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12 Jun 2012

Re-CHARGE my Life!

Wie sich ein 68er Dodge in ein Leben einschleicht …

Tanke schön, das gehört dazu...

Tanke schön, das gehört dazu...

Kinder sind zwar irgendwann aus dem Spielzeugalter raus,  haben dann aber kein Geld. Wenn sie als Männer später Geld haben, nimmt es ihnen meist der Alltag oder die Doppelhaushälfte wieder ab. Oder die Lebensgefährtin. Denn die legt üblicherweise ein Veto gegen Spielzeug jeder Art ein.

Nicht so bei Martin Hofmann. Der ist erwachsen, hat Geld gespart und die Freundin auf seiner Seite. Und er will auch wieder spielen.

HIER geht es zum Artikel

Original: Sandmanns Welt

Created Dienstag, 12. Juni 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags 1968 | ami | Brandshof | Charger | Dodge | Dodge Charger | hamburg | Import | Musclecar | TRÄUME WAGEN
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28 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Unglaublich!, Corvette Z06-1587

Corvette Z06

Die Corvette Z06 kommt im Frühling 2015 nach Europa. Und wird zum ultimativen Schnäppchen.

Jetzt mal Tacheles: die neue Z06 wird zwar keinen Sauger mehr haben wie bisher, aber dafür 659 PS und ein maximales Drehmoment von 881 Nm. Geschaltet wird manuell über 7 Gänge oder automatisch über deren 8. Dazu: Alurahmen, Direkteinspritzung, Active Fuel Management (Zylinderdeaktivierung), kontinuierliche variable Ventilsteuerung, magnetorheologische Stossdämpfer (Magnetic Selective Ride Control), elektronisches Sperrdifferenzial. Auf Wunsch gibt es ausserdem noch das Z07-Performance-Paket mit Karbon-Keramik-Bremsscheiben von Brembo, einstellbare aerodynamische Teile für Front und Heck sowie Michelin Pilot Super Sport Cup Reifen für optimale Bodenhaftung.
Ein Hammer also.
Doch der absolute Hammer kommt jetzt: die neue Z06 kommt ab 99'500 Euro nach Europa. 99'500 Euro, dafür gibt es bei anderen Herstellern eine nett ausgestattete Mittelklasse-Limo. Gut, wer das Performance-Package will, muss noch einmal 16'500 Euro drauflegen. Aber dann hat man eine Waffe. Wahnsinn.
Mehr Corvette gibt es im Archiv.

Corvette Z06

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/corvette-z06-1587/seite_1-2

28 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Malibu ist in der Werkstatthölle

Diese Woche erreichten mich die Chevy Malibu Heckleuchten. Mein Dank gilt dem gleichnamigen User aus dem Fusselforum.

Malibu Heckleuchten

Parallel hatte ich bei eBay eigentlich aus Jux auf Camaro Heckleuchten geboten. Aus Jux deshalb, weil sie rote Blinker haben und die sind beim Titan nicht zulässig. Es gibt eine TÜV Ausnameregelung für Exportfahrzeuge. Die gilt aber nur für Fahrzeuge mit einer Erstzulassung vor dem 01.01.1970. Zuschlag beim obligatorischen einen Euro.

Camaro Heckleuchten

Landen entweder im Fundus oder auf meinem Verkaufstisch bei der Veterama für einen Schnäppchenpreis, der aber sicher über meinen Kosten liegen wird. Aber nicht komplett. Denn wie es der Zufall so will passen die Lampenhalterungen von den Camaro Leuchten an die vom Malibu.

Heckleuchten

Sitzen etwas locker, aber das lässt sich lösen. Mal sehen, wo ich noch ein paar Dichtungen aus dem Sanitärbedarf habe. Mit doppelter Dichtung sollte das fest und dicht werden.

Die Höhe der Leuchten ist ideal, weil identisch mit den originalen Escort Heckleuchten. Sollte relativ easy einzusetzen sein. Ich muss eben nur das Kennzeichen nach unten verlegen, weil die Leuchten breiter sind und somit in der Mitte kein Platz mehr für eine 52cm Tafel sein wird. Ich muss mal mit dem Zollstock an die Karre gehen. Ich hätte gerne das Kennzeichen unter der Prallfläche der Stoßstange. Das kann aber wie immer eng werden. Die Unterkante des hinteren Kennzeichens muss mindestens 30cm über der Fahrbahn sein. Der Grund, warum das hintere Kennzeichen beim Pirat auf und nicht unter der Stoßstange sitzt. Sollte aber gerade so hinhauen. Ich darf ihn nur nicht tieferlegen...

Original http://www.fusselblog.de/index.php/focht/malibu-ist-in-der-werkstatthoelle

27 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Can Struck  

Abt Sportsline und die Entscheidung für Mobil 1 Motoröl

Abt Audi R8 Mobil 1 Öl im Hintergrund
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Ich erinnere mich noch genau daran, als ein paar Blogger von ABT Sportsline nach Kempten eingeladen wurden, um die von ABT getunten Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern mal fahren zu können. Damit war ABT einer der ersten Tuner, der sich für Blogger öffnete. Unvergessen geblieben ist dabei bei mir besonders der ABT R8 GTS V10 mit 620PS in seinem ganz fürchterlichen Rotton. Diesen R8 in genau diesem Rotton könnt ihr euch übrigens im Video oben ansehen. Klar, eine andere Lackierung und schon ist das Ding ne runde Sache und dürfte jedem Werks-R8 von Audi das fürchten lehren.

Die 620PS des R8 übertrumpft noch der ABT RS6-R mit bis zu 730PS. In Worten: Siebenhundertunddreißig Pferdestärken! Keine Frage, dass man bei diesen PS-Zahlen erstens viel Wert auf das richtige Motoröl legt und zweitens dank vieler Jahre Erfahrung im Motorsport genau weiß welches das Richtige ist. Schließlich ist es einzig und allein das Motoröl, welches den Motor am laufen hält. Ihn kühlt und schmiert und dafür sorgt, dass selbst bei mehreren tausend Umdrehungen kein Teil trockenläuft.

Deswegen erhalten alle ABT-Fahrzeuge, die die Hallen in Kempten verlassen, nur noch Mobil 1 Motoröl.

Sowohl ABT als auch Mobil 1 haben viele Jahre Erfahrung im Motorsport und können nun diese Erfahrungen zusammenbringen. “Mobil 1 steht für weniger Reibung und extrem hohe Widerstandfähigkeit”, so Hans-Jürgen Abt. Welche Faktoren noch für Mobil 1 sprechen, erfahrt ihr im Video. Außerdem bekommt ihr jede Menge PS-Starke Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern zu sehen.

Bildquelle: ExxonMobil

Weitere Bilder gibt's bei Klick auf die Pfeile oben direkt auf Driver's Groove.
Der Beitrag Abt Sportsline und die Entscheidung für Mobil 1 Motoröl erschien zuerst auf Driver's Groove.

Original http://driversgroove.com/abt-sportsline-und-die-entscheidung-fuer-mobil-1-motoroel/

Created Donnerstag, 27. November 2014 Tags Videos Document type Article
27 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Das Ergebnis des Photoshootings

Ihr erinnert Euch - wir hatten den Pirat auf die Schnelle noch einmal vor dem Schweißen zusammengepfuscht für ein Photoshooting. Damals durfte ich Euch nicht verraten, für was das war - seit gestern Abend ist das Ergebnis online:

VWC

Im Magazin auf Volkswagen Classic gibt es diesen Monat ein Passat Special und die haben einen Bericht über meinen Passat Fetisch gemacht. Ist ein kurzweiliger Bericht mit wirklich guten Fotos geworden.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/das-ergebnis-des-photoshootings?blog=29

27 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Ralf Becker  

Cliff

Cliff

Cliff Kaufmann inspired me doing this private project.

Words by Marc Johnson Modus Operandi
https://www.youtube.com/watch?v=FrfN4IQdy6o

Music By
Balmorhea - Masollan

The effect is inspired by DVS commercials
https://vimeo.com/11446146

Drone Shots
Daniel Wagner

Performance
Sandro Trovato
Michael Fitschi Tan
Patrick Zentgraf
Kilian Zehnder
Erik Mueller
Yanick S.E.

Thanks guys!

(c)2014 Imadeafilm post production
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/Cliff.html

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Webhosting by Speicherzentrum.de
 
27 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Jan Gleitsmann  

Pocket Rocket? 2015 Volkswagen Polo GTI (6R) – Erfahrungen meiner Probefahrt

3 .. 2 .. 1 .. Ignition! Ich drehe den Zündschlüssel und der 1.8 Liter TSI Motor meldet sich mit seinen 192 PS doch eher dezent zum Dienst. Hm, der Start meiner onyx-weissen Pocket-Rocket in Form des neuen 2015 Volkswagen Polo GTI habe ich mir doch ein wenig imposanter vorgestellt. Zumal ich ja beim Gang um den Polo die doppelflutige Auspuffanlage bestaunen durfte. Aber gut, der Klang ist ja nun auch nicht alles. Zudem verfügt der Polo GTI über einen Sport-Knopf, mit dem man die Geräuschuntermalung im Innenraum noch einmal verstärken kann. Jedem potentiellen Käufer muss dabei klar sein, dass der Klang synthetisch erzeugt wird. Motor und Auspuffanlage alleine verhelfen nicht zum vielleicht erwarteten Ohrenschmaus.Wen dies jetzt nicht vollkommen aus den Latschen haut, der darf sich durchaus auf den neuen Polo GTI freuen. Denn im Prinzip ist der Klang auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich für mich festhalten möchte. Vielleicht noch eine Kleinigkeit. An den Aussenseiten der Seitenspiegel sieht man mittels einer kleiner LED, ob man gerade blinkt oder auch nicht. Da ich es mittlerweile gewöhnt bin, dass im Aussenspiegel allenfalls ein Totwinkelwarner leuchtet, war ich anfangs doch etwas irritiert. Nun wird ein potentieller Käufer nicht wie ich jede Woche das Auto wechseln. Somit ist dieser Punkt also auch zu vernachlässigen. Allenfalls dass es keinen Totwinkelwarner in unserem Testwagen gab, fand ich ein wenig schade. Aber letztendlich ist der Polo eben ein Kleinwagen zum kleinen Preis.

Original http://auto-geil.de/2014/11/27/pocket-rocket-2015-volkswagen-polo-gti-6r-erfahrungen-meiner-probefahrt/

27 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Und mal wieder: Back on the Road

Die Schnellrettung des Titan ging natürlich nur mit "etwas" Pfusch. Nennen wir es einmal zeitwertgerechte Reparatur. Sollte ich den Wagen längerfristig erhalten wollen, werde ich um den Tausch des Frontblechs nicht drumrumkommen. Die Konstruktion der Scheinwerferbefestigung ist kein Spaß. Der Blinker wird oben mit einer Schraube verschraubt, die gleichzeitig der Haltezapfen für den Scheinwerfer ist. Dann gibt es eine Klammer außen und einen Metallwinkel, der vom Stellmotor des Scheinwerfers gehalten wird. Stellmotor am Sack, oberer Haltepunkt komplett aus der Spur. Das in Einklang bringen ohne Stellmotor mit heilen Haltenasen? Unmöglich eigentlich. Aber wenn man sich zu helfen weiß...

Pfusch

Vorläufig hält das. Ich brauche am Freitag den Wagen. Also weiter im Text.

Es fehlte die Kotflügelecke. Ich hatte am Anfang echt mit dem Gedanken gespielt, da eine zu rekonstruieren und einzuschweißen. Aber wieso die Mühe, wenn die Karre eh schief und krumm ist. Wieso nicht einen Gag einbauen? Was liegt denn so rum? Erster Blick fiel auf ein abgelaufenes Kurzzeitkennzeichen. Alublech, leicht zu dengeln, Rostet nicht - her mit dem Teil. Zurechtgeschnitten, zurechtgebogen, Sikaflex, Blindnieten.

Pfusch

Und da das Kennzeichen reflektiert, habe ich es grundiert - weiß, weil das der beste Untergrund für die spätere gelbe Lackierung ist.

Pfusch

Stoßstange montiert, Kühlerfrostschutz und Wasser aufgefüllt, Kennzeichen drangetackert - jo, dann konnte es losgehen.

Ford Titan

Es ist noch nicht alles perfekt. Ich hatte die Blinker mit Warnblinkanlage getestet, die geht, der normale Blinker komischerweise nicht. Da muss ich nochmal bei, auch wenn ich den Fehler mir bisher nicht erklären kann. Aber was echt positiv ist: Der Wagen fährt ganz sauber in der Spur, das Fahrwerk scheint tatsächlich keinen Schlag bekommen haben. Ich werde trotzdem die Spur vermessen lassen. Vorher will ich aber noch eine Achsmanschette wechseln. Dafür muss ich eh das Federbein lösen.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/focht/und-mal-wieder-back-on

26 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Jens Tanz  

Der Morgen danach

Der Morgen danach

Das zugewachsene Paradies

Was macht Mann an einem grauen Morgen, bei dem man nicht so richtig definieren kann, wie der gestrige Abend eigentlich so war? Definieren sowohl vom Endlich-mal-wieder-gesehen-Faktor als auch von der Menge an gemeinsam getrunkenem Rotwein? Und der Lautstärke der in die Nacht geschmetterten Lieder. Und der in Kerzenflammen aufgedampften Mücken. Eine ganze Menge undefinierbare Thematiken, ich werde mal langsam wach und komme dem Wunsch nach, meinen gebeutelten Körper in die Badestelle meiner Kindheit zu tunken. Den Oldenstädter See. Wenn es den überhaupt noch gibt.

Der Morgen danach

Ich habe schon besser geschlafen

Falls Sie erst jetzt dazuschalten, ich habe gestern Abend meine Sandkastenfreundin Silke besucht und bin nach vielen, nach sehr sehr vielen Wörtern und Noten und maximal einem halben Glas Wein :roll: irgendwann in meinen Autowagen gekrochen, um der Nacht und dem Schlafe zu huldigen. Mir wurde seitens der Mutter ein komfortables Gästezimmer mit einem richtigen Bett und richtigen Bettdecken angeboten, und es war gar nicht so leicht, ihr zu erklären, dass ich im Auto schlafen möchte. Ohne, dass es unhöflich wirkt. Aber ich schlaf nunmal gern im Auto, und das ist in diesem Jahr vermutlich die letzte Möglichkeit gewesen, das Ein-Stern-Hotel Sindelfingen ohne Heizlüfter zu bewohnen. Man gestattete es mir kopfschüttelnd und verständnislos lächelnd :-)
Die Nacht war dunkel, die Nacht war kurz und sie war vor allem – kalt! Ich habe schon wieder Patty Smyth im Ohr, die vom Sommer singt, der vergangen ist. Sie mag Recht haben. Immer noch mit dem dicken Pulli bekleidet krabbel ich kurz aus dem Daimler raus in die trübe Helligkeit, muss mich ein bisschen kalibrieren, laufe dann einigermaßen geradeaus in die Küche. Da steht ein opulent gedeckter Frühstückstisch, um den viele viele ausschließlich weibliche Menschen aller Altersgruppen sitzen, denen ich mitteile, dass ich noch ein bisschen Zeit erbitte. Ich wolle baden gehen.

Der Morgen danach

Hirn freiblasen. So oder so gut.

Wind im Gesicht. Morgenluft.
Das tut sehr gut. In Ripdorf lasse ich besagte Damenwelt, bestehend aus drei direkt miteinander verwandten Generationen, ähnlich kopfschüttelnd zurück wie nach der Ankündigung, den harten Mercedes Kofferraum einem weichen warmen Bett vorzuziehen. Im Kreis Uelzen scheint man im August pauschal nicht gern baden gehen zu wollen, wir Kieler sind da ein wenig anders gestrickt. Wir sind Wind, Regen und Kälte gewohnt. Wir finden das genausowenig toll wie andere, aber wir jammern nicht über das, was wir nicht ändern können ;-) Und ich sehe aktuell keine andere Möglichkeit, mich ins Hier und Jetzt zurück zu holen. Ändern kann ich hoffentlich den leichten, unangenehmen Druck in meinem Kopf, direkt hinter meinen Augen. Kennen Sie das, wenn es sich so anfühlt, als gingen Sie in Watte gepackt durch die Welt, während jemand versucht, mit einem Angelhaken und viel Kraft Ihr Gehirn vorn aus der Stirn rauszuziehen? Ich glaube ich darf noch gar nicht autofahren……
Hab ich gestern Nacht noch sinnentleerte SMS an die falschen Menschen geschrieben? Uff – nein, anscheinend nicht. Meine linke Hand ist müde und tut weh von viel zu vielen Gitarrenakkorden. Meine Stimme ist heiser. Und trotzdem bin ich irgendwie beseelt.

Der Morgen danach

keiner guckt zu. Also los.

Klappe auf. Strippen am Oldenstädter See. Dieses bewässerte Loch in der Erde ist die einzige mir bekannte Wasserpfütze weit und breit. Als in den 70ern der Elbe-Seitenkanal quer durch das Land gebuddelt wurde war das hier die Kiesquelle für die hohen Böschungen der Wasserstraße. Ein komplett künstlicher Baggersee mit einer kleinen Insel in der Mitte und unfassbar weißen Sandstränden, die damals viel zu tot und nährstoffarm waren, um der Natur Lebensraum zu bieten. Und das war auch gut so. Jeden Sommer drängten sich jung und alt hier und badeten, plantschten, bauten Sandburgen und ernährten sich angenehm ungesund mit all dem, was der kleine Kiosk so angeboten hatte. Ein kleines Cuxhaven in der Lüneburger Heide, ich habe es geliebt.
Schnitt.
Die gute Nachricht: Der See ist noch da. Die schlechte Nachricht: Nur mit meiner Badehose bekleidet wird mir nicht wirklich wärmer, und das hier vor mir sieht mehr wie ein naturgeschütztes Sumpfgebiet als wie der wimmelige Baggersee der 70er aus. Bis auf einen schmalen Pfad ist der komplette Strand rundrum zugewachsen mit Gräsern, Schilf und ziemlich hohen Bäumen, die verschwundene Insel schimmert nur noch trübe unter der grauen Oberfläche und der Kiosk ist zwar noch da, aber heute zu. Na klar. Ist ja auch kein Mensch weit und breit zu sehen. Egal. Ich will da jetzt rein in der Hoffnung, den Tag einigermaßen erfrischt beginnen zu können und nicht wie ein verwahrloster, nach Sprit stinkender Penner in Ripdorf am Frühstückstisch zu sitzen. Banzaiiiii!

Der Morgen danach

YAAAAAYYYYYYYYY

ARGH. Großartig! Ich bin drin.
Und ein längst verschütteter Gedanke zappt in meinen restalkoholisierten Kopf: Hier, genau an dieser Stelle habe ich Ende der 70er meinen ersten Toten gesehen. Ein junger Mann, der im Hochsommer nach ein paar Stunden Sonnenbaden reingelaufen ist und mit einem Herzinfarkt ertrank. Wir saßen quasi daneben, als sie ihn nach einer Stunde, viel zu spät, mit Tauchern rausgefischt und vergeblich reanimiert hatten. Diese tödlichen Temperaturunterschiede erfährt mein Körper heute nicht, das sehr frostige Wasser nimmt sich nix mit der ebenso frostigen Morgenluft. Aber drin sein ist super. Und rauskommen auch, denn es kann nun eigentlich nur wärmer werden ;-) Da bin ich wieder. Wenn ich vorhin diesen See mit einem kleinen Cuxhaven verglichen habe wird mir jetzt schlagartig klar, dass auch Cuxhaven vielleicht im Jahr 2014 nicht mehr zu den Top-Badeadressen der Republik gehört. Aus gutem Grund. Aber hier… wo wenn nicht hier badet man denn bitte schön, wenn man in Uelzen wohnt??? Abtrocknen, nochmal durchdeklinieren was ich damals am Kiosk alles gekauft hätte (Schnuller, Salzdiamanten, süße Frösche, Schleckmuscheln, Lakritzschnecken und das neue YPS Heft) und dann zurück an den Frühstückstisch, bevor auch der letzte Schluck Kaffee in der riesengroßen Familienthermoskanne kalt geworden ist.

Der Morgen danach

Hihi geil. 20 Jahre jünger

Ja. Besser jetzt :-) Ich kann auch nach dieser sehr angenehmen Schocktherapie keine Momente am vergangenen Abend rekonstruieren, die man peinlich berührt aufarbeiten müsste. Schade, dass alle Fotos entweder unscharf sind oder sehr stark verdeutlichen, dass wir ein paar Gläschen Wein zu viel getrunken haben. Ich musste Silke versprechen, die unveröffentlicht zu lassen, was ich gern mache, da ich selbst auch nicht sonderlich gut auf denen abschneide. Puh. Aber das Kopfweh ist noch immer da, ich gehöre zu der Kategorie Mensch, die oft erst am folgenden Abend einen richtigen Kater bekommen. Na das kann ja heiter werden.
Am Frühstückstisch, der jedem guten Hotelbuffet dramatische Konkurrenz machen kann, sitzt noch immer die Familie und plaudert, lacht und frotzelt. Seit meiner Anwesenheit dann auch gern über mich. Es ist, als wären nicht fast 30 Jahre vergangen, seit ich hier regelmäßig als Teenager aus und ein ging. Damals mochte ich allerdings noch keinen Kaffee, und da habe ich echt was verpasst. Kann ich bitte noch einen haben? Was für liebe Menschen. Ich bereue langsam ein bisschen, das Angebot mit dem Bett ausgeschlagen zu haben. Mein Rücken tut weh und meine rechte Schulter hängt irgendwie ein bisschen anders am Hals als gestern noch. Verdammt. Ich werde echt nicht jünger, warum hat mir das damals niemand gesagt?

Der Morgen danach

Die Dame schmunzelt ob des nassen Sandmanns

Silke wurde gestern Abend ein bisschen schneller betrunken als ich – heute ist sie allerdings auch ein bisschen schneller wieder nüchtern. Ich fühle mich noch immer nicht endgültig fahrtauglich (irgend jemand muss für die Statistiken mal die Anzahl der Rotweinflaschen rekonstruieren… Silke?), obwohl ich rund drei Liter guten schwarzen Kaffee in mir drin habe und mir gleich an einer Tanke hinter Uelzen für den Rückweg sicherlich noch einen weiteren holen werde. Tja. Hm. Schräger Abend, schräger Morgen. Gerade waren wir noch Teenager und hatten alles noch vor uns, und plötzlich sind wir erwachsen. Sie hat (wie sich das gehört) damals einen Jens geheiratet und lebt mit ihm und den beiden bezaubernden Töchtern im Lippischen. Ich habe keine Silke geheiratet, und es hat mich mit inzwischen drei bezaubernden Töchtern nach Kiel und Hamburg zerstäubt. In Uelzen sind wir alle nicht geblieben. Aber wir sind gern hier her zurück gekommen und werden es immer wieder tun. Wenn auch aus verschiedenen Gründen. Silke hat hier nach wie vor ihr Elternhaus und einen Teil ihrer Familie. Sie kann hier loslassen, sich mal von Mutti bekochen und die Seele baumeln lassen. Ich kann hier nur meinen Kindheitsakku aufladen. Der Rest ist weg, gehört unbekannten Menschen oder wurde eingeebnet. Aber trotzdem tut es gut, wieder einmal abgetaucht zu sein. Auch in das Wasser des O-Sees. Mit diesen Eindrücken kann ich nun wieder nach vorn gucken.

Der Morgen danach

Ciao Freundin. Bis bald mal.

Seit 1983 nicht mehr da. Und trotzdem irgendwie immer noch. Wenn ich Silke wiedersehe, auch wenn ich mich mal mit meinen guten Freunden Markus und Olaf in der Vorweihnachtszeit treffe ist alles wie immer. Wie früher. Woran liegt das? Was macht eine Freundschaft so besonders, wenn sie schon in der Grundschule begonnen hat und sich mit mehr oder weniger langen Pausen bis heute hält? Ist es das natürliche Vertrauen, was Kinder einander entgegen bringen und was sie später gegenseitig nicht so leicht brechen? Ist es die Einbildung, dass sie alle immer noch da sind, die einem vorgaukelt, dass sich gar nicht so viel verändert hat und man nicht so schnell altert wie alle behaupten? Oder ticke ich vielleicht nur allein so, denn die anderen drei leben ja hier immer noch, haben ihren Alltag und ihre Freuden und ihren Kummer und nicht diesen Zauber der für immer vergangenen Kindheit, der mir als “Vertriebenem” hier diesen sehr emotionalen Schleier über die Gegend legt? Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht werde ich es niemals ergründen. Aber es fühlt sich gut an.

Der Morgen danach

Kanal mit Aussicht

Gleicher Kanal, gleiche Brücke, anderes Auto. Wenn ich mir alte Fotos angucke kann ich anhand der Autos, die ich jeweils gefahren und in den Bildern geparkt habe rekonstruieren, wann das ungefähr war. Autos kommen und gehen. Gute Freunde nicht. Ich stelle meine Karre auf der Straße ab und steige aus, sollen die anderen doch drumrum fahren. Machen sie auch. Ohne zu hupen. Erstaunlich.
Da unten rechts ist die Siedlung, in der ich aufgewachsen bin. Der Acker nebenan. Und der Bauernhof. Es reißt mir fast das Herz raus. Es gibt Ereignisse, Verhaltensweisen und Verdrängungen, die können ein Kind echt kaputt machen. Ich glaube, manche Eltern sind sich darüber gar nicht im Klaren. Ich fahre zurück in meinen Alltag, zu den Menschen, die ich liebe und die heute an meiner Seite sind. Das ist so sagenhaft wichtig. Und wichtig sind auch die alten Freunde. Sie sind ein kleiner, konstanter Anker in einem aufgewühlten Meer voller Veränderungen.

Sandmann

[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]

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26 Nov 2014
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Desolation

Desolation

Scoping around Moscow region we found that abandoned children camp. This place inspired us on a new project which we called Desolation. Thank you for watching.
#makelifearide
Filmed by Daniel Kushnarevich and Alexander Golovkin (slow motion).
Edited by Daniel Kushnarevich.
Athlete: Vadim Shpilevsky.
Location: Abandoned children camp, 50km from Moscow, Russia.
Song: The Heavy Eyes - These Men Are Wolves. Buy on iTunes https://itunes.apple.com/album/maera/id586675647?ign-mpt=uo%3D4
Sony fs-100, Sony fs-700, Canon 6D + different lenses, Glidecam, Glidetrack, DJI Phantom 2 + GoPro Hero 4.
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/Desolation.html

26 Nov 2014
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Alfa Romeo 4C: Is the future bright?

Alfa Romeo 4C: Is the future bright?

Carbon tub. Small engine. Wide track. Some call it the recipe of the future for driver's cars.


The same money can get you a Jaguar, BMW, or (almost) a Viper. Is that what you should buy?

The master of big engines and old tech, Mike Musto, takes the Alfa 4C for a hot run up Highway 1 to see what the little spitfire is all about.
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/Alfa_Romeo_4C__Is_the_future_bright_.html

 
26 Nov 2014
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KEN BOX'S CRAZY CART GYMKHANA TWO - THE ULTIMATE KEN BOX SEQUEL (a Ken Block tribute)

KEN BOX'S CRAZY CART GYMKHANA TWO - THE ULTIMATE KEN BOX SEQUEL (a Ken Block tribute)

KEN BOX 2 - THE ULTIMATE KEN BOX SEQUEL (a Ken Block Gymkhana 6 tribute parody)

Credits:

Ken Box 2 Crazy Cart Gymkhana, a Ken Block Gymkhana parody created by Todd Grossman and Ali Kermani

Ken Box 2 Crazy Cart Gymkhana, a Ken Block Gymkhana parody Shot and Directed by Todd Grossman

Ken Box 2 Crazy Cart Gymkhana, a Ken Block Gymkhana parody: A Bluerock Creative short film in association with Acoustic Productions

Ken Box 2 Crazy Cart Gymkhana, a Ken Block Gymkhana parody featuring Ali Kermani as Ken Box

Ken Box 2 Crazy Cart Gymkhana, a Ken Block Gymkhana parody with Dean Paul Denniston as the Gorilla

Ken Box 2 Crazy Cart Gymkhana, a Ken Block Gymkhana parody additional camera work by Chris Edmands

Ken Box 2 Crazy Cart Gymkhana, a Ken Block Gymkhana parody edited by Bryndon Smith and Todd Grossman

Ken Box Crazy Cart Gymkhana, a Ken Block Gymkhana parody sound design by Norbert Caoili

Ken Box 2 Crazy Cart Gymkhana, a Ken Block Gymkhana parody special thanks to:
Tiffany Brown
John Radtke
Shelby Stasenka
Mike Lorrain
Roderick Stewart
Martin Morales
Con Global
Shannon Gardner
Brian Skillen
Scott Carpenter

Credits music: DAWN OF THE FALL courtesy of Chris Daigle.

Video produced by Bluerock Creative - http://BluerockCreative.com

in association with Acoustic Productions

Get more info on the Crazy Cart at www.Razor.com

And definitely don't forget to check out [HOONIGAN] KEN BLOCK'S GYMKHANA SEVEN: WILD IN THE STREETS OF LOS ANGELES and Need for Speed: Ken Block's Gymkhana Six -- Ultimate Gymkhana Grid Course --- gotta pay tribute to the O.G.!
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/KEN_BOXS_CRAZY_CART_GYMKHANA_TWO_-_THE_ULTIMATE_KEN_BOX_SEQUEL__a_Ken_Block_tribute_.html

26 Nov 2014
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One Vespa Leads To Another

One Vespa Leads To Another

When he was six years old, Peter Maas nabbed his grandfather’s garage key and snuck into his own future. Inside the shop, he found himself captivated by the shelves of carburetors and spark plugs, and old pictures of his grandpa’s TT racing days at Assen. From that moment on, Maas was obsessed with old things, and especially with old things that motored about on two wheels.

Upon turning sixteen, Maas bought himself a Vespa PK50. From there, one Vespa led to another and, today, he finds himself buying, selling, and restoring Vespas for a living in the Netherlands. He can now frequently be found stirring up the autumn leaves from atop his all-original GS160, an Italian-production model that exemplifies the voluptuous metal construction of the 1960s-era Vespas, Maas’s favorite.

Out of a mischievous childhood moment, Maas created a life that allows him to share his passion for vintage Vespas with others. In this video, he shares it with us.

Drive Tastefully®

http://Petrolicious.com
http://facebook.com/Petrolicious
In album Editor's Pick

Original http://www.chromjuwelen.com/de/photos-a-videos/v/videos/editorsPick/One_Vespa_Leads_To_Another.html

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24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
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26 Nov 2014
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Der Morgen danach

Der Morgen danach

Das zugewachsene Paradies

Was macht Mann an einem grauen Morgen, bei dem man nicht so richtig definieren kann, wie der gestrige Abend eigentlich so war? Definieren sowohl vom Endlich-mal-wieder-gesehen-Faktor als auch von der Menge an gemeinsam getrunkenem Rotwein? Und der Lautstärke der in die Nacht geschmetterten Lieder. Und der in Kerzenflammen aufgedampften Mücken. Eine ganze Menge undefinierbare Thematiken, ich werde mal langsam wach und komme dem Wunsch nach, meinen gebeutelten Körper in die Badestelle meiner Kindheit zu tunken. Den Oldenstädter See. Wenn es den überhaupt noch gibt.

Der Morgen danach

Ich habe schon besser geschlafen

Falls Sie erst jetzt dazuschalten, ich habe gestern Abend meine Sandkastenfreundin Silke besucht und bin nach vielen, nach sehr sehr vielen Wörtern und Noten und maximal einem halben Glas Wein :roll: irgendwann in meinen Autowagen gekrochen, um der Nacht und dem Schlafe zu huldigen. Mir wurde seitens der Mutter ein komfortables Gästezimmer mit einem richtigen Bett und richtigen Bettdecken angeboten, und es war gar nicht so leicht, ihr zu erklären, dass ich im Auto schlafen möchte. Ohne, dass es unhöflich wirkt. Aber ich schlaf nunmal gern im Auto, und das ist in diesem Jahr vermutlich die letzte Möglichkeit gewesen, das Ein-Stern-Hotel Sindelfingen ohne Heizlüfter zu bewohnen. Man gestattete es mir kopfschüttelnd und verständnislos lächelnd :-)
Die Nacht war dunkel, die Nacht war kurz und sie war vor allem – kalt! Ich habe schon wieder Patty Smyth im Ohr, die vom Sommer singt, der vergangen ist. Sie mag Recht haben. Immer noch mit dem dicken Pulli bekleidet krabbel ich kurz aus dem Daimler raus in die trübe Helligkeit, muss mich ein bisschen kalibrieren, laufe dann einigermaßen geradeaus in die Küche. Da steht ein opulent gedeckter Frühstückstisch, um den viele viele ausschließlich weibliche Menschen aller Altersgruppen sitzen, denen ich mitteile, dass ich noch ein bisschen Zeit erbitte. Ich wolle baden gehen.

Der Morgen danach

Hirn freiblasen. So oder so gut.

Wind im Gesicht. Morgenluft.
Das tut sehr gut. In Ripdorf lasse ich besagte Damenwelt, bestehend aus drei direkt miteinander verwandten Generationen, ähnlich kopfschüttelnd zurück wie nach der Ankündigung, den harten Mercedes Kofferraum einem weichen warmen Bett vorzuziehen. Im Kreis Uelzen scheint man im August pauschal nicht gern baden gehen zu wollen, wir Kieler sind da ein wenig anders gestrickt. Wir sind Wind, Regen und Kälte gewohnt. Wir finden das genausowenig toll wie andere, aber wir jammern nicht über das, was wir nicht ändern können ;-) Und ich sehe aktuell keine andere Möglichkeit, mich ins Hier und Jetzt zurück zu holen. Ändern kann ich hoffentlich den leichten, unangenehmen Druck in meinem Kopf, direkt hinter meinen Augen. Kennen Sie das, wenn es sich so anfühlt, als gingen Sie in Watte gepackt durch die Welt, während jemand versucht, mit einem Angelhaken und viel Kraft Ihr Gehirn vorn aus der Stirn rauszuziehen? Ich glaube ich darf noch gar nicht autofahren……
Hab ich gestern Nacht noch sinnentleerte SMS an die falschen Menschen geschrieben? Uff – nein, anscheinend nicht. Meine linke Hand ist müde und tut weh von viel zu vielen Gitarrenakkorden. Meine Stimme ist heiser. Und trotzdem bin ich irgendwie beseelt.

Der Morgen danach

keiner guckt zu. Also los.

Klappe auf. Strippen am Oldenstädter See. Dieses bewässerte Loch in der Erde ist die einzige mir bekannte Wasserpfütze weit und breit. Als in den 70ern der Elbe-Seitenkanal quer durch das Land gebuddelt wurde war das hier die Kiesquelle für die hohen Böschungen der Wasserstraße. Ein komplett künstlicher Baggersee mit einer kleinen Insel in der Mitte und unfassbar weißen Sandstränden, die damals viel zu tot und nährstoffarm waren, um der Natur Lebensraum zu bieten. Und das war auch gut so. Jeden Sommer drängten sich jung und alt hier und badeten, plantschten, bauten Sandburgen und ernährten sich angenehm ungesund mit all dem, was der kleine Kiosk so angeboten hatte. Ein kleines Cuxhaven in der Lüneburger Heide, ich habe es geliebt.
Schnitt.
Die gute Nachricht: Der See ist noch da. Die schlechte Nachricht: Nur mit meiner Badehose bekleidet wird mir nicht wirklich wärmer, und das hier vor mir sieht mehr wie ein naturgeschütztes Sumpfgebiet als wie der wimmelige Baggersee der 70er aus. Bis auf einen schmalen Pfad ist der komplette Strand rundrum zugewachsen mit Gräsern, Schilf und ziemlich hohen Bäumen, die verschwundene Insel schimmert nur noch trübe unter der grauen Oberfläche und der Kiosk ist zwar noch da, aber heute zu. Na klar. Ist ja auch kein Mensch weit und breit zu sehen. Egal. Ich will da jetzt rein in der Hoffnung, den Tag einigermaßen erfrischt beginnen zu können und nicht wie ein verwahrloster, nach Sprit stinkender Penner in Ripdorf am Frühstückstisch zu sitzen. Banzaiiiii!

Der Morgen danach

YAAAAAYYYYYYYYY

ARGH. Großartig! Ich bin drin.
Und ein längst verschütteter Gedanke zappt in meinen restalkoholisierten Kopf: Hier, genau an dieser Stelle habe ich Ende der 70er meinen ersten Toten gesehen. Ein junger Mann, der im Hochsommer nach ein paar Stunden Sonnenbaden reingelaufen ist und mit einem Herzinfarkt ertrank. Wir saßen quasi daneben, als sie ihn nach einer Stunde, viel zu spät, mit Tauchern rausgefischt und vergeblich reanimiert hatten. Diese tödlichen Temperaturunterschiede erfährt mein Körper heute nicht, das sehr frostige Wasser nimmt sich nix mit der ebenso frostigen Morgenluft. Aber drin sein ist super. Und rauskommen auch, denn es kann nun eigentlich nur wärmer werden ;-) Da bin ich wieder. Wenn ich vorhin diesen See mit einem kleinen Cuxhaven verglichen habe wird mir jetzt schlagartig klar, dass auch Cuxhaven vielleicht im Jahr 2014 nicht mehr zu den Top-Badeadressen der Republik gehört. Aus gutem Grund. Aber hier… wo wenn nicht hier badet man denn bitte schön, wenn man in Uelzen wohnt??? Abtrocknen, nochmal durchdeklinieren was ich damals am Kiosk alles gekauft hätte (Schnuller, Salzdiamanten, süße Frösche, Schleckmuscheln, Lakritzschnecken und das neue YPS Heft) und dann zurück an den Frühstückstisch, bevor auch der letzte Schluck Kaffee in der riesengroßen Familienthermoskanne kalt geworden ist.

Der Morgen danach

Hihi geil. 20 Jahre jünger

Ja. Besser jetzt :-) Ich kann auch nach dieser sehr angenehmen Schocktherapie keine Momente am vergangenen Abend rekonstruieren, die man peinlich berührt aufarbeiten müsste. Schade, dass alle Fotos entweder unscharf sind oder sehr stark verdeutlichen, dass wir ein paar Gläschen Wein zu viel getrunken haben. Ich musste Silke versprechen, die unveröffentlicht zu lassen, was ich gern mache, da ich selbst auch nicht sonderlich gut auf denen abschneide. Puh. Aber das Kopfweh ist noch immer da, ich gehöre zu der Kategorie Mensch, die oft erst am folgenden Abend einen richtigen Kater bekommen. Na das kann ja heiter werden.
Am Frühstückstisch, der jedem guten Hotelbuffet dramatische Konkurrenz machen kann, sitzt noch immer die Familie und plaudert, lacht und frotzelt. Seit meiner Anwesenheit dann auch gern über mich. Es ist, als wären nicht fast 30 Jahre vergangen, seit ich hier regelmäßig als Teenager aus und ein ging. Damals mochte ich allerdings noch keinen Kaffee, und da habe ich echt was verpasst. Kann ich bitte noch einen haben? Was für liebe Menschen. Ich bereue langsam ein bisschen, das Angebot mit dem Bett ausgeschlagen zu haben. Mein Rücken tut weh und meine rechte Schulter hängt irgendwie ein bisschen anders am Hals als gestern noch. Verdammt. Ich werde echt nicht jünger, warum hat mir das damals niemand gesagt?

Der Morgen danach

Die Dame schmunzelt ob des nassen Sandmanns

Silke wurde gestern Abend ein bisschen schneller betrunken als ich – heute ist sie allerdings auch ein bisschen schneller wieder nüchtern. Ich fühle mich noch immer nicht endgültig fahrtauglich (irgend jemand muss für die Statistiken mal die Anzahl der Rotweinflaschen rekonstruieren… Silke?), obwohl ich rund drei Liter guten schwarzen Kaffee in mir drin habe und mir gleich an einer Tanke hinter Uelzen für den Rückweg sicherlich noch einen weiteren holen werde. Tja. Hm. Schräger Abend, schräger Morgen. Gerade waren wir noch Teenager und hatten alles noch vor uns, und plötzlich sind wir erwachsen. Sie hat (wie sich das gehört) damals einen Jens geheiratet und lebt mit ihm und den beiden bezaubernden Töchtern im Lippischen. Ich habe keine Silke geheiratet, und es hat mich mit inzwischen drei bezaubernden Töchtern nach Kiel und Hamburg zerstäubt. In Uelzen sind wir alle nicht geblieben. Aber wir sind gern hier her zurück gekommen und werden es immer wieder tun. Wenn auch aus verschiedenen Gründen. Silke hat hier nach wie vor ihr Elternhaus und einen Teil ihrer Familie. Sie kann hier loslassen, sich mal von Mutti bekochen und die Seele baumeln lassen. Ich kann hier nur meinen Kindheitsakku aufladen. Der Rest ist weg, gehört unbekannten Menschen oder wurde eingeebnet. Aber trotzdem tut es gut, wieder einmal abgetaucht zu sein. Auch in das Wasser des O-Sees. Mit diesen Eindrücken kann ich nun wieder nach vorn gucken.

Der Morgen danach

Ciao Freundin. Bis bald mal.

Seit 1983 nicht mehr da. Und trotzdem irgendwie immer noch. Wenn ich Silke wiedersehe, auch wenn ich mich mal mit meinen guten Freunden Markus und Olaf in der Vorweihnachtszeit treffe ist alles wie immer. Wie früher. Woran liegt das? Was macht eine Freundschaft so besonders, wenn sie schon in der Grundschule begonnen hat und sich mit mehr oder weniger langen Pausen bis heute hält? Ist es das natürliche Vertrauen, was Kinder einander entgegen bringen und was sie später gegenseitig nicht so leicht brechen? Ist es die Einbildung, dass sie alle immer noch da sind, die einem vorgaukelt, dass sich gar nicht so viel verändert hat und man nicht so schnell altert wie alle behaupten? Oder ticke ich vielleicht nur allein so, denn die anderen drei leben ja hier immer noch, haben ihren Alltag und ihre Freuden und ihren Kummer und nicht diesen Zauber der für immer vergangenen Kindheit, der mir als “Vertriebenem” hier diesen sehr emotionalen Schleier über die Gegend legt? Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht werde ich es niemals ergründen. Aber es fühlt sich gut an.

Der Morgen danach

Kanal mit Aussicht

Gleicher Kanal, gleiche Brücke, anderes Auto. Wenn ich mir alte Fotos angucke kann ich anhand der Autos, die ich jeweils gefahren und in den Bildern geparkt habe rekonstruieren, wann das ungefähr war. Autos kommen und gehen. Gute Freunde nicht. Ich stelle meine Karre auf der Straße ab und steige aus, sollen die anderen doch drumrum fahren. Machen sie auch. Ohne zu hupen. Erstaunlich.
Da unten rechts ist die Siedlung, in der ich aufgewachsen bin. Der Acker nebenan. Und der Bauernhof. Es reißt mir fast das Herz raus. Es gibt Ereignisse, Verhaltensweisen und Verdrängungen, die können ein Kind echt kaputt machen. Ich glaube, manche Eltern sind sich darüber gar nicht im Klaren. Ich fahre zurück in meinen Alltag, zu den Menschen, die ich liebe und die heute an meiner Seite sind. Das ist so sagenhaft wichtig. Und wichtig sind auch die alten Freunde. Sie sind ein kleiner, konstanter Anker in einem aufgewühlten Meer voller Veränderungen.

Sandmann

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23 Nov 2014
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Silke

Silke

Ein Ausflug in die Vergangenheit. Ein echter.

Eine Reise in die Vergangenheit. Eine lange verschüttete Vergangenheit, hinter der jemand schon 1983 die Tür geschlossen hat. Hinter dieser Tür saß all die Jahre eine Spielkameradin aus der ersten Grundschule, eine Kinderfreundschaft, eine Jugendliebe. Und heute? Sie ist mit ihren Töchtern heute Abend in Ripdorf bei Uelzen. Wo wir endlose Sommer lang in den Feldern, zwischen Strohballen und in alten Autos gespielt haben. Wo ich als Teenager pathetische Liebeskummerballaden unter einem Kirschbaum gesungen habe, in dem 42 große Lebkuchenherzen hingen. Wo die Zeit stehen blieb. Ich habe den Daimler vollgetankt, die Gitarre und ein paar Reliquien der 90er eingepackt oder angezogen und sehe heute Abend…. Silke.

Silke

Verzeihen Sie mir – ich werde jetzt jemand anderes

Den Typen kennen Sie, oder? Ja. Ich auch. Von dem verabschieden Sie sich jetzt bitte mal für zwei Geschichten, denn der Sandmann wird heute wieder zu Jensi. Schlimm, hinten mit i. Total albern und peinlich für einen Mann über 40 im neuen Jahrtausend, das gebe ich gern und unter Zeugen zu, aber so um 1986 rum hieß ich nun mal so. Mit i. Das hatte sich so eingeschlichen, und eine handvoll Menschen nennt mich heute noch immer so, ohne dass es mir auffallen würde. Ich ziehe die fast schon angewachsenen Lloyd Halbschuhe aus und streife meine alten Chucks über. Mein schwarzes Hemd tausche ich nicht gegen ein T-Shirt aus den 80ern, auch meine Hose ist und bleibt eine graue Jeans, aber ich habe meine alte weiße Jacke aus Amsterdam wiedergefunden. Schlimme 90er. Die und einen rot-karierten Hoody gegen die Kälte werf ich auf den Rücksitz. Und noch ein paar andere Sachen wie meine Zahnbürste und ein Kuschelkissen, denn ich habe vor, mit Silke nennenswerte Mengen an Alkohol zu trinken, also werde ich am Zielort nächtigen. Keusch und brav in meinem Auto. Für ein Zelt und ein Fahrrad, das klassische Ensemble von 1986, fehlt im Frühherbst 2014 der Kirschbaum und die nächtliche Wärme des schwindenden Sommers.

Silke

was man so mitnimmt

Ich packe meinen Kombi, und ich nehme mit: Eine Gitarre. Ich packe meinen Kombi, und ich nehme mit: Eine Gitarre und zwei Flaschen französischen Rotwein. Ich packe meinen Kombi, und ich nehme mit: Eine Gitarre und zwei Flaschen französischen Rotwein und eine dicke Decke. Ich packe meinen Kombi, und ich nehme mit: Eine Gitarre und zwei Flaschen französischen Rotwein, eine dicke Decke und einen 8 Jahre alten Einweg-Grill. Das können Sie jetzt noch lange so weiterspielen, wichtig ist dabei nur, dass Sie alles mitnehmen, was sie hier auf der Ladefläche meines alten Mercedes sehen. Da sind noch ne Strandmuschel dabei (albern), Noten, Texte und Akkorde (hinter dem Wein liegend ahnt der Kenner die Noten von Simon & Garfunkel’s Greatest Hits), Würstchen, ein paar Tabakpfeifen, ne Lampe und ein Schlafsack. Ich fühle mich gut ausgestattet, ich weiß zwar wo ich hinfahre aber ich weiß absolut nicht wo ich ankommen werde. Was dieses Treffen nach Jahrzehnten für Geschichten bringen wird. Aber ich muss ja auch nicht alles vorher wissen. Probiere ich es einfach aus.

Silke

So, wir fangen mal an

Was weder Sie noch ich bisher in den Koffer gepackt haben ist die runde Nickelbrille aus den 20ern, die ich in den 80ern getragen habe. Urks. Ich habe sie noch, und ich nehme sie mit. Ich setze sie auf Silke Mal sehen ob die mich irgendwo hinter Lüneburg rauswinken, bei den Kasernen, in denen schon Joachim Witt seinen Wehrdienst leisten musste. Weil ich wie ein Sniper aussehe. Lustig ist auch, dass meine gute Kamera kaputt ist und die alte Sony Blog-Cam, die ich schon zu AutoBILD Zeiten nutzte, unerwartet das Datum ins Bild drückt Silke Was ich erst am nächsten Morgen bemerkt habe. Egal. Der frische Nordwind treibt mich in ein kleines Dörfchen namens Ripdorf, gleich neben Uelzen, direkt am Elbe-Seitenkanal. Mich trennen rund 180 Kilometer von diesem Ripdorf, das dauert ungefähr zwei Stunden. In zwei Stunden fährt mich dieser Mercedes aus dem Jahr 2014 zurück ins Jahr 1986. Das sind 85 Tage pro Minute. Also wenn die in Sindelfingen damals geahnt hätten, dass sie eine Zeitmaschine mit Common Rail Einspritzung bauen würden hätten sie den Wagen anders beworben.

Silke

Der Weg ist auch diesmal ein bisschen das Ziel

Heimat. Zu Hause. Wie definieren Sie das? Mein Zu Hause ist da, wo meine Familie ist, meine Freunde, Menschen, die mich lieben. Aber meine Heimat? Da bin ich aufgewachsen. Das wird immer und ewig Uelzen sein, die ziemlich unbedeutende Stadt in Niedersachsen mit einer Zuckerfabrik und einem Bahnhof, der nach Hundertwassers Tod so wie von Hundertwasser gestaltet umgebaut wurde. Auf dem Weg dahin kenne ich jeden einzelnen Meter, und das fühlt sich heute besonders schräg an. Die Leitpfosten entlang der Autobahn stehen im Abstand von 100 Metern, also fahre ich mit jedem Pfosten knapp 6 Tage weiter zurück in meine Vergangenheit. Wusch. 6 Tage jünger. Wusch. 12 Tage jünger. Das macht mir Angst. Ich tauche und tauche und höre dazu mit pathetischen Gedanken den Soundtrack meiner Jugend. Auf dem alten iPhone, was ich jetzt als mp3-Player benutze und mit dem Mercedes-Radio über einen schnöden Kassettenadapter verbunden habe läuft Patty Smyth. Die querdenkende Ex-Punk-Lady singt mir etwas vom schwindenden Sommer ins Ohr, dass sie es nicht glauben kann, und warum eigentlich nur die kalten und einsamen Zeiten immer so beständig sind? Und ist das da nicht Don Henley im Hintergrund? Ach ja, die 90er.

Silke

There are no mistakes in Love

Ja was, wie soll ich diese Gänsehaut denn jetzt wieder weg kriegen? Scheiße. Ich blicke auf ein ganz gutes Zeitpolster, ich bin früh losgefahren und heute ist nicht viel los auf den Bundesstraßen südlich Hamburg, rund um Lüneburg. Auf der B4 zwischen Lauenburg und Uelzen, dieser waldigen Überlandstraße im typischen Niedersachsen-Stil: Vereinzelte Birken links und rechts, und dahinter Kiefern und Felder. Was die Flächenland-Idylle stört sind die zahllosen Kreuze, ebenfalls links und rechts, und es sind gefühlt noch mehr da als Birken auf diesem langen Teilstück. Seit ich denken kann bullern im Herbst die langsamen Rübentrecker mit zwei Anhängern aus der ganzen Umgebung zur Zuckerfabrik und bringen die Zuckerrüben von den Feldern zur Verarbeitung. Und jeden Herbst überholen ungeduldige Autofahrer diese Rübentrecker, bei Nacht und Nebel, und immer einige den Gegenverkehr und die Robustheit der Bäume am Straßenrand. Während über der Lüneburger Heide der malzig-süße Geruch der Rübenkampagne liegt, wird auf der B4 gestorben. Einige Kreuze sind so alt, dass man sie kaum noch erkennen kann. Solche Gedanken sind nicht gerade gut dafür, die musikalisch verursachte Gänsehaut zu glätten. Also halte ich mal an und mach ein paar Bilder von dem Typen mit dieser irren Jacke.
Die Jacke habe ich in Amsterdam gekauft, und nein, ich war nicht im Drogenrausch. Sie ist älter als der Mercedes und hat im Gegensatz zu ihm definitiv keinen red dot Design Award gewonnen. Mit dem grob gewebten Ding und den bunten Aufdrucken bin ich in den 90ern tatsächlich rumgelaufen Silke Da waren die 80er schon lange vorbei. Im Postkasten steckten noch vor wenigen Jahren die handschriftlichen Briefe von Markus und Olaf, mit den neuesten Ereignissen aus dem Alltag und bunten, selbstgezeichteten Comics. Freundschaften haben sich neu geordnet, Kinder wurden groß und plötzlich ging so etwas wie das “Leben” los. In den 90ern kamen plötzlich Einladungen zu Hochzeiten, Geburtsanzeigen, safe the dates zu Kaffeekränzchen wegen Taufen und irgendwie auch die ersten Briefe mit wenigen Worten und einem schwarzen Rand. Fahrradfahrer wurden Autofahrer, Camper wurden Eigenheimbesitzer und Knutscher wurden Ringestecker. Ich habe sogar noch während meines Studiums, als sich die Wege der befreundeten Kinder verloren, den Kasperfaktor hoch gehalten und mich nicht nur schräg gekleidet. Ich habe mich geweigert, erwachsen zu werden. Und trotzdem ist es passiert, vielleicht genau deshalb viel verletzender als wenn ich mich freiwillig drauf eingelassen hätte.

Silke

Generationen treffen aufeinander

Aber was macht man in diesem Leben schon freiwillig? Ich habe gerade die schlimmsten drei Jahre hinter mir, die beschissendsten Nachrichten überhaupt bekommen und die klarste Erkenntnis, dass das Leben eines Erwachsenen es nicht immer gut mit dir meint erfahren. Und jetzt geht es weiter. Jetzt besinne ich mich auf die schönen Momente in dieser Zeit, die Lichtstrahlen durch die grauen Regenwolken und die Gegenwart von Freunden, die immer sein werden. Die einfach da sind, egal was passiert, die sich den ganzen Mist immer und immer wieder anhören und die am Ende noch immer da sind. Plötzlich bin ich erwachsen geworden. Hart und schmerzhaft. Innerhalb kürzester Zeit trennt sich Spreu vom Weizen, müssen Entscheidungen gefällt und muss losgelassen werden. Kryptisch? Ja, aber was soll’s, nicht mehr als sonst oder? Nehmen wir einfach das Leben so wie es ist und ändern wir die Dinge, die uns belasten. Das geht am besten, wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt und eine bunte Jacke aus Amsterdam anzieht Silke Ich werf noch die Xenon-Brenner an, dann ist’s auch fein hell. Ich blicke nach vorn und heute gleichzeitig zurück. Das fühlt sich gut an. Sehr gut.

Silke

Licht? Ja. Auch.

Posing ging schon 1986. Damals war ich allerdings mit einem Fahrrad unterwegs, hatte viel längere Haare, Pickel und meinen Freund Lutz dabei. Im Jahr danach den Binz. Ripdorf bei Uelzen hatte eine magische Anziehungskraft für mich bekommen, ich war dort frei und fern meiner Eltern. Ich konnte dort mitten in der Nacht nochmal durch das Dorf laufen und über dies und das mit Lutz reden, ohne dass mich jemand fragt, wann ich wieder da bin. Selbstverständlich war Lutz ein bisschen in Silke verknallt. Binz im Jahr drauf auch. Und ich ja sowieso. Dieses leichte Kribbeln legte in jedem Sommer einen aufwühlenden Zauber des Verbotenen über die Abende und die Nächte. Wir waren Teenager, gebeutelt von Hormonen, getrieben von banalen Gedanken und gefangen in einem Jahrzehnt, in dem nicht ganz sicher war, ob vielleicht in ein paar Wochen alle im nuklearen Winter verrecken würden. Ich bin dieser Angst und diesen Gefühlen damals konkret mit zwei Aktionen begegnet: Gitarre spielen und Lebkuchenherzen in einem Kirschbaum aufhängen. Es gibt eine Menge Bilder von diesen Touren und diesen Tagen. Vielleicht tu’ ich Ihnen das beizeiten mal an Silke 2014 habe ich das Fahrrad gegen einen Mercedes-Benz S210 220 CDI Avantgarde getauscht, ne alte Karre, aber ich mag ihn. Der Weg ist der gleiche. Das Ziel auch. Die Gefühle sind inzwischen anders, aber noch immer interessant…

Silke

Damals war es ein Fahrrad

Merken Sie was? Ich zögere die Zeit raus. Ich habe echten Respekt vor diesem Abend, gut gelaunten Respekt, neugierigen Respekt, aufgeregten Respekt. Ich glaube, das ist ganz normal, wenn man eine alte Freundin, in die mal immer wieder mal ziemlich doll verknallt war und für die man damals ein paar echt verzweifelte Teenager-Balladen geschrieben hat, nach so vielen Jahren wiedersieht. Verkleidet als Jensi. Warum nochmal genau? Ach ja – um die Scheiße, die gerade am Abklingen ist ein bisschen bunter zu färben und der gesamten Szenerie eine lustige Absurdität zu geben. Das funktioniert. Allerdings passe ich in diese Jacke nicht mehr richtig rein, also weg damit auf den Rücksitz.

Okay Folks. Vorbei an der Siedlung, wo ich aufgewachsen bin und in der ersten Reihe dem Drama der Trennung meiner Eltern beiwohnen durfte. Vorbei an einem grauen Gewerbegebiet, was bis vor ein paar Jahren noch eine grüne Wiese am Rand des Waldes war, wo der Baum steht, in den ich alle meine Jugendlieben mit einem Messer eingeritzt habe. Vorbei an genau diesem Wald, den es noch immer gibt. Den Baum auch? Ich muss nochmal wiederkommen. Über die Kanalbrücke rüber, rechts ab – und ich bin da.

Silke

Statt Uelzen

Hier geht sie nicht erst los, meine Vergangenheit, ich bin schon mitten drin. Einmal links abbiegen, dann einmal rechts und die schmale Straße führt entlang der Mauer des Bauernhofes, wo ich all diese unbeschwerten Stunden verbracht habe. Der Name auf dem Schild ist noch immer der gleiche, aber so wie das hier aussieht gibt’s keine Schweine mehr. Früher gab es hier unfassbar viele Schweine in den Ställen, deshalb bekamen Silkes Eltern auch immer alles, was die irgendwie futtern konnten angeliefert. Und manchmal waren das die Überbleibsel eines Jahrmarktes und seiner Zuckerbäcker. Lebkuchen, Popcorn, was weiß ich noch alles. Und manchmal, wenn der Sommer fast vorbei war, haben die Schweine nicht alles davon bekommen. Manchmal hat ein nicht erwachsen werden wollender Teenager auch den ganzen Krams in den Kirschbaum gehängt.
Der Kirschbaum ist weg. Der Plattenweg dahin und die Hecke auch. Mist. Aber die Treppe zur Haustür ist die gleiche, der Klingelton kommt mir bekannt vor. Ich bin schrecklich aufgeregt. Silke macht die Tür auf und drückt mich. Als wären keine 15 Jahre oder so vergangen. Sie entkorkt den Wein, und ich werfe den alten Einweg-Grill an. Nicht unter dem nicht mehr anwesenden Kirschbaum, sondern unter einem Vordach mit Blick auf das, was vom damaligen Garten noch übrig ist. Gut so, denn es wird kalt und fängt leicht an zu regnen.

Silke

Würstchen auf dem Einweggrill

Reden. Unfassbar viel reden. Sabine ist anfangs auch dabei, Silkes große Schwester, die ich damals nur am Rande wahrgenommen hatte. Irgendwann ist man in einem Alter, da spielt es keine Rolle mehr, dass 8 oder 7 oder 9 Jahre zwischen den Anwesenden sind. Damals schon. Mit 16 war für mich jeder über 20 schon echt alt, und die Leute über 40 waren spießig, langweilig und scheintot. Krass. Ich bin inzwischen spießig, langweilig und scheintot, zumindest in den Augen des kleinen Jensi in den 80ern. Der sich damals gar nicht so klein fand. Wir bringen die Zeit seit der Jahrtausendwende auf den aktuellen Stand und trinken Rotwein. Ziemlich sicher viel zu viel davon, irgendwann (sehr bald) sind meine beiden Flaschen alle, aber in Ripdorf ist man vorbereitet. Was soll’s. Die Qualität der Fotos genügt anschließend nicht mal mehr dem Blog Silke Inzwischen ist es dunkel, der Regen hat wieder aufgehört, dafür kriecht die Kälte langsam an mir hoch. Mal schnell den Pulli anzuziehen. Ist noch Wein da?

Silke

Spät? Ja.

Zeit? Was ist das denn? Wir lachen und frotzeln, als wären höchstens ein paar Monate vergangen, seit wir uns zuletzt gesehen haben. Was ist in den ganzen Jahren passiert? Wir erzählen es uns. Und werden nicht müde, jedes noch so unwichtige Detail nachzufragen. Zwischendurch schweifen wir immer wieder ab in die 80er, zu den Kindergeburtstagen bei Michelle (inzwischen verheiratet, ich fuhr den Brautwagen, erinnern Sie sich?), zu Olaf (die sehr sehr emotionale Geschichte mit den Poesiealben) und zu Markus. Zu Menschen, die woanders sind und zu Menschen, die GANZ woanders sind, weil es sie nicht mehr gibt. Sie warten vermutlich jetzt auf die Antwort auf die Frage, wie ich die Beziehung zwischen Silke und mir im Jahr 2014 definiere? Ganz einfach: Wir sind Freunde. Und das waren wir doch schon immer. Wir singen die Lieder von damals und ein paar neue, die in den Folgejahren dazu gekommen sind. Die das Leben geschrieben hat. Ich habe ein paar Kerzen angezündet (es gibt so ein paar Lieder, da habe ich mir mal geschworen, dass ich die nur bei Kerzenlicht singen werde) und ich schwebe in einer zeitlosen Blase aus Vergangenheit und Gegenwart. All diese Geräusche um mich rum sind so vertraut. Es riecht wie damals, nach nassem Gras, nach Bauernhof und ein bisschen nach einem Sommer, der langsam vorbei ist. Komm Silke, lass uns eine Runde durch das Dorf gehen, bevor wir in unsere Betten krabbeln. So wie 1986.

Silke

Unterwegs durch Ripdorf

Der größte optische Unterschied zu 1986 ist, dass ich damals noch keinen Wein getrunken habe. Deshalb sind auch die meisten Bilder von damals echt super geworden. Heute ist das ein bisschen schwierig, die Melange aus antiker Digitalkamera, einer nicht näher bekannten Anzahl an Rotweinflaschen und einer Dunkelheit, mit der dieser Autofocus anscheinend nicht klarkommt legen einen Nebel des Vergessens über die Bilder. Silke friert. Also lege ich ihr meine schlimme Amsterdam-Jacke um, in die sie dankbar reinschlüpft. Ripdorf. Ich kann gar nicht sagen, ob mir diese abendliche Runde durch die Straßen noch in der Erinnerung hängt, weil es inzwischen so spät ist, dass alle Straßenlaternen ausgeknipst wurden. Und das bedeutet: Es ist dunkel. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie dunkel es in Niedersachsen sein kann, wenn das Licht aus ist. Aber das macht nichts, wir halten uns aneinander fest, schieben uns in die jeweils richtige Richtung und kommen irgendwann auch wieder heil und ohne gebrochene Knochen auf dem Bauernhof an. Silke geht schlafen. Ich auch. Sie nach oben in ihr altes Zimmer, ich bleibe hier in meinem Auto und krabbel so wie ich bin (nur ohne Schuhe) unter die Decke und den Schlafsack. Verdammt, ist das kalt. Der Sommer ist vorbei, ich kann es echt nicht glauben. Er war so schnell vorbei. Warum scheinen eigentlich nur die kalten und einsamen Zeiten immer da zu sein? Zitat Ende.

Silke

Kein Zelt. Viel besser als ein Zelt.

Gute Nacht ihr alle da draußen. Das war ein schräger Tag. Bevor ich in einen alkoholisierten, traumlosen Schlaf falle denke ich noch ein bisschen über Freundschaften nach. Warum sie so sind, wie sie sind. Und warum einige halten und andere nicht. Bevor ich mit diesen Gedanken zu einem Ergebnis komme schlafe ich auch schon ein. Durch das halb offene Fenster rauschen die Blätter im Nachtwind. Es riecht nach Zuckerrübensirup und Landluft, von fern höre ich die Autos auf der Umgehungsstraße fahren und irgendwo tutet ein Schiff auf dem Kanal.

Sandmann

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Created Sonntag, 23. November 2014 Tags Gitarre | Heimwärts Highways | Kanal | Kirschbaum | Lebkuchenherzen | Ripdorf | Silke | Sternstunden | Uelzen | Vergangene Verse Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
19 Nov 2014
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Nu komm schon, Winter!

Nu komm schon, Winter!

Ganzer Körpereinsatz

Einmal vorbereitet sein!
Der Mercedes-Benz S210 rostet. Das wissen wir inzwischen alle. Meiner auch langsam, hier und da, außerdem ist er echt verdreckt :-( Und der nasse und kalte Winter klopft schon an die Türen mit dem Kantenrost, den Unterboden und alles andere. Ich muss was tun! Geilerweise habe ich ein NIGRIN Carepaket bekommen :-D Werbung Werbung! Jahaaa und das ist randvoll mit so ziemlich allem, was ich heute Abend brauche. Nein, was der Daimler braucht, um einigermaßen konserviert die ersten Frostnächte und den ersten Schnee gelassen zu packen. Ich tauch mal ab. Und ich spritze, pumpe und wische. Kommen Sie mit?

Nu komm schon, Winter!

von vorn über die Flanke nach hinten

Ich fang mal im Keller an. Aus Ermangelung einer Hebebühne schredder ich auf meiner holperigen Garageneinfahrt die alten Auffahrrampen hoch (lassen Sie uns das Thema “Avantgarde – oder wie ein tiefergelegtes T-Modell zwei Auffahrrampen durch die Gegend schiebt” mal auf einen anderen Tag verlegen) und sprühe alle Bremsleitungen und alle Falzkanten unterm Auto dick mit Hohlraumwachs ein. Ich wusste gar nicht, dass es das auch von NIGRIN gibt :-) Es ist schön schmierig und klebrig und bringt mich schon nach wenigen Minuten sprötzelnd unter dem Wagen zu der Erkenntnis, dass ich mir dafür eigentlich besser Schrauberklamotten angezogen hätte. Nun. Es zeugt ja irgendwie auch von Respekt dem Fahrzeug gegenüber, wenn man seine Lieblingshose, teure Schuhe, ein gutes Hemd und Ringelsocken trägt. Der alte Herr hat das verdient. Zeitaufwand: Rund 20 Minuten. Dann habe ich das Gefühl, von unten ist für ein paar Monate alles okay. Wenig Rost hier, by the way. Ich bin erstaunt, ein wenig erfreut und tauche wieder auf. Felgen, jetzt.

Nu komm schon, Winter!

Botschaften im Schmutz

Lassen Sie uns über Alufelgen sprechen. Die habe ich schon bei meinem Audi V8 so sträflich vernachlässigt, dass sie am Ende nicht mal mehr anständig aufgearbeitet werden konnten. Und die waren von BBS ;-) Die hier am Benz sind noch ein wenig besser im Futter, aber durchs andauernde Bremsen wegen irgendwelcher Pinneberger Vollpfosten, die auf der Autobahn ohne zu Blinken die Spur wechseln hat sich hier eine Menge Dreck gesammelt. Über… äh… über mehrere Monate, ich glaube die letzte Reinigung hat der Wagen vor meinem Sommerurlaub nach Frankreich bekommen :roll: Jetzt kann ich lustige Worte in den Dreck kratzen. In meinem Carepaket findet sich auch was, das vom Namen her eher ein Bauteil für hochgezüchtete Rennmotoren sein könnte: Performance Evo Tec Felgenreiniger. Geil. Klingt so, als wäre die Felge danach nicht nur sauber, sondern rein. Und der Wagen um 30% schneller als vorher. Ich spritz mal los:

spritz spritzwisch wischstaun staun

Was mich total fertig macht: Ich glaube, dass die Felgen nun tatsächlich erstmals in ihrer Geschichte tatsächlich sauber sind. Wow. Die sehen ja richtig gut aus. Hm. Bin ich eigentlich ein Auto-Messie, weil ich meinen Wagen so selten pflege? Ich sollte da mal drüber nachdenken. Nein, lieber nicht, diese Behauptung habe ich in der Vergangenheit schon viel zu oft kundgetan. Ich lasse lieber Taten folgen. Und mache drinnen weiter, denn ich will trotz sauberer Felgen und konserviertem Unterboden in der dunklen Jahreszeit im Inneren meines preisgekrönten Lifestyle-Kombis ;-) nicht im Schmutz dahin vegetieren. Von der letzten Fototour vorgestern ist der Beifahrersitz ziemlich dreckig… ich stand da drauf rum, während ich aus dem Schiebedach raus erst einen BMW 2000 CS, dann einen 190er SL und dann einen Volvo P1800 in schneller Fahrt fotografiert habe. Vorher stand ich auf einem matschigen Acker rum und fotografierte die VORBEIfahrt der genannten Kandidaten. Ups. Falsche Reihenfolge – Flecken im guten Gestühl mit dem spät90er Design. Im Wintervorbereitungspaket von NIGRIN steckt ein feiner Polsterreiniger, der auch diesen Performance-Zusatz im Namen trägt. Wenn der den Dreck genau so wegbrennt wie der Felgenreiniger habe ich nachher nagelneue Sitze :-D Oh. Da ist sogar eine Bürste dran. Cool, gleich mal ausprobieren…

Nu komm schon, Winter!

Für die zarte Haut ab 40

Kitzelt ein bisschen, riecht aber angenehm und schmiegt sich der Gesichtsform dank Hyper-Boost perfekt an. So, der Bart ist einigermaßen getrimmt. Das geht vermutlich mit anderen Geräten besser, aber das ist a) eine andere Geschichte und b) dann nicht mit so einem duftigen, schaumigen Geruch verbunden ;-) Gniiihihi. Okay, werden wir wieder ernst. Ich schau mir das Gebilde einmal genauer an und begreife es nach nur wenigen Minuten. Die Bürste kann drauf bleiben, weil ich hinten einen Plastiknippel eindrücken und dann direkt unter dem Schrubber durch sprühen kann. Leider habe ich das erst nach dem Foto kapiert… Später lernte ich dann, wie ich die Bürste wieder draufbekomme.

Nu komm schon, Winter!

Der erste Schnee!!!

Da kommt er also schon mal vorzeitig, der norddeutsche Winter. Und voll auf den Beifahrersitz. Es spruutzt, es schäumt und es britzelt regelrecht episch. Ich kann hören, wie die kleinen Performance-Schaumpartikel sich mit Kriegsgebrüll auf die Flecken stürzen und sie einen nach dem anderen wegfressen, als wären sie ihr Lebenselixier. Banzaiiiiii! Vielleicht sind das auch die heute zum zehnten mal von der Schaukel gefallenen Nachbarskinder, ich weiß es nicht, wittere aber schon jetzt weniger Schmutz. Mit der Bürste, an der noch Barthaare von mir hängen massiere ich die Winterwelt liebevoll in das Gestühl und nehme mir vor, das nachher noch wegzusaugen. Klasse. Ich liebe solche Schrubber-Kombinate, im Urlaub bin ich auch immer der erste an der Handwasch-Schüssel, wenn Rainer Tube und sein Bürstenaufsatz dem Kragenspeck der T-Shirts auf den Pelz rücken müssen. Aber ich schweife ab. Was mit den Felgen und den Sitzen ging wird ja wohl auch im Cockpit funktionieren? Jetzt bin ich richtig warm geputzt. Ich wische mit dem Finger, bin entsetzt und lasse den Kunststoff Tiefenpfleger sprechen. Da ist wirklich alles dabei, in diesem Karton für den eifrigen Blogger. Und das Ergebnis ist super, abgesehen von den beiden nicht mehr funktionierenden Displays in meinem KI, aber dafür kann NIGRIN nichts, die gingen schon vorher nicht ;-)

Nu komm schon, Winter!Nu komm schon, Winter!Nu komm schon, Winter!

Zeitaufwand: Rund 15 Minuten. Mein halbfinnisches Fräulein Altona wird erschüttert sein, wenn sie das nächste mal in den Daimler einsteigt. So sah er schon seit Monaten nicht mehr aus. Nun gut, wehe wenn sie losgelassen! Und jetzt kommt’s. Was ich RICHTIG geil finde und was ich seit 25 Jahren im Auto vermisse (wahrscheinlich gibt es das schon immer, ich hab’s bisher nur nie gefunden) ist der sagenhafte Beschlag-Weg-O-Matic-Hi-Performance-Booster, bei NIGRIN heißt er aus noch ungeklärten Gründen etwas weniger ausufern nur Anti-Beschlag Pumpzerstäuber. Was macht der? Er verhindert, dass ich in den Übergangsmonaten, wo sich das Wetter noch nicht so richtig entscheiden kann, ob es nur kalt oder richtig kalt und feucht oder nass ist, wie ein Kasper in der Puppenstube vor meiner Scheibe rumzucke und mit irgendwelchen schon benutzten Servietten aus der Türtasche den schmierigen, beschlagenen Siff innen von der Scheibe wische. Er verhindert angeblich das Beschlagen als solches. Ich bin begeistert.

Nu komm schon, Winter!

Adios beschlagene Scheiben

Und dann zucke ich ein letztes mal wie der Kasper in der Puppenstube vor der Scheibe rum, diesmal aber, weil ich für das Foto draufgehaucht habe. Ich beschließe, das Wundermittel auf meiner Seite mal sozusagen halbseitig im Mit- und Ohne-Test anzuwenden. Doof ist dabei nur, dass momentan das Wetter nicht mitspielt, es ist einfach zu warm und die Scheiben beschlagen sowieso nicht. Hm. Aber auf der Dose steht, dass ich mit mehreren Wochen Langzeitwirkung rechnen kann, also werde ich mich vielleicht in einer der kommenden frostigen Novembernächte daran erinnern? Doch moment – bei allen coolen Effekten, die eine nicht mehr beschlagende Scheibe mit sich bringt, muss ich vor allem eines loben: Der Pumpzerstäuber sieht cool aus und hat irgendwie den Appeal einer alten Ölkanne, diese goldenen Dinger mit diesem komplizierten Hebelpumpmechanismus. Industriedesign in Vollendung. Und es macht auch noch richtig Spaß, mit dem Ding ganz ohne Treibgas das Tuch vollzujauchen. Ich lass da mal den Sandmann ran.

Nu komm schon, Winter!

haptische Erlebnisse mit dem Sandmann

Sagenhaft. Nein, nicht der fehlende feuchte Nebel, sondern die Menge an Dreck, die ich mit diesem Mittelchen von der Innenseite meiner Scheibe runterhole. Dabei ist das dafür gar nicht gedacht gewesen? Wo kommt dieser Mulch her? Ich rauche nicht im Auto! Ih bäh. Na gut, ein netter Nebeneffekt. Das angetrocknete Nebel-Weg reibe ich mit meinem Fensterschwamm runter und blicke durch eine klare Scheibe nach draußen. Ob sie jemals wieder beschlagen wird werde ich in den kommenden Tagen sehen.
Ich fühle mich wundervoll vorbereitet. War gar nicht so schwer. Nächstes mal ziehe ich mir etwas andere Klamotten und vielleicht auch Handschuhe an. Hemd und Hose sind nun ein bisschen… öh… also ich sag mal, ich könnte die Schrubberbürste zur Polsterreinigung nochmal sprechen lassen. Und meine Hände sind ein bisschen ZU sauber. Vielleicht habe ich mich aber in die Aufgabe auch nur ein bisschen zu tief reingekniet?

Nun kann er kommen

Nun kann er kommen

Womit konserviert ihr denn so eure Autos? Womit macht ihr sie sauber? Innen wie außen? Habt ihr Tipps für mich, speziell zur Rostvorsorge? Irgendwie kocht da ja jeder sein eigenes mehr oder weniger erfolgreiches Süppchen. Ich breche hier und heute eine Lanze für NIGRIN. Das Paket, was die Damen und Herren mir zugeschickt haben hat noch mehr tolle Sachen drin gehabt, außerdem ein paar Anstecker und ein paar Bonbons ;-) Und ich verlinke nur allzu gern auf die Produktübersicht, wo alles mal gebündelt zu sehen ist:
NIGRIN Autopflege Produktpalette innen/außen
Und jetzt harre ich eurer und Ihrer Tipps, wie ich meinen rostenden Mercedes über den Winter bringe. Ein Anfang ist gemacht. Von unten ist er gewachst, von außen und von innen duftig und entnebelt. Ein guter Abend. Auf in einen neuen Tag :-)

Sandmann

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Created Mittwoch, 19. November 2014 Tags Anti-Beschlag | Anwendung | Felgenreiniger | Fremde Federungen | Hohlraumkonservierung | NIGRIN | S210 | Scheibenreiniger | Sternstunden | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
16 Nov 2014
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Friedhof der Geschichten

Friedhof der Geschichten

Ich seh dir in die Augen, Kleines

Schrottplätze, Autofriedhöfe, heute heißen sie fast alle “Verwerter” – faszinieren mich seit meiner Kindheit. Damals bedeuteten sie für mich das Eldorado zum Verstecken spielen und zum Klauen von kleinen, glänzenden Dingen. Meist wurde ich am Ende des Tages von einem unfreundlichen Besitzer und einem lauf kläffenden Schäferhund verfolgt. Zwischendurch waren Schrottplätze meine einzige bezahlbare Quelle von Ersatzteilen für die Autos, die täglich meinen Alltag begleiteten. Und die mir Geschichten von längst vergessenen Vorbesitzern erzählten. Und heute? Hihi :-) heute sind Schrottplätze noch immer genau das, was sie für mich früher waren. Nur dass sie immer seltener werden. Ich habe einen in der Nähe von Hamburg entdeckt, der mehr als nur eine kleine Überraschung auf der grünen Wiese bereit hält.

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Hier sind sie alle auf ewig vereint

Oststeinbek liegt im Osten von Steinbek Hamburg, genau da, wo täglich auf der A1 immer das Verkehrschaos in Richtung Lübeck stattfindet. Ich habe nicht gewusst, dass hier ein riesengroßer Schrotti ist, bis ich einem der Mitarbeiter dieses Unternehmens über ebay Kleinanzeigen ein paar angerostete Reparaturbleche für kleines Geld vertickte. Und weil’s fast am Weg liegt dachte ich mir so – bringe ich sie ihm doch mal persönlich vorbei. Das war eine gute Idee. Der Deal ist gelaufen, und jetzt stehe ich hier zwischen den üblichen Verdächtigen französischer, italienischer und asiatischer Herkunft, meist aus Zeiten nach der Abwrackprämie. Aus allen sind schon die Flüssigkeiten abgelassen, deshalb dürfen die hier inmitten einer wild wuchernden Graslandschaft ihrem Schlachtfest entgegen dämmern. Und das sieht wundervoll oldschool aus. Aber nicht nur fast rostfreie Kleinwagen liegen an diesem gut versteckten Ort wie Perlen an der Schnur aufgereiht rum, da verbergen sich hinter der einen oder anderen Dachkante doch glatt wahre Schätze!

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Daimler. Nicht Rolls.Trotzdem mal richtig teuer gewesen

Argh. Das ehemals weiße Ding verdunkelt die Sonne. Was für ein Ungetüm von einem Auto. Ein Daimler DS420, wie ich auf Facebook gelernt habe, ich hatte zuerst an einen Rolls Royce gedacht (aber die liegen ja gar nicht so weit voneinander entfernt). So oder so ein unwürdiges Ende für ein mehr als würdevolles Auto. Was mag passiert sein? War er eine Staatskarosse, schon etwas marode und wurde nicht mehr gebraucht? Gegen einen mit Elektronik vollgestopften A8 ersetzt? Viel ist nicht mehr dran an dem Riesenschiff, im Inneren quellen Schläuche und Kabel aus der British-Elend-Zeit aus dem nicht mehr vorhandenen Armaturenbrett, Gras wächst durch die Handgroßen Rostlöcher von unten rein und wenn man nicht irgend eine wirklich absurde Wette verloren hat sollte man von diesem… äh… Auto wohl lieber die Finger lassen. Aber er ist glaube ich auch nicht zum Komplettverkauf hier geparkt.

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Ach komm, ein bisschen Isolierband und dann geht das

Außerdem ist er ein Rechtslenker, den will zumindest ich persönlich sowieso nicht. Bäh. Hier drin stinkt’s :-( Und nicht mal Sessel im Angebot. Ich erfreue mich der puren Präsenz so eines automobilen Dinosauriers und wende mich inspiriert lächelnd um. Der Blick schweift über den großen, nicht gepflasterten Platz. Mittendrin stehen ein paar kleine Hallen, vor denen Autos undefinierbarer Herkunft filetiert werden. Der Zaun mitten drin ist recht hoch. Hier hängt ein Schild “Betreten verboten”. Oh. Aber ich hab ja vorn Bescheid gesagt, das wird schon okay sein. Nicht, dass ich nachher wieder von einem wütenden Besitzer und seinem Schäferhund verfolgt werde, ich kann nicht mehr so gut über Zäune klettern wie damals…
Gleich neben dem Daimler liegt noch ein anderer Zeitzeuge aus dem vergangenen Jahrtausend auf dem Boden rum, linksgelenkt und ein wenig plüschiger.

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Zeitzeugen, noch vor 9/11

Ein Oldsmobile, eine frontgetriebene, äußerlich sagenhaft hässliche Designblase aus dem letzten Jahrzehnt des abgelaufenen Millenniums. Die Karre ist in einem Amerika gebaut worden, was noch nicht von 9/11 erschüttert war. Wo der Genuss des kommoden Wohnzimmer-Plüschs Vorrang hatte vor Multifunktionsdisplays und Bluetooth-Kommunikationseinrichtungen. Ein Auto mit vier Rädern und einem Motor vorn, gebaut, um bequem zu fahren. Mehr nicht. Nicht jedermanns Geschmack, vor allem nicht mit V6 und Reihe 4 Motoren, aber als Zweitürer definitiv oldschool und vom Cruisingfaktor Ur-Amerikanisch. Geil. Und jetzt tot. Hat der Ami, der seinerzeit in einem recht biederen wiedervereinten Deutschland auf seine ganz eigene Art ein Ausdruck provokanter Rebellion der oberen Mittelklasse war, mal einem Studienrat gehört? Einem, der sich von seinen Kollegen in ihren Nissans, BMWs und Audis abheben wollte? Mein damaliger Kunstlehrer könnte in dieses Schema passen, aber der hatte einen Chevy Caprice. Den fand ich tatsächlich cool :-) Aber zurück zum Stichwort “bieder”, zumindest aus damaliger Sicht.

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Der Urvater der Livestyle Kombis

Jetzt kommt es Schlag auf Schlag. Im Hintergrund sehe ich einen Goggo auf einem Schuppendach stehen, aber da ist ein Zaun drumrum. Hinter mir hat ein 123er T-Modell seinen letzten Parkplatz gefunden, tatsächlich und endgültig, er hat nicht mal mehr seine Reifen und Felgen :-( Der einst teure und stolze (und biedere) Urvater aller Lifestyle-Kombis sieht nicht so aus, als hätte er mal einem Handwerker als Lastwagen gedient. Vielleicht war es eine kleine, wohlhabende Familie, die den Benz immer für Reisen in den Urlaub genutzt hat? Hinten drin das Gummiboot und anderer Kram der frühen 80er Jahre? Was mag damals im Kassettenradio gelaufen sein? Mr. Roboto von Styx? John Wayne is Big Leggy von Haysi Fantayzee? Oder nein, in so einem Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse war vielleicht eher Klassik aus dem Radio zu Hause. Und als “Zu Hause” konnte man diese rollenden Wohnzimmer damals wie heute bezeichnen.

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Ich seh den Sternenhimmel

Ups. Der alte Herr kommt aus Dänemark :-) Also war es vielleicht eher dänische Volksmusik, die dort gern mal belästigenderweise ins lokale Radioprogramm eingeflochten wird. Wir werden es nie erfahren. Auch warum die anderen Sterne hier gestrandet sind wird für immer im Dunkeln bleiben. Jedenfalls liegen sie hier schon länger rum, während wir inzwischen Sonden zu Kometen schicken, die 500.000.000 Kilometer weit weg sind. Und sie dort sauber einparken, leider im falschen Krater, deshalb bleibt das jetzt auch alles im Dunkeln. Aber das ist eine andere Geschichte. Weitere 123er. Ein 124er. Zustand? Weiß ich nicht, ich hab heute eigentlich gar nicht so viel Zeit mitgebracht, um das hier alles in Ruhe begutachten zu können. Ich wollte doch eigentlich nur diese Bleche abgeben…? Das habe ich inzwischen auch getan, aber ich kann einfach noch nicht weiterfahren. Eine letzte Runde noch, da hinten war ich noch nicht…

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Stiefpapas Passat…..

Aaaah! Ein Passat B2 als Variant! Was man alles für lustige Namen für den Kombi gefunden hatte. T-Modell, Variant, Karavan, Turnier, … Der Mann, dem es in den frühen 80er Jahren gelungen war, das Herz meiner Mama ein zweites mal zu erobern rollte damals mit so einem Kombi in marsrot vor unsere Tür. Er war der Grund, warum wir 1983 aus meiner Heimatstadt weggezogen sind. Das hat er nicht böse gemeint, ich bin wohl am Ende auch ganz froh dass ich nicht im niedersächsischen Uelzen hängen geblieben bin, aber trotzdem war er Schuld… Der rote Laster hat mich durch meine Teenagerzeit begleitet und war eine Art Heiligtum, das ich nicht mal ausleihen durfte, als ich den Führerschein endlich hatte. Nur zum Einkaufen, das war erlaubt, auf eine Party zu Freunden nicht *grummel* Kein Wunder, dass ich mir sofort ein eigenes Auto zulegen wollte! Und jetzt verrottet hier einer. Damals fand ich den irgendwie öde. Heute ist er so selten geworden, dass ich ihm regelrecht ein wenig Attraktivität abgewinnen kann. Zumal mich das mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona eint – ihre Eltern fuhren den auch. In metallic grün. Ich glaube, JEDER hatte damals einen Passat, oder?

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Flora und Fauna gediuhen

Zwischen den vereinzelt gestreuten Highlights liegen die typischen Wegwerfautos rum, nach denen wir uns in 20 Jahren vermutlich die Finger lecken werden – weil niemand, aber auch wirklich NIEMAND die heute und gestern aufgehoben und gepflegt hat. Irgendwelche Peugeots, Opel Corsas oder Polos. Werden das jemals Klassiker? Ich fürchte: Ja. Mich interessieren viel mehr die Pflanzen, denen es hier ziemlich gut zu gehen scheint. Sie bieten ein gemütliches Zuhause für allerhand Getier :-) Die ersten Spinnen des Herbstes flechten ihre klebrigen Netze zwischen Gräsern, Büschen und Stoßstangen, verlagern ihren Hauptwohnsitz in den windgeschützten Bereich eines elektrisch verstellbaren Außenspiegels und seilen sich von nachträglich angebauten Nebelschlussleuchten ab. Niedlich. Ach hey. Guck mal. Was sehe ich DA denn??? Jahaaaaa ♫

Friedhof der Geschichten

EIner der letzten hier Überlebenden

Eingekeilt zwischen ein paar Bayerischen Motorwagen, einem Audi 80 und einem Hiun… Hyund… Hyiundai? Hunday? Wie schreibt man denn diesen koreanischen Mist??? Jedenfalls einem Nexia, was mal ein E-Kadett war, dazwischen steht ein: Audi 100 Typ 43 VorFaceLift! *seufz* Ein wahnsinnig seltener GLS mit Velours, Plüsch, Chrom, Schiebedach und dem gleichen großen Vierzylinder wie mein Dottore. Und noch alles dran, niemand hat hier irgend etwas abgebaut oder kaputt gemacht! Niemand außer Petrus, der es hat regnen lassen. Immer wieder. Ich habe selten so einen verrosteten Unterboden wie diesen gesehen. Vom fast genau so durchgerosteten Dach (DACH!!!) fange ich gar nicht erst an :-) Aber davon abgesehen – Teile. Viele viele käufliche Teile. Und da ist sie wieder, die Erkenntnis, dass Schrottplätze für mich noch immer das sind, was sie mal waren. Bedeutet: Ich muss wohl nochmal wiederkommen. Mit ein wenig Werkzeug und ein bisschen Bargeld.

Rücksicht

Rücksicht

Das grüne Innere des nicht verschlossenen Mittelklasse-70ers ist nahezu makellos. Ich brauche leider nix Grünes :-( Ui, und jemand hat mal das Zündschoss recht rabiat ausgebohrt. Das scheint ein allgemeines Problem bei diesem Modell zu sein :roll:ich kenne das ja auch. Aber ich war bei meinem ein bisschen liebevoller…. Auf der Hutablage liegt irgend so ein 70er Jahre Fussel, und ich sehe die alten runden Lautsprechergitter…. Big Love! Schnell weg hier, ich habe schon lange mein Zeitfenster überschritten…
Harry Kloss in Oststeinbeck. Da muss ich noch mal hin. Beim Rausgehen erfrage ich noch ein paar grobe Preise von Teilen am “alten, verrosteten Audi da hinten”. Mist. Man weiß anscheinend, wie selten der ist. Die Preise klingen trotzdem fair. Ich will: Radio, Doppelvergaser, B-Säulenverkleidungen, Zierleisten, Fensterkurbeln und das Cockpit mit Drehzahlmesser. Ich werde wiederkommen. Laufen Sie derzeit nicht weg.

Sandmann

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15 Nov 2014
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Du BIST wie du SITZT

Du BIST wie du SITZT

So nicht auf Dauer.

Die ewige, unsterbliche Frage nach dem passenden Gestühl in des Deutschen liebsten Spielzeug ist genau so polarisierend wie die Frage nach der Schönheit oder Hässlichkeit bestimmter Felgen. Soll das Sofa original sein? Leder oder Stoff? Kann ich hier auch mal gewagte Farben in den ansonsten mausgrauen Alltag bringen? Ich bin bei der Suche nach neuen Sitzlösungen für meinen Dottore auf eine Seite gestoßen, die mir leider nicht helfen kann. Aber die ich Ihnen nach einem Telefonat mit dem Schef mal vorstellen will, denn in einem anderen Leben mit einem anderen Auto hätte ich angebissen. Überzieher für die Sitze. Und alles, wirklich ALLES andere als das, was man an Plunderware vom Discounter kennt…

Du BIST wie du SITZT

Ein Sessel für den Herren

Die Sessel meines Dottore sind durchgesessen, von der Sonne und den nicht getönten Scheiben porös wie alter Lebkuchen, faltig und teils zerrissen. Neuwertige Sitze im originalen blau aus Stoff gibt es für dieses Auto keine mehr. Und ein Sattler möchte für die neuen Bezüge vorn und hinten mehr haben als mein gesamter silberner Blechhaufen wert ist. Sitzbezüge zum Nachkaufen gibt es schon fast so lange, wie es Sitze gibt. Und wer einmal das komplette 9-teilige kunterbunte Stoffset aus dem Supermarkt für 29,95 auf seine Sessel gezogen hat macht das kein zweites mal. Das sieht nicht nur sagenhaft billig aus, das hält nicht mal eine TÜV Periode. Und die Leute, die in den 2014ern immer noch auf das Wohnzimmersofadesign der frühen 90er stehen (oft zu finden in ostdeutschen Gaststätten) werden auch weniger. Alles keine Optionen. Über 12 Ecken durch meine Mitarbeit am GRIP Motormagazin (dem gedruckten) und ein wenig rumgegoogel hab ich eine Seite gefunden, die ein paar Sachen besser macht als die anderen :-) Und hatte ein langes, sehr freundliches Telefonat mit dem Geschäftsführer. Ladies and Gents – die Seat Styler sind da. Und wir schwenken gleich mal auf einen 3er BMW mit roten Kedern.

3er BMW? Hata da.

3er BMW? Hata da.

Die Jungs aus Berlin bieten maßangefertigte Bezüge für die Sitze und die Seitenverkleidungen nach Herstellervorgaben an. Also Naht auf Naht. Da wirft nix Falten und da spannt nix, da bröselt nix und da verbiegen keine Klammern. Die sehen aus wie frisch gesattelt! Wermutstropfen für mich: Mein Audi ist zu alt :-( Für den gibt es keine Bezüge mehr. Also auch kein Anreiz in Form einer neuen Garnitur, wenn ich diesen Artikel schreibe. Mist. Aber Herr Schuster am Telefon schickt mir gleich mal ein paar Bilder, die ich meiner Tochter nicht zeigen darf. Für ihren A3 gibt es nämlich sehr wohl ziemlich sexy Häute. Ob man jetzt Voll-Leder in mehreren Farben mag oder nicht liegt im Auge des Betrachters, da komme ich wieder zu der Analogie mit den Felgen :-) Stehen Sie auf sowas? Käme das in Frage? Wollen Sie mal ein Beispiel mit altem Audi, wenn auch nicht dem meinigen?

Du BIST wie du SITZT

Leder für den A3 8L

Herr Schuster zählte am Telefon noch ein paar weitere Modelle auf, die ich durchaus in meinem näheren Umfeld wiederfinde. Und das sind garantiert nicht nur die top-aktuellen Spoilerhupen koreanischer Herkunft, da sind auch Klassiker mit Rang und Namen dabei. Hauptsache, es fahren noch viele davon rum, sonst lohnt eine Maßanfertigung natürlich nicht. Denn so teuer sind die gar nicht. Der Standard-Pimp, also eine Vielzahl von fertigen Varianten für alle Sitze wird im Set schon für weniger als 300 Euro verschickt. Kommt natürlich ein bisschen auf das betreffende Auto an, und die Sonderwünsche gehen ein bisschen mehr ins Geld. Aber hey, die durchgesessene Lederausstattung von ebay kostet auch gern mal 500 Euro plus Versand oder an Selbstabholer, oder? Und echtes originales Leder gibt’s hier nagelneu zwischen 700 und 800 Euro. Wenn Sie einen Mercedes 190 chauffieren und schon lange mal drüber nachdenken, die fleckigen und durchgerittenen Stoffsitze nach 500.000 Kilometern endlich mal aufzuwerten – schwarzes Leder kommt gut.

Du BIST wie du SITZT

Mercedes 190? Na klar. Steht ihm gut.

Auf der Seat-Styler Seite kann man sich fein austoben und gedanklich schon mal seine Weihnachtswünsche zusammenkonfigurieren. Das geht auf Bestellung und beginnt bei Lederoptik, also Kunstleder und endet bei echtem Leder. Dazwischen oszillieren ungezählte Designs, Farbkombinationen und Varianten von “angenehm dezent original” bis hin zu “superabgefahren und schrill”. Schlicht schwarz oder zweifarbig? Ich mag’s ja lieber schlicht, aber jeder wie er will. Die Süddeutsche Zeitung hat gelobt und gepriesen, GRIP hat getestet und 5 von 5 Sternen vergeben und der Hersteller Zacasi legt nochmal drei Jahre Garantie drauf. Und eine DVD, wie die neuen Bezüge passgenau montiert werden. Je länger Herr Schuster redet, desto mehr überlege ich mir, ein neues Auto zu kaufen. Eins, was bei Seat-Styler im Programm ist und beliefert werden kann ;-) Lars, wie sieht es aus, neue Stühle für euer Golf 1 Cabrio? Das wäre dann ungefähr so:

Du BIST wie du SITZT

Neue Sitze für Lars Kohlkopfs Golf?

Für meinen Audi habe ich inzwischen eine andere Lösung finden müssen. Auf den durchgerittenen Lumpen will ich nicht mehr sitzen, und meinen Töchtern ist es langsam regelrecht peinlich. Mein Kumpel Stefan hat in Lübeck noch gute blau-graue Stoffsitze aus einem alten 200er, die hole ich kommende Woche ab. Und die zerschlissenen fliegen komplett raus. Aber für euch und Sie hab ich mit Seat-Styler eine Kooperation ausklamüstert: Wer Interesse an neuen Sitzbezügen hat (die kann man ja auch super dem Schatzi zu Weihnachten schenken) bekommt mit dem Sandmanns-Welt Gutscheincode bei einer Bestellung über die Website eine sexy Zusatz-Option zum halben Preis und einen Rabatt von 10 Euro auf die Bestellung*
Du BIST wie du SITZTKlick Klack auf das Banner, und dann sehen wir weiter :-) Und nicht verschreiben beim Code ;-) Cool? Ich hoffe. Und wenn das nicht Ihren Geschmack trifft, teilen Sie mir das gern mit. Ich freu mich auch hier und vielleicht gerade hier auf Kommentare sowohl positiver als auch kritischer Art. Kommen solche Bezüge für das eigene Autogestühl prinzipiell in Frage? Oder gibt es im Freundeskreis vielleicht Seat Styler? Dann scheucht sie mal auf die Seite und gebt ihnen den Code. Oder schaut mal bei den Jungs auf Facebook vorbei: FACEBOOK-LEDER Oder, wenn Sie aus Berlin kommen – rufen Sie den Herrn Schuster mal an und machen Sie einen Termin vor Ort, natürlich kann man sich die Beispiele auch live anschauen, beschnuppern und betasten. Ich werde das mal machen, wenn ich das nächste mal am Hackeschen Markt zur Redaktionskonferenz der Sterne aussteige. Da plane ich mal ein Stündchen extra ein und nehme mal Platz. Hm… Da fällt mir meine alte E-Klasse ein…. die hat auch “nur” Stoff *grübel*

Sandmann

[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]

*Einzulösen unter: www.Seat-Styler.de Gilt für die Bestellung eines Komplettsets Maßsitzbezüge, nur bei Verfügbarkeit Ihres Fahrzeugmodells und Designwunsches. Nicht kombinierbar mit anderen Sonderaktionen/Rabatten.

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Created Samstag, 15. November 2014 Tags anbieter | Autositze | Fremde Federungen | Kunstleder | Lederausstattung | Seat-Styler | Sitzbezüge | Wildleder Document type Video
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11 Nov 2014
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Uncle Benz

Uncle Benz

Der Dottore und sein Patient

Der kleine Junge sitzt hinten, unangeschnallt, während er mit seinem Onkel im Mercedes durch die Stadt fährt. Damals in Hamburg. Sein neugieriger Blick geht nach vorn, auf die Armaturen, über die lange Haube bis zum Stern. Das ist schon ewig lange her. Plötzlich steht das 280er Coupé als Erbstück vor dem heute jungen Mann, und er wird völlig unvorbereitet mit einer Stil-Ikone konfrontiert, die er eigentlich gar nicht gesucht hatte. Silber und gold, Leben und Tod, Max und ich haben uns in der Hamburger HafenCity auf einen Kaffee getroffen und ein paar Benzinblasen in die Morgenluft geatmet. Die 70er. Da sind sie wieder. Und der junge Mann ist für kurze Zeit wieder ein Kind :-)

Uncle Benz

heute sitzt er vorn

Der linke Fuß von Max Pohlmann drückt auf den Gummibalg im Fußraum seines Autos. Wasser spritzt auf die flache Frontscheibe, die Wischer beseitigen den Staub des Sommers. Denn der ist jetzt endgültig vorbei. “Hier unten sifft immer gern mal Wasser aus, und die Bleche rosten dann so schnell durch, dass ich die Straße sehen kann,” sagt er. Rost? Im Benz? Ja. Auch und erst recht beim Stil-Werk 280 Coupé, Baujahr 1973. Die Frage nach dem Rost ist sogar oft die erste bei Gesprächen unter Kennern der Baureihe, und die Preise im Netz und den Anzeigenblättern sind genau von dieser braunen Pest abhängig. 40 Jahre sind auch an diesem Daimler-Coupé nicht spurlos vorbeigezogen, aber die Schweißarbeiten an Max’ W 114 hielten sich in überschaubaren Grenzen. Der 280er hat es ihm von Anfang an nicht schwer gemacht. Vielleicht deshalb, weil er wusste, dass er gänzlich überraschend zum ihm kam und daher nicht mit einem perfekten Plan rechnen konnte. Der Onkel, der ihn als Kind manchmal auf Touren durch Hamburg mitnahm, starb 2010 unerwartet und viel zu jung. Er hinterließ seinem Max das Auto, das der Kleine immer so geliebt hatte. Und der sich nun, emotional zutiefst berührt, in einem Familienerbstück voller Geschichten wieder findet.

Uncle Benz

Ein bisschen sexy, mehr als bieder jedenfalls

Stil-Ikone von Bracq
Die klaren Linien des Wagens ohne Beiwerk und die Karosserieform, die ein unfassbares Platzangebot zulässt, stammen wie die Oberklasselimousinen W 108/109 aus der Feder von Designer Paul Bracq. Vier- und Fünfzylinder als Benziner und Diesel erhalten die interne Modellbezeichnung W 115, die großen Sechszylinder und das ab 1969 gebaute Coupé werden als W 114 bezeichnet – das muss man sich nicht merken, der Volksmund nennt sie alle einfach Strich 8 oder /8 aufgrund des Erscheinungsjahres 1968. Bracq erschuf eine völlig neue Generation von Autos, gänzlich ohne die muffigen Nachkriegskonstrukte oder Holzrahmen mit Droschkencharme. Eine “neue Klasse”. Stimmt.

Uncle Benz

man möchte fast nach dem Taxi winken… aber nein…

Der /8 bekommt Scheibenbremsen vorne serienmäßig, Doppel-Querlenker an der Vorderachse und eine moderne Schräglenker-Hinterachse als Ablösung der antiken Eingelenk-Pendelachse der Vorgänger. Auch im Inneren ziehen neue Werte ein: Kopfstützen vorn und hinten, Automatikgurte und eine Mittelkonsole, die noch in den heutigen Modellen stilistisch zitiert wird. Diese neue Mittelklasse gönnt sich der hart arbeitende Deutsche gern, denn im Rahmen einer legendären Aufpreispolitik können mehr Extras als jemals zuvor geordert werden.

Uncle Benz

Mehr Cockpit braucht man nicht zum Glück

Zwischen dem 200er-Basis-Benziner für 13.000,- D-Mark und dem voll ausgestatteten 280E für 40.000,- DM findet 1972 jeder seinen persönlichen Stern, der den Wohnzimmercharme und die Trutzburg der Zuverlässigkeit um sich herum als Statussymbol vor der DIN-Garage stehen haben will. Mit knapp zwei Millionen Fahrzeugen verkauft Mercedes-Benz bis 1976 von dieser Baureihe genau so viele Modelle wie von allen seinen Nachkriegs-Baureihen bis 1968 zusammen. Im Januar 1976 steht schon der barocke Nachfolger W 123 in den Schaufenstern der Händler, der /8 wird aber noch bis Dezember 1976 weiter gebaut und verkauft. Beim größten deutschen Belieferer von Personen befördernden Unternehmen ist man diese Parallelpolitik schon gewohnt und hält die Lieferversprechen, die man den Taxifahrern gegeben hat, ein.

Uncle Benz

fast schon Bauhaus Charme

Wem der kantige Klotz mit dem cw-Wert einer Schrankwand zu minimalistisch ist, kann ab 1969 auf die hier in Gold vor uns stehende zweitürige Variante ohne B-Säule, mit flacheren Scheiben und gehobener Ausstattung zurückgreifen. Die Coupéform mit den doppelten Stoßstangen steht dem fast zehn Jahre lang gebauten Millionenwagen ungemein gut. Das Auto wirkt wahnsinnig lang und wesentlich agiler als die recht konservativ wirkenden Limousinen, die gerade in ihrer schwächsten Dieselmotorisierung (55 PS) gern mal als „Wanderdüne“ bezeichnet werden. Pohlmann schätzt das Platzangebot, den großen Kofferraum und den Rundumblick, wenn die Seitenscheiben komplett versenkt sind. Die mercedestypischen, sofa-ähnlichen Fauteuils lassen auch längere Reisen zum Genuss werden, das elektrische Schiebedach erduldet die Sonne großzügig auch im Inneren. Und das originale „Becker Europa“ umschmeichelt die Ohren mit einem für damalige Verhältnisse sagenhaft fetten Sound.

Uncle Benz

Becker wird’s schon in die Ohren blasen

Uncle Benz

Holz? Ja, sogar echt, auch wenn’s nicht so aussieht.

Einzig der Durst des agilen Doppelnockers, der parallel auch in der S-Klasse und im SL eingebaut wurde, schmälert den Wunsch nach exzessiven Distanzen ein wenig. Der unzerstörbare Reihensechser mit der elektronischen Bosch D-Jetronic ist kaum unter 15 Litern Super zu bewegen – aber mehr Haken an dem betagten Gleiter finde ich nicht. Wenn Sie ein Auto komplett einnimmt, wenn es seine Geschichte förmlich aus allen Poren der Sitze verströmt und mitteilen will – wen interessiert da der Spritverbrauch? Der Durst liegt vielleicht an zu vielen Kurzstrecken, vielleicht an falschen Motoreinstellungen, aber der Max lässt da niemanden ran. Und selbst schraubt er auch nicht. Das Herz schlägt ja, und es schlägt gut… Wer ist schon perfekt? Sein Onkel war es schließlich auch nicht.

Uncle Benz

Reihe sechs – Herz was willst du mehr?

Uncle Benz

Hinten raus, was vorn in Bewegung umgesetzt wird

Auch sonst kann sich Max nicht über die Zuverlässigkeit des extravaganten Biedermeiers beklagen – das Steuergerät musste mal neu gemacht werden und einen Tacho hat es zerlegt. Das war es dann aber auch schon. Den Winter verbringt der 280er in einer trockenen und gut belüfteten Garage, mit ein bisschen mehr Druck auf den Reifen und vollen Flüssigkeitsständen. Regen oder gar Schnee sieht er nach Möglichkeit nicht – zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich in der selbsttragenden Karosserie verborgene Rostnester breitmachen. Ich kenn’ das. Also – das mit dem Rost. Mein Dottore steht Tag und Nacht draußen und hat schon, wie die meisten seiner Artgenossen in den 70ern, im Prospekt gerostet. Egal. Nebeneinander sehen beide ziemlich cool aus.

Uncle Benz

sind schon fesch, die beiden…

Sobald die Sonne rauskommt, ist Max im Benz unterwegs und erlebt seine Touren, die er als Kind mit seinem Onkel gemacht hat immer wieder neu. Neben seinem Beruf als Projektmanager betreibt der Hamburger das Unternehmen “Photolove” und lässt das gute alte Polaroidbild wieder aufleben. Seine Firma gibt der virtuellen Internetgeneration über Instagram, Handyfoto oder Digitalkamera die Möglichkeit, ihre Bilder als analoge Vintage-Papierabzüge im alten Stil zu bestellen – zurück zu den Wurzeln, zurück zu echten Fotos für die Stecknadel in der Wand. Weg von der digitalen Vergänglichkeit der Bits und Bytes, der sterbenden Festplatten und der USB-Sticks, die in der Hosentasche mitgewaschen wurden. Fotos. Wie sie sein sollen, im Album oder an der Wand, nicht auf dem Smartphone.

Uncle Benz

Das kann er – und noch viel mehr

Da passt das Coupé vor der Tür bei Fotografen und Kooperationspartnern wie die Häkelmütze auf die Klorolle. Ach ja – die sucht man, genau wie den Wackeldackel auf der Hutablage, vergeblich. Onkel hatte sowas auch nicht. Hier bei Max liegen ein paar Polaroids, schön angeordnet, cool gemacht. Der Mann hat Stil, genau wie sein Auto.

Das Erbe des Onkels bekommt seinen Ritterschlag, als Max ein zweites mal “ja” sagt, diesmal auf dem Standesamt :-) Völlig überladen mit Hochzeitsgeschenken schleppt der Benz das frisch vermählte Paar nach Hause. Aber er bricht nicht, natürlich nicht, er ist ein Mercedes. Der sympathische Jungunternehmer liebt seine Frau vom ersten Tag an, sein geerbtes Auto hat er in den Jahren erst richtig lieben gelernt. Ein frisch ins kalte Wasser geworfener Oldtimerfahrer kann sich nur mit der Zeit ein dickes Fell angewöhnen, das geht nicht von heute auf morgen. Man muss sein altes Auto erfahren, verstehen und als Freund begreifen. Das dauert.

Uncle Benz

Der Sonne entgegen

Es sind Ereignisse wie das klemmende Benzinpumpenrelais neben dem Steuergerät, das den Benz zumeist mitten auf viel befahrenen Kreuzungen einfach ausgehen lässt. Man muss das Gehupe und die blutdruckgepeitschten Schimpftiraden der anderen einfach ignorieren. Abschnallen, die gewaltige Haube öffnen, nach vorn gehen und mit leichtem Klopfen die Pumpe wieder zur Mitarbeit überreden. Dafür dankt sie es einem aber auch nach einem langen Winter mit sonorem Schnurren und direktem Starten des Motors. Auch kleine Lackplatzer hier und da oder Rempler von Einkaufswagen auf dem Supermarktparkplatz dürfen einen “Daily Driver” nicht in den Wahnsinn treiben – das ist Teil des Alltags, daraus wird Patina, die so ein Fahrzeug liebenswert macht. Und jede Narbe ist eine Geschichte mehr, die erzählt werden kann.

Zum Alltag gehört nun auch bald ein Kindersitz auf der Rückbank. Die Pohlmanns erwarten Nachwuchs, und wie der kleine Max damals mit seinem Onkel wird auch dieses Kind eines Tages auf dem Rücksitz die Welt vor und neben den Coupéscheiben wahrnehmen und die Geschichte weiter schreiben.

Uncle Benz

Goldene Zeiten. Oder kupferne?

Denn sie ist nie zu Ende.

Sandmann

Max ist zu finden bei www.photolove.us

TECHNISCHE DATEN

Mercedes-Benz W114 280 CE
Baujahr: 1973
Motor: Sechszylinder-Reihenmotor
Hubraum: 2.746 ccm
Leistung: 136 kW (185 PS) bei 6.000/min
Max. Drehmoment: 223 Nm bei 4.000/min
Getriebe: Viergang-Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4.680/1.790/1.395 mm
Gewicht: 1.455 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 10 Sek.
Top-Speed: 200 km/h
Wert: ca. 10.000,- Euro

Original Artikel und noch mehr Bilder auf: TRÄUME WAGEN

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Created Dienstag, 11. November 2014 Tags /8 Coupé | 280 CE | Max Pohlmann | Onkel | Photolove | Sternstunden | TRÄUME WAGEN | W114 Document type Video
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06 Nov 2014
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Neue Wege mit Lisa

Neue Wege mit Lisa

Es geht nix über ein großes Display.

Lisa ist weg – es lebe Lisa.
Mein altes TomTom Go 720 hat nach 7 Jahren meinen umtriebigen Alltag verlassen. Inklusive Custom Voices und nicht immer schönen Erinnerungen an Umwege, die zuletzt mit frischem Kartenmaterial vermeidbar gewesen wären. In 7 Jahren ist einiges passiert… Und irgendwie wird alles größer. Telefone sind so groß wie Laptops, Fernseher erreichen die Dimensionen von Wohnzimmerwänden und Navigationssysteme – sind ebenfalls nicht kleiner geworden. Begrüßen wir mein neues großes TomTom aus der 6000er Serie, was vor allem eines hat: Lebenslange Kartenupdates inklusive. Lebenslang? Wessen Leben? Meins? Seins? Ihrs? Ist es wieder eine “sie”, eine Lisa? Ich glaube, das Ding kann echt viel, aber heute lasse ich mich erstmal nur quer durch Hamburg zum Verlag führen…

Neue Wege mit Lisa

Always online, also nur Geduld

Meine neue Lisa ist wesentlich größer als ihre Vorgängerin, aber ist sie auch erwachsen geworden? Haptisch nicht, sie ist flach wie eine Flunder ;-) Ich habe erstmal 6,5 Gigabyte (GIGAbyte, Leute) Kartenupdates über das Netz geladen und dabei meinen Account aktiviert. Ab und an ist noch meine alte TomTom Home Software dazwischengegrätscht und hat behauptet, ich hätte noch immer ein Go 720. Irgendwann, nachdem ich auf Niederländisch geflucht habe, hat das dann aufgehört, und irgendwann (viel später, meinten die das mit lebenslang?) war das Update dann auch auf dem großen Fladen drauf. Freudig erregt verlasse ich das Wohnzimmer und mein Laptop mit der total überforderten, leicht schmurgelnden W-LAN Antenne und lasse mich entzückt in den Daimler fallen, in der Hand dieses große Navi. Den Saugfuß, der endlich mal was zu taugen scheint, pfropfe ich ein bisschen mittiger in die Windschutzscheibe, um den Dimensionen der Dame gerecht zu werden. Ich möchte in die Amsinckstraße und sage ihr das mit meinem linken Zeigefinger, was sie freundlich im Netz vor sich hinsuchend versteht und bestätigt.

Neue Wege mit Lisa

Was ist los in Hamburg?

Lisa ist upgedated, Lisa empfängt die Verkehrsinfos – und Lisa ist permanent online mit den TomTom Diensten verbunden, ohne dass es was extra kostet. Außer Strom :-) Und so weiß die Lady auch, wo gerade gedrängelt und geschoben wird, wie lange das jeweils dauert und wie lang insgesamt die Verzögerung ist. Heute scheint die allgemeine Verkehrslage in Hamburg mal recht entspannt zu sein, rund um meine Route steht wie jeden Morgen alles still, aber ich schaffe die knapp 6 Kilometer diesmal vielleicht schneller als mit dem Fahrrad. Datenschützer werden auf die Palme gehen, weil jetzt die NSA und alle anderen immer genau wissen, wo ich gerade langfahre. Denn Lisa sendet in beide Richtungen, sie empfängt nicht nur. Aber ehrlich, Freunde. Im Fall meines Navis ist mir das persönlich total egal. Los geht’s…

Neue Wege mit Lisa

Blindflug nach Display, wie ein Flugzeug

Während der Regen auf die Scheiben prasselt lasse ich mich von der altbekannten Stimme (und ja, sie heißt noch immer Lisa) leiten. Für mich neu und spannend ist die 3D-Darstellung von sämtlichen Gebäuden im Innenstadtbereich, und was mich dabei vor allem ablenkt ist, wie nah diese Darstellungen dem tatsächlichen Aussehen der Häuser kommen. Aber ich glaube, das ist wie mit allem, was neu und cool ist. Man muss sich erstmal dran gewöhnen, und wenn der Hype vorbei ist nimmt man es gelassen hin. Momentan freu ich mich wie ein Kind über die bunten Häuser und achte weniger auf die Fahrbahn vor mir, als ich das sollte. Meine Route entlang der B4 sieht auf dem Display besser aus als ein Flugsimulator von 1998, und es ist doch nur ein Navi :-D Hihi. Check. Mag ich.

Neue Wege mit Lisa

Hinter der KPMG ist der Michel

Ui, kuck mal :-) Besondere Sehenswürdigkeiten sind sogar als richtig modellierte 3D Gebäude integriert. Das wird ja immer besser (und das kenne ich ebenfalls aus den Flugsimulatoren). So kann ich trotz Schietwetter und vorgelagerten Gebäuden den Hamburger Michel rechts vorn schon sehen, bevor ich ihn tatsächlich sehen kann. Ich hup nochmal kurz, weil mein Schwesterchen hier rechts irgendwo in einem Büro sitzt (das weiß Lisa aber nicht) und konzentriere mich wieder auf den laufenden Verkehr. Hier staut sich’s ein bisschen. Das weiß das große bunte Display auch, und eine freundliche Herrenstimme behauptet unvermittelt, eine zwei Minuten schnellere Strecke gefunden zu haben. Ob ich die nehmen wolle, ich müsse nur mit JA antworten! Huch? Einfach so JA sagen? Das kann Konsequenzen haben. Nein, das probiere ich später mal aus und schweige. Hoffentlich singt jetzt im Radio nicht jemand ganz laut JAAA ♫ was mache ich denn dann? Erstmal Radio aus. So. Jetzt bin ich tatsächlich am Michel vorbei.

Neue Wege mit Lisa

Auf dem Display sieht er schöner aus

Wie so oft im Leben sieht die Realität nicht so schön aus wie die vorgegaukelte Virtualität, in diesem Fall liegt das allerdings vor allem am Regen auf meinem Glasdach. Der Michel ist wunderschön, und wenn Sie auch mal am Heiligen Abend alleine total verheult den abendlichen Weihnachtsgottesdienst da drin verbracht haben werden Sie mir zustimmen. Im Stau stehend (hätte ich mal auf die Männerstimme gehört) spiele ich noch ein bisschen rum. Ah. Doppelt antippen zoomt ran. Rechts am Rand auf die Stausymbole tippen zeigt mir die Länge und Art der Verzögerungen als Text an. Schon ziemlich cool. Wie auf dem iPhone kann ich mit zwei Fingern die Darstellung größer und kleiner wischen. Warum hupen die alle? Oh. Ups. Ich fahre dann mal weiter und spiele später mit der Technik ;-) Wie lange mag der Akku von dem Ding wohl halten? Die alte Lisa hat’s am Ende keine Minute mehr geschafft, hier vermute ich nennenswerte Standbyzeiten, momentan braucht sie aber noch ein paar Watt zum Glücklich sein. Leider gibt es im Auto noch keinen W-Strom, also zwirbel ich ein Kabel von der Mittelkonsole am Lenkrad vorbei zum Saugfuß. Sieht scheiße aus, geht aber ganz gut. Und ist ja auch nur für die Strecken, deren Ziel ich normalerweise nicht kenne.

Gib ihm Ampere

Gib ihm Ampere

Gleichwohl durch die 3D-Darstellung mit den Gebäuden und Sehenswürdigkeiten gefühlt schon ein Blindflug möglich wäre, gucke ich hier und da lieber noch mal auf die Straße vor mir. Bald können die Navis bestimmt auch andere Autos erkennen und mir sagen, ob hinter der nebeligen Rechtskurve jemand entgegen kommt oder ob ich den Trecker jetzt überholen kann. Lisa kann das noch nicht. Aber ich glaube sie kann noch eine ganze Menge Sachen, die ich noch gar nicht kenne. Na mal sehen, das werde ich mir nach und nach aneignen. Den ersten Test hat sie jedenfalls schon mal bestanden. Schnell die Satelliten gefunden (ich hasse es, wenn ich in einem unbekannten Stadtteil bin, ganz schnell irgendwo hin muss und das blöde Navi dann zwei Minuten braucht, bis es überhaupt weiß, wo wir gerade sind), schnell online gegangen und mich mal wieder dahin gebracht, wo ich hin wollte.

Neue Wege mit Lisa

gefühlte und tatsächliche Größe

Das hier ist übrigens die tatsächliche Größe vom Go 6000, vielleicht habe ich auf ein paar vorherigen Bildern ganz leicht übertrieben ;-) Groß genug, um alles gut zu erkennen. Lisa sagt rechtzeitig an, wenn ich abbiegen muss und stellt mir das auf größeren Straßen auch mit Spuren, Straßenschildern und Pfeilen dar (was mich persönlich eher nervt, aber das kann ich mit einem einzigen Tippen wegmachen). Und jetzt park ich mal, die letzten Meter muss ich zu Fuß gehen. Durch den Regen. Ich habe die berechtigte Hoffnung, nun ein bisschen weniger wertvolle Lebenszeit auf falschen Wegen zu verbringen und werde Sie darüber natürlich auf dem laufenden halten. Irgendwann ist man mal genug Umwege gefahren, jetzt hab ich einen Zug zum Ziel. Für heute ist das nur der Verlag, aber über alte Autos zu schreiben ist ja so schlecht nicht :-) Und später sehen wir mal, wo das alles hinführen wird. Gibt es eigentlich eine Wetter-App, mit der man das Wetter über das Display anpassen kann? Ich fürchte nicht :-( The sun always shines on TV.

Sandmann

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Created Donnerstag, 06. November 2014 Tags Display | Go 6000 | Heimwärts Highways | lebenslange Kartenupdates | Navi | Navigationssystem | Sternstunden | Test | TomTom | touch Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
24 Oct 2014
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Ihr ERSTES Auto!

Ihr ERSTES Auto!

Stolz. Sie ist soooo stolz!

Ihr erstes eigenes Auto war ein…? Genau. Sie wissen noch sehr gut, was Ihr erstes Auto war. Wie es gerochen hat. Wie der Motor klang. So was vergisst man nicht, das ist wie der erste Sex und das Parfum Ihrer ersten großen Liebe. Tandaradei ♫ Zeitsprung. Die Bilder im Kopf von Ihrem ersten Mal verblassen mit den Jahren, und Ihr erstes Auto, was Sie damals gelangweilt für eine Handvoll Mark oder Euro verschleudert hatten, vergessen Sie. Über Jahrzehnte. Und plötzlich geht bei Karstadt jemand an Ihnen vorbei, und Sie haben wieder das Parfum Ihrer ersten Liebe in der Nase. Die Bilder kommen zurück. Schwupps – sind Sie in dem Alter, in dem Sie sich Ihr erstes Auto wieder vor die Tür wünschen.
Meine große Tochter steht heute ganz am Anfang dieser Geschichten.

Ihr ERSTES Auto!

Nicht unsexy fürs erste mal

Ein Auto kaufen. Hm. Wo? Hören Sie mir auf mit Kleinanzeigen im Netz. Ich hatte ja schon eine vage Ahnung, als wir anfingen, erstmals nach DEM ersten Auto für meine erste Tochter zu suchen. Sie erinnern sich? Dass es so ernüchternd war glaubt mir niemand. 12 schriftliche freundliche Anfragen von mir, EINE patzige Rückantwort, KEIN Rückruf und auch KEINE Besichtigung. Ich bin zu alt für so einen Scheiß. Tschüss ihr Yenars, Hamids und Jussufs. Ihr mögt privat nette Menschen sein, aber ihr habt anscheinend keinen Bock, mir eins eurer Autos zu verkaufen. Dann findet euer Glück halt im Exportgeschäft. Wir haben noch ein paar andere Möglichkeiten ausgelotet: Ex-Taxis kommen nicht in Frage ;-) Die Inserate in der TRÄUME WAGEN sind supercool, aber nicht in der angestrebten Fahrzeugklasse. Aber wussten Sie, dass zum Beispiel die HERTZ Autovermietung ihre jungen gebrauchten Mietwagen nach einiger Zeit günstig verkauft? Nein? Wir auch nicht, jetzt wissen wir es, aber es war im Umkreis von Kiel nichts Kleines im preislichen Rahmen dabei. Trotzdem werde ich da in 2015 mal wildern, wenn es darum geht, vielleicht dem halbfinnischen Fräulein Altona ein neues nicht ganz so altes Auto mit einem Stern vor die Tür zu stellen. Da lohnt sich ein Klick, aber das wird eine andere Geschichte.
Heute fahren wir deshalb -> zu Tom. Tom kenne ich seit er am Daumen lutscht, und Tom behauptet nicht nur, sein Auto zufällig wegen eines anstehenden Neuerwerbs verkaufen zu wollen, er scheint das auch wirklich vor zu haben. Meine Tochter, die ich noch ein bisschen länger als Tom kenne will das haben. Genau das. Alles passt?

Auto holenGenau DAS” ist so eine Definitionsfrage, vor allem bei jungen Menschen, dazu noch wenn sie weiblich sind. Während ich von meiner geschätzten jüngeren Tochter gewohnt bin, dass sie im Monatsrhythmus die freizeitgestaltenden Interessen wechselt (und bei jeder neuen Idee Himmel und Hölle schwört, das es die ultimative Geschichte ever ever sei) ist die Große da inzwischen etwas konstanter. Seit der Plan vom eigenen Auto im Raum steht soll es am liebsten ein A3 sein, ein Polo (ab 2002 mit den runden Lichtern) oder ein Lupo der ersten Serie. Wichtig: Klein und spritzig, und cool. Schwarz. Aktuelle Verkaufsargumente aus der Werbung wie Bluetooth Connect, App-gesteuerte Standheizung oder Lounge Beleuchtung passen noch nicht ins Budget :-) Und sparsam, das wäre auch gut, denn sie steckt grad im FSJ und muss ein paar Kilometer jede Woche abspulen. Aber die Preise für die kleinen Diesel….. schlimm schlimm. Auch die Null-Ausstattungen aus Wolfsburg rufen selbst bei hohen Laufleistungen noch meist vierstellige Beträge mit einer großen 2 vorn auf. Ich weiß nicht.
Plötzlich ruft halt unser guter Tom an. Er habe da noch einen A3 erste Serie, wenig gelaufen, gepflegt, Winterreifen dabei aber leider ein Benziner. Der Preis ist heiß, die telefonisch durchgegebenen Daten auch – wir fahren da mal hin.

Ihr ERSTES Auto!

Skepsis, Neugier, alles dabei

Zu Tom muss ich sagen, dass ich ihn eigentlich nicht richtig kenne. Er ist der Sohn des Exfreunds der Schwester meiner Exfrau, die dann mit jemandem verheiratet war, der später mit Toms Mutter zusammenkam. Kompliziert? Nein, mit einem abgeschlossenen Studium in Mathe und Psychologie kein Problem. Egal, wir sahen uns in Zeiten, wo er Bobbycar gefahren ist und ich Audi V8. Jetzt fahre ich Mercedes S210 und er (noch) Audi A3. Eine gewachsene Vertrauensstruktur würde ich das nicht nennen, aber er ist immerhin kein Unbekannter. Vor mir steht ein charmanter, erwachsener Mann. Alt ist er geworden. Ich glaube, ich aber auch :-) Nachdem wir festgestellt haben, dass meine beiden anwesenden Töchter wiederum GROSS und HÜBSCH geworden sind widmen wir uns dem feilgebotenen dunkelblauen Kleinwagen aus Ingolstadt. Ich gucke immer ganz böse, wenn ich Autos checke, ich will das eigentlich gar nicht. Ist das Konzentration? Vielleicht. Meine Große bedeutet mir mit ein paar Pieksern in die Seite, dass sie den Wagen auf den ersten Blick schon mal ganz cool findet. Wir haben gar keine geheimen Zeichen abgemacht…

Ihr ERSTES Auto!

Gut gerüstet für den Schnee

Das wäre auch nicht wirklich nötig gewesen. Der Audi aus den späten 90ern scheint kerngesund. Der echte Tachostand mit einer 1 vorn spiegelt sich im wirklich sauberen Inneren wieder, vorn macht ein neues bunt blinkendes Radio (mit USB!!!) Alarm, hinten schlummern vier fast neue Winterreifen unter der großen Heckklappe. Das Alarm machende Radio ist wichtig! Eigentlich ist das nicht dabei, aber Tom sagt, darüber könne man reden. Meine Tochter strahlt aus beiden Ohren und überlegt schon, wie sie ihr Smartphone damit verbinden kann, um später mit Drum & Bass die Dichtungen der Scheiben schnarren zu lassen. Der große 1.8 Liter Vierzylinder ist trocken und klingt gesund. Zahnriemen? Vor nicht mal 20.000 Kilometern gemacht worden. TÜV? Fast neu. Ausstattung? Nicht viel, außer elektrischen Fensterhebern und Servo ist nix drin, aber hey – es ist ein Audi. Der ist im Vergleich zu einem Polo schon ab Werk ein bisschen geiler. Er wirkt wertig und straff, das haben die Käufer damals schon teuer bezahlt – sie ist begeistert. Fahren. Ja. Wir wollen fahren!

Ihr ERSTES Auto!

Alles gut? Anscheinend ja.

Tom drückt uns gechillt den Schlüssel in die Hand und geht noch was erledigen. Okay. Ziemlich ungechillt steigt mein Töchterchen auf den Fahrersitz, ich setz mich daneben und hinten machen es sich die Mittlere und der Typ mit der Harry Potter Narbe unter der Cap bequem. Na ja, bequem nicht, es ist halt ein kompakter Zweitürer. Vorn sitzt man definitiv besser. Sie startet den Motor, und ich lausche. Ich fühle. Der Anlasser könnte ein bisschen früher wieder ausrücken, aber na gut. Ab auf die Dorfstraße. Die Antriebswellen klackern nicht, das Getriebe schaltet sich präzise und ohne zu hakeln. Die Bremsen ziehen gleichmäßig und der Motor klingt knurrig und gesund. Nichts klappert, nichts knistert, es ist halt ein Audi. Und sie? Sie ist begeistert und will ihn haben. Ich sehe wieder skeptisch aus. Bin ich aber gar nicht. Ich seh nur so aus und hänge ein paar Gedanken nach, die sich mit meinem eigenen ersten Auto beschäftigen…

Ihr ERSTES Auto!

Alles nochmal checken

Wir deuten dem jungen Mann mit den undurchsichtigen Verwandtschaftsverquickungen ein prinzipielles Kaufinteresse an. Tom nutzt die Gelegenheit und erläutert der jungen Dame die Details, zeigt die Fahrgestellnummer und alle Kratzer rund herum auf dem Lack. Das sind nicht wenige. Da müssen wir nochmal über den Preis reden, denke ich. Und stehe derweil im Geiste in einer dunklen Garage in Stade, irgendwann Anfang 1990, und schleiche um ein Ford Taunus Coupé rum. Ich hatte keinen Mentor dabei, keinen Papa, der sich um meine Wünsche gekümmert hat und im Zweifelsfall verhindert, dass ich über den Tisch gezogen werde. Ich habe das lila gelackte, zusammengebastelte Teil damals blauäugig als Katze im Sack gekauft und konnte später zum Glück auf die Schweißkünste meines Schwagers Andreas und seines Freundes Andreas (in diesen Zeiten hießen alle so) zurück greifen. Und auf das Portemonnaie meines Opas. *plopp* Schweißen wird bei diesem Audi hier nicht nötig sein, und die Technik scheint gesund. Und was kaputt geht sollte Papa später wohl mit seinem Werkzeug richten können…

Ihr ERSTES Auto!

Der Moment der Wahrheit

Meine Tochter kauft ihr erstes Auto.
Und ja, sie unterschreibt den Vertrag selbst. Saß sie nicht gerade noch auf meinen Schultern und hat herbstliche Lieder geschmettert? So lange ist das doch noch gar nicht her? Jetzt füllt sie die Daten aus, und ich drifte wieder weg. Damals hatte ich noch nicht genug Kohle für mein Auto zusammen, also hat meine Freundin Nessi den Taunus erstmal gekauft und drei Monate lang gefahren. Die drei längsten Monate meines Lebens. Dann habe ich ihn endlich “auslösen” können, der Rest ist Geschichte. Pendeln zur Bundeswehr, Freundin weg, Kummer, dazu immer Marillion, der Soundtrack meines Lebens. *plopp* Töchterchen hat genug Geld zusammen. Einen Teil hat sie gespart, einen Teil hat ihre Mutter dazu gegeben und einen Teil ich. Warum auch nicht? Hey – es ist ihr erstes AUTO, wie geil ist das denn? Da gebe ich doch gern. Und es ist irgendwie echt schick. Man sieht dem Wagen sein Alter nicht wirklich an. Liegt das an der Pflege oder der Marke oder der Tatsache, dass hier vom Design ein zeitloser Wurf getätigt wurde? Weiß ich nicht :-)

Ihr ERSTES Auto!

Ein’ Lütten noch obendrauf

Tom ist nicht nur Geschäftsmann – er ist auch Genießer. Für das Bündel Geldscheine, das gerade den Besitzer wechselt (und das, mögen es alle diese bescheuerten Fähnchenhändler schlucken, eine 1 vorn in der Summe hat), bekommt mein Töchterchen das Auto, die Winterreifen, das Bumm Bäng Radio und obendrauf noch das originale Audi Gamma Radio. Und ne Mappe mit Papieren. Er wiederum bekommt obendrauf noch ein Fläschchen Vodka. Jetzt stehe ich hier also, gucke meiner Tochter beim Kaufen eines Autos zu und sehe, wie sie dem kleinen Jungen mit dem Bobbycar eine Flasche harten Alkohl in die Hand drückt. Selbstgekauft. Irgendwie drehen sich die Zeiger der Uhr heute wieder ein bisschen zu schnell, aber was soll’s, solange der Anlass ein schöner ist komme ich mit meiner eigenen Midlife-Crisis gut klar.

Ab vom Hof

Ab vom Hof

Tschüss Tom. War schräg, dich in diesem Zusammenhang mal wieder zu sehen. Ich steige mit meiner kleinen/mittleren Tochter in den alten Daimler, und meine große Tochter mit ihrem Liebsten (man kennt ihn inzwischen aus den Frankreich-Geschichten) in ihr erstes eigenes Auto. Auf eigener Achse zurück aus der Pampa hinter Rendsburg nach Kiel. Ich bin wahnsinnig stolz auf das große Mädchen hinterm Steuer. Der Wagen steht ihr, oder? Er würde hinten quer auf meine Ladefläche passen. Aber so ein A3 hat einen gewissen Charme, den sogar ich ihm nicht absprechen kann – und ich bekenne mich dazu, kleine Autos nicht unbedingt super zu finden. Aber er hat so viel Platz wie ein Golf, ist dabei aber irgendwie noch ein bisschen cooler mit seinen roten Armaturen und seiner schlanken Form. Wenn nur die Ersatzteile nicht so teuer wären. Na, hoffen wir mal, dass die geringe Laufleistung ein bisschen Ruhe vor den Reparaturen versprechen kann. Und da ist auch schon die Autobahn nach Kiel. Kick it.

Ihr ERSTES Auto!

glückliche Menschen

Er scheint zu laufen, der alte Audi. Die strahlenden Gesichter der beiden jungen Menschen darin sprechen eine klare Sprache. Was war vor 25 Jahren ein Auto für mich? Die Freiheit, da hin zu fahren, wo ich hin will. Ich allein. Ein Raum nur für mich, in dem ich Musik hören, reisen, trauern, ja sogar schlafen kann. Die Unabhängigkeit eines verkappt braven Gymnasiasten vom konservativen Umfeld. *plopp* Was ist ein Auto für meine Tochter heute? Das wurde sie letzte Woche auch von einem Kamerateam gefragt. In diesem Auto. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Freude und Vergangenheit. Kenne Sie das auch, wenn Sie an einem Moment teilhaben, von dem Sie genau wissen, dass er irgendwie wichtig ist? Damals, bei meinem ersten Auto habe ich das noch nicht gewusst. Beim ersten Sex schon eher, da haben mir ein besonderes Umfeld und besondere Zeiten schon eine frühe Ahnung gegeben, dass ich das sobald nicht vergessen werde. Mal gucken, was sie in 25 Jahren zu diesem Moment sagt. Also, zu dem mit dem Auto.

Ihr ERSTES Auto!

Alle springen mal bitte HOOOOCH

Töchterchens erstes Auto ist also ein Audi A3 1.8 Liter Schaltgetriebe. Ein paar Jahre jünger als sie selbst. Genau genommen ist der Wagen fast exakt so viele Jahre jünger als sie selbst, wie damals mein Taunus jünger als ICH war. Ich war genau so alt wie sie heute, aber mein erstes Auto wirkte seinerzeit schon auf alle anderen wie ein antiker Dinosaurier. *plopp* Irgendwas ist heute anders. Können Sie es ergründen? Ist es das Fehlen von Rostplacken an den Schwellern? Sind Autos heute wertiger anmutend als damals? Zeitloser? Und werde ich tatsächlich älter?
So oder so – ich freu mich wie blöd über das erste Auto meiner Tochter. Ich kann mich allerdings an das Parfum meiner ersten Freundin nicht mehr erinnern. Aber an das der dritten. Kashmir von Chopard. Spannende Zeiten. Oder haben SIE den Kauf Ihres ersten Autos etwa vergessen???

Sandmann

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Created Freitag, 24. Oktober 2014 Tags audi a3 | benziner | das erste mal | eigenes Auto | Erstauto | erstes auto | Fremde Federungen | Gebrauchtwagen | Heimwärts Highways Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
21 Oct 2014
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Ge STUTZ te Flügel

Ge STUTZ te Flügel

Ein bisschen Saurier, ein bisschen Hai

Stutz? Schon mal gehört?Nein? Bestimmt doch, auch wenn Sie es nicht wissen. Durch unzählige Filme der vergangenen 40 Jahre fährt ein Stutz Blackhawk. Herbert Engel besitzt ein Exemplar dieser extrem seltenen Gattung. Das US-amerikanische “Revival Car” wirkt wie der Mix aus einem übergewichtigen Dinosaurier und einem schlanken Hai, die von Virgil Exner gestaltete Karosserie könnte ausgefallener nicht sein – und kleidet eines der teuersten US-Automobile aller Zeiten. Dieser Cocktail aus Luxus und Extravaganz mit verspielten Anklängen an die 30er Jahre begeisterte damals nicht nur Sunnyboy Dean Martin, sondern auch viele andere Reiche und Schöne der Welt… Ich bin weder reich noch schön, aber ich hab mich mal auf den Wagen eingelassen und zähle ein paar Promis auf, die mir das gleich taten. Mit Erfolg? Definitionssache…

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Eine total verrückte Kombination aus Formen

Das 40 Jahre alte Getüm, das rückwärts aus der kleinen Garage in der Burgschmiede Namedy herausrollt, ist – ein Auto. Wirklich? Formen wie aus einem Batman-Film und ein Name wie ein Rasiermesser: Stutz Blackhawk. Des Engels schwarzer Falke. Der gewaltige 7,5-Liter-V8 mit seinen mehr als 400 SAE-PS murmelt eine ungeduldig vorgetragene Ballade von letztendlicher Freiheit. Dieser gestutzte Falke durfte noch nie so richtig das tun, wozu er einst gebaut wurde: Fliegen. Jagen. Schnell und gefährlich sein. Nur 2.600 historisch verbriefte Meilen sind vom Tacho abzulesen, für einen V8 ist das ein Neuzustand, der Block ist noch nicht einmal richtig eingefahren :-) Und es ist aus heutiger Sicht kaum zu glauben, was einem die ungläubigen eigenen Augen für ein Konglomerat aus Formen ans Gehirn melden. Was der Omnibusbauer Officine Padane aus dem italienischen Modena diesem ur-amerikanischen Klotz da für ein Kleid geschneidert hat.

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Metall, Holz, Fell soweit das Falkenauge reicht

Ich bin schlecht entsprechend vorbereitet. Dieses Fahrzeug trifft mich in der kühlen Morgensonne wie ein Schlag ins Gesicht, und ich kann mich noch nicht entscheiden, was ich eigentlich über diesen Kahn denken soll. Er steht da lauernd wie eine Provokation, wie ein Legomodell, was ein kleiner Junge aus vielen verschiedenen Themen-Baukästen zusammengesetzt hat. Irgendwie stimmt das auch. Nur, dass der kleine Junge ein bisschen genial war und den extravaganten Zeitgeschmack mit extravaganten Baukästen getroffen hat. Ich fasse die kalten, glatten Flanke an. Ich streichel sie. Und ich habe immer Angst, vom Falken gebissen zu werden.

Ge STUTZ te Flügel

Alles passt zusammen. Echt jetzt.

Was mag Sammy Davis Jr. gedacht haben, als er über den fast wollüstigen Kühler seines Stutz strich und die Hand über die geschwungenen Kotflügel gleiten ließ, die eine fußballfeldgroße Motorhaube flankieren? Irgendwas muss er gedacht haben, schließlich hatte er eine Menge Geld für die Karre auf den Tisch gelegt. Anfang der 70er kostete ein VW Käfer rund 6000 Mark. Ein gut ausgestatteter Opel Kadett Festival lag schon bei 7800 Mark. Ein total ausgefallener Maserati Ghibli war mit etwas über 70.000 Mark teurer als ein Einfamilienhaus am Stadtrand von Uelzen. Der Stutz kostete 150.000 Mark. Viel Geld. Sammy muss irgendwas gedacht haben. Vielleicht ist ihm ein neuer Song eingefallen…

Designelemente der 30er Jahre

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egal von wo man guckt, die Karre ist unfassbar

Um dieses Auto zu verstehen (und letztendlich auch zu mögen) muss man in die Geschichtsbücher eintauchen.
Der US-Amerikaner Harry Stutz beschäftigte sich schon vor mehr als 100 Jahren mit dem Bau von motorisierten Kutschen, die er über die Jahre als Roadster und Limousinen immer weiter verbesserte. Seine expandierende Stutz Motor Company ging durch die Hände mehrerer Eigner, bis sie 1939 wegen der Weltwirtschaftskrise Insolvenz anmelden musste. Im Jahr 1968 ließ James ODonnell den Markennamen in seinem neu gegründeten Unternehmen Stutz Motor Car of America wieder aufleben. Sein Ziel: Luxuriöse Fahrzeuge mit eigenständigem Design zu bauen, eine Kombination aus Elementen der 1930er Jahre mit zeitgenössischen und robusten Komponenten moderner Autos. Für die Verwendung der Plattform gab ein gewisser Herr DeLorean, damals Chef bei Pontiac, selbst sein okay. Es mussten allerdings statt des nur benötigten Rahmens komplette Fahrzeuge abgenommen werden. Komplette Fahrzeuge vom Typ Pontiac Grand Prix. Der große Preis, Geschäftsmann war er ja durch und durch ;-)

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Ein wahrlich beeindruckendes Markenzeichen

Der Blackhawk der ersten Serie, von dem es nur 25 Stück gab, gleicht diesem Baukasten. Aber einem Baukasten der Superlative. Am Ende wirkt er irgendwie stimmig kombiniert. Wenn Sie das erste mal vor einem späten Picasso stehen fangen Sie auch an zu lachen, finden das bunte Bild mit der seltsamen Frau und diesem Löffel im Gesicht und diesem kantigen Taschentuch vor der Nase albern und gehen kopfschüttelnd weiter. Zu den gefälligen Seerosen von Monet. Wenn Ihnen aber mal jemand erklärt, dass dieser Löffel auf dem Bild der Frau gerade brutal das Auge aushebelt und die Zacken im Taschentuch auf ihrer Nase scharfe, unbarmherzig schneidende Glassplitter sind – dann bekommen Sie eine Ahnung davon, welche Schmerzen sie wohl gerade durchleiden mag. Schmerzen, die ein normales Bild gar nicht darstellen kann. Der Stutz ist ein Auto, was etwas verkörpert, was Sie mit einem normalen Auto einfach nicht hinbekommen.

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goldene Felgen und dicke Hurra-Tüten an den Seiten raus

Von den wuchtigen Kotflügeln gerahmt fallen die speziellen Firestone-Reifen auf, die exklusiv für dieses Fahrzeug hergestellt wurden. Mr. Davis Jr. strich über Türgriffe vom Maserati Indy und fuhr die perfekte Linienführung der Flanken nach, deren Filigranität gekonnt von je einem armdicken seitlichen Auspuffrohr unterbrochen wird. Seitenfenster gibt es nicht bei diesem als Zweisitzer konzipierten Coupé. In unserem speziellen Exemplar befindet sich allerdings eine originale, klappbare Rückbank – dieser Stutz ist tatsächlich für vier Personen zugelassen, aber trotz seiner wahnwitzigen Länge nur bedingt als Familienkutsche geeignet.

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Tierschützer sollten hier mal wegschauen.

Man möge es den damaligen Zeiten und der fehlenden political correctness verzeihen – für diesen Wagen mussten kleine Tiere sterben. Ein großer Teil des mit Chinchilla-Fell ausgelegten Kofferraums wird vom außen liegend montierten Reserverad inklusive Firmenlogo beansprucht – Continental Kit mal ganz anders. Kenny Rogers hätte da nicht einmal seine Gitarre reinbekommen, vermutlich hatte er sie auf dem Beifahrersitz liegen. Nach dem satten Klacken des Schlosses öffnet sich mit der überdimensionalen Tür ein innerer Schrein des Überflusses. So wähnte sich der Schah von Iran wohl in seinem Palast, als er in einem seiner zwölf (nochmal: ZWÖLF) Stutz saß. Feines Wurzelholz vom Zitronenbaum umrahmt kunstvoll die analogen Rundinstrumente und filigranen Knöpfe, die ebenfalls von Maserati geliefert wurden.

Echtes Fell vor geteilter Windschutzscheibe

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Herbert Engel mitten im Überfluss

Auf Augenhöhe finden sich bei genauerer Betrachtung erneut ein paar graue Chinchillas wieder, deren Fell die Sonnenblenden ziert, mit denen sich die in der Mitte geteilte Frontscheibe abblenden lässt. Feinstes weiches Leder umschmeichelt den Körper und verströmt den wunderbaren Geruch eines alten, erhabenen Autos. Der Blackhawk mutet fast schon britisch an. Trug Elvis Presley am Steuer vielleicht Handschuhe? Seine drei Stutz waren die einzigen Autos, in denen er sich nicht chauffieren ließ. Er nahm das Volant selbst in die Hand, bei unserem Modell ist das übrigens ein sehr sportlich gehaltenes aus dem Mustang Shelby. Das letzte bekannte Foto des King zeigt ihn kurz nach Mitternacht zum 16. August 1977 am Steuer seines schwarzen Stutz mit roten Sitzen. Nur wenige Stunden vor seinem Tod. Der Wagen steht heute in Graceland. Auf jeden Fall hätte Elvis zunächst seine eigene Musik auf einer Cartridge in die original Stutz-Stereoanlage gedrückt. Das antike Teil selbst ist inzwischen so selten, dass ich gar nicht glauben kann, dass es tatsächlich noch funktioniert. Doch, tut es, wenn auch nicht mit Elvis. Hier und heute begnügen wir uns mit Paul Ankas 21 Golden Hits.

Ge STUTZ te Flügel

Paul Anka singt uns einen vom Tonband

Herbert Engel lächelt wie Muhammad Ali nach einem gewonnenen Kampf, als er gleich dem unserblichen Boxmeister selbst am Steuer Platz nimmt. Die charmante Ausstrahlung des Händlers für exklusive Automobile wird vom Geist dieses unfassbaren Autos und seiner prominenten Fangemeinde noch mystisch untermalt. Es sitzt sich hier wie in einem italienischen Gran Turismo aus den späten 60ern, es fühlt sich aber ein bisschen klapperig an wie in einem Ami aus den 70ern und – es klingt wie ein Sportwagen, als Engel den Big Block zum Leben erweckt. Donnerlüttchen. Ich wusste zwar, dass da fast acht große Milchtüten mit Treibstoff versorgt werden, dass die aber so zornig klingen können ist mir neu.

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Dürfen es ein paar Liter mehr sein?

Ge STUTZ te Flügel

guller guller blubber schlürf

Der Stutz gleitet wie ein gigantisches Schiff durch die Welt

Die originalen LXX-17 Run Flat Firestone-Reifen von der Auslieferung besitzt Herbert Engel noch, hat sie aber aufgrund des biblischen Alters gegen etwas jüngere, einigermaßen fahrbare Pneus auf anderen Felgen getauscht. Auch wenn die originalen Reifen erst besagte 2600 Meilen gelaufen sind. Aber wenn Sie mal ihr seit Jahrzehnten mitgeschlepptes Reserverad im Kofferraum angucken, wissen Sie, wie hart Gummi werden kann. Safety first. Mit der Erhabenheit eines Supertankers gleitet der Blackhawk knurrend über den Innenhof zur Yellow Brick Road, wie Elton John sie besungen hätte, während er durch das verregnete England fuhr. Die Automatik schaltet ohne Ruckeln, die Klimaanlage schnorchelt leise. Es fühlt sich wirklich wie in einem edlen Salon an, ich möchte spontan eine Pfeife rauchen, nehme aber Rücksicht auf die verstorbenen Chinchillas und die Reinheit ihrer pelzigen Hinterlassenschaft. Die 5,26 Meter Länge verteilen sich gefühlt vor allem auf die nicht enden wollende Motorhaube, die 1,91 Meter Breite indes fallen weniger ins Gewicht.

Ge STUTZ te Flügel

Alles im Blick? Schwierig.

Das meilenweit von den Insassen entfernte Cockpit und die runden Armaturen lassen Luft zum Atmen und versprühen das passive Sicherheitsgefühl eines Panzers. Wer mal in einem Leopard II gefahren ist weiß, dass auch der durchaus Bumms haben kann, nicht nur hinter der Kanone. Engel gibt Gas. Ja :roll: der Motor hat Drehmoment, das kann selbst das mehr als zwei Tonnen schwere Gesamtkunstwerk nicht verheimlichen. Es ist nicht überliefert, wie Evil Knievel seinen Stutz gefahren ist, den er sich selbst nach dem legendären River Jump als Belohnung schenkte. Vermutlich aber nicht fliegend durch brennende Reifen oder was er sonst noch alles so veranstaltet hat. Unsere nicht brennenden Reifen hier und heute im 21. Jahrhundert wollen jedenfalls nicht mit dem Wort “waghalsig” in einen Topf geworfen werden, also shuffelt Engel kommod und entspannt zu ein paar wunderschönen Plätzen. Wie gemacht für ein wunderschönes Auto. Ich beginne Gefallen zu finden. Am Ende mochte ich Picasso auch.

Ge STUTZ te Flügel

Gesehen werden? Na gut.

Der Falke will kommod gefahren werden

Egal wo wir auftauchen – vor Ort polarisiert der Bolide die anwesenden Zuschauer, die sich zu allem ungefragt lautstark äußern. Der kleinere Teil sieht in dem Fahrzeug ein hässliches Monster von einem anderen Stern, steigt danach in seinen Multipla Fiat und fährt nach Hause in sein Reihenmittelhaus. Die meisten aber begreifen ihn aber von Anfang an richtig, nämlich wie ein exklusives Kunstwerk, für das man sich gern begeistern kann, ohne es gleich selbst besitzen zu müssen. Angucken erlaubt. Denn das hat der Blackhawk vielen seiner verwandten Kollegen voraus: Ein Ferrari, ein Rolls-Royce, ein Jaguar oder ein Lamborghini pressen ihre Besitzer umgehend in feste, für die Ewigkeit in den Köpfen verankerte Klischees  - der Stutz, im Übrigen wesentlich teurer und seltener als jede der genannten Marken, ist einfach nur stylisch und ein bisschen verrückt. Wie sollte man seinen Besitzer charakterisieren? Geht nicht. Ach doch – reich. Auf jeden Fall reich.

Ge STUTZ te Flügel

Was für sündige Hüften

Spätestens, wenn den Betrachtern am warmen Kaminfeuer der gullernden Zylinder aus der illustren “Stutz Owners” Liste vorgelesen wird, und allerspätestens, wenn der Name Elvis Presley fällt, schwenken sogar ein paar der fast schon wieder abgereisten Neubaugebiets-Zweifler um und gucken genauer hin. Ja ja, Prominenz macht sexy und verursacht explosionsartig ansteigendes Interesse aller Beteiligten. George Normanist, wie alle anderen Stutz-Käufer auch, auf einer Metalltafel an der Mittelkonsole verewigt. Er lebte zwar ein farbenfrohes und interessantes Leben, ist aber nicht so prominent wie einige der anderen Fahrer von insgesamt rund 600 gebauten Stutz verschiedener Serien. Herr Norman als einziger Vorbesitzer dieses Falken hatte in den frühen 70ern ein paar Probleme mit dem Gesetz und tauchte unter, seine Sammlung teurer Autos wurde später konfisziert.

Ge STUTZ te Flügel

Der Erstbesitzer ist verewigt

Der Erstbesitzer wurde international gesucht

So überdauerte auch dieser Stutz fachgerecht eingelagert die Jahre, bis 1985 ein Nachbar von Norman das Fahrzeug verkaufte. Über einige verschlungene Wege gelangte der Wagen letztendlich zu Herbert Engel, der ihn heute prinzipiell verkaufen würde. Doch erwarten Sie kein Schnäppchen. Der Zustand ist weltweit einzigartig, die erste Serie ist wesentlich begehrter als die Nachfolgemodelle. Bei späteren Baureihen hat das Baukastensystem von Pontiac immer mehr Einzug gefunden, der filigrane Charme und italienische Einfluss verflog ein wenig. Bis er einen Käufer gefunden hat bewegt Engel das Unikat mit H-Kennzeichen durch die Landschaft rund um den Rhein und erfreut sich immer wieder an den Reaktionen der Passanten. Für ihn ist es ein gutes, seltenes Auto. Er hat noch andere, noch ganz andere Kuriositäten in seinen Hallen stehen.

Ge STUTZ te Flügel

angesaugt werden – kann passieren

Der seltsame Wagen, welcher an sich schon eine faszinierende Geschichte erzählt, kühlt leise tickend wieder ab. Er verfügt über eine komplette Historie, angereichert mit Berichten von Preisverleihungen und weltweiten Showveranstaltungen. Wie bei fast allen seiner anderen Autos auch hat Herbert Engel ein besonderes Verhältnis zu diesem besonderen Fahrzeug, aber der Handel ist ein Kommen und Gehen. Zu viele Gefühle machen da schnell sentimental, und meistens gelingt ihm, einen professionellen emotionalen Abstand zu den Exponaten zu halten. Manchmal aber auch nicht. Als er das Garagentor hinter dem Blackhawk schließt, hat er dieses Leuchten in den Augen, das nur Männer haben, die ein bisschen verliebt sind.

Sandmann


www.sportwagenengel.de

STUTZ BLACKHAWK Serie 1
Baujahr: 1971
Erstzulassung: 1972
Motor: Pontiac Big Block V8
Hubraum: 7.500 ccm
Leistung: 431 PS
Drehmoment: 570 Nm bei 4.000/min
Verbrauch: ca 30l/100km
Getriebe: GM TH-400 3-Gang Automatik
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,4 s
Gewicht: 2.300 kg
SammyAliKennyEvilElvisElton
Originalartikel auf TRÄUME WAGEN

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Created Dienstag, 21. Oktober 2014 Tags Burgschmiede Namedy | Herbert Engel | Sportwagen Engel | Stutz | Stutz Blackhawk | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
20 Oct 2014
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Aus Versehen TÜV

Aus Versehen TÜV

Lange her, der letzte Werkstattbesuch…

Eigentlich sollte es ein ganz normaler Tag in meinem Leben werden. Früh Morgens mit dem Dottore ohne Zündschloss das Töchterchen zur Schule fahren und ab 9:00 Uhr an den Schreibtisch, schreiben und Fotos bearbeiten. Wie immer in meinem Leben ist es natürlich KEIN normaler Tag geworden, zumindest kein normaler Morgen. Er schüttelt mich zwischen 7:00 und 9:00 Uhr von Himmelhochjauchzen bis Zutodebetrübt, vielleicht sollte ich mich langsam mal an eine derartige relative Emotionsgeschwindigkeit gewöhnen. Ich fang mal vorn an, damit ich um 9:00 Uhr auch rechtzeitig an meinen Computer komme…

Aus Versehen TÜV

Na – da ist er ja

6:42 Uhr
Papa, ich hab grad das Netzteil vom alten Laptop aus der Kommode geholt, da ist so ein Schlüssel mit rausgefallen…” Argh. Tropfnass direkt aus der Dusche kommend (ich hatte noch nicht mal einen Kaffee) stehe ich überraschend vor meinem verlorenen Autoschlüssel. Sie erinnern sich? Ich werde in diesem Leben nicht mehr erfahren, was er in meiner Kommode im Wohnzimmer gemacht hat und wie er da hin gekommen ist. Ich sehe jedenfalls eine Chance für einen guten Tag, trockne mich grob ab, ziehe mich an, bastel noch liebevoll ein Pausenbrot für meine fröhliche Finderin und lasse sie dann für 10 Minuten mit ihrem Müsli allein. Ich und mein Kaffee, wir sind schnell mal draußen beim Audi in der frühherbstlichen Feuchtigkeit. Ich baue mit den schon bereitgelegten neuen Schrauben das alte Lenkradschloss wieder an, ziehe es fest und befinde das Ergebnis für insgesamt vorzeigbar. Lenkstockschalter drauf, Lenkrad drauf und gut. Mein Kaffee unterstützt mich dabei bedingungslos. Das hektisch bei ebay ersteigerte und inzwischen auch eingetroffene Set aus Schließzylinder, Türschloss, Heckklappenschloss und Schlüssel kann ich ja irgendwann mal weiterverkaufen oder beiseitelegen, falls sich der Schlüssel erneut in irgendwelchen undurchsichtigen Ecken meines Lebens niederlassen sollte :-)

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Mit Montag Morgen Muffel Musik

07:10 Uhr
Ich hatte ganz vergessen, dass mein Töchterchen am Wochenende mit ihrem Fahrrad bei mir war. Na gut. Kombi? – Braucht man nicht :-) Der Kofferraum des Dottore schluckt das Fahrrad ganz gut, und an so einem kalten grauen Herbstmontag will man die Zweitgeborene ja nicht frieren lassen. Also gullern wir mit ♫ Montag Morgen Muffel Musik ein bisschen verschlafen in Richtung Innenstadt. Ich beschließe, gleich nach dem Rauskippen der hübschen Fracht bei meinem Leib- und Magen-KFZ-Meister Rüdiger Menzel vom 1A Autoservice in Kiel einzukehren und zu fragen, ob er das allgemein schlechte Laufen des alternden Vierzylinders irgendwie kurz ergründen kann. Mit dem bin ich schon seit der Neueröffnung freundschaftlich verbunden. Deshalb: Nein, das sind keine verkauften und irgendwie ins Thema integrierten Links, die kommenden Geschichten werden Ihnen nach und nach erläutern, warum ich den Mann wirklich schätze und glaube, dass er zaubern kann. Und danach könnte ich mir auf dem Rückweg ins Büro gleich einen Termin bei der GTÜ holen, Hauptuntersuchung ist fällig. Bis dahin kann ich mich an den Wochenenden nochmal drunter legen und schauen, was alles gemacht werden muss. Ich fahre den Audi seit fast zwei Jahren einfach nur so….. ich habe da noch nie drunter geguckt, es war schlicht nicht nötig. Guter Plan. Also los.

Aus Versehen TÜV

In guter Gesellschaft

7:32 Uhr
Für einen Montag Morgen ist der Meister ausnehmend gut gelaunt. Ich trau mich gar nicht zu fragen, woran das liegen könnte, nehme aber hin, dass wir zwei uns endlich duzen. Fein :-)Komm ich häng den gleich mal ran” sagt er und fährt den silbernen Herren auch schon in die große helle Halle, gleich neben einen wunderschönen W123. Der alte Daimler guckt den alten Audi ein wenig herablassend an, er ist in einem definitiv besseren Zustand und hat auch eine viel größere Fangemeinde als der Typ 43. Den will irgendwie niemand haben, alle finden den toll wenn man auf die Tankstelle fährt aber kein Mensch lässt sich drauf ein. Na und? Ich bin in diesem Jahr schließlich auch ein Typ 43 :-) Ich hab ihn ein bisschen lieb und freue mich, dass der alte Herr mal wieder eine richtige Werkstatt von innen sieht. Ex-Raffay in Hamburg, wo er einst 1977 gekauft wurde, sollte diese Ehre eigentlich auch zuteil werden. So dachte ich mal, als ich die anschrieb. Dort hat man aber leider das Klischee des “Freundlichen” bestätigt und trotz mehrerer Mails keinen Terminvorschlag gemacht. Hat man das in einem Audi Zentrum nicht nötig? Ich werde dem noch nachgehen, Menzel hat schon seinen Rollwagen hergeschoben und legt los. Hier werde ich auch mit einem 37 Jahre alten Auto ernst genommen, im Hamburger Audizentrum anscheinend nicht.

Aus Versehen TÜV

Mit Herz und Ohr dabei

7:40 Uhr
Standgas und CO vom Vergaser sind frisch eingestellt. “Der bläut aber derbe hinten raus. Da solltest du mal die Schaftdichtungen machen, die sind sicher schon steinhart…” Das hatte ich sowieso vor, lasse mir einen groben Preis nennen (die Nockenwelle muss dazu raus, Mist) und mache gleich einen Termin für die nächste Woche. Morgens bringen, Nachmittags abholen. Klasse. Und dazwischen fahr ich dann eben Fahrrad, noch ist es ja nicht so kalt dass ich dafür zu bequem bin – und dass es hinten rein passt weiß ich ja seit heute Morgen :-) Die gute Nachricht: Kompression auf allen vier Zylindern ist gut, Standgas ist sauber, der Motor macht einen relativ gesunden Eindruck. Die Werkstatt füllt sich langsam, Kundenfahrzeuge werden reingeschoben, Monteure klettern unter die Hebebühnen und geschäftiges Treiben dringt aus allen Ecken.

Aus Versehen TÜV

Der Maestro an seinem Orchester

7:43 Uhr
Wissen Sie, was beschämend ist? Viele Werkstätten haben gar nicht mehr die alten Testgeräte, die über Induktion die Zündsignale abgreifen. Ich bin von drei Markenzentren in Hamburg wieder nach Hause geschickt worden, weil man dort die alten Geräte entsorgt und auf die neue Generation umgestellt hat. Die mit den Diagnosesteckern, wo nur noch ein Computer angeschlossen wird, der dann über die Schnittstelle vom Auto gesagt bekommt, wo es weh tut. Diese Schnittstelle hat mein Audi aber noch nicht, 1977 waren Computer den Universitäten und der NASA vorbehalten :-( Was machen solche Werkstätten denn, wenn ein gut situierter Klassikerfahrer ankommt und zum Beispiel die Vergaser seines Porsche oder seines Audi Coupé S einstellen lassen will? Nichts. Ach doch, sie können was machen – sie können diese Leute zu Menzel nach Kiel schicken, der hat noch so ein Gerät. Und er selbst hat auf dem alten Audi 100 gelernt, und was er selbst bei alten Autos zeitlich nicht hinbekommt regelt sein Vati. Der ist auch noch ab und an dabei, der hat schon die Bremsen meines alten K70 damals wieder gerichtet. Gut. Das Zündbild ist fast perfekt. Es muss also irgendwie an der Spritzufuhr oder am Vergaser liegen, dass der Dottore bei 100 km/h sporadisch immer wieder bockig ist.

Aus Versehen TÜV

Alles gesund im E-Werk

7:48 Uhr
Wir vertagen uns auf die nächste Woche, dann will er außer den Schaftdichtungen auch gleich mal den Vergaser unter die Lupe nehmen. Außerdem soll ich mir mal die Lenksäule anschauen, die macht komische Geräusche und mahlt so metallisch, das ist nicht gut. Ich erzähle von dem ausgebohrten und wieder angeschraubten Schloss. Irgendwas wird das damit wohl zu tun haben. “Das lässt sich schon finden” beruhigt Menzel mich grinsend und scheucht mich gut gelaunt vom Hof :-) Okay. Ich bin nicht wirklich weiter, aber ich kann mir ja noch schnell den Termin bei der GTÜ Prüfstelle holen, bevor ich mich in den Arbeitstag stürze. Die ist quasi eine Ecke weiter und öffnet in wenigen Minuten ihre Pforten. Vielleicht kann ich mir danach sogar noch ein Brötchen bei meinem Lieblingsbäcker holen, bevor es ans Schreiben geht.

Aus Versehen TÜV

Äh… moment, ich bin unvorbereitet…

8:05 Uhr
Sie sind heute der Erste, fahren Sie den schönen alten Audi doch gleich auf die Bühne!” – Äh… ich…. wollte eigentlich nur einen Termin so für in drei Wochen oder so haben…. “Wieso, der sieht doch gut aus. Den machen wir gleich, rauf damit!” Ich bin verwirrt und überfahren. So war das nicht geplant. Während der Plakettenchef in seinem Büro die Daten in den Computer eingibt schleiche ich schnell nach vorn, mach die Haube auf und tausche die gelben Lampen gegen nicht ganz so gelbe, die ich im Handschuhfach für besonders renitente Ordnungshüter mitführe. Und schon ist er wieder da. *schwitz* Ich fühle mich irgendwie ertappt, allein aus dem Grund dass ich absolut nicht weiß, in welchem Zustand dieses Auto ist. Vor allem der Unterboden. Der Mann legt einfach los und lässt den Motor ein paar mal aufjaulen und ihn hochdrehen, als er Temperatur bekommen hat. Abgaswerte sind okay (na klar sind die das, ich komme ja auch gerade erst vom Motortester). Der routiniert vorgehende Sachverständige schaltet das Licht durch, Blinker, Hupe, Fernlicht, Nebelscheinwerfer (oh GOTT die gehen ja sogar noch!). Er prüft das Lenkungsspiel und wackelt an allen Rädern. Während der Motor im Standgas ruhig vor sich hin murmelt und irgendwann der Lüfter anspringt (was den Prüfer auch fröhlich zu stimmen scheint) stellt er noch die Lampen in der Höhe nach. Ich sage danke.

Aus Versehen TÜV

So gestrahlt hat er noch nie

8:23 Uhr
Unter dem Auto höre ich AAAAHS und OOOOHS. “Wie sind Sie denn dem Rost bei diesem Modell Herr geworden? Der sieht ja von unten aus wie neu!” Ich…. ich…. ach wissen Sie, regelmäßige Pflege und Inspektion, wenn man immer dran bleibt ist das gar nicht so wild bei dem Audi 100. Während meine Nase immer länger wird und ich ebenfalls unter dem Dottore stehend Gefahr laufe, sie mir am heißen Auspuff zu verbrennen bin ich selbst ein wenig erstaunt über diesen Unterboden. Habe ich irgendwelche Lemminge im Garten, die Nachts diesen Wagen pflegen und konservieren? Das ist ja nicht zu fassen. “Hier an der Antriebswellenmanschette ist ein kleiner Riss. Nicht schlimm, aber da sollten Sie bald mal ran. Ansonsten okay, wir können wieder raus.” Ach? Was ist denn hier los? So ein gesundes Auto habe ich? Der Mann geht wieder in sein Büro, während die nächsten Prüflinge schon Schlange stehen. Ein total, TOTAL verrosteter T3 Bulli und ein wunderschöner, anscheinend tadelloser Mercedes W108, die alte S-Klasse. Na dann. Auf in den Tag. Da kommt der Chef wieder und hat was rundes, selbstklebendes in der Hand…..

Aus Versehen TÜV

Zwei Jahre Ruhe

8:52 Uhr
Und wie war Ihr Montag Morgen so? Ich bin wieder zu Hause und habe meinen Plan abgearbeitet. Vor zweieinhalb Stunden hatte ich noch einen alten Audi ohne Zündschloss mit Motorproblemen, jetzt habe ich einen alten Audi mit Zündschloss und Schlüssel, sauberen Abgaswerten, frischem TÜV und… noch immer mit Motorproblemen. Aber das weiß ich jetzt noch gar nicht. So erfolgreich dieser Morgen in Sachen Schlüssel und TÜV auch war – er hat seine Langzeithaken. Mit der mahlenden und schabenden Lenksäule habe ich noch ein paar Hühnchen zu rupfen. Und der Satz “Die Schaftdichtungen solltest du machen” in Verbindung mit dem gebuchten Termin soll noch für eine Menge Gesprächsstoff sorgen – und für einen BMW 325e, wenn auch nur für kurze Zeit. Warum sollte in diesem Jahr auch IRGEND etwas einfach mal einfach nur funktionieren? Pha. Ich sitz dann mal am Schreibtisch und schreibe, deshalb heißt er ja auch so. Wir lesen uns bald wieder zu diesem Thema. Aber so unerwartet hab ich noch nie die HU bekommen.
Haben Sie auch so einen Respekt vor diesem Termin…?
Sind Sie auch ein Opfer der Überheblichkeit der Fachwerkstätten mit den vier Ringen?
Oder hat Ihre gar keinen Motortester mehr, sondern nur noch ein Laptop?

Sandmann

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Created Montag, 20. Oktober 2014 Tags 1A Autoservice | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | C2 | gtü | Hauptuntersuchung | Menzel Kiel | TÜV | Typ 43 | Vergaser | Zündung Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
16 Oct 2014
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Schlüsselerlebnisse

Schlüsselerlebnisse

Oldschool Autoknacken

Sag mal, wo’sn der Schlüssel vom Audi…?” Mit diesem Satz fing alles an, irgendwann heute Morgen, im Osten von Kiel. Das ist 8 Stunden her. Nein, sie hatte ihn nicht gesehen, stieg später in den Mercedes und fuhr mit unserem viertelfinnischen Sandmädchen von Kiel zurück nach Hamburg. Ein fröhlich Liedlein singend. Ich will, nein ich MUSS heute Abend mit dem Audi nachkommen und stehe vor einigen Problemen. Ich komme gerade noch nicht mal rein in den alten Dottore, vom Losfahren kann noch viel weniger die Rede sein. Das bedeutet: Entweder den Schlüssel finden oder… oder… hm. Na das sehen wir dann.

Schlüsselerlebnisse

Ich muss da irgendwie rein.

Haben Sie schon mal einen Autoschlüssel nicht wiedergefunden? Ich will gar nicht von “verlieren” sprechen, denn ich bin ja mit der Karre hier her gekommen und habe seit dem das Grundstück nicht verlassen – also muss er hier irgendwo sein. Aber er ist nicht da, wo ich ihn immer hinhänge: Am Schlüsselbrett. Doof. Ich durchsuche alle Taschen, sowohl die an meinen Klamotten am Körper als auch die meiner Arbeitshose, die ich heute auch an hatte. Die Taschen meiner Jacke. Die aller anderen Jacken. Laptoptasche. Alle Ablagen im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad. Manchmal legt man so einen Schlüssel ja in Gedanken mit irgend etwas anderem irgendwo hin. Nein. Hab ich nicht. Der Kofferraum ist offen, da habe ich vorhin ein paar Ersatzteile reingelegt. Aber nicht den Schlüssel. Nirgends. Er ist nicht im Kühlschrank, nicht auf der Terrasse und auch nicht in der Kaffeemaschine. Verdammt. Habe ich den stecken lassen, und jemand hat ihn geklaut? Nein. Ich lasse NIE den Schlüssel stecken, und selbst wenn – alle Türen sind zu. Die Fahrertür lässt sich nur mit dem Schlüssel zumachen, ich glaube nicht, dass sich ein Schlüsseldieb so viel Zeit nähme. Nein, den hat niemand geklaut. Ich laufe die Straße rauf und runter und scanne mit Adleraugen den Straßenrand. Ist er mir aus der Tasche gefallen? Nein. Ich durchsuche alles noch mal. Und noch mal. Was für ein sinnloses Verbrennen von wertvoller Zeit :-( Irgendwann ist klar, dass ich diesen Schlüssel hier und heute nicht mehr auftreiben werde, also plane ich einen gezielten Einbruch. Vielleicht… liegt er ja doch irgendwo im Auto…?

Schlüsselerlebnisse

Der gute alte Kleiderbügel

Ach ja, die guten alten Zeiten. So ein Kleiderbügel von der chemischen Reinigung ist schon ein super Universalwerkzeug, das kennt man ja noch aus den alten Filmen. Heute, bei neueren Autos geht das nicht mehr. Da kann man die Türen nicht so einfach mit einem Schraubendreher von der Dichtung wegdrücken und schon gar nicht den Knopf mit einer Art Haken hochziehen. Die Knöpfe sind heute oben nicht mehr breiter als unten (damals, 1977 waren sie es), und irgendwelche Innenraumüberwachungen würden wohl laut Alarm schlagen. Ich frickel mir so einen Bügel zurecht und finde mich wieder zwischen komisch guckenden Spaziergängern, die mich nicht persönlich kennen und lachenden Nachbarn, die das schon gewohnt sind. Dass ich seltsame Sachen an und mit den Autos vor meiner Haustür mache und mich dabei fotografiere. Es kommt innerhalb von 10 Minuten kein Polizeiwagen, soll mich das nun verunsichern oder beruhigen? Dann bin ich drin. Kein Schlüssel. Nirgends. Hätte mich auch gewundert, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Also nochmal von vorn. Ich laufe die Straße ab. Ich durchsuche nochmal alle Taschen, sowohl die an meinen Klamotten am Körper als auch die meiner Arbeitshose, die ich heute auch an hatte. Ich gucke sogar im Wäschekorb. Die Taschen meiner Jacke. Die aller anderen Jacken. Die Laptoptasche, obwohl ich das alles schon gründlichst gemacht habe. Alle Ablagen im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad. Der Kofferraum ist immer noch offen, ich suche erneut und finde eine verschollen geglaubte Zierleiste unterm Teppich. Aber nicht den Schlüssel. Nirgends. Er ist noch immer nicht im Kühlschrank, noch immer nicht auf der Terrasse und auch noch immer nicht in der Kaffeemaschine. Nochmal Verdammt.

Schlüsselerlebnisse

Dann muss es eben sein.

Ich bin zu alt zum kapitulieren. Nicht vor meiner eigenen Blödheit und schon gar nicht vor einem kleinen Schlüssel. Ich habe in den vergangenen Jahren zu viel Scheiße erlebt, bin da durchgegangen und habe nach und nach alles in den Griff bekommen, da ist das hier ja wohl auch zu regeln. Es muss wohl der harte Weg sein. Die Alternative wäre eine Bahnfahrt nach Hamburg und übermorgen eine Bahnfahrt wieder zurück nach Kiel. Nicht unbedingt unattraktiv, aber dann hätte ich hier noch immer keinen Schlüssel. Der zaubert sich ja nicht plötzlich wieder her. Gleichwohl er irgendwo sein muss….. Egal. Ran an den Speck beziehungsweise den Stahl, Lenkrad runter und das Zündschloss freilegen. Dafür muss der komplette Lenkstockschalter ab, aber das ist bei diesem alten Herren mit dem Lösen einer einzigen Schellenschraube getan. Sollte ich vielleicht noch mal alles durchsuchen…..? Ich rufe mein halbfinnisches Fräulein Altona an, ob der Schlüssel vom Audi vielleicht aus irgend einem Grund im Mercedes liegt? Nein :-( Nun reicht’s. Ich ziehe ein dickes schwarzes Verlängerungskabel aus dem Kellerfenster bis auf die Straße. Hat der Audi grad gezittert? Ja, zu Recht, mein Lieber. Auch wenn du nichts dafür kannst, du kostest mich gerade eine Menge Nerven und Zeit an einem Tag, an dem ich beides nicht habe. Ich fahre heute noch Audi. Definitiv. Und jetzt ist schweres Geschütz angesagt.

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Er will es ja nicht anders

Die gute alte BOSCH hat schon einige Löcher in weichem und hartem Material hinterlassen, heute wird sie erstmals mit rundköpfigen Abrissschrauben (sieht komisch aus, oder? sss) aus Stahl konfrontiert. So ein Zünschloss konnte man natürlich auch in den 70ern nicht einfach mit einer 13er Stecknuss abschrauben, auch damals gab es schon Diebe und auch damals hingen die Menschen an ihren teuer bezahlten Mittelklasselimousinen. Die beiden Schrauben im Alugehäuse des Zündschlosses sind am Ende des Tages auch nur Schrauben. Und nein, liebe Kinder, ich erkläre euch und auch den Erwachsenen, die das vielleicht wissen wollen jetzt nicht im Detail, wie man an diese Schrauben rankommt. Das soll ja hier keine Anleitung zum Audiknacken sein. Auch erzähle ich nicht, wie weit und wie tief man bohren muss, aber lasst euch gesagt sein: Da fallen eine Menge Metallspäne in den Fußraum. Was ich lerne: Die Schrauben halten nicht nur das Zündschloss, sie fixieren auch die komplette Lenksäule am Armaturenträger. Oh. *KNACK* jetzt nicht mehr….

Schlüsselerlebnisse

Ich bin der Schlüsselmann

Die Ingenieure haben sich da vor 37 Jahren in Neckarsulm ganz schön Mühe gegeben, ihre Autos stabil und sicher zu bauen. Mal eben die Kabel rausreißen, aneinanderhalten und dann läuft der Laden (wie im Kino) geht hier nicht. Solange das Zündschloss noch auf der Lenksäule sitzt rastet gegebenenfalls auch noch das Lenkradschloss ein. Also ganz runter mit dem Teil. Hinten drauf steckt ein Bauteil, das gern mal im Alter seinen Dienst quittiert. Der Anlassschalter. Schreibt man den heute wirklich mit drei s? Ist ja gruselig. Auch den hab ich jetzt mal nicht fotografiert, da kommt man auch gaaaanz schwer ran. Echt. Und ich beschreibe hier auch nicht, welche der 7 Klemmen wie verbunden werden müssen, damit man a) die Zündung anschaltet und b) dem Anlass-Relais die Spannung gibt, die es davon überzeugt, den Strom zum Anlasser durchzuschalten. Aber ich kann so viel verraten: Als penibler Kommunikationselektroniker habe ich fein drei Kabel mit Steckern gekrimpt und die in die richtigen Pole gesteckt. Das sieht nicht nur gut aus, das verhindert gegebenenfalls auch einen feinen kleinen Kurzschluss mit Brand hinter dem Armaturenbrett, denn hier wird mit Klemme 30 hantiert, die ist stromführend direkt von der Batterie.

Schlüsselerlebnisse

zündende Ideen

Das muss jetzt nur noch a) überhaupt funktionieren und b) bis Hamburg halten. Ich bin heute ein Mann von viel a und b. Und ich bin Kummer gewohnt, mit dem KaSi fahre ich schon seit Jahren rum und habe das Abblendlicht mit einer Klemme im Sicherungskasten überbrückt, weil irgendwo ein Kabel gebrochen ist. Geht. Warum also nicht auch hier? Ein bisschen Sorgen machen mir die drei anderen unberücksichtigten Klemmen am nun temporär nicht mehr benötigten Anlassschalter, die haben schließlich auch irgend eine Funktion. Aber was kann schon groß ausfallen bei so einem alten Auto? Primär will ich jetzt den Motor zum Laufen bekommen, damit mich der Wagen nachher nach Hamburg tragen kann. Wider der Deutschen Bahn und wider der Kapitulation. Später kann ich mir ja bei ebay ein gebrauchtes neues Schloss kaufen und das entsprechend wieder einbauen. Ich habe ja nur die beiden Schrauben zerstört, den Rest kann ich wieder brav zurückbauen. Okay, vielleicht habe ich auch mit der Bohrmaschine ein bisschen vom unteren Armaturenbrettträger (wirklich heute mit drei t? Krass) weggefräst, aber das sieht man nicht, da ist das Lenkrad vor. Also, dann, wenn ich es wieder draufgeschraubt habe. So. Zwei der drei Klemmen verbinden. Zündung, jetzt?

Schlüsselerlebnisse

Große Freude über zwei rote Lampen

Jawohl! Kupplung treten, die dritte Klemme mit ranhalten – und der Anlasser dreht sich. Und der Motor springt an. YESS!!!!! :-) Nach 45 Minuten bohren und basteln läuft der Dottore wieder, lässt sich lenken und schalten und macht insgesamt einen fahrbaren Eindruck. Ich… äh… okay, die Blinker gehen nicht. Das muss an der Position der Schalter auf der nun nicht mehr fixierten Lenkachse liegen. Glaube ich. Dementsprechend sollte ich Kreuzungen meiden oder vielleicht die Hand raushalten, das geht ja beim Fahrrad auch. Das normale Abblendlicht geht auch nicht. Nur das Standlicht. Also sollte ich los, bevor es dunkel wird, das kriege ich aber hin. Der Scheibenwischer geht auch nicht. Und es sieht nach Regen aus. Aus Mangel an Alternativen lasse ich mich trotzdem drauf ein und beschließe, zur Not einfach so schnell zu fahren, dass die Regentropfen auf der Scheibe nach oben weggefegt werden. Dass das nicht geht weiß ich irgendwie, aber nun bin ich schon so weit gekommen – jetzt will ich das auch durchziehen. Wenigstens weiß ich jetzt, was mindestens alles noch über diesen Anlassschalter gesteuert wird. Das Radio hängt direkt an Klemme 30, das geht immer. Und das ist auch gut so. Die Hupe geht auch. Die Lenksäule schwabbelt ein wenig haltlos ohne ihre Fixierung im Fußraum vor sich hin, ich beschließe, vorsichtig zu fahren und das alles erst zu veröffentlichen, wenn es ein gutes Ende genommen hat :-)

Schlüsselerlebnisse

Ich hör jetzt auf damit, aufzugeben.

Steine im Weg? Fuck you. Nur ein kleines Ereignis innerhalb des riesengroßen Haufens an Arbeit, Kummer und Zeitdruck, der momentan in Sandmanns Welt abgearbeitet wird. Aber weil ich nicht einsehe, dass so ein Dreck jetzt überflüssigerweise auch noch meine Pläne verzögert oder durchkreuzt ist es mir so wichtig gewesen, den Kahn wieder zum Laufen zu kriegen. Dass dies erst der Anfang war und in der Folge nach und nach noch ein weiterhin malader Vergaser, verhärtete Ventilschaftdichtungen, eine durchgeschossene Kopfdichtung, ein zahnloser Zahnriemen und ein geplatzter Kühlwasserschlauch kommen ist nur konsequent. Aber das sind andere Geschichten. Heute fahre ich mit dem Audi nach Hamburg, und ich komme heil und nur leicht genervt da an. Ohne Regen ;-) Und vielleicht bin ich auch ein bisschen stolz auf die alte Karre, denn trotz alledem bringt sie mich auch in stürmischen Zeiten immer wieder nach Hause.

Sandmann

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Created Donnerstag, 16. Oktober 2014 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | schlüssel | Typ 43 | verloren | Zündanlassschalter | Zündschloss Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
15 Oct 2014
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Re-CHARGE my Life!

Re-CHARGE my Life!

Wertanlage mit Hüftschwung

Wie sich ein 68er Dodge in ein Leben einschleicht …
Als Kinder seid ihr irgendwann aus dem Spielzeugalter raus,  habt dann aber kein Geld. Jedenfalls nicht viel mehr als für ein Eis, ein YPS und ein Smartphone. Wenn ihr als Männer später Geld haben, nimmt es euch meist der Alltag, das Finanzamt oder die knapp kalkulierte Doppelhaushälfte wieder ab. Oder die Lebensgefährtin. Denn die legt üblicherweise ein Veto gegen Spielzeug jeder Art ein, so habe ich das jedenfalls in meinem Freundeskreis mehr als einmal beobachten dürfen. Bei Martin Hofmann ist das irgendwie alles anders. Der ist erwachsen, hat Geld gespart und die Freundin auf seiner Seite. Er will auch wieder spielen, und er tut es, und sie lässt ihn.

Re-CHARGE my Life!

Besser als jede Therapie

Keine Spur Midlife-Crisis
Kinder und maskuline Erwachsene spielen gern mit Autos – aber die Form eines 911er, die so viele Männer in der Mitte ihres Lebens erregt (und meist einhergeht mit dem Austausch der Lebenagefährtin gegen ein wesentlich jüngeres Modell), reizt Martin nicht. Er ist ein Kind der 80er. Amischlitten – sie fallen ihm wieder ein, zuerst gesehen in den amerikanischen TV-Serien. Erinnerungen an das “A-Team”, “Knight Rider” und “Ein Colt für alle Fälle” erwecken den berühmten Virus für amerikanische Autos wieder zum Leben. Seiner Freundin gebührt an dieser Stelle großer Respekt, denn statt zickig mit der klappernden Haushaltskasse zu wedeln unterstützt sie geduldig und verständnisvoll diesen Mann in seinem Vorhaben. Obwohl er nichts anderes mehr im Kopf zu haben scheint, aber das kennen wir ja.

Volltreffer in Wisconsin
In Hamburg werden Nägel mit Köpfen gemacht. Mit einem kundigen Importeur bringt Martin monetäre Voraussetzungen mit Wunschvorstellungen in Einklang, und er beginnt die detektivische Suche im Internet. Und gerade das gestaltet sich gar nicht so einfach, wenn man konkrete Gedanken und Vorstellungen besitzt. Es soll ein Dodge Charger werden, das klassische, leider inzwischen recht hochpreisige Muscle-Car der 60er. Martin befolgt den Rat des Importeurs und sieht sich viele, sehr viele Muskelkisten an – und wird immer wieder enttäuscht. Da ihm ein bestimmtes Baujahr mit einer klar definierten Motorisierung vorschwebt, dünnt sich das Angebot im deutschen Lande ohnehin immer weiter aus, und Dichtung und Wahrheit besorgen den Rest. Also erweitert er seine Recherche auf die USA, und schon kurze Zeit später macht es endlich “Klick”. Bei einer Anzeige passt alles – Motor, Innenausstattung, Übersetzung der Hinterachse und der beschriebene Allgemeinzustand. Martin greift zum Telefon.

Re-CHARGE my Life!

Da geht noch was…

Auf der anderen Seite des großen Meeres meldet sich Chris aus der Nähe von Milwaukee in Wisconsin. Ja, der Wagen sei noch da, er habe auch schon eine lange Geschichte in seiner Familie hinter sich. Als das ursprüngliche Fahrzeug in die Jahre gekommen war, erwarb es sein Bruder und wollte es eigentlich zeitgenössisch zum Drag-Racer pimpen. Dieses Vorhaben zog sich aber anscheinend erheblich in die Länge, und Chris konnte es irgendwann nicht mehr ertragen, den schon damals recht seltenen Wagen ohne Motor ausgeweidet auf dem Hof stehen zu sehen. Also kaufte er ihn seinem Bruder ab und baute ihn bis 2004 nach und nach genau so auf, wie er selbst sich einen fabrikneuen Dodge Charger bestellt hätte. Und da scheint zwischen Martin und Chris geschmackliche Einigkeit zu bestehen. Was für ein Treffer!

Farbe? Passt.

Farbe? Passt.

Über den großen Ozean
Der nun erneut wieder auf den Plan gerufene Importeur einigt sich mit dem Besitzer des Muscle-Cars auf die Bestellung eines unabhängigen Gutachters vor Ort, der 120 Fotos vom Auto macht und alle eventuellen Schwachpunkte und Mängel in einem Schriftstück festhält. Die Fotos und die umfangreichen Beschreibungen überzeugen Martin sofort – und das Ja seiner Freundin bekommt er umgehend. Das muss Liebe sein. Also… von beiden Seiten :-) Er kauft den 42 Jahre alten Dodge, ohne ihn je selbst gesehen zu haben und nimmt ihn sieben Wochen später überglücklich und mit Herzklopfen in Empfang. Nach einem kurzen Umbau für den deutschen TÜV und eine auf Anhieb erfolgreiche Zulassung gehört der Dodge zur Familie.

Re-CHARGE my Life!

So soll ein Muscle Car aussehen

Eine eigene Dimension
Und Familientreffen mag ich. Da folge ich der Einladung sehr gern, zumal die Anreise nicht weit ist und es am Treffpunkt einen leckeren Mittagstisch, serviert von der süßen Mary, zu futtern gibt ;-) Martin stellt mich seinem Charger höflich vor, während ich mich verbeuge und ehrfürchtig damit beginne, die Dimensionen zu erfassen. Erstmal innen drin. Ein für die späten 60er Jahre unaufgeregtes Armaturenbrett beherbergt in schwarzem Kunststoff einige Rundinstrumente und dicke Kippschalter. Kleine Aufkleber auf dem Tacho erzählen von Stundenkilometern und verdecken die Meilenangaben. Ein Lichtlein aus dem Mitteltunnel leuchtet den Weg, als sich der Steuermann in das weiße Kunstledergestühl fallen lässt.

Alles im Blick

Alles im Blick

Re-CHARGE my Life!

Beleuchtete Füße. Cool.

Re-CHARGE my Life!

Schalter, die noch geschaltet werden WOLLEN

Re-CHARGE my Life!

Musik zwo drei…

Ich trete zurück, um dieses glänzende, grüne Muskelpaket einmal in Gänze vor die Linse und in mein Bewusstsein zu bekommen. Ich muss dafür ziemlich weit zurücktreten, das Ding ist sagenhaft lang. Was gerade noch als Matchbox-Auto in einer irren Farbe mit dicken Reifen und kurvenreichen Formen in meiner Sandkiste auf eine kleine Reise ins benachbarte Erdbeerbeet wartete, steht hier jetzt im Maßstab 1:1 vor mir. Seine Schnauze wirkt gierig, sein Body wie von einem heißen Gegenwind nach hinten ausgeformt. Ein faszinierender Hüftschwung mit wunderschönen Details wie dem seitlichen Tankdeckel oder den kleinen, runden Rücklichtern lassen meinen Mund permanent offen stehen. Ich beginne zu begreifen, warum dieses Modell bei den Freaks in der Szene so begehrt ist. Hier war ein Künstler am Werk. Der Dodge scheint zu warten.

Re-CHARGE my Life!

Nordische Wangenknochen, sehr sexy

Re-CHARGE my Life!

Grip auf jedem Meter. Die Walzen versprechen es.

Re-CHARGE my Life!

Bremslichter, die aber nicht gebraucht werden.

Ein Motor wie ein Gewitter
Im Hintergrund holpert ein Toyota Aygo die Kopfsteinpflasterstraße entlang, und ich kann mich nicht entscheiden, was mir hier deplatzierter vorkommt. Der knubbelige, japanische Kleinwagen im Angesicht einer gewaltigen, völlig sinnentleerten Fahrmaschine – oder eben diese vor Kraft strotzende, irgendwie unwirkliche Symbiose aus wunderschönen Kurven und Ressourcen vernichtendem 440cui Big Block in einer grauen Welt voller Abgasnormen und Elektroautos. Wie sagten sie so schön im Trailer des ersten Jurassic-Park-Films? “Etwas… hat überlebt!”. Ja geil, und dieses etwas passt, wie ich finde, noch immer wunderbar in diese Welt. Nennen wir es Ansichtssache. Der Anlasser dreht sich.

Re-CHARGE my Life!

Zwischen viel Platz und viel Motor.

Und das, was jetzt kommt, lässt sich kaum in Worte kleiden. 7,2 Liter Brennraum füllen sich mit leicht entzündlichem Nass. Der Anlasser klingt wie bei jedem amerikanischen Hubraumwunder ein bisschen so, als schaffe er es nicht ganz. Tut er dann aber irgendwie doch immer. BRROOOOAAMMMMM!!!!! Ein kurzes, turbinenhaftes Aufbrüllen, dann ein ruhiges Grummeln wie von einem fernen Gewitter, gleichmäßig und völlig unaufgeregt. Martin legt den mittigen Wählhebel des TFT 727 Getriebes in die Fahrstufe ein und fährt an mir vorbei… und fährt vorbei… und fährt vorbei… Ich habe schon kürzere Autos gesehen. Der Aygo ist hoffentlich langsam mal in seinen Vorort verschwunden, wir brauchen gleich die ganze Straße!

Re-CHARGE my Life!

Ein Gewitter donnert durch den Hafen

Käufliche Sehnsucht
Wow – deshalb heißen die auch Muscle Cars. Das tiefe Grollen erzählt von etwas, was gern frei gelassen werden möchte, von einem Raubtier in Lauerstellung, von einem endlich erfüllten Traum. Und Martin lässt es frei. Katzenhaft schnellt der Dodge nach vorn. Wie bei einer nahenden U-Bahn bebt die Straße, er ist gar nicht laut dabei, ich fühle es trotz der Entfernung eher im Magen und bewundere, wie unangestrengt das Fahrzeug dabei wirkt. Ich bin von Evel Knievel geprägt. Ich erwarte einen am anderen Ende der Straße sich entfaltenden Bremsfallschirm, aber diese Aufgabe müssen die vier zeitgenössischen Trommelbremsen übernehmen. Meine Nackenhaare haben sich noch gar nicht wieder gelegt, da brennt er erneut an mir vorbei. Shit, ich soll ja Fotos machen :-) Okay. Die breite, scheinwerferlose Schnauze taucht tief in die Bodenwellen ein, hart und bestimmt stemmen sich die Pneus gegen das Kopfsteinpflaster – und schon ist er wieder weg. Es riecht angenehm nach sauber verbranntem, unkatalysiertem Super.
Das hier ist Sex. Das ist Form und Kraft in einem, das ist käufliche Sehnsucht und erfüllte Lust bei der Kontrolle über die Maschine. Mich fröstelt. Als das Gerät (kann man so etwas überhaupt noch Auto nennen?) wieder an mir vorbei auf den Parkplatz rollt, blicke ich nur noch andächtig lächelnd und ein bisschen irre.

Re-CHARGE my Life!

Wer braucht da noch einen Therapeuten?

Aufladen im Alltag
Martin Hofmann, setzen, alles richtig gemacht. Der Mann erzählt am Ende unseres Treffens bei einem Kaffee in der Oldtimertankstelle Brandshof die Geschichte seines Autos, während es draußen ungeduldig auf ihn wartet. Martin ist noch immer ein bisschen Kind. Und er wirkt glücklich, so glücklich wie ein Mann nur wirken kann, wenn er sich einen Traum erfüllt hat. Der Nachbar muss jeden Tag sein Elektroauto wieder aufladen. Der Charger lädt andersrum Martin jeden Tag wieder auf, bringt Farbe und Sound in den grauen, monotonen norddeutschen Winter und  gewährt einen Ausblick auf viele weitere spektakuläre Reisen und Erlebnisse mit einem mehr als ungewöhnlichen Auto.

Re-CHARGE my Life!

Das Schiff ist im Hafen

So soll es sein. Hier hat ein Mann seine Religion gefunden und lebt sie nun. Und noch immer mit dem Segen seiner Freundin. Der Fahrer des Aygo wird das niemals verstehen…

Sandmann

Location: www.tankstelle-brandshof.de und der Hamburger Hafen
Artikel auch bei TRÄUME WAGEN

Bilder: Jens Tanz und Susann Drews

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Created Mittwoch, 15. Oktober 2014 Tags 1968 | ami | Brandshof | Charger | Dodge | Dodge Charger | hamburg | Import | Musclecar | TRÄUME WAGEN Document type Video
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