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12 Jun 2012

Re-CHARGE my Life!

Wie sich ein 68er Dodge in ein Leben einschleicht …

Tanke schön, das gehört dazu...

Tanke schön, das gehört dazu...

Kinder sind zwar irgendwann aus dem Spielzeugalter raus,  haben dann aber kein Geld. Wenn sie als Männer später Geld haben, nimmt es ihnen meist der Alltag oder die Doppelhaushälfte wieder ab. Oder die Lebensgefährtin. Denn die legt üblicherweise ein Veto gegen Spielzeug jeder Art ein.

Nicht so bei Martin Hofmann. Der ist erwachsen, hat Geld gespart und die Freundin auf seiner Seite. Und er will auch wieder spielen.

HIER geht es zum Artikel

Original: Sandmanns Welt

Created Dienstag, 12. Juni 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags 1968 | ami | Brandshof | Charger | Dodge | Dodge Charger | hamburg | Import | Musclecar | TRÄUME WAGEN
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01 Mar 2015

Da Capo Leipzig

Schon von weitem ist der “Oldtimer der Lüfte”, eine viermotorige Interflug Iljuschin IL-18, auf dem Dach des Da Capo in Leipzig-Plagwitz zu sehen. Das Da Capo ist Oldtimermuseum und Eventhalle. Man taucht ein in die Zeit, als die Technik laufen lernte und entdeckt die Industriearchitektur der Gründerzeit. Im “verspiegelten” Museum gibt es allerhand nostalgische Raritäten zu bestaunen: historische Kaffeemühlen, alte Motor- und Fahrräder, Tanksäulen sowie jede Menge feine historische automobile Schätze… Die ehemalige Fabrikhalle bietet ein tolles Ambiente und Platz für Veranstaltungen für bis zu 500 Personen.

Da Capo

Da Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo Leipzig

Da Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo Leipzig

Da Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo Leipzig

Da Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo LeipzigDa Capo Leipzig

Original http://www.formfreu.de/2015/03/01/da-capo-leipzig/

28 Feb 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Und noch einer, Aston Martin Vulcan-1620

Aston Martin Vulcan

Wir haben die Übersicht bei Aston Martin längst verloren, auch bei den limitierten Serien. Doch der Vulcan scheint ganz neu zu sein.

Ein Rennwagen ist der Vulcan, track only, 24 Stück wird es geben. Angetrieben von einem 7-Liter-V12, der deutlich über 800 Pferdchen galoppieren lassen will. Es heisst, dass man auch gleich noch eine Spielkonsole kriegt, wenn man den Vulcan kauft - damit man wie die Forme-1-Rennfahrer ein bisschen üben kann. Design von Chief Creative Officer Marek Reichman, bei dem der Titel länger ist als, äh, die Phantasie, man muss ihn nicht in Grün nehmen, auch andere Farben sind möglich.
Wir nehmen mal an, dass es für den Vulcan eine eigene Rennserie geben wird, so ähnlich, wie das Ferrari mit dem FXX schon machte und mit dem neuen FXX K auch wieder machen wird. Also: unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Vielleicht auch besser so, denn Kohle macht ja nicht unbedingt schneller...
Ja, steht in Genf. Preis wissen wir nicht. Mehr über Aston Martin findet sich aber in unserem Archiv.
Ebenfalls grad neu von Aston: der Lagonda Taraf.

Aston Martin Vulcan

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/aston-martin-vulcan-1620/seite_1-2

28 Feb 2015
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Für den Pöbel, Aston Martin Lagonda Taraf-1618

Aston Martin Lagonda Taraf

Bisher gab es den Lagonda Taraf ja nur für den Scheich. Jetzt dürfen alle - mindestens 400'000 Pfünder vorausgesetzt...

Im vergangenen Herbst hatte Aston Martin in Dubai den Lagonda Taraf vorgestellt. Heftig limitiert, nur für den Mittleren Osten durfte die legendäre Bezeichnung Lagonda wieder auferstehen. Ganz klar ein Rapide, aber halt: kantiger. So wie die letzten Lagonda halt waren. Falsch: Lagonda wurde 1906 von einem Opernsänger gegründet, 1947 von Aston Martin übernommen, 1965 eingeschläfert, 1974 wieder erweckt, ab 1976 und bis 1989 gab es dann den erwähnten Aston Martin Lagonda, das Kantholz. An den soll der Taraf erinnern. Optisch.
Unter dem Blech: alles wie gehabt. 6-Liter-V12, 565 oder auch ein paar mehr PS, über 300 km/h schnell und in etwa 5 Sekunden auf 100. Innen edel - und sehr modern, womit die Tradition des AM Lagonda ebenfalls wieder aufgenommen wurde, der eines der eigenartigsten Cockpits der Automobil-Geschichte hatte. Der Scheich musste mindestens 400'000 Pfund abdrücken, damit er solch einen Taraf sein eigen nennen durfte.
Nun hat Aston Martin angekündigt, dass der Lagonda nicht nur im Mittleren Osten angeboten werden soll, sondern: weltweit. Und auch nicht mehr limitiert - es wird so viele geben, wie halt bestellt werden. Wir würden es nicht tun, auch wenn wir das Sapziergeld hätten, denn der Designer hätte durchaus ein paar Peitschenhiebe verdient, die in jenen Regionen ja gern verabreicht werden. Es ist anzunehmen, dass der Taraf dann auch in Genf stehen wird.
Mehr Aston Martin gibt es im Archiv.
Ebenfalls neu von Aston: der Vulcan .

Aston Martin Lagonda Taraf

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/aston-martin-lagonda-taraf-1618/seite_1-2

28 Feb 2015

HEUTE: Fiat 500X „X-Perience Day“ bei Deinem Fiat-Händler

Fiat X-Perience Day

Advertorial | Anzeige

Vor zwei Tagen habe ich es schon geschrieben, der neuen Fiat 500X steht ab dem heutigen Tage beim Händler. Fiat feiert den „X-Perience Day“ – also nach dem Kaffee und Kuchen noch mal fix ins Auto und ab zum Fiat Händler Deiner Wahl, dann kannst Du Dir den neuen Crossover von Fiat direkt selbst ansehen.

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Zum Verkaufsstart haben Kaufinteressierte des neuen Fiat 500X die Wahl zwischen City- oder Cross-Look. Welche Motorisierung darf es für den italienischen Flitzer sein? Zur Auswahl stehen hier sowohl wirtschaftliche Benziner wie auch Turbodiesel mit einer Leistungsbreite von 82 kW (110 PS) bis 103 kW (140 PS). Drei Antriebsvarianten (Vorderrad, Vorderrad mit elektronischen Sperrdifferenzial Traction+, Allrad) sowie drei Getriebealternativen (Handschaltung, Doppelkupplungsgetriebe mit Schaltwippen am Lenkrad, Neunstufen-Automatik) lassen ebenfalls keine Wünsche offen.

Also ab zum Händler und wer das nicht schafft, kann sich zumindest virtuell im Internet weiter einlesen. Hier im Blog oder direkt bei der Seite Fiat 500X X-Perience Day.

Fiat 500X Kraftstoffverbrauch (l/100 km) gemäß RL 80/1268/EWG: kombiniert 6,4 – 4,1; CO2-Emission (g/km): kombiniert 147-109. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem “Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen” entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und hier unentgeltlich erhältlich ist. Abbildungen enthalten Sonderausstattung.

Original http://auto-geil.de/2015/02/28/heute-fiat-500x-x-perience-day-bei-deinem-fiat-haendler/

Created Samstag, 28. Februar 2015 Tags allgemein Document type Article
Categories Timeline Author Jan Gleitsmann
27 Feb 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Anders halt, Glickenhaus SCG 003 2150

Glickenhaus SCG 003

Glickenhaus? Noch nie gehört? Wir auch nicht, aber das Teil ist trotzdem einen Blick wert.

Cameron Glickenhaus ist ein grosser Ferrari-Fan. Und, er hat so fast perfekte Rennwagen wie den Ferrari Enzo umgebaut. Nach seinem Gusto, natürlich für den Renneinsatz. Nun aber will man sich einem Strassensportwagen widmen, dem Glickenhaus SCG 003. Das SCG steht für Scuderia Cameron Glickenhaus, einem Rennstall also. Der neue Renner wird von einem V6-Triebwerk mit zwei Turboladern befeuert. 530 PS werden für den 3,5 Liter, der eigentlich aus dem Hause Honda stammt, als Maximalleistung genannt. Dazu gibts maximal 700 Nm. Wir gehen davon aus, dass der Wagen damit ganz schön schnell wird, denn er soll nur 1350 kg. Dies auch, weil Glickenhaus quadratkilometerweise Carbonmatten verarbeitet, um das Chassis und die Aussenhaut zu formen. Viel mehr ist derzeit nicht zu erfahren, dass der SCG 003 über ein sequentielles Getriebe verfügt, versteht sich beim Rennsportfan Glickenhaus fast von selbst. Weltpremiere feiert der Strassenrenner am Autosalon in Genf, daneben arbeiten die Techniker bereits an der Rennversion, die eventuell sogar in Le Mans an den Start gehen soll. Aus welchem Holz der US-Amerikaner geschnitzt ist zeigt auch die Tatsache, dass er seiner Tochter neulich ein Auto gekauft hat. Nicht einen Honda Jazz oder einen Kia Rio. Sondern eine Corvette Z06...

Anders halt, Glickenhaus SCG 003 2150

Text: Cha, Fotos: Werk

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/glickenhaus-scg-003-2150/seite_1-2

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27 Feb 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Das wird was

Ich habe gestern die Räder geholt, die ich wegen der Reifen gekauft habe. Eigentlich bin ich noch nicht 100% gesund, aber da die Werkstatthölle auf dem Weg lag, musste ich einfach mal vorbeisehen. Das macht schon einen mächtigen Unterschied zwischen den "alten" und den "neuen" Rädern. Die "neuen" sind deutlich kleiner.

Das wird was

Ich musste sie auch gleich mal testweise draufschrauben. Auch wenn der Durchmesser nahezu identisch ist - die 17 Zöller stehen deutlich satter in dem Radkasten.

Das wird was

Man kann damit voll einlenken - aber nur, wenn der Wagen dabei nicht einfedert.

Einlenken

>Um es wirklich beurteilen zu können, muss ich die Reifen auf meine Felgen umziehen lassen. Denn weder Felgenbreite noch ET sind identisch.

Etwas brannte mir noch unter den Nägeln, bevor ich wieder in die warme Wohnung geflohen bin. Ich habe jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit die Ford P6 Heckleuchten rumliegen und ich wollte endlich sehen, wie die live am Fahrzeug wirken. hin und hergeschoben, 3 Löcher gebohrt und provisorisch festgeschraubt.

Das wird was

Das wird was

Gefällt mir DEUTLICH besser, als die Buckelvolvo Leuchten. Hier noch mal ein geblitztes Foto mit den beiden Heckleuchten im Vergleich.

Das wird was

Einfach nur dranspaxen ist aber nicht. das hat auch Karosseriearbeiten zur Folge - ich muss seitlich einen Sockel beifüttern.

Das wird was

Aber der Aufwand lohnt sich. Da bin ich mir sicher.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/das-wird-was?blog=16

27 Feb 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Böser Bube, Mercedes-AMG GT3 2149

Mercedes-AMG GT3

Der Mercedes-AMG im GT3-Renntrimm hat ganz schön dicke Backen.

Mercedes hat sich wirklich Mühe gegeben, mit dem GT3. Sogar der Lack bekam einen marketingtechnisch wunderbaren Namen: Designo Selenitgrau Magno. Doch darauf kommt es bei einem Rennfahrzeug wohl am wenigsten an.   Wie bei der Strassenversion des AMG GT besteht die Fahrzeugstruktur des GT3 aus einem leichten und steifen Aluminium-Spaceframe. Der Pilot wird zusätzlich durch eine Carbon-Sitzschale und einen integrierten Überrollkäfig aus hochfestem Stahl geschützt. Um das Fahrzeuggewicht weiter zu senken, sind Motorhaube, Türen, vordere Kotflügel, Front- und Heckschürze, Seitenwand, Seitenschweller, Diffusor, Heckdeckel und Heckflügel aus Carbon gefertigt. Für  Vortrieb sorgt der aus dem SLS AMG GT3 bewährte und zusätzlich optimierte AMG 6,3-Liter-V8-Motor. Anwenderfreundliche Technik, hohe Zuverlässigkeit, lange Wartungsintervalle und niedrige Laufkostendes Hochdrehzahl-Saugmotors gaben den Ausschlag für den Einsatz im neuen AMG Kundensportmodell. Das sequenzielle Sechsgang-Renngetriebe des GT3 ist - wie beim Serien-GT - nach dem Transaxle-Prinzip an der Hinterachse montiert und ermöglicht damit eine verbesserte Gewichtsverteilung. Eine weitere Gemeinsamkeit sind die Doppelquerlenkerachsen, die fast komplett aus Aluminium bestehen.  Preise für das Rennsportmodell nennt Daimler noch keine - aber billig ists bei Stern ja nie. Der Renner steht auch auf dem Autosalon in Genf.
Mehr Mercedes gibts im Archiv.

Böser Bube, Mercedes-AMG GT3 2149

Text: Rudi Rennrüssel, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/mercedes-amg-gt3-2149/seite_1-2

27 Feb 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Kleiner Hüpfer, Honda Jazz 2147

Honda Jazz

Er gehört du den innovativsten Kleinwagen und kommt als Neuauflage nach Genf, der Honda Jazz.

Sehr viel wollen uns die Japaner über den neuen Jazz noch nicht verraten. Da ist vor allem viel Marketing-Blabla zu lesen. Klar ist, dass der Jazz sicher mindestens so vielseitig ist wie das aktuelle Modell. Auch die geniale Rückbankkonstruktion, die so genannten Magic Seats, bleibt erhalten. Im Kofferraum finden, je nach Konfiguration, zwischen 354 und 886 Liter Platz. Und, der Jazz soll noch mehr Ablagen für Kleinkram haben. Das Plus an Platz resultiert auch aus einer grösseren Fahrzeuglänge von nun vier Metern (+9,5 cm) und einem um 35 mm längeren Radstand. Mit an Bord sind auch die neusten Honda-Assistenzsysteme wie ein City-Safety-System (mit Radartechnologie) sowie eine verbesserte Infotainment-Struktur. Als Antrieb soll ein 1,3-Liter grosser Vierzylinder-Benziner verbaut werden, der 102 PS leistet. Zu einer Hybridversion schweigt man sich derzeit noch aus. Angeboten werden sollen ein manuelles Sechsganggetriebe sowie eine stufenlose Automatik (CVT).
Mehr Honda gibts im Archiv.

Kleiner Hüpfer, Honda Jazz 2147

Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/honda-jazz-2147/seite_1-2

26 Feb 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Maic Schulte  

„Ein Auto muss man zuerst träumen.“

Gelber Dino - IVAloha!

Das Zitat in der heutigen Überschrift stammt von niemand Geringerem als Enzo Ferrari selbst und eines ist ganz sicher, automobile Träume hat er Zeit seines Lebens viele erdacht und – zum Glück für uns – auch realisiert.

Überhaupt stellte das Automobil als solches stets eine feste Größe im Leben des gebürtigen Italieners Enzo Ferrari dar. Der 1898 in Modena/Italien geborene Enzo stieg schon sehr früh als Rennfahrer in den Motorsport ein, was letztlich im Jahr 1929 zu der Gründung eines eigenen Rennstalls führte: der Scuderia Ferrari.

Von daher ist es auch keineswegs verwunderlich, dass Enzo Ferrari schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Produktion eigener Sportwagen begann. Doch im Stammwerk in Modena wurden nicht nur Ferraris produziert, sondern auch eine kleine, aber feine Familie von Sportwagen, die allesamt auf den Namen Dino hörten. Abgeleitet wurde der Name Dino von Enzo Ferraris Sohn Alfredo, der leider schon sehr jung verstarb.

Da es sich bei dem Dino allerdings um einen eher günstigen und wenig prestigeträchtigen Sportwagen handelte, verweigerte man ihm schlichtweg den Namen Ferrari und das Cavallino rampante – das springende Pferd – durften die Fahrzeuge ebenfalls nicht zur Schau tragen.

Trotzdem erfreuten sich diese Fahrzeuge, die zumeist mit einem kräftigen und robusten V6-Motor ausgerüstet waren und stolz ein Dino-Emblem trugen, großer Beliebtheit. Letzteres kann ich auch nur zu gut verstehen, war ich doch bei meinem ersten Kontakt mit einem Dino auch sofort hin und weg.

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich auf der Techno-Classica 2014 eine Handvoll guterhaltener Dinos entdeckt habe. Abgelichtet habe ich natürlich auch den ein oder anderen, was es mir heute ermöglicht, Euch einen weiteren kleinen Bericht von der Techno-Classica 2014 zeigen zu können.

Viel Spaß mit einem von Enzos Träumen.

Gelber Dino - III„Ein Auto muss man zuerst träumen.“Gelber Dino - IDino in Black and WhiteDino Logo„Ein Auto muss man zuerst träumen.“Gelber Dino - NoseGelber Dino - IIGelber Dino - IV

 

Original http://www.1001cars.de/wordpress/?p=4739

Created Donnerstag, 26. Februar 2015 Tags Cars & Bikes | Chronologisch | dino | enzo ferrari | Essen | ferrari | oldtimer | techno classica Document type Video
Categories Timeline Author Maic Schulte
26 Feb 2015

Der neue Fiat 500X: Crossover mit italienischem Chic

Fiat-500-X-Cross

Advertorial | Anzeige

Auf dem Pariser Auto-Salon im letzten Herbst 2014 hat Fiat zum ersten Mal seinen Crossover aus der erfolgreichen Fiat 500 Familie präsentiert. Am diesen Wochenende können ihn sich nun all diejenigen ansehen, die es nicht nach Paris geschafft haben, denn ab dem 28. Februar 2015 findet man den Fiat 500X nun auch im Showroom der deutschen Fiat-Händlern. Zwei Modellvarianten des italienischen Crossover gibt es zu bestaunen. Als Einstimmung vorab schon mal das freche Werbevideo zur Markteinführung:

Als Besitzer eines Fiat 500N von 1960 und Fan dieser kleinen Knutschkugel war ich durchaus sehr angetan als die Italiener fast 60 Jahre nach dem ersten Modell 1957 den Fiat 500 als Retro-Auto haben wieder auferstehen lassen. Aber selbst damals hätte ich nicht zu träumen gewagt, dass sich Fiat 500 quasi als eigenständige Marke etablieren lässt und in diversen Varianten ausgerollt wird. Sicher, von dem Urahn gab es auch zahlreiche Umbauten, aber Fiat selbst hat nur die Lütten selbst und eine Kombi-Version hergestellt. Sein Nachfolger hingegen ist da deutlich vielfältiger aufgestellt: ein Dreitürer 500, das Cabrio 500C und den Mini-Van 500L gibt es von dem kultigen Fiat 500 bereits, und in ein paar Tagen rundet der Fiat 500X als Crossover das Programm ab. Eine Erweiterung nach oben, wenn man auf die Bodenfreiheit und die erhöhte Sitzposition abstellt. Aber unverkennbar ein Fiat 500.

Viel Komfort dank großem Innenraum und Assistenzsystemen
Dank der verschiedenen Modellvarianten dürften sowohl urban geprägte Kunden als auch Käufer erreicht werden, die auf den eher kernigen Off-Road-Look stehen. Mit leistungsfähigen und umweltfreundlichen Motoren sowie innovativen Antriebslösungen ist der Fiat 500X auf unterschiedlichste Einsatzbereiche und Anforderungen bestens vorbereitet. Fünf Sitzplätze, der trotz kompakter Abmessungen vergleichsweise große Innenraum, ein variabler Gepäckraum, fortschrittliche Assistenz- und moderne Infotainmentsysteme sollen für hohen Fahrkomfort sorgen.

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Hochwertige und solide verarbeitete Materialien und Oberflächen sollen im Innenraum für das italienisch angehauchte Wohlgefühl sorgen. Zwischen sieben Interieurvarianten kann der potentielle Kunde wählen, verschiedene Stoffe aber auch Leder verhelfen dem Fiat 500X Piloten seinen Crossover individuell zu gestalten. Zudem lockt der neue Fiat 500 in Sachen Variabilität mit zahlreichen Sitzkonfigurationen.

Als Einstiegsmodell ist der Fiat 500X mit dem 110 PS (82 kW) starkem Benziner 1.6 E-torQ zu haben. Der Fiat 500X 1.4 MultiAir Cross, dessen Turbobenziner 140 PS (103 kW) leistet, stellt das Basismodell im Offroad-Look. Als weitere Antriebsalternative ist der 120 PS (88 kW) starke Turbodiesel 1.6 MultiJet erhältlich. Alle drei Motorisierungen kommen mit dem Frontantrieb, während auch ein Allradgetriebener Kraftzwerg im Angebot steht: Als Fiat 500X mit einem wirtschaftlichen Zweiliter-Turbodiesel, der 140 PS (103 kW).

Von „Pop“ bis „Cross Plus“: der neue Fiat 500X ist in fünf verschiedenen Versionen erhältlich

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Fiat 500X „Pop“
Der Fiat 500X in der Ausstattungsvariante „Pop“ bietet serienmäßig unter anderem 16-Zoll-Räder mit Radkappen in glänzendem Silber, optional dunkel satinierte 16-Zoll-Leichtmetallräder und in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger. Zur Wahl stehen fünf Karosseriefarben, zu denen Details im Chromlook, wie die Qerspange am Kühlergrill, Rahmen der Scheinwerfer und Rückleuchten, Griffe von Türen und Kofferraumdeckel, einen glänzenden Kontrast bilden. Bereits in Serienausstattung sind zahlreiche Sicherheits- und Assistenzsysteme mit an Bord. Dazu gehören sechs Airbags, elektronisches Fahrstabilitätsprogramm (ESC) mit integrierter Berganfahr-Hilfe (Hill Holder), Motorschleppmomentregelung (MSR) und elektronische Überschlagsvermeidung (ERM) sowie elektrische Servolenkung mit aktivem Lenkassistenten (Dynamic Steering Torque). Für hohen Fahrkomfort sorgen unter anderem elektrische Fensterheber vorne und hinten, Geschwindigkeitsregelanlage (Cruise Control), höhenverstellbarer Fahrersitz und elektronische Parkbremse.

Fiat 500X „Pop Star“
Beim Fiat 500X „Pop Star“ gehören Nebelscheinwerfer, Außenspiegelkappen in Wagenfarbe und 17-Zoll-Leichtmetallräder in Silber zur Serienausstattung, Leichtmetallräder im 17-Zoll-Format in Diamantschwarz und im 18-Zoll-Format in Glänzendsilber sind optional. Zusätzlich zum Ausstattungsniveau „Pop“ sind serienmäßig unter anderem eine manuelle Klimaanlage, das Infotainmentsystem Uconnect mit fünf Zoll großem Bildschirm und das Fahrprogrammsystem „Drive Mood Selector“ mit an Bord. Das Ausstattungsniveau „Pop Star“ lässt außerdem die Wahl aus zwölf Karosseriefarben und zwei Innenausstattungsvarianten.

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Fiat 500X „Lounge“
Als Topversion im „Urban Look“ bringt der Fiat 500X „Lounge“ serienmäßig zusätzlich unter anderem 18-Zoll-Leichtmetallräder in glänzendem Silber, getönte Fensterscheiben hinten und Exterieurdetails in Chrom mit. Auch gehobenen Ansprüchen genügen darüber hinaus Bi-Xenon-Scheinwerfer, das Entertainmentsystem Uconnect 5.0 Nav mit integriertem Navigationssystem, Zweizonen-Klimaautomatik, Ambientebeleuchtung im Innenraum, schlüsselloses Zugangs- und Startsystem („Keyless Entry & Keyless Go“) sowie Sitzbezüge in hochwertigem Stoff.

Fiat 500X „Cross“
Der Fiat 500X „Cross“ ist auf den ersten Blick als leichter Off-Roader zu erkennen. Exklusive Stoßfänger und der entsprechende Unterfahrschutz vorne und hinten sollen die Geländefähigkeit ebenso erhöhen wie das elektronische Sperrdifferenzial „Traction+“. Auf Wunsch steht auch Vierradantrieb zur Verfügung. Zur Serienausstattung gehören außerdem eine Dachreling, 17-Zoll-Leichtmetallräder in Offroad-Optik, manuelle Klimaanlage, Infotainmentsystem Uconnect 5, das Fahrprogrammsystem „Drive Mood Selector“, Nebelscheinwerfer, in Wagenfarbe lackierte Abdeckungen der Außenspiegel, getönte Fensterscheiben hinten, Leder-Lenkrad sowie Türgriffe, Scheinwerferrahmen, Querspange am Kühlergrill und Griff der Kofferraumklappe in dunkel satiniertem Chrom.

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Fiat 500X „Cross Plus“
Die Spitzenversion der Outdoor-Variante des Fiat 500X hört auf den Namen „Cross Plus“. Im Vergleich zum Fiat 500X „Cross“ sind serienmäßig zusätzlich Xenon-Scheinwerfer, das Infotainment- und Navigationssystem Uconnect Nav 5“, eine Zweizonen-Klimaautomatik, der 3,5-Zoll-TFT-Monitor im zentralen Instrument, schlüsselloses Zugangs- und Startsystem („Keyless Entry & Keyless Go“) sowie Ambientebeleuchtung an Bord. Zur Wahl stehen außerdem verschiedene Designs für die 18-Zoll-Leichtmetallräder.

Ab dem 28. Februar 2015 beim Händler
Der italienische Crossover ist in der Ausstattung City-Look ab 16.950 Euro zu haben. Die kernige Off-Road-Variante startet mit einem Basispreis von 22.450 Euro.

Bildquelle: Fiat Deutschland

Fiat 500X Kraftstoffverbrauch (l/100 km) gemäß RL 80/1268/EWG: kombiniert 6,4 – 4,1; CO2-Emission (g/km): kombiniert 147-109. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem “Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen” entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und hier unentgeltlich erhältlich ist. Abbildungen enthalten Sonderausstattung.

Original http://auto-geil.de/2015/02/26/der-neue-fiat-500x-crossover-mit-italienischem-chic/

Created Donnerstag, 26. Februar 2015 Tags Advertorial | allgemein | crossover | fiat | fiat 500 | Fiat 500x Document type Article
Categories Timeline Author Jan Gleitsmann
 
26 Feb 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Also manchmal isses echt schwierig

Also manchmal...

Ich versuche seit Monaten 2 Schrottreifen in flach und 17 Zoll aufzutreiben. Traumgröße: 195/45 R17. Denkt Ihr, es würde sich was auftreiben lassen? Die Größe scheint so selten zu sein, niemand hat sowas. Und wenn, dann zu unrealistischen Preisen. Ich gebe keine 50 Euro inkl. Versand für 2 Reifen mit Restprofil aus, die zudem komplett überaltert sind, wenn es für 50 Euro einen neuen gibt.

Wohlgemerkt: Es geht um Reifen zum Testen, weil ich mir nicht sicher bin, ob es

     a) ausreicht, den Wagen zum Lenken zu bringen und
     b) nicht komplett scheiße aussieht.

Dass es alles andere als Oldschool ist, ist klar, deshalb wird es auf alle Fälle ein Kompromiss.

Irgendwie muss ich auf dieser Baustelle weiterkommen. Ich fühlte mich echt in meiner Ehre als Internet Trüffelsau verletzt. Das kann einfach nicht wahr sein. Da ich gerade Schach Matt gesetzt bin, konnte ich intensiv suchen und wurde fündig. Keine Reifen, sondern Kompletträder:

Alus

Bereifung auf den Felgen: 205/40 R17. Könnte auch gehen. Also kaufe ich eben Kompletträder. Morgen hole ich sie ab. Waren günstig und der Wiederverkauf der Felgen wird die Reifen schon finanzieren. Braucht wer einen günstigen Satz 17 Zöller in 4x100er Lochkreis?

Original http://www.fusselblog.de/index.php/also-manchmal-isses-echt-schwierig?blog=16

26 Feb 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Wasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145

Fahrbericht Mercedes
C450 AMG

Noch nicht erstelltWasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145
Manche nennen es die Verwässerung einer geilen Marke, andere nennen es die logische Konsequenz aus der Wachstumsstrategie - die Rede ist von Mercedes-AMG. Ja, die wilden Buben aus Affalterbach sind etwas zahmer geworden. Verkaufen mittlerweile wohl mehr AMG-Bodenteppiche als V8-Brenner, lassen sich den Carbonzierrat für eine schnöde A-Klasse teuer bezahlen und bauen nun auch noch AMG-Autos, die gar keine sind. Oder zumindest nicht echte AMG. Wieso man sich so einen C450 AMG trotzdem genauer anschauen sollte? Weil er perfekt zur Schweiz passt. Doch davon etwas später mehr. Wir versuchen mal etwas Licht ins Bezeichnungs-Dickicht zu bringen. Ein echter AMG, also die richtig, richtig scharfen Geräte die haben zwei Zahlen die Auskunft darüber geben, welch Triebwerk verbaut wurde. Wir bleiben mal bei der aktuellen C-Klasse. Und fangen ganz unten an. Die Fussmattensatz von AMG kostet bei einem C 180 T-Modell satte 5061 Franken. Denn wenn man die haben will muss man das AMG-Interieur und Exterieurpaket mit dazu bestellen. Es geht weiter mit der vollen AMG-Ausstattung für den C180, also Leder und Co, Exklusive-Interieur und ein paar anderen Nettigkeiten, kostet dann rund 8000 Franken Aufpreis. Dann kommt schon der AMG mit drei Zahlen, also der C 450 AMG. Dort haben wir leider noch eine Preise, aber billig wird das sicher nicht. 367 PS aus dem aufgeladenen V6 lässt man sich sicher fürstlich bezahlen, den 4x4 sowieso. Dann gibts den C 63 AMG, der leistet 476 PS aus dem Vierliter-V8 mit zwei Ladern (ab 96'600 Franken). Und dann noch den C 63 S AMG mit 510 PS aus demselben Motor (ab 107'500). Alles klar? Ach ja, alle Varianten gibts als Limousine oder Kombi. So viel AMG gabs noch nie, aber ist das wirklich nötig? Verwässert es die Marke zu sehr? Oder ist es ganz gut, dass es nun auch zahme AMG's gibt? Deine Meinung erreicht uns hier.  Wir kehren nun zu dem zurück, was wir am Besten können. Wir fahren mit den C 450 AMG. Und, ja wir sind überrascht. Das Auto ist eine wunderbare Mischung aus Sportmodell und Brot-und-Butter-Kutsche. Wenn man’s nicht eilig hat, schnurrt der «kleine» V6 ruhig vor sich hin, mit dem Puls einer frühpensionierten Ernährungsberaterin.
Wasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145
Wasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145
Klar, ganz so elegant wie eine Basisversion rollt der C450 nicht ab, auch bei verhaltener Fahrt sind die teilweise vom C63 AMG übernommenen Fahrwerkskomponenten auf. Aber, es ist ein durchaus komfortables Fahren, so lange man den Fahrwerksschalter auf «bequem» lässt. Und er zieht ganz schön, der Benz. Kein Wunder, zu den 367 PS gesellen sich 520 Nm ab 2000 Umdrehungen. Und, weil die Kraftübertragung auf alle vier Räder erfolgt ist mangelnde Traktion kein Thema. Nie, auch dann nicht, wenn aus der frühpensionierten Ernährungsberaterin eine Mujinga Kambundji wird (googeln liebe deutsche Freunde...). Ein paar Knöpfe gedrückt und der C450 ist «scharf» Und wie! Es ist eine Freude, wie der Benz mutiert. Der Sound ist zwar nicht so scharf wie bei einem Achtender, der Schub auch nicht. Aber er schiebt schon mit Nachdruck an, der 1660 kg (ECE) schwere Kombi macht einen auf böses Vieh.
Wasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145
Wasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145
Wasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145
Wasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145
Wasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145
Doch, das hat man im Griff. Einerseits wegen den richtig guten AMG-Lenkung. Ich will dahin? Also, am Rad drehen und dahin fahren! Wir sind wirklich hochzufrieden. Und zum anderen, weil die knapp 370 PS reichen, um richtig schnell die öden Geraden zwischen zwei Kurven zu überwinden. Und eben. Traktion kein Problem, entsprechend neutral auch das Fahrverhalten. Klar schiebt der C450 erst mal einwenig über die Vorderräder, wenn man eine Kurve mit viel Schmalz umrunden will. Aber, das Ausmass ist kein störendes. So ab 3500 Umdrehungen gibt der AMG zudem Lebensäusserungen von sich, die durchaus auf offene Ohren stossen wird. Nicht zu laut, nicht zu knallig, aber gut hör- und geniessbar. Alles super also im Benz. Naja, wir wären nicht radical, wenn wir den Pseudo-AMG einfach so durchwinken würden. Doch, für den grössten Minuspunkt können die Jungs aus Affalterbach nix. Das Auto ist mit fast 1,7 Tonnen einfach ziemlich schwer. Das merkt man in jeder Ecke. Und an jedem Kurvenausgang. Aber, wir glauben trotzdem, dass der C450 die derzeit souveränste C-Klasse ist. Der perfekte Kompromiss aus Leistung, Fahrspass und Komfort. Aber eben, das Teil ist weit vom bösen «C» entfernt, hier hat man bei AMG genügend Abstand gelassen. Wir denken eher, dass es für die etwas stärkeren C-Klassen eng wird. Wieso soll man sich noch einen C 400 kaufen? Wegen des Preises? In dieser Preisliga dürfte es auf die paar Tausender Aufpreis für den Fast-AMG nicht ankommen. Denn so ein C400 mit 333 PS ist mit Preisen ab knapp 70'000 Franken für den Kombi auch nicht gerade ein Schnäppchen. Wie gesagt, die Preise für den C450 AMG wurden noch nicht genannt, die folgen im April, die ersten Autos kommen dann im Juni auf die Strassen.
Wasser, Marsch!, Fahrbericht Mercedes C450 AMG 2145

Text: Cha, Fotos: Werk.

Wir finden, dass der Fast-AMG wunderbar auf unsere Strassen passt. Leistung, Allrad, Verarbeitung und Fahrverhalten passen perfekt zur Schweizer «ich-könnte-wenn-ich-wollte»-Mentalität. Nur die Hardcore-AMG-Jünger werden sich in Zukunft den echten Affalterbacher mit acht Zylindern und Hinterradantrieb gönnen. Dies wiederum dürfte den Ruf dieser Hardcore-Modelle stärken. Und alle C450 zu Kompromiss-Bürgern stempeln. Doch damit kann man Leben, ganz besonders wenn der Kompromiss so gelungen ist. Aber eben, das Gewicht ist einfach da. Und statt immer noch mehr PS wäre es schön, wenn auch ein Mercedes einfach deutlich leichter werden würde. Schont die Umwelt. Aber vor allem: bringt noch mal deutlich mehr Fahrspass. Und dem hat man sich ja in Affalterbach verschrieben.
Das schwäbische Pendant zur Quattro- und M-GmbH ist nun auf dem Weg, auf dem sie alle sind. Dem Weg, den keiner so gut vorzeichnet wie Porsche. Für jedes noch so kleine Extra ein paar Euros garnieren. Für alles, was eigentlich einen Sportwagen ausmacht eine neue Modellvariante schaffen. Aber offenbar ist das der Weg, um die Absatzzahlen hochzuschrauben. Denn AMG hat sehr, sehr ehrgeizige Verkaufsziele. Echte AMG-Autos werden dabei eine eher untergeordnete Rolle spielen sondern einfach als Imageträger entwickelt. Das muss man nicht gut finden. Aber man kann. Es sei unseren Lesern überlassen.
Mehr Mercedes gibts im Archiv.

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/fahrbericht-mercedes-c450-amg-2145/seite_1-2

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24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
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04 Feb 2015
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Wächter des Lichts

Wächter des Lichts

Unter den Blinden ist der Einäugige….. König.

Die Beleuchteten. Teil 1: Carbid
Was sind wir verwöhnt! Keyless entry, rein in die gute Stube, die Webasto hat das Fauteuil schon schön vorgeheizt. *klick* Soundsystem an, *bling* Verkehrsmeldungen aufs Handy. Schlüssel drehen, Xenon Brenner anwerfen und ab in die Dunkelheit, ab auf die Piste, so als würde man seinen Sessel vorm Kamin gar nicht verlassen müssen. Normal? Ja. Und das ist auch gut so. Aaaaber im Jahr 1909 musste eine Fahrt in einem Automobil ein bisschen… äh, sagen wir mal… vorbereitet werden. Der Benchmark der Fortbewegung war die Pferdekutsche ohne Dach und ohne Licht, Treibstoff war Heu und Abgas waren Pferdeäppel. Heute lernen Sie und ich mal was über Carbidlampen, Anlasserkurbeln, körperliche Arbeit und Kälte während eines Ritts auf einem 105 Jahre alten Auto.

Stilvoll. Sehr stilvoll.

Wächter des Lichts

Der Kutscher erklärt die Kutschen

Südspanien, Januar 2015. Vielleicht erinnern Sie sich noch an gestern Abend, ich nicht mehr so, heute wird wohl lieber kein Gin getrunken. Heute wird gearbeitet. Philips feiert den Event “100 Years of Automotive Lighting” und stellt eindrucksvoll Verlauf und Entwicklung von Fahrzeugscheinwerfern zwischen 1914 und 2014 vor. Geladen sind Medienvertreter aus allen Ecken Europas, Finnen, Polen, Italiener, Franzosen. Und ich mitten drin. Nach einem sehr gut unterhaltenden und klasse bebilderten technisch-historischen Vortrag von Peter Stolk, dem Chef-Ingenieur von Philips’ Automotive Bereich ahne ich, was gleich auf uns zukommen mag. Ich bin neugierig auf die ersten Lampen, auf das was dazwischen ist und auf moderne LED- und Lasertechnik. Das Lichtschwert meines Vaters? *ssssssssss* Geil geil.
Draußen vor den Türen des La FLorida stehen zwei Kutschen und ein Kutscher. Ach nein :-) Moment, … keine Pferde. Sind das womöglich Autos? Ja. Sind es. Ein La Ponette und ein ebenfalls französischer Reyrol von 1909. Allein das Anfassen und mal Reinsetzen würde mir schon den kompletten Abend versüßen, ich kann mich nicht erinnern, jemals so alte Autos in freier Wildbahn gesehen zu haben!

Wächter des Lichts

Warum nicht mal wieder freuen wie ein Kind?

Ich freu mich ich freu mich :-) Wenn das nur nicht so kalt wäre! Hab ich nicht gerade noch ohne Jacke in der Sonne gesessen? Die Nacht ist sternenklar, und offensichtlich kann speziell oberhalb Barcelonas die Temperatur auf weniger als 5 Grad fallen. *brrrrr* Der freundliche Kutscher, der für sein Erscheinen im Jahr 2015 irgendein Zeitloch genutzt hat, erklärt uns aus beleuchtender Sicht die Besonderheit dieser beiden Kutschen ohne Pferde und warum gerade sie hier stehen: Carbid Lampen. HA! Das habe ich schon mal gehört. Als ich 8 oder 9 Jahre alt war hat mein Freund Klaus ein Stück Carbid mit zur Schule gebracht, es in der Pause auf einen Papierkorb gelegt und draufgespuckt. Der coole, der. Und wir mussten alle nachsitzen, weil der halbe Mülleimer abgebrannt ist. Carbid also. Finde ich spannend. Wir stehen vor den allerersten ernst zu nehmenden Lampen vorne dran an Autos überhaupt.

Wächter des Lichts

Gut Ding will Weile haben

Carbid fühlt sich an wie ein weicher Stein, riecht wie eine klassische Stinkbombe (gibt es die eigentlich noch?) und hat die chemische Bezeichnung CaC2. Also, Oberstüfler aufgepasst, ein Teil Kalzium und zwei Teile Kohlenstoff. Es kommt in der Natur nicht vor und muss genau wie Aluminium (blöder Vergleich) unter einem erheblichen Energieaufwand hergestellt werden. Aber: wenn man Carbid mit Wasser in Kontakt bringt, entwickelt es das Gas Azetylen. Und das brennt. Ich werde Zeuge, wie jemand ein kleines Gefäß auf dem Trittbrett an der Seite des alten Autos aufschraubt und einen dieser grauen Klumpen da reinwirft. In ein bisschen Wasser. So wie Klaus damals mit der Spucke und dem Mülleimer. Der spanische Mann heißt Fernando und schraubt den Deckel wieder drauf. Er zeigt auf einen dünnen Schlauch, der nach vorn zu den beiden Lampen führt. Nachdem er das Glasdeckelchen der Lampen aufgeklappt hat (heute nennt man das Streuscheibe – ach nee, die gibt es ja seit LED auch schon nicht mehr), hält er ein Feuerzeug über den kleinen Austritt vor dem Reflektor. Es floppt ganz leise, und irgendwie bin ich total beseelt von diesem Akt des eigentlich total banalen “Licht anmachens”.

Wächter des Lichts

Licht will gut vorbereitet sein.

Und dann brennt da ein zärtlich Flämmchen. Wie eine Kerze, hinter der man einen Spiegel aufgestellt hat. Das ist Abblendlicht 1909, abgefahren. Die Flamme wird langsam heller, nach rund 10 Minuten sei erst die volle Leuchtkraft hergestellt. Ein nächtlicher Trip zum Imbiss um die Ecke, um den Fresskick nach zwei Flaschen Wein zu besänftigen muss demnach gut vorausgeplant werden. Also, damals. Bis der Reyrol mit seinen beiden Laternen so weit ist ergreife ich die Gelegenheit beim Schopf beziehungsweise beim Volant und fläze mich noch einmal in den La Ponette. Erst am Tag drauf begreife ich, in (oder auf) was für einem unfassbar seltenen Auto ich gesessen habe. Im Netz findet man nichts über dieses sehr sehr frühe Exemplar französischer Automobilbaukunst. Es sitzt sich super. Das Leder knarzt. Der potenzielle Fahrer ist Wind und Wetter ausgesetzt, ich in diesem Fall nicht dem Wind (denn ich fahre nicht), wohl aber dem Wetter. Die Kälte zieht aufdringlich unter meiner dünnen Jacke den Rücken hoch. Hätte ich doch bloß einen Pullover (noch so ein französisches Wort) mitgenommen. Aber wer denkt denn, dass es in Südspanien kalt sein könnte? Luxussorgen Teil 1. Also – egal.

Wächter des Lichts

Ein Licht muss reichen

Der La Ponette hat nur ein kleines Lämpchen vorn, was schon ein paar Minuten in Betrieb ist und entsprechend heller leuchtet als die beiden vom Reyrol, die noch aufwärmen. Fernando philosophiert mit den Umstehenden über die Autos und das Licht. Ein Funzel-Flämmchen, aus heutiger Sicht mehr als beeindruckend und absolut simpel. Anfang des letzten Jahrhunderts hat das gereicht. Automobile fuhren maximal 30 km/h, und es gab recht wenige von ihnen auf den meist schlechten Straßen. Sehen und gesehen werden war also mit so einem kleinen Carbid-Lämpchen ausreichend gegeben. Die Entwicklung und vor allem die Geschwindigkeiten der Autos nahm seinen Lauf, und Anfang der 20er kippten Henry Ford und Anton Philips ein oder zwei Gläschen Gin miteinander und tauschten Meinungen aus – das Ergebnis war eine Ausstattung des legendären Ford T-Modells mit Philips Halbwattlampen. Heute stehen der Sehwinkel und die Geschwindigkeit in einem ganz anderen Verhältnis, aber das ist eine andere Geschichte. Darüber lernen wir noch, wenn es um das Lichtschwert seines Vaters geht und die Halbleiter die Nacht zum Tag machen. In der übernächsten Geschichte. Heute bleibe ich beim Carbid, und so langsam frieren alle Umstehenden, auch die mit den schicken dunkelblauen Philips Multifunktionsjacken. Meine war mir zu klein. Größe L, leider nach indischen oder chinesischen Maßstäben. Schade, meine Camel-Jacke ist ECHT zu dünn :roll:

Wächter des Lichts

Leuchten? Check. Und weiter gehts.

Action!
Wenn Sie in der Oberstufe keinen Physik Leistungskurs hatten oder das gar als Studienfach genießen durften blieb Ihnen vermutlich verborgen, welche Kräfte tief unten im Motorraum freigesetzt werden, welche Drehmomente angreifen und welche sagenhaften Ampèrezahlen sich da in Form von freien Ladungsträgern durch ein dickes Kabel pressen – wenn Sie drinnen ganz entspannt das kleine Zündschlüsselchen drehen. Nur mal am Rand: So ein Anlasser hat je nach Modell gut und gern 3-4 PS, wenn er den Motor starten soll fließen um die 150 Ampère Gleichstrom. Auch wenn es 1909 schon elektrische Starter für Verbrennungsmotoren gab… man verbaute sie noch nicht so gern. Cadillac war der erste Hersteller, der die Helferchen serienmäßig in seine Autos einpflanzte. Und das erst ab 1911. Schade für Fernando, denn er muss also die Aufgabe des kleinen Elektromotors selbst übernehmen. Der Wagen soll nicht nur leuchten, er soll auch fahren und starten. Mit einer Kurbel vorn am Reyrol. Und das ist sowohl spektakulär als auch nicht ganz ungefährlich als auch anstrengend.

Wächter des Lichts

Action. Anlasser gab es noch nicht.

Der betagte Vierzylinder will noch nicht so ganz. Vermutlich ist ihm auch so kalt wie mir. Fernando wiederum kann sich über mangelnde Bewegung nicht beklagen. Die Kurbel schlägt zurück (das macht es so gefährlich, wenn man darauf nicht vorbereitet ist), wird wieder angesetzt und erneut kraftvoll gedreht. Hinter der geöffneten Motorklappe justiert ein Kumpel von ihm am Vergaser rum und guckt, ob überhaupt Sprit ankommt. Nix Startautomatik. Nix Benzineinspritzung, nicht mal Kugelfischer, gaaanix. Hier will je nach Außentemperatur fein von Hand gemischt werden, 1909 kannte man sein Auto entweder zwangsläufig in- und auswendig – oder man hatte keins. Immerhin fährt in diesem Jahr erstmals die junge Alice Ramsey zusammen mit drei Freundinnen in einem Maxwell-Briscoe quer durch die Vereinigten Staaten von New York nach San Francisco. Ein kombinierter Roadmovie und Mädelsabend. Geil. Also irgendwie muss das ja alles machbar gewesen sein, mein ganzes Vertrauen liegt in den starken Oberarmen von Fernando und den feinfühlig mischenden Fingern seines Kumpels.
KRAWUPP!! ropp ropp ropp PUFF. … zisch … KRAWUPP!! ropp ropp ropp *PAFF* blapp blapp BROMM!!! gackelgackelgackel……

Wächter des Lichts

Ein Haufen Arbeit, bis es losgeht

Man hört, dass er will, der Reyrol, aber nicht so richtig kann. Mit ein bisschen Carbid-Rumgeleuchte will man sich hier aber nicht zufrieden geben. Also spucken alle Umstehenden in die kalten Hände und machen genau das, was man auch 2015 noch bei einem Auto macht, wenn es nicht anspringen will: Anschieben! 10 Mann drücken das kutschenähnliche Ding mit den Holzspeichenrädern über den Vorhof des Hotels, ich auch, deshalb kann ich leider keine Fotos machen :-) Mist. Und plötzlich läuft der alte französische Vierzylinder rund und pöppelig und dampft heiße stinkende Wölkchen in den kalten Abendhimmel. Geil. Vorn funzeln die Carbid-Lampen gelblich historisch auf das Pflaster, neben uns strahlt die Eventbeleuchtung bläulich modern in die grünen Bäume und das alte, das uralte Auto schüttelt sich im Standgas. Fernando drückt die Hupe :-D Das Ding trötet und jauchzt herrlich, und ich fühl mich plötzlich wie in einem Film mit Laurel und Hardy. Oder wie bei den Waltons. Jemand sagt auf Spanisch, dass ein paar mit Fernando hoch zur Kirche fahren könnten, und noch während sich die letzten Silben mit dem Motorengeräusch vermischen sitze ich im Auto. Ich kann eigentlich gar kein Spanisch, aber das habe ich verstanden.

Wächter des Lichts

Ferrari kann ja jeder. Sowas hier aber nicht.

Wir fahren den gleichen Weg, den ich heute Mittag hoch zur Sagrad Cor gelaufen bin. Den mit den vielen Rennradlern. Und wir fahren durch eine andere Welt. Es ist schwarze Nacht, die Gaslaternen leuchten gelb und über allem thront die angestrahlte Kirche. Der Reyrol zieht kraftvoll die Gänge durch und fährt erstaunlich kommod über das Pflaster. Fernando sagt uns, dass der durchaus 60 km/h schafft – das ist Anfang des vergangenen Jahrhunderts eine sagenhafte Geschwindigkeit! Ganz so schnell werden wir hier aber nicht. Neben mir friert Christoph, der auch freier Journalist ist. Das Auto ist komplett offen, und der Wind pfeift uns um die Nase. Was hat man denn damals gemacht, wenn es geregnet hat? Luxussorgen Teil 2. Wie lange war damals denn so die Halbwertszeit eines Automobils? Und wie gern würde ich das Gesicht des TÜV Prüfers sehen, wenn ich mit einem abgerockten Resttüv-Reyrol vorfahre und HU und AU haben will :-D Gniiihihi albern. Wirre Gedanken als Übersprungshandlung.
Ich kann gar nicht beschreiben, was in mir vorgeht. Ich bin ja nun beruflich echt schon viele sehr sehr coole Autos gefahren und habe jedes einzelne genossen (da stumpft man einfach nicht ab), aber in so einem erhabenen alten Gefährt ist das irgendwie nochmal was anderes. In mir wohnt so etwas wie Ehrfurcht. Und Kälte, aber da kann das Auto nichts dafür.

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Reise zum Dach der Welt

Ein Reyrol ist nicht ganz so selten wie ein La Ponette, aber die meisten von uns werden so ein altes Auto vermutlich nicht mal in einem Museum zu sehen bekommen. Und ich darf mitfahren *hach* Der hier ist aus einer spanischen Privatsammlung, und wenn man den Worten der Jungs von Philips glauben darf ist es eine große Ehre, dass der sogar gefahren wird. Glaube ich gern. Aber auch nach über 100 Jahren gebe ich zu Protokoll, dass der sich irgendwie schon wie ein ganz normales Auto fährt. Okay, Fernando hatte ein paar Schwierigkeiten beim Anlassen, und auch die Illumination der Frontscheinwerfer war ein bisschen aufwändiger… Aber sobald man unterwegs ist heißt es: Gas geben, Kuppeln, Schalten, Lenken und Bremsen. Man traut diesem Auto, wenn man sein Baujahr liest, gar nicht so ein zügiges Vorankommen, so einen Anzug und so einen… ich nenne es mal vorsichtig… Fahrkomfort zu. Und man fragt sich zwangsläufig, ob vor diesem Hintergrund der Fortschritt in den über 100 Jahren danach nicht ein wenig schneller hätte verlaufen können? Egal. Auto ist Auto, es gibt superschöne, coole, nützliche und andere. Irgend eine unbeaufsichtigte Entwicklungslinie hat aus diesem mechanischen Kunstwerk hier unter meinem Hintern viele Jahrzehnte später so etwas wie einen Ford KA werden lassen. Irgendwas ist da also heftig schief gelaufen.

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Gut gemacht, Reyrol

Aber heute geht es nicht um Design, heute geht es um Licht. Das in den Carbidlampen brennt noch immer mehr oder weniger hell, als Fernando den wundervollen Wagen parkt. Die Taxifahrt in die Vergangenheit ist zu Ende. Die anderen kommen zu Fuß hinterher.
Im Schatten der Kirche öffnet sich uns eine altertümliche Kirmes. Wir sind auf dem Tibidabo, und den Vergnügungspark gibt es hier schon seit 1889. Also schon 20 Jahre länger als das Auto, mit dem wir hier hoch gefahren sind. Und er sieht noch immer so aus wie damals, wenn man mal davon absieht, dass am Eingang Al Capone selbst die Journalisten auf Waffen durchsucht ;-) Ihn und die Autos um ihn rum lernen Sie in der nächsten Geschichte kennen. Ich lasse mir erstmal ein schokoladiges Heißgetränk und Churros kredenzen. Der heiße, dickflüssige, zuckersüße Kakao und die gepuderten Teigwürste gehören hier überall einfach dazu und schmecken jetzt, nach diesen Stunden in der Kälte, wie eine Offenbarung mit Blick auf Barcelona. Danke compañero, danke für diese Erfahrung im wörtlichen Sinn. Angucken kann man ja alles Mögliche. Ich will den Motor hören, das Leder anfassen und die Vibration eines jeden Radlagers spüren. So muss sich ein Paläontologe fühlen, wenn er die Gelegenheit bekommt, mit einem T-Rex ein Schwätzchen über seinen Ernährungsplan zu halten.

Wächter des Lichts

Lassen wir es leuchten

Danke Philips bis hier her. Es liegen zwischen 1909 und heute noch ein paar Jahrzehnte der Lampenentwicklung vor mir, aber der Abend ist ja noch jung. Und langsam wird mir auch ein bisschen wärmer. Um uns rum ist alles beleuchtet, und unter uns erstreckt sich schimmernd und funkelnd bis zur Küste Barcelona. Ich blicke über das Lichtermeer und erhebe mein Glas Rotwein auf… meine Oma. Die ist erst drei Jahre nach diesem Auto geboren worden. Und sie ist schon lange nicht mehr da. Im Angesicht des technischen Fortschritts, wenn er so geballt über einem niedergeht wie in so einer technischen, rollenden Ahnengalerie, fühle ich mich plötzlich sehr vergänglich. Als das Auto, in dem ich gerade gefahren bin gekauft wurde gab es Menschen, die einfach ihr Leben lebten. Von denen ist niemand mehr da. Hier stehe ich nun, inzwischen neben einem Mercedes-Benz CLS mit LED Licht und lebe auch einfach so mein Leben. Und bin irgendwann nicht mehr da. Hm. Vielleicht doch lieber einen Gin nachher? Prost liebe Oma. Ich bin mit einem Auto gefahren, was gebaut wurde, bevor die Titanic gesunken ist. Was kann mir heute Abend schon noch passieren?

Sandmann

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Created Mittwoch, 04. Februar 2015 Tags 100 jahre | Automotive Lighting | Azetylen | Barcelona | Carbid | Ethin | event | Fremde Federungen | La Ponette | LED | Philips | Reyrol Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
26 Jan 2015
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Über den Dingen

Über den Dingen

Zimmer mit Aussicht

Der Tag ist noch jung, die Nacht ist noch fern. Mein Arbeitsplatz liegt heute ein paar 100 Meter oberhalb von Barcelona, mein Laptop liegt auf einem viel zu großen Bett vor einer offenen Tür zu einem Balkon mit Blick auf ein Lichtermeer. Hinter den Augen drückt es noch ein bisschen, das liegt wohl an gestern Abend. Nein. Ich kann fast noch “vorhin” sagen. Kommen Sie mit? Der Job mit den Autos geht heute erst um 17:00 Uhr los, vorher habe ich noch ein bisschen Zeit. Zeit für zu viel Gin, Zeit für einen Blick von oben nach unten, Zeit für Tina Dickow und einen Ausblick. Zeit für Ehrfurcht, Zeit für warme Sonne und Zeit für eine Badewanne.

Jede Reise, uns sei sie noch so kurz, beginnt mit einer ANreise.

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Allein unter Hamburg

Wenn Sie, warum auch immer, mit einem Flieger in Hamburg Fuhlsbüttel starten wollen, sollten Sie nicht direkt am Airport parken. Jedenfalls nicht, wenn Sie planen, den Wagen da länger als 10 Minuten stehen zu lassen, so ein Tag kann schnell teuer werden. Und bei drei Tagen auf der Piste übertreffen die Parkgebühren ratz fatz den Preis des Billigfliegers :-) Eine einzige S-Bahn Station entfernt sind ein Haufen kostenfreie Parkflächen ins Grün asphaltiert worden, direkt neben dem Ohlsdorfer Friedhof. Hier ist es schön ruhig. Hier ist der Regen irgendwie ein bisschen wärmer und in nur drei Minuten wähnt sich der Reisende mit seinem von der Sonne (welche Sonne?) ausgeblichenen Rollköfferchen unter dem Flughafen. Ich Fuchs. Auf ein Taxi hatte ich heute keine Lust, und 1,50€ für die S-Bahn gegenüber 20€ für ein Taxi ab Altona lassen mir einen kleinen Spielraum für kontrollierte Nahrungsaufnahme an Bord. Sandmann soll mit Vueling fliegen. Nie gehört. Wühling? Fjuling? Vueling ist eine noch recht junge Airline und quasi die iberische AirBerlin. Ich ahne, dass ich also in meiner engen Sitzreihe mit Fensterplatz nichts reguläres zu essen bekommen werde, jedenfalls nichts für umsonst, und ich habe schon jetzt einen nennenswerten Hunger.

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Ghost Tunnel Town

Gespenstisch leer hier. Was ist los? Was ist passiert? Sollte ich mal Nachrichten hören? Hm. Ich komme viel zu früh im Terminal an, bei Wühling haben die Check In Schalter noch nicht mal geöffnet. Spanier nehmen ihre Siesta weltweit sehr ernst. Später erfahre ich, dass ich mit dem flatterigen Farbausdruck in meiner Tasche schon eine Bordkarte besitze und dank Handgepäck einfach hätte zum Gate stapfen können :-( Aber egal, ich treibe mich gern auf Flughäfen rum. Dieses geschäftige Hin und Her der vielen bunten Menschen rührt mich an. Fröhliche Tränen der Wiedersehensfreude fließen direkt neben traurigen Tränen des Abschieds, zwischendrin wimmeln gut gekleidete Geschäftsmänner und -Frauen mit wichtigem Blick auf dem Weg in die Business Lounges. Ah. Billigflieger. Nix Lounge. Ich lunger nach dem Security Check auf den ordinären Kunstledersesseln am Gate rum und lese die Boulevardblätter, die ich nebenan bei Lufthansa gemopst habe. Über das Gratis W-LAN von Turkish Airlines erzähle ich der Welt und allen anderen, die es gar nicht wissen wollen, dass ich jetzt in Richtung dieser 1,6 Millionen Einwohner Stadt im Süd-Osten von Spanien aufbrechen werde. Viel Arbeit, viel zu schreiben und zu fotografieren – aber trotz allem eine kleine Auszeit von dem grauen, kalten Regen in Hamburg und Kiel, der seit 10 Tagen niedergeht, als solle die Welt absaufen. Hinter mir lachen Menschen. Neben mir weinen Menschen. Klasse.

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Ciao Hamburg. Raus aus der Kälte.

Der hanseatische Niederschlag klatscht respektlos an die Scheiben des Airbus, in den man irgendwie noch 10 Sitzreihen zusätzlich eingebaut hat. Jedenfalls bekomme ich meine Beine nicht vernünftig hinter den Sitz des Vordermannes. Eigentlich passen die da GAR nicht hinter. Super. Gegenüber steht ein Flugzeug von Cunni Lingus Airways (ich muss diesen flachen Kalauer einfach bringen, sorry) und färbt das Grau des Tages mit ein wenig Grün. In Barcelona wartet Philips auf mich. Oder zumindest irgend jemand von Philips. Die Damen und Herren aus Holland stellen seit nunmehr 100 Jahren Leuchtmittel für Kraftfahrzeuge her und wollen einmal demonstrieren, wie sich das nächtliche Spektrum des sichtbaren Bereichs vor einem Auto zwischen 1914 und 2014 verändert hat. Von der Carbid-Lampe zum Matrix LED Scheinwerfer. Ich bin aufrichtig gespannt, was da kommt und blättere eingeklemmt und voller Vorfreude in der Speisekarte. Eine Pizza und ein Fläschchen Rotwein für zusammen 13 Euro? Hey. Ein unerwartetes kulinarisches Schnäppchen. Irgendwo 10.000 Meter über Nordfrankreich wird mir später eine 8cm breite mikrowellenerwärmte Teigpfütze zusammen mit einem 0,2 Faustino serviert. Meine Sitznachbarin sieht meinen Blick und fängt hysterisch an zu lachen. Gut, dass ich mit der S-Bahn und nicht mit dem Taxi zum Flughafen gefahren bin, jetzt tut das finanziell nicht ganz so weh. Der Hunger bleibt.

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Spanien. Tatsächlich Spanien.

Spanien entschädigt für alles. Auch für das typische Aussteigen irgendwo mitten auf dem Rollfeld und das Zusammenpferchen in einem Bus zum Terminal. Es ist warm, es ist keine Jacke nötig. Und hey – es regnet NICHT. Wie lange habe ich dieses Gefühl denn schon nicht mehr gehabt? :-) Schön. Eventuelle Havarien am Lost & Found vor Ort entfallen, da ich nur leichtes Handgepäck dabei habe. Ein paar Socken, ein paar Höschen, Zahnbürste, Bargeld, Kamera und Laptop. Mehr braucht es doch nicht, wenn man eingeladen wird, oder?
Hach und guck. Ich sehe am Ausgang nicht nur ein Schild mit meinem Namen drauf, ich sehe auch einen Mann im besten Alter, etwas verlebt, langsam ausgehende Haare und irgendwie seltsam grinsend. Helge Thomsen, der alte Petrolhead von Motoraver und GRIP ist auch aus Hamburg angereist. Wir kennen uns noch von einer Grillerei auf Sankt Pauli, lesen gegenseitig sporadisch unseren Kram im Netz und haben ansonsten nicht die gleichen Freunde. Helge polarisiert ein wenig. Mir hat er nichts getan, und es ist gut, auf unbekanntem Terrain jemanden in der Nähe zu haben, der noch ein bisschen autobekloppter ist als man selbst.
Nach etlichen Serpentinen in einem schwarzen Vito durch die Dunkelheit kommen wir im Hotel La Florida in den Bergen über Barcelona an. Wow. Zimmer Nummer 409. Fahrstuhl mit mechanischem Stockwerkzeiger und einem BING ♫. Ein Bad mit Wanne und Marmor, ein Bett und…. argh….. ein Balkon. Und was für ein Balkon. Das raubt mir ein bisschen die Sinne:

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Zimmer mit Horizont

Ich bin wieder einmal froh, dass ich hier nicht als objektiver Journalist auflaufe, sondern als der Typ von der TRÄUME WAGEN und von MERCEDES BENZ, dem es gut gehen soll und der was gezeigt bekommen soll, was ihn interessiert. Primär alte Autos, gern mit Stern. Schon damals, als Blogger in San Diego, wurde ich mit so viel Luxus umschmeichelt, dass objektive Berichterstattung gar nicht möglich war :-) Aber deshalb waren wir damals auch nicht da, und heute ist das nicht anders. Ich will coole Fotos in schönen Gegenden von gut beleuchteten alten und neuen Autos. Und ich will mit den Autos fahren! Und wenn das morgen auch nur ansatzweise mit so guten Horizonten weitergeht wie mit dem von meinem Balkon hier oben – dann nehme ich ein paar feine Geschichten mit zurück nach Deutschland.
Ich könnte einfach nur so hier rumstehen und gucken. Die Minibar leertrinken und gucken. Die Erdnüsse wegfuttern und gucken. Einfach nur gucken. Himmel, ist das ein schöner Anblick von hier oben, und laut meinem großen Töchterchen (die während ihrer Studienfahrt hier war) ist das da unten im Gewühl nicht weniger schön. Aber da soll es erst morgen Abend hingehen, nach der Arbeit. Heute ist Anreisetag. Heute ruft nur noch die Bar unten im Erdgeschoss. Und wohl irgendwann das Bett.

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Tanqueray No 10, sagt man. Und Rosmarin.

An der Bar, an der Bar, ja ♫ was machen die da?
Einfache Antwort: Gin Tonic verköstigen. Mir wurde in klaren Worten mitgeteilt, dass meine Annahme, Bombay Sapphire Gin sei die qualitative Spitze des Eisberges, eine Fehleinschätzung der Tatsachen sei. Also lasse ich mich bewirten, ich glaube der Stoff hieß am Anfang Tanqueray No 10 und es waren ein paar Strapsel Rosmarin drin. Später gab es noch eine Variante mit irgendwelche Beeren. Interessant, was man alles in seinen Gin werfen kann, und jedes mal wird er noch leckerer. Interessant auch, wer sich im Laufe des Abends alles noch dazu gesellt. Offiziell geht der Event ja erst morgen los, aber wir Germans und ein paar andere sind schon heute da. Also aus jetziger Sicht gestern. Die meisten internationalen Pressevertreter kommen morgen, also entgeht denen der Gin. Die anfängliche Runde startet (in order of appearance) mit Tim, Kai, Helge und mir. Später stößt Andreas dazu, von dem wir hoffen, dass er später am Abend die Rechnung übernehmen wird. Charmant wird der Abend, als Hanna von Philips platznimmt und heute noch nicht weiß, was wir morgen noch alles für löchernde Fragen an sie haben werden :-) Eine Runde später sitzt Matthias, Senior Global Marketing Communications Manager von Philips, an unserer Seite und noch eine Runde weiter auch noch Thorsten, Marketing Manager Automotive DACH. Diese DACH Abkürzung kenne ich noch von meinem Navi :-) Er ist auch von Philips. Ich habe den Verlauf der Gin Runden mal in eine kleine Galerie gepackt… Mit Uhrzeit…

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Die Sofas sind bequem und ich lerne eine Menge über die Möglichkeiten, die Gin einem so bietet. Unser Blick ruht auf einem Wasserfall draußen in der Lobby. In Hamburg wäre das jetzt einfach nur Regen, hier ist es eine künstliche Sintflut, der wie ein großes Loch im Dach in einer Art Innenhof an der Wand herunterfließt. Hoffentlich ist das so gewollt und nicht ein Rohrbruch im 5. Stock, weil jemand es nicht abwarten konnte, die Badewanne vollaufen zu lassen. Mit fortschreitender Uhrzeit erweitert sich das Bewusstsein der Anwesenden auf das Wahrnehmen derartiger Designexzesse. Irgend jemandem fällt auf, dass die Nüsse in Ölsardinendosen serviert werden. Und die Baujahre der Autos, über die wir sprechen sinken mit dem Ansteigen des Hubraums der Motoren. Irgendwann ist mal Schluss. Morgen wartet ein langer Nachmittag, immerhin erst ein Nachmittag, und deshalb nehmen die übrig Gebliebenen einigermaßen gelassen den Fahrstuhl nach oben. Tim hat schon vor langer Zeit einen französischen Abgang gemacht. Schlau. Vielleicht kommt das Badewasser in der Lobby aus seinem Zimmer? Ich mache erst auf der Herrentoilette und dann noch im Fahrstuhl nach oben ein paar nur am Rande erwähnenswerte Bilder :-) Gute Nacht.

Feierabend

Feierabend

Das Bett ist kuschelig und riesengroß. Viel zu groß, um allein drin zu liegen. Meine Ladies, die große wie die kleinen, fehlen mir. Jede einzelne :-(
Ein permanentes, leichtes Tuten erweist sich nach ein wenig investigativem Umherirren als die Außenluft, welche von der nicht abschaltbaren Klimaanlage (ich hasse das) durch die Balkontür nach drinnen gesaugt wird. Na gut – schlafe ich eben bei offener Balkontür, und es tutet nicht mehr.

Mit Gänsehaut zitiere ich meine große musikalische Liebe Tina Dickow aus Dänemark, die da singt:
The dark is falling and the city fills with lights
Cars like shining pearls on strings
moving through the emptiness of night
The wine is running to my head
I’m spellbound by the moment
can’t get up, can’t find the strength to go to bed
Without you
Thank God for this beautiful view

Ein Zimmer mit Aussicht. Oh ja. Draußen sind nur 5 Grad, ja, auch in Südspanien kann es kalt sein, aber meine Bettdecke wärmt angenehm. Die Wasserflasche am Bett entpuppt sich als kleiner Lebensretter in den Morgenstunden, und als es irgendwann hell wird muss ich mich erstmal sammeln. Lange schlafen konnte ich noch nie. Hinter den Augen drückt ein kleines bisschen der Gin. Aber ich gehe trotzdem (oder gerade deshalb) raus auf den Balkon uns sage dem neuen Tag hallo.
Hallo neuer Tag.
Was für ein sagenhafter Anblick, auch jetzt, wo die Lichter der Stadt nicht mehr leuchten. Lichter werden wir heute Abend ja noch genug zu sehen bekommen. Am Horizont schimmert das Mittelmeer, die aufgehende Sonne bescheint Türmchen, Kathedralen, Schornsteine und Schwerindustrie gleichermaßen und taucht alles in ein zauberhafte Farben, wie es nur in Südeuropa möglich ist.

Über den Dingen

Hallo neuer Tag!

Ich werde das Lied von Tina Dickow nicht los.

I need a room with a view
An armchair by the window
A cup of coffee and a cigarette or two
Watch the sky turn from hazy gray to black
Watch my neighbours go to work
and look exhausted and burned out when they get back
Thinking about you
Thank God for this beautiful view

Danke. Trotz eines leichten Hangovers finde ich das hier alles so wundervoll, dass der Tag eigentlich nur super werden kann! Bevor ich mich mit zwei nicht zu kapierenden Marmorhebeln in der Dusche streite atme ich noch einmal tief ein und versuche, das alles zu begreifen.

Über den Dingen

Über den Dingen, über den Bergen, über Allem.

Die Sache mit den Marmorhebeln in der Dusche hat den Vorteil, das große Mengen kaltes Wasser auf mich niedergehen, bevor ich das Prinzip verstanden habe und Temperaturen über 35 Grad herstellen kann. Ich bin wach. Sozusagen glockenwach. Was bimmelt denn da? Da muss ich nachher noch mal schauen, steht hier oben etwa auch eine Kirche? Beim Frühstück lasse ich ein paar Liter guten, starken Kaffee in mich reinlaufen und halte mich primär an den Iberico Schinken. Der Spanier frühstückt gern auch mal süß, hier liegt eine Menge Kuchen und Naschkram zwischen allerlei frischem Obst rum. Damit ist mir um diese Zeit allerdings nicht geholfen :-) Ich will da raus. Ich sehe eine schnell steigende Sonne, die mich im Monat Januar mit totaler Begeisterung erfüllt. Und ich blicke noch immer von diesen Bergen runter auf Barcelona und das Meer. Sie dürfen mich heute mal beim selbstverliebten Sonnenbaden begleiten, ich nehme mir diese Überheblichkeit einfach raus, denn in den letzten Jahren gab es nicht so viele sonnige Momente. Loungige Couch draußen am Pool mit Blick über die Stadt? Check:

Über den Dingen

Sonne. Einfach nur Sonne.

Ich hab ein bisschen verlernt, einfach mal nur so rumzuliegen.
Mir kreisen zu viele Gedanken im Kopf rum, zum Glück heute nicht die schlechtesten. Habe ich den zweiten Akku der Kamera am Netz? Ich glaube ja. Sollte ich noch ein paar mehr Szenen von schönem Wetter festhalten, womöglich gemeinsam mit mir, wie ich pathetisch auf den Horizont gucke? Auch. Wer weiß wann wir so einen blauen Himmel und so eine helle warme Sonne wieder zu sehen bekommen? Das Hotel scheint schon sehr alt zu sein, überall hängen alte Fotos an den Wänden, und die Architektur ist einfach traumhaft. Vermutlich wäre es möglich gewesen, sich ein wenig über das Gemäuer anzulesen, aber ich hatte nur Augen für die Autos…. Ich schlender rastlos eine Ebene tiefer vor den Außenpool, fläze auf den Stühlen rum und gucke dem munteren Treiben der grün gekleideten Gärtner zu, die hier wuseln wie die Ameisen. Anscheinend haben sie Anweisungen, nicht mit Gästen zu sprechen, ich bin quasi gar nicht da. Okay. Und es springt mich wieder diese Unruhe an, die ich während solcher beruflicher Reisen einfach nicht abschütteln kann. Egal wo ich bin, ob das Düsseldorf oder Barcelona ist, ob mein Blick über München oder Maranello schweift – ich bin ganz hibbelig. Sowas nerviges. Da bist du hier mitten im Paradies, hast noch genug Zeit und kannst nicht mal durchatmen. Bah. Aber ich kann ja auf den Bildern zumindest so tun als ob *schnarch*

Über den Dingen

Blauer Himmel. Einfach nur blauer Himmel.

Eine weitere Ebene tiefer, vorbei an den wuselnden Landschaftsdesignern, ist ein schmaler Zaun und ein Geländer. Es trennt die Promenade vorm Hotel von dem, was dann kommt, und das ist vor allem eine Menge freier Fall. Hinter mir plätschert der Pool, vor und unter mir liegt diese riesige Stadt, die gerade zum Leben erwacht und dahinter funkelt das Meer.

I recall you took me swimming
the sea was dark and cold
You’d been there many times before
with many different girls, I’d been told
But what’s a man without a past
We love him for his lies
and then we try to break him down to make it last
’til they come true
Thank God for this beautiful view

Einmal aus den verregneten Häuserfluchten der Großstadt auszubrechen, ein erstes mal in diesem langen grauen Winter auf einen weit entfernten Horizont gucken und sich angenehm klein fühlen. Während die frühen Sonnenstrahlen wärmen. Ich freu mich auf das Jahr, was kommt. Auf viele Geschichten, auf toben und knuddeln und reisen mit meinen vielen Frauen und auf viele Autos. Das alles liegt noch vor mir. Es ist noch nicht mal Frühling, jedenfalls in Norddeutschland noch nicht.

Über den Dingen

Horizonte. Einfach nur Horizonte.

♫ Bim Bam Bum. Da sind die Glocken wieder. Wenn ich sowieso keinen Schlaf nachholen oder sonstwie chillen kann, dann geh’ ich eben spazieren. Wenn ich den serpentinenreichen Weg hier hoch richtig rekonstruiere gibt es sowieso nicht viele Möglichkeiten, und der Blick kann sicher noch besser werden 8-) Vor dem Hotelportal bauen die Jungs von Philips schon die ersten Eventbühnen auf, ich bin ziemlich neugierig…. Aber das ist ja erst heute Abend dran. Ein Stück die Straße rauf ist die Straße auch schon zu Ende. Jeder Fußgänger, der bis hier nicht von unzähligen behelmten verbissen guckenden Rennradfahrern über den Haufen gewalzt wurde hat hier noch einmal die Chance auf einen krass schönen Blick über die Berge hinter Barcelona. Ich erspare den Ihnen jetzt mal, zum einen, weil ich ziemlich erschöpft bin vom zur-Seite-Springen wegen dieser ganzen wahnsinnigen Zyklisten (was MACHEN die alle hier oben???) und zum anderen, weil der Blick übers Land langsam abgreift. Gnihi. Ich stiefel lieber an einem alten Vergnügungspark vorbei weiter den Berg rauf zum Ursprung der Glockenklänge. Ah ja.
Ich lese, dass ich auf dem Tibidabao stehe und sich vor mir ein goldener Jesus mit ausgebreiteten Armen auf dem Dach der Sagrad Cor befindet. Zu normalen Zeiten scheinen hier Unmengen von Touristen zu wimmeln, der Vorplatz mit dem Blick über die Stadt und das Meer ist geflankt von bunten Andenkenbuden und billigen Nippes-Läden. Aber außer den grenzwahnsinnigen Fahrradfahrern in ihren Ganzkörperkondomen ist fast niemand hier. Und die sind allesamt nach der Tour hier hoch nicht zum Plaudern aufgelegt. So ein Januarmorgen scheint perfekt gemacht zu sein für so einen Spaziergang.

Über den Dingen

Klein vor diesen Steinen

Über ein paar Treppenstufen setze ich mich auch von den Rennradlern ab und höre… Orgelklänge <3 Da muss ich hin. Ich schleich mich ab und an in Kiel in die große Nikolaikirche am alten Markt und höre einfach nur den Menschen zu, die dort selbstlos in die Tasten hauen. Das gleicht einem Gebet. Die Atmosphäre einer Kirche, in der Orgelmusik gespielt wird ist wundervoll, egal woran Sie nun glauben oder nicht. Dieses katholische Gebäude hier ist noch gar nicht so alt und eine kleine Kopie der Sacre Coer in Paris, und es ist menschenleer. Irgendwo tief drin sitzt ein Organist und probt wahrscheinlich die Lieder der Messe irgendwann heute Abend. Wahnsinn. Das Gemäuer erhebt sich hell und schlicht über mir in den blauen Himmel, die Sonne fällt verspielt durch die kunterbunten Scheiben herein und die Orgelmusik schwillt an und ab, ohne dass irgend ein Räuspern, irgend ein rumfotografierender Tourist oder ein verirrter Biker den einzigartigen Moment stören würde. Mir kommen die Tränen. Memme, ich.

Über den Dingen

aufstrebende Architektur

Also ich schon wieder draußen bin und aus immerhin 500 Metern Höhe beseelt gucke und gucke und gucke klingt aus den heiligen Hallen noch immer die Musik. Ungetrübt, irgendwie schlicht und wunderschön und perfekt passend zu dieser Stimmung hier ganz oben auf dem Berg mit dem lustigen Namen. Langsam schlender ist zurück zum Hotel, noch immer den nicht enden wollenden Horizont vor Augen. Ich habe 2014 noch nicht ganz verdaut, aber dieser erste Tag in Barcelona lässt mich an ein gutes 2015 glauben. So kann es weitergehen.

I’ve been blind too blind to tell false from true
I’ve been so busy running
never stopped to think where I was running to
But I’ve learned my lesson from the tears I’ve had to cry
Sometimes it helps to take your time

to sit alone and watch the world go by
Cause every day it’s new
Thank God for this beautiful view

Und nun hab ich auch genug durchgeatmet und auf den Horizont geguckt. So langsam merkt der Gin von gestern Abend, dass meine Adern sich mit Kaffee gefüllt haben, das ist gut. Das scheint ihn zu vertreiben. Bevor ich mich nachher in die Pressekonferenz setze und anschließend meinen Kopf und mein Herz den hier oben aufgereihten Autos widme mache ich noch das, was man in Hotelzimmern viel zu selten macht. In den billigen macht man es nicht, weil es nicht vorgesehen ist und in den teuren hat man dazu meistens keine Zeit. Doch. Heute ja. Ich bade! :-) Ich bade um 15:00 Uhr. Das ist der Luxus, der mir viel mehr bedeutet als goldene Wasserhähne und Mischhebel aus Marmor.

Über den Dingen

Nun kann der Abend kommen…

Der Tag ist noch jung, die Nacht ist noch fern.

Uff. Und nachmittags baden macht… äh… müde ;-)
Draußen rollen rappelnd und pöppelnd die ersten Autos vor das Tor, Baujahre zwischen 1907 und 2014. Geil. Es dämmert schon leicht, und ich werde gleich mal den Fahrstuhl nach unten in den großen Saal nehmen. Den Fahrstuhl mit dem mechanischen Zeiger. Warum muss ich an “Shining” denken? Tz. Das wird ein wahrhaft beleuchteter Abend, diesmal ohne Gin und andere alkoholische Substanzen, diesmal mit Benzin, Carbid und Matrix LED. Ich hab Bock drauf. Bis später, und danke für diesen wunderschönen Ausblick.

Sandmann

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Created Montag, 26. Januar 2015 Tags Airport | Automotive Lighting | Barcelona | event | Fuhlsbüttel | La Florida | Ohlsdorf | parken | Philips | Reise Reise Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
22 Jan 2015
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Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Sagenhaft. Sa - gen - haft.

Sagenhaft. Sa – gen – haft.

In der Mitte des Lebens treibt das Verhalten eines Mannes seltsame Früchte. Die einen kaufen sich einen Sportwagen und brennen mit einem jungen Huhn durch. Die anderen kaufen sich ein junges Huhn und brennen mit einem Sportwagen durch. Die dritten finden aufgrund der klarer werdenden eigenen Sterblichkeit ihren Weg in die Religion. Und ich? Ich gehöre zur vierten Kategorie. Ich beginne, mein Leben und meinen Keller aufzuräumen. Und da findet sich neben allerhand nützlichem und überflüssigem Zeugs ein kleines, blaues Auto der Marke Matchbox. Bespielt, benutzt. Meine absolute Traumkarre damals. In der Mitte des Lebens bin ich in der Lage, verrückte Sachen zu machen. Also ziehe ich los, um dieses Matchboxauto mal im Original zu fahren.

Ich will mal wieder spielen.

Ich will mal wieder spielen.

Dieses kleine, blaue, abgewetzte Spielzeug war damals der schärfste Zahn in der Sandkiste neben dem Mack Kipplaster und dem gelben Pickup, auf dem ein weißer Löwe lethargisch im Kreis wanderte, wenn man damit fuhr. Es hat endlose Highways durch Rhabarberbeete bis zum Komposthaufen gemeistert, auf den Opa immer seinen Eimer ausleerte, wenn er mal wieder einen halben Tag lang in seinem Werkzeugkeller vor sich hin gebastelt hat. Dann hat es da immer ziemlich doll gestunken, und ich bin andere Highways gefahren. Türen wurden geöffnet und geschlossen, das BROOAAARR BROMM habe ich in Ermangelung eingebauter batteriebetriebener Soundmodule selbst geknödelt. Aber nie fiel der Blick auf die informative Unterseite des Autos, denn ich konnte noch nicht so gut lesen. Da steht ja immer, was für ein gutes Stück hier im Maßstab 1:64 aus Zinkguss nachgebaut wurde.

Steigen Sie doch ein.

Steigen Sie doch ein.

Jetzt, rund 35 Jahre später, drehe ich das kleine Auto um. “No 14 ISO GRIFO”, darunter die Zeile “Made in England” und ganz unten “by Lesney”. Das war’s. Lesney. Den Laden gibt es seit 1982 nicht mehr. Und das Wörtchen “Superfast” auf der leicht verbogenen Hinterachse besagt, dass sich diese Spielzeugserie von den anderen durch besonders leicht laufende Räder unterschied. Weil die Autos von Hot Wheels auf jedem Teppich schneller waren, die britischen Ingenieure mussten also nachlegen :-) Soweit zum in Metall gegossenen Text. Aber was ist das bitte für ein sagenhaftes Auto, so formvollendet, so elegant und so verboten sexy? Ein Batmobil? Eine Erfindung der Spielzeugindustrie? Iso Grifo, das klingt wie ein Kunstname. MB präsentiert: ISO GRIFO. *bong*

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ach, steigen Sie doch bitte WIRKLICH mal ein.

Die italienische Firma Iso Rivolta tauchte im Weltbild des noch vom Krieg gebeutelten Deutschland zunächst nur inkognito auf. Jeder von Ihnen wird das zweisitzige Rollermobil kennen, was bei BMW entstanden ist: die Isetta. Der kleine Knubbel war ein Design-Meisterstück der Italiener und wurde unter diversen Lizenzen in verschiedenen Ländern gefertigt. Als Erfüllung des Nachkriegstraums der Mobilität in Deutschland von 1954 bis 1962 allein 130.000 Mal. Aber noch lange nicht alles, was dort in der Nähe von Mailand bei Iso Rivolta entstand, hatte Kleinwagencharakter. Unter Mitwirkung des ehemaligen Ferrari-Mitarbeiters Giotto Bizzarrini, der Karosserieschmiede Bertone und dessen neuem, jungen Designchef Giorgetto Giugiaro entstanden verschiedene Coupés und Limousinen im Werk von Renzo Rivolta. Nein, sie entstanden nicht, sie wurden erschaffen. Weil selbst die genialsten Konstrukteure und Designer nicht mal eben ein neues Auto auf die Räder stellen können, wurde sich – wie so oft – in den Regalen diverser anderer Hersteller bedient. Und der dann wohl bekannteste Gran Turismo aus diesem Designerkonglomerat war – der Iso Grifo.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Böser Blick ganz ohne Kamei Leiste

Ja, es gab den Iso Grifo wirklich. Das ursprüngliche Herz der italienischen Sünde war ein 5,4-Liter-V8 aus der Corvette, die Lenkung lieferte Burman, die manuellen und automatischen Getriebe kamen von Borg-Warner und ZF Friedrichshafen. Stationen der automobilen Legendenbildung, die mit dem kleinen Jungen in der Sandkiste so ungefähr ab dem Jahr 1971 diesen Planeten teilten, die mir aber ob meiner unbedingten Jugend nicht wirklich Interesse abrangen. Zwischen 1965 und 1974, also rund um meine eigene Geburt, wurden auch nur 412 Fahrzeuge gefertigt. Das schmälert die Wahrscheinlichkeit, dass ich im ländlichen Uelzen mal einen “in Echt” gesehen haben könnte, wenn auch nur aus Versehen, manchmal brennen sich ja auch zufällige Bilder im Kopf ein und kommen in den Träumen wieder hervor. Aber nee. Der war einfach zu selten. Also kommen andere Sachen in den Träumen vor, leider nicht immer so schöne wie dieses Auto, und der blaue Flitzer wich irgendwann dem Funktionsspielzeug und anderem Teenagerkram. Mädchen und so.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ich finde nur wenig Worte für dieses Auto

Ich will ihn sehen, fühlen, fahren!
Also tu ich so, wie man tut, wenn man beruflich über alte Autos schreibt und durchforste das Internet. Treffer! YAY! Im Ruhrgebiet findet sich tatsächlich ein leibhaftiger Besitzer eines Iso Grifo, der nach einem Telefonat vor allem auch bereit ist, ihn in meine vertrauensvollen Hände und vor mein Kameraauge zu legen. Dem guten Mann gehört eine der verschwenderisch kräftigen 7-Liter-Versionen der ersten Serie. Davon wurden nur 50 Stück gebaut. Sieben Liter Hubraum! Das Triebwerk ist so gewaltig, dass die Motorhaube nach oben heraus erhöht werden musste. Diese kantige Hutze wird unter den Fans liebevoll das “Penthouse” genannt.
Ich habe jetzt lange genug gewartet und bin ungeduldig, ein Termin ist schnell gemacht – ich will nicht nur träumen und mit meinem wieder aufgetauchten blauen Sandkistenauto durch das Wohnzimmer fahren, sondern ich will TRÄUME WAGEN. Ich tanke den dicken Diesel voll und rolle ins Ruhrgebiet. Vier Stunden Fahrt für ein Auto, was mich plötzlich so nervös macht wie ein Wiedersehen mit einer Exfreundin, die man 30 Jahre nicht gesehen hat.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Gegensätze ziehen sich an.

Mein Herz klopft bis zum Hals, als der charmante Besitzer das breite Garagentor unter seinem Haus aufgleiten lässt und den Blick freigibt auf einen echten und (un)fassbaren Iso Grifo 7 Litri. Daneben steht auch noch ein Bizzarrini, aber das ist eine andere Geschichte. Draußen, vor den Toren des Grundstücks in gebührendem Abstand, steht meine Alltagskarre. Nein, sie ist mir nicht peinlich, denn die hat eine Berechtigung und ist eine treue Seele. Aber eine Seele von einem anderen Planeten als dem, auf dem ich gerade stehe. Was in einer anderen Zeit in meiner Sandkiste mittelblau, rechtsgelenkt und absurderweise mit einer kleinen knubbeligen Anhängerkupplung versehen war steht hier als dunkelrote, links gelenkte, rostfreie Schönheit mit schwarzem Leder. Ohne Anhängerkupplung. Es ist wirklich dieses Auto, was in meinen Kinderhänden wie selbstverständlich neben all den anderen SIKU und MATCHBOX Karren geparkt wurde. Ich fühle mich wie beim ersten Date und stammel unprofessionellen Mist vor mich hin.

Lass es raus, V8!

Lass es raus, V8!

Das Herausrangieren des Viertelmillionen-Euro-Schatzes überlasse ich dem Besitzer, umso genussvoller lässt sich von hier aus der bassige Sound aus den beiden Auspuffrohren genießen, durch die das verbrannte Super in einem herrlichen Stakkato die Symphonie aus sieben Litern für acht Töpfe ballert. So klingt also ein Iso Grifo. Gar nicht so sehr anders als mein BROAARR BROAM von damals im Gemüsebeet. In guten Zeiten trinkt das versammelte Orchester made in USA gern mal 25 Liter, belohnt sein Publikum aber mit mindestens 630 Nm Drehmoment und ungefähr 400 SAE-PS. Das genügte in den späten 60er Jahren, um in der Liga von Ferrari und Lamborghini vergnüglich mitzuspielen. Und diese Kraft wurde für den unvorbereiteten Bürger dieser Zeit in einen Body verpackt, der die makellose Schönheit der Venus von Urbinio mit Mona Lisas Lächeln zu einer Durchschnitts-Landpomeranze degradiert. Der Wagen hat (im Gegensatz zum Matchbox Pendant) sogar eine Kofferraumklappe, die sich öffnen lässt. Dieses Heck. Dieser Hintern. Ich glaube ich bin verliebt :-)

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Raum für ein kleines Täschchen

An diesem Auto stimmt fast alles. Ein kleiner Haken (nein, nicht für Anhänger): Es erfordert ein wenig körperliche Verwindung, am Steuer Platz zu nehmen, als 1,90m großer norddeutscher Jung muss ich mich ziemlich unelegant verbiegen. Aber wenn man erstmal sitzt, passt es wieder. Hallo Cockpit. Genau so viele analoge Rundinstrumente wie Zylinder in V-Form geben mir sachlich Auskunft über das allgemeine und momentane Befinden des Autos. Kleine Schalter und Hebelchen verteilen sich großzügig über den breiten, hölzernen Armaturenträger, ich werde ihre Funktion heute nicht vollständig ergründen. Aber ich berühre sie alle, streichel andächtig über die Rundungen der Instrumente und fühle respektvoll das Holz. Es riecht so gut inmitten dieser Materialien. Mein Herz hört einfach nicht auf mit dem schneller Schlagen. Verdammt, ist dieses Auto schön!

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

In keinem Wohnzimmer ist es angenehmer als hier

Gang rein, Kupplung kommen lassen und los. Wir fahren den Iso durch die adretten Straßen mit den Schatten spendenden Bäumen bis zu einem hellen Schotterplatz. Das Getriebe schaltet sich hart und präzise, während für das dünne, kleine Holzlenkrad durchaus Männerarme notwendig sind. Hier wird man nicht von ungezählten Servomotoren umschmeichelt, hier muss man noch ein bisschen selbst arbeiten. Aber das macht man gern. Italienische Autos haben nie so richtig mein Herz erobern können, vielleicht vor allem, weil ich sie mir nie leisten konnte. Auch der Iso Grifo ist finanziell jenseits von allem Machbaren, was mir in den kommenden 20 Jahren so passieren wird, aber er ist anders. Es ist nicht seine Seltenheit. Es ist seine Form. Und wohl die Tatsache, dass diese Form eine der ersten ist, an die ich mich in der Sandkiste erinnern kann. Fahrer und Beifahrer sitzen gefühlt direkt auf der Straße, hart aber trotzdem komfortabel – wie es sich für einen klassischen GT gehört. Schulterblick – hinter den Sitzen kauert eine knappe Notsitz-Bank, gerade einmal geeignet für einen Maxi Cosy und eine Kiste Bier. Aber er ist immerhin ist es kein reiner Zweisitzer, das könnte als Argument für den jungen Familienvater von Bedeutung sein.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Zur Not ist auch hier noch Platz

Trotz der dominierenden Heckscheibe, die formvollendet in der Kofferraumklappe zwischen den Rücklichtern ausläuft, wirkt das Auto unübersichtlich. Die Karosserieüberhänge sind zu elegant, die Seitenscheiben zu schmal und die Art, wie der Wagen seinen Fahrer umschließt, einfach zu passgenau. Über uns der Himmel, fischgrätenähnlich gelocht und makellos. Meine Augen haben Mühe, den Blick nach oben scharf zu stellen, kennen Sie das auch? Wenn man nach oben guckt ist in diesen gelochten Himmeln alles irgendwie leicht psychedelisch unscharf. Aber die Aussicht über die lüsterne Motorhaube und die “Penthouse”-Hutze ist sowieso wesentlich attraktiver 8-) Der Blick sollte also nach vorn gehen, so oder so. Und die Ohren auch.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Auf die Hutze, darunter ist der Himmel

Ich kann lediglich ahnen, dass dieses Kraftpaket made in Italy mit dem Herzen made in U.S.A. weniger als sechs Sekunden für den Sprint auf 100 km/h benötigt und der Vortrieb irgendwo erst weit hinter echten 270 km/h aufhört. Wir können das hier nicht ausfahren, aber der Grifo flüstert es mir, grummelt es mir über den Nacken, bollert es mir durch den Rücken. Ich lasse den V8 noch einmal aufbrausen, bevor ich den Schlüssel drehe und zur Besichtigung nach vorn gehe. ROOAAARRRRR bullerbullerbuller. Ja, der kann das, daran besteht kein Zweifel.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

8 Töpfe für ein Halleluja

Ich schäle mich aus dem Sitz und gehe noch einmal um den Hybriden herum, der raubkatzengleich auf dem Schotterplatz kauert. Meine rechte Hand umgreift unbemerkt das kleine, blaue Spielzeug in meiner Hosentasche. Ich habe den Auslöser dieses Treffens dabei. Schauen Sie sich diese Doppelscheinwerfer in dem gitterähnlichen Grill an. Die Lufteinlässe an den Flanken, die perfekten Proportionen von Reifengröße und Gürtellinie. Die Art, wie diese unglaubliche Dachform nach hinten ausläuft und in einer konkaven Heckblende endet, als hätte ein verliebter Maler mit präzisem Daumen seinem Gesamtwerk noch einen letzten Schliff gegeben… Das Heck ist für mich eins der schönsten in der Geschichte des Automobils. Konkav mag ich ja ohnehin. Mein Granada Coupé hat auch ein konkaves Heck. Er fehlt mir plötzlich. Ich fühle mich, als würde ich fremdgehen. Und es fühlt sich geil an.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Dieser ARSCH. Ich liebe ihn.

Am Himmel über Dortmund brauen sich kontrastreiche Regenwolken zusammen. Das ist toll für die Fotos, aber doof für dieses Auto. Regen soll es nach Möglichkeit nicht auf den Lack bekommen – ich muss schweren Herzens wieder Abschied nehmen. Und ich hab ja auch noch den ganzen Rückweg vor mir. Ciao, Iso. Ab in die Garage zu dem Bizzarrini.
Als auf der Autobahn zurück in den Norden die ersten, dicken Tropfen auf die Scheibe meines Kombis klatschen, kommt mir der eben gefahrene Italiener irgendwie schon wie eine Fata Morgana vor. Bin ich gerade wirklich in einem Iso Grifo gefahren? Krass. Ich ziehe auf den nächsten Rastplatz, kaufe mir irgendwas sehr ungesundes zu Essen und gucke auf dem Kameradisplay die Bilder durch. Tatsächlich. Ich hab’s getan. Und ich bin mir sicher: Es hat nach dem Aus für Iso Rivolta 1974 nie wieder so ein Auto gegeben. All seine zeitlosen, wegweisenden Details hatten schon als Matchbox-Auto Spuren in meinem Kopf hinterlassen, haben sich eingebrannt. Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit. Und ich bin stocknüchtern.

Iso Grifo. Ein Sandkastentraum.

Ich sitze drin. Ich sitze drin!!!

Hallo Alltag. Hallo Kiel. Ich schreib dann mal meinen Artikel, während vor den Fenstern draußen graue Kleinwagen vorbeifahren. In der Mitte des Lebens habe ich ein kleines Geheimnis aus der Sandkiste gelüftet. Man sollte sich viel öfter vornehmen, endlich mal die Karren selbst zu fahren, mit denen man schon in den 70ern durch Omas Gemüsebeete geballert ist.
Es kann nicht nur an den vermeintlich sorglosen Jahren der Kindheit liegen, dass ich das Gefühl habe, heute dem mit Abstand schönsten Auto der Welt begegnet zu sein.

Sandmann

ISO GRIFO 7 LITRI SERIE 1, 1969
Motor: V8, GM Corvette Big Block
Hubraum: 6.998 ccm
Leistung: 400 SAE-PS bei 5.200/min
Drehmoment: 630 Nm bei 3.600/min
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 270 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100: weniger als 6 s
Getriebe: Fünfgangschaltung von ZF
Antrieb: Hinterrad auf DeDion-Achse
Länge: 4.430 mm
Breite: 1.770 mm
Höhe: 1.220 mm
Gewicht: 1.400 kg
Bereifung: 225×15
Stückzahl: 412 (7-l-Version ca. 50)

Fotos: Jens Tanz
Originalartikel auf TRÄUME WAGEN
www.IsoRegistry.com

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Created Donnerstag, 22. Januar 2015 Tags 7 Litri | bertone | Giugiaro | Iso Grifo | Iso Rivolta | Penthouse | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
20 Jan 2015
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Auf Kaperfahrt

Papaaaaaaa die haben mir heute Nacht den Audi aufgebrochen!:-(Scheibe kaputt, alles voller Glas, Radio weg WAS MACH ICH DENN JETZT???” Oh jemineh. Ein Stich ins Herz meines großen Töchterchens. Das erste eigene Auto, kaputt, geschändet, entweiht. Die Cops waren schon da, aber das ändert nichts am Ergebnis. Keine Teilkasko und ein offenes, kaputtes Fenster bei Regen und Frost mitten in Kiel. Fahranfängerins Horror. Eine neue Mission für Superpapa. Er fährt zum Autoverwerter Kiesow in Norderstedt und versucht bei 2 Grad und Nieselregen, einen Endgelagerten A3 erstmal zu finden und ihm dann seine Seitenscheibe zu entlocken. Und hey, was da noch so alles rumliegt!

Finden ist gar nicht so leicht.

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zwischen all diesen Audis…

Wir erinnern uns noch an die Galileo XXL Dokumentation über Deutschlands größte Autoverwerter. Da erfuhr man über mich, dass ich zusammen mit meinen Freunden fast jedes Wochenende hier im Norden Hamburgs am Schrauben und Teile scheffeln bin. Mir selbst war das auch neu, aber gut. Ich lerne gern was über mich. Meine Freunde und ich waren seit der Sendung, also seit rund zwei Jahren nicht mehr hier ;-) Das hatte allerdings zeitliche Gründe, und ich brauchte irgendwie nichts, was ich hier finden könnte. Man muss dazu aber sagen, dass ein Besuch bei Kiesow sogar lohnt, wenn man nichts braucht. Einfach weil es total geil ist, zwischen den aufgestapelten Autos rumzulaufen und auf “Schatzsuche” zu gehen. Das ist allerdings im Sommer ein wenig erquicklicher. Das Jahr ist noch jung, heute ist es grau und ungemütlich. Blöd. Seitenscheiben haben die Jungs nicht am warmen überdachten Tresen, dafür ist anscheinend der Aufwand beim Ausbauen zu groß und der Preis zu gering (25-30€). Die muss man selbst ausbauen. Das hab ich bei einem 1997er A3 noch nie gemacht, aber am Ende ist das auch nur ein Auto. Einige hab ich aus dem Augenwinkel auch schon gesehen, allerdings allesamt ohne Seitenscheiben. Verrückt, was hier sonst noch so rumliegt!

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Ein Audi 100 Typ 43!

Da stapfst du zwischen all diesen vollverzinkten fast rostfreien Wohlstands-Wracks umher und denkst wieder einmal darüber nach, wie bekloppt es ist, ein intaktes Auto wegzuschmeißen, weil irgend ein Steuergerät die Lötpunktgrätsche gemacht hat und seine Reparatur den Fahrzeugwert übersteigt. Das macht mich traurig. Hier liegen Autos rum, die sehen so aus, als könnte man einsteigen und noch 10 Jahre damit rumfahren! Und ganz oben drauf, ich fasse es nicht: Schon wieder ein alter Audi 100. Typ 43, so einer wie der Dottore, allerdings ein von mir nicht so begehrter Nachfacelift mit den weißen Blinkern und den großen Rücklichtern. Anfang der 80er. Genau so selten, wie der im Straßenbild geworden ist ist er auf dem Hof eines Autoverwerters zu entdecken. Krass, dass ich jetzt schon den zweiten im Raum Hamburg vor sich hinschimmeln sehe. Aber na klar – ich bin meinen vor einem Jahr auch nicht losgeworden. Nicht mal für 800 Euro, fahrbereit, guter Zustand, Vinyldach. Und an dem Punkt, wo ich “Jetzt erst recht!” gerufen und ihn behalten und instandgesetzt habe, geben andere auf und werfen den weg. Und dann steht er hier. Dunkelblau. Rostig… aber der darf auch noch rosten :-)

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Plüschig und verlassen.

Inzwischen bin ich in einem Alter, in dem die Vernunft über den Wunsch siegt, alle Autos dieser Welt retten zu wollen. Bei dem alten Herren hier gibt es noch eine gute, kaum verschimmelte Inneneinrichtung und ein komplettes Cockpit, an beidem bin ich nicht interessiert. Vielleicht könnte man noch Achs- und Bremsteile retten, die Scheinwerfer und Rücklichter und diversen Kleinkrams. Aber da beißt sich die Schlange in den Schwanz. Die Teile sind auch im Netz noch immer so billig, dass ich die erst dann besorge, wenn ich sie brauche. Auf Halde lege ich nichts mehr. Und da das viele so machen landen gute Teile eben auf dem Schrott. Das war schon immer so, das wird auch immer so bleiben und in spätestens 10 Jahren werden wir wieder sagen: “Hätte man den doch bloß komplett gerettet!” Aber heute sage ich das nicht. Kennen Sie dieses erhabene Gefühl, was mich immer auf solchen Schrottplätzen anspringt? Das ist ähnlich dem, das ich als Kind immer hatte, wenn in der Gegend die Sperrmüllhaufen aufgetürmt wurden. “Das kann alles dir gehören….!:-) Auch wenn man wenig von dem Kram brauchte, man konnte theoretisch all das mitnehmen. Hier ist das genau so. Auch wenn es Geld kostet. Ich suche eine Seitenscheibe für einen A3 8L. Also weiter.

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Typ 44 in guten Zustand, etwas Dachlastig

Die goldenen Zeiten für den Nachfolger des Typ 43 sind in diesem speziellen Fall vorbei. Geile Farbe, mit beigen Stoffsitzen. Das Blech ist rundrum gesund, es fehlen nur ein paar Anbauteile und die Räder. Na okay, und ein paar Autos liegen auf seinem Dach, das könnte für eine Restauration eventuell von Relevanz sein. Aber niemand will heute schon so ein Auto restaurieren. Es gibt einfach noch zu viele, und obwohl die ab 1984 gebaut wurden sind sie so genial zeitlos gestaltet, dass sie über 30 Jahre später nicht wie Oldtimer, sondern nur wie alte Autos aussehen. Ich hatte ja auch mal kurz einen in rot, eine unaufdringliche Limousine, zuverlässig, groß, sicher. Und irgendwie ein bisschen langweilig, aber das könnte man auch als schlichte Schönheit deuten. Mein Fünfzylinder Nullausstatter wich damals einem Citroen XM, ein guter Tausch. Ich konnte mich nie in das CW-Weltwunder-Modell verlieben. Hier stirbt jetzt einer. Stellen sich meine Nackenhaare leicht auf? Ja, ein ganz klein bisschen. Aber ich suche eine Seitenscheibe für einen Audi A3. Gnarf.

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Gewagte Hipster-Farben

A3 der ersten Serie liegen hier heute genau fünf Stück rum. Die haben die schrägsten Farben sowohl innen als auch außen, haben Sie schonmal einen schlumpfblauen Audi mit roten Sitzen gesehen? Irgendwie… lustig. Es gibt alle Arten von Lenkrädern, Cockpits, Sitzen und Türverkleidungen – aber es gibt keine Seitenscheiben! :-( Das scheint beim Zweitürer ein begehrtes Ersatzteil zu sein, warum, das steht in den Sternen. Ich öffne Türen und lerne dazu. Wenn die Scheibe nicht mehr da ist, ist (logisch) auch die Verkleidung schon abgebaut, auf diese Weise finde ich erforschend die drei zu lösenden Schrauben, die erfahrungsgemäß immer unter irgendwelchen Plastikdeckeln rund um den inneren Türgriff versteckt sind. So auch hier. Ich lerne noch etwas: Wenn die Scheibe nicht mehr da ist, ist auch irgendwie der ganze Rahmen der Scheibe weg. Urks. Sind die etwa mit dem ganzen Fensterhebermotorgeraffel in einen eigenen Rahmen eingebaut, der demontiert werden muss? Ich setze mich auf die Kante einer Motorhaube, frage das Internet, und das Internet sagt: Ja. Na super. In dem Moment fängt es leicht an zu regnen…

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Straße des Verderbens

Ich breche dann mal die Reise in die Vergangenheit ab und suche etwas konkreter nach einer Seitenscheibe, Beifahrerseite, irgendwo muss doch noch eine sein??? Ja. Eine gibt es noch, gut versteckt weil elektrisch runtergelassen (als noch Strom da war) in einem A3 in der oberen Reihe. Farblich passt der sogar zu dem meines Töchterchens, aber ausgerechnet bei Fenstern ist das ja ziemlich egal :-) Der alte Mann wuchtet sein mitgebrachtes Werkzeug in den Fußraum des aufgebahrten Ingolstädters und klettert mutig hinterher. Ein kalter Wind weht zwischen den Autos hier oben durch. Schrauben in luftigen Höhen, zwischen alten Autos, bei Kälte und Regen. Ich weiß allerdings, dass meine “Große” mir später einen derart dankbaren Blick schenken wird, dass sich das hier alles doppelt und dreifach lohnen wird. Als Papa kann man mit so wenig glücklich sein… Aber noch bin ich nicht am Ziel. Wie die Türpappe runter geht weiß ich ja inzwischen durch die Selbststudien an den anderen ausgeweideten Audis. Jetzt muss dieser Rahmen raus. Oh. Dicke fette Torx. Nennt man diese Größe überhaupt noch Torx? Immerhin sitze ich hier drin im Trockenen, und wie durch ein Wunder gehen meine mitgebrachten Torx genau bis zur benötigten Größe. 40 oder sowas. Vati schraubt.

Scheibenkleister

Klettern und Schrauben

Nur vier von diesen dicken Schrauben müssen gelöst werden, und der Rahmen fällt runter auf den Boden und zerschmettert die einzige Scheibe in 1000 Stücke. Eigentlich müsste hier jetzt so ein Satz kommen :-) Aber nein, im Alter wird wohl auch jemand wie ich vorsichtig, gar WEITsichtig – und ich halte den Scheibenrahmen natürlich fest, bevor er downhill schliddert. Was ich nicht bedacht habe: Die Stecker für den Fensterheber und die Verriegelung der Tür sind jetzt echt im Weg, verhindern ein Abstellen des Stahlgerüsts und sind gar nicht so leicht zu lösen. Halb schräg im 2. Stock in der geöffneten Tür eines alten Autos hängend frickel ich mich fluchend durch den Regen, mache davon aus nachvollziehbaren Gründen mal keine Fotos und löse auch dieses kleine Problemchen. Wenn man weiß wie, ist es ganz einfach. Cool. Ich fühle die Erkenntnis ein bisschen wie beim Audi V8, da musste man auch nur wissen, was man erstmal alles abbauen muss, um an die maladen Teile ranzukommen. Dieser Scheibenrahmen ist eine geniale Konstruktion, alles ist an ihm festgeschraubt, der Motor, die Führungsseile, die Schienen. Wenn er raus ist kommt man prima an alles ran.

Schatzsuche

Schatzsuche

Ich brauche zum Glück nur die Scheibe selbst und ihre Aufhängung, das bedeutet einfach nur noch zwei weitere kleine Schrauben in zwei Plastikschienen lösen. Als kleiner Worst-Caseler will ich aber auch genau diese Plastikschienen ebenfalls mitnehmen, falls wir die beim Auto meines Töchterchens bei dieser Kälte zerbrechen sollten. Haben Sie schon mal mit Kunststoffteilen im oder am Auto bei Minusgraden gewerkelt? Was im Sommer noch geschmeidig und biegsam war, knackt im Winter trocken weg wie ein Riegel Lindt Schkolade aus dem Kühlschrank. Und das wäre ja ziemlich doof. Der konstruktiv bedingte Haken an den Schienen ist, dass sie an eben jenem Führungsseil haken, was über Rollen und Haken um den Rahmen rumläuft. Da müssen die rausgehakt werden. Meine Finger sind inzwischen quasi abgefroren und völlig gefühllos, ich bin nass und unbeweglich und will langsam mal nach Hause…

AUAAAA!!

AUAAAA!!

In diesem Zustand ist ein Kollateralschaden fast unvermeidlich. Doof nur, dass die Schraubendreher immer so scharfkantig sind. Die Wunden an den Händen sind meist echt tief und immer genau da, wo sie über Wochen nicht verheilen, weil man immer und immer wieder dran stößt. Aua. Mist. Zusätzlich noch einen satten Abrutscher mit ordentlich Kraft in den Ballen des Daumens, allerdings an der dicken Ader vorbei. Trotzdem tropfe ich ein bisschen aus Daumenkuppe und Ballen vor mich hin, habe die Schienen dann aber mit sanfter Gewalt rausgehebelt und bereite mich auf die anerkennenden Blicke meiner Tochter und die strafenden Blicke meines halbfinnischen Fräulein Altonas vor. Sie sagt, ich muss mehr auf mich aufpassen und meinen Körper mehr achten. Ich versuche das ja, aber nicht jetzt und hier, es ist zu kalt und zu nass. Der Regen fällt auf die einzelnen Blutstropfen auf dem Asphalt zwischen den Wracks, lässt sie zerlaufen und mischt sich schillernd mit bunten Ölflecken zu einem Farbenmeer.

Scheibenkleister

Die Trophäe des Jägers

Die Seitenscheibe eines zweitürigen A3 ist ganz schön groß und ganz schön schwer. Diese einzige und letzte auf dem ganzen Platz hat schon eine ganz kleine Schmarre auf der unteren Ecke, aber das ist egal, der Teil bleibt in der Tür verborgen. Ich bin ein bisschen stolz. Das war nun zwar überhaupt kein handwerklich herausfordernder Akt, ich hab’s einigermaßen gut hinbekommen. Ich habe nichts anderes kaputt gemacht (mir geht diese “Scheißegal-Mentalität” vieler hier auf den Keks, die einfach alles rausreißen und einen Haufen kaputten Krams zurücklassen) und den nicht benötigten Fensterhebermotor fein auf den Beifahrersitz gelegt. Der nächste Schrauber freut sich. Der Regen wird auch wieder ein bisschen weniger und ich schlender an den Leichen aus Wolfsburg, aus Rüsselsheim und Köln vorbei zum Tresen, um meine Beute zu bezahlen. Der Mann da hat Mitleid. Vermutlich liegt es nicht daran, dass ich mit meinen Freunden jedes Wochenende hier bin sondern eher daran, dass ich ihm die Kasse vollblute und die Scheibe diese kleine Schmarre hat – ich bekomme sie für 20 Euro. Fairer Kurs.

Scheibenkleister

Das war ein guter Tag

Schlepp schlepp zurück zu meinem eigenen Audi, der hier einen aufgebahrten Bruder hätte. Die ganze Aktion hat zwei Stunden gedauert (ich denke nicht über einen theoretischen Stundenlohn nach), und jetzt fühle ich mich wunderbar vorbereitet auf den Einbau. Zum Glück in einer hellen, trockenen Tiefgarage. Morgen. Irgendwie bin ich froh, dass mein Töchterchen ein Auto fährt, an dem man noch schrauben KANN. Da sind schon eine Menge Sensoren und Steuergeräte verbaut, aber ich glaube da kann man noch einigermaßen den Überblick behalten. Und statt des gemopsten Kirmes-Kenwood-Blinkradios bauen wir einfach das originale Gamma ein. Mit einem Adapter für das Smartphone, auf dem die ganze Musik drauf ist. Der Vorteil: Das klaut dann bestimmt niemand mehr, und es sieht auch noch rot beleuchtet ziemlich gut aus.
Mal sehen, wie lange sich noch Glassplitter in irgend welchen Ritzen zwischen den Sitzen finden ;-) Scheibenaktion erfolgreich. Superpapi ist glücklich. Das Töchterchen auch. Jetzt müssen wir nur noch dem 1.8 Liter Motor seine Durstigkeit abgewöhnen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Sandmann

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Created Dienstag, 20. Januar 2015 Tags 8L | audi a3 | ausbau | Autoverwertung | Fensterheber | Fremde Federungen | Kiesow | Norderstedt | Schrottplatz | Seitenscheibe | Türrahmen Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
11 Jan 2015
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Vier Uhr Morgens

Vier Uhr Morgens

Auf dem Rücksitz die üblichen Utensilien

Am Anfang war das Bild. Und am Ende eine Zahl. Die Vier war allerdings noch nie eine besondere Zahl in meinem Leben, das wird sich heute auch nicht nennenswert ändern. Eher die Drei. Oder die Zweiundvierzig. Was sich heute aber wohl ändert ist mein Kenntnisstand bezüglich der letzten 20 Jahre im Leben meines alten Freundes Lutz, den ich seit der Oberstufe nicht mehr gesehen habe. Wir waren Gitarren-Homies in den 80ern und wir haben 1986 zusammen in SilkesGarten gezeltet. So schließt sich der Kreis. Aus zwei Teenagern mit Gitarren sind zwei alte Männer mit Gitarren geworden. Ich habe den Audi vollgetankt und mache mich auf in Richtung Fehmarn Sund Brücke, in eine Ferienwohnung an der Ostsee, um mit Lutz ein paar Jahre Freundschaft nachzuholen.

Ein Bild. Über Peinlichkeiten sprechen wir später :-)

Vier Uhr Morgens

lustige Barden 1986

Es gibt so viele Momente, in denen die Vergangenheit aufpoppt. Ein Foto, ein Gedanke beim Durchfahren einer besonderen Gegend, eine Erinnerung beim Hören eines Liedes oder Blumen im Kopf beim Erschnuppern eines bestimmten Parfums. Lutz und ich haben uns vor einiger Zeit auf Facebook wiedergefunden. Eher zufällig. Es ist (das habe ich ja schon an anderer Stelle vermutet) in unserem Alter völlig normal, sich an alte Freunde zu erinnern und die wieder auszugraben. Bei einigen weiß man noch, warum man über Dekaden nicht mehr befreundet war. Spätestens wenn man sich wieder mal trifft, zufällig oder geplant, fällt es einem wieder ein. Bei anderen scheint das im Dunkeln zu liegen. Und manchmal gibt es auch einfach keinen Grund, manchmal hat sich die Welt einfach weiter gedreht während alle Beteiligten ihre eigenen Wege gegangen sind. Mein Weg heute führt mich an die Kante, wo der Ozean das Land trifft. Das ist in Deutschland ganz oben rechts, da geht eine Brücke rüber, aber Lutz schreibt mir ich soll kurz vorher rechts abbiegen. Irgendwie bin ich richtig ein bisschen aufgeregt…

Vier Uhr Morgens

Götterdämmerung? Nein. Nur Abend.

And she walks along the edge of where the ocean meets the land
Just like she’s walking on a wire in a circus
Auf dem Rücksitz des alten Audis liegt mein inzwischen in diesem Thema erprobtes Zubehör. Kopfkissen und Schlafsack, meine Gitarre, ein bisschen Wein… Mein Fotoapparat und – ein Haufen Noten sowie eine Fototasche von 1986 :-) Die Bilder waren schon Silke im August peinlich, und hey – sie kommt auf denen noch ganz gut weg. Im Gegensatz zu uns beiden. Lutz und Jens waren damals zwei Teenager, beide um die Wette verknallt in die Gastgeberin und redlich bemüht, ihre Gunst singend zu erobern. Also haben wir die schöne Frau mit Balladenstoff von Simon and Garfunkel, Bob Dylan und den Beatles umworben und waren damit mehr oder weniger erfolgreich. Eher weniger. Balladenstoff soll es heute Abend auch geben, und ich bin ehrlich gesagt gespannt, was… nein WER mich da nachher erwartet. Die musikalischen Helden der 60er haben wir inzwischen zu den Akten gelegt, ich gehe mal davon aus, dass wir heute Abend Lieder von dem singen werden, was unser eigenes Leben uns angetan hat. Da gibt es eine Menge zu erzählen und zu singen. 1986 ist inzwischen 29 Jahre her.

Vier Uhr Morgens

Neugier und Skepsis

Wir haben uns vorher ein bisschen hin und her getextet und befürchten, die Nacht könnte verdammt lang werden (oder verdammt kurz, je nachdem aus welcher Perspektive man guckt). Das wäre ein bisschen doof, denn ich muss mich spätestens um 8:00 Uhr in Richtung Hamburg aufmachen. Aber 8:00 Uhr ist noch lange hin. Ob ich ein paar Karteikarten mitnehme, um so eine Art Mindmap auf dem Tisch auszubreiten? Um nichts zu vergessen und um strukturiert erzählen zu können? :-) Hab ich die richtigen Lieder dabei? Hab ich mich sehr verändert…? So ein Unsinn. Ich mach mir Gedanken, als führe ich zu meinem ersten Date und versuche, möglichst cool rüberzukommen. Überflüssig. Lutz und ich waren mal sowas wie beste Freunde, und auch wenn das echt lange her ist – damals haben wir ein Zelt geteilt, und gegenseitig vollgepupst, gemeinsam Kakao gegluggert und uns nachts gegenseitig erzählt, wie verknallt wir in Silke waren. Das schweißt zusammen, und das wird alles verzeihen, was heute aus uns geworden ist. Glaube ich. Und wenn nicht dann eben nicht…

Vier Uhr Morgens

Unscharf aus Kiel raus

Der Weg von Kiel nach Fehmarn dauert ein bisschen länger als eine Stunde, und ich nehme natürlich meine alte geduldige rollende Zeitmaschine anstatt des Daimlers. Auf der Kassette schrabbeln die Goo Goo Dolls, nicht gerade was von damals, aber ich hab da jetzt Bock drauf. Die Autofahrer um mich rum sind die gleichen wie immer, sie fahren neben mir, winken, heben den Daumen oder machen Fotos mit dem Handy. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie dieser damals als so bieder beschimpfte Audi heute die Herzen öffnet und Freude verbreitet. :-) Schön, das. Meine Fotos werden allerdings reichlich unscharf, sehen Sie das mal als eine Kunstform an bitte. Ich mag Aufnahmen mit Blitz einfach nicht, und es ist langsam recht dunkel. Ich kann meine Hand einfach beim Fahren nicht so ruhig halten, dass nichts verwackelt. Nicht bei diesen langen Verschlusszeiten :-D

Vier Uhr Morgens

Verschwommen wie die Vergangenheit

Sag ich doch. Hihi :-D Erschwerend hinzu kommt, dass es ab dem Verlassen der B76 in Richtung Selent und Lütjenburg dunkel wird. Sehr dunkel. Und wenn ich mal irgendwann was von einem dunklen Niedersachsen oder anderen lichtlosen Abschnitten im Norden erzählt haben sollte – vergessen Sie das. Hier ist es WIRKLICH dunkel, und je weiter ich in Richtung Küste fahre desto geringer ist die Straßenlaternendichte. Ich brauch was Fröhliches im Kassettendeck. Meine erste selbst gewünschte Platte. Truck Stop – Nicht zu bremsen:-) Sehr entspannte Countrymusik, nur ein wenig gedämpft von der Nachricht, dass so langsam einer nach dem anderen von den Jungs das Zeitliche segnet. Vor ein paar Tagen ist Cisco gestorben. Lucius vor zwei Jahren. Die Einschläge kommen näher, ich tröste mich damit dass die Jungs schon recht alt waren, als ich die damals gehört habe und singe einigermaßen gut gelaunt mit…

Vier Uhr Morgens

Es wird immer kälter

Step out the front door like a ghost into the fog
Where no one notices the contrast of white on white
Letzter Rastplatz vor der absoluten Dunkelheit. Angeblich mit Ostseeblick, was um diese Jahreszeit einigermaßen absurd ist, denn ich kann nicht mal 20 Meter weit gucken. Dunkelheit ist ja physikalisch gesehen nur das Fehlen von Licht, aber hier oben in der Nähe von Heiligenhafen ist die Dunkelheit irgendwie auch das Fehlen von Zeit und Raum. Ich mach den Motor lieber nicht aus. Wenn ich hier liegen bleiben sollte wird man mich nie wieder finden. Hier ist ja niemand. Warum dann Lutz? Er schreibt, es ist eine dauergemietete Ferienwohnung direkt am Wasser, wo er sich eine Woche Auszeit zum Lernen und zum Durchatmen genommen hat. Okay. Wenn die Einsamkeit sich weiter nach jeden Kilometer so potenziert ist das hier tatsächlich ein feiner Ort, um mal durchzuatmen. Um sich selbst zu finden. Und um ungestört auf die Gitarren einzuschlagen und dabei zu viel Wein zu trinken. Man könnte hier auch die ganzen Leichen entsorgen, die man noch im Keller hat. Die findet niemals jemand wieder. Aber die hätte ich nicht alle in den Kofferraum bekommen, und auf dem Rücksitz liegen ja die Gitarre, mein Schlafkrams und die Noten… Und der Wein. Und die Bilder :-)

Vier Uhr Morgens

Irgendwo hier.

Letztes Unscharfes Bild vorm Ziel. Versprochen. Aber ich will das doch alles trotzdem dokumentieren :-) Ich glaube, ich bin gleich da.
I can’t see nothing, nothing round here.
Mein Navi auf dem Handy (die treue Lisa liegt ja im Mercedes) hat mich schon drei mal gefragt, wo es hier bitte zum nächsten geostationären Satelliten geht. Gibt es Gegenden, die so einsam sind, dass ein Navi Depressionen bekommt und sich schmollend in sich zurückzieht? Die Antwort lautet: Ja. Aber egal, es ist noch angenehm früh, ich habe einen guten Hunger auf ungesundes Essen in mir drin und so richtig Bock, mal wieder ne halbe Nacht durchzusingen ♫ Außerdem habe ich Lutz’ Telefonnummer, und die wähle ich jetzt mal, um ihn zu fragen, wo ich hin muss. Ah. Er ist dran, er ist da und ich parke ferngesteuert den alten Audi auf einer Art Schotterplatz hinter einer kleinen Gruppe von Häuschen. Links von mir reihen sich in der Dunkelheit Lichterperlen am Himmel auf. Sie bewegen sich. Ich habe noch gar keinen Wein getrunken? Geografisch vermute ich, wenig unterstützt von meinem eingeschnappten Navi, dass das Autos auf der Brücke über den Fehmarn Sund sein könnten. Ah. Die Tür geht auf. Und nach ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahren öffnet mir: Klaus Lage. Nein. Lutz. Hallo, alter Freund!

Er ist es!

Er ist es!

Okay, da ist sie, die Zeit. An dem grinsenden Typen mit Bart wäre ich in der Fußgängerzone direkt und ohne mit der Wimper zu zucken vorbei gelaufen. Das liegt vor allem am Bart. Aber die Stimme….. die ist noch die gleiche :-) Ich geh rein, packe meinen Kram aus, klapp schon mal das Sofa zurecht (ich habe so eine Ahnung, dass ich das nachher vielleicht nicht mehr hinbekommen könnte) und gucke dann Lutz ein bisschen intensiver an. Krass. 29 Jahre seit wir die Fotos gemacht haben. Jetzt ich:

Vier Uhr Morgens

Auch nicht viel besser

Was machen zwei alte Freunde, die nicht so richtig wissen, warum sie zwischendurch keine Freunde mehr waren und die emotional wichtigsten teile ihres Lebens mit anderen Menschen verbrachten? Sie reden. Sie reden vor allem über diese anderen Menschen, mit denen sie die emotional wichtigsten Teile ihres Lebens verbracht haben. Das waren gute Menschen, das waren nicht so gute Menschen, das waren Vollpfosten und das waren totale Psychopathen. In fast 30 Jahren sammelt sich eine Menge von dem an, was man allgemein als “Leben” bezeichnet. Wenn das damals alles im Prospekt gestanden hätte, ich weiß nicht, ob meine Unterschrift unter dem allen vielleicht gefälscht worden wäre. Die erste Flasche Wein ist leer, bevor wir es uns eigentlich so richtig auf den Sesseln bequem gemacht haben. Lutz hat einen australischen Yellow Tail gekauft, ich möchte den als einen meiner fünf Lieblingsweine bezeichnen. Cool. Damals haben wir Kakao getrunken und Rumkugeln gemampft. Viele Rumkugeln. Bei Café Ebeling in Uelzen gab es die für 10 Pfennig, da haben wir immer gleich 50 Stück gekauft ;-) Fünfzig. Wir reden. Wir trinken. Wir reden noch mehr und wir trinken noch mehr. Und irgendwann wird es einfacher, das, was man sagen will in Melodien zu verpacken. Schade, dass Silke nicht dabei ist.

Vier Uhr Morgens

das Repertoire hat sich erweitert

Step out the front door like a ghost into the fog
Where no one notices the contrast of white on white
And in between the moon and you, angels get a better view
Of the crumbling difference between wrong and right

Well, I walk in the air between the rain
Through myself and back again
Where? I don’t know
Maria says she’s dying
Through the door, I hear her crying
Why? I don’t know

Round here we always stand up straight
Round here something radiates

Maria came from Nashville with a suitcase in her hand
She said she’d like to meet a boy who looks like Elvis
And she walks along the edge of where the ocean meets the land
Just like she’s walking on a wire in a circus

She parks her car outside of my house and
Takes her clothes off, says she’s close to understanding Jesus
And she knows she’s more than just a little misunderstood
She has trouble acting normal when she’s nervous

Round here we’re carving out our names
Round here we all look the same
Round here we talk just like lions but we sacrifice like lambs
Round here she’s slipping through my hands

Woah
Sleeping children better run like the wind
Out of the lightning dream
Mama’s little baby better get herself in
Out of the lightning

She says, “It’s only in my head”
She says, “Shh, I know it’s only in my head”

But the girl on the car in the parking lot
Says, “Man, you should try to take a shot
Can’t you see my walls are crumbling?”

Then she looks up at the building
And says she’s thinking of jumping
She says she’s tired of life
She must be tired of something

Round here she’s always on my mind
Round here, hey man, got lots of time
Round here we’re never sent to bed early and nobody makes us wait
Round here we stay up very, very, very, very late

I, I can’t see nothing, nothing round here
You catch me if I’m falling, you catch me if I’m falling
Will you catch me? ‘Cause I’m falling down on you

I said I’m under the gun round here
Oh man, I said I’m under the gun round here
Well I can’t see nothing, nothing round here

Counting Crows, 1994

Vier Uhr Morgens

definitiv die bessere Gitarre

Wir singen tatsächlich nicht den alten Stoff, den ganzen Kram, mit dem man in den 80ern Gitarre spielen lernt und den mal schon in den 90ern nicht mehr hören konnte. Wir singen Lieder, die das Leben schrieb und formte. Laut. Leise. Vorsichtig und aggressiv. Hier draußen gehen wir niemandem auf den Sack, stören wir keinen Nachbarn, rauben wir keinem kinderlosen Pärchen den verdienten Nachtschlaf. Hier draußen ist ja niemand außer uns. Der zweite Wein ist schon längst alle, in meinem leichten Gepäck sind noch zwei weitere Flaschen, die haben allerdings traubenmäßig mit den beiden guten Überseetropfen von Lutz nix zu tun. Nun. Die Überseetropfen sind alle. Meine beiden Flaschen wiederum bedeuten mir historisch gesehen sehr viel. Ohne Rücksicht darauf, ob es guter Wein ist oder nicht. Da ist einmal ein Rotwein aus der Schweiz, nicht nennenswert, denn es ist der einzige den ich im Supermarkt gefunden habe und er war nicht außergewöhnlich lecker. Aber während ich Lutz von der Mona Lisa und dem Jahr in der Schweiz erzähle und davon singe… trinken wir schweizer Wein. Na klar. Und dann gibt es da noch den ersten Wein. Meinen ersten Wein. Also – den Wein, den ich mit meiner allerersten Freundin Simone getrunken habe. Das war ein 1986er Château de Mornag aus Tunesien. Lieblich, süffig, aber der erste. Ich habe einen 2013er Château de Mornag dabei, immer noch lieblich, immer noch süffig, aber wen stört das jetzt noch?
Round here we’re never sent to bed early and nobody makes us wait
Round here we stay up very, very, very, very late

Well...

Well…

Vier. Vier Flaschen.
Es ist nicht die Qualität des Weines, es sind die Geschichten, auf die es ankommt. Einige haben wir gemeinsam erlebt, viele nicht. Und die erzählen wir uns zwischen den Liedern und den einzelnen Schlücken aus viel zu kleinen Gläsern. Irgendwann zwischendurch gab es ein Baguette mit Käse und Salami, Remoulade und geriebenem Ingwer zu futtern. Mjam. Und dann irgendwann später noch eins. *burps* Nicht ganz ohne Neid sehe und höre ich die Gitarre von Lutz, eine Fender, ich wollte schon immer eine Fender haben… Meine kleine “Jim Dandy” tut trotzdem gute Dienste. Ganz ohne die unter Gitarren übliche Eifersucht wird sie ein bisschen mehr beansprucht als sie gewohnt ist und bringt die untermalenden Töne raus, die zusammen mit den beiden angekratzten Stimmen einen manchmal leisen, oft lauten Klangteppich über der Bucht von Fehmarn weben. Die beleuchtete Perlenschnur zieht sich noch immer durch die Nacht. Wie gut, dass hier so wenig Menschen wohnen. Lutz murmelt irgendwas vom Hafenmeister, und dass wir besser das Fenster zumachen sollten. Vermutlich hat er Recht.

Vier Uhr Morgens

29 Jahre dazwischen

Vier. Vier Uhr Morgens.
Eine wahrlich beschissene Zeit, wenn man in der Nacht wach wird. Kennen Sie das? Noch nicht genug Schlaf, um ausgeschlafen zu sein und vor allem – nicht mehr genug Zeit, um noch einmal tief einzuschlafen, bevor einen der Wecker rausreißt und den neuen Arbeitstag einläutet. Das Gewicht dieser Zahl wiegt noch viel schwerer, wenn der erste Teil des Satzes, also die nicht ausreichende Menge Schlaf, noch gar nicht stattgefunden hat. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so lange wach war, auf jeden Fall war ich da noch viel viel jünger und es war bestimmt nicht unter der Woche. Oha.

Vier Uhr Morgens

Okay is gut jetzt.

Das schon vorgeklappte Klappsofa (ich lobe mich selbst dafür) ist wahrscheinlich wesentlich gemütlicher als die Ladefläche des Mercedes, Januar ist definitiv nicht der Monat, in dem man noch im Auto schlafen sollte. Bei aller Liebe zu diesem Schlafplatz als solchem, die Tatsache dass ich nicht wie im August in Ripdorf bei Uelzen mit dem Kombi, sondern mit dem ladeflächenlosen Audi hier bin spricht ebenfalls für das Schlafsofa. Also Schlafsofa. Macht das überhaupt noch Sinn, wenn der Wecker sowieso gleich bimmelt? Ich gucke den alten Mann im Spiegel mit roten Augen an und mache keine Fotos mehr. Ich träume irgendwas von schnell fahrenden Zügen, kurz darauf dämmert es und ich finde mich nur kurze Zeit später in meinem Auto wieder, irgendwo auf der A1 zwischen Fehmarn und Hamburg. Neben mir meine Gitarre, die mich anguckt, als hätte ich sie nach einem schönen Erlebnis in die Realität zurück entführt.

Vier Uhr Morgens

Jim Dandy ist nun Beifahrer

Vier. Vier Stunden Schlaf.
Sie merken langsam, warum diese Zahl und ich nicht die besten Freunde werden? Der Typ mit dem grauen Bart und der Fender Gitarre hat mir noch einen Kaffee in den Hals gekippt und sich hoffentlich wieder in sein Bett gelegt, als ich vom Hof gefahren bin. :-) Hihi irgendwie ist es tatsächlich ein bisschen so wie bei einem Date gewesen, die Aufregung in der Erwartung der Person, das viele Erzählen – und jetzt stehle ich mich in der Morgendämmerung aus dem Haus. Was sollen die Nachbarn denken? Ach nee – die gibt es ja im Umkreis von 10 Kilometern quasi nicht. Und Fische petzen nicht. Mir ist kalt, das Radio bekommt hier am Rand dieser Scheibe, die sich Erde nennt keine vernünftigen Sender rein und alle Kassetten leiern heute Morgen. Das Handy-Navi schmollt noch immer. Weiber. Ich glaube, wenn mich jetzt jemand anhält werde ich an Ort und Stelle verhaftet, aus verschiedenen Gründen, mindestens aber weil ich wohl so aussehe als hätte ich grad jemanden umgebracht. Puh. Vielleicht hab ich das sogar. Das Phantom der Virtualität. Ich hab mich mal wieder mit einem alten Freund getroffen. Nicht nur ne SMS oder ne Whatsapp geschickt oder ne Mail mit kopierten Inhalten… nein… ich bin hingefahren. Das tut gut. Das ist besser als 500 Facebook-Freunde, aber das muss ich Ihnen vermutlich nicht sagen.

Vier Uhr Morgens

reden wir nicht drüber

Ich schaffe es tatsächlich ohne nennenswerte Vorfälle bis in den Verlag nach Hamburg (wie langweilig), und nur wenige meiner Kollegen bemerken meine sehr tiefe Stimme… Die Texte fließen gut aus den Fingern, warum auch nicht, so ein Treffen inspiriert, und meine Finger greifen im Geiste noch schnell ein paar weinselige Akkorde. Nur Silke war gestern (vorhin) leider nicht dabei, weder in Echt noch sonstwie fernmündlich virtuell. Sie hatte ihr Handy irgendwo im Universum einer Damenhandtasche vergraben und erst einen Tag später unsere flehenden Nachrichten, die plakative Notwendigkeit einer Live Konferenz und die provozierenden Fotos bekommen. Da war ich schon wieder nüchtern. Trotzdem war sie des öfteren Thema dort oben in der Nähe der Fehmarn Sund Brücke, aber what happens in Großenbroderfähre stays in Großenbroderfähre ;-) Mehr von sowas. Das tut gut.
Am Anfang war das Bild. Aber am Ende auch, die Zahl hat das echt nicht verdient.

Sandmann

Vier Uhr Morgens

Am Ende war auch das Bild

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Created Sonntag, 11. Januar 2015 Tags alte Freunde | Audi 100 LS 1977 | Gitarre | Kiel | Plön | Silke | Simon and Garfunkel | Uelzen | Vergangene Verse | vergangenheit Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
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09 Jan 2015
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Sündige Beichte

Sündige Beichte

Die Sünde vor der Kirche

Es ist still im österreichischen Dornbirn. Sehr still. Eingeklemmt zwischen Bodensee und Allgäuer Hochalpen gehen freundliche Menschen ihrem Tagwerk nach, begrüßen sich, kennen sich. Einige der streng katholischen Alten auf dem Dorfplatz heben ihr Haupt in die warme Märzsonne und lassen ihren Blick über die nahe Bergkette gleiten, als sie ein dumpfes Donnern vernehmen. Die Versuchung ist förmlich spürbar. Der heilige Boden vor der blütenweißen Kirche am höchsten Punk der kleinen Ansammlung von Häusern vibriert leicht. Vögel verstummen. Leise, fast ängstlich läuten im benachbarten Tal ein paar Glocken. Armageddon ist nicht mehr fern.

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Robert – nein, er ist kein Teufel

Robert Willinger weiß, was er tut. Und woran er glauben kann. Als der Österreicher das Inserat eines 1965er Dodge Coronet 500 sieht, beißt er an. Der Coronet, die “Krone”, stellt so ungefähr das dar, was in den 80ern ein VW Passat in Deutschland war. Groß, robust, zuverlässig, nicht ganz billig und irgendwie ein bisschen langweilig. Dieses bestimmte Exemplar aus Reno, Nevada macht da eine kleine Ausnahme. Als Veranstalter der alle zwei Jahre stattfindenden US Car & Bike Show Dornbirn kennt er sich mit Amis bestens aus und ist begeistert von dem Umfang und der akribischen Protokollierung der Arbeiten, die der amerikanische Vorbesitzer an dem Fahrzeug durchgeführt hat. Die komplette Technik wurde erneuert und der Motor neu aufgebaut. Ein 440er V8, und falls Ihnen das nichts sagt – 440 Kubik-Zoll. Das entspricht mit 7,2 Litern knapp acht handelsüblichen Milchtüten. Ein Hubraum wie eine kleine Kathedrale, für die Analogie stellen Sie sich nun einmal einen VW Passat mit einem LKW-Motor vor. Seit der Überholung hat das Triebwerk erst 5000 Meilen abgespult. Damit aber kurz vor der Messe die Sünden sichtbar und hörbar werden sind weitere Modifikationen an dem unschuldig weißen Sedan-Klotz vorgenommen worden. Performer Intake, ein Demon Vergaser (das ist ein dämonischer Druckvergaser für den Kompressorlader), eine MSD Zündanlage und Fächerkrümmer bringen es inzwischen in dieser Kombination auf stattliche 350 Höllenpferde, die von einem Alukühler mit zusätzlichem Elektrolüfter leidlich beruhigt und mit Scheibenbremsen vorn und hinten fachgerecht im Zaum gehalten werden.

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Mit der Heimsuchung hatte Willinger Pech. Während der Verschiffung aus den USA drang eine Menge Feuchtigkeit in den Container ein, und der Innenraum des Dodge war vollständig durchnässt. Also musste er die gesamte Innenausstattung ausbauen, durchlüften, reinigen und aufbereiten. Der Teppich wurde vollständig ersetzt. Das ganze Geraffel sieht jetzt aus wie neu und riecht sogar so :-) Und alles andere…?

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leicht….. äh… modifiziert

Als die Gebrüder Dodge 1901 ihre Dodge Fahrrad- und Maschinenteile Fabrik in Detroit, Michigan, etablierten war noch nicht abzusehen, dass die Firma eines Tages zu den ganz großen Playern im US-amerikanischen Automobilzirkus gehören würde. In den 60ern bediente man das gut gehende Mittelpreis-Segment und stellte dem Normalbürger geräumige, sportlich angehauchte Fullsize-Limousinen vor die Tür. Ich persönlich mag ja die amerikanischen 60er. Die überheblichen Flossen der Rock’n Roll Zeit sind von den Sauriern wegdesigned worden, und der hemdsärmelige Auftritt der asphaltsaugenden Muscle Cars ist noch ein paar Jahre entfernt. Ich denke an Stewardessen, die vor einer Superconstellation stehen. An rauchende Hutträger am Rockefeller Plaza. An sexy Kurven in knappen Kleidchen. Ups? Die filigranen 60er Jahre Details des angenehm schlichten Interieurs fallen beim sündigen Blick in den Innenraum erst in zweiter Instanz auf.

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Dominiert wird das Cockpit von einigen Zusatzinstrumenten, die analog Auskunft über das gesundheitliche Befinden der Teufelsmaschine unter der Haube geben. Auf dem Beichtstuhl selbst wird der Pilot von einem breiten, roten Geschirr gleich einem LKW-Spanngurt gehalten. Der Rest ist ein Konglomerat aus Raumgefühl, Lifestyle und unheiliger Kraft, die sich visuell von außen nur aufgrund der breiten Chromfelgen und der Hutze in der Haube erahnen lässt. Jeder kann mit seinem Auto machen was er möchte. Und wenn es Robert gefällt – dann ist es gut. Originalitätsfanatiker haben an diesem fast schon religiös angehauchten Bekenntnis an die Kraft keine Freude. Und die Pferdchen im Stall (denn es war sonst kein Raum in der Herberge) scharren grad geduldig mit den Hufen. Doch wehe, wenn sie losgelassen!

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Akustischer Höllenritt, ganz ehrlich

Die Metapher vom Wolf im Schafspelz ist unfassbar abgegriffen, also nehmen wir an dieser Stelle einmal die Geschichte von Martin Luther und dem aufziehenden Gewitter. Und landen wieder vor der Dornbirner Dorfkirche, wo noch immer der Boden bebt. Ich komme mir fast ein bisschen blöd vor. Da hinten sitzen die ALten noch auf der Bank, und ich hüpfe mit meiner Kamera hier rum, als wenn ich gleich ein Wahnsinns-Promi-Ereignis ablichten will. Na ja. Ein bisschen ist das auch so. Promis mit Bodenhaftung. Der jetzt um die Ecke biegende Donner-Dodge erweist sich aufgrund der neu aufgebauten Technik als sorgenfreies Alltagsfahrzeug und wird jeden Tag von Willinger und seinem Sohn gefahren. Gleich dem Passat fährt sich das 50 Jahre alte Auto problemlos, ist zuverlässig und gottseidank anders als sein europäisches Pendant heute nicht mehr mit dem Leichentuch der Langeweile bedeckt. Im Gegenteil. Das fast 5,5 Meter lange kantige Chromgefährt bleibt blubbernd stehen, der Fahrer lässt den Motor laufen und entsteigt in die Morgensonne. Gefährliches Terrain hier. Heiliger Boden.

Sündige BeichteSündige BeichteSündige Beichte

Anstatt seine Thesen an die Kirchentür zu nageln stellt der gute Hirte mit den erfahrenen Händen und Ohren den gierigen V8 ein bisschen nach, ein paar der Pferdchen waren wie das Schaf auf Abwegen. Sauber. Die weiße Tür fällt wieder ins Schloss, der Gurt klickt – dann donnert er weiter an den Alten vorbei in Richtung seines Ziels, in Richtung seines nächsten US Car Treffens (wo man sich ein Bildnis machen kann) und in Richtung der anderen spektakulären US-Klassiker in seiner Sammlung. Das Fegefeuer der beiden Auspuffrohre ist noch lange in den Straßen zu riechen. Und auch wenn Martin Luther nach dem Gewitter ein Mönch wurde, wird man in Dornbirn Robert Willinger vergeben. Er fährt doch am Ende des Tages nur ein Auto, wenn auch ein sehr böses. Ablasszettel wird er demnach nicht erwerben müssen. Seine einzigen Sünden bestehen aus übermäßigen Karosseriedimensionen und regelrecht blasphemischer Kraftentfaltung, wenn wir ein letztes mal die alberne Parallele zum Passat ziehen.

Sündige Beichte

Ab dafür und tschüss

Und erst, wenn der letzte dumpfe Zündvorgang von den Alpen zurückhallt, wird man auch in anderen Teilen Österreichs feststellen, dass moderne Kleinwagen tief im Inneren der Seele nicht glücklich machen. So sei es.

Sandmann

Dodge Coronet 500 Serie 1
Baujahr: 1965
Motor: 440 cui V8
Vergaser: Demon Druckvergaser
Zündung: MSD
Hubraum: 7.200 ccm
Leistung: 350 PS
Getriebe: 727 Automatic
Beschleunigung: Brutal
Höchstgeschwindigkeit: Egal
Länge: 5.480 mm
Breite: 2.020 mm
Gewicht: 1.680 kg
Bilder: Jens Tanz
Originalartikel auf TRÄUME WAGEN

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Created Freitag, 09. Januar 2015 Tags 1965 | Demon Vergaser | Dodge Coronet | österreich | Robert Willinger | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
05 Jan 2015
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BÄUME WAGEN

BÄUME WAGEN

Kombi? Ach – egal

Das Jahr ist jung, das Jahr ist frisch und das Jahr ist voller Poesie. Haben Sie 2015 schon mal über Äpfel nachgedacht? Nein? Ich schon, denn ich hab da noch so einen natürlichen Apfelproduzenten in einem bestimmten Garten stehen, wo er nicht hingehört. Lösung? In den sauren Apfel beißen, ausgraben, aufs Dach binden und in einem anderen Garten (wo er hingehört) wieder eingraben. Problem: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, und der ist dick. Der Kandidat ist schon 12 Jahre alt und ziemlich groß und schwer. Und mir kommen den ganzen Tag schon Apfelgedichte und Redensarten in den Sinn, was ziemlich nervig ist. Außerdem habe ich Angst davor, das hölzerne Ding auf mein Autodach zu binden. Doch verbotene Äpfel sind süß:-) Sie sehen schon – alles wie immer. Begleiten Sie mich dachlastig durch Kiel…?

ARGH.

BÄUME WAGEN

Timber. Er liegt flach.

Ein Apfel am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Das mag ja sein, aber haben Sie schon einmal einen mittelalten Apfelbaum bei Bodenfrost und Minusgraden ausgegraben? Nein? Ich bis heute auch noch nicht. Auch wenn ein Tag zum Bäume ausreißen ist – man bekommt so eine Ahnung, dass nicht alles gut durchgeplant ist. Während ich mit dem treuen finnischen Fiskars Spaten tief steche und weit schmeiße summe ich den Klassiker von Wencke Myrhe aus den späten 60ern: Beiß nicht gleich in jeden A_ha_pfel, er könnte sauer sein, denn auf rote Apfelbä_hä_ckchen fällt man leicht herein. Küß nicht jedes schöne Mä_hä_dchen, das kann gefährlich sein, denn auf rote Apfelbä_hä_ckchen fällt man leicht herein ♫ Die hübsche Norwegerin, die inzwischen ebenfalls in den späten 60ern ist, hat uns noch mit anderen Smash Hits wie “Er hat ein knallrotes Gummiboot” oder “Lass mein Knie Joe” glücklich gemacht. Nun. Wenn der Apfel reif ist, fällt er ab. In meinem Fall fällt er um. Also, der Baum. Timber! Es ist nicht überliefert, wie viel Wurzelwerk exakt nötig ist, um so einen floralen Kaventsmann in neuem Boden überleben zu lassen, aber ich habe reichlich retten können. Außerdem sind wir noch lange nicht beim neuen Boden. Ich habe nicht den geringsten Schimmer, wie schwer genau dieser Baum ist, aber ich kann ihn nicht tragen. Und ich bin ganz schön stark. Maximal an einer Seite kann ich ihn anheben und schleifen. Bis zum Auto. Und das dauert schon ganz schön lange.

BÄUME WAGEN

Irgendwie habe ich den da raufbekommen

Ja, ja, ja, ja es ist nicht alles Gold was glänzt. Nein, nein, nein, nein, es trügt oft nur der Schein. Ach Wencke. Ich habe heute Morgen weder vor, schöne Mädchen zu küssen noch auf rote Apfelbä_hä_ckchen reinzufallen. Ich will einfach nur diese Holz gewordene Metapher meiner eigenen Unzerstörbarkeit dort haben, wo ich lebe. In einem kleinen Garten, den ich von meinem Balkon aus sehen kann. Ohne den Ast abzusägen, auf dem ich sitze gelingt es mir tatsächlich, den Baum aufs Dach meines alten Daimlers zu wuchten. Lehmig ist er, und er verteilt sein Erdreich großzügig. Als das Dach sich bedenklich einbeult beschließe ich, dass die Idee noch nicht ausgereift ist und sprinte in die Garage, um ein wenig Unterfütterungsmaterial zu holen. Ein Bettlaken, ein altes Gummiboot (wenn auch kein knallrotes) und eine Spanplatte reichen für’s erste. Alles für diesen Baum. Aber Apfelbäume scheinen es wert zu sein, sogar Lessing hat darüber lüstern referiert: Johann und Hanne konnten kaum vor Liebesglut die Dämmerung erwarten und schlichen sich in ebendiesen Garten von ungefähr an ebendiesen Apfelbaum. Hans Steffen, der im Winkel oben saß und fleißig brach und aß, ward mäuschenstill vor Wartung böser Dinge, daß seine Näscherei ihm diesmal schlecht gelinge.Was lerne ich daraus, während ich die Spanngurte suche? Johann und Hanne suchen einen schattigen Platz zum Poppen, und Hans Steffen will lieber Äpfel klauen und futtern und scheint gar nicht so recht zu wissen, was er da unten eigentlich gerade beobachtet, der alte Spanner. Ah. Ja. Spanner. Spanngurte. Rot wie Äpfel.

BÄUME WAGEN

Dann hoffen wir mal auf KEINE Ordnungshüter

Ein Apfel am Tag, mit dem Doktor kein Plag. Super. Münzen wir diese Redensart um auf den Baum selbst, und ich kann es nicht bestätigen. Mein rechtes Handgelenk fühlt sich irgendwie ausgehakt an, mein rechter Arm scheint 10cm länger als vorher. Ich glaube, ich habe mich überhoben. Es ist schlicht nicht zu fassen, wie schwer das kleine Bäumchen ist. Der Lump. Auf dem Dach ist er nun, auch einigermaßen fachgerecht festgezurrt habe ich ihn. Mit zwei apfelroten Gurten. Alte Bäume biegt man nicht, aber der hier ist so stabil, da bin ich unbesorgt. Außerdem – krumme Bäume tragen auch Früchte. Ich bin jetzt nur ein ganz kleines bisschen nervös, weil ich noch nicht weiß, wie ich auf den vor mir liegenden 5 Kilometern einer eventuellen Polizeikontrolle das dramatische und fahnenlose Überhängen der Äste am Heck des dunkelblauen Daimlers erklären soll. Wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen, ist ein Wort, gesprochen zur rechten Zeit (2. Salom. Spruchsammlung 25.11) Aber statistisch gesehen ist die Chance, auf diesem kurzen Stück angehalten zu werden sehr gering. Ich wage es. Theodor Fontane bringt es auf den Punkt. O schüttle ab den schweren Traum und die lange Winterruh: Es wagt es der alte Apfelbaum, Herze, wag’s auch du.

BÄUME WAGEN

Highway to Hell

Zweimal halte ich am Straßenrand an, um zu gucken, ob auch alles okay ist :roll: Obwohl ich im Rückspiegel ziemlich gut die Krone sehen kann und eigentlich auch alles sicher ist, vor allem, seit sich einer der Hauptäste hinter dem Heckscheibenwischer verkantet hat. Oha. Jetzt fürchte ich um einen Ast, fast bricht er zusammen unter der Last.  Geschieht´s, werden lange Gesichter sie machen, manchmal muß leider erst etwas krachen. Da fallen mir mindestens drei Sünden meiner Sturm- und Drangzeit ein. Wo ich Autos nicht immer fachgerecht beladen habe. Erinnern Sie sich? Kombi – braucht man nicht wäre der Anfang von allem, und bei meinem Aldi 80habe ich es vielleicht wirklich übertrieben. Schlimm waren die 1.5 Tonnen Feldsteine im Audi V8… ach, heute bin ich doch gar nicht so schlecht davor. Und das MIT einem Kombi, werde ich etwa alt und spießig? :-) Nein. Vielleicht etwas vernünftiger. Auf der B404 skandiere ich aus gegebenem Anlass ein Kinderlied von Robert Reinick: Und wer kam nun gegangen? Es war der Wind, den kenn ich schon, der küßt nicht und der singt nicht, der pfeift aus einem andern Ton. Stimmt. Und zwar laut. Auch bei Robert ging es um einen Apfelbaum, allerdings stand der in einem Garten und lag nicht auf dem Dach eines Mercedes-Benz. Hui wie das pfeift. Und nun? Ich bin da. Heißa Kathreinerle.

BÄUME WAGEN

Ankunft ist ein bisschen wie sterben

Nun muss der Früchte tragende dicke Stock nur noch wieder runter vom Dach und durch den Flur nach hinten in den Garten, wo ich ein nennenswert großes Loch ausheben werde. Wissen Sie was? Ich bin kaputt. Ich kann nicht mehr. Mein rechtes Handgelenk pocht schmerzend, mein Auto guckt mich an als ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte und die Nachbarn hinter den Fenstern lachen sich einen Ast. Ich entwickel wirre Gedanken. Also – noch mehr als sonst. Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland hatte einen Birnbaum, der war bestimmt nicht so schwer und der stand da einfach in seinem Garten rum. Bäume sind ja nicht erfunden worden, damit man sie auf Autodächern durch Städte fährt. Außer zu Weihnachten. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich grabe. Und ich singe weiter vor mich hin, mal von roten Apfelbä_hä_ckchen und mal mit den Worten von Reinhard Mey, der sich so herrlich über die “Gartennazis” in seiner Nachbarschaft aufgeregt hat: Wenn alle Hoffnungen verdorr‘n, mit dir beginn‘ ich ganz von vorn. Und Unerreichbares erreichen, ja ich kann‘s! Du bist das Apfelbäumchen, das ich pflanz‘! Auch wenn der Großmeister des gelegentlichen Wind-nordost-startbahn-null-drei was anderes meinte – er spricht mir aus der Seele. Unerreichbares erreichen. Ja. Das ist ein paar mal gelungen im vergangenen Jahr.

BÄUME WAGEN

Steht. Wie ne Eins.

Das Loch ist wieder zu, der Baum steht und ist liebevoll angegossen. Mein rechtes Handgelenk ist vermutlich für immer zerstört, mein Fiskars Spaten um Jahre gealtert und meine dicken Gartenschuhe dem Ruhestand nahe. Kalter Januar 2015. Warum mache ich so einen Scheiß? Weil ich es will, und weil ich nicht ohne Apfelbaum sein möchte. Warum kaufe ich im Baumarkt nicht für 20 Euro einen anderen, kleinen Baum, der definitiv anwachsen wird? Weil es dieser Apfelbaum sein muss. Ein Apfel FAQ? Nein. Ich lasse einfach keine alten Freunde mehr im Stich. Und was wird das für ein Triumph, wenn die ersten Knospen an den Ästen aufblühen werden. Dann kann ich es mit den Worten von James Krüss beschreiben: Der Apfelbaum ist aufgeblüht. Der Winter ist vorbei. Mit Blütenduft und Meisenlied erscheint der junge Mai.

Sandmann

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Created Montag, 05. Januar 2015 Tags Absurdistan | Alltag im W210 | Apfelbaum | baum | Dachlast | Mercedes S210 | T-Modell | transport Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
22 Dec 2014
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Nur ein Garagentor

Nur ein Garagentor

Und wieder eine Zeitmaschine

Ein trüber Sonntag. Nicht ausgeschlafen, aber nach Kneipp Badesalzen duftend blinzel ich leicht melancholisch in genau diesen trüben Sonntag. Aus genau dem Fenster, in dem sitzend ich gestern Abend noch über leere Städte sinnierte. Heute geht es wirklich schon wieder zurück in die Gegenwart? Ja. Offensichtlich, aber es geht in Richtung Weihnachten. Und heute sollen wir noch ein paar Tiere sehen. Eine Ente, einen Löwen, ein Krokodil, eine Eule, ein Nashorn und eine Möwe. Und einen Hund. Leider keine Giraffe und keinen Marienkäfer. Nein, ich bin weder verwirrt noch betrunken noch ein metaphorisch textender Künstler. Wenn Sie wollen nehme ich Sie mit in den dritten und letzten Tag der kleinen Weihnachtsreise 2014 und erkläre Ihnen das mal :-)

Ein guter Tag….. beginnt… mit….. ich merke beim Schreiben, dass ich diesen Satz schon 42 mal benutzt habe :-) Aber wir frühstücken trotzdem gut.

Nur ein Garagentor

Die wichtigste Mahlzeit des Tages

Es fühlt sich komisch an, jetzt hier und heute zu frühstücken. Die Information, dass wir so ziemlich die wirklich allerletzten Gäste des Hotels Stadt Hamburg sind (bevor sich die Tore schließen) gibt dem Essen einen schalen Beigeschmack. Dabei ist doch alles so lecker. Der Kaffee ist heiß und duftig, die Brötchen frisch und knackig und die Eier innen noch ein gaaaanz kleines bisschen weich. Die Kühltruhen brummen zufrieden vor sich hin, hinter den kleinen Fenstern heben sich die Dächer von Uelzen vor dem grauen Himmel ab. Es ist alles so wie es sein soll, aber eben zum letzten Mal. Na gut. Darüber haben Sie ja schon in den Kommentaren der letzten Geschichte ausführlich philosophiert, das Leben geht weiter, und es wird Gründe geben, warum dieses Hotel schließt. Ich kann sie nicht erahnen. Ich finde es einfach nur sehr schade und werde andere Übernachtungsmöglichkeiten an den Schauplätzen meiner Kindheit ausloten müssen. Es ist noch recht früh, und mein gar nicht mehr so kleines Töchterchen und ich werden gleich noch mal eine kleine Runde durch die kleine Stadt stapfen. Frische Luft, wach werden, und Papa kann noch ein paar alte Geschichten rauskramen.

Nur ein Garagentor

Eine Stadt unter Wasser

Zwei Sachen sind für mich noch offen, bevor ich den alten Audi heute Mittag wieder in Richtung Norden lenken werde. Einmal über die “Nagelbrücke” beim Stadtpark laufen… und irgendwie… geht mir das Garagentor meines alten Mathelehrers nicht mehr aus dem Kopf. Na schauen wir mal. Der Audi steht dankenswerterweise immer noch direkt vor der Hoteltür in der wieder komplett entvölkerten Innenstadt von Uelzen. Und ich glaube nicht, dass die Leute alle nur demütig in irgendwelchen Kirchen verschwunden sind ;-)
Spazieren gehen. Ein schöner Begriff. Spazieren gehen bedeutet, einen Weg zurück zu legen. Nicht mit dem Ziel, möglichst schnell irgendwo anzukommen, sondern des Gehens wegen. Die frische Luft einatmen, Zeit haben und sich auf Ereignisse freuen, die danach kommen. Spazieren gehen. Großartig. Wir sind früher viel spazieren gegangen, und mindestens der Sonntagsspaziergang wurde immer sehr ausgedehnt. Opa hat eine Handelsgold Zigarre geraucht, ich habe wie ein Wasserfall die zuletzt gelesenen Micky Maus Geschichten meinen vermutlich gar nicht zuhörenden Eltern erzählt. Die waren nämlich grad damit beschäftigt, ihre Ehe aufzulösen. Im Dezember führten die spazieren gegangenen Runden gern mal in die Stadt, Schaufenster gucken. Der Weg ging über eben jene flache Fußgängerbrücke, die den Stadtpark überspannt. Ihre Bohlen waren mit rundköpfigen Nägeln oder Bolzen im Stahlgerüst verankert, und als ich alt genug war wollte ich die alle zählen. Alle Nägel auf meiner Nagelbrücke. Und ich habe mich auf den Abend gefreut, gemeinsam am Tisch sitzen, vielleicht noch Rommée spielen.

Nur ein Garagentor

Die Nagelbrücke.

Ich glaube, dass die Brücke eigentlich anders heißt. Und die dicken Rundkopfbolzen sind durch Torxschrauben ersetzt worden. Ich atme tief durch und bilde mir ein, dass es genau so riecht wie 1980. Und dass es nur hier in Uelzen so riecht. Mein Töchterchen philosophiert derweil über Häuser und Wohnungen, warum man in einer Kleinstadt gut leben könne und warum nicht auf dem Land. Was es wohl koste und wo sie später mal studieren möchte. All dies sind Gedanken einer 14jährigen, die mich ein bisschen beeindrucken. Mit 14 habe ich selbst mich damals gefragt, was ich wohl zu Weihnachten bekommen werde, wie ich an diese coolen Schmutzfänger für Fahrräder rankomme, was im nächste YPS drin sein wird und was wohl aus Iris Tanz geworden ist. Wegen Immobilien und Zukunftsaussichten bemühte ich keine einzige Synapse. Vielleicht war das ganz gut so, vielleicht hatte ich als Kind in diesen Zeiten schon genug Gewichte auf den Schultern. Ich weiß es nicht. Ich weiß auch 30 Jahre später nicht, was aus Iris Tanz geworden ist. Den Rest konnte ich klären.
Papa und Tochter gehen spazieren und biegen ab in Richtung Ratsteich. Hier auf dem kleinen Stück Asphalt habe ich damals meinen ferngesteuerten Mazda RX7 mit Klappscheinwerfern zum ersten mal ausgepackt und gefahren, weil ich nicht bis zu Hause warten konnte. Dinge, auf die ich mich gefreut habe. Am Ratsteich selbst habe ich mit Opa am Wochenende Enten gefüttert. Mit hartem, trockenem Mischbrot, was ich auch selbst eigentlich ziemlich lecker fand. Wenn man das heute macht hat man sofort eine Klage vom Tierschutzverband am Hals.

Nur ein Garagentor

Hallo und tschüß. Bis zum nächsten Jahr.

Irgendwie mag ich es ja hier. Ich bin ganz froh, nicht mehr in Niedersachsen zu wohnen, aber ich komme immer wieder gern hier her. Uelzen hat gerade so eine Größe, dass man den Überblick behalten kann. Überblick bekommt einen ziemlich großen Stellenwert für den jungen Mann ab 40. Wer schon mal in Berlin gelebt hat weiß, dass eine Stadt einen auch fressen kann. Das wird hier vermutlich nicht passieren. Im Frühling komme ich noch mal wieder, ich habe noch ein paar Ecken offen, die ich gerne anschauen möchte. Das mache ich dann am besten mal alleine, zu viel “Geschichten aus dem Krieg” will ich meinem sehr geduldigen Töchterchen auch nicht zumuten. Die klagt inzwischen über kalte Füße, weil sie ihre Socken so tief in den Koffer im Kofferraum gepackt hat, dass sie jetzt nicht mehr rangekommen und barfuß in ihren Stiefeln losgelaufen ist. Ach Kind. Ich kann ja grundsätzlich nur mit Ringelsocken dienen, aber selbst die nimmt sie dankend an. Okay. Dann sind wir heute wohl mal Socken-Homies :-) Während sie sich die frischen Ringels hinterm Kofferraum wie bei einem Drogengeschäft auf einem windigen Parkplatz aneignet atme ich noch einmal tief durch. Der Wind weht den Rauch aus dem Schornstein der Zuckerfabrik direkt hier her. Das -> ist meine Droge. Dieser Geruch tritt so viele Bilder los, dass ich hier ganz schnell weg muss.

Nur ein Garagentor

Der legendäre Sockentausch von 2014

Hatten wir nicht beschlossen, so wenig Dates wie möglich auf dieser kleinen Reise wahrzunehmen, um endlich mal zur Ruhe zu kommen? Ach komm, einer geht noch. Als ich gerade den Türgriff in der Hand habe ruft Markus an und lädt uns noch zu einem schnellen Kaffee in sein Häuschen ein, an dem seit einem Jahr gebaut wird. Neugierig, wie wir sind wollen wir uns das noch mal angucken, es liegt außerdem auf dem Weg rüber nach Oldenstadt (wo vielleicht noch dieses Garagentor mit den Tieren zu finden ist) und bei Kaffee kann ich ja nie nein sagen. Also hin da, zu meinem Patenkind, zu dem alten Freund aus Kindertagen und zu seiner lieben Frau Gemahlin. Der erste, der uns begrüßt ist im Gesicht ähnlich zugewachsen wir ich, am Rest des Körpers noch mehr und ziemlich quirlig drauf. Uiiiiiiiiii :-) ein kleiner Cocker Spaniel. Die Familie hat Nachwuchs bekommen! Und die Socken-Homies einen Fußwärmer vorm Kamin. Ich hasse Katzenbilder auf Facebook, aber generell bin ich ja dem maunzenden und bellenden Fellzeug gegenüber sehr offen.

Nur ein Garagentor

Nachwuchs bei Markus

Viel Bewegung. Das ging nicht besser, sorry. Aber es war eine gute Idee, nach dem Spaziergang hier noch ein bisschen Wärme und Kaffee zu tanken. Ich gucke mir immer so gern an, wie andere Leute wohnen. Ich finde das total spannend. Dabei geht es mir gar nicht um Vergleiche, ob was besser oder schlechter ist. Ich fühle mich nur so gern in die Lebensgeschichten der mich umgebenden Menschen ein, und ein Wohnzimmer ist ja mindestens ein Ausdruck für irgendwas. Wo für auch immer, ich bin ja kein Psychologe. Aber das Markus’sche und Tina’sche Wohnzimmer ist gemütlich, warm und sehr geschmackvoll eingerichtet. Doof, dass wir weiter müssen. Hier könnte ich das noch ein bisschen aushalten. Der Kaffee ist lecker, im Ofen brutzelt das Kasseler und verbreitet einen typisch leckeren Sonntagsgeruch (definitiv auch aus objektiver Sicht besser als die Abgase der Zuckerfabrik) und der quirlige kleine Hund zerlegt gewissenhaft das gesamte Interieur. Gniiihihi. Okay, aber eine kleine Aufgabe haben wir noch. Ein Garagentor finden. Hund versucht, das durch Fußraumbesetzung zu verhindern.

Nur ein Garagentor

Ob es hier einfach besser riecht als im Bora?

Und wieder ein Argument für ein altes Auto. Markus fährt Bora. Da scheint sich Wauwi nicht so wohl drin zu fühlen wie in dem alten Dottore. Vielleicht liegt das an den ganzen vielen verschiedenen Gerüchen in meiner alten Kiste? Hunde sind da ja noch viel sensibler als ein kleiner Sandmann. Hm. Mit Liebe oder sanfter Gewalt ist er da nicht rauszubekommen, wohl aber mit einem Leckerli. Sehr berechenbar, der Kleine. Ich mag ihn :-) Markus und ich, genau wie gestern Olaf und ich beschließen wieder einmal mehr, dass wir uns öfter sehen müssen. Weil es immer wieder so gut tut. Und zum ersten mal seit Jahren habe ich Hoffnung, dass es vielleicht sogar klappen könnte. Wir arbeiten daran.
*klick*
Sie erinnern sich? Irgendwo mitten drin im ersten Teilwollte ich noch ein bemaltes Garagentor angucken, habe mich aber zugunsten eines Gitarrenerwerbs dagegen entschieden, obwohl ich schon ganz in der Nähe war…  Schon wieder rollt das 37 Jahre alte Auto durch die noch viel älteren Straßen von Oldenstadt bei Uelzen. Hier hat er irgendwo gewohnt, Norbert, mein damaliger Mathelehrer. Mein Papa hat noch viele Jahre später zusammen mit ihm Volleyball gespielt. Ich erinnere mich an Spaziergänge in den Wald nebenan, auf deren Rückwegen wir immer an den beiden Garagentoren vorbei gelaufen sind. Weil da bunte Tiere drauf gemalt waren. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Giraffe, die zu groß für das Tor war. Er hat sie trotzdem raufgemalt und den Kopf oben aus Pappmache aus dem Garagendach herausragen lassen. Großartig. Dann war da noch ein Krokodil, das fand ich immer komisch weil das auf dem Kopf stand. Und ein klitzekleiner Marienkäfer. Winzig klein, wie Marienkäfer nun mal so sind. Ich bin immer zum Tor hingelaufen und habe mir so lange die Nase dran plattgedrückt, bis ich den gefunden hatte. Ich will dieses Tor sehen. Gleichwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass so etwas 30 oder 40 Jahre Bestand haben soll….
Doch. Hat es. Zumindest teilweise.

Nur ein Garagentor

Anders. Aber noch da.

Der Mann war googelbar, und auch wenn ich das alles hier völlig anders in Erinnerung hatte – ein Teil des Tores ist noch immer da :-) Nicht mehr das mit der Giraffe, das war wohl rechts. Und den Marienkäfer finde ich auch nicht mehr, ich will mir allerdings heute auch nicht so doll die Nase plattdrücken, wie ich das Ende der 70er gemacht habe. Die Nachbarn könnten nervös werden. *hach* Und fehlt inzwischen leider die Zeit, mal zu klingeln und zu fragen. Außerdem weiß ich auch gar nicht, ob man mir hier wohlgesonnen ist? Schließlich ist das alles schon über 30 Jahre her, und inzwischen ist eine Menge Wasser die Ilmenau runtergeflossen. Aber ich habe Norbert, meinen Mathelehrer und damaligen Freund meiner Eltern als lustigen, wortgewandten Mann in Erinnerung. Hm. Ich werde ihn heute Abend mal anrufen, unbedingt.
Ich verneige mich in Gedanken vor dem Krokodil, das noch immer oben am Garagendach hängt und noch immer irgendwie ein bisschen seltsam aussieht. Schon wieder springt mich ein komisches Gefühl an. Da spielt Dankbarkeit mit rein, Dankbarkeit dafür, dass ein paar Konstanten aus der Vergangenheit noch immer Bestand haben, während das Leben unaufhaltsam und hektisch weitergeht. Und dann ist da noch die Erkenntnis, unvermeidbar älter zu werden. Bisher sind doch immer nur die anderen älter geworden, und ich nicht? Na ja, vielleicht ein ganz kleines bisschen. Aber wenn nur ich als einziger nicht älter werde, warum verschwinden dann nach und nach die letzten Zeugen meiner Kindheit? Darüber muss ich mal nachdenken. Dieses Garagentor steht für mich symbolisch für eine ganze Reihe von Erkenntnissen. Es ist noch da, aber anders. Es geht immer weiter. Und jetzt ruft die Autobahn, der Roadmovie geht in die letzte Runde.

Nur ein Garagentor

Heimwärts Highways

So ein altes Auto kann ja auch eine Konstante sein. Und haben Sie keine Sorge – das geht jetzt hier im neuen Jahr nicht permanent melancholisch weiter ;-) Es ist diese Zeit um Weihnachten rum, es ist diese Stadt und meine Kindheit – und es sind die vergangenen drei Jahre, die mir viele viele Gedanken durch den Kopf treiben. An einigen lasse ich Sie teilhaben und glaube, hier und da verstanden zu werden. Die anderen behalte ich für mich. Manchmal verpacke ich sie in Lieder. Aber wer bekommt die denn schon zu hören…
Wir schmurgeln mit dem frisch überholten 2-Liter-Vierzylinder über die Autobahn zwischen Lüneburg und Hamburg. Keine Neuwagentester, keine wohlhabenden Lifestyle-Reisenden auf einer gesponserten Fototour zu den It-Places der Republik und keine gut bezahlten Journalisten, die hochpreisige Design-Ikonen in Richtung Werbeagentur chauffieren. Nur ein Papa und seine Tochter in einem alten Audi 100, der keine 1000 Euro mehr wert ist. Innen blau und braun, außen silber mit schwarzem Vinyldach. Niemand bezahlt uns Geld für unsere kleine Reise, vielleicht macht das es gerade für mich einfacher, meine Gedanken runterzuschreiben. Weil ich niemandem Rechenschaft schuldig bin und kein adleräugiges Lektorat die Wörter kürzt. Krass, womit ich Sie und euch hier zutexte, als mir das klar wird bekommt mein Blick so einen leicht irres, aber zufriedenes Leuchten…

Nur ein Garagentor

Badezeit vorbei, ab in Richtung Weihnachten

Socken-Homies auf dem Heimweg nach Weihnachten. Ein jeder in seine Stadt. Meine beiden hübschen großen Töchter fahren in diesem Jahr mit ihrer Mutter und dem Hund nach Dänemark und strecken die Füße hoffentlich vor einem gemütlichen Kaminfeuer aus. Also wird es auf der deutschen Seite der Grenze ein klassisches kleines Weihnachtsfest mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona und dem viertelfinnischen Sandmädchen in Kiel. Der kleine Frosch wird in diesem Jahr zum ersten mal verstehen, dass irgendwas besonderes stattfindet. Mit einem Baum und Lichtern drauf, mit einem Krippenspiel in der Kirche und kleinen, bespielbaren Geschenken am Abend. Ihre Augen werden leuchten, und sie wird Mama und Papa mit Urvertrauen angucken und später glücklich einschlafen. Genau das… werden wir als ihre Eltern nicht verkacken. Und wenn sie selbst eines Tages vielleicht zu den Plätzen ihrer Kindheit zurück fahren wird, dann hoffentlich weil sie sich gern an die Zeit zurück erinnert und die Gedanken sie mit einem wohligen Gefühl der Geborgenheit erfüllen. Und nicht, weil sie versucht, durch solche Reisen etwas wiederzufinden. Etwas, was man nirgends mehr entdecken wird, weil es schon vor Jahrzehnten für immer verloren gegangen ist.

Sandmann

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17 Dec 2014
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Abgesang an ein Licht

Nie wieder so hell

Nie wieder so hell

Haben Sie schon einmal nach oben geguckt und in dem Moment gefühlt, dass alles gut wird? Weil es da oben immer weiter geht, angeblich endlos? Oder weil da oben Engel sind? Oder einfach nur, weil da oben nicht viel ist, über das man traurig sein könnte? Die Dunkelheit über Uelzen, dieser alten, für die meisten Menschen auf diesem Planeten relativ bedeutungslosen Stadt im Schatten der Zuckerfabrik wird im Dezember erhellt durch lange Lichterketten. Seit ich denken kann. Der Abend mitten in meiner Kindheit, an der Seite meines großen Töchterchens, beginnt genau so. Ich gucke nach oben und fühle, dass alles gut werden wird. Weil es weiter geht, weil wir Engel sehen werden und weil Traurigkeit vielleicht auch einfach dazu gehört. Der Audi 100 ist geparkt. Wir suchen das Licht, die Engel, Freunde und noch ein paar andere Sachen. Vieles davon finden wir. Einiges zum allerletzten Mal.

Ich mag ja gelb. Und ganz besonders gelbes Licht.

Abgesang an ein Licht

das könnte ich heute noch oft knipsen…

Der Dottore LS hat französisches gelbes Abblendlicht. Besonders scharfe Konturen im Nebel, weniger Ermüdung der Augen bei Nacht. Leider auch ein bisschen funzeliger im Dunkeln, was auf dem Hinweg bei strömendem Regen (Sie erinnern sich?) nicht immer für Klarheit darüber gesorgt hat, ob man sich denn überhaupt noch auf der Straße befindet oder schon den Acker umpflügt. Aber irgendwas ist ja immer. Ich mag es trotzdem. Es harmoniert wundervoll mit den gelb/orange schimmernden Gaslaternen in der Uelzener Innenstadt und dem warmen, gelb/weißen Licht der Weihnachtsbeleuchtung. Da haben die Städteplaner einmal Herz und Geschmack bewiesen, vor allem bei der Entscheidung, die uralten stromfressenden Weihnachtslämpchen nicht durch kalte, seelenlose LEDs zu ersetzen. Auch unser Hotel ist weihnachtlich-warm erleuchtet, aus dem Restaurant unten drin duftet es nach Pizza und Gebratenem, und fröhliche Stimmen und Geschirrgeklapper dringen auf die Straße. 200 Meter weiter links, auf der Kreuzung, hören wir laute Aaaaaahs und Ooooohs. Hier sind erstaunlich viele Menschen versammelt, um dem Öffnen eines weiteren Türchens am Uelzener Adventskalender beizuwohnen.

Abgesang an ein Licht

plötzlich sind alle da!

Es ist für uns eine Zeit angekommen ♫ Jedes Fenster am frisch renovierten Rathaus ist ein Kalendertürchen, hinter jedem verbirgt sich ein kleines Kunstwerk und ein Märchen, das dann vorgelesen wird. Traditionell spielt vorher ein Horst Schulz auf seiner Trompete drei Weihnachtslieder in den stillen dunklen Abendhimmel. Verdammt. Ich komme nicht drumrum, das echt schön zu finden, und mich springt eine wundervolle Weihnachtsmelancholie an. Die vielen Menschen, der Duft von Glühwein und Burgunderschinkenbrötchen und die klassischen Lieder, die heute fast niemand mehr singt. Die aber Weihnachten zu genau dem machen, was Weihnachten bedeutete, als man noch ein Kind war. Wie machen das die Digital Natives von 2014 später mit ihren Kindern, geben die denen eine App mit Tannenzweigen und Touch-Screen Kerzen, die den Kleinen dann ab Level 24 einen youtube-Link auf “Last Christmas” von Wham einblendet? Genug gegrantelt. Ich sehe drei Engel, die in langen Gewändern mit nichts drunter zwei Leitern erklimmen. Ganz kurz fällt mir ein, wie ich in einem Sommer vor vielen Jahren nachts eine Leiter an das Fenster von Silke gestellt und dort vergessen habe – und am kommenden Morgen von ihrem Vater mit fünf Salven aus seiner Schrotflinte in den Kirschbaum über meinem Zelt geweckt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Psssst. Ruhe jetzt.

Abgesang an ein Licht

So werden Heideköniginnen geboren

Es ist ein Ros’ entsprungen aus einer Wurzel zart. Die drei schönen Engel enthüllen das Märchen Hänsel und Gretel, symbolisiert durch ein Bild der Künstlerin Brigitte Jerosch-Dürfeldt. Das habe ich googeln müssen, denn die Ansprache und mögliche Notizen zum Geschehen gehen in unserem akuten Glühweinbedarf unter. In Tassen und Gläsern erwerbe ich mehr warme Substanzen als ich tragen kann, teils echt deftig eiweißhaltig und sahnig, teils auch für Anwesende unter 16 Jahren geeignet. Es ist wirklich voll auf dieser Kreuzung, das finde ich jedes Jahr wieder erstaunlich. Nicht, weil der Anlass es nicht wert gewesen wäre, sondern weil ich keinen Schimmer habe, wo alle diese Menschen den ganzen Tag über waren? Bis 16:00 Uhr war das hier noch eine Geisterstadt, trockene Büsche wehten durch die leeren Straßen und irgendwo spielte jemand auf einer Mundharmonika. Und jetzt stehen hier ein paar 100 große und kleine Menschen und hören zu, wie zwei kleine Kinder von einer unsympathischen weiblichen Person gegessen werden sollen. Prost.

Abgesang an ein Licht

Punschige Weihnacht mit und ohne

Die üblichen Verdächtigen. Später soll auch noch Markus mit Familie dazustoßen, dann sind wir wieder vollzählig. Und obwohl es so wundervolle Geschichten zu hören gibt, von den beiden Kindern, die sich im Wald verlaufen haben und an einem Pfefferkuchenhaus rumknabbern durften will neben dem Glühwein kein so richtiger Hunger auf Wurst oder Burgunderschinken aufkommen. Vielleicht hängt das auch mit den lange anhaltenden Nachwirkungen des niedersächsischen Pomm Döners aus dem ersten Teil zusammen. Ich persönlich bin in diesem Moment sehr glücklich darüber, dass mein bequemes Bett keine 200 Meter von hier steht und dass ich (glaube ich) auch noch vier Tüten duftende Badezusätze eingepackt habe. Meine Füße frieren ein wenig, wie in jedem Jahr stehen die warmen Winterstiefel frisch geputzt im Schuhschrank in Kiel. *burps* genug Glühwein, so langsam. Aber so ein kleiner Spieß mit Schoko-Erdbeeren geht eigentlich immer…

Abgesang an ein Licht

Abendessen kann auch mal anders ausfallen

Haben Sie damals in der Schulband Musik gemacht? Oder gar in einer Band außerhalb der Schule, mit der Sie dann manchmal im Jugendzentrum oder auf Schulfesten supercool aufgetreten sind? Ich wünsche jedem einzelnen, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Zwischen Anerkennung mit singenden und applaudierenden Hundertschaften und Ignoranz mit leeren Säälen liegen nur wenige Schritte, und beides prägt irgendwie. Ich muss an meine Bandzeiten Ende der 80er denken. Gitarre und Gesang, dazu hatte wir einen Leadgitarristen (Freddy), einen Bassisten (Olaf, aber ein anderer Olaf), einen Keyboarder (Holmer) und einen Drummer (Sören). Ich glaube so richtig gut klang das nicht, aber es hat heftig Spaß gemacht und ab und an haben wirklich viele Menschen vor teils echt großen Bühnen mit uns gefeiert. Ich habe noch ein paar Tapes von den Konzerten. Vielleicht traue ich mich irgendwann, die mal wieder zu hören :-) Die Band neben der Eisbahn geht gut ab, die Damen und Herren sind noch alle minderjährig und haben einen ziemlich guten Groove. Einzig die Stimmen der Sängerinnen sind ein bisschen dünn, Dieter Bohlen hätte Grund zur Lästerei, aber wer ist Dieter Bohlen? Irgendwie bin ich beruhigt, dass es noch immer Teenager gibt, die Musik machen.

Abgesang an ein Licht

Ich erkenne mich wieder…

Das Offizium neigt sich dem Ende entgegen. Meine kalten Füße auch. Am Rand des diesmal recht kleinen Weihnachtsmarktes stehen seit den 60er Jahren der bronzene Kaufmann und der Uhlenköper und erzählen immer und immer wieder die Geschichte des nuschelnden Bauern, der in seinem Sack “Baarftgaans” (Barfußgänger) hatte und sie an einen klugen Kaufmann verschacherte, der nicht richtig hinhörte und glaubte, er würde teure “Barkhahns” (Birkhähne) erwerben. Die sich dann später als ungelogen barfuß gehende Eulen erwiesen, was der herbeigerufene Richter ziemlich lustig fand und den Bauern freisprach. Daraus ergaben sich einige Kollateralschäden. Den Uelzenern wird seit dem nachgesagt, sie würden gern Eulen kaufen, was ich bei dem reichhaltigen Angebot an allerlei Utensilien für vorwiegend ältere Menschen in den zumeist geschlossenen Geschäften heute nicht mehr nachvollziehen kann. Aber überall findet sich Eulengetier in Bild und Form, das wiederum ist süß, ich mag Eulen an sich ja lieber als Birkhähne. Und – die Münze.

Abgesang an ein Licht

Drei Wünsche frei? Einer reicht.

Mein Töchterchen und ich tun es tausenden von anderen Menschen gleich und reiben daran. Was ich erst eben gerade, als ich das Jahr der Errichtung des Denkmals im Netz nachschlug erfahren habe: Man muss mit der einen Hand die Münze reiben und mit der anderen ein wenig Kleingeld in der Tasche klimpern lassen. Das bedeutet immerwährenden Reichtum. Verdammt :roll: Warum erfahre ich das erst jetzt? Wir haben immer dran gerieben und uns dabei leise etwas gewünscht. War das falsch…? Äh… jedenfalls erklärt es, warum die Kohle in den letzten Jahren nie gereicht hat. Eine falsche Bedienung des Uhlenköperdenkmals war Schuld daran! Alles klar. Somit wäre dieses Rätsel auch gelöst, wenn ich das nächste mal in der Nähe bin habe ich klimperndes Kleingeld in der Tasche.

Abgesang an ein Licht

Da ist schon so viel gewünscht worden

All diese Bräuche, all diese Hoffnungen, all diese Sehnsüchte. Was die Menschen in den letzten 50 Jahren wohl alles beschäftigt hat, als sie an dieser Münze rieben? Sie war schon da und schon blank, als ich noch gar nicht geboren war. Sie war da, als meine eigene kleine Geschichte in dieser Stadt stattfand, ein kleines Leben mit Fröhlichkeit und Kummer, an das sich in ein paar Jahren niemand mehr erinnern wird. Sie war da, als ich wegzog und als ich erwachsen wurde. Tag und Nacht standen die beiden Männer vor der Kirche und tätigten dieses Geschäft mit den Eulen. Die Münze war da, als die Kaufhäuser schlossen, als die traditionsreichen Spielwarenläden vor der Macht des Internets kapitulierten und die Inhaber von Bekleidungsgeschäften keinen so gutes kaufmännisches Gespür bewiesen wie dieser schlaue Bauer. Und ihre Läden schlossen. Ein Licht nach dem anderen ging aus in dieser Stadt, und die blanke Kupfermünze war bei jedem dabei. Olaf erzählt, dass die hängende, warm-gelbe weihnachtliche Beleuchtung nun auch in die Jahre gekommen sei und zum letzten mal erstrahle. Sie werde ersetzt durch preiswertere, pflegeleichte LED-Sterne, die auf einer der drei kreuzenden Straßen schon zum Einsatz kommen. :shock: Was??

Abgesang an ein Licht

Ein letztes mal unter den Lichtern?

Eine weitere, schöne Erinnerung aus meiner Kindheit verschwindet also. Selbst mein Töchterchen, die ansonsten eigentlich auf alles Helle und Neue mit Glitzi und Blinki und LED steht sagt, dass doch aber genau DIESE Beleuchtung das Weihnachtsfest hier ausmache, denn nur hier sei die so. In keiner anderen Stadt haben wir jemals diese hängenden Tore aus Lichtern gesehen. Aber wer fragt uns schon? Die Stadt muss sparen, die Kosten für die Instandhaltung der antiken Lampen und ihre aufwändige Anbringung an den Fassaden verschlinge zu viel Geld, deshalb habe man eine Tombola ins Leben gerufen, mit deren Hilfe die neuen, hellen LED-Lichterketten finanziert werden sollen. Mannmannmann :-( Aus florierendem Einzelhandel werden Backshops und 1-Euro-Bazare, Kaufhäuser verfallen zu dunklen Ruinen und aus warmen, Trost spendenden Lichtermeeren wird ein kaltweißer Sternenkrampf. Die Münze des Uhlenköpers ist noch immer dabei. Tag und Nacht, Sommer wie Winter. Vielleicht sollten ein paar der Einheimischen öfter mal an ihr reiben und das nicht nur den Touristen überlassen.

Abgesang an ein Licht

Gute Nacht Freunde

In the Mood ♫ Heute Abend versacken die Freunde mal nicht weintrinkend auf den Ledersesseln im Hotelflur, heute fahren Olaf und Markus mit ihren Ladies brav nach Hause. Dieser Abend gehört meinem Töchterchen und mir, wir haben uns in den vergangenen Monaten aus verschiedenen Gründen zu wenig einander gewidmet. Die Aussicht auf ein großes Hotelzimmer, eine Badewanne, eine neue Gitarre und ein Laptop voller guter Filme schürt die Erwartung an einen entspannten Papa-Tochter Abend. Gleichwohl ich schon wieder denke, dass es schade ist, wenn wir alten Freunde uns immer nur vor Weihnachten sehen. Es gibt so viel zu erzählen, es gibt so viele verschiedene Lebensmodelle anzugucken und anzufühlen und es gibt so viele Erfahrungen und Geschichten auszutauschen – wenn ich es geschafft habe, die ungebetenen Dämonen endgültig aus meinem Leben zu vertreiben bleibt bestimmt auch wieder Zeit dafür, Freundschaften zu pflegen. Denn es tut sooooo gut….
Bevor Tochter & Papa auf dem Hotelzimmer versacken will ich noch eine weitere Nachricht, die im Zusammenhang mit dem Lichtwechsel am Uelzener Weihnachtshimmel an mich rangetragen wurde, bestätigt sehen. Tatsächlich. Chocolata ist nicht mehr. Noch ein alteingesessenes Geschäft weniger, und dazu noch eins, wie es schöner nicht sein konnte. Randvoll mit Süßigkeiten, Schokolade und Naschkrams.

Abgesang an ein Licht

Wieder eins weniger

Die gute Nachricht hinter der schlechten Nachricht: Doch, die sind noch da, gleich um die Ecke sogar, nur ein bisschen kleiner :-) Gottseidank. Trotzdem ist für mich eine weitere immer dagewesene Konstante weggebrochen. Hier habe ich schon als Teenager heftig schäumendes Brausepulver und Schokoladenautos in rauen Mengen gekauft. Hm. Was kommt heute noch? Auf dem Bild habe ich das alte, hell beleuchtete Schaufenster schemenhaft in die dunkle, abgeklebte Realität reingeschummelt. Wie bunt und schön es mal aussah sehen Sie als Aufmacherbild HIER in einer vergangenen Uelzengeschichte. Okay. Ich finde es reicht. Genug schließende Dinge für heute, genug neu gestaltete Beleuchtungen, ich will jetzt endlich in die Badewanne. Im Hier und Jetzt, mit Badesalzen von 2014 und einem Glas Rotwein, das nicht älter als ein oder zwei Jahre ist. Ab in den ersten Stock, Zimmer zur Straße.

Abgesang an ein Licht

Erhabene Stufen in den ersten Stock

Es wurde nicht ganz ohne Erfolg renoviert, das Hotel Stadt Hamburg. Es heißt nun auch COMFORT Hotel Stadt Hamburg. Die Bewertungen im Internet bemängeln vor allem die alten Badezimmer und loben vor allem die kostenlose Mineralwasser-Flatrate. Ich bin extrem anspruchslos, was Hotelzimmer betrifft. Wenn sie sauber sind und das Bett bequem ist bin ich zufrieden. Umso mehr überrascht es mich, wenn ein Zimmer wie hier nicht nur geräumig ist und hohe Decken hat, sondern auch durchaus geschmackvoll farblich kombiniert und eingerichtet ist. Warme, gedeckte Farben, endlich mal keine Wände in Abricot Wischtechnik und Sessel in blauem Post-90er DDR-Wiederaufbau-Muster. Braun, grau, weiß und ein einzelnes Bild mit einer Rose. Mag ich. Töchterchens Gitarre liegt auf dem Bett, als wenn sich Justin Currie hier grad vor einem Auftritt entspannt hätte. Ach nee, der spielt glaube ich Bass…. egal.

Abgesang an ein Licht

Erstaunlich geschmackvoll

Die bewertenden Gäste hatten Recht – das Badezimmer ist alt. Na und? Es hat eine große Badewanne und einen Wasserhahn, aus dem rauschende Mengen an wirklich sehr heißem Wasser rauskommen. Ich bade für mein Leben gern. Eine Badewanne ist für mich der kleine Luxus am Ende eines langen Tages, der Beginn eines langen Wochenendes oder der Triumph über die ersten 12 Jahre meines Lebens, in denen es keine Badewanne gab. Ich badete als Kind in der Duschwanne mit Stöpsel drin, das war okay und auch schön warm und schaumig, aber irgendwann einfach zu klein und zu flach. Ich kippe Lavendel und andere Kneipp Salze in den Bottich mit langsam steigendem Pegel und bin ein bisschen belustigt über die erstaunliche Schaumbildung des Gebräus. Super :-D Das Wasser ist SO heiß, dass ich noch reichlich kaltes nachlassen muss, und als ich mich seufzend und quiekend reinlege steigt der Wasserspiegel fast bis zum Rand. Was für ein einfacher, aber sehr wirksamer Wohlstand. Ich beginne, die alten Römer zu verstehen und nippe an einem viele 1000 Jahre alten Getränk, aus Ermangelung eines Glases nur in einem Zahnputzbecher dekantiert. Aber alles ist besser, als Wein aus der Flasche zu trinken.

Abgesang an ein Licht

Die Wanne ist voll!

Haben Sie schon einmal…… Nein, haben Sie nicht. Immer diese Fragen. Selbstverständlich haben Sie noch nie in einer kochend heißen Badewanne mit viel Schaum in einem alten Hotel in Uelzen gelegen und Wein getrunken, während Ihre Tochter nebenan auf ihrer neuen Gitarre “Glycerine” von Bush gespielt und gesungen hat, oder? Es sind diese kleinen Momente, bei denen man sich wünscht, sie mögen niemals vorbei sein.
Der Tag war schön. Der Abend war schön, die Musik, der Film, jede einzelne Minute war die kleine Reise wert. Mein Töchterchen schläft inzwischen auf ihrer Seite des riesigen Doppelbetts zufrieden und voller Urvertrauen in die Menschen, die für sie da sind. Bis sie irgendwann selbst für sich verantwortlich ist und das Leben nach und nach seine Stolpersteine wirft und seine Fallen aufstellt. Und alles, ALLES lässt sich irgendwie ertragen. Ich sitze in dem offenen Doppelfenster zur Straße und lasse die kalte Dezemberluft ins Zimmer. Die Stadt ist ebenfalls schlafen gegangen. Es ist kein einziger Mensch mehr draußen, nur der Uhlenköper und der Bauer tauschen neben der Kirche ihre ewige Münze. An der man so schön reiben kann. Die Glocken der Marienkirche bimmeln jede Viertelstunde leise und jede volle Stunde etwas lauter, so wie sie das schon immer gemacht haben.

Abgesang an ein Licht

Zimmer mit Aussicht

Heute Abend bin ich mit mir und der Welt da draußen im Reinen.
Was schon irgendwie erstaunt, denn die freundliche Dame an der Rezeption sagte vorhin ein paar Sätze, die zwar nahtlos in den Gang der Dinge passen, die aber eigentlich wieder einmal traurig stimmen müssten. Das altehrwürdige Hotel Stadt Hamburg mit seinen schönen modernisierten Zimmern, seiner Mineralwasserflatrate und seinen großen Badewannen schließt überraschend in ein paar Tagen. Endgültig. Wir sind quasi die letzten Gäste. Ich könnte jetzt erneut voller Pathos anfangen, die alte “alles ist vorbei” Platte aufzulegen und episch meine Traurigkeit darüber ausdrücken, dass gute alte Institutionen “von damals” verblassen und verschwinden. Weil sie unwirtschaftlich geworden sind, weil sie zu viel Strom verbrauchen oder was auch immer. Aber ich bin müde. Müde von einem schönen, realen Tag mit tatsächlich existierenden Freunden. Aber auch müde von der Oberflächlichkeit dieser Tage, von Geiz-ist-geil und von der Virtualisierung des Miteinander. Vorhin habe ich nach oben geguckt und gefühlt, dass alles gut wird. Der malzige Duft der Zuckerfabrik weht rüber.

Abgesang an ein Licht

Gute Nacht Uelzen.

Die Lichterstäbe der alten Weihnachtsbeleuchtung tauchen die Straße in ein warmes, beruhigendes Licht. Gott bin ich froh, dass ich kein Los bei dieser Tombola gekauft habe! Gegenüber blinzelt tot und dunkel der verglaste Dreigiebel der Kaufhalle, ehemals ein brummender und heller Konsumtempel. Krass, hier geht so viel den Bach runter. Aber es kommt immer etwas Neues, manchmal ist das billig und erneut zum Scheitern verurteilt, manchmal ist das auch eine Chance. Meine Tochter fragte sich (und mich) kurz vorm Einschlafen, wie wohl in 20 Jahren die Innenstädte aussehen werden. Ob es da noch Geschäfte gebe, oder ob dann alles anders sei. Wissen Sie was? Ich habe keine Ahnung. Aber ich habe ein kleines Stück meiner eigenen Vergangenheit noch einmal erleben dürfen, bevor es für immer zu den Akten gelegt und vergessen wird. Ich habe Engel gesehen und an einer Münze gerieben. Ich habe Freunde getroffen und gute, handgemachte Musik gehört. Ich habe gebadet und wertvolle Zeit mit meiner Tochter verbracht.
Und morgen ist ein neuer Tag!

Sandmann

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15 Dec 2014
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Gitarren und Eulen

Gitarren und Eulen

Nicht schön – aber Heimat

Was wollen wir eigentlich in diesem Nest?
Wenige Geschichten und Legenden ranken sich um die Stadt Uelzen in der Lüneburger Heide. Schlagwörter wie Barftgaans oder Hundertwasser ziehen durch die Tageszeitungen und überpinseln bunt die graue Wahrheit einer überalterten Stadt, an der die Zeit vorbeigezogen ist. Die City entvölkert sich, kleine Geschäfte singen den Blues der schönen Nachbarin Lüneburg und sterben einsam mit dunklen, leeren Schaufenstern. Ich bin hier aufgewachsen. Der malzige Geruch der potthässlichen Zuckerfabrik hat die ersten 12 Jahre meines Lebens geprägt. Heute fahren mein Töchterchen und ich zurück in die strukturschwache Flächenregion, denn es ist bald Weihnachten. Und man mag von Uelzen halten was man will – es hat für mich den Zauber der Kindheit, und hier wohnen ein paar Menschen mit sehr großen Herzen. Außerdem gibt’s im Dezember abends um 18:00 Uhr immer leicht bekleidete junge Engel zu sehen. Und ein Hotelzimmer mit Badewanne. Kommen Sie mit?

So eine Reise will akustisch gut vorbereitet sein ♫

Gitarren und Eulen

Start und Aufnahme gleichzeitig drücken.

Vorbereiten bedeutet in diesem Jahr, bei Saturn den armen TECH-NICK total zu überfordern und nach seinem Zusammenbruch zwei Maxell Kassetten zu kaufen. Analoge Audiotapes. Ja, die gibt es noch immer, ich hab mich auch gewundert, und Nick als vollbärtiger Digital Native hat in seiner Welt wieder was dazu gelernt. Am Vorabend des Wochenendes sitze ich auf dem Fußboden in meinem Wohnzimmer und nehme mal wieder Tapes auf. Wie lange ist das her? Wann haben SIE ihre letzte Kassette aufgenommen? 1995? Großartig. Und es geht natürlich noch immer so wie früher, das Band ein bisschen vordrehen, die Lautstärke auspegeln und dann REC und PLAY gleichzeitig drücken. Dann hat man 45 Minuten Freizeit, bis die andere Seite dran ist. So viel Zeit muss sein. Wenn Sie mich nun für bescheuert halten, liegen Sie vermutlich richtig, aber im alten silbernen Audi steckt noch ein Blaupunkt Freiburg SQM 26. Mit einem Kassettenteil und einem Radio ohne RDS. Was soll’s, da bietet es sich doch an, ein paar Tapes zu hören, wer will sich denn freiwillig länger als 10 Minuten NDR 1 Niedersachsen ausgesetzt wissen? Zufällig hat mein Töchterchen neulich beim Tanzen “Moskau Moskau” in die Ohren geblasen bekommen und fand das echt lustig. Okay. Ich nehme also das “ROM” Album von Dschinghis Khan auf. Und auf die Rückseite TRUCK STOP - Nicht zu bremsen. Auf Tape Nummer zwei kommen meine amerikanischen Lieblingsweihnachtslieder und ein Album von Francis Cabrel. Jetzt kann es glaube ich losgehen.

Gitarren und Eulen

Vollmachen, Heizung an und ab vom Hof

Das Wetter war noch bei keiner unserer Dezembertouren so schlecht!
Es regnet junge Hunde und Hamster (zu den jungen Hunden kehren wir thematisch in Teil 3 nochmal zurück, erinnern Sie mich bitte dran) und ich möchte gern mal dem Petrus die Meinung geigen. Vielleicht finden wir ihn ja wieder lattenstramm auf dem Weihnachtsmarkt, sollten wir da heute jemals ankommen. Eigentlich stehen die Zeichen gut, der alte Audi ist durchrepariert, hat eine neue Starterbatterie und – Fanfare bitte – nagelneue Bridgestone Winterreifen drunter. So gut ausgestattet waren wir auf dieser traditionellen Reise noch nie :-) Wenn Sie mal nachlesen wollen,
2012 war’s recht schneereich und
2013 ziemlich emotional, aber ohne Schnee. Dafür mit Poesiealben :-)
2014 habe ich für die erste Nacht um Asyl bei meinem Freund Olaf und seiner Familie gebeten und für die zweite Nacht wieder ein Zimmer im alten Hotel Stadt Hamburg gebucht, weil die da Badewannen haben. Doch von Wasser sprechen wir lieber ein andermal, allein beim Tanken am späten Freitag Nachmittag werde ich nass bis auf die Knochen, was zwar nervt, aber die gute Laune nicht trübt. Dafür sorgen die aktuellen Benzinpreise.

Gitarren und Eulen

Preise wie damals noch

Sprit ist immer noch viel VIEL teurer als in meinen automobilen Anfangstagen (da hat Super ‘ne Mark gekostet, und das ist noch gar nicht soooo lange her), aber er war schon lange nicht mehr so preiswert wie heute. Um 1,30€ der Liter Super? Geil. Ich pumpe den Tank vom Dottore randvoll, puschel dann noch unsere Bettdecken auf den Rücksitz (das ist so eine Marotte von uns, wir nehmen immer unsere eigenen Bettdecken mit, wenn wir bei Freunden übernachten) und lade das schöne, junge Fräulein ein, was sich meine Tochter nennt. Die Mittlere. Sie kennen diese Verwandtschaftsverhältnisse ja inzwischen fast besser als ich. Ursprünglich hatte ich noch ein bisschen Platz im Kofferraum gelassen, weil ich der Dame eine eigene Gitarre in Uelzen kaufen wollte. Das hat sich leider erledigt, der zuvor gegoogelte Gitarrenladen ist einer von den Sterbenden mit dem dunklen Schaufenster. Der befindet sich jetzt in Lüneburg. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auch ohne Musikinstrument klarkommen, es wäre das erste mal, dass Langeweile aufkäme.

Gitarren und Eulen

Freitags sind die beiden immer ein bisschen…. crazy

Der Weg ist am Ziel, oder so ähnlich, Sie kennen das ja… Allerdings habe ich diesmal aus mehreren Gründen unterwegs die Kamera schweigen lassen. Das Wetter ist einfach zu schlecht, da will man den angenehm warmen neckarsulmer Technologieträger nicht öfter verlassen als unbedingt nötig. Außerdem läuft der große Vierzylinder dermaßen sauber und rund, dass ich gar nicht aufhören kann, den Moment zu genießen. Auch wenn er über zwei Stunden andauert, dieser Moment. Seit ich gelesen habe, dass der Orgasmus von Schweinen bis zu einer halben Stunde dauern kann habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich mal zwei Stunden am Stück beseelt lächel, weil mein altes Auto so gut fährt :-)
Und dann ist da ja auch noch mein Teenager-Töchterchen, was ich eine Woche lang nicht gesehen habe. Eine Woche bei Familie Sandmann ist eine halbe Ewigkeit, Sie können sich gar nicht vorstellen, was in einer Woche zwischen Hamburg und Kiel alles passiert. Und das will mitgeteilt werden! Trotz noch nicht ganz abgeklungener Heiserkeit erzählt sie und erzählt und erzählt, sie erzählt so viel dass die Scheiben beschlagen. Im Hintergrund singen Dschinghis Khan ihre von Ralph Siegel produzierten Disco-Schlager der frühen 80er und ich höre zu. Meiner Tochter, nicht den verkleideten Quartett mit Schnurrbart und Engelslocken. Denen zolle ich auf diesem Weg heimlich mein Tribut, weil nämlich Tiffy heute Geburtstag hat. Tiffy? Ja, Tiffy. Wenn Sie damit nichts anfangen können schauen Sie mal auf ihrer Hochzeit rein *klick* - das Bild mitten drin…… Der alte Partykeller….. genau da haben wir an ihrem Geburtstag genau dieses Album gehört. Heute vor… äh… vor 32 Jahren :-( Ohgottogott. Ist das lange her. Ich höre weiter meiner Tochter zu und stelle fest, dass die Sorgen und Gedanken einer 14jährigen heute ein wenig erwachsener strukturiert sind als meine eigene kleine Welt 1982. Zeiten ändern sich. Aber sie hat wenigstens einen Papa, der ihr zuhört, meiner war damals irgendwie immer woanders.

Gitarren und Eulen

Männer mit ihren Kindern

Da sind wir wieder, Westerweyhe bei Uelzen, unter dem Fernsehturm.
Olaf – mit Tochter.
Markus – mit Sohn.
Sandmann – mit Tochter.
Fällt Ihnen was auf? Jahaaa ich hab ein bisschen früher angefangen als meine beiden besten Freunde aus Kindertagen :-) Und ich seh ein kleines bisschen fertiger aus als die beiden. Auch sonst eint uns drei Freunde nach außen eigentlich wenig, ich arbeite nicht in der Sparkasse und ich wohne auch nicht mehr in Uelzen. Ich bin auch nicht mehr verheiratet, wohne nicht in einem Haus… ach egal. Es ist eine gemeinsame Vergangenheit (die unter anderem in Tiffys Partykeller stattgefunden hat), die uns dreien einen guten Abend/einen guten Morgen mit vielen Erzählungen und Fotos beschert. Es gibt da außerdem noch so eine Geschichte mit einem warmen, im Auto gut durchgeschüttelten roten alkoholfreien Sekt und einem Wohnzimmer mit einer weißen Decke und zimtfarbenen Wänden, aber die lasse ich jetzt lieber weg. Tandaradei ♫
Olaf erklärt uns noch auf einer Karte (liebe Kinder, das ist so ein gefaltetes Blatt Papier, auf dem ganz viele Straßen und Wohngebiete eingezeichnet sind), wie wir gleich wieder aus dem Neubaugebiet rauskommen, obwohl der neue Abschnitt der Umgehungsstraße noch nirgendwo kartographiert wurde. Das macht Sinn. Mein Töchterchen und mich ruft ein kleiner Schnippsel Vergangenheit und eine Einkaufsrunde durch das menschenleere Uelzen. Oh ja!

Gitarren und Eulen

Navigation im Neubaugebiet

Ich komm’ immer viel rum hier. Heute liegt das vor allem daran, dass ich Olafs Ausführungen mit dem Stadtplan überhaupt nicht zugehört habe, weil ich fest davon überzeugt war, als Eingeborener den Weg auch so finden zu können. Schade. Wir haben eine Menge Benzin in mir völlig unbekannten Gegenden verfahren, ich habe interessante Neubaugebiete entdeckt, die ich nicht mal von der Himmelsrichtung her dem Landkreis zuordnen kann und bin durch Wälder gefahren, die noch nie zuvor ein Mensch betreten hat. Irgendwann, es ist schon später Nachmittag und ich habe ziellos umherirrend bereits drei mal vollgetankt, kommen wir an einer Sparkasse raus, an der wir nach Olafs Worten rechts abbiegen sollen. Ich mache das. Und erkenne endlich die Straßen wieder, in denen ich als kleiner Junge schon meine Runden mit dem Fahrrad gedreht habe. Ich erinnere mich an futuristische, kugelförmige Straßenlaternen zwischen alten Fachwerkhäusern und eingeschossigen Plattenbauten. Oldenstadt heißt dieser Teil von Uelzen, und der Elbe-Seitenkanal trennt diese Häuseransammlung seit 1976 in Oldenstadt und Oldenstadt West. Ich bin im Westen aufgewachsen, Olaf und Markus im Osten, auf der anderen Seite des Kanals.

Gitarren und Eulen

Auch da kennt man leider Bewohner.

Auf der anderen Seite des Kanals war auch der flache kleine Kaufmannsladen, in dem ich wöchentlich meine Micky Maus und später mein Yps kaufte. Da gab’s auch Plastikmodellbausätze von Airfix, Süßigkeiten und Gardinen. Mein langer Weg zu Heers glich jede Woche einer kleinen Pilgerreise, denn manchmal war das YPS Heft noch nicht ausgeliefert worden und ich musste ohne Beute wieder nach Hause radeln. Ich kann mein Töchterchen dazu bewegen, diese eine Geschichte noch einmal nachzuerleben. Ich will sie nicht mit zu vielen Kleinteilen aus meiner verschütteten Kindheit beballern… “Vati erzählt wieder Geschichten aus dem Krieg” sagt mein halbfinnisches Fräulein Altona dann immer ;-) Aber ohne eine klitzekleine Dosis Vergangenheit geht es nicht in Uelzen, und mit Aussicht auf shoppen in der Stadt und die abendliche Badewanne ist sie natürlich gern dabei. Geht auch schnell. Die futuristischen Kugellampen gibt es immer noch vereinzelt. Den Kiosk Heers aber nicht, das Gebäude ist abgerissen und durch einen modernen Backsteinbau ersetzt worden, in dem nun die Sparkasse ist. Markus arbeitet hier.
Oder halt – doch. Es gibt Heers doch noch! Kleiner als vorher und einen Schritt weiter rechts, aber immer noch da. Leider zu. Na klar, Samstag nachmittag, das Schild in Richtung Friedhof wäre gar nicht nötig gewesen. Hier ist weit und breit kein einziger Mensch auf der Straße, hier ist es überall gleich tot.

Gitarren und Eulen

Hallo? Jemand da? Nein.

Ironie der Namensgebung, wie ich später von Olaf erfahre: Die alte Familie Heers hatte den Laden schon vor vielen Jahren an einen anderen Betreiber abgegeben, der wiederum hat das kleine Geschäft seinerseits an den nächsten weitergegeben -> eine Frau Heers. Nicht verwandt mit den ursprünglichen Ladenbesitzern :-) Also ist Heers wieder Heers, das begeistert einen allerdings nur, wenn man hier in den 70ern selbst im Wochenrhythmus wichtige Zeitschriften erworben hat. Ich kann mir heute trotzdem kein YPS kaufen, und das liegt nicht etwa daran, dass es YPS nicht mehr gibt ;-) Heers und Heers. Hihi.
Die Bilder sind angestoßen, und jetzt kommen sie eins nach dem anderen. Als ich wieder in den alten Audi einsteige und mich auf den Sitz plumpsen lasse fällt mir mein kleiner großer Schwarm Iris Tanz aus der 6. Klasse ein. Ich war wirklich ganz schlimm verliebt, ich glaube das wusste sie damals gar nicht. Sie hieß genau so wie ich, allein das war für den 11jährigen ein Grund zum Schwärmen, und wir waren nicht mal verwandt. Das hätte die Entscheidung, welchen Namen man später bei einer Hochzeit annehmen würde erheblich vereinfacht, leider kam 1983 dann der Umzug nach Plön dazwischen. Raus aus Uelzen. Aus heutiger Sicht sage ich: gut. Aber damals fand ich das ziemlich doof, weg von Silke, weg von Olaf, weg von Markus und letztendlich auch weg von Iris Tanz. Ob es die noch irgendwo gibt? Im Netz habe ich nur eine einzige finden können, wahrscheinlich hat sie sich später bei der Namensfindung nicht durchsetzen können :-( und heißt jetzt anders. Hallo? Iris Tanz aus Hanstedt II? Wo steckst du? Bist du die, die ich vorhin im Internet gefunden habe? Die jetzt in L.A. wohnt? Wenn ja…. na dann… mein lieber Schieber :-)

Gitarren und Eulen

Autofahren mit Papa

Nervös kaue ich auf meinen Fingernägeln rum. Wenn ich erstmal angefangen habe, auf den Pfaden meiner Vergangenheit zu wandeln kann ich nur ganz schwer wieder aufhören. Mir fällt noch das Garagentor meines damaligen Mathelehrers ein, bunt bemalt mit Tieren des Dschungels und einer Giraffe, deren aus Gips modellierter Kopf oben rausguckt. Und einem klitzekleinen Marienkäfer, den ich auf den Spaziergängen immer auf dem großen Tor suchen wollte… das ist hier… äh… ganz in der Nähe… ich…
Okay. Ich gucke mein Töchterchen an und beschließe, mein Versprechen einzuhalten und mit ihr in die City zu fahren. Meine Retro-Ego-Show kann ich auch noch ein andermal abziehen… Wir schnarzen mit dem Audi durch die schmalen Straßen der Zuckerrübenstadt im Zeichen der Eule, und ich parke den silbergrauen Dottore mit dem schwarzen Vinyldach am Rand eines kleinen Platzes, gleich hinter dem Hotel. Grinsend zeigt mein Töchterchen auf den Laden direkt vor uns, der blinkt und blitzt und mit warmem Licht nicht nur geöffnet zu sein scheint (an diesem Tag um diese Zeit in dieser Stadt?), sondern sich auch noch auf dem größer werdenden Kreis der absurden Zufälle dreht. Eine Musikalienhandlung, randvoll bis unters Dach mit Gitarren aller Art. Wa? Hä? War der nicht nach Lüneburg… äh…? Ringding ♫ wir gehen rein und erfahren von dem gut gelaunten Inhaber, dass er schon seit 25 Jahren in Uelzen ist, aber nicht schon immer hier in dieser Ecke. Cool. Mein Töchterchen hat sich derweil schon das erste, katzendarmbespannte Klangbrett geschnappt und damit zielsicher einen klassischen, hochwertigen Vertreter der Firma mit den gekreuzten Stimmgabeln erwischt. In schwarz.

Gitarren und Eulen

Ups? Aus Versehen eine Gitarre gekauft

Jetzt steckt Papa natürlich ein bisschen in der Klemme. Das Ding klingt wirklich sehr gut, es sieht gut aus, es spielt sich super und ich trau mich nicht so richtig, dem Mann an der Kasse zu sagen, dass ich ursprünglich nur rund die Hälfte der Zahl auf dem Preisschild ausgeben wollte und mit dem Gitarrenerwerb für heute eigentlich schon komplett abgeschlossen hatte *grummel* Was mach ich denn nun? Momentan steht bei meiner Tochter zu Hause nur meine eigene alte abgerockte Gitarre, zwar auch schwarz, aber von chinesischen Häftlingen gebaut und schon mal ungenügend vertäut vom Dach meines Rudolf-Passats auf eine finnische Autobahn gefallen. Hm. Verkäufer nett, Laden cool und hell und voller akustischer Schätze, Tochter begeistert, noch kein anderes Weihnachtsgeschenk in Sicht und Papa in Kauflaune? Okay. Ich handel noch ein rotes Sharkfin Plektrum raus, drücke den Endpreis um sagenhafte 90 Cent und schleppe 15 Minuten später einen großen Pappkarton raus ins Auto :-) Mein Töchterchen kreiselt um mich rum wie der Mond um die Erde, hüpft und tanzt vor Freude und singt heisere Lieder. Teenager, die singen, sind strukturell glücklich. Behaupt ich. Jetzt müssen wir in dieser weltoffenen Stadt nur noch was zu Essen und ein Abtanzballkleid für sie finden. Pha. Kein Problem, jetzt sind wir ja warmgekauft. Doch zunächst werfe ich Ihren Blick mal auf einen guten Satz, den ein guter Mann leider nicht selbst auf einen Stein mitten in der Stadt geschrieben hat.

Gitarren und Eulen

Herr Hesse dichtet

Da können Sie jetzt ziemlich lange drüber nachdenken. Sie können es auch mit dicken Lettern auf einen bunten Hintergrund schreiben und als tollen, nicht selbst ausgedachten Sinnspruch auf Facebook posten. Ich für meinen Teil arbeite noch an der Definition des Wortes “Paradies” und bin schon recht weit gekommen. In meinem Paradies gibt es keine Schlangen oder einen Apfel, der Erkenntnis verspricht, wenn man ihn isst. In meinem Paradies geht es den Menschen, die ich liebe gut, sie sind gesund und ich verbringe Zeit mit ihnen. In meinem Paradies schlafe ich ruhig ohne Angst vor Morgen. In meinem Paradies habe ich meine Familie, bestenfalls ja sogar mehrere davon :-) und einige gute Freunde. Das finden Sie alles normal? Ha. Dann sind Sie anscheinend noch niemals aus Ihrem Paradies vertrieben worden, dann denken Sie bitte noch ein wenig über die Zeilen auf dem Stein nach.
Wir für unseren Teil bekommen langsam einen ernstzunehmenden Hunger. Mission Nahrungsaufnahme ist gestartet.

Gitarren und Eulen

Mit Vati unterwegs – dann gibt es Salat.

Was isst man denn so in Uelzen? Eulen? Nein, die armen Dinger. Die müssen ja noch für die immer wieder gern zitierte Uhlenköpersage herhalten, die kommen nur in den Sack und nicht auf den Tisch. Heidehonig? Nö. Ein traditionelles niedersächsisches Gericht, was man weit über die Grenzen der Lüneburger Heide kennt ist Pomm Döner. Mit frischem Lammfleisch, guten Kartoffeln und knackigem Salat aus der Region. Da weiß man, was man hat. *burps* Fragen? Keine? Gut. Gesättigt und gestärkt folgt Mission Ballkleid, erfahrungsgemäß etwas schwieriger als Mission Nahrungsaufnahme. Gar nicht so sehr, weil ich mir kein Urteil über guten Sitz und Taille erlauben kann, nein nein, das geht schon :-) Das Problem ist viel mehr, dass der durchschnittliche Uelzener ungefähr 78 Jahre alt ist und die Innenstadt aus Apotheken, Sanitätshäusern und Vertriebspunkten für Rollatoren und Stützstrümpfe besteht. Alle davon losgekoppelten Bekleidungsgeschäfte haben entweder geschlossen, sind endgültig geschlossen worden oder verkaufen Stickjacken und Stoffhosen, die schon in den 80ern meiner Oma peinlich gewesen wären. Puh. Nach einer freudlosen Odyssee durch ein paar Trendshops, die den marktforscherisch ermittelten Klamottengeschmack in der Lüneburger Heide mit den Füßen der 90er treten landen wir kurz vor Ladenschluss in einem alteingesessenen Geschäft, an das ich sogar noch dunkle Erinnerungen habe. Ramelow. Die gibt es also noch immer. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Es sind Eulen an den Türen. Dann kann man ja mal reingehen.

Gitarren und Eulen

Eulen. Überall Eulen.

Verrückt. Hier hängen extrem coole Klamotten rum, mein Töchterchen schnappt sich zielstrebig eine junge und quirlige Verkäuferin und verschwindet drei Minuten später mit gleich drei Kleidern in der nächsten Umkleidekabine. Derweil drifte ich ein wenig durch das überraschend junge und schicke Geschäft, habe alles irgendwie ganz anders in Erinnerung und fühle mich plötzlich wieder ein bisschen alt. Ist mit Anfang 40 nicht mehr drin, mal eben zu New Yorker oder Tally Weijl gehen und ne Hose kaufen. Der Herr ist jetzt besser bei Ansons oder P&C aufgehoben. Na gut, dann ist das eben so. Und eines Tages werde ich auch zur Rollator-Klientel gehören. Aber meiner ist dann orange und von Ford oder Audi.
Mein Töchterchen macht diverse Fotos von sich in den drei Kleidern und schickt sie an ihre beste Freundin und ihre große Schwester, damit die ein Urteil abgeben. Ich sitz und lauf weiter rum und fühl mich weiter alt, aber mal davon abgesehen bin ich unfassbar stolz auf dieses Mädchen, weil alle drei Kleider ihr sagenhaft gut stehen. *hach* Oh. Hallo.

Hm.

Hm.

Gehen Sie eigentlich gern shoppen? Viele Männer sind ja reichlich genervt von den Touren mit ihren Frauen oder ihren Töchtern und würden lieber drei Bierchen im Pub nebenan kippen und Fußball gucken. Ich mag nun Bier nicht sonderlich gern und finde Fußball langweilig. Aber auch sonst treibe ich mich durchaus freiwillig mit den mich umgebenden Frauen in den Klamottengeschäften dieser Welt rum, wenn es mal wieder an der Zeit ist. Mir macht das Spaß. Schließlich sind die Ladies hübsch anzusehen, und jeder Blick in die großen Spiegel macht mich noch ein bisschen stolzer. Paradies, und so. Sie erinnern sich? Ich glaube, ich bin oft nun genug vertrieben worden um zu sehen was ich habe, was mir genügt und wer ich bin.

Gitarren und Eulen

Sie wird die Schönste auf dem ganzen Ball sein…

Ich schreibe und schreibe und schreibe. Das sollte eigentlich nur ein kleiner Einleitungsblog für die Weihnachtsmarktgeschichte werden. Mist. Schon fast alle Wörter verschossen, dann muss ich wohl teilen. Unser Tag ist jedenfalls noch lange nicht zu Ende, das niedersächsische Einkaufserlebnis aber schon. Nein, ich habe mein Portemonnaie nicht zücken müssen, so gern ich auch die heimische Textilindustrie unterstützt hätte. Alle beteiligten weiblichen Personen, anwesend oder virtuell zugeschaltet, waren sich darüber einig, dass die Kleider gut aussähen, man aber gern noch ein Live-Urteil fällen würde und der Abtanzball schließlich erst im Februar sei. Damit bin ich sehr einverstanden. Aber Respekt, Kaufhaus Ramelow, so wie du dich entwickelt hast gibt es vielleicht doch noch Hoffnung für den Einzelhandel in Uelzen…?
Auf dem kurzen Weg zurück zum Hotel, wo wir kurz einchecken wollen, tobt schon der diesmal extrem reduzierte Weihnachtsmarkt. Nix Märchenbuden mit gruseligen Szenen drin wie 2012 (Mist!), nix Buden in der ganzen Stadt und nix Petrus und Frau Holle. Alle weg. Um die Kirche rum haben sich ein paar Holzhütten versammelt, und am neu aufgebauten Rathaus werden nachher ein paar Engel das neue Türchen/Fenster des Adventskalenders öffnen. Wir sind fast dafür bereit. Was isst man so an einem kalten Dezemberabend, wenn der Pomm Döner längst verdaut ist? Genau. Ein Eis.

Eis geht immer

Eis geht immer

Tatsächlich ergreift mich jetzt ein weihnachtliches Gefühl. Da müssen Sie jetzt durch.
Das gleiche Auto, was mein Papa fuhr, als er Weihnachten 1980 unsere kleine Familie verlassen hat steht direkt vor dem Eingang des altehrwürdigen Hotels Stadt Hamburg. Alles ist festlich beleuchtet, und es duftet nach gebrannten Mandeln, Punsch und Bratwürsten. Unser Zimmer ist diesmal zur Hauptstraße gelegen, was ich toll finde, weil dann die Abendstimmung dieser alten Stadt in Licht und Ton präsent ist. Im Bild die beiden Fenster oben rechts, da ist es :-) Das Hotel war schon immer da, schon immer mitten in der Stadt, schon immer direkt an der Straße. Was 2014 nicht schlimm ist, denn Uelzens Innenstadt ist verkehrsberuhigt, es wohnt hier sowieso keiner mehr und es kommen wegen der Parkgebühren auch keine Touristen, nicht mal wegen der schnellen Rollatoren und schicken Stützstrümpfe. Ein Zimmer zur Straße bedeutet ein Zimmer mit einem Blick auf meine Kindheit in einer Stadt, in der ich noch immer fast jeden Stein kenne (mal abgesehen vom Heers/Sparkassen Neubau in Oldenstadt) und die mich irgendwie beruhigt. Mich runterbringt. Mich aufwühlt und mich traurig macht.

Gitarren und Eulen

Parken wie der Herzog

In der Mitte meines eigenen Lebens höre ich meine Tochter, die nun ein bisschen älter ist als ich damals, im Badezimmer Lieder singen. Ihre Eltern haben sich ebenfalls getrennt und auf eigenen Wegen weitergemacht. Die sind damit aber offen und meistens nach vorn blickend umgegangen, und die waren in guten wie in schlechten Zeiten für ihre beiden Kinder da. Mal zusammen, mal alleine, aber immer bedingungslos Papa und Mama.
Ich stehe am Fenster, blicke auf die Straße runter und erinnere mich an meine nachts weinende Mama, obwohl doch angeblich alles in Ordnung war. Und ich erinnere mich an meinen Papa, der in einem weihnachtlich dekorierten Wohnzimmer Teller und Tassen in Kartons packt und plötzlich weg ist. Ganz weg. An Weihnachten.
Komm, mein Töchterchen, lass uns mal runter zu den Engeln gehen. Zu Olaf, Melli und Jette. Zu Markus, Tina und Jakob. Zu unseren Freunden.

Sandmann

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12 Dec 2014
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Der Zauber-Schrauber, Teil 2

Wehe wenn sie losgelassen

Wehe wenn sie losgelassen

Ich finde es lustig, wenn man weder beim Titel der Geschichte noch vom ersten Bild her drauf schließen kann, worum es geht :-) Das ist aus Social Media Sicht eine Katastrophe, das bringt keine Klicks und keine Reichweite und macht den Blog weniger erfolgreich :roll: Gniihihi. Total egal. Ich möchte euch und Ihnen eine Geschichte erzählen, und wie erfolgreich die ist kratzt mich nicht. Aber vielleicht fühlen Sie ein bisschen mit, wenn wir schräge Filmaufnahmen machen, wenn der Kühlwasserschlauch unvermittelt platzt – und wenn am Ende dank des Einsatzes eines erneut spontan zaubernden Werkstattmeisters alles gut ist. Oh verdammt. Jetzt hab ich auch noch die ganze Spannung rausgenommen. Also so wird das nie was.

Vielleicht fange ich mal damit an, warum oben auf dem Bild zwei sehr junge Typen auf der Motorhaube eines Ford Granada Coupés sitzen.

Der Zauber-Schrauber, Teil 2

Ich und der Audi kommen ins Fernsehen

Einer davon, der rechts, ist der hier mit der Nickelbrille. Das Fernsehen hat ja schon mal bei mir angeklopft, draus geworden ist ein Oscar Clip mit vielen Pressestimmen und Auszeichnungen. Den Artikel dazu gibt es hier KLICK.;-) Äh… Moment, jetzt hab ich giggelnd den Faden verloren. Ach ja. Fernsehen. Heute gibt’s erneut Filmaufnahmen, der Hauptakteur ist mein immer noch vorhandenes altes Granada Coupé und der Mensch links, mit dem ich damals auf der Motorhaube des großen Kölners ein Frühstück eingenommen habe. Der Svenni. In der Doku soll es um “das erste Auto” gehen, und feinerweise habe ich das ja noch. Also filmt man da ein wenig dran herum, mehr verrate ich aber nicht, wenn das gesendet wird sage ich rechtzeitig bescheid. Der Audi, rechtzeitig frisch gemenzelt, trägt mich zu den Orten des Geschehens und läuft noch immer nicht so rund wie er soll. Das macht schon ein bisschen traurig, weil mir langsam die Ideen ausgehen, woran es liegen könnte. Aber wenigstens die Zylinderkopfdichtung ist dicht.

Der Zauber-Schrauber, Teil 2

Der Beginn der Inkontinenz

Diese vorher-nachher-Bilder, zwischen denen 20 Jahre oder mehr liegen sind meine große Leidenschaft. Verdammt, ich werde älter, und auf den Bildern sieht man das auch noch besonders deutlich! :-( Was mich allerdings noch nicht beutelt, im Gegensatz zu meinem in Ehren ergrauten Dottore: Inkontinenz. Nanu? Wir fahren vor, wir fahren zurück, wir fahren den Fördewanderweg rauf und runter und wir posieren auf eben jenem Parkplatz, mit laufendem Motor. PFFFFFSCHSCHSCH Er zischt leicht, der alte Herr, und er kleckert nennenswerte Mengen Kühlwasser auf den Asphalt, während das Kamerateam die richtige Position für die Bilder sucht. Oh nein. Jetzt ist endlich alles Elementare in Ordnung und alles heile, aber jetzt scheint der Druck im neu abgedichteten Kühlsystem anscheinend wieder so hoch, dass andere Sollbruchstellen der voranschreitenden Zeit sichtbar werden. Ich bekomme schlechte Laune. Die bekomme ich immer, wenn mein Auto nicht so läuft wie das geplant war, außerdem muss ich heute noch nach Hamburg. Aber erstmal die Aufnahmen fertig machen, so viel Zeit muss sein.

20 Jahre

20 Jahre

Schlecht gefotoshoppt :-) Aber lustig. Die Damen vom Kamerateam wollen noch Aufnahmen in Sandmanns natürlichem Lebensraum machen, dazu müssen wir vom Falckensteiner Strand wieder zurück in die Stadt. Ich rufe Meister Menzels Dauerhotline an und berichte ihm von dem kleinen, aber bedeutenden Stück Kühlwasserschlauch, was anscheinend keine Lust mehr auf eine Zusammenarbeit mit mir und/oder dem Auto hat und komplett durchgerissen ist. Was einen Weg mit diesem Auto von Kiel nach Hamburg heute in den Bereich des Unmöglichen treibt. “Komm mal erstmal her, wir schauen dann mal was wir machen“. Das ist ein Wort. Gleichwohl auch schon der Weg vom Strand bis in die Stadt mit einem offenen Kühlwassersystem nicht so ganz ohne ist. Wir kippen alles oben rein, was wir noch an Flüssigkeiten da haben. Wasser, Orangensaft, laktosefreie Milch und den Rest aus dem Wischwaschbehälter für die Windschutzscheibe. Ein wahrhaft leckerer Cocktail. Das muss bis in die City reichen.

Der Lump, der

Der Lump, der

Meister Menzel grinst, als er mich sieht. Ich weiß nicht, ob er sich wirklich freut, ob das die professionelle Freundlichkeit eines kundenfreundlichen Unternehmens ist oder ob er einfach gern hilft. Vielleicht werde ich das auch nie erfahren. Er macht quietschend die Motorhaube auf, guckt lange und nachdenklich auf das Malheur und sagt nur norddeutsch trocken: “Oha“. In diesem Wort stecken, das weiß man als Kieler, eine Menge Informationen. Dieses “Oha” besagt: Das ist ein Spezialteil, das haben wir nicht da und die Bestellung kann mehrere Tage dauern. Es besagt auch: So kannst du auf keinen Fall weiterfahren, dann ist die neue Kopfdichtung gleich wieder hin, weil der Motor überhitzt. Es besagt außerdem: Aus einem Universalschlauch können wir das nicht basteln, der Knick ist zu eng. Eine Menge Neins in diesem Oha. Ich höre mich in den kalten Abendhimmel sagen: “Aber können wir bitte, BITTE irgend etwas machen, damit ich heute Abend nach Hamburg komme?” Meister Menzel wird sehr still. Dann sieht er mich an und sagt: “Eine einzige Möglichkeit haben wir.” Und er verschwindet hinter der Halle. In diesen zwei Minuten gehe ich im Kopf schon mal vorsorglich die aktuellen Verbindungen der Deutschen Bahn durch und bereite mich drauf vor, Alex noch ein weiteres mal um seinen BMW 325e zu bitten… Nach zwei Minuten kommt er wieder und hat ein kleines, schwarzes Stück Schlauch in der Hand. “Das ist von einem A6, frag nicht, das regel ich morgen. Wenn wir das draufbekommen kannst du heute weiterfahren” – sprichts und schraubt los.

runter und drauf?irgendwie festDer Zauber-Schrauber, Teil 2

Er flucht. Immer wieder kommen seine Mitarbeiter an, stellen Fragen, brauchen Anweisungen und neue Aufgaben. Und Menzel dirigiert und wrangelt und walgt parallel an dem kleinen Wasserschläuchlein rum. Um uns rum sieht es inzwischen aus wie in einem Schlachthaus mit blauem Blut, er selbst ist auch nicht ganz verschont geblieben, aber irgendwann grunzt er zufrieden und taucht aus den Tiefen des Motorraums wieder auf. Der Schlauch ist nicht nur drauf, er sitzt auch fest. Wahnsinn. Wo er grad dabei ist tauscht er noch den völlig runtergebrannten Unterbrecherkontakt aus und schaut mich nach ein paar Schraubereien am Vergaserfuß fragend an:
Wusstest du, dass die Bimetallfeder deiner Startautomatik komplett ausgehakt ist? Der ist anscheinend immer viel zu fett gelaufen und niemals aus dem Kaltlauf rausgekommen…” Ups? Das… äh… Er hakt sie wieder ein, schraubt alles wieder zu und füllt frisches Kühlwasser auf. Überall liegt Werkzeug auf dem Auto und dem Boden rum, die Zeit tickt unaufhaltsam weiter – aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass in diesem Moment was entscheidendes passiert ist. Startautomatik? Da war noch keiner dran, um mal zu gucken, ob der schlechte Rundlauf daran liegen könnte. Schwimmernadelventile, Drosselklappen, Benzinzufuhr, Zündung, alles ist geprüft worden. Aber die mechanische Startautomatik, die bei steigender Kühlwassertemperatur mit einem Bimetall das fette Gemisch wieder abmagert ist übersehen worden. Bis heute.

Der Zauber-Schrauber, Teil 2

Spontan werden Sie geholfen

Ich drehe den Schlüssel, und nach einer halben Anlasserumdrehung springt der Motor willig an und dreht ruhig und gleichmäßig im Standgas. Wa? Das gibt’s doch gar nicht! Nicht nur, dass der Menzel mir ohne Termin und ohne Ersatzteile aus einer echten Notsituation spontan und unbürokratisch-kreativ raushilft, nein, er macht auch noch ganz nebenbei mein Auto wieder heile. Also, komplett heile.
Der Dottore läuft wieder, rund, gesund und ohne Aussetzer :-D
♫ Mit einem Lied auf den Lippen fahre ich nach rund einer Stunde zurück zum Filmteam, und wir beenden die angefangenen Aufnahmen. Danach rollen der Audi und ich über die A7 zurück zum halbfinnischen Fräulein Altona nach Hamburg. Der Wagen läuft ruhig, beschleunigt sauber, dreht entspannt und ohne zu Ruckeln im Halbgas und verbraucht ungefähr halb so viel wie vorher. Das Leben ist schön. Und Menzel ein Zauberer. Ich fahre jetzt immer noch mit diesem A6-Ersatzteil rum, es hält und hält, aber inzwischen hab ich einen Tipp bekommen. Bei Porsche scheint man diesen Formschlauch noch für 25 Euro zu bekommen. Da werde ich mich beizeiten mal drum bemühen.

Nervös? Ja. Aber egal

Nervös? Ja. Aber egal

Das hat sich doch gelohnt, oder? :-)
Ich breche hier und jetzt eine weitere Lanze für Meister Menzel in Kiel. Die Werkstatt nimmt auch Altautofahrer sehr ernst, und man ist ehrlich bemüht darum, dass der Wagen schnell wieder auf die Straße kommt. Es geht vermutlich nicht immer mit solchen unkonventionellen Methoden wie bei mir, aber in diesem Fall waren wir erfolgreich – und darauf kommt es an. Ich konnte weiterfahren. Was hat das gekostet? Eine gute Flasche Weißwein, aber nicht aus Deutschland. Direkt auf seinen Schreibtisch gestellt und mit einem Handschlag versehen. Ich fahre den Audi seit dem jeden Tag, weil er so unfassbar Spaß macht. Wer hätte das gedacht? Jetzt bekommt er noch neue Sitze…. und neue Winterreifen….. aber das sind andere Geschichten. Jetzt ist der Grundspaß wieder da, von dem ich Anfangs geschrieben habe. Alles was jetzt kommt ist Kosmetik. Auf in die Vorweihnachtszeit!

Sandmann

Kontakt:
Menzel Auto-Dienst GmbH
Saarbrückenstraße 143
24114 Kiel
Telefon: 0431-641757

http://www.autodienst-menzel.de/

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Created Freitag, 12. Dezember 2014 Tags 1A Autoservice | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Filmteam | Kühlwasser | Menzel Kiel | Schlauch | Typ 43 | Vergaser | Zauberer Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
11 Dec 2014
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Der Zauber-Schrauber, Teil 1

Der Zauber-Schrauber, Teil 1

Tiefer Blick mitten ins Herz

Wenn einem alten Auto mehr liebevolle Aufmerksamkeit zuteil wird, als ihm aus rein kalkulatorischer Sicht zusteht ist das etwas besonderes. Das ist dann entweder fehlendes kaufmännisches Geschick, automobiler Wahnsinn oder blinde Liebe. Im Fall meines Dottore ist es von allem ein bisschen, als Sahnehäubchen kommt obendrauf noch der profane Zwang, die Verkehrstüchtigkeit wiederherzustellen. Ein 1977er Audi 100 steht in einer Fachwerkstatt, und sein Motor wird von einem gut ausgebildeten Menschen zum regulären Stundensatz neu aufgebaut. Ein seltenes Bild. Ich halte es mal fest, bevor ich mein Portemonnaie aus der Tasche ziehe…. Und bevor ich nachher den BMW 325e wieder abgeben muss, weil der Audi wieder fährt :-(

Gut aufgehoben hier

Gut aufgehoben hier

Wie war doch gleich die Diagnose?

  • Kopfdichtung durch
  • Ventilschaftdichtungen völlig verhärtet
  • Zahnriemen älter als Adenauer und poröser als Heesters
  • Keilriemen und Servoriemen antik
  • und überhaupt läuft er ja bekanntermaßen ein bisschen scheiße.

Seit fast zwei Jahren die Note “ungenügend”. Dieser Audi 100 LS mit seinem von Porsche mitentwickelten 2-Liter-Vierzylinder, der inzwischen echt selten geworden ist, weil alle den 5-Bänger wollen ;-) Die aufgezählten Arbeiten kann ein durchschnittlicher Sandmann unten vor der Tür seiner Wohnung prinzipiell selbst machen – aber es fehlt hinten und vorn an Zeit. Also lasse ich mal wieder Herrn Menzelran, und diesmal wird er zusätzlich unterstützt durch seinen Herrn Papa. Der hat sich schon damals bei der Reparatur meines KaSis (erinnern Sie sich?) als unbezahlbare Fachkraft erwiesen, der hat noch Benzin im Blut und stellt einen Doppelvergaser nach Gefühl und Gehör sauber ein.

Mach auf das Ding

Mach auf das Ding

Da man mich beim 1A Autoservice in Kiel inzwischen wiedererkennt (ich komme mir in diesen Tagen vor wie ein Stalker, mit dem Audi meines Töchterchens waren wir jetzt auch schon zwei mal da) halten die Jungs auch gleich hier und da mal die Kamera auf das Elend drauf :-) Gut. Während ich also meinem brötchengebenden Tagwerk nachgehe und es irgendwie ziemlich schade finde, den lieb gewonnenen ETA vom Alex heute Abend nach über einer Woche wieder abgeben zu müssen wird am Audi Kopfarbeit geleistet. Die gute Nachricht: Ja, es ist tatsächlich “nur” die Zylinderkopfdichtung nicht mehr ganz dicht, es ist kein Riss im Kopf. Sowas soll’s ja auch geben. Und das lange Zeit mit verbrannte Kühlwasser hat zwar seine Spuren auf den Kolben und den Zylinderlaufbuchsen hinterlassen, aber die Auswirkungen sind nicht schlimmer als die Lachfalten rund um die Augen in meinem eigenen Gesicht.

Operation am Herzen

Operation am Herzen

Was eigentlich viel mehr wiegt: Das lohnt sich alles hier aus wirtschaftlicher Sicht -> nicht! Vor einem halben Jahr hatte ich die Schnauze voll, da wollte ich den Dottore verkaufen, und niemand wollte ihn. NIEMAND. Nicht mal für weniger als 1000 Euro, nicht mal die Jungs von der wassisletztePrrrais-Fraktion. Der treue, aber mager ausgestattete Vierzylinder ist weder gut für den Export noch in der Szene sonderlich begehrt. Alle wollen immer nur rostfreie Plüsch-GLS oder wenigstens den 5S oder den CD 5E. Was ich auch verstehen kann, die sind ja auch ein bisschen geiler als der silberne Nullausstatter. Aber er ist mir mit seinem kleinen, kranken Herz, seinen nicht getönten Scheiben und seinem Vinyldach an mein eigenes, gesundes Herz gewachsen. Irgendwie. Also habe ich ihn trotzig behalten, aus Versehen mit einer frischen HU versorgt und besitze nun einen Oldtimer (ja, es ist ein Oldtimer, kein Youngtimer mehr…), der weniger wert ist als das, was ich vermutlich nachher bezahlen muss. Glaube ich. Bin ich total bescheuert? Ja. Und das ist gut so.

Gut Ding will Weile haben

Gut Ding will Weile haben

Wissen Sie was? Ob meine Rechnung wirtschaftlich ist oder nicht ist mir total egal. Die Jungs mit ihrem Werkzeug werden dafür sorgen, dass der alte Wagen wieder gesund ist und fährt. Wegschmeißen ist nach so vielen Geschichten keine Option. War es noch nie gewesen. Familie Menzel zerlegt das prinzipiell als unzerstörbar geltende, klotzige längs und gekippt eingebaute Triebwerk in seine Einzelteile, Nockenwelle runter, Schaftdichtungen raus, Zahnriemen runter, Ansaugkrümmer runter, Kopf ab und so weiter. So viele Streicheleinheiten hat dieser Wagen vermutlich das letzte mal vor 20 Jahren bekommen, und da war er schon ein altes Auto. Krass. Während der OP sitze ich zu Hause und kaue an meinen Fingernägeln. Unruhig versuche ich, ein paar Texte auf die Tastatur zu legen. Kennen Sie das auch? Dass man sich fragt, wie es dem Baby wohl gehen mag? Dass man nervös im Flur auf und ab läuft? Dass man sich fragt, wann endlich der Anruf kommt: Alles okay, hol ihn ab?
Und nicht wie letztes mal der Anruf: Äh… wir müssen reden…

Das sind 8 Zylinder...

Das sind 8 Zylinder…

Ein altes Auto kostet Geld. Eine Restauration ist in aller Regel wesentlich teurer als die Kohle, die man bei einem Verkauf für die Karre bekommen würde. Außer, wir sprechen hier von einem 300 SL oder einem 911er aus den 60ern, aber wer kann denn sowas bezahlen? Der Dottore ist eine Alltagskarre, eine seltene mit traditionell schlechter Teileversorgung seitens des Herstellers, aber da ist wenigstens alles einigermaßen bezahlbar. Noch. Und hier und heute sprechen wir immerhin von einer fast kompletten Motorrevision… Was ich inzwischen bei Menzel gelernt habe: Wenn er morgens sagt, dass er den Wagen heute schon irgendwie zum Laufen kriegen wird, dann ist das auch so. Er macht, dass es fährt. Es ist die erste und einzige Werkstatt bisher in Kiel, auf die ich mich wirklich verlassen konnte. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, welchen Supermarkt ich nachher auf dem Weg dahin überfalle, um das Geld zusammen zu kriegen. Denn gute Arbeit kostet gutes Geld, egal ob man sich nun schon länger kennt oder nicht. Von Freundschaftsdiensten kann ein Unternehmen nicht leben. Klar. Und aus diesem schwachsinnigen Geiz-ist-geil Alter der 1-Euro-Läden bin ich raus. Kein kauf-bei-KICK, kein Billig-Backshop und kein eingeblistertes Separatorenfleisch. Ich kaufe beim echten Bäcker und beim echten Fleischer. Und ich bringe mein Auto in eine richtige Werkstatt, denn ich weiß, dass es hinterher nicht wieder liegenbleiben wird.

Der Zauber-Schrauber, Teil 1

pflück pflück. Und wieder alles zusammen

Und da kommt er dann auch, der Anruf. Kurz nach 17:00 Uhr, es ist schon dunkel. “Er ist fertig. Alles eingestellt, läuft rund. Aber irgendwas ist noch immer mit deinem Vergaser, da musst du nochmal wiederkommen.” Na gut, Hauptsache der Motor im Kern ist erst einmal wieder gesund, abgedichtet und vollgasfest. Alles andere kenne ich ja nun, und das lässt sich bestimmt auch noch regeln. Ich habe da ein ziemlich dickes Sitzfleisch, wenn der Wagen prinzipiell zuverlässig ist und sauber läuft mache ich den ganzen Kleinkram drumrum gut gelaunt nach und nach. Aber wenn er nicht gut anspringt, bockig ist, wie ein Loch säuft und oft ausgeht dann macht auch alles andere keinen Spaß. Oder? Genau.
Ich setze mich in den erschreckend gewohnten BMW und schnurre aufgeregt durch die Dunkelheit zur Werkstatt, wo der alte Audi schon auf mich wartet.

Der Zauber-Schrauber, Teil 1

Hallo, da bist du ja wieder

Es ist so ein bisschen wie ein neues Wiedersehen. Wie das neue Entdecken der Partnerin nach einer Trennung, nachdem da jemand anderes dran war, und man sich jetzt wieder zusammenraufen will. Zärtlich streichel ich ihm über den rechten Kotflügel, stapfe nach vorn in den warmen und hellen Empfang und futter die halbe Haribo-Schale leer, die da auffordernd steht *burps* Menzel erklärt mir, was alles gemacht wurde, welche Teile verbaut wurden, welche Schrauben neu gekommen sind und welche Gewinde nachgeschnitten werden mussten (ohjeohje). Hauptproblem war die Dichtung der Ansaugbrücke, die hat ziemlich lange auf sich warten lassen. Die Teile werden selten. Vielleicht sollte ich mich bei einem 37 Jahre alten Auto langsam mal damit abfinden. Nun ist alles dicht, mit frischem Öl und Kühlwasser in nun getrennten Kreisläufen befüllt und fertig für weitere hunderttausende von Kilometern :-) Und die Rechnung? Alles zusammen kostet mich ungefähr so viel wie ein Zahnriemensatz mit Anbauteilen für einen Audi V8. Oder die Monatsmiete einer 2 1/2 Zimmer Wohnung in Kiel. Oder ne Woche Malle pauschal. Danke, alte Technik und danke, dass offensichtlich alles ohne Probleme lief und die Neuteile relativ preiswert waren. Ich habe mit dieser Reparatur den Restwert des Wagens doch nicht überschritten :roll: und bin nun ein bisschen ärmer, aber wesentlich glücklicher als vorher.

Der Zauber-Schrauber, Teil 1

Hallo mein Audi. Dann wollen wir mal.

Neu beschnuppern. Neu erfahren. Bevor ich den BMW gleich nach Hause bringe und mit meinem Fahrrad wieder zurück komme, um den Dottore erneut zurück in die Familie zu lassen setze ich mich einmal rein. Cool. Hallo, du 70er Jahre Welt aus blauem und braunem Plastik. Es riecht nach altem Stoff und einem Schluck Kühlwasser. Das Raumgefühl ist sogar bei Dunkelheit einfach sagenhaft, die großen Fensterflächen und die Sitzposition tief drin machen aus dem Fahrersitz den Beichtstuhl in einer vergessenen Kathedrale aus Erinnerungen. Ach – er ist ja irgendwie doch ein Guter, der alte silberne Herr. Ich bin froh, den ganzen Kram da vorn drin nun neu zu haben, und das auch noch zu einem echt guten Preis. Möge er nun endlich, ENDLICH vernünftig fahren. Vielleicht war die kaputte Kopfdichtung ja der Schlüssel zum Oldtimer-Glück? Oder sind Sie etwa stutzig, weil in der Überschrift “Teil 1″ steht und ich erwähnt habe, dass der Meister erwähnt hat, dass immer noch etwas mit dem Vergaser nicht stimme? Womöglich stutzen Sie zurecht.

Wieder auf der StraÃ&#159;e

Wieder auf der Straße

Müde vom Tag trenne ich mich von dem BMW (schade schade) und bin um eine Erfahrung reicher. Auf meiner Radtour zum Audi durch die Dunkelheit treffe ich noch auf einen Tankstellenpächter, der sich als ein alter Bundesbruder meines halben, freudlosen Studentenverbindungsjahres von 1994 entpuppt, aber das ist eine andere Geschichte. Der Audi springt an und läuft im Stand rund. Er beschleunigt schlecht und ist noch immer bockig :-( Aber darum kümmern wir uns nächste Woche, morgen sind er und ich bei Filmaufnahmen zum Thema “Mein erstes Auto” unterwegs. Es gibt ein Wiedersehen mit meinem Granada Coupé, meinem alten Freund Svenni und mittendrin auch zwangsläufig mit Herrn Menzel. Denn der kann und muss zaubern. Gottseidank. Aber dazu bald mehr.

Sandmann

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Created Donnerstag, 11. Dezember 2014 Tags 1A Autoservice | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Menzel Kiel | Typ 43 | Vergaser | Zahnriemen | Zylinderkopfdichtung Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz