie der im Straßenbild geworden ist ist er auf dem Hof eines Autoverwerters zu entdecken. Krass, dass ich jetzt schon den zweiten im Raum Hamburg vor sich hinschimmeln sehe. Aber na klar – ich bin meinen vor einem Jahr auch nicht losgeworden. Nicht mal für 800 Euro, fahrbereit, guter Zustand, Vinyldach. Und an dem Punkt, wo ich “Jetzt erst recht!” gerufen und ihn behalten und instandgesetzt habe, geben andere auf und werfen den weg. Und dann steht er hier. Dunkelblau. Rostig… aber der darf auch noch rosten :-)

Scheibenkleister

Plüschig und verlassen.

Inzwischen bin ich in einem Alter, in dem die Vernunft über den Wunsch siegt, alle Autos dieser Welt retten zu wollen. Bei dem alten Herren hier gibt es noch eine gute, kaum verschimmelte Inneneinrichtung und ein komplettes Cockpit, an beidem bin ich nicht interessiert. Vielleicht könnte man noch Achs- und Bremsteile retten, die Scheinwerfer und Rücklichter und diversen Kleinkrams. Aber da beißt sich die Schlange in den Schwanz. Die Teile sind auch im Netz noch immer so billig, dass ich die erst dann besorge, wenn ich sie brauche. Auf Halde lege ich nichts mehr. Und da das viele so machen landen gute Teile eben auf dem Schrott. Das war schon immer so, das wird auch immer so bleiben und in spätestens 10 Jahren werden wir wieder sagen: “Hätte man den doch bloß komplett gerettet!” Aber heute sage ich das nicht. Kennen Sie dieses erhabene Gefühl, was mich immer auf solchen Schrottplätzen anspringt? Das ist ähnlich dem, das ich als Kind immer hatte, wenn in der Gegend die Sperrmüllhaufen aufgetürmt wurden. “Das kann alles dir gehören….!:-) Auch wenn man wenig von dem Kram brauchte, man konnte theoretisch all das mitnehmen. Hier ist das genau so. Auch wenn es Geld kostet. Ich suche eine Seitenscheibe für einen A3 8L. Also weiter.

Scheibenkleister

Typ 44 in guten Zustand, etwas Dachlastig

Die goldenen Zeiten für den Nachfolger des Typ 43 sind in diesem speziellen Fall vorbei. Geile Farbe, mit beigen Stoffsitzen. Das Blech ist rundrum gesund, es fehlen nur ein paar Anbauteile und die Räder. Na okay, und ein paar Autos liegen auf seinem Dach, das könnte für eine Restauration eventuell von Relevanz sein. Aber niemand will heute schon so ein Auto restaurieren. Es gibt einfach noch zu viele, und obwohl die ab 1984 gebaut wurden sind sie so genial zeitlos gestaltet, dass sie über 30 Jahre später nicht wie Oldtimer, sondern nur wie alte Autos aussehen. Ich hatte ja auch mal kurz einen in rot, eine unaufdringliche Limousine, zuverlässig, groß, sicher. Und irgendwie ein bisschen langweilig, aber das könnte man auch als schlichte Schönheit deuten. Mein Fünfzylinder Nullausstatter wich damals einem Citroen XM, ein guter Tausch. Ich konnte mich nie in das CW-Weltwunder-Modell verlieben. Hier stirbt jetzt einer. Stellen sich meine Nackenhaare leicht auf? Ja, ein ganz klein bisschen. Aber ich suche eine Seitenscheibe für einen Audi A3. Gnarf.

Scheibenkleister

Gewagte Hipster-Farben

A3 der ersten Serie liegen hier heute genau fünf Stück rum. Die haben die schrägsten Farben sowohl innen als auch außen, haben Sie schonmal einen schlumpfblauen Audi mit roten Sitzen gesehen? Irgendwie… lustig. Es gibt alle Arten von Lenkrädern, Cockpits, Sitzen und Türverkleidungen – aber es gibt keine Seitenscheiben! :-( Das scheint beim Zweitürer ein begehrtes Ersatzteil zu sein, warum, das steht in den Sternen. Ich öffne Türen und lerne dazu. Wenn die Scheibe nicht mehr da ist, ist (logisch) auch die Verkleidung schon abgebaut, auf diese Weise finde ich erforschend die drei zu lösenden Schrauben, die erfahrungsgemäß immer unter irgendwelchen Plastikdeckeln rund um den inneren Türgriff versteckt sind. So auch hier. Ich lerne noch etwas: Wenn die Scheibe nicht mehr da ist, ist auch irgendwie der ganze Rahmen der Scheibe weg. Urks. Sind die etwa mit dem ganzen Fensterhebermotorgeraffel in einen eigenen Rahmen eingebaut, der demontiert werden muss? Ich setze mich auf die Kante einer Motorhaube, frage das Internet, und das Internet sagt: Ja. Na super. In dem Moment fängt es leicht an zu regnen…

Scheibenkleister

Straße des Verderbens

Ich breche dann mal die Reise in die Vergangenheit ab und suche etwas konkreter nach einer Seitenscheibe, Beifahrerseite, irgendwo muss doch noch eine sein??? Ja. Eine gibt es noch, gut versteckt weil elektrisch runtergelassen (als noch Strom da war) in einem A3 in der oberen Reihe. Farblich passt der sogar zu dem meines Töchterchens, aber ausgerechnet bei Fenstern ist das ja ziemlich egal :-) Der alte Mann wuchtet sein mitgebrachtes Werkzeug in den Fußraum des aufgebahrten Ingolstädters und klettert mutig hinterher. Ein kalter Wind weht zwischen den Autos hier oben durch. Schrauben in luftigen Höhen, zwischen alten Autos, bei Kälte und Regen. Ich weiß allerdings, dass meine “Große” mir später einen derart dankbaren Blick schenken wird, dass sich das hier alles doppelt und dreifach lohnen wird. Als Papa kann man mit so wenig glücklich sein… Aber noch bin ich nicht am Ziel. Wie die Türpappe runter geht weiß ich ja inzwischen durch die Selbststudien an den anderen ausgeweideten Audis. Jetzt muss dieser Rahmen raus. Oh. Dicke fette Torx. Nennt man diese Größe überhaupt noch Torx? Immerhin sitze ich hier drin im Trockenen, und wie durch ein Wunder gehen meine mitgebrachten Torx genau bis zur benötigten Größe. 40 oder sowas. Vati schraubt.

Scheibenkleister

Klettern und Schrauben

Nur vier von diesen dicken Schrauben müssen gelöst werden, und der Rahmen fällt runter auf den Boden und zerschmettert die einzige Scheibe in 1000 Stücke. Eigentlich müsste hier jetzt so ein Satz kommen :-) Aber nein, im Alter wird wohl auch jemand wie ich vorsichtig, gar WEITsichtig – und ich halte den Scheibenrahmen natürlich fest, bevor er downhill schliddert. Was ich nicht bedacht habe: Die Stecker für den Fensterheber und die Verriegelung der Tür sind jetzt echt im Weg, verhindern ein Abstellen des Stahlgerüsts und sind gar nicht so leicht zu lösen. Halb schräg im 2. Stock in der geöffneten Tür eines alten Autos hängend frickel ich mich fluchend durch den Regen, mache davon aus nachvollziehbaren Gründen mal keine Fotos und löse auch dieses kleine Problemchen. Wenn man weiß wie, ist es ganz einfach. Cool. Ich fühle die Erkenntnis ein bisschen wie beim Audi V8, da musste man auch nur wissen, was man erstmal alles abbauen muss, um an die maladen Teile ranzukommen. Dieser Scheibenrahmen ist eine geniale Konstruktion, alles ist an ihm festgeschraubt, der Motor, die Führungsseile, die Schienen. Wenn er raus ist kommt man prima an alles ran.

Schatzsuche

Schatzsuche

Ich brauche zum Glück nur die Scheibe selbst und ihre Aufhängung, das bedeutet einfach nur noch zwei weitere kleine Schrauben in zwei Plastikschienen lösen. Als kleiner Worst-Caseler will ich aber auch genau diese Plastikschienen ebenfalls mitnehmen, falls wir die beim Auto meines Töchterchens bei dieser Kälte zerbrechen sollten. Haben Sie schon mal mit Kunststoffteilen im oder am Auto bei Minusgraden gewerkelt? Was im Sommer noch geschmeidig und biegsam war, knackt im Winter trocken weg wie ein Riegel Lindt Schkolade aus dem Kühlschrank. Und das wäre ja ziemlich doof. Der konstruktiv bedingte Haken an den Schienen ist, dass sie an eben jenem Führungsseil haken, was über Rollen und Haken um den Rahmen rumläuft. Da müssen die rausgehakt werden. Meine Finger sind inzwischen quasi abgefroren und völlig gefühllos, ich bin nass und unbeweglich und will langsam mal nach Hause…

AUAAAA!!

AUAAAA!!

In diesem Zustand ist ein Kollateralschaden fast unvermeidlich. Doof nur, dass die Schraubendreher immer so scharfkantig sind. Die Wunden an den Händen sind meist echt tief und immer genau da, wo sie über Wochen nicht verheilen, weil man immer und immer wieder dran stößt. Aua. Mist. Zusätzlich noch einen satten Abrutscher mit ordentlich Kraft in den Ballen des Daumens, allerdings an der dicken Ader vorbei. Trotzdem tropfe ich ein bisschen aus Daumenkuppe und Ballen vor mich hin, habe die Schienen dann aber mit sanfter Gewalt rausgehebelt und bereite mich auf die anerkennenden Blicke meiner Tochter und die strafenden Blicke meines halbfinnischen Fräulein Altonas vor. Sie sagt, ich muss mehr auf mich aufpassen und meinen Körper mehr achten. Ich versuche das ja, aber nicht jetzt und hier, es ist zu kalt und zu nass. Der Regen fällt auf die einzelnen Blutstropfen auf dem Asphalt zwischen den Wracks, lässt sie zerlaufen und mischt sich schillernd mit bunten Ölflecken zu einem Farbenmeer.

Scheibenkleister

Die Trophäe des Jägers

Die Seitenscheibe eines zweitürigen A3 ist ganz schön groß und ganz schön schwer. Diese einzige und letzte auf dem ganzen Platz hat schon eine ganz kleine Schmarre auf der unteren Ecke, aber das ist egal, der Teil bleibt in der Tür verborgen. Ich bin ein bisschen stolz. Das war nun zwar überhaupt kein handwerklich herausfordernder Akt, ich hab’s einigermaßen gut hinbekommen. Ich habe nichts anderes kaputt gemacht (mir geht diese “Scheißegal-Mentalität” vieler hier auf den Keks, die einfach alles rausreißen und einen Haufen kaputten Krams zurücklassen) und den nicht benötigten Fensterhebermotor fein auf den Beifahrersitz gelegt. Der nächste Schrauber freut sich. Der Regen wird auch wieder ein bisschen weniger und ich schlender an den Leichen aus Wolfsburg, aus Rüsselsheim und Köln vorbei zum Tresen, um meine Beute zu bezahlen. Der Mann da hat Mitleid. Vermutlich liegt es nicht daran, dass ich mit meinen Freunden jedes Wochenende hier bin sondern eher daran, dass ich ihm die Kasse vollblute und die Scheibe diese kleine Schmarre hat – ich bekomme sie für 20 Euro. Fairer Kurs.

Scheibenkleister

Das war ein guter Tag

Schlepp schlepp zurück zu meinem eigenen Audi, der hier einen aufgebahrten Bruder hätte. Die ganze Aktion hat zwei Stunden gedauert (ich denke nicht über einen theoretischen Stundenlohn nach), und jetzt fühle ich mich wunderbar vorbereitet auf den Einbau. Zum Glück in einer hellen, trockenen Tiefgarage. Morgen. Irgendwie bin ich froh, dass mein Töchterchen ein Auto fährt, an dem man noch schrauben KANN. Da sind schon eine Menge Sensoren und Steuergeräte verbaut, aber ich glaube da kann man noch einigermaßen den Überblick behalten. Und statt des gemopsten Kirmes-Kenwood-Blinkradios bauen wir einfach das originale Gamma ein. Mit einem Adapter für das Smartphone, auf dem die ganze Musik drauf ist. Der Vorteil: Das klaut dann bestimmt niemand mehr, und es sieht auch noch rot beleuchtet ziemlich gut aus.
Mal sehen, wie lange sich noch Glassplitter in irgend welchen Ritzen zwischen den Sitzen finden ;-) Scheibenaktion erfolgreich. Superpapi ist glücklich. Das Töchterchen auch. Jetzt müssen wir nur noch dem 1.8 Liter Motor seine Durstigkeit abgewöhnen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Sandmann

Read more

Created Dienstag, 20. Januar 2015 Tags 8L | audi a3 | ausbau | Autoverwertung | Fensterheber | Fremde Federungen | Kiesow | Norderstedt | Schrottplatz | Seitenscheibe | Türrahmen Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
11 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Vier Uhr Morgens

Vier Uhr Morgens

Auf dem Rücksitz die üblichen Utensilien

Am Anfang war das Bild. Und am Ende eine Zahl. Die Vier war allerdings noch nie eine besondere Zahl in meinem Leben, das wird sich heute auch nicht nennenswert ändern. Eher die Drei. Oder die Zweiundvierzig. Was sich heute aber wohl ändert ist mein Kenntnisstand bezüglich der letzten 20 Jahre im Leben meines alten Freundes Lutz, den ich seit der Oberstufe nicht mehr gesehen habe. Wir waren Gitarren-Homies in den 80ern und wir haben 1986 zusammen in SilkesGarten gezeltet. So schließt sich der Kreis. Aus zwei Teenagern mit Gitarren sind zwei alte Männer mit Gitarren geworden. Ich habe den Audi vollgetankt und mache mich auf in Richtung Fehmarn Sund Brücke, in eine Ferienwohnung an der Ostsee, um mit Lutz ein paar Jahre Freundschaft nachzuholen.

Ein Bild. Über Peinlichkeiten sprechen wir später :-)

Vier Uhr Morgens

lustige Barden 1986

Es gibt so viele Momente, in denen die Vergangenheit aufpoppt. Ein Foto, ein Gedanke beim Durchfahren einer besonderen Gegend, eine Erinnerung beim Hören eines Liedes oder Blumen im Kopf beim Erschnuppern eines bestimmten Parfums. Lutz und ich haben uns vor einiger Zeit auf Facebook wiedergefunden. Eher zufällig. Es ist (das habe ich ja schon an anderer Stelle vermutet) in unserem Alter völlig normal, sich an alte Freunde zu erinnern und die wieder auszugraben. Bei einigen weiß man noch, warum man über Dekaden nicht mehr befreundet war. Spätestens wenn man sich wieder mal trifft, zufällig oder geplant, fällt es einem wieder ein. Bei anderen scheint das im Dunkeln zu liegen. Und manchmal gibt es auch einfach keinen Grund, manchmal hat sich die Welt einfach weiter gedreht während alle Beteiligten ihre eigenen Wege gegangen sind. Mein Weg heute führt mich an die Kante, wo der Ozean das Land trifft. Das ist in Deutschland ganz oben rechts, da geht eine Brücke rüber, aber Lutz schreibt mir ich soll kurz vorher rechts abbiegen. Irgendwie bin ich richtig ein bisschen aufgeregt…

Vier Uhr Morgens

Götterdämmerung? Nein. Nur Abend.

And she walks along the edge of where the ocean meets the land
Just like she’s walking on a wire in a circus
Auf dem Rücksitz des alten Audis liegt mein inzwischen in diesem Thema erprobtes Zubehör. Kopfkissen und Schlafsack, meine Gitarre, ein bisschen Wein… Mein Fotoapparat und – ein Haufen Noten sowie eine Fototasche von 1986 :-) Die Bilder waren schon Silke im August peinlich, und hey – sie kommt auf denen noch ganz gut weg. Im Gegensatz zu uns beiden. Lutz und Jens waren damals zwei Teenager, beide um die Wette verknallt in die Gastgeberin und redlich bemüht, ihre Gunst singend zu erobern. Also haben wir die schöne Frau mit Balladenstoff von Simon and Garfunkel, Bob Dylan und den Beatles umworben und waren damit mehr oder weniger erfolgreich. Eher weniger. Balladenstoff soll es heute Abend auch geben, und ich bin ehrlich gesagt gespannt, was… nein WER mich da nachher erwartet. Die musikalischen Helden der 60er haben wir inzwischen zu den Akten gelegt, ich gehe mal davon aus, dass wir heute Abend Lieder von dem singen werden, was unser eigenes Leben uns angetan hat. Da gibt es eine Menge zu erzählen und zu singen. 1986 ist inzwischen 29 Jahre her.

Vier Uhr Morgens

Neugier und Skepsis

Wir haben uns vorher ein bisschen hin und her getextet und befürchten, die Nacht könnte verdammt lang werden (oder verdammt kurz, je nachdem aus welcher Perspektive man guckt). Das wäre ein bisschen doof, denn ich muss mich spätestens um 8:00 Uhr in Richtung Hamburg aufmachen. Aber 8:00 Uhr ist noch lange hin. Ob ich ein paar Karteikarten mitnehme, um so eine Art Mindmap auf dem Tisch auszubreiten? Um nichts zu vergessen und um strukturiert erzählen zu können? :-) Hab ich die richtigen Lieder dabei? Hab ich mich sehr verändert…? So ein Unsinn. Ich mach mir Gedanken, als führe ich zu meinem ersten Date und versuche, möglichst cool rüberzukommen. Überflüssig. Lutz und ich waren mal sowas wie beste Freunde, und auch wenn das echt lange her ist – damals haben wir ein Zelt geteilt, und gegenseitig vollgepupst, gemeinsam Kakao gegluggert und uns nachts gegenseitig erzählt, wie verknallt wir in Silke waren. Das schweißt zusammen, und das wird alles verzeihen, was heute aus uns geworden ist. Glaube ich. Und wenn nicht dann eben nicht…

Vier Uhr Morgens

Unscharf aus Kiel raus

Der Weg von Kiel nach Fehmarn dauert ein bisschen länger als eine Stunde, und ich nehme natürlich meine alte geduldige rollende Zeitmaschine anstatt des Daimlers. Auf der Kassette schrabbeln die Goo Goo Dolls, nicht gerade was von damals, aber ich hab da jetzt Bock drauf. Die Autofahrer um mich rum sind die gleichen wie immer, sie fahren neben mir, winken, heben den Daumen oder machen Fotos mit dem Handy. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie dieser damals als so bieder beschimpfte Audi heute die Herzen öffnet und Freude verbreitet. :-) Schön, das. Meine Fotos werden allerdings reichlich unscharf, sehen Sie das mal als eine Kunstform an bitte. Ich mag Aufnahmen mit Blitz einfach nicht, und es ist langsam recht dunkel. Ich kann meine Hand einfach beim Fahren nicht so ruhig halten, dass nichts verwackelt. Nicht bei diesen langen Verschlusszeiten :-D

Vier Uhr Morgens

Verschwommen wie die Vergangenheit

Sag ich doch. Hihi :-D Erschwerend hinzu kommt, dass es ab dem Verlassen der B76 in Richtung Selent und Lütjenburg dunkel wird. Sehr dunkel. Und wenn ich mal irgendwann was von einem dunklen Niedersachsen oder anderen lichtlosen Abschnitten im Norden erzählt haben sollte – vergessen Sie das. Hier ist es WIRKLICH dunkel, und je weiter ich in Richtung Küste fahre desto geringer ist die Straßenlaternendichte. Ich brauch was Fröhliches im Kassettendeck. Meine erste selbst gewünschte Platte. Truck Stop – Nicht zu bremsen:-) Sehr entspannte Countrymusik, nur ein wenig gedämpft von der Nachricht, dass so langsam einer nach dem anderen von den Jungs das Zeitliche segnet. Vor ein paar Tagen ist Cisco gestorben. Lucius vor zwei Jahren. Die Einschläge kommen näher, ich tröste mich damit dass die Jungs schon recht alt waren, als ich die damals gehört habe und singe einigermaßen gut gelaunt mit…

Vier Uhr Morgens

Es wird immer kälter

Step out the front door like a ghost into the fog
Where no one notices the contrast of white on white
Letzter Rastplatz vor der absoluten Dunkelheit. Angeblich mit Ostseeblick, was um diese Jahreszeit einigermaßen absurd ist, denn ich kann nicht mal 20 Meter weit gucken. Dunkelheit ist ja physikalisch gesehen nur das Fehlen von Licht, aber hier oben in der Nähe von Heiligenhafen ist die Dunkelheit irgendwie auch das Fehlen von Zeit und Raum. Ich mach den Motor lieber nicht aus. Wenn ich hier liegen bleiben sollte wird man mich nie wieder finden. Hier ist ja niemand. Warum dann Lutz? Er schreibt, es ist eine dauergemietete Ferienwohnung direkt am Wasser, wo er sich eine Woche Auszeit zum Lernen und zum Durchatmen genommen hat. Okay. Wenn die Einsamkeit sich weiter nach jeden Kilometer so potenziert ist das hier tatsächlich ein feiner Ort, um mal durchzuatmen. Um sich selbst zu finden. Und um ungestört auf die Gitarren einzuschlagen und dabei zu viel Wein zu trinken. Man könnte hier auch die ganzen Leichen entsorgen, die man noch im Keller hat. Die findet niemals jemand wieder. Aber die hätte ich nicht alle in den Kofferraum bekommen, und auf dem Rücksitz liegen ja die Gitarre, mein Schlafkrams und die Noten… Und der Wein. Und die Bilder :-)

Vier Uhr Morgens

Irgendwo hier.

Letztes Unscharfes Bild vorm Ziel. Versprochen. Aber ich will das doch alles trotzdem dokumentieren :-) Ich glaube, ich bin gleich da.
I can’t see nothing, nothing round here.
Mein Navi auf dem Handy (die treue Lisa liegt ja im Mercedes) hat mich schon drei mal gefragt, wo es hier bitte zum nächsten geostationären Satelliten geht. Gibt es Gegenden, die so einsam sind, dass ein Navi Depressionen bekommt und sich schmollend in sich zurückzieht? Die Antwort lautet: Ja. Aber egal, es ist noch angenehm früh, ich habe einen guten Hunger auf ungesundes Essen in mir drin und so richtig Bock, mal wieder ne halbe Nacht durchzusingen ♫ Außerdem habe ich Lutz’ Telefonnummer, und die wähle ich jetzt mal, um ihn zu fragen, wo ich hin muss. Ah. Er ist dran, er ist da und ich parke ferngesteuert den alten Audi auf einer Art Schotterplatz hinter einer kleinen Gruppe von Häuschen. Links von mir reihen sich in der Dunkelheit Lichterperlen am Himmel auf. Sie bewegen sich. Ich habe noch gar keinen Wein getrunken? Geografisch vermute ich, wenig unterstützt von meinem eingeschnappten Navi, dass das Autos auf der Brücke über den Fehmarn Sund sein könnten. Ah. Die Tür geht auf. Und nach ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahren öffnet mir: Klaus Lage. Nein. Lutz. Hallo, alter Freund!

Er ist es!

Er ist es!

Okay, da ist sie, die Zeit. An dem grinsenden Typen mit Bart wäre ich in der Fußgängerzone direkt und ohne mit der Wimper zu zucken vorbei gelaufen. Das liegt vor allem am Bart. Aber die Stimme….. die ist noch die gleiche :-) Ich geh rein, packe meinen Kram aus, klapp schon mal das Sofa zurecht (ich habe so eine Ahnung, dass ich das nachher vielleicht nicht mehr hinbekommen könnte) und gucke dann Lutz ein bisschen intensiver an. Krass. 29 Jahre seit wir die Fotos gemacht haben. Jetzt ich:

Vier Uhr Morgens

Auch nicht viel besser

Was machen zwei alte Freunde, die nicht so richtig wissen, warum sie zwischendurch keine Freunde mehr waren und die emotional wichtigsten teile ihres Lebens mit anderen Menschen verbrachten? Sie reden. Sie reden vor allem über diese anderen Menschen, mit denen sie die emotional wichtigsten Teile ihres Lebens verbracht haben. Das waren gute Menschen, das waren nicht so gute Menschen, das waren Vollpfosten und das waren totale Psychopathen. In fast 30 Jahren sammelt sich eine Menge von dem an, was man allgemein als “Leben” bezeichnet. Wenn das damals alles im Prospekt gestanden hätte, ich weiß nicht, ob meine Unterschrift unter dem allen vielleicht gefälscht worden wäre. Die erste Flasche Wein ist leer, bevor wir es uns eigentlich so richtig auf den Sesseln bequem gemacht haben. Lutz hat einen australischen Yellow Tail gekauft, ich möchte den als einen meiner fünf Lieblingsweine bezeichnen. Cool. Damals haben wir Kakao getrunken und Rumkugeln gemampft. Viele Rumkugeln. Bei Café Ebeling in Uelzen gab es die für 10 Pfennig, da haben wir immer gleich 50 Stück gekauft ;-) Fünfzig. Wir reden. Wir trinken. Wir reden noch mehr und wir trinken noch mehr. Und irgendwann wird es einfacher, das, was man sagen will in Melodien zu verpacken. Schade, dass Silke nicht dabei ist.

Vier Uhr Morgens

das Repertoire hat sich erweitert

Step out the front door like a ghost into the fog
Where no one notices the contrast of white on white
And in between the moon and you, angels get a better view
Of the crumbling difference between wrong and right

Well, I walk in the air between the rain
Through myself and back again
Where? I don’t know
Maria says she’s dying
Through the door, I hear her crying
Why? I don’t know

Round here we always stand up straight
Round here something radiates

Maria came from Nashville with a suitcase in her hand
She said she’d like to meet a boy who looks like Elvis
And she walks along the edge of where the ocean meets the land
Just like she’s walking on a wire in a circus

She parks her car outside of my house and
Takes her clothes off, says she’s close to understanding Jesus
And she knows she’s more than just a little misunderstood
She has trouble acting normal when she’s nervous

Round here we’re carving out our names
Round here we all look the same
Round here we talk just like lions but we sacrifice like lambs
Round here she’s slipping through my hands

Woah
Sleeping children better run like the wind
Out of the lightning dream
Mama’s little baby better get herself in
Out of the lightning

She says, “It’s only in my head”
She says, “Shh, I know it’s only in my head”

But the girl on the car in the parking lot
Says, “Man, you should try to take a shot
Can’t you see my walls are crumbling?”

Then she looks up at the building
And says she’s thinking of jumping
She says she’s tired of life
She must be tired of something

Round here she’s always on my mind
Round here, hey man, got lots of time
Round here we’re never sent to bed early and nobody makes us wait
Round here we stay up very, very, very, very late

I, I can’t see nothing, nothing round here
You catch me if I’m falling, you catch me if I’m falling
Will you catch me? ‘Cause I’m falling down on you

I said I’m under the gun round here
Oh man, I said I’m under the gun round here
Well I can’t see nothing, nothing round here

Counting Crows, 1994

Vier Uhr Morgens

definitiv die bessere Gitarre

Wir singen tatsächlich nicht den alten Stoff, den ganzen Kram, mit dem man in den 80ern Gitarre spielen lernt und den mal schon in den 90ern nicht mehr hören konnte. Wir singen Lieder, die das Leben schrieb und formte. Laut. Leise. Vorsichtig und aggressiv. Hier draußen gehen wir niemandem auf den Sack, stören wir keinen Nachbarn, rauben wir keinem kinderlosen Pärchen den verdienten Nachtschlaf. Hier draußen ist ja niemand außer uns. Der zweite Wein ist schon längst alle, in meinem leichten Gepäck sind noch zwei weitere Flaschen, die haben allerdings traubenmäßig mit den beiden guten Überseetropfen von Lutz nix zu tun. Nun. Die Überseetropfen sind alle. Meine beiden Flaschen wiederum bedeuten mir historisch gesehen sehr viel. Ohne Rücksicht darauf, ob es guter Wein ist oder nicht. Da ist einmal ein Rotwein aus der Schweiz, nicht nennenswert, denn es ist der einzige den ich im Supermarkt gefunden habe und er war nicht außergewöhnlich lecker. Aber während ich Lutz von der Mona Lisa und dem Jahr in der Schweiz erzähle und davon singe… trinken wir schweizer Wein. Na klar. Und dann gibt es da noch den ersten Wein. Meinen ersten Wein. Also – den Wein, den ich mit meiner allerersten Freundin Simone getrunken habe. Das war ein 1986er Château de Mornag aus Tunesien. Lieblich, süffig, aber der erste. Ich habe einen 2013er Château de Mornag dabei, immer noch lieblich, immer noch süffig, aber wen stört das jetzt noch?
Round here we’re never sent to bed early and nobody makes us wait
Round here we stay up very, very, very, very late

Well...

Well…

Vier. Vier Flaschen.
Es ist nicht die Qualität des Weines, es sind die Geschichten, auf die es ankommt. Einige haben wir gemeinsam erlebt, viele nicht. Und die erzählen wir uns zwischen den Liedern und den einzelnen Schlücken aus viel zu kleinen Gläsern. Irgendwann zwischendurch gab es ein Baguette mit Käse und Salami, Remoulade und geriebenem Ingwer zu futtern. Mjam. Und dann irgendwann später noch eins. *burps* Nicht ganz ohne Neid sehe und höre ich die Gitarre von Lutz, eine Fender, ich wollte schon immer eine Fender haben… Meine kleine “Jim Dandy” tut trotzdem gute Dienste. Ganz ohne die unter Gitarren übliche Eifersucht wird sie ein bisschen mehr beansprucht als sie gewohnt ist und bringt die untermalenden Töne raus, die zusammen mit den beiden angekratzten Stimmen einen manchmal leisen, oft lauten Klangteppich über der Bucht von Fehmarn weben. Die beleuchtete Perlenschnur zieht sich noch immer durch die Nacht. Wie gut, dass hier so wenig Menschen wohnen. Lutz murmelt irgendwas vom Hafenmeister, und dass wir besser das Fenster zumachen sollten. Vermutlich hat er Recht.

Vier Uhr Morgens

29 Jahre dazwischen

Vier. Vier Uhr Morgens.
Eine wahrlich beschissene Zeit, wenn man in der Nacht wach wird. Kennen Sie das? Noch nicht genug Schlaf, um ausgeschlafen zu sein und vor allem – nicht mehr genug Zeit, um noch einmal tief einzuschlafen, bevor einen der Wecker rausreißt und den neuen Arbeitstag einläutet. Das Gewicht dieser Zahl wiegt noch viel schwerer, wenn der erste Teil des Satzes, also die nicht ausreichende Menge Schlaf, noch gar nicht stattgefunden hat. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so lange wach war, auf jeden Fall war ich da noch viel viel jünger und es war bestimmt nicht unter der Woche. Oha.

Vier Uhr Morgens

Okay is gut jetzt.

Das schon vorgeklappte Klappsofa (ich lobe mich selbst dafür) ist wahrscheinlich wesentlich gemütlicher als die Ladefläche des Mercedes, Januar ist definitiv nicht der Monat, in dem man noch im Auto schlafen sollte. Bei aller Liebe zu diesem Schlafplatz als solchem, die Tatsache dass ich nicht wie im August in Ripdorf bei Uelzen mit dem Kombi, sondern mit dem ladeflächenlosen Audi hier bin spricht ebenfalls für das Schlafsofa. Also Schlafsofa. Macht das überhaupt noch Sinn, wenn der Wecker sowieso gleich bimmelt? Ich gucke den alten Mann im Spiegel mit roten Augen an und mache keine Fotos mehr. Ich träume irgendwas von schnell fahrenden Zügen, kurz darauf dämmert es und ich finde mich nur kurze Zeit später in meinem Auto wieder, irgendwo auf der A1 zwischen Fehmarn und Hamburg. Neben mir meine Gitarre, die mich anguckt, als hätte ich sie nach einem schönen Erlebnis in die Realität zurück entführt.

Vier Uhr Morgens

Jim Dandy ist nun Beifahrer

Vier. Vier Stunden Schlaf.
Sie merken langsam, warum diese Zahl und ich nicht die besten Freunde werden? Der Typ mit dem grauen Bart und der Fender Gitarre hat mir noch einen Kaffee in den Hals gekippt und sich hoffentlich wieder in sein Bett gelegt, als ich vom Hof gefahren bin. :-) Hihi irgendwie ist es tatsächlich ein bisschen so wie bei einem Date gewesen, die Aufregung in der Erwartung der Person, das viele Erzählen – und jetzt stehle ich mich in der Morgendämmerung aus dem Haus. Was sollen die Nachbarn denken? Ach nee – die gibt es ja im Umkreis von 10 Kilometern quasi nicht. Und Fische petzen nicht. Mir ist kalt, das Radio bekommt hier am Rand dieser Scheibe, die sich Erde nennt keine vernünftigen Sender rein und alle Kassetten leiern heute Morgen. Das Handy-Navi schmollt noch immer. Weiber. Ich glaube, wenn mich jetzt jemand anhält werde ich an Ort und Stelle verhaftet, aus verschiedenen Gründen, mindestens aber weil ich wohl so aussehe als hätte ich grad jemanden umgebracht. Puh. Vielleicht hab ich das sogar. Das Phantom der Virtualität. Ich hab mich mal wieder mit einem alten Freund getroffen. Nicht nur ne SMS oder ne Whatsapp geschickt oder ne Mail mit kopierten Inhalten… nein… ich bin hingefahren. Das tut gut. Das ist besser als 500 Facebook-Freunde, aber das muss ich Ihnen vermutlich nicht sagen.

Vier Uhr Morgens

reden wir nicht drüber

Ich schaffe es tatsächlich ohne nennenswerte Vorfälle bis in den Verlag nach Hamburg (wie langweilig), und nur wenige meiner Kollegen bemerken meine sehr tiefe Stimme… Die Texte fließen gut aus den Fingern, warum auch nicht, so ein Treffen inspiriert, und meine Finger greifen im Geiste noch schnell ein paar weinselige Akkorde. Nur Silke war gestern (vorhin) leider nicht dabei, weder in Echt noch sonstwie fernmündlich virtuell. Sie hatte ihr Handy irgendwo im Universum einer Damenhandtasche vergraben und erst einen Tag später unsere flehenden Nachrichten, die plakative Notwendigkeit einer Live Konferenz und die provozierenden Fotos bekommen. Da war ich schon wieder nüchtern. Trotzdem war sie des öfteren Thema dort oben in der Nähe der Fehmarn Sund Brücke, aber what happens in Großenbroderfähre stays in Großenbroderfähre ;-) Mehr von sowas. Das tut gut.
Am Anfang war das Bild. Aber am Ende auch, die Zahl hat das echt nicht verdient.

Sandmann

Vier Uhr Morgens

Am Ende war auch das Bild

[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]

Read more

Created Sonntag, 11. Januar 2015 Tags alte Freunde | Audi 100 LS 1977 | Gitarre | Kiel | Plön | Silke | Simon and Garfunkel | Uelzen | Vergangene Verse | vergangenheit Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
09 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Jens Tanz  

Sündige Beichte

Sündige Beichte

Die Sünde vor der Kirche

Es ist still im österreichischen Dornbirn. Sehr still. Eingeklemmt zwischen Bodensee und Allgäuer Hochalpen gehen freundliche Menschen ihrem Tagwerk nach, begrüßen sich, kennen sich. Einige der streng katholischen Alten auf dem Dorfplatz heben ihr Haupt in die warme Märzsonne und lassen ihren Blick über die nahe Bergkette gleiten, als sie ein dumpfes Donnern vernehmen. Die Versuchung ist förmlich spürbar. Der heilige Boden vor der blütenweißen Kirche am höchsten Punk der kleinen Ansammlung von Häusern vibriert leicht. Vögel verstummen. Leise, fast ängstlich läuten im benachbarten Tal ein paar Glocken. Armageddon ist nicht mehr fern.

Sündige Beichte

Robert – nein, er ist kein Teufel

Robert Willinger weiß, was er tut. Und woran er glauben kann. Als der Österreicher das Inserat eines 1965er Dodge Coronet 500 sieht, beißt er an. Der Coronet, die “Krone”, stellt so ungefähr das dar, was in den 80ern ein VW Passat in Deutschland war. Groß, robust, zuverlässig, nicht ganz billig und irgendwie ein bisschen langweilig. Dieses bestimmte Exemplar aus Reno, Nevada macht da eine kleine Ausnahme. Als Veranstalter der alle zwei Jahre stattfindenden US Car & Bike Show Dornbirn kennt er sich mit Amis bestens aus und ist begeistert von dem Umfang und der akribischen Protokollierung der Arbeiten, die der amerikanische Vorbesitzer an dem Fahrzeug durchgeführt hat. Die komplette Technik wurde erneuert und der Motor neu aufgebaut. Ein 440er V8, und falls Ihnen das nichts sagt – 440 Kubik-Zoll. Das entspricht mit 7,2 Litern knapp acht handelsüblichen Milchtüten. Ein Hubraum wie eine kleine Kathedrale, für die Analogie stellen Sie sich nun einmal einen VW Passat mit einem LKW-Motor vor. Seit der Überholung hat das Triebwerk erst 5000 Meilen abgespult. Damit aber kurz vor der Messe die Sünden sichtbar und hörbar werden sind weitere Modifikationen an dem unschuldig weißen Sedan-Klotz vorgenommen worden. Performer Intake, ein Demon Vergaser (das ist ein dämonischer Druckvergaser für den Kompressorlader), eine MSD Zündanlage und Fächerkrümmer bringen es inzwischen in dieser Kombination auf stattliche 350 Höllenpferde, die von einem Alukühler mit zusätzlichem Elektrolüfter leidlich beruhigt und mit Scheibenbremsen vorn und hinten fachgerecht im Zaum gehalten werden.

Sündige BeichteSündige BeichteSündige Beichte

Mit der Heimsuchung hatte Willinger Pech. Während der Verschiffung aus den USA drang eine Menge Feuchtigkeit in den Container ein, und der Innenraum des Dodge war vollständig durchnässt. Also musste er die gesamte Innenausstattung ausbauen, durchlüften, reinigen und aufbereiten. Der Teppich wurde vollständig ersetzt. Das ganze Geraffel sieht jetzt aus wie neu und riecht sogar so :-) Und alles andere…?

Sündige Beichte

leicht….. äh… modifiziert

Als die Gebrüder Dodge 1901 ihre Dodge Fahrrad- und Maschinenteile Fabrik in Detroit, Michigan, etablierten war noch nicht abzusehen, dass die Firma eines Tages zu den ganz großen Playern im US-amerikanischen Automobilzirkus gehören würde. In den 60ern bediente man das gut gehende Mittelpreis-Segment und stellte dem Normalbürger geräumige, sportlich angehauchte Fullsize-Limousinen vor die Tür. Ich persönlich mag ja die amerikanischen 60er. Die überheblichen Flossen der Rock’n Roll Zeit sind von den Sauriern wegdesigned worden, und der hemdsärmelige Auftritt der asphaltsaugenden Muscle Cars ist noch ein paar Jahre entfernt. Ich denke an Stewardessen, die vor einer Superconstellation stehen. An rauchende Hutträger am Rockefeller Plaza. An sexy Kurven in knappen Kleidchen. Ups? Die filigranen 60er Jahre Details des angenehm schlichten Interieurs fallen beim sündigen Blick in den Innenraum erst in zweiter Instanz auf.

Sündige BeichteSündige BeichteSündige Beichte

Dominiert wird das Cockpit von einigen Zusatzinstrumenten, die analog Auskunft über das gesundheitliche Befinden der Teufelsmaschine unter der Haube geben. Auf dem Beichtstuhl selbst wird der Pilot von einem breiten, roten Geschirr gleich einem LKW-Spanngurt gehalten. Der Rest ist ein Konglomerat aus Raumgefühl, Lifestyle und unheiliger Kraft, die sich visuell von außen nur aufgrund der breiten Chromfelgen und der Hutze in der Haube erahnen lässt. Jeder kann mit seinem Auto machen was er möchte. Und wenn es Robert gefällt – dann ist es gut. Originalitätsfanatiker haben an diesem fast schon religiös angehauchten Bekenntnis an die Kraft keine Freude. Und die Pferdchen im Stall (denn es war sonst kein Raum in der Herberge) scharren grad geduldig mit den Hufen. Doch wehe, wenn sie losgelassen!

Sündige Beichte

Akustischer Höllenritt, ganz ehrlich

Die Metapher vom Wolf im Schafspelz ist unfassbar abgegriffen, also nehmen wir an dieser Stelle einmal die Geschichte von Martin Luther und dem aufziehenden Gewitter. Und landen wieder vor der Dornbirner Dorfkirche, wo noch immer der Boden bebt. Ich komme mir fast ein bisschen blöd vor. Da hinten sitzen die ALten noch auf der Bank, und ich hüpfe mit meiner Kamera hier rum, als wenn ich gleich ein Wahnsinns-Promi-Ereignis ablichten will. Na ja. Ein bisschen ist das auch so. Promis mit Bodenhaftung. Der jetzt um die Ecke biegende Donner-Dodge erweist sich aufgrund der neu aufgebauten Technik als sorgenfreies Alltagsfahrzeug und wird jeden Tag von Willinger und seinem Sohn gefahren. Gleich dem Passat fährt sich das 50 Jahre alte Auto problemlos, ist zuverlässig und gottseidank anders als sein europäisches Pendant heute nicht mehr mit dem Leichentuch der Langeweile bedeckt. Im Gegenteil. Das fast 5,5 Meter lange kantige Chromgefährt bleibt blubbernd stehen, der Fahrer lässt den Motor laufen und entsteigt in die Morgensonne. Gefährliches Terrain hier. Heiliger Boden.

Sündige BeichteSündige BeichteSündige Beichte

Anstatt seine Thesen an die Kirchentür zu nageln stellt der gute Hirte mit den erfahrenen Händen und Ohren den gierigen V8 ein bisschen nach, ein paar der Pferdchen waren wie das Schaf auf Abwegen. Sauber. Die weiße Tür fällt wieder ins Schloss, der Gurt klickt – dann donnert er weiter an den Alten vorbei in Richtung seines Ziels, in Richtung seines nächsten US Car Treffens (wo man sich ein Bildnis machen kann) und in Richtung der anderen spektakulären US-Klassiker in seiner Sammlung. Das Fegefeuer der beiden Auspuffrohre ist noch lange in den Straßen zu riechen. Und auch wenn Martin Luther nach dem Gewitter ein Mönch wurde, wird man in Dornbirn Robert Willinger vergeben. Er fährt doch am Ende des Tages nur ein Auto, wenn auch ein sehr böses. Ablasszettel wird er demnach nicht erwerben müssen. Seine einzigen Sünden bestehen aus übermäßigen Karosseriedimensionen und regelrecht blasphemischer Kraftentfaltung, wenn wir ein letztes mal die alberne Parallele zum Passat ziehen.

Sündige Beichte

Ab dafür und tschüss

Und erst, wenn der letzte dumpfe Zündvorgang von den Alpen zurückhallt, wird man auch in anderen Teilen Österreichs feststellen, dass moderne Kleinwagen tief im Inneren der Seele nicht glücklich machen. So sei es.

Sandmann

Dodge Coronet 500 Serie 1
Baujahr: 1965
Motor: 440 cui V8
Vergaser: Demon Druckvergaser
Zündung: MSD
Hubraum: 7.200 ccm
Leistung: 350 PS
Getriebe: 727 Automatic
Beschleunigung: Brutal
Höchstgeschwindigkeit: Egal
Länge: 5.480 mm
Breite: 2.020 mm
Gewicht: 1.680 kg
Bilder: Jens Tanz
Originalartikel auf TRÄUME WAGEN

Read more

Created Freitag, 09. Januar 2015 Tags 1965 | Demon Vergaser | Dodge Coronet | österreich | Robert Willinger | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
05 Jan 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Jens Tanz  

BÄUME WAGEN

BÄUME WAGEN

Kombi? Ach – egal

Das Jahr ist jung, das Jahr ist frisch und das Jahr ist voller Poesie. Haben Sie 2015 schon mal über Äpfel nachgedacht? Nein? Ich schon, denn ich hab da noch so einen natürlichen Apfelproduzenten in einem bestimmten Garten stehen, wo er nicht hingehört. Lösung? In den sauren Apfel beißen, ausgraben, aufs Dach binden und in einem anderen Garten (wo er hingehört) wieder eingraben. Problem: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, und der ist dick. Der Kandidat ist schon 12 Jahre alt und ziemlich groß und schwer. Und mir kommen den ganzen Tag schon Apfelgedichte und Redensarten in den Sinn, was ziemlich nervig ist. Außerdem habe ich Angst davor, das hölzerne Ding auf mein Autodach zu binden. Doch verbotene Äpfel sind süß:-) Sie sehen schon – alles wie immer. Begleiten Sie mich dachlastig durch Kiel…?

ARGH.

BÄUME WAGEN

Timber. Er liegt flach.

Ein Apfel am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Das mag ja sein, aber haben Sie schon einmal einen mittelalten Apfelbaum bei Bodenfrost und Minusgraden ausgegraben? Nein? Ich bis heute auch noch nicht. Auch wenn ein Tag zum Bäume ausreißen ist – man bekommt so eine Ahnung, dass nicht alles gut durchgeplant ist. Während ich mit dem treuen finnischen Fiskars Spaten tief steche und weit schmeiße summe ich den Klassiker von Wencke Myrhe aus den späten 60ern: Beiß nicht gleich in jeden A_ha_pfel, er könnte sauer sein, denn auf rote Apfelbä_hä_ckchen fällt man leicht herein. Küß nicht jedes schöne Mä_hä_dchen, das kann gefährlich sein, denn auf rote Apfelbä_hä_ckchen fällt man leicht herein ♫ Die hübsche Norwegerin, die inzwischen ebenfalls in den späten 60ern ist, hat uns noch mit anderen Smash Hits wie “Er hat ein knallrotes Gummiboot” oder “Lass mein Knie Joe” glücklich gemacht. Nun. Wenn der Apfel reif ist, fällt er ab. In meinem Fall fällt er um. Also, der Baum. Timber! Es ist nicht überliefert, wie viel Wurzelwerk exakt nötig ist, um so einen floralen Kaventsmann in neuem Boden überleben zu lassen, aber ich habe reichlich retten können. Außerdem sind wir noch lange nicht beim neuen Boden. Ich habe nicht den geringsten Schimmer, wie schwer genau dieser Baum ist, aber ich kann ihn nicht tragen. Und ich bin ganz schön stark. Maximal an einer Seite kann ich ihn anheben und schleifen. Bis zum Auto. Und das dauert schon ganz schön lange.

BÄUME WAGEN

Irgendwie habe ich den da raufbekommen

Ja, ja, ja, ja es ist nicht alles Gold was glänzt. Nein, nein, nein, nein, es trügt oft nur der Schein. Ach Wencke. Ich habe heute Morgen weder vor, schöne Mädchen zu küssen noch auf rote Apfelbä_hä_ckchen reinzufallen. Ich will einfach nur diese Holz gewordene Metapher meiner eigenen Unzerstörbarkeit dort haben, wo ich lebe. In einem kleinen Garten, den ich von meinem Balkon aus sehen kann. Ohne den Ast abzusägen, auf dem ich sitze gelingt es mir tatsächlich, den Baum aufs Dach meines alten Daimlers zu wuchten. Lehmig ist er, und er verteilt sein Erdreich großzügig. Als das Dach sich bedenklich einbeult beschließe ich, dass die Idee noch nicht ausgereift ist und sprinte in die Garage, um ein wenig Unterfütterungsmaterial zu holen. Ein Bettlaken, ein altes Gummiboot (wenn auch kein knallrotes) und eine Spanplatte reichen für’s erste. Alles für diesen Baum. Aber Apfelbäume scheinen es wert zu sein, sogar Lessing hat darüber lüstern referiert: Johann und Hanne konnten kaum vor Liebesglut die Dämmerung erwarten und schlichen sich in ebendiesen Garten von ungefähr an ebendiesen Apfelbaum. Hans Steffen, der im Winkel oben saß und fleißig brach und aß, ward mäuschenstill vor Wartung böser Dinge, daß seine Näscherei ihm diesmal schlecht gelinge.Was lerne ich daraus, während ich die Spanngurte suche? Johann und Hanne suchen einen schattigen Platz zum Poppen, und Hans Steffen will lieber Äpfel klauen und futtern und scheint gar nicht so recht zu wissen, was er da unten eigentlich gerade beobachtet, der alte Spanner. Ah. Ja. Spanner. Spanngurte. Rot wie Äpfel.

BÄUME WAGEN

Dann hoffen wir mal auf KEINE Ordnungshüter

Ein Apfel am Tag, mit dem Doktor kein Plag. Super. Münzen wir diese Redensart um auf den Baum selbst, und ich kann es nicht bestätigen. Mein rechtes Handgelenk fühlt sich irgendwie ausgehakt an, mein rechter Arm scheint 10cm länger als vorher. Ich glaube, ich habe mich überhoben. Es ist schlicht nicht zu fassen, wie schwer das kleine Bäumchen ist. Der Lump. Auf dem Dach ist er nun, auch einigermaßen fachgerecht festgezurrt habe ich ihn. Mit zwei apfelroten Gurten. Alte Bäume biegt man nicht, aber der hier ist so stabil, da bin ich unbesorgt. Außerdem – krumme Bäume tragen auch Früchte. Ich bin jetzt nur ein ganz kleines bisschen nervös, weil ich noch nicht weiß, wie ich auf den vor mir liegenden 5 Kilometern einer eventuellen Polizeikontrolle das dramatische und fahnenlose Überhängen der Äste am Heck des dunkelblauen Daimlers erklären soll. Wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen, ist ein Wort, gesprochen zur rechten Zeit (2. Salom. Spruchsammlung 25.11) Aber statistisch gesehen ist die Chance, auf diesem kurzen Stück angehalten zu werden sehr gering. Ich wage es. Theodor Fontane bringt es auf den Punkt. O schüttle ab den schweren Traum und die lange Winterruh: Es wagt es der alte Apfelbaum, Herze, wag’s auch du.

BÄUME WAGEN

Highway to Hell

Zweimal halte ich am Straßenrand an, um zu gucken, ob auch alles okay ist :roll: Obwohl ich im Rückspiegel ziemlich gut die Krone sehen kann und eigentlich auch alles sicher ist, vor allem, seit sich einer der Hauptäste hinter dem Heckscheibenwischer verkantet hat. Oha. Jetzt fürchte ich um einen Ast, fast bricht er zusammen unter der Last.  Geschieht´s, werden lange Gesichter sie machen, manchmal muß leider erst etwas krachen. Da fallen mir mindestens drei Sünden meiner Sturm- und Drangzeit ein. Wo ich Autos nicht immer fachgerecht beladen habe. Erinnern Sie sich? Kombi – braucht man nicht wäre der Anfang von allem, und bei meinem Aldi 80habe ich es vielleicht wirklich übertrieben. Schlimm waren die 1.5 Tonnen Feldsteine im Audi V8… ach, heute bin ich doch gar nicht so schlecht davor. Und das MIT einem Kombi, werde ich etwa alt und spießig? :-) Nein. Vielleicht etwas vernünftiger. Auf der B404 skandiere ich aus gegebenem Anlass ein Kinderlied von Robert Reinick: Und wer kam nun gegangen? Es war der Wind, den kenn ich schon, der küßt nicht und der singt nicht, der pfeift aus einem andern Ton. Stimmt. Und zwar laut. Auch bei Robert ging es um einen Apfelbaum, allerdings stand der in einem Garten und lag nicht auf dem Dach eines Mercedes-Benz. Hui wie das pfeift. Und nun? Ich bin da. Heißa Kathreinerle.

BÄUME WAGEN

Ankunft ist ein bisschen wie sterben

Nun muss der Früchte tragende dicke Stock nur noch wieder runter vom Dach und durch den Flur nach hinten in den Garten, wo ich ein nennenswert großes Loch ausheben werde. Wissen Sie was? Ich bin kaputt. Ich kann nicht mehr. Mein rechtes Handgelenk pocht schmerzend, mein Auto guckt mich an als ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte und die Nachbarn hinter den Fenstern lachen sich einen Ast. Ich entwickel wirre Gedanken. Also – noch mehr als sonst. Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland hatte einen Birnbaum, der war bestimmt nicht so schwer und der stand da einfach in seinem Garten rum. Bäume sind ja nicht erfunden worden, damit man sie auf Autodächern durch Städte fährt. Außer zu Weihnachten. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich grabe. Und ich singe weiter vor mich hin, mal von roten Apfelbä_hä_ckchen und mal mit den Worten von Reinhard Mey, der sich so herrlich über die “Gartennazis” in seiner Nachbarschaft aufgeregt hat: Wenn alle Hoffnungen verdorr‘n, mit dir beginn‘ ich ganz von vorn. Und Unerreichbares erreichen, ja ich kann‘s! Du bist das Apfelbäumchen, das ich pflanz‘! Auch wenn der Großmeister des gelegentlichen Wind-nordost-startbahn-null-drei was anderes meinte – er spricht mir aus der Seele. Unerreichbares erreichen. Ja. Das ist ein paar mal gelungen im vergangenen Jahr.

BÄUME WAGEN

Steht. Wie ne Eins.

Das Loch ist wieder zu, der Baum steht und ist liebevoll angegossen. Mein rechtes Handgelenk ist vermutlich für immer zerstört, mein Fiskars Spaten um Jahre gealtert und meine dicken Gartenschuhe dem Ruhestand nahe. Kalter Januar 2015. Warum mache ich so einen Scheiß? Weil ich es will, und weil ich nicht ohne Apfelbaum sein möchte. Warum kaufe ich im Baumarkt nicht für 20 Euro einen anderen, kleinen Baum, der definitiv anwachsen wird? Weil es dieser Apfelbaum sein muss. Ein Apfel FAQ? Nein. Ich lasse einfach keine alten Freunde mehr im Stich. Und was wird das für ein Triumph, wenn die ersten Knospen an den Ästen aufblühen werden. Dann kann ich es mit den Worten von James Krüss beschreiben: Der Apfelbaum ist aufgeblüht. Der Winter ist vorbei. Mit Blütenduft und Meisenlied erscheint der junge Mai.

Sandmann

Read more

Created Montag, 05. Januar 2015 Tags Absurdistan | Alltag im W210 | Apfelbaum | baum | Dachlast | Mercedes S210 | T-Modell | transport Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
Anzeige
Webhosting by Speicherzentrum.de
 
22 Dec 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Nur ein Garagentor

Nur ein Garagentor

Und wieder eine Zeitmaschine

Ein trüber Sonntag. Nicht ausgeschlafen, aber nach Kneipp Badesalzen duftend blinzel ich leicht melancholisch in genau diesen trüben Sonntag. Aus genau dem Fenster, in dem sitzend ich gestern Abend noch über leere Städte sinnierte. Heute geht es wirklich schon wieder zurück in die Gegenwart? Ja. Offensichtlich, aber es geht in Richtung Weihnachten. Und heute sollen wir noch ein paar Tiere sehen. Eine Ente, einen Löwen, ein Krokodil, eine Eule, ein Nashorn und eine Möwe. Und einen Hund. Leider keine Giraffe und keinen Marienkäfer. Nein, ich bin weder verwirrt noch betrunken noch ein metaphorisch textender Künstler. Wenn Sie wollen nehme ich Sie mit in den dritten und letzten Tag der kleinen Weihnachtsreise 2014 und erkläre Ihnen das mal :-)

Ein guter Tag….. beginnt… mit….. ich merke beim Schreiben, dass ich diesen Satz schon 42 mal benutzt habe :-) Aber wir frühstücken trotzdem gut.

Nur ein Garagentor

Die wichtigste Mahlzeit des Tages

Es fühlt sich komisch an, jetzt hier und heute zu frühstücken. Die Information, dass wir so ziemlich die wirklich allerletzten Gäste des Hotels Stadt Hamburg sind (bevor sich die Tore schließen) gibt dem Essen einen schalen Beigeschmack. Dabei ist doch alles so lecker. Der Kaffee ist heiß und duftig, die Brötchen frisch und knackig und die Eier innen noch ein gaaaanz kleines bisschen weich. Die Kühltruhen brummen zufrieden vor sich hin, hinter den kleinen Fenstern heben sich die Dächer von Uelzen vor dem grauen Himmel ab. Es ist alles so wie es sein soll, aber eben zum letzten Mal. Na gut. Darüber haben Sie ja schon in den Kommentaren der letzten Geschichte ausführlich philosophiert, das Leben geht weiter, und es wird Gründe geben, warum dieses Hotel schließt. Ich kann sie nicht erahnen. Ich finde es einfach nur sehr schade und werde andere Übernachtungsmöglichkeiten an den Schauplätzen meiner Kindheit ausloten müssen. Es ist noch recht früh, und mein gar nicht mehr so kleines Töchterchen und ich werden gleich noch mal eine kleine Runde durch die kleine Stadt stapfen. Frische Luft, wach werden, und Papa kann noch ein paar alte Geschichten rauskramen.

Nur ein Garagentor

Eine Stadt unter Wasser

Zwei Sachen sind für mich noch offen, bevor ich den alten Audi heute Mittag wieder in Richtung Norden lenken werde. Einmal über die “Nagelbrücke” beim Stadtpark laufen… und irgendwie… geht mir das Garagentor meines alten Mathelehrers nicht mehr aus dem Kopf. Na schauen wir mal. Der Audi steht dankenswerterweise immer noch direkt vor der Hoteltür in der wieder komplett entvölkerten Innenstadt von Uelzen. Und ich glaube nicht, dass die Leute alle nur demütig in irgendwelchen Kirchen verschwunden sind ;-)
Spazieren gehen. Ein schöner Begriff. Spazieren gehen bedeutet, einen Weg zurück zu legen. Nicht mit dem Ziel, möglichst schnell irgendwo anzukommen, sondern des Gehens wegen. Die frische Luft einatmen, Zeit haben und sich auf Ereignisse freuen, die danach kommen. Spazieren gehen. Großartig. Wir sind früher viel spazieren gegangen, und mindestens der Sonntagsspaziergang wurde immer sehr ausgedehnt. Opa hat eine Handelsgold Zigarre geraucht, ich habe wie ein Wasserfall die zuletzt gelesenen Micky Maus Geschichten meinen vermutlich gar nicht zuhörenden Eltern erzählt. Die waren nämlich grad damit beschäftigt, ihre Ehe aufzulösen. Im Dezember führten die spazieren gegangenen Runden gern mal in die Stadt, Schaufenster gucken. Der Weg ging über eben jene flache Fußgängerbrücke, die den Stadtpark überspannt. Ihre Bohlen waren mit rundköpfigen Nägeln oder Bolzen im Stahlgerüst verankert, und als ich alt genug war wollte ich die alle zählen. Alle Nägel auf meiner Nagelbrücke. Und ich habe mich auf den Abend gefreut, gemeinsam am Tisch sitzen, vielleicht noch Rommée spielen.

Nur ein Garagentor

Die Nagelbrücke.

Ich glaube, dass die Brücke eigentlich anders heißt. Und die dicken Rundkopfbolzen sind durch Torxschrauben ersetzt worden. Ich atme tief durch und bilde mir ein, dass es genau so riecht wie 1980. Und dass es nur hier in Uelzen so riecht. Mein Töchterchen philosophiert derweil über Häuser und Wohnungen, warum man in einer Kleinstadt gut leben könne und warum nicht auf dem Land. Was es wohl koste und wo sie später mal studieren möchte. All dies sind Gedanken einer 14jährigen, die mich ein bisschen beeindrucken. Mit 14 habe ich selbst mich damals gefragt, was ich wohl zu Weihnachten bekommen werde, wie ich an diese coolen Schmutzfänger für Fahrräder rankomme, was im nächste YPS drin sein wird und was wohl aus Iris Tanz geworden ist. Wegen Immobilien und Zukunftsaussichten bemühte ich keine einzige Synapse. Vielleicht war das ganz gut so, vielleicht hatte ich als Kind in diesen Zeiten schon genug Gewichte auf den Schultern. Ich weiß es nicht. Ich weiß auch 30 Jahre später nicht, was aus Iris Tanz geworden ist. Den Rest konnte ich klären.
Papa und Tochter gehen spazieren und biegen ab in Richtung Ratsteich. Hier auf dem kleinen Stück Asphalt habe ich damals meinen ferngesteuerten Mazda RX7 mit Klappscheinwerfern zum ersten mal ausgepackt und gefahren, weil ich nicht bis zu Hause warten konnte. Dinge, auf die ich mich gefreut habe. Am Ratsteich selbst habe ich mit Opa am Wochenende Enten gefüttert. Mit hartem, trockenem Mischbrot, was ich auch selbst eigentlich ziemlich lecker fand. Wenn man das heute macht hat man sofort eine Klage vom Tierschutzverband am Hals.

Nur ein Garagentor

Hallo und tschüß. Bis zum nächsten Jahr.

Irgendwie mag ich es ja hier. Ich bin ganz froh, nicht mehr in Niedersachsen zu wohnen, aber ich komme immer wieder gern hier her. Uelzen hat gerade so eine Größe, dass man den Überblick behalten kann. Überblick bekommt einen ziemlich großen Stellenwert für den jungen Mann ab 40. Wer schon mal in Berlin gelebt hat weiß, dass eine Stadt einen auch fressen kann. Das wird hier vermutlich nicht passieren. Im Frühling komme ich noch mal wieder, ich habe noch ein paar Ecken offen, die ich gerne anschauen möchte. Das mache ich dann am besten mal alleine, zu viel “Geschichten aus dem Krieg” will ich meinem sehr geduldigen Töchterchen auch nicht zumuten. Die klagt inzwischen über kalte Füße, weil sie ihre Socken so tief in den Koffer im Kofferraum gepackt hat, dass sie jetzt nicht mehr rangekommen und barfuß in ihren Stiefeln losgelaufen ist. Ach Kind. Ich kann ja grundsätzlich nur mit Ringelsocken dienen, aber selbst die nimmt sie dankend an. Okay. Dann sind wir heute wohl mal Socken-Homies :-) Während sie sich die frischen Ringels hinterm Kofferraum wie bei einem Drogengeschäft auf einem windigen Parkplatz aneignet atme ich noch einmal tief durch. Der Wind weht den Rauch aus dem Schornstein der Zuckerfabrik direkt hier her. Das -> ist meine Droge. Dieser Geruch tritt so viele Bilder los, dass ich hier ganz schnell weg muss.

Nur ein Garagentor

Der legendäre Sockentausch von 2014

Hatten wir nicht beschlossen, so wenig Dates wie möglich auf dieser kleinen Reise wahrzunehmen, um endlich mal zur Ruhe zu kommen? Ach komm, einer geht noch. Als ich gerade den Türgriff in der Hand habe ruft Markus an und lädt uns noch zu einem schnellen Kaffee in sein Häuschen ein, an dem seit einem Jahr gebaut wird. Neugierig, wie wir sind wollen wir uns das noch mal angucken, es liegt außerdem auf dem Weg rüber nach Oldenstadt (wo vielleicht noch dieses Garagentor mit den Tieren zu finden ist) und bei Kaffee kann ich ja nie nein sagen. Also hin da, zu meinem Patenkind, zu dem alten Freund aus Kindertagen und zu seiner lieben Frau Gemahlin. Der erste, der uns begrüßt ist im Gesicht ähnlich zugewachsen wir ich, am Rest des Körpers noch mehr und ziemlich quirlig drauf. Uiiiiiiiiii :-) ein kleiner Cocker Spaniel. Die Familie hat Nachwuchs bekommen! Und die Socken-Homies einen Fußwärmer vorm Kamin. Ich hasse Katzenbilder auf Facebook, aber generell bin ich ja dem maunzenden und bellenden Fellzeug gegenüber sehr offen.

Nur ein Garagentor

Nachwuchs bei Markus

Viel Bewegung. Das ging nicht besser, sorry. Aber es war eine gute Idee, nach dem Spaziergang hier noch ein bisschen Wärme und Kaffee zu tanken. Ich gucke mir immer so gern an, wie andere Leute wohnen. Ich finde das total spannend. Dabei geht es mir gar nicht um Vergleiche, ob was besser oder schlechter ist. Ich fühle mich nur so gern in die Lebensgeschichten der mich umgebenden Menschen ein, und ein Wohnzimmer ist ja mindestens ein Ausdruck für irgendwas. Wo für auch immer, ich bin ja kein Psychologe. Aber das Markus’sche und Tina’sche Wohnzimmer ist gemütlich, warm und sehr geschmackvoll eingerichtet. Doof, dass wir weiter müssen. Hier könnte ich das noch ein bisschen aushalten. Der Kaffee ist lecker, im Ofen brutzelt das Kasseler und verbreitet einen typisch leckeren Sonntagsgeruch (definitiv auch aus objektiver Sicht besser als die Abgase der Zuckerfabrik) und der quirlige kleine Hund zerlegt gewissenhaft das gesamte Interieur. Gniiihihi. Okay, aber eine kleine Aufgabe haben wir noch. Ein Garagentor finden. Hund versucht, das durch Fußraumbesetzung zu verhindern.

Nur ein Garagentor

Ob es hier einfach besser riecht als im Bora?

Und wieder ein Argument für ein altes Auto. Markus fährt Bora. Da scheint sich Wauwi nicht so wohl drin zu fühlen wie in dem alten Dottore. Vielleicht liegt das an den ganzen vielen verschiedenen Gerüchen in meiner alten Kiste? Hunde sind da ja noch viel sensibler als ein kleiner Sandmann. Hm. Mit Liebe oder sanfter Gewalt ist er da nicht rauszubekommen, wohl aber mit einem Leckerli. Sehr berechenbar, der Kleine. Ich mag ihn :-) Markus und ich, genau wie gestern Olaf und ich beschließen wieder einmal mehr, dass wir uns öfter sehen müssen. Weil es immer wieder so gut tut. Und zum ersten mal seit Jahren habe ich Hoffnung, dass es vielleicht sogar klappen könnte. Wir arbeiten daran.
*klick*
Sie erinnern sich? Irgendwo mitten drin im ersten Teilwollte ich noch ein bemaltes Garagentor angucken, habe mich aber zugunsten eines Gitarrenerwerbs dagegen entschieden, obwohl ich schon ganz in der Nähe war…  Schon wieder rollt das 37 Jahre alte Auto durch die noch viel älteren Straßen von Oldenstadt bei Uelzen. Hier hat er irgendwo gewohnt, Norbert, mein damaliger Mathelehrer. Mein Papa hat noch viele Jahre später zusammen mit ihm Volleyball gespielt. Ich erinnere mich an Spaziergänge in den Wald nebenan, auf deren Rückwegen wir immer an den beiden Garagentoren vorbei gelaufen sind. Weil da bunte Tiere drauf gemalt waren. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Giraffe, die zu groß für das Tor war. Er hat sie trotzdem raufgemalt und den Kopf oben aus Pappmache aus dem Garagendach herausragen lassen. Großartig. Dann war da noch ein Krokodil, das fand ich immer komisch weil das auf dem Kopf stand. Und ein klitzekleiner Marienkäfer. Winzig klein, wie Marienkäfer nun mal so sind. Ich bin immer zum Tor hingelaufen und habe mir so lange die Nase dran plattgedrückt, bis ich den gefunden hatte. Ich will dieses Tor sehen. Gleichwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass so etwas 30 oder 40 Jahre Bestand haben soll….
Doch. Hat es. Zumindest teilweise.

Nur ein Garagentor

Anders. Aber noch da.

Der Mann war googelbar, und auch wenn ich das alles hier völlig anders in Erinnerung hatte – ein Teil des Tores ist noch immer da :-) Nicht mehr das mit der Giraffe, das war wohl rechts. Und den Marienkäfer finde ich auch nicht mehr, ich will mir allerdings heute auch nicht so doll die Nase plattdrücken, wie ich das Ende der 70er gemacht habe. Die Nachbarn könnten nervös werden. *hach* Und fehlt inzwischen leider die Zeit, mal zu klingeln und zu fragen. Außerdem weiß ich auch gar nicht, ob man mir hier wohlgesonnen ist? Schließlich ist das alles schon über 30 Jahre her, und inzwischen ist eine Menge Wasser die Ilmenau runtergeflossen. Aber ich habe Norbert, meinen Mathelehrer und damaligen Freund meiner Eltern als lustigen, wortgewandten Mann in Erinnerung. Hm. Ich werde ihn heute Abend mal anrufen, unbedingt.
Ich verneige mich in Gedanken vor dem Krokodil, das noch immer oben am Garagendach hängt und noch immer irgendwie ein bisschen seltsam aussieht. Schon wieder springt mich ein komisches Gefühl an. Da spielt Dankbarkeit mit rein, Dankbarkeit dafür, dass ein paar Konstanten aus der Vergangenheit noch immer Bestand haben, während das Leben unaufhaltsam und hektisch weitergeht. Und dann ist da noch die Erkenntnis, unvermeidbar älter zu werden. Bisher sind doch immer nur die anderen älter geworden, und ich nicht? Na ja, vielleicht ein ganz kleines bisschen. Aber wenn nur ich als einziger nicht älter werde, warum verschwinden dann nach und nach die letzten Zeugen meiner Kindheit? Darüber muss ich mal nachdenken. Dieses Garagentor steht für mich symbolisch für eine ganze Reihe von Erkenntnissen. Es ist noch da, aber anders. Es geht immer weiter. Und jetzt ruft die Autobahn, der Roadmovie geht in die letzte Runde.

Nur ein Garagentor

Heimwärts Highways

So ein altes Auto kann ja auch eine Konstante sein. Und haben Sie keine Sorge – das geht jetzt hier im neuen Jahr nicht permanent melancholisch weiter ;-) Es ist diese Zeit um Weihnachten rum, es ist diese Stadt und meine Kindheit – und es sind die vergangenen drei Jahre, die mir viele viele Gedanken durch den Kopf treiben. An einigen lasse ich Sie teilhaben und glaube, hier und da verstanden zu werden. Die anderen behalte ich für mich. Manchmal verpacke ich sie in Lieder. Aber wer bekommt die denn schon zu hören…
Wir schmurgeln mit dem frisch überholten 2-Liter-Vierzylinder über die Autobahn zwischen Lüneburg und Hamburg. Keine Neuwagentester, keine wohlhabenden Lifestyle-Reisenden auf einer gesponserten Fototour zu den It-Places der Republik und keine gut bezahlten Journalisten, die hochpreisige Design-Ikonen in Richtung Werbeagentur chauffieren. Nur ein Papa und seine Tochter in einem alten Audi 100, der keine 1000 Euro mehr wert ist. Innen blau und braun, außen silber mit schwarzem Vinyldach. Niemand bezahlt uns Geld für unsere kleine Reise, vielleicht macht das es gerade für mich einfacher, meine Gedanken runterzuschreiben. Weil ich niemandem Rechenschaft schuldig bin und kein adleräugiges Lektorat die Wörter kürzt. Krass, womit ich Sie und euch hier zutexte, als mir das klar wird bekommt mein Blick so einen leicht irres, aber zufriedenes Leuchten…

Nur ein Garagentor

Badezeit vorbei, ab in Richtung Weihnachten

Socken-Homies auf dem Heimweg nach Weihnachten. Ein jeder in seine Stadt. Meine beiden hübschen großen Töchter fahren in diesem Jahr mit ihrer Mutter und dem Hund nach Dänemark und strecken die Füße hoffentlich vor einem gemütlichen Kaminfeuer aus. Also wird es auf der deutschen Seite der Grenze ein klassisches kleines Weihnachtsfest mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona und dem viertelfinnischen Sandmädchen in Kiel. Der kleine Frosch wird in diesem Jahr zum ersten mal verstehen, dass irgendwas besonderes stattfindet. Mit einem Baum und Lichtern drauf, mit einem Krippenspiel in der Kirche und kleinen, bespielbaren Geschenken am Abend. Ihre Augen werden leuchten, und sie wird Mama und Papa mit Urvertrauen angucken und später glücklich einschlafen. Genau das… werden wir als ihre Eltern nicht verkacken. Und wenn sie selbst eines Tages vielleicht zu den Plätzen ihrer Kindheit zurück fahren wird, dann hoffentlich weil sie sich gern an die Zeit zurück erinnert und die Gedanken sie mit einem wohligen Gefühl der Geborgenheit erfüllen. Und nicht, weil sie versucht, durch solche Reisen etwas wiederzufinden. Etwas, was man nirgends mehr entdecken wird, weil es schon vor Jahrzehnten für immer verloren gegangen ist.

Sandmann

Read more

17 Dec 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Abgesang an ein Licht

Nie wieder so hell

Nie wieder so hell

Haben Sie schon einmal nach oben geguckt und in dem Moment gefühlt, dass alles gut wird? Weil es da oben immer weiter geht, angeblich endlos? Oder weil da oben Engel sind? Oder einfach nur, weil da oben nicht viel ist, über das man traurig sein könnte? Die Dunkelheit über Uelzen, dieser alten, für die meisten Menschen auf diesem Planeten relativ bedeutungslosen Stadt im Schatten der Zuckerfabrik wird im Dezember erhellt durch lange Lichterketten. Seit ich denken kann. Der Abend mitten in meiner Kindheit, an der Seite meines großen Töchterchens, beginnt genau so. Ich gucke nach oben und fühle, dass alles gut werden wird. Weil es weiter geht, weil wir Engel sehen werden und weil Traurigkeit vielleicht auch einfach dazu gehört. Der Audi 100 ist geparkt. Wir suchen das Licht, die Engel, Freunde und noch ein paar andere Sachen. Vieles davon finden wir. Einiges zum allerletzten Mal.

Ich mag ja gelb. Und ganz besonders gelbes Licht.

Abgesang an ein Licht

das könnte ich heute noch oft knipsen…

Der Dottore LS hat französisches gelbes Abblendlicht. Besonders scharfe Konturen im Nebel, weniger Ermüdung der Augen bei Nacht. Leider auch ein bisschen funzeliger im Dunkeln, was auf dem Hinweg bei strömendem Regen (Sie erinnern sich?) nicht immer für Klarheit darüber gesorgt hat, ob man sich denn überhaupt noch auf der Straße befindet oder schon den Acker umpflügt. Aber irgendwas ist ja immer. Ich mag es trotzdem. Es harmoniert wundervoll mit den gelb/orange schimmernden Gaslaternen in der Uelzener Innenstadt und dem warmen, gelb/weißen Licht der Weihnachtsbeleuchtung. Da haben die Städteplaner einmal Herz und Geschmack bewiesen, vor allem bei der Entscheidung, die uralten stromfressenden Weihnachtslämpchen nicht durch kalte, seelenlose LEDs zu ersetzen. Auch unser Hotel ist weihnachtlich-warm erleuchtet, aus dem Restaurant unten drin duftet es nach Pizza und Gebratenem, und fröhliche Stimmen und Geschirrgeklapper dringen auf die Straße. 200 Meter weiter links, auf der Kreuzung, hören wir laute Aaaaaahs und Ooooohs. Hier sind erstaunlich viele Menschen versammelt, um dem Öffnen eines weiteren Türchens am Uelzener Adventskalender beizuwohnen.

Abgesang an ein Licht

plötzlich sind alle da!

Es ist für uns eine Zeit angekommen ♫ Jedes Fenster am frisch renovierten Rathaus ist ein Kalendertürchen, hinter jedem verbirgt sich ein kleines Kunstwerk und ein Märchen, das dann vorgelesen wird. Traditionell spielt vorher ein Horst Schulz auf seiner Trompete drei Weihnachtslieder in den stillen dunklen Abendhimmel. Verdammt. Ich komme nicht drumrum, das echt schön zu finden, und mich springt eine wundervolle Weihnachtsmelancholie an. Die vielen Menschen, der Duft von Glühwein und Burgunderschinkenbrötchen und die klassischen Lieder, die heute fast niemand mehr singt. Die aber Weihnachten zu genau dem machen, was Weihnachten bedeutete, als man noch ein Kind war. Wie machen das die Digital Natives von 2014 später mit ihren Kindern, geben die denen eine App mit Tannenzweigen und Touch-Screen Kerzen, die den Kleinen dann ab Level 24 einen youtube-Link auf “Last Christmas” von Wham einblendet? Genug gegrantelt. Ich sehe drei Engel, die in langen Gewändern mit nichts drunter zwei Leitern erklimmen. Ganz kurz fällt mir ein, wie ich in einem Sommer vor vielen Jahren nachts eine Leiter an das Fenster von Silke gestellt und dort vergessen habe – und am kommenden Morgen von ihrem Vater mit fünf Salven aus seiner Schrotflinte in den Kirschbaum über meinem Zelt geweckt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Psssst. Ruhe jetzt.

Abgesang an ein Licht

So werden Heideköniginnen geboren

Es ist ein Ros’ entsprungen aus einer Wurzel zart. Die drei schönen Engel enthüllen das Märchen Hänsel und Gretel, symbolisiert durch ein Bild der Künstlerin Brigitte Jerosch-Dürfeldt. Das habe ich googeln müssen, denn die Ansprache und mögliche Notizen zum Geschehen gehen in unserem akuten Glühweinbedarf unter. In Tassen und Gläsern erwerbe ich mehr warme Substanzen als ich tragen kann, teils echt deftig eiweißhaltig und sahnig, teils auch für Anwesende unter 16 Jahren geeignet. Es ist wirklich voll auf dieser Kreuzung, das finde ich jedes Jahr wieder erstaunlich. Nicht, weil der Anlass es nicht wert gewesen wäre, sondern weil ich keinen Schimmer habe, wo alle diese Menschen den ganzen Tag über waren? Bis 16:00 Uhr war das hier noch eine Geisterstadt, trockene Büsche wehten durch die leeren Straßen und irgendwo spielte jemand auf einer Mundharmonika. Und jetzt stehen hier ein paar 100 große und kleine Menschen und hören zu, wie zwei kleine Kinder von einer unsympathischen weiblichen Person gegessen werden sollen. Prost.

Abgesang an ein Licht

Punschige Weihnacht mit und ohne

Die üblichen Verdächtigen. Später soll auch noch Markus mit Familie dazustoßen, dann sind wir wieder vollzählig. Und obwohl es so wundervolle Geschichten zu hören gibt, von den beiden Kindern, die sich im Wald verlaufen haben und an einem Pfefferkuchenhaus rumknabbern durften will neben dem Glühwein kein so richtiger Hunger auf Wurst oder Burgunderschinken aufkommen. Vielleicht hängt das auch mit den lange anhaltenden Nachwirkungen des niedersächsischen Pomm Döners aus dem ersten Teil zusammen. Ich persönlich bin in diesem Moment sehr glücklich darüber, dass mein bequemes Bett keine 200 Meter von hier steht und dass ich (glaube ich) auch noch vier Tüten duftende Badezusätze eingepackt habe. Meine Füße frieren ein wenig, wie in jedem Jahr stehen die warmen Winterstiefel frisch geputzt im Schuhschrank in Kiel. *burps* genug Glühwein, so langsam. Aber so ein kleiner Spieß mit Schoko-Erdbeeren geht eigentlich immer…

Abgesang an ein Licht

Abendessen kann auch mal anders ausfallen

Haben Sie damals in der Schulband Musik gemacht? Oder gar in einer Band außerhalb der Schule, mit der Sie dann manchmal im Jugendzentrum oder auf Schulfesten supercool aufgetreten sind? Ich wünsche jedem einzelnen, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Zwischen Anerkennung mit singenden und applaudierenden Hundertschaften und Ignoranz mit leeren Säälen liegen nur wenige Schritte, und beides prägt irgendwie. Ich muss an meine Bandzeiten Ende der 80er denken. Gitarre und Gesang, dazu hatte wir einen Leadgitarristen (Freddy), einen Bassisten (Olaf, aber ein anderer Olaf), einen Keyboarder (Holmer) und einen Drummer (Sören). Ich glaube so richtig gut klang das nicht, aber es hat heftig Spaß gemacht und ab und an haben wirklich viele Menschen vor teils echt großen Bühnen mit uns gefeiert. Ich habe noch ein paar Tapes von den Konzerten. Vielleicht traue ich mich irgendwann, die mal wieder zu hören :-) Die Band neben der Eisbahn geht gut ab, die Damen und Herren sind noch alle minderjährig und haben einen ziemlich guten Groove. Einzig die Stimmen der Sängerinnen sind ein bisschen dünn, Dieter Bohlen hätte Grund zur Lästerei, aber wer ist Dieter Bohlen? Irgendwie bin ich beruhigt, dass es noch immer Teenager gibt, die Musik machen.

Abgesang an ein Licht

Ich erkenne mich wieder…

Das Offizium neigt sich dem Ende entgegen. Meine kalten Füße auch. Am Rand des diesmal recht kleinen Weihnachtsmarktes stehen seit den 60er Jahren der bronzene Kaufmann und der Uhlenköper und erzählen immer und immer wieder die Geschichte des nuschelnden Bauern, der in seinem Sack “Baarftgaans” (Barfußgänger) hatte und sie an einen klugen Kaufmann verschacherte, der nicht richtig hinhörte und glaubte, er würde teure “Barkhahns” (Birkhähne) erwerben. Die sich dann später als ungelogen barfuß gehende Eulen erwiesen, was der herbeigerufene Richter ziemlich lustig fand und den Bauern freisprach. Daraus ergaben sich einige Kollateralschäden. Den Uelzenern wird seit dem nachgesagt, sie würden gern Eulen kaufen, was ich bei dem reichhaltigen Angebot an allerlei Utensilien für vorwiegend ältere Menschen in den zumeist geschlossenen Geschäften heute nicht mehr nachvollziehen kann. Aber überall findet sich Eulengetier in Bild und Form, das wiederum ist süß, ich mag Eulen an sich ja lieber als Birkhähne. Und – die Münze.

Abgesang an ein Licht

Drei Wünsche frei? Einer reicht.

Mein Töchterchen und ich tun es tausenden von anderen Menschen gleich und reiben daran. Was ich erst eben gerade, als ich das Jahr der Errichtung des Denkmals im Netz nachschlug erfahren habe: Man muss mit der einen Hand die Münze reiben und mit der anderen ein wenig Kleingeld in der Tasche klimpern lassen. Das bedeutet immerwährenden Reichtum. Verdammt :roll: Warum erfahre ich das erst jetzt? Wir haben immer dran gerieben und uns dabei leise etwas gewünscht. War das falsch…? Äh… jedenfalls erklärt es, warum die Kohle in den letzten Jahren nie gereicht hat. Eine falsche Bedienung des Uhlenköperdenkmals war Schuld daran! Alles klar. Somit wäre dieses Rätsel auch gelöst, wenn ich das nächste mal in der Nähe bin habe ich klimperndes Kleingeld in der Tasche.

Abgesang an ein Licht

Da ist schon so viel gewünscht worden

All diese Bräuche, all diese Hoffnungen, all diese Sehnsüchte. Was die Menschen in den letzten 50 Jahren wohl alles beschäftigt hat, als sie an dieser Münze rieben? Sie war schon da und schon blank, als ich noch gar nicht geboren war. Sie war da, als meine eigene kleine Geschichte in dieser Stadt stattfand, ein kleines Leben mit Fröhlichkeit und Kummer, an das sich in ein paar Jahren niemand mehr erinnern wird. Sie war da, als ich wegzog und als ich erwachsen wurde. Tag und Nacht standen die beiden Männer vor der Kirche und tätigten dieses Geschäft mit den Eulen. Die Münze war da, als die Kaufhäuser schlossen, als die traditionsreichen Spielwarenläden vor der Macht des Internets kapitulierten und die Inhaber von Bekleidungsgeschäften keinen so gutes kaufmännisches Gespür bewiesen wie dieser schlaue Bauer. Und ihre Läden schlossen. Ein Licht nach dem anderen ging aus in dieser Stadt, und die blanke Kupfermünze war bei jedem dabei. Olaf erzählt, dass die hängende, warm-gelbe weihnachtliche Beleuchtung nun auch in die Jahre gekommen sei und zum letzten mal erstrahle. Sie werde ersetzt durch preiswertere, pflegeleichte LED-Sterne, die auf einer der drei kreuzenden Straßen schon zum Einsatz kommen. :shock: Was??

Abgesang an ein Licht

Ein letztes mal unter den Lichtern?

Eine weitere, schöne Erinnerung aus meiner Kindheit verschwindet also. Selbst mein Töchterchen, die ansonsten eigentlich auf alles Helle und Neue mit Glitzi und Blinki und LED steht sagt, dass doch aber genau DIESE Beleuchtung das Weihnachtsfest hier ausmache, denn nur hier sei die so. In keiner anderen Stadt haben wir jemals diese hängenden Tore aus Lichtern gesehen. Aber wer fragt uns schon? Die Stadt muss sparen, die Kosten für die Instandhaltung der antiken Lampen und ihre aufwändige Anbringung an den Fassaden verschlinge zu viel Geld, deshalb habe man eine Tombola ins Leben gerufen, mit deren Hilfe die neuen, hellen LED-Lichterketten finanziert werden sollen. Mannmannmann :-( Aus florierendem Einzelhandel werden Backshops und 1-Euro-Bazare, Kaufhäuser verfallen zu dunklen Ruinen und aus warmen, Trost spendenden Lichtermeeren wird ein kaltweißer Sternenkrampf. Die Münze des Uhlenköpers ist noch immer dabei. Tag und Nacht, Sommer wie Winter. Vielleicht sollten ein paar der Einheimischen öfter mal an ihr reiben und das nicht nur den Touristen überlassen.

Abgesang an ein Licht

Gute Nacht Freunde

In the Mood ♫ Heute Abend versacken die Freunde mal nicht weintrinkend auf den Ledersesseln im Hotelflur, heute fahren Olaf und Markus mit ihren Ladies brav nach Hause. Dieser Abend gehört meinem Töchterchen und mir, wir haben uns in den vergangenen Monaten aus verschiedenen Gründen zu wenig einander gewidmet. Die Aussicht auf ein großes Hotelzimmer, eine Badewanne, eine neue Gitarre und ein Laptop voller guter Filme schürt die Erwartung an einen entspannten Papa-Tochter Abend. Gleichwohl ich schon wieder denke, dass es schade ist, wenn wir alten Freunde uns immer nur vor Weihnachten sehen. Es gibt so viel zu erzählen, es gibt so viele verschiedene Lebensmodelle anzugucken und anzufühlen und es gibt so viele Erfahrungen und Geschichten auszutauschen – wenn ich es geschafft habe, die ungebetenen Dämonen endgültig aus meinem Leben zu vertreiben bleibt bestimmt auch wieder Zeit dafür, Freundschaften zu pflegen. Denn es tut sooooo gut….
Bevor Tochter & Papa auf dem Hotelzimmer versacken will ich noch eine weitere Nachricht, die im Zusammenhang mit dem Lichtwechsel am Uelzener Weihnachtshimmel an mich rangetragen wurde, bestätigt sehen. Tatsächlich. Chocolata ist nicht mehr. Noch ein alteingesessenes Geschäft weniger, und dazu noch eins, wie es schöner nicht sein konnte. Randvoll mit Süßigkeiten, Schokolade und Naschkrams.

Abgesang an ein Licht

Wieder eins weniger

Die gute Nachricht hinter der schlechten Nachricht: Doch, die sind noch da, gleich um die Ecke sogar, nur ein bisschen kleiner :-) Gottseidank. Trotzdem ist für mich eine weitere immer dagewesene Konstante weggebrochen. Hier habe ich schon als Teenager heftig schäumendes Brausepulver und Schokoladenautos in rauen Mengen gekauft. Hm. Was kommt heute noch? Auf dem Bild habe ich das alte, hell beleuchtete Schaufenster schemenhaft in die dunkle, abgeklebte Realität reingeschummelt. Wie bunt und schön es mal aussah sehen Sie als Aufmacherbild HIER in einer vergangenen Uelzengeschichte. Okay. Ich finde es reicht. Genug schließende Dinge für heute, genug neu gestaltete Beleuchtungen, ich will jetzt endlich in die Badewanne. Im Hier und Jetzt, mit Badesalzen von 2014 und einem Glas Rotwein, das nicht älter als ein oder zwei Jahre ist. Ab in den ersten Stock, Zimmer zur Straße.

Abgesang an ein Licht

Erhabene Stufen in den ersten Stock

Es wurde nicht ganz ohne Erfolg renoviert, das Hotel Stadt Hamburg. Es heißt nun auch COMFORT Hotel Stadt Hamburg. Die Bewertungen im Internet bemängeln vor allem die alten Badezimmer und loben vor allem die kostenlose Mineralwasser-Flatrate. Ich bin extrem anspruchslos, was Hotelzimmer betrifft. Wenn sie sauber sind und das Bett bequem ist bin ich zufrieden. Umso mehr überrascht es mich, wenn ein Zimmer wie hier nicht nur geräumig ist und hohe Decken hat, sondern auch durchaus geschmackvoll farblich kombiniert und eingerichtet ist. Warme, gedeckte Farben, endlich mal keine Wände in Abricot Wischtechnik und Sessel in blauem Post-90er DDR-Wiederaufbau-Muster. Braun, grau, weiß und ein einzelnes Bild mit einer Rose. Mag ich. Töchterchens Gitarre liegt auf dem Bett, als wenn sich Justin Currie hier grad vor einem Auftritt entspannt hätte. Ach nee, der spielt glaube ich Bass…. egal.

Abgesang an ein Licht

Erstaunlich geschmackvoll

Die bewertenden Gäste hatten Recht – das Badezimmer ist alt. Na und? Es hat eine große Badewanne und einen Wasserhahn, aus dem rauschende Mengen an wirklich sehr heißem Wasser rauskommen. Ich bade für mein Leben gern. Eine Badewanne ist für mich der kleine Luxus am Ende eines langen Tages, der Beginn eines langen Wochenendes oder der Triumph über die ersten 12 Jahre meines Lebens, in denen es keine Badewanne gab. Ich badete als Kind in der Duschwanne mit Stöpsel drin, das war okay und auch schön warm und schaumig, aber irgendwann einfach zu klein und zu flach. Ich kippe Lavendel und andere Kneipp Salze in den Bottich mit langsam steigendem Pegel und bin ein bisschen belustigt über die erstaunliche Schaumbildung des Gebräus. Super :-D Das Wasser ist SO heiß, dass ich noch reichlich kaltes nachlassen muss, und als ich mich seufzend und quiekend reinlege steigt der Wasserspiegel fast bis zum Rand. Was für ein einfacher, aber sehr wirksamer Wohlstand. Ich beginne, die alten Römer zu verstehen und nippe an einem viele 1000 Jahre alten Getränk, aus Ermangelung eines Glases nur in einem Zahnputzbecher dekantiert. Aber alles ist besser, als Wein aus der Flasche zu trinken.

Abgesang an ein Licht

Die Wanne ist voll!

Haben Sie schon einmal…… Nein, haben Sie nicht. Immer diese Fragen. Selbstverständlich haben Sie noch nie in einer kochend heißen Badewanne mit viel Schaum in einem alten Hotel in Uelzen gelegen und Wein getrunken, während Ihre Tochter nebenan auf ihrer neuen Gitarre “Glycerine” von Bush gespielt und gesungen hat, oder? Es sind diese kleinen Momente, bei denen man sich wünscht, sie mögen niemals vorbei sein.
Der Tag war schön. Der Abend war schön, die Musik, der Film, jede einzelne Minute war die kleine Reise wert. Mein Töchterchen schläft inzwischen auf ihrer Seite des riesigen Doppelbetts zufrieden und voller Urvertrauen in die Menschen, die für sie da sind. Bis sie irgendwann selbst für sich verantwortlich ist und das Leben nach und nach seine Stolpersteine wirft und seine Fallen aufstellt. Und alles, ALLES lässt sich irgendwie ertragen. Ich sitze in dem offenen Doppelfenster zur Straße und lasse die kalte Dezemberluft ins Zimmer. Die Stadt ist ebenfalls schlafen gegangen. Es ist kein einziger Mensch mehr draußen, nur der Uhlenköper und der Bauer tauschen neben der Kirche ihre ewige Münze. An der man so schön reiben kann. Die Glocken der Marienkirche bimmeln jede Viertelstunde leise und jede volle Stunde etwas lauter, so wie sie das schon immer gemacht haben.

Abgesang an ein Licht

Zimmer mit Aussicht

Heute Abend bin ich mit mir und der Welt da draußen im Reinen.
Was schon irgendwie erstaunt, denn die freundliche Dame an der Rezeption sagte vorhin ein paar Sätze, die zwar nahtlos in den Gang der Dinge passen, die aber eigentlich wieder einmal traurig stimmen müssten. Das altehrwürdige Hotel Stadt Hamburg mit seinen schönen modernisierten Zimmern, seiner Mineralwasserflatrate und seinen großen Badewannen schließt überraschend in ein paar Tagen. Endgültig. Wir sind quasi die letzten Gäste. Ich könnte jetzt erneut voller Pathos anfangen, die alte “alles ist vorbei” Platte aufzulegen und episch meine Traurigkeit darüber ausdrücken, dass gute alte Institutionen “von damals” verblassen und verschwinden. Weil sie unwirtschaftlich geworden sind, weil sie zu viel Strom verbrauchen oder was auch immer. Aber ich bin müde. Müde von einem schönen, realen Tag mit tatsächlich existierenden Freunden. Aber auch müde von der Oberflächlichkeit dieser Tage, von Geiz-ist-geil und von der Virtualisierung des Miteinander. Vorhin habe ich nach oben geguckt und gefühlt, dass alles gut wird. Der malzige Duft der Zuckerfabrik weht rüber.

Abgesang an ein Licht

Gute Nacht Uelzen.

Die Lichterstäbe der alten Weihnachtsbeleuchtung tauchen die Straße in ein warmes, beruhigendes Licht. Gott bin ich froh, dass ich kein Los bei dieser Tombola gekauft habe! Gegenüber blinzelt tot und dunkel der verglaste Dreigiebel der Kaufhalle, ehemals ein brummender und heller Konsumtempel. Krass, hier geht so viel den Bach runter. Aber es kommt immer etwas Neues, manchmal ist das billig und erneut zum Scheitern verurteilt, manchmal ist das auch eine Chance. Meine Tochter fragte sich (und mich) kurz vorm Einschlafen, wie wohl in 20 Jahren die Innenstädte aussehen werden. Ob es da noch Geschäfte gebe, oder ob dann alles anders sei. Wissen Sie was? Ich habe keine Ahnung. Aber ich habe ein kleines Stück meiner eigenen Vergangenheit noch einmal erleben dürfen, bevor es für immer zu den Akten gelegt und vergessen wird. Ich habe Engel gesehen und an einer Münze gerieben. Ich habe Freunde getroffen und gute, handgemachte Musik gehört. Ich habe gebadet und wertvolle Zeit mit meiner Tochter verbracht.
Und morgen ist ein neuer Tag!

Sandmann

[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]

Read more

15 Dec 2014
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Jens Tanz  

Gitarren und Eulen

Gitarren und Eulen

Nicht schön – aber Heimat

Was wollen wir eigentlich in diesem Nest?
Wenige Geschichten und Legenden ranken sich um die Stadt Uelzen in der Lüneburger Heide. Schlagwörter wie Barftgaans oder Hundertwasser ziehen durch die Tageszeitungen und überpinseln bunt die graue Wahrheit einer überalterten Stadt, an der die Zeit vorbeigezogen ist. Die City entvölkert sich, kleine Geschäfte singen den Blues der schönen Nachbarin Lüneburg und sterben einsam mit dunklen, leeren Schaufenstern. Ich bin hier aufgewachsen. Der malzige Geruch der potthässlichen Zuckerfabrik hat die ersten 12 Jahre meines Lebens geprägt. Heute fahren mein Töchterchen und ich zurück in die strukturschwache Flächenregion, denn es ist bald Weihnachten. Und man mag von Uelzen halten was man will – es hat für mich den Zauber der Kindheit, und hier wohnen ein paar Menschen mit sehr großen Herzen. Außerdem gibt’s im Dezember abends um 18:00 Uhr immer leicht bekleidete junge Engel zu sehen. Und ein Hotelzimmer mit Badewanne. Kommen Sie mit?

So eine Reise will akustisch gut vorbereitet sein ♫

Gitarren und Eulen

Start und Aufnahme gleichzeitig drücken.

Vorbereiten bedeutet in diesem Jahr, bei Saturn den armen TECH-NICK total zu überfordern und nach seinem Zusammenbruch zwei Maxell Kassetten zu kaufen. Analoge Audiotapes. Ja, die gibt es noch immer, ich hab mich auch gewundert, und Nick als vollbärtiger Digital Native hat in seiner Welt wieder was dazu gelernt. Am Vorabend des Wochenendes sitze ich auf dem Fußboden in meinem Wohnzimmer und nehme mal wieder Tapes auf. Wie lange ist das her? Wann haben SIE ihre letzte Kassette aufgenommen? 1995? Großartig. Und es geht natürlich noch immer so wie früher, das Band ein bisschen vordrehen, die Lautstärke auspegeln und dann REC und PLAY gleichzeitig drücken. Dann hat man 45 Minuten Freizeit, bis die andere Seite dran ist. So viel Zeit muss sein. Wenn Sie mich nun für bescheuert halten, liegen Sie vermutlich richtig, aber im alten silbernen Audi steckt noch ein Blaupunkt Freiburg SQM 26. Mit einem Kassettenteil und einem Radio ohne RDS. Was soll’s, da bietet es sich doch an, ein paar Tapes zu hören, wer will sich denn freiwillig länger als 10 Minuten NDR 1 Niedersachsen ausgesetzt wissen? Zufällig hat mein Töchterchen neulich beim Tanzen “Moskau Moskau” in die Ohren geblasen bekommen und fand das echt lustig. Okay. Ich nehme also das “ROM” Album von Dschinghis Khan auf. Und auf die Rückseite TRUCK STOP - Nicht zu bremsen. Auf Tape Nummer zwei kommen meine amerikanischen Lieblingsweihnachtslieder und ein Album von Francis Cabrel. Jetzt kann es glaube ich losgehen.

Gitarren und Eulen

Vollmachen, Heizung an und ab vom Hof

Das Wetter war noch bei keiner unserer Dezembertouren so schlecht!
Es regnet junge Hunde und Hamster (zu den jungen Hunden kehren wir thematisch in Teil 3 nochmal zurück, erinnern Sie mich bitte dran) und ich möchte gern mal dem Petrus die Meinung geigen. Vielleicht finden wir ihn ja wieder lattenstramm auf dem Weihnachtsmarkt, sollten wir da heute jemals ankommen. Eigentlich stehen die Zeichen gut, der alte Audi ist durchrepariert, hat eine neue Starterbatterie und – Fanfare bitte – nagelneue Bridgestone Winterreifen drunter. So gut ausgestattet waren wir auf dieser traditionellen Reise noch nie :-) Wenn Sie mal nachlesen wollen,
2012 war’s recht schneereich und
2013 ziemlich emotional, aber ohne Schnee. Dafür mit Poesiealben :-)
2014 habe ich für die erste Nacht um Asyl bei meinem Freund Olaf und seiner Familie gebeten und für die zweite Nacht wieder ein Zimmer im alten Hotel Stadt Hamburg gebucht, weil die da Badewannen haben. Doch von Wasser sprechen wir lieber ein andermal, allein beim Tanken am späten Freitag Nachmittag werde ich nass bis auf die Knochen, was zwar nervt, aber die gute Laune nicht trübt. Dafür sorgen die aktuellen Benzinpreise.

Gitarren und Eulen

Preise wie damals noch

Sprit ist immer noch viel VIEL teurer als in meinen automobilen Anfangstagen (da hat Super ‘ne Mark gekostet, und das ist noch gar nicht soooo lange her), aber er war schon lange nicht mehr so preiswert wie heute. Um 1,30€ der Liter Super? Geil. Ich pumpe den Tank vom Dottore randvoll, puschel dann noch unsere Bettdecken auf den Rücksitz (das ist so eine Marotte von uns, wir nehmen immer unsere eigenen Bettdecken mit, wenn wir bei Freunden übernachten) und lade das schöne, junge Fräulein ein, was sich meine Tochter nennt. Die Mittlere. Sie kennen diese Verwandtschaftsverhältnisse ja inzwischen fast besser als ich. Ursprünglich hatte ich noch ein bisschen Platz im Kofferraum gelassen, weil ich der Dame eine eigene Gitarre in Uelzen kaufen wollte. Das hat sich leider erledigt, der zuvor gegoogelte Gitarrenladen ist einer von den Sterbenden mit dem dunklen Schaufenster. Der befindet sich jetzt in Lüneburg. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auch ohne Musikinstrument klarkommen, es wäre das erste mal, dass Langeweile aufkäme.

Gitarren und Eulen

Freitags sind die beiden immer ein bisschen…. crazy

Der Weg ist am Ziel, oder so ähnlich, Sie kennen das ja… Allerdings habe ich diesmal aus mehreren Gründen unterwegs die Kamera schweigen lassen. Das Wetter ist einfach zu schlecht, da will man den angenehm warmen neckarsulmer Technologieträger nicht öfter verlassen als unbedingt nötig. Außerdem läuft der große Vierzylinder dermaßen sauber und rund, dass ich gar nicht aufhören kann, den Moment zu genießen. Auch wenn er über zwei Stunden andauert, dieser Moment. Seit ich gelesen habe, dass der Orgasmus von Schweinen bis zu einer halben Stunde dauern kann habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich mal zwei Stunden am Stück beseelt lächel, weil mein altes Auto so gut fährt :-)
Und dann ist da ja auch noch mein Teenager-Töchterchen, was ich eine Woche lang nicht gesehen habe. Eine Woche bei Familie Sandmann ist eine halbe Ewigkeit, Sie können sich gar nicht vorstellen, was in einer Woche zwischen Hamburg und Kiel alles passiert. Und das will mitgeteilt werden! Trotz noch nicht ganz abgeklungener Heiserkeit erzählt sie und erzählt und erzählt, sie erzählt so viel dass die Scheiben beschlagen. Im Hintergrund singen Dschinghis Khan ihre von Ralph Siegel produzierten Disco-Schlager der frühen 80er und ich höre zu. Meiner Tochter, nicht den verkleideten Quartett mit Schnurrbart und Engelslocken. Denen zolle ich auf diesem Weg heimlich mein Tribut, weil nämlich Tiffy heute Geburtstag hat. Tiffy? Ja, Tiffy. Wenn Sie damit nichts anfangen können schauen Sie mal auf ihrer Hochzeit rein *klick* - das Bild mitten drin…… Der alte Partykeller….. genau da haben wir an ihrem Geburtstag genau dieses Album gehört. Heute vor… äh… vor 32 Jahren :-( Ohgottogott. Ist das lange her. Ich höre weiter meiner Tochter zu und stelle fest, dass die Sorgen und Gedanken einer 14jährigen heute ein wenig erwachsener strukturiert sind als meine eigene kleine Welt 1982. Zeiten ändern sich. Aber sie hat wenigstens einen Papa, der ihr zuhört, meiner war damals irgendwie immer woanders.

Gitarren und Eulen

Männer mit ihren Kindern

Da sind wir wieder, Westerweyhe bei Uelzen, unter dem Fernsehturm.
Olaf – mit Tochter.
Markus – mit Sohn.
Sandmann – mit Tochter.
Fällt Ihnen was auf? Jahaaa ich hab ein bisschen früher angefangen als meine beiden besten Freunde aus Kindertagen :-) Und ich seh ein kleines bisschen fertiger aus als die beiden. Auch sonst eint uns drei Freunde nach außen eigentlich wenig, ich arbeite nicht in der Sparkasse und ich wohne auch nicht mehr in Uelzen. Ich bin auch nicht mehr verheiratet, wohne nicht in einem Haus… ach egal. Es ist eine gemeinsame Vergangenheit (die unter anderem in Tiffys Partykeller stattgefunden hat), die uns dreien einen guten Abend/einen guten Morgen mit vielen Erzählungen und Fotos beschert. Es gibt da außerdem noch so eine Geschichte mit einem warmen, im Auto gut durchgeschüttelten roten alkoholfreien Sekt und einem Wohnzimmer mit einer weißen Decke und zimtfarbenen Wänden, aber die lasse ich jetzt lieber weg. Tandaradei ♫
Olaf erklärt uns noch auf einer Karte (liebe Kinder, das ist so ein gefaltetes Blatt Papier, auf dem ganz viele Straßen und Wohngebiete eingezeichnet sind), wie wir gleich wieder aus dem Neubaugebiet rauskommen, obwohl der neue Abschnitt der Umgehungsstraße noch nirgendwo kartographiert wurde. Das macht Sinn. Mein Töchterchen und mich ruft ein kleiner Schnippsel Vergangenheit und eine Einkaufsrunde durch das menschenleere Uelzen. Oh ja!

Gitarren und Eulen

Navigation im Neubaugebiet

Ich komm’ immer viel rum hier. Heute liegt das vor allem daran, dass ich Olafs Ausführungen mit dem Stadtplan überhaupt nicht zugehört habe, weil ich fest davon überzeugt war, als Eingeborener den Weg auch so finden zu können. Schade. Wir haben eine Menge Benzin in mir völlig unbekannten Gegenden verfahren, ich habe interessante Neubaugebiete entdeckt, die ich nicht mal von der Himmelsrichtung her dem Landkreis zuordnen kann und bin durch Wälder gefahren, die noch nie zuvor ein Mensch betreten hat. Irgendwann, es ist schon später Nachmittag und ich habe ziellos umherirrend bereits drei mal vollgetankt, kommen wir an einer Sparkasse raus, an der wir nach Olafs Worten rechts abbiegen sollen. Ich mache das. Und erkenne endlich die Straßen wieder, in denen ich als kleiner Junge schon meine Runden mit dem Fahrrad gedreht habe. Ich erinnere mich an futuristische, kugelförmige Straßenlaternen zwischen alten Fachwerkhäusern und eingeschossigen Plattenbauten. Oldenstadt heißt dieser Teil von Uelzen, und der Elbe-Seitenkanal trennt diese Häuseransammlung seit 1976 in Oldenstadt und Oldenstadt West. Ich bin im Westen aufgewachsen, Olaf und Markus im Osten, auf der anderen Seite des Kanals.

Gitarren und Eulen

Auch da kennt man leider Bewohner.

Auf der anderen Seite des Kanals war auch der flache kleine Kaufmannsladen, in dem ich wöchentlich meine Micky Maus und später mein Yps kaufte. Da gab’s auch Plastikmodellbausätze von Airfix, Süßigkeiten und Gardinen. Mein langer Weg zu Heers glich jede Woche einer kleinen Pilgerreise, denn manchmal war das YPS Heft noch nicht ausgeliefert worden und ich musste ohne Beute wieder nach Hause radeln. Ich kann mein Töchterchen dazu bewegen, diese eine Geschichte noch einmal nachzuerleben. Ich will sie nicht mit zu vielen Kleinteilen aus meiner verschütteten Kindheit beballern… “Vati erzählt wieder Geschichten aus dem Krieg” sagt mein halbfinnisches Fräulein Altona dann immer ;-) Aber ohne eine klitzekleine Dosis Vergangenheit geht es nicht in Uelzen, und mit Aussicht auf shoppen in der Stadt und die abendliche Badewanne ist sie natürlich gern dabei. Geht auch schnell. Die futuristischen Kugellampen gibt es immer noch vereinzelt. Den Kiosk Heers aber nicht, das Gebäude ist abgerissen und durch einen modernen Backsteinbau ersetzt worden, in dem nun die Sparkasse ist. Markus arbeitet hier.
Oder halt – doch. Es gibt Heers doch noch! Kleiner als vorher und einen Schritt weiter rechts, aber immer noch da. Leider zu. Na klar, Samstag nachmittag, das Schild in Richtung Friedhof wäre gar nicht nötig gewesen. Hier ist weit und breit kein einziger Mensch auf der Straße, hier ist es überall gleich tot.

Gitarren und Eulen

Hallo? Jemand da? Nein.

Ironie der Namensgebung, wie ich später von Olaf erfahre: Die alte Familie Heers hatte den Laden schon vor vielen Jahren an einen anderen Betreiber abgegeben, der wiederum hat das kleine Geschäft seinerseits an den nächsten weitergegeben -> eine Frau Heers. Nicht verwandt mit den ursprünglichen Ladenbesitzern :-) Also ist Heers wieder Heers, das begeistert einen allerdings nur, wenn man hier in den 70ern selbst im Wochenrhythmus wichtige Zeitschriften erworben hat. Ich kann mir heute trotzdem kein YPS kaufen, und das liegt nicht etwa daran, dass es YPS nicht mehr gibt ;-) Heers und Heers. Hihi.
Die Bilder sind angestoßen, und jetzt kommen sie eins nach dem anderen. Als ich wieder in den alten Audi einsteige und mich auf den Sitz plumpsen lasse fällt mir mein kleiner großer Schwarm Iris Tanz aus der 6. Klasse ein. Ich war wirklich ganz schlimm verliebt, ich glaube das wusste sie damals gar nicht. Sie hieß genau so wie ich, allein das war für den 11jährigen ein Grund zum Schwärmen, und wir waren nicht mal verwandt. Das hätte die Entscheidung, welchen Namen man später bei einer Hochzeit annehmen würde erheblich vereinfacht, leider kam 1983 dann der Umzug nach Plön dazwischen. Raus aus Uelzen. Aus heutiger Sicht sage ich: gut. Aber damals fand ich das ziemlich doof, weg von Silke, weg von Olaf, weg von Markus und letztendlich auch weg von Iris Tanz. Ob es die noch irgendwo gibt? Im Netz habe ich nur eine einzige finden können, wahrscheinlich hat sie sich später bei der Namensfindung nicht durchsetzen können :-( und heißt jetzt anders. Hallo? Iris Tanz aus Hanstedt II? Wo steckst du? Bist du die, die ich vorhin im Internet gefunden habe? Die jetzt in L.A. wohnt? Wenn ja…. na dann… mein lieber Schieber :-)

Gitarren und Eulen

Autofahren mit Papa

Nervös kaue ich auf meinen Fingernägeln rum. Wenn ich erstmal angefangen habe, auf den Pfaden meiner Vergangenheit zu wandeln kann ich nur ganz schwer wieder aufhören. Mir fällt noch das Garagentor meines damaligen Mathelehrers ein, bunt bemalt mit Tieren des Dschungels und einer Giraffe, deren aus Gips modellierter Kopf oben rausguckt. Und einem klitzekleinen Marienkäfer, den ich auf den Spaziergängen immer auf dem großen Tor suchen wollte… das ist hier… äh… ganz in der Nähe… ich…
Okay. Ich gucke mein Töchterchen an und beschließe, mein Versprechen einzuhalten und mit ihr in die City zu fahren. Meine Retro-Ego-Show kann ich auch noch ein andermal abziehen… Wir schnarzen mit dem Audi durch die schmalen Straßen der Zuckerrübenstadt im Zeichen der Eule, und ich parke den silbergrauen Dottore mit dem schwarzen Vinyldach am Rand eines kleinen Platzes, gleich hinter dem Hotel. Grinsend zeigt mein Töchterchen auf den Laden direkt vor uns, der blinkt und blitzt und mit warmem Licht nicht nur geöffnet zu sein scheint (an diesem Tag um diese Zeit in dieser Stadt?), sondern sich auch noch auf dem größer werdenden Kreis der absurden Zufälle dreht. Eine Musikalienhandlung, randvoll bis unters Dach mit Gitarren aller Art. Wa? Hä? War der nicht nach Lüneburg… äh…? Ringding ♫ wir gehen rein und erfahren von dem gut gelaunten Inhaber, dass er schon seit 25 Jahren in Uelzen ist, aber nicht schon immer hier in dieser Ecke. Cool. Mein Töchterchen hat sich derweil schon das erste, katzendarmbespannte Klangbrett geschnappt und damit zielsicher einen klassischen, hochwertigen Vertreter der Firma mit den gekreuzten Stimmgabeln erwischt. In schwarz.

Gitarren und Eulen

Ups? Aus Versehen eine Gitarre gekauft

Jetzt steckt Papa natürlich ein bisschen in der Klemme. Das Ding klingt wirklich sehr gut, es sieht gut aus, es spielt sich super und ich trau mich nicht so richtig, dem Mann an der Kasse zu sagen, dass ich ursprünglich nur rund die Hälfte der Zahl auf dem Preisschild ausgeben wollte und mit dem Gitarrenerwerb für heute eigentlich schon komplett abgeschlossen hatte *grummel* Was mach ich denn nun? Momentan steht bei meiner Tochter zu Hause nur meine eigene alte abgerockte Gitarre, zwar auch schwarz, aber von chinesischen Häftlingen gebaut und schon mal ungenügend vertäut vom Dach meines Rudolf-Passats auf eine finnische Autobahn gefallen. Hm. Verkäufer nett, Laden cool und hell und voller akustischer Schätze, Tochter begeistert, noch kein anderes Weihnachtsgeschenk in Sicht und Papa in Kauflaune? Okay. Ich handel noch ein rotes Sharkfin Plektrum raus, drücke den Endpreis um sagenhafte 90 Cent und schleppe 15 Minuten später einen großen Pappkarton raus ins Auto :-) Mein Töchterchen kreiselt um mich rum wie der Mond um die Erde, hüpft und tanzt vor Freude und singt heisere Lieder. Teenager, die singen, sind strukturell glücklich. Behaupt ich. Jetzt müssen wir in dieser weltoffenen Stadt nur noch was zu Essen und ein Abtanzballkleid für sie finden. Pha. Kein Problem, jetzt sind wir ja warmgekauft. Doch zunächst werfe ich Ihren Blick mal auf einen guten Satz, den ein guter Mann leider nicht selbst auf einen Stein mitten in der Stadt geschrieben hat.

Gitarren und Eulen

Herr Hesse dichtet

Da können Sie jetzt ziemlich lange drüber nachdenken. Sie können es auch mit dicken Lettern auf einen bunten Hintergrund schreiben und als tollen, nicht selbst ausgedachten Sinnspruch auf Facebook posten. Ich für meinen Teil arbeite noch an der Definition des Wortes “Paradies” und bin schon recht weit gekommen. In meinem Paradies gibt es keine Schlangen oder einen Apfel, der Erkenntnis verspricht, wenn man ihn isst. In meinem Paradies geht es den Menschen, die ich liebe gut, sie sind gesund und ich verbringe Zeit mit ihnen. In meinem Paradies schlafe ich ruhig ohne Angst vor Morgen. In meinem Paradies habe ich meine Familie, bestenfalls ja sogar mehrere davon :-) und einige gute Freunde. Das finden Sie alles normal? Ha. Dann sind Sie anscheinend noch niemals aus Ihrem Paradies vertrieben worden, dann denken Sie bitte noch ein wenig über die Zeilen auf dem Stein nach.
Wir für unseren Teil bekommen langsam einen ernstzunehmenden Hunger. Mission Nahrungsaufnahme ist gestartet.

Gitarren und Eulen

Mit Vati unterwegs – dann gibt es Salat.

Was isst man denn so in Uelzen? Eulen? Nein, die armen Dinger. Die müssen ja noch für die immer wieder gern zitierte Uhlenköpersage herhalten, die kommen nur in den Sack und nicht auf den Tisch. Heidehonig? Nö. Ein traditionelles niedersächsisches Gericht, was man weit über die Grenzen der Lüneburger Heide kennt ist Pomm Döner. Mit frischem Lammfleisch, guten Kartoffeln und knackigem Salat aus der Region. Da weiß man, was man hat. *burps* Fragen? Keine? Gut. Gesättigt und gestärkt folgt Mission Ballkleid, erfahrungsgemäß etwas schwieriger als Mission Nahrungsaufnahme. Gar nicht so sehr, weil ich mir kein Urteil über guten Sitz und Taille erlauben kann, nein nein, das geht schon :-) Das Problem ist viel mehr, dass der durchschnittliche Uelzener ungefähr 78 Jahre alt ist und die Innenstadt aus Apotheken, Sanitätshäusern und Vertriebspunkten für Rollatoren und Stützstrümpfe besteht. Alle davon losgekoppelten Bekleidungsgeschäfte haben entweder geschlossen, sind endgültig geschlossen worden oder verkaufen Stickjacken und Stoffhosen, die schon in den 80ern meiner Oma peinlich gewesen wären. Puh. Nach einer freudlosen Odyssee durch ein paar Trendshops, die den marktforscherisch ermittelten Klamottengeschmack in der Lüneburger Heide mit den Füßen der 90er treten landen wir kurz vor Ladenschluss in einem alteingesessenen Geschäft, an das ich sogar noch dunkle Erinnerungen habe. Ramelow. Die gibt es also noch immer. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Es sind Eulen an den Türen. Dann kann man ja mal reingehen.

Gitarren und Eulen

Eulen. Überall Eulen.

Verrückt. Hier hängen extrem coole Klamotten rum, mein Töchterchen schnappt sich zielstrebig eine junge und quirlige Verkäuferin und verschwindet drei Minuten später mit gleich drei Kleidern in der nächsten Umkleidekabine. Derweil drifte ich ein wenig durch das überraschend junge und schicke Geschäft, habe alles irgendwie ganz anders in Erinnerung und fühle mich plötzlich wieder ein bisschen alt. Ist mit Anfang 40 nicht mehr drin, mal eben zu New Yorker oder Tally Weijl gehen und ne Hose kaufen. Der Herr ist jetzt besser bei Ansons oder P&C aufgehoben. Na gut, dann ist das eben so. Und eines Tages werde ich auch zur Rollator-Klientel gehören. Aber meiner ist dann orange und von Ford oder Audi.
Mein Töchterchen macht diverse Fotos von sich in den drei Kleidern und schickt sie an ihre beste Freundin und ihre große Schwester, damit die ein Urteil abgeben. Ich sitz und lauf weiter rum und fühl mich weiter alt, aber mal davon abgesehen bin ich unfassbar stolz auf dieses Mädchen, weil alle drei Kleider ihr sagenhaft gut stehen. *hach* Oh. Hallo.

Hm.

Hm.

Gehen Sie eigentlich gern shoppen? Viele Männer sind ja reichlich genervt von den Touren mit ihren Frauen oder ihren Töchtern und würden lieber drei Bierchen im Pub nebenan kippen und Fußball gucken. Ich mag nun Bier nicht sonderlich gern und finde Fußball langweilig. Aber auch sonst treibe ich mich durchaus freiwillig mit den mich umgebenden Frauen in den Klamottengeschäften dieser Welt rum, wenn es mal wieder an der Zeit ist. Mir macht das Spaß. Schließlich sind die Ladies hübsch anzusehen, und jeder Blick in die großen Spiegel macht mich noch ein bisschen stolzer. Paradies, und so. Sie erinnern sich? Ich glaube, ich bin oft nun genug vertrieben worden um zu sehen was ich habe, was mir genügt und wer ich bin.

Gitarren und Eulen

Sie wird die Schönste auf dem ganzen Ball sein…

Ich schreibe und schreibe und schreibe. Das sollte eigentlich nur ein kleiner Einleitungsblog für die Weihnachtsmarktgeschichte werden. Mist. Schon fast alle Wörter verschossen, dann muss ich wohl teilen. Unser Tag ist jedenfalls noch lange nicht zu Ende, das niedersächsische Einkaufserlebnis aber schon. Nein, ich habe mein Portemonnaie nicht zücken müssen, so gern ich auch die heimische Textilindustrie unterstützt hätte. Alle beteiligten weiblichen Personen, anwesend oder virtuell zugeschaltet, waren sich darüber einig, dass die Kleider gut aussähen, man aber gern noch ein Live-Urteil fällen würde und der Abtanzball schließlich erst im Februar sei. Damit bin ich sehr einverstanden. Aber Respekt, Kaufhaus Ramelow, so wie du dich entwickelt hast gibt es vielleicht doch noch Hoffnung für den Einzelhandel in Uelzen…?
Auf dem kurzen Weg zurück zum Hotel, wo wir kurz einchecken wollen, tobt schon der diesmal extrem reduzierte Weihnachtsmarkt. Nix Märchenbuden mit gruseligen Szenen drin wie 2012 (Mist!), nix Buden in der ganzen Stadt und nix Petrus und Frau Holle. Alle weg. Um die Kirche rum haben sich ein paar Holzhütten versammelt, und am neu aufgebauten Rathaus werden nachher ein paar Engel das neue Türchen/Fenster des Adventskalenders öffnen. Wir sind fast dafür bereit. Was isst man so an einem kalten Dezemberabend, wenn der Pomm Döner längst verdaut ist? Genau. Ein Eis.

Eis geht immer

Eis geht immer

Tatsächlich ergreift mich jetzt ein weihnachtliches Gefühl. Da müssen Sie jetzt durch.
Das gleiche Auto, was mein Papa fuhr, als er Weihnachten 1980 unsere kleine Familie verlassen hat steht direkt vor dem Eingang des altehrwürdigen Hotels Stadt Hamburg. Alles ist festlich beleuchtet, und es duftet nach gebrannten Mandeln, Punsch und Bratwürsten. Unser Zimmer ist diesmal zur Hauptstraße gelegen, was ich toll finde, weil dann die Abendstimmung dieser alten Stadt in Licht und Ton präsent ist. Im Bild die beiden Fenster oben rechts, da ist es :-) Das Hotel war schon immer da, schon immer mitten in der Stadt, schon immer direkt an der Straße. Was 2014 nicht schlimm ist, denn Uelzens Innenstadt ist verkehrsberuhigt, es wohnt hier sowieso keiner mehr und es kommen wegen der Parkgebühren auch keine Touristen, nicht mal wegen der schnellen Rollatoren und schicken Stützstrümpfe. Ein Zimmer zur Straße bedeutet ein Zimmer mit einem Blick auf meine Kindheit in einer Stadt, in der ich noch immer fast jeden Stein kenne (mal abgesehen vom Heers/Sparkassen Neubau in Oldenstadt) und die mich irgendwie beruhigt. Mich runterbringt. Mich aufwühlt und mich traurig macht.

Gitarren und Eulen

Parken wie der Herzog

In der Mitte meines eigenen Lebens höre ich meine Tochter, die nun ein bisschen älter ist als ich damals, im Badezimmer Lieder singen. Ihre Eltern haben sich ebenfalls getrennt und auf eigenen Wegen weitergemacht. Die sind damit aber offen und meistens nach vorn blickend umgegangen, und die waren in guten wie in schlechten Zeiten für ihre beiden Kinder da. Mal zusammen, mal alleine, aber immer bedingungslos Papa und Mama.
Ich stehe am Fenster, blicke auf die Straße runter und erinnere mich an meine nachts weinende Mama, obwohl doch angeblich alles in Ordnung war. Und ich erinnere mich an meinen Papa, der in einem weihnachtlich dekorierten Wohnzimmer Teller und Tassen in Kartons packt und plötzlich weg ist. Ganz weg. An Weihnachten.
Komm, mein Töchterchen, lass uns mal runter zu den Engeln gehen. Zu Olaf, Melli und Jette. Zu Markus, Tina und Jakob. Zu unseren Freunden.

Sandmann

Read more

12 Dec 2014
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Jens Tanz  

Der Zauber-Schrauber, Teil 2

Wehe wenn sie losgelassen

Wehe wenn sie losgelassen

Ich finde es lustig, wenn man weder beim Titel der Geschichte noch vom ersten Bild her drauf schließen kann, worum es geht :-) Das ist aus Social Media Sicht eine Katastrophe, das bringt keine Klicks und keine Reichweite und macht den Blog weniger erfolgreich :roll: Gniihihi. Total egal. Ich möchte euch und Ihnen eine Geschichte erzählen, und wie erfolgreich die ist kratzt mich nicht. Aber vielleicht fühlen Sie ein bisschen mit, wenn wir schräge Filmaufnahmen machen, wenn der Kühlwasserschlauch unvermittelt platzt – und wenn am Ende dank des Einsatzes eines erneut spontan zaubernden Werkstattmeisters alles gut ist. Oh verdammt. Jetzt hab ich auch noch die ganze Spannung rausgenommen. Also so wird das nie was.

Vielleicht fange ich mal damit an, warum oben auf dem Bild zwei sehr junge Typen auf der Motorhaube eines Ford Granada Coupés sitzen.

Der Zauber-Schrauber, Teil 2

Ich und der Audi kommen ins Fernsehen

Einer davon, der rechts, ist der hier mit der Nickelbrille. Das Fernsehen hat ja schon mal bei mir angeklopft, draus geworden ist ein Oscar Clip mit vielen Pressestimmen und Auszeichnungen. Den Artikel dazu gibt es hier KLICK.;-) Äh… Moment, jetzt hab ich giggelnd den Faden verloren. Ach ja. Fernsehen. Heute gibt’s erneut Filmaufnahmen, der Hauptakteur ist mein immer noch vorhandenes altes Granada Coupé und der Mensch links, mit dem ich damals auf der Motorhaube des großen Kölners ein Frühstück eingenommen habe. Der Svenni. In der Doku soll es um “das erste Auto” gehen, und feinerweise habe ich das ja noch. Also filmt man da ein wenig dran herum, mehr verrate ich aber nicht, wenn das gesendet wird sage ich rechtzeitig bescheid. Der Audi, rechtzeitig frisch gemenzelt, trägt mich zu den Orten des Geschehens und läuft noch immer nicht so rund wie er soll. Das macht schon ein bisschen traurig, weil mir langsam die Ideen ausgehen, woran es liegen könnte. Aber wenigstens die Zylinderkopfdichtung ist dicht.

Der Zauber-Schrauber, Teil 2

Der Beginn der Inkontinenz

Diese vorher-nachher-Bilder, zwischen denen 20 Jahre oder mehr liegen sind meine große Leidenschaft. Verdammt, ich werde älter, und auf den Bildern sieht man das auch noch besonders deutlich! :-( Was mich allerdings noch nicht beutelt, im Gegensatz zu meinem in Ehren ergrauten Dottore: Inkontinenz. Nanu? Wir fahren vor, wir fahren zurück, wir fahren den Fördewanderweg rauf und runter und wir posieren auf eben jenem Parkplatz, mit laufendem Motor. PFFFFFSCHSCHSCH Er zischt leicht, der alte Herr, und er kleckert nennenswerte Mengen Kühlwasser auf den Asphalt, während das Kamerateam die richtige Position für die Bilder sucht. Oh nein. Jetzt ist endlich alles Elementare in Ordnung und alles heile, aber jetzt scheint der Druck im neu abgedichteten Kühlsystem anscheinend wieder so hoch, dass andere Sollbruchstellen der voranschreitenden Zeit sichtbar werden. Ich bekomme schlechte Laune. Die bekomme ich immer, wenn mein Auto nicht so läuft wie das geplant war, außerdem muss ich heute noch nach Hamburg. Aber erstmal die Aufnahmen fertig machen, so viel Zeit muss sein.

20 Jahre

20 Jahre

Schlecht gefotoshoppt :-) Aber lustig. Die Damen vom Kamerateam wollen noch Aufnahmen in Sandmanns natürlichem Lebensraum machen, dazu müssen wir vom Falckensteiner Strand wieder zurück in die Stadt. Ich rufe Meister Menzels Dauerhotline an und berichte ihm von dem kleinen, aber bedeutenden Stück Kühlwasserschlauch, was anscheinend keine Lust mehr auf eine Zusammenarbeit mit mir und/oder dem Auto hat und komplett durchgerissen ist. Was einen Weg mit diesem Auto von Kiel nach Hamburg heute in den Bereich des Unmöglichen treibt. “Komm mal erstmal her, wir schauen dann mal was wir machen“. Das ist ein Wort. Gleichwohl auch schon der Weg vom Strand bis in die Stadt mit einem offenen Kühlwassersystem nicht so ganz ohne ist. Wir kippen alles oben rein, was wir noch an Flüssigkeiten da haben. Wasser, Orangensaft, laktosefreie Milch und den Rest aus dem Wischwaschbehälter für die Windschutzscheibe. Ein wahrhaft leckerer Cocktail. Das muss bis in die City reichen.

Der Lump, der

Der Lump, der

Meister Menzel grinst, als er mich sieht. Ich weiß nicht, ob er sich wirklich freut, ob das die professionelle Freundlichkeit eines kundenfreundlichen Unternehmens ist oder ob er einfach gern hilft. Vielleicht werde ich das auch nie erfahren. Er macht quietschend die Motorhaube auf, guckt lange und nachdenklich auf das Malheur und sagt nur norddeutsch trocken: “Oha“. In diesem Wort stecken, das weiß man als Kieler, eine Menge Informationen. Dieses “Oha” besagt: Das ist ein Spezialteil, das haben wir nicht da und die Bestellung kann mehrere Tage dauern. Es besagt auch: So kannst du auf keinen Fall weiterfahren, dann ist die neue Kopfdichtung gleich wieder hin, weil der Motor überhitzt. Es besagt außerdem: Aus einem Universalschlauch können wir das nicht basteln, der Knick ist zu eng. Eine Menge Neins in diesem Oha. Ich höre mich in den kalten Abendhimmel sagen: “Aber können wir bitte, BITTE irgend etwas machen, damit ich heute Abend nach Hamburg komme?” Meister Menzel wird sehr still. Dann sieht er mich an und sagt: “Eine einzige Möglichkeit haben wir.” Und er verschwindet hinter der Halle. In diesen zwei Minuten gehe ich im Kopf schon mal vorsorglich die aktuellen Verbindungen der Deutschen Bahn durch und bereite mich drauf vor, Alex noch ein weiteres mal um seinen BMW 325e zu bitten… Nach zwei Minuten kommt er wieder und hat ein kleines, schwarzes Stück Schlauch in der Hand. “Das ist von einem A6, frag nicht, das regel ich morgen. Wenn wir das draufbekommen kannst du heute weiterfahren” – sprichts und schraubt los.

runter und drauf?irgendwie festDer Zauber-Schrauber, Teil 2

Er flucht. Immer wieder kommen seine Mitarbeiter an, stellen Fragen, brauchen Anweisungen und neue Aufgaben. Und Menzel dirigiert und wrangelt und walgt parallel an dem kleinen Wasserschläuchlein rum. Um uns rum sieht es inzwischen aus wie in einem Schlachthaus mit blauem Blut, er selbst ist auch nicht ganz verschont geblieben, aber irgendwann grunzt er zufrieden und taucht aus den Tiefen des Motorraums wieder auf. Der Schlauch ist nicht nur drauf, er sitzt auch fest. Wahnsinn. Wo er grad dabei ist tauscht er noch den völlig runtergebrannten Unterbrecherkontakt aus und schaut mich nach ein paar Schraubereien am Vergaserfuß fragend an:
Wusstest du, dass die Bimetallfeder deiner Startautomatik komplett ausgehakt ist? Der ist anscheinend immer viel zu fett gelaufen und niemals aus dem Kaltlauf rausgekommen…” Ups? Das… äh… Er hakt sie wieder ein, schraubt alles wieder zu und füllt frisches Kühlwasser auf. Überall liegt Werkzeug auf dem Auto und dem Boden rum, die Zeit tickt unaufhaltsam weiter – aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass in diesem Moment was entscheidendes passiert ist. Startautomatik? Da war noch keiner dran, um mal zu gucken, ob der schlechte Rundlauf daran liegen könnte. Schwimmernadelventile, Drosselklappen, Benzinzufuhr, Zündung, alles ist geprüft worden. Aber die mechanische Startautomatik, die bei steigender Kühlwassertemperatur mit einem Bimetall das fette Gemisch wieder abmagert ist übersehen worden. Bis heute.

Der Zauber-Schrauber, Teil 2

Spontan werden Sie geholfen

Ich drehe den Schlüssel, und nach einer halben Anlasserumdrehung springt der Motor willig an und dreht ruhig und gleichmäßig im Standgas. Wa? Das gibt’s doch gar nicht! Nicht nur, dass der Menzel mir ohne Termin und ohne Ersatzteile aus einer echten Notsituation spontan und unbürokratisch-kreativ raushilft, nein, er macht auch noch ganz nebenbei mein Auto wieder heile. Also, komplett heile.
Der Dottore läuft wieder, rund, gesund und ohne Aussetzer :-D
♫ Mit einem Lied auf den Lippen fahre ich nach rund einer Stunde zurück zum Filmteam, und wir beenden die angefangenen Aufnahmen. Danach rollen der Audi und ich über die A7 zurück zum halbfinnischen Fräulein Altona nach Hamburg. Der Wagen läuft ruhig, beschleunigt sauber, dreht entspannt und ohne zu Ruckeln im Halbgas und verbraucht ungefähr halb so viel wie vorher. Das Leben ist schön. Und Menzel ein Zauberer. Ich fahre jetzt immer noch mit diesem A6-Ersatzteil rum, es hält und hält, aber inzwischen hab ich einen Tipp bekommen. Bei Porsche scheint man diesen Formschlauch noch für 25 Euro zu bekommen. Da werde ich mich beizeiten mal drum bemühen.

Nervös? Ja. Aber egal

Nervös? Ja. Aber egal

Das hat sich doch gelohnt, oder? :-)
Ich breche hier und jetzt eine weitere Lanze für Meister Menzel in Kiel. Die Werkstatt nimmt auch Altautofahrer sehr ernst, und man ist ehrlich bemüht darum, dass der Wagen schnell wieder auf die Straße kommt. Es geht vermutlich nicht immer mit solchen unkonventionellen Methoden wie bei mir, aber in diesem Fall waren wir erfolgreich – und darauf kommt es an. Ich konnte weiterfahren. Was hat das gekostet? Eine gute Flasche Weißwein, aber nicht aus Deutschland. Direkt auf seinen Schreibtisch gestellt und mit einem Handschlag versehen. Ich fahre den Audi seit dem jeden Tag, weil er so unfassbar Spaß macht. Wer hätte das gedacht? Jetzt bekommt er noch neue Sitze…. und neue Winterreifen….. aber das sind andere Geschichten. Jetzt ist der Grundspaß wieder da, von dem ich Anfangs geschrieben habe. Alles was jetzt kommt ist Kosmetik. Auf in die Vorweihnachtszeit!

Sandmann

Kontakt:
Menzel Auto-Dienst GmbH
Saarbrückenstraße 143
24114 Kiel
Telefon: 0431-641757

http://www.autodienst-menzel.de/

Read more

Created Freitag, 12. Dezember 2014 Tags 1A Autoservice | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Filmteam | Kühlwasser | Menzel Kiel | Schlauch | Typ 43 | Vergaser | Zauberer Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
11 Dec 2014
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Jens Tanz  

Der Zauber-Schrauber, Teil 1

Der Zauber-Schrauber, Teil 1

Tiefer Blick mitten ins Herz

Wenn einem alten Auto mehr liebevolle Aufmerksamkeit zuteil wird, als ihm aus rein kalkulatorischer Sicht zusteht ist das etwas besonderes. Das ist dann entweder fehlendes kaufmännisches Geschick, automobiler Wahnsinn oder blinde Liebe. Im Fall meines Dottore ist es von allem ein bisschen, als Sahnehäubchen kommt obendrauf noch der profane Zwang, die Verkehrstüchtigkeit wiederherzustellen. Ein 1977er Audi 100 steht in einer Fachwerkstatt, und sein Motor wird von einem gut ausgebildeten Menschen zum regulären Stundensatz neu aufgebaut. Ein seltenes Bild. Ich halte es mal fest, bevor ich mein Portemonnaie aus der Tasche ziehe…. Und bevor ich nachher den BMW 325e wieder abgeben muss, weil der Audi wieder fährt :-(

Gut aufgehoben hier

Gut aufgehoben hier

Wie war doch gleich die Diagnose?

  • Kopfdichtung durch
  • Ventilschaftdichtungen völlig verhärtet
  • Zahnriemen älter als Adenauer und poröser als Heesters
  • Keilriemen und Servoriemen antik
  • und überhaupt läuft er ja bekanntermaßen ein bisschen scheiße.

Seit fast zwei Jahren die Note “ungenügend”. Dieser Audi 100 LS mit seinem von Porsche mitentwickelten 2-Liter-Vierzylinder, der inzwischen echt selten geworden ist, weil alle den 5-Bänger wollen ;-) Die aufgezählten Arbeiten kann ein durchschnittlicher Sandmann unten vor der Tür seiner Wohnung prinzipiell selbst machen – aber es fehlt hinten und vorn an Zeit. Also lasse ich mal wieder Herrn Menzelran, und diesmal wird er zusätzlich unterstützt durch seinen Herrn Papa. Der hat sich schon damals bei der Reparatur meines KaSis (erinnern Sie sich?) als unbezahlbare Fachkraft erwiesen, der hat noch Benzin im Blut und stellt einen Doppelvergaser nach Gefühl und Gehör sauber ein.

Mach auf das Ding

Mach auf das Ding

Da man mich beim 1A Autoservice in Kiel inzwischen wiedererkennt (ich komme mir in diesen Tagen vor wie ein Stalker, mit dem Audi meines Töchterchens waren wir jetzt auch schon zwei mal da) halten die Jungs auch gleich hier und da mal die Kamera auf das Elend drauf :-) Gut. Während ich also meinem brötchengebenden Tagwerk nachgehe und es irgendwie ziemlich schade finde, den lieb gewonnenen ETA vom Alex heute Abend nach über einer Woche wieder abgeben zu müssen wird am Audi Kopfarbeit geleistet. Die gute Nachricht: Ja, es ist tatsächlich “nur” die Zylinderkopfdichtung nicht mehr ganz dicht, es ist kein Riss im Kopf. Sowas soll’s ja auch geben. Und das lange Zeit mit verbrannte Kühlwasser hat zwar seine Spuren auf den Kolben und den Zylinderlaufbuchsen hinterlassen, aber die Auswirkungen sind nicht schlimmer als die Lachfalten rund um die Augen in meinem eigenen Gesicht.

Operation am Herzen

Operation am Herzen

Was eigentlich viel mehr wiegt: Das lohnt sich alles hier aus wirtschaftlicher Sicht -> nicht! Vor einem halben Jahr hatte ich die Schnauze voll, da wollte ich den Dottore verkaufen, und niemand wollte ihn. NIEMAND. Nicht mal für weniger als 1000 Euro, nicht mal die Jungs von der wassisletztePrrrais-Fraktion. Der treue, aber mager ausgestattete Vierzylinder ist weder gut für den Export noch in der Szene sonderlich begehrt. Alle wollen immer nur rostfreie Plüsch-GLS oder wenigstens den 5S oder den CD 5E. Was ich auch verstehen kann, die sind ja auch ein bisschen geiler als der silberne Nullausstatter. Aber er ist mir mit seinem kleinen, kranken Herz, seinen nicht getönten Scheiben und seinem Vinyldach an mein eigenes, gesundes Herz gewachsen. Irgendwie. Also habe ich ihn trotzig behalten, aus Versehen mit einer frischen HU versorgt und besitze nun einen Oldtimer (ja, es ist ein Oldtimer, kein Youngtimer mehr…), der weniger wert ist als das, was ich vermutlich nachher bezahlen muss. Glaube ich. Bin ich total bescheuert? Ja. Und das ist gut so.

Gut Ding will Weile haben

Gut Ding will Weile haben

Wissen Sie was? Ob meine Rechnung wirtschaftlich ist oder nicht ist mir total egal. Die Jungs mit ihrem Werkzeug werden dafür sorgen, dass der alte Wagen wieder gesund ist und fährt. Wegschmeißen ist nach so vielen Geschichten keine Option. War es noch nie gewesen. Familie Menzel zerlegt das prinzipiell als unzerstörbar geltende, klotzige längs und gekippt eingebaute Triebwerk in seine Einzelteile, Nockenwelle runter, Schaftdichtungen raus, Zahnriemen runter, Ansaugkrümmer runter, Kopf ab und so weiter. So viele Streicheleinheiten hat dieser Wagen vermutlich das letzte mal vor 20 Jahren bekommen, und da war er schon ein altes Auto. Krass. Während der OP sitze ich zu Hause und kaue an meinen Fingernägeln. Unruhig versuche ich, ein paar Texte auf die Tastatur zu legen. Kennen Sie das auch? Dass man sich fragt, wie es dem Baby wohl gehen mag? Dass man nervös im Flur auf und ab läuft? Dass man sich fragt, wann endlich der Anruf kommt: Alles okay, hol ihn ab?
Und nicht wie letztes mal der Anruf: Äh… wir müssen reden…

Das sind 8 Zylinder...

Das sind 8 Zylinder…

Ein altes Auto kostet Geld. Eine Restauration ist in aller Regel wesentlich teurer als die Kohle, die man bei einem Verkauf für die Karre bekommen würde. Außer, wir sprechen hier von einem 300 SL oder einem 911er aus den 60ern, aber wer kann denn sowas bezahlen? Der Dottore ist eine Alltagskarre, eine seltene mit traditionell schlechter Teileversorgung seitens des Herstellers, aber da ist wenigstens alles einigermaßen bezahlbar. Noch. Und hier und heute sprechen wir immerhin von einer fast kompletten Motorrevision… Was ich inzwischen bei Menzel gelernt habe: Wenn er morgens sagt, dass er den Wagen heute schon irgendwie zum Laufen kriegen wird, dann ist das auch so. Er macht, dass es fährt. Es ist die erste und einzige Werkstatt bisher in Kiel, auf die ich mich wirklich verlassen konnte. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, welchen Supermarkt ich nachher auf dem Weg dahin überfalle, um das Geld zusammen zu kriegen. Denn gute Arbeit kostet gutes Geld, egal ob man sich nun schon länger kennt oder nicht. Von Freundschaftsdiensten kann ein Unternehmen nicht leben. Klar. Und aus diesem schwachsinnigen Geiz-ist-geil Alter der 1-Euro-Läden bin ich raus. Kein kauf-bei-KICK, kein Billig-Backshop und kein eingeblistertes Separatorenfleisch. Ich kaufe beim echten Bäcker und beim echten Fleischer. Und ich bringe mein Auto in eine richtige Werkstatt, denn ich weiß, dass es hinterher nicht wieder liegenbleiben wird.

Der Zauber-Schrauber, Teil 1

pflück pflück. Und wieder alles zusammen

Und da kommt er dann auch, der Anruf. Kurz nach 17:00 Uhr, es ist schon dunkel. “Er ist fertig. Alles eingestellt, läuft rund. Aber irgendwas ist noch immer mit deinem Vergaser, da musst du nochmal wiederkommen.” Na gut, Hauptsache der Motor im Kern ist erst einmal wieder gesund, abgedichtet und vollgasfest. Alles andere kenne ich ja nun, und das lässt sich bestimmt auch noch regeln. Ich habe da ein ziemlich dickes Sitzfleisch, wenn der Wagen prinzipiell zuverlässig ist und sauber läuft mache ich den ganzen Kleinkram drumrum gut gelaunt nach und nach. Aber wenn er nicht gut anspringt, bockig ist, wie ein Loch säuft und oft ausgeht dann macht auch alles andere keinen Spaß. Oder? Genau.
Ich setze mich in den erschreckend gewohnten BMW und schnurre aufgeregt durch die Dunkelheit zur Werkstatt, wo der alte Audi schon auf mich wartet.

Der Zauber-Schrauber, Teil 1

Hallo, da bist du ja wieder

Es ist so ein bisschen wie ein neues Wiedersehen. Wie das neue Entdecken der Partnerin nach einer Trennung, nachdem da jemand anderes dran war, und man sich jetzt wieder zusammenraufen will. Zärtlich streichel ich ihm über den rechten Kotflügel, stapfe nach vorn in den warmen und hellen Empfang und futter die halbe Haribo-Schale leer, die da auffordernd steht *burps* Menzel erklärt mir, was alles gemacht wurde, welche Teile verbaut wurden, welche Schrauben neu gekommen sind und welche Gewinde nachgeschnitten werden mussten (ohjeohje). Hauptproblem war die Dichtung der Ansaugbrücke, die hat ziemlich lange auf sich warten lassen. Die Teile werden selten. Vielleicht sollte ich mich bei einem 37 Jahre alten Auto langsam mal damit abfinden. Nun ist alles dicht, mit frischem Öl und Kühlwasser in nun getrennten Kreisläufen befüllt und fertig für weitere hunderttausende von Kilometern :-) Und die Rechnung? Alles zusammen kostet mich ungefähr so viel wie ein Zahnriemensatz mit Anbauteilen für einen Audi V8. Oder die Monatsmiete einer 2 1/2 Zimmer Wohnung in Kiel. Oder ne Woche Malle pauschal. Danke, alte Technik und danke, dass offensichtlich alles ohne Probleme lief und die Neuteile relativ preiswert waren. Ich habe mit dieser Reparatur den Restwert des Wagens doch nicht überschritten :roll: und bin nun ein bisschen ärmer, aber wesentlich glücklicher als vorher.

Der Zauber-Schrauber, Teil 1

Hallo mein Audi. Dann wollen wir mal.

Neu beschnuppern. Neu erfahren. Bevor ich den BMW gleich nach Hause bringe und mit meinem Fahrrad wieder zurück komme, um den Dottore erneut zurück in die Familie zu lassen setze ich mich einmal rein. Cool. Hallo, du 70er Jahre Welt aus blauem und braunem Plastik. Es riecht nach altem Stoff und einem Schluck Kühlwasser. Das Raumgefühl ist sogar bei Dunkelheit einfach sagenhaft, die großen Fensterflächen und die Sitzposition tief drin machen aus dem Fahrersitz den Beichtstuhl in einer vergessenen Kathedrale aus Erinnerungen. Ach – er ist ja irgendwie doch ein Guter, der alte silberne Herr. Ich bin froh, den ganzen Kram da vorn drin nun neu zu haben, und das auch noch zu einem echt guten Preis. Möge er nun endlich, ENDLICH vernünftig fahren. Vielleicht war die kaputte Kopfdichtung ja der Schlüssel zum Oldtimer-Glück? Oder sind Sie etwa stutzig, weil in der Überschrift “Teil 1″ steht und ich erwähnt habe, dass der Meister erwähnt hat, dass immer noch etwas mit dem Vergaser nicht stimme? Womöglich stutzen Sie zurecht.

Wieder auf der Straße

Wieder auf der Straße

Müde vom Tag trenne ich mich von dem BMW (schade schade) und bin um eine Erfahrung reicher. Auf meiner Radtour zum Audi durch die Dunkelheit treffe ich noch auf einen Tankstellenpächter, der sich als ein alter Bundesbruder meines halben, freudlosen Studentenverbindungsjahres von 1994 entpuppt, aber das ist eine andere Geschichte. Der Audi springt an und läuft im Stand rund. Er beschleunigt schlecht und ist noch immer bockig :-( Aber darum kümmern wir uns nächste Woche, morgen sind er und ich bei Filmaufnahmen zum Thema “Mein erstes Auto” unterwegs. Es gibt ein Wiedersehen mit meinem Granada Coupé, meinem alten Freund Svenni und mittendrin auch zwangsläufig mit Herrn Menzel. Denn der kann und muss zaubern. Gottseidank. Aber dazu bald mehr.

Sandmann

Read more

Created Donnerstag, 11. Dezember 2014 Tags 1A Autoservice | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Menzel Kiel | Typ 43 | Vergaser | Zahnriemen | Zylinderkopfdichtung Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
10 Dec 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Haarige Zeiten

Haarige Zeiten

Weg. Ab. Runter mit der Wolle.

Schatz, du kratzt.
Die Firma BRAUN fand anscheinend nach dem spontanen Genuss einiger meiner Blogs, dass ich verwahrlost aussehe, hatte Mitleid und stellte mir einen nagelneuen Rasierer hin. Das Topmodell. Den Mercedes unter den Haare Abreißern. Der kann laut Pressemitteilung alles besser und will sich in meinen Tagesablauf einschleichen. Ohne zu weit auszuholen – aber Männer und Frauen sind jeweils auf ihre Art bestraft worden. Frauen müssen die Kinder gebären und plagen sich mit monatlichen Beschwerden rum, Männer müssen dafür Spinnen aus der Dusche entfernen und sich im Gesicht rasieren. Die meisten zumindest. Es ist unerheblich, dass ich einer der wenigen deutschen Männer bin, die auch gern Kaffee kochen – rasieren finde ich prinzipiell trotzdem doof. Doch es muss sein. Manchmal. Sonst sieht Mann irgendwie verwahrlost aus, mag sein, dass das einige sexy finden, ich nicht. Erleben Sie tiefe Einblicke in mein intimes Badezimmerdasein :-)

Haarige Zeiten

Es stoppelt gar umfangreich

Heute mal kein Auto. So ein paar andere Sachen treiben mich ja auch noch täglich um, dazu gehören Musik, Kaffee und die Haare in meinem Gesicht ;-) In der Tat passt es ganz gut, mal was Neues auszuprobieren und ganz unverhohlen darüber zu schreiben, denn von meinem alten Philips finde ich das Netzkabel nicht mehr wieder und die Klingen zum nass Rasieren sind alle oder stumpf oder verrostet. Ich sag ja, ich mach das nicht so oft. Krass für mich als analogen Retro 70er ist jetzt, dass ich in dem Karton viele viele Sachen finde, die mich mehr an Computerequipment oder Technikspielzeug erinnern als an einen Rasierapparat. BRAUN Series 9 Modell 9090cc. Unverbindliche Preisempfehlung: mehr als 400 Euro. Alter Barbarossa. Was gibt’s dafür?

  • Ein angenehm schweres Ding in einem wirklich sexy Design
  • Akkulaufzeiten bis ins kommende Jahrzehnt
  • einen Rasierkopf mit 40.000 Schneidbewegungen in der Minute (das macht mir Angst)
  • Barttrimmer
  • eine Nass- und Trockenladestation
  • wasserdicht bis 5 Meter (ich kann damit also tauchen gehen)
  • LED Display
  • Tasche und Zubehör

Und was Sebastian Vettel bewirbt kann nicht schlecht sein, oder? Sehe ich am Ende so aus wie er? Kann ich dann auch so gut fahren? Ich bin ganz aufgeregt :-) und packe den ganzen Kram mal aus.

Haarige Zeiten

ein bisschen wie Weihnachten

Was ich cool finde (ich achte irgendwie auf andere Sachen als der normale Rasierapparat-Käufer): Das Ding ist komplett in Deutschland entwickelt und hergestellt worden. So was mag ich in Zeiten eines aussterbenden “Made in Germany” :-) Die stylische schwarze Ladestation ist ein bisschen zu breit für meinen Spiegelunterschrank, die muss noch einen gemütlichen Platz in einer anderen Ecke finden. Und ob ich so der Freund von Nassreinigung mit den mitgelieferten Kartuschen bin muss ich selbst noch ergründen, man sagt, sie reinigen besser und gründlicher als Wasser, dabei wird das Gerät außerdem aufgeladen und anschließend auch noch getrocknet. Was der alles kann. Jedenfalls liegt er gut und schwer (ich mag diese wertige Schwere von Dingen, das finde ich auch bei Smartphones gut) in der Hand, leuchtet mich blau illuminiert an und begeistert mich mit dem Vorhandensein eines Barttrimmers. Den brauche ich vor allem. Jetzt.

Haarige Zeiten

Lasst die Spiele beginnen

Sie sind sehr tapfer, dass Sie sich bis hier hin lesend vorgearbeitet haben, ohne dass es diesmal um Autos oder nicht verarbeitete Kindheitserinnerungen aus den 70ern geht. Oder Sie haben einfach nur genug Kaffee getrunken. Oder genug Rotwein. Oder Sie müssen sich täglich rasieren oder haben einen Schatz, der sich täglich rasieren muss. Wissen Sie was? Weihnachten 2014 gibt es mal keine Socken sondern einen haptisch glücklich machenden Rasierapparat! Vor fünf Tagen habe ich mir die Haare einmal, ein einziges (zweites) mal seit vielen Jahren komplett aus dem Gesicht vibriert, um mal so auszusehen wie der Sebastian. Da hatte ich aber meine Kamera in Hamburg vergessen und nur mein iPhone dabei, wir vergleichen gleich mal :-) Heute ist die Barttrimmung dran. Der Hals wächst schon wieder zu. Klack. Rausgeschoben und Kanten geschnitten. Srrrrrrrrrrr

Haarige Zeiten

Bartkante: Check

Was soll ich sagen… geht gut :-) Als die langen Fusseln weg sind pendel ich noch mit dem Scherkopf drüber und werde niemals verstehen, wie so ein Ding die Haare überhaupt abschneidet. Es sind da zu wenig Ventile, Kipphebel oder Nockenwellen drin. Obwohl… wenn ich mir das offizielle Werbebild mal anschaue könnte man das (nach dem Genuss von zu viel Kaffee oder Rotwein, da sind wir wieder) auch für einen guten alten V8 Motor mit vier Nockenwellen halten, oder? 32 Ventile… “Nee nee die Wartungskosten, die Wartungskosten” diffundiert es durch mein noch nicht ganz auf touren gekommenes, vom Badezimmerradio abgelenktes Gehirn. Aber nochmal nee nee. Genau so wie ein Zahnriemen nur alle 100.000 Kilometer gewechselt werden muss schlägt der Hersteller vor, den Scherkopf alle 18 Monate zu tauschen. Und das betrifft Menschen, die sich damit jeden Morgen rasieren. Bei mir hält der sensende Aufsatz also theoretisch bis ins Jahr 2025, bevor ich ihn tauschen muss ;-) So lange tut es auch gefühlt der Akku… 50 Minuten Dauerbetrieb und aufladen ohne Memory Effekt. Das sind ja schon fast Smartphone Werte.

Haarige Zeiten

Technik, die begeistert

Ich hoffe, die Jungs von BRAUN wissen, was sie sich da für einen Kasper eingekauft haben, als sie mir den Series 9 schickten. Denn wenn ich was geil finde dann texte ich auch fröhlich einen Artikel darüber, solchen Quatsch wie versteckte Werbung oder stumpf gekaufte Links zu Onlinecasinos überlasse ich einigen von den Bloggern da draußen, die alles, aber auch wirklich ALLES verlinken. Jeder wie er meint, ich tausche Glasperlen gegen Wörter :-) Hihi. Okay, andererseits lässt sich tatsächlich nicht episch über den Vorgang einer Rasur berichten, die meisten von Ihnen werden wissen was da passiert. Mein Bart sieht heute wieder gut getrimmt und dreitägig aus, auch damit wirbt die Serie 9… “An 3-Tage-Bärten getestet” Schauen Sie mal, hier steht alles genau drin: KLICK Demnächst steht da bestimmt auch noch der Zusatz “Sandmann Approved”, und die Verkäufe gehen durch die Decke :-D So was jetzt, sehe ich nun aus wie der Vettel? Ich stecke den Rasierer in seine Lade-Wasch-Halte-Station, verpasse ihm damit eine gründliche Felgenreinigung und werde heute Abend mal mein halbfinnisches Fräulein Altona fragen, ob ihr was auffällt. Ich seh’ ja auch immer nicht, wenn sie beim Friseur war, jetzt kann ich mir mal einen einzelnen Punkt zurück holen.

Haarige Zeiten

Nicht mehr ganz so verwahrlost

Fasse ich mal zusammen: Sie haben noch kein Weihnachtsgeschenk? Dann wird es Zeit, und dann machen Sie zumindest den Mann an Ihrer Seite (oder sich selbst, Mann kann sich ja auch mal selbst beschenken) mit diesem kleinen elektrischen Freund glücklich. Die Preise variieren im Netz erheblich, es gibt anscheinend auch noch Geräte mit geringerer Ausstattung. Aber den hier finde ich gut, und dass er wasserdicht ist begeistert mich von Minute zu Minute mehr :-) Und wenn Sie den tatsächlich kaufen gibt es momentan auch noch eine 50-Euro-Geld-zurück Aktion, und *schwupps* rutscht High Tech sogar in bezahlbare Dimensionen. Die Teilnahmekarte dazu hab ich mal HIER hinterlegt, ich Guter, ich. Und nun bin ich doch ein bisschen fasziniert wie viel man über Barthaare schreiben kann. Ich hole das demnächst mal mit dem Thema Kaffee durch, darüber könnte ich NOCH mehr schreiben. Fragen wir mal Herrn Vettel, der sich so glatt rasiert wie nie zuvor gibt:

Haarige Zeiten

Sebastian Vettel

Anzug sitzt perfekt, und das Kinn scheint auch nicht mehr zu pieksen. Dagegen habe ich glaube ich wenige Chancen. Allerdings bin ich auch kein erfolgreicher Rennfahrer und dreifacher (oder vierfacher?) Formel 1 Weltmeister, schon ein bisschen älter als der Waschtl und irgendwie… hm… vielleicht WILL ich ja auch gar nicht wie er aussehen. Moment…

Sandmann

Sandmann

Joar passt schon. Und jetzt lasse ich die Stoppeln wieder wachsen und trimme fein die Kanten. Und sorge ab sofort dafür, dass ich zumindest auf den Fotos nicht mehr so abgerockt und verwahrlost aussehe, dass die Hersteller von Rasierapparaten mir freundliche Carepakete schicken :roll: So oder so danke! an BRAUN! Aber auch wenn es jetzt mal nicht der klassische Themenbereich war – erzählen Sie mir doch mal, womit Sie sich rasieren. Wie oft. Und wann. Ich lerne gern dazu, und es wäre ja nicht das erste mal, dass wir hier in thematisch ausufernde Dimensionen abgleiten :-)

Sandmann

Read more

Created Mittwoch, 10. Dezember 2014 Tags 9090cc | braun | BRAUN Series 9 | Fremde Federungen | rasierapparat | Rasierer | Test Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
01 Dec 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Be M Wirkungsgrad

Be M Wirkungsgrad

Broccoli für das Kind der 80er

Der Tach beginnt trüb. Mein vinylbedachter Dottore steht bei ZauberSchrauber Menzel in Kiel, in freudiger Erwartung neuer Ventilschaftdichtungen und einer endlich mal vernünftigen Grundeinfummelung des störrischen Zenith Doppelvergasers. Damit der ENDLICH, nach zwei Jahren, mal sauber läuft und kein Öl mehr frisst. Der vieräugige Benz, normalerweise zuverlässig rettender Alltagswagen, ist gemeinsam mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona über Land in Richtung Lüneburg auf und davon. Ich bin also heute mal in Kiel mit meinem Fahrrad unterwegs, was sportlich aber nicht wirklich cool ist. Lichtblick: Ein heißer Kaffee bei Lieblingsoptiker Alex in der City, ein paar Benzingespräche und…. dann klingelt mein Telefon. Auf dem Display steht 1A Autoservice Menzel. Das ist nicht gut, das ist um diese Uhrzeit gar nicht gut.

In der Tat, das ist nicht gut.

Ich hab kurz Druckluft angesetzt, um die alten Schaftdichtungen rauszudrücken, und dann ist mir der komplette Ausgleichsbehälter von deinem Kühlwasser um die Ohren geflogen. Die Werkstatt ist geflutet. Ist dir klar, dass deine Zylinderkopfdichtung komplett durch ist? So durch, dass die Kolben vom Kühlwasser schon blank gewaschen sind?” Nein. Das war mir nicht klar :-( Ich setze mich auf mein Fahrrad, um mir das anzugucken…..

Be M Wirkungsgrad

Neiiiiiiiiiiin…

GNAH :-(:-(:-( Und jetzt? Mal schnell hinstellen, die Schaftdichtungen bis heute um 15:00 Uhr neu machen und den Vergaser sauber einstellen… äh… scheint jetzt nicht mehr so ganz in den ursprünglich abgesteckten Zeitplan zu passen. Verdammt. Die Kopfdichtung des 2-Liter Vierzylinders ist an mindestens zwei Stellen durch. Ob ich das denn nicht bemerkt hätte, der Wagen würde nennenswert Kühlwasser mit verbrannt haben, so wie die Kolben und die Laufbuchsen aussehen…. :-( Und noch ein trauriges Gesicht :-( und gleich noch eins :-( Ich habe zwar hier und da mal einen Schluck Kühlwasser nachgekippt, aber DAS war mir in diesem Umfang nicht klar. Scheiße. Und jetzt? Joar. Klare Ansage. Neue Kopfdichtung und Kopfschrauben bestellen. “Und sag mal, dein Zahnriemen… wie alt ist der? Da sind überhaupt keine Zähne mehr drauf, sowas hab ich noch nie gesehen… dass der überhaupt noch gelaufen ist…” Äh. Zahnriemen? Ich dachte immer der hat eine Steuerkette? Ich habe mich deshalb da nie drum gekümmert… “Nein, das hier, … also dieser poröse abgefledderte Zottel…. das ist definitiv ein Zahnriemen!” Ogottogott. Ich habe mich tatsächlich lange nicht um dieses Auto gekümmert, geschweige denn mich mal mit den Grundlagen seiner Technik befasst. Okay, den Zahnriemen und die Umlenkrolle auch noch neu. Und dann gleich auch noch die Riemen für die Servopumpe und die Lichtmaschine, die sehen genau so schlimm aus.
Bis die Teile da sind und alles wieder zusammengebaut ist wird es eine Woche dauern, das hat niemand lagerhaltig… Keine Chance, den Wagen heute fertig zu machen. Keine.

Be M Wirkungsgrad

Sportlich, aber zum falschen Zeitpunkt

Ich fahre wieder Fahrrad. Wieder und noch immer. Und ich stehe vor einem Berg an Problemen. Einem weiteren. Mittelfristig gibt es keinen schlechteren Zeitpunkt für diesen Umfang der Audi-Havarie hier in Kiel, denn der Benz ist wie beschrieben noch für zwei Wochen mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona im täglichen Pendelverkehr zwischen Hamburg und Lüneburg – den kann ich nicht nehmen. Kurzfristig erwartet mein kleines, viertelfinnisches Sandmädchen mich heute Nachmittag pünktlich in der KiTa. Das bekomme ich wohl mit der Deutschen Bahn irgendwie hin, aber was mache ich morgen? Und übermorgen? Ich kehre resignierend zu Alex ins warme Geschäft zurück, trinke noch einen Kaffee mit ihm und schimpfe vor mich hin. Über das Schicksal als solches, schlechte Zeitpunkte im Allgemeinen und zu wenig Geld für zu viele Reparaturen im Besonderen. “Du, mein Eta steht im Moment eh nur rum, der ist vollgetankt. Nimm den doch...” Ups? Einfach so? Das Heiligtum mit der Feinrost-Motorhaube? “Ja sicher. Ist aber drinnen nicht aufgeräumt. Ich fahr dann halt ein paar Tage mit der Vespa.” Ui. Das ist krass. Zum einen, weil der Alex und ich uns zwar schon ein bisschen länger kennen, aber eigentlich gar nicht so richtig gut. Zum anderen, weil ich mit den bayerischen Stufenheckschleudern aus den 80ern bisher nix am Hut hatte und gar nicht weiß, worauf ich mich da einlasse… “Meine Liebste gibt dir den Schlüssel. Räum den Kram der da überall rumliegt einfach nach hinten. Im Cockpit ist der Akku alle, der Verbrauchsmesser spinnt ein bisschen. Ignorier den einfach. Ansonsten fährt er sich fein.
Und ich radel aus Kiel raus, meiner ersten 3er BMW Erfahrung entgegen.

Be M Wirkungsgrad

irgendwie… besonders

Ich gebe zu, ich fand den immer doof. In den 80ern war der irgendwie langweilig, in den 90ern peinlich (er erfüllte in jedem zeitgenössischen Sketch das “Alda – Dreier BMW weissu?” Klischee junger Türken, die den Wagen gern ein wenig… nun… aufgewertet hatten) und danach habe ich ihn aus den Augen verloren. Es gibt so unfassbar viele Autos. Jetzt stehe ich vor einer klassischen Stufenhecklimousine mit vier Türen, einer langen Motorhaube und einem echten Kofferraum. Das allein schon lässt mich diesen Millionenseller ein ganz klein wenig ins Herz schließen. Außerdem rettet er mir gerade den Arsch, das macht ihn mir sympathisch und dafür schenke ich ihm einen Strauß Broccoli. Dieser Be Em We ist nicht nur irgendein Reihensechser, der mir an die Hand gegeben wurde – es ist ein 325e. Hinten mit e. Das steht für eta. Eta ist nicht etwa die Tankansage, dass hier nur ETAnol reingekippt werden darf. Es ist auch keine bayerisch-überhebliche Tröterei wie “l’eta c’est moi” oder so. Und Kalauer werden auch nicht besser, wenn man sie völlig falsch schreibt. Klugscheiß-Modus an: Der griechische Buchstabe eta (η) steht in der Physik für den Wirkungsgrad, also das Verhältnis aus dem, was ich an Energie -> reinstecke und dem, was ich am Ende wieder <- rausbekomme. Ein eta von 1 (Energiemenge -> rein geteilt durch gleiche Energiemenge <- raus) wäre also perfekt. Wir alle wissen, dass das nicht geht. Aber trotzdem heißt die Karre so.

Be M Wirkungsgrad

Er sagt, der Akku ist alle

Hier geht noch ein bisschen mehr nicht als nur ein Wirkungsgrad von 1. Das 80er Jahre Cockpit beherbergt einen kleinen Akku, der inzwischen nicht nur mausetot, sondern auch ausgelaufen ist. Ih gitt. Sein Ableben hat die Funktionalität der Verbrauchsanzeige lahmgelegt und den bunten Pacman-Inspektionsbalken fast komplett beleuchtet. Das zusammen mit einer gebrochenen Lötstelle (welche die Bremsverschleißanzeige immer mal sporadisch in Linkskurven aufleuchten lässt) sind aber laut Alex die einzigen Fehler in dem ansonsten technisch kerngesunden Auto.
Er hat den Wagen für lächerlich wenig Geld gekauft, ein paar Rostlöcher zugeschweißt, dem Motor neue Lager spendiert und den bordeauxroten alten Herren (extrem schöne Farbe) direkt über die HU gebracht. Wenig Aufwand, großer Wirkungsgrad. Das sagte man auch damals dem Motor nach, der aus seinen fetten 2.7 Litern Hubraum nur niedrig verdichtete 122 PS schöpft. Das bedeutet viel Druck von unten bei geringem Verbrauch, und das mit dem Komfort einer sechszylindrigen Reiselimousine. Geht durchaus mit acht Litern durch die 100 Kilometer, sagt Alex. Ich bin gespannt. Deshalb also eta. Alles ist schön rot beleuchtet hier drin, fast wie in meinem Audi V8 damals. Cool. Und er hat ein Panel oben im Dach, über das der Bordcomputer alle lebenswichtigen Organe einmal checken kann. *hach* die 80er. Wenn es nach Roboter und Enterprise aussah, war es sofort cool und teuer :-)

Be M Wirkungsgrad

Captain an Brücke, alles okay?

Ein BMW ist ein BMW ist ein BMW. Ich hatte wie gesagt nie einen, nur einmal bin ich für zwei Wochen mit dem neuen 7er Flagschiff durch das Land gefahren – aber das hat mir die Marke nicht wirklich und endgültig ins Herz tätowiert, zumal der Kasten mehr gekostet hatte als ein Einfamilienhaus am Stadtrand von Kiel. Die Bayern hatten mir allerdings nie was getan. Es hat sich schlicht nie ergeben, das ist bei mir wie mit der Marke Opel. Alles fein, alles okay, ich hatte aber noch nie einen. Gründe gibt es dafür keine. Jetzt sitze ich in der angekündigt unaufgeräumten Karre, habe ein paar Bierdosen, Kleingeld und Kontoauszüge in die hinteren Fußräume gebaggert und überlege kurz, ob es total peinlich ist, wenn ich jetzt los will und nicht weiß, wie der Rückwärtsgang reingeht. Uff. Das Cockpit ist bmw-mäßig um mich rum gebaut, ich sitze bequem und tief drin in einer sportlichen Welt aus Plastik und bunten Lampen und vor mir ist eine echte Motorhaube. Eine sehr verrostete, aber das ist gewollt, das ist noch von Örg’s Feinrost Partyim Sommer… Alex hat die originale noch in seiner Halle stehen. Sagt er. Die analoge Uhr tickt, das neuere Radio blinkt und bummst und alles strahlt eine stoische Zuverlässigkeit aus. Schräg. So gut können sich die 80er anfühlen.

Be M Wirkungsgrad

tatsächlich heute wieder sexy

Ein Dreh am Schlüssel, und der Sechszylinder erwacht zum Leben. Erst ein bisschen störrisch, er stand lange, aber nach ein paar Sekunden sauber und rund. Reihensechser eben. Glück gehabt, das mit dem Rückwärtsgang hat sich nicht als Problem erwiesen, ich habe ihn intuitiv gefunden :-) Und los geht’s. Mein Fahrrad lasse ich bei Alex in der Einfahrt stehen, bis ich den Wagen wieder abgebe. Irgendwann. Jetzt will ich erstmal schnell nach Hamburg, das kleine Sandmädchen wie verabredet aus ihren Bauklötzen zerren. Erster Gang, zweiter, dritter. Er fährt sich so, wie sich ein Auto fahren sollte. Quer durch Kiel, kurz vor der Autobahn ist er auch schon warm und schnurrt wie ein Uhrwerk. Nein. Er sirrt eher wie eine Turbine! Haben Sie mal diesen sagenhaften Motor mit seinen sechs Töpfen sirren gehört? Heulend knurren? Dieses Geräusch macht sonst keine andere Maschine. Geil. Da leuchtet auch schon die Bremswarnlampe auf. Moin. Ab auf die Bahn, vielleicht wird dieser Tag ja doch noch mein Freund.

Be M Wirkungsgrad

uiuiui das macht ja richtig SPASS!

Yayyyyy ist das ein cooles Fahren! Der Wagen liegt deftig straff auf der Straße, was an den Koni Gelb liegt, wie Alex auf Nachfrage per sms erzählt… Die hatte der Vorbesitzer sich wohl noch gegönnt. Schon wieder seltsam, denn mit dem BMW 325 haben die typischen Herrenfahrer damals eigentlich ihre Lederhandschuhe abgelegt und sind gleich ab Werk ins sportliche Image eingetaucht. Es war ihm wohl noch nicht sportlich genug, dem Herrn Vorbesitzer. Ich fühl mich fast wie in einem GoKart :-) Und da ist er dann auch endlich, der eta. Der Grund für das e in der Typenbezeichnung. Im Standgas fährt das Auto gefühlt schon 80, und auch bei höheren Geschwindigkeiten bemüht sich der Drehzahlmesser nur träge in Richtung der 3000. Bei 4500 beginnt sogar schon der rote Bereich. Daher also der recht geringe Verbrauch, wer nicht viel drehen muss der muss auch nicht viel zünden. Okay. Geht auf. Bei 140 zuckt dann auch plötzlich die Verbrauchsanzeige runter auf Null, und die Inspektionsanzeige geht wieder ganz aus. Lustig. Glaube keinem hier. Doofer kaputter Akku im Instrument, der.

Be M Wirkungsgrad

Drehzahlen wie beim Diesel

Es braucht keine 10 Kilometer, und ich habe mich komplett an den BMW gewöhnt. Nach weiteren 10 fühle ich mich wie zu Hause, und auf der A7 kurz hinter Neumünster beschleicht mich dieses unangenehme Gefühl, ich wolle vielleicht auch mal so ein Auto haben. Kennen Sie das? Das passiert mir immer wieder, aber es ist auch nicht schwer, mein automobiles Herz zu erobern. Mist. Nein nein ich nehme den jetzt erstmal dankbar als Leihwagen, bis der Dottore wieder fahrtauglich ist, und dann volltanken und etwas aufgeräumter wieder zurück zum Alex. Jetzt kommt auch noch gute Musik im Radio. Argh. Auch das ist ein Phänomen, was ich irgendwann mal ergründen möchte. Mit der richtigen Musik ist eine Autobahnfahrt wie ein kleiner Roadmovie, und das betreffende Auto wächst ein wenig fester ans Herz als geplant. Das geht auch bei einem absoluten Un-Auto, wenn die Musik stimmt. Und dieser eta ist alles ander als ein Un-Auto… Verdammt verdammt. BROOOOOOO siiirrr

Be M Wirkungsgrad

schnell dran gewöhnt

Puh. Wer hätte heute Morgen gedacht, dass der Tag am Steuer eines BMW 325e endet? Ich nicht. Ein Rest schlechte Laune ist noch immer da, denn ich habe heute bei weitem nicht alles geschafft, was ich schaffen wollte und zu viel Zeit auf dem Sattel meines Fahrrades verbracht. Außerdem habe ich so eine Ahnung, dass ne neue Kopfdichtung, neue Ventilschaftdichtungen, ein neuer Zahnriemen mit Umlenkrolle und neue Treibriemen für LiMa und WaPu bei einem 38 Jahre alten Auto (sorry, einem AUDI) nicht für den Preis einer Kinokarte zu bekommen sind. Zumal der Einbau von Menzels Fachwerkstatt gemacht wird, fein auf Rechnung, also zum ganz normalen Kurs. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich komme heute pünktlich zur KiTa, musste nicht mit der Bahn fahren und bin um eine erste Erfahrung reicher: Den Dreier BMW. Nix weissu? Der Kahn ist cool. Ich spritze noch mal bei entspannten 120 Sachen Wischwaschwasser auf die Scheibe und wunder mich darüber, dass kein Wischwaschwasser kommt? Hm? Nochmal. Suuurrrrrrr. Nix. Huch? Rechts ran und mal nachschauen. Oh. Okay, eine Sache hatte der Alex wohl noch vergessen zu erwähnen :-) Das Schlauchgewirr ist wegen der Feinrost-Haube abgeklemmt, ich hab jetzt eine schöne Motorwäsche gemacht. Als ich ihn anrufe fällt es ihm auch spontan wieder ein ;-) Egal. Peanuts.

Be M Wirkungsgrad

Blumen für den eta

Er hat sich diesen Broccoli wirklich verdient. Wann haben Sie Ihrem Auto zuletzt einen Broccoli spendiert? Na? Sehen Sie. Ich ordne nun auf den verbleibenden Kilometern noch ein paar Gedanken im Kopf. Wie ich dem Alex meinen Dank für seine Selbstlosigkeit aussprechen kann, was wohl mein halbfinnisches Fräulein Altona zum temporären Neuzugang sagt, wie mein kleines Sandmädchen den Wagen findet und welche Bank ich morgen überfalle, um die unplanmäßige Ausgabe für den alten Audi 100, die seinen Gesamtwert wohl übersteigen wird, zu bezahlen. Aber ich habe ja noch ein paar Tage Zeit. Zeit mit einem Auto, das ich noch vor 10 Jahren nicht mit dem Arsch angeguckt habe. So ändern sich die Zeiten. Oder werde ich etwa altersmilde? Coole Kiste. Und weiter geht es im Karussell des Alltags.

Sandmann

Read more

Created Montag, 01. Dezember 2014 Tags 525e | 80er | BMW 325e | bmw e30 | e28 | eta | Fremde Federungen | Heimwärts Highways | Reihensechser | Sechszylinder | Wirkungsgrad Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz