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04 Jul 2012

Pendula Alltagis – der norddeutsche Autobahnvogel

pendula-alltagis--der-norddeutsche-autobahnvogelBegleiten wir den Autobahnvogel auf einem seiner Streifzüge und entwickeln wir ein Rettungskonzept für diese aussterbende Art immerfröhlicher Lebewesen. Weiterlesen → [...]

Nennen wir es mal Morgen-Dramen

Nennen wir es mal Morgen-Dramen

*tschiep* *tschiep*

Seltsames geschieht dieser Tage, die ursprünglich engelsgleich einen Sommer mit sanften Gesängen einläuten sollten. Der Autobahnvogel, gemeinhin bekannt für seinen Frohmut und seinen Sanguinismus, fühlt sich davongespült. Es regnet und regnet in Deutschland, sein gesamtes Revier ist nass und klamm und auch der Weg zu seinen verschiedenen Nestern will ihm schon nicht mehr gefallen. Begleiten wir ihn auf einem seiner Streifzüge und entwickeln wir ein Rettungskonzept für diese aussterbende Art immerfröhlicher Lebewesen.

Es beginnt mit der Nahrungsaufnahme.

Die Freunde Krups und Melitta

Die Freunde Krups und Melitta

Pendula Alltagis braucht am Morgen nicht viel, um glücklich zu sein. Unser kleiner Springinsfeld gibt sich ab 6:00 Uhr morgens, wenn sein lieblicher Gesang über den Flur bis in die Dusche zu hören ist, mit etwas schwarzem Kaffee zufrieden. Liebevoll gebraut nicht von seinem heute fernen Weibchen, sondern eigenmächtig unter Zuhilfenahme der Lakeien aus dem Hause Krups und Melitta. Beides Zeitgenossen aus längst vergangenen Tagen, dank liebevoller Pflege aber jung und frisch wie damals in den 70ern. Und orange. Orange ist wichtig.

Holsteiner Regen-Sommer

Holsteiner Regen-Sommer

Dramen spielen sich da draußen ab, wenn auch nur im Geiste. Das transportierende Bieder-Gefieder aus Wolfsburger Werken geleitet den Asphalt-affinen Blässling schnurgerade durch Wasserlachen und kleine Seen. Er ist froh, dass er die Winterreifen noch drauf hat, gleichwohl alle ihm gesagt haben, dass es Ende Juni langsam mal Zeit würde, die Federn zu wechseln. Gefühlter Bodenfrost und die nahe Sintflut sprechen allerdings eine andere Sprache. Während seine tiefer wohnenden Nachbarn darüber nachdenken, eine Arche zu bauen versucht Pendula Alltagis, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Brutstätte seiner Kreativität zu erreichen.

Akustische Untermalungen

Akustische Untermalungen

Unscharf fokussiert (weil während des Fluges aufgenommen) erhalten wir Einblick in den Lebensraum des lustigen Meilenabspulers. Der Autobahnvogel muss akustisch unterhalten werden, sonst vereinsamt er. Aus diesem Grund befindet sich in seinem winterbereiften wundervollen Wandernest auch mannigfaltiges Tonmaterial, welches gleich dem Gesang der lieblichen Sirenen aus griechischen Heldensagen in seine Ohren diffundiert. Er hofft, nicht wie Odysseus stumpf auf sie reinzufallen und schickt sich demnach an, das Gefährt nicht blind auf den nächsten Felsen zu lenken, obwohl der Blick durch die Gischt wenig differenzierte Umgebungsdetails zeigt.

Nahrungsaufnahme, permanent

Nahrungsaufnahme, permanent

Auch während des Fluges sieht unser Protagonist es als überlebensnotwendig an, die flüssige Nahrungsaufnahme nicht zu unterbrechen. Das schwarze Nass aus Krups und Melitta steht nun in einem praktischen Pappbecher auf einem wundervollen, in vorherigen Wandernestern immer schon vermissten Serien-Cup-Holder, leidlich warm gehalten von einer ebenfalls orangen Thermoskanne. Wenigstens hier und da ist an diesem trüben Morgen ein Farbfleck zu bewundern. Wie bunt es im Herzen des Pendula ist kann man als Außenstehender nur erahnen, bekommt aber einen Eindruck, wenn man seinem lauten und falschen und zumeist nicht ganz zur akustischen Beschallung passenden Gesang lauscht. Baustelle. Schalten. Und – weitersingen.

Schleichender Verfall

Schleichender Verfall

Das Nest ist in keinem guten Gesamtzustand. Unser Autobahnvogel kommt ins Nachdenken, das Grau und der Regen machen ihn krank. Vielleicht kann er mit seiner erst-Brut in ein wärmeres Land fliegen, und sei es nur für einige Tage, um wieder neue Energie und Sonne zu tanken? Um seinen Gesang wieder auf die richtige Tonspur zu bringen und seine Gedanken wieder so zu ordnen, dass er mit seinen Flügeln neue Geschichten für die anderen schreiben kann? Warum eigentlich nicht? Aber zuvor muss das Wandernest heile gemacht werden, in diesem Zustand wird es nicht bis in den Süden durchhalten. Pendula Alltagis ist kein Zug-Vogel. Er möchte statt in der Bahn lieber in seinem Nest reisen. Heute zunächst zur Brutstätte der Kreativität, und nach kleinen Reparaturen vielleicht noch ein bisschen weiter. Ja, das ist eine gute Idee.

Madonna der guten Gedanken

Madonna der guten Gedanken

Der im Fortbewegungsmittel permanent Heizöl unter Kompression verbrennende Frohmut-Vogel ist gläubig. Seine kleine Madonna unterstützt ihn bei Flügen durch seine Welt und erneuert jeden Tag seinen Glauben daran, dass alles immer irgendwann wieder gut wird. Wenn es das nicht sowieso schon ist. Regen. Grauer Himmel. Wochenbeginn. Na und? Das schwarze Nass im Inneren des Piep-Matzes beginnt seine erweckende Wirkung zu entfalten, und während die Madonna irgendwie ein bisschen milde lächelt beginnt der Autobahnvogel seinen fröhlichen Gesang erneut. Diesmal schon ein wenig sicherer. Süden, das wär’s.

Wirkt. Weiterfliegen. Jetzt.

Wirkt. Weiterfliegen. Jetzt.

Süden. Es gab ja einst Zeiten, an denen das Pendeln druckvoll und angstbehaftet war ob der Möglichkeit, am Zielort nicht im vorgegebenen Zeitplan zu landen. Andere Vögel fliegen manchmal auch zur Brutstätte, manchmal auch alle gleichzeitig, und dann wird es eng. Das ist nun nicht mehr so, Pendulas einzige Sorge ist das umfassend graue und schlechte Wetter, zwar gemeistert von den Winterreifen des nicht-Stufenheck-Nestes, aber trist machend an so einem frühen Morgen. Und auch später noch. Doof. *tschiep* Als der letzte Tropfen aufmunterndes Wässerchen aus Orange in Pappe in Schnabel gelaufen ist, zeigt sich am grauen Horizont bereits das Ziel.

Unterwegs im Revier

Unterwegs im Revier

Nennen wir es mal Aufbruch. Für die einen in einen neuen Tag, für die anderen in einen nicht kommen wollenden Sommer und für ganz besondere Vögel in einen neuen Lebensabschnitt. *tschiep* In diesem Sinne, ihr gefiederten Freunde, wohin tragen eure Wege euch diesmal? Stillstand ist der Tod.

Sandmann

Original: Sandmanns Welt

Created Mittwoch, 04. Juli 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags autobahn | Becher | Cupholder | Diesel Dramen | Kaffee | Landstraße | pendeln | Pendler | regen | Thermoskanne
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30 Aug 2015

Mainzer Automobil Classic 2015

Eine Super Sause war die diesjährige Mainzer Automobil Classic, die gestern bei wunderschönem Sommerwetter stattfand. 129 Fahrzeuge gingen auf den Weg durch Taunus und Rheingau. Treffpunkt und Vorstart war an der Zitadelle in Mainz. Nach technischer Abnahme, Fahrerbesprechung und großem Frühstück wurden die Fahrzeuge den Startnummern entsprechend an den Schillerplatz zum Startbogen geschickt. Eingeteilt in drei Wertungsgruppen (Classic, Touristik und Sport) bot die Rallye Aufgaben für jeden Geschmack. Wir waren mit unserem 911erbei den Touristikern und hatten die Strecke anhand von Punkten, Würmern oder Chinesenzeichen zu finden, stumme Wächter zu suchen, Stempel- und Zeitkontrollen zu absolvieren, einzelne Orte anhand von Fotos wieder zu erkennen und entsprechende Fragen zu beantworten, Zeitprüfungen zu fahren oder Geschicklichkeits-Sonderaufgaben zu lösen. Die Strecke am Vormittag verlief über Niedernhausen in Richtung Idstein, nach Strinz-Margarethä, Bad Schwalbach durch das Wispertal zum Mittagsstopp in der Laukenmühle. Nach Jägerschnitzel und Kuchen ging es weiter im Tal bergab, über Pressberg, Stephanshausen, Johannisberg, Eichberg, Erbach, Eltville, hoch nach Sclangenbad und weiter nach Frauenstein und Schierstein zurück nach Mainz, wo der Zieleinlauf auf dem Weinmarkt war. Als letzte Prüfung musste man möglichst mittig durch den Zielbogen fahren, bevor man mit Siegersekt belohnt wurde. Sie Kulisse auf dem Weinmarkt ist wirklich einmalig schön und die Zeit bis zur Siegerehrung verging ruckzuck. Am Ende sprang ein unerwarteter Pokal für den 7.Platz in Unserer Klasse heraus. Prima gelaufen!

Mainzer Automobil Classic

Formfreu.de Mainzer Automobil Classic 2010

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Original http://www.formfreu.de/2015/08/30/mainzer-automobil-classic-2015/

30 Aug 2015

2015 Ford Mustang GT – Video und Fakten

2015 Ford Mustang GT – Video und Fakten

Ford hat uns hat uns zur internationale Fahrveranstaltung nach München, wo wir am 21.05.2015 unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Ford Mustang GT für Euch gedreht haben. Unser Mustang GT war in der Farbe Race-Rot lackiert und verfügte über die Ausstattungslinie Premium-Paket. Als Mitbewerber sehen wir zu dem Sportwagen von Ford beispielsweise BMW M4, Lexus RC F, Mercedes-AMG C63 Coupé, Audi RS5, Chevrolet Camaro. Den Verkaufspreis unseres Testwagens schätzen wir auf 42.500 Euro. Viel Spaß mit unserem Test mit dem Mustang GT:

Unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Ford Mustang GT auf Youtube ansehen.

Unter der Haube vom Ford Mustang GT befindet sich ein 5 Liter (V8-SFI-Saugmotor) Motor mit einer Leistung von 421 PS (310 kw) und einem maximalen Drehmoment von 530 Nm, welches ab 4.250 u/min Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Unser Testwagen verfügt über Heckantrieb, geschaltet wird mittels manueller Schaltung (6-Gang Handschaltung).

Wie fährt sich der Ford Mustang GT?

Unser Tacho-Video vom 2015 Ford Mustang GT auf Youtube ansehen.

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der 2015 Ford Mustang GT innerhalb 4.90 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 km/h erreicht.

Der Ford Mustang GT verfügt über einen Tankinhalt von 61 Litern. Bei einem NEFZ-Verbrauch laut Ford von 13.50 Litern Super auf 100 Kilometern könnte man theoretisch auf eine Reichweite von fast 450 Kilometern kommen. Der kombinierte CO2-Ausstoss liegt laut Ford bei 299 g/km.

Ford Mustang GT – Abmessungen und Kofferraum

Der Mustang GT ist 4.78 m lang bei einem Radstand von 2.72 m. Er ist 1.38 m hoch und misst in der Breite 1.91 Meter. Von Außenspielgel zu Außenspiegel ist er 2.08 Meter breit. Der Wendekreis des Ford Mustang GT beträgt 12.20 m. Das Leergewicht ist mit 1.720 kg angegeben, das zulässige Gesamtgewicht mit 2.230 kg.

In den Kofferraum vom 2015 Ford Mustang GT passen 408 Liter. Maximal zugeladen werden dürfen 579 kg – davon dürfen 75 kg auf das Dach geladen werden.

Der preiswerteste Mustang GT ist für 37.000 Euro zu haben. Unser Testwagen hat einen Basispreis von 42.000 Euro, kostet aber so wie er hier steht 42.500 Euro. Die Versicherungsklassen Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko: 19 / 28 / 27

Den Tech-Check vom Infotainment-System im 2015 Ford Mustang GT auf Youtube ansehen.

2015 Ford Mustang GT – Technische Daten im Überblick

Testfahrzeug 2015 Ford Mustang GT  
Hersteller Ford  
Bauform Sportwagen  
Motor und Getriebe Ford Mustang GT
 
Motor V8-SFI-Saugmotor  
Hubraum 5.00 Liter
 
Ps 421 PS
 
Kw 310 KW
 
Maximales Drehmoment 530 Nm
 
Antriebsart Heckantrieb  
Getriebeart manueller Schaltung  
Getriebe 6-Gang Handschaltung  
Fahrleistungen Ford Mustang GT
 
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 4.90 Sekunden
 
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
 
Verbrauch und Emissionen Ford Mustang GT
 
Kombinierter NEFZ-Verbrauch laut Hersteller 13.50 l/100 km
 
Kombinierter CO2-Ausstoss laut Hersteller 299 g/km
 
Kraftstoffart Super  
Tankinhalt 61 Liter
 
Abmessungen Ford Mustang GT
 
Länge 4.78 Meter
 
Höhe 1.38 Meter
 
Breite 1.91 Meter
 
Breite mit Außenspiegel 2.08 Meter
 
Radstand 2.72 Meter
 
Wendekreis 12.20 Meter
 
Gewichte und Lasten Ford Mustang GT
 
Leergewicht 1.720 KG
 
Zulässiges Gesamtgewicht 2.230 kg
 
Maximale Zuladung 579 kg
 
Kofferraumvolumen 408 Liter
 
Dachlast 75 kg
 
Einstiegspreis 37.000 Euro
 
Basispreis Testwagen 42.000 Euro
 
Listenpreis Testwagen ca. 42.500 Euro
 
Versicherungsklassen HP / VK / TK 19 / 28 / 27  

Original http://ausfahrt.tv/2015-ford-mustang-gt-video-und-fakten/

30 Aug 2015

Ahr Rotwein Klassik 2015 | Bilder zur Oldtimerrallye im Ahrtal

Die Ahr Rotwein Klassik fand am 05. Juli 2015 als eine Touristische Ausfahrt in mehreren Klassen für Automobile bis Baujahr 1995 statt. Gefahren wurden ca. 150 km entlang des Ahrtals, hinein in den Westerwald und zurück in die Eifel um in Rieden am Waldsee zu enden. Die Siegerehrung fand nach einem Rustikalen Abendessen und der Autoschau in der Gemeindehalle von Rieden statt. Es wurden keine Höchstleistungen erwartet, der Spass am Autofahren und die Freude an der Landschaft standen im Vordergrund. 

Text: Ahr Rotwein Klassik Bilder: PhotoAHRt.de

Original http://germanmotorkult.de/ahr-rotwein-klassik-2015-bilder-zur-oldtimerrallye-im-ahrtal/

29 Aug 2015

2015 Ferrari California T – Video und Fakten

2015 Ferrari California T – Video und Fakten

Ferrari hat uns den 2015 Ferrari California T als Testwagen für einige Stunden in Frankfurt zur Verfügung gestellt, am 22.07.2015 haben wir unseren Video-Fahrbericht für Euch abgedreht. Unser California T war in der Farbe Nero Pastello (schwarz) lackiert und verfügte über die Ausstattungslinie individual. Als Mitbewerber sehen wir zu dem Sportwagen von Ferrari beispielsweise Mercedes SL 63 AMG, Porsche 911 Turbo S Cabrio, BMW M6 Cabrio, McLaren 650 Spider, Maserati Grancabrio, Audi R8 Spyder. Den Verkaufspreis unseres Testwagens schätzen wir auf 220.000 Euro. Viel Spaß mit unserem Test mit dem California T:

Unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Ferrari California T auf Youtube ansehen.

Unter der Haube vom Ferrari California T befindet sich ein 4.00 Liter (v8 mit Benzindirekteinspritzung ) Motor mit einer Leistung von 560 PS (412 kw) und einem maximalen Drehmoment von 755 Nm, welches bei 4.750 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Unser Testwagen verfügt über Heckantrieb, geschaltet wird mittels Doppelkupplung-Automatik-Getriebe (F1, 7 Gang Doppelkupplungsgetriebe ).

Wie fährt sich der Ferrari California T?

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der 2015 Ferrari California T innerhalb 3.60 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 316 km/h erreicht.

Der Ferrari California T verfügt über einen Tankinhalt von 78 Litern. Bei einem NEFZ-Verbrauch laut Ferrari von 10.50 Litern Super Plus auf 100 Kilometern könnte man theoretisch auf eine Reichweite von fast 740 Kilometern kommen. Der kombinierte CO2-Ausstoss liegt laut Ferrari bei 250 g/km.

Ferrari California T – Abmessungen und Kofferraum

Der California T ist 4.57 m lang bei einem Radstand von 2.67 m. Er ist 1.32 m hoch und misst in der Breite 1.91 Meter. Der Wendekreis des Ferrari California T beträgt 1.00 m. Das Leergewicht ist mit 1.730 kg angegeben, das zulässige Gesamtgewicht mit 2.200 kg.

In den Kofferraum vom 2015 Ferrari California T passen 240 Liter. Bei umgeklappter Rückbank sind es 340 Liter. Maximal zugeladen werden dürfen 490 kg.

Der preiswerteste California T ist für 183.499 Euro zu haben. Unser Testwagen hat einen Basispreis von 183.499 Euro, kostet aber so wie er hier steht 220.000 Euro. Die Versicherungsklassen Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko: 25 / 33 / 33

2015 Ferrari California T – Technische Daten im Überblick

Testfahrzeug 2015 Ferrari California T  
Hersteller Ferrari  
Bauform Sportwagen  
Motor und Getriebe Ferrari California T
 
Motor v8 mit Benzindirekteinspritzung  
Hubraum 4.00 Liter
 
Ps 560 PS
 
Kw 412 KW
 
Maximales Drehmoment 755 Nm
 
Antriebsart Heckantrieb  
Getriebeart Doppelkupplung-Automatik-Getriebe  
Getriebe F1, 7 Gang Doppelkupplungsgetriebe  
Fahrleistungen Ferrari California T
 
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 3.60 Sekunden
 
Höchstgeschwindigkeit 316 km/h
 
Verbrauch und Emissionen Ferrari California T
 
Kombinierter NEFZ-Verbrauch laut Hersteller 10.50 l/100 km
 
Kombinierter CO2-Ausstoss laut Hersteller 250 g/km
 
Kraftstoffart Super Plus  
Tankinhalt 78 Liter
 
Abmessungen Ferrari California T
 
Länge 4.57 Meter
 
Höhe 1.32 Meter
 
Breite 1.91 Meter
 
Radstand 2.67 Meter
 
Wendekreis 1.00 Meter
 
Gewichte und Lasten Ferrari California T
 
Leergewicht 1.730 KG
 
Zulässiges Gesamtgewicht 2.200 kg
 
Maximale Zuladung 490 kg
 
Kofferraumvolumen 240 Liter
 
Kofferraumvolumen bei umgeklappter Rücksitzbank 340 Liter
 
Einstiegspreis 183.499 Euro
 
Basispreis Testwagen 183.499 Euro
 
Listenpreis Testwagen ca. 220.000 Euro
 
Versicherungsklassen HP / VK / TK 25 / 33 / 33  

See our in-depth review of the 2015 Ferrari California T on Youtube.

Original http://ausfahrt.tv/2015-ferrari-california-t-video-und-fakten/

28 Aug 2015

2015 Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 – Video und Fakten

2015 Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 – Video und Fakten

Mazda hat uns den 2015 Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 als Testwagen für einige Tage in Bielefeld zur Verfügung gestellt, am 30.07.2015 haben wir unseren Video-Fahrbericht für Euch abgedreht. Unser Mazda CX-3 war in der Farbe Arachneweiß Metallic lackiert und verfügte über die Ausstattungslinie Exclusive-Line. Als Mitbewerber sehen wir zu dem SUV von Mazda beispielsweise Fiat 500X, Suzuki Vitara, Nissan Juke, Citroen C4 Cactus, Jeep Renegade, Renault Captur, Skoda Yeti, Opel Mokka, Mini Countryman. Den Verkaufspreis unseres Testwagens schätzen wir auf 22.580 Euro. Viel Spaß mit unserem Test mit dem Mazda CX-3:

Unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 auf Youtube ansehen.

Unter der Haube vom Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 befindet sich ein 2.00 Liter (Quer verbauter 4-Zylinder Ottomotor ) Motor mit einer Leistung von 120 PS (88 kw) und einem maximalen Drehmoment von 204 Nm, welches ab 2.800 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Unser Testwagen verfügt über Frontantrieb, geschaltet wird mittels manueller Schaltung (6 Gang Handschaltung).

Wie fährt sich der Mazda CX-3 Skyactiv-G 120?

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der 2015 Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 innerhalb 9.00 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 192 km/h erreicht.

Der Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 verfügt über einen Tankinhalt von 48 Litern. Bei einem NEFZ-Verbrauch laut Mazda von 5.90 Litern Super auf 100 Kilometern könnte man theoretisch auf eine Reichweite von fast 810 Kilometern kommen. Der kombinierte CO2-Ausstoss liegt laut Mazda bei 137 g/km.

Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 – Abmessungen und Kofferraum

Der Mazda CX-3 ist 4.25 m lang bei einem Radstand von 2.57 m. Er ist 1.53 m hoch und misst in der Breite 1.76 Meter. Der Wendekreis des Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 beträgt 11.40 m. Das Leergewicht ist mit 1.270 kg angegeben, das zulässige Gesamtgewicht mit 1.730 kg.

In den Kofferraum vom 2015 Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 passen 350 Liter. Bei umgeklappter Rückbank sind es 1.260 Liter. Maximal zugeladen werden dürfen 535 kg – davon dürfen 50 kg auf das Dach geladen werden. Die maximale Anhängelast für gebremste Anhänger beträgt 1.2 Tonnen. Die maximale Anhängelast für ungebremste Anhänger beträgt 625 kg.

Der preiswerteste Mazda CX-3 ist für 17.990 Euro zu haben. Unser Testwagen hat einen Basispreis von 21.890 Euro, kostet aber so wie er hier steht 22.580 Euro. Die Versicherungsklassen Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko: 17 / 21 / 23

Den Tech-Check vom Infotainment-System im 2015 Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 auf Youtube ansehen.

2015 Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 – Technische Daten im Überblick

Testfahrzeug 2015 Mazda CX-3 Skyactiv-G 120  
Hersteller Mazda  
Bauform SUV  
Motor und Getriebe Mazda CX-3 Skyactiv-G 120
 
Motor Quer verbauter 4-Zylinder Ottomotor  
Hubraum 2.00 Liter
 
Ps 120 PS
 
Kw 88 KW
 
Maximales Drehmoment 204 Nm
 
Antriebsart Frontantrieb  
Getriebeart manueller Schaltung  
Getriebe 6 Gang Handschaltung  
Fahrleistungen Mazda CX-3 Skyactiv-G 120
 
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 9.00 Sekunden
 
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h
 
Verbrauch und Emissionen Mazda CX-3 Skyactiv-G 120
 
Kombinierter NEFZ-Verbrauch laut Hersteller 5.90 l/100 km
 
Kombinierter CO2-Ausstoss laut Hersteller 137 g/km
 
Kraftstoffart Super  
Tankinhalt 48 Liter
 
Abmessungen Mazda CX-3 Skyactiv-G 120
 
Länge 4.25 Meter
 
Höhe 1.53 Meter
 
Breite 1.76 Meter
 
Radstand 2.57 Meter
 
Wendekreis 11.40 Meter
 
Gewichte und Lasten Mazda CX-3 Skyactiv-G 120
 
Leergewicht 1.270 KG
 
Zulässiges Gesamtgewicht 1.730 kg
 
Maximale Zuladung 535 kg
 
Kofferraumvolumen 350 Liter
 
Kofferraumvolumen bei umgeklappter Rücksitzbank 1.260 Liter
 
Dachlast 50 kg
 
Maximale Anhängelast (Gebremster Anhänger) 1200 kg
 
Maximale Anhängelast (Ungebremster Anhänger) 625 kg
 
Einstiegspreis 17.990 Euro
 
Basispreis Testwagen 21.890 Euro
 
Listenpreis Testwagen ca. 22.580 Euro
 
Versicherungsklassen HP / VK / TK 17 / 21 / 23  

Original http://ausfahrt.tv/2015-mazda-cx-3-skyactiv-g-120-video-und-fakten/

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28 Aug 2015
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Rheinbach Classics 2015 | Bilder zur Oldtimerrallye

Sie sind der ganze Stolz ihrer Besitzer, spiegeln das Lebensgefühl früherer Tage wider und lassen Erinnerungen wach werden: Oldtimer. Etwa 300 alte Schätzchen aus acht Jahrzehnten haben am Sonntag im Rahmen der zehnten Auflage der Rheinbach Classics am Tüv-Rheinland-Korso durch die Innenstadt teilgenommen.

Rheinbach Classics 2015 -21 

Umjubelt, bestaunt und beklatscht von unzähligen Zuschauern am Straßenrand ließen die Fahrer etwa eine Stunde lang die Musik ihrer Motoren erklingen - vom ungeduldigen Knattern des Zweizylinder-Zweitakt-Motors mit 13,6 PS des Goggomobils aus dem Jahr 1967 über das Röhren der rot-weißen 250 PS starken Corvette bis zum satten Sound des durstigen Achtzylinder-Motors des Rolls Royce Silver Shadow, Baujahr 1976, mit 6,8 Litern Hubraum, der auf 100 Kilometer etwa 40 Liter Benzin verbraucht.

Rheinbach Classics 2015 -17

Auf die Besonderheiten der Fahrzeuge wiesen an der Bühne am Wilhelmsplatz Bürgermeister Stefan Raetz und Organisator Jens Hoffmeister hin, so auf das Rundheck des Alfa Spiders aus dem Jahr 1969, die Kunststoff-Karosserie des Renault Alpine A110, Baujahr 1974, das Kurvenlicht des Citroen DS 20 Pallas, Baujahr 1973 oder den stilechten Wackeldackel im Fond des Opel Olympia Rekord, Baujahr 1964. (Text: Anita Borhau-Karsten / General Anzeiger)

Original http://germanmotorkult.de/rheinbach-classics-2015-bilder-zur-oldtimerrallye/

28 Aug 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Loift!

Gestern saß ich auf Kohlen. Kommt die "neue" Lichtmaschine? Am Nachmittag klingelte der langersehnte GLS Bote. Hurra, ich habe eine original Ford Lichtmaschine für sagenhafte 18 Euro. Der Kohlensatz, den ich übrigens online für meine Lima nicht gefunden habe, hätte wahrscheinlich genauso viel gekostet.

Loift!

Für solche Fälle ist eBay bzw. das Internet einfach nur geil. Ich hätte bei jedem Schrotti vermutlich mehr gezahlt. Und die 18 Euro waren sogar inkl. der Option einen Preisvorschlag zu schicken. Das habe ich aber nicht genutzt und stattdessen den Sofortkauf verwendet und in die Bemerkung geschrieben, dass ich darauf bewusst verzichtet habe, weil ich die LiMa schnell brauche und es schön wäre, wenn sie umgehend verschickt würde. Der Plan ist offensichtlich aufgegangen.

Da ich die Vorhölle brauchte hieß es gleich aufbrechen, damit ich fertig bin, bevor mein Vermieter seinen Stellplatz beansprucht, der ja in die Vorhölle als Garage nutzt. Aufbocken und dann: Was ne Fummelei. Das sind nicht viel Schrauben, aber die über Kopf im Bodenturnen reinzufummeln - Spaß definiert sich anders. Bei einer Mutter musste ich Trick 17 verwenden. Eine Mutter mit integrierter scheibe mit Fett in den Ringschlüssel einsetzen, dass sie nicht herausfällt und so in den Motorraum an die unzugängliche Stelle einfädeln.

Loift!

Das funzt ganz gut und die Mutter fällt nicht heraus. Hat sich wer diesen Trick schon patentieren lassen? Im Motorraum geht es verdammt eng zu bei der Lima. Man wünscht sich 20cm lange Finger mit zwei, drei Gelenken mehr.

Loift!

Letztendlich hat es geklappt. Zeit um zu testen. Batteriespannung vor dem Anlassen:

Loift!

Auf in den Innenraum. Schlüssel gedreht. Ah! Jetzt geht auch die Batterieleuchte an! Gestartet und ein wenig enttäuscht gewesen. Klar, sie lädt, aber sind das nicht etwas wenig Volt, müsste Richtung 14V gehen eigentlich, wenn keine Verbraucher an sind.

Loift!

Auch der Drehzahlmesser, der ja beim Diesel über die Klemme W an der Lima angeschlossen ist, tat beim Anlassen einen kleinen Zucker, aber Funktion ist anders. Hmmm. "Meinen" KFZ-Elektriker Michael versucht telefonisch zu erreichen, aber nicht an den Hörer bekommen. Gut. Sie lädt, das ist erst einmal das Wichtigste.

Die Plastikverkleidung hinten an die Lima angebaut...

Loift!

...und ab nach Hause. Anfangs machte die Lima leicht Geräusche, aber das hörte nach ein paar Metern auf. Und während der Fahrt kam dann plötzlich auch Leben zurück in den DZM. Offenbar war die Lichtmaschine schon länger gelegen und etwas zupatiniert und musste sich erst einmal wieder freilaufen.

DZM

Vielleicht ist das auch mit der Ladeleistung so? Also habe ich daheim noch einmal mit laufendem Motor getestet und siehe da:

Loift!

13,75V gehen schon eher Richtung 14V. Ich denke damit kann ich voll zufrieden sein. Motor aus und nochmals gemessen.

Loift!

Die Batterie wurde also geladen. Sehr schön. Ist doch ein beruhigendes Gefühl, dass man sich um das Thema jetzt erst einmal keinen Kopp mehr machen muss.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/focht/loift

28 Aug 2015
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Büchsen-Öffner, Smart Fortwo Cabriolet 2261

Smart Fortwo Cabriolet

Nach den Hundesitzen für den Forfour kommt jetzt das Cabrio beim Fortwo.

Das war zu erwarten: an der IAA zeigt Smart den offenen Zweisitzer. Der verfügt über ein elektrisch betriebene Faltverdeck, welches sich per Knopfdruck binnen 12 Sekunden öffnen lässt. Und dies auch während der Fahrt, egal bei welcher Geschwindigkeit. Wers noch luftiger mag, entfernt die Dachholme und verstaut sie in einem Fach in der Heckklappe. Alles wie beim alten Smart-Cabrio auch, einzig der Unterbau ist neu. 71 oder PS leisten die beiden für das Smart Fortwo Cabrio lieferbaren Benziner, die sind entweder an ein manuelles Getriebe mit fünf Gängen gekoppelt oder an das neue Doppelkupplungsgetriebe geflanscht. Und sonst, sonst wissen wir noch nicht viel über das Auto, als von den Preisen und so. Immerhin: Smart vermeldet in der Pressemitteilung, «das dessen hochwertiges und charmantes Interieur dem der geschlossenen Varianten entspricht, und serienmässig über zwei Sonnenblenden mit Makeup-Spiegeln verfügt. Wir verneigen uns vor so viel Innovation.  Bestellen kann man den offenen Smart Fortwo ab November, ab Februar 2016 sollen die Autos bei den Händlern stehen.
Mehr Smart gibts im Archiv.


Büchsen-Öffner, Smart Fortwo Cabriolet 2261

Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/smart-fortwo-cabriolet-2261/seite_1-2

27 Aug 2015
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bigger is better (4), Cadillac Eldorado Biarritz 1959-1879

Cadillac Eldorado Biarritz 1959

 

Cadillac Eldorado Biarritz 1959

Im Vergleich aber zu dem, was 1959 bei Cadillac folgte, standen die 58er Modelle ziemlich im Abseits. Ganz egal, wie man zu diesen Heckflossenmonstern steht – was Cadillac in diesem Jahr bot, übertraf bei weitem alles, was man bisher im Automobildesign kannte. Wild wuchernde Formen waren angesagt – wie übrigens bei allen GM-Produkten, mit denen die Cadillac 1959 bedeutend mehr gemein hatten als früher. Diese schiere Grösse war für viele, vor allem europäische Kritiker, ganz einfach ein Ausdruck von schlechtestem Geschmack, doch die Amerikaner schienen die wenig harmonischen Linien zu mögen – sie waren vielleicht auch der beste Ausdruck dafür, dass sich die USA endgültig von den Nachwehen des 2. Weltkrieges erholt hatten und jetzt der ganzen Welt zeigen wollten und konnten, wer die Nummer Eins ist.

Denn es waren nicht nur die Cadillac, die 1959 gewaltig in die Länge und Breite und Höhe gingen, Buick offerierte schon fast arrogante Heckflossen, auch Chrysler versuchte sich mit ebenfalls grotesken Formen besser auf dem Markt zu positionieren. Doch übertroffen wurde alles von den «Tail-Fins» der Cadillac: Gegenüber 1958 wurden sie um stolze 9,5 Zentimeter höher und hatten ihren Höhepunkt auf 97 Zentimetern, nur noch 40 Zentimeter unterhalb des Daches. So gewaltig diese Masse – sie übertrafen die Chrysler-Flossen, die zweithöchsten auf dem Markt, um mehr als sechs Zentimeter – auch waren, man sollte nicht vergessen, dass die 59er Flossen nur der Gipfel einer Entwicklung waren, die bei Cadillac schon 11 Jahre zuvor eingesetzt hatte. Schon 1960 wurde man auch bei Cadillac wieder vernünftiger, und vier Jahre später waren die Heckflossen dann gar und ganz verschwunden. Wenn man an den hinteren Auswüchsen etwas als schön bezeichnen kann, dann vielleicht die beiden projektilförmigen Lämpchen, die den Cadillac vor allem bei Nacht das gewisse Etwas gaben.

Cadillac Eldorado Biarritz 1959
Cadillac Eldorado Biarritz 1959

Auch vorne standen die neuen Modelle in bestem Licht – insgesamt acht Lampen sorgten auch bei Nacht für gute Sicht. Wieder einmal war für die neuen Modelle der Kühlergrill geändert worden, für einmal allerdings nur in Massen, ausserdem wurden die vorderen Stossstangenhörner um das kleiner, was die Heckflossen anwuchsen. Nicht mehr viel mit einer Stossstange hatte hingegen das massive hintere Chromwerk zu tun, das wohl auch gegen Unfälle schützte, aber wohl hauptsächlich deshalb so gigantisch ausfiel, damit die Autofahrer, die von einem 59er Cadillac überholt wurden, auch etwas zu staunen hatten. Zum ersten Mal seit vielen Jahren dienten die hinteren Stossfänger nicht mehr auch als Auspuff, dieser wanderte schön versteckt weiter nach vorne.

Cadillac Eldorado Biarritz 1959
Cadillac Eldorado Biarritz 1959
Cadillac Eldorado Biarritz 1959
Cadillac Eldorado Biarritz 1959
Cadillac Eldorado Biarritz 1959

Ebenfalls zum ersten mal seit vielen Jahren bot Cadillac nur noch zwei verschiedene Längen beim Radstand an, bei der Series 75 mass er 380 Zentimeter, bei allen anderen Modellen 330 Zentimeter. So betrug die Aussenlänge bei der Series 62, Series 63, dem Sixty-Special und den Eldorado  572 Zentimeter, bei der Series 75 schon fast monströse 622 Zentimeter. Dies bedeutete zwar mehr Beinfreiheit, doch diese wurde auch gebraucht, den die Kopffreiheit wurde durch die neuen Dachkonstruktionen um rund 2,5 Zentimeter eingeschränkt. Gleichzeitig nahm aber auch die Breite zu, 206 Zentimeter standen 1959 zu Buche, ein Mass, das in Europa kaum in eine normale Garage passt. Nun, für die Amerikaner galt halt immer noch «bigger is better» – und eine Garage brauchte eh niemand, einen Cadillac parkte man sowieso auf der Strasse.

Doch nicht nur gesehen werden, auch sehen konnte man in den neuen Modellen: Die sogenannte «Vista-Panoramic»-Windschutzscheibe machte es möglich, die eine logische Weiterentwicklung der Panorama-Scheibe des Eldorado Brougham von 1957 war. Über dieser Scheibe gab es bei den Hardtop-Modellen zwei komplett verschiedene Dachversionen: Die Sechsscheiben-Modelle besass ein festes hinterstes Fenster sowie eine sanft gerundete Heckscheibe, während die Vierscheibenmodelle über nur vier Seitenscheiben – eigentlich verständlich bei dieser Bezeichnung –, ein flacheres Dach und eine deutlich stärker gerundete Heckscheibe verfügten. Letztere Modelle – erhältlich bei der Series 62 und beim Sedan de Ville – waren bei der Kundschaft allerdings nicht so sehr beliebt, wie folgende Aufstellung zeigt:

6 Scheiben    4 Scheiben
Series 62/6 Scheiben: 23'461
Series 62/4 Scheiben: 14'138
Sedan de Ville/6 Scheiben: 19'158   
Sedan de Ville/4 Scheiben: 12'308

Cadillac Eldorado Biarritz 1959

Wenig auszusetzen gab es am neuen Armaturenbrett, «Motor Life» nannte es gar das übersichtlichste aller GM-Produkte. Wenig auszusetzen gab es für amerikanische Verhältnisse auch am weiter verbesserten Fahrverhalten, das vor allem auf die Verwendung des nicht ganz ungiftigen Gases «Freon 12» in den Stossdämpfern zurückzuführen war. Weiterhin war auf Wunsch auch die vom Eldorado Brougham übernommene Luftfederung erhältlich, die allerdings einiges vereinfacht worden und nun viel einfacher zu reparieren war – etwas, was immer noch etwas gar häufig der Fall sein musste. Ausserdem wurde die Servolenkung verbessert, sie gab nun ein besseres Gefühl zur Fahrbahn, und der Wendekreis konnte um einen ganzen Meter reduziert werden. «Car Life» bezeichnete diese Lenkung als die mit Abstand beste alller amerikanischen Automobile – für europäische Verhältnisse war sie eher schwammig.

Entsprechend der hinteren Flügel wuchs 1959 auch der Hubraum. Er betrug bei einer gleichbleibenden Bohrung von 101,6 Millimetern und dem vergrösserten Hub von 98,4 Millimeter neu 6391 cm3. Dazu gab es eine neue Kurbelwelle, eine höhere Verdichtung (10,5:1), einen neuen Einlasskrümmer mit grösseren Einlassventilen sowie ebenfalls grössere Auslassventile. Die Leistung betrug 1959 weiterhin mit Vorsicht zu geniessende 325 PS bei 4800/min, das maximale Drehmoment stieg auf 400 Nm bei 3100/min. Der Eldorado schaffte in diesem Jahr 345 PS.

Ob schön oder nicht schön – die 59er Cadillac hatten durchaus ihre Qualitäten. Doug Hendry erzählt in seinem Buch «Cadillac - Standard of the World» von einem reichen Neuseeländer, der einen Chevrolet, einen Jaguar Mk VIII, einen Rolls-Royce Silver Cloud sowie zwei Cadillac – einen 49er und eben einen 59er – besass. Ihm sei der 59er Cadillac über alles gegangen, ob er nun nur gefahren um des Fahrens sei oder seinen Cadillac für eine lange und trotzdem bequeme Reise gebrauchte. Ebenfalls erwähnt Hendry den australischen Journalisten Peter Hall, den eine Testfahrt mit einem 59er Modell für sein Magazin «Wheels» von einem Cadillac-Kritiker in einen Cadillac-Freund verwandelt habe. «Da ist Gold hinter all dem Glitzerzeug», schrieb er in seinem Testbericht. Und: «Ich muss die grossartige Qualität dieses Wagens bewundern, keine Wolke auf dem Lack, nichts scheppert. Auch ist der Wagen sehr gut durchdacht, die Sitzposition ist hervorragend, die Übersichtlichkeit trotz oder gerade wegen der gewaltigen Grösse auch, die Servolenkung sehr gefühlvoll. Am Fahrverhalten gibt es nichts zu kritisieren, der Wagen ist extrem spurtreu, und die Bremsen entsprechen den hervorragenden Fahrleistungen. Es ist schwierig, diesen beeindruckenden Wagen in Sachen Komfort, Handlichkeit und Fahrleistungen zu übertreffen – der Cadillac ist ohne Zweifel ein grossartiges Fahrzeug, eines der besten, die heute gebaut werden.» Grosse Worte für einen Mann, der sich selber als Liebhaber europäischer Sportwagen bezeichnete.

Mehr Cadillac gibt es in unserem Archiv.

Original http://www.radical-mag.com/oldtimer/cadillac-eldorado-biarritz-1959-1879/seite_1-2

27 Aug 2015

2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition – Video und Fakten

2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition – Video und Fakten

Mercedes-Benz hat uns hat uns zur internationale Fahrveranstaltung nach Frankfurt, Deutschland, wo wir am 06.03.2015 unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition für Euch gedreht haben. Unser Mercedes-Benz CLA 250 war in der Farbe Mountain Grau Metallic lackiert und verfügte über die Ausstattungslinie OrangeArt Edition. Als Mitbewerber sehen wir zu dem Kombi von Mercedes-Benz beispielsweise Volvo C30, Skoda Octavia Combi RS, Seat Leon ST Cupra . Den Verkaufspreis unseres Testwagens schätzen wir auf 60.000 Euro. Viel Spaß mit unserem Test mit dem Mercedes-Benz CLA 250 :

Unseren Video-Fahrbericht mit dem 2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition auf Youtube ansehen.

Unter der Haube vom Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake befindet sich ein 2.00 Liter (Reihen Vier-Zylinder ) Motor mit einer Leistung von 211 PS (155 kw) und einem maximalen Drehmoment von 350 Nm, welches 1200-4000/min Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Unser Testwagen verfügt über Allradantrieb, geschaltet wird mittels Doppelkupplung-Automatik-Getriebe (Automatikgetriebe 7G-DCT).

Wie fährt sich der Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake?

Unser Tacho-Video vom 2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition auf Youtube ansehen.

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der 2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition innerhalb 6.80 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 240 km/h erreicht.

Der Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake verfügt über einen Tankinhalt von 56 Litern. Bei einem NEFZ-Verbrauch laut Mercedes-Benz von 6.60 Litern Super auf 100 Kilometern könnte man theoretisch auf eine Reichweite von fast 840 Kilometern kommen. Der kombinierte CO2-Ausstoss liegt laut Mercedes-Benz bei 154 g/km.

Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake – Abmessungen und Kofferraum

Der Mercedes-Benz CLA 250 ist 4.63 m lang bei einem Radstand von 2.70 m. Er ist 1.44 m hoch und misst in der Breite 1.78 Meter. Von Außenspielgel zu Außenspiegel ist er 2.03 Meter breit. Der Wendekreis des Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake beträgt 11.00 m. Das Leergewicht ist mit 1.555 kg angegeben, das zulässige Gesamtgewicht mit 2.050 kg.

In den Kofferraum vom 2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition passen 495 Liter. Bei umgeklappter Rückbank sind es 1.354 Liter. Maximal zugeladen werden dürfen 495 kg – davon dürfen 100 kg auf das Dach geladen werden. Die maximale Anhängelast für gebremste Anhänger beträgt 1.5 Tonnen. Die maximale Anhängelast für ungebremste Anhänger beträgt 750 kg.

Der preiswerteste Mercedes-Benz CLA 250 ist für 29.810 Euro zu haben. Unser Testwagen hat einen Basispreis von 48.457 Euro, kostet aber so wie er hier steht 60.000 Euro. Die Versicherungsklassen Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko: 17 / 22 / 24

Den Tech-Check vom Infotainment-System im 2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition auf Youtube ansehen.

2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition – Technische Daten im Überblick

Testfahrzeug 2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition  
Hersteller Mercedes-Benz  
Bauform Kombi  
Motor und Getriebe Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake
 
Motor Reihen Vier-Zylinder  
Hubraum 2.00 Liter
 
Ps 211 PS
 
Kw 155 KW
 
Maximales Drehmoment 350 Nm
 
Antriebsart Allradantrieb  
Getriebeart Doppelkupplung-Automatik-Getriebe  
Getriebe Automatikgetriebe 7G-DCT  
Fahrleistungen Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake
 
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 6.80 Sekunden
 
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
 
Verbrauch und Emissionen Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake
 
Kombinierter NEFZ-Verbrauch laut Hersteller 6.60 l/100 km
 
Kombinierter CO2-Ausstoss laut Hersteller 154 g/km
 
Kraftstoffart Super  
Tankinhalt 56 Liter
 
Abmessungen Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake
 
Länge 4.63 Meter
 
Höhe 1.44 Meter
 
Breite 1.78 Meter
 
Breite mit Außenspiegel 2.03 Meter
 
Radstand 2.70 Meter
 
Wendekreis 11.00 Meter
 
Gewichte und Lasten Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake
 
Leergewicht 1.555 KG
 
Zulässiges Gesamtgewicht 2.050 kg
 
Maximale Zuladung 495 kg
 
Kofferraumvolumen 495 Liter
 
Kofferraumvolumen bei umgeklappter Rücksitzbank 1.354 Liter
 
Dachlast 100 kg
 
Maximale Anhängelast (Gebremster Anhänger) 1500 kg
 
Maximale Anhängelast (Ungebremster Anhänger) 750 kg
 
Einstiegspreis 29.810 Euro
 
Basispreis Testwagen 48.457 Euro
 
Listenpreis Testwagen ca. 60.000 Euro
 
Versicherungsklassen HP / VK / TK 17 / 22 / 24  

See our in-depth review of the 2015 Mercedes-Benz CLA 250 4MATIC Shooting Brake OrangeArt Edition on Youtube.

Original http://ausfahrt.tv/2015-mercedes-benz-cla-250-4matic-shooting-brake-orangeart-edition-video-und-fakten/

 
27 Aug 2015
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Hübsch gemacht?, Kia Sportage 2260

Kia Sportage

Kia hat den Sportage überarbeitet und zeigt das Resultat an der IAA in Frakfurt.

Natürlich findet man bei den Koreanern wieder salbungsvolle Worte, was das Design des neuen Sportage angeht. Von Kampfjet-Anleihen ist das die Rede. Oder: «Der rundum überarbeitete Kia Sportage beeindruckt in seiner nunmehr vierten Generation durch sein markantes, modernes Design, das aus jedem Betrachtungswinkel Kraft und Wendigkeit ausstrahlt.» Das neue Kleid des Kia ist übrigens aus einer Zusammenarbeit aller drei Kia-Designzentren entstanden. Was bedeutet, dass Korea, Deutschland und die USA am neuen SUV mitgearbeitet haben. Sei’s drum, das Auto sieht gut aus. Und das die Kia-Modelle auch über gute Antriebe verfügen, innen schön gemacht sind und über sehr gute Garantieleistungen verfügen, haben wir schon öfters geschrieben. Das wird auch beim «neuen» Sportage nicht anders sein. Wann er zu uns kommt und was er kosten wird ist indes noch unklar.
Mehr Kia gibts im Archiv.


Hübsch gemacht?, Kia Sportage 2260

Text: Cha, Fotos: Werk

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/kia-sportage-2260/seite_1-2

26 Aug 2015
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Unter Last, Renault Talisman Kombi 2259

Renault Talisman Grandtour

Renault bringt den Talisman als Kombi zur IAA. Schaut echt gut aus.

An den Namen haben wir uns nach wie vor nicht gewöhnt. Aber der Glücksbringer oder Beschützer als Kombi, den mögen wir auf den ersten Blick. Der wirkt richtig erwachsen. In der Schweiz heisst er natürlich Grandtour, wie alle Kombis bei den Franzosen. Und er soll ziemlich etwas zu bieten haben. Wichtig bei einem Kombi: der Laderaum. Da sollen zwischen 572 und 1700 Litern Platz. Das ist eine ziemlich Ansage, denn der Kombi ist «nur» 486 cm lang. Der packt also ganz schön was weg. Wir er innen aussieht, wollte uns Renault nicht verraten, aber wir gehen davon aus, dass er sich im Innenraum kaum von der Limousine unterscheiden wird. Wer also mag, kann sich die Interieur-Bilder hier anschauen.
Die Masse des Kombis entsprechen mit einer Breite von 187 cm und einer Höhe von 146 cm exakt jenen der Limousine. Natürlich verbaut Renault die neuste Motorentechnologie im Talisman. Niedrige Verbräuche werden nicht nur, aber vor allem, die Flottenbetreiber interessieren. Da macht Renault noch keine genauen Angaben. Aber der Basismotor mit 110-Diesel-PS und einem Hubraum von nur 1,5 Litern dürfte ziemlich sparsam sein. Die Leistungsspanne reicht vom kleinen Diesel bis zu 200 PS aus einem aufgeladenen Benziner. Die Massenmotor dürfte der grosse Diesel mit 160 PS sein, der uns schon beim Renault Espace erfreut hat.
Unter Last, Renault Talisman Kombi 2259
Heute muss ja jedes neue Modell Millionen von kleinen Helferlein haben. Das ist beim Talisman nicht anders. Für den Renault ist ein breites Spektrum an kamera-, radar- und ultraschallbasierten Fahrassistenzsystemen. Das ADAS-System (Advanced Driver Assistance System) des Renault Modells umfasst Sicherheitsabstand-Warner, Notbremsassistent und Toter-Winkel-Warner. Hinzu kommen Spurhalte-Warner, Verkehrszeichenerkennung mit Geschwindigkeitswarner und Fernlichtassistent. Als weiteres System ist der adaptive Tempopilot erhältlich. Ein fahrendes Mäusekino mehr also, aber eben - der Kunde will das so. Sagt man.
Natürlich hat der Talisman auch eine elektrisch betriebene Heckklappe sowie alle heute nötigen Schnittstellen fürs Smartphone. Und da das Renault-Multimediasystem bisher immer ganz ordentlich funktioniert hat gehen wir davon aus, dass es beim Talisman keinen Rückschritt gibt. Über Verbräuche und Preise schweigt man sich noch aus bei den Franzosen. Kein Wunder, auf dem Markt kommt der Kombi bei uns erst im ersten Semester 2016.
Mehr Renault gibts im Archiv.


Unter Last, Renault Talisman Kombi 2259

Test: cha, Fotos: Werk.

Unter Last, Renault Talisman Kombi 2259

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/renault-talisman-kombi-2259/seite_1-2

Mehr lesen von : Jens Tanz

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24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
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17 Aug 2015
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Dichtung und Wahrheit

Dichtung und Wahrheit

Immer wenn es regnet…

Immer wenn es regnet muss ich an dich denken
Oh nein. Nicht an A-N-N-A von hinten wie von vorn, die Max Herre einst besang. Sondern an die Rücklichter meines Audis. Das ist zugegeben weit entfernt von jeder Schlechtwetterromantik, aber wir sind hier ja nicht auf einer schwülstigen Datingseite :-) Glaube ich. Es regnet rein in den alten Dottore! Und zwar von hinten, nicht von vorn, und das nicht zu knapp. Sobald Petrus die Schleusen öffnet ergießt sich ein beachtliches Rinnsal irgendwie mindestens durch das rechte Rücklicht in den Kofferraum und macht aus der leeren Reserveradmulde ein Plantschbecken für mein Werkzeug. Oder noch Schlimmeres. Das muss aufhören.

Dichtung und Wahrheit

Ja doch, es ist echt ekelig

Eine Kleinigkeit, wie geschaffen für einen Samstag Vormittag, an dem es mal nicht regnet. Oder noch nicht, in diesem Sommer gibt es glaube ich keinen Tag, an dem es mal nicht geregnet hat.
Die Simplen Lampenträger in dem alten Audi 100 sind mit zwei Handgriffen aus den Rücklichtern rausgeklippst, die bunte Plastikverglasung selbst wird von sechs kleinen Muttern auf Unterlegscheiben an der Karosserie gehalten und mit einer Dichtwurst gegen das Metall abgedichtet. Soweit die Theorie. Links hatte ich irgendwann mal ein wenig frische Knetmasse nachgelegt, aber wenn ich schon mal dabei bin kann ich ja gleich beide Rückleuchten ausbauen und mal ordentlich sauber machen. Die geräumige Spüle in meiner Küche, ein bisschen heißes Wasser und ein guter Tropfen Palmolive (pflegt die Hände schon beim Spülen Dichtung und Wahrheit ) sind bereit, das ungewohnte Geschirr aufzunehmen.

blitze blank

blitze blank

Was für ein Modder! Das rechte Rücklicht wird nur noch fragmental von einer bröseligen Schaumstoffdichtung umrandet, wie man sie eigentlich zum Abdichten von Wärmetauschern oder Gebläsen benutzt. Huch? Im Laufe der Jahre war inzwischen so regelmäßig Wasser in das Rücklicht eingedrungen, dass sich im hellen Rückfahrscheinwerfer schon Algen gebildet hatten. Grüne, hartnäckige Algen. Während der Hella-Kunststoff heiß einweicht rücke ich mit dem rotierenden Dremel und ein paar Feinschleifern dem Lampenträger selbst auf die Pelle und fräse alle Kontakte zu den Glühlampen blank, säubere sie und sprühe sie mit schützendem Kontaktspray ein. Ein gutes Gefühl. Das sollte wieder für satten Gleichstrom in der signalgebenden Beleuchtung führen. Mit Hand- und Flaschenbürste schrubbe ich unter wilder Schaumbildung die Feuchtgewächse aus dem rot-orange-weißen Teil und befinde das Ergebnis als ansehnlich. Jetzt wieder frisch abdichten.

Dichtung und Wahrheit

der Dichter, der Dichter…

Karosseriedichtmasse gibt es heute nur noch in großen Kartuschen, da habe ich keinen Bock drauf. Ein bisschen kleiner (aber leider fast genau so teuer) war ein dauerelastisches Dichtband von Holts, anscheinend können die nicht nur Auspuffpaste sondern noch mehr :-) Das wickel ich ab und wurstel es sauber um das Rücklicht, einmal rum, zweimal rum, überall da wo es Kontakt mit dem Karosserieblech haben wird. Sowas geht super im Wohnzimmer, dazu ein Kaffee und ein bisschen Musik vom Plattenspieler. Als ich einigermaßen glücklich mit dem sauberen Ergebnis bin stapfe ich mit einem Liedchen auf den Lippen und einer Mineralwasserflasche runter zu meinem Auto, schraube die Leuchten schmatzend und fest wieder auf das gesäuberte Blech und teste das Ergebnis. Zunächst elektrisch. Der Gleichstrom verteilt sich urplötzlich so fröhlich ungehemmt ohne störende Ohm, dass nun vorn rechts aus dem Blinker ein siiiiiiii PAFF! ertönt. Die Lampe hat es zerlegt. Eigentlich glaube ich dank eines Staatsexamens in Physik nicht an einen Zusammenhang mit meiner Schleifaktion, aber diesem Auto traue ich alles zu. So. Jetzt zum Wasser. Beim Audi 100 C2 läuft das Regenwasser rund um die Kofferraumdichtung direkt auf den Rücklichtern ab, das simuliere ich jetzt mit einem leckeren Schluck Hella Medium :-)

Dichtung und Wahrheit

Wassereinbuch? Wenn ja, wo?

Zischschsch. Super. In den Kofferraum läuft jetzt noch mehr rein als vorher und frisst sich durch das in den 70ern nur unzureichend gegen Feuchtigkeit geschützte Metall! Wie viel Dichtmasse muss ein einzelner Mann den auf so ein einfaches Rücklicht stopfen, damit es nicht mehr reinregnet? Drei Kilo? Bizarr. Ich bau das Teil wieder aus, verstehe nun, warum man den Stoff nur och in Kartuschen bekommt  und wurste grummelnd noch eine weitere Lage Dichtband drüber. Ich motze und leide vor mich hin und drehe das Plastikgehäuse, nicht glauben könnend, dass durch die klebrige Dichtung so viel Wasser durchkommen kann! Dabei sehe ich, still und fast unbemerkt, den Riss oben im Plastik :roll: Ah. Es…. äh… es war gar nicht die Dichtung *flöt* Ich klebe ein bisschen Panzerband auf den Riss, baue das Rücklicht wieder ein, kippe erneut einen Schluck Hella drüber (natriumarm) und freue mich über Dichtigkeit. Na guck.

Dichtung und Wahrheit

das liebe gute Provisorium

Und die Moral von der Geschicht’?
Niemals (das geht an die Vorbesitzer) ein Kunststoffrücklicht mit den eingepressten Metallschrauben so fest anziehen, dass es bricht :-( Das reimt sich sogar. Denn ich will auch in Zukunft mit meinem viertelfinnischen Sandfräulein noch gemeinsam singen:
Es reeegnet es reeegnet die Eeeerde wird nass.
Wir sitzeeen im Auuuudi und weeeerden nicht naaass ♫
Und vielleicht beschlägt der Kahn dann auch nicht mehr so doll, ich wage gar nicht dran zu denken wo das Wasser überall reingesuppt ist. Über die Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, den Algen nach zu urteilen. Ich mach mich bei ebay mal auf die Suche nach Ersatz, oder ich verklebe das Plastik beizeiten mal anständig. So wie das momentan regnet habe ich da grad jetzt eben gerade keine Lust zu und bin ganz froh, dass erstmal nichts reinkleckert.

Auf viel Dichtes

Auf viel Dichtes

Heute parke ich trotzdem lieber unter der Brücke beim Verlag. Ich trau dem Frieden nicht, auch wenn man dem Gewebeband nachsagt, dass es sogar abgerissene Federbeine sicher wieder mit der Karosserie verbindet. Aber das ist eine andere Geschichte. Was vor dem baldigen Herbst dringend ebenfalls noch nötig ist: Die Rahmen der Frontscheibe und der Heckscheibe, die unter der Zierleiste ein wahres Biotop an Tannennadeln und Blättern beherbergen und rund um die Clips rosten wie ein Baumarkt-Schraubenschlüssel an der Nordsee (neue Clips sind schon bei Audi Tradition bestellt). Überhaupt, Zierleisten! Was sich da so unter denen entlang der Seitenscheiben tut würde jeden Moosforscher begeistern. Es wird nicht langweilig :-) Und fragen Sie mich nicht, warum an einem ordinären Montag Abend ein halbvolles Glas Weißwein unter dieser Brücke in Hamburg steht. Die Welt ist voller Absurditäten.

Sandmann

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Created Montag, 17. August 2015 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Audi 100 Typ 43 | C2 Rücklicht | Dichtung | undicht | Wassereinbruch Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
14 Aug 2015
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Als Kayleigh 30 wurde

Als Kayleigh 30 wurde

Großmutters fliegender Teppich

Dämmerig ist es. Und warm. Vor allem warm! Er ist bis hier hin einer der unspektakulärsten Montage meines Lebens gewesen, dieser Montag, aber er ist noch nicht ganz zu Ende. Hinter diesen Türen da sei eine Bühne, erzählen sie sich. Da stünden ein paar Stromgitarren und Trommeln, und so gegen acht singe dann auch jemand. Behaupten sie. Jetzt ist es kurz vor sieben, ich wollte vorher unbedingt noch einen ungesunden Burger auf der Reeperbahn futtern. Ich treff mich gleich mit Kayleigh zu ihrem 30. Geburtstag, nix Großes, nicht viele Gäste. Ein bisschen über damals quatschen, 1985, als die Welt noch übersichtlicher war. Damals, in Berlin. Der Gastgeber hat angedeutet, dass wir uns danach nie wieder sehen werden, Kayleigh und ich.
Dies ist eine Geschichte von singenden und weinenden Menschen in einem kleinen, warmen Raum. Und Tara.

Endlich mal hier.

Endlich mal hier.

Rock Café St Pauli. Nein, nicht HARDrock Café, einfach nur Rock Café. Wenn Sie auf den ersten Metern der Reeperbahn nicht direkt von ein paar nicht Magdalene heißenden Mädchen in deren kostenpflichtiges Appartement mitgeschnackt werden kommt gleich rechts eine kleine Straße, und da ist dieser Laden. Man erzählt sich, dass hier gute handgemachte Musik um die Ohren geblasen werde. Man erzählt sich sowieso so einiges, und als ich drin bin hole ich mir an der Bar erstmal ein großes Bier und suche den Ausgang des kleinen Raumes, um zur Halle und zur Bühne zu gelangen. Der Raum hat allerdings keinen Ausgang zur Halle. Der Raum ist die Halle. Neben mir liegt eine winzige, mit bunten Teppichen ausgelegte Bühne auf dem Boden. Gitarren, Bässe, Synthesizer und ein Schlagzeug stehen da drauf und sehen so aus, als ob gleich jemand darauf spielen will. Ach. Okay. Und während ich hier vor diesem Bühnchen noch so nachdenke, was ich eigentlich im Jahr 1985 gemacht habe ist der kleine Raum plötzlich randvoll mit Menschen, fast so wie damals auf der Loreley, es wird dunkel und ein Mann kommt auf die Bühne. Ein Schotte. Dann kann Kayleigh, mein Date, auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Als Kayleigh 30 wurde

It’s fucking hot in here

Der Schotte muss dem Wirt hier irgend einen Gefallen aus grauer Vorzeit schulden, vielleicht hat er hier damals bei einer dieser Stadiontouren mal gepennt? Er entschuldigt sich für seine unsexy kurzen Hosen, aber es sei einfach zu warm in diesem Raum. Er versucht es auf Deutsch, die Mutter seiner bezaubernden Tochter ist eine Deutsche. Die Leute in dem kleinen Raum hören ihm zu, sie lachen über seinen trockenen Wortwitz, sie schwitzen und sie holen sich kein Bier mehr, weil sie Angst haben, den Ausgangspunkt nie wieder zu erreichen. Der Schotte fragt uns deshalb, ob wir Wasser haben wollen. Ja, wollen wir. Er sucht alle kleinen Plastikflaschen auf der winzigen Bühne zusammen, nimmt sie von Verstärkern und Keyboards und reicht sie uns in die… nein, nicht in die Menge, sagen wir mal in den Raum :-) Ein ziemlich großer Kerl, wenn er so vor mir steht und Mineralwasser verteilt. Niemand grapscht nach ihm, niemand hält Schilder hoch, auf denen steht, dass man ein Kind von ihm möchte. Er hat ja auch schon eins. Als alle ihr Wasser haben plätten die Synthesizer einen weiteren Teppich in den Raum, einen aus Noten, aus Emotionen und aus Erinnerungen. Der Schotte beginnt zu singen und hüllt sich in einen Pseudo Silk Kimono aus Erinnerungen, die Jungs passen dabei auf, dass sie nicht über die Mikrofonständer oder ihre eigenen Füße stolpern. Safe…. in the sunshine. Safe….

Als Kayleigh 30 wurde

Ja, sie spielen es wirklich

Meine Dame betritt den Raum. Der Schotte hat mal gesagt, dass er sich heute gar nicht mehr so richtig erinnern kann, für wen er das Lied eigentlich mal geschrieben hatte, es sei nur eine Sammlung von Gefühlen über eine verlorene Liebe. Das betraf damals mehrere Frauen. Aber er ist ja auch schon Ende 50, ich bin noch ein paar Jahre jünger und kann mich ziemlich gut daran erinnern (… do you remember?), in wen ich beim ersten Hören dieser von Steve Rothery auf einer Fender Stratocaster gespielten Akkorde verliebt war. Wer mir das Herz brach, und wem ich es später selbst gebrochen habe. SO etwas vergisst man nie. Ist es zu spät, um jemanden um Vergebung zu bitten? Mein Date ist tatsächlich älter geworden, geboren in der kreativen Hochzeit des Progressive Rock guckt Kayleigh mich zwischen Radio-Remixes und heavy rotating Dance-Banalitäten im täglichen Radioprogramm ein bisschen verzweifelt an und hält mir einen brutalen Spiegel vor die Nase. I never meant to break your heart. But you broke mine.Verdammt, ich bin echt älter geworden. Warum hat mich nie jemand gewarnt?

Als Kayleigh 30 wurde

Menschen, denen warm ist.

Das gesamte spendierte Mineralwasser ist längst verdampft. Ich bin klitschnass. Neben mir stehen zwei Ladies, die sich an einen pyramidenähnlichen Mann mit kariertem Hemd und Oberlippenbart ranwanzen, der ihnen erzählt, dass er mit dem singenden Schotten da auf der Bühne privat gut befreundet sei. Er lebe in der Nähe von Durlach, und immer wenn der keinen Bock auf den Tourbus habe würde er mit ihm im Auto fahren. Ah. Die Ladies machen begeistert Selfies von sich und der schwitzenden Pyramide, die die komplette Setlist des Abends auswendig kennt. Ich kenne die auch, die liegt ja vor jedem der Musiker auf dem Boden rum, aber ich erzähle das niemandem, weil ich lieber zuhören möchte. Und ich läster mal nicht zu laut, der Typ hat irgend einen Pass um den Hals und sagt vermutlich sogar die Wahrheit Als Kayleigh 30 wurde Auf dem kleinen, mit Instrumenten vollgestellten Karree gibt derweil die Musikkapelle alles. Trommeln, Synthesizer, Gitarre, Bass und Gesang. Ich bin erstaunt, wie fett das klingen kann in einem Raum, der nicht größer als ein durchschnittlicher McDonald’s ist. Gedanklich zurück auf die Reeperbahn.
The sky was Bible black in Lyon, when I met the Magdalene.
She was paralyzed in a streetlight. She refused to give her name.
And a ring of violet bruises, they were pinned upon her arm.
Two hundred francs for sanctuary and she led me by the hand to a room of dancing shadows
where all the heartache disappears.
And from glowing tongues of candles I heard her whisper in my ear: ‚J’entend ton coeur‘

Als Kayleigh 30 wurde

I can hear your heart

Der Schotte singt, als wäre er komplett von den Worten übermannt. Ich bin es ebenfalls, 30 Jahre nach dem ersten Date mit der Geschichte rund um eine verkackte Kindheit, unglückliche Liebe und Verlassenwerden verstehe ich erstmals einzelne Textpassagen. Vielleicht war ich damals für diese Themen einfach noch zu jung. Ich kann sein Herz hören. Er erzählt uns, die wir kein Wasser mehr haben, dass wir jetzt in den nächsten 50 Minuten alle wieder mehr Haare hätten, ein bisschen wachsen würden und ein bisschen besser aussähen :-) Hihi. Dass wir alle JÜNGER würden. Ja verdammt, hier bin ich alter Retro-Sack genau richtig. Die anderen gefühlt nicht mehr als 150 Leute um mich herum sehen das genau so, und inzwischen werden Sehnsuchtspunkte für die vergeben, die damals die gleichen Lieder auf dem Loreley Konzert hörten. Der fröhliche Mann mit dem grauen Bart schräg vor mir nicht, seine Frau auch nicht, das Mädel neben mir dürfte definitiv zu jung dafür sein (und war auch nicht da), aber sie sagt mir dass die Pyramide damals auf der Loreley war. Klar. Das stand bei Mr.-ich-kenne-sie-alle quasi auf dem Hemd geschrieben, es beeindruckt mich jetzt allerdings nicht, der schwitzt zu doll. Was sich allerdings aus Effektgeräten und einer Stratocaster rausholen lässt demonstriert der Gitarrist in einem zweistimmigen Solo, während ich erneut über die Bedeutung einiger Textzeilen in Heart of Lothian nachdenke und erneut erstmals eine Ahnung bekomme, was er meint.

Als Kayleigh 30 wurde

Ich muss noch viel lernen

Kayleigh ist wieder nach Hause gegangen und hat anderen Gedanken Platz gemacht, ich bleibe noch. Mein Bier ist längst alle, aber auch ich habe wie alle anderen Angst, hier wieder wegzugehen und mir ein neues zu holen. Das ist eigentlich ganz okay hier direkt vor dem Schotten, der Sound ist gut, es fliegt nur relativ wenig Fremdschweiß in meine Richtung und vielleicht lerne ich noch ein paar Akkorde von Robin, der seine Finger direkt vor mir und neben mir episch über das Griffbrett fliegen lässt. Ich bleib mal. Der Trommler Gavin hat gerade seinen großen Moment bei Waterhole (Expresso Bongo), die Jungs shuffeln über die Bühne und eine Frau mit neubaugebietskompatibler Kurzhaarfrisur rechts vor mir blättert hektisch in den umständlich vom Plattencover abfotografierten Texten auf ihrem Smartphone, vermutlich um mitzusingen. Sie guckt die ganze Zeit mitwippend auf ihr Display, statt sich der Musik hinzugeben und dem Schotten zuzuhören.
A lifestyle with no simplicities
But I’m not asking for your sympathy
Talk, we never could talk, distanced by all that was between us
A lord of the backstage, a creature of language
I’m so far out and I’m too far in
I just wanted you to be the first one
I just wanted you to be the first one

Als Kayleigh 30 wurde

Ja, wir hören dem Mann zu

Ich stehe diesen fünf musizierenden Männern direkt gegenüber, bekomme fast die eine oder andere artikulierende Hand ins Gesicht geflatscht und erinnere mich, wie unmöglich es vor 30 Jahren gewesen wäre, ein Konzertticket mit dem Namen dieses Mannes drauf zu bezahlen oder auch nur eines zu bekommen. Der Schotte erzählt die gleiche Geschichte aus dem Blickwinkel der anderen Seite. Wie krass es ihm heute vorkommt, damals von der Bühne runter mit dem Finger nur auf ein paar Frauen zu zeigen und die dann einfach so mit hinter die Bühne zu nehmen. Lords of the Backstage. Das sei heute alles ein wenig reifer, entspannter. Stimmt. Er singt in einem Raum, der mit einer Handvoll Menschen gefüllt ist und in dem die Luft steht. Nicht, weil er muss. Die Loreley füllt er noch immer. Er macht das, weil er älter wird und den Trubel nicht mehr braucht. Da draußen verkaufe seine Tochter außerdem coole T-Shirts. AAAAAAAAAHHHH:roll: Was?? Tara ist da draußen und vertickt Shirts? Geil. Nach einem Date mit Kayleigh plane ich ein Date mit Tara. Und sei es nur, um ihr ein Kleidungsstück abzukaufen.
Ihr Vater driftet derweil oktavgewaltig in die Blind Curve, und wie immer, WARUM auch immer, kommen mir eine Menge Tränen. Das ist dann wohl so. Vielleicht komme ich eines Tages mal dahinter.

Blind Curve

Blind Curve

Progressive Rock und Konzeptalben. Dinosaurier in einer Zeit, in der Musik kurzlebig und omnipräsent geworden ist. Ein ganzes Album, was man aufklappen kann und wo die epischen Texte nachzulesen sind. Umso erstaunlicher, dass mir einige Passagen vorkommen, als würde ich sie zum ersten mal hören. Keine Pause zwischen den Liedern, sie erzählen eine zusammenhängende Geschichte und nehmen die Melodien immer wieder auf. Kayleigh, mein 30 Jahre alt gewordenes Date, kennen sie alle. Aber da ist noch mehr. Stressige 5/4 Rhythmen werden durch zweistimmige, bittersüß weinende Gitarrensoli aufgelöst. Musik hören, so wie ein Buch lesen. Nur zum Platte umdrehen musste eine Pause eingelegt werden :-) Der Schotte breitet seine Arme aus, während mir noch immer die Tränen herunterlaufen, aber in diesem humiden Menschendschungel fällt das niemandem auf, nass sind wir sowieso alle. Die Leute sind alle total durch, aber sie sehen glücklich aus. Ich weiß nicht, ob das an alten Erinnerungen liegt, an der guten Performance in diesem kleinen Lokal oder daran, dass sie alle tatsächlich ein bisschen jünger geworden sind, wie der Schotte auf der Bühne behauptet hat?

Als Kayleigh 30 wurde

Peter Gabriel bewegt sich wie Dave Gahan

Als die Frage nach Childhood’s End gestellt ist und die White Feather, ein wenig Optimismus verbreitend, durch den dampfenden Raum gleitet klatschen die Leute noch frenetisch, aber mehr als eine Zugabe bekommen sie nicht. Das hat die Pyramide natürlich auch schon gewusst, und begeistert machen noch ein paar weibliche Mitläufer Bilder von ihm. Der Raum leert sich. Ich stehe wieder fast allein vor der kleinen Bühne und muss ein bisschen sacken lassen, was ich gerade erlebt habe. Ich lasse die Augen wandern. Ich atme die verschwitzte Luft ein. Hören kann ich sowieso die nächsten zwei Tage nichts mehr.

Der Schotte auf der kleinen Bühne war Derek Dick, der Fish genannt wird, weil er in seiner ersten WG immer viel zu lange die gemeinsame Badewanne belegt hatte. Vor 30 Jahren war er der Frontmann von Marillion, die 1985 mit dem Konzeptalbum Misplaced Childhood einen Meilenstein der Musikgeschichte hingelegt hatten. Die Platte war der Soundtrack meiner Teenagerzeit, meiner ersten Liebe und meines ersten Kummers. Ich konnte die Platte gar nicht laut genug hören. Und heute habe ich sie zum zweiten, aber zum allerletzten Mal komplett live gehört. Fish verlässt die Bühne. Er möchte nach Deutschland kommen und Bücher schreiben. Der Schotte spielt diese letzte Misplaced Childhood Tour komplett vor ausverkauften Hallen, Säälen, Open Airs und eben auch in solchen kleinen Läden wie dem Rock Café auf Sankt Pauli. Er ist beiweitem kein gealterter One-Hit-Wonder Star, der heute auf Kinderfesten oder Baumarkteröffnungen spielt. Er ist ein älter gewordener Musiker, der das macht, was er am besten kann. Texten und singen. Mir kullern noch immer Tränen über die Wangen, ich weiß nicht was das eben mit mir gemacht hat, meinem Poeten der 80er in diesem winzigen Raum gegenüber zu stehen und ihm zuzuhören.

Als Kayleigh 30 wurde

Misplaced Childhood. Nur eine Zeile.

Draußen steht Tara und hat hinter sich ein paar Shirts hängen, auf denen ihr Papa oder das Motiv seiner aktuellen Solo CD zu sehen ist. Die „Farewell to Childhood“ Shirts gibt es online. Mit dröhnenden Ohren strahle ich das schöne junge Model ein bisschen albern an, freue mich irgendwie, sie mal live zu sehen und möchte glaube ich das olive Shirt mit Konterfei ihres Papas drauf haben. „Das gibt es leider nur noch in S und in XL, die fallen aber groß aus…“ sagt sie. „Ich nehm dann eins in L“ antworte ich und versuche, zu rekonstruieren, was sie gerade in meine dröhnenden Ohren gesagt hat. Sie lacht und erklärt es mir nochmal. Ah. Sorry, der Mann da drin hat eine Menge Krach gemacht. Also XL. Und als sie es hochhält freue ich mich, ein neues Viermann-Zeit zu besitzen. Tara. Eine wahrhaft kreative Frau, ein wirklich textgewaltiger Vater. Family Business. Auf ihre Frage, ob ich eine Tüte will antworte ich bejahend und lasse sie dann mit den anderen um sie rum und den vorhersehbaren Kalauern alleine.

Als Kayleigh 30 wurde

Tara und mein viel zu großes T-Shirt

Dunkel ist es. Und warm. Vor allem warm! Ich rauche ja eigentlich nicht, aber nach so einem Abend stecke ich mir doch mal einen Zigarillo an, setze mich auf den Kantstein vor den Club und bin ziemlich vielen Autos auf der Kopfsteinpflasterstraße im Weg. Hinter mir steht die Pyramide, umringt und laut gefeiert von diversen Damen. Wie kann man nur jemanden so abfeiern, nur weil der wiederum jemanden zu kennen scheint? Na ja, jeder wie er mag. Ich habe Melodien im Kopf, Textzeilen, Drumpassagen. Ich werde die noch tagelang mit mir herumtragen. Fish hat etwas in mir aufgebrochen und gleichzeitig in mir begraben. Beides war gut. Mit dem Wissen um alles, was ich in den letzten 30 Jahren erlebt habe hätte mich das Album 1985 vermutlich um den Verstand gebracht. Während dieses intimen Konzertes voller Gegensätze aus ikonischer Vergangenheit und einer Band mitten zwischen den tanzenden Leuten habe ich Frieden mit den Themen geschlossen. Verstehen Sie, was ich meine? Und jetzt geht es weiter in die Zukunft, denn da kommt bestimmt noch ne Menge.

Sandmann

 

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Created Freitag, 14. August 2015 Tags Absurdistan | Farewell to Childhood | Fish | hamburg | Misplaced Childhood | Rock Café | Sankt Pauli | Tara Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
03 Aug 2015
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Rock’n Roll Detective

Rock’n Roll Detective

Ja, es ist warm draußen

Man nennt mich Ford Fairlane, der Rock ‚n‘ Roll Detective. Ich komme in die schärfsten Clubs, in die schärfsten Garderoben und in die schärfsten Mädchen.
Schlimme 90er. Aber dazu später.
Die Sonne scheint unerträglich heiß auf die grauen Pisten des Rollfeldes, heiß auf meinen Kopf und heiß auf meine Kamera. Sie brennt außerdem auf einen Hangar, ein paar Flieger und erst recht auf zwei Autos, die sich hierher verirrt haben – wahrscheinlich wegen ihrer Heckflossen. Die Luft wabert träge, die Szene könnte auch in einem Roadmovie in Nordamerika spielen. Einem, den ich in den 90ern gesehen und damals ziemlich lustig gefunden habe. Aber wir sind in Deutschland, auf dem kleinen Flugplatz Höxter-Holzminden zwischen Hannover und Kassel, nicht weit von der A7. Ich treff‘ mich hier mit zwei Jungs, die jeder einen extrem coolen und superseltenen Männertraum fahren. Ja, einen feuchten. Ford Fairlane. So hieß dieser Film in den 90ern, und so nennt man diese pastosen Trutzburgen aus dem Paläozoikum der Automobilgeschichte.

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Fast gleiche Brüder

Björn Dahlheimer und Ronny Kroeger steigen fast synchron aus ihren Autos aus und wirken ziemlich klein. Das liegt vor allem daran, dass die bunten, Chrom glänzenden Fahrzeuge neben den beiden Jungs sehr groß sind. Also, groß, im Sinne von wirklich groß. Der zitierte Rock’n Roll Detective fuhr sowas in wesentlich roter. Der Grüne mit Dach hier guckt patzig aus seinen irgendwie verspiegelten Doppelscheinwerfern und scheint sein blaues Pendant ohne Dach zu mustern – und andersherum. Freunde? Zumindest die beiden Fahrer sind es. Die Autos sind dagegen Brüder aus derselben Familie – da fetzt es schon mal. Ich blicke mal kurt zurück.

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Spiegelbrillen sind heute out.

Die Ford Motor Company nannte in den automobilen Goldgräberzeiten zwischen 1954 und 1961 ihre top ausgestatteten Full-Size-Limousinen Fairlane und lösten damit die „Crestline“ ab. Falls Sie das mal bei Günther Jauch gefragt werden: Der Name war eine Anspielung auf Henry Fords Anwesen Fair Lane in Michigan. Der Hauptkonkurrent zum sehr erfolgreichen Chevrolet Bel Air (das ist dieser chromschwangere, heute unbezahlbare und ebenso feuchte Traum eines jeden Surfers zwischen San Francisco und San Diego) brachte eine Menge erschwinglichen Zeitgeist wie eine Panoramascheibe, Heckflossen und Zweifarbenlackierung auf die Straße. Besonders markantes Markenzeichen war der geschwungene „Fairlane-Streifen“ an den Seiten entlang der Gürtellinie, der wie diverse andere Details unüblicherweise komplett aus rostfreiem Edelstahl gefertigt war. Nix Chrom.

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Nippes, der heute wunderschön aussieht

Der Fairlane wurde von Anfang an mit Reihensechsern sowie V8-Motoren angeboten, Hubraum zwischen 3,7 und 5,8 Litern. Damit bediente Ford so ziemlich jeden Kunden, und hatte er auch noch so merkwürdige Wünsche. Der ständige, fast jährliche Wechsel von Namen und Modellbezeichnungen war allerdings wie so oft jenseits des großen Teiches hirnverbiegend. Für die Geschichtsbücher: Ab 1957 wurde das eigentliche Spitzenmodell Fairlane deklassiert, die Top-Ausstattung hieß von nun an Fairlane 500. Das ging so bis 1959, dann wurde das bestausgestattete Fairlane-Modell zum Galaxie. Ab 1961 hießen dann auch die mittleren Ausstattungslinien Galaxie, und der Name Fairlane fand eine neue Verwendung in Fords Mittelklasse. Alles mitgeschrieben?

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Er fletscht die Zähne

Wie auch immer das mit den Namensgebungen weiterging, wir wissen nicht, ob unsere beiden Protagonisten den Film mit dem coolen Detective gesehen haben auch nicht. Aber das ist auch egal. Björn Dahlheimer will genau dieses Modell von 1959 haben und kauft es 2012 nach kurzer Begutachtung bei einem Händler. Die 300 Kilometer bis nach Hause legen die beiden ohne Probleme auf eigener Achse zurück. Ein guter Start in eine aufregende Mensch-Maschine-Liebesbeziehung, möchte man meinen – wenn da nicht diese generelle Eifersucht alter Autos dem weiblichen Geschlecht gegenüber wäre. Man kennt das ja noch aus Stephen King‘s „Christine“… das war allerdings ein Plymouth Fury.

Rock’n Roll Detective

Björn rockt. Und sein Auto auch.

Denn während der allerersten Ausfahrt gemeinsam mit Björns Frau schien der Fairlane um Aufmerksamkeit zu buhlen und entfachte mit einem spektakulären Kabelbrand ein stattliches Feuer im Motorraum. Als wenn die Kiste nicht auch ohne Flammen schon genug Aufmerksamkeit erlangte. Drei komplette Löschzüge rückten mit LALÜÜÜ LALAAAAA an! Und auch gleich enttäuscht wieder ab, weil Björn den Brand inzwischen selbst unter Kontrolle gebracht hatte. Noch leicht benebelt fragte er sich ein paar Minuten später allerdings, welche Drogen die Amis wohl in die nun geschmolzene Ummantelung ihrer Kabel vergossen haben mögen – sah er doch einen weiteren, nicht qualmenden Fairlane. Noch seltener als sein eigener und mit sommerlich komplett versenktem Stahldach. Der Fahrer hielt an, stieg aus und fragte, ob er helfen könne…

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Die Wanne ohne Dach

So lernen sich Ronny und Björn kennen. Ronny hat seinen Skyliner – hurra, endlich wieder ein anderer Name für eine andere Rock’n Roll Detective Karosserieform – schon 2010 bei einem Händler in Süddeutschland entdeckt. Eine junge Frau hatte das Heck des Vollcabrios mit ihrem Golf leicht deformiert, was zwar den Preis attraktiv machte, aber ein halbes Jahr Blecharbeiten nach sich zog. Bis hin zu den originalen, werksseitig montierten Plastikschonbezügen ist der Wagen unverbastelt und funktionstüchtig. 1957 kam diese Version als Schwestermodell des Stoffdach-Cabrios „Sunliner“ auf den Markt und bot nach dem Peugeot 402 Eclipse von 1937 als zweites Fahrzeug weltweit ein komplett elektrisch versenkbares Hardtop aus Stahl, geführt über ein Gestänge mit insgesamt zehn Relais, sieben Elektromotoren und elf Lagesensoren.

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Wehe, wenn nicht alle Sensoren melden…

Was einem heute ständig in Kleinwagenform auf der Straße entgegenkommt und jedesmal aussieht wie ein Designtotalschaden war 1959 eine Revolution. Bei geschlossenem Verdeck kann im Kofferraum des Skyliner eine vierköpfige Familie mit Einbauküche und Badezimmer einziehen – ist das Hardtop versenkt, passen unter den riesigen Deckel gerade mal drei kleine Taschen, an die man aber dann nicht rankommt. Wer schön sein will, muss eben Opfer bringen. Nicht ohne Selbstironie erzählt Ronny kleine Anekdoten von der technischen Anfälligkeit der elektro-mechanischen Klappkonstruktion. Wenn nur ein Sensor ausfällt oder falsch meldet, bleibt das Dach aus Sicherheitsgründen in der momentanen Position stehen. Und wehe, wenn dann der Regen kommt.

Rock’n Roll Detective

die beiden machen sich breit.

An Regen ist hier und heute auf dem mitteldeutschen Hochplateau nicht zu denken. An Feuer zum Glück auch nicht mehr, Björn hat nach dem unschönen Erlebnis akribisch und zeitaufwändig den gesamten Kabelbaum seines Fairlane erneuert und Unmengen von Pfusch in der Elektrik beseitigt. Alle zusätzlich und nachlässig eingebauten Instrumente flogen raus, der Ford erhielt nach und nach seinen Originalzustand wieder. Offtopic. Lasst uns einen kurzen Ausflug zu dem Film machen, der geht mir jetzt echt nicht mehr aus dem Kopf! Da sitzt nämlich noch so ein cooler Typ am Steuer eines Fairlane:

Das ist Ford.

Das ist Ford.

Den Kultfilm Ford Fairlane Rock ‘n´ Roll Detective von 1990 sollte man – vielleicht mit ein wenig Alkohol – gesehen haben.

Rock’n Roll Detective

Kann man mögen – muss man aber nicht

Ist die blöd, Ford? – Ja. Hätten Sie Verwendung?
Der Protagonist hier am Steuer heißt eigentlich Andrew Dice Clay, im Film nennt man ihn aus welchem Grund auch immer Ford Fairlane. Er ist Privatdetektiv und soll ein strunzdämliches Groupie namens Zuzu Petals finden, um den Tod eines Rockstars aufzuklären. Sein Dienstwagen ist ein wunderschöner Fairlane der ersten Serie, der leider im Laufe des Films den Explosionstod stirbt. Überhaupt kommen so einige Menschen und Dinge in diesem Streifen ins Jenseits… Schauspieler wie Priscilla Presley, Wayne Newton oder Ed O‘Neill (das ist Al Bundy :-) ) konnten nicht verhindern, dass der Film 1991 fünf Goldene Himbeeren (das ist sozusagen der Anti-Oscar für schlimme Leistungen) verliehen bekam. Schlechtester Film, schlechtester Hauptdarsteller, schlechtestes Drehbuch, schlechtester Regisseur und schlechtester Nebendarsteller. Beeindruckend, oder? Aber es gab Menschen, die ihn damals liebten, ich gehörte dazu. Ich hab mir mit meinem Kumpel Wacki vor dem VHS Recorder fast die Milz rausgelacht. Er ist Kult – und für alle, die sich mal drauf einlassen wollen in der Reihe „Action Cult Uncut“ auf DVD erhältlich. So. Jetzt ist es raus :-) Und wenn ich ehrlich bin… ein bisschen Alkohol reicht heute nicht aus, um noch so wie damals lacken zu können.

Rock’n Roll Detective

Über den Wolken. Welche?

Zurück aufs Flugfeld. Die Freunde mit den 5-Meter und 5-Liter Schiffen fahren regelmäßig im Doppelpack zu Treffen, zur Eisdiele, auf ein Bier und einen Burger ins Diner oder einfach mal für ein paar Meilen über Land – und heute zu diesem Flugplatz. Dort lernen wir Marcus Laabs kennen, der selbst auch Oldtimerliebhaber ist und uns den Zugang zur Start- und Landebahn und den Hangars ermöglicht. Wir lernen außerdem Klaus Kiwitt kennen, der wiederum einer von denen aus der Luft ist und seine Piper Cup vor dem Flugplatzgebäude geparkt hat. Parken wir die Fairlanes doch daneben: Skyliner zusammen mit Sky-Climber, doppelter Saurier-Appeal neben schlankem Hochdecker mit der Lizenz zum tatsächlichen Fliegen.

Rock’n Roll Detective

Ein Vogel? Ein Flugzeug? Nein…

Die beiden Achtzylinder murmeln ihren treibenden Rock’n Roll über die immer heißer werdende Asphaltpiste und wirken besonders in der Heckansicht wie Düsenjäger mit gewaltigen Turbinenauslässen. Dabei sind das nur die großen runden Rücklichter…. Unzählige liebevolle Details erzählen von der Hingabe der damaligen Designer, sich von den anderen abzusetzen und trotzdem den Zeitgeist zu treffen. In die unverschämt fetten Bumper eingelassene Scheinwerfer, verkleidete Hinterräder und eher in die Breite denn in die Höhe ragende Heckflossen – diese Wagen sind ein bisschen anders als ihre Zeitgenossen.

Rock’n Roll Detective

Der Himmel ist die Grenze

Überhaupt sind diese Zwei-Tonnen-Stahlklötze aus einer Zeit, als Benzinverbrauch und Endgeschwindigkeit keine Bedeutung hatten, für den normalen deutschen Kleinwagenfahrer eigentlich nicht zu fassen. Der Wahlhebel für die Automatik am Lenkstock hat die Dimensionen eines Baseballschlägers, jeder einzelne Knopf am metallenen Dashboard wiegt mehr als eine volle Coladose und alles ist in Wagenfarbe getüncht, egal ob es die Armaturen, die Türverkleidungen, das riesenradgroße Lenkrad oder die Sitze sind. Vielleicht dezent abgehoben mit ein wenig Elfenbein oder Chrom. Selbst unter der Haube geht das Kunstwerk weiter, die Elektromechanik der Achtzylinder mit jeweils mehr als 5 Litern Hubraum ist einfach, überdimensioniert und irgendwie schön.

Rock’n Roll Detective

Da wird Benzin verbrannt

Im Hintergrund heben kleine Sportflugzeuge ab oder landen elegant und leichtfüßig. Die beiden Full-Size-Amis, die inzwischen ein wenig selbstironisch neben der Treibstoffpumpe für Flugzeuge vor sich hin brabbeln, mögen träge wirken – sie sind es aber nicht. Wenn der Fuß beherzt das Pedal drückt, marschiert das Metall so unbarmherzig voran wie ein wilder Stier in Richtung des roten Tuches. Geil. Wenn auch die Parkplatzsuche in der City nicht wirklich entspannt gestaltet werden kann, hier in den Ausläufern des Harzes ist noch eine Menge Platz zwischen den Häusern. Fast wie in Amerika.

Rock’n Roll Detective

Kombi? Braucht man nicht.

Björns Familie hat sich inzwischen mit dem Fairlane angefreundet – und der Fairlane auch mit ihr. Keine Eifersucht mehr. Solange keine Kabel brennen ist alles okay. Und Platz ist in dem Schiff ja reichlich. Ronny lässt sein Dach surrend zuklappen, keine Sensoren streiken, alles wird gut. Schwere Türen fallen in die Schlösser. Dann verschwinden die Jungs mit ihren Kisten soundgewaltig hinterm Horizont. Es klingt fast so, als würden sie Über den Wolken von Reinhard Mey auf eine irgendwie Rock’n Rollige Art intonieren…

Sandmann

Ford Fairlane 500 Ford Fairlane 500 Skyliner
Baujahr: 1959 1959
Motor: V8 V8
Hubraum: 5.800 ccm 5.400 ccm
Leistung: 221 kW (300 PS) bei 4.600/min 166 kW (225 PS) bei 4.400/min
Max. Drehmoment: 520 Nm bei 4.600/min 440 Nm bei 4.400/min
Getriebe: Dreigang-Automatik Dreigang-Automatik
Antrieb: Hinterräder Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5.290/1.950/1.420 mm 5.290/1.950/1.420 mm
Leergewicht: 2.090 kg 1.850 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 11,9 Sek 12.8 Sek
Top-Speed: 170 km/h 150 km/h
Neupreis 1959: 3.370,- US Dollar 3.346,- US Dollar

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Created Montag, 03. August 2015 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
28 Jul 2015
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Das Schweigen der Zikaden

Das Schweigen der Zikaden

Der Tod und die Umleitung

Zuende ist zuende. Und warm ist warm ist warm. Wie halten Autos eigentlich Temperaturen über 40 Grad und direkte Sonneneinstrahlung aus? Auf Dauer vermutlich gar nicht. Bei normal sterblichen Menschen ist das so ähnlich, und die südfranzösische Hitze dürrt einem echt die Birne aus. Bevor wir zurück in den norddeutschen Juliherbst fliegen machen wir noch Abstecher nach Saint Tropez und Fréjus. Es sind Tage der Erkenntnis, Tage des Nachdenkens und Tage der Einsicht. Es sind Tage des Parkens. Wenn Sie mir noch folgen können ist das fein, wenn nicht gießen Sie sich ein Glas Wein ein und versuchen Sie es mit dem nächsten Absatz :-)

Also, mit warm meine ich echt WARM.

Das Schweigen der Zikaden

Das ist wirklich, wirklich warm

Der kleine beglasdachte Miet-Franzose müht sich redlich und pumpt Unmengen von R1234yF (oder was kippen die da jetzt rein?) durch den Kondensator, damit es im Innenraum zumindest einigermaßen erträglich ist. Das viertelfinnische Sandfräulein ist schon perfekt traumatisiert und bittet vor jeder noch so kurzen Autofahrt darum, Papa möge erst den Motor und die Kühlung anmachen, dann würde sie einsteigen :-) Papa kalt machen. Sterben davon die Bäume? Schmelzen die Polkappen ab? Egal – wenn ich eines Tages mit ihr eine Papa-Tochter-Tour im Granada unternehmen sollte muss ich ihr vorher ein wenig Verzicht beibringen.
Zwischen eiskalter Cola und lauwarmen Paninis kommen sie hier unten immer wieder, diese wundervollen französischen Momente. Hier stehen derbe verbeulte Autos, die in Deutschland seit Ewigkeiten nicht mehr im Straßenbild zu finden sind in engen Gassen vor schönen alten Türen in verrottetem Mauerwerk, hinter denen tatsächlich Menschen leben. Niemand ist draußen, nur wir, und die eine oder andere überstandene Kreislaufkapriole verdeutlicht auch, warum niemand draußen ist. Einsicht. Raus aus der Sonne, rein ins Auto.

einparkverbeulte Kunst

einparkverbeulte Kunst

Ein mal Saint Tropez MUSS einfach sein -> wenn ich am Mittelmeer bin. Sollten Sie jemals mit ein bisschen Zeit und viel Geld hier gewesen sein, werden Sie verstehen, warum das so ist. Wenn Sie hier noch nie waren, dann nehmen Sie ein bisschen Zeit und viel Geld mit. Dann verstehen Sie es post-bloggend. Man sagt, die Bardot lebt hier noch immer, irgendwann sehe ich sie mal beim Boule spielen auf dem Platz. Das kleine Fischerdörfchen hat trotz Glamour, Reichtum und Luxus immer noch seinen ganz besonderen Charme, und viel zu voll ist es hier eigentlich nur am Wochenende, zu Beginn der Ferien oder wenn auf dem großen Bouleplatz unter den Platanen Markt ist. Uhrenvergleich. Seit drei Tagen hat Frankreich Zentralferien, heute ist Samstag und jeden Samstag bauen die Franzosen ihren großen Markt auf dem Bouleplatz unter den Platanen auf. Klasse. Das sind gute Voraussetzungen, mal nach Saint Tropez zu fahren. Diesmal geht es aber wenigstens nicht über die doofe Autobahn, diesmal zieh-dröhnen wir entlang der Küste durch die vielen kleinen anderen Dörfchen, die ein Durchreisetourist niemals entdecken wird.

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Straßenschilder, die JA ICH WILL rufen

Am äußersten Rand des Parkplatzes am Hafen finden wir eine einzige speisekammergroße, schattenlose Lücke, in die der C3 einigermaßen reinpasst. Nachdenken. So wie die Sonne gerade ballert gehe ich davon aus, Lenkrad, Armaturenbrett und Türdichtungen nachher vereint in einem klebrigen Brei wiederzufinden und googel vorsorglich schon mal, wie man einen Citroën mit komplett geschmolzener Inneneinrichtung a) trotzdem nach Hause bewegen kann und b) als Haftpflichtschaden anmeldet. Beides geht. Ich bin beruhigt.
Da nicht nur das Interieur direkt den Strahlen des wärmenden Sterns da oben ausgesetzt ist (sondern auch die Straßen und Fußwege), greife ich den Wunsch unserer zweieinhalbjährigen Diktatorin ohne Gegenargumente auf und trage die Dame durch das Städtchen. Ihre kleinen Füßchen wären sonst mehrfach im geschmolzenen Teer eingesunken, irgendwo hat auch erzieherische Konsequenz ihre Grenzen. Squisch. Ups.

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stilvoll kontra die dicken Boote

Erkenntnis: Du musst keinen Ferrari oder Lamborghini fahren, um vor den millionenschweren Yachten an der Hafenpromenade einen auf dicke Hose zu machen. Das geht mit einem prilblumenbeklebten Fiat 500 viel besser Das Schweigen der Zikaden Die ganzen Russen, Engländer und Hawaiianer hier auf ihren Über-Booten und in den Hafenrestaurants sind mit handelsüblichen Luxusautos im Gegenwert von norddeutschen Einfamilienhäusern ohnehin nicht mehr zu beeindrucken. Die Kombination aus einem dieser Riesen-Luxus-Schiffe und einem Liegeplatz in Saint Tropez dürfte aus monetärer Sicht dem Exportvolumen von Griechenland entsprechen, irgendwie bin ich jedes Mal geplättet, WIE reich Menschen sein können. Ich bin gar nicht neidisch, wirklich nicht. Das ist mir alles viel zu viel Schotter und ich bin zufrieden mit dem Leben, das ich habe. Ich finde es einfach nur verrückt. Diesen Hafen stelle ich mir ein bisschen so wie die Freakshow auf einer Kirmes des frühen 20. Jahrhunderts vor. Du siehst Menschen und Dinge, die so anders sind als du, dass du einfach nur fasziniert bist. Glockentürmchen-Selfie: Jetzt.

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Einmal mit Türmchen ist Pflicht

Außer Marseilles, Saint Tropez,Nizza und Cannes gibt es entlang der Französischen Riviera noch eine Menge mehr oder weniger unbekannte Örtchen. Einige sind furchtbar (bremsen Sie bloß niemals in Port Grimaud), andere überraschend heimelig. Wir versuchen es am letzten Tag noch einmal in Frèjus, der alten antiken Römerstadt. Ich meine, dass ich 1991 hier auch schon mal mit Nea und Silke und dem Taunus durchgefahren bin. Aber ich erkenne bisher nichts wieder, umso besser, da können wir uns mal auf neue Eindrücke einlassen. Habe ich erwähnt, dass es warm draußen ist? Trotz aller Befürchtungen schmolz der motorisierte Kompakt-Gallier in Saint Trop nicht weg, dann wird er das in den Abendstunden in Fréjus wohl auch nicht machen.

In den einigermaßen touristisch erschlossenen Örtchen hier in der Gegend haben die Franzosen ein interessantes Parkuhren-System entwickelt. Jede halbe Stunde kommen Studenten oder Ferienjobber daher und klemmen ein Flugblatt unter den Scheibenwischer. Wenn die Flics kontrollieren wollen, wie lange ein Auto hier schon steht zählen sie einfach die Flugblätter und bekommen einen minutengenauen Abriss der Parkzeit. Simpel und Cool.

Das Schweigen der Zikaden

So eine Art Parkscheibe

Ein weiteres Phänomen, das ich nie ganz ergründen werde:
Da sind zwei nette Restaurants an einem gemütlichen Platz bei der Kirche, ein Brunnen plätschert, Menschen rauchen, Kinder spielen. Wir entscheiden uns für das linke, denn da gibt es Pizza, auch wenn das rechte eigentlich ein bisschen netter aussieht. Da wären es dann Burger geworden, auch nicht schlecht. In beiden Etablissements essen draußen noch die Angestellten gemeinsam an einem Tisch, man bereitet sich also auf die Gäste dieses Abends vor und hat wohl gerade eben erst geöffnet. Und weil wir nun da links sitzen kommen immer mehr Menschen, gucken beide Restaurants an und setzen sich da hin, wo schon jemand (wir) sitzt. Nach 30 Minuten ist der linke Laden voll, rechts stehen sich die nun satten Angestellten die Beine in den Bauch. Auch als wir nach knapp zwei Stunden gehen ist nicht ein einziger Gast in dem rechten Lokal. Und unser Essen war echt ziemlich durchschnittlich. Das ist doch krass, oder nicht? Ich bekomme regelrecht ein bisschen Mitleid….. Erkenntnis: Wenn Sie die ersten Gäste vor zwei Restaurants sind, können Sie mit Ihrer Wahl dramatisch den Umsatz des Abends beeinflussen.

Und als ich darüber noch so sinniere geht an diesem Abend die Sonne nicht nur unter, sondern auch auf. Neben unserem C3 steht auf dem Parkplatz einer, den es nicht mehr gibt. Einer drei Nummern höher. Der letzte große Franzose, der Citroën C6, einer meiner absoluten Traumwagen….

Traum! Traum! Traum!

Traum! Traum! Traum!

Während das viertelfinnische Sandmädchen über das Display des Kassenautomaten wortgewandt mit ihrem Opa telefoniert schleiche ich um diese blechgewordene Schönheit herum und beschließe, eines Tages so ein Auto zu besitzen. Man bekommt sie jetzt schon für 5000 Euro, scheckheftgepflegt für 7000 Euro. Und als Diesel scheinen sie recht wirtschaftlich zu sein und sogar etwas zu taugen. Man bezeichnet den Fahrkomfort als gewöhnungsbedürftig, aber überirdisch. Ich behalte das mal im Hinterkopf, bitte erinnern Sie mich beizeiten mal daran, wenn ich wieder mal von Autos schwärmen sollte, die man nicht braucht.
Einsicht: Lassen Sie das Schicksal über Ihr Parkticket entscheiden, dann wird alles gut :-) Oder so. Als die kleine Diktatorin mit ihrem Telefonat fertig ist wundern sich die Eltern, dass der Kassenautomat für den tatsächlichen Parkzettel kein Geld haben will. Und das in Südfrankreich zur gerade begonnen Ferienzeit? Oh. Ah. Ab 18:00 Uhr parkt man in Fréjus gratis. Und nun schauen Sie mal wann wir durch die Schranke gefahren sind. 18:00 Uhr und 4 Sekunden :-) Cool? Cool.

Timing ist alles

Timing ist alles

Ja.
Ich war hier tatsächlich schon mal.
Also, nicht nur an der Côte d’Azur ganz allgemein, sondern auch in diesem alten Römerstädtchen. An diese steinernen Säulen kann ich mich erinnern, vor denen habe ich vor einem Vierteljahrhundert ein Foto gemacht, ich glaube das waren meine ersten antiken Mauern. Also hopse ich schnell raus und mach das Foto nochmal. Damals war es eine analoge Spiegelreflex, heute ist es ein gebrauchtes iPhone 5. Die Steine werden sich seit damals nicht nennenswert verändert haben, die stehen hier schon rund 2000 Jahre und stützten einst ein riesiges Viadukt zur Wasserversorgung. Nun sind sie schon etwas länger ein bisschen kaputt. Der Typ im Vordergrund allerdings ist sehr viel älter geworden. Das geht in letzter Zeit ganz schön schnell, und das Vierteljahrhundert seit damals ist mit einem Fingerschnipp verdampft. Aber so kaputt wie die Steine bin ich nicht :-) Und ein bisschen von der Verrücktheit von damals ist auch noch da, und vielleicht wird das ja eines Tages wieder mehr? Wir werden sehen.

Das Schweigen der Zikaden

Ein Selfie ohne Stick.

Verrückt genug jedenfalls, um das alte Fotoalbum aus der Devo-Kiste ganz oben in der Abseite in meinem Flur rauszusuchen. Nachdenken: Wann war das denn damals? Erkenntnis: in Fréjus habe ich besagtes Bild gar nicht im Beisein von Nea und Silke gemacht, sondern ein Jahr später mit Jan und Dietmar :-) Und leider genau aus der anderen Richtung. Und somit nicht mit einer analogen Spiegelreflex sondern mit einer RitschRatsch Billig-Kamera. Das dürften dann auf dieser Reise aber auch die einzigen kulturellen Minuten gewesen sein, ansonsten haben wir es eher am Strand oder auf dem Zeltplatz krachen lassen. Und hey – damals war ich ein echter Freeclimber. Und ja, die Steine sind tatsächlich noch die gleichen.

Das Schweigen der Zikaden

Und es war Sommer. Diu diu diu ♫

Ich vergleich mich mal lieber nicht mit römischen Steinen. Steine haben nämlich, soweit bekannt, keine Gefühle. Sie kennen keine Emotionen. Und wir durchstreifen gerade in Zeiten, die randvoll damit sind. Das beginnt schon mit dem verdammten letzten Tag, ich schrieb bereits in Dänemarkdarüber. Ich bin diesmal nicht ganz so traurig, denn dank der Vorsaison-Idee liegt der deutsche Sommer noch vor uns, und irgendwann ist da auch noch ein Wöchelchen Rügen drin. Diesmal kommt noch die „Mittlere“ mit, die „Große“ fängt ihre Ausbildung zur Fotografin an. Also alles halb so schlimm. Dachte ich mir. Dann habe ich die Wetterprognosen für Deutschland gesehen und kurz ernsthaft überlegt, auszuwandern.
Flughafen Nizza, der Ticketcode ist EINgegeben, das kleine Auto ist ABgegeben und das Gepäck zusammen mit der Hoffnung AUFgegeben. Noch einmal die nachmittäglichen 32 Grad auf der Haut spüren, noch einmal den leichten Wind in den Palmen hören. Als wir abheben bin ich tieftraurig. Da draußen scheint die Sonne.

Das Schweigen der Zikaden

Hallo Norddeutschland.

Epilog.
Ich sitze mit einer Pfeife im Mund auf einem Balkon in Hamburg Altona, während ein beständiger Nieselregen von einem grauen Julihimmel fällt. Man muss die Hand über die Pfeife halten, sonst geht sie vom Regen aus. Meine Haare und meine Kleidung sind klitschnass, 16 Grad hier draußen aber ich will will will eine Pfeife auf dem Balkon rauchen. Das muss im Juli doch möglich sein! Ist es ja auch. Nur eben ein bisschen anders :-( Und wissen Sie, was mir am meisten auffällt in diesen kurzen stillen Momenten, wenn die Vollidioten auf der Hauptstraße sich gerade mal kein Ampelrennen liefern? Die Zikaden. Ich höre keine Zikaden. Das fehlt mir wirklich, und ich beschließe hier und heute, ein wenig mehr den französischen Weg zu leben.

Sandmann

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Created Dienstag, 28. Juli 2015 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
15 Jul 2015
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La vie est belle

La vie est belle

Mit 90 noch SLK fahren? Klar, warum nicht?

Wer liest denn schon meine Reiseberichte?
Na? Finger hoch?
Oh – laut google Analytics angeblich ziemlich viele :-) Aber sie bekommen die wenigsten Likes und die wenigsten Kommentare, wahrscheinlich weil es einfach dichter an einem dran ist, über ein buntes Auto zu lesen als über einen blauen Himmel mit schöner Landschaft. Und weil man seinen eigenen Senf besser dazugeben kann, wenn es um eine alte Karre geht als um Badehosen in Saint Tropez. Und wissen Sie was? Da ich hier in diesem Blog keinem Arbeitgeber oder Werbepartner Rechenschaft schuldig bin – kann ich gut damit leben. Und deshalb gebe ich in diesem Sommer hier mal ein paar andere Bilder zum Besten, schreibe keine zusammenhängende Geschichte über wundervolle Urlaubsorte und lobpreise auch keine subventionierten Mietwagen. Aber ich nehme Sie trotzdem mit nach Südfrankreich, zu alten und neueren Autos, zu inkompatiblen Ansichten und zu narzisstischen Selfies. Das haben Sie sich doch auch verdient, oder?

Na klar haben Sie das.

La vie est belle

Ja hallo erstmal.

Und glauben Sie mir, der Urlaub gemeinsam mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona und dem viertelfinnischen Sandmädchen in Südfrankreich beginnt klassisch, wenn gleich nach der Landung in Nizza das Gepäckband eskaliert. Direkt im Anschluss kann dann so gar nicht klassisch der schon komplett bezahlte Mietwagen nicht mitgenommen werden, weil die vorgelegte Kreditkarte für die zu hinterlegende Kaution nicht die gleiche ist wie die des vorher online eingetragenen Fahrers. Da ist es der verhaltenen Dame am Telefon beim Mietwagenvermittler FTI Touristik in München auch völlig egal, dass ich gerade zwischen drei großen Koffern und zwei Taschen mit einem Kleinkind auf dem Arm bei 35 Grad einem Französisch sprechenden Angestellten gegenüber stehe und die Schlange hinter mir immer länger wird. Den Wagen gibt’s nur gegen Kaution, aber nicht auf die Karte der körperlich und leibhaftig anwesenden Lebensgefährtin. Punkt. Man könne aber von München aus ein Storno einleiten, das würde dann 100 Euro Gebühr kosten und es stünde mir frei, vor Ort jederzeit einen anderen Wagen anmieten. Ich lege auf, nicht ohne vorher mit einigen klaren Worten meinen Unmut kundzutun.

La vie est belle

Finalement, was für eine schwere Geburt.

Franzosen mögen es gern, wenn Ausländer ihre Sprache sprechen. Wenn man auch noch laut und stilsicher französische Flüche in ein Telefon spricht laden die einen direkt auf einen Kaffee ein. Der Chef von enterprise Car Rental Nizza lächelt mich an und schlägt vor, statt des jetzt eigentlich fälligen Kaffees unbürokratisch eine zweite Fahrerin einzurichten und die Kaution für die Karre dann wie gewünscht auf diese Dame zu buchen. Ah. Allemannische Dickköpfigkeit in München gegen Gallisch-Cisalpine Unkompliziertheit in Nizza. Punkt für Gallien. Dankbar entfleucht mir ein „oui, merci„…
Ich habe so eine Ahnung, dass die schlechte Laune meines halbfinnischen Fräulein Altonas noch ein wenig anhalten wird, da die nicht ganz pannenfreie Buchung dieses Autos auf meiner Liste stand und wir nun zwei wertvolle Stunden Urlaub verloren haben. Also halte ich auf den wenigen Kilometern zum ersten Hotel in der Altstadt von Nice meine Klappe und sehe mich ein bisschen in diesem 3200 Kilometer alten Neuwagen um. Vorn ein C, dahinter eine 3. Vier Türen und Klimaanlage, keine Ahnung was für ein Motor vorn drin ist, er tankt Diesel. Der unemotionale Gebrauchsgegenstand fährt sich prima, man kann sogar den Wagenhimmel ein Stück nach hinten schieben und legt somit eine wirklich riesengroße, bis über die Köpfe reichende Windschutzscheibe frei. Der Horror jedes Glasbruchversicherers und unter südfrankreichs unfassbar blauem Himmel nicht zu empfehlen. Oder sind Sie schon mal mit einem Gewächshaus die Côte d’Azur entlang gefahren?

La vie est belle

Badefreuden wie in den 20ern

Côte d’Azur. Klingt das nicht auch auf Ihrer Zunge nach warmem blauen Wasser, schönen Stränden und in den 60ern hängengebliebenem Glamour? Ich verehre und bereise diesen Küstenabschnitt zwischen Saintes Maries de la Mer im Westen und Monte Carlo im Osten seit 1991, und ich werde nicht müde, es zu tun. Der dritte amerikanische Präsident sagte schon: „Jeder Mensch von Kultur hat zwei Vaterländer: das seine – und Frankreich.“ Wenn Sie sich die Zeit nehmen möchten, irgendwann habe ich angefangen, die Reisen in mein zweites Vaterland zu dokumentieren:

  • 2007 Mit dem Audi V8 im Maiin Südfrankreich, noch in einem völlig anderen Leben.
  • Ein Jahr später dann erstmals als Blogger offiziell in Monaco.
  • Im August 2008 noch einmal mit dem Audi V8, episch.
  • 2011 trägt der Audi V8 meine beiden großen Töchter und mich als letzte große Reise zu unserer ersten Familien-Sausean die azure Küste. Auch danach gab es, wie nach dem Trip 2008, einen krassen Umbruch in meinem Leben. Aber das sind andere Geschichten, da kann Südfrankreich nichts für.
  • 2012 wollten die beiden Damen dann gleich nochmal mit Papa da runter, dieses Mal im Passat Rudolf Diesel.Das ist meine „Unvollendete“. Auch in jenem Sommer ging privat hinter den Kulissen mehr ab als ich niederschreiben konnte, aber das hole ich irgendwann mal nach. Die Bilder liegen noch auf der Festplatte.
  • Und vor dem nächsten umwälzenden Lebenseinschnitt ist das Dreamteam 2014 zuletzt mit dem dicken Daimler runtergefahren. Tataaaaa ♫ Also wenn Sie sich jetzt noch nicht auf Ihren nächsten Urlaub freuen kann ich Ihnen auch nicht helfen La vie est belle

Äh… wo war ich gleich? Ach ja, blaues Wasser.

La vie est belle

Schirmchen. Ohne Cocktail.

Die Intensität der Farben an der französischen Mittelmeerküste ist einzigartig. Wenn man nicht völlig emotionslos geboren wurde muss man sich regelmäßig ein Ventil suchen, um nicht vor Reizüberflutung zu platzen. Das Begleichen von kleinen Rechnungen im Urlaubsalltag eignet sich hier ganz gut zum Druck ablassen, am Strand von Nizza gehen für einen Burger, ein paar Pommes, eine Flasche Wasser, eine Coke und ein Eis gern mal 50 Euro über den Tresen. Die Preise hier sind der helle Wahnsinn. Der deutsche Stadtphilosoph Elmar Kupke hat einst vermutet, dass die Franzosen damit der Verschmutzung des Mittelmeeres Einhalt gebieten wollen. Jedenfalls ist das einer der Gründe, warum wie drei nur eine Nacht in einem netten kleinen Belle Époque Hotel in der Altstadt bleiben und morgen weiter zu einem Appartement in der Nähe von Hyères fahren. Andernfalls wäre die Reisekasse nach vier Tagen leer, und das reicht nicht ganz für die angestrebte Bräune :-) Ein Tag in Nizza. Kinder Kinder was habe ich mich auf diesen Moment gefreut… Es duftet nach Sonnenmilch und teurem Parfum auf heißer Haut. Nach Blumen auf dem Markt, nach dem frischen Wasser in den Brunnen und nach Kaffee. Ein ganz warmer Wind lässt die Palmwedel auf der Promenade des Anglais leicht hin und her wiegen, während vom Wasser fröhliches Juchzen und Platschen zu vernehmen ist. In Nizza backt man die Haut auf Stein. Sandstrände sind eher selten in Südfrankreich, hier im westlichen Teil fehlen sie fast ganz. Das macht aber nichts, heute Morgen waren wir noch im 14 Grad kalten Hamburg, jetzt genügen schon die Sonne und die Wärme für ein Glücksgefühl, baden und am Wasser rumhängen können wir die Tage noch immer.

La vie est belle

Vom Blumenmarkt zur Promenade

Während ich in den frühen 90ern noch Delial mit Lichtschutzfaktor 6 in meine faltenfreie Haut rieb, ist im Jahr 2015 zumindest auf der Kleinkindoberfläche Sonnenmilch angesagt, mit der man damals nicht mal Tapeten an die Wand geklebt hätte. Lichtschutzfaktor 50. Und wenn Sie glauben, dass man damit nach zwei Wochen noch immer wie ein kalkleistiger Engländer aussieht kennen Sie die Sonne der Côte d’Azur nicht. Ich bin gespannt, was sich meine Enkelkinder eines Tages auf die Pelle kleistern, während sie über Faktor 50 lachen. Oder ob sie überhaupt noch in die Sonne gehen? Oder ob es vielleicht irgendwelche Smart Wearables gibt, die sich automatisch nachdunkeln und Sonnenmilch überflüssig machen? Nee, das wäre doof, dann fehlte ja einer dieser guten Gerüche in Nizza. Waren Sie eigentlich mal hier? Aus den Bildern der Reiseführer kennt man immer nur das Hotel Negresco und den Küstenschnellweg mit seiner Palmenallee, doch dahinter ist noch eine liebliche Altstadt mit engen Gassen und vielen kleinen Geschäften. In zweiter Reihe steht da dieses feine kleine Hotelchen, in das wir am Abend mit plattgelaufenen Füßen zurück kommen. Die weichen Wände sind mit dünnem Stoff bespannt, auf dem sich Rosen ranken. In so einem Zimmer mit Blick auf den grünen Innenhof schmeckt das erste Glas kalter Rosé gleich doppelt so gut.

La vie est belle

Ein wahres Fest für die Augen

Nach diesem etwas unglücklichen Start (genau genommen war es nach einer unglücklichen Landung) stimmt der erste Urlaubsabend versöhnlich. Es ist wieder dieser Moment, wo mir klar wird, dass ich diese vielen schönen Tage alle noch vor mir habe. Abends um 22:00 Uhr sind noch immer trockene 30 Grad, und die Wetter-App orakelt ausschließlich Sonnenschein in den kommenden Tagen :-) Wundervoll. „Aufregend war der erste Abend in Frankreich. Es ist mir nicht möglich, mich auch nur der Hälfte der Stätten zu entsinnen, denen wir einen Besuch abstatteten, ebenso wenig dessen, was wir im Detail erblickten; wir verspürten gar kein Verlangen, ein Ding ausführlich zu inspizieren – wir trachteten lediglich danach, uns zunächst einmal umzuschauen und umherzugehen – uns zu bewegen, in Bewegung zu bleiben! Der Geist des Landes war auf uns niedergekommen„. Sagte mal Mark Twain. Später an diesem Abend schlafen wir drei im riesigen Bett nebeneinander, aber mit finnischem Abstand zueinander und träumen jeder unsere eigenen Träume. Das halbfinnische Fräulein Altona träumt von einem Typen mit dem perfekten Plan, der nicht ständig Sachen verpeilt. Das viertelfinnische Sandmädchen träumt von einer großen Wasserpfütze, durch die sie durchtappsen kann und in der NICHT urplötzlich ganz viele nasse Fontänen hochzischen und sie erschrecken. Und ich… hm. Fragen Sie lieber nicht.

La vie est belle

Fragen Sie nicht.

Au revoir Nizza. Du bist super, aber du bist echt teuer.
Drei große Koffer und zwei Taschen sind mit ihren Besitzern unterwegs nach Hyères, einem Städtchen irgendwo zwischen Marseilles und Saint Tropez. Vor rund 25 Jahren bin ich diese Strecke in einem riesigen zweitürigen Granada Coupé fern der gebührenpflichtigen Autobahnen direkt an der Küste entlang gefahren, die großen Fenster runtergekurbelt, die Ausstellfenster gekippt und die Lüftung auf volle Pulle, damit der Schweiß auf der Haut wenigstens für ein bisschen Verdunstungskälte im Luftstrom sorgt. Heute fahre ich die Strecke in einem winzigen viertürigen aber voll klimatisierten Citroën, über die gebührenpflichtigen Autobahnen, weil es schneller geht. Und ich sage mir immer wieder, dass der Komfort und die Bequemlichkeit nicht dem Alter, sondern der Anwesenheit eines kleinen Mädchens auf dem Kindersitz geschuldet sind. Um das zu untermalen muss ich wohl hier eines Tages nochmal mit eben jenem Granada auftauchen. Es ist zwar alles nicht mehr so teenage-lustig wie damals, aber nun, ich bin auch keine 21 mehr und – immerhin ist Hyères Neuland für mich. Da war ich noch nie.

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Gullideckel können auch schön sein

Um diese Stadt zu verstehen muss man sich nur einmal ihre Gullideckel ansehen. Der Rest ist ebenso schön. Ich glaube, wenn ich mal in Südfrankreich leben möchte dann wird das in der Nähe von Hyères sein :-) Ein wenig außerhalb des Städtchens, gleich hinter dem Kreisverkehr bei der kleinen Bäckerei links rein steht ein herrschaftliches, altes Haus von Achtzehnhundertirgendwas. Nur sechs Appartements, ein wunderschöner wilder Garten und ein Pool hinter den Pinien. Unsere Bleibe für die kommende Woche. Ein wahres Meer von Singzikaden schnarzt wundervoll ihr Lied in den Bäumen, sie beginnen morgens gegen 8:00 Uhr und werden erst am Abend gegen 21:00 Uhr müde. Der natürliche Lärm ist so permanent präsent, dass er nach einiger Zeit gar nicht mehr auffällt. Herrjeh ist das SCHÖN hier! Der Patron selbst ist schon 90 und kommt in seinem verstaubten SLK um die Ecke gefahren, sein fast genau so alter Hund sitzt auf dem Beifahrersitz, hüpft raus und begrüßt uns fröhlich. Allein über diesen kleinen, weisen Mann müsste ein ganzes Buch geschrieben werden. Auch die Tochter des Chefs (ein ganzes Stück älter als ich), der Gärtner und sein Sohn stehen bereit, um die Anreisenden zu begrüßen. Klasse. Jenseits der gepflasterten Pfade erkennt man noch den ursprünglichen Charakter des Anwesens, vielleicht wurde hier mal Gemüse angebaut. Oder Wein?

La vie est belle

Landwirtschaft für Fortgeschrittene

Der Blick aus den Fenstern geht auf der Rückseite des Gebäudes über eine hohe Bergkette, nach vorn raus in den Garten bis zum Pool. Der Familienbetrieb hat das Grundstück erst vor drei Jahren gekauft, und nachdem das Haupthaus renoviert und der Pool gebaut wurde ist nun Stück für Stück der Garten dran. Alles wird urbar gemacht, und alles geschieht mit der typischen südfranzösischen Langsamkeit. Andere Arbeitsweisen sind bei den Mittagstemperaturen hier auch nicht möglich, und man erzählt uns, dass in den kommenden Tagen diverse Wärmerekorde gebrochen werden sollen. Oha. Na das kann ja heiter werden. Aber nun wird es erst einmal Abend. Der W-LAN Key ist eingegeben, auf dem Balkon unter uns klampft ein Geschäftsmann aus Aachen auf seiner Gitarre und die Jungs machen sich wieder an ihre Arbeit. Sie wollen einen Stein, der so groß ist wie eine Badewanne, mit dem klapperigen Renault aus dem Beet ziehen. Ich glaube, ich stopfe mir nachher noch ein leckeres Pfeifchen und übe mich beobachtend in französischer Gelassenheit. Leicht wird das nicht, denn mein kleines strahlendes Entdecker-Töchterchen ist in einem Alter, wo sie eine unfassbare Energie entwickelt. Besonders in nicht enden wollenden Suchen nach der kompletten Aufmerksamkeit und dem gezielten Einsatz der Wörter „nein“ und „doch„. Egal, alles ist besser als mit einem Renault einen riesigen Stein auszugraben.

La vie est belle

Alle packen mit an, das Auto auch.

Vorsaison.
Lassen Sie dieses Wort auf sich wirken und holen Sie es aus Ihrer Erinnerung, wenn Sie jemals eine Reise nach Frankreich planen. Vor – sai – son. Man bekommt überall Parkplätze, die Strände sind regelrecht vereinsamt und Übernachtungsmöglichkeiten zeigen sich noch einigermaßen bezahlbar. Frankreich hat anders als Deutschland eine zentralistisch orientierte Regierung, auch wenn es „schwer ist, ein Volk zu regieren, das 246 Sorten Käse hat„, wie Charles de Gaulle mal zugab. Ab dem 01. Juli hat der Zentralismus hier Zentralferien. Das bedeutet, alle (in Worten: ALLE) Franzosen bekommen gleichzeitig für zwei Monate Schulferien oder nehmen sich parallel Urlaub. In diesem Moment verdoppeln sich die Preise für Unterkünfte, verdreifachen sich die Preise in den Supermärkten der Touristengebiete und verzigfacht sich die Personendichte, weil alle ans Wasser wollen. Vorsaison ist jetzt, kurz vor der Wende zum Juli. Wir werden uns dessen gewahr, als wir am nächsten Tag auf die Spitze der kleinen Halbinsel südlich von Hyères fahren (das französische Wort dafür ist „presque isle“ – :-) fast Insel). Hier ist ein Hot Spot für Kiter und Surfer. Der kostenlose Parkplatz direkt am Wasser ist völlig leer. In nicht mal einer Woche werden sich hier Autos in der Sonne stapeln, Pizzabuden stehen und ein Kiosk überteuerte Getränke verkaufen. Aber erst in einer Woche.

La vie est belle

Wo kann man hier denn parken?

Von hier aus fährt ein Schiffchen rüber auf die Insel Porquerolles, angeblich gibt es dort Sandstrand. Gut auf den Tag vorbereitet sind wir jedenfalls. Ich hätte nie gedacht dass mich Wärme mal so packen würde. Es ist schon am frühen Morgen echt heiß, und in der Nacht kühlt es nicht sonderlich ab. Aber wenn ich die Klimaanlage laufen lasse frieren meine Füße, die gucken immer unter der Decke raus. Ein Dilemma. Die knusprigen, frischen Baguettes und die Pains Chocolats von dem kleinen Bäcker, die ich heute Morgen schon mit dem C3 geholt habe machen glücklich und lassen die Temperaturwallungen in den Hintergrund treten. Warum bekommen es eigentlich nur die Franzosen hin, so wahnsinnig gute komplett nährstofflose Weizenbrote zu backen, dass man gar nix anderes dazu essen möchte? Warum ist dieser pappige, zwischen den Zähnen knirschende Meterbrot-Mist in deutschen Backshops und ähnlichen Billig-Katastrophen so schlecht? Die Zutaten können doch nicht so wahnsinnig variieren, Weizenmehl, Wasser, Salz, fertig. Ich glaube in meinem nächsten Leben mache ich eine echt französische Bäckerei in Hamburg auf. Das könnte eine Goldgrube sein.
Goldgruben sind auch die kleinen Restaurants auf Porquerolles. Die Buchung eines Appartements hat zwar den gewissen Preisvorteil gegenüber einem Hotel, das Problem ist nur, dass ja trotzdem Nahrungsaufnahme stattfinden muss. Und wenn man zu faul zum Kochen ist hat man wieder das Nizza-Strandsnack-Problem. Aber ich glaube, ich finde mich einfach mal damit ab, dass ich hier mehr Geld für Essen und Trinken ausgebe als geplant. Und dann geht das schon irgendwie.

La vie est belle

Das Leben ist schön

Mama und Papa sind mit uns früher im Sommer oft nach Cuxhaven gefahren. In die Ferienwohnung Mendikowski. Oder so. Das Wasser war salzig, der Sand war weich und warm und der kleine Jensi hat sich zwei Wochen lang glücklich bis zum Erdmittelpunkt gebuddelt. Fahrtzeit von Uelzen: Zwei Stunden. Am etwas steinigen Strand von Porquerolles sitzend stelle ich die leicht ketzerische Frage, ob wir drei dort nicht für ein Fünftel der hier insgesamt anfallenden Kosten einen ähnlichen Urlaubseffekt gehabt hätten?
Nein, hätten wir nicht.
Cuxhavens Kleingarten-Charme zieht heute vor allem Rentner und Menschen an, die denken, sie hätten dort einen ähnlichen Urlaubseffekt wie an der fünfmal so teuren Côte d’Azur. Dort singen aber keine Zikaden. Dort sprechen die Menschen nicht Französisch. Dort duftet es nicht nach all diesen südlichen Düften, nach Pinien und nach Oleander. Dort gibt es nicht diese sagenhafte Vielfalt beim Einkaufen in den Supermärkten, diese göttlichen Baguettes und all diese gut aussehenden, entspannten Menschen. In Cuxhaven gibt es Labskaus und dialektreichen Zickenalarm von Hermann und Ilse aus Gelsenkirchen in der Strandburg nebenan. Ich bin froh und stolz, dass der Horizont meiner drei Töchter schon früh mindestens auf Europa erweitert wird. Deutschland hat wunderschöne Ecken überall, aber die Welt da draußen ist so groß und so schön und so anders! Und ich hör jetzt echt mal auf, über Geld zu jammern.

La vie est belle

Fast ein kleines Paradies

Eincremen. Die beiden Frauen mit 50, ich mit 19. Ich weigere mich, Sonnenmilch mit dem Lichtschutzfaktor eines Castorbehälters zu benutzen. Wenn ich im Alter Hautkrebs bekomme werde ich das bereuen, vielleicht bereue ich das schon in rund vier Tagen zum ersten Mal, aber das ist eine andere Geschichte. Junge Pärchenurlauber verbuchen als Highlights des Tages sowas wie „wir haben Sting in einem Open Air direkt am Wasser gesehen und waren danach romantisch essen„. Unsere Tageshighlights sind: „unsere Tochter ist zum ersten Mal alleine mutig ins Wasser gegangen und schläft zufrieden in ihrem eigenen Bett„. Und wissen Sie was? Ich bin überglücklich, dass es genau so ist wie es ist. Ich möchte es gar nicht anders haben. Die Tage sind lang, sie sind anstrengend aber sie erfüllen mich mit einer grenzenlosen Liebe. Ich bin in Südfrankreich. Wenn jetzt noch meine beiden großen Töchter mit hier wären würde ich vor Freude auf die Knie gehen. Das lasse ich jetzt, aber unter meinen Füßen im Wasser ist endlich dieser weiche Sand, den es auch in Cuxhaven gibt. Ha.

La vie est belle

Strandmanns Welt

Angekommen im Sommerurlaub. Zwei Wochen ohne berufliches Facebook und ohne noch ungeschriebene Artikel über große alte Autos. Ich gebe zu, dass diese Jobs nicht zu den schlechtesten gehören, aber es entspannt trotzdem sehr, einfach mal so lange zu schlafen, bis ich von alleine aufwache. Oder von den Zikaden. Oder vom Töchterchen, die feststellt, dass es schon hell ist. Alles ist besser als ein klingelnder Wecker, der einen in den Alltag drängt. Keine Termine, keine To Do Liste, einfach nur da sein und mit meinen beiden Frauen entspannen, chillen, rumalbern und schöne Sachen machen und sehen. Savoir vivre. Da ist es auch gar nicht schlimm, dass in Cuxhaven parallel gerade ähnliche Temperaturen sind wie in Südfrankreich. Aber da gibt es keine Singzikaden. Wenn Sie die noch niemals gehört haben, dann wissen Sie nicht, wie der Süden klingt. Ich lese gerade, dass es vor allem die Männchen zu sein scheinen, die diesen Lärm veranstalten. Der griechische Dichter Xenarchos sagte vor 2400 Jahren: „Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber:-) Gniiihihi. Und glauben Sie mir – in Cuxhaven wäre ihm so ein Satz nicht gekommen. Ein paar Tage haben wir hier noch, mal sehen was da noch so geht…

Sandmann

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Created Mittwoch, 15. Juli 2015 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
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06 Jul 2015
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Die alte Frau und das Meer

Am Rand der Küste

Am Rand der Küste

Vielleicht ist die alte Frau gar nicht einsam.
Na ja, sie schlurft so seltsam um einen freien Tisch rum, als ich mich umdrehe und mit kalter Cola und einem Panini vom Kiosk zu unserem schattigen Plätzchen zurück gehe. Ein paar Plastikstühle unter Platanen und Palmen, der wahrscheinlich einzige grüne Rasen an der gesamten Côte d’Azur, ein bisschen Schatten für das kleine viertelfinnische Sandmädchen und ein wundervoller Blick über das Wasser. Die furchtbaren Hotelburgen kann die Frau von hier aus nicht sehen. Die waren früher auch noch nicht da. Auch nicht die Russen und Engländer. Irgendwie unbeholfen setzt sie sich auf einen der wackeligen Stühle und guckt verwirrt in die Ferne, fast schon pathetisch, aber für echten Pathos ist ihr Blick zu leer.

Während ich den herrlich ungesunden teuren Kram vor meinen beiden Damen ausbreite und wir uns auf salziges Essen und süßes Trinken stürzen knackt sie sich ein einziges Kronenbourg. Sie gießt das Bier schäumend in das Glas und guckt weiter auf das Mittelmeer, als wäre genau hier der Platz, an dem sie vor langer Zeit etwas sehr wertvolles verloren hätte.

Die alte Frau und das Meer

Nicht mehr ihr Mittelmeer

Buntes, pauschaltouristisches Treiben am frühen Nachmittag an einem der heißesten Tage des Jahres. Die alte Frau fällt in ihrem Kleid und mit den schön lackierten Fußnägeln in den Sandalen zwischen all den Menschen hier gar nicht auf. Sie nippt zwei, dreimal an dem Bier aus dem Kiosk hinter uns und packt ein selbst mitgebrachtes Sandwich aus. Weißer Toast und roher Schinken. Sie lacht kurz und laut über etwas, was nur sie ganz allein hört und guckt zu der neuen Generation junger Franzosen rüber. Teenager mit Arschgeweihen, die laut und respektlos sind und überall einen riesen Saustall hinterlassen. Nein, es ist nicht mehr die Belle Époque, nicht mehr die wilden, stilvollen 20er, keine Sommerfrische und auch keine swinging Sixties. Wann auch immer sie gelebt haben mag, diese Zeit ist vorbei. Trotzdem sitzt sie heute hier, mit einem selbst gekauften Bier. Und sie blickt immerhin auf die mondäne Côte d’Azur, so als wäre alles noch immer wie damals, als sie mitten im Leben stand.

Die alte Frau und das Meer

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Die alte Frau holt ein antikes Handy aus ihrer Tasche und wählt umständlich über mehrere Minuten eine kurze Telefonnummer. Die lauten Rüpel sind feiernd weitergezogen, die meisten anderen Menschen fliehen vor der Wärme mit ihren klimatisierten Autos in ihre klimatisierten Hotelzimmer. Meine beiden Frauen und ich ziehen ebenfalls von dannen (wir haben noch lustige Sachen heute vor, ich will noch Fotos machen und wir und wollen am Abend schön Essen gehen). Mit dem Telefon am Ohr spricht sie viel zu laut in einem fast unverständlichen französischen Dialekt. Ihr Sandwich ist aufgegessen. Das Bier ist ausgetrunken. Ihr Ticket, hier sitzen zu dürfen läuft langsam ab.
Vielleicht ist die alte Frau gar nicht einsam.
Vielleicht ist auf der anderen Seite des Telefonats aber auch nur die automatische Zeitansage.

Sandmann

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Created Montag, 06. Juli 2015 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
19 Jun 2015
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Leb‘ wohl, B404

Leb‘ wohl, B404

Zwischen Tag und Traum

Es gibt spannendere Themen als eine Bundesstraße in Schleswig-Holstein, aber ich muss das jetzt mal loswerden. Solange es da noch was loszuwerden gibt. Von Kiel in Richtung Süden bis Schwarzenbek schlängelt sich die Bundesstraße 404. Grobe Richtung: Uelzen. Ganz grob. Sie trug in den frühen 80ern meine Mama aus der Lüneburger Heide hoch nach Plön zu dem Mann, der später eine Vaterrolle für mich übernahm. Sie trug mich auf dem Fahrrad in den späten 80ern immer wieder zurück zu dem Ort, den wir wegen des Mannes aus Plön verlassen haben. Und sie war immer eine verlässliche Überland-Alternative zu der chronisch verstopften A7. Seit ein paar Jahren fräsen sich die Bagger durch diese Bundesstraße und machen aus ihr die Autobahn 21. Und sie hauen alles um, was im Weg steht. Auch meine geliebte Nordoel-Tanke, sie stehen schon direkt vor ihrer Tür.

Eine klassische Tankstelle mit Werkstatt und Waschhalle.

Leb‘ wohl, B404

Bald ein historisches Bild.

Sie ist nur die erste Station der Erinnerungen, so etwas wie das Tor vom Norden auf den Weg in Richtung Elbe. Die hochen Bäume sind schon alle gefällt. Schon seit letztem Jahr. Die alte Tankstelle ist noch in Betrieb und trotzt wie ein störrischer Eremit dem Ausbau der alten kleinen B404. Der Sprit war hier, ein paar Kilometer aus Kiel raus, immer angenehm preiswert. Es gab sogar LPG für den Audi V8. In dem kleinen Shop wurde man nicht zugeballert mit Sonderangeboten für Vodka und Whiskey oder musste sich an aufgestapelten Warsteinerkisten vorbeiquetschen. Es gab ein paar Zeitungen, was zu naschen, Cola und Fanta, ein wenig nützlichen Kram fürs Auto und Bockwurst. Sind wir mal ehrlich – mehr braucht eine Tanke eigentlich auch nicht zu verkaufen. Diese blinkenden Supermärkte, die manchmal auch Benzin verkaufen und wo einen der Student am Schalter fragend anguckt wenn man eine 21 Watt Lampe für hinten oder Sicherungen kaufen möchte nerven mich. Hier in der Nähe von Nettelsee bekommt man in erster Linie Treibstoff. Noch. Bald wohl nicht mehr, denke ich mal, denn das Autobahnfundament geht schon direkt bis an den Zaun.

Leb‘ wohl, B404

Bis hierher und nicht weiter. Heute.

Guckt man sich an, was die Schaufelbagger im ostdeutschen Tagebau alles so vom Planeten getilgt haben und vor allem was sie für Löcher hinterlassen – dann ist so ein mehrspuriger Ausbau einer Bundesstraße vergleichsweise belanglos. Das passiert jeden Tag in jedem Bundesland. Trotzdem bin ich heute ein bisschen trübselig. Der „Kieler Schnellweg“ war eine zeitintensive, aber landschaftlich schöne Route zwischen Kiel und Lauenburg an der Elbe, ich bin diese Strecke immer gefahren wenn ich es nicht eilig hatte. Anfangs noch als Beifahrer in Mamas rotem Jetta, den sie sich neu gekauft und für den sie Opas guten alten rostfreien Käfer in Zahlung gegeben hatte. Darüber könnte ich mich heute, 30 Jahre später, immer noch aufregen. Aber damals war es einfach nur ein altes Auto :-( Und der Jetta war neu, cooler als ein Golf und echt schnell. Bumms war die Kelle draußen, ich fand mich als 10jähriger in meiner ersten Polizeikontrolle wieder und erinnere mich noch sehr gut an die allerersten Blicke auf das Haus, was später mein neues Zuhause werden sollte.

Leb‘ wohl, B404

Baustopp am Rand der Tanke.

Den Fahrradweg, den ich (vor meinen eigenen automobilen Eskapaden) als Teenager entlang des Nord-Süd-Highways für meine Touren in Richtung „zwei-Wochen-unbeschwerten-Sommerzeltens“ bei Silke in Uelzengenutzt hatte gibt es schon lange nicht mehr. Als zur Jahrtausendwende große Autobahnteilstücke freigegeben wurden hat man den planiert. Okay, ich bin nun auch schon länger nicht mehr die 180 Kilometer in meine alte Heimatstadt geradelt, aber wo würde ich denn eigentlich langfahren, wenn ich das mal wieder machen will? Das muss ich mir doch glatt mal raussuchen. Auf so einer Autobahn fährt sich das vermutlich gar nicht schlecht mit meinem Mountainbike, aber es gibt eine gewisse Art von Öffentlichkeit, die ich nicht unbedingt haben muss Leb‘ wohl, B404 Hm. Hat denn jemand, der von Kiel nach Uelzen mit dem Fahrrad fahren möchte heute keine Lobby mehr?
Schon krass. Ich sitze in meinem Daimler und gucke über einen kleinen Zaun auf den neuesten Streckenabschnitt, der bis an dieses Grundstück geht. Jedes mal wenn ich hier entlangfahre ist ein Stückchen mehr von der A21 fertig. Und nun sind sie am Grundstück angekommen. Wie geht es weiter?

Leb‘ wohl, B404

Und wann geht es hier nun weiter?

In den letzten drei Jahren hatte die Streckenführung ab hier in Richtung Süden einen gewissen Unterhaltungswert. Alte Brücken weg, neue Brücken hin, Sandberge hier, Baumfällarbeiten da – und die schmale, schnell mal hinasphaltierte Behelfsstraße schlängelte sich jede Woche in anderer Art durch die Baustelle. Mein kleines viertelfinnisches Sandmädchen hätte an den Baggaaaaasihre wahre Freude gehabt. Inzwischen toppt der über eine Dekade geplante dreispurige Ausbau der A7 dieses Baumaschinenszenario um Längen, auch wenn es dort immer nur geradeaus geht. Hier kurz hinter Kiel eigentlich nie. Es war keine gute Idee, sich an eine aktuelle Straßenvariante zwischen den rot-weiß gestreiften Baken zu gewöhnen, denn eine Woche später fuhr man schon wieder woanders lang. Und dann, wenn ich durch war, war die Bahn offen, es ging bis Bargteheide flott voran und das alte Navi wurde fröhlich verarscht und überfordert, denn es dachte wegen der fehlenden Kartenupdates immer noch, ich würde viel zu schnell auf und neben der B404 fahren. Lisa. Na wenn du wüsstest. Deine Nachfolgerin weiß es schon.

Leb‘ wohl, B404

Lost Place Showroom

Wie trist.
Die hellen, großen Verkaufsflächen gehörten mal einem Anbieter für Rasentrecker und ähnliche motorisierte Kleinmähmaschinen, der vermutlich rechtzeitig was neues gesucht hat und nun umgezogen ist. Irgendwie zum Tonberg, das steht jedenfalls auf einem komplett zerrissenen Segeltuch. Die gepflasterte Parkplatzfläche vor den erstaunlich sauberen Scheiben wächst langsam zu, hier fährt niemand mehr hin und hier hält niemand mehr an, warum auch? Wann werden die Hallen wohl abgerissen und räumen das Feld für den nächsten Autobahnkilometer? Nächste Woche? Nächsten Monat? Und wie lange wird die Tanke noch da sein? Spannend. Ich könnte ja eigentlich mal reingehen und fragen, aber mein Tank ist noch fast voll und – letztendlich werde ich es ja miterleben.

Leb‘ wohl, B404

Keine Rasenmäher mehr.

Die leeren Räume erzählen von lange vergangenen Zeiten, als man noch entlang einer Bundesstraße mit Rasenmähern ne Mark verdienen konnte. Ich bin hier niemals drin gewesen, ich hatte nie Bedarf an einem Aufsitzmäher. Und ich bin schwer verwundert, dass die Scheiben noch nicht eingeworfen sind, diese großen Glasflächen an einem abgelegenen Ort ohne Laternen schreien ihre Einladung an die Zerstörungswut regelrecht in die Welt. Das kommt bestimmt bald. Genau so wie die Pest der Sprayer, die ihre Teks auf jede unschuldige weiße Wand genervter fremder Menschen klatschen müssen um was-weiß-ich damit zu kompensieren kommen irgendwann die Scheibeneinschmeißer. Oder sind die inzwischen ausgestorben, weil es dafür keine App gibt und man sein komfortables Zimmer verlassen müsste? Ich weiß es nicht. Auch das werde ich miterleben, ich komme hier ja ein bis zwei mal in der Woche dran vorbei. Noch ist alles heile. Mal sehen.

Leb‘ wohl, B404

Na gut. Das wars dann wohl.

Es ist ja auch irgendwie fein, in Zukunft schneller von Kiel über Bargteheide auf die A1 und in den Osten Hamburgs zu kommen. Da habe ich kein Problem mit, da ist der Verlag und ich begrüße jede erdenkliche Alternative zu dieser wahnsinnig machenden A7. Aber es verschwindet mit der B404 auch ein kleines Stückchen Langsamkeit. Vor ein paar Jahren noch war es über eine Strecke von 50 Kilometern faktisch unmöglich, einen Lastwagen zu überholen, also haben die meisten es einfach gelassen und sich ihrem Schicksal geduldig ergeben. Andere, die es trotzdem wissen wollten, weil sie einfach alles vor sich überholen müssen gab es auch immer wieder. Ein paar Kreuze am Straßenrand erzählen von ihnen und leider noch von ein paar anderen Menschen, die ihnen unschuldig entgegen kamen. Ich bin hier deshalb immer langsam gefahren, habe Abstand gehalten und ein paar Wahnsinnige geduldig vor- und vor mir reingelassen. Hinter der A1 nach Hamburg holpert die Bundesstraße heute noch immer wie vor 30 Jahren weiter bis zur A24 nach Berlin, und dann verschwindet sie irgendwann im schönen Sachsenwald. Hier gibt es sogar noch Fahrradwege :-)

Leb‘ wohl, B404

Kaum ein Horizont zu sehen

Genug Fotos gemacht. Es sieht auch so aus, als fängt es gleich an zu regnen. Ich stecke mir noch einen Zigarillo in den Mundwinkel und paffe ein paar Vanillewolken in den Abendhimmel. Schon komisch, wie viele Erinnerungen an einem Stückchen Straße hängen können. Straßen sind etwas ganz besonderes. Sie bringen uns an andere Orte und sie verbinden Menschen, privat und beruflich. Entlang den Straßen finden wir alles, was wir für eine Reise brauchen. Und wir können uns außerdem über die Menschen amüsieren, die ihre seelenlosen vollfinanzierten Neubauhäuser direkt an diese Adern des Individualverkehrs pflanzen, weil die Grundstücke hier ein bisschen billiger waren als drüben am Waldrand. Das wiederum ist aber nicht so schlimm, denn diese Menschen trennen sich meistens sowieso wieder, weil sie den Kredit so knapp finanziert haben, dass sie das ganze Jahr nur für ihr Neubauhaus schuften und sich schon bald nichts mehr zu sagen haben, der Verkehr ist eh zu laut. Ich schweife ab. Sie sehen, ich habe eine klare Meinung zu knapp finanzierten Neubauhäusern entlang der Bundesstraßen. Rund um mich rum gehen gerade erschreckend viele Familien aus diesem Grund den Bach runter, aber es kann ja jeder wie er will. Hier an der B404 wird nicht gebaut. Hier wird bald abgerissen.

Leb‘ wohl, B404

Bis bald in diesem Streckenabschnitt

Wenn der Highway fertig ist versuche ich mal, genau hier ein neues Foto zu machen – dann auf der Straße fahrend. Vielleicht erkennt man die Bäume links ja wieder :-) Die Baggerarbeiten laufen, die Brücke am Horizont steht schon, lange kann es eigentlich nicht mehr dauern. Aber jetzt fahre ich erst mal weiter in Richtung Hamburg, mal schauen wie die Streckenführung hinten bei der Brücke heute verläuft Leb‘ wohl, B404 Ich nehme ein paar Erinnerungen mit, Radtouren mit dem Zelt, dem Kasettenrecorder und der Gitarre hinten drauf, Sinnsprüche mit einem Edding auf Brückengeländern. Freundschaften mit Binz und mit Lutz, meinen beiden Begleitern in jenen Jahren im Sommer auf dem Rad. Dann mal her mit der Autobahn, es wird wohl Sinn machen. Wenn ich heute durch das völlig verstopfte Hamburg fahre frage ich mich sowieso, wie viele Autos wir noch vertragen können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sandmann

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Created Freitag, 19. Juni 2015 Tags A21 | Alltag im W210 | ausbau | autobahn | B 404 | B404 | Baustelle | Bundesstraße 404 | hamburg | Kiel | Nordoel | Tankstelle Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
15 Jun 2015
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Seid ihr Finanzierer?

Seid ihr Finanzierer?

Haben wollen. Nicht bezahlen können.

Autos.
Ich kaufe meine Autos normalerweise für eine Handvoll Euro bar. Was heißt normalerweise, ich habe ALLE meine Autos bisher bar bezahlt, der mit Abstand teuerste war damals anno 2001 der Audi V8. Das Geld für den hatte ich aber locker, weil ich vorher meinen Cadillac Eldorado für knapp den doppelten Kaufpreis an den Mann brachte. Ich Fuchs. Zeiten ändern sich, die D-Mark ist nicht mehr da und der Anspruch an ein Auto wird mit zunehmendem Alter größer. Bei einigen von uns jedenfalls. Ich für meinen Teil fahre weiter mit einem 38 Jahre alten Audi 100 durch die Gegend, aber der weibliche Teil wünscht sich mehr Zuverlässigkeit und ein bisschen Komfort im Alltag. Und weniger abfallende Teile auf Autobahnen. Stimmt ja auch. Und da grübel ich mal nach über das, was da angeblich so geht.

Ich bin nicht so der Kredit-Aufnehmer.
Wenn wir als kleine Familie nun aber über einen S212, also das letzte T-Modell der E-Klasse mit vier Augen vorn, nachdenken – wird das ein bisschen dünn mit den Barreserven. Ich hab im Netz viele zu viele verlockende Angebote gefunden. Ich hab im Netz aber auch eine Grafik gefunden, die alle Risiken und auch alle Vorteile bei der Autofinanzierung aufgreift. Das meiste davon wusste ich schon, einiges war mir neu. Zum Beispiel, dass ich im EU-Ausland bis zu 40% sparen kann, was ist denn da falsch gelaufen? :-) Haben Sie da schon mal Erfahrungen gemacht?

 Seid ihr Finanzierer?

Hm.
Es gibt also genau wie Mietwohnungs-Nebenkosten-Vergleicher und Handytarif-Vergleicher auch Kredit-Vergleicher wie SMAVA, von denen die Grafik ist. Das ist ja eigentlich nicht so verkehrt, ich habe weder BWL studiert noch bin ich auf dem Finanzmarkt firm. Aber ist das, wenn ich meine Möglichkeiten kenne, vielleicht so wie ein versoffener Abend vor mobile.de, wo man entweder in Depressionen versinkt, weil es so viele wundervolle und gar nicht so teure Autos zu kaufen gibt oder am nächsten Morgen verkatert aufwacht und am viel zu früh klingelnden Telefon jemand fragt, wann man denn heute den Jaguar abholen käme? Seid ihr Finanzierer? Oder ist das einfach gut, weil ich es nutzen kann, wenn ich es brauche? Und sonst eben nicht? Viele Fragen. Ich geh mal ein bisschen Bargeld holen. Mit der Mofa.

Bares ist Wahres

Bares ist Wahres

Mich interessiert an dieser Stelle Ihre und eure Meinung.
Im Jahr 2015 kann sich fast jeder einen nagelneuen Mercedes leasen oder finanzieren. Der Charakter als „Statussymbol“ hat sich gewandelt. Ich weiß, dass die meisten von euch genau wie ich ihre Autos bar bezahlen und selbst am Laufen halten. Aber die Zeiten, wo nur Bares wirklich Wahres war sind vorbei. Was ist also mit den anderen? Finanziert ihr? Hausbank? Bank des Händlers? Online? Macht das Sinn? Ich stopfe derweil noch ein paar Euro in den Strumpf unter meinem Bett, denn irgendwann wird sie kommen, die neuere E-Klasse. Nicht neu, aber neuer. Und rostfrei :-) Damit mein halbfinnisches Fräulein Altona keinen Auspuff mehr verlieren muss…
Erzählt es mir…

Sandmann

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Created Montag, 15. Juni 2015 Tags Autokredit | Barzahlung | finanzierung | Fremde Federungen | Kredit Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
12 Jun 2015
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Verdammte letzte Tage

Verdammte letzte Tage

Am Ende einer Reise

Gerade noch fährt man voller Endorphine und mit guter Musik im Ohr für eine Woche in ein Häuschen am Meer. Der Hinweg. Sieben Tage Alleinsein, einen Haufen Arbeit, viele Wörter aber auch gute Zeiten mit einer Kaffeemaschine und chilligen Abenden. Wenn Sie auf dem Hinweg sind, denken Sie am ersten Abend, die vor Ihnen liegende Zeit entspricht einer kleinen süßen Ewigkeit. Und nur ein Augenzwinkern später stehen Sie in einem aufgeräumten Wohnzimmer, die meisten Sachen sind schon tief im Kofferraum des Audis verpackt und es ist der letzte Abend :-( Ich hasse letzte Abende. Sie machen mich melancholisch und traurig. In dem noch nicht abgebauten Computer singt Herr Mumford irgendwas von einem Wilder Mind, und in dem noch nicht ganz dunklen Himmel geht die Sonne unter und taucht die Küste in ein tiefes Rot. Ich will zum Strand. Ich möchte mich verabschieden.

Die Hütte ist vorbereitet und sauber. Fast verlassen.

Verdammte letzte Tage

Sieht nach Mehr Platz aus als es ist.

So ein Sandmann ganz alleine ohne menschliche Peripherie macht nicht viel Dreck. Man sagt mir nach, ich sei stubenrein, und wenn niemand guckt bin ich regelrecht minimalistisch. Es ist mir an sieben Abenden gelungen, weitestgehend vom selben Geschirr zu essen, aus dem gleichen Glas zu trinken und die Krümel nur um den Tisch herum zu verteilen. Ohne Spülmaschine wird man sparsam :-) Ein bisschen Staub vom Kaminholz hier, ein kleiner Rotweinfleck auf dem Tisch da, nichts, was sich nicht restlos beseitigen ließe. Dank einer komplett vitaminfreien Ernährung ist es mir auch gelungen, alle noch vorhandenen lebensmittelähnlichen Reste aus dem Kühlschrank zu einem relativ homogenen Abendessen zu kombinieren, was danach noch nicht gegessen ist nehme ich morgen mit nach Kiel. Eine Flasche Henkell Trocken steht für später bereit, ich glaube perliger kalter Sekt hilft besser gegen aufkommende Melancholie als Rotwein. Aber jetzt erstmal raus, mit dem Auto an den langen, fast endlosen Strand, wo die Sonne nach erfüllten und sehr produktiven Tagen endgültig im Meer versinken wird. Zumindest für heute.

Verdammte letzte Tage

Harmonie mit gelbem Licht

Da stehen Bunker in den Dünen, die nicht nur eine ähnlich schlimme alte Geschichte erzählen wie die einbetonierte MG-Lafette auf dem Blåbjerg, sondern auch einen prima Sockel für viele viele neue Fotos liefern. Ich hab zwar mein Stativ (wie immer) dabei, aber ich benutze es (wie immer) nicht. Lieber suche ich mir Steine, Mülleimer oder Baumwurzeln, so eine Kamera kann man ja fast überall draufstellen, und nur sehr selten fällt sie runter und noch viel seltener geht sie dabei kaputt. Bis jetzt erst ein mal. Oder… ich klettere eben auf einen Bunker. Damit Sie sich nicht zu Tode langweilen habe ich mich hier auf ein paar wenige stimmungsvolle Bilder des Dottore mit laufendem Motor und ziemlich gelbem Licht beschränkt. Der 38 Jahre alte Audi 100 LS ist ziemlich oft Mittelpunkt meiner Fotos geworden, okay, das ist hier auch grundsätzlich ein Autoblog, da darf er sich in den Vordergrund spielen. Ich selbst mach das ja auch schon oft genug. Und heute Abend ist die Kaffeemaschine mal nicht mit draußen, die kennt den Strand ja schon, also sind es nur wir zu fünft. Der alte Audi 100, die Sonne, das Wasser, der Strand und ich.

Verdammte letzte Tage

Perspektivwechsel vom Bunker

Nach und nach verschwinden die Protagonisten. Hier oben auf dem klotzigen Bunker, der hinter dem Parkplatz in Henne Strand rumliegt kommt die Sonne noch einmal ein bisschen weiter raus. Selbst der dunkelste Abend lässt sich aufhellen, wenn man die Perspektive verändert. Aber auch nur temporär. Ich denke in diesen Momenten immer wieder an meine beiden großen Töchter, denen ich all die Jahre am Ende eines Urlaubs, wenn sie traurig wurden, immer wieder gesagt habe dass jedes Ende eines Urlaubs der Anfang der Freude auf den nächsten Urlaub ist. Sie haben das so verinnerlicht, dass sie inzwischen MIR mit den gleichen Worten die Traurigkeit nehmen :-) Doof: die sind nicht hier. Niemand ist hier. Aber hier ist auch nicht das Ende eines Urlaubs, es ist das Ende einer Arbeitswoche. Ich kann mir das noch so oft wie ich will einreden, das macht es nicht besser. Audi: verschwindet jetzt. Ich fahre an den Rand des Parkplatzes und gehe die letzten Meter zu Fuß. Der Sand knirscht weich unter meinen nackten Füßen, er ist warm und weich und ich stapfe zu den beiden Holzbänken, wo ich an diesen Tagen so oft gesessen habe.

Verdammte letzte Tage

Pathos mit geradem Horizont

Die Nordsee ist sehr ruhig. Die sinkende Sonne bemalt die kleinen Schaumkronen chromig mit einem Hauch Orange, der Abendhimmel ist wolkenlos und niemand sonst ist hier, um sich dieses unfassbar schöne Schauspiel anzusehen. Die sitzen alle schon da drinnen vor ihren Flachbild-Fernsehern und glotzen den gleichen Scheiß, den sie auch im Alltag in Deutschland jeden Abend glotzen. Schon vier mal gesehene Blockbuster, permanent unterbrochen von blödmachenden Netto-Lebenszeit-Werbeblöcken über dick machende Müslis, schlank machenden Ekelbrei und wohlschmeckendes Abführmittel. Sie fläzen auf ihren Sofas im Mief ihrer unsexy Jogginghosen, während doch die Natur hier draußen ihren ganz eigenen Film zeigt, ohne harte Schnitte, ohne Werbung und immer wieder neu – und doch so vertraut. Sehen Sie, diesen Vorteil hat die Nordsee gegenüber der Ostsee definitiv: Die Sonne geht über dem Meer unter. Man muss nicht als verliebter Teenager in einer lauen Sommernacht am Strand von Sylt fassungslos auf das Meeresleuchten gestarrt haben, um eine niemals enden wollende Zuneigung zu solchen Szenen an der Westküste zu entwickeln. Aber es fördert das ungemein.

Verdammte letzte Tage

Bring es auf die Bank

Auf der Bank am Strand von Henne bekommt man keine günstigen Kredite. Da kann man nur so vor sich hin sitzen und zusehen, wie der Tag langsam zur Nacht wird. Und man kann eine steigende Anzahl von kleinen Schildchen entdecken, warum auch immer hier ein paar Päärchen ihre Namen auf das Holz geschraubt haben. Haben die sich hier verlobt? Oder einfach nur verewigt? Ich frage mich, welchen Kredit das Leben diesen Liebenden, diesen Beziehungen gewährt. Günstig ist die Zeit, welche wir uns nur geliehen haben nie. Und die Zinsen sind hoch. Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat haben die Brillen ihre rosa Farbe verloren und man verinnerlicht, dass Liebe viel Arbeit ist. Dass ein Zusammenleben niemals zum Murmeltiertag werden darf und dass nichts, aber auch gar nichts sicher ist. Dass man sich jeden Tag neu entdecken und neu angucken muss und sollte. Das ist eine fast unlösbare Aufgabe, an der inzwischen die Hälfte der Menschen offiziell scheitert. Wenn die Augen offen sind und man respektvoll mit dem anderen umgeht, mit seinen Wünschen, seinen Sorgen und auch seinen Ängsten – dann kann etwas wundervolles daraus wachsen. Jeden Tag wieder. Ach Ulla & Wolfgang, Jule und Dennis, Jacqueline + Norman, Sabine og Axel und ihr zwei ganz unten, die schon beim Gravieren der Platte Geld sparen wollten – ich wünsche euch im Angesicht des Sonnenuntergangs alles Gute. Möget ihr mit eurem Zeitkredit etwas schönes erleben und nicht eines Tages zu dieser Bank hier zurückkehren, um etwas zu suchen, was es nicht mehr gibt.

Verdammte letzte Tage

Der ewige Kreislauf

Zu Hause in Kiel und Hamburg erwartet mich eine Welt, die inzwischen so ist, wie ich sie mir selbst mit offenen Augen gebaut habe. Nicht alleine, sondern mit der Hilfe von vielen lieben Menschen um mich herum. Eine Welt, in die ich gern zurück kehre, zumal sie nicht so einsam ist wie eine Woche in Henne Strand. Und genau deshalb machen mich die letzten Abende immer so fertig. Die Zeit ist vorbei, aber trotzdem ist man noch da. Ausschlafen ist nicht, weil der Schlüssel um 10:00 Uhr bei der Ferienhausvermittlung sein muss. Frühstücken ist morgen auch nicht, das krümelt ja wieder alles voll. Und außerdem packt mich diese größer werdende Traurigkeit, die ihren Gipfel morgen Vormittag im Abschließen der Haustür finden wird. Ich habe zu viele Dinge in meinem Leben loslassen müssen. Als Kind, wo ich es nicht selbst in der Hand hatte. Als junger Mann, als ich es selbst in der Hand hatte und es verkackt hab. Und als reifer Erwachsener, als ich es mal wieder nicht selbst in der Hand hatte. Nicht alles war immer weg, aber wenn die großen Säulen der Sicherheit wackeln wird das Fundament bröckelig. Ich habe gelernt, mich dort zu Hause zu fühlen, wo es schön ist und wo Menschen sind, die ich liebe. Nachdem man mir zwei mal mein Zuhause genommen hat, ohne mich nach meiner Meinung zu fragen ist das für mich ein guter Weg, der die Seele beschützt und mich innerlich ankommen lässt. Aber im Gegenzug geht es mir immer schlecht, wenn ich einen schönen Platz verlassen muss. Verdammt. Wie man’s macht…

Verdammte letzte Tage

Blicke ich nun zurück oder nach vorn?

Nicht mal Seevögel sind heute Abend hier, während ich meinen tristen Gedanken freien Lauf lasse. Nein, ich bin kein depressiver Mensch, ich kann einfach nur nicht gut loslassen. Ich weiß, dass morgen ein neuer schöner Tag beginnt, ich freue mich auf meine großen und kleinen Frauen und sogar auf die vor mir liegende Woche, in der ich wieder über alte Autos schreiben kann. Aber manchmal brauche ich die Traurigkeit, um an anderer Stelle wieder lachen zu können. Das Meer platscht und rauscht an den Strand, die Luft riecht salzig und leicht nach verbranntem Holz. Der Wind streicht ganz leise durch die Gräser auf den Dünen, und man kann dieser roten Sonne jetzt förmlich zugucken, wie sie immer kleiner wird. Selbst wenn ich wollte, ich könnte das jetzt nicht mehr verhindern, auch nicht wenn ich nochmal auf den Bunker kletter. Sie geht unter und macht der Nacht platz. Ich fahre gleich zurück ins Häuschen, zünde noch ein paar Kerzen an und höre ein bisschen neue, gute Musik. Danke Internet, danke iTunes. Jackson Browne hat in einem Lied einmal gesungen, dass die Roadies nach seinen Konzerten einen guten Job machen, aber dass sie bitte erst alles andere einpacken sollen, bevor sie sein Klavier holen. So ist das heute Abend mit meinem Rechner, dem Desktop, auf dem die Musik drauf ist. Der bleibt bis zum Ende morgen früh stehen und spielt wie die Band, als die Titanic schon am Sinken war.

Verdammte letzte Tage

Bis nächstes mal, Nordsee

Klingt alles sehr pathetisch, metaphorisch und fatalistisch, oder? :-) Aber nein, so schlimm ist es ja gar nicht. Ein ganz normaler letzter Abend, gepresst durch die verstärkende Tatsache, dass die Einsamkeit hier keine Chancen zur Ablenkung erfährt, wenn man erstmal in der Mühle drin ist. Also Augen auf und durch. Vielleicht gebe ich es mir auch noch richtig dreckig und spiele ein bisschen Gitarre, die habe ich die ganze Woche über kaum angerührt. Gute Nacht, liebe Sonne. Bis morgen. Und tschüss Nordsee, du immer rauschendes Meer, ich werde wiederkommen. Mal sehen welche Geschichten das Leben bis dahin neu geschrieben hat. Verdammte letzte Abende! Ich freue mich auf alles, was kommt. Denn es geht immer weiter.

Sandmann

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Created Freitag, 12. Juni 2015 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Dänemark | Henne Strand | letzter Abend | Reise Reise | sonnenuntergang | Typ 43 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
09 Jun 2015
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Strandmanns Kaffeewelt

Strandmanns Kaffeewelt

Sonne, Wind und Kaffeebohnen

Wann haben Sie zuletzt Ihrer Kaffeemaschine den Strand gezeigt? Oder waren mit ihr einkaufen? Hatten Sie schon mal zusammen auf einer Hüpfblase ausgelassen Spaß? Ich nutze die Zeit im dänischen Henne Strand, um meinem mitgereisten Freund Moltio alle diese Freuden angedeihen zu lassen. Parallel dazu schreibe ich eine Menge Artikel und erstelle Facebook Postings, muss also arbeiten. Viel arbeiten. Aber wenn ich grad mal nicht schreibe – sind wir zwei unterwegs. Er und ich mit dem 38 Jahre alten Audi 100. Es ist ja sonst keiner da, meine Familie blieb daheim und meine besuchswilligen Freunde habe ich allesamt ausgeladen. Glauben Sie mir, wenn man tagelang mit niemandem gesprochen hat, wohnt einem Kaffeevollautomat ein noch viel größerer Unterhaltungswert inne als so manchem menschlichen Begleiter.

Ich werf Sie gleich mal mitten ins Geschehen.

Strandmanns Kaffeewelt

Endlich. Ein guter Freund.

In Strandmanns Ferienhaus geht der ungemahlene Kaffee zur Neige. Im Supermarkt von Kobmand Hansen, auch bekannt als „Der König von Henne Strand“, wird allgemein eingekauft, wenn der ungemahlene Kaffee alle ist. Ich habe mir wie schon beschrieben abgewöhnt, deutsche Lebensmittel zu importieren, das shoppen mit Fremdwährung macht hier viel mehr Spaß und erweitert den Horizont. Alles ist voller Farbstoffe und Sachen, die ich weder erkennen noch entziffern kann. Super. Das geht nicht jeden Tag gut, gestern strich ich mir voller Lebensmittel-Optimismus etwas auf mein luftiges Brötchen, von dem ich glaubte, es sei Krabbensalat. Tiefseekrabbensalat. Das Bild auf der Packung jedenfalls sah ganz danach aus, aus einer dicklichen weißen Sauce lächelten mich rote gepellte Schalentiere an und winkten mit den Fühlern. In meinem Mund entpuppte sich die teuer erworbene Feinkost als zähflüssige, salzige Paste mit Spargel und anderen Sachen drin, ich glaube, ich habe seit Jahren nichts widerlicheres gegessen. Bäh. Weg damit. Seit dem bin ich vorsichtig geworden und beschränke mich auf Tiefkühlpizza, Pommes und rote Pölser. Na ja und Kaffee. Was ist die Freude groß, als wir beim Kobmand ein altertümliches sympathisches Mahlwerk treffen und Moltio sofort mit ihm Freundschaft schließt. Die beiden haben sich von Anfang an verstanden, und auch der feilgebotene Kaffee scheint was zu taugen.

Nehmen wir den?

Nehmen wir den?

Um uns herum bewegen sich drei Kategorien von Menschen.
a) diejenigen, die genau wie ich in ihrem Ferienhaus eine mehr oder weniger schlechte billige Brühmaschine stehen haben und neidisch dem gut aussehenden Norddeutschen hinterhergucken, der diesen gut aussehenden großen Brühwürfel durch den Supermarkt schleppt und heute Nachmittag bestimmt guten Kaffee trinken wird.
b) diejenigen, die sich fragen, ob das Gerät wohl kaputt sei und ob ich es hier irgendwo umtauschen will und wo hier denn überhaupt diese Saecos stehen, die man anscheinend kaufen kann, andere Gründe kann es nicht geben warum der Typ das Teil durch den Laden trägt.
c) unbeteiligte Touristen in gleichen bunten Multifunktionsjacken. Ich treffe Helga und Dieter wieder, sie unterhalten sich ausführlich über den Preisunterschied der dänischen Lebensmittel zu deutschen Lebensmitteln und dass bei Lidl doch alles viel billiger sei. Dieter hat auf seinem Handy aus dem letzten Jahrtausend (aber mit Gürteltasche) den Taschenrechner gezückt und wirft Helga ständig die Europreise über die Truhe an den Kopf. Was für ein erfülltes Leben. Ich meine auf ihren Schultern interessante neue Muster in den lila Windbreakern zu erkennen, vielleicht ist das aber auch nur Fasanenscheiße.
Ich wuchte die Kaffeemaschine neben dem Laufband der Kasse auf den Tisch, lächel die beiden hübschen, aber verwirrt guckenden Däninnen dahinter an und flüster leise: „Don’t ask...“ :-) Das fanden die wohl ziemlich lustig, die eine prustet sich Kaffee durch die Nase und die andere giggelt in ihre Kasse und vertippt sich ständig. Hihi. Wir verlassen den Konsumtempel und fahren mit dem Audi rüber nach Houstrup. Da habe ich in der Vergangenheit auch ein paar Häuschen gemietet, und da ist vor der lokalen Ferienhausvermittlung eine tolle Hüpfblase. Einmal in jeder Dänemarkwoche muss ich mich da austoben, und Moltio will das heute auch.

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Großer Spaß auf Luft

Kennen Sie diese Blasen? Die prominenteste der dänischen Nordseeküste ist bei Blavand, wo man, wie ich inzwischen gelernt habe, auch einen köstlichen Kuchen kaufen kann. Aber die hier ist auch super und nur 5 Minuten entfernt. Schuhe aus und rauf da, am liebsten mit mehreren Personen. Und spätestens wenn es einen derart zerlegt dass er oder sie sich auf den Hintern setzt, während die anderen noch hüpfen bekommt man einen nachhaltigen Eindruck der physikalischen Begriffe Kraftverteilung, Trägheitsmoment und Impulserhaltung. Für Nicht-Physiker: Man fliegt unkontrolliert sehr sehr hoch und eskaliert letztendlich neben dem Gummiteil auf dem Rasen. Mit Moltio bin ich natürlich ein bisschen vorsichtiger, hier treibt mich nicht der fiese Sadismus, der immer wieder aufflammt, wenn eins meiner Töchterchen im Fadenkreuz auftaucht :-) Wir haben Spaß. Die Kaffeebohnen rascheln fröhlich im Kaffeebohnenfach wie in meiner Jackentasche die Zigarillos, das Wasser im Wasserbehälter schwappt so rhythmisch wie in meinem Bauch das Frühstücksbrötchen mit Leberpastete und erschöpft und lachend sitzen wir noch lange am Rand der Blase in der Sonne und gucken den vorbeifahrenden Autos zu. Das Leben ist schön. Und die Zeiten zwischen den Arbeitsphasen kann man hier durchaus angenehm gestalten.

Aber ein Sandmann fühlt sich aber erst wohl, wenn er Sand sieht.

Strandmanns Kaffeewelt

Sylt? Nein. Aber so ähnlich.

Wie das einem Kaffeevollautomaten beim Anblick von Sand geht weiß ich nicht. Moltio ist vom Gehopse eben und von unserem Besuch auf der Düne und dem Blåbjerg heute Morgen noch ein wenig benommen, ich denke, die Höhenluft war vielleicht ein bisschen viel für ihn. Was für ein Leben. Die ganze Zeit durch die Gegend getragen werden, Land und Leute kennen lernen und ab und an mal einen kleinen Kaffee pressen. Vielleicht auch mal ne Milch schäumen. Klasse. Aber ich gönne der Saeco dieses Leben, und das Ding scheint mit sich und der Welt ganz und gar im Reinen zu sein, nach der Begegnung im Supermarkt erst recht. Er macht, dass ich morgens gut wach werde. Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte habe ich mein schwarzes Gold immer mit einer orangen Melitta aus den 70ern gebrüht. Das schmeckte irgendwie ganz gut, aber ich glaube das lässt sich vergleichen mit der oberflächlichen Zufriedenheit, die einem innewohnt, wenn man einen runtergerockten Rest-Tüv-fünfthand-Kia von 1994 fährt. Er bringt einen ans Ziel und man lebt irgendwie mit den kaputten Fensterhebern, der quietschenden Lüftung und den wimmernden Radlagern. Bis man dann mal einen gepflegten Mittelklasse-Mercedes ohne Reparaturstau fährt. Das ist wie eine Erfüllung. Moltio ist mein Mittelklasse-Mercedes. Aber ich schweife ab.

Strandmanns Kaffeewelt

Deiiiine Spuren im Saaaand

Windig ist es an der Nordsee. Und sehr sandig. Ich glaube, ich parke den alten Audi gleich noch mal um, wenn ich den hier länger als 15 Minuten stehen lasse ist das Blech komplett blank gestrahlt. Das wäre teilweise gut, aber heute ist nicht der richtige Zeitpunkt. Allein während ich das Foto mache ist meine Gitarre halbvoll geweht, und im Audi hat sich hinter der aufgelassenen Beifahrertür eine kleine Düne gebildet. Und eine Ameisenkolonie, aber das steht glaube ich in keinem direkten Zusammenhang. Yeah jetzt habe ich direkt im Fußraum eine Menge Zeigs, dass ich euch nach der Geschichte in die Augen streuen kann, damit ihr gut schlafen könnt :-) Ich fahre den alten Wagen ein paar Meter vor in den Windschatten und Schutz eines alten Toyota Corollas. Die Dänen fahren viele Japaner. Wenn es den hier zerschmirgeln sollte ist mir das egal.
Der Strand ist schon wieder so leer, wie er nur hier in der Vorsaison leer ist. Inzwischen habe ich es geschafft, deutsche Nachrichten zu gucken, und es ist kein neuer Krieg oder sowas ausgebrochen. Helga und Dieter und alle ihrer Artgenossen haben sich nur längst in ihre Domizile eingeigelt, gucken RTL II, essen ihr gutes mitgebrachtes Deutsches Essen und machen noch ganz viele andere Sachen, bei denen ich mich frage, warum sie dafür in ein anderes Land gefahren sind. Aber jeder wie er möchte. Ich selbst bin vorhersehbar und bodenständig und trage meine Gitarre und meinen Kaffeevollautomat an den weitläufigen Nordseestrand. Also ganz normal.

Strandmanns Kaffeewelt

Der alte Mann und das Meer

Meer. Naturgewalten. Wind.
Sie werden mich niemals auf Dauer in die Berge umgesiedelt bekommen. Wenn ich über den geraden, klaren Horizont gucke und den frischen, salzigen Wind im Gesicht spüre bin ich Zuhause. Die Wellen mit ihren Schaumkronen rollen ewig und beständig an den Strand, nichts kann sie wirklich aufhalten. Und sie machen das schon seit Jahrtausenden, jede Sekunde eines neuen Tages von vorn. Das Wasser wird vom Mond vor und zurück gedrängt, Inseln verschwinden und entstehen, Küsten verändern sich und am nächsten Tag schon ist nichts mehr, wie es gestern noch war. Tägliche Vergänglichkeit, die doch so beständig ist. Dagegen wirkt ein Menschenleben klein und unbedeutend, manchmal sind solche Erkenntnisse hilfreich und erden angenehm die eigene Einstellung. Wenn man das verinnerlicht hat regt man sich nicht mehr auf über Spurwechsler in der Innenstadt oder Drängler auf der linken Spur. Dann lässt man sie einfach spurwechseln und drängeln, denn man erzieht sie sowieso nicht. So ein weiter Horizont hilft einem, gelassen zu werden. Während ich all das meiner Kaffeemaschine zu erklären versuche weht mir Sand in die Schuhe, den Kragen, die Ohren, die Haare und die Hosentaschen. Feiner, weißer Sand. Jetzt hat Moltio auch einmal das Meer gesehen und hat damit dem einen oder anderen Bundesbürger sogar was voraus. Es soll Menschen geben, die noch niemals am Meer waren. Vielleicht die Spurwechsler und Drängler…?

Strandmanns Kaffeewelt

Erklär mir das Meer

Sie vermissen Bilder, auf denen ich mit dem Automaten einen Kaffee koche? Stimmt. Ich habe ein paar gemacht, heute Morgen. Aber die sind sehr profan, während die raue Natur an der Küste etwas sakrales hat. Etwas unbändiges, schönes. Und der Kaffeeautomat und ich dürfen mitten drin sein. Über guten Kaffee unterhalten wir uns gern im Herbst noch einmal, wenn ich morgens in der Dunkelheit aufstehen muss und mir Kaffee gefühlt das Leben rettet. Hier und heute ist die Kaffeemaschine mir ein guter Freund, der mich an diesen Tagen ein wenig begleitet hat. Gleich geht es wieder zurück ins Haus, ich muss heute noch den zweiten Artikel fertig schreiben. Insgesamt sind das jetzt schon sechs Stück, sehr produktiv, die Rechnung ist aufgegangen. Jetzt schon. Als ich mir den Sand aus den Haaren strubbel bemerke ich auf der Lehne der alten Holzbank kleine, angeschraubte Plaketten mit Vornamen drauf. Huch? Eine Verlobungsbank? Oder was ist das für ein netter Brauch? Na – ich glaube ich komme übermorgen Abend noch einmal wieder, um dem Meer tschüss zu sagen. Dann ist der letzte Tag schon wieder Realität. Ich hasse letzte Tage, und vielleicht komme ich besser klar mit einem Sonnenuntergang und ein bisschen Meeresrauschen. Dann aber ohne Moltio. Der braucht auch mal eine Pause.

Und auch wenn Sie noch nie Ihre Kaffeemaschine dabei hatten – am Meer waren Sie doch wohl hoffentlich alle schon mal, oder?

Sandmann

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05 Jun 2015
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Berge in Dänemark?

Berge in Dänemark?

Ja wo sind sie denn?

Doch, die gibt es.
Rund um Henne Strand sogar gleich zwei, eine Düne gleich am Ortseingang und der sagenhafte Blåbjerg, zu dem es mich in jedem Urlaub wegen der Wälder und Ameisen zieht. Meine Kaffeemaschine Moltio lebt mit mir in der norddeutschen Tiefebene von Kiel und kennt keine Berge. Als Kaffee Vollautomat kommst du eher wenig rum. Das Interesse an schönen Landschaften wurde dem Ding ja nicht origin ins Frischwasserfach gelegt. Um das treue Gerät nicht eines Tages dumm sterben zu lassen zeige ich ihm heute Morgen noch vor dem Frühstück diese beiden erhabenen Plätze. Ich schütte die letzten Bohnen oben rein (wir müssen heute Abend dringend neue kaufen, wir zwei), nehme den heißen Würfel vom Netz und fahre mit ihm im Audi los.

Berge in Dänemark?

Wo eine Düne ist, ist auch ein Weg

Wenn Sie noch nie in Henne Strand waren stellen Sie sich das vor wie Sylt. Wenn sie auch noch nie auf Sylt waren stellen Sie sich das vor wie die Lüneburger Heide, nur ohne Birken, dafür aber mit Heckenrosen. Wenn sie auch noch nie in der Lüneburger Heide waren sind Sie ein Stubenhocker und ich kann Ihnen auch nicht mehr helfen. Ändern Sie das. Hier ist alles trocken und kleinwüchsig, es duftet wundervoll nach warmem Sand, Heidepflanzen und Gräsern. Weit oben trillert eine Lärche, und wäre da nicht dieses dumm schwatzende korpulente Paar zweier Mittfünfziger in identischen lila Multifunktionsjacken aus Hessen, ich könnte meine Morgenfreude kaum fassen. So warte ich geduldig, bis „Helga” und „Dieter” die Treppe endlich verlassen, ihre gravitationsgeplagten Körper auf ihre geliehenen E-Bikes geschwungen haben und in Richtung Städtchen abschwirren. Nun ist die Luft wieder rein und ohne Geschwätz. Navi Lisa will im Auto warten. Sie hat ein bisschen Höhenangst und behauptet, schon fast alles gesehen zu haben. Na gut. Sie kann sich mit ein paar Verkehrsinfos verlustieren, wenn sie nicht will dann eben nicht. Ich schnappe mir Moltio und wir beide stapfen nach oben, der Morgensonne entgegen.

Berge in Dänemark?

Eine Form von Frühsport

Vielleicht sollte der Crema-aufschäumende Kasten aus dem Hause Philips eher mich tragen, der hat nämlich ganz schön zugenommen. Oder sind das die schweren Kaffeebohnen? Ich weiß nicht, ob ich Moltio jetzt in jeden Urlaub mitnehmen werde, irgendwo müssen ja auch noch die Kinder sitzen. Und mein halbfinnisches Fräulein Altona steht bekanntermaßen mehr auf den Kessel-Espresso aus der Bialetti, da hat meine geliebte Saeco also ebenfalls keine Lobby. Hm. Aber in dieser Woche bin ich ja alleine mit den beiden unterwegs, als Blogger und Social Media Manager muss man auch seinen Elektrogeräten ein Mindestmaß an Unterhaltung im Urlaub bieten. Sagt auch Sascha Lobo. Glaube ich.
Betreffende Düne taucht wie aus dem Nichts plötzlich rechts auf, wenn man nach Henne fährt. Wenn man aus Henne kommt dann links. Weil alle auf dem Hinweg schnell ihre Hüttenschlüssel haben wollen (und nicht jeder pünktlich ankommt :roll: ), alle auf dem Heimweg nur noch nach Hause ins deutsche E Plus Netz wollen und an den Tagen dazwischen träge und statisch bei übertriebener Ofenhitze vor RTL II sitzen und ihre letzten IQ Punkte abfackeln klettern nur wenige Touristen auf die Düne. Ich bin einer von ihnen. Ich guck aber auch kein RTL II.

Berge in Dänemark?

Kleine Pausen verlängern das Leben

Zuletzt war ich glaube ich 17 oder 18 Jahre alt, als ich das gemacht habe. Damals sind Jan und ich mit den Mopeds kreuz und quer von Plön nach Kopenhagen und dann hier das erste mal nach Henne Strand geknattert, eine Tour, die wir 2013 (ohne Kopenhagen) wiederholt haben. Die hölzernen Stufen nach oben sind anscheinend noch die gleichen, aber mein alternder Körper nicht mehr. Außerdem habe ich damals in den späten 80ern keine Kaffeemaschine getragen, seinerzeit brühte man das koffeeinreiche Gesöff noch durch einen Filter in eine Kanne. Kaffeevollautomaten gab es nur in der Gastronomie, und niemand kam auf die Idee, die Dinger mit in den Urlaub zu schleppen. Ein wenig erschöpft mache ich auf halbem Weg nach oben Rast auf einer kleinen wohl extra dafür eingerichteten Bank, atme die frische Luft ein und erkläre Moltio, in welchen Ecken des Örtchens ich schon in all diesen Jahren ein Ferienhäuschen gemietet hatte. Das waren wirklich viele Ecken. Und weiter. Von ganz oben ist der Blick (glaube ich mich zu erinnern) noch viel besser, in Ermangelung irgendwelcher anderer Erhebungen außer dem benachbarten Blåbjerg kann man über das ansonsten platte Land bis hoch nach Skagengucken und bei gutem Wetter sogar Schweden, Norwegen und Finnland sehen. Okay. Nicht ganz.

Horizonte

Horizonte

Schweigen. Einfach mal innehalten, keine Musik hören und nur auf den Horizont gucken. Ich zähle mich ohnehin nicht zu den alles um sie rum ausblendenden Kopfhörer-Typen, ich habe auch ohne Knopf im Ohr schon genug Media um mich rum und genieße draußen die Geräusche der Natur und die Stimmen der Menschen. Es macht mich sehr froh, dass die beiden Hessen nicht mehr da sind, Moltio und ich haben die Düne für uns ganz allein. Wie so viele Orte hier, die Saison hat noch nicht angefangen, und es findet sich fast überall eine Menge Platz zum Dasein. Der Kaffeevollautomat hält beeindruckt inne und rückt ein bisschen näher an mich ran. Er findet das hier ziemlich hoch und zischt schüchtern etwas von Alpen und dem Mont Blanc, das hat er wohl mal im Fernsehen mitbekommen. Vielleicht muss ich ihn doch noch mal mitnehmen nach Süddeutschland oder in die Schweiz, wenn ihn das hier schon plättet dann werden ihm die echten Berge gefallen. Vielleicht verguckt er sich da ja in eine schicke junge Jura? Na, ich werde ihm den Wasserfilter nicht zu wässerig machen, nachher zieht er schneller aus als mir lieb ist. Sie werden so schnell erwachsen…

Berge in Dänemark?

Platz, wirklich viel Platz.

Der Blick von dieser Düne über die Heide und Henne Strand bis zur Nordsee bestätigt mir wieder einmal, dass ich ein Mann des Nordens bin. Ich brauche die Weite des Landes und ich brauche das Meer. Berge sind toll, aber wenn die mir auf Dauer im Weg stehen bekomme ich Platzangst. Das kann hier nicht passieren :-) denn nicht mal die Bäume werden in Dänemark viel größer als man selbst. Da sorgt der Wind schon für. Inzwischen habe ich mich auch endlich mal schlau gemacht über den lustigen Namen meines seit 25 Jahren bereisten Lieblingsplatzes, sowas wie „Ringköbing Fjord” oder „Kopenhagen” klingt alles viel weniger albern als „Henne„. Und in der Tat, ich lache zurecht. Wikipedia: Der Ortsname Henne, erstmals 1145 als Hænningh belegt, leitet sich von hane (dt. Hahn) ab, bedeutete ursprünglich also „Ort mit (Birk-, Auer-) Hähnen“Berge in Dänemark? Hier wurde also der Hahn zur Henne gemacht, und ich hatte gehofft, der Ursprung liegt in irgend etwas spektakulärerem, irgend einer Wikingersage oder so. Tz. Wie um das zu untermalen steigt ein Fasan aus den Gräsern auf und flattert krakeelend in Richtung Meer. Ob er den beiden Multifunktionsjacken-Hessen auf die Schulter scheißt? Bitte ja. Ich fände das sehr witzig. Und schleppe Molito wieder die Treppen runter.

Berge in Dänemark?

Heute mal auf der Straße, nicht der Haube.

Die Straßen um den Ort mit Hähnen zeichnen sich durch ihren highwayartigen Geradeauslauf aus, nur die Finnen können das noch toppen. Da gibt es dann sogar richtige Bäume am Straßenrand :-) Da sämtliche Touristen offensichtlich tatsächlich gerade vor RTL II sitzen (eigentlich sollte das ein Witz sein) bin ich sogar auf der Hauptstraße mit mir, der Kaffeemaschine, Lisa und dem Audi allein. Irgendwie seltsam. Sollte ich doch mal wieder den Fernseher anmachen und einen deutschen Sender suchen? Vielleicht ist mir ja zwischen den ganzen vomitierenden dänischen Nachrichtensprechern der dritte Weltkrieg durchgerutscht? Nee. Oder? Egal, bevor wir zum Blauen Berg weiterfahren mache ich noch ein Foto. Diesmal nicht als Haubensitzer, diesmal als Straßensitzer. Und immer schön nachdenklich gucken, *hach* wer braucht schon einen Selfie Stick?
Der Blåbjerg ist nur ein paar Kilometerchen von hier weg, auf dem Weg da hin kommt mir nicht ein einziges Auto entgegen. Auch der kleine Parkplatz inmitten des Naturschutzgebietes der Gemeinde ist entvölkert. Herrlich. Dann muss ich mich ja nicht intolerant über andere deutsche Touristen mit furchtbaren Dialekten aufregen, die genau wie ich auch einfach nur hier sind und gucken wollen, mir aber immer wieder auf den Sack gehen. Ich werde nochmal ein grumpy Old Man, wenn das so weitergeht Berge in Dänemark? Hey Moltio, wir sind da. Komm, ich mach dir die Tür auf.

Berge in Dänemark?

Ach bitte, steigen Sie doch aus.

Von den blauen Bergen kommen wir,
von den Bergen, ach so weit von hier.
Auf dem Rücken unsrer Pferde reiten wir wohl um die Erde.
Von den blauen Bergen kommen wir.
Sowas. Ich hatte den Text ganz anders in Erinnerung, irgendwas mit Lehrern, die genau so blöd wie wir sind. *grübel* Jedenfalls habe ich immer dieses Lied im Kopf, wenn ich auf den Blåbjerg steige. Hier oben war schon meine ganz große Tochter zu Grundschulzeiten, und es gibt Filmdokumente, die belegen, dass hier hoch genau fümundsiepzich Schtufn zu erklimmen sind. Vermutlich sind es heute nicht weniger geworden, ich vergesse sie nachzuzählen. Womöglich mache ich das eines Tages mal mit meinem geliebten großen Töchterchen. Habe ich erwähnt, dass ich diesmal alleine hier bin? :-( Kommt sowas wie ein kleiner Koller? Erkenne ich, dass die Gegenwart eines tragbare Navigationsgerätes und eines Kaffeevollautomaten nicht die lieben Menschen ersetzen kann, die man landläufig als „Familie” bezeichnet? Etwas ausgebremst schnappe ich mir Moltio und erklimme den Pfad bis hoch zum Stein.

Berge in Dänemark?

fümunsiepzich schtufen

Ich bekomme Hunger.
Absurderweise habe ich bis jetzt nicht mal einen Kaffee getrunken, und das ganze Philosophieren über den Ortsnamen macht mich scharf auf Chickenwings oder Hähnchenbrustfilet. Verdammt. So runtergerockt bin ich allerdings nicht, dass ich derartige Massentierhaltungsauswürfe schon zum Frühstück vertilge. Ja, lieber Magen, ich kaufe dir ja gleich deine Brötchen. Zunächst möchte ich meinem kubischen Freund noch ein paar Sachen zu diesem Berg hier erklären. Kammerherr Thyge de Tygeson hatte nämlich einst diese 64 Meter hohe Düne bepflanzt, um der Sandflucht Einhalt zu gebieten. Später wurde im Gedenken an den Thyge ein Gedenkstein auf der Kuppe des Blåbjerg errichtet. Argh. Und ich habe meinen Kindern immer erzählt, das sei ein geheimnisvoller Runenstein der Wikinger, der magische Kräfte habe :roll: Hoffentlich lesen sie das hier niemals! Das bewaldete Dänengebirge war früher eine wichtige Landmarke für Seefahrer. Dass sie aus der Entfernung bläulich aussah, verhalf ihr zu ihren Namen. Heute ist der Blåbjerg das Wahrzeichen der Kommune, aber für Wahrzeichen scheint sich hier niemand außer mir und Moltio zu interessieren. Aus der Ferne glaube ich, Gesang zu hören. Ist das Lisa?

Berge in Dänemark?

Geschichtsunterricht für eine Kaffeemaschine

Schau, da unten ist der Jungs-und-Mädchen Wald. Und da der Löcherbaum. Weiter da drüben sind der gefährliche Ameisenhügel und das Feenreich. All das, was ich meiner Kaffeemaschine von hier oben aus zeige würden meine Kinder als „Papa erzählt schon wieder Geschichten aus dem Krieg” bezeichnen, auch wenn sie selbst in diesen Geschichten durchaus mitgespielt haben. Kann sich ein Vollautomat langweilen? Ich habe nicht den Eindruck. Geduldig saugt er all die Informationen und die horizontreichen Aussichten in sich ein und behält auch alles drin. Der Behälter für den verbrauchten Kaffee ist jedenfalls nicht voller geworden. Etwas weiter vorn finden wir noch einen kleinen Bunker und die Reste einer MG Lafette aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Rund ist mit Beton ausgegossen, und ich vermute dass es hier auch zu aktiven Zeiten nicht viel zu verteidigen gab. Krieg ist doof. Ich muss nachher mal Nachrichten hören.
Singen ja ja jippi jippi je,
singen ja ja jippi jippi je,

singen ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi je
Ich rauche einen Frühstückszigarillo.

Berge in Dänemark?

Rauchen über Dänemark

Sie werden verstehen, dass man an so einem besonderen Platz zwar ewig philosophieren könnte über die Weite des Landes, das Bepflanzen von Dünen, was eigentlich genau ein Kammerherr ist, die Vergangenheit und das viel zu schnelle Älterwerden – aber mein Bock auf Frühstücksgeflügel macht mich nervös. Irgendwie liegt das an diesem Berg, damals bekam mein Freund Jan auf der Mofatour hier auch einen Bärenhunger. Es zieht mich zurück nach Henne Strand, rein in den Arbeitstag, an den Schreibtisch, wo es Kaffee gibt. Offtopic. Es existiert eine sehr kinderfreundliche Variante des Liedes mit den Blauen Bergen, die ich gerade entdeckte und die zur selben Melodie Melodie gesungen wird:
Wenn ich froh bin klatsch ich in die Hand, ( zweimal Klatschen )
wenn ich froh bin klatsch ich in die Hand, ( zweimal Klatschen )
wenn ich froh bin klatsch ich, wenn ich froh bin klatsch ich,
wenn ich froh bin klatsch ich in die Hand. ( zweimal Klatschen )
Das allerdings definiere ich als den  Sommerhit 2014 der RTL II Gucker und PEKiP Befürworter, im selben Moment fällt mir noch „Meine Tante aus Marokko” ein. Sagenhaft. Pitsch Patsch. Singen heute Eltern noch mit ihren Kindern Lieder, so wie meine Eltern das gemacht haben? Die haben damals im Sinne des Begriffs „Familie” so einiges verkackt, aber es wurde dabei viel gesungen. Das war gut so, das hat der Katastrophe eine Melodie gegeben. Na gucken Sie, kaum ist man in einer Art dänischem Gebirge und die Luft wird dünner kommen komische, lange verschüttete Gedanken. Ich bin froh, alle diese Lieder noch von damals zu erinnern und singe sie jetzt meinem viertelfinnischen Sandmädchen vor. Also, nicht jetzt, sondern wenn ich wieder zurück bin.

Berge in Dänemark?

So kann ich es aushalten.

Und das ist ja schon bald.
So begehrenswert in den ersten Tagen das Gefühl von Alleinsein war, die Tatsache, machen zu können was ich will und temporär keine Verantwortung für jemanden tragen zu müssen, so nachhaltig schleicht sich ein Vermissen in mein Herz. Ich bin eben nicht nur ein Nordmann, ich bin auch ein Papa. Und das mit Leib und Seele. Und wenn ich jetzt nicht langsam mal was zu Essen bekomme bin ich noch was ganz anderes! Ich schleppe Moltio wieder die fümundsiepzich Schtufn runter, setze ihn auf den Beifahrersitz und schnalle ihn an. Morgen hüpfen wir auf der Blase in Houstrup und gehen zum Strand. Und Kaffee müssen wir auch noch nachkaufen. Aber das wird eine andere Geschichte.

Singen ja ja jippi jippi je,
singen ja ja jippi jippi je,

singen ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi ja ja jippi jippi je

Sandmann

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03 Jun 2015
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7 Tage raus. Mit Lisa und Moltio.

7 Tage raus. Mit Lisa und Moltio.

… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein..

Schreiben ist so ne Sache. Da sitzen Sie in Ihrem Büro, haben grad eine gute Idee oder ein paar passende Formulierungen – und dann kommt von hinten jemand und fragt ob die Fotos schon hochgeladen sind. Oder das Telefon klingelt. Oder jemand will einfach nur nett einen Kaffee mit Ihnen trinken oder einen Zigarillo unten rauchen. Das ist alles gut und schön, reißt mich aber aus den Geschichten raus. Zum Schreiben bin ich am liebsten ganz allein. Die letzte Woche war ich jeden Tag unterwegs und hab viele coole Autos vor meine Kamera gezerrt. Und jetzt? Jetzt krabbel ich in meinen alten Audi und fahre in ein kleines Holzhäuschen an der dänischen Westküste, um die Geschichten zu den Fotos zu schreiben. Eine ganze Woche. Aber nicht ganz allein, bei mir sind meine Lisa (das TomTom Navi) und mein wundervoller Kaffeeautomat Moltio. Der war selbst noch nie im Ausland, also werde ich ihm mal ein paar Highlights rund um Henne Strand zeigen. Kommen Sie mit?

Hinten nicht, vorne Pflicht.

Vorn muss man sich anschnallen

Vorn muss man sich anschnallen

So alt ist die Saeco Kaffeekiste noch nicht, eigentlich muss das Ding hinten sitzen. Aber da sind keine Gurte. Ich lege meinen heißgeliebten Michel (nur meine Schwester Anita weiß, was ich meine) unter den Automaten, jetzt sitzt er hoch genug um angeschnallt zu werden. Er kann sogar rausgucken, das ist doch super. Dann kann ich mich unterwegs wenigstens mit meiner Kaffeemaschine unterhalten, Lisa ist schließlich dafür bekannt, dass sie zwar klare Monologe raustutet, ansonsten aber keine gute Zuhörerin ist. Außer wenn sie mich bei Staus fragt, ob sie die schnellere Route nehmen soll. Meine Redezeit ist dann auf ein “ja” oder ein “nein” begrenzt, und je nachdem wie laut die Musik ist versteht sie mich meist falsch. Also quatsche ich lieber mit Moltio. Andere sind nicht dabei. Mein halbfinnisches Fräulein Altona und das viertelfinnische Sandmädchen bleiben die ganze Woche daheim im Hamburger Alltag und gehen ihren Berufungen im Büro und der nicht bestreikten KiTa nach. Meine beiden großen Töchter haben Besuchswünsche angemeldet, die aber aus schulischen Gründen nur an den Wochenenden möglich wären. Da habe ich mir die einzigen Termine im Pölserland gelegt, also habe ich auch diese Bitten ablehnen müssen. Die Bemerkungen von ein paar Freunden, sowohl Kiel als auch Flensburg wären doch recht nah, ob man mich denn da nicht mal….? Nein. Ich möchte arbeiten, ist doch immer das gleiche wenn man von lieben Menschen besucht wird. Man redet und trinkt und bleibt die halbe Nacht wach. Also. Nein. Diesmal nicht.

Ich und Moltio

Ich und Moltio

Ich verabschiede mich mit etwas gemischten Gefühlen von den beiden Frauen, die zusammen mit mir noch in der Nähe von Schleswig im Ferienhaus von Freunden zu Besuch waren. So reizvoll die Aussicht auf sieben Tage völlige Einsamkeit mit Kaminofen und Internet ist, so sicher bin ich mir, dass ich die beiden spätestens heute Abend schon vermissen werde. Und die beiden Großen spätestens am nächsten Dienstag, denn da treffen wir uns immer in Kiel und kochen. Ich habe täglich so viele geliebte große und kleine Freuen um mich rum, diese Woche wird ein Loch in mein Herz reißen. Während ich einen Kloß runterschlucke widmet sich das viertelfinnische Sandmädchen schon wieder ihrem ebenfalls viertelfinnischen Freund Pikku T. und zerlegt mit ihm fachgerecht das Kinderzimmer. Na danke. Sie ist noch zu klein, um so etwas wie “morgen” oder “nächste Woche” zu verstehen, aber sie hat ja ihre wunderschöne Mutter an ihrer Seite, die ihr erklären kann, wo Papa grad steckt. Ich für meinen Teil habe nur Lisa und Moltio.

Lisa zeigt mir den Weg

Lisa zeigt mir den Weg

Seltsam ruhig ist es plötzlich. Der 38 Jahre alte Dottore schnurrt zufrieden mit 120 über die Autobahn, ziemlich beladen mit drei Kisten Kaminholz, drei Computern (meinem Desktop, meinem Laptop und einem Reserverechner, man weiß ja nie), einem bunten Blumenstrauß an Ersatzteilen und Werkzeug, Gitarre, Zahnbürste und Bargeld. Niemand spricht. Nicht mal Lisa, denn es geht bis hinter Flensburg nur geradeaus. Eine zeitlang genieße ich diese fast asketische Stimmung, dann knipse ich das Radio an. Keine Staus, keine Behinderungen, in drei Stunden bin ich in meinem gebuchten Refugium zwischen Esbjerg und Ringköbing. Zuletz waren Jan und ich mit den Mofas da, erinnern Sie sich? In der vor mir liegenden Woche werde ich diesmal allerdings nicht im Zelt schlafen. Wir haben laut Kalender zwar Anfang Juni, aber das Wetter da draußen könnte auch im Oktober oder Februar geboren worden sein. Außerdem ist das kein Urlaub, sondern ein Arbeitscamp. Und für meine Arbeit brauche ich einen bequemen Stuhl, einen PC und ein schnelles Internet. Dänemark ist in diesen Tagen noch weit entfernt von der Hauptsaison, und man bekommt gut ausgestattete Häuschen mit Meerblick für eine Woche zum Preis eines guten Abendessens für zwei Personen. Mit Steckdosen für meine Schreibmaschinen und WLAN :-) Und ohne Kollegen, die einen fragen, ob man die Fotos schon hochgeladen hat…
Während ich so vor mich hinsinniere sind wir plötzlich schon in Dänemark!

Na guck. Grenze.

Na guck. Grenze.

Schau, lieber Molito, hier fängt Dänemark an. Genau so wie ein zweijähriges Mädchen die Bedeutung von “morgen” oder “nächste Woche” nicht begreift versteht ein Kaffeevollautomat vermutlich auch nicht die Bedeutung von Grænsen. Ich erkläre ihm, dass hier früher mal Schranken und bøse Polizisten waren, die grimmig guckend den Ausweis und die Fahrzeugpapiere sehen wollten. Und die Örg und mich mal in dem komplett mit Bauschaum eingesprühten Knudsen Taunus nicht einreisen lassen wollten. Als dann auch noch unsere Ratten aus den Ärmeln gekrochen kamen, haben die Beamten… äh… das ist eine andere Geschichte. Die Grænsen sind heute nicht mehr da. Weder die einmal quer durch Deutschland, noch die nach Dänemark. Verschwunden ist auch die Infrastruktur, die davon gelebt hat, dass mindestens jeden Samstag hier Heerscharen von Touristen anhalten mussten. Verstehst du das, Moltio? Er sacht nix. Dafür quatscht mich jetzt überraschend Lisa an, ob ich die Autobahn oder die Landstraße fahren will. Landstraße! Und mein Handy erzählt mir, dass ich in Dänemark bin und mein Tarif hier genau so flatratig ist wie in Deutschland. Eigentlich bin ich gar nicht so alleine.

bis an den Horizont

bis an den Horizont

Waren Sie schon mal in Dänemark?
Abenteuerurlaub dürfen Sie hier nicht erwarten. Das Land zeichnet sich vor allem durch komplette Flachheit aus und wird hauptsächlich bevölkert von Landwirten, Kühen, Pornoproduzenten und Ferienhäusern. Teenager an der Seite ihrer konservativen Eltern sterben hier regelmäßig vor Langeweile oder werden innerhalb weniger Tage drogensüchtig. Das Tempolimit der Überlandstraßen liegt bei 80 km/h, und man darf im asketischen Horizontrausch nicht zu sehr Eins werden mit der vorbeiziehenden Natur, dann reißt einem spätestens nach 8 Kilometern ein unerwartet auftauchender Kreisverkehr die Achsen weg. Dänemark ist aufgrund der Geschwindigkeitsbeschränkung ein Paradies für Benzinsparer, was in seinem fast perfekten Entspannungs-Idyll nur getrübt wird durch die lokalen Radiosender, auf denen in endlosen Werbeblöcken hektische Stimmen im Kanon oder im Dialog klingen, als ob sich ihre Besitzer jeden Moment übergeben müssen. Ich spreche diese wundervolle Sprache leider nicht. Für eine Verständigung ist das allerdings auch nicht nötig, denn gemeinsam mit mir branden an diesem Samstag wieder tausende meist deutsche Urlauber in die Ferienhäuser und sorgen mit ihrer überheblichen Besatzerart dafür, dass man hier inzwischen überall auch mit Euros bezahlen kann und dass quasi jeder Däne in den Touristengebieten ein besseres Deutsch spricht als die Deutschen in den Ghettos von Hamburg.

Unendliche Weiten

Unendliche Weiten

Ich freue mich auf frühes Aufstehen (jaaaa ich mag das!) und joggen kurz nach dem Sonnenaufgang am endlosen Strand. Dann auf frischen Kaffee, den mir Moltio bereiten wird und knusprige dänische Brötchen, die vorwiegend aus Luft bestehen und mit zweifelhafter Leberpastete aus dem Aluschälchen bestrichen das köstlichste sind, was man zu Beginn eines Arbeitstages essen kann. Ich freue mich auf Fotos sichten und schreiben, schreiben, schreiben. Ich freue mich auf das Häuschen, auf den Bildern sah es hell und gemütlich aus. Und ich freue mich auf Abende zwischen dem Kaminofen und dem HD Flachbildfernseher, ein Glas Rotwein in der Hand und hoffentlich auf mindestens einen fertigen Artikel pro Tag zurückblickend. Ich freue mich nicht darauf, abends allein in mein Bettchen zu krabbeln. Aber die Dinge, die ich tagsüber erledigen will sind allein gut zu bewerkstelligen. Wie so einige andere Aktionen auch, ich merke, dass die ersten Kaffees wieder raus wollen.

Lieber alleine

Lieber alleine

Bei diesen spontanen Aktionen am Straßenrand muss ich die Kaffeemaschine nicht unbedingt dabei haben, das wird das Ding verstehen. Es genügt schon, dass sich im Moment des Knopfleisten-Öffnens sämtliche Landwirte und Pornoproduzenten aus einem Umkreis von 42 Kilometern mit ihren Familien wie aus dem Nichts materialisieren und sowohl hupend als auch winkend und lachend in ihren Autos vorbeifahren. Knopfleiste wieder zu – alle wie vom Erdboden verschluckt. Ist das schon mal wissenschaftlich untersucht worden?
Dank fehlendem RDS muss ich ständig neue Radiosender suchen. Das gibt mir einen irgendwie deprimierenden Einblick in den Musikgeschmack der insgesamt rund 20 Einheimischen und beeindruckt mich im Halbstundentakt mit immer wieder neuen vokalen Kotzanfällen, wobei ich da nicht mehr zwischen Werbung und Nachrichten zu unterscheiden vermag. Hvis det nu lyder, som om jeg skulle kaste op, behøver du ikke at bekymre dig. Dette skyldes det sprog, jeg taler. Schräg. Kurz vor Esbjerg werden meine Mitreisenden und ich von flackernden Leuchtfeuern aus unseren Gedanken gerissen. Zivilisation? Hier??? Das sieht aus wie ein Flugplatz, Moltio hat sowas noch nie gesehen, ich zeige ihm das mal.

Oh, da gibt es was zu sehen!

Oh, da gibt es was zu sehen!

Ein eher kleiner Flugplatz, weiter hinten am Horizont. Die Leuchtfeuer stehen wie Wäscheständer auf der saftigen grünen Wiese rum. Sie dient als Nahrungsquelle für die Kühe, welche gute Milch für Kærgarden Salzbutter, Kløver Sødmælksyoghurt Peach Melba und andere nahrungsähnliche Lebensmittel liefern. Ich muss noch einkaufen, ich hab nix mitgenommen. Die Zeiten, wo man im Urlaub den ganzen Kofferraum voller Lebensmittel aus Deutschland rüber nach Skandinavien geschleppt hat, weil die da wesentlich teurer waren sind heute vorbei. Lebensmittel kosten hier zwar noch immer ein kleines Vermögen, aber Hand aufs Herz – man geht doch sowieso einkaufen. Und wenn man nicht ständig Dänische Kronen in Euro umrechnet ist das alles halb so schlimm. 18 Kronen für drei Luftbrötchen, da, bidde. Moment *grübel* das sind aber….. äh… oh…..
Kein Flugzeug kommt. Schade. Aber die Wolken sind super, ich überlege kurz, mich mit Moltio ins Gras zu legen und die Phantasie ein bisschen driften zu lassen. Diesen Gedanken verwerfe ich allerdings recht schnell, denn ich habe Angst vor dem, was ein Kaffeevollautomat in den Wolken sehen könnte und ich habe Angst vor zufällig vorbeikommenden Pornoproduzenten, welche die Szene mit mir und dem Automaten im Gras missverstehen könnten. Mal davon ab ist es echt kalt!

7 Tage raus. Mit Lisa und Moltio.

Flyveplads heißt das glaube ich.

Nach knapp drei Stunden sind wir da. Lisa war auf den letzten Kilometern ein bisschen muksch, weil ich nicht die Strecke gefahren bin, die sie vorgeschlagen hatte. Da können die ja echt patzig werden, diese Navis. An der letzten Abbiegung brummelte sie nur noch leise und mürrisch irgendwas von einem längt fälligen neuen Kartenupdate vor sich hin und ging dann beleidigt in den Ruhemodus. Ich erkläre ihr immer wieder, dass ich für sowas Zeit brauche. Neue Karten für Europa sind über 6 Gigabyte groß, das macht man nicht jede Woche. Ist ihr egal. Na gut. Frauen!
Hallo Henne Strand. Ich weiß eigentlich gar nicht, warum du so einen albernen Namen hast, aber du bist schon ein bisschen so was wie mein drittes Zuhause :-) An diesem Schild standen Jan und ich mit unseren Knallerts am Ende eines langen verknatterten Hinweges im warmen September 2013, schauen Sie mal hier. Faxen und Fotos machen ist lustig, und ab jetzt nehme ich den Vollautomaten einfach immer gleich mit aufs Bild. Vielleicht kann Moltio mich im Supermarkt mit seinem epischen Wissen über dänische Kaffeesorten beeindrucken? Wir werden sehen.

Da bin ich wieder.

Da bin ich wieder.

Als ich um 17:20 Uhr nach all dieser Askese des edukativen Alleinseins mit einer Kaffeemaschine und einem tragbaren Navigationsgerät vor der Ferienhausvermittlung von Købmand Hansen stehe habe ich ein Deja Vu der ganz besonderen Art. Die machen nämlich schon um 17:00 Uhr zu, also vor ziemlich genau 20 Minuten. Eigentlich weiß ich das, denn ich musste schon einmal für die erste Nacht in mein gebuchtes und bezahltes Haus einbrechen, damals 2009 mit Örg. Das ist zwar schon sehr lange her, aber sowas merkt man sich eigentlich. Irgendwie war ich der Meinung, am Anreisetag hätten die Herrscher von Henne vielleicht länger auf. Haben sie auch. An den anderen Tagen machen sie schon um 16:00 Uhr zu :-( Gnargh. Auch dieses mal ist im Auto schlafen keine Alternative, und noch während ich mich haareraufend selbst bemitleide drückt eine dänische Reinigungsfachkraft ihre Nase von innen an der abgeschlossenen Tür platt. Ich erbitte Einlass. Welche Hausnummer ich denn hätte, fragt sie mich in akzentfreiem Deutsch. Oh. Die, äh, also ich könnte mal nach den Mails gucken……? Man findet aber auch ohne einen Onlinegang mein Tütchen mit den Schlüsseln, dem Ablesezettel für den Stomzähler und einem Gutschein für vier Brötchen vom Bager morgen früh. Yay. Und es bleibt mir sogar noch genug Zeit, beim Kobmand gegenüber eine Schinken-Pilze-Pizza, eingelegte Oliven und geriebenen Mozzarella zu holen. Ich werde gerade so richtig neugierig, ob es wohl möglich ist, sich sieben Tage lang komplett vitaminlos zu ernähren? Geil…

Auf dem Rand vom Land

Auf dem Rand vom Land

Heute arbeite ich aber noch nichts weg. Heute schleppe ich erst einmal das ganze Geraffel rein, der Audi kommt mit dem Arsch wieder aus der Hüfte und seufzt hörbar. Armer Kerl. In grenzenlosem Optimismus habe ich sogar einen Akkuschrauber, Zopfbürste, Schleifpapier, Rostschutz und Lack eingepackt, weil ich dachte, ich könnte vielleicht ein paar Roststellen beseitigen? Das wird sich zeigen. Als alles im Haus ist feuer ich den Ofen an und treibe die Kälte aus den Wänden. Diese Elektroheizungen in den Ferienhäusern hasse ich wie die Pest, die mach’ ich nicht an. Zumal hier ein Kilowattstunde fast so viel kostet wie ein Liter Super, wahscheinlich werden mit den Gewinnen die Milchbauern und die Pornoindustrie subventioniert. Seit man dank der Globalisierung auch Bio-Milch aus dem Senegal kaufen kann und seit das gute alte Geschäft mit den “Dänischen Western” auf DVD von Internetkanälen wie Youporn verdrängt wurde geht es den Dänen nicht gut. Sie haben genau genommen nur noch ihre Ferienhäuser als Einnahmequelle. Aber das soll mir recht sein, ich bin ja hier. Schön. Schön hell, Fenster ums Wohnzimmer rundherum, ein Schlafzimmer kleiner als das Handschuhfach vom Audi und insgesamt 23 Stühle und Sessel. Passt. Ich fühle mich ab der ersten Minute SAUwohl.

Mein neuer Arbeitsplatz

Mein neuer Arbeitsplatz

Moltio steht auf dem Küchentresen und wartet geduldig auf morgen Früh. Ich bin für diesen ersten Abend überraschend müde, vielleicht liegt das auch an der Bullenhitze, die der inzwischen rot glühende Kaminofen abstrahlt. Ich werde morgen nicht wieder so viele Eichenscheite reinlegen. Was für ein Tag ist heute? Egal. Draußen zieht es sich zu und wird windiger, perfektes Wetter um viele Wörter zu schreiben.
Eine Arbeitsauszeit. Haben Sie so etwas auch schon mal gemacht? Und war das erfolgreich? Ich kann noch gar nicht abschätzen, was die Einsamkeit und die Ruhe hier mit mir machen werden, auf jeden Fall werde ich mit Musik gegen etwaige traurige Momente angehen. Im Moment läuft die neue Platte von Simply Red, Big Love, sehr enspannte Abendmusik. Mick Hucknall kann’s noch. Im Ofen knuspert die dänische Schinken-Pilze-Pizza mit extra Oliven und geriebenem Mozzarella und duftet unerwartet gut, während draußen unzählige frisch angereiste und noch gut gelaunte Eltern mit noch unzähligeren jetzt schon gelangweilten Kindern auf dem Weg zum Strand vorbeistromern. Der Audi vorm Haus zieht die Blicke auf sich. Soll er. Ich geh jetzt mal offline und lese ein Buch, vielleicht mach ich auch schon um 21:00 Uhr das Licht aus und schlafe einfach so. Denn ab morgen hab ich viel zu tun. Aber es gibt schlimmere Orte als diesen, um zu arbeiten.

Wir lesen uns

Sandmann

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