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04 Jul 2012

Pendula Alltagis – der norddeutsche Autobahnvogel

pendula-alltagis--der-norddeutsche-autobahnvogelBegleiten wir den Autobahnvogel auf einem seiner Streifzüge und entwickeln wir ein Rettungskonzept für diese aussterbende Art immerfröhlicher Lebewesen. Weiterlesen → [...]

Nennen wir es mal Morgen-Dramen

Nennen wir es mal Morgen-Dramen

*tschiep* *tschiep*

Seltsames geschieht dieser Tage, die ursprünglich engelsgleich einen Sommer mit sanften Gesängen einläuten sollten. Der Autobahnvogel, gemeinhin bekannt für seinen Frohmut und seinen Sanguinismus, fühlt sich davongespült. Es regnet und regnet in Deutschland, sein gesamtes Revier ist nass und klamm und auch der Weg zu seinen verschiedenen Nestern will ihm schon nicht mehr gefallen. Begleiten wir ihn auf einem seiner Streifzüge und entwickeln wir ein Rettungskonzept für diese aussterbende Art immerfröhlicher Lebewesen.

Es beginnt mit der Nahrungsaufnahme.

Die Freunde Krups und Melitta

Die Freunde Krups und Melitta

Pendula Alltagis braucht am Morgen nicht viel, um glücklich zu sein. Unser kleiner Springinsfeld gibt sich ab 6:00 Uhr morgens, wenn sein lieblicher Gesang über den Flur bis in die Dusche zu hören ist, mit etwas schwarzem Kaffee zufrieden. Liebevoll gebraut nicht von seinem heute fernen Weibchen, sondern eigenmächtig unter Zuhilfenahme der Lakeien aus dem Hause Krups und Melitta. Beides Zeitgenossen aus längst vergangenen Tagen, dank liebevoller Pflege aber jung und frisch wie damals in den 70ern. Und orange. Orange ist wichtig.

Holsteiner Regen-Sommer

Holsteiner Regen-Sommer

Dramen spielen sich da draußen ab, wenn auch nur im Geiste. Das transportierende Bieder-Gefieder aus Wolfsburger Werken geleitet den Asphalt-affinen Blässling schnurgerade durch Wasserlachen und kleine Seen. Er ist froh, dass er die Winterreifen noch drauf hat, gleichwohl alle ihm gesagt haben, dass es Ende Juni langsam mal Zeit würde, die Federn zu wechseln. Gefühlter Bodenfrost und die nahe Sintflut sprechen allerdings eine andere Sprache. Während seine tiefer wohnenden Nachbarn darüber nachdenken, eine Arche zu bauen versucht Pendula Alltagis, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Brutstätte seiner Kreativität zu erreichen.

Akustische Untermalungen

Akustische Untermalungen

Unscharf fokussiert (weil während des Fluges aufgenommen) erhalten wir Einblick in den Lebensraum des lustigen Meilenabspulers. Der Autobahnvogel muss akustisch unterhalten werden, sonst vereinsamt er. Aus diesem Grund befindet sich in seinem winterbereiften wundervollen Wandernest auch mannigfaltiges Tonmaterial, welches gleich dem Gesang der lieblichen Sirenen aus griechischen Heldensagen in seine Ohren diffundiert. Er hofft, nicht wie Odysseus stumpf auf sie reinzufallen und schickt sich demnach an, das Gefährt nicht blind auf den nächsten Felsen zu lenken, obwohl der Blick durch die Gischt wenig differenzierte Umgebungsdetails zeigt.

Nahrungsaufnahme, permanent

Nahrungsaufnahme, permanent

Auch während des Fluges sieht unser Protagonist es als überlebensnotwendig an, die flüssige Nahrungsaufnahme nicht zu unterbrechen. Das schwarze Nass aus Krups und Melitta steht nun in einem praktischen Pappbecher auf einem wundervollen, in vorherigen Wandernestern immer schon vermissten Serien-Cup-Holder, leidlich warm gehalten von einer ebenfalls orangen Thermoskanne. Wenigstens hier und da ist an diesem trüben Morgen ein Farbfleck zu bewundern. Wie bunt es im Herzen des Pendula ist kann man als Außenstehender nur erahnen, bekommt aber einen Eindruck, wenn man seinem lauten und falschen und zumeist nicht ganz zur akustischen Beschallung passenden Gesang lauscht. Baustelle. Schalten. Und – weitersingen.

Schleichender Verfall

Schleichender Verfall

Das Nest ist in keinem guten Gesamtzustand. Unser Autobahnvogel kommt ins Nachdenken, das Grau und der Regen machen ihn krank. Vielleicht kann er mit seiner erst-Brut in ein wärmeres Land fliegen, und sei es nur für einige Tage, um wieder neue Energie und Sonne zu tanken? Um seinen Gesang wieder auf die richtige Tonspur zu bringen und seine Gedanken wieder so zu ordnen, dass er mit seinen Flügeln neue Geschichten für die anderen schreiben kann? Warum eigentlich nicht? Aber zuvor muss das Wandernest heile gemacht werden, in diesem Zustand wird es nicht bis in den Süden durchhalten. Pendula Alltagis ist kein Zug-Vogel. Er möchte statt in der Bahn lieber in seinem Nest reisen. Heute zunächst zur Brutstätte der Kreativität, und nach kleinen Reparaturen vielleicht noch ein bisschen weiter. Ja, das ist eine gute Idee.

Madonna der guten Gedanken

Madonna der guten Gedanken

Der im Fortbewegungsmittel permanent Heizöl unter Kompression verbrennende Frohmut-Vogel ist gläubig. Seine kleine Madonna unterstützt ihn bei Flügen durch seine Welt und erneuert jeden Tag seinen Glauben daran, dass alles immer irgendwann wieder gut wird. Wenn es das nicht sowieso schon ist. Regen. Grauer Himmel. Wochenbeginn. Na und? Das schwarze Nass im Inneren des Piep-Matzes beginnt seine erweckende Wirkung zu entfalten, und während die Madonna irgendwie ein bisschen milde lächelt beginnt der Autobahnvogel seinen fröhlichen Gesang erneut. Diesmal schon ein wenig sicherer. Süden, das wär’s.

Wirkt. Weiterfliegen. Jetzt.

Wirkt. Weiterfliegen. Jetzt.

Süden. Es gab ja einst Zeiten, an denen das Pendeln druckvoll und angstbehaftet war ob der Möglichkeit, am Zielort nicht im vorgegebenen Zeitplan zu landen. Andere Vögel fliegen manchmal auch zur Brutstätte, manchmal auch alle gleichzeitig, und dann wird es eng. Das ist nun nicht mehr so, Pendulas einzige Sorge ist das umfassend graue und schlechte Wetter, zwar gemeistert von den Winterreifen des nicht-Stufenheck-Nestes, aber trist machend an so einem frühen Morgen. Und auch später noch. Doof. *tschiep* Als der letzte Tropfen aufmunterndes Wässerchen aus Orange in Pappe in Schnabel gelaufen ist, zeigt sich am grauen Horizont bereits das Ziel.

Unterwegs im Revier

Unterwegs im Revier

Nennen wir es mal Aufbruch. Für die einen in einen neuen Tag, für die anderen in einen nicht kommen wollenden Sommer und für ganz besondere Vögel in einen neuen Lebensabschnitt. *tschiep* In diesem Sinne, ihr gefiederten Freunde, wohin tragen eure Wege euch diesmal? Stillstand ist der Tod.

Sandmann

Original: Sandmanns Welt

Created Mittwoch, 04. Juli 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags autobahn | Becher | Cupholder | Diesel Dramen | Kaffee | Landstraße | pendeln | Pendler | regen | Thermoskanne
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26 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Schön ist anders

Gestern ging es früher in die Werkstatthölle. Ich wollte so viel schaffen, wie möglich. Erster Einsatz: Massives Rohr in die Front, Kette dran und mit dem Benz an der AHK gezogen.

Schön ist anders

Und so nach und nach alles einigermaßen wieder rausgezogen bis es in etwa grad war.

Schön ist anders

Um zu sehen, wie es gelungen ist, Haube drauf. Ich musste noch etwas nacharbeiten, dann schloss die Haube.

Schön ist anders

Nun ging es mit Zughammer Hammer, Fäustel, dem richtig dicken Bello ans Werk. Irgendwie musste der Rest auch passend gemacht werden. Der Scheinwerfer auf der Beifahrerseite war nicht das Problem, die Seite hatte es nicht ganz so wild erwischt. Leider war der Stellmotor in 2 Teilen. Ersatz? Suchen alle Escort Fahrer angeblich. Ich hab mir mit einer Schlauchschelle beholfen.

Die Stoßstange - nunja, bei der Befestigung muss ich noch nachbessern.

Schön ist anders

Kühler ist auch wieder drin und wider Erwarten hat der Lüfter vom Benziner auch Platz. Hab das System nur zum Teil wieder auffüllen können. Hatte nur noch wenig Frostschutz vorrätig.

Kühler

Luftfilter? Check!

Luftfilter

Auf der Beifahrerseite ist der Hund begraben. Da musste ich die Kotflügelecke oben wegtrennen. Ließ sich nicht dengeln. Normal hätte ich den Flügel demontiert und das von hinten geklopft - nur der Escort hat verschweißte Flügel, das macht es nicht leichter. Auch dass die Blinker und die Scheinwerfer voneinander abhängig montiert werden. Irgendwie ist auch die zweite Einheit drin. Aber das gefällt mir nicht. Der Scheinwerfer hat Kontakt zur Haube, das muss tiefer. Der Stellmotor der LWR ist da noch fieser zerbröselt, auf der Seite müssen Kabelbinder herhalten. Arschlecken.

Schön ist anders

Sieht wieder komplett aus, da lauert aber noch Arbeit. Die Leuchteneinheit auf der Beifahrerseite muss tiefer, der Kotflügel wieder geschlossen werden, die Stoßstange, die jetzt nur halbherzig draufhängt befestigt...

Sieht soweit ganz nett aus, ist aber echt brutal zusammengeschustert. Spaltmaße unter aller Sau. Der Titan ist im Stadium Ratte angekommen. Und was soll ich sagen - ich scheiß jetzt drauf, der bleibt brutal zusammengeschustert. Wichtig ist, dass ich ihn wieder nutzen kann.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/focht/schoen-ist-anders

26 Nov 2014

Vegas Baby! – Deutsches Kulturgut auf der SEMA Show 2014

Deutsches Kulturgut auf der SEMA Show 2014 - Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es geballte Power gepaart mit vielen ausgefallenen Umbauten, wie auf der großen Automobilshow in Las Vegas. Auch zur SEMA 2014 ging es in den Staaten wieder heiß her! Martin Hillmann alias von German Custompixel war mit seiner Kamera in den Hallen der Motor Show unterwegs und hat uns eine sehr nette Auswahl an deutschem Kulturgut mit nach Deutschland gebracht. In unseren Bildern zeigen wir euch aber heute nicht nur GermanMotorKult, sondern auch ein paar andere sehr kultige Exponate.

SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 36SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 62SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 84SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 25SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 73SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 66SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 43SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 82SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 65SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 6SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 67SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 18SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 2SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 89SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 17SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 58SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 51SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 86SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 81SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 78SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 72SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 35SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 19SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 15SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 92SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 12SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 38SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 69SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 13SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 71SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 31SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 34SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 68SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 53SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 21SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 76SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 5SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 45SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 23SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 70SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 77SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 7SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 37SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 59SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 24SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 10SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 33SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 9SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 29SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 27SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 49SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 16SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 4SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 20SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 48SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 55SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 80SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 79SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 85SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 32SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 61SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 40SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 54SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 44SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 75SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 91SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 57SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 74SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 41SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 47SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 46SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 64SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 3SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 14SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 28SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 60SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 90SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 83SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 22SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 39SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 42SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 87SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 11SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 56SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 30SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 26SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 50SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 63SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 52SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 8SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 88SEMA Show 2014 Las Vegas Hillmann - 1

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Created Mittwoch, 26. November 2014 Tags Bildergalerien | GMK Document type Video
Categories Timeline Author Michael Peschel
25 Nov 2014

2014 Renault Twingo SCe70 LUXE – Video und Fakten

2014-Renault-Twingo


Video – 2014 Renault Twingo SCe 70 auf Youtube ansehen

Die Geschichte des 2014 Renault Twingo SCe 70
Dafür, dass es den Twingo doch schon einige Zeit gibt, hält sich die Zahl der Produktgenerationen in Grenzen: Es sind gerade einmal drei. Und die dritte Baureihe ist auch schon die aus 2014 und damit die aktuellste. In 1992 hat Renault den Kleinstwagen erstmals auf den Markt gebracht. Ganze 22 Jahre ist das her. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich damals, als Neunjährige, an der Bushaltestelle meiner Schule stand und einer aus der Oberstufe im schwarzen Twingo an uns vorbeibrauste. Da war ich bereits erstaunt. Erst recht, als mich der Kamerad mal mit nach Hause genommen hat (Nachbarn in einem kleinen Dorf). Als Kind, das mit Schlachtschiffen von Ford, Mercedes und Opel aufwuchs, war dieses kugelige Auto vollkommen faszinierend.

Die digitale Geschwindigkeitsanzeige hat mich total umgehauen. Für mich damals der Inbegriff von Moderne und Zukunft. Und offenbar konnte der Twingo nicht nur mich Lütte überzeugen, sondern auch viele andere. Über eine Million Twingos der ersten Generation wurden verkauft! 2007 folgte die zweite Generation, ich war älter und an anderen Dingen interessiert. Allerdings habe ich durchaus noch all diese Modelle wahrgenommen, die mit Wimpern verzierte Scheinwerfer hatten. Ein Graus! Nun, 2014, lassen die Franzosen das dritte Baujahr vom Band, wahrscheinlich kriegen sie da sogar direkt viel mehr drauf als vorher, denn der Twingo ist in der Länge geschrumpft! Dafür hat er nun einen längeren Radstand.

Der Fahreindruck
Man hat ja meist eine Erwartungshaltung. Ob das nun so richtig ist, oder nicht – lassen wir das mal außen vor. Beim neuen Renault Twingo SCe70, Ausstattungsvariante LUXE, jedenfalls haben wir erwartet, dass uns Adjektive wie fetzig, spritzig oder flott über die Lippen kommen. Das liegt nicht zuletzt am hinten montierten Motor und am Heckantrieb. Leider nein.

Es war eher ein enttäuschtes “Ah so. Mh. Na gut. Naja, aber fährt”. Es ist also so: Der neue Twingo mit 1-Liter-3-Zylinder-Motor und 70 PS hat uns in Sachen Fahrdynamik oder Beschleunigung (14,5 Sekunden!) nicht vom Hocker gerissen. Jegliche dynamische Anwandlung hat das ESP sofort reguliert. “Doofes ESP”, bockte man da schon mal vor sich hin. Flitzen bei einer Höchstgeschwindigkeit von 151 km/h – das Tacho zeigt bis 160 an – ist per se nicht drin. Ist ja auch grundsätzlich nicht schlimm. Dann ist es eben ein Auto für alle, die ein kleines Auto wollen, dass mit einem piepsig-kleinen Wendekreis die Cities rockt, nicht zu schnell wird und kontrollierbar bleibt. Für alle, die eine leichtgängige Lenkung präferieren und nichts gegen Bremsen haben, die zwar absolut bremsen, aber nicht sehr fein dosieren: da knallt man schon mal mit dem Pedal nach unten hin durch.

Das Infotainmentdisplay sitzt noch so gerade eben an einer Position, die hinnehmbar ist, es ist in jedem Fall nicht zu weit unten angesiedelt. Dafür sind Funktionen wie das Navi sehr einfach und intuitiv bedienbar. Die Bluetooth-Anbindung ans Handy funktionierte ebenfalls einwandfrei. Cooles Feature: Über den Button “Tour-Report” kann man sich sein eigenes Fahrverhalten aufgeschlüsselt zeigen lassen. Wie hab ich gebremst? Wie viel habe ich verbraucht? Wann habe ich gar nichts verbraucht? usw.
Das Fahrwerk wird wohl Geschmackssache sein: Jens fand es manchmal etwas unbequem – andere finden eben das vielleicht “sportlich”? Wer fährt, sollte sich auch an den fehlenden Drehzahlmesser gewöhnen und an die Tatsache, dass er eventuell nicht seine unbedingt perfekte Sitzposition findet. Zwar lassen sie die Sitze hoch und runter, nach vorne und hinten verschieben, das Lenkrad aber hat keine Längsverstellung. Und da kann es zu ungemütlichen Situationen kommen, besonders bei eher lang gewachsenen Menschen, die vorne durchaus noch unterkommen.

Im Fond dagegen sehen wir zwei Personen, mehr nicht, und denen sollte man keine Langstrecken zumuten. Angenommen, hinten sitzen zwei Passagiere, dann wird es mit der Sicht nach hinten raus noch kanpper, als sie eh schon ist. Wir mögen den Glasdeckel am Heck – allerdings ist nur eine schmale Fläche wirklich glasklar gehalten, also die für den Blick nach hinten, der Rest dunkel. Sitzen dann aber noch Personen davor und schieben die ihre Kopfstützen hoch und so weiter – dann hat es eher was von Schießschartenflair.

In der Summe scheint dieses Auto zum Beispiel für Abiturienten geeignet zu sein oder für Menschen, die in Städten unterwegs sind. Fetzig, flott und spritzig sind immerhin die Ausstattungsvarianten und Individualisierungsmöglichkeiten, die Renault für seinen Kleinsten anbietet. UNd dann ist es eben ein kleines, fesches, liebes Auto. Zu Recht.

Die Fakten:
Unter der Haube vom 2014 Renault Twingo SCe 70 findet man z.B. den 1-Liter-3-Zylinder Motor mit einer Leistung von 71 PS (52 kw) und einem maximalen Drehmoment von 91, das bei 2850 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht.

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Twingo SCe 70 innerhalb von 14.5 Sekunden. Der Vortrieb endet bei 151 km/h.
Der 2014 Renault Twingo SCe 70 ist 3.59 m lang, 1.55 m hoch und misst in der Breite 1.64. Der Radstand beträgt 2.49 Meter und der Wendekreis liegt bei gerade einmal 8.6 Metern!

Die maximale Zuladung liegt bei 420 kg, das zulässige Gesamtgewicht beträgt 1360 kg. Die Dachlast wird vom Hersteller mit 0 kg angegeben. Werfen wir einen Blick in den Kofferraum. Dort passen 219 Liter hinein (bei umgeklappter Rückbank sind es 980 Liter), maximal zugeladen werden dürfen 420 kg.

Renault gibt den kombinierten NEFZ-Verbrauch mit 4.2 Litern auf 100 km an. Dank des 35 Liter großen Tanks sind rein rechnerisch Reichweiten von 830 Kilometern möglich. Der 2014 Renault Twingo SCe 70 lässt seine Brennräume gerne durch guten Super Kraftstoff kühlen.

Der Basispreis vom 2014 Renault Twingo SCe 70 liegt bei 9590 Euro.

AUSFAHRT-TV

 

Bericht zum 2014 Renault Twingo SCe70 auf auto-geil.de

Bericht zum 202014 Renault Twingo SCe70 auf rad-ab.com

Original http://ausfahrt.tv/2014-renault-twingo-sce70-luxe-fakten-und-video/

25 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Ren(n)tner, Test Volkswagen Scirocco R 2079

Test VW Scirocco R

Taufrisch ist der VW Scirocco - auch als R-Version - ja nicht mehr. Auch nach dem Facelift nicht. Aber neu ist ja auch nicht immer besser. Oder doch?

Klar, 280 PS aus einem aufgeladenen Vierzylinder das hat schon was. Aber, die Konkurrenz schläft ja auch nicht. Also muss sich der Scirocco schon etwas nach der Decke strecken. Allen voran der wirklich feine Renault Mégane R. S. macht dem VW ziemlich Feuer unter dem Hintern. Der bietet 275 PS, auch Vorderradantrieb und ein ziemlich hartes Fahrwerk. Im Gegensatz zum Renault ist der VW deutlich softer abgestimmt, besser gesagt, weil man die Fahrmodi und die entsprechenden Dämpferkennlinien auswählen kann, muss man sich nicht wie im Renault immer und überall durchschütteln lassen. Das ist ein klarer Pluspunkt für den Scirocco, den man aber auch teuer bezahlen muss. Der Scirocco R kostet in der Basisversion mit Handschaltung - die zugegebenermassen ziemlich gut ausgestattet ist - 45'200 Franken. Den Renault hingegen gibt es ab 42'900 Franken. Während es den Franzosen nur mit Handschaltung gibt, war unser Scirocco-Testwagen mit vielem aufdotiert, was (meist) gut und vor allem teuer ist. So kam der Wagen auf einen Preis von satten 57'400 Franken. Viel Geld für ein Coupé des Nutzwert etwa so gross ist wie die eines Kühlschranks in Sibirien. Aber der Nutzwert ist ja bei solchen Autos ein kleines Thema, niemand kauft sich einen Mégane R. S. oder einen Scirocco R wenn er drei Kinder zu Hause hat. Genauso klein wird bei beiden das Thema Übersichtlichkeit geschrieben. Nach vorne ist alles okay, zu den Seiten und nach Hinten braucht man einen weissen Stock. Und: Renault verzichtet auf einen unsäglichen Sound-Composer, um im Innenraum auf dicke Hose zu machen. Die Franzosen vertrauen da lieber auf eine Abgasanlage von Akrapovic.
Ren(n)tner, Test Volkswagen Scirocco R 2079
VW hingegen hat dem Scirocco ein Soundmodul spendiert welches dem Fahrer glauben machen will, er habe einen Fünfzylinder unter der Haube. Im ersten Moment noch lustig, mit der Zeit wird das Gedröhne aber einfach too much.
Natürlich passen der Vierzylinder (max. 350 Nm) und das Doppelkupplungsgetriebe prima zusammen. Beschleunigen macht schon sehr viel Spass im Scirocco R und auch die Fahrwerksabstimmung ist gelungen. Der R schafft den Spagat zwischen sportlicher Härte und Komfort besser als der R. S. der Franzosen. Auch wenn man den VW in der schärfsten aller möglichen Fahrwerkseinstellungen bewegt. Allerdings ist der Scirocco bei weitem nicht so kurvengierig wie der Renault. Oder zumindest wirkt es so. Die Lenkung ist es, die heute doch etwas angegraut wirkt. Obwohl alles andere als leichtgängig wirkt sie nicht sonderlich präzise. Das kann der Mégane deutlich besser. Und das obwohl das Thema Lenkung bei Renault lange Zeit ein Leidiges war. Wer sich an die indifferente des VW gewöhnt hat, kann es natürlich ganz schön Fliegen lassen. Auch die Vorderachse scheint nicht völlig überfordert ob der Gewalt der 280 PS. Hier hilft das elektronische Sperrdifferenzial. Also, per Bremseingriff wird das kurveninnere Rad abgebremst, eine mechanische Sperre wie der Golf GTI Performance oder der Seat Leon Cupra hat der Scirocco leider nicht.
Wer die Drosselklappe gerne in der Horizontalen hält, muss mit einem Verbrauch von gut 10 Litern pro 100 Kilometer rechnen. Während des gesamten Tests genehmigte sich der VW allerdings «nur» 8,3 L/100 km. Das sind nur 4 dl mehr als Volkswagen angibt. Erstaunlich. Der Sciroco R ist ein Auto, dass man haben will - oder auch nicht. Dazwischen gibt es nicht viel, die Konkurrenz in dieser Klasse (auch hausintern mit dem Seat Leon Cupra 280 PS ab 43'350 Franken) gross und zum Tiel einfach auch besser. Aber optisch kann der VW auch im hohen Alter durchaus noch überzeugen - und das zählt bei dieser Fahrzeugart halt doch mehr als man denkt.
Mehr Volkswagen gibts im Archiv.

Ren(n)tner, Test Volkswagen Scirocco R 2079

Text: Cha, Fotos: Werk.

Ren(n)tner, Test Volkswagen Scirocco R 2079

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/test-volkswagen-scirocco-r-2079/seite_1-2

25 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078

Test Renault Twingo

Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078

Ja, wir erinnern uns gerne an den Twingo der ersten Generation. Und dies nicht nur, weil wir immer noch viel dieser Kult-Kugeln tagtäglich auf den Strassen sehen. Der Twingo war ein grosser Wurf von Renault. Nicht schnell, nicht böse, nicht riesig und doch ganz gross. Dann kam die zweite Generation. Wer so einen in freier Wildbahn entdeckt, der gehört zu den Privilegierten, der Twingo II – das ging irgendwie gar nicht. War ja auch nicht einfach nach dem ersten Modell - und trotzdem. Nach dem sich der erste Twingo schneller verkaufte als Angelina Jolie Kinder adoptieren konnte war der zweite Twingo einfach nur ein: Flop. Nun kommt also Twingo Nummer 3. Und der ist - wieder etwas ganz Neues. Nein, wir wagen die Prognose nicht, dass sich der neuste Renault so gut verkauft wie der Twingo I. Dafür gibt es in diesem Segment schlicht zu viel Konkurrenz. Aber, die Franzosen (und nicht die Deutschen, der Twingo ist nahezu baugleich mit dem Smart Forfour) beweisen einmal mehr Innovationskraft und Mut. Allein das Heckmotorkonzept ist für einen Viertürer durchaus mutig. Bietet einige ganz grosse Vor- aber halt auch ein paar ziemliche Nachteile. Und, wir gestehen auch Daimler einen gewissen Mut zu. Denn nach dem Crashtest-Debakel des leichten Transporters Citan (basiertend auf einem Renault) sich noch mal mit den Franzosen einzulassen...

Zurück zum kleinen Franzosen. Der ist 360 cm lang und nur 164,5 cm. Wie wohltuend, mit dem schmalen Kerlchen kommt man wirklich überall durch. Und in der enge der Stadt zeigt sich auch der grosse Vorteil des Heckmotor-Konzepts. Wendekreis deutlich unter neun Metern, da bemühen wir doch den alten Spruch vom «auf dem Bierdeckel wenden». Echt, es ist ziemlich übel wie schnell man sich an den Wendekreis gewöhnt und muss höllisch aufpassen das man nicht den nächsten Pfosten rammt wenn man wieder in einem anderen Auto sitzt.

Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078
Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078

Innen merkt man vom etwas anderen Antriebskonzept derweil nicht viel. Zumindest auf den vorderen beiden Plätzen nicht. Es gibt viel Raum für Fahrer und Beifahrer, gute Sitze mit allerdings in unserem Fall etwas rutschigen Sitzflächen. Und, der Seitenhalt der Stühle ist auch nicht sonderlich ausgeprägt. Spielt bei einem Auto wie dem Twingo keine Rolle? Doch, tut es, denn den kleinen Franzosen kann man ziemlich forsch bewegen. Es kommt so etwas wie Fahrspass auf im Twingo. Ohne Scheiss. Allerdings nur so lange, bis das ESP eingreift. Bei Renault (und sicher auch beim Smart, den wir bald Fahren werden) ist man darauf erpicht, dass mit dem Hecktriebler nichts passiert. Verliert das kurveninnere Rad nur für eine gefühlte Millisekunde etwas an Traktion macht das elektronische Stabilitätsprogramm einen auf «Untergang der Titanic». Immerhin: man lernt, den Twingo genau an der Grenze zum ESP-Eingriffs zu bewegen, fährt besonders rund und ist trotzdem nicht langsam.

Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078
Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078
Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078
Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078
Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078

Die Instrumentierung ist erstaunlich klassisch gehalten. ein grosses Rundinstrument, dazu eine Art Tablet in der Mitte des Armaturenbretts, damit ist der Fahrer mit allen nötigen Infos versorgt und kann sich natürlich mit Musik berieseln lassen oder der Navigation folgen. Das passt alles, ist einfach zu bedienen, nur ein Drehzahlmesser fehlt. Aber den hatte der erste Twingo ja auch nicht. Noch ein Wort zu den Plätzen im Fond. Auch wegen der geringen Breite des Fahrzeugs stehen hinten nur zwei Sitze zur Verfügung, doch das wird den meisten neuen Besitzern reichen. Leider lassen sich beim Twingo, wie etwa auch beim Citroën C4 Cactus, die hinteren Fenster nicht öffnen sondern nur einen Spalt ausstellen. Und, es ist ziemlich laut da hinten, der kleine Motor ist halt verdammt nah an den Fondpassagieren. Immerhin, Petrolhead-Kids kommen in den Genuss das Zischen des Wastgates hautnah zu erleben. Natürlich gibt es für innen eine enorme Auswahl an Individualisierungsmöglichleiten. Auf alle einzugehen ist schlicht nicht möglich. Nur so viel: nicht alle sind optisch überzeugend oder gar sinnvoll. Aber, das muss man den Franzosen lassen: einige Dinge sind saupraktisch. Etwa die herausnehmbare Tasche mit Schultergurt anstelle des Handschuhfachs. Gut gemacht.

Unser Testwagen war mit einem 90 PS leistenden Dreizylinder-Turbomotor ausgerüstet. Damit ist der Franzose gut motorisiert, kein Sprinter vor dem Herrn aber sicher ausreichend. Zumal mit 135 Nm auch genügend Drehmoment zur Verfügung steht um den gut 1000 kg schweren Twingo in Bewegung zu setzen. Gekoppelt ist das ganze an ein manuelles Fünfganggetriebe, dass sich leicht und präzise bedienen lässt. Noch nicht lieferbar ist eine Automatik, darauf werden einige potenzielle Kunden sicher mit Sehnsucht warten.

Eigen und artig, Test Renault Twingo 2078

Kommen wir zu dem Thema, welches in dieser Fahrzeugkategorie zu den wichtigsten gehört – dem Preis. Klar locken auch die Franzosen mit extrem attraktiven Einstiegsangeboten. 13'400 Franken zum Beispiel für einen neuen Twingo. Der Sparfuchs wird sich nicht daran stören, dass er nur 70 PS bekommt, selber Singen muss wenn er etwas Unterhaltung will und die Fenster von Hand runterkurbeln darf. Aber die Version mit 90 PS und der mittleren Ausstattung wird sich sicher besser verkaufen, und da geht es bei 16'750 Franken los. Immer noch sehr fair wie wir finden. Unser Top-Testwagen mit einigen Extras hingegen kostete schon 21'400 Franken. Ein stolzer Betrag wenn man bedenkt dass man fürs gleiche Geld vom selben Konzern gleich zwei Dacia Sandero Stepway bekommt... Klar, der Smart wird nicht billiger (etwa 2000 Franken teurer), dafür gibts bei Daimler während der ersten 10 Jahren (oder 80'000 km) Gratisservice. Das kann oder will man bei Renault nicht bieten.

Noch zur Frage, ob es denn nun ein Renault sei oder ein Smart. Völlig egal, gebaut werden beide im selben Werk in Lublijana in Slowenien. Immerhin hat man es geschafft, dass man äusserlich die nahe Verwandtschaft der beiden Modelle nicht erkennt. Unter dem Blech aber - steckt immer ein Renault... Allerdings ein verdammt durstiger Renault. Im Test flossen pro 100 Kilometer satte 6,1 Liter durch die drei Einspritzdüsen des Zwölfventilers. Das sind fast zwei Liter mehr als man bei Renault verspricht!

Mehr Renault gibts im Archiv.

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/test-renault-twingo-2078/seite_1-2

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25 Nov 2014
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Mit Dachbox, Mercedes CLA Shooting Brake-1586

Mercedes CLA Shooting Brake

Wir wiederholen uns: ein Shooting Brake hat 2 (in Worten: zwei) Türen. Der CLA-Kombi hat vier (in Zahlen: 4). Zwei, 4, hä?

Den CLS Shooting Brake mögen wir ja, lesen Sie: hier. Obwohl er ja gar kein Shooting Brake ist, sondern einfach ein Kombi mit 4 Türen. Jetzt tut es Mercedes wieder, zwei Stufen tiefer, Frontantrieb, und macht aus dem CLA auch einen Shooting Brake. Zumindest in der Bezeichnung, denn in Tat und Wahrheit ist es wieder: ein Kombi. Punkt. Wobei: mehr so ein Lifestyle-Schischi-Dings, ein maximales Ladevolumen von 1354 Liter schafft ja jedes kompakte SUV auch. Und dann: dies Hochdach. Da haben sie wohl die Thule-Box gleich reingearbeitet.
Ach, es hätte so schön werden können. 2 (in Worten: zwei) Türen (wären ja vorhanden von der A-Klasse), ein bisschen flacher, etwa so: Mercury Station Wagen, 1950. Oder so, der echte: Aston Martin DB5/6 Shooting Brake. Doch es gibt sicher wieder allerbeste Gründe, warum alles so ist, wie es ist. AMG ist dann auch noch, 360 PS. Auf dem Markt: next year.
Mehr Mercedes gibt es im Archiv. Dort auch: Fahrbericht vom neuen AMG GT, lesenswert, glauben wir zumindest...

Mercedes CLA Shooting Brake

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/mercedes-cla-shooting-brake-1586/seite_1-2

25 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Can Struck  

10 Hours of Walking in NYC as a Lamborghini

10 Hours of Walking in NYC as a Lamborghini
Wer hat das Video nicht gesehen, in dem mit versteckter Kamera festgehalten wurde wie oft ein Mädchen in den Straßen New Yorks von männlichen Passanten belästigt wird? 10 Hours of Walking in NYC. Die meisten dürften es gesehen haben und sich die eine oder andere Meinung gebildet haben. Die Diskussionen in den Sozialen Netzen jedenfalls waren sehr intensiv.

Ein Lamborghini-Fahrer hat nun als Parodie ein ähnliches Video veröffentlicht. Er zeigt wie er mit seinem Lamborghini von Passanten belästigt wird. Am Fahren gehindert wird und die Leute sich dreist gegen das Auto lehnen (ufff…). Gerade wenn man das im ersten Absatz erwähnte Video gesehen hat ist das Lambo-Video durchaus lustig.
Viel Spaß!

Bildquelle: Youtube Video

Weitere Bilder gibt's bei Klick auf die Pfeile oben direkt auf Driver's Groove.
Der Beitrag 10 Hours of Walking in NYC as a Lamborghini erschien zuerst auf Driver's Groove.

Original http://driversgroove.com/10-hours-walking-nyc-lamborghini/

Created Dienstag, 25. November 2014 Tags Videos Document type Video
Categories Timeline Author Can Struck
25 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Ein Tag on the Road

Der Titan stand noch bei mir in der Garage hinterm Haus. Keine optimalen Arbeitsvoraussetzungen. Früher hätte ich mir in der Situation den weißen Klaus geliehen, aber der ist leider nicht mehr.

Weißer Klaus

Die letzte Autobahnfahrt von Klausi - nicht mit mir am Steuer - endete in der Leitplanke. Totalschaden. Lohnt leider nicht mehr. Ob es einen Ersatz geben wird, steht in den Sternen.

Klausi - ich vermisse Dich. Du warst ein treuer Freund, auch wenn ich Dich nur ab und an ausgeliehen habe.

Also musste ich den Titan Trailern. Und wie das so ist, den Hänger, den ich holen wollte, da war erstmal die Bremse fest. Als ich die gelöst bekommen hatte, hatte ich keinen Adapter von 7polig (Benz) und 13polig (Anhänger). Alles Probleme, die sich lösen ließen, aber es hält eben auf. Letztendlich bin ich aber sehr dankbar, dass ich diese Alternative hatte. Also ging es huckepack in die Werkstatthölle.

Autotrailer

Glücklicherweise läuft der Wagen noch - der Trailer hat keine Seilwinde. So konnte ich den Bock hoch und auch weder herunterfahren und in die Vorhölle rangieren.

Vorhölle

Hänger wieder verbracht, nach Hause gefahren und das Gespann gewechselt.

Gespann

In einer Ford Escort Facebookgruppe meinte ein User, er mülle aus und er bringt Teile zum Schrott. Darunter eine Escort MK4 Motorhaube in rostfrei. Wer schnell vorbeikommen würde, könnte sie für umme haben. Solche Angebote machen mich hellhörig. Wo eine Haube ist, ist evtl. auch mehr. Gefragt, wo es ist und festgestellt, dass ca. 70km Entfernung eine akzeptable Entfernung sind. Und da in den Benz keine Motorhaube passt, dann eben mit Hänger.

Die Haube hat ein paar kleine Dellen - vollkommen ok für den Tarif. Und er hatte auch alles andere, was ich brauchte.

Teile

Scheinwerfer, Blinker, einen Kühler, Kühlerlüfter und eine Stoßstange. Im Paket für einen mehr als fairen Preis. Scheinwerfer sind eben "nur" Zubehörware, gelbe Blinker will keine Sau haben - genau das Richtige, um den Wagen schnell und kostengünstig wieder auf die Gasse zu bringen.

Die Stoßstange ist von eine "efi". Muss wohl irgendetwas Besonderes sein. Ich kenn mich bei Ford nicht aus. Aber die Reaktionen auf Facebook sind herrlich. Ich hatte da ein Bild meiner Kaperfahrt gepostet, um zu zeigen, dass ich nicht weiter nach Teilen suche. Sofort wurde gefleht, da keine Chromhörner draufzusetzen. Mir wurde sogar bestätigt, keinen Geschmack zu haben. Als ob ich das nicht schon vorher gewqusst hätte ;-). Verdammt, ich muss die dringenst versauen. Ist ja eh schon verbastelt mit dem komischen Gitter unten, das da nicht hingehört. War billig, sollen sich nicht so anstellen.

Der Ventilator zum Kühler ist leider keiner vom Diesel, der vom Benziner ist anders ,der braucht mehr Platz. Aber evtl. kann ich den umarbeiten, wenn ich ihn nicht reinbekomme. Notfalls fährt der Bock auch ein paar Tage ohne bei diesen Temperaturen.

Ich zimmere das jetzt erst einmal original zusammen. Gestaltet wird später. Die Deadline ist einfach zu kurz für Experimente diese Woche. Irgendwie bekomme ich das schon zurechtgedengelt.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/focht/ein-tag-on-the-road

25 Nov 2014

Kopffreiheit im Fond? 2015 Mercedes-Benz CLA Shooting Brake (X117)

mb-cla-cb-x117

Ich habe hier in meinem bescheidenen Blog nie einen Hehl daraus gemacht, dass der CLA zu meinen absoluten Lieblingsautos der aktuellen Fahrzeuge überhaupt gehört. Und hätte er nicht diesen für mich persönlich sehr relevanten Makel gehabt, ich wäre wohl schon fieberhaft auf der Suche nach einem Jahreswagen. Ja, so sehr mag ich den CLA.

Aber als Vater von 2 Kindern möchte ich mir kein Auto kaufen, dass eine so arg eingeschränkte Kopffreiheit im Fond hat. Sicherlich kann man auch als Erwachsener im Fond sitzen, aber angenehm ist anders. Da hatte ich mich schon wahnsinnig über die ersten Gerüchte gefreut, dass analog zum CLS auch dem CLA ein Shooting Brake zur Seite gestellt werden sollte.

Nun ist es also so weit. Um 9 Uhr werden zahlreiche aufgearbeitete Pressemitteilung mit den von Mercedes zur Verfügung gestellten Pressebildern online gehen. Da kann man sich schon mal einen ersten Eindruck von dem Fahrzeug machen.

Weit interessanter sind wohl aber die ersten Erfahrungsberichte von ein paar Journalisten, die Daimler zu einer Vorpremiere eingeladen hatten. So kann man beim Kollegen Weizenecker die Antwort auf zumindest meine ganz zentrale Frage lesen: Auch ich mit meinen 1,86 Körpergröße kann ohne mit dem Kopf anzustoßen hinten sitzen. Lediglich beim Einsteigen, muss ich den Kopf etwas einziehen. Für meine langen Oberschenkel ist die Sitzfläche auf der Rücksitzbank etwas zu kurz ausgefallen. Auf langen Strecken ist das wenig komfortabel, aber für Kinder immer ausreichend.

Das hört sich schon mal prima an. Ich werde voraussichtlich im Januar die Gelegenheit haben, mir den CLA Shooting Brake genauer anzusehen. Mit einer Fahrveranstaltung bei der ich das Auto dann endlich auch selbst testen kann, wird es wohl eher noch ein paar Monate dauern.

Original http://auto-geil.de/2014/11/25/kopffreiheit-im-fond-2015-mercedes-benz-cla-shooting-brake-x117/

25 Nov 2014
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Das Gold der Inka, Custom: Mercury Station Wagon 1950-1828

Custom: Mercury Station Wagon 1950

Wir lernen weiterhin dazu in Sachen: Customs. Heute mit einem Mercury Station Wagon von 1950.

Wer diesen Mercury Station Wagon umgebaut hat, wissen wir leider nicht. Aber wir wissen, dass diese Mercury-Woodies sehr selten sind, nur wenige Exemplare gebaut wurden. Und dass dieses Exemplar hier so ein bisschen gepimpt ist, ihm ein 5,7-Liter-Chevelle-Motor eingepflanzt wurde, er auch über ein Automatik-Getriebe verfügt, Servolenkung, Klimaanlage und Scheibenbremsen - alles Dinge, die so ein 50er Mercury nicht an Bord hatte. Das Dach wurde um 7,5 Zentimeter gekappt, alle Ecken gerundet, hinten seitlich eine grosse Scheibe eingebaut, die Rücklichter einer 52er-Buick montiert - und die ganze Geschichte dann in Inka-Gold lackiert.
Dieses wunderbare Gefährt wurde kürzlich von RM Auctions versteigert, für nur 68'750 Dollar ging es weg. Ein Schnäppchen, wenn man den Aufwand für den Umbau betrachtet. Und wir finden ihn aber sehr, sehr cool.
Unbedingt die Bildergalerie anschauen!
Mehr Customs - also: bisher einen - finden sich in unserem Archiv.

Custom: Mercury Station Wagon 1950

Original http://www.radical-mag.com/fahrfreude/custom_-mercury-station-wagon-1950-1828/seite_1-2

 
25 Nov 2014
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Und sie bewegen sich doch..., VW Passat HyMotion-1585

VW Passat HyMotion

VW Passat HyMotion

Wir möchten kurz berichten von einem ganz besonderen Fahrerlebnis, das uns während der Los Angeles Motor Show beschert war, um ein paar Blocks führte und tief beeindruckt hinterliess. Also, wie erwähnt, kurz: der VW Passat HyMotion fährt sich wie alle anderen Elektroautos auch.
Doch das ist ja auch nicht die Nachricht, die einen Bericht wert ist: es geht hier um die zukünftige Strategie des Volkswagen-Konzern in Sachen Brennstoffzellen. Und die ist durchaus interessant - und auch deshalb wichtig, weil die Deutschen ja bis 2018 «der beste Auto-Hersteller der Welt» sein wollen, ihnen allein schon deshalb eine gewisse Leader-Rolle zufällt.

Derzeit sind sie noch ein paar Schritte hinter anderen Produzenten zurück, Hyundai, Toyota, Mercedes, Ford. In jenem Verbund von Herstellern, die sich verpflichtet haben, 2015 die ersten Serien-Fahrzeuge mit Brennstoffzellen auf den Markt zu bringen, ist der VW-Konzern nicht dabei, und auch an einen neuen Konsortium von Mercedes, Ford und Nissan, das sich verpflichtet hat, beim Aufbau einer vernünftigen Betankungs-Infrastruktur mitzuarbeiten, wollen sich die Wolfsburger nicht beteiligen. Böse Zungen - also wir - behaupten wieder einmal, dass der VW-Konzern ja allgemein zuerst einmal zuschaut, wie sich ein Markt so entwickelt, um sich dann im schon gemachten Bettchen breit zu machen - man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es auch diesmal wieder so sein könnte. Dazu passt, dass sich der Volkswagen-Konzern jetzt auch noch beim kanadischen Brennstoffzellen-Pionier Ballard eingekauft hat, als einer der letzten grossen Hersteller.
Andererseits haben die Deutschen einen grossen Vorteil auf ihrer Seite: sie haben die Elektrifizierung schon früh in die Antriebseinheiten eingearbeitet. Und das ausgesprochen clever, egal, ob Hybrid oder Plug-in-Hybrid oder reines e-Auto, es ist alles schon vorhanden und lässt sich beliebig untereinander kombinieren.

VW Passat HyMotion
VW Passat HyMotion

Die MQB-Plattform wurde bewusst so konzipiert, dass alle diese technischen Varianten aufgenommen werden können, und auch die jüngsten Versionen der DSG-Getriebe sind selbstverständlich kompatibel.

Das gilt jetzt auch für den VW Passat HyMotion, dem vier Wasserstofftanks verpasst wurden, vorne anstelle eines Verbrennungsmotors ein mächtiger Brennstoffzellenstack, etwa 200 Kilo schwer, der seine Energie teilweise direkt an einen bereits vorhandenen Elektro-Motor abgibt, teils eine Lithium-Ionen-Batterie speist, die dann wiederum den gespeicherten Strom an den Elektromotor weitergibt. Die Lösung von VW ist nicht wirklich aufregend oder gar revolutionär, doch das ist ja auch nicht gefragt - wichtig ist, dass der Konzern endlich (ein wenig) Farbe bekennt.

Doch wenn man den Verantwortlichen des Konzerns so zuhört, dann hört man doch eine gewisse Skepsis gegenüber der Brennstoffzelle heraus.

VW Passat HyMotion
VW Passat HyMotion
VW Passat HyMotion
VW Passat HyMotion
VW Passat HyMotion

Immer wieder die fehlende Infrastruktur angesprochen - aber sich in diesem Bereich selber engagieren will sich der VW-Konzern trotzdem nicht, man sei ja ein Automobil-Hersteller, kein Tankstellen-Betreiber, hört man so sagen. Dass ein vernünftiges Tankstellen-Netz in Deutschland weniger als eine Milliarde Euro kosten würde, scheint erwiesen, wenn sich da neben Mercedes auch die anderen Hersteller engagieren würden, dann wäre das ein Klacks, könnte aus der Portokasse bezahlt werden.

Ausserdem: es besteht anscheinend die Hoffnung, zumindest bei Volkswagen, dass die Speicher-Technik in den nächsten Jahren derart grosse Fortschritte machen wird, dass man in absehbarer Zukunft auf reine E-Autos setzen kann, dass es dannzumal Batterien geben wird, die eine «vernünftige» Reichweite ermöglichen werden. Wohl deshalb gibt sich der VW-Konzern bis 2020 Zeit, bis man die ersten Serien-Fahrzeuge mit Brennstoffzellen anbieten will - oder dann halt nicht. Es macht so ein bisschen den Eindruck, als wolle sich Wolfsburg mit den HyMotion-Modellen mal alle Möglichkeiten offenhalten - mit ganzem Herzen ist man beim Thema Wasserstoff irgendwie nicht dabei. Andere Hersteller sehen das anders, ganz besonders von Hyundai und Daimler ist zu erwarten, dass die Brennstoffzellen-Technik mit mehr Engagement und auch mehr Ressourcen vorangetrieben wird.

Und dann ist da ja auch noch Toyota. Schon Vorreiter bei der Hybrid-Technologie, haben die Japaner vergangene Woche in Los Angeles den Mirai vorgestellt, das erste serienmässige Brennstoffzellen-Auto, das man tatsächlich kaufen kann. Reichweite 500 Kilometer, in fünf Minuten vollgetankt. In den USA für knapp 40'000 Dollar zu haben - in Europa für satte 78'540 Euro.

Mehr VW gibt es im Archiv.

VW Passat HyMotion

Text: pru, Photos: Werk

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/vw-passat-hymotion-1585/seite_1-2

24 Nov 2014
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Michael Peschel  

Eine Saison ohne das Audi 100 Coupé S „MrsOrangina“

Es ist nun doch schon ein paar Tage her, dass ich den letzten Blogbeitrag über MrsOrangina geschrieben habe. Hin und wieder gab es in den letzten Wochen auf Facebook den ein oder anderen Happen zum Audi 100 Coupé S „MrsOrangina“ zu sehen. Nun möchte ich euch hier einmal mehr auf den aktuellen Stand bringen.

Audi 100 Coupe S MrsOrangina tibetorange - 1

Der ursprünglich Gedanke das Audi 100 Coupé S „mal kurz“ einer technischen Revision zu unterziehen, wurde etwas erweitert. Spätestens an dem Punkt, als der Wagen beim Lackierer eingetroffen war und der Lack der Restauration 2010/2011 überarbeitet werden sollte. Unter anderem sollte es im Motorraum etwas aufgehübschter in die neue Saison gehen. Faktisch war das Aufhübschen aber nicht so einfach möglich. Der bei der Restauration im Jahr 2010/2011 im Motorraum entfernte Bitumen kam wieder unter dem Lack, selbst an zugänglichen Stellen, zum Vorschein. Ich stellte mir wieder einmal mehr die Frage, was die Restaurationsprofis da gemacht hatten... aber lassen wir das.

Beim Anblick des Motorraums war mir klar, dass die Saison 2014 für mich beendet ist. So brachte ich den Wagen von der Lackiererei Retzmann in Halsenbach erst einmal zum Strahlen nach Niederzissen. Das Blech gehört blank und dann richtig von null an aufgebaut. Schluss mit lustig. Nach dem Strahlen sah der Motorraum dann auch entsprechend sauber aus!

Audi 100 Coupe S MrsOrangina tibetorange - 2

Audi 100 Coupe S - Motorraum frisch gestrahlt

Auch andere Stellen am Audi 100 Coupé S wurden überarbeitet. Im vergangenen Sommer habe ich mir oftmals die Frage gestellt, ob ich das Auto nicht einfach nur als alten Wagen fahren sollte. Aber dafür war es eigentlich auch schon zu spät. Außerdem wäre es auch nicht die MrsOrangina, wenn sie einfach nur gefahren würde.

Audi 100 Coupe S MrsOrangina tibetorange - 3

Auf dem Heimweg vom Pulverstrahlen

So wurde das ein oder andere korrigiert, ein historischer Frontspoiler an den Audi angepasst und so weiter und so fort. In der Summe haben wir uns mit allen Überarbeitungen nun doch auf eine Komplettlackierung hinbewegt. Dach und Motorhaube blieben außen vor, denn diese wurden im Frühjahr 2012 bereits überarbeitet.

Audi 100 Coupe S MrsOrangina tibetorange - 4

Schleifen, schleifen, schleifen

Audi 100 Coupe S MrsOrangina tibetorange - 5

Nicht nur im Motorenraum gab es Arbeit für die Lackierei Retzmann in Halsenbach

 

Wenn man eine Saison erst einmal abgeschrieben hat, dann spielt der Faktor Zeit auch plötzlich keine Rolle mehr. Auf klassischen Ausfahrten und Oldtimer-Rallyes bewegten wir uns ab dato mit unserem Audi 80 Avant quattro. Dieser wurde von der Lackiererei Retzmann kurzerhand vor der Saison mit frischem Lack versehen. Zudem gab es für den Youngtimer einen hübschen Satz zeitgenössischer Alufelgen. Die richtigen Reifen wurden natürlich auch schnell beim Profi gefunden. Die Saison wurde gefahren! Erfolgreich sogar, denn mehrere Klassensiege konnten wir als MotorMarketing-Team mit unserem Audi quattro erringen.

Oberehe Klassik 2014 Audi 80 MotorMarketing

Unterwegs im Audi 80 Avant quattro

Bevor der Winter nun aber bei uns Einzug hält und das erste Salz auf die Straßen kommt, war es an der Zeit das Audi 100 Coupé S „MrsOrangina“ wieder warm anzuziehen. Die Anpassungsarbeiten waren von der Lackiererei Retzmann abgeschlossen. Nun hieß frisches Tibeorange plus eine Extraschicht Klarlack für MrsOrangina.

Audi 100 Coupe S MrsOrangina tibetorange - 6

Frische Farbe - originales Audi 1972 tibetorange

Audi 100 Coupe S MrsOrangina tibetorange - 7

Audi 100 Coupe S MrsOrangina tibetorange - 8

Vorbereitung fürs Lackieren der Karosserie

Hier nun die ersten Bilder als Zwischenstand mit frischer Farbe. Eine Saison aussetzen hat sich gelohnt. Was denkt ihr?

Audi 100 Coupe S MrsOrangina tibetorange - 9

Bald fertig - Audi 100 Coupe S MrsOrangina

 

The post Eine Saison ohne das Audi 100 Coupé S „MrsOrangina“ appeared first on Coupe-s.de - Audi 100 Coupe S MrsOrangina.

Original http://www.coupe-s.de/history-works/eine-saison-ohne-das-audi-100-coupe-s-mrsorangina

Created Montag, 24. November 2014 Tags History & Works Document type Video
Categories Timeline Author Michael Peschel

Mehr lesen von : Jens Tanz

Current Article

24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
Permalink
19 Nov 2014
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Nu komm schon, Winter!

Nu komm schon, Winter!

Ganzer Körpereinsatz

Einmal vorbereitet sein!
Der Mercedes-Benz S210 rostet. Das wissen wir inzwischen alle. Meiner auch langsam, hier und da, außerdem ist er echt verdreckt :-( Und der nasse und kalte Winter klopft schon an die Türen mit dem Kantenrost, den Unterboden und alles andere. Ich muss was tun! Geilerweise habe ich ein NIGRIN Carepaket bekommen :-D Werbung Werbung! Jahaaa und das ist randvoll mit so ziemlich allem, was ich heute Abend brauche. Nein, was der Daimler braucht, um einigermaßen konserviert die ersten Frostnächte und den ersten Schnee gelassen zu packen. Ich tauch mal ab. Und ich spritze, pumpe und wische. Kommen Sie mit?

Nu komm schon, Winter!

von vorn über die Flanke nach hinten

Ich fang mal im Keller an. Aus Ermangelung einer Hebebühne schredder ich auf meiner holperigen Garageneinfahrt die alten Auffahrrampen hoch (lassen Sie uns das Thema “Avantgarde – oder wie ein tiefergelegtes T-Modell zwei Auffahrrampen durch die Gegend schiebt” mal auf einen anderen Tag verlegen) und sprühe alle Bremsleitungen und alle Falzkanten unterm Auto dick mit Hohlraumwachs ein. Ich wusste gar nicht, dass es das auch von NIGRIN gibt :-) Es ist schön schmierig und klebrig und bringt mich schon nach wenigen Minuten sprötzelnd unter dem Wagen zu der Erkenntnis, dass ich mir dafür eigentlich besser Schrauberklamotten angezogen hätte. Nun. Es zeugt ja irgendwie auch von Respekt dem Fahrzeug gegenüber, wenn man seine Lieblingshose, teure Schuhe, ein gutes Hemd und Ringelsocken trägt. Der alte Herr hat das verdient. Zeitaufwand: Rund 20 Minuten. Dann habe ich das Gefühl, von unten ist für ein paar Monate alles okay. Wenig Rost hier, by the way. Ich bin erstaunt, ein wenig erfreut und tauche wieder auf. Felgen, jetzt.

Nu komm schon, Winter!

Botschaften im Schmutz

Lassen Sie uns über Alufelgen sprechen. Die habe ich schon bei meinem Audi V8 so sträflich vernachlässigt, dass sie am Ende nicht mal mehr anständig aufgearbeitet werden konnten. Und die waren von BBS ;-) Die hier am Benz sind noch ein wenig besser im Futter, aber durchs andauernde Bremsen wegen irgendwelcher Pinneberger Vollpfosten, die auf der Autobahn ohne zu Blinken die Spur wechseln hat sich hier eine Menge Dreck gesammelt. Über… äh… über mehrere Monate, ich glaube die letzte Reinigung hat der Wagen vor meinem Sommerurlaub nach Frankreich bekommen :roll: Jetzt kann ich lustige Worte in den Dreck kratzen. In meinem Carepaket findet sich auch was, das vom Namen her eher ein Bauteil für hochgezüchtete Rennmotoren sein könnte: Performance Evo Tec Felgenreiniger. Geil. Klingt so, als wäre die Felge danach nicht nur sauber, sondern rein. Und der Wagen um 30% schneller als vorher. Ich spritz mal los:

spritz spritzwisch wischstaun staun

Was mich total fertig macht: Ich glaube, dass die Felgen nun tatsächlich erstmals in ihrer Geschichte tatsächlich sauber sind. Wow. Die sehen ja richtig gut aus. Hm. Bin ich eigentlich ein Auto-Messie, weil ich meinen Wagen so selten pflege? Ich sollte da mal drüber nachdenken. Nein, lieber nicht, diese Behauptung habe ich in der Vergangenheit schon viel zu oft kundgetan. Ich lasse lieber Taten folgen. Und mache drinnen weiter, denn ich will trotz sauberer Felgen und konserviertem Unterboden in der dunklen Jahreszeit im Inneren meines preisgekrönten Lifestyle-Kombis ;-) nicht im Schmutz dahin vegetieren. Von der letzten Fototour vorgestern ist der Beifahrersitz ziemlich dreckig… ich stand da drauf rum, während ich aus dem Schiebedach raus erst einen BMW 2000 CS, dann einen 190er SL und dann einen Volvo P1800 in schneller Fahrt fotografiert habe. Vorher stand ich auf einem matschigen Acker rum und fotografierte die VORBEIfahrt der genannten Kandidaten. Ups. Falsche Reihenfolge – Flecken im guten Gestühl mit dem spät90er Design. Im Wintervorbereitungspaket von NIGRIN steckt ein feiner Polsterreiniger, der auch diesen Performance-Zusatz im Namen trägt. Wenn der den Dreck genau so wegbrennt wie der Felgenreiniger habe ich nachher nagelneue Sitze :-D Oh. Da ist sogar eine Bürste dran. Cool, gleich mal ausprobieren…

Nu komm schon, Winter!

Für die zarte Haut ab 40

Kitzelt ein bisschen, riecht aber angenehm und schmiegt sich der Gesichtsform dank Hyper-Boost perfekt an. So, der Bart ist einigermaßen getrimmt. Das geht vermutlich mit anderen Geräten besser, aber das ist a) eine andere Geschichte und b) dann nicht mit so einem duftigen, schaumigen Geruch verbunden ;-) Gniiihihi. Okay, werden wir wieder ernst. Ich schau mir das Gebilde einmal genauer an und begreife es nach nur wenigen Minuten. Die Bürste kann drauf bleiben, weil ich hinten einen Plastiknippel eindrücken und dann direkt unter dem Schrubber durch sprühen kann. Leider habe ich das erst nach dem Foto kapiert… Später lernte ich dann, wie ich die Bürste wieder draufbekomme.

Nu komm schon, Winter!

Der erste Schnee!!!

Da kommt er also schon mal vorzeitig, der norddeutsche Winter. Und voll auf den Beifahrersitz. Es spruutzt, es schäumt und es britzelt regelrecht episch. Ich kann hören, wie die kleinen Performance-Schaumpartikel sich mit Kriegsgebrüll auf die Flecken stürzen und sie einen nach dem anderen wegfressen, als wären sie ihr Lebenselixier. Banzaiiiiii! Vielleicht sind das auch die heute zum zehnten mal von der Schaukel gefallenen Nachbarskinder, ich weiß es nicht, wittere aber schon jetzt weniger Schmutz. Mit der Bürste, an der noch Barthaare von mir hängen massiere ich die Winterwelt liebevoll in das Gestühl und nehme mir vor, das nachher noch wegzusaugen. Klasse. Ich liebe solche Schrubber-Kombinate, im Urlaub bin ich auch immer der erste an der Handwasch-Schüssel, wenn Rainer Tube und sein Bürstenaufsatz dem Kragenspeck der T-Shirts auf den Pelz rücken müssen. Aber ich schweife ab. Was mit den Felgen und den Sitzen ging wird ja wohl auch im Cockpit funktionieren? Jetzt bin ich richtig warm geputzt. Ich wische mit dem Finger, bin entsetzt und lasse den Kunststoff Tiefenpfleger sprechen. Da ist wirklich alles dabei, in diesem Karton für den eifrigen Blogger. Und das Ergebnis ist super, abgesehen von den beiden nicht mehr funktionierenden Displays in meinem KI, aber dafür kann NIGRIN nichts, die gingen schon vorher nicht ;-)

Nu komm schon, Winter!Nu komm schon, Winter!Nu komm schon, Winter!

Zeitaufwand: Rund 15 Minuten. Mein halbfinnisches Fräulein Altona wird erschüttert sein, wenn sie das nächste mal in den Daimler einsteigt. So sah er schon seit Monaten nicht mehr aus. Nun gut, wehe wenn sie losgelassen! Und jetzt kommt’s. Was ich RICHTIG geil finde und was ich seit 25 Jahren im Auto vermisse (wahrscheinlich gibt es das schon immer, ich hab’s bisher nur nie gefunden) ist der sagenhafte Beschlag-Weg-O-Matic-Hi-Performance-Booster, bei NIGRIN heißt er aus noch ungeklärten Gründen etwas weniger ausufern nur Anti-Beschlag Pumpzerstäuber. Was macht der? Er verhindert, dass ich in den Übergangsmonaten, wo sich das Wetter noch nicht so richtig entscheiden kann, ob es nur kalt oder richtig kalt und feucht oder nass ist, wie ein Kasper in der Puppenstube vor meiner Scheibe rumzucke und mit irgendwelchen schon benutzten Servietten aus der Türtasche den schmierigen, beschlagenen Siff innen von der Scheibe wische. Er verhindert angeblich das Beschlagen als solches. Ich bin begeistert.

Nu komm schon, Winter!

Adios beschlagene Scheiben

Und dann zucke ich ein letztes mal wie der Kasper in der Puppenstube vor der Scheibe rum, diesmal aber, weil ich für das Foto draufgehaucht habe. Ich beschließe, das Wundermittel auf meiner Seite mal sozusagen halbseitig im Mit- und Ohne-Test anzuwenden. Doof ist dabei nur, dass momentan das Wetter nicht mitspielt, es ist einfach zu warm und die Scheiben beschlagen sowieso nicht. Hm. Aber auf der Dose steht, dass ich mit mehreren Wochen Langzeitwirkung rechnen kann, also werde ich mich vielleicht in einer der kommenden frostigen Novembernächte daran erinnern? Doch moment – bei allen coolen Effekten, die eine nicht mehr beschlagende Scheibe mit sich bringt, muss ich vor allem eines loben: Der Pumpzerstäuber sieht cool aus und hat irgendwie den Appeal einer alten Ölkanne, diese goldenen Dinger mit diesem komplizierten Hebelpumpmechanismus. Industriedesign in Vollendung. Und es macht auch noch richtig Spaß, mit dem Ding ganz ohne Treibgas das Tuch vollzujauchen. Ich lass da mal den Sandmann ran.

Nu komm schon, Winter!

haptische Erlebnisse mit dem Sandmann

Sagenhaft. Nein, nicht der fehlende feuchte Nebel, sondern die Menge an Dreck, die ich mit diesem Mittelchen von der Innenseite meiner Scheibe runterhole. Dabei ist das dafür gar nicht gedacht gewesen? Wo kommt dieser Mulch her? Ich rauche nicht im Auto! Ih bäh. Na gut, ein netter Nebeneffekt. Das angetrocknete Nebel-Weg reibe ich mit meinem Fensterschwamm runter und blicke durch eine klare Scheibe nach draußen. Ob sie jemals wieder beschlagen wird werde ich in den kommenden Tagen sehen.
Ich fühle mich wundervoll vorbereitet. War gar nicht so schwer. Nächstes mal ziehe ich mir etwas andere Klamotten und vielleicht auch Handschuhe an. Hemd und Hose sind nun ein bisschen… öh… also ich sag mal, ich könnte die Schrubberbürste zur Polsterreinigung nochmal sprechen lassen. Und meine Hände sind ein bisschen ZU sauber. Vielleicht habe ich mich aber in die Aufgabe auch nur ein bisschen zu tief reingekniet?

Nun kann er kommen

Nun kann er kommen

Womit konserviert ihr denn so eure Autos? Womit macht ihr sie sauber? Innen wie außen? Habt ihr Tipps für mich, speziell zur Rostvorsorge? Irgendwie kocht da ja jeder sein eigenes mehr oder weniger erfolgreiches Süppchen. Ich breche hier und heute eine Lanze für NIGRIN. Das Paket, was die Damen und Herren mir zugeschickt haben hat noch mehr tolle Sachen drin gehabt, außerdem ein paar Anstecker und ein paar Bonbons ;-) Und ich verlinke nur allzu gern auf die Produktübersicht, wo alles mal gebündelt zu sehen ist:
NIGRIN Autopflege Produktpalette innen/außen
Und jetzt harre ich eurer und Ihrer Tipps, wie ich meinen rostenden Mercedes über den Winter bringe. Ein Anfang ist gemacht. Von unten ist er gewachst, von außen und von innen duftig und entnebelt. Ein guter Abend. Auf in einen neuen Tag :-)

Sandmann

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Created Mittwoch, 19. November 2014 Tags Anti-Beschlag | Anwendung | Felgenreiniger | Fremde Federungen | Hohlraumkonservierung | NIGRIN | S210 | Scheibenreiniger | Sternstunden | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
16 Nov 2014
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Friedhof der Geschichten

Friedhof der Geschichten

Ich seh dir in die Augen, Kleines

Schrottplätze, Autofriedhöfe, heute heißen sie fast alle “Verwerter” – faszinieren mich seit meiner Kindheit. Damals bedeuteten sie für mich das Eldorado zum Verstecken spielen und zum Klauen von kleinen, glänzenden Dingen. Meist wurde ich am Ende des Tages von einem unfreundlichen Besitzer und einem lauf kläffenden Schäferhund verfolgt. Zwischendurch waren Schrottplätze meine einzige bezahlbare Quelle von Ersatzteilen für die Autos, die täglich meinen Alltag begleiteten. Und die mir Geschichten von längst vergessenen Vorbesitzern erzählten. Und heute? Hihi :-) heute sind Schrottplätze noch immer genau das, was sie für mich früher waren. Nur dass sie immer seltener werden. Ich habe einen in der Nähe von Hamburg entdeckt, der mehr als nur eine kleine Überraschung auf der grünen Wiese bereit hält.

Friedhof der Geschichten

Hier sind sie alle auf ewig vereint

Oststeinbek liegt im Osten von Steinbek Hamburg, genau da, wo täglich auf der A1 immer das Verkehrschaos in Richtung Lübeck stattfindet. Ich habe nicht gewusst, dass hier ein riesengroßer Schrotti ist, bis ich einem der Mitarbeiter dieses Unternehmens über ebay Kleinanzeigen ein paar angerostete Reparaturbleche für kleines Geld vertickte. Und weil’s fast am Weg liegt dachte ich mir so – bringe ich sie ihm doch mal persönlich vorbei. Das war eine gute Idee. Der Deal ist gelaufen, und jetzt stehe ich hier zwischen den üblichen Verdächtigen französischer, italienischer und asiatischer Herkunft, meist aus Zeiten nach der Abwrackprämie. Aus allen sind schon die Flüssigkeiten abgelassen, deshalb dürfen die hier inmitten einer wild wuchernden Graslandschaft ihrem Schlachtfest entgegen dämmern. Und das sieht wundervoll oldschool aus. Aber nicht nur fast rostfreie Kleinwagen liegen an diesem gut versteckten Ort wie Perlen an der Schnur aufgereiht rum, da verbergen sich hinter der einen oder anderen Dachkante doch glatt wahre Schätze!

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Daimler. Nicht Rolls.Trotzdem mal richtig teuer gewesen

Argh. Das ehemals weiße Ding verdunkelt die Sonne. Was für ein Ungetüm von einem Auto. Ein Daimler DS420, wie ich auf Facebook gelernt habe, ich hatte zuerst an einen Rolls Royce gedacht (aber die liegen ja gar nicht so weit voneinander entfernt). So oder so ein unwürdiges Ende für ein mehr als würdevolles Auto. Was mag passiert sein? War er eine Staatskarosse, schon etwas marode und wurde nicht mehr gebraucht? Gegen einen mit Elektronik vollgestopften A8 ersetzt? Viel ist nicht mehr dran an dem Riesenschiff, im Inneren quellen Schläuche und Kabel aus der British-Elend-Zeit aus dem nicht mehr vorhandenen Armaturenbrett, Gras wächst durch die Handgroßen Rostlöcher von unten rein und wenn man nicht irgend eine wirklich absurde Wette verloren hat sollte man von diesem… äh… Auto wohl lieber die Finger lassen. Aber er ist glaube ich auch nicht zum Komplettverkauf hier geparkt.

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Ach komm, ein bisschen Isolierband und dann geht das

Außerdem ist er ein Rechtslenker, den will zumindest ich persönlich sowieso nicht. Bäh. Hier drin stinkt’s :-( Und nicht mal Sessel im Angebot. Ich erfreue mich der puren Präsenz so eines automobilen Dinosauriers und wende mich inspiriert lächelnd um. Der Blick schweift über den großen, nicht gepflasterten Platz. Mittendrin stehen ein paar kleine Hallen, vor denen Autos undefinierbarer Herkunft filetiert werden. Der Zaun mitten drin ist recht hoch. Hier hängt ein Schild “Betreten verboten”. Oh. Aber ich hab ja vorn Bescheid gesagt, das wird schon okay sein. Nicht, dass ich nachher wieder von einem wütenden Besitzer und seinem Schäferhund verfolgt werde, ich kann nicht mehr so gut über Zäune klettern wie damals…
Gleich neben dem Daimler liegt noch ein anderer Zeitzeuge aus dem vergangenen Jahrtausend auf dem Boden rum, linksgelenkt und ein wenig plüschiger.

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Zeitzeugen, noch vor 9/11

Ein Oldsmobile, eine frontgetriebene, äußerlich sagenhaft hässliche Designblase aus dem letzten Jahrzehnt des abgelaufenen Millenniums. Die Karre ist in einem Amerika gebaut worden, was noch nicht von 9/11 erschüttert war. Wo der Genuss des kommoden Wohnzimmer-Plüschs Vorrang hatte vor Multifunktionsdisplays und Bluetooth-Kommunikationseinrichtungen. Ein Auto mit vier Rädern und einem Motor vorn, gebaut, um bequem zu fahren. Mehr nicht. Nicht jedermanns Geschmack, vor allem nicht mit V6 und Reihe 4 Motoren, aber als Zweitürer definitiv oldschool und vom Cruisingfaktor Ur-Amerikanisch. Geil. Und jetzt tot. Hat der Ami, der seinerzeit in einem recht biederen wiedervereinten Deutschland auf seine ganz eigene Art ein Ausdruck provokanter Rebellion der oberen Mittelklasse war, mal einem Studienrat gehört? Einem, der sich von seinen Kollegen in ihren Nissans, BMWs und Audis abheben wollte? Mein damaliger Kunstlehrer könnte in dieses Schema passen, aber der hatte einen Chevy Caprice. Den fand ich tatsächlich cool :-) Aber zurück zum Stichwort “bieder”, zumindest aus damaliger Sicht.

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Der Urvater der Livestyle Kombis

Jetzt kommt es Schlag auf Schlag. Im Hintergrund sehe ich einen Goggo auf einem Schuppendach stehen, aber da ist ein Zaun drumrum. Hinter mir hat ein 123er T-Modell seinen letzten Parkplatz gefunden, tatsächlich und endgültig, er hat nicht mal mehr seine Reifen und Felgen :-( Der einst teure und stolze (und biedere) Urvater aller Lifestyle-Kombis sieht nicht so aus, als hätte er mal einem Handwerker als Lastwagen gedient. Vielleicht war es eine kleine, wohlhabende Familie, die den Benz immer für Reisen in den Urlaub genutzt hat? Hinten drin das Gummiboot und anderer Kram der frühen 80er Jahre? Was mag damals im Kassettenradio gelaufen sein? Mr. Roboto von Styx? John Wayne is Big Leggy von Haysi Fantayzee? Oder nein, in so einem Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse war vielleicht eher Klassik aus dem Radio zu Hause. Und als “Zu Hause” konnte man diese rollenden Wohnzimmer damals wie heute bezeichnen.

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Ich seh den Sternenhimmel

Ups. Der alte Herr kommt aus Dänemark :-) Also war es vielleicht eher dänische Volksmusik, die dort gern mal belästigenderweise ins lokale Radioprogramm eingeflochten wird. Wir werden es nie erfahren. Auch warum die anderen Sterne hier gestrandet sind wird für immer im Dunkeln bleiben. Jedenfalls liegen sie hier schon länger rum, während wir inzwischen Sonden zu Kometen schicken, die 500.000.000 Kilometer weit weg sind. Und sie dort sauber einparken, leider im falschen Krater, deshalb bleibt das jetzt auch alles im Dunkeln. Aber das ist eine andere Geschichte. Weitere 123er. Ein 124er. Zustand? Weiß ich nicht, ich hab heute eigentlich gar nicht so viel Zeit mitgebracht, um das hier alles in Ruhe begutachten zu können. Ich wollte doch eigentlich nur diese Bleche abgeben…? Das habe ich inzwischen auch getan, aber ich kann einfach noch nicht weiterfahren. Eine letzte Runde noch, da hinten war ich noch nicht…

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Stiefpapas Passat…..

Aaaah! Ein Passat B2 als Variant! Was man alles für lustige Namen für den Kombi gefunden hatte. T-Modell, Variant, Karavan, Turnier, … Der Mann, dem es in den frühen 80er Jahren gelungen war, das Herz meiner Mama ein zweites mal zu erobern rollte damals mit so einem Kombi in marsrot vor unsere Tür. Er war der Grund, warum wir 1983 aus meiner Heimatstadt weggezogen sind. Das hat er nicht böse gemeint, ich bin wohl am Ende auch ganz froh dass ich nicht im niedersächsischen Uelzen hängen geblieben bin, aber trotzdem war er Schuld… Der rote Laster hat mich durch meine Teenagerzeit begleitet und war eine Art Heiligtum, das ich nicht mal ausleihen durfte, als ich den Führerschein endlich hatte. Nur zum Einkaufen, das war erlaubt, auf eine Party zu Freunden nicht *grummel* Kein Wunder, dass ich mir sofort ein eigenes Auto zulegen wollte! Und jetzt verrottet hier einer. Damals fand ich den irgendwie öde. Heute ist er so selten geworden, dass ich ihm regelrecht ein wenig Attraktivität abgewinnen kann. Zumal mich das mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona eint – ihre Eltern fuhren den auch. In metallic grün. Ich glaube, JEDER hatte damals einen Passat, oder?

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Flora und Fauna gediuhen

Zwischen den vereinzelt gestreuten Highlights liegen die typischen Wegwerfautos rum, nach denen wir uns in 20 Jahren vermutlich die Finger lecken werden – weil niemand, aber auch wirklich NIEMAND die heute und gestern aufgehoben und gepflegt hat. Irgendwelche Peugeots, Opel Corsas oder Polos. Werden das jemals Klassiker? Ich fürchte: Ja. Mich interessieren viel mehr die Pflanzen, denen es hier ziemlich gut zu gehen scheint. Sie bieten ein gemütliches Zuhause für allerhand Getier :-) Die ersten Spinnen des Herbstes flechten ihre klebrigen Netze zwischen Gräsern, Büschen und Stoßstangen, verlagern ihren Hauptwohnsitz in den windgeschützten Bereich eines elektrisch verstellbaren Außenspiegels und seilen sich von nachträglich angebauten Nebelschlussleuchten ab. Niedlich. Ach hey. Guck mal. Was sehe ich DA denn??? Jahaaaaa ♫

Friedhof der Geschichten

EIner der letzten hier Überlebenden

Eingekeilt zwischen ein paar Bayerischen Motorwagen, einem Audi 80 und einem Hiun… Hyund… Hyiundai? Hunday? Wie schreibt man denn diesen koreanischen Mist??? Jedenfalls einem Nexia, was mal ein E-Kadett war, dazwischen steht ein: Audi 100 Typ 43 VorFaceLift! *seufz* Ein wahnsinnig seltener GLS mit Velours, Plüsch, Chrom, Schiebedach und dem gleichen großen Vierzylinder wie mein Dottore. Und noch alles dran, niemand hat hier irgend etwas abgebaut oder kaputt gemacht! Niemand außer Petrus, der es hat regnen lassen. Immer wieder. Ich habe selten so einen verrosteten Unterboden wie diesen gesehen. Vom fast genau so durchgerosteten Dach (DACH!!!) fange ich gar nicht erst an :-) Aber davon abgesehen – Teile. Viele viele käufliche Teile. Und da ist sie wieder, die Erkenntnis, dass Schrottplätze für mich noch immer das sind, was sie mal waren. Bedeutet: Ich muss wohl nochmal wiederkommen. Mit ein wenig Werkzeug und ein bisschen Bargeld.

Rücksicht

Rücksicht

Das grüne Innere des nicht verschlossenen Mittelklasse-70ers ist nahezu makellos. Ich brauche leider nix Grünes :-( Ui, und jemand hat mal das Zündschoss recht rabiat ausgebohrt. Das scheint ein allgemeines Problem bei diesem Modell zu sein :roll:ich kenne das ja auch. Aber ich war bei meinem ein bisschen liebevoller…. Auf der Hutablage liegt irgend so ein 70er Jahre Fussel, und ich sehe die alten runden Lautsprechergitter…. Big Love! Schnell weg hier, ich habe schon lange mein Zeitfenster überschritten…
Harry Kloss in Oststeinbeck. Da muss ich noch mal hin. Beim Rausgehen erfrage ich noch ein paar grobe Preise von Teilen am “alten, verrosteten Audi da hinten”. Mist. Man weiß anscheinend, wie selten der ist. Die Preise klingen trotzdem fair. Ich will: Radio, Doppelvergaser, B-Säulenverkleidungen, Zierleisten, Fensterkurbeln und das Cockpit mit Drehzahlmesser. Ich werde wiederkommen. Laufen Sie derzeit nicht weg.

Sandmann

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15 Nov 2014
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Du BIST wie du SITZT

Du BIST wie du SITZT

So nicht auf Dauer.

Die ewige, unsterbliche Frage nach dem passenden Gestühl in des Deutschen liebsten Spielzeug ist genau so polarisierend wie die Frage nach der Schönheit oder Hässlichkeit bestimmter Felgen. Soll das Sofa original sein? Leder oder Stoff? Kann ich hier auch mal gewagte Farben in den ansonsten mausgrauen Alltag bringen? Ich bin bei der Suche nach neuen Sitzlösungen für meinen Dottore auf eine Seite gestoßen, die mir leider nicht helfen kann. Aber die ich Ihnen nach einem Telefonat mit dem Schef mal vorstellen will, denn in einem anderen Leben mit einem anderen Auto hätte ich angebissen. Überzieher für die Sitze. Und alles, wirklich ALLES andere als das, was man an Plunderware vom Discounter kennt…

Du BIST wie du SITZT

Ein Sessel für den Herren

Die Sessel meines Dottore sind durchgesessen, von der Sonne und den nicht getönten Scheiben porös wie alter Lebkuchen, faltig und teils zerrissen. Neuwertige Sitze im originalen blau aus Stoff gibt es für dieses Auto keine mehr. Und ein Sattler möchte für die neuen Bezüge vorn und hinten mehr haben als mein gesamter silberner Blechhaufen wert ist. Sitzbezüge zum Nachkaufen gibt es schon fast so lange, wie es Sitze gibt. Und wer einmal das komplette 9-teilige kunterbunte Stoffset aus dem Supermarkt für 29,95 auf seine Sessel gezogen hat macht das kein zweites mal. Das sieht nicht nur sagenhaft billig aus, das hält nicht mal eine TÜV Periode. Und die Leute, die in den 2014ern immer noch auf das Wohnzimmersofadesign der frühen 90er stehen (oft zu finden in ostdeutschen Gaststätten) werden auch weniger. Alles keine Optionen. Über 12 Ecken durch meine Mitarbeit am GRIP Motormagazin (dem gedruckten) und ein wenig rumgegoogel hab ich eine Seite gefunden, die ein paar Sachen besser macht als die anderen :-) Und hatte ein langes, sehr freundliches Telefonat mit dem Geschäftsführer. Ladies and Gents – die Seat Styler sind da. Und wir schwenken gleich mal auf einen 3er BMW mit roten Kedern.

3er BMW? Hata da.

3er BMW? Hata da.

Die Jungs aus Berlin bieten maßangefertigte Bezüge für die Sitze und die Seitenverkleidungen nach Herstellervorgaben an. Also Naht auf Naht. Da wirft nix Falten und da spannt nix, da bröselt nix und da verbiegen keine Klammern. Die sehen aus wie frisch gesattelt! Wermutstropfen für mich: Mein Audi ist zu alt :-( Für den gibt es keine Bezüge mehr. Also auch kein Anreiz in Form einer neuen Garnitur, wenn ich diesen Artikel schreibe. Mist. Aber Herr Schuster am Telefon schickt mir gleich mal ein paar Bilder, die ich meiner Tochter nicht zeigen darf. Für ihren A3 gibt es nämlich sehr wohl ziemlich sexy Häute. Ob man jetzt Voll-Leder in mehreren Farben mag oder nicht liegt im Auge des Betrachters, da komme ich wieder zu der Analogie mit den Felgen :-) Stehen Sie auf sowas? Käme das in Frage? Wollen Sie mal ein Beispiel mit altem Audi, wenn auch nicht dem meinigen?

Du BIST wie du SITZT

Leder für den A3 8L

Herr Schuster zählte am Telefon noch ein paar weitere Modelle auf, die ich durchaus in meinem näheren Umfeld wiederfinde. Und das sind garantiert nicht nur die top-aktuellen Spoilerhupen koreanischer Herkunft, da sind auch Klassiker mit Rang und Namen dabei. Hauptsache, es fahren noch viele davon rum, sonst lohnt eine Maßanfertigung natürlich nicht. Denn so teuer sind die gar nicht. Der Standard-Pimp, also eine Vielzahl von fertigen Varianten für alle Sitze wird im Set schon für weniger als 300 Euro verschickt. Kommt natürlich ein bisschen auf das betreffende Auto an, und die Sonderwünsche gehen ein bisschen mehr ins Geld. Aber hey, die durchgesessene Lederausstattung von ebay kostet auch gern mal 500 Euro plus Versand oder an Selbstabholer, oder? Und echtes originales Leder gibt’s hier nagelneu zwischen 700 und 800 Euro. Wenn Sie einen Mercedes 190 chauffieren und schon lange mal drüber nachdenken, die fleckigen und durchgerittenen Stoffsitze nach 500.000 Kilometern endlich mal aufzuwerten – schwarzes Leder kommt gut.

Du BIST wie du SITZT

Mercedes 190? Na klar. Steht ihm gut.

Auf der Seat-Styler Seite kann man sich fein austoben und gedanklich schon mal seine Weihnachtswünsche zusammenkonfigurieren. Das geht auf Bestellung und beginnt bei Lederoptik, also Kunstleder und endet bei echtem Leder. Dazwischen oszillieren ungezählte Designs, Farbkombinationen und Varianten von “angenehm dezent original” bis hin zu “superabgefahren und schrill”. Schlicht schwarz oder zweifarbig? Ich mag’s ja lieber schlicht, aber jeder wie er will. Die Süddeutsche Zeitung hat gelobt und gepriesen, GRIP hat getestet und 5 von 5 Sternen vergeben und der Hersteller Zacasi legt nochmal drei Jahre Garantie drauf. Und eine DVD, wie die neuen Bezüge passgenau montiert werden. Je länger Herr Schuster redet, desto mehr überlege ich mir, ein neues Auto zu kaufen. Eins, was bei Seat-Styler im Programm ist und beliefert werden kann ;-) Lars, wie sieht es aus, neue Stühle für euer Golf 1 Cabrio? Das wäre dann ungefähr so:

Du BIST wie du SITZT

Neue Sitze für Lars Kohlkopfs Golf?

Für meinen Audi habe ich inzwischen eine andere Lösung finden müssen. Auf den durchgerittenen Lumpen will ich nicht mehr sitzen, und meinen Töchtern ist es langsam regelrecht peinlich. Mein Kumpel Stefan hat in Lübeck noch gute blau-graue Stoffsitze aus einem alten 200er, die hole ich kommende Woche ab. Und die zerschlissenen fliegen komplett raus. Aber für euch und Sie hab ich mit Seat-Styler eine Kooperation ausklamüstert: Wer Interesse an neuen Sitzbezügen hat (die kann man ja auch super dem Schatzi zu Weihnachten schenken) bekommt mit dem Sandmanns-Welt Gutscheincode bei einer Bestellung über die Website eine sexy Zusatz-Option zum halben Preis und einen Rabatt von 10 Euro auf die Bestellung*
Du BIST wie du SITZTKlick Klack auf das Banner, und dann sehen wir weiter :-) Und nicht verschreiben beim Code ;-) Cool? Ich hoffe. Und wenn das nicht Ihren Geschmack trifft, teilen Sie mir das gern mit. Ich freu mich auch hier und vielleicht gerade hier auf Kommentare sowohl positiver als auch kritischer Art. Kommen solche Bezüge für das eigene Autogestühl prinzipiell in Frage? Oder gibt es im Freundeskreis vielleicht Seat Styler? Dann scheucht sie mal auf die Seite und gebt ihnen den Code. Oder schaut mal bei den Jungs auf Facebook vorbei: FACEBOOK-LEDER Oder, wenn Sie aus Berlin kommen – rufen Sie den Herrn Schuster mal an und machen Sie einen Termin vor Ort, natürlich kann man sich die Beispiele auch live anschauen, beschnuppern und betasten. Ich werde das mal machen, wenn ich das nächste mal am Hackeschen Markt zur Redaktionskonferenz der Sterne aussteige. Da plane ich mal ein Stündchen extra ein und nehme mal Platz. Hm… Da fällt mir meine alte E-Klasse ein…. die hat auch “nur” Stoff *grübel*

Sandmann

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*Einzulösen unter: www.Seat-Styler.de Gilt für die Bestellung eines Komplettsets Maßsitzbezüge, nur bei Verfügbarkeit Ihres Fahrzeugmodells und Designwunsches. Nicht kombinierbar mit anderen Sonderaktionen/Rabatten.

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Created Samstag, 15. November 2014 Tags anbieter | Autositze | Fremde Federungen | Kunstleder | Lederausstattung | Seat-Styler | Sitzbezüge | Wildleder Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
11 Nov 2014
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Uncle Benz

Uncle Benz

Der Dottore und sein Patient

Der kleine Junge sitzt hinten, unangeschnallt, während er mit seinem Onkel im Mercedes durch die Stadt fährt. Damals in Hamburg. Sein neugieriger Blick geht nach vorn, auf die Armaturen, über die lange Haube bis zum Stern. Das ist schon ewig lange her. Plötzlich steht das 280er Coupé als Erbstück vor dem heute jungen Mann, und er wird völlig unvorbereitet mit einer Stil-Ikone konfrontiert, die er eigentlich gar nicht gesucht hatte. Silber und gold, Leben und Tod, Max und ich haben uns in der Hamburger HafenCity auf einen Kaffee getroffen und ein paar Benzinblasen in die Morgenluft geatmet. Die 70er. Da sind sie wieder. Und der junge Mann ist für kurze Zeit wieder ein Kind :-)

Uncle Benz

heute sitzt er vorn

Der linke Fuß von Max Pohlmann drückt auf den Gummibalg im Fußraum seines Autos. Wasser spritzt auf die flache Frontscheibe, die Wischer beseitigen den Staub des Sommers. Denn der ist jetzt endgültig vorbei. “Hier unten sifft immer gern mal Wasser aus, und die Bleche rosten dann so schnell durch, dass ich die Straße sehen kann,” sagt er. Rost? Im Benz? Ja. Auch und erst recht beim Stil-Werk 280 Coupé, Baujahr 1973. Die Frage nach dem Rost ist sogar oft die erste bei Gesprächen unter Kennern der Baureihe, und die Preise im Netz und den Anzeigenblättern sind genau von dieser braunen Pest abhängig. 40 Jahre sind auch an diesem Daimler-Coupé nicht spurlos vorbeigezogen, aber die Schweißarbeiten an Max’ W 114 hielten sich in überschaubaren Grenzen. Der 280er hat es ihm von Anfang an nicht schwer gemacht. Vielleicht deshalb, weil er wusste, dass er gänzlich überraschend zum ihm kam und daher nicht mit einem perfekten Plan rechnen konnte. Der Onkel, der ihn als Kind manchmal auf Touren durch Hamburg mitnahm, starb 2010 unerwartet und viel zu jung. Er hinterließ seinem Max das Auto, das der Kleine immer so geliebt hatte. Und der sich nun, emotional zutiefst berührt, in einem Familienerbstück voller Geschichten wieder findet.

Uncle Benz

Ein bisschen sexy, mehr als bieder jedenfalls

Stil-Ikone von Bracq
Die klaren Linien des Wagens ohne Beiwerk und die Karosserieform, die ein unfassbares Platzangebot zulässt, stammen wie die Oberklasselimousinen W 108/109 aus der Feder von Designer Paul Bracq. Vier- und Fünfzylinder als Benziner und Diesel erhalten die interne Modellbezeichnung W 115, die großen Sechszylinder und das ab 1969 gebaute Coupé werden als W 114 bezeichnet – das muss man sich nicht merken, der Volksmund nennt sie alle einfach Strich 8 oder /8 aufgrund des Erscheinungsjahres 1968. Bracq erschuf eine völlig neue Generation von Autos, gänzlich ohne die muffigen Nachkriegskonstrukte oder Holzrahmen mit Droschkencharme. Eine “neue Klasse”. Stimmt.

Uncle Benz

man möchte fast nach dem Taxi winken… aber nein…

Der /8 bekommt Scheibenbremsen vorne serienmäßig, Doppel-Querlenker an der Vorderachse und eine moderne Schräglenker-Hinterachse als Ablösung der antiken Eingelenk-Pendelachse der Vorgänger. Auch im Inneren ziehen neue Werte ein: Kopfstützen vorn und hinten, Automatikgurte und eine Mittelkonsole, die noch in den heutigen Modellen stilistisch zitiert wird. Diese neue Mittelklasse gönnt sich der hart arbeitende Deutsche gern, denn im Rahmen einer legendären Aufpreispolitik können mehr Extras als jemals zuvor geordert werden.

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Mehr Cockpit braucht man nicht zum Glück

Zwischen dem 200er-Basis-Benziner für 13.000,- D-Mark und dem voll ausgestatteten 280E für 40.000,- DM findet 1972 jeder seinen persönlichen Stern, der den Wohnzimmercharme und die Trutzburg der Zuverlässigkeit um sich herum als Statussymbol vor der DIN-Garage stehen haben will. Mit knapp zwei Millionen Fahrzeugen verkauft Mercedes-Benz bis 1976 von dieser Baureihe genau so viele Modelle wie von allen seinen Nachkriegs-Baureihen bis 1968 zusammen. Im Januar 1976 steht schon der barocke Nachfolger W 123 in den Schaufenstern der Händler, der /8 wird aber noch bis Dezember 1976 weiter gebaut und verkauft. Beim größten deutschen Belieferer von Personen befördernden Unternehmen ist man diese Parallelpolitik schon gewohnt und hält die Lieferversprechen, die man den Taxifahrern gegeben hat, ein.

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fast schon Bauhaus Charme

Wem der kantige Klotz mit dem cw-Wert einer Schrankwand zu minimalistisch ist, kann ab 1969 auf die hier in Gold vor uns stehende zweitürige Variante ohne B-Säule, mit flacheren Scheiben und gehobener Ausstattung zurückgreifen. Die Coupéform mit den doppelten Stoßstangen steht dem fast zehn Jahre lang gebauten Millionenwagen ungemein gut. Das Auto wirkt wahnsinnig lang und wesentlich agiler als die recht konservativ wirkenden Limousinen, die gerade in ihrer schwächsten Dieselmotorisierung (55 PS) gern mal als „Wanderdüne“ bezeichnet werden. Pohlmann schätzt das Platzangebot, den großen Kofferraum und den Rundumblick, wenn die Seitenscheiben komplett versenkt sind. Die mercedestypischen, sofa-ähnlichen Fauteuils lassen auch längere Reisen zum Genuss werden, das elektrische Schiebedach erduldet die Sonne großzügig auch im Inneren. Und das originale „Becker Europa“ umschmeichelt die Ohren mit einem für damalige Verhältnisse sagenhaft fetten Sound.

Uncle Benz

Becker wird’s schon in die Ohren blasen

Uncle Benz

Holz? Ja, sogar echt, auch wenn’s nicht so aussieht.

Einzig der Durst des agilen Doppelnockers, der parallel auch in der S-Klasse und im SL eingebaut wurde, schmälert den Wunsch nach exzessiven Distanzen ein wenig. Der unzerstörbare Reihensechser mit der elektronischen Bosch D-Jetronic ist kaum unter 15 Litern Super zu bewegen – aber mehr Haken an dem betagten Gleiter finde ich nicht. Wenn Sie ein Auto komplett einnimmt, wenn es seine Geschichte förmlich aus allen Poren der Sitze verströmt und mitteilen will – wen interessiert da der Spritverbrauch? Der Durst liegt vielleicht an zu vielen Kurzstrecken, vielleicht an falschen Motoreinstellungen, aber der Max lässt da niemanden ran. Und selbst schraubt er auch nicht. Das Herz schlägt ja, und es schlägt gut… Wer ist schon perfekt? Sein Onkel war es schließlich auch nicht.

Uncle Benz

Reihe sechs – Herz was willst du mehr?

Uncle Benz

Hinten raus, was vorn in Bewegung umgesetzt wird

Auch sonst kann sich Max nicht über die Zuverlässigkeit des extravaganten Biedermeiers beklagen – das Steuergerät musste mal neu gemacht werden und einen Tacho hat es zerlegt. Das war es dann aber auch schon. Den Winter verbringt der 280er in einer trockenen und gut belüfteten Garage, mit ein bisschen mehr Druck auf den Reifen und vollen Flüssigkeitsständen. Regen oder gar Schnee sieht er nach Möglichkeit nicht – zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich in der selbsttragenden Karosserie verborgene Rostnester breitmachen. Ich kenn’ das. Also – das mit dem Rost. Mein Dottore steht Tag und Nacht draußen und hat schon, wie die meisten seiner Artgenossen in den 70ern, im Prospekt gerostet. Egal. Nebeneinander sehen beide ziemlich cool aus.

Uncle Benz

sind schon fesch, die beiden…

Sobald die Sonne rauskommt, ist Max im Benz unterwegs und erlebt seine Touren, die er als Kind mit seinem Onkel gemacht hat immer wieder neu. Neben seinem Beruf als Projektmanager betreibt der Hamburger das Unternehmen “Photolove” und lässt das gute alte Polaroidbild wieder aufleben. Seine Firma gibt der virtuellen Internetgeneration über Instagram, Handyfoto oder Digitalkamera die Möglichkeit, ihre Bilder als analoge Vintage-Papierabzüge im alten Stil zu bestellen – zurück zu den Wurzeln, zurück zu echten Fotos für die Stecknadel in der Wand. Weg von der digitalen Vergänglichkeit der Bits und Bytes, der sterbenden Festplatten und der USB-Sticks, die in der Hosentasche mitgewaschen wurden. Fotos. Wie sie sein sollen, im Album oder an der Wand, nicht auf dem Smartphone.

Uncle Benz

Das kann er – und noch viel mehr

Da passt das Coupé vor der Tür bei Fotografen und Kooperationspartnern wie die Häkelmütze auf die Klorolle. Ach ja – die sucht man, genau wie den Wackeldackel auf der Hutablage, vergeblich. Onkel hatte sowas auch nicht. Hier bei Max liegen ein paar Polaroids, schön angeordnet, cool gemacht. Der Mann hat Stil, genau wie sein Auto.

Das Erbe des Onkels bekommt seinen Ritterschlag, als Max ein zweites mal “ja” sagt, diesmal auf dem Standesamt :-) Völlig überladen mit Hochzeitsgeschenken schleppt der Benz das frisch vermählte Paar nach Hause. Aber er bricht nicht, natürlich nicht, er ist ein Mercedes. Der sympathische Jungunternehmer liebt seine Frau vom ersten Tag an, sein geerbtes Auto hat er in den Jahren erst richtig lieben gelernt. Ein frisch ins kalte Wasser geworfener Oldtimerfahrer kann sich nur mit der Zeit ein dickes Fell angewöhnen, das geht nicht von heute auf morgen. Man muss sein altes Auto erfahren, verstehen und als Freund begreifen. Das dauert.

Uncle Benz

Der Sonne entgegen

Es sind Ereignisse wie das klemmende Benzinpumpenrelais neben dem Steuergerät, das den Benz zumeist mitten auf viel befahrenen Kreuzungen einfach ausgehen lässt. Man muss das Gehupe und die blutdruckgepeitschten Schimpftiraden der anderen einfach ignorieren. Abschnallen, die gewaltige Haube öffnen, nach vorn gehen und mit leichtem Klopfen die Pumpe wieder zur Mitarbeit überreden. Dafür dankt sie es einem aber auch nach einem langen Winter mit sonorem Schnurren und direktem Starten des Motors. Auch kleine Lackplatzer hier und da oder Rempler von Einkaufswagen auf dem Supermarktparkplatz dürfen einen “Daily Driver” nicht in den Wahnsinn treiben – das ist Teil des Alltags, daraus wird Patina, die so ein Fahrzeug liebenswert macht. Und jede Narbe ist eine Geschichte mehr, die erzählt werden kann.

Zum Alltag gehört nun auch bald ein Kindersitz auf der Rückbank. Die Pohlmanns erwarten Nachwuchs, und wie der kleine Max damals mit seinem Onkel wird auch dieses Kind eines Tages auf dem Rücksitz die Welt vor und neben den Coupéscheiben wahrnehmen und die Geschichte weiter schreiben.

Uncle Benz

Goldene Zeiten. Oder kupferne?

Denn sie ist nie zu Ende.

Sandmann

Max ist zu finden bei www.photolove.us

TECHNISCHE DATEN

Mercedes-Benz W114 280 CE
Baujahr: 1973
Motor: Sechszylinder-Reihenmotor
Hubraum: 2.746 ccm
Leistung: 136 kW (185 PS) bei 6.000/min
Max. Drehmoment: 223 Nm bei 4.000/min
Getriebe: Viergang-Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4.680/1.790/1.395 mm
Gewicht: 1.455 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 10 Sek.
Top-Speed: 200 km/h
Wert: ca. 10.000,- Euro

Original Artikel und noch mehr Bilder auf: TRÄUME WAGEN

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Created Dienstag, 11. November 2014 Tags /8 Coupé | 280 CE | Max Pohlmann | Onkel | Photolove | Sternstunden | TRÄUME WAGEN | W114 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
06 Nov 2014
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Neue Wege mit Lisa

Neue Wege mit Lisa

Es geht nix über ein großes Display.

Lisa ist weg – es lebe Lisa.
Mein altes TomTom Go 720 hat nach 7 Jahren meinen umtriebigen Alltag verlassen. Inklusive Custom Voices und nicht immer schönen Erinnerungen an Umwege, die zuletzt mit frischem Kartenmaterial vermeidbar gewesen wären. In 7 Jahren ist einiges passiert… Und irgendwie wird alles größer. Telefone sind so groß wie Laptops, Fernseher erreichen die Dimensionen von Wohnzimmerwänden und Navigationssysteme – sind ebenfalls nicht kleiner geworden. Begrüßen wir mein neues großes TomTom aus der 6000er Serie, was vor allem eines hat: Lebenslange Kartenupdates inklusive. Lebenslang? Wessen Leben? Meins? Seins? Ihrs? Ist es wieder eine “sie”, eine Lisa? Ich glaube, das Ding kann echt viel, aber heute lasse ich mich erstmal nur quer durch Hamburg zum Verlag führen…

Neue Wege mit Lisa

Always online, also nur Geduld

Meine neue Lisa ist wesentlich größer als ihre Vorgängerin, aber ist sie auch erwachsen geworden? Haptisch nicht, sie ist flach wie eine Flunder ;-) Ich habe erstmal 6,5 Gigabyte (GIGAbyte, Leute) Kartenupdates über das Netz geladen und dabei meinen Account aktiviert. Ab und an ist noch meine alte TomTom Home Software dazwischengegrätscht und hat behauptet, ich hätte noch immer ein Go 720. Irgendwann, nachdem ich auf Niederländisch geflucht habe, hat das dann aufgehört, und irgendwann (viel später, meinten die das mit lebenslang?) war das Update dann auch auf dem großen Fladen drauf. Freudig erregt verlasse ich das Wohnzimmer und mein Laptop mit der total überforderten, leicht schmurgelnden W-LAN Antenne und lasse mich entzückt in den Daimler fallen, in der Hand dieses große Navi. Den Saugfuß, der endlich mal was zu taugen scheint, pfropfe ich ein bisschen mittiger in die Windschutzscheibe, um den Dimensionen der Dame gerecht zu werden. Ich möchte in die Amsinckstraße und sage ihr das mit meinem linken Zeigefinger, was sie freundlich im Netz vor sich hinsuchend versteht und bestätigt.

Neue Wege mit Lisa

Was ist los in Hamburg?

Lisa ist upgedated, Lisa empfängt die Verkehrsinfos – und Lisa ist permanent online mit den TomTom Diensten verbunden, ohne dass es was extra kostet. Außer Strom :-) Und so weiß die Lady auch, wo gerade gedrängelt und geschoben wird, wie lange das jeweils dauert und wie lang insgesamt die Verzögerung ist. Heute scheint die allgemeine Verkehrslage in Hamburg mal recht entspannt zu sein, rund um meine Route steht wie jeden Morgen alles still, aber ich schaffe die knapp 6 Kilometer diesmal vielleicht schneller als mit dem Fahrrad. Datenschützer werden auf die Palme gehen, weil jetzt die NSA und alle anderen immer genau wissen, wo ich gerade langfahre. Denn Lisa sendet in beide Richtungen, sie empfängt nicht nur. Aber ehrlich, Freunde. Im Fall meines Navis ist mir das persönlich total egal. Los geht’s…

Neue Wege mit Lisa

Blindflug nach Display, wie ein Flugzeug

Während der Regen auf die Scheiben prasselt lasse ich mich von der altbekannten Stimme (und ja, sie heißt noch immer Lisa) leiten. Für mich neu und spannend ist die 3D-Darstellung von sämtlichen Gebäuden im Innenstadtbereich, und was mich dabei vor allem ablenkt ist, wie nah diese Darstellungen dem tatsächlichen Aussehen der Häuser kommen. Aber ich glaube, das ist wie mit allem, was neu und cool ist. Man muss sich erstmal dran gewöhnen, und wenn der Hype vorbei ist nimmt man es gelassen hin. Momentan freu ich mich wie ein Kind über die bunten Häuser und achte weniger auf die Fahrbahn vor mir, als ich das sollte. Meine Route entlang der B4 sieht auf dem Display besser aus als ein Flugsimulator von 1998, und es ist doch nur ein Navi :-D Hihi. Check. Mag ich.

Neue Wege mit Lisa

Hinter der KPMG ist der Michel

Ui, kuck mal :-) Besondere Sehenswürdigkeiten sind sogar als richtig modellierte 3D Gebäude integriert. Das wird ja immer besser (und das kenne ich ebenfalls aus den Flugsimulatoren). So kann ich trotz Schietwetter und vorgelagerten Gebäuden den Hamburger Michel rechts vorn schon sehen, bevor ich ihn tatsächlich sehen kann. Ich hup nochmal kurz, weil mein Schwesterchen hier rechts irgendwo in einem Büro sitzt (das weiß Lisa aber nicht) und konzentriere mich wieder auf den laufenden Verkehr. Hier staut sich’s ein bisschen. Das weiß das große bunte Display auch, und eine freundliche Herrenstimme behauptet unvermittelt, eine zwei Minuten schnellere Strecke gefunden zu haben. Ob ich die nehmen wolle, ich müsse nur mit JA antworten! Huch? Einfach so JA sagen? Das kann Konsequenzen haben. Nein, das probiere ich später mal aus und schweige. Hoffentlich singt jetzt im Radio nicht jemand ganz laut JAAA ♫ was mache ich denn dann? Erstmal Radio aus. So. Jetzt bin ich tatsächlich am Michel vorbei.

Neue Wege mit Lisa

Auf dem Display sieht er schöner aus

Wie so oft im Leben sieht die Realität nicht so schön aus wie die vorgegaukelte Virtualität, in diesem Fall liegt das allerdings vor allem am Regen auf meinem Glasdach. Der Michel ist wunderschön, und wenn Sie auch mal am Heiligen Abend alleine total verheult den abendlichen Weihnachtsgottesdienst da drin verbracht haben werden Sie mir zustimmen. Im Stau stehend (hätte ich mal auf die Männerstimme gehört) spiele ich noch ein bisschen rum. Ah. Doppelt antippen zoomt ran. Rechts am Rand auf die Stausymbole tippen zeigt mir die Länge und Art der Verzögerungen als Text an. Schon ziemlich cool. Wie auf dem iPhone kann ich mit zwei Fingern die Darstellung größer und kleiner wischen. Warum hupen die alle? Oh. Ups. Ich fahre dann mal weiter und spiele später mit der Technik ;-) Wie lange mag der Akku von dem Ding wohl halten? Die alte Lisa hat’s am Ende keine Minute mehr geschafft, hier vermute ich nennenswerte Standbyzeiten, momentan braucht sie aber noch ein paar Watt zum Glücklich sein. Leider gibt es im Auto noch keinen W-Strom, also zwirbel ich ein Kabel von der Mittelkonsole am Lenkrad vorbei zum Saugfuß. Sieht scheiße aus, geht aber ganz gut. Und ist ja auch nur für die Strecken, deren Ziel ich normalerweise nicht kenne.

Gib ihm Ampere

Gib ihm Ampere

Gleichwohl durch die 3D-Darstellung mit den Gebäuden und Sehenswürdigkeiten gefühlt schon ein Blindflug möglich wäre, gucke ich hier und da lieber noch mal auf die Straße vor mir. Bald können die Navis bestimmt auch andere Autos erkennen und mir sagen, ob hinter der nebeligen Rechtskurve jemand entgegen kommt oder ob ich den Trecker jetzt überholen kann. Lisa kann das noch nicht. Aber ich glaube sie kann noch eine ganze Menge Sachen, die ich noch gar nicht kenne. Na mal sehen, das werde ich mir nach und nach aneignen. Den ersten Test hat sie jedenfalls schon mal bestanden. Schnell die Satelliten gefunden (ich hasse es, wenn ich in einem unbekannten Stadtteil bin, ganz schnell irgendwo hin muss und das blöde Navi dann zwei Minuten braucht, bis es überhaupt weiß, wo wir gerade sind), schnell online gegangen und mich mal wieder dahin gebracht, wo ich hin wollte.

Neue Wege mit Lisa

gefühlte und tatsächliche Größe

Das hier ist übrigens die tatsächliche Größe vom Go 6000, vielleicht habe ich auf ein paar vorherigen Bildern ganz leicht übertrieben ;-) Groß genug, um alles gut zu erkennen. Lisa sagt rechtzeitig an, wenn ich abbiegen muss und stellt mir das auf größeren Straßen auch mit Spuren, Straßenschildern und Pfeilen dar (was mich persönlich eher nervt, aber das kann ich mit einem einzigen Tippen wegmachen). Und jetzt park ich mal, die letzten Meter muss ich zu Fuß gehen. Durch den Regen. Ich habe die berechtigte Hoffnung, nun ein bisschen weniger wertvolle Lebenszeit auf falschen Wegen zu verbringen und werde Sie darüber natürlich auf dem laufenden halten. Irgendwann ist man mal genug Umwege gefahren, jetzt hab ich einen Zug zum Ziel. Für heute ist das nur der Verlag, aber über alte Autos zu schreiben ist ja so schlecht nicht :-) Und später sehen wir mal, wo das alles hinführen wird. Gibt es eigentlich eine Wetter-App, mit der man das Wetter über das Display anpassen kann? Ich fürchte nicht :-( The sun always shines on TV.

Sandmann

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Created Donnerstag, 06. November 2014 Tags Display | Go 6000 | Heimwärts Highways | lebenslange Kartenupdates | Navi | Navigationssystem | Sternstunden | Test | TomTom | touch Document type Video
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24 Oct 2014
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Ihr ERSTES Auto!

Ihr ERSTES Auto!

Stolz. Sie ist soooo stolz!

Ihr erstes eigenes Auto war ein…? Genau. Sie wissen noch sehr gut, was Ihr erstes Auto war. Wie es gerochen hat. Wie der Motor klang. So was vergisst man nicht, das ist wie der erste Sex und das Parfum Ihrer ersten großen Liebe. Tandaradei ♫ Zeitsprung. Die Bilder im Kopf von Ihrem ersten Mal verblassen mit den Jahren, und Ihr erstes Auto, was Sie damals gelangweilt für eine Handvoll Mark oder Euro verschleudert hatten, vergessen Sie. Über Jahrzehnte. Und plötzlich geht bei Karstadt jemand an Ihnen vorbei, und Sie haben wieder das Parfum Ihrer ersten Liebe in der Nase. Die Bilder kommen zurück. Schwupps – sind Sie in dem Alter, in dem Sie sich Ihr erstes Auto wieder vor die Tür wünschen.
Meine große Tochter steht heute ganz am Anfang dieser Geschichten.

Ihr ERSTES Auto!

Nicht unsexy fürs erste mal

Ein Auto kaufen. Hm. Wo? Hören Sie mir auf mit Kleinanzeigen im Netz. Ich hatte ja schon eine vage Ahnung, als wir anfingen, erstmals nach DEM ersten Auto für meine erste Tochter zu suchen. Sie erinnern sich? Dass es so ernüchternd war glaubt mir niemand. 12 schriftliche freundliche Anfragen von mir, EINE patzige Rückantwort, KEIN Rückruf und auch KEINE Besichtigung. Ich bin zu alt für so einen Scheiß. Tschüss ihr Yenars, Hamids und Jussufs. Ihr mögt privat nette Menschen sein, aber ihr habt anscheinend keinen Bock, mir eins eurer Autos zu verkaufen. Dann findet euer Glück halt im Exportgeschäft. Wir haben noch ein paar andere Möglichkeiten ausgelotet: Ex-Taxis kommen nicht in Frage ;-) Die Inserate in der TRÄUME WAGEN sind supercool, aber nicht in der angestrebten Fahrzeugklasse. Aber wussten Sie, dass zum Beispiel die HERTZ Autovermietung ihre jungen gebrauchten Mietwagen nach einiger Zeit günstig verkauft? Nein? Wir auch nicht, jetzt wissen wir es, aber es war im Umkreis von Kiel nichts Kleines im preislichen Rahmen dabei. Trotzdem werde ich da in 2015 mal wildern, wenn es darum geht, vielleicht dem halbfinnischen Fräulein Altona ein neues nicht ganz so altes Auto mit einem Stern vor die Tür zu stellen. Da lohnt sich ein Klick, aber das wird eine andere Geschichte.
Heute fahren wir deshalb -> zu Tom. Tom kenne ich seit er am Daumen lutscht, und Tom behauptet nicht nur, sein Auto zufällig wegen eines anstehenden Neuerwerbs verkaufen zu wollen, er scheint das auch wirklich vor zu haben. Meine Tochter, die ich noch ein bisschen länger als Tom kenne will das haben. Genau das. Alles passt?

Auto holenGenau DAS” ist so eine Definitionsfrage, vor allem bei jungen Menschen, dazu noch wenn sie weiblich sind. Während ich von meiner geschätzten jüngeren Tochter gewohnt bin, dass sie im Monatsrhythmus die freizeitgestaltenden Interessen wechselt (und bei jeder neuen Idee Himmel und Hölle schwört, das es die ultimative Geschichte ever ever sei) ist die Große da inzwischen etwas konstanter. Seit der Plan vom eigenen Auto im Raum steht soll es am liebsten ein A3 sein, ein Polo (ab 2002 mit den runden Lichtern) oder ein Lupo der ersten Serie. Wichtig: Klein und spritzig, und cool. Schwarz. Aktuelle Verkaufsargumente aus der Werbung wie Bluetooth Connect, App-gesteuerte Standheizung oder Lounge Beleuchtung passen noch nicht ins Budget :-) Und sparsam, das wäre auch gut, denn sie steckt grad im FSJ und muss ein paar Kilometer jede Woche abspulen. Aber die Preise für die kleinen Diesel….. schlimm schlimm. Auch die Null-Ausstattungen aus Wolfsburg rufen selbst bei hohen Laufleistungen noch meist vierstellige Beträge mit einer großen 2 vorn auf. Ich weiß nicht.
Plötzlich ruft halt unser guter Tom an. Er habe da noch einen A3 erste Serie, wenig gelaufen, gepflegt, Winterreifen dabei aber leider ein Benziner. Der Preis ist heiß, die telefonisch durchgegebenen Daten auch – wir fahren da mal hin.

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Skepsis, Neugier, alles dabei

Zu Tom muss ich sagen, dass ich ihn eigentlich nicht richtig kenne. Er ist der Sohn des Exfreunds der Schwester meiner Exfrau, die dann mit jemandem verheiratet war, der später mit Toms Mutter zusammenkam. Kompliziert? Nein, mit einem abgeschlossenen Studium in Mathe und Psychologie kein Problem. Egal, wir sahen uns in Zeiten, wo er Bobbycar gefahren ist und ich Audi V8. Jetzt fahre ich Mercedes S210 und er (noch) Audi A3. Eine gewachsene Vertrauensstruktur würde ich das nicht nennen, aber er ist immerhin kein Unbekannter. Vor mir steht ein charmanter, erwachsener Mann. Alt ist er geworden. Ich glaube, ich aber auch :-) Nachdem wir festgestellt haben, dass meine beiden anwesenden Töchter wiederum GROSS und HÜBSCH geworden sind widmen wir uns dem feilgebotenen dunkelblauen Kleinwagen aus Ingolstadt. Ich gucke immer ganz böse, wenn ich Autos checke, ich will das eigentlich gar nicht. Ist das Konzentration? Vielleicht. Meine Große bedeutet mir mit ein paar Pieksern in die Seite, dass sie den Wagen auf den ersten Blick schon mal ganz cool findet. Wir haben gar keine geheimen Zeichen abgemacht…

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Gut gerüstet für den Schnee

Das wäre auch nicht wirklich nötig gewesen. Der Audi aus den späten 90ern scheint kerngesund. Der echte Tachostand mit einer 1 vorn spiegelt sich im wirklich sauberen Inneren wieder, vorn macht ein neues bunt blinkendes Radio (mit USB!!!) Alarm, hinten schlummern vier fast neue Winterreifen unter der großen Heckklappe. Das Alarm machende Radio ist wichtig! Eigentlich ist das nicht dabei, aber Tom sagt, darüber könne man reden. Meine Tochter strahlt aus beiden Ohren und überlegt schon, wie sie ihr Smartphone damit verbinden kann, um später mit Drum & Bass die Dichtungen der Scheiben schnarren zu lassen. Der große 1.8 Liter Vierzylinder ist trocken und klingt gesund. Zahnriemen? Vor nicht mal 20.000 Kilometern gemacht worden. TÜV? Fast neu. Ausstattung? Nicht viel, außer elektrischen Fensterhebern und Servo ist nix drin, aber hey – es ist ein Audi. Der ist im Vergleich zu einem Polo schon ab Werk ein bisschen geiler. Er wirkt wertig und straff, das haben die Käufer damals schon teuer bezahlt – sie ist begeistert. Fahren. Ja. Wir wollen fahren!

Ihr ERSTES Auto!

Alles gut? Anscheinend ja.

Tom drückt uns gechillt den Schlüssel in die Hand und geht noch was erledigen. Okay. Ziemlich ungechillt steigt mein Töchterchen auf den Fahrersitz, ich setz mich daneben und hinten machen es sich die Mittlere und der Typ mit der Harry Potter Narbe unter der Cap bequem. Na ja, bequem nicht, es ist halt ein kompakter Zweitürer. Vorn sitzt man definitiv besser. Sie startet den Motor, und ich lausche. Ich fühle. Der Anlasser könnte ein bisschen früher wieder ausrücken, aber na gut. Ab auf die Dorfstraße. Die Antriebswellen klackern nicht, das Getriebe schaltet sich präzise und ohne zu hakeln. Die Bremsen ziehen gleichmäßig und der Motor klingt knurrig und gesund. Nichts klappert, nichts knistert, es ist halt ein Audi. Und sie? Sie ist begeistert und will ihn haben. Ich sehe wieder skeptisch aus. Bin ich aber gar nicht. Ich seh nur so aus und hänge ein paar Gedanken nach, die sich mit meinem eigenen ersten Auto beschäftigen…

Ihr ERSTES Auto!

Alles nochmal checken

Wir deuten dem jungen Mann mit den undurchsichtigen Verwandtschaftsverquickungen ein prinzipielles Kaufinteresse an. Tom nutzt die Gelegenheit und erläutert der jungen Dame die Details, zeigt die Fahrgestellnummer und alle Kratzer rund herum auf dem Lack. Das sind nicht wenige. Da müssen wir nochmal über den Preis reden, denke ich. Und stehe derweil im Geiste in einer dunklen Garage in Stade, irgendwann Anfang 1990, und schleiche um ein Ford Taunus Coupé rum. Ich hatte keinen Mentor dabei, keinen Papa, der sich um meine Wünsche gekümmert hat und im Zweifelsfall verhindert, dass ich über den Tisch gezogen werde. Ich habe das lila gelackte, zusammengebastelte Teil damals blauäugig als Katze im Sack gekauft und konnte später zum Glück auf die Schweißkünste meines Schwagers Andreas und seines Freundes Andreas (in diesen Zeiten hießen alle so) zurück greifen. Und auf das Portemonnaie meines Opas. *plopp* Schweißen wird bei diesem Audi hier nicht nötig sein, und die Technik scheint gesund. Und was kaputt geht sollte Papa später wohl mit seinem Werkzeug richten können…

Ihr ERSTES Auto!

Der Moment der Wahrheit

Meine Tochter kauft ihr erstes Auto.
Und ja, sie unterschreibt den Vertrag selbst. Saß sie nicht gerade noch auf meinen Schultern und hat herbstliche Lieder geschmettert? So lange ist das doch noch gar nicht her? Jetzt füllt sie die Daten aus, und ich drifte wieder weg. Damals hatte ich noch nicht genug Kohle für mein Auto zusammen, also hat meine Freundin Nessi den Taunus erstmal gekauft und drei Monate lang gefahren. Die drei längsten Monate meines Lebens. Dann habe ich ihn endlich “auslösen” können, der Rest ist Geschichte. Pendeln zur Bundeswehr, Freundin weg, Kummer, dazu immer Marillion, der Soundtrack meines Lebens. *plopp* Töchterchen hat genug Geld zusammen. Einen Teil hat sie gespart, einen Teil hat ihre Mutter dazu gegeben und einen Teil ich. Warum auch nicht? Hey – es ist ihr erstes AUTO, wie geil ist das denn? Da gebe ich doch gern. Und es ist irgendwie echt schick. Man sieht dem Wagen sein Alter nicht wirklich an. Liegt das an der Pflege oder der Marke oder der Tatsache, dass hier vom Design ein zeitloser Wurf getätigt wurde? Weiß ich nicht :-)

Ihr ERSTES Auto!

Ein’ Lütten noch obendrauf

Tom ist nicht nur Geschäftsmann – er ist auch Genießer. Für das Bündel Geldscheine, das gerade den Besitzer wechselt (und das, mögen es alle diese bescheuerten Fähnchenhändler schlucken, eine 1 vorn in der Summe hat), bekommt mein Töchterchen das Auto, die Winterreifen, das Bumm Bäng Radio und obendrauf noch das originale Audi Gamma Radio. Und ne Mappe mit Papieren. Er wiederum bekommt obendrauf noch ein Fläschchen Vodka. Jetzt stehe ich hier also, gucke meiner Tochter beim Kaufen eines Autos zu und sehe, wie sie dem kleinen Jungen mit dem Bobbycar eine Flasche harten Alkohl in die Hand drückt. Selbstgekauft. Irgendwie drehen sich die Zeiger der Uhr heute wieder ein bisschen zu schnell, aber was soll’s, solange der Anlass ein schöner ist komme ich mit meiner eigenen Midlife-Crisis gut klar.

Ab vom Hof

Ab vom Hof

Tschüss Tom. War schräg, dich in diesem Zusammenhang mal wieder zu sehen. Ich steige mit meiner kleinen/mittleren Tochter in den alten Daimler, und meine große Tochter mit ihrem Liebsten (man kennt ihn inzwischen aus den Frankreich-Geschichten) in ihr erstes eigenes Auto. Auf eigener Achse zurück aus der Pampa hinter Rendsburg nach Kiel. Ich bin wahnsinnig stolz auf das große Mädchen hinterm Steuer. Der Wagen steht ihr, oder? Er würde hinten quer auf meine Ladefläche passen. Aber so ein A3 hat einen gewissen Charme, den sogar ich ihm nicht absprechen kann – und ich bekenne mich dazu, kleine Autos nicht unbedingt super zu finden. Aber er hat so viel Platz wie ein Golf, ist dabei aber irgendwie noch ein bisschen cooler mit seinen roten Armaturen und seiner schlanken Form. Wenn nur die Ersatzteile nicht so teuer wären. Na, hoffen wir mal, dass die geringe Laufleistung ein bisschen Ruhe vor den Reparaturen versprechen kann. Und da ist auch schon die Autobahn nach Kiel. Kick it.

Ihr ERSTES Auto!

glückliche Menschen

Er scheint zu laufen, der alte Audi. Die strahlenden Gesichter der beiden jungen Menschen darin sprechen eine klare Sprache. Was war vor 25 Jahren ein Auto für mich? Die Freiheit, da hin zu fahren, wo ich hin will. Ich allein. Ein Raum nur für mich, in dem ich Musik hören, reisen, trauern, ja sogar schlafen kann. Die Unabhängigkeit eines verkappt braven Gymnasiasten vom konservativen Umfeld. *plopp* Was ist ein Auto für meine Tochter heute? Das wurde sie letzte Woche auch von einem Kamerateam gefragt. In diesem Auto. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Freude und Vergangenheit. Kenne Sie das auch, wenn Sie an einem Moment teilhaben, von dem Sie genau wissen, dass er irgendwie wichtig ist? Damals, bei meinem ersten Auto habe ich das noch nicht gewusst. Beim ersten Sex schon eher, da haben mir ein besonderes Umfeld und besondere Zeiten schon eine frühe Ahnung gegeben, dass ich das sobald nicht vergessen werde. Mal gucken, was sie in 25 Jahren zu diesem Moment sagt. Also, zu dem mit dem Auto.

Ihr ERSTES Auto!

Alle springen mal bitte HOOOOCH

Töchterchens erstes Auto ist also ein Audi A3 1.8 Liter Schaltgetriebe. Ein paar Jahre jünger als sie selbst. Genau genommen ist der Wagen fast exakt so viele Jahre jünger als sie selbst, wie damals mein Taunus jünger als ICH war. Ich war genau so alt wie sie heute, aber mein erstes Auto wirkte seinerzeit schon auf alle anderen wie ein antiker Dinosaurier. *plopp* Irgendwas ist heute anders. Können Sie es ergründen? Ist es das Fehlen von Rostplacken an den Schwellern? Sind Autos heute wertiger anmutend als damals? Zeitloser? Und werde ich tatsächlich älter?
So oder so – ich freu mich wie blöd über das erste Auto meiner Tochter. Ich kann mich allerdings an das Parfum meiner ersten Freundin nicht mehr erinnern. Aber an das der dritten. Kashmir von Chopard. Spannende Zeiten. Oder haben SIE den Kauf Ihres ersten Autos etwa vergessen???

Sandmann

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Created Freitag, 24. Oktober 2014 Tags audi a3 | benziner | das erste mal | eigenes Auto | Erstauto | erstes auto | Fremde Federungen | Gebrauchtwagen | Heimwärts Highways Document type Video
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21 Oct 2014
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Ge STUTZ te Flügel

Ge STUTZ te Flügel

Ein bisschen Saurier, ein bisschen Hai

Stutz? Schon mal gehört?Nein? Bestimmt doch, auch wenn Sie es nicht wissen. Durch unzählige Filme der vergangenen 40 Jahre fährt ein Stutz Blackhawk. Herbert Engel besitzt ein Exemplar dieser extrem seltenen Gattung. Das US-amerikanische “Revival Car” wirkt wie der Mix aus einem übergewichtigen Dinosaurier und einem schlanken Hai, die von Virgil Exner gestaltete Karosserie könnte ausgefallener nicht sein – und kleidet eines der teuersten US-Automobile aller Zeiten. Dieser Cocktail aus Luxus und Extravaganz mit verspielten Anklängen an die 30er Jahre begeisterte damals nicht nur Sunnyboy Dean Martin, sondern auch viele andere Reiche und Schöne der Welt… Ich bin weder reich noch schön, aber ich hab mich mal auf den Wagen eingelassen und zähle ein paar Promis auf, die mir das gleich taten. Mit Erfolg? Definitionssache…

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Eine total verrückte Kombination aus Formen

Das 40 Jahre alte Getüm, das rückwärts aus der kleinen Garage in der Burgschmiede Namedy herausrollt, ist – ein Auto. Wirklich? Formen wie aus einem Batman-Film und ein Name wie ein Rasiermesser: Stutz Blackhawk. Des Engels schwarzer Falke. Der gewaltige 7,5-Liter-V8 mit seinen mehr als 400 SAE-PS murmelt eine ungeduldig vorgetragene Ballade von letztendlicher Freiheit. Dieser gestutzte Falke durfte noch nie so richtig das tun, wozu er einst gebaut wurde: Fliegen. Jagen. Schnell und gefährlich sein. Nur 2.600 historisch verbriefte Meilen sind vom Tacho abzulesen, für einen V8 ist das ein Neuzustand, der Block ist noch nicht einmal richtig eingefahren :-) Und es ist aus heutiger Sicht kaum zu glauben, was einem die ungläubigen eigenen Augen für ein Konglomerat aus Formen ans Gehirn melden. Was der Omnibusbauer Officine Padane aus dem italienischen Modena diesem ur-amerikanischen Klotz da für ein Kleid geschneidert hat.

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Metall, Holz, Fell soweit das Falkenauge reicht

Ich bin schlecht entsprechend vorbereitet. Dieses Fahrzeug trifft mich in der kühlen Morgensonne wie ein Schlag ins Gesicht, und ich kann mich noch nicht entscheiden, was ich eigentlich über diesen Kahn denken soll. Er steht da lauernd wie eine Provokation, wie ein Legomodell, was ein kleiner Junge aus vielen verschiedenen Themen-Baukästen zusammengesetzt hat. Irgendwie stimmt das auch. Nur, dass der kleine Junge ein bisschen genial war und den extravaganten Zeitgeschmack mit extravaganten Baukästen getroffen hat. Ich fasse die kalten, glatten Flanke an. Ich streichel sie. Und ich habe immer Angst, vom Falken gebissen zu werden.

Ge STUTZ te Flügel

Alles passt zusammen. Echt jetzt.

Was mag Sammy Davis Jr. gedacht haben, als er über den fast wollüstigen Kühler seines Stutz strich und die Hand über die geschwungenen Kotflügel gleiten ließ, die eine fußballfeldgroße Motorhaube flankieren? Irgendwas muss er gedacht haben, schließlich hatte er eine Menge Geld für die Karre auf den Tisch gelegt. Anfang der 70er kostete ein VW Käfer rund 6000 Mark. Ein gut ausgestatteter Opel Kadett Festival lag schon bei 7800 Mark. Ein total ausgefallener Maserati Ghibli war mit etwas über 70.000 Mark teurer als ein Einfamilienhaus am Stadtrand von Uelzen. Der Stutz kostete 150.000 Mark. Viel Geld. Sammy muss irgendwas gedacht haben. Vielleicht ist ihm ein neuer Song eingefallen…

Designelemente der 30er Jahre

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egal von wo man guckt, die Karre ist unfassbar

Um dieses Auto zu verstehen (und letztendlich auch zu mögen) muss man in die Geschichtsbücher eintauchen.
Der US-Amerikaner Harry Stutz beschäftigte sich schon vor mehr als 100 Jahren mit dem Bau von motorisierten Kutschen, die er über die Jahre als Roadster und Limousinen immer weiter verbesserte. Seine expandierende Stutz Motor Company ging durch die Hände mehrerer Eigner, bis sie 1939 wegen der Weltwirtschaftskrise Insolvenz anmelden musste. Im Jahr 1968 ließ James ODonnell den Markennamen in seinem neu gegründeten Unternehmen Stutz Motor Car of America wieder aufleben. Sein Ziel: Luxuriöse Fahrzeuge mit eigenständigem Design zu bauen, eine Kombination aus Elementen der 1930er Jahre mit zeitgenössischen und robusten Komponenten moderner Autos. Für die Verwendung der Plattform gab ein gewisser Herr DeLorean, damals Chef bei Pontiac, selbst sein okay. Es mussten allerdings statt des nur benötigten Rahmens komplette Fahrzeuge abgenommen werden. Komplette Fahrzeuge vom Typ Pontiac Grand Prix. Der große Preis, Geschäftsmann war er ja durch und durch ;-)

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Ein wahrlich beeindruckendes Markenzeichen

Der Blackhawk der ersten Serie, von dem es nur 25 Stück gab, gleicht diesem Baukasten. Aber einem Baukasten der Superlative. Am Ende wirkt er irgendwie stimmig kombiniert. Wenn Sie das erste mal vor einem späten Picasso stehen fangen Sie auch an zu lachen, finden das bunte Bild mit der seltsamen Frau und diesem Löffel im Gesicht und diesem kantigen Taschentuch vor der Nase albern und gehen kopfschüttelnd weiter. Zu den gefälligen Seerosen von Monet. Wenn Ihnen aber mal jemand erklärt, dass dieser Löffel auf dem Bild der Frau gerade brutal das Auge aushebelt und die Zacken im Taschentuch auf ihrer Nase scharfe, unbarmherzig schneidende Glassplitter sind – dann bekommen Sie eine Ahnung davon, welche Schmerzen sie wohl gerade durchleiden mag. Schmerzen, die ein normales Bild gar nicht darstellen kann. Der Stutz ist ein Auto, was etwas verkörpert, was Sie mit einem normalen Auto einfach nicht hinbekommen.

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goldene Felgen und dicke Hurra-Tüten an den Seiten raus

Von den wuchtigen Kotflügeln gerahmt fallen die speziellen Firestone-Reifen auf, die exklusiv für dieses Fahrzeug hergestellt wurden. Mr. Davis Jr. strich über Türgriffe vom Maserati Indy und fuhr die perfekte Linienführung der Flanken nach, deren Filigranität gekonnt von je einem armdicken seitlichen Auspuffrohr unterbrochen wird. Seitenfenster gibt es nicht bei diesem als Zweisitzer konzipierten Coupé. In unserem speziellen Exemplar befindet sich allerdings eine originale, klappbare Rückbank – dieser Stutz ist tatsächlich für vier Personen zugelassen, aber trotz seiner wahnwitzigen Länge nur bedingt als Familienkutsche geeignet.

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Tierschützer sollten hier mal wegschauen.

Man möge es den damaligen Zeiten und der fehlenden political correctness verzeihen – für diesen Wagen mussten kleine Tiere sterben. Ein großer Teil des mit Chinchilla-Fell ausgelegten Kofferraums wird vom außen liegend montierten Reserverad inklusive Firmenlogo beansprucht – Continental Kit mal ganz anders. Kenny Rogers hätte da nicht einmal seine Gitarre reinbekommen, vermutlich hatte er sie auf dem Beifahrersitz liegen. Nach dem satten Klacken des Schlosses öffnet sich mit der überdimensionalen Tür ein innerer Schrein des Überflusses. So wähnte sich der Schah von Iran wohl in seinem Palast, als er in einem seiner zwölf (nochmal: ZWÖLF) Stutz saß. Feines Wurzelholz vom Zitronenbaum umrahmt kunstvoll die analogen Rundinstrumente und filigranen Knöpfe, die ebenfalls von Maserati geliefert wurden.

Echtes Fell vor geteilter Windschutzscheibe

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Herbert Engel mitten im Überfluss

Auf Augenhöhe finden sich bei genauerer Betrachtung erneut ein paar graue Chinchillas wieder, deren Fell die Sonnenblenden ziert, mit denen sich die in der Mitte geteilte Frontscheibe abblenden lässt. Feinstes weiches Leder umschmeichelt den Körper und verströmt den wunderbaren Geruch eines alten, erhabenen Autos. Der Blackhawk mutet fast schon britisch an. Trug Elvis Presley am Steuer vielleicht Handschuhe? Seine drei Stutz waren die einzigen Autos, in denen er sich nicht chauffieren ließ. Er nahm das Volant selbst in die Hand, bei unserem Modell ist das übrigens ein sehr sportlich gehaltenes aus dem Mustang Shelby. Das letzte bekannte Foto des King zeigt ihn kurz nach Mitternacht zum 16. August 1977 am Steuer seines schwarzen Stutz mit roten Sitzen. Nur wenige Stunden vor seinem Tod. Der Wagen steht heute in Graceland. Auf jeden Fall hätte Elvis zunächst seine eigene Musik auf einer Cartridge in die original Stutz-Stereoanlage gedrückt. Das antike Teil selbst ist inzwischen so selten, dass ich gar nicht glauben kann, dass es tatsächlich noch funktioniert. Doch, tut es, wenn auch nicht mit Elvis. Hier und heute begnügen wir uns mit Paul Ankas 21 Golden Hits.

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Paul Anka singt uns einen vom Tonband

Herbert Engel lächelt wie Muhammad Ali nach einem gewonnenen Kampf, als er gleich dem unserblichen Boxmeister selbst am Steuer Platz nimmt. Die charmante Ausstrahlung des Händlers für exklusive Automobile wird vom Geist dieses unfassbaren Autos und seiner prominenten Fangemeinde noch mystisch untermalt. Es sitzt sich hier wie in einem italienischen Gran Turismo aus den späten 60ern, es fühlt sich aber ein bisschen klapperig an wie in einem Ami aus den 70ern und – es klingt wie ein Sportwagen, als Engel den Big Block zum Leben erweckt. Donnerlüttchen. Ich wusste zwar, dass da fast acht große Milchtüten mit Treibstoff versorgt werden, dass die aber so zornig klingen können ist mir neu.

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Dürfen es ein paar Liter mehr sein?

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guller guller blubber schlürf

Der Stutz gleitet wie ein gigantisches Schiff durch die Welt

Die originalen LXX-17 Run Flat Firestone-Reifen von der Auslieferung besitzt Herbert Engel noch, hat sie aber aufgrund des biblischen Alters gegen etwas jüngere, einigermaßen fahrbare Pneus auf anderen Felgen getauscht. Auch wenn die originalen Reifen erst besagte 2600 Meilen gelaufen sind. Aber wenn Sie mal ihr seit Jahrzehnten mitgeschlepptes Reserverad im Kofferraum angucken, wissen Sie, wie hart Gummi werden kann. Safety first. Mit der Erhabenheit eines Supertankers gleitet der Blackhawk knurrend über den Innenhof zur Yellow Brick Road, wie Elton John sie besungen hätte, während er durch das verregnete England fuhr. Die Automatik schaltet ohne Ruckeln, die Klimaanlage schnorchelt leise. Es fühlt sich wirklich wie in einem edlen Salon an, ich möchte spontan eine Pfeife rauchen, nehme aber Rücksicht auf die verstorbenen Chinchillas und die Reinheit ihrer pelzigen Hinterlassenschaft. Die 5,26 Meter Länge verteilen sich gefühlt vor allem auf die nicht enden wollende Motorhaube, die 1,91 Meter Breite indes fallen weniger ins Gewicht.

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Alles im Blick? Schwierig.

Das meilenweit von den Insassen entfernte Cockpit und die runden Armaturen lassen Luft zum Atmen und versprühen das passive Sicherheitsgefühl eines Panzers. Wer mal in einem Leopard II gefahren ist weiß, dass auch der durchaus Bumms haben kann, nicht nur hinter der Kanone. Engel gibt Gas. Ja :roll: der Motor hat Drehmoment, das kann selbst das mehr als zwei Tonnen schwere Gesamtkunstwerk nicht verheimlichen. Es ist nicht überliefert, wie Evil Knievel seinen Stutz gefahren ist, den er sich selbst nach dem legendären River Jump als Belohnung schenkte. Vermutlich aber nicht fliegend durch brennende Reifen oder was er sonst noch alles so veranstaltet hat. Unsere nicht brennenden Reifen hier und heute im 21. Jahrhundert wollen jedenfalls nicht mit dem Wort “waghalsig” in einen Topf geworfen werden, also shuffelt Engel kommod und entspannt zu ein paar wunderschönen Plätzen. Wie gemacht für ein wunderschönes Auto. Ich beginne Gefallen zu finden. Am Ende mochte ich Picasso auch.

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Gesehen werden? Na gut.

Der Falke will kommod gefahren werden

Egal wo wir auftauchen – vor Ort polarisiert der Bolide die anwesenden Zuschauer, die sich zu allem ungefragt lautstark äußern. Der kleinere Teil sieht in dem Fahrzeug ein hässliches Monster von einem anderen Stern, steigt danach in seinen Multipla Fiat und fährt nach Hause in sein Reihenmittelhaus. Die meisten aber begreifen ihn aber von Anfang an richtig, nämlich wie ein exklusives Kunstwerk, für das man sich gern begeistern kann, ohne es gleich selbst besitzen zu müssen. Angucken erlaubt. Denn das hat der Blackhawk vielen seiner verwandten Kollegen voraus: Ein Ferrari, ein Rolls-Royce, ein Jaguar oder ein Lamborghini pressen ihre Besitzer umgehend in feste, für die Ewigkeit in den Köpfen verankerte Klischees  - der Stutz, im Übrigen wesentlich teurer und seltener als jede der genannten Marken, ist einfach nur stylisch und ein bisschen verrückt. Wie sollte man seinen Besitzer charakterisieren? Geht nicht. Ach doch – reich. Auf jeden Fall reich.

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Was für sündige Hüften

Spätestens, wenn den Betrachtern am warmen Kaminfeuer der gullernden Zylinder aus der illustren “Stutz Owners” Liste vorgelesen wird, und allerspätestens, wenn der Name Elvis Presley fällt, schwenken sogar ein paar der fast schon wieder abgereisten Neubaugebiets-Zweifler um und gucken genauer hin. Ja ja, Prominenz macht sexy und verursacht explosionsartig ansteigendes Interesse aller Beteiligten. George Normanist, wie alle anderen Stutz-Käufer auch, auf einer Metalltafel an der Mittelkonsole verewigt. Er lebte zwar ein farbenfrohes und interessantes Leben, ist aber nicht so prominent wie einige der anderen Fahrer von insgesamt rund 600 gebauten Stutz verschiedener Serien. Herr Norman als einziger Vorbesitzer dieses Falken hatte in den frühen 70ern ein paar Probleme mit dem Gesetz und tauchte unter, seine Sammlung teurer Autos wurde später konfisziert.

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Der Erstbesitzer ist verewigt

Der Erstbesitzer wurde international gesucht

So überdauerte auch dieser Stutz fachgerecht eingelagert die Jahre, bis 1985 ein Nachbar von Norman das Fahrzeug verkaufte. Über einige verschlungene Wege gelangte der Wagen letztendlich zu Herbert Engel, der ihn heute prinzipiell verkaufen würde. Doch erwarten Sie kein Schnäppchen. Der Zustand ist weltweit einzigartig, die erste Serie ist wesentlich begehrter als die Nachfolgemodelle. Bei späteren Baureihen hat das Baukastensystem von Pontiac immer mehr Einzug gefunden, der filigrane Charme und italienische Einfluss verflog ein wenig. Bis er einen Käufer gefunden hat bewegt Engel das Unikat mit H-Kennzeichen durch die Landschaft rund um den Rhein und erfreut sich immer wieder an den Reaktionen der Passanten. Für ihn ist es ein gutes, seltenes Auto. Er hat noch andere, noch ganz andere Kuriositäten in seinen Hallen stehen.

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angesaugt werden – kann passieren

Der seltsame Wagen, welcher an sich schon eine faszinierende Geschichte erzählt, kühlt leise tickend wieder ab. Er verfügt über eine komplette Historie, angereichert mit Berichten von Preisverleihungen und weltweiten Showveranstaltungen. Wie bei fast allen seiner anderen Autos auch hat Herbert Engel ein besonderes Verhältnis zu diesem besonderen Fahrzeug, aber der Handel ist ein Kommen und Gehen. Zu viele Gefühle machen da schnell sentimental, und meistens gelingt ihm, einen professionellen emotionalen Abstand zu den Exponaten zu halten. Manchmal aber auch nicht. Als er das Garagentor hinter dem Blackhawk schließt, hat er dieses Leuchten in den Augen, das nur Männer haben, die ein bisschen verliebt sind.

Sandmann


www.sportwagenengel.de

STUTZ BLACKHAWK Serie 1
Baujahr: 1971
Erstzulassung: 1972
Motor: Pontiac Big Block V8
Hubraum: 7.500 ccm
Leistung: 431 PS
Drehmoment: 570 Nm bei 4.000/min
Verbrauch: ca 30l/100km
Getriebe: GM TH-400 3-Gang Automatik
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,4 s
Gewicht: 2.300 kg
SammyAliKennyEvilElvisElton
Originalartikel auf TRÄUME WAGEN

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Created Dienstag, 21. Oktober 2014 Tags Burgschmiede Namedy | Herbert Engel | Sportwagen Engel | Stutz | Stutz Blackhawk | TRÄUME WAGEN Document type Video
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20 Oct 2014
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Aus Versehen TÜV

Aus Versehen TÜV

Lange her, der letzte Werkstattbesuch…

Eigentlich sollte es ein ganz normaler Tag in meinem Leben werden. Früh Morgens mit dem Dottore ohne Zündschloss das Töchterchen zur Schule fahren und ab 9:00 Uhr an den Schreibtisch, schreiben und Fotos bearbeiten. Wie immer in meinem Leben ist es natürlich KEIN normaler Tag geworden, zumindest kein normaler Morgen. Er schüttelt mich zwischen 7:00 und 9:00 Uhr von Himmelhochjauchzen bis Zutodebetrübt, vielleicht sollte ich mich langsam mal an eine derartige relative Emotionsgeschwindigkeit gewöhnen. Ich fang mal vorn an, damit ich um 9:00 Uhr auch rechtzeitig an meinen Computer komme…

Aus Versehen TÜV

Na – da ist er ja

6:42 Uhr
Papa, ich hab grad das Netzteil vom alten Laptop aus der Kommode geholt, da ist so ein Schlüssel mit rausgefallen…” Argh. Tropfnass direkt aus der Dusche kommend (ich hatte noch nicht mal einen Kaffee) stehe ich überraschend vor meinem verlorenen Autoschlüssel. Sie erinnern sich? Ich werde in diesem Leben nicht mehr erfahren, was er in meiner Kommode im Wohnzimmer gemacht hat und wie er da hin gekommen ist. Ich sehe jedenfalls eine Chance für einen guten Tag, trockne mich grob ab, ziehe mich an, bastel noch liebevoll ein Pausenbrot für meine fröhliche Finderin und lasse sie dann für 10 Minuten mit ihrem Müsli allein. Ich und mein Kaffee, wir sind schnell mal draußen beim Audi in der frühherbstlichen Feuchtigkeit. Ich baue mit den schon bereitgelegten neuen Schrauben das alte Lenkradschloss wieder an, ziehe es fest und befinde das Ergebnis für insgesamt vorzeigbar. Lenkstockschalter drauf, Lenkrad drauf und gut. Mein Kaffee unterstützt mich dabei bedingungslos. Das hektisch bei ebay ersteigerte und inzwischen auch eingetroffene Set aus Schließzylinder, Türschloss, Heckklappenschloss und Schlüssel kann ich ja irgendwann mal weiterverkaufen oder beiseitelegen, falls sich der Schlüssel erneut in irgendwelchen undurchsichtigen Ecken meines Lebens niederlassen sollte :-)

Aus Versehen TÜV

Mit Montag Morgen Muffel Musik

07:10 Uhr
Ich hatte ganz vergessen, dass mein Töchterchen am Wochenende mit ihrem Fahrrad bei mir war. Na gut. Kombi? – Braucht man nicht :-) Der Kofferraum des Dottore schluckt das Fahrrad ganz gut, und an so einem kalten grauen Herbstmontag will man die Zweitgeborene ja nicht frieren lassen. Also gullern wir mit ♫ Montag Morgen Muffel Musik ein bisschen verschlafen in Richtung Innenstadt. Ich beschließe, gleich nach dem Rauskippen der hübschen Fracht bei meinem Leib- und Magen-KFZ-Meister Rüdiger Menzel vom 1A Autoservice in Kiel einzukehren und zu fragen, ob er das allgemein schlechte Laufen des alternden Vierzylinders irgendwie kurz ergründen kann. Mit dem bin ich schon seit der Neueröffnung freundschaftlich verbunden. Deshalb: Nein, das sind keine verkauften und irgendwie ins Thema integrierten Links, die kommenden Geschichten werden Ihnen nach und nach erläutern, warum ich den Mann wirklich schätze und glaube, dass er zaubern kann. Und danach könnte ich mir auf dem Rückweg ins Büro gleich einen Termin bei der GTÜ holen, Hauptuntersuchung ist fällig. Bis dahin kann ich mich an den Wochenenden nochmal drunter legen und schauen, was alles gemacht werden muss. Ich fahre den Audi seit fast zwei Jahren einfach nur so….. ich habe da noch nie drunter geguckt, es war schlicht nicht nötig. Guter Plan. Also los.

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In guter Gesellschaft

7:32 Uhr
Für einen Montag Morgen ist der Meister ausnehmend gut gelaunt. Ich trau mich gar nicht zu fragen, woran das liegen könnte, nehme aber hin, dass wir zwei uns endlich duzen. Fein :-)Komm ich häng den gleich mal ran” sagt er und fährt den silbernen Herren auch schon in die große helle Halle, gleich neben einen wunderschönen W123. Der alte Daimler guckt den alten Audi ein wenig herablassend an, er ist in einem definitiv besseren Zustand und hat auch eine viel größere Fangemeinde als der Typ 43. Den will irgendwie niemand haben, alle finden den toll wenn man auf die Tankstelle fährt aber kein Mensch lässt sich drauf ein. Na und? Ich bin in diesem Jahr schließlich auch ein Typ 43 :-) Ich hab ihn ein bisschen lieb und freue mich, dass der alte Herr mal wieder eine richtige Werkstatt von innen sieht. Ex-Raffay in Hamburg, wo er einst 1977 gekauft wurde, sollte diese Ehre eigentlich auch zuteil werden. So dachte ich mal, als ich die anschrieb. Dort hat man aber leider das Klischee des “Freundlichen” bestätigt und trotz mehrerer Mails keinen Terminvorschlag gemacht. Hat man das in einem Audi Zentrum nicht nötig? Ich werde dem noch nachgehen, Menzel hat schon seinen Rollwagen hergeschoben und legt los. Hier werde ich auch mit einem 37 Jahre alten Auto ernst genommen, im Hamburger Audizentrum anscheinend nicht.

Aus Versehen TÜV

Mit Herz und Ohr dabei

7:40 Uhr
Standgas und CO vom Vergaser sind frisch eingestellt. “Der bläut aber derbe hinten raus. Da solltest du mal die Schaftdichtungen machen, die sind sicher schon steinhart…” Das hatte ich sowieso vor, lasse mir einen groben Preis nennen (die Nockenwelle muss dazu raus, Mist) und mache gleich einen Termin für die nächste Woche. Morgens bringen, Nachmittags abholen. Klasse. Und dazwischen fahr ich dann eben Fahrrad, noch ist es ja nicht so kalt dass ich dafür zu bequem bin – und dass es hinten rein passt weiß ich ja seit heute Morgen :-) Die gute Nachricht: Kompression auf allen vier Zylindern ist gut, Standgas ist sauber, der Motor macht einen relativ gesunden Eindruck. Die Werkstatt füllt sich langsam, Kundenfahrzeuge werden reingeschoben, Monteure klettern unter die Hebebühnen und geschäftiges Treiben dringt aus allen Ecken.

Aus Versehen TÜV

Der Maestro an seinem Orchester

7:43 Uhr
Wissen Sie, was beschämend ist? Viele Werkstätten haben gar nicht mehr die alten Testgeräte, die über Induktion die Zündsignale abgreifen. Ich bin von drei Markenzentren in Hamburg wieder nach Hause geschickt worden, weil man dort die alten Geräte entsorgt und auf die neue Generation umgestellt hat. Die mit den Diagnosesteckern, wo nur noch ein Computer angeschlossen wird, der dann über die Schnittstelle vom Auto gesagt bekommt, wo es weh tut. Diese Schnittstelle hat mein Audi aber noch nicht, 1977 waren Computer den Universitäten und der NASA vorbehalten :-( Was machen solche Werkstätten denn, wenn ein gut situierter Klassikerfahrer ankommt und zum Beispiel die Vergaser seines Porsche oder seines Audi Coupé S einstellen lassen will? Nichts. Ach doch, sie können was machen – sie können diese Leute zu Menzel nach Kiel schicken, der hat noch so ein Gerät. Und er selbst hat auf dem alten Audi 100 gelernt, und was er selbst bei alten Autos zeitlich nicht hinbekommt regelt sein Vati. Der ist auch noch ab und an dabei, der hat schon die Bremsen meines alten K70 damals wieder gerichtet. Gut. Das Zündbild ist fast perfekt. Es muss also irgendwie an der Spritzufuhr oder am Vergaser liegen, dass der Dottore bei 100 km/h sporadisch immer wieder bockig ist.

Aus Versehen TÜV

Alles gesund im E-Werk

7:48 Uhr
Wir vertagen uns auf die nächste Woche, dann will er außer den Schaftdichtungen auch gleich mal den Vergaser unter die Lupe nehmen. Außerdem soll ich mir mal die Lenksäule anschauen, die macht komische Geräusche und mahlt so metallisch, das ist nicht gut. Ich erzähle von dem ausgebohrten und wieder angeschraubten Schloss. Irgendwas wird das damit wohl zu tun haben. “Das lässt sich schon finden” beruhigt Menzel mich grinsend und scheucht mich gut gelaunt vom Hof :-) Okay. Ich bin nicht wirklich weiter, aber ich kann mir ja noch schnell den Termin bei der GTÜ Prüfstelle holen, bevor ich mich in den Arbeitstag stürze. Die ist quasi eine Ecke weiter und öffnet in wenigen Minuten ihre Pforten. Vielleicht kann ich mir danach sogar noch ein Brötchen bei meinem Lieblingsbäcker holen, bevor es ans Schreiben geht.

Aus Versehen TÜV

Äh… moment, ich bin unvorbereitet…

8:05 Uhr
Sie sind heute der Erste, fahren Sie den schönen alten Audi doch gleich auf die Bühne!” – Äh… ich…. wollte eigentlich nur einen Termin so für in drei Wochen oder so haben…. “Wieso, der sieht doch gut aus. Den machen wir gleich, rauf damit!” Ich bin verwirrt und überfahren. So war das nicht geplant. Während der Plakettenchef in seinem Büro die Daten in den Computer eingibt schleiche ich schnell nach vorn, mach die Haube auf und tausche die gelben Lampen gegen nicht ganz so gelbe, die ich im Handschuhfach für besonders renitente Ordnungshüter mitführe. Und schon ist er wieder da. *schwitz* Ich fühle mich irgendwie ertappt, allein aus dem Grund dass ich absolut nicht weiß, in welchem Zustand dieses Auto ist. Vor allem der Unterboden. Der Mann legt einfach los und lässt den Motor ein paar mal aufjaulen und ihn hochdrehen, als er Temperatur bekommen hat. Abgaswerte sind okay (na klar sind die das, ich komme ja auch gerade erst vom Motortester). Der routiniert vorgehende Sachverständige schaltet das Licht durch, Blinker, Hupe, Fernlicht, Nebelscheinwerfer (oh GOTT die gehen ja sogar noch!). Er prüft das Lenkungsspiel und wackelt an allen Rädern. Während der Motor im Standgas ruhig vor sich hin murmelt und irgendwann der Lüfter anspringt (was den Prüfer auch fröhlich zu stimmen scheint) stellt er noch die Lampen in der Höhe nach. Ich sage danke.

Aus Versehen TÜV

So gestrahlt hat er noch nie

8:23 Uhr
Unter dem Auto höre ich AAAAHS und OOOOHS. “Wie sind Sie denn dem Rost bei diesem Modell Herr geworden? Der sieht ja von unten aus wie neu!” Ich…. ich…. ach wissen Sie, regelmäßige Pflege und Inspektion, wenn man immer dran bleibt ist das gar nicht so wild bei dem Audi 100. Während meine Nase immer länger wird und ich ebenfalls unter dem Dottore stehend Gefahr laufe, sie mir am heißen Auspuff zu verbrennen bin ich selbst ein wenig erstaunt über diesen Unterboden. Habe ich irgendwelche Lemminge im Garten, die Nachts diesen Wagen pflegen und konservieren? Das ist ja nicht zu fassen. “Hier an der Antriebswellenmanschette ist ein kleiner Riss. Nicht schlimm, aber da sollten Sie bald mal ran. Ansonsten okay, wir können wieder raus.” Ach? Was ist denn hier los? So ein gesundes Auto habe ich? Der Mann geht wieder in sein Büro, während die nächsten Prüflinge schon Schlange stehen. Ein total, TOTAL verrosteter T3 Bulli und ein wunderschöner, anscheinend tadelloser Mercedes W108, die alte S-Klasse. Na dann. Auf in den Tag. Da kommt der Chef wieder und hat was rundes, selbstklebendes in der Hand…..

Aus Versehen TÜV

Zwei Jahre Ruhe

8:52 Uhr
Und wie war Ihr Montag Morgen so? Ich bin wieder zu Hause und habe meinen Plan abgearbeitet. Vor zweieinhalb Stunden hatte ich noch einen alten Audi ohne Zündschloss mit Motorproblemen, jetzt habe ich einen alten Audi mit Zündschloss und Schlüssel, sauberen Abgaswerten, frischem TÜV und… noch immer mit Motorproblemen. Aber das weiß ich jetzt noch gar nicht. So erfolgreich dieser Morgen in Sachen Schlüssel und TÜV auch war – er hat seine Langzeithaken. Mit der mahlenden und schabenden Lenksäule habe ich noch ein paar Hühnchen zu rupfen. Und der Satz “Die Schaftdichtungen solltest du machen” in Verbindung mit dem gebuchten Termin soll noch für eine Menge Gesprächsstoff sorgen – und für einen BMW 325e, wenn auch nur für kurze Zeit. Warum sollte in diesem Jahr auch IRGEND etwas einfach mal einfach nur funktionieren? Pha. Ich sitz dann mal am Schreibtisch und schreibe, deshalb heißt er ja auch so. Wir lesen uns bald wieder zu diesem Thema. Aber so unerwartet hab ich noch nie die HU bekommen.
Haben Sie auch so einen Respekt vor diesem Termin…?
Sind Sie auch ein Opfer der Überheblichkeit der Fachwerkstätten mit den vier Ringen?
Oder hat Ihre gar keinen Motortester mehr, sondern nur noch ein Laptop?

Sandmann

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Created Montag, 20. Oktober 2014 Tags 1A Autoservice | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | C2 | gtü | Hauptuntersuchung | Menzel Kiel | TÜV | Typ 43 | Vergaser | Zündung Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
16 Oct 2014
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Schlüsselerlebnisse

Schlüsselerlebnisse

Oldschool Autoknacken

Sag mal, wo’sn der Schlüssel vom Audi…?” Mit diesem Satz fing alles an, irgendwann heute Morgen, im Osten von Kiel. Das ist 8 Stunden her. Nein, sie hatte ihn nicht gesehen, stieg später in den Mercedes und fuhr mit unserem viertelfinnischen Sandmädchen von Kiel zurück nach Hamburg. Ein fröhlich Liedlein singend. Ich will, nein ich MUSS heute Abend mit dem Audi nachkommen und stehe vor einigen Problemen. Ich komme gerade noch nicht mal rein in den alten Dottore, vom Losfahren kann noch viel weniger die Rede sein. Das bedeutet: Entweder den Schlüssel finden oder… oder… hm. Na das sehen wir dann.

Schlüsselerlebnisse

Ich muss da irgendwie rein.

Haben Sie schon mal einen Autoschlüssel nicht wiedergefunden? Ich will gar nicht von “verlieren” sprechen, denn ich bin ja mit der Karre hier her gekommen und habe seit dem das Grundstück nicht verlassen – also muss er hier irgendwo sein. Aber er ist nicht da, wo ich ihn immer hinhänge: Am Schlüsselbrett. Doof. Ich durchsuche alle Taschen, sowohl die an meinen Klamotten am Körper als auch die meiner Arbeitshose, die ich heute auch an hatte. Die Taschen meiner Jacke. Die aller anderen Jacken. Laptoptasche. Alle Ablagen im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad. Manchmal legt man so einen Schlüssel ja in Gedanken mit irgend etwas anderem irgendwo hin. Nein. Hab ich nicht. Der Kofferraum ist offen, da habe ich vorhin ein paar Ersatzteile reingelegt. Aber nicht den Schlüssel. Nirgends. Er ist nicht im Kühlschrank, nicht auf der Terrasse und auch nicht in der Kaffeemaschine. Verdammt. Habe ich den stecken lassen, und jemand hat ihn geklaut? Nein. Ich lasse NIE den Schlüssel stecken, und selbst wenn – alle Türen sind zu. Die Fahrertür lässt sich nur mit dem Schlüssel zumachen, ich glaube nicht, dass sich ein Schlüsseldieb so viel Zeit nähme. Nein, den hat niemand geklaut. Ich laufe die Straße rauf und runter und scanne mit Adleraugen den Straßenrand. Ist er mir aus der Tasche gefallen? Nein. Ich durchsuche alles noch mal. Und noch mal. Was für ein sinnloses Verbrennen von wertvoller Zeit :-( Irgendwann ist klar, dass ich diesen Schlüssel hier und heute nicht mehr auftreiben werde, also plane ich einen gezielten Einbruch. Vielleicht… liegt er ja doch irgendwo im Auto…?

Schlüsselerlebnisse

Der gute alte Kleiderbügel

Ach ja, die guten alten Zeiten. So ein Kleiderbügel von der chemischen Reinigung ist schon ein super Universalwerkzeug, das kennt man ja noch aus den alten Filmen. Heute, bei neueren Autos geht das nicht mehr. Da kann man die Türen nicht so einfach mit einem Schraubendreher von der Dichtung wegdrücken und schon gar nicht den Knopf mit einer Art Haken hochziehen. Die Knöpfe sind heute oben nicht mehr breiter als unten (damals, 1977 waren sie es), und irgendwelche Innenraumüberwachungen würden wohl laut Alarm schlagen. Ich frickel mir so einen Bügel zurecht und finde mich wieder zwischen komisch guckenden Spaziergängern, die mich nicht persönlich kennen und lachenden Nachbarn, die das schon gewohnt sind. Dass ich seltsame Sachen an und mit den Autos vor meiner Haustür mache und mich dabei fotografiere. Es kommt innerhalb von 10 Minuten kein Polizeiwagen, soll mich das nun verunsichern oder beruhigen? Dann bin ich drin. Kein Schlüssel. Nirgends. Hätte mich auch gewundert, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Also nochmal von vorn. Ich laufe die Straße ab. Ich durchsuche nochmal alle Taschen, sowohl die an meinen Klamotten am Körper als auch die meiner Arbeitshose, die ich heute auch an hatte. Ich gucke sogar im Wäschekorb. Die Taschen meiner Jacke. Die aller anderen Jacken. Die Laptoptasche, obwohl ich das alles schon gründlichst gemacht habe. Alle Ablagen im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad. Der Kofferraum ist immer noch offen, ich suche erneut und finde eine verschollen geglaubte Zierleiste unterm Teppich. Aber nicht den Schlüssel. Nirgends. Er ist noch immer nicht im Kühlschrank, noch immer nicht auf der Terrasse und auch noch immer nicht in der Kaffeemaschine. Nochmal Verdammt.

Schlüsselerlebnisse

Dann muss es eben sein.

Ich bin zu alt zum kapitulieren. Nicht vor meiner eigenen Blödheit und schon gar nicht vor einem kleinen Schlüssel. Ich habe in den vergangenen Jahren zu viel Scheiße erlebt, bin da durchgegangen und habe nach und nach alles in den Griff bekommen, da ist das hier ja wohl auch zu regeln. Es muss wohl der harte Weg sein. Die Alternative wäre eine Bahnfahrt nach Hamburg und übermorgen eine Bahnfahrt wieder zurück nach Kiel. Nicht unbedingt unattraktiv, aber dann hätte ich hier noch immer keinen Schlüssel. Der zaubert sich ja nicht plötzlich wieder her. Gleichwohl er irgendwo sein muss….. Egal. Ran an den Speck beziehungsweise den Stahl, Lenkrad runter und das Zündschloss freilegen. Dafür muss der komplette Lenkstockschalter ab, aber das ist bei diesem alten Herren mit dem Lösen einer einzigen Schellenschraube getan. Sollte ich vielleicht noch mal alles durchsuchen…..? Ich rufe mein halbfinnisches Fräulein Altona an, ob der Schlüssel vom Audi vielleicht aus irgend einem Grund im Mercedes liegt? Nein :-( Nun reicht’s. Ich ziehe ein dickes schwarzes Verlängerungskabel aus dem Kellerfenster bis auf die Straße. Hat der Audi grad gezittert? Ja, zu Recht, mein Lieber. Auch wenn du nichts dafür kannst, du kostest mich gerade eine Menge Nerven und Zeit an einem Tag, an dem ich beides nicht habe. Ich fahre heute noch Audi. Definitiv. Und jetzt ist schweres Geschütz angesagt.

Schlüsselerlebnisse

Er will es ja nicht anders

Die gute alte BOSCH hat schon einige Löcher in weichem und hartem Material hinterlassen, heute wird sie erstmals mit rundköpfigen Abrissschrauben (sieht komisch aus, oder? sss) aus Stahl konfrontiert. So ein Zünschloss konnte man natürlich auch in den 70ern nicht einfach mit einer 13er Stecknuss abschrauben, auch damals gab es schon Diebe und auch damals hingen die Menschen an ihren teuer bezahlten Mittelklasselimousinen. Die beiden Schrauben im Alugehäuse des Zündschlosses sind am Ende des Tages auch nur Schrauben. Und nein, liebe Kinder, ich erkläre euch und auch den Erwachsenen, die das vielleicht wissen wollen jetzt nicht im Detail, wie man an diese Schrauben rankommt. Das soll ja hier keine Anleitung zum Audiknacken sein. Auch erzähle ich nicht, wie weit und wie tief man bohren muss, aber lasst euch gesagt sein: Da fallen eine Menge Metallspäne in den Fußraum. Was ich lerne: Die Schrauben halten nicht nur das Zündschloss, sie fixieren auch die komplette Lenksäule am Armaturenträger. Oh. *KNACK* jetzt nicht mehr….

Schlüsselerlebnisse

Ich bin der Schlüsselmann

Die Ingenieure haben sich da vor 37 Jahren in Neckarsulm ganz schön Mühe gegeben, ihre Autos stabil und sicher zu bauen. Mal eben die Kabel rausreißen, aneinanderhalten und dann läuft der Laden (wie im Kino) geht hier nicht. Solange das Zündschloss noch auf der Lenksäule sitzt rastet gegebenenfalls auch noch das Lenkradschloss ein. Also ganz runter mit dem Teil. Hinten drauf steckt ein Bauteil, das gern mal im Alter seinen Dienst quittiert. Der Anlassschalter. Schreibt man den heute wirklich mit drei s? Ist ja gruselig. Auch den hab ich jetzt mal nicht fotografiert, da kommt man auch gaaaanz schwer ran. Echt. Und ich beschreibe hier auch nicht, welche der 7 Klemmen wie verbunden werden müssen, damit man a) die Zündung anschaltet und b) dem Anlass-Relais die Spannung gibt, die es davon überzeugt, den Strom zum Anlasser durchzuschalten. Aber ich kann so viel verraten: Als penibler Kommunikationselektroniker habe ich fein drei Kabel mit Steckern gekrimpt und die in die richtigen Pole gesteckt. Das sieht nicht nur gut aus, das verhindert gegebenenfalls auch einen feinen kleinen Kurzschluss mit Brand hinter dem Armaturenbrett, denn hier wird mit Klemme 30 hantiert, die ist stromführend direkt von der Batterie.

Schlüsselerlebnisse

zündende Ideen

Das muss jetzt nur noch a) überhaupt funktionieren und b) bis Hamburg halten. Ich bin heute ein Mann von viel a und b. Und ich bin Kummer gewohnt, mit dem KaSi fahre ich schon seit Jahren rum und habe das Abblendlicht mit einer Klemme im Sicherungskasten überbrückt, weil irgendwo ein Kabel gebrochen ist. Geht. Warum also nicht auch hier? Ein bisschen Sorgen machen mir die drei anderen unberücksichtigten Klemmen am nun temporär nicht mehr benötigten Anlassschalter, die haben schließlich auch irgend eine Funktion. Aber was kann schon groß ausfallen bei so einem alten Auto? Primär will ich jetzt den Motor zum Laufen bekommen, damit mich der Wagen nachher nach Hamburg tragen kann. Wider der Deutschen Bahn und wider der Kapitulation. Später kann ich mir ja bei ebay ein gebrauchtes neues Schloss kaufen und das entsprechend wieder einbauen. Ich habe ja nur die beiden Schrauben zerstört, den Rest kann ich wieder brav zurückbauen. Okay, vielleicht habe ich auch mit der Bohrmaschine ein bisschen vom unteren Armaturenbrettträger (wirklich heute mit drei t? Krass) weggefräst, aber das sieht man nicht, da ist das Lenkrad vor. Also, dann, wenn ich es wieder draufgeschraubt habe. So. Zwei der drei Klemmen verbinden. Zündung, jetzt?

Schlüsselerlebnisse

Große Freude über zwei rote Lampen

Jawohl! Kupplung treten, die dritte Klemme mit ranhalten – und der Anlasser dreht sich. Und der Motor springt an. YESS!!!!! :-) Nach 45 Minuten bohren und basteln läuft der Dottore wieder, lässt sich lenken und schalten und macht insgesamt einen fahrbaren Eindruck. Ich… äh… okay, die Blinker gehen nicht. Das muss an der Position der Schalter auf der nun nicht mehr fixierten Lenkachse liegen. Glaube ich. Dementsprechend sollte ich Kreuzungen meiden oder vielleicht die Hand raushalten, das geht ja beim Fahrrad auch. Das normale Abblendlicht geht auch nicht. Nur das Standlicht. Also sollte ich los, bevor es dunkel wird, das kriege ich aber hin. Der Scheibenwischer geht auch nicht. Und es sieht nach Regen aus. Aus Mangel an Alternativen lasse ich mich trotzdem drauf ein und beschließe, zur Not einfach so schnell zu fahren, dass die Regentropfen auf der Scheibe nach oben weggefegt werden. Dass das nicht geht weiß ich irgendwie, aber nun bin ich schon so weit gekommen – jetzt will ich das auch durchziehen. Wenigstens weiß ich jetzt, was mindestens alles noch über diesen Anlassschalter gesteuert wird. Das Radio hängt direkt an Klemme 30, das geht immer. Und das ist auch gut so. Die Hupe geht auch. Die Lenksäule schwabbelt ein wenig haltlos ohne ihre Fixierung im Fußraum vor sich hin, ich beschließe, vorsichtig zu fahren und das alles erst zu veröffentlichen, wenn es ein gutes Ende genommen hat :-)

Schlüsselerlebnisse

Ich hör jetzt auf damit, aufzugeben.

Steine im Weg? Fuck you. Nur ein kleines Ereignis innerhalb des riesengroßen Haufens an Arbeit, Kummer und Zeitdruck, der momentan in Sandmanns Welt abgearbeitet wird. Aber weil ich nicht einsehe, dass so ein Dreck jetzt überflüssigerweise auch noch meine Pläne verzögert oder durchkreuzt ist es mir so wichtig gewesen, den Kahn wieder zum Laufen zu kriegen. Dass dies erst der Anfang war und in der Folge nach und nach noch ein weiterhin malader Vergaser, verhärtete Ventilschaftdichtungen, eine durchgeschossene Kopfdichtung, ein zahnloser Zahnriemen und ein geplatzter Kühlwasserschlauch kommen ist nur konsequent. Aber das sind andere Geschichten. Heute fahre ich mit dem Audi nach Hamburg, und ich komme heil und nur leicht genervt da an. Ohne Regen ;-) Und vielleicht bin ich auch ein bisschen stolz auf die alte Karre, denn trotz alledem bringt sie mich auch in stürmischen Zeiten immer wieder nach Hause.

Sandmann

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Created Donnerstag, 16. Oktober 2014 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | schlüssel | Typ 43 | verloren | Zündanlassschalter | Zündschloss Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
15 Oct 2014
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Re-CHARGE my Life!

Re-CHARGE my Life!

Wertanlage mit Hüftschwung

Wie sich ein 68er Dodge in ein Leben einschleicht …
Als Kinder seid ihr irgendwann aus dem Spielzeugalter raus,  habt dann aber kein Geld. Jedenfalls nicht viel mehr als für ein Eis, ein YPS und ein Smartphone. Wenn ihr als Männer später Geld haben, nimmt es euch meist der Alltag, das Finanzamt oder die knapp kalkulierte Doppelhaushälfte wieder ab. Oder die Lebensgefährtin. Denn die legt üblicherweise ein Veto gegen Spielzeug jeder Art ein, so habe ich das jedenfalls in meinem Freundeskreis mehr als einmal beobachten dürfen. Bei Martin Hofmann ist das irgendwie alles anders. Der ist erwachsen, hat Geld gespart und die Freundin auf seiner Seite. Er will auch wieder spielen, und er tut es, und sie lässt ihn.

Re-CHARGE my Life!

Besser als jede Therapie

Keine Spur Midlife-Crisis
Kinder und maskuline Erwachsene spielen gern mit Autos – aber die Form eines 911er, die so viele Männer in der Mitte ihres Lebens erregt (und meist einhergeht mit dem Austausch der Lebenagefährtin gegen ein wesentlich jüngeres Modell), reizt Martin nicht. Er ist ein Kind der 80er. Amischlitten – sie fallen ihm wieder ein, zuerst gesehen in den amerikanischen TV-Serien. Erinnerungen an das “A-Team”, “Knight Rider” und “Ein Colt für alle Fälle” erwecken den berühmten Virus für amerikanische Autos wieder zum Leben. Seiner Freundin gebührt an dieser Stelle großer Respekt, denn statt zickig mit der klappernden Haushaltskasse zu wedeln unterstützt sie geduldig und verständnisvoll diesen Mann in seinem Vorhaben. Obwohl er nichts anderes mehr im Kopf zu haben scheint, aber das kennen wir ja.

Volltreffer in Wisconsin
In Hamburg werden Nägel mit Köpfen gemacht. Mit einem kundigen Importeur bringt Martin monetäre Voraussetzungen mit Wunschvorstellungen in Einklang, und er beginnt die detektivische Suche im Internet. Und gerade das gestaltet sich gar nicht so einfach, wenn man konkrete Gedanken und Vorstellungen besitzt. Es soll ein Dodge Charger werden, das klassische, leider inzwischen recht hochpreisige Muscle-Car der 60er. Martin befolgt den Rat des Importeurs und sieht sich viele, sehr viele Muskelkisten an – und wird immer wieder enttäuscht. Da ihm ein bestimmtes Baujahr mit einer klar definierten Motorisierung vorschwebt, dünnt sich das Angebot im deutschen Lande ohnehin immer weiter aus, und Dichtung und Wahrheit besorgen den Rest. Also erweitert er seine Recherche auf die USA, und schon kurze Zeit später macht es endlich “Klick”. Bei einer Anzeige passt alles – Motor, Innenausstattung, Übersetzung der Hinterachse und der beschriebene Allgemeinzustand. Martin greift zum Telefon.

Re-CHARGE my Life!

Da geht noch was…

Auf der anderen Seite des großen Meeres meldet sich Chris aus der Nähe von Milwaukee in Wisconsin. Ja, der Wagen sei noch da, er habe auch schon eine lange Geschichte in seiner Familie hinter sich. Als das ursprüngliche Fahrzeug in die Jahre gekommen war, erwarb es sein Bruder und wollte es eigentlich zeitgenössisch zum Drag-Racer pimpen. Dieses Vorhaben zog sich aber anscheinend erheblich in die Länge, und Chris konnte es irgendwann nicht mehr ertragen, den schon damals recht seltenen Wagen ohne Motor ausgeweidet auf dem Hof stehen zu sehen. Also kaufte er ihn seinem Bruder ab und baute ihn bis 2004 nach und nach genau so auf, wie er selbst sich einen fabrikneuen Dodge Charger bestellt hätte. Und da scheint zwischen Martin und Chris geschmackliche Einigkeit zu bestehen. Was für ein Treffer!

Farbe? Passt.

Farbe? Passt.

Über den großen Ozean
Der nun erneut wieder auf den Plan gerufene Importeur einigt sich mit dem Besitzer des Muscle-Cars auf die Bestellung eines unabhängigen Gutachters vor Ort, der 120 Fotos vom Auto macht und alle eventuellen Schwachpunkte und Mängel in einem Schriftstück festhält. Die Fotos und die umfangreichen Beschreibungen überzeugen Martin sofort – und das Ja seiner Freundin bekommt er umgehend. Das muss Liebe sein. Also… von beiden Seiten :-) Er kauft den 42 Jahre alten Dodge, ohne ihn je selbst gesehen zu haben und nimmt ihn sieben Wochen später überglücklich und mit Herzklopfen in Empfang. Nach einem kurzen Umbau für den deutschen TÜV und eine auf Anhieb erfolgreiche Zulassung gehört der Dodge zur Familie.

Re-CHARGE my Life!

So soll ein Muscle Car aussehen

Eine eigene Dimension
Und Familientreffen mag ich. Da folge ich der Einladung sehr gern, zumal die Anreise nicht weit ist und es am Treffpunkt einen leckeren Mittagstisch, serviert von der süßen Mary, zu futtern gibt ;-) Martin stellt mich seinem Charger höflich vor, während ich mich verbeuge und ehrfürchtig damit beginne, die Dimensionen zu erfassen. Erstmal innen drin. Ein für die späten 60er Jahre unaufgeregtes Armaturenbrett beherbergt in schwarzem Kunststoff einige Rundinstrumente und dicke Kippschalter. Kleine Aufkleber auf dem Tacho erzählen von Stundenkilometern und verdecken die Meilenangaben. Ein Lichtlein aus dem Mitteltunnel leuchtet den Weg, als sich der Steuermann in das weiße Kunstledergestühl fallen lässt.

Alles im Blick

Alles im Blick

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Beleuchtete Füße. Cool.

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Schalter, die noch geschaltet werden WOLLEN

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Musik zwo drei…

Ich trete zurück, um dieses glänzende, grüne Muskelpaket einmal in Gänze vor die Linse und in mein Bewusstsein zu bekommen. Ich muss dafür ziemlich weit zurücktreten, das Ding ist sagenhaft lang. Was gerade noch als Matchbox-Auto in einer irren Farbe mit dicken Reifen und kurvenreichen Formen in meiner Sandkiste auf eine kleine Reise ins benachbarte Erdbeerbeet wartete, steht hier jetzt im Maßstab 1:1 vor mir. Seine Schnauze wirkt gierig, sein Body wie von einem heißen Gegenwind nach hinten ausgeformt. Ein faszinierender Hüftschwung mit wunderschönen Details wie dem seitlichen Tankdeckel oder den kleinen, runden Rücklichtern lassen meinen Mund permanent offen stehen. Ich beginne zu begreifen, warum dieses Modell bei den Freaks in der Szene so begehrt ist. Hier war ein Künstler am Werk. Der Dodge scheint zu warten.

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Nordische Wangenknochen, sehr sexy

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Grip auf jedem Meter. Die Walzen versprechen es.

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Bremslichter, die aber nicht gebraucht werden.

Ein Motor wie ein Gewitter
Im Hintergrund holpert ein Toyota Aygo die Kopfsteinpflasterstraße entlang, und ich kann mich nicht entscheiden, was mir hier deplatzierter vorkommt. Der knubbelige, japanische Kleinwagen im Angesicht einer gewaltigen, völlig sinnentleerten Fahrmaschine – oder eben diese vor Kraft strotzende, irgendwie unwirkliche Symbiose aus wunderschönen Kurven und Ressourcen vernichtendem 440cui Big Block in einer grauen Welt voller Abgasnormen und Elektroautos. Wie sagten sie so schön im Trailer des ersten Jurassic-Park-Films? “Etwas… hat überlebt!”. Ja geil, und dieses etwas passt, wie ich finde, noch immer wunderbar in diese Welt. Nennen wir es Ansichtssache. Der Anlasser dreht sich.

Re-CHARGE my Life!

Zwischen viel Platz und viel Motor.

Und das, was jetzt kommt, lässt sich kaum in Worte kleiden. 7,2 Liter Brennraum füllen sich mit leicht entzündlichem Nass. Der Anlasser klingt wie bei jedem amerikanischen Hubraumwunder ein bisschen so, als schaffe er es nicht ganz. Tut er dann aber irgendwie doch immer. BRROOOOAAMMMMM!!!!! Ein kurzes, turbinenhaftes Aufbrüllen, dann ein ruhiges Grummeln wie von einem fernen Gewitter, gleichmäßig und völlig unaufgeregt. Martin legt den mittigen Wählhebel des TFT 727 Getriebes in die Fahrstufe ein und fährt an mir vorbei… und fährt vorbei… und fährt vorbei… Ich habe schon kürzere Autos gesehen. Der Aygo ist hoffentlich langsam mal in seinen Vorort verschwunden, wir brauchen gleich die ganze Straße!

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Ein Gewitter donnert durch den Hafen

Käufliche Sehnsucht
Wow – deshalb heißen die auch Muscle Cars. Das tiefe Grollen erzählt von etwas, was gern frei gelassen werden möchte, von einem Raubtier in Lauerstellung, von einem endlich erfüllten Traum. Und Martin lässt es frei. Katzenhaft schnellt der Dodge nach vorn. Wie bei einer nahenden U-Bahn bebt die Straße, er ist gar nicht laut dabei, ich fühle es trotz der Entfernung eher im Magen und bewundere, wie unangestrengt das Fahrzeug dabei wirkt. Ich bin von Evel Knievel geprägt. Ich erwarte einen am anderen Ende der Straße sich entfaltenden Bremsfallschirm, aber diese Aufgabe müssen die vier zeitgenössischen Trommelbremsen übernehmen. Meine Nackenhaare haben sich noch gar nicht wieder gelegt, da brennt er erneut an mir vorbei. Shit, ich soll ja Fotos machen :-) Okay. Die breite, scheinwerferlose Schnauze taucht tief in die Bodenwellen ein, hart und bestimmt stemmen sich die Pneus gegen das Kopfsteinpflaster – und schon ist er wieder weg. Es riecht angenehm nach sauber verbranntem, unkatalysiertem Super.
Das hier ist Sex. Das ist Form und Kraft in einem, das ist käufliche Sehnsucht und erfüllte Lust bei der Kontrolle über die Maschine. Mich fröstelt. Als das Gerät (kann man so etwas überhaupt noch Auto nennen?) wieder an mir vorbei auf den Parkplatz rollt, blicke ich nur noch andächtig lächelnd und ein bisschen irre.

Re-CHARGE my Life!

Wer braucht da noch einen Therapeuten?

Aufladen im Alltag
Martin Hofmann, setzen, alles richtig gemacht. Der Mann erzählt am Ende unseres Treffens bei einem Kaffee in der Oldtimertankstelle Brandshof die Geschichte seines Autos, während es draußen ungeduldig auf ihn wartet. Martin ist noch immer ein bisschen Kind. Und er wirkt glücklich, so glücklich wie ein Mann nur wirken kann, wenn er sich einen Traum erfüllt hat. Der Nachbar muss jeden Tag sein Elektroauto wieder aufladen. Der Charger lädt andersrum Martin jeden Tag wieder auf, bringt Farbe und Sound in den grauen, monotonen norddeutschen Winter und  gewährt einen Ausblick auf viele weitere spektakuläre Reisen und Erlebnisse mit einem mehr als ungewöhnlichen Auto.

Re-CHARGE my Life!

Das Schiff ist im Hafen

So soll es sein. Hier hat ein Mann seine Religion gefunden und lebt sie nun. Und noch immer mit dem Segen seiner Freundin. Der Fahrer des Aygo wird das niemals verstehen…

Sandmann

Location: www.tankstelle-brandshof.de und der Hamburger Hafen
Artikel auch bei TRÄUME WAGEN

Bilder: Jens Tanz und Susann Drews

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Created Mittwoch, 15. Oktober 2014 Tags 1968 | ami | Brandshof | Charger | Dodge | Dodge Charger | hamburg | Import | Musclecar | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
13 Oct 2014
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Zurück in die Sintflut

Zurück in die Sintflut

Wie Sie sehen – sehen Sie nichts.

Finalement bringt der Weg am Ende des Urlaubs mit dem Auto nach Hause viererlei Erkenntnis: Erstens sind es viele Kilometer. Zweitens wird das Wetter in Richtung Deutschland schlechter. Drittens überkommt den Fahrer bei so einer lange Tour am Stück gern mal eine tiefe Müdigkeit. Soweit ist mir das alles bekannt :-) Die Superlativen sind allerdings neu – ich lerne heute, WIE weit es wirklich von Agde am Mittelmeer bis Kiel in Norddeutschland ist, WIE schlecht das Wetter faktisch werden kann und WIE sehr einen die Müdigkeit am Steuer eines Autos erwischt, wenn weit und breit über Stunden kein Rastplatz kommt. Von der vierten Erkenntnis erzähle ich später. Aber ahnten Sie schon, WIE dringend ich ein neues Navi brauche? Aber geben wir dem alten zunächst, bei gutem Wetter in Südfrankreich, die Koordinaten der Heimreise durch:

Argh.

Zurück in die Sintflut

Das… ist WIRKLICH weit.

Zur Verifizierung der ersten Erkenntnis schiebe ich mein bas Erstauntsein auf die Psyche des Menschen und die Verdrängung im Allgemeinen. So ein zweigeteilter Hinweg mit Übernachtung in Paris lässt eine europadurchquerende Gesamtstrecke irgendwie kürzer wirken, als sie tatsächlich ist. Heute sollen es 1635 Kilometer am Stück werden, und nach nur 14 Stunden sollen wir um 1:21 heute Nacht da sein :-) Ha. Ohne Pausen, also eher ein paar Minuten später. Und mein großes Töchterchen regt einen Stopp in Lyon an, da waren sie auf Oberstufenfahrt, und man sagt dort solle es sehr leckere Süßigkeiten geben. Mitbringselalarm!
Das Mobile Home ist fachgerecht abgenommen und mindestens in seinem Ursprungszustand übergeben, das bedeutet (wie immer auch nach jedem Dänemarkurlaub) sauberer als zu Beginn und mit genau so vielen Fehlteilen in der Küche wie vor 10 Tagen. Das stört niemanden, die Gäste offensichtlich auch nicht, uns auch nicht – also kann es losgehen. Jetzt. Jetzt ist er wieder da, dieser Moment, von dem wir zu Beginn der Reise immer sprechen :-( Wenn nach nur einem *SCHNIPP* mit den Fingern all die schönen und schrägen Tage vorbei sind.

Zurück in die Sintflut

Bitte recht traurig…

Mmmmmmhhhhböööh :-( Manno. Zurückfahren heißt sich mit dem Alltag konfrontiert sehen, und zwar ziemlich direkt und unnachgiebig. Heute ist Samstag, und Montag geht die Mühle wieder voll los. Zumindest für den sich in einer Ausbildung befindenden jungen Mann mit der neuen Cap und für mich, also MÜSSEN zumindest wir beide irgendwie morgen im Laufe des Tages in Norddeutschland ankommen. Und dann wird er wieder wacker vor sich hinzimmern, und ich werde ich mich dem stellen, was da auf mich wartet. Die Mädels wiederum haben entweder noch vier Wochen Ferien oder noch vier Wochen Freiheit bis zum Beginn des FSJ vor sich. Beneidenswert. Vier Wochen am Stück, vielleicht hätte ich DOCH Lehrer werden sollen? :-) Neiiiiin. Autos. Der Tank ist voll, Öl, Wasser und Reisebaguettes sind aufgefüllt und Lyon als Zwischenziel in 5 Stunden klingt gar nicht so wahnsinnig weit weg. Gleich bei der Auffahrt auf die erste Autobahn vor Montpellier (wo M. Leroc den ausgebüchsten Daniel mit… ach, lassen wir das nun mal) treffen wir auf viele gleichgesinnte Franzosen, Niederländer und Belgier, die auch nur bis zum heutigen Samstag ihre Domizile gebucht haben und die vermutlich wie wir auf dem Heimweg sind. Stau an der Péage. Na – da fühlt man sich doch gleich wie Zuhause auf der A7 im Elbtunnel…

Zurück in die Sintflut

Samstag ist Bettenwechsel?

Finalement gibt südfrankreichs Sonne noch einmal alles. Ich weiß nicht ob mich die Wetterprognosen, die Regen vorhergesagt haben nun fröhlich stimmen. Eher nein. Denn vom Regen in Frankreich hab ich nichts und bin prinzipiell kein missgünstiger Mensch, außerdem scheint in Deutschland sowieso grad die Welt unterzugehen. Mindestens wettertechnisch. Also nehmen wir es einfach so, wie es ist – bleibt ja eh keine Alternative :-) Und mit Petrus kann ich erst wieder im Dezember über seine Wetterplanung plaudern, wenn er genau wie ich den jährlichen Trip mit seiner Ische Frau Holle auf den Weihnachtsmarkt nach Uelzen macht. Aber das ist eine andere Geschichte. Scrollen Sie doch bitte noch einmal hoch zu dem Bild am Anfang. Das mit der Windschutzscheibe. Dann haben Sie einen ungefähren Eindruck davon, was so auf der Autobahn kurz vor Lyon abgeht. Alle bleiben stehen, der Himmel öffnet seine Schleusen und zwischendurch ballern auch noch Hagelkörner nieder. Hat Lyon keine Lust auf uns? Selbst wenn dem so ist - wir haben Lust auf Lyon. Auch wenn es uns üblicherweise auf dem Rückweg dann doch ziemlich doll nach Hause zieht, wollen wir einmal durch die Stadt flanieren, die Gliedmaßen strecken, etwas essen und ein paar Süßigkeiten kaufen, bevor es auf die finale Etappe raus aus Frankreich geht.

Zurück in die Sintflut

Da braut sich was zusammen

Die Lebensmittelversorgung wird standesgemäß aus Zeitgründen von der amerikanischen Fastfoodkette mit dem goldenen M bewerkstelligt. Notiz an mich selbst: Auf der nächsten Reise dieser Art werden ausschließlich saisonale Köstlichkeiten von lokalen Anbietern gegessen. Man muss ja Ziele haben :-) Für andere Sehenswürdigkeiten neben diesem Etablissement hat der Zeitplan leider keine Lücken gelassen, also hüpfen die drei Mitreisenden und ich zwischen den einzelnen heftigen Starkregenschauern von Fußweg zu Fußweg und suchen und finden dann auch eine Confiserie, wo man diese kleinen bunten süßen Küchlein kaufen kann. Wie heißen die noch mal? Leider sind die hier sechsmal so teuer wie in jeder anderen Bäckerei auf dem Land, aber wir haben nun mal keine andere Bäckerei auf dem Land in der Nähe und das Angebot bestimmt den Preis. Ich beschließe spontan bei soviel kapitalistischer Erkenntnis, das Taschengeld meiner Töchter zu erhöhen. Immerhin sind die Pralinchen sehr hübsch verpackt, die Lieben daheim werden sich freuen :-)

Zurück in die Sintflut

Quasi im Dior-Shop für Pralinen

Tschüss Lyon. Ich glaube du bist ganz schön, wenn man sich Zeit mit dir nimmt. Leider haben wir die heute nicht, aber meine große Tochter kann von einigen wirklich guten Tagen und Abenden im vergangenen Jahr hier berichten. Und auch wenn wir nur den innerstädtischen McDonald’s und diese völlig überteuerte Luxus-Schokoladenmanufaktur gesehen haben, so bekommt man doch beim Durchfahren auf der Suche nach einem Parkplatz einen ganz guten Eindruck von deiner Schönheit. Lyon. Wenn der Regen einem diesen Eindruck gewährt. Kurz vorm Auto werden wir noch einmal nass. Also so RICHTIG nass! Zumindest drei der vier Reisenden können es nicht fassen, dass nach der warmen Morgensonne und dem strahlend blauen Himmel heute bei unserer Abfahrt nun ein paar 100 Kilometer weiter nördlich die erste Sintflut niedergeht. Haben wir denn so sehr gesündigt, dass wir reingewaschen werden müssen? Ich kann mich nicht erinnern. Nummer vier hat eine wasserdichte Cap auf, von der die Regentropfen abperlen, den stört das alles irgendwie nicht ;-)

il pleut

il pleut

Zurück in dem Rettungsboot aus Sindelfingen wird das pensionierte Navi mit neuen, letzten Zielen versorgt. Die Route geht irgendwie nicht so, wie ich sie in Erinnerung habe, sehe ich da einen Zipfel von Luxemburg ins Bild ragen? Sind wir nicht sonst immer über Saarbrücken gefahren? Na wie dem auch sei, wir wollen bei Dämmerung an der Deutschen Grenze sein. Die Große möchte dann ein paar Stunden das Steuer übernehmen, damit ich ein bisschen Schlaf bekomme. Also soll es der erste Rastplatz nach der Grenze werden, bis dahin ist es noch ein laaaaaanger Weg über die große große Landkarte. Genug Diesel schwappt noch im Tank (wir fahren tatsächlich mit einem Schnittverbrauch von 6,8 Litern auf 100 Kilometern, da werden Tankstellen zur Nebensache). Frische Musik ist schon zurechtgelegt, satt sind wir auch, genug Trinkwasser und Cherry-Coke in Dosen befindet sich in direkter Reichweite meiner linken Hand. Also los.

Zurück in die Sintflut

Gallien ist größer als man meint

Die Meilen ziehen sich. Es dämmert früher als erwartet, und in der Nähe der Grenze (jedenfalls GLAUBE ich, dass wir in der Nähe sind) beginnt meine gute alte TomTom Lisa schon wieder zu zicken. Ein paar Straßen scheinen hier neu gebaut worden zu sein, und plötzlich sind wir tatsächlich in Luxemburg. Huch? Es gibt hier keine Raststätten, auf denen man einen Fahrerwechsel durchführen könnte, außerdem möchte ich meiner hübschen Fahranfängerin noch keine so lange Stecke außerhalb klarer Richtungsverhältnisse zumuten. Nicht, wenn ich dabei hinten auf dem Rücksitz vor mich hin schnarche… Also fahre ich weiter. Immer weiter. Von der Autobahn geht es runter auf dunkle Überlandtraßen in irgend eine Richtung, ich hoffe die richtige. Irgendwann nach Mitternach werde ich wirklich müde! Also – so RICHTIG müde. Auf dem Rücksitz sind alle Führerscheininhaber resignierend eingeschlafen, hier kann ich nicht mit Ablösung rechnen. Wir kurven durch die Dunkelheit, es gibt weder Ortschaften noch Rastplätze und es geht nur schleppend voran. Ich hinterfrage nicht mal mehr, ob wir hier eigentlich richtig sind, ich fahre einfach weiter auf der Suche nach einer Autobahn nach Norden. Gegen 1:00 Uhr kommt die tatsächlich. Ich kenne meine Belastbarkeit inzwischen ziemlich gut, und ich weiß, dass ich keine 50 Kilometer mehr gefahren wäre. Die Fracht an Bord des Mercedes ist zu kostbar für Sekundenschlaf.
Und da ist sie endlich, die beleuchtete Oase der Rast, die Tankstelle! Rauf da, Motor aus, Kuschelkissen in den Nacken und… schlafen.

Zurück in die Sintflut

grad noch Zeit für einen verschwommenen Selfie

Haben Sie schon mal auf einer Autobahnraststätte im Auto geschlafen? Hier bieten sich einem alle erdenklichen Klassiker nacheinander, und ich habe sie alle mitgenommen:
Zuerst schläft man nicht ein, weil man noch aufgekratzt von der Konzentration und der Übermüdung ist.
Nach 30 Minuten fangen die Gliedmaßen an, sich unwohl zu fühlen. Schließlich sitzt man in einem Auto.
Nach dem ersten kurzen Wegnicker beginnt das Kühlaggregat des LKW neben einem anzuspringen. Die Lichter des Parkplatzes scheinen von dem Moment an viel heller zu sein und nerven rum.
Nach dem zweiten Wegnicker kommen die Autobahncops und leuchten einem mit ihren MagLites direkt ins Gesicht.
Daraufhin gehen die beiden davon aufgewachten Damen nochmal zum Piseln in die Büsche, der Mann mit der Harry Potter Narbe raucht eine.
Nach dem dritten Wegnicker schläft man dann. Man schläft sagenhaft tief.
Und um 4:00 Uhr weckt einen der Wecker. Hurra.

Aufstehen, strecken, Cola trinken, tanken und weiter auf der Autobahn nach Norden. Ich bin fit und wach, ich habe noch keinen Plan wo wir eigentlich sind aber angeblich sind wir gegen 8:30 Uhr in Kiel. Was für ein blindes Vertrauen in dieses TomTom. Okay.

Zurück in die Sintflut

Der “Rest” der Etappe

Irgendwann (es ist noch immer dunkel) erkenne ich die Städte auf den blauen Schildern als die, die man entlang der A1 gebaut hat. Das beruhigt. So schön die Vorstellung auch ist, endlich mal in Luxemburg gewesen zu sein. Und so angenehm ich die Errungenschaften des vereinten Europas finde, die es möglich machten, dass ich nicht einmal gemerkt habe, dass ich über mehrere Landesgrenzen gefahren bin. Aber es ist noch schöner, zu wissen, wo man ist. Eins muss ich meinem alten Navi lassen – es hat mich am Ende immer dort hin gebracht, wo ich hin wollte. Nicht immer auf dem besten Weg, aber immer zum Ziel. Du bist ehrenhaft ergraut, Lisa. Du warst stets bemüht, das Klassenziel zu erreichen. Aber jetzt kannst du endlich Bäcker werden. Oder vielleicht im ersten Auto meiner großen Tochter ein zweites Leben führen. Wir werden es erfahren. Während ich noch so über die Ereignisse der letzten Nacht sinniere wird es am Horizont langsam hell. Die bekannten Silhouetten der Hamburger Hafenkräne zeichnen sich schattenhaft neben der A7 kurz vorm Elbtunnel ab, vielleicht ist der frühe Sonntag Morgen tatsächlich der einzige Zeitpunkt, an dem man hier nicht im Verkehrsinfarkt steckt? Hallo Hamburg.

Zurück in die Sintflut

Nun, das kennt man ja

Alle schlafen. Mein halbfinnisches Fräulein Altona und mein viertelfinnisches Sandmädchen, die tapfer fast zwei Wochen ohne Papa klargekommen sind schlafen keine drei Kilometer von hier tief in ihren Betten. Meine mittlere und meine große Tochter schlafen auf den Mercedes-Sitzen neben und hinter mir, die große hat den Mann mit der Mütze im Arm. Schlafend. Bald werden sie alle wach werden und in einen neuen Tag starten. Die einen werden sagen: “Heute Abend kommt Papa endlich wieder!” und die anderen werden sagen: “Huch, hier sind wir schon?” Denn es geht immer weiter. Jedes Ende von irgend etwas ist gleichzeitig der Anfang von etwas Neuem. Ich habe einen sehr weiten Weg bis hier hin zurück gelegt, und bald komme ich an. Ich wurde begleitet von Menschen, die ich liebe und Menschen, mit denen man sich gern umgibt. Wollen Sie noch mehr Metaphern? Gern. In diesen Tunnel hinein geht es zwar bergab, aber abwärts bedeutet nicht immer, dass es schlechter wird. Das spart auch Diesel :-) Und ab der Mitte geht es wieder bergauf. Das kostet zwar Kraft, aber am Ende des Tunnels ist Tageslicht.

Unter Normal Null

Unter Normal Null

Und auch wenn es da regnet ist es doch hell.
Ich habe Sie nun über mehrere zusammenhängende Geschichten zugetextet, habe alle meine Gleichnisse und Andeutungen in Urlaubserlebnisse verpackt und bin streckenweise sehr nachdenklich geworden. Zwischen schönen Bildern von Sonne und Palmen standen Zeilen, die nicht immer fröhlich waren. Und wenn Sie verfolgen, wie lange ich benötigt habe, um einen 12 Tage dauernden Urlaub niederzuschreiben bekommen Sie vielleicht eine Ahnung davon, dass die eigentliche Sintflut nicht auf der Autobahn bei Lyon über uns niedergegangen ist, sondern später in Kiel. Gut, dass ich mir rechtzeitig eine kleine Arche gebaut habe, in der ich nur die Menschen mitnehme, die mir am Herzen liegen. Und nur die Dinge, die ich wirklich benötige und an denen ich wirklich hänge. Das ist dann wohl die vierte Erkenntnis. Wir sind wieder da. Ich bin wieder da. Passen Sie auf sich auf, verschließen Sie niemals die Augen und halten Sie an dem fest, was wirklich wichtig ist.

Sandmann

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Created Montag, 13. Oktober 2014 Tags autobahn | Elbtunnel | ende | frankreich | Hafen | hamburg | heimweg | Lyon | regen | Reise Reise | Roadmovie | Rückweg | S210 | Urlaub Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
09 Oct 2014
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Unbesiegbar. Zumindest hier oben.

Zack bingg ♫ Begeben Sie sich bitte zum Ausgang. Zum Ausgang vom Sommerurlaub nach Südfrankreich, wenngleich ich mir das vor 10 Tagen noch nicht wirklich vorstellen konnte. Ich denke noch nicht darüber nach, was mich alles im deutschen Alltag erwartet, zumindest nicht am Tag, was ich nachts so träume habe ich leider nur bedingt unter Kontrolle. Aber es fehlt im Hier und Jetzt noch ein Pflichtbesuch sur nôtre Route: das mühlige Cassis mit den malerischen Calanques und dem Cap Canaille. Diese kleinen Flecken, auch von offiziellen Quellen als die schönsten auf der französischen Landkarte bezeichnet, sind das Krönchen dieser kleinen Reise, sowohl von den Höhenmetern als auch von der Farbskala als auch vom bleibenden Eindruck. Als auch von… als auch von… ach manno, mein Wortspeicher ist fast leer :-(

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Die fantastischen Vier

Sie sehen hier zusammenhängende, aber nicht geordnete Körperteile in sindelfinger Großkombis. So sieht man aus, wenn der Wecker den Geist rausrappelt, obwohl der Körper doch im Urlaub ist. Also nicht ausschlafen, mit schlurfendem Gang ein paar Croissants und Pains Chocolat vom Camping-Mini-Marché holen und diese in der Morgensonne zu heißem Kaffee genießen. Stattdessen packen die drei jungen Menschen und der mittelalte Papi diversen Badekrams, Sonnenbrillen und Handtücher ein. Und viel Trinkwasser. Und sie machen sich auf den Weg dahin, wo das Wasser unfassbar grün, die Felsen leuchtend weiß und der Himmel sagenhaft blau ist. Blöderweise sind das von hier aus 260 Kilometer. Wer hatte eigentlich die Idee, mal “woanders” zu verweilen und nicht wie immer in der Nähe von St. Tropez? Wer?? Ich? Oh :-( Okay. Na egal, nach so vielen Tagen in und um Agde kann der Südwind gern mal wieder den Staub von dem dicken Daimler blasen, die Autobahnmaut-Tüte ist noch einigermaßen voll und das Ziel heiligt jeden Weg. Glauben Sie mir. Vorglühen, starten, Fahrstufe einlegen und mit französischer Musik ♫ von Radio NRJ im Ohr los bis…

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Stop. Nachhaltig.

… irgendwo bei Montpellier. Alles bremst, alles steht. Na toll. Und nein, es ist nicht dieses sirupartige Dahinquälen wie jeden alltäglichen Montag Morgen auf der A7 von Kiel in Richtung Hamburg, es steht tatsächlich. Und es hört nicht auf damit. Menschen laufen durch die Gegend, die ersten drehen nach einer Stunde Stillstand um und versuchen ihr Glück entgegen der Fahrtrichtung rückwärts durch die just passierte Mautstelle. Der Mann mit der Cap Canaille auf dem Kopf raucht erstmal eine und ist dementsprechend dankbar für diese Unterbrechung, aber ich sehe schmerzlich jede Minute hier auf der teuer bezahlten Autobahn verstreichen, wo ich sie doch auch am smaragtgrünen Wasser in den Calanques bei Cassis verstreichen lassen könnte. Es kommen Krankenwagen. Oha. Es kommen Rettungswagen und Notärzte. Es kommen Hubschrauber, einer, zwei, drei. Und noch mehr Krankenwagen. Und noch mehr Notärzte. Es kommen Feuerwehren. Viele Feuerwehren. Oh je oh je…..

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Ja, es nervt. Aber wir leben wenigstens noch.

Wir machen es irgendwann wie die anderen und fahren zurück, entgegen der Spur, durch eine offene Schranke rückwärts auf die Landstraße. Kapitulierend. Geleitet von der Gendarmerie. Später lese ich auf Facebook, dass in den schweren Verkehrsunfall vor uns ein LKW und mehrere PKW verwickelt waren. Eine Familie wurde in ihrem Kleinbus eingeklemmt und ein 14jähriges Mädchen ist noch an der Unfallstelle gestorben.
Da ist sie wieder. Meine Erdung. Drauf geschissen, hier stundenlang rumzustehen, wen interessieren Hitze und Zeitverlust – da hat gerade ein Vater seine Tochter verloren. Eine Mutter ihr Kind. Da ist aus einem fröhlichen Sommerurlaub mitten auf der Autobahn eine furchtbare Tragödie geworden, wegen Unachtsamkeit, wegen Übermut, was weiß ich weswegen. Das kleine Mädchen ist tot, und ich kann wirklich sehr gut damit leben, nur ein bisschen Zeit verloren zu haben. Wir fahren weiter über Land, vorbei an der Autobahn und allem was da drauf gerade passiert. Weil wir noch immer unser Ziel vor Augen haben und der Tag noch immer recht jung ist. Ich bin ein bisschen dankbarer als ohnehin schon für das, was ich habe, streife die traurigen Gedanken ab und konzentriere mich wieder ganz auf Lisa, mein veraltetes Navi, der ich zum ERSTEN MAL die genauen Koordinaten des Parkplatzes unten an den Calanques eingegeben habe. Die vorigen Male (Sie erinnern sich? KLICK) sind wir mit dem Auto immer irgendwo weit oberhalb des eigentlichen Fußweges gelandet, das war unsexy und anstrengend. Heute sind wir direkt unten auf dem Parkplatz der ersten Bucht und müssen nur weitere 30 Minuten warten, bis jemand sein Auto aus der jetzt schon sengenden Hitze ohne Schatten rausnimmt und wir diese begehrte Parklücke haben dürfen. YESS:

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Deiiiine Spuuuuren im Saaaand

Da vermutlich die wenigsten von Ihnen schon einmal den Fußmarsch in die Calanques gewagt haben, sei erwähnt, dass es auf dem Weg dorthin parallel zu einer wandartigen hohen Klippe tagsüber sehr heiß ist. So heiß, dass der kleine Kiosk am Parkplatz gegen Abend immer zum lebensrettenden Ort für die Heimkehrer, die zu wenig Wasser mitgenommen hatten wird. Ich weiß inzwischen, wie viele Sonnenstunden wir vier so abkönnen und wie man sich mit mehr oder weniger albernen Kopfbedeckungen schützt, aber was kann man eigentlich einem durchschnittlichen Kraftfahrzeug so an Direkt-UV zumuten? Schmilzt das irgendwann? Ein wenig beunruhigt lassen wir (ich) den Mercedes im Staub zurück, sind uns nicht endgültig sicher ob man hier überhaupt einen ganzen Tag stehen darf und bedecken unsere Häupter und Schultern mit allerlei Stoffen. Und dann ab in die Wüste, entlang der Calanque Port Miou über den Kamm rüber zur Calanque Port Pin… Und wir machen das Bild, was wir immer gemacht haben. Schon 1991.

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So heiß wie auf einem Salzsee

Wahnsinn, wie die Zikaden hier ihr lautes, unermüdlich balzendes Liebeslied in den blauen Himmel sägen. Dabei sind die echt winzig, und sie können so einen Krach machen. Jedes mal war es hier heiß, sonnig und schön. Drei mal in den frühen 90ern und nun schon das dritte mal mit meinen Ladies im neuen Jahrtausend – und immer der gleiche blaue Himmel. Gibt es in Cassis gar so etwas wie eine Sonnengarantie für Touristen aus Allemagne? :-) Ein Vorteil und gleichzeitig ein Nachteil dieses Plätzchens unter Pinien, das wir vor 23 Jahren zufällig entdeckten (weil uns zwei junge, hübsche Holländerinnen dort hingeführt hatten, aber das ist eine andere Geschichte): Man muss zu Fuß da hin. Oder mit einem der Boote, aber das kostet Geld. Also zu Fuß, und das dauert eine gute halbe Stunde laufen bei sengender, schattenloser Hitze. Über Sandpisten, lockeres Geröll und über glatt gelatschte Steine zwischen Kiefern und Pinien durch. Wohl denen, die dann NICHT ihre Schwimmreifen und Luftmatratzen mitschleppen und sich auf ein einziges Paar Taucherflossen beschränken. Wohl denen, die aber viel Wasser mitschleppen und auch vorher geschmierte Baguettes mit Käse und Wurst nicht vergessen. Wenn man nämlich erstmal da ist, befindet sich der nächste Kiosk eben genau da, wo man das Auto geparkt hat. Weit weg.

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gut geeignet für Piraterie…

Warum wir aber immer wieder den steinigen Weg gehen (und das phrasiere ich jetzt mal ohne Metaphern mit aktuellem Bezug) erschließt sich beim Blick weg von den staubigen Füßen, hoch, über die Bäume in Richtung Meer. Allein der Weg in die zweite Bucht (es gibt drei) belohnt einen mit sagenhaften, fast karibischen Panoramen von einem Mittelmeer, was hier ganz anders aussieht als an der restlichen Côte d’Azur. Links ist schon das Cap Canaille zu sehen, die mit 396 Metern steil nach unten (von oben gesehen) gehende höchste Klippe Frankreichs. Das messen wir heute Abend mal nach und sagen der Sonne gute Nacht. Vorher ist die aber noch gar nicht in Schlaflaune, diese Sonne, und das Bad in ihr fernab der touristisch völlig überlaufenden Strände ist schon zum Greifen nahe. Frankreich hat Sommerferien, und genau wie die Deutschen sich an Nord- und Ostsee drängeln treibt es die Franzosen ans Mittelmeer. Aber die sind genau so faul wie wir, und den besagten Fußmarsch möchten offensichtlich nicht viele auf sich nehmen. Allein schon deshalb ist die Bucht trotz ihrer Erwähnung in fast allen Reiseführern immer so leer wie eine Bierkneipe mit Rauchverbot. Und da ist er endlich, der erste Blick auf dieses grüne Wasser und die badenden Menschen, der mir in jedem Jahr einen wohligen Schauer über den Rücken treibt. Hallo. Da sind wir wieder :-)

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Karibik? Ein bisschen…

Sandstrand? Nein. Ein Steg, auf dem man seinen blassen Körper bequem sonnen kann? Nö. Treppenstufen, über die man wieder altersgerecht dem Wasser entrinnt? Nicht eine einzige. Warmes Wasser, in das ein jeder gern springt…? Äh – nein, auch nicht. Warum auch immer, das Wasser hier in der Calanque Port Pin ist ungefähr zwei Zentimeter kalt. Es ist so kalt, wie es klar ist. Der über 4 Meter tiefe Grund spannt sich wie eine HD-Fototapete unter der Oberfläche, wenn man hier schnorchelt haut es einem alle Farbsicherungen aus dem Kopf raus und hinterlässt eine tiefe Abneigung gegen trübe norddeutsche Badeseen. Wunderschön. Aber kahaaalt.

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Schattig, weitläufig und ein bisschen hart

Es liegt eine Magie über diesem Ort. Ich weiß nicht, ob nur ich das so empfinde, weil ich vor über 20 Jahren hier meinen ersten richtigen, selbstbestimmten und für plöner Verhältnisse ziemlich abgefahrenen Sommerurlaub verbracht habe? Weil ich hier als junger Mann mit zwei durchaus attraktiven jungen Frauen in einem lila Ford Taunus Coupé hergefahren bin und mir niemand geglaubt hat, dass die beiden wirklich nur Freundinnen von mir sind, obwohl ich 14 Tage zwischen ihnen in einem kleinen Zelt geschlafen habe? Weil ich in die eine der beiden jungen Frauen wie immer und wie seit der ersten Grundschulklasse ein bisschen verknallt war und das immer und immer wieder wie bei den beiden Königskindern nichts wurde? Weil ich hier Petra und Marieke aus Holland kennen gelernt habe, die mich an diesen Ort führten und die beide so wunderschön waren, dass diesmal ich selbst nicht glauben wollte, welcher Film da vor meinen Augen abläuft? Dass die wesentlich blondere der beiden hier auf diesen Felsen meine Gitarre nimmt (welcher Idiot hat die damals eigentlich so weit durch die Hitze geschleppt…? äh…) und mit einer verrauchten, engelsgleichen Stimme anfängt, Like a Hurricane von Neil Young zu singen? Wenn mir heute schon beim Schnorcheln die Farbsicherungen rausfliegen war ich damals entweder blind oder blöd. Wahrscheinlich beides, außerdem jung. Wahnsinn. Soweit zur Magie.

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Wie auf einer Rallye – immer die gleichen Bilder

Jedes Jahr fast die gleichen Bilder. Nur die Auflösung wird immer besser :-) Anfang der 90er hat Nea (die eine meiner beiden Mitreisenden)  mit einer unfassbar teuren analogen Spiegelreflex überlegt die Motive ausgesucht und mit künstlerischem Ansatz fotografiert. Heute hält der Freund meiner großen Tochter sein Telefon vor sich, drückt einen Knopf und dreht sich dann. Zeiten ändern sich. Ich sitze im Schatten und bin noch immer stolz auf mein drei Jahre “altes” iPhone 4, während meine Brut auf die Teile von Samsung abfährt. Sie mussten dafür laaaange arbeiten, ich hab mal geguckt, bei OTTOkostet das S5 ohne Vertrag aktuell zwar weniger als ein iPhone, aber noch immer fast so viel wie ein Friseur in Sachsen im Monat verdient… Na gut. Aus Papierabzügen werden digitale Panoramen, aber die Motive sind hier jedes Mal ähnlich. Weil man es am Anfang einfach nicht fassen kann, wie schön es hier ist. Hier. Genau hier. Und das irgendwie für später festhalten muss. Wir springen in das kalte, wie erwähnt wirklich sehrkalte Wasser und plantschen ein bisschen rum. Später soll der coole Typ, der nicht mal beim Schwimmen seine Cap abnimmt noch einen gewagten Kopfsprung von der Klippe machen. Hier kann er wenigstens sicher sein, dass der Grund weit genug weg ist und er sich nicht eine zweite Narbe auf die Stirn stempelt. Das Wasser ist allerdings heute so kalt, dass der Spruch “Wenn man erstmal drin ist geht’s!” niemandem über die Lippen kommt. Denn er wäre gelogen. *bibber*

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Gekommen um zu bleiben

Handtücher auf harten Steinen. Die Augen schließen und das leise Plätschern des Salzwassers hören. Vereinzelt fröhliche französische Menschen, regelmäßig ein *PLATSCH* gefolgt von spitzen Schreien und vielen verschiedenen französischen Wortformen für “kalt”. Es duftet nach warmen Steinen, Meerwasser, Pinienharz und ein wenig Sonnenmilch. Die Zikaden schnarzen auch hier, als wäre der letzte aller Tage angebrochen und verwandeln den Moment in einen Mikrokosmos, weit weg von der Realität. Ich finde es wundervoll. Auch wenn wir diesmal viel zu viel Wasser mitgeschleppt haben und die Baguettes nicht so gut schmecken wie sonst möchte ich noch verweilen. Eine leichte Unruhe ist in uns allen, vielleicht auch ein bisschen, weil wir noch einen weiten Heimweg vor uns haben und der Urlaub bald zu Ende geht. Ich schließe noch einmal die Augen. Und leise, ganz leise kann ich wieder eine Frauenstimme singen hören.

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You are like a Hurricane…

Der Rückweg kommt einem immer kürzer vor als der Hinweg, vielleicht auch weil es mehr bergab geht, weil wir weniger zu schleppen haben (irgendwie sind die Baguettes dann doch weggefuttert worden) und weil wir ein weiteres schönes (letztes) Ziel in diesem Urlaub noch direkt vor uns haben. Tochter groß, Tochter klein (mit einem leichten Kollisionsschaden an der Hand, im Wasser, womit auch immer) und der Typ mit der Cap stapfen mit mir den noch immer warmen, sandigen Weg zurück zum Benz. Für ein weiteres Jahr sagen wir au revoir.
Und heute lasse ich einmal mehr die blonde Holländerin zurück, singend und neben meinem ewigen Schwarm Silke auf den Felsen sitzend (das ist die andere meiner beiden damaligen Mitreisenden) und langsam leiser werdend, während das Meer weiter unaufhaltsam an den Strand vor Cassis brandet. Das Auto gleicht einem Gewächshaus in einem Hochofen, in dem neuartige Formen der Kernschmelze ausprobiert werden. Die geliebte Klimaanlage regelt das Schlimmste, und nur ein paar Grad bevor der Kunststoff innen anfängt zu schmelzen kehren wir den Prozess um und drehen den Kompass auf die Route des Cretes, Richtung La Ciotat. Der Mercedes nagelt herzzerreißenderweise vorbei am Campingplatz Les Cigales, wo wir damals unser Zelt aufschlugen. Den gibt’s also auch noch. Mich beruhigt es, wenn Orte oder Dinge nach 20 Jahren noch immer da sind, wo sie mal waren. Das ist ein kleiner konstanter Zipfel, an dem ich mich festhalten kann, wenn alles andere um mich rum zusammenbricht und sich verändert…

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La Route des Cretes

Der Weg rauf auf die Klippe ist für sich genommen schon eine kleine Attraktion, denn man ist auf dem Kamm dieses Massivs und schraubt sich Serpentine für Serpentine nach oben. Links ist La Ciotat und das Mittelmeer, rechts ist Cassis und das Mittelmeer. Dieses wundervoll grüne Mittelmeer, über das die Abendsonne langsam ihre Strahlen ausbreitet und die ganze Gegend in genau das Licht taucht, welches den Malern des Impressionismus immer wieder neue Schöpfungskraft und Inspiration gegeben haben muss. Marc Chagall, Pablo Picasso, Henri Matisse und Auguste Renoir – sie MUSSTEN einfach malen, als sie dieses Licht sahen. Wie es die trockenen Pinien und die weißen oder roten Felsen in ein warmes Orange taucht, was sich komplementär vom tiefblauen Abendhimmel absetzt. Fotografieren konnten sie noch nicht, das kam grad erst in Mode. Also haben sie gemalt. Irgendwann muss ich hier mal hin und meine Malutensilien wieder dabei haben…..
Wir parken den Wagen auf dem kleinen Parkplatz, wo wir 1991 auch schon den Taunus geparkt haben. Heute liegen am Rand des kleinen Pfades zwei große schwere Steine, die vermutlich verhindern sollen, dass übermütige Zeitgenossen ihre alten Karren mit Vollgas über den Abgrund entsorgen. Damals war das noch möglich. Jedenfalls lagen unten drei oder vier zerklumpte Autowracks. Ansonsten ist der 400-Meter-Kick unabgesperrt wie eh und je, man hat noch immer gefühlt einen Blick bis nach Spanien und das Herz bleibt für einen kleinen Moment andächtig stehen.

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Erhabene Aussichten

Ich sag ja – das muss festgehalten werden. Meine beiden Töchter kennen die Klippe schon, der charmante Mann mit dem besseren Telefon beginnt schweigend, sich in neuen Panoramen zu drehen. Ich kann das verstehen. Das halbe Land liegt unter uns, was für ein Ausblick! Ich merke, dass mit den Jahren weder mein Mut noch mein Leichtsinn noch mein Gleichgewichtssinn nennenswert besser geworden sind. Im Gegenteil. Bin ich 1991 noch entspannt an den Rand getreten, um a) die zermatschten Autowracks da unten zu bewundern und b) posierende coole Fotos von mir zu machen (ja, damals schon) krabbel ich heute auf allen Vieren über den selben Felsvorsprung und fühle irgendwie, dass die Tiefe an mir zieht. Sie zieht mich regelrecht körperlich da runter. Das ist gruselig. Ich krabbel wieder zurück und mache Fotos von lieben Menschen, die Fotos von sich machen.

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Selfie mit Tiefgang

I am just a dreamer,
but you are just a dream,
You could have been
anyone to me.
Before that moment
you touched my lips
That perfect feeling
when time just slips
Away between us
on our foggy trip.

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nicht nur Papa kann posen

Das Cap Canaille verströmt einen ähnlichen Zauber wie die Calanques. Irgendwie ist es ein unwirklicher Ort, irgendwie ist alles überwältigend und auch hier sind nicht viele Menschen, die einen bei der Verarbeitung der Eindrücke nerven. Damals haben wir hier ziemlich viel Bier getrunken, und als es anfing zu regnen habe ich im Taunus 12 Personen mit nach unten auf den Campingplatz genommen. Eigentlich müsste ich die Bilder auch mal in eine Geschichte verpacken :-) Wollen Sie das sehen und lesen? More Shit of the Past? Was das Cap außer der Höhe über Normal Null von den Calanques unterscheidet ist die Stimmung des Lichts. Ich war hier immer nur Abends. Wenn unten in der Bucht von Cassis schon lange die Gaslaternen angegangen sind, erstrahlt die Klippe noch immer im warmen Abendsonnenlicht. Das sieht auch von unten wunderschön aus, vor allem wenn später bei Dunkelheit das Massiv von großen Scheinwerfern angestrahlt wird. Von oben allerdings ist das Gefühl einer großen Erhabenheit irgendwie erlösend.
Wir stehen quasi über den Dingen und gleichzeitig am Abgrund.
Zwei Schritte von der Lebensgefahr entfernt in warmes Abendrot getaucht.
Krass.

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Zwei aus der Top 5 der schönsten Menschen der Welt

Möge es immer ein friedlicher, schöner Ort bleiben, der auch in 20 Jahren noch seinen Zauber bewahrt. Wenn Sie hier einmal vorbeikommen sollten – senden Sie mir bitte ein Bild. Die Menschen fliegen von Deutschland aus in Richtung Australien, Thailand, Südafrika und Island. Wir sind mit dem Auto über Land einfach nur in den Süden von Frankreich gefahren, und mehr Urlaub, mehr Eindrücke und mehr Panorama braucht kein Mensch. Es ist mir heute tatsächlich gelungen, für ein paar Stunden glücklich und unbeschwert zu sein. Das liegt wohl an den intensiven Farben der Calanques und dem weit entfernten Horizont, wenn man auf dem Cap steht. Das hier sind gute Orte. Sie geben mir Kraft und Zuversicht, und die Menschen, die mit mir hier sind und die Menschen, die Zuhause auf mich warten machen mein Leben lebenswert. Jetzt verstehe ich, warum hier keine Absperrungen sind. Niemand hier oben wird jemals den Wunsch verspüren, über diese Klippen zu gehen. Dafür gibt einem dieser Ort einfach einen zu guten Eindruck davon, wie schön diese Welt ist und dass es sich immer wieder lohnt, weiterzumachen statt aufzugeben. Dass man seinen Peugeot oder seien Renault hier runterkippt – na gut, dafür habe ich Verständnis.

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Der Sonne gute Nacht sagen

“I am getting blown away somewhere safer where the feeling stays…” Neil Young legte in sein Lied mehr Weisheit, als er sich wohl damals gedacht hatte und die hübsche Holländerin pflanzte mit meiner Gitarre und ihrer Stimme in den frühen 90ern, als das Leben noch jung war und Deutschland erst frisch vereint einen Ohrwurm, dessen Bedeutung sich mir erst nach und nach erschließt. Wenn ich Losing my Religion von R.E.M. höre sitze ich vor dem Zelt auf dem Campingplatz Les Cigales und bin unfassbar betrunken von französischem Rotwein. Wenn ich Like a Hurricane von Neil Young höre sitze ich in den Calanques oder auf dem Cap Canaille und bin nüchtern. Zwar berauscht von den Eindrücken der Umgebung, aber klar bei Verstand und offen im Herzen für all das, was da noch kommen mag. Ich wünsche meinen Töchtern genau diese Offenheit, und dass die vielleicht ein paar weniger Fehler machen mögen als ich. Aber wollen das nicht alle Väter? Ich finde das Leben irgendwie schrecklich durchschaubar, aber leider wird einem das immer erst klar, wenn die Kacke schon richtig am Dampfen ist.

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sur la route….

Au revoir Cap Canaille. Wir haben noch ein paar kostenpflichtige Autobahnkilometer vor uns, bevor wir wieder in unsere quietschenden, aber bequemen Mobile Home Betten fallen dürfen. Die Sonne will und will nicht untergehen. Sie wird untergegangen sein, wenn wir auf dem Campingplatz in Agde angekommen sind. Mindestens für ein 14 Jahre altes Mädchen wird sie nie wieder untergehen. Das ist zu früh, das ist fucking zu früh und ich bete zu Gott und allen anderen, an die man meinetwegen in irgendeiner Form glauben kann, dass mir so etwas erspart bleibt.
Gute Nacht Sonne.
Auf dass dieser Tag auch in der Erinnerung meiner Kinder eine bedeutende Rolle spielt, vielleicht fahren sie in 20 Jahren ja mit ihren Kindern hier wieder einmal hin? Wir werden es lesen.

Sandmann

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Created Donnerstag, 09. Oktober 2014 Tags Agde | Calanques | Cap Canaille | Cassis | frankreich | Reise Reise | Route des Cretes | Südfrankreich Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz