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22 Jun 2012

Baumaffen und Chinesenzeichen

baumaffen-und-chinesenzeichenVon schnellen Menschen, die auszogen, eine Rallye zu fahren. Weiterlesen → [...]

Na - so schlimm kann es wohl nicht sein

Böhmische Dörfer? Nicht ganz, zumindest nicht für die leicht Wahnsinnigen, die am 16.06.2012 die erste ADAC TRÄUME WAGEN Rallye von Hamburg nach Kiel mitgefahren sind. Wahnsinn? Da mache ich doch mit! Nur als Beifahrer? PHA. Der Beifahrer bei so einer Veranstaltung ist der eigentlich gestresste, der am Ende des Tages beim dunkelroten Duckstein-Bier die Verantwortung für die Platzierung trägt. Mist. Aber folgen Sie doch mal dem Link und schauen Sie, was noch so entlang der Strecke gedriftet kam :-)

Sandmann

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Original: Sandmanns Welt

Created Freitag, 22. Juni 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags TRÄUME WAGEN
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03 Sep 2015

2015 BMW R nineT – Video und Fakten

2015 BMW R nineT – Video und Fakten

BMW Motorrad hat uns für den allerersten Ausfahrt.tv Video Review eine 2015 BMW R nineT zur Verfügung gestellt. Der Name unseres neuen Kollegen ist Wolfgang Graf. Und sofern der Motorrad-Test mit der BMW R nineT bei unseren Zuschauern Anklang findet, wird er wohl auch zukünftig Motorrad Reviews drehen und bei Ausfahrt.tv veröffentlichen. “Die nineT vereint die Gene aus 90 Jahren BMW Motorrad in sich und ist mit ihrem einzigartigen Konzept auf die besonderen Wünsche der Customizing-Fans ausgerichtet. Die Möglichkeit zur vielfältigen Individualisierung nach persönlichem Geschmack stand bei der Entwicklung des puristischen Roadsters jederzeit im Fokus. Dabei reicht die Bandbreite an Modifikationen von originalem BMW Motorrad Zubehör bis hin zu individuell angefertigten Anbau- oder Zubehörteilen von Veredlern, um so ein einzigartiges Motorrad zu kreieren.” liest es sich in der Pressemitteilung aus dem September 2013. Vor zwei Jahren hat BMW Motorrad die R nineT vorgestellt und damit bei den Kunden offene Türen eingerannt. Bis zu 6 Monate beträgt aktuell die Wartezeit für alle potentiellen Käufer. Wolfgang stellt Euch das Retro-Bike mit dem klassischen Boxer-Motor als Antrieb vor:

Unseren Video-Fahrbericht mit der 2015 BMW R nineT auf Youtube ansehen.

Hier noch ein weiterer ungekürzter Auszug aus der Pressemitteilung: “Einen wichtigen Aspekt der hohen Individualisierbarkeit der nineT stellt ihr besonderes Rahmenkonzept dar. Der eigens für die nineT entwickelte Stahl-Gitterrohrrahmen integriert den Boxer-Motor als tragendes Element. Die Grundkonstruktion des Rahmens basiert dabei auf einem Rahmenvorderteil mit integriertem Steuerkopf sowie einem Rahmenhinterteil mit Schwingenaufnahme.

Der demontierbare Soziusrahmen gestattet den Einsatz der nineT wahlweise im Zweipersonen- oder – für den besonders stilechtenAuftritt – im Solobetrieb. Zusammen mit dem als Sonderzubehör erhältlichen Höcker bekommt die nineT einen eindrucksvollen Solocharakter in Anlehnung an die frühen „Café Racer“.

Dem Konzept eines klassisch-sportlichen Roadster trägt die linksseitig verlegte Abgasanlage mit zwei übereinander liegenden Endschalldämpfern Rechnung. Im Rahmen des BMW Motorrad Zubehörprogramms werden hierfür ebenfalls Individualisierungsmöglichkeiten geboten. Einen besonders technischen Touch erhält die nineT etwa durch die Akrapović-Anlage aus Titan. Über ein kurzes beziehungsweise langes Verbindungsrohr kann der Schalldämpfer zudem entweder unten oder hochgelegt montiert werden, was das Erscheinungsbild und den Charakter der nineT grundlegend verändert.

Bei der BMW R nineT ersetzt eine dem Supersportler S 1000 RR entlehnte Upside-down-Telegabel den ansonsten bei den BMW Motorrad Boxer-Modellen üblichen Telelever. Das Ergebnis ist eine sehr klassische Optik in Verbindung mit hochwertigster Technik. Die Hinterradführung erfolgt über die Paralever-Einarmschwinge in Verbindung mit einem Zentralfederbein.

Das Gehäuse des Hinterachsantriebs verfügt über drei Aufnahmepunkte, an denen sich beispielsweise ein Halter zur seitlichen Anbringung des Kennzeichens sowie der Beleuchtungseinrichtung befestigen lassen. Zudem ist die Schwinge der nineT so ausgelegt, dass an Stelle des serienmäßigen 5,5 Zoll breiten 17-Zoll-Rads auch ein 6 Zoll breites Exemplar eingebaut und gegebenenfalls in Einzelabnahme eingetragen werden kann.

Als reinrassiger Roadster konzipiert, verfügt die nineT im Stile historischer Vorbilder über Drahtspeichenräder mit schwarz eloxierten Leichtmetallflachschulterfelgen, schwarzen Aluminiumradnaben sowie Edelstahlspeichen. Radial montierte 4-Kolben-Monoblock-Bremssättel sorgen zusammen mit schwimmend gelagerten Bremsscheiben von 320 Millimetern Durchmesser sowie BMW Motorrad ABS für absolut sichere Verzögerung.

Ein vorrangiges Designziel bestand darin, die Karosserieumfänge zugunsten eines puristischen Auftritts so weit wie möglich zu reduzieren. Bei der Betrachtung der nineT erschließt sich an vielen Stellen des Fahrzeugs zudem die Liebe zum Detail, welche die Arbeit der Designer und Konstrukteure jederzeit beeinflusst hat.

Der 18 Liter fassende Aluminiumtank besitzt aufwändig von Hand gebürstete und anschließend beschichtete Seitenflächen. Die rechts über der Luftansaugführung angebrachte Aluminiumblende mit geprägtem nineT Schriftzug löst den Anspruch an den Manufaktur-Charakter der nineT ebenfalls ein.

Die Oberflächen zahlreicher Aluminiumschmiedeteile wie die Gabelbrücken oder die Lenkerklemmung mit BMW Motorrad Schriftzug sind glasperlengestrahlt und anschließend natur eloxiert. Historische Vorbilder aus 90 Jahren BMW Motorrad zitiert der Rundscheinwerfer mit dem zentral auf der Glühlampenabdeckung angebrachten BMW Emblem.

Die Farbwahl fiel entsprechend des Charakters der nineT auf klassisches Schwarz (Black Storm metallic) mit silbernen und metallischen Kontrasten.”

2015 BMW R nineT – Technische Daten im Überblick

Testfahrzeug 2015 BMW R nineT
Hersteller BMW Motorrad
Bauform Naked-Bike
Farbe Black Storm Metallic
Motor luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Boxer-Motor
Hubraum 1.170 ccm
PS 110 PS
Kw 81 KW
Maximales Drehmoment 119 Nm bei 6.000 U/min
Hinterradantrieb Kardanwelle
Getriebe klauengeschaltetes Sechsgang-Getriebe
Fahrwerk 2015 BMW R nineT
Rahmenbauart Stahl-Gitterrohrrahmen, Triebwerk mittragend
Radführung Vorderrad Upside-Down Telegabel, Ø 46mm
Radführung Hinterrad BMW Paralever
Bremsen vorne: Hydraulisch betätigte Doppelscheibenbremse Ø 320 mm
hinten:  Einscheibenbremse Ø 265 mm
Räder vorne: 3,5 x 17″ mit 120/70 ZR17
hinten: 5,5 x 17″ mit 180/55 ZR17
Fahrleistungen 2015 BMW R nineT
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 3.6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit > 200 km/h
Verbrauch Verbrauch 2015 BMW R nineT
Verbrauch bei 90 km/h laut Hersteller 4,5 l/100 km
Verbrauch bei 90 km/h laut Hersteller 5,8 l/100 km
Kraftstoffart Super
Tankinhalt 18 Liter
Abmessungen 2015 BMW R nineT
Länge 4.01 Meter
Höhe 2.22 Meter
Breite mit Spiegeln 89 Zentimeter
Sitzhöhe 78,5 Zentimeter
Gewichte und Lasten 2015 BMW R nineT
DIN Leergewicht fahrfertig 222 KG
Zulässiges Gesamtgewicht 430 kg
Preise 2015 BMW R nineT
Einstiegspreis 14.900 Euro

Original http://ausfahrt.tv/2015-bmw-r-ninet-video-und-fakten/

03 Sep 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Familien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267

Fahrbericht Skoda
Octavia RS 230

Noch nicht erstelltFamilien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267
Da haben wirs wieder mal, das Wort, dass wir fast nicht mehr Schreiben können. Die Kombination MQB zu tippen ist für uns mittlerweile so schwer für jemanden mit Gicht in den Fingern. Aber es funktioniert halt schon gut. Die Basis des schnellen Tschechen ist der VW Golf GTI mit Performance-Paket. Also, verstellbare Dämpfer, fette Räder und - eine mechanische Sperre. Ja, all das hat man bei Skoda vom GTI übernommen und in den Octavia RS 230 PS gepackt. Und, wie die Typenbezeichnung schon erahnen lässt - auch die zusätzlichen 10 PS aus dem Golf Performance. Entsprechend fährt sich denn auch der Tscheche fast wie der Wolfsburger, zumindest auf den ersten Metern. Auf der Rennstrecke - wir waren mit dem RS 230 auf den sensationellen Slovakiaring bei Bratislava - bietet sich hingegen ein anderes Bild. Der Skoda ist noch etwas freundlicher abgestimmt als der Golf. Will heissen, bequemer, etwas weniger scharf. Dabei haben wir doch schon dem Golf attestiert, dass er nicht das rattenscharfe Renngerät ist. Schon enorm schnell, aber halt nicht sonderlich Emotiononal. Und nun ist der Skoda noch weichgespülter? Ja, ist er. Aber irgendwie stört es nicht. Denn von einem Skoda erwartet man irgendwie nichts anderes. Er muss noch massentauglicher sein als ein scharfer GTI. Und nein, der RS 230 ist kein lahmer Gaul mit dem Fahrkomfort eines Luxuslimousine. Auf dem Slovakiaring kann er auch mit schärferen Geräten sicher mithalten - mit dem GTI Performance allerdings wohl eher nicht. Das mag auch daran liegen, dass wir uns für die Tests den schwereren Kombi ausgesucht haben, eine Karosserievariante die es bekanntermassen mir den Golf GTI nicht gibt.  Genau das macht den Skoda aber auch spannend. Einen schnellen Kombi mit der bekannt guten Verarbeitung von Skoda zu anständigen Preisen. Da dürfte so manch einer schwach werden.
Familien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267
Familien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267
Aber auch neben der Karosserieform und den Preisen gibt es unterschiede zu vermelden. Zum Beispiel beim elektronisch gesteuerten Differenzial. Dieses wird im Stand immer «auf Block» geschaltet und die Kupplung bleibt bis zu einem Drehmoment (an Diff) von 600 Nm dicht. Kommt mehr Drehmoment an, öffnet sich die Kupplung etwas. Beim Bremsen geschieht genau dasselbe. Das bedeutet auf der Rennstrecke, dass man nicht ganz dieses unmittelbare Feedback bekommt, wenn die Sperre ihre Arbeit aufnimmt. Alles fühlt sich etwas harmonischer, aber auch weniger scharf an als beim Golf. Aber, wir können diese Abstimmung verstehen, die wenigsten werden mit einem Skoda-Kombi auf Zeitenjagd gehen. Der Vorteil: die Lenkeinflüsse sind auch beim heftigen Gas geben auf der Strasse geringer als beim GTI aus Wolfsburg. Ganz besonders stolz war man bei der Präsentation des Fahrzeugs auf die spezielle Abgasanlage. Dort haben man besonders viel Hirnschmalz investiert. Das mag sein, wir sagen, der RS 230 klingt so, wie er klingen soll. Und etwas mehr akustisches Feedback wäre durchaus noch im Bereich des erträglichen gewesen.
Familien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267
Familien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267
Familien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267
Familien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267
Familien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267
Nur um es noch einmal klar zu sagen: Der Skoda ist keine Komfortschaukel, aber er ist definitiv kein Tracktool. Es ist die Mischung, die wunderbar funktioniert und im Alltag vielleicht noch etwas besser ist als die des GTI Performance. Und trotzdem scheint der Tscheche auch für eine Rennstreckenhatz standfest genug zu sein. Sechs Runden auf dem fast sechs Kilometer langen Ring, der über einige sehr schnelle Ecken und ein paar harte Anbremspunkte verfügt, schienen dem Material nichts anzuhaben. So muss das sein.
Ein Punkt wenn der Name Skoda fällt ist meist auch der Preis. Und hier machen die Tschechen ziemlich Wind. Als Basispreis nennt man beim Importeur einen Betrag von 40'140 Franken. Dafür gibts alle RS-Insignien, die Sperre, die 10-Mehr-PS, Leder im Innenraum und die 19-Zöller. Das ist mal eine Ansage. Der Golf GTI-Performance kostet derzeit gemäss Konfigurator 38'300 Franken. Aber allein wenn man die hinteren Türen mitbestellt ist man schon fast auf dem Einstiegspreis des Tschechen. Und hat noch keine 19-Zöller, geschweige denn ein Lederinterieur. Wir haben den GTI in etwa so konfiguriert wie der Skoda serienmässig daherkommt und kamen auf einen Betrag jenseits der 45'000 Franken. Alle Preise verstehen sich ohne all die Kampf-Boni, da haben wir die Übersicht verloren.
Doch das alles ist irgendwie nicht der Punkt. Wir als bekennende Kombi-Fans bekommen diese Variante bei VW einfach nicht. Der Skoda hingegen kostet als Lastesel nur rund 1200 Franken mehr als die Limousine. Und schafft so einen grossen Spagat zwischen Sport und Familie. Es ist ein Auto für all jene, die Wasabi pur nicht ertragen und die Psste mit Sojasauce verdünnen. Aber von denen soll es ganz viele geben.
Mehr Skoda gibts im Archiv.


Familien-GTI, Fahrbericht Skoda Octavia RS 230 2267

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/fahrbericht-skoda-octavia-rs-230-2267/seite_1-2

03 Sep 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Erste Patina für den neuen Lack

Gestern gab es lecker Fettsuppe!

Mike Sanders

Nein natürlich nicht zum Essen, aber um Mike Sanders Korrosionsschutzfett verarbeiten zu können, muss man es war machen. Dafür habe ich mal für kleines Geld eine kleine Kochplatte auf dem Flohmarkt gekauft.

Ich will nicht, dass meine Arbeit gleich wieder fault, deshalb bekommt das jetzt eine Hohlraumkonservierung. Eingebracht wird das mit einer Druckbecherpistole und wie schon geschrieben möglichst heiß

Druckbecherpistole

Es ist eine Sauerei, aber es musste sein. Um wirklich überall reinzukommen, musste ich ein paar Deckel öffnen im Innenraum.

Deckel

Das Fett soll ja überall hinkommen. So habe ich dann zunächst die geschweißten Längsträger geflutet.

Hohlraumkonservierung

Natürlich wurden die Schweller unter fett gesetzt, die Endspitzen und Radläufe von innen und auch die Türen unten bekamen ihr Fett weg.

Hohlraumkonservierung

Das geschweißte heckblech wurde ebenfalls von innen durchgefettet, auf die Kanten hab ich vorsichtshalber mal ne Fettspur gezogen.

Hohlraumkonservierung

Auch die Träger am Unterboden. Fett überall. Schmierige Angelegenheit. Aber ich kenn das Ja, ich hab mir ausnahmsweise ein langärmliges Shirt angezogen. Nennen wir es Fettflecken, was heute die Waschmaschine bewältigen muss.

Hohlraumkonservierung

Hohlraumkonservierung abgeschlossen. Ich kann mit dem Zusammenbau wieder anfangen. Begonnen habe ich mit der hinteren Stoßstange. Ein Gefummel, bis ich das in der richtigen Position hatte, weil durch das Fett im Träger rutscht die AHK noch viel zu leicht aus der Position. Was hab ich geflucht, das Ding ist schwer. Aber sie ist drin. Mögt Ihr auch den Anblick von verbauten neuen Schrauben?

Stoßstangenbefestigung

Die Stoßstange ist dran. Wieder ein ganz anderer Anblick von hinten.

Pirat

Wie schon geschrieben: Dadurch, dass das alles nicht mehr richtig war und zudem gut gefettet, rutschte die Schweinehaken-/Stoßstangenkombination in den Längsträgern und natürlich knallte sie einmal herunter. Ich hätte da einen zweiten Mann dazu holen sollen. Dass das heruntergefallen ist, ist nicht so schlimm. Schade aber, dass es im neuen Lack teils tiefe Kratzer im neuen Lack hinterlassen hat.

Kratzer

Ich habe mich im ersten Moment maßlos geärgert. Aber je mehr ich drüber nachdenke: Die neu lackierten Stellen sind derzeit Fremdkörper, so zerschossen, wie der restliche Altlack inzwischen ist. Da passt es, dass der neue Lack auch schon ausgebessert ist. Und ausbessern musste ich, denn der Kratzer ging bis zur Spachtelmasse durch.

Kratzer ausgebessert

Ich hab mich wieder abgeregt. Ist eben jetzt so. Den Anspruch auf perfekten Lack hatte ich bei der Karre noch nie...

Original http://www.fusselblog.de/index.php/erste-patina-fuer-den-neuen?blog=29

03 Sep 2015

2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI – Video und Fakten

2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI – Video und Fakten

Skoda hat uns hat uns zur internationale Fahrveranstaltung nach Weissach am Tegernsee, wo wir am 05.07.2015 unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI für Euch gedreht haben. Unser Skoda Superb Combi war in der Farbe Lava-Blau Metallic lackiert und verfügte über die Ausstattungslinie Laurent & Klement. Als Mitbewerber sehen wir zu dem Kombi von Skoda beispielsweise Opel Insignia Sports Tourer, Hyundai i40, Ford Mondeo Tunier, Volkswagen Passat Variant. Den Verkaufspreis unseres Testwagens schätzen wir auf 52.200 Euro. Viel Spaß mit unserem Test mit dem Skoda Superb Combi:

Unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI auf Youtube ansehen.

Unter der Haube vom Skoda Superb III Combi befindet sich ein 2.0 Liter (R4-Turbodieselmotor TDI mit Start-Stopp-System und Rekuperation, Abgasturbolader mit variabler Ladergeometrie) Motor mit einer Leistung von 190 PS (140 kw) und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm, welches zwischen 1.750 und 3.250 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Unser Testwagen verfügt über Allradantrieb, geschaltet wird mittels Automatikgetribe (6-Gang-DSG mit Tiptronic-Funktion).

Wie fährt sich der Skoda Superb III Combi?

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der 2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI innerhalb 7.70 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 228 km/h erreicht.

Der Skoda Superb III Combi verfügt über einen Tankinhalt von 66 Litern. Bei einem NEFZ-Verbrauch laut Skoda von 5.10 Litern Diesel auf 100 Kilometern könnte man theoretisch auf eine Reichweite von fast 1.290 Kilometern kommen. Der kombinierte CO2-Ausstoss liegt laut Skoda bei 135 g/km.

Skoda Superb III Combi – Abmessungen und Kofferraum

Der Skoda Superb Combi ist 4.85 m lang bei einem Radstand von 2.84 m. Er ist 1.47 m hoch und misst in der Breite 1.86 Meter. Von Außenspielgel zu Außenspiegel ist er 2.09 Meter breit. Der Wendekreis des Skoda Superb III Combi beträgt 11.70 m. Das Leergewicht ist mit 1.635 kg angegeben, das zulässige Gesamtgewicht mit 2.275 kg.

In den Kofferraum vom 2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI passen 660 Liter. Bei umgeklappter Rückbank sind es 1.950 Liter. Maximal zugeladen werden dürfen 715 kg – davon dürfen 100 kg auf das Dach geladen werden. Die maximale Anhängelast für gebremste Anhänger beträgt 2.2 Tonnen. Die maximale Anhängelast für ungebremste Anhänger beträgt 750 kg.

Der preiswerteste Skoda Superb Combi ist für 25.590 Euro zu haben. Unser Testwagen hat einen Basispreis von 43.050 Euro, kostet aber so wie er hier steht 52.200 Euro. Die Versicherungsklassen Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko: 15 / 19 / 23

Den Tech-Check vom Infotainment-System im 2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI auf Youtube ansehen.

2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI – Technische Daten im Überblick

Testfahrzeug 2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI  
Hersteller Skoda  
Bauform Kombi  
Motor und Getriebe Skoda Superb III Combi
 
Motor R4-Turbodieselmotor TDI mit Start-Stopp-System und Rekuperation, Abgasturbolader mit variabler Ladergeometrie  
Hubraum 2.00 Liter
 
Ps 190 PS
 
Kw 140 KW
 
Maximales Drehmoment 400 Nm
 
Antriebsart Allradantrieb  
Getriebeart manueller Schaltung  
Getriebe 6-Gang-DSG mit Tiptronic-Funktion  
Fahrleistungen Skoda Superb III Combi
 
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 7.70 Sekunden
 
Höchstgeschwindigkeit 228 km/h
 
Verbrauch und Emissionen Skoda Superb III Combi
 
Kombinierter NEFZ-Verbrauch laut Hersteller 5.10 l/100 km
 
Kombinierter CO2-Ausstoss laut Hersteller 135 g/km
 
Kraftstoffart Diesel  
Tankinhalt 66 Liter
 
Abmessungen Skoda Superb III Combi
 
Länge 4.85 Meter
 
Höhe 1.47 Meter
 
Breite 1.86 Meter
 
Breite mit Außenspiegel 2.09 Meter
 
Radstand 2.84 Meter
 
Bodenfreiheit 15.00 Zentimeter
 
Wendekreis 11.70 Meter
 
Gewichte und Lasten Skoda Superb III Combi
 
Leergewicht 1.635 KG
 
Zulässiges Gesamtgewicht 2.275 kg
 
Maximale Zuladung 715 kg
 
Kofferraumvolumen 660 Liter
 
Kofferraumvolumen bei umgeklappter Rücksitzbank 1.950 Liter
 
Dachlast 100 kg
 
Maximale Anhängelast (Gebremster Anhänger) 2200 kg
 
Maximale Anhängelast (Ungebremster Anhänger) 750 kg
 
Einstiegspreis 25.590 Euro
 
Basispreis Testwagen 43.050 Euro
 
Listenpreis Testwagen ca. 52.200 Euro
 
Versicherungsklassen HP / VK / TK 15 / 19 / 23  

See our in-depth review of the 2015 Skoda Superb III Combi 4×4 TDI on Youtube.

Original http://ausfahrt.tv/2015-skoda-superb-iii-combi-4x4-tdi-video-und-fakten/

03 Sep 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

M wie Méhari, Citroen Cactus M 2265

Citroën Cactus M Concept

Ach ja, Citroën. Sie beweisen Mut, sich mit dem C4 Cactus an den legendären Méhari zu wagen. Auch wenn das Teil so wohl nie gebaut wird.

Er sieht schon verdammt witzig aus, der offene Cactus. Ein offener Viersitzer, aufs nötigste reduziert. Mit einem grossen Überrollbügel hinter den Fondpassagieren. Citroën sagt selbst, dass es das Auto in dieser Form nie in die Serienproduktion schaffen wird. Aber, es ist den Franzosen durchaus zuzutrauen, dass sie ein ähnliches Fahrzeug tatsächlich bauen. Bei Citroën ist man derzeit sehr mutig und das finden wir wunderbar. Denn es gibt keinen Grund einen Citroën zu kaufen, der nicht speziell ist. Die Konkurrenz ist in diesem Segment einfach zu gross und zu gut, als dass man mit ganz «normalen» Autos gross punkten kann. Besonders sexy finden wir die in die Karosserie eingelassenen Trittstufen für die Fondpassagiere, aber auch das an den Méhari angelehnt Lenkrad. Schöne Erinnerungen und sicher einer der Eyecatcher an der IAA in Frankfurt.
Mehr Citroën, auch zu unserem Dauertest-Cactus, gibts im Archiv.


M wie Méhari, Citroen Cactus M 2265

Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/citroen-cactus-m-2265/seite_1-2

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03 Sep 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Polo olé!, Seat Ibiza Cupra 2266

Seat Ibiza Cupra

Der Polo GTI hats nach Spanien geschafft. Der neue Ibiza Cupra dürfte die Polo-Tugenden mit dem bekannt scharfen Spanier-Design vereinen.

192 PS aus einem 1800er-Vierzylinder, natürlich mit Turbolader. Damit ist der neue Seat Ibiza Cupra exakt gleich motorisiert, wie der VW Polo GTI, der uns bei den Fahrten auf der Rennstrecke und im Test sehr gut gefallen hat. Und wie beim Volkswagen gibts auch beim Volkswagen aus Spanien nun ein maximales Drehmoment von 320 Nm. Tja, so macht man Kohle, möglichst viel übernehmen, dann ein hübsches Blechkleid drüberstülpen.
Da überrascht es nicht, dass es auch beim Ibiza Cupra keine mechanische Differenzialsperre gibt, sondern nur das elektronische System mit Bremseingriff (XDS). Und, es gibt auch im Spanier nun die verstellbaren Dämpfer und viele weitere Gimmicks, die wir aus dem Polo GTI kennen. Wie gesagt, das ist alles andere als schlecht, wenn die Abstimmung des Fahrwerks so gelungen ist wie beim VW dürfte der Spanier ganz schön feurig sein. Mit einem Beschleunigungswert laut Werk von 6,7 Sekunden und einem Topspeed von 235 km/h gehört der Ibiza Cupra in die Topliga der kompakten Sportler. Dennoch soll sich der Spanier nach Norm mit 6,0 Liter pro 100 Kilometer begnügen. Wie beim Polo GTI dürfte auch hinter diesem Wert der Wunsch als Vater des Gedankens verbergen.
Polo olé!, Seat Ibiza Cupra 2266
Und sonst? Sonst ist er ziemlich finster, der Cupra. Also im Innenraum. Aber auch hier: irgendwie gehört das zu einem Kompaktsportler. Wer Schottenmuster an den Sitzen will muss weiter zum VW-Händler. Und natürlich hat der Seat das VW-Konnektivitätszeugs mit an Bord. Man kann also das Auto zu einer Playstation machen, wenn man grad mal im Stau steht. Die Frage aller Fragen haben uns die Spanier allerdings noch nicht beantwortet. Was denn dieser Spass kosten soll. Traditionell ist ja Seat ein gutes Stück günstiger als der entsprechende Volkswagen. Also mutmassen wir jetzt einfach mal, dass der Cupra mit Handschaltung wohl etwa 20'500 Franken kosten wird. Der Polo GTI beginnt bei rund 24'000 Franken, als Handschalter. Natürlich hat man auch beim Ibiza die Wahl ob man lieber von Hand schalten möchte oder die Arbeit einem Doppelkupplungsgetriebe überlässt. Ebenfalls noch unklar ist, wann der Spanier bei den Händlern stehen wird.
Mehr Seat gibts im Archiv.


Polo olé!, Seat Ibiza Cupra 2266
Polo olé!, Seat Ibiza Cupra 2266

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/seat-ibiza-cupra-2266/seite_1-2

02 Sep 2015

2015 Audi RS3 Sportback – Video und Fakten

2015 Audi RS3 Sportback – Video und Fakten

Audi hat uns den 2015 Audi RS3 Sportback als Testwagen für einige Tage in Bielefeld zur Verfügung gestellt, am 02.07.2015 haben wir unseren Video-Fahrbericht für Euch abgedreht. Unser Audi RS3 war in der Farbe Sepangblau Perleffekt lackiert und verfügte über die Ausstattungslinie RS3. Als Mitbewerber sehen wir zu dem Sportwagen von Audi beispielsweise Mercedes-Benz A 45 AMG, BMW m135i, Volkswagen Golf R, Ford Focus RS. Den Verkaufspreis unseres Testwagens schätzen wir auf 64.000 Euro. Viel Spaß mit unserem Test mit dem Audi RS3:

Unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Audi RS3 Sportback auf Youtube ansehen.

Unter der Haube vom Audi RS3 Sportback befindet sich ein 2.50 Liter (Reihen-Fünfzylinder-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung, Abgasturboaufladung mit Ladeluftkühlung) Motor mit einer Leistung von 367 PS (270 kw) und einem maximalen Drehmoment von 465 Nm, welches zwischen 1.625 und 5.550 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Unser Testwagen verfügt über Allradantrieb, geschaltet wird mittels Automatikgetriebe (7-Gang Direktschaltgetriebe S tronic).

Wie fährt sich der Audi RS3 Sportback?

Unser Tacho-Video vom 2015 Audi RS3 Sportback auf Youtube ansehen.

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der 2015 Audi RS3 Sportback innerhalb 4.30 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 km/h erreicht. Bei Entfernung der elektronischen Abregelung kann man bis zu 280 km/h schnell fahren.

Der Audi RS3 Sportback verfügt über einen Tankinhalt von 55 Litern. Bei einem NEFZ-Verbrauch laut Audi von 8.10 Litern Super Plus auf 100 Kilometern könnte man theoretisch auf eine Reichweite von fast 670 Kilometern kommen. Der kombinierte CO2-Ausstoss liegt laut Audi bei 189 g/km.

Audi RS3 Sportback – Abmessungen und Kofferraum

Der Audi RS3 ist 4.34 m lang bei einem Radstand von 2.63 m. Er ist 1.41 m hoch und misst in der Breite 1.80 Meter. Der Wendekreis des Audi RS3 Sportback beträgt 10.90 m. Das Leergewicht ist mit 1.520 kg angegeben, das zulässige Gesamtgewicht mit 2.020 kg.

In den Kofferraum vom 2015 Audi RS3 Sportback passen 280 Liter. Bei umgeklappter Rückbank sind es 1.120 Liter. Maximal zugeladen werden dürfen 500 kg – davon dürfen 75 kg auf das Dach geladen werden.

Der preiswerteste Audi RS3 ist für 23.350 Euro zu haben. Unser Testwagen hat einen Basispreis von 52.700 Euro, kostet aber so wie er hier steht 64.000 Euro. Die Versicherungsklassen Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko: 20 / 24 / 26

2015 Audi RS3 Sportback – Technische Daten im Überblick

Testfahrzeug 2015 Audi RS3 Sportback  
Hersteller Audi  
Bauform Sportwagen  
Motor und Getriebe Audi RS3 Sportback
 
Motor Reihen-Fünfzylinder-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung, Abgasturboaufladung mit Ladeluftkühlung  
Hubraum 2.50 Liter
 
Ps 367 PS
 
Kw 270 KW
 
Maximales Drehmoment 465 Nm
 
Antriebsart Allradantrieb  
Getriebeart Automatikgetriebe  
Getriebe 7-Gang Direktschaltgetriebe S tronic  
Fahrleistungen Audi RS3 Sportback
 
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 4.30 Sekunden
 
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
 
Höchstgeschwindigkeit ohne Abregelung 280 km/h
 
Verbrauch und Emissionen Audi RS3 Sportback
 
Kombinierter NEFZ-Verbrauch laut Hersteller 8.10 l/100 km
 
Kombinierter CO2-Ausstoss laut Hersteller 189 g/km
 
Kraftstoffart Super Plus  
Tankinhalt 55 Liter
 
Abmessungen Audi RS3 Sportback
 
Länge 4.34 Meter
 
Höhe 1.41 Meter
 
Breite 1.80 Meter
 
Radstand 2.63 Meter
 
Wendekreis 10.90 Meter
 
Gewichte und Lasten Audi RS3 Sportback
 
Leergewicht 1.520 KG
 
Zulässiges Gesamtgewicht 2.020 kg
 
Maximale Zuladung 500 kg
 
Kofferraumvolumen 280 Liter
 
Kofferraumvolumen bei umgeklappter Rücksitzbank 1.120 Liter
 
Dachlast 75 kg
 
Einstiegspreis Audi A3 23.350 Euro
 
Basispreis Testwagen 52.700 Euro
 
Listenpreis Testwagen ca. 64.000 Euro
 
Versicherungsklassen HP / VK / TK 20 / 24 / 26  

See our in-depth review of the 2015 Audi RS3 Sportback on Youtube.

Original http://ausfahrt.tv/2015-audi-rs3-sportback-video-und-fakten/

02 Sep 2015

Barbarossa Classics 2015 | Bilder zur Oldtimerrallye um Sinzig

Auch in diesem Jahr wurde die Barbarossa Classic 2015  vom  MSC Sinzig im Rahmen der ADAC Classic Sport Meisterschaft veranstaltet. Bei bestem Wetter ging es für die Teilnehmer in Young- und Oldtimer auf die Strecke der Orientierungsrallye für klassische Fahrzeuge.

Am Sonntag den 09.08.2015 startete die achte Auflage der legendären Barbarossa Classics in Sinzig am Rhein. Die Strecke führte über 150km durch Eifel und Moseltal zurück zum Ziel auf dem Kirchplatz in Sinzig/Rhein.

Original http://germanmotorkult.de/barbarossa-classics-2015-bilder-zur-oldtimerrallye-um-sinzig/

02 Sep 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Punktlandung

Gestern Abend war wieder Farbenabend. Die Türunterkanten waren als erstes dran. Die haben eine Schicht zeltgrau abbekommen.

Pirat

Die Grubenlampe ausgepackt und es ging unter Tage. Da waren noch einige Stellen mit Unterbodenschutz verarztet werden. Der Unterboden ist wieder komplett schwarz.

Punktlandung

Was eine Sauerei das Zeug zu pinseln. Ich verwende aus gutem Grund für solche Arbeiten Einweghandschuhe. Die paar Cent ist es mir wert. Ich hätte einmal zählen sollen, wie viele dieser Handschuhe ich bei der Wiederherstellung des Pirat verbraucht habe. Es waren einige. Aber so ein Hunderterpack kostet nicht viel.

Punktlandung

Die Schweller wollte ich noch etwas mehr schützen. Ich hatte noch eine alte Dose Steinschlagschutz für die Druckluftpistole. Für den Unterboden hätte das nicht gereicht, aber für die Schweller war es genug.

Punktlandung

Punktlandung

Das Zeug trocknet wirklich sehr schnell. Das ist gut, denn so konnte ich die Schweller zum Ende des Abends wieder grau überjauchen.

Pirat

Viel mehr Fläche hätten die Schweller nicht haben dürfen, denn meine Dose Brantho 3in1 in zeltgrau ist jetzt fast leer.

Lack

Eine kleine Neige für kleine Ausbesserungsarbeiten ist noch drin. Das nennt man wohl Punktlandung. Das dürfte es jetzt mit den Lackierarbeiten gewesen sein, Kleinigkeiten ausgenommen.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/punktlandung?blog=29

01 Sep 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Maic Schulte  

Rufname: „Florian Recklinghausen 6-31-1“

Schön geschmücktManchmal ist man einfach zur rechten Zeit am rechten Ort. So erst wieder gestern geschehen, als ich eigentlich auf der Suche nach ganz anderen Motiven gewesen bin, aber der Reihe nach …

In Herten-Westerholt gibt es einen historischen Stadtteil – „Altes Dorf“ genannt -, der sich dem Besucher heute noch so präsentiert wie im Mittelalter. Eigentlich sollten die schmucken Fachwerkhäuser schon in den 1960ern dem Bagger zum Opfer fallen, da die damalige Stadtverwaltung hier gerne eine schöne Beton-Siedlung errichtet hätte. Nur der Initiative der Anwohner ist es zu verdanken, dass wir uns auch heute noch an diesem städtischen Kleinod erfreuen dürfen. Unter „Flächensanierung“ versteht halt jeder etwas anderes :-)

So ist es denn auch nur wenig verwunderlich, dass ich dort eigentlich unterwegs gewesen bin, um Bilder für meinen SensorArt-Blog zu machen. Bekanntermaßen kommt es aber erstens anders und zweitens als man denkt ;-)

In diesem Fall hatte ein wirklich ganz außergewöhnliches Fahrzeug mein Interesse geweckt, welches prächtig geschmückt und extrem gut erhalten vor der St. Martinus-Kirche im alten Dorf stand. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass einer der Kameraden des Löschzuges Herten gerade im Begriff war, sich in selbiger Kirche zu vermählen und dieses Sonderfahrzeug quasi nur auf seinen jüngsten Einsatz wartete.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich hatte eine prächtige Zufallsbegegnung mit einem Magirus-Deutz Pluto 3500 aus dem Jahre 1955!

Dieses Fahrzeug, welches bis zum heutigen Tagen von den Kameraden der Wehr in Herten gehegt und gepflegt wird, hört auf den Funkrufnamen „Florian Recklinghausen 6-31-1“, womit an dieser Stelle auch der etwas kryptische Titel meines aktuellsten Artikels erklärt wäre ;-)

„Angefeuert“ wird dieses Einsatzfahrzeug, welches bei der Wache als „DL-18“ geführt wird, von einem 5250ccm starken Motor, der dank 85 PS für gute Fahrleistung und stets ausreichende Kraft sorgt. Mit einem Gesamtgewicht von über 7 Tonnen (genau 7,2t) ist der rollende Kamerad auch alles andere als ein Leichtgewicht. Dies ist nicht zuletzt der guten Ausstattung geschuldet, die in diesem Fall aus Schlauchhaspel, einem sowohl von Hand als auch elektrisch steuerbaren Leitersatz, Büffelheber und jede Menge weiterem Zubehör besteht.

Aufgrund des bevorstehenden Einsatzes als Hochzeitskutsche, war es mir leider nicht möglich, jedes der wirklich sehenswerten Details an diesem Fahrzeug zu fotografieren. Einem wirklich sehr freundlichen Gespräch mit den vor Ort anwesenden Feuerwehrleuten zum Dank, stehen die Chancen für ein weiteres – und dann wesentlich ausführlicheres Foto-Shooting -, sehr gut.

Sollte dieses in naher Zukunft zustande kommen, werdet Ihr diese Fotos garantiert auch hier auf 1001 Cars gezeigt bekommen.

Bis dahin wünsche ich dem Brautpaar alles nur erdenklich Gute für deren zukünftigen Lebensweg, den Feuerwehrleuten der Wache in Herten stets erfolgreiche Einsätze, von denen sie allseits gesund zurückkehren mögen und sage bis demnächst ;-)

Magirus vor der KircheHandradMagirus in FarbePlutoHörnerNeigungKlassischSchön geschmücktGemeinsamP.S: Ein Foto des Brautpaares wollte ich Euch natürlich auch nicht vorenthalten ;-)

Der Beitrag Rufname: „Florian Recklinghausen 6-31-1“ erschien zuerst auf 1001 Cars.

Original http://www.1001cars.de/wordpress/?p=5275

Created Dienstag, 01. September 2015 Tags 3500 | Altes Dorf | Cars & Bikes | Chronologisch | Deutz | Drehleiter | Feuerwehr | Herten | Hochzeit | Magirus | oldtimer | Pluto Document type Article
Categories Timeline Author Maic Schulte
 
01 Sep 2015

2015 Volkswagen Passat GTE – Video und Fakten

2015 Volkswagen Passat GTE – Video und Fakten

Volkswagen hat uns hat uns zur internationale Fahrveranstaltung nach Amsterdam, Holland, wo wir am 01.01.2035 unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Volkswagen Passat GTE für Euch gedreht haben. Unser Passat GTE war in der Farbe harvard blue metallic lackiert und verfügte über die Ausstattungslinie GTE. Als Mitbewerber sehen wir zu dem Limousine von Volkswagen beispielsweise Mercedes-Benz C 350 e. Den Verkaufspreis unseres Testwagens schätzen wir auf 55.000 Euro. Viel Spaß mit unserem Test mit dem Passat GTE:

Unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Volkswagen Passat GTE auf Youtube ansehen.

Unter der Haube vom VW Passat GTE befindet sich ein 1.40 Liter (4Zyl. TSI) Motor mit einer Leistung von 156 PS, dazu ist im DESG-Getriebe ein Elektromotor mit einer Leistung von 115 PS verbaut, die führt zu einer Systemleistung von 218 PS (160 kw) und einem maximalen Drehmoment von 400 Nm, welches zwischen 1.600 und 3.500 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Unser Testwagen verfügt über Frontantrieb, geschaltet wird mittels Doppelkupplung-Automatik-Getriebe (6-Gang-DSG mit eingebautem 115 PS Elektromotor).

Wie fährt sich der VW Passat GTE?

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der 2015 Volkswagen Passat GTE innerhalb 7.40 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 225 km/h erreicht.

Der VW Passat GTE verfügt über einen Tankinhalt von 50 Litern. Bei einem NEFZ-Verbrauch laut Volkswagen von 5.30 Litern Super auf 100 Kilometern könnte man theoretisch auf eine Reichweite von fast 940 Kilometern kommen. Der kombinierte CO2-Ausstoss liegt laut Volkswagen bei 37 g/km.

VW Passat GTE – Abmessungen und Kofferraum

Der Passat GTE ist 4.77 m lang bei einem Radstand von 2.79 m. Er ist 1.46 m hoch und misst in der Breite 1.83 Meter. Von Außenspielgel zu Außenspiegel ist er 2.08 Meter breit. Der Wendekreis des VW Passat GTE beträgt 11.70 m. Das Leergewicht ist mit 1.735 kg angegeben, das zulässige Gesamtgewicht mit 2.250 kg.

In den Kofferraum vom 2015 Volkswagen Passat GTE passen 586 Liter. Bei umgeklappter Rückbank sind es 1.152 Liter. Maximal zugeladen werden dürfen 590 kg – davon dürfen 100 kg auf das Dach geladen werden. Die maximale Anhängelast für gebremste Anhänger beträgt 1.8 Tonnen. Die maximale Anhängelast für ungebremste Anhänger beträgt 750 kg.

Der preiswerteste Passat GTE ist für 26.075 Euro zu haben. Unser Testwagen hat einen Basispreis von 44.250 Euro, kostet aber so wie er hier steht 55.000 Euro. Die Versicherungsklassen Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko:

2015 Volkswagen Passat GTE – Technische Daten im Überblick

Testfahrzeug 2015 Volkswagen Passat GTE  
Hersteller Volkswagen  
Bauform Limousine  
Motor und Getriebe VW Passat GTE
 
Motor 4Zyl. TSI  
Hubraum 1.40 Liter
 
Ps 218 PS (Systemleistung)
 
Kw 160 KW (Systemleistung)
 
Maximales Drehmoment 400 Nm (Systemleistung)
 
Antriebsart Frontantrieb  
Getriebeart Doppelkupplung-Automatik-Getriebe  
Getriebe 6-Gang-DSG mit eingebautem 115 PS Elektromotor  
Fahrleistungen VW Passat GTE
 
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 7.40 Sekunden
 
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
 
Verbrauch und Emissionen VW Passat GTE
 
Kombinierter NEFZ-Verbrauch laut Hersteller 5.30 l/100 km
 
Kombinierter CO2-Ausstoss laut Hersteller 37 g/km
 
Kraftstoffart Super  
Tankinhalt 50 Liter
 
Abmessungen VW Passat GTE
 
Länge 4.77 Meter
 
Höhe 1.46 Meter
 
Breite 1.83 Meter
 
Breite mit Außenspiegel 2.08 Meter
 
Radstand 2.79 Meter
 
Wendekreis 11.70 Meter
 
Gewichte und Lasten VW Passat GTE
 
Leergewicht 1.735 KG
 
Zulässiges Gesamtgewicht 2.250 kg
 
Maximale Zuladung 590 kg
 
Kofferraumvolumen 586 Liter
 
Kofferraumvolumen bei umgeklappter Rücksitzbank 1.152 Liter
 
Dachlast 100 kg
 
Maximale Anhängelast (Gebremster Anhänger) 1800 kg
 
Maximale Anhängelast (Ungebremster Anhänger) 750 kg
 
Einstiegspreis 26.075 Euro
 
Basispreis Testwagen 44.250 Euro
 
Listenpreis Testwagen ca. 55.000 Euro
 

See our in-depth review of the 2015 Volkswagen Passat GTE on Youtube.

Original http://ausfahrt.tv/2015-volkswagen-passat-gte-video-und-fakten/

01 Sep 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Versöhnung, Test Opel Adam S 2264

Test Opel Adam S

Versöhnung, Test Opel Adam S 2264

Ach, was hat uns Opel schon für Adämer vorgesetzt. Den völlig unnötigen Rocks zum Beispiel, oder einen Adam mit Zuckerwassermotor. Und nein, wir sind mit keinem dieser Autos so richtig warm geworden. Bei einigen hatten wir sogar keine messbare Gefühlsregung. Und überhaupt, was soll dieser Individualisierungsweltmeister? In diesem Fahrzeugsegment, also den sehr, sehr kompakten Dreitürern, macht doch der Preis die Musik, oder? Opel ist da anderer Meinung, man glaubt, die kleine Kiste für ziemlich happige Preise an den Mann und vor allem an die Frau bringen zu können. Denn während die Grundversionen noch zu einem guten Preis zu bekommen sind, wirds ziemlich schnell recht teuer, wenn man zu viele Kreuze auf der Optionenliste macht. Wers klein will, kann sich für viel weniger Geld einen Karl schnappen und hat erst noch fünf Türen. Allerdings bekommt er für kleines Geld auch - k(l)einen Fahrspass. Oder dann gleich den Corsa, ein ausgewachsenes Auto, das dann auch nicht mehr viel teurer ist, aber doch deutlich mehr Nutzwert bietet als so ein Adam. Es muss ja nicht gleich der OPC sein, denn es gibt Menschen, die durchaus Wert auf eine Federung legen.

Genug der Gedanken, Zeit, den Adam S abzuholen. Bereits bei der Fahrvorstellung hat uns der Dreitürer, nein, nicht begeistert, aber immerhin positiv überrascht. Der stimmigste Adam ist der «S», meinten wir damals. Nun muss er auf den uns bekannten Strecken seinen Adam stehen, auf Strassen, die wir selbst mit verbundenen Augen schneller befahren als die meisten Mobility-Nutzer.

Versöhnung, Test Opel Adam S 2264
Versöhnung, Test Opel Adam S 2264

Und ja, der Adam S kanns auch in der Schweiz. Der Kleine hat durchaus seinen Reiz. Ein ziemlich scharf abgestimmtes Fahrwerk, aber nicht so bretthart wie beim Corsa OPC. Genügend Dampf, um auch mal vom Fleck zu kommen. Die 150 PS klingen auf dem Papier zwar gut. Aber die Leistungsentfaltung hat uns nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen lassen. Klar, Opel sagt, der Adam sei kein Sportwagen. Und wir geben zu: Opel hat recht. Aber er ist doch sehr flink, unser individualisierungsverweltmeisterter Wagen war richtig Schmuck. Zielflaggenmuster am Dachhimmel (kommt leider an besten zur Geltung, wenn Auto auf dem Dach liegt), wunderbare Recaro-Sitze, nette Applikationen am Armaturenbrett. Schon schön gemacht für ein Auto dieser Klasse, das geben wir gerne zu.

Versöhnung, Test Opel Adam S 2264
Versöhnung, Test Opel Adam S 2264
Versöhnung, Test Opel Adam S 2264
Versöhnung, Test Opel Adam S 2264
Versöhnung, Test Opel Adam S 2264

Geärgert haben wir uns einmal mehr über die Schalthebelführung. Das ist einfach: nicht gut! In unserem Alter ist man mit Schätzen nicht mehr so gut, wir haben es gerne, wenn wir wissen, welchen Gang wir einlegen. Oder das quietschende Kupplungspedal, offenbar ebenfalls eine Opel-Krankheit. Wirklich unschön. Und dies, nachdem uns beim Opel Karl schon die ganze Verkleidung des Innenspiegels auf die Schoss gefallen war. So langsam zweifeln wir etwas an der Verarbeitungsqualität der kleinen Rüsselsheimer.

Der Adam S kostet derzeit gemäss Konfigurator mindestens 25'300 Franken. Mit ein paar Extras sind es dann schnell mal 29'000 Franken. Das ist dann viel Geld für ein kleines 150-PS-Auto, das zudem nicht überaus sparsam ist. Knapp sieben Liter hat sich der S im Test genehmigt statt der 5,9, die Opel verspricht. Rational gibt es also irgendwie immer noch keinen Grund, einen Opel Adam zu kaufen. Aber immerhin gibt es mit dem S jetzt einen emotionalen Ansatz. Und wir warten gespannt auf die Folterbank mit Namen Adam OPC.
Mehr Opel gibts im Archiv.

 

Versöhnung, Test Opel Adam S 2264

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/test-opel-adam-s-2264/seite_1-2

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24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
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30 Aug 2015
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In der Schatzkammer

In der Schatzkammer

Is there anybody … out there?

Immer Online. Touch-Display. Smart-Options.
Ich komme langsam in ein Alter, in dem es normal zu werden scheint, wenn man von der jüngeren Generation auf einigen Ebenen abgehängt wird. Ich höre nicht mehr die gleiche Musik wie die Teenager, ich finde vollelektronische, teilweise fernsteuerbare Autos unsexy und ich will nicht im Sekundentakt checken, ob ich Nachrichten auf dem Handy habe. Ist das schlimm? Mein Kühlschrank und meine Waschmaschine sind noch analog und mein Fernseher ist zwar flach, aber nicht smart. Es gibt in der Nähe von Kiel einen Ort, in dem ich mich als verkappter Fortschrittsverweigerer so richtig austoben kann, wenn es um alten Kram geht. Nicht einen einzigen Schritt vor, sondern gleich drei zurück, in Großmütterchens Zeiten. Die Schatzkammer bei der Abfahrt Blumenthal ist ein magischer Ort, und ich muss da einfach mal wieder hin… Allein schon, um aufzuwachen.

In der Schatzkammer

Der Eingang zu Ali Baba

Die Damen und Herren an der Autobahn von Kiel nach Hamburg entrümpeln aufgelöste Haushalte und stellen alles, aber auch wirklich alles in die riesigen Hallen und Räume. Alles was sich in eben so einem Haushalt anfindet. Nicht nur antike und recht teure Möbel, Schreibmaschinen oder Porzellan. Nö. Das auch. Aber hier finden wir auch ganz normale Küchenmaschinen aus den 70ern, HiFi Anlagen aus den 80ern, Töpfe und Pfannen, Spielzeug und allerhand durchaus unterhaltsamen Kram. Hautcremes und Sonnemilch, Wein aus den 70ern, Unterwäsche. Viele viele Dinge, die ich NICHT kaufen möchte :-) Die ich nicht mal in die Hand nehmen will. Ich glaube, ich habe hier noch nie etwas gesucht, aber ich bin trotzdem noch nie mit leeren Händen wieder weg gegangen. Alles ist käuflich. Alles, was man hier sehen, anfassen, fühlen und hören kann. Vorsichtshalber nehme ich immer nur eine handvoll Scheine und keine EC Karte mit. Man weiß ja nie In der Schatzkammer

In der Schatzkammer

wenn ich doch nur Modellautos mögen würde.

Es riecht nach Flohmarkt, Mottenkugeln und Omas guter Stube. Nach Teppich und Holz. Und weil immer was weggekauft und ständig nachgerümpelt wird ist das jedes Mal anders hier :-) Nun bin ich ja kein kompletter Aktualitätsverweigerer, ich habe durchaus eine moderne Kaffeemaschine, meine Rechner sind auf dem neuesten Stand (das sind Arbeitstiere, da ist das auch gut so), mein iPhone ist immerhin eins mit einer 5 im Namen. Auch ein Arbeitstier. Zu Hause bei mir sieht es auch nicht aus wie in einer Bude aus den 70ern, aber hier und da blitzt schon mal ein altes Küchenradio auf. Oder ein Plattenspieler. Ein oranges Salatbesteck. Wir alle erinnern uns an die Butter-und-Brot Autos, die das Straßenbild unserer Kindheit geprägt haben. Es gibt aber genau so viele kleine und große alltägliche Gegenstände, die in meiner Kindheit zum ganz normalen Alltag im Haus dazugehört haben! Sie würzen jetzt als Erwachsener meine Wohnung. Diese weißen, sterilen Designerbuden, in denen es so aussieht als ob da niemand drin leben würde mag ich nicht. Sie erzählen keine Geschichten, sie sind kalt und ohne Leben.

In der Schatzkammer

Der Wahnsinn auf drei Etagen

Und während meine Tochter noch vor einem Michael Schumacher Poster steht wie andere vor einer Kaiser Wilhelm Statue, habe ich schon die erste alte Schreibmaschine in den Händen. Die geht noch. Ist sogar ein Farbband drin. Geil, die muss ich haben. Während Töchterchen hier eher ungläubig durch die nicht enden wollenden und weit verschachtelten Räume der drei Etagen stromert („hat man sowas damals echt benutzt???„) pendel ich zwischen Gelächter über geschmackliche Absurditäten und Freude über Dinge, die bei meinen Eltern oder Großeltern in den Wohnungen standen und die im Laufe der Jahrzehnte den Weg allen Irdischen gegangen sind. Einfach drüber freuen und kurz innehalten tut schon mächtig gut, aus dem Alter, wo ich das dann alles gleich gekauft habe bin ich inzwischen wohl raus. Ich lache und lache. Ist das herrlich. Und… äh… es ist auch tatsächlich nicht alles toll und kaufenswert, was hier so rumsteht, man wundert sich.

In der Schatzkammer

Hallo mein Freund. Auch auf Facebook?

Immer wieder stiefel ich mit einem neuen Fund zur Dame vorn bei der Kasse, um den Preis zu erfragen. Sie kennt alle Varianten des hohlen Gelabers, mit dem die Besucher versuchen, den Preis zu drücken. „Kuck mal hier, das Radio, geht bestimmt nicht mehr. Ist auch irgend so ne unbekannte japanische Marke. Was soll das kosten?“ Sie wirft mir ein lächelndes und ziemlich selbstsicheres „15 Euro“ an den Kopf und zeigt mir eine Steckdose, an der ich das gleich ausprobieren kann. Mist. „Eigentlich müsste ich noch mehr Geld dafür nehmen, denn wenn du das mitnimmst hab ich oben keine Musik mehr beim Möbel umstellen…“ Ah. Stecker rein. Geht. Steht jetzt in meiner Küche :-) Oben, das bedeutet oben unterm Dach. Da standen früher ausschließlich Stühle rum, jetzt sind auch hier die Reihen gut gefüllt mit allerhand teils echt seltenem und wertvollem Kram. Und einem Radio weniger.

In der Schatzkammer

Die Puppenfamilie auf dem Dachboden

Während man im IKEA von „Deine Wohnung auf 13 Quadratmetern“ bis zu „Der Anfang vom Ende deiner freudlosen Beziehung auf 15 Quadratmetern“ schlendert und sich manchmal fragt, ob dies und das eigentlich wirklich jemand käuflich erwirbt überfallen einen in der Schatzkammer Eindrücke von Puppenstuben, Kinderzimmern und „Deine Wohnung auf 20 Quadratmetern im Jahr 1931„. Hier wohnen ungezählte einst geliebte Teddybären, Puppen und Plüschhunde, deren damalige Beschützer sie nun allein gelassen haben :-( Entweder sind sie verstorben, fühlen sich zu alt für Stofftiere oder haben sich anderen Aufgaben gewidmet. Ich habe so viel Mitleid mit diesen weichen Ersatzbefriedigungen, dass ich am liebsten alle kaufen möchte. Das wiederum wäre dann vermutlich das Ende meiner eigenen, gar nicht so freudlosen Beziehung auf 104 Quadratmetern. Also finde ich die pelzigen Protagonisten liebenswert, biete ihnen aber kein neues Zuhause. Da wohnt ja auch schon mein Waldi. Glauben Sie mal nicht, dass ICH mein geliebtes Plüschtier aus meiner Kindheit vergessen hätte. Waldi wacht brav in meinem Bettchen und verscheucht auch heute noch immer erfolgreich böse Träume.

In der Schatzkammer

Die Familie beisammen

Das Leben ist schon ernst genug. Definitiv. Und wenn mein Töchterchen schon den einen oder anderen Quietscher raustut, weil sie einfach nicht glauben kann, was man sich vor noch gar nicht allzu langer Zeiiiit ♫ (Kenner hören hier die Biene Maya raus) ins Regal stellte, an die Wand hängte oder gar am Körper trug, was soll ich denn dann erst sagen? Wenn ich mal durch Berlin oder Hamburg laufe? Während ich hier förmlich überrollt werde vom farbenprächtigen Alltag der Vergangenheit rennen da draußen junge Hipster mit Glatze und Brausebart rum (ich fand dicke Bärte schon immer scheiße und werde das auch immer tun, aber das kann ja jeder machen wie er will), wer gesehen werden möchte trägt heute wieder einen Hut und was so in den Modegeschäften rumhängt ist auch schon alles mal da gewesen. Nicht viel Neues in der Welt. Ich habe das Gefühl, seit den 90ern wird nur noch kopiert.

In der Schatzkammer

Kasperletheater, das geht auch hier

Gucken Sie auf Flohmärkten auch manchmal in alte Fotoalben? Die lösen bei mir immer viele verschiedene Gedanken aus. Vordergründig frage ich mich natürlich, warum jemand sowas VERkauft, statt es in den Schrank zu stellen, ab und an mal rauszuholen und den Erben zu erzählen, wer das da auf den Bildern ist und war. Dann frage ich mich, wer sowas KAUFT :-) Okay, in den Alben meiner Kindheit stöbere ich selbst ab und an, vor ein paar Jahren habe ich ja bei der legendären Kasi Tourviele der Bilder über 30 Jahre später noch einmal nachgestellt… Großer Spaß. Aber völlig unbekannte Menschen? Aber auch wenn ich die muffigen Alben hier nicht käuflich erwerbe, machen sie mich nachdenklich. Ich beschließe, noch viel mehr meiner digitalen Bilder in Fotobücher zu packen und habe damit gestern schon weitergemacht. Allein der Werdegang meines viertelfinnischen Sandmädchens ist jährlich mindestens ein dickes volles Album wert, wer weiß was aus den Festplatten in 20 Jahren geworden ist? Und wenn ich noch weiter nachdenke, frage ich mich, wer alle diese Menschen wohl waren. Wie sie gelebt haben, wen sie geliebt haben und ob es ihnen gut ging?

In der Schatzkammer

Was war und was sein wird

Irgendwann hat irgend jemand diese Fotos gemacht, entwickeln lassen, liebevoll in ein Album eingeklebt und beschriftet. Gefrorene Momente eines Lebens. Die Bilder sind sicherlich oft angeschaut worden, zu vielen Anlässen, freudigen wie traurigen. Und nun liegt so ein Fotoband vergessen in einer Trödelscheune, zusammen mit vielen anderen, mit Stapeln von Fotos und alten Postkarten in einem Schrank in einer Ecke. Irgendwie traurig. Eines Tages gehe ich für immer, und später wird sich niemand mehr an einen erinnern. Dann bin ich einfach weg. Und die Fotos, die es von mir gibt landen im Müll oder in Trödelscheunen, weil niemand mehr einen direkten Bezug zu ihnen hat.
Ich glaube, ich hol mir noch mal ein Glas Wein…
Moment…

So. Prost.
Zurück vom Rudi beim Tanz und all seinen Freunden in die Schatzkammer, in der es neben vielen Erinnerungen auch echte Schätze gibt. Schauen Sie sich mal diesen wundervollen Fernseher an! Da wirft man doch sofort jeden Flachbildschirm weg, oder? Hm. Gegen Gebot. Ich trau mich nicht zu fragen.

In der Schatzkammer

Die Zukunft begann in den 70ern

Wir sind gleich einmal rum. Ich fühle mich wie ein kleines Kind im Wunderland, ich möchte alles anfassen und in diesen Erinnerungen baden! Und als ich so mitten in den 70ern stecke komme ich an einem mehrteiligen, bodentiefen Spiegel vorbei. Der Typ da drin trägt ein Hemd und ist definitiv kein Kind mehr. Der Bart ist grau, die Haare werden es auch immer schneller und die Falten im Gesicht werden langsam ganz schön tief. Nicht nur die Lachfalten um die Augen rum. Auf den Schultern des Typen da liegt die Verantwortung für drei wundervolle Töchter und ein Leben, was in den letzten Jahren nicht immer freundlich zu ihm war.
Das kann man alles nicht stemmen, wenn man ausschließlich in der Vergangenheit rumhängt und sich wie ein Kind fühlen will. 44jährige Kinder kriegen das Leben im Jahr 2015 nicht geregelt. Das Online-Leben voller Displays und Smart-Options. Das Leben, in dem Teenager andere Musik hören, im Sekundentakt checken, ob sie Nachrichten auf dem Handy haben und vollelektronische, teilweise fernsteuerbare Autos durch die Gegend fahren. Dann bleibt man irgendwann stehen und vergisst, nach vorn zu laufen. Danke Spiegel. Du hast mich ein bisschen wachgerüttelt.

In der Schatzkammer

Älter geworden ich bin

*plopp*
Na gut. Weitermachen :-) Aber ein bisschen Kind darf gegen Ende dieser kleinen Reise wohl ein letztes Mal noch sein. Ich stehe in der Nähe des Ausgangs vor einem großen Schrank, der bis obenhin voll ist mit Platten, Kassetten und anderem analogen Audiokram. Meine letzte Langspielplatte habe ich mir erst vor einem halben Jahr gekauft, The Iceberg Model von John Watts, weil es die als CD nicht gibt. Inzwischen strahlen ja tatsächlich wieder gut gefüllte LP Abteilungen in den Elektronikfachmärkten, und die Audiofreaks schwören sowieso seit den 80ern auf ihre nass-abspiel-Plattenspieler, den unfassbaren Sound der unfassbar teuren HiFi Komponenten und der Holzboxen in Altbauwohnungsdeckenhöhe. Und sie mögen Recht haben. Aber das ist mir alles viel zu wertvoll und zu teuer. Ich mag einfach das Medium „Langspielplatte“ gern. Zu Hause habe ich einen Sony Plattenspieler aus den 80ern, der noch immer an meinem Pioneer Verstärker aus den 90ern und meinen ITT Boxen aus den 70ern angeschlossen ist. Mehr Musik braucht kein Mensch In der Schatzkammer So, was haben wir denn nun hier?

Freie Auswahl

Freie Auswahl

Zwei Ecken weiter steht ein irgendwie liebenswerter Plattenspieler mit kleinen abnehmbaren Lautsprechern in der Nähe einer Steckdose. Geil! Mein Töchterchen verdreht ein ganz kleines bisschen ihre Augen, als ich gezielt nach einem Album der göttlichen Jenniffer Rush greife, den Plastikdeckel des kleinen Krawallmachers abnehme und die Platte auflege. Dreht sich. Schnarzt. Und Frau Rush singt.
Neuere Erkenntnisse: Nicht jeder Plattenspieler klingt gut, der hier klingt sogar echt scheiße. Aber er sieht toll aus. Weiter: nicht jedes Lied von Frau Rush scheint damals ein Hit gewesen zu sein, ich hatte sowas wie „Ring of Ice“ oder „Self Control“ im Kopf, als ich zum Tanzen ansetze und meiner chartsverseuchten Tochter ein gutes Stück 80er Mukke näherbringen will…. Aber nicht mal als ich die schwarze Scheibe verdutzt umdrehe kenne ich auch nur ein einziges Lied. Na gut. Letzte Erkenntnis: wenn ich damals Frau Rush hot fand, sollte ich dieses Bild im Kopf behalten. Ich sollte sie nicht googeln, um zu sehen wie sie heute aussieht. Nein, das sollte ich definitiv NICHT machen *gruuusel*.

In der Schatzkammer

Am besten gleich ausprobieren

Lebt wohl, ihr Jennifer Rushs, ihr Nenas und ihr Kim Wildes. Wir lassen euch jetzt mal in diesen glorreichen Hallen zurück zwischen Schränken und Teppichen. Eure Zeit ist gekommen, zumindest die für eure Tonträger. Ich habe noch ein paar Jährchen vor mir, und mein Akku ist jetzt wieder ein bisschen aufgeladen. Meine Beute: Eine Schreibmaschine aus den 50ern, ein Radio aus den 70ern und ein Plymouth Barracuda 1:18. Ab und an brauche ich das mal, um mich in den Alltag aus zwei Wohnsitzen, zwei Familien, Social Media Management und Artikelschreiberei zurückfallen lassen zu können. Ich falle weich. Aber mit so einem gut aufgeladenen Damals-Akku lächel ich einfach jeden Tag ein bisschen mehr :-)

Sandmann

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17 Aug 2015
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Dichtung und Wahrheit

Dichtung und Wahrheit

Immer wenn es regnet…

Immer wenn es regnet muss ich an dich denken
Oh nein. Nicht an A-N-N-A von hinten wie von vorn, die Max Herre einst besang. Sondern an die Rücklichter meines Audis. Das ist zugegeben weit entfernt von jeder Schlechtwetterromantik, aber wir sind hier ja nicht auf einer schwülstigen Datingseite :-) Glaube ich. Es regnet rein in den alten Dottore! Und zwar von hinten, nicht von vorn, und das nicht zu knapp. Sobald Petrus die Schleusen öffnet ergießt sich ein beachtliches Rinnsal irgendwie mindestens durch das rechte Rücklicht in den Kofferraum und macht aus der leeren Reserveradmulde ein Plantschbecken für mein Werkzeug. Oder noch Schlimmeres. Das muss aufhören.

Dichtung und Wahrheit

Ja doch, es ist echt ekelig

Eine Kleinigkeit, wie geschaffen für einen Samstag Vormittag, an dem es mal nicht regnet. Oder noch nicht, in diesem Sommer gibt es glaube ich keinen Tag, an dem es mal nicht geregnet hat.
Die Simplen Lampenträger in dem alten Audi 100 sind mit zwei Handgriffen aus den Rücklichtern rausgeklippst, die bunte Plastikverglasung selbst wird von sechs kleinen Muttern auf Unterlegscheiben an der Karosserie gehalten und mit einer Dichtwurst gegen das Metall abgedichtet. Soweit die Theorie. Links hatte ich irgendwann mal ein wenig frische Knetmasse nachgelegt, aber wenn ich schon mal dabei bin kann ich ja gleich beide Rückleuchten ausbauen und mal ordentlich sauber machen. Die geräumige Spüle in meiner Küche, ein bisschen heißes Wasser und ein guter Tropfen Palmolive (pflegt die Hände schon beim Spülen Dichtung und Wahrheit ) sind bereit, das ungewohnte Geschirr aufzunehmen.

blitze blank

blitze blank

Was für ein Modder! Das rechte Rücklicht wird nur noch fragmental von einer bröseligen Schaumstoffdichtung umrandet, wie man sie eigentlich zum Abdichten von Wärmetauschern oder Gebläsen benutzt. Huch? Im Laufe der Jahre war inzwischen so regelmäßig Wasser in das Rücklicht eingedrungen, dass sich im hellen Rückfahrscheinwerfer schon Algen gebildet hatten. Grüne, hartnäckige Algen. Während der Hella-Kunststoff heiß einweicht rücke ich mit dem rotierenden Dremel und ein paar Feinschleifern dem Lampenträger selbst auf die Pelle und fräse alle Kontakte zu den Glühlampen blank, säubere sie und sprühe sie mit schützendem Kontaktspray ein. Ein gutes Gefühl. Das sollte wieder für satten Gleichstrom in der signalgebenden Beleuchtung führen. Mit Hand- und Flaschenbürste schrubbe ich unter wilder Schaumbildung die Feuchtgewächse aus dem rot-orange-weißen Teil und befinde das Ergebnis als ansehnlich. Jetzt wieder frisch abdichten.

Dichtung und Wahrheit

der Dichter, der Dichter…

Karosseriedichtmasse gibt es heute nur noch in großen Kartuschen, da habe ich keinen Bock drauf. Ein bisschen kleiner (aber leider fast genau so teuer) war ein dauerelastisches Dichtband von Holts, anscheinend können die nicht nur Auspuffpaste sondern noch mehr :-) Das wickel ich ab und wurstel es sauber um das Rücklicht, einmal rum, zweimal rum, überall da wo es Kontakt mit dem Karosserieblech haben wird. Sowas geht super im Wohnzimmer, dazu ein Kaffee und ein bisschen Musik vom Plattenspieler. Als ich einigermaßen glücklich mit dem sauberen Ergebnis bin stapfe ich mit einem Liedchen auf den Lippen und einer Mineralwasserflasche runter zu meinem Auto, schraube die Leuchten schmatzend und fest wieder auf das gesäuberte Blech und teste das Ergebnis. Zunächst elektrisch. Der Gleichstrom verteilt sich urplötzlich so fröhlich ungehemmt ohne störende Ohm, dass nun vorn rechts aus dem Blinker ein siiiiiiii PAFF! ertönt. Die Lampe hat es zerlegt. Eigentlich glaube ich dank eines Staatsexamens in Physik nicht an einen Zusammenhang mit meiner Schleifaktion, aber diesem Auto traue ich alles zu. So. Jetzt zum Wasser. Beim Audi 100 C2 läuft das Regenwasser rund um die Kofferraumdichtung direkt auf den Rücklichtern ab, das simuliere ich jetzt mit einem leckeren Schluck Hella Medium :-)

Dichtung und Wahrheit

Wassereinbuch? Wenn ja, wo?

Zischschsch. Super. In den Kofferraum läuft jetzt noch mehr rein als vorher und frisst sich durch das in den 70ern nur unzureichend gegen Feuchtigkeit geschützte Metall! Wie viel Dichtmasse muss ein einzelner Mann den auf so ein einfaches Rücklicht stopfen, damit es nicht mehr reinregnet? Drei Kilo? Bizarr. Ich bau das Teil wieder aus, verstehe nun, warum man den Stoff nur och in Kartuschen bekommt  und wurste grummelnd noch eine weitere Lage Dichtband drüber. Ich motze und leide vor mich hin und drehe das Plastikgehäuse, nicht glauben könnend, dass durch die klebrige Dichtung so viel Wasser durchkommen kann! Dabei sehe ich, still und fast unbemerkt, den Riss oben im Plastik :roll: Ah. Es…. äh… es war gar nicht die Dichtung *flöt* Ich klebe ein bisschen Panzerband auf den Riss, baue das Rücklicht wieder ein, kippe erneut einen Schluck Hella drüber (natriumarm) und freue mich über Dichtigkeit. Na guck.

Dichtung und Wahrheit

das liebe gute Provisorium

Und die Moral von der Geschicht’?
Niemals (das geht an die Vorbesitzer) ein Kunststoffrücklicht mit den eingepressten Metallschrauben so fest anziehen, dass es bricht :-( Das reimt sich sogar. Denn ich will auch in Zukunft mit meinem viertelfinnischen Sandfräulein noch gemeinsam singen:
Es reeegnet es reeegnet die Eeeerde wird nass.
Wir sitzeeen im Auuuudi und weeeerden nicht naaass ♫
Und vielleicht beschlägt der Kahn dann auch nicht mehr so doll, ich wage gar nicht dran zu denken wo das Wasser überall reingesuppt ist. Über die Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, den Algen nach zu urteilen. Ich mach mich bei ebay mal auf die Suche nach Ersatz, oder ich verklebe das Plastik beizeiten mal anständig. So wie das momentan regnet habe ich da grad jetzt eben gerade keine Lust zu und bin ganz froh, dass erstmal nichts reinkleckert.

Auf viel Dichtes

Auf viel Dichtes

Heute parke ich trotzdem lieber unter der Brücke beim Verlag. Ich trau dem Frieden nicht, auch wenn man dem Gewebeband nachsagt, dass es sogar abgerissene Federbeine sicher wieder mit der Karosserie verbindet. Aber das ist eine andere Geschichte. Was vor dem baldigen Herbst dringend ebenfalls noch nötig ist: Die Rahmen der Frontscheibe und der Heckscheibe, die unter der Zierleiste ein wahres Biotop an Tannennadeln und Blättern beherbergen und rund um die Clips rosten wie ein Baumarkt-Schraubenschlüssel an der Nordsee (neue Clips sind schon bei Audi Tradition bestellt). Überhaupt, Zierleisten! Was sich da so unter denen entlang der Seitenscheiben tut würde jeden Moosforscher begeistern. Es wird nicht langweilig :-) Und fragen Sie mich nicht, warum an einem ordinären Montag Abend ein halbvolles Glas Weißwein unter dieser Brücke in Hamburg steht. Die Welt ist voller Absurditäten.

Sandmann

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Created Montag, 17. August 2015 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Audi 100 Typ 43 | C2 Rücklicht | Dichtung | undicht | Wassereinbruch Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
14 Aug 2015
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Als Kayleigh 30 wurde

Als Kayleigh 30 wurde

Großmutters fliegender Teppich

Dämmerig ist es. Und warm. Vor allem warm! Er ist bis hier hin einer der unspektakulärsten Montage meines Lebens gewesen, dieser Montag, aber er ist noch nicht ganz zu Ende. Hinter diesen Türen da sei eine Bühne, erzählen sie sich. Da stünden ein paar Stromgitarren und Trommeln, und so gegen acht singe dann auch jemand. Behaupten sie. Jetzt ist es kurz vor sieben, ich wollte vorher unbedingt noch einen ungesunden Burger auf der Reeperbahn futtern. Ich treff mich gleich mit Kayleigh zu ihrem 30. Geburtstag, nix Großes, nicht viele Gäste. Ein bisschen über damals quatschen, 1985, als die Welt noch übersichtlicher war. Damals, in Berlin. Der Gastgeber hat angedeutet, dass wir uns danach nie wieder sehen werden, Kayleigh und ich.
Dies ist eine Geschichte von singenden und weinenden Menschen in einem kleinen, warmen Raum. Und Tara.

Endlich mal hier.

Endlich mal hier.

Rock Café St Pauli. Nein, nicht HARDrock Café, einfach nur Rock Café. Wenn Sie auf den ersten Metern der Reeperbahn nicht direkt von ein paar nicht Magdalene heißenden Mädchen in deren kostenpflichtiges Appartement mitgeschnackt werden kommt gleich rechts eine kleine Straße, und da ist dieser Laden. Man erzählt sich, dass hier gute handgemachte Musik um die Ohren geblasen werde. Man erzählt sich sowieso so einiges, und als ich drin bin hole ich mir an der Bar erstmal ein großes Bier und suche den Ausgang des kleinen Raumes, um zur Halle und zur Bühne zu gelangen. Der Raum hat allerdings keinen Ausgang zur Halle. Der Raum ist die Halle. Neben mir liegt eine winzige, mit bunten Teppichen ausgelegte Bühne auf dem Boden. Gitarren, Bässe, Synthesizer und ein Schlagzeug stehen da drauf und sehen so aus, als ob gleich jemand darauf spielen will. Ach. Okay. Und während ich hier vor diesem Bühnchen noch so nachdenke, was ich eigentlich im Jahr 1985 gemacht habe ist der kleine Raum plötzlich randvoll mit Menschen, fast so wie damals auf der Loreley, es wird dunkel und ein Mann kommt auf die Bühne. Ein Schotte. Dann kann Kayleigh, mein Date, auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Als Kayleigh 30 wurde

It’s fucking hot in here

Der Schotte muss dem Wirt hier irgend einen Gefallen aus grauer Vorzeit schulden, vielleicht hat er hier damals bei einer dieser Stadiontouren mal gepennt? Er entschuldigt sich für seine unsexy kurzen Hosen, aber es sei einfach zu warm in diesem Raum. Er versucht es auf Deutsch, die Mutter seiner bezaubernden Tochter ist eine Deutsche. Die Leute in dem kleinen Raum hören ihm zu, sie lachen über seinen trockenen Wortwitz, sie schwitzen und sie holen sich kein Bier mehr, weil sie Angst haben, den Ausgangspunkt nie wieder zu erreichen. Der Schotte fragt uns deshalb, ob wir Wasser haben wollen. Ja, wollen wir. Er sucht alle kleinen Plastikflaschen auf der winzigen Bühne zusammen, nimmt sie von Verstärkern und Keyboards und reicht sie uns in die… nein, nicht in die Menge, sagen wir mal in den Raum :-) Ein ziemlich großer Kerl, wenn er so vor mir steht und Mineralwasser verteilt. Niemand grapscht nach ihm, niemand hält Schilder hoch, auf denen steht, dass man ein Kind von ihm möchte. Er hat ja auch schon eins. Als alle ihr Wasser haben plätten die Synthesizer einen weiteren Teppich in den Raum, einen aus Noten, aus Emotionen und aus Erinnerungen. Der Schotte beginnt zu singen und hüllt sich in einen Pseudo Silk Kimono aus Erinnerungen, die Jungs passen dabei auf, dass sie nicht über die Mikrofonständer oder ihre eigenen Füße stolpern. Safe…. in the sunshine. Safe….

Als Kayleigh 30 wurde

Ja, sie spielen es wirklich

Meine Dame betritt den Raum. Der Schotte hat mal gesagt, dass er sich heute gar nicht mehr so richtig erinnern kann, für wen er das Lied eigentlich mal geschrieben hatte, es sei nur eine Sammlung von Gefühlen über eine verlorene Liebe. Das betraf damals mehrere Frauen. Aber er ist ja auch schon Ende 50, ich bin noch ein paar Jahre jünger und kann mich ziemlich gut daran erinnern (… do you remember?), in wen ich beim ersten Hören dieser von Steve Rothery auf einer Fender Stratocaster gespielten Akkorde verliebt war. Wer mir das Herz brach, und wem ich es später selbst gebrochen habe. SO etwas vergisst man nie. Ist es zu spät, um jemanden um Vergebung zu bitten? Mein Date ist tatsächlich älter geworden, geboren in der kreativen Hochzeit des Progressive Rock guckt Kayleigh mich zwischen Radio-Remixes und heavy rotating Dance-Banalitäten im täglichen Radioprogramm ein bisschen verzweifelt an und hält mir einen brutalen Spiegel vor die Nase. I never meant to break your heart. But you broke mine.Verdammt, ich bin echt älter geworden. Warum hat mich nie jemand gewarnt?

Als Kayleigh 30 wurde

Menschen, denen warm ist.

Das gesamte spendierte Mineralwasser ist längst verdampft. Ich bin klitschnass. Neben mir stehen zwei Ladies, die sich an einen pyramidenähnlichen Mann mit kariertem Hemd und Oberlippenbart ranwanzen, der ihnen erzählt, dass er mit dem singenden Schotten da auf der Bühne privat gut befreundet sei. Er lebe in der Nähe von Durlach, und immer wenn der keinen Bock auf den Tourbus habe würde er mit ihm im Auto fahren. Ah. Die Ladies machen begeistert Selfies von sich und der schwitzenden Pyramide, die die komplette Setlist des Abends auswendig kennt. Ich kenne die auch, die liegt ja vor jedem der Musiker auf dem Boden rum, aber ich erzähle das niemandem, weil ich lieber zuhören möchte. Und ich läster mal nicht zu laut, der Typ hat irgend einen Pass um den Hals und sagt vermutlich sogar die Wahrheit Als Kayleigh 30 wurde Auf dem kleinen, mit Instrumenten vollgestellten Karree gibt derweil die Musikkapelle alles. Trommeln, Synthesizer, Gitarre, Bass und Gesang. Ich bin erstaunt, wie fett das klingen kann in einem Raum, der nicht größer als ein durchschnittlicher McDonald’s ist. Gedanklich zurück auf die Reeperbahn.
The sky was Bible black in Lyon, when I met the Magdalene.
She was paralyzed in a streetlight. She refused to give her name.
And a ring of violet bruises, they were pinned upon her arm.
Two hundred francs for sanctuary and she led me by the hand to a room of dancing shadows
where all the heartache disappears.
And from glowing tongues of candles I heard her whisper in my ear: ‚J’entend ton coeur‘

Als Kayleigh 30 wurde

I can hear your heart

Der Schotte singt, als wäre er komplett von den Worten übermannt. Ich bin es ebenfalls, 30 Jahre nach dem ersten Date mit der Geschichte rund um eine verkackte Kindheit, unglückliche Liebe und Verlassenwerden verstehe ich erstmals einzelne Textpassagen. Vielleicht war ich damals für diese Themen einfach noch zu jung. Ich kann sein Herz hören. Er erzählt uns, die wir kein Wasser mehr haben, dass wir jetzt in den nächsten 50 Minuten alle wieder mehr Haare hätten, ein bisschen wachsen würden und ein bisschen besser aussähen :-) Hihi. Dass wir alle JÜNGER würden. Ja verdammt, hier bin ich alter Retro-Sack genau richtig. Die anderen gefühlt nicht mehr als 150 Leute um mich herum sehen das genau so, und inzwischen werden Sehnsuchtspunkte für die vergeben, die damals die gleichen Lieder auf dem Loreley Konzert hörten. Der fröhliche Mann mit dem grauen Bart schräg vor mir nicht, seine Frau auch nicht, das Mädel neben mir dürfte definitiv zu jung dafür sein (und war auch nicht da), aber sie sagt mir dass die Pyramide damals auf der Loreley war. Klar. Das stand bei Mr.-ich-kenne-sie-alle quasi auf dem Hemd geschrieben, es beeindruckt mich jetzt allerdings nicht, der schwitzt zu doll. Was sich allerdings aus Effektgeräten und einer Stratocaster rausholen lässt demonstriert der Gitarrist in einem zweistimmigen Solo, während ich erneut über die Bedeutung einiger Textzeilen in Heart of Lothian nachdenke und erneut erstmals eine Ahnung bekomme, was er meint.

Als Kayleigh 30 wurde

Ich muss noch viel lernen

Kayleigh ist wieder nach Hause gegangen und hat anderen Gedanken Platz gemacht, ich bleibe noch. Mein Bier ist längst alle, aber auch ich habe wie alle anderen Angst, hier wieder wegzugehen und mir ein neues zu holen. Das ist eigentlich ganz okay hier direkt vor dem Schotten, der Sound ist gut, es fliegt nur relativ wenig Fremdschweiß in meine Richtung und vielleicht lerne ich noch ein paar Akkorde von Robin, der seine Finger direkt vor mir und neben mir episch über das Griffbrett fliegen lässt. Ich bleib mal. Der Trommler Gavin hat gerade seinen großen Moment bei Waterhole (Expresso Bongo), die Jungs shuffeln über die Bühne und eine Frau mit neubaugebietskompatibler Kurzhaarfrisur rechts vor mir blättert hektisch in den umständlich vom Plattencover abfotografierten Texten auf ihrem Smartphone, vermutlich um mitzusingen. Sie guckt die ganze Zeit mitwippend auf ihr Display, statt sich der Musik hinzugeben und dem Schotten zuzuhören.
A lifestyle with no simplicities
But I’m not asking for your sympathy
Talk, we never could talk, distanced by all that was between us
A lord of the backstage, a creature of language
I’m so far out and I’m too far in
I just wanted you to be the first one
I just wanted you to be the first one

Als Kayleigh 30 wurde

Ja, wir hören dem Mann zu

Ich stehe diesen fünf musizierenden Männern direkt gegenüber, bekomme fast die eine oder andere artikulierende Hand ins Gesicht geflatscht und erinnere mich, wie unmöglich es vor 30 Jahren gewesen wäre, ein Konzertticket mit dem Namen dieses Mannes drauf zu bezahlen oder auch nur eines zu bekommen. Der Schotte erzählt die gleiche Geschichte aus dem Blickwinkel der anderen Seite. Wie krass es ihm heute vorkommt, damals von der Bühne runter mit dem Finger nur auf ein paar Frauen zu zeigen und die dann einfach so mit hinter die Bühne zu nehmen. Lords of the Backstage. Das sei heute alles ein wenig reifer, entspannter. Stimmt. Er singt in einem Raum, der mit einer Handvoll Menschen gefüllt ist und in dem die Luft steht. Nicht, weil er muss. Die Loreley füllt er noch immer. Er macht das, weil er älter wird und den Trubel nicht mehr braucht. Da draußen verkaufe seine Tochter außerdem coole T-Shirts. AAAAAAAAAHHHH:roll: Was?? Tara ist da draußen und vertickt Shirts? Geil. Nach einem Date mit Kayleigh plane ich ein Date mit Tara. Und sei es nur, um ihr ein Kleidungsstück abzukaufen.
Ihr Vater driftet derweil oktavgewaltig in die Blind Curve, und wie immer, WARUM auch immer, kommen mir eine Menge Tränen. Das ist dann wohl so. Vielleicht komme ich eines Tages mal dahinter.

Blind Curve

Blind Curve

Progressive Rock und Konzeptalben. Dinosaurier in einer Zeit, in der Musik kurzlebig und omnipräsent geworden ist. Ein ganzes Album, was man aufklappen kann und wo die epischen Texte nachzulesen sind. Umso erstaunlicher, dass mir einige Passagen vorkommen, als würde ich sie zum ersten mal hören. Keine Pause zwischen den Liedern, sie erzählen eine zusammenhängende Geschichte und nehmen die Melodien immer wieder auf. Kayleigh, mein 30 Jahre alt gewordenes Date, kennen sie alle. Aber da ist noch mehr. Stressige 5/4 Rhythmen werden durch zweistimmige, bittersüß weinende Gitarrensoli aufgelöst. Musik hören, so wie ein Buch lesen. Nur zum Platte umdrehen musste eine Pause eingelegt werden :-) Der Schotte breitet seine Arme aus, während mir noch immer die Tränen herunterlaufen, aber in diesem humiden Menschendschungel fällt das niemandem auf, nass sind wir sowieso alle. Die Leute sind alle total durch, aber sie sehen glücklich aus. Ich weiß nicht, ob das an alten Erinnerungen liegt, an der guten Performance in diesem kleinen Lokal oder daran, dass sie alle tatsächlich ein bisschen jünger geworden sind, wie der Schotte auf der Bühne behauptet hat?

Als Kayleigh 30 wurde

Peter Gabriel bewegt sich wie Dave Gahan

Als die Frage nach Childhood’s End gestellt ist und die White Feather, ein wenig Optimismus verbreitend, durch den dampfenden Raum gleitet klatschen die Leute noch frenetisch, aber mehr als eine Zugabe bekommen sie nicht. Das hat die Pyramide natürlich auch schon gewusst, und begeistert machen noch ein paar weibliche Mitläufer Bilder von ihm. Der Raum leert sich. Ich stehe wieder fast allein vor der kleinen Bühne und muss ein bisschen sacken lassen, was ich gerade erlebt habe. Ich lasse die Augen wandern. Ich atme die verschwitzte Luft ein. Hören kann ich sowieso die nächsten zwei Tage nichts mehr.

Der Schotte auf der kleinen Bühne war Derek Dick, der Fish genannt wird, weil er in seiner ersten WG immer viel zu lange die gemeinsame Badewanne belegt hatte. Vor 30 Jahren war er der Frontmann von Marillion, die 1985 mit dem Konzeptalbum Misplaced Childhood einen Meilenstein der Musikgeschichte hingelegt hatten. Die Platte war der Soundtrack meiner Teenagerzeit, meiner ersten Liebe und meines ersten Kummers. Ich konnte die Platte gar nicht laut genug hören. Und heute habe ich sie zum zweiten, aber zum allerletzten Mal komplett live gehört. Fish verlässt die Bühne. Er möchte nach Deutschland kommen und Bücher schreiben. Der Schotte spielt diese letzte Misplaced Childhood Tour komplett vor ausverkauften Hallen, Säälen, Open Airs und eben auch in solchen kleinen Läden wie dem Rock Café auf Sankt Pauli. Er ist beiweitem kein gealterter One-Hit-Wonder Star, der heute auf Kinderfesten oder Baumarkteröffnungen spielt. Er ist ein älter gewordener Musiker, der das macht, was er am besten kann. Texten und singen. Mir kullern noch immer Tränen über die Wangen, ich weiß nicht was das eben mit mir gemacht hat, meinem Poeten der 80er in diesem winzigen Raum gegenüber zu stehen und ihm zuzuhören.

Als Kayleigh 30 wurde

Misplaced Childhood. Nur eine Zeile.

Draußen steht Tara und hat hinter sich ein paar Shirts hängen, auf denen ihr Papa oder das Motiv seiner aktuellen Solo CD zu sehen ist. Die „Farewell to Childhood“ Shirts gibt es online. Mit dröhnenden Ohren strahle ich das schöne junge Model ein bisschen albern an, freue mich irgendwie, sie mal live zu sehen und möchte glaube ich das olive Shirt mit Konterfei ihres Papas drauf haben. „Das gibt es leider nur noch in S und in XL, die fallen aber groß aus…“ sagt sie. „Ich nehm dann eins in L“ antworte ich und versuche, zu rekonstruieren, was sie gerade in meine dröhnenden Ohren gesagt hat. Sie lacht und erklärt es mir nochmal. Ah. Sorry, der Mann da drin hat eine Menge Krach gemacht. Also XL. Und als sie es hochhält freue ich mich, ein neues Viermann-Zeit zu besitzen. Tara. Eine wahrhaft kreative Frau, ein wirklich textgewaltiger Vater. Family Business. Auf ihre Frage, ob ich eine Tüte will antworte ich bejahend und lasse sie dann mit den anderen um sie rum und den vorhersehbaren Kalauern alleine.

Als Kayleigh 30 wurde

Tara und mein viel zu großes T-Shirt

Dunkel ist es. Und warm. Vor allem warm! Ich rauche ja eigentlich nicht, aber nach so einem Abend stecke ich mir doch mal einen Zigarillo an, setze mich auf den Kantstein vor den Club und bin ziemlich vielen Autos auf der Kopfsteinpflasterstraße im Weg. Hinter mir steht die Pyramide, umringt und laut gefeiert von diversen Damen. Wie kann man nur jemanden so abfeiern, nur weil der wiederum jemanden zu kennen scheint? Na ja, jeder wie er mag. Ich habe Melodien im Kopf, Textzeilen, Drumpassagen. Ich werde die noch tagelang mit mir herumtragen. Fish hat etwas in mir aufgebrochen und gleichzeitig in mir begraben. Beides war gut. Mit dem Wissen um alles, was ich in den letzten 30 Jahren erlebt habe hätte mich das Album 1985 vermutlich um den Verstand gebracht. Während dieses intimen Konzertes voller Gegensätze aus ikonischer Vergangenheit und einer Band mitten zwischen den tanzenden Leuten habe ich Frieden mit den Themen geschlossen. Verstehen Sie, was ich meine? Und jetzt geht es weiter in die Zukunft, denn da kommt bestimmt noch ne Menge.

Sandmann

 

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Created Freitag, 14. August 2015 Tags Absurdistan | Farewell to Childhood | Fish | hamburg | Misplaced Childhood | Rock Café | Sankt Pauli | Tara Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
03 Aug 2015
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Rock’n Roll Detective

Rock’n Roll Detective

Ja, es ist warm draußen

Man nennt mich Ford Fairlane, der Rock ‚n‘ Roll Detective. Ich komme in die schärfsten Clubs, in die schärfsten Garderoben und in die schärfsten Mädchen.
Schlimme 90er. Aber dazu später.
Die Sonne scheint unerträglich heiß auf die grauen Pisten des Rollfeldes, heiß auf meinen Kopf und heiß auf meine Kamera. Sie brennt außerdem auf einen Hangar, ein paar Flieger und erst recht auf zwei Autos, die sich hierher verirrt haben – wahrscheinlich wegen ihrer Heckflossen. Die Luft wabert träge, die Szene könnte auch in einem Roadmovie in Nordamerika spielen. Einem, den ich in den 90ern gesehen und damals ziemlich lustig gefunden habe. Aber wir sind in Deutschland, auf dem kleinen Flugplatz Höxter-Holzminden zwischen Hannover und Kassel, nicht weit von der A7. Ich treff‘ mich hier mit zwei Jungs, die jeder einen extrem coolen und superseltenen Männertraum fahren. Ja, einen feuchten. Ford Fairlane. So hieß dieser Film in den 90ern, und so nennt man diese pastosen Trutzburgen aus dem Paläozoikum der Automobilgeschichte.

Rock’n Roll Detective

Fast gleiche Brüder

Björn Dahlheimer und Ronny Kroeger steigen fast synchron aus ihren Autos aus und wirken ziemlich klein. Das liegt vor allem daran, dass die bunten, Chrom glänzenden Fahrzeuge neben den beiden Jungs sehr groß sind. Also, groß, im Sinne von wirklich groß. Der zitierte Rock’n Roll Detective fuhr sowas in wesentlich roter. Der Grüne mit Dach hier guckt patzig aus seinen irgendwie verspiegelten Doppelscheinwerfern und scheint sein blaues Pendant ohne Dach zu mustern – und andersherum. Freunde? Zumindest die beiden Fahrer sind es. Die Autos sind dagegen Brüder aus derselben Familie – da fetzt es schon mal. Ich blicke mal kurt zurück.

Rock’n Roll Detective

Spiegelbrillen sind heute out.

Die Ford Motor Company nannte in den automobilen Goldgräberzeiten zwischen 1954 und 1961 ihre top ausgestatteten Full-Size-Limousinen Fairlane und lösten damit die „Crestline“ ab. Falls Sie das mal bei Günther Jauch gefragt werden: Der Name war eine Anspielung auf Henry Fords Anwesen Fair Lane in Michigan. Der Hauptkonkurrent zum sehr erfolgreichen Chevrolet Bel Air (das ist dieser chromschwangere, heute unbezahlbare und ebenso feuchte Traum eines jeden Surfers zwischen San Francisco und San Diego) brachte eine Menge erschwinglichen Zeitgeist wie eine Panoramascheibe, Heckflossen und Zweifarbenlackierung auf die Straße. Besonders markantes Markenzeichen war der geschwungene „Fairlane-Streifen“ an den Seiten entlang der Gürtellinie, der wie diverse andere Details unüblicherweise komplett aus rostfreiem Edelstahl gefertigt war. Nix Chrom.

Rock’n Roll Detective

Nippes, der heute wunderschön aussieht

Der Fairlane wurde von Anfang an mit Reihensechsern sowie V8-Motoren angeboten, Hubraum zwischen 3,7 und 5,8 Litern. Damit bediente Ford so ziemlich jeden Kunden, und hatte er auch noch so merkwürdige Wünsche. Der ständige, fast jährliche Wechsel von Namen und Modellbezeichnungen war allerdings wie so oft jenseits des großen Teiches hirnverbiegend. Für die Geschichtsbücher: Ab 1957 wurde das eigentliche Spitzenmodell Fairlane deklassiert, die Top-Ausstattung hieß von nun an Fairlane 500. Das ging so bis 1959, dann wurde das bestausgestattete Fairlane-Modell zum Galaxie. Ab 1961 hießen dann auch die mittleren Ausstattungslinien Galaxie, und der Name Fairlane fand eine neue Verwendung in Fords Mittelklasse. Alles mitgeschrieben?

Rock’n Roll Detective

Er fletscht die Zähne

Wie auch immer das mit den Namensgebungen weiterging, wir wissen nicht, ob unsere beiden Protagonisten den Film mit dem coolen Detective gesehen haben auch nicht. Aber das ist auch egal. Björn Dahlheimer will genau dieses Modell von 1959 haben und kauft es 2012 nach kurzer Begutachtung bei einem Händler. Die 300 Kilometer bis nach Hause legen die beiden ohne Probleme auf eigener Achse zurück. Ein guter Start in eine aufregende Mensch-Maschine-Liebesbeziehung, möchte man meinen – wenn da nicht diese generelle Eifersucht alter Autos dem weiblichen Geschlecht gegenüber wäre. Man kennt das ja noch aus Stephen King‘s „Christine“… das war allerdings ein Plymouth Fury.

Rock’n Roll Detective

Björn rockt. Und sein Auto auch.

Denn während der allerersten Ausfahrt gemeinsam mit Björns Frau schien der Fairlane um Aufmerksamkeit zu buhlen und entfachte mit einem spektakulären Kabelbrand ein stattliches Feuer im Motorraum. Als wenn die Kiste nicht auch ohne Flammen schon genug Aufmerksamkeit erlangte. Drei komplette Löschzüge rückten mit LALÜÜÜ LALAAAAA an! Und auch gleich enttäuscht wieder ab, weil Björn den Brand inzwischen selbst unter Kontrolle gebracht hatte. Noch leicht benebelt fragte er sich ein paar Minuten später allerdings, welche Drogen die Amis wohl in die nun geschmolzene Ummantelung ihrer Kabel vergossen haben mögen – sah er doch einen weiteren, nicht qualmenden Fairlane. Noch seltener als sein eigener und mit sommerlich komplett versenktem Stahldach. Der Fahrer hielt an, stieg aus und fragte, ob er helfen könne…

Rock’n Roll Detective

Die Wanne ohne Dach

So lernen sich Ronny und Björn kennen. Ronny hat seinen Skyliner – hurra, endlich wieder ein anderer Name für eine andere Rock’n Roll Detective Karosserieform – schon 2010 bei einem Händler in Süddeutschland entdeckt. Eine junge Frau hatte das Heck des Vollcabrios mit ihrem Golf leicht deformiert, was zwar den Preis attraktiv machte, aber ein halbes Jahr Blecharbeiten nach sich zog. Bis hin zu den originalen, werksseitig montierten Plastikschonbezügen ist der Wagen unverbastelt und funktionstüchtig. 1957 kam diese Version als Schwestermodell des Stoffdach-Cabrios „Sunliner“ auf den Markt und bot nach dem Peugeot 402 Eclipse von 1937 als zweites Fahrzeug weltweit ein komplett elektrisch versenkbares Hardtop aus Stahl, geführt über ein Gestänge mit insgesamt zehn Relais, sieben Elektromotoren und elf Lagesensoren.

Rock’n Roll Detective

Wehe, wenn nicht alle Sensoren melden…

Was einem heute ständig in Kleinwagenform auf der Straße entgegenkommt und jedesmal aussieht wie ein Designtotalschaden war 1959 eine Revolution. Bei geschlossenem Verdeck kann im Kofferraum des Skyliner eine vierköpfige Familie mit Einbauküche und Badezimmer einziehen – ist das Hardtop versenkt, passen unter den riesigen Deckel gerade mal drei kleine Taschen, an die man aber dann nicht rankommt. Wer schön sein will, muss eben Opfer bringen. Nicht ohne Selbstironie erzählt Ronny kleine Anekdoten von der technischen Anfälligkeit der elektro-mechanischen Klappkonstruktion. Wenn nur ein Sensor ausfällt oder falsch meldet, bleibt das Dach aus Sicherheitsgründen in der momentanen Position stehen. Und wehe, wenn dann der Regen kommt.

Rock’n Roll Detective

die beiden machen sich breit.

An Regen ist hier und heute auf dem mitteldeutschen Hochplateau nicht zu denken. An Feuer zum Glück auch nicht mehr, Björn hat nach dem unschönen Erlebnis akribisch und zeitaufwändig den gesamten Kabelbaum seines Fairlane erneuert und Unmengen von Pfusch in der Elektrik beseitigt. Alle zusätzlich und nachlässig eingebauten Instrumente flogen raus, der Ford erhielt nach und nach seinen Originalzustand wieder. Offtopic. Lasst uns einen kurzen Ausflug zu dem Film machen, der geht mir jetzt echt nicht mehr aus dem Kopf! Da sitzt nämlich noch so ein cooler Typ am Steuer eines Fairlane:

Das ist Ford.

Das ist Ford.

Den Kultfilm Ford Fairlane Rock ‘n´ Roll Detective von 1990 sollte man – vielleicht mit ein wenig Alkohol – gesehen haben.

Rock’n Roll Detective

Kann man mögen – muss man aber nicht

Ist die blöd, Ford? – Ja. Hätten Sie Verwendung?
Der Protagonist hier am Steuer heißt eigentlich Andrew Dice Clay, im Film nennt man ihn aus welchem Grund auch immer Ford Fairlane. Er ist Privatdetektiv und soll ein strunzdämliches Groupie namens Zuzu Petals finden, um den Tod eines Rockstars aufzuklären. Sein Dienstwagen ist ein wunderschöner Fairlane der ersten Serie, der leider im Laufe des Films den Explosionstod stirbt. Überhaupt kommen so einige Menschen und Dinge in diesem Streifen ins Jenseits… Schauspieler wie Priscilla Presley, Wayne Newton oder Ed O‘Neill (das ist Al Bundy :-) ) konnten nicht verhindern, dass der Film 1991 fünf Goldene Himbeeren (das ist sozusagen der Anti-Oscar für schlimme Leistungen) verliehen bekam. Schlechtester Film, schlechtester Hauptdarsteller, schlechtestes Drehbuch, schlechtester Regisseur und schlechtester Nebendarsteller. Beeindruckend, oder? Aber es gab Menschen, die ihn damals liebten, ich gehörte dazu. Ich hab mir mit meinem Kumpel Wacki vor dem VHS Recorder fast die Milz rausgelacht. Er ist Kult – und für alle, die sich mal drauf einlassen wollen in der Reihe „Action Cult Uncut“ auf DVD erhältlich. So. Jetzt ist es raus :-) Und wenn ich ehrlich bin… ein bisschen Alkohol reicht heute nicht aus, um noch so wie damals lacken zu können.

Rock’n Roll Detective

Über den Wolken. Welche?

Zurück aufs Flugfeld. Die Freunde mit den 5-Meter und 5-Liter Schiffen fahren regelmäßig im Doppelpack zu Treffen, zur Eisdiele, auf ein Bier und einen Burger ins Diner oder einfach mal für ein paar Meilen über Land – und heute zu diesem Flugplatz. Dort lernen wir Marcus Laabs kennen, der selbst auch Oldtimerliebhaber ist und uns den Zugang zur Start- und Landebahn und den Hangars ermöglicht. Wir lernen außerdem Klaus Kiwitt kennen, der wiederum einer von denen aus der Luft ist und seine Piper Cup vor dem Flugplatzgebäude geparkt hat. Parken wir die Fairlanes doch daneben: Skyliner zusammen mit Sky-Climber, doppelter Saurier-Appeal neben schlankem Hochdecker mit der Lizenz zum tatsächlichen Fliegen.

Rock’n Roll Detective

Ein Vogel? Ein Flugzeug? Nein…

Die beiden Achtzylinder murmeln ihren treibenden Rock’n Roll über die immer heißer werdende Asphaltpiste und wirken besonders in der Heckansicht wie Düsenjäger mit gewaltigen Turbinenauslässen. Dabei sind das nur die großen runden Rücklichter…. Unzählige liebevolle Details erzählen von der Hingabe der damaligen Designer, sich von den anderen abzusetzen und trotzdem den Zeitgeist zu treffen. In die unverschämt fetten Bumper eingelassene Scheinwerfer, verkleidete Hinterräder und eher in die Breite denn in die Höhe ragende Heckflossen – diese Wagen sind ein bisschen anders als ihre Zeitgenossen.

Rock’n Roll Detective

Der Himmel ist die Grenze

Überhaupt sind diese Zwei-Tonnen-Stahlklötze aus einer Zeit, als Benzinverbrauch und Endgeschwindigkeit keine Bedeutung hatten, für den normalen deutschen Kleinwagenfahrer eigentlich nicht zu fassen. Der Wahlhebel für die Automatik am Lenkstock hat die Dimensionen eines Baseballschlägers, jeder einzelne Knopf am metallenen Dashboard wiegt mehr als eine volle Coladose und alles ist in Wagenfarbe getüncht, egal ob es die Armaturen, die Türverkleidungen, das riesenradgroße Lenkrad oder die Sitze sind. Vielleicht dezent abgehoben mit ein wenig Elfenbein oder Chrom. Selbst unter der Haube geht das Kunstwerk weiter, die Elektromechanik der Achtzylinder mit jeweils mehr als 5 Litern Hubraum ist einfach, überdimensioniert und irgendwie schön.

Rock’n Roll Detective

Da wird Benzin verbrannt

Im Hintergrund heben kleine Sportflugzeuge ab oder landen elegant und leichtfüßig. Die beiden Full-Size-Amis, die inzwischen ein wenig selbstironisch neben der Treibstoffpumpe für Flugzeuge vor sich hin brabbeln, mögen träge wirken – sie sind es aber nicht. Wenn der Fuß beherzt das Pedal drückt, marschiert das Metall so unbarmherzig voran wie ein wilder Stier in Richtung des roten Tuches. Geil. Wenn auch die Parkplatzsuche in der City nicht wirklich entspannt gestaltet werden kann, hier in den Ausläufern des Harzes ist noch eine Menge Platz zwischen den Häusern. Fast wie in Amerika.

Rock’n Roll Detective

Kombi? Braucht man nicht.

Björns Familie hat sich inzwischen mit dem Fairlane angefreundet – und der Fairlane auch mit ihr. Keine Eifersucht mehr. Solange keine Kabel brennen ist alles okay. Und Platz ist in dem Schiff ja reichlich. Ronny lässt sein Dach surrend zuklappen, keine Sensoren streiken, alles wird gut. Schwere Türen fallen in die Schlösser. Dann verschwinden die Jungs mit ihren Kisten soundgewaltig hinterm Horizont. Es klingt fast so, als würden sie Über den Wolken von Reinhard Mey auf eine irgendwie Rock’n Rollige Art intonieren…

Sandmann

Ford Fairlane 500 Ford Fairlane 500 Skyliner
Baujahr: 1959 1959
Motor: V8 V8
Hubraum: 5.800 ccm 5.400 ccm
Leistung: 221 kW (300 PS) bei 4.600/min 166 kW (225 PS) bei 4.400/min
Max. Drehmoment: 520 Nm bei 4.600/min 440 Nm bei 4.400/min
Getriebe: Dreigang-Automatik Dreigang-Automatik
Antrieb: Hinterräder Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5.290/1.950/1.420 mm 5.290/1.950/1.420 mm
Leergewicht: 2.090 kg 1.850 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 11,9 Sek 12.8 Sek
Top-Speed: 170 km/h 150 km/h
Neupreis 1959: 3.370,- US Dollar 3.346,- US Dollar

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Created Montag, 03. August 2015 Document type Video
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28 Jul 2015
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Das Schweigen der Zikaden

Das Schweigen der Zikaden

Der Tod und die Umleitung

Zuende ist zuende. Und warm ist warm ist warm. Wie halten Autos eigentlich Temperaturen über 40 Grad und direkte Sonneneinstrahlung aus? Auf Dauer vermutlich gar nicht. Bei normal sterblichen Menschen ist das so ähnlich, und die südfranzösische Hitze dürrt einem echt die Birne aus. Bevor wir zurück in den norddeutschen Juliherbst fliegen machen wir noch Abstecher nach Saint Tropez und Fréjus. Es sind Tage der Erkenntnis, Tage des Nachdenkens und Tage der Einsicht. Es sind Tage des Parkens. Wenn Sie mir noch folgen können ist das fein, wenn nicht gießen Sie sich ein Glas Wein ein und versuchen Sie es mit dem nächsten Absatz :-)

Also, mit warm meine ich echt WARM.

Das Schweigen der Zikaden

Das ist wirklich, wirklich warm

Der kleine beglasdachte Miet-Franzose müht sich redlich und pumpt Unmengen von R1234yF (oder was kippen die da jetzt rein?) durch den Kondensator, damit es im Innenraum zumindest einigermaßen erträglich ist. Das viertelfinnische Sandfräulein ist schon perfekt traumatisiert und bittet vor jeder noch so kurzen Autofahrt darum, Papa möge erst den Motor und die Kühlung anmachen, dann würde sie einsteigen :-) Papa kalt machen. Sterben davon die Bäume? Schmelzen die Polkappen ab? Egal – wenn ich eines Tages mit ihr eine Papa-Tochter-Tour im Granada unternehmen sollte muss ich ihr vorher ein wenig Verzicht beibringen.
Zwischen eiskalter Cola und lauwarmen Paninis kommen sie hier unten immer wieder, diese wundervollen französischen Momente. Hier stehen derbe verbeulte Autos, die in Deutschland seit Ewigkeiten nicht mehr im Straßenbild zu finden sind in engen Gassen vor schönen alten Türen in verrottetem Mauerwerk, hinter denen tatsächlich Menschen leben. Niemand ist draußen, nur wir, und die eine oder andere überstandene Kreislaufkapriole verdeutlicht auch, warum niemand draußen ist. Einsicht. Raus aus der Sonne, rein ins Auto.

einparkverbeulte Kunst

einparkverbeulte Kunst

Ein mal Saint Tropez MUSS einfach sein -> wenn ich am Mittelmeer bin. Sollten Sie jemals mit ein bisschen Zeit und viel Geld hier gewesen sein, werden Sie verstehen, warum das so ist. Wenn Sie hier noch nie waren, dann nehmen Sie ein bisschen Zeit und viel Geld mit. Dann verstehen Sie es post-bloggend. Man sagt, die Bardot lebt hier noch immer, irgendwann sehe ich sie mal beim Boule spielen auf dem Platz. Das kleine Fischerdörfchen hat trotz Glamour, Reichtum und Luxus immer noch seinen ganz besonderen Charme, und viel zu voll ist es hier eigentlich nur am Wochenende, zu Beginn der Ferien oder wenn auf dem großen Bouleplatz unter den Platanen Markt ist. Uhrenvergleich. Seit drei Tagen hat Frankreich Zentralferien, heute ist Samstag und jeden Samstag bauen die Franzosen ihren großen Markt auf dem Bouleplatz unter den Platanen auf. Klasse. Das sind gute Voraussetzungen, mal nach Saint Tropez zu fahren. Diesmal geht es aber wenigstens nicht über die doofe Autobahn, diesmal zieh-dröhnen wir entlang der Küste durch die vielen kleinen anderen Dörfchen, die ein Durchreisetourist niemals entdecken wird.

Das Schweigen der Zikaden

Straßenschilder, die JA ICH WILL rufen

Am äußersten Rand des Parkplatzes am Hafen finden wir eine einzige speisekammergroße, schattenlose Lücke, in die der C3 einigermaßen reinpasst. Nachdenken. So wie die Sonne gerade ballert gehe ich davon aus, Lenkrad, Armaturenbrett und Türdichtungen nachher vereint in einem klebrigen Brei wiederzufinden und googel vorsorglich schon mal, wie man einen Citroën mit komplett geschmolzener Inneneinrichtung a) trotzdem nach Hause bewegen kann und b) als Haftpflichtschaden anmeldet. Beides geht. Ich bin beruhigt.
Da nicht nur das Interieur direkt den Strahlen des wärmenden Sterns da oben ausgesetzt ist (sondern auch die Straßen und Fußwege), greife ich den Wunsch unserer zweieinhalbjährigen Diktatorin ohne Gegenargumente auf und trage die Dame durch das Städtchen. Ihre kleinen Füßchen wären sonst mehrfach im geschmolzenen Teer eingesunken, irgendwo hat auch erzieherische Konsequenz ihre Grenzen. Squisch. Ups.

Das Schweigen der Zikaden

stilvoll kontra die dicken Boote

Erkenntnis: Du musst keinen Ferrari oder Lamborghini fahren, um vor den millionenschweren Yachten an der Hafenpromenade einen auf dicke Hose zu machen. Das geht mit einem prilblumenbeklebten Fiat 500 viel besser Das Schweigen der Zikaden Die ganzen Russen, Engländer und Hawaiianer hier auf ihren Über-Booten und in den Hafenrestaurants sind mit handelsüblichen Luxusautos im Gegenwert von norddeutschen Einfamilienhäusern ohnehin nicht mehr zu beeindrucken. Die Kombination aus einem dieser Riesen-Luxus-Schiffe und einem Liegeplatz in Saint Tropez dürfte aus monetärer Sicht dem Exportvolumen von Griechenland entsprechen, irgendwie bin ich jedes Mal geplättet, WIE reich Menschen sein können. Ich bin gar nicht neidisch, wirklich nicht. Das ist mir alles viel zu viel Schotter und ich bin zufrieden mit dem Leben, das ich habe. Ich finde es einfach nur verrückt. Diesen Hafen stelle ich mir ein bisschen so wie die Freakshow auf einer Kirmes des frühen 20. Jahrhunderts vor. Du siehst Menschen und Dinge, die so anders sind als du, dass du einfach nur fasziniert bist. Glockentürmchen-Selfie: Jetzt.

Das Schweigen der Zikaden

Einmal mit Türmchen ist Pflicht

Außer Marseilles, Saint Tropez,Nizza und Cannes gibt es entlang der Französischen Riviera noch eine Menge mehr oder weniger unbekannte Örtchen. Einige sind furchtbar (bremsen Sie bloß niemals in Port Grimaud), andere überraschend heimelig. Wir versuchen es am letzten Tag noch einmal in Frèjus, der alten antiken Römerstadt. Ich meine, dass ich 1991 hier auch schon mal mit Nea und Silke und dem Taunus durchgefahren bin. Aber ich erkenne bisher nichts wieder, umso besser, da können wir uns mal auf neue Eindrücke einlassen. Habe ich erwähnt, dass es warm draußen ist? Trotz aller Befürchtungen schmolz der motorisierte Kompakt-Gallier in Saint Trop nicht weg, dann wird er das in den Abendstunden in Fréjus wohl auch nicht machen.

In den einigermaßen touristisch erschlossenen Örtchen hier in der Gegend haben die Franzosen ein interessantes Parkuhren-System entwickelt. Jede halbe Stunde kommen Studenten oder Ferienjobber daher und klemmen ein Flugblatt unter den Scheibenwischer. Wenn die Flics kontrollieren wollen, wie lange ein Auto hier schon steht zählen sie einfach die Flugblätter und bekommen einen minutengenauen Abriss der Parkzeit. Simpel und Cool.

Das Schweigen der Zikaden

So eine Art Parkscheibe

Ein weiteres Phänomen, das ich nie ganz ergründen werde:
Da sind zwei nette Restaurants an einem gemütlichen Platz bei der Kirche, ein Brunnen plätschert, Menschen rauchen, Kinder spielen. Wir entscheiden uns für das linke, denn da gibt es Pizza, auch wenn das rechte eigentlich ein bisschen netter aussieht. Da wären es dann Burger geworden, auch nicht schlecht. In beiden Etablissements essen draußen noch die Angestellten gemeinsam an einem Tisch, man bereitet sich also auf die Gäste dieses Abends vor und hat wohl gerade eben erst geöffnet. Und weil wir nun da links sitzen kommen immer mehr Menschen, gucken beide Restaurants an und setzen sich da hin, wo schon jemand (wir) sitzt. Nach 30 Minuten ist der linke Laden voll, rechts stehen sich die nun satten Angestellten die Beine in den Bauch. Auch als wir nach knapp zwei Stunden gehen ist nicht ein einziger Gast in dem rechten Lokal. Und unser Essen war echt ziemlich durchschnittlich. Das ist doch krass, oder nicht? Ich bekomme regelrecht ein bisschen Mitleid….. Erkenntnis: Wenn Sie die ersten Gäste vor zwei Restaurants sind, können Sie mit Ihrer Wahl dramatisch den Umsatz des Abends beeinflussen.

Und als ich darüber noch so sinniere geht an diesem Abend die Sonne nicht nur unter, sondern auch auf. Neben unserem C3 steht auf dem Parkplatz einer, den es nicht mehr gibt. Einer drei Nummern höher. Der letzte große Franzose, der Citroën C6, einer meiner absoluten Traumwagen….

Traum! Traum! Traum!

Traum! Traum! Traum!

Während das viertelfinnische Sandmädchen über das Display des Kassenautomaten wortgewandt mit ihrem Opa telefoniert schleiche ich um diese blechgewordene Schönheit herum und beschließe, eines Tages so ein Auto zu besitzen. Man bekommt sie jetzt schon für 5000 Euro, scheckheftgepflegt für 7000 Euro. Und als Diesel scheinen sie recht wirtschaftlich zu sein und sogar etwas zu taugen. Man bezeichnet den Fahrkomfort als gewöhnungsbedürftig, aber überirdisch. Ich behalte das mal im Hinterkopf, bitte erinnern Sie mich beizeiten mal daran, wenn ich wieder mal von Autos schwärmen sollte, die man nicht braucht.
Einsicht: Lassen Sie das Schicksal über Ihr Parkticket entscheiden, dann wird alles gut :-) Oder so. Als die kleine Diktatorin mit ihrem Telefonat fertig ist wundern sich die Eltern, dass der Kassenautomat für den tatsächlichen Parkzettel kein Geld haben will. Und das in Südfrankreich zur gerade begonnen Ferienzeit? Oh. Ah. Ab 18:00 Uhr parkt man in Fréjus gratis. Und nun schauen Sie mal wann wir durch die Schranke gefahren sind. 18:00 Uhr und 4 Sekunden :-) Cool? Cool.

Timing ist alles

Timing ist alles

Ja.
Ich war hier tatsächlich schon mal.
Also, nicht nur an der Côte d’Azur ganz allgemein, sondern auch in diesem alten Römerstädtchen. An diese steinernen Säulen kann ich mich erinnern, vor denen habe ich vor einem Vierteljahrhundert ein Foto gemacht, ich glaube das waren meine ersten antiken Mauern. Also hopse ich schnell raus und mach das Foto nochmal. Damals war es eine analoge Spiegelreflex, heute ist es ein gebrauchtes iPhone 5. Die Steine werden sich seit damals nicht nennenswert verändert haben, die stehen hier schon rund 2000 Jahre und stützten einst ein riesiges Viadukt zur Wasserversorgung. Nun sind sie schon etwas länger ein bisschen kaputt. Der Typ im Vordergrund allerdings ist sehr viel älter geworden. Das geht in letzter Zeit ganz schön schnell, und das Vierteljahrhundert seit damals ist mit einem Fingerschnipp verdampft. Aber so kaputt wie die Steine bin ich nicht :-) Und ein bisschen von der Verrücktheit von damals ist auch noch da, und vielleicht wird das ja eines Tages wieder mehr? Wir werden sehen.

Das Schweigen der Zikaden

Ein Selfie ohne Stick.

Verrückt genug jedenfalls, um das alte Fotoalbum aus der Devo-Kiste ganz oben in der Abseite in meinem Flur rauszusuchen. Nachdenken: Wann war das denn damals? Erkenntnis: in Fréjus habe ich besagtes Bild gar nicht im Beisein von Nea und Silke gemacht, sondern ein Jahr später mit Jan und Dietmar :-) Und leider genau aus der anderen Richtung. Und somit nicht mit einer analogen Spiegelreflex sondern mit einer RitschRatsch Billig-Kamera. Das dürften dann auf dieser Reise aber auch die einzigen kulturellen Minuten gewesen sein, ansonsten haben wir es eher am Strand oder auf dem Zeltplatz krachen lassen. Und hey – damals war ich ein echter Freeclimber. Und ja, die Steine sind tatsächlich noch die gleichen.

Das Schweigen der Zikaden

Und es war Sommer. Diu diu diu ♫

Ich vergleich mich mal lieber nicht mit römischen Steinen. Steine haben nämlich, soweit bekannt, keine Gefühle. Sie kennen keine Emotionen. Und wir durchstreifen gerade in Zeiten, die randvoll damit sind. Das beginnt schon mit dem verdammten letzten Tag, ich schrieb bereits in Dänemarkdarüber. Ich bin diesmal nicht ganz so traurig, denn dank der Vorsaison-Idee liegt der deutsche Sommer noch vor uns, und irgendwann ist da auch noch ein Wöchelchen Rügen drin. Diesmal kommt noch die „Mittlere“ mit, die „Große“ fängt ihre Ausbildung zur Fotografin an. Also alles halb so schlimm. Dachte ich mir. Dann habe ich die Wetterprognosen für Deutschland gesehen und kurz ernsthaft überlegt, auszuwandern.
Flughafen Nizza, der Ticketcode ist EINgegeben, das kleine Auto ist ABgegeben und das Gepäck zusammen mit der Hoffnung AUFgegeben. Noch einmal die nachmittäglichen 32 Grad auf der Haut spüren, noch einmal den leichten Wind in den Palmen hören. Als wir abheben bin ich tieftraurig. Da draußen scheint die Sonne.

Das Schweigen der Zikaden

Hallo Norddeutschland.

Epilog.
Ich sitze mit einer Pfeife im Mund auf einem Balkon in Hamburg Altona, während ein beständiger Nieselregen von einem grauen Julihimmel fällt. Man muss die Hand über die Pfeife halten, sonst geht sie vom Regen aus. Meine Haare und meine Kleidung sind klitschnass, 16 Grad hier draußen aber ich will will will eine Pfeife auf dem Balkon rauchen. Das muss im Juli doch möglich sein! Ist es ja auch. Nur eben ein bisschen anders :-( Und wissen Sie, was mir am meisten auffällt in diesen kurzen stillen Momenten, wenn die Vollidioten auf der Hauptstraße sich gerade mal kein Ampelrennen liefern? Die Zikaden. Ich höre keine Zikaden. Das fehlt mir wirklich, und ich beschließe hier und heute, ein wenig mehr den französischen Weg zu leben.

Sandmann

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Created Dienstag, 28. Juli 2015 Document type Video
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15 Jul 2015
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La vie est belle

La vie est belle

Mit 90 noch SLK fahren? Klar, warum nicht?

Wer liest denn schon meine Reiseberichte?
Na? Finger hoch?
Oh – laut google Analytics angeblich ziemlich viele :-) Aber sie bekommen die wenigsten Likes und die wenigsten Kommentare, wahrscheinlich weil es einfach dichter an einem dran ist, über ein buntes Auto zu lesen als über einen blauen Himmel mit schöner Landschaft. Und weil man seinen eigenen Senf besser dazugeben kann, wenn es um eine alte Karre geht als um Badehosen in Saint Tropez. Und wissen Sie was? Da ich hier in diesem Blog keinem Arbeitgeber oder Werbepartner Rechenschaft schuldig bin – kann ich gut damit leben. Und deshalb gebe ich in diesem Sommer hier mal ein paar andere Bilder zum Besten, schreibe keine zusammenhängende Geschichte über wundervolle Urlaubsorte und lobpreise auch keine subventionierten Mietwagen. Aber ich nehme Sie trotzdem mit nach Südfrankreich, zu alten und neueren Autos, zu inkompatiblen Ansichten und zu narzisstischen Selfies. Das haben Sie sich doch auch verdient, oder?

Na klar haben Sie das.

La vie est belle

Ja hallo erstmal.

Und glauben Sie mir, der Urlaub gemeinsam mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona und dem viertelfinnischen Sandmädchen in Südfrankreich beginnt klassisch, wenn gleich nach der Landung in Nizza das Gepäckband eskaliert. Direkt im Anschluss kann dann so gar nicht klassisch der schon komplett bezahlte Mietwagen nicht mitgenommen werden, weil die vorgelegte Kreditkarte für die zu hinterlegende Kaution nicht die gleiche ist wie die des vorher online eingetragenen Fahrers. Da ist es der verhaltenen Dame am Telefon beim Mietwagenvermittler FTI Touristik in München auch völlig egal, dass ich gerade zwischen drei großen Koffern und zwei Taschen mit einem Kleinkind auf dem Arm bei 35 Grad einem Französisch sprechenden Angestellten gegenüber stehe und die Schlange hinter mir immer länger wird. Den Wagen gibt’s nur gegen Kaution, aber nicht auf die Karte der körperlich und leibhaftig anwesenden Lebensgefährtin. Punkt. Man könne aber von München aus ein Storno einleiten, das würde dann 100 Euro Gebühr kosten und es stünde mir frei, vor Ort jederzeit einen anderen Wagen anmieten. Ich lege auf, nicht ohne vorher mit einigen klaren Worten meinen Unmut kundzutun.

La vie est belle

Finalement, was für eine schwere Geburt.

Franzosen mögen es gern, wenn Ausländer ihre Sprache sprechen. Wenn man auch noch laut und stilsicher französische Flüche in ein Telefon spricht laden die einen direkt auf einen Kaffee ein. Der Chef von enterprise Car Rental Nizza lächelt mich an und schlägt vor, statt des jetzt eigentlich fälligen Kaffees unbürokratisch eine zweite Fahrerin einzurichten und die Kaution für die Karre dann wie gewünscht auf diese Dame zu buchen. Ah. Allemannische Dickköpfigkeit in München gegen Gallisch-Cisalpine Unkompliziertheit in Nizza. Punkt für Gallien. Dankbar entfleucht mir ein „oui, merci„…
Ich habe so eine Ahnung, dass die schlechte Laune meines halbfinnischen Fräulein Altonas noch ein wenig anhalten wird, da die nicht ganz pannenfreie Buchung dieses Autos auf meiner Liste stand und wir nun zwei wertvolle Stunden Urlaub verloren haben. Also halte ich auf den wenigen Kilometern zum ersten Hotel in der Altstadt von Nice meine Klappe und sehe mich ein bisschen in diesem 3200 Kilometer alten Neuwagen um. Vorn ein C, dahinter eine 3. Vier Türen und Klimaanlage, keine Ahnung was für ein Motor vorn drin ist, er tankt Diesel. Der unemotionale Gebrauchsgegenstand fährt sich prima, man kann sogar den Wagenhimmel ein Stück nach hinten schieben und legt somit eine wirklich riesengroße, bis über die Köpfe reichende Windschutzscheibe frei. Der Horror jedes Glasbruchversicherers und unter südfrankreichs unfassbar blauem Himmel nicht zu empfehlen. Oder sind Sie schon mal mit einem Gewächshaus die Côte d’Azur entlang gefahren?

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Badefreuden wie in den 20ern

Côte d’Azur. Klingt das nicht auch auf Ihrer Zunge nach warmem blauen Wasser, schönen Stränden und in den 60ern hängengebliebenem Glamour? Ich verehre und bereise diesen Küstenabschnitt zwischen Saintes Maries de la Mer im Westen und Monte Carlo im Osten seit 1991, und ich werde nicht müde, es zu tun. Der dritte amerikanische Präsident sagte schon: „Jeder Mensch von Kultur hat zwei Vaterländer: das seine – und Frankreich.“ Wenn Sie sich die Zeit nehmen möchten, irgendwann habe ich angefangen, die Reisen in mein zweites Vaterland zu dokumentieren:

  • 2007 Mit dem Audi V8 im Maiin Südfrankreich, noch in einem völlig anderen Leben.
  • Ein Jahr später dann erstmals als Blogger offiziell in Monaco.
  • Im August 2008 noch einmal mit dem Audi V8, episch.
  • 2011 trägt der Audi V8 meine beiden großen Töchter und mich als letzte große Reise zu unserer ersten Familien-Sausean die azure Küste. Auch danach gab es, wie nach dem Trip 2008, einen krassen Umbruch in meinem Leben. Aber das sind andere Geschichten, da kann Südfrankreich nichts für.
  • 2012 wollten die beiden Damen dann gleich nochmal mit Papa da runter, dieses Mal im Passat Rudolf Diesel.Das ist meine „Unvollendete“. Auch in jenem Sommer ging privat hinter den Kulissen mehr ab als ich niederschreiben konnte, aber das hole ich irgendwann mal nach. Die Bilder liegen noch auf der Festplatte.
  • Und vor dem nächsten umwälzenden Lebenseinschnitt ist das Dreamteam 2014 zuletzt mit dem dicken Daimler runtergefahren. Tataaaaa ♫ Also wenn Sie sich jetzt noch nicht auf Ihren nächsten Urlaub freuen kann ich Ihnen auch nicht helfen La vie est belle

Äh… wo war ich gleich? Ach ja, blaues Wasser.

La vie est belle

Schirmchen. Ohne Cocktail.

Die Intensität der Farben an der französischen Mittelmeerküste ist einzigartig. Wenn man nicht völlig emotionslos geboren wurde muss man sich regelmäßig ein Ventil suchen, um nicht vor Reizüberflutung zu platzen. Das Begleichen von kleinen Rechnungen im Urlaubsalltag eignet sich hier ganz gut zum Druck ablassen, am Strand von Nizza gehen für einen Burger, ein paar Pommes, eine Flasche Wasser, eine Coke und ein Eis gern mal 50 Euro über den Tresen. Die Preise hier sind der helle Wahnsinn. Der deutsche Stadtphilosoph Elmar Kupke hat einst vermutet, dass die Franzosen damit der Verschmutzung des Mittelmeeres Einhalt gebieten wollen. Jedenfalls ist das einer der Gründe, warum wie drei nur eine Nacht in einem netten kleinen Belle Époque Hotel in der Altstadt bleiben und morgen weiter zu einem Appartement in der Nähe von Hyères fahren. Andernfalls wäre die Reisekasse nach vier Tagen leer, und das reicht nicht ganz für die angestrebte Bräune :-) Ein Tag in Nizza. Kinder Kinder was habe ich mich auf diesen Moment gefreut… Es duftet nach Sonnenmilch und teurem Parfum auf heißer Haut. Nach Blumen auf dem Markt, nach dem frischen Wasser in den Brunnen und nach Kaffee. Ein ganz warmer Wind lässt die Palmwedel auf der Promenade des Anglais leicht hin und her wiegen, während vom Wasser fröhliches Juchzen und Platschen zu vernehmen ist. In Nizza backt man die Haut auf Stein. Sandstrände sind eher selten in Südfrankreich, hier im westlichen Teil fehlen sie fast ganz. Das macht aber nichts, heute Morgen waren wir noch im 14 Grad kalten Hamburg, jetzt genügen schon die Sonne und die Wärme für ein Glücksgefühl, baden und am Wasser rumhängen können wir die Tage noch immer.

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Vom Blumenmarkt zur Promenade

Während ich in den frühen 90ern noch Delial mit Lichtschutzfaktor 6 in meine faltenfreie Haut rieb, ist im Jahr 2015 zumindest auf der Kleinkindoberfläche Sonnenmilch angesagt, mit der man damals nicht mal Tapeten an die Wand geklebt hätte. Lichtschutzfaktor 50. Und wenn Sie glauben, dass man damit nach zwei Wochen noch immer wie ein kalkleistiger Engländer aussieht kennen Sie die Sonne der Côte d’Azur nicht. Ich bin gespannt, was sich meine Enkelkinder eines Tages auf die Pelle kleistern, während sie über Faktor 50 lachen. Oder ob sie überhaupt noch in die Sonne gehen? Oder ob es vielleicht irgendwelche Smart Wearables gibt, die sich automatisch nachdunkeln und Sonnenmilch überflüssig machen? Nee, das wäre doof, dann fehlte ja einer dieser guten Gerüche in Nizza. Waren Sie eigentlich mal hier? Aus den Bildern der Reiseführer kennt man immer nur das Hotel Negresco und den Küstenschnellweg mit seiner Palmenallee, doch dahinter ist noch eine liebliche Altstadt mit engen Gassen und vielen kleinen Geschäften. In zweiter Reihe steht da dieses feine kleine Hotelchen, in das wir am Abend mit plattgelaufenen Füßen zurück kommen. Die weichen Wände sind mit dünnem Stoff bespannt, auf dem sich Rosen ranken. In so einem Zimmer mit Blick auf den grünen Innenhof schmeckt das erste Glas kalter Rosé gleich doppelt so gut.

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Ein wahres Fest für die Augen

Nach diesem etwas unglücklichen Start (genau genommen war es nach einer unglücklichen Landung) stimmt der erste Urlaubsabend versöhnlich. Es ist wieder dieser Moment, wo mir klar wird, dass ich diese vielen schönen Tage alle noch vor mir habe. Abends um 22:00 Uhr sind noch immer trockene 30 Grad, und die Wetter-App orakelt ausschließlich Sonnenschein in den kommenden Tagen :-) Wundervoll. „Aufregend war der erste Abend in Frankreich. Es ist mir nicht möglich, mich auch nur der Hälfte der Stätten zu entsinnen, denen wir einen Besuch abstatteten, ebenso wenig dessen, was wir im Detail erblickten; wir verspürten gar kein Verlangen, ein Ding ausführlich zu inspizieren – wir trachteten lediglich danach, uns zunächst einmal umzuschauen und umherzugehen – uns zu bewegen, in Bewegung zu bleiben! Der Geist des Landes war auf uns niedergekommen„. Sagte mal Mark Twain. Später an diesem Abend schlafen wir drei im riesigen Bett nebeneinander, aber mit finnischem Abstand zueinander und träumen jeder unsere eigenen Träume. Das halbfinnische Fräulein Altona träumt von einem Typen mit dem perfekten Plan, der nicht ständig Sachen verpeilt. Das viertelfinnische Sandmädchen träumt von einer großen Wasserpfütze, durch die sie durchtappsen kann und in der NICHT urplötzlich ganz viele nasse Fontänen hochzischen und sie erschrecken. Und ich… hm. Fragen Sie lieber nicht.

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Fragen Sie nicht.

Au revoir Nizza. Du bist super, aber du bist echt teuer.
Drei große Koffer und zwei Taschen sind mit ihren Besitzern unterwegs nach Hyères, einem Städtchen irgendwo zwischen Marseilles und Saint Tropez. Vor rund 25 Jahren bin ich diese Strecke in einem riesigen zweitürigen Granada Coupé fern der gebührenpflichtigen Autobahnen direkt an der Küste entlang gefahren, die großen Fenster runtergekurbelt, die Ausstellfenster gekippt und die Lüftung auf volle Pulle, damit der Schweiß auf der Haut wenigstens für ein bisschen Verdunstungskälte im Luftstrom sorgt. Heute fahre ich die Strecke in einem winzigen viertürigen aber voll klimatisierten Citroën, über die gebührenpflichtigen Autobahnen, weil es schneller geht. Und ich sage mir immer wieder, dass der Komfort und die Bequemlichkeit nicht dem Alter, sondern der Anwesenheit eines kleinen Mädchens auf dem Kindersitz geschuldet sind. Um das zu untermalen muss ich wohl hier eines Tages nochmal mit eben jenem Granada auftauchen. Es ist zwar alles nicht mehr so teenage-lustig wie damals, aber nun, ich bin auch keine 21 mehr und – immerhin ist Hyères Neuland für mich. Da war ich noch nie.

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Gullideckel können auch schön sein

Um diese Stadt zu verstehen muss man sich nur einmal ihre Gullideckel ansehen. Der Rest ist ebenso schön. Ich glaube, wenn ich mal in Südfrankreich leben möchte dann wird das in der Nähe von Hyères sein :-) Ein wenig außerhalb des Städtchens, gleich hinter dem Kreisverkehr bei der kleinen Bäckerei links rein steht ein herrschaftliches, altes Haus von Achtzehnhundertirgendwas. Nur sechs Appartements, ein wunderschöner wilder Garten und ein Pool hinter den Pinien. Unsere Bleibe für die kommende Woche. Ein wahres Meer von Singzikaden schnarzt wundervoll ihr Lied in den Bäumen, sie beginnen morgens gegen 8:00 Uhr und werden erst am Abend gegen 21:00 Uhr müde. Der natürliche Lärm ist so permanent präsent, dass er nach einiger Zeit gar nicht mehr auffällt. Herrjeh ist das SCHÖN hier! Der Patron selbst ist schon 90 und kommt in seinem verstaubten SLK um die Ecke gefahren, sein fast genau so alter Hund sitzt auf dem Beifahrersitz, hüpft raus und begrüßt uns fröhlich. Allein über diesen kleinen, weisen Mann müsste ein ganzes Buch geschrieben werden. Auch die Tochter des Chefs (ein ganzes Stück älter als ich), der Gärtner und sein Sohn stehen bereit, um die Anreisenden zu begrüßen. Klasse. Jenseits der gepflasterten Pfade erkennt man noch den ursprünglichen Charakter des Anwesens, vielleicht wurde hier mal Gemüse angebaut. Oder Wein?

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Landwirtschaft für Fortgeschrittene

Der Blick aus den Fenstern geht auf der Rückseite des Gebäudes über eine hohe Bergkette, nach vorn raus in den Garten bis zum Pool. Der Familienbetrieb hat das Grundstück erst vor drei Jahren gekauft, und nachdem das Haupthaus renoviert und der Pool gebaut wurde ist nun Stück für Stück der Garten dran. Alles wird urbar gemacht, und alles geschieht mit der typischen südfranzösischen Langsamkeit. Andere Arbeitsweisen sind bei den Mittagstemperaturen hier auch nicht möglich, und man erzählt uns, dass in den kommenden Tagen diverse Wärmerekorde gebrochen werden sollen. Oha. Na das kann ja heiter werden. Aber nun wird es erst einmal Abend. Der W-LAN Key ist eingegeben, auf dem Balkon unter uns klampft ein Geschäftsmann aus Aachen auf seiner Gitarre und die Jungs machen sich wieder an ihre Arbeit. Sie wollen einen Stein, der so groß ist wie eine Badewanne, mit dem klapperigen Renault aus dem Beet ziehen. Ich glaube, ich stopfe mir nachher noch ein leckeres Pfeifchen und übe mich beobachtend in französischer Gelassenheit. Leicht wird das nicht, denn mein kleines strahlendes Entdecker-Töchterchen ist in einem Alter, wo sie eine unfassbare Energie entwickelt. Besonders in nicht enden wollenden Suchen nach der kompletten Aufmerksamkeit und dem gezielten Einsatz der Wörter „nein“ und „doch„. Egal, alles ist besser als mit einem Renault einen riesigen Stein auszugraben.

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Alle packen mit an, das Auto auch.

Vorsaison.
Lassen Sie dieses Wort auf sich wirken und holen Sie es aus Ihrer Erinnerung, wenn Sie jemals eine Reise nach Frankreich planen. Vor – sai – son. Man bekommt überall Parkplätze, die Strände sind regelrecht vereinsamt und Übernachtungsmöglichkeiten zeigen sich noch einigermaßen bezahlbar. Frankreich hat anders als Deutschland eine zentralistisch orientierte Regierung, auch wenn es „schwer ist, ein Volk zu regieren, das 246 Sorten Käse hat„, wie Charles de Gaulle mal zugab. Ab dem 01. Juli hat der Zentralismus hier Zentralferien. Das bedeutet, alle (in Worten: ALLE) Franzosen bekommen gleichzeitig für zwei Monate Schulferien oder nehmen sich parallel Urlaub. In diesem Moment verdoppeln sich die Preise für Unterkünfte, verdreifachen sich die Preise in den Supermärkten der Touristengebiete und verzigfacht sich die Personendichte, weil alle ans Wasser wollen. Vorsaison ist jetzt, kurz vor der Wende zum Juli. Wir werden uns dessen gewahr, als wir am nächsten Tag auf die Spitze der kleinen Halbinsel südlich von Hyères fahren (das französische Wort dafür ist „presque isle“ – :-) fast Insel). Hier ist ein Hot Spot für Kiter und Surfer. Der kostenlose Parkplatz direkt am Wasser ist völlig leer. In nicht mal einer Woche werden sich hier Autos in der Sonne stapeln, Pizzabuden stehen und ein Kiosk überteuerte Getränke verkaufen. Aber erst in einer Woche.

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Wo kann man hier denn parken?

Von hier aus fährt ein Schiffchen rüber auf die Insel Porquerolles, angeblich gibt es dort Sandstrand. Gut auf den Tag vorbereitet sind wir jedenfalls. Ich hätte nie gedacht dass mich Wärme mal so packen würde. Es ist schon am frühen Morgen echt heiß, und in der Nacht kühlt es nicht sonderlich ab. Aber wenn ich die Klimaanlage laufen lasse frieren meine Füße, die gucken immer unter der Decke raus. Ein Dilemma. Die knusprigen, frischen Baguettes und die Pains Chocolats von dem kleinen Bäcker, die ich heute Morgen schon mit dem C3 geholt habe machen glücklich und lassen die Temperaturwallungen in den Hintergrund treten. Warum bekommen es eigentlich nur die Franzosen hin, so wahnsinnig gute komplett nährstofflose Weizenbrote zu backen, dass man gar nix anderes dazu essen möchte? Warum ist dieser pappige, zwischen den Zähnen knirschende Meterbrot-Mist in deutschen Backshops und ähnlichen Billig-Katastrophen so schlecht? Die Zutaten können doch nicht so wahnsinnig variieren, Weizenmehl, Wasser, Salz, fertig. Ich glaube in meinem nächsten Leben mache ich eine echt französische Bäckerei in Hamburg auf. Das könnte eine Goldgrube sein.
Goldgruben sind auch die kleinen Restaurants auf Porquerolles. Die Buchung eines Appartements hat zwar den gewissen Preisvorteil gegenüber einem Hotel, das Problem ist nur, dass ja trotzdem Nahrungsaufnahme stattfinden muss. Und wenn man zu faul zum Kochen ist hat man wieder das Nizza-Strandsnack-Problem. Aber ich glaube, ich finde mich einfach mal damit ab, dass ich hier mehr Geld für Essen und Trinken ausgebe als geplant. Und dann geht das schon irgendwie.

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Das Leben ist schön

Mama und Papa sind mit uns früher im Sommer oft nach Cuxhaven gefahren. In die Ferienwohnung Mendikowski. Oder so. Das Wasser war salzig, der Sand war weich und warm und der kleine Jensi hat sich zwei Wochen lang glücklich bis zum Erdmittelpunkt gebuddelt. Fahrtzeit von Uelzen: Zwei Stunden. Am etwas steinigen Strand von Porquerolles sitzend stelle ich die leicht ketzerische Frage, ob wir drei dort nicht für ein Fünftel der hier insgesamt anfallenden Kosten einen ähnlichen Urlaubseffekt gehabt hätten?
Nein, hätten wir nicht.
Cuxhavens Kleingarten-Charme zieht heute vor allem Rentner und Menschen an, die denken, sie hätten dort einen ähnlichen Urlaubseffekt wie an der fünfmal so teuren Côte d’Azur. Dort singen aber keine Zikaden. Dort sprechen die Menschen nicht Französisch. Dort duftet es nicht nach all diesen südlichen Düften, nach Pinien und nach Oleander. Dort gibt es nicht diese sagenhafte Vielfalt beim Einkaufen in den Supermärkten, diese göttlichen Baguettes und all diese gut aussehenden, entspannten Menschen. In Cuxhaven gibt es Labskaus und dialektreichen Zickenalarm von Hermann und Ilse aus Gelsenkirchen in der Strandburg nebenan. Ich bin froh und stolz, dass der Horizont meiner drei Töchter schon früh mindestens auf Europa erweitert wird. Deutschland hat wunderschöne Ecken überall, aber die Welt da draußen ist so groß und so schön und so anders! Und ich hör jetzt echt mal auf, über Geld zu jammern.

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Fast ein kleines Paradies

Eincremen. Die beiden Frauen mit 50, ich mit 19. Ich weigere mich, Sonnenmilch mit dem Lichtschutzfaktor eines Castorbehälters zu benutzen. Wenn ich im Alter Hautkrebs bekomme werde ich das bereuen, vielleicht bereue ich das schon in rund vier Tagen zum ersten Mal, aber das ist eine andere Geschichte. Junge Pärchenurlauber verbuchen als Highlights des Tages sowas wie „wir haben Sting in einem Open Air direkt am Wasser gesehen und waren danach romantisch essen„. Unsere Tageshighlights sind: „unsere Tochter ist zum ersten Mal alleine mutig ins Wasser gegangen und schläft zufrieden in ihrem eigenen Bett„. Und wissen Sie was? Ich bin überglücklich, dass es genau so ist wie es ist. Ich möchte es gar nicht anders haben. Die Tage sind lang, sie sind anstrengend aber sie erfüllen mich mit einer grenzenlosen Liebe. Ich bin in Südfrankreich. Wenn jetzt noch meine beiden großen Töchter mit hier wären würde ich vor Freude auf die Knie gehen. Das lasse ich jetzt, aber unter meinen Füßen im Wasser ist endlich dieser weiche Sand, den es auch in Cuxhaven gibt. Ha.

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Strandmanns Welt

Angekommen im Sommerurlaub. Zwei Wochen ohne berufliches Facebook und ohne noch ungeschriebene Artikel über große alte Autos. Ich gebe zu, dass diese Jobs nicht zu den schlechtesten gehören, aber es entspannt trotzdem sehr, einfach mal so lange zu schlafen, bis ich von alleine aufwache. Oder von den Zikaden. Oder vom Töchterchen, die feststellt, dass es schon hell ist. Alles ist besser als ein klingelnder Wecker, der einen in den Alltag drängt. Keine Termine, keine To Do Liste, einfach nur da sein und mit meinen beiden Frauen entspannen, chillen, rumalbern und schöne Sachen machen und sehen. Savoir vivre. Da ist es auch gar nicht schlimm, dass in Cuxhaven parallel gerade ähnliche Temperaturen sind wie in Südfrankreich. Aber da gibt es keine Singzikaden. Wenn Sie die noch niemals gehört haben, dann wissen Sie nicht, wie der Süden klingt. Ich lese gerade, dass es vor allem die Männchen zu sein scheinen, die diesen Lärm veranstalten. Der griechische Dichter Xenarchos sagte vor 2400 Jahren: „Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber:-) Gniiihihi. Und glauben Sie mir – in Cuxhaven wäre ihm so ein Satz nicht gekommen. Ein paar Tage haben wir hier noch, mal sehen was da noch so geht…

Sandmann

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Created Mittwoch, 15. Juli 2015 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
06 Jul 2015
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Die alte Frau und das Meer

Am Rand der Küste

Am Rand der Küste

Vielleicht ist die alte Frau gar nicht einsam.
Na ja, sie schlurft so seltsam um einen freien Tisch rum, als ich mich umdrehe und mit kalter Cola und einem Panini vom Kiosk zu unserem schattigen Plätzchen zurück gehe. Ein paar Plastikstühle unter Platanen und Palmen, der wahrscheinlich einzige grüne Rasen an der gesamten Côte d’Azur, ein bisschen Schatten für das kleine viertelfinnische Sandmädchen und ein wundervoller Blick über das Wasser. Die furchtbaren Hotelburgen kann die Frau von hier aus nicht sehen. Die waren früher auch noch nicht da. Auch nicht die Russen und Engländer. Irgendwie unbeholfen setzt sie sich auf einen der wackeligen Stühle und guckt verwirrt in die Ferne, fast schon pathetisch, aber für echten Pathos ist ihr Blick zu leer.

Während ich den herrlich ungesunden teuren Kram vor meinen beiden Damen ausbreite und wir uns auf salziges Essen und süßes Trinken stürzen knackt sie sich ein einziges Kronenbourg. Sie gießt das Bier schäumend in das Glas und guckt weiter auf das Mittelmeer, als wäre genau hier der Platz, an dem sie vor langer Zeit etwas sehr wertvolles verloren hätte.

Die alte Frau und das Meer

Nicht mehr ihr Mittelmeer

Buntes, pauschaltouristisches Treiben am frühen Nachmittag an einem der heißesten Tage des Jahres. Die alte Frau fällt in ihrem Kleid und mit den schön lackierten Fußnägeln in den Sandalen zwischen all den Menschen hier gar nicht auf. Sie nippt zwei, dreimal an dem Bier aus dem Kiosk hinter uns und packt ein selbst mitgebrachtes Sandwich aus. Weißer Toast und roher Schinken. Sie lacht kurz und laut über etwas, was nur sie ganz allein hört und guckt zu der neuen Generation junger Franzosen rüber. Teenager mit Arschgeweihen, die laut und respektlos sind und überall einen riesen Saustall hinterlassen. Nein, es ist nicht mehr die Belle Époque, nicht mehr die wilden, stilvollen 20er, keine Sommerfrische und auch keine swinging Sixties. Wann auch immer sie gelebt haben mag, diese Zeit ist vorbei. Trotzdem sitzt sie heute hier, mit einem selbst gekauften Bier. Und sie blickt immerhin auf die mondäne Côte d’Azur, so als wäre alles noch immer wie damals, als sie mitten im Leben stand.

Die alte Frau und das Meer

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Die alte Frau holt ein antikes Handy aus ihrer Tasche und wählt umständlich über mehrere Minuten eine kurze Telefonnummer. Die lauten Rüpel sind feiernd weitergezogen, die meisten anderen Menschen fliehen vor der Wärme mit ihren klimatisierten Autos in ihre klimatisierten Hotelzimmer. Meine beiden Frauen und ich ziehen ebenfalls von dannen (wir haben noch lustige Sachen heute vor, ich will noch Fotos machen und wir und wollen am Abend schön Essen gehen). Mit dem Telefon am Ohr spricht sie viel zu laut in einem fast unverständlichen französischen Dialekt. Ihr Sandwich ist aufgegessen. Das Bier ist ausgetrunken. Ihr Ticket, hier sitzen zu dürfen läuft langsam ab.
Vielleicht ist die alte Frau gar nicht einsam.
Vielleicht ist auf der anderen Seite des Telefonats aber auch nur die automatische Zeitansage.

Sandmann

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Created Montag, 06. Juli 2015 Document type Video
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19 Jun 2015
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Leb‘ wohl, B404

Leb‘ wohl, B404

Zwischen Tag und Traum

Es gibt spannendere Themen als eine Bundesstraße in Schleswig-Holstein, aber ich muss das jetzt mal loswerden. Solange es da noch was loszuwerden gibt. Von Kiel in Richtung Süden bis Schwarzenbek schlängelt sich die Bundesstraße 404. Grobe Richtung: Uelzen. Ganz grob. Sie trug in den frühen 80ern meine Mama aus der Lüneburger Heide hoch nach Plön zu dem Mann, der später eine Vaterrolle für mich übernahm. Sie trug mich auf dem Fahrrad in den späten 80ern immer wieder zurück zu dem Ort, den wir wegen des Mannes aus Plön verlassen haben. Und sie war immer eine verlässliche Überland-Alternative zu der chronisch verstopften A7. Seit ein paar Jahren fräsen sich die Bagger durch diese Bundesstraße und machen aus ihr die Autobahn 21. Und sie hauen alles um, was im Weg steht. Auch meine geliebte Nordoel-Tanke, sie stehen schon direkt vor ihrer Tür.

Eine klassische Tankstelle mit Werkstatt und Waschhalle.

Leb‘ wohl, B404

Bald ein historisches Bild.

Sie ist nur die erste Station der Erinnerungen, so etwas wie das Tor vom Norden auf den Weg in Richtung Elbe. Die hochen Bäume sind schon alle gefällt. Schon seit letztem Jahr. Die alte Tankstelle ist noch in Betrieb und trotzt wie ein störrischer Eremit dem Ausbau der alten kleinen B404. Der Sprit war hier, ein paar Kilometer aus Kiel raus, immer angenehm preiswert. Es gab sogar LPG für den Audi V8. In dem kleinen Shop wurde man nicht zugeballert mit Sonderangeboten für Vodka und Whiskey oder musste sich an aufgestapelten Warsteinerkisten vorbeiquetschen. Es gab ein paar Zeitungen, was zu naschen, Cola und Fanta, ein wenig nützlichen Kram fürs Auto und Bockwurst. Sind wir mal ehrlich – mehr braucht eine Tanke eigentlich auch nicht zu verkaufen. Diese blinkenden Supermärkte, die manchmal auch Benzin verkaufen und wo einen der Student am Schalter fragend anguckt wenn man eine 21 Watt Lampe für hinten oder Sicherungen kaufen möchte nerven mich. Hier in der Nähe von Nettelsee bekommt man in erster Linie Treibstoff. Noch. Bald wohl nicht mehr, denke ich mal, denn das Autobahnfundament geht schon direkt bis an den Zaun.

Leb‘ wohl, B404

Bis hierher und nicht weiter. Heute.

Guckt man sich an, was die Schaufelbagger im ostdeutschen Tagebau alles so vom Planeten getilgt haben und vor allem was sie für Löcher hinterlassen – dann ist so ein mehrspuriger Ausbau einer Bundesstraße vergleichsweise belanglos. Das passiert jeden Tag in jedem Bundesland. Trotzdem bin ich heute ein bisschen trübselig. Der „Kieler Schnellweg“ war eine zeitintensive, aber landschaftlich schöne Route zwischen Kiel und Lauenburg an der Elbe, ich bin diese Strecke immer gefahren wenn ich es nicht eilig hatte. Anfangs noch als Beifahrer in Mamas rotem Jetta, den sie sich neu gekauft und für den sie Opas guten alten rostfreien Käfer in Zahlung gegeben hatte. Darüber könnte ich mich heute, 30 Jahre später, immer noch aufregen. Aber damals war es einfach nur ein altes Auto :-( Und der Jetta war neu, cooler als ein Golf und echt schnell. Bumms war die Kelle draußen, ich fand mich als 10jähriger in meiner ersten Polizeikontrolle wieder und erinnere mich noch sehr gut an die allerersten Blicke auf das Haus, was später mein neues Zuhause werden sollte.

Leb‘ wohl, B404

Baustopp am Rand der Tanke.

Den Fahrradweg, den ich (vor meinen eigenen automobilen Eskapaden) als Teenager entlang des Nord-Süd-Highways für meine Touren in Richtung „zwei-Wochen-unbeschwerten-Sommerzeltens“ bei Silke in Uelzengenutzt hatte gibt es schon lange nicht mehr. Als zur Jahrtausendwende große Autobahnteilstücke freigegeben wurden hat man den planiert. Okay, ich bin nun auch schon länger nicht mehr die 180 Kilometer in meine alte Heimatstadt geradelt, aber wo würde ich denn eigentlich langfahren, wenn ich das mal wieder machen will? Das muss ich mir doch glatt mal raussuchen. Auf so einer Autobahn fährt sich das vermutlich gar nicht schlecht mit meinem Mountainbike, aber es gibt eine gewisse Art von Öffentlichkeit, die ich nicht unbedingt haben muss Leb‘ wohl, B404 Hm. Hat denn jemand, der von Kiel nach Uelzen mit dem Fahrrad fahren möchte heute keine Lobby mehr?
Schon krass. Ich sitze in meinem Daimler und gucke über einen kleinen Zaun auf den neuesten Streckenabschnitt, der bis an dieses Grundstück geht. Jedes mal wenn ich hier entlangfahre ist ein Stückchen mehr von der A21 fertig. Und nun sind sie am Grundstück angekommen. Wie geht es weiter?

Leb‘ wohl, B404

Und wann geht es hier nun weiter?

In den letzten drei Jahren hatte die Streckenführung ab hier in Richtung Süden einen gewissen Unterhaltungswert. Alte Brücken weg, neue Brücken hin, Sandberge hier, Baumfällarbeiten da – und die schmale, schnell mal hinasphaltierte Behelfsstraße schlängelte sich jede Woche in anderer Art durch die Baustelle. Mein kleines viertelfinnisches Sandmädchen hätte an den Baggaaaaasihre wahre Freude gehabt. Inzwischen toppt der über eine Dekade geplante dreispurige Ausbau der A7 dieses Baumaschinenszenario um Längen, auch wenn es dort immer nur geradeaus geht. Hier kurz hinter Kiel eigentlich nie. Es war keine gute Idee, sich an eine aktuelle Straßenvariante zwischen den rot-weiß gestreiften Baken zu gewöhnen, denn eine Woche später fuhr man schon wieder woanders lang. Und dann, wenn ich durch war, war die Bahn offen, es ging bis Bargteheide flott voran und das alte Navi wurde fröhlich verarscht und überfordert, denn es dachte wegen der fehlenden Kartenupdates immer noch, ich würde viel zu schnell auf und neben der B404 fahren. Lisa. Na wenn du wüsstest. Deine Nachfolgerin weiß es schon.

Leb‘ wohl, B404

Lost Place Showroom

Wie trist.
Die hellen, großen Verkaufsflächen gehörten mal einem Anbieter für Rasentrecker und ähnliche motorisierte Kleinmähmaschinen, der vermutlich rechtzeitig was neues gesucht hat und nun umgezogen ist. Irgendwie zum Tonberg, das steht jedenfalls auf einem komplett zerrissenen Segeltuch. Die gepflasterte Parkplatzfläche vor den erstaunlich sauberen Scheiben wächst langsam zu, hier fährt niemand mehr hin und hier hält niemand mehr an, warum auch? Wann werden die Hallen wohl abgerissen und räumen das Feld für den nächsten Autobahnkilometer? Nächste Woche? Nächsten Monat? Und wie lange wird die Tanke noch da sein? Spannend. Ich könnte ja eigentlich mal reingehen und fragen, aber mein Tank ist noch fast voll und – letztendlich werde ich es ja miterleben.

Leb‘ wohl, B404

Keine Rasenmäher mehr.

Die leeren Räume erzählen von lange vergangenen Zeiten, als man noch entlang einer Bundesstraße mit Rasenmähern ne Mark verdienen konnte. Ich bin hier niemals drin gewesen, ich hatte nie Bedarf an einem Aufsitzmäher. Und ich bin schwer verwundert, dass die Scheiben noch nicht eingeworfen sind, diese großen Glasflächen an einem abgelegenen Ort ohne Laternen schreien ihre Einladung an die Zerstörungswut regelrecht in die Welt. Das kommt bestimmt bald. Genau so wie die Pest der Sprayer, die ihre Teks auf jede unschuldige weiße Wand genervter fremder Menschen klatschen müssen um was-weiß-ich damit zu kompensieren kommen irgendwann die Scheibeneinschmeißer. Oder sind die inzwischen ausgestorben, weil es dafür keine App gibt und man sein komfortables Zimmer verlassen müsste? Ich weiß es nicht. Auch das werde ich miterleben, ich komme hier ja ein bis zwei mal in der Woche dran vorbei. Noch ist alles heile. Mal sehen.

Leb‘ wohl, B404

Na gut. Das wars dann wohl.

Es ist ja auch irgendwie fein, in Zukunft schneller von Kiel über Bargteheide auf die A1 und in den Osten Hamburgs zu kommen. Da habe ich kein Problem mit, da ist der Verlag und ich begrüße jede erdenkliche Alternative zu dieser wahnsinnig machenden A7. Aber es verschwindet mit der B404 auch ein kleines Stückchen Langsamkeit. Vor ein paar Jahren noch war es über eine Strecke von 50 Kilometern faktisch unmöglich, einen Lastwagen zu überholen, also haben die meisten es einfach gelassen und sich ihrem Schicksal geduldig ergeben. Andere, die es trotzdem wissen wollten, weil sie einfach alles vor sich überholen müssen gab es auch immer wieder. Ein paar Kreuze am Straßenrand erzählen von ihnen und leider noch von ein paar anderen Menschen, die ihnen unschuldig entgegen kamen. Ich bin hier deshalb immer langsam gefahren, habe Abstand gehalten und ein paar Wahnsinnige geduldig vor- und vor mir reingelassen. Hinter der A1 nach Hamburg holpert die Bundesstraße heute noch immer wie vor 30 Jahren weiter bis zur A24 nach Berlin, und dann verschwindet sie irgendwann im schönen Sachsenwald. Hier gibt es sogar noch Fahrradwege :-)

Leb‘ wohl, B404

Kaum ein Horizont zu sehen

Genug Fotos gemacht. Es sieht auch so aus, als fängt es gleich an zu regnen. Ich stecke mir noch einen Zigarillo in den Mundwinkel und paffe ein paar Vanillewolken in den Abendhimmel. Schon komisch, wie viele Erinnerungen an einem Stückchen Straße hängen können. Straßen sind etwas ganz besonderes. Sie bringen uns an andere Orte und sie verbinden Menschen, privat und beruflich. Entlang den Straßen finden wir alles, was wir für eine Reise brauchen. Und wir können uns außerdem über die Menschen amüsieren, die ihre seelenlosen vollfinanzierten Neubauhäuser direkt an diese Adern des Individualverkehrs pflanzen, weil die Grundstücke hier ein bisschen billiger waren als drüben am Waldrand. Das wiederum ist aber nicht so schlimm, denn diese Menschen trennen sich meistens sowieso wieder, weil sie den Kredit so knapp finanziert haben, dass sie das ganze Jahr nur für ihr Neubauhaus schuften und sich schon bald nichts mehr zu sagen haben, der Verkehr ist eh zu laut. Ich schweife ab. Sie sehen, ich habe eine klare Meinung zu knapp finanzierten Neubauhäusern entlang der Bundesstraßen. Rund um mich rum gehen gerade erschreckend viele Familien aus diesem Grund den Bach runter, aber es kann ja jeder wie er will. Hier an der B404 wird nicht gebaut. Hier wird bald abgerissen.

Leb‘ wohl, B404

Bis bald in diesem Streckenabschnitt

Wenn der Highway fertig ist versuche ich mal, genau hier ein neues Foto zu machen – dann auf der Straße fahrend. Vielleicht erkennt man die Bäume links ja wieder :-) Die Baggerarbeiten laufen, die Brücke am Horizont steht schon, lange kann es eigentlich nicht mehr dauern. Aber jetzt fahre ich erst mal weiter in Richtung Hamburg, mal schauen wie die Streckenführung hinten bei der Brücke heute verläuft Leb‘ wohl, B404 Ich nehme ein paar Erinnerungen mit, Radtouren mit dem Zelt, dem Kasettenrecorder und der Gitarre hinten drauf, Sinnsprüche mit einem Edding auf Brückengeländern. Freundschaften mit Binz und mit Lutz, meinen beiden Begleitern in jenen Jahren im Sommer auf dem Rad. Dann mal her mit der Autobahn, es wird wohl Sinn machen. Wenn ich heute durch das völlig verstopfte Hamburg fahre frage ich mich sowieso, wie viele Autos wir noch vertragen können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sandmann

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Created Freitag, 19. Juni 2015 Tags A21 | Alltag im W210 | ausbau | autobahn | B 404 | B404 | Baustelle | Bundesstraße 404 | hamburg | Kiel | Nordoel | Tankstelle Document type Video
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15 Jun 2015
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Seid ihr Finanzierer?

Seid ihr Finanzierer?

Haben wollen. Nicht bezahlen können.

Autos.
Ich kaufe meine Autos normalerweise für eine Handvoll Euro bar. Was heißt normalerweise, ich habe ALLE meine Autos bisher bar bezahlt, der mit Abstand teuerste war damals anno 2001 der Audi V8. Das Geld für den hatte ich aber locker, weil ich vorher meinen Cadillac Eldorado für knapp den doppelten Kaufpreis an den Mann brachte. Ich Fuchs. Zeiten ändern sich, die D-Mark ist nicht mehr da und der Anspruch an ein Auto wird mit zunehmendem Alter größer. Bei einigen von uns jedenfalls. Ich für meinen Teil fahre weiter mit einem 38 Jahre alten Audi 100 durch die Gegend, aber der weibliche Teil wünscht sich mehr Zuverlässigkeit und ein bisschen Komfort im Alltag. Und weniger abfallende Teile auf Autobahnen. Stimmt ja auch. Und da grübel ich mal nach über das, was da angeblich so geht.

Ich bin nicht so der Kredit-Aufnehmer.
Wenn wir als kleine Familie nun aber über einen S212, also das letzte T-Modell der E-Klasse mit vier Augen vorn, nachdenken – wird das ein bisschen dünn mit den Barreserven. Ich hab im Netz viele zu viele verlockende Angebote gefunden. Ich hab im Netz aber auch eine Grafik gefunden, die alle Risiken und auch alle Vorteile bei der Autofinanzierung aufgreift. Das meiste davon wusste ich schon, einiges war mir neu. Zum Beispiel, dass ich im EU-Ausland bis zu 40% sparen kann, was ist denn da falsch gelaufen? :-) Haben Sie da schon mal Erfahrungen gemacht?

 Seid ihr Finanzierer?

Hm.
Es gibt also genau wie Mietwohnungs-Nebenkosten-Vergleicher und Handytarif-Vergleicher auch Kredit-Vergleicher wie SMAVA, von denen die Grafik ist. Das ist ja eigentlich nicht so verkehrt, ich habe weder BWL studiert noch bin ich auf dem Finanzmarkt firm. Aber ist das, wenn ich meine Möglichkeiten kenne, vielleicht so wie ein versoffener Abend vor mobile.de, wo man entweder in Depressionen versinkt, weil es so viele wundervolle und gar nicht so teure Autos zu kaufen gibt oder am nächsten Morgen verkatert aufwacht und am viel zu früh klingelnden Telefon jemand fragt, wann man denn heute den Jaguar abholen käme? Seid ihr Finanzierer? Oder ist das einfach gut, weil ich es nutzen kann, wenn ich es brauche? Und sonst eben nicht? Viele Fragen. Ich geh mal ein bisschen Bargeld holen. Mit der Mofa.

Bares ist Wahres

Bares ist Wahres

Mich interessiert an dieser Stelle Ihre und eure Meinung.
Im Jahr 2015 kann sich fast jeder einen nagelneuen Mercedes leasen oder finanzieren. Der Charakter als „Statussymbol“ hat sich gewandelt. Ich weiß, dass die meisten von euch genau wie ich ihre Autos bar bezahlen und selbst am Laufen halten. Aber die Zeiten, wo nur Bares wirklich Wahres war sind vorbei. Was ist also mit den anderen? Finanziert ihr? Hausbank? Bank des Händlers? Online? Macht das Sinn? Ich stopfe derweil noch ein paar Euro in den Strumpf unter meinem Bett, denn irgendwann wird sie kommen, die neuere E-Klasse. Nicht neu, aber neuer. Und rostfrei :-) Damit mein halbfinnisches Fräulein Altona keinen Auspuff mehr verlieren muss…
Erzählt es mir…

Sandmann

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Created Montag, 15. Juni 2015 Tags Autokredit | Barzahlung | finanzierung | Fremde Federungen | Kredit Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
12 Jun 2015
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Verdammte letzte Tage

Verdammte letzte Tage

Am Ende einer Reise

Gerade noch fährt man voller Endorphine und mit guter Musik im Ohr für eine Woche in ein Häuschen am Meer. Der Hinweg. Sieben Tage Alleinsein, einen Haufen Arbeit, viele Wörter aber auch gute Zeiten mit einer Kaffeemaschine und chilligen Abenden. Wenn Sie auf dem Hinweg sind, denken Sie am ersten Abend, die vor Ihnen liegende Zeit entspricht einer kleinen süßen Ewigkeit. Und nur ein Augenzwinkern später stehen Sie in einem aufgeräumten Wohnzimmer, die meisten Sachen sind schon tief im Kofferraum des Audis verpackt und es ist der letzte Abend :-( Ich hasse letzte Abende. Sie machen mich melancholisch und traurig. In dem noch nicht abgebauten Computer singt Herr Mumford irgendwas von einem Wilder Mind, und in dem noch nicht ganz dunklen Himmel geht die Sonne unter und taucht die Küste in ein tiefes Rot. Ich will zum Strand. Ich möchte mich verabschieden.

Die Hütte ist vorbereitet und sauber. Fast verlassen.

Verdammte letzte Tage

Sieht nach Mehr Platz aus als es ist.

So ein Sandmann ganz alleine ohne menschliche Peripherie macht nicht viel Dreck. Man sagt mir nach, ich sei stubenrein, und wenn niemand guckt bin ich regelrecht minimalistisch. Es ist mir an sieben Abenden gelungen, weitestgehend vom selben Geschirr zu essen, aus dem gleichen Glas zu trinken und die Krümel nur um den Tisch herum zu verteilen. Ohne Spülmaschine wird man sparsam :-) Ein bisschen Staub vom Kaminholz hier, ein kleiner Rotweinfleck auf dem Tisch da, nichts, was sich nicht restlos beseitigen ließe. Dank einer komplett vitaminfreien Ernährung ist es mir auch gelungen, alle noch vorhandenen lebensmittelähnlichen Reste aus dem Kühlschrank zu einem relativ homogenen Abendessen zu kombinieren, was danach noch nicht gegessen ist nehme ich morgen mit nach Kiel. Eine Flasche Henkell Trocken steht für später bereit, ich glaube perliger kalter Sekt hilft besser gegen aufkommende Melancholie als Rotwein. Aber jetzt erstmal raus, mit dem Auto an den langen, fast endlosen Strand, wo die Sonne nach erfüllten und sehr produktiven Tagen endgültig im Meer versinken wird. Zumindest für heute.

Verdammte letzte Tage

Harmonie mit gelbem Licht

Da stehen Bunker in den Dünen, die nicht nur eine ähnlich schlimme alte Geschichte erzählen wie die einbetonierte MG-Lafette auf dem Blåbjerg, sondern auch einen prima Sockel für viele viele neue Fotos liefern. Ich hab zwar mein Stativ (wie immer) dabei, aber ich benutze es (wie immer) nicht. Lieber suche ich mir Steine, Mülleimer oder Baumwurzeln, so eine Kamera kann man ja fast überall draufstellen, und nur sehr selten fällt sie runter und noch viel seltener geht sie dabei kaputt. Bis jetzt erst ein mal. Oder… ich klettere eben auf einen Bunker. Damit Sie sich nicht zu Tode langweilen habe ich mich hier auf ein paar wenige stimmungsvolle Bilder des Dottore mit laufendem Motor und ziemlich gelbem Licht beschränkt. Der 38 Jahre alte Audi 100 LS ist ziemlich oft Mittelpunkt meiner Fotos geworden, okay, das ist hier auch grundsätzlich ein Autoblog, da darf er sich in den Vordergrund spielen. Ich selbst mach das ja auch schon oft genug. Und heute Abend ist die Kaffeemaschine mal nicht mit draußen, die kennt den Strand ja schon, also sind es nur wir zu fünft. Der alte Audi 100, die Sonne, das Wasser, der Strand und ich.

Verdammte letzte Tage

Perspektivwechsel vom Bunker

Nach und nach verschwinden die Protagonisten. Hier oben auf dem klotzigen Bunker, der hinter dem Parkplatz in Henne Strand rumliegt kommt die Sonne noch einmal ein bisschen weiter raus. Selbst der dunkelste Abend lässt sich aufhellen, wenn man die Perspektive verändert. Aber auch nur temporär. Ich denke in diesen Momenten immer wieder an meine beiden großen Töchter, denen ich all die Jahre am Ende eines Urlaubs, wenn sie traurig wurden, immer wieder gesagt habe dass jedes Ende eines Urlaubs der Anfang der Freude auf den nächsten Urlaub ist. Sie haben das so verinnerlicht, dass sie inzwischen MIR mit den gleichen Worten die Traurigkeit nehmen :-) Doof: die sind nicht hier. Niemand ist hier. Aber hier ist auch nicht das Ende eines Urlaubs, es ist das Ende einer Arbeitswoche. Ich kann mir das noch so oft wie ich will einreden, das macht es nicht besser. Audi: verschwindet jetzt. Ich fahre an den Rand des Parkplatzes und gehe die letzten Meter zu Fuß. Der Sand knirscht weich unter meinen nackten Füßen, er ist warm und weich und ich stapfe zu den beiden Holzbänken, wo ich an diesen Tagen so oft gesessen habe.

Verdammte letzte Tage

Pathos mit geradem Horizont

Die Nordsee ist sehr ruhig. Die sinkende Sonne bemalt die kleinen Schaumkronen chromig mit einem Hauch Orange, der Abendhimmel ist wolkenlos und niemand sonst ist hier, um sich dieses unfassbar schöne Schauspiel anzusehen. Die sitzen alle schon da drinnen vor ihren Flachbild-Fernsehern und glotzen den gleichen Scheiß, den sie auch im Alltag in Deutschland jeden Abend glotzen. Schon vier mal gesehene Blockbuster, permanent unterbrochen von blödmachenden Netto-Lebenszeit-Werbeblöcken über dick machende Müslis, schlank machenden Ekelbrei und wohlschmeckendes Abführmittel. Sie fläzen auf ihren Sofas im Mief ihrer unsexy Jogginghosen, während doch die Natur hier draußen ihren ganz eigenen Film zeigt, ohne harte Schnitte, ohne Werbung und immer wieder neu – und doch so vertraut. Sehen Sie, diesen Vorteil hat die Nordsee gegenüber der Ostsee definitiv: Die Sonne geht über dem Meer unter. Man muss nicht als verliebter Teenager in einer lauen Sommernacht am Strand von Sylt fassungslos auf das Meeresleuchten gestarrt haben, um eine niemals enden wollende Zuneigung zu solchen Szenen an der Westküste zu entwickeln. Aber es fördert das ungemein.

Verdammte letzte Tage

Bring es auf die Bank

Auf der Bank am Strand von Henne bekommt man keine günstigen Kredite. Da kann man nur so vor sich hin sitzen und zusehen, wie der Tag langsam zur Nacht wird. Und man kann eine steigende Anzahl von kleinen Schildchen entdecken, warum auch immer hier ein paar Päärchen ihre Namen auf das Holz geschraubt haben. Haben die sich hier verlobt? Oder einfach nur verewigt? Ich frage mich, welchen Kredit das Leben diesen Liebenden, diesen Beziehungen gewährt. Günstig ist die Zeit, welche wir uns nur geliehen haben nie. Und die Zinsen sind hoch. Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat haben die Brillen ihre rosa Farbe verloren und man verinnerlicht, dass Liebe viel Arbeit ist. Dass ein Zusammenleben niemals zum Murmeltiertag werden darf und dass nichts, aber auch gar nichts sicher ist. Dass man sich jeden Tag neu entdecken und neu angucken muss und sollte. Das ist eine fast unlösbare Aufgabe, an der inzwischen die Hälfte der Menschen offiziell scheitert. Wenn die Augen offen sind und man respektvoll mit dem anderen umgeht, mit seinen Wünschen, seinen Sorgen und auch seinen Ängsten – dann kann etwas wundervolles daraus wachsen. Jeden Tag wieder. Ach Ulla & Wolfgang, Jule und Dennis, Jacqueline + Norman, Sabine og Axel und ihr zwei ganz unten, die schon beim Gravieren der Platte Geld sparen wollten – ich wünsche euch im Angesicht des Sonnenuntergangs alles Gute. Möget ihr mit eurem Zeitkredit etwas schönes erleben und nicht eines Tages zu dieser Bank hier zurückkehren, um etwas zu suchen, was es nicht mehr gibt.

Verdammte letzte Tage

Der ewige Kreislauf

Zu Hause in Kiel und Hamburg erwartet mich eine Welt, die inzwischen so ist, wie ich sie mir selbst mit offenen Augen gebaut habe. Nicht alleine, sondern mit der Hilfe von vielen lieben Menschen um mich herum. Eine Welt, in die ich gern zurück kehre, zumal sie nicht so einsam ist wie eine Woche in Henne Strand. Und genau deshalb machen mich die letzten Abende immer so fertig. Die Zeit ist vorbei, aber trotzdem ist man noch da. Ausschlafen ist nicht, weil der Schlüssel um 10:00 Uhr bei der Ferienhausvermittlung sein muss. Frühstücken ist morgen auch nicht, das krümelt ja wieder alles voll. Und außerdem packt mich diese größer werdende Traurigkeit, die ihren Gipfel morgen Vormittag im Abschließen der Haustür finden wird. Ich habe zu viele Dinge in meinem Leben loslassen müssen. Als Kind, wo ich es nicht selbst in der Hand hatte. Als junger Mann, als ich es selbst in der Hand hatte und es verkackt hab. Und als reifer Erwachsener, als ich es mal wieder nicht selbst in der Hand hatte. Nicht alles war immer weg, aber wenn die großen Säulen der Sicherheit wackeln wird das Fundament bröckelig. Ich habe gelernt, mich dort zu Hause zu fühlen, wo es schön ist und wo Menschen sind, die ich liebe. Nachdem man mir zwei mal mein Zuhause genommen hat, ohne mich nach meiner Meinung zu fragen ist das für mich ein guter Weg, der die Seele beschützt und mich innerlich ankommen lässt. Aber im Gegenzug geht es mir immer schlecht, wenn ich einen schönen Platz verlassen muss. Verdammt. Wie man’s macht…

Verdammte letzte Tage

Blicke ich nun zurück oder nach vorn?

Nicht mal Seevögel sind heute Abend hier, während ich meinen tristen Gedanken freien Lauf lasse. Nein, ich bin kein depressiver Mensch, ich kann einfach nur nicht gut loslassen. Ich weiß, dass morgen ein neuer schöner Tag beginnt, ich freue mich auf meine großen und kleinen Frauen und sogar auf die vor mir liegende Woche, in der ich wieder über alte Autos schreiben kann. Aber manchmal brauche ich die Traurigkeit, um an anderer Stelle wieder lachen zu können. Das Meer platscht und rauscht an den Strand, die Luft riecht salzig und leicht nach verbranntem Holz. Der Wind streicht ganz leise durch die Gräser auf den Dünen, und man kann dieser roten Sonne jetzt förmlich zugucken, wie sie immer kleiner wird. Selbst wenn ich wollte, ich könnte das jetzt nicht mehr verhindern, auch nicht wenn ich nochmal auf den Bunker kletter. Sie geht unter und macht der Nacht platz. Ich fahre gleich zurück ins Häuschen, zünde noch ein paar Kerzen an und höre ein bisschen neue, gute Musik. Danke Internet, danke iTunes. Jackson Browne hat in einem Lied einmal gesungen, dass die Roadies nach seinen Konzerten einen guten Job machen, aber dass sie bitte erst alles andere einpacken sollen, bevor sie sein Klavier holen. So ist das heute Abend mit meinem Rechner, dem Desktop, auf dem die Musik drauf ist. Der bleibt bis zum Ende morgen früh stehen und spielt wie die Band, als die Titanic schon am Sinken war.

Verdammte letzte Tage

Bis nächstes mal, Nordsee

Klingt alles sehr pathetisch, metaphorisch und fatalistisch, oder? :-) Aber nein, so schlimm ist es ja gar nicht. Ein ganz normaler letzter Abend, gepresst durch die verstärkende Tatsache, dass die Einsamkeit hier keine Chancen zur Ablenkung erfährt, wenn man erstmal in der Mühle drin ist. Also Augen auf und durch. Vielleicht gebe ich es mir auch noch richtig dreckig und spiele ein bisschen Gitarre, die habe ich die ganze Woche über kaum angerührt. Gute Nacht, liebe Sonne. Bis morgen. Und tschüss Nordsee, du immer rauschendes Meer, ich werde wiederkommen. Mal sehen welche Geschichten das Leben bis dahin neu geschrieben hat. Verdammte letzte Abende! Ich freue mich auf alles, was kommt. Denn es geht immer weiter.

Sandmann

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Created Freitag, 12. Juni 2015 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Dänemark | Henne Strand | letzter Abend | Reise Reise | sonnenuntergang | Typ 43 Document type Video
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09 Jun 2015
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Strandmanns Kaffeewelt

Strandmanns Kaffeewelt

Sonne, Wind und Kaffeebohnen

Wann haben Sie zuletzt Ihrer Kaffeemaschine den Strand gezeigt? Oder waren mit ihr einkaufen? Hatten Sie schon mal zusammen auf einer Hüpfblase ausgelassen Spaß? Ich nutze die Zeit im dänischen Henne Strand, um meinem mitgereisten Freund Moltio alle diese Freuden angedeihen zu lassen. Parallel dazu schreibe ich eine Menge Artikel und erstelle Facebook Postings, muss also arbeiten. Viel arbeiten. Aber wenn ich grad mal nicht schreibe – sind wir zwei unterwegs. Er und ich mit dem 38 Jahre alten Audi 100. Es ist ja sonst keiner da, meine Familie blieb daheim und meine besuchswilligen Freunde habe ich allesamt ausgeladen. Glauben Sie mir, wenn man tagelang mit niemandem gesprochen hat, wohnt einem Kaffeevollautomat ein noch viel größerer Unterhaltungswert inne als so manchem menschlichen Begleiter.

Ich werf Sie gleich mal mitten ins Geschehen.

Strandmanns Kaffeewelt

Endlich. Ein guter Freund.

In Strandmanns Ferienhaus geht der ungemahlene Kaffee zur Neige. Im Supermarkt von Kobmand Hansen, auch bekannt als „Der König von Henne Strand“, wird allgemein eingekauft, wenn der ungemahlene Kaffee alle ist. Ich habe mir wie schon beschrieben abgewöhnt, deutsche Lebensmittel zu importieren, das shoppen mit Fremdwährung macht hier viel mehr Spaß und erweitert den Horizont. Alles ist voller Farbstoffe und Sachen, die ich weder erkennen noch entziffern kann. Super. Das geht nicht jeden Tag gut, gestern strich ich mir voller Lebensmittel-Optimismus etwas auf mein luftiges Brötchen, von dem ich glaubte, es sei Krabbensalat. Tiefseekrabbensalat. Das Bild auf der Packung jedenfalls sah ganz danach aus, aus einer dicklichen weißen Sauce lächelten mich rote gepellte Schalentiere an und winkten mit den Fühlern. In meinem Mund entpuppte sich die teuer erworbene Feinkost als zähflüssige, salzige Paste mit Spargel und anderen Sachen drin, ich glaube, ich habe seit Jahren nichts widerlicheres gegessen. Bäh. Weg damit. Seit dem bin ich vorsichtig geworden und beschränke mich auf Tiefkühlpizza, Pommes und rote Pölser. Na ja und Kaffee. Was ist die Freude groß, als wir beim Kobmand ein altertümliches sympathisches Mahlwerk treffen und Moltio sofort mit ihm Freundschaft schließt. Die beiden haben sich von Anfang an verstanden, und auch der feilgebotene Kaffee scheint was zu taugen.

Nehmen wir den?

Nehmen wir den?

Um uns herum bewegen sich drei Kategorien von Menschen.
a) diejenigen, die genau wie ich in ihrem Ferienhaus eine mehr oder weniger schlechte billige Brühmaschine stehen haben und neidisch dem gut aussehenden Norddeutschen hinterhergucken, der diesen gut aussehenden großen Brühwürfel durch den Supermarkt schleppt und heute Nachmittag bestimmt guten Kaffee trinken wird.
b) diejenigen, die sich fragen, ob das Gerät wohl kaputt sei und ob ich es hier irgendwo umtauschen will und wo hier denn überhaupt diese Saecos stehen, die man anscheinend kaufen kann, andere Gründe kann es nicht geben warum der Typ das Teil durch den Laden trägt.
c) unbeteiligte Touristen in gleichen bunten Multifunktionsjacken. Ich treffe Helga und Dieter wieder, sie unterhalten sich ausführlich über den Preisunterschied der dänischen Lebensmittel zu deutschen Lebensmitteln und dass bei Lidl doch alles viel billiger sei. Dieter hat auf seinem Handy aus dem letzten Jahrtausend (aber mit Gürteltasche) den Taschenrechner gezückt und wirft Helga ständig die Europreise über die Truhe an den Kopf. Was für ein erfülltes Leben. Ich meine auf ihren Schultern interessante neue Muster in den lila Windbreakern zu erkennen, vielleicht ist das aber auch nur Fasanenscheiße.
Ich wuchte die Kaffeemaschine neben dem Laufband der Kasse auf den Tisch, lächel die beiden hübschen, aber verwirrt guckenden Däninnen dahinter an und flüster leise: „Don’t ask...“ :-) Das fanden die wohl ziemlich lustig, die eine prustet sich Kaffee durch die Nase und die andere giggelt in ihre Kasse und vertippt sich ständig. Hihi. Wir verlassen den Konsumtempel und fahren mit dem Audi rüber nach Houstrup. Da habe ich in der Vergangenheit auch ein paar Häuschen gemietet, und da ist vor der lokalen Ferienhausvermittlung eine tolle Hüpfblase. Einmal in jeder Dänemarkwoche muss ich mich da austoben, und Moltio will das heute auch.

Strandmanns Kaffeewelt

Großer Spaß auf Luft

Kennen Sie diese Blasen? Die prominenteste der dänischen Nordseeküste ist bei Blavand, wo man, wie ich inzwischen gelernt habe, auch einen köstlichen Kuchen kaufen kann. Aber die hier ist auch super und nur 5 Minuten entfernt. Schuhe aus und rauf da, am liebsten mit mehreren Personen. Und spätestens wenn es einen derart zerlegt dass er oder sie sich auf den Hintern setzt, während die anderen noch hüpfen bekommt man einen nachhaltigen Eindruck der physikalischen Begriffe Kraftverteilung, Trägheitsmoment und Impulserhaltung. Für Nicht-Physiker: Man fliegt unkontrolliert sehr sehr hoch und eskaliert letztendlich neben dem Gummiteil auf dem Rasen. Mit Moltio bin ich natürlich ein bisschen vorsichtiger, hier treibt mich nicht der fiese Sadismus, der immer wieder aufflammt, wenn eins meiner Töchterchen im Fadenkreuz auftaucht :-) Wir haben Spaß. Die Kaffeebohnen rascheln fröhlich im Kaffeebohnenfach wie in meiner Jackentasche die Zigarillos, das Wasser im Wasserbehälter schwappt so rhythmisch wie in meinem Bauch das Frühstücksbrötchen mit Leberpastete und erschöpft und lachend sitzen wir noch lange am Rand der Blase in der Sonne und gucken den vorbeifahrenden Autos zu. Das Leben ist schön. Und die Zeiten zwischen den Arbeitsphasen kann man hier durchaus angenehm gestalten.

Aber ein Sandmann fühlt sich aber erst wohl, wenn er Sand sieht.

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Sylt? Nein. Aber so ähnlich.

Wie das einem Kaffeevollautomaten beim Anblick von Sand geht weiß ich nicht. Moltio ist vom Gehopse eben und von unserem Besuch auf der Düne und dem Blåbjerg heute Morgen noch ein wenig benommen, ich denke, die Höhenluft war vielleicht ein bisschen viel für ihn. Was für ein Leben. Die ganze Zeit durch die Gegend getragen werden, Land und Leute kennen lernen und ab und an mal einen kleinen Kaffee pressen. Vielleicht auch mal ne Milch schäumen. Klasse. Aber ich gönne der Saeco dieses Leben, und das Ding scheint mit sich und der Welt ganz und gar im Reinen zu sein, nach der Begegnung im Supermarkt erst recht. Er macht, dass ich morgens gut wach werde. Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte habe ich mein schwarzes Gold immer mit einer orangen Melitta aus den 70ern gebrüht. Das schmeckte irgendwie ganz gut, aber ich glaube das lässt sich vergleichen mit der oberflächlichen Zufriedenheit, die einem innewohnt, wenn man einen runtergerockten Rest-Tüv-fünfthand-Kia von 1994 fährt. Er bringt einen ans Ziel und man lebt irgendwie mit den kaputten Fensterhebern, der quietschenden Lüftung und den wimmernden Radlagern. Bis man dann mal einen gepflegten Mittelklasse-Mercedes ohne Reparaturstau fährt. Das ist wie eine Erfüllung. Moltio ist mein Mittelklasse-Mercedes. Aber ich schweife ab.

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Deiiiine Spuren im Saaaand

Windig ist es an der Nordsee. Und sehr sandig. Ich glaube, ich parke den alten Audi gleich noch mal um, wenn ich den hier länger als 15 Minuten stehen lasse ist das Blech komplett blank gestrahlt. Das wäre teilweise gut, aber heute ist nicht der richtige Zeitpunkt. Allein während ich das Foto mache ist meine Gitarre halbvoll geweht, und im Audi hat sich hinter der aufgelassenen Beifahrertür eine kleine Düne gebildet. Und eine Ameisenkolonie, aber das steht glaube ich in keinem direkten Zusammenhang. Yeah jetzt habe ich direkt im Fußraum eine Menge Zeigs, dass ich euch nach der Geschichte in die Augen streuen kann, damit ihr gut schlafen könnt :-) Ich fahre den alten Wagen ein paar Meter vor in den Windschatten und Schutz eines alten Toyota Corollas. Die Dänen fahren viele Japaner. Wenn es den hier zerschmirgeln sollte ist mir das egal.
Der Strand ist schon wieder so leer, wie er nur hier in der Vorsaison leer ist. Inzwischen habe ich es geschafft, deutsche Nachrichten zu gucken, und es ist kein neuer Krieg oder sowas ausgebrochen. Helga und Dieter und alle ihrer Artgenossen haben sich nur längst in ihre Domizile eingeigelt, gucken RTL II, essen ihr gutes mitgebrachtes Deutsches Essen und machen noch ganz viele andere Sachen, bei denen ich mich frage, warum sie dafür in ein anderes Land gefahren sind. Aber jeder wie er möchte. Ich selbst bin vorhersehbar und bodenständig und trage meine Gitarre und meinen Kaffeevollautomat an den weitläufigen Nordseestrand. Also ganz normal.

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Der alte Mann und das Meer

Meer. Naturgewalten. Wind.
Sie werden mich niemals auf Dauer in die Berge umgesiedelt bekommen. Wenn ich über den geraden, klaren Horizont gucke und den frischen, salzigen Wind im Gesicht spüre bin ich Zuhause. Die Wellen mit ihren Schaumkronen rollen ewig und beständig an den Strand, nichts kann sie wirklich aufhalten. Und sie machen das schon seit Jahrtausenden, jede Sekunde eines neuen Tages von vorn. Das Wasser wird vom Mond vor und zurück gedrängt, Inseln verschwinden und entstehen, Küsten verändern sich und am nächsten Tag schon ist nichts mehr, wie es gestern noch war. Tägliche Vergänglichkeit, die doch so beständig ist. Dagegen wirkt ein Menschenleben klein und unbedeutend, manchmal sind solche Erkenntnisse hilfreich und erden angenehm die eigene Einstellung. Wenn man das verinnerlicht hat regt man sich nicht mehr auf über Spurwechsler in der Innenstadt oder Drängler auf der linken Spur. Dann lässt man sie einfach spurwechseln und drängeln, denn man erzieht sie sowieso nicht. So ein weiter Horizont hilft einem, gelassen zu werden. Während ich all das meiner Kaffeemaschine zu erklären versuche weht mir Sand in die Schuhe, den Kragen, die Ohren, die Haare und die Hosentaschen. Feiner, weißer Sand. Jetzt hat Moltio auch einmal das Meer gesehen und hat damit dem einen oder anderen Bundesbürger sogar was voraus. Es soll Menschen geben, die noch niemals am Meer waren. Vielleicht die Spurwechsler und Drängler…?

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Erklär mir das Meer

Sie vermissen Bilder, auf denen ich mit dem Automaten einen Kaffee koche? Stimmt. Ich habe ein paar gemacht, heute Morgen. Aber die sind sehr profan, während die raue Natur an der Küste etwas sakrales hat. Etwas unbändiges, schönes. Und der Kaffeeautomat und ich dürfen mitten drin sein. Über guten Kaffee unterhalten wir uns gern im Herbst noch einmal, wenn ich morgens in der Dunkelheit aufstehen muss und mir Kaffee gefühlt das Leben rettet. Hier und heute ist die Kaffeemaschine mir ein guter Freund, der mich an diesen Tagen ein wenig begleitet hat. Gleich geht es wieder zurück ins Haus, ich muss heute noch den zweiten Artikel fertig schreiben. Insgesamt sind das jetzt schon sechs Stück, sehr produktiv, die Rechnung ist aufgegangen. Jetzt schon. Als ich mir den Sand aus den Haaren strubbel bemerke ich auf der Lehne der alten Holzbank kleine, angeschraubte Plaketten mit Vornamen drauf. Huch? Eine Verlobungsbank? Oder was ist das für ein netter Brauch? Na – ich glaube ich komme übermorgen Abend noch einmal wieder, um dem Meer tschüss zu sagen. Dann ist der letzte Tag schon wieder Realität. Ich hasse letzte Tage, und vielleicht komme ich besser klar mit einem Sonnenuntergang und ein bisschen Meeresrauschen. Dann aber ohne Moltio. Der braucht auch mal eine Pause.

Und auch wenn Sie noch nie Ihre Kaffeemaschine dabei hatten – am Meer waren Sie doch wohl hoffentlich alle schon mal, oder?

Sandmann

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05 Jun 2015
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Berge in Dänemark?

Berge in Dänemark?

Ja wo sind sie denn?

Doch, die gibt es.
Rund um Henne Strand sogar gleich zwei, eine Düne gleich am Ortseingang und der sagenhafte Blåbjerg, zu dem es mich in jedem Urlaub wegen der Wälder und Ameisen zieht. Meine Kaffeemaschine Moltio lebt mit mir in der norddeutschen Tiefebene von Kiel und kennt keine Berge. Als Kaffee Vollautomat kommst du eher wenig rum. Das Interesse an schönen Landschaften wurde dem Ding ja nicht origin ins Frischwasserfach gelegt. Um das treue Gerät nicht eines Tages dumm sterben zu lassen zeige ich ihm heute Morgen noch vor dem Frühstück diese beiden erhabenen Plätze. Ich schütte die letzten Bohnen oben rein (wir müssen heute Abend dringend neue kaufen, wir zwei), nehme den heißen Würfel vom Netz und fahre mit ihm im Audi los.

Berge in Dänemark?

Wo eine Düne ist, ist auch ein Weg

Wenn Sie noch nie in Henne Strand waren stellen Sie sich das vor wie Sylt. Wenn sie auch noch nie auf Sylt waren stellen Sie sich das vor wie die Lüneburger Heide, nur ohne Birken, dafür aber mit Heckenrosen. Wenn sie auch noch nie in der Lüneburger Heide waren sind Sie ein Stubenhocker und ich kann Ihnen auch nicht mehr helfen. Ändern Sie das. Hier ist alles trocken und kleinwüchsig, es duftet wundervoll nach warmem Sand, Heidepflanzen und Gräsern. Weit oben trillert eine Lärche, und wäre da nicht dieses dumm schwatzende korpulente Paar zweier Mittfünfziger in identischen lila Multifunktionsjacken aus Hessen, ich könnte meine Morgenfreude kaum fassen. So warte ich geduldig, bis „Helga” und „Dieter” die Treppe endlich verlassen, ihre gravitationsgeplagten Körper auf ihre geliehenen E-Bikes geschwungen haben und in Richtung Städtchen abschwirren. Nun ist die Luft wieder rein und ohne Geschwätz. Navi Lisa will im Auto warten. Sie hat ein bisschen Höhenangst und behauptet, schon fast alles gesehen zu haben. Na gut. Sie kann sich mit ein paar Verkehrsinfos verlustieren, wenn sie nicht will dann eben nicht. Ich schnappe mir Moltio und wir beide stapfen nach oben, der Morgensonne entgegen.

Berge in Dänemark?

Eine Form von Frühsport

Vielleicht sollte der Crema-aufschäumende Kasten aus dem Hause Philips eher mich tragen, der hat nämlich ganz schön zugenommen. Oder sind das die schweren Kaffeebohnen? Ich weiß nicht, ob ich Moltio jetzt in jeden Urlaub mitnehmen werde, irgendwo müssen ja auch noch die Kinder sitzen. Und mein halbfinnisches Fräulein Altona steht bekanntermaßen mehr auf den Kessel-Espresso aus der Bialetti, da hat meine geliebte Saeco also ebenfalls keine Lobby. Hm. Aber in dieser Woche bin ich ja alleine mit den beiden unterwegs, als Blogger und Social Media Manager muss man auch seinen Elektrogeräten ein Mindestmaß an Unterhaltung im Urlaub bieten. Sagt auch Sascha Lobo. Glaube ich.
Betreffende Düne taucht wie aus dem Nichts plötzlich rechts auf, wenn man nach Henne fährt. Wenn man aus Henne kommt dann links. Weil alle auf dem Hinweg schnell ihre Hüttenschlüssel haben wollen (und nicht jeder pünktlich ankommt :roll: ), alle auf dem Heimweg nur noch nach Hause ins deutsche E Plus Netz wollen und an den Tagen dazwischen träge und statisch bei übertriebener Ofenhitze vor RTL II sitzen und ihre letzten IQ Punkte abfackeln klettern nur wenige Touristen auf die Düne. Ich bin einer von ihnen. Ich guck aber auch kein RTL II.

Berge in Dänemark?

Kleine Pausen verlängern das Leben

Zuletzt war ich glaube ich 17 oder 18 Jahre alt, als ich das gemacht habe. Damals sind Jan und ich mit den Mopeds kreuz und quer von Plön nach Kopenhagen und dann hier das erste mal nach Henne Strand geknattert, eine Tour, die wir 2013 (ohne Kopenhagen) wiederholt haben. Die hölzernen Stufen nach oben sind anscheinend noch die gleichen, aber mein alternder Körper nicht mehr. Außerdem habe ich damals in den späten 80ern keine Kaffeemaschine getragen, seinerzeit brühte man das koffeeinreiche Gesöff noch durch einen Filter in eine Kanne. Kaffeevollautomaten gab es nur in der Gastronomie, und niemand kam auf die Idee, die Dinger mit in den Urlaub zu schleppen. Ein wenig erschöpft mache ich auf halbem Weg nach oben Rast auf einer kleinen wohl extra dafür eingerichteten Bank, atme die frische Luft ein und erkläre Moltio, in welchen Ecken des Örtchens ich schon in all diesen Jahren ein Ferienhäuschen gemietet hatte. Das waren wirklich viele Ecken. Und weiter. Von ganz oben ist der Blick (glaube ich mich zu erinnern) noch viel besser, in Ermangelung irgendwelcher anderer Erhebungen außer dem benachbarten Blåbjerg kann man über das ansonsten platte Land bis hoch nach Skagengucken und bei gutem Wetter sogar Schweden, Norwegen und Finnland sehen. Okay. Nicht ganz.

Horizonte

Horizonte

Schweigen. Einfach mal innehalten, keine Musik hören und nur auf den Horizont gucken. Ich zähle mich ohnehin nicht zu den alles um sie rum ausblendenden Kopfhörer-Typen, ich habe auch ohne Knopf im Ohr schon genug Media um mich rum und genieße draußen die Geräusche der Natur und die Stimmen der Menschen. Es macht mich sehr froh, dass die beiden Hessen nicht mehr da sind, Moltio und ich haben die Düne für uns ganz allein. Wie so viele Orte hier, die Saison hat noch nicht angefangen, und es findet sich fast überall eine Menge Platz zum Dasein. Der Kaffeevollautomat hält beeindruckt inne und rückt ein bisschen näher an mich ran. Er findet das hier ziemlich hoch und zischt schüchtern etwas von Alpen und dem Mont Blanc, das hat er wohl mal im Fernsehen mitbekommen. Vielleicht muss ich ihn doch noch mal mitnehmen nach Süddeutschland oder in die Schweiz, wenn ihn das hier schon plättet dann werden ihm die echten Berge gefallen. Vielleicht verguckt er sich da ja in eine schicke junge Jura? Na, ich werde ihm den Wasserfilter nicht zu wässerig machen, nachher zieht er schneller aus als mir lieb ist. Sie werden so schnell erwachsen…

Berge in Dänemark?

Platz, wirklich viel Platz.

Der Blick von dieser Düne über die Heide und Henne Strand bis zur Nordsee bestätigt mir wieder einmal, dass ich ein Mann des Nordens bin. Ich brauche die Weite des Landes und ich brauche das Meer. Berge sind toll, aber wenn die mir auf Dauer im Weg stehen bekomme ich Platzangst. Das kann hier nicht passieren :-) denn nicht mal die Bäume werden in Dänemark viel größer als man selbst. Da sorgt der Wind schon für. Inzwischen habe ich mich auch endlich mal schlau gemacht über den lustigen Namen meines seit 25 Jahren bereisten Lieblingsplatzes, sowas wie „Ringköbing Fjord” oder „Kopenhagen” klingt alles viel weniger albern als „Henne„. Und in der Tat, ich lache zurecht. Wikipedia: Der Ortsname Henne, erstmals 1145 als Hænningh belegt, leitet sich von hane (dt. Hahn) ab, bedeutete ursprünglich also „Ort mit (Birk-, Auer-) Hähnen“Berge in Dänemark? Hier wurde also der Hahn zur Henne gemacht, und ich hatte gehofft, der Ursprung liegt in irgend etwas spektakulärerem, irgend einer Wikingersage oder so. Tz. Wie um das zu untermalen steigt ein Fasan aus den Gräsern auf und flattert krakeelend in Richtung Meer. Ob er den beiden Multifunktionsjacken-Hessen auf die Schulter scheißt? Bitte ja. Ich fände das sehr witzig. Und schleppe Molito wieder die Treppen runter.

Berge in Dänemark?

Heute mal auf der Straße, nicht der Haube.

Die Straßen um den Ort mit Hähnen zeichnen sich durch ihren highwayartigen Geradeauslauf aus, nur die Finnen können das noch toppen. Da gibt es dann sogar richtige Bäume am Straßenrand :-) Da sämtliche Touristen offensichtlich tatsächlich gerade vor RTL II sitzen (eigentlich sollte das ein Witz sein) bin ich sogar auf der Hauptstraße mit mir, der Kaffeemaschine, Lisa und dem Audi allein. Irgendwie seltsam. Sollte ich doch mal wieder den Fernseher anmachen und einen deutschen Sender suchen? Vielleicht ist mir ja zwischen den ganzen vomitierenden dänischen Nachrichtensprechern der dritte Weltkrieg durchgerutscht? Nee. Oder? Egal, bevor wir zum Blauen Berg weiterfahren mache ich noch ein Foto. Diesmal nicht als Haubensitzer, diesmal als Straßensitzer. Und immer schön nachdenklich gucken, *hach* wer braucht schon einen Selfie Stick?
Der Blåbjerg ist nur ein paar Kilometerchen von hier weg, auf dem Weg da hin kommt mir nicht ein einziges Auto entgegen. Auch der kleine Parkplatz inmitten des Naturschutzgebietes der Gemeinde ist entvölkert. Herrlich. Dann muss ich mich ja nicht intolerant über andere deutsche Touristen mit furchtbaren Dialekten aufregen, die genau wie ich auch einfach nur hier sind und gucken wollen, mir aber immer wieder auf den Sack gehen. Ich werde nochmal ein grumpy Old Man, wenn das so weitergeht Berge in Dänemark? Hey Moltio, wir sind da. Komm, ich mach dir die Tür auf.

Berge in Dänemark?

Ach bitte, steigen Sie doch aus.

Von den blauen Bergen kommen wir,
von den Bergen, ach so weit von hier.
Auf dem Rücken unsrer Pferde reiten wir wohl um die Erde.
Von den blauen Bergen kommen wir.
Sowas. Ich hatte den Text ganz anders in Erinnerung, irgendwas mit Lehrern, die genau so blöd wie wir sind. *grübel* Jedenfalls habe ich immer dieses Lied im Kopf, wenn ich auf den Blåbjerg steige. Hier oben war schon meine ganz große Tochter zu Grundschulzeiten, und es gibt Filmdokumente, die belegen, dass hier hoch genau fümundsiepzich Schtufn zu erklimmen sind. Vermutlich sind es heute nicht weniger geworden, ich vergesse sie nachzuzählen. Womöglich mache ich das eines Tages mal mit meinem geliebten großen Töchterchen. Habe ich erwähnt, dass ich diesmal alleine hier bin? :-( Kommt sowas wie ein kleiner Koller? Erkenne ich, dass die Gegenwart eines tragbare Navigationsgerätes und eines Kaffeevollautomaten nicht die lieben Menschen ersetzen kann, die man landläufig als „Familie” bezeichnet? Etwas ausgebremst schnappe ich mir Moltio und erklimme den Pfad bis hoch zum Stein.

Berge in Dänemark?

fümunsiepzich schtufen

Ich bekomme Hunger.
Absurderweise habe ich bis jetzt nicht mal einen Kaffee getrunken, und das ganze Philosophieren über den Ortsnamen macht mich scharf auf Chickenwings oder Hähnchenbrustfilet. Verdammt. So runtergerockt bin ich allerdings nicht, dass ich derartige Massentierhaltungsauswürfe schon zum Frühstück vertilge. Ja, lieber Magen, ich kaufe dir ja gleich deine Brötchen. Zunächst möchte ich meinem kubischen Freund noch ein paar Sachen zu diesem Berg hier erklären. Kammerherr Thyge de Tygeson hatte nämlich einst diese 64 Meter hohe Düne bepflanzt, um der Sandflucht Einhalt zu gebieten. Später wurde im Gedenken an den Thyge ein Gedenkstein auf der Kuppe des Blåbjerg errichtet. Argh. Und ich habe meinen Kindern immer erzählt, das sei ein geheimnisvoller Runenstein der Wikinger, der magische Kräfte habe :roll: Hoffentlich lesen sie das hier niemals! Das bewaldete Dänengebirge war früher eine wichtige Landmarke für Seefahrer. Dass sie aus der Entfernung bläulich aussah, verhalf ihr zu ihren Namen. Heute ist der Blåbjerg das Wahrzeichen der Kommune, aber für Wahrzeichen scheint sich hier niemand außer mir und Moltio zu interessieren. Aus der Ferne glaube ich, Gesang zu hören. Ist das Lisa?

Berge in Dänemark?

Geschichtsunterricht für eine Kaffeemaschine

Schau, da unten ist der Jungs-und-Mädchen Wald. Und da der Löcherbaum. Weiter da drüben sind der gefährliche Ameisenhügel und das Feenreich. All das, was ich meiner Kaffeemaschine von hier oben aus zeige würden meine Kinder als „Papa erzählt schon wieder Geschichten aus dem Krieg” bezeichnen, auch wenn sie selbst in diesen Geschichten durchaus mitgespielt haben. Kann sich ein Vollautomat langweilen? Ich habe nicht den Eindruck. Geduldig saugt er all die Informationen und die horizontreichen Aussichten in sich ein und behält auch alles drin. Der Behälter für den verbrauchten Kaffee ist jedenfalls nicht voller geworden. Etwas weiter vorn finden wir noch einen kleinen Bunker und die Reste einer MG Lafette aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Rund ist mit Beton ausgegossen, und ich vermute dass es hier auch zu aktiven Zeiten nicht viel zu verteidigen gab. Krieg ist doof. Ich muss nachher mal Nachrichten hören.
Singen ja ja jippi jippi je,
singen ja ja jippi jippi je,

singen ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi je
Ich rauche einen Frühstückszigarillo.

Berge in Dänemark?

Rauchen über Dänemark

Sie werden verstehen, dass man an so einem besonderen Platz zwar ewig philosophieren könnte über die Weite des Landes, das Bepflanzen von Dünen, was eigentlich genau ein Kammerherr ist, die Vergangenheit und das viel zu schnelle Älterwerden – aber mein Bock auf Frühstücksgeflügel macht mich nervös. Irgendwie liegt das an diesem Berg, damals bekam mein Freund Jan auf der Mofatour hier auch einen Bärenhunger. Es zieht mich zurück nach Henne Strand, rein in den Arbeitstag, an den Schreibtisch, wo es Kaffee gibt. Offtopic. Es existiert eine sehr kinderfreundliche Variante des Liedes mit den Blauen Bergen, die ich gerade entdeckte und die zur selben Melodie Melodie gesungen wird:
Wenn ich froh bin klatsch ich in die Hand, ( zweimal Klatschen )
wenn ich froh bin klatsch ich in die Hand, ( zweimal Klatschen )
wenn ich froh bin klatsch ich, wenn ich froh bin klatsch ich,
wenn ich froh bin klatsch ich in die Hand. ( zweimal Klatschen )
Das allerdings definiere ich als den  Sommerhit 2014 der RTL II Gucker und PEKiP Befürworter, im selben Moment fällt mir noch „Meine Tante aus Marokko” ein. Sagenhaft. Pitsch Patsch. Singen heute Eltern noch mit ihren Kindern Lieder, so wie meine Eltern das gemacht haben? Die haben damals im Sinne des Begriffs „Familie” so einiges verkackt, aber es wurde dabei viel gesungen. Das war gut so, das hat der Katastrophe eine Melodie gegeben. Na gucken Sie, kaum ist man in einer Art dänischem Gebirge und die Luft wird dünner kommen komische, lange verschüttete Gedanken. Ich bin froh, alle diese Lieder noch von damals zu erinnern und singe sie jetzt meinem viertelfinnischen Sandmädchen vor. Also, nicht jetzt, sondern wenn ich wieder zurück bin.

Berge in Dänemark?

So kann ich es aushalten.

Und das ist ja schon bald.
So begehrenswert in den ersten Tagen das Gefühl von Alleinsein war, die Tatsache, machen zu können was ich will und temporär keine Verantwortung für jemanden tragen zu müssen, so nachhaltig schleicht sich ein Vermissen in mein Herz. Ich bin eben nicht nur ein Nordmann, ich bin auch ein Papa. Und das mit Leib und Seele. Und wenn ich jetzt nicht langsam mal was zu Essen bekomme bin ich noch was ganz anderes! Ich schleppe Moltio wieder die fümundsiepzich Schtufn runter, setze ihn auf den Beifahrersitz und schnalle ihn an. Morgen hüpfen wir auf der Blase in Houstrup und gehen zum Strand. Und Kaffee müssen wir auch noch nachkaufen. Aber das wird eine andere Geschichte.

Singen ja ja jippi jippi je,
singen ja ja jippi jippi je,

singen ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi je

Sandmann

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