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15 Jul 2012

Etappe dernière – wo Diesel teurer als Super ist

etappe-derniere--wo-diesel-teurer-als-super-istHeute ruft denn nun endlich die azurblaue Küste von irgendwo weiter südlich. Weiterlesen → [...]

Schräg. Wirklich schräg.

Preise wie am Rand der Welt

Preise wie am Rand der Welt

Da fährt man endlich vernünftig einen sparsamen grünen Langweilig-Diesel, und dann wird einem das auch noch vergällt. Zumindest in Italia. Tanke für diesen guten Morgen, aber bitte nicht randvoll! Sie sind noch gar nicht da, wo wir sind? :-) Dann klicken Sie mal HIER für die Grundidee dieser Reise und HIER für den gestrigen Tag. Heute ruft denn nun endlich die azurblaue Küste von irgendwo weiter südlich mit lieblichem Sopran, momentan lecken wir noch die Wunden der geschlagenen Fußball-Nation Italien in einem kleinen, preiswerten Motel in der Nähe von Mailand. Wir, das sind drei weibliche Teenager, weitestgehend mit mir verwandt, aber nicht alle. Na und?

An der Größe der Koffer kann man viel erkennen…

Was man (Frau) so alles mitschleppt

Was man (Frau) so alles mitschleppt

Was genau? Diese Mutmaßungen überlasse ich Ihnen, Ihrem Klischee-Denken oder den Erfahrungen, die Sie vielleicht schon mit Ihren eigenen weiblichen Kindern gemacht haben. Ich für meinen Teil haben selbstverständlich nur eine klitzekleine Reisetasche und bin wieder einmal froh, dass wir a) einen Kombi haben (für diesen Satz hätte ich mich noch vor rund einem Jahr öffentlich hinrichten lassen) und b) dieses mal nicht zelten, sondern zwischen Cannes und Nizza ein Mobile-Home mieteten. Also eine kleine Hütte mit Herd, Kühlschrank und Tisch. Im vergangenen Jahr haben wir das alles noch mitgeschleppt, und da hatten wir KEINEN Kombi :-) Die Ladies werden eben älter und wünschen einen minimalen Schlafkomfort. Verständlich. Daher auch das Hotel auf halber Strecke, wie schon erwähnt sagenhafte 68,00 Euro für vier Personen inklusive Frühstück und Schuhputzautomat. Was will Mann mehr?

Finden Sie den Fehler

Finden Sie den Fehler

Da fällt mir ein, ich muss den Laden noch im Internet bewerten. Am unterhaltsamsten fand ich beim Check-In den unfreundlichen, arischen Herrenrasse-Vertreter vor uns, der in einem armeeartigen Befehlston den armen Mann am Empfang davon überzeugen wollte, dass er eine Superior-Suite gebucht hatte und keine Standard Suite. Und dass er JETZT SOFORT den Manager sprechen will (der aber erst in zwei Stunden erscheinen sollte). Na denn, wir vier haben jedenfalls gut geschlafen und machen und nun mit frisch geputzten Schuhen auf die letzte Etappe für den Hinweg. Ziel: Côte d’Azur. Ich will heute noch in den Pool hopsen, also los.

Unscharfer Tunnelblick

Unscharfer Tunnelblick

Neben den schon ganz oben erwähnten unfassbaren Dieselpreisen gibt es noch ein weiteres Ärgernis mit dem Auto auf dem Weg von Milano über Genua nach Nizza: Tunnel. Unfassbar viele Tunnel, einer nach dem anderen. Hell, dunkel, hell, dunkel. Navi da, Navi weg. Klimaanlage pustet kühle Luft, Klimaanlage verschluckt sich wegen des Druckwechsels, Klimaanlage pustet kalten Nebel, Klimaanlage pustet kühle Luft. Argh! Und es hört gefühlt nicht auf, vor allem wird das Wetter nicht besser. Wir hoffen auf die ansonsten so verlässliche Küste, da scheint doch immer die Sonne, oder? Wenn ich mir die Wetterprognosen so ansehe werden wir sicherlich sehr braun, während alle die wir kennen in Wolken-Depressionen versinken werden. Palmen. Ich sehe Palmen.

Nochmal sauber machen

Nochmal sauber machen

Zumindest wird es ab Genua wärmer. Irgendwo fliegt jetzt, nachdem ich getankt habe, ein Zeppelin mit den Mitarbeitern des Mineralölkonzerns nach Hawaii und bedankt sich bei dem edlen Spender. Wahn. Der kleine Sonnenschein macht emsig die Scheiben sauber (sie will das IMMER, wenn es nach ihr ginge hielten wir an jeder Tanke an und waschen die Scheiben), der Löwe und ihre Freundin sind in die iPhones und deren Musikrepertoire versunken. Noch wissen meine süd-gepolten Teenager nicht, dass sie ab heute weder What’s App noch Facebook haben werden – für mindestens 12 Tage. Cool. :-)

Mit solchen Schildern kann ich leben...

Mit solchen Schildern kann ich leben...

Dass wir plötzlich in Frankreich und nicht mehr in Italien sind kann ich an mehreren Faktoren festmachen. Der Preis für Diesel fällt um rund 40 Cent pro Liter auf erträgliche 1,45 an der Autobahn. Links in Fahrtrichtung gesehen ist endlich Wasser, und zwar echt grünes. Es liegen keine Müllsäcke mehr am Rand der Straße und – ich verstehe die Sprache und kann die Schilder endlich lesen. Hallo Ziel, du bist gar nicht mehr weit. Unsere Bilanz: Gestern 13 Stunden unterwegs und eine entspannte Nacht im Hotel, heute 5 Stunden und am Ziel. Etwas über 1500 Kilometer durch Deutschland, Österreich, Liechtenstein, die Schweiz und Italien, 12 Reisebrötchen, 8 Landjäger, eine ganze Tüte Nimm2 Soft und ein paar nicht näher definierte Stopps bei den Läden mit dem goldenen M. 130 Euro für Diesel, dazu die Übernachtung und ne Menge Spaß auf der Straße. Ich kann mich eigentlich nicht beschweren. Oder wann haben Ihre Kinder Sie das letzte mal gefragt, ob der nächste Urlaub wieder cool mit dem Auto stattfindet…? :-)

Die Früchte der Tage

Die Früchte der Tage

Hallo Südfrankreich. Da bist du ja wieder. Ich muss gestehen, ich bin wirklich müde, das passiert einem natürlich nicht, wenn man fliegt. Vielleicht werde ich auch einfach langsam alt. Aber ich mag einfach die Reise im Auto. Schon immer. Unsere Bleibe? Die zeige ich Ihnen in den kommenden Tagen. Ich muss erstmal mein Laptop aufbauen, ein kleines Vermögen für ein W-LAN zahlen, das langsamer als ein 56K Modem ist, den drei wundervollen Reisebegleiterinnen Gute Nacht sagen (sie wollen alle noch Stephen King lesen – na gut) und dann bei einem ersten Spaziergang die Nacht die Zikaden begrüßen, die ihr nicht enden wollendes Lied in die Dunkelheit sägen. Ich bin zum Arbeiten hergekommen. Aber vielleicht fallen ja tatsächlich ein paar entspannte Minuten ab…

Sandmann

Original: Strandmanns Welt

Created Sonntag, 15. Juli 2012 Created by Sandmann Categories Timeline Tags Cagnes | Cannes | Cote d'Azur | Diesel | Diesel Dramen | Nizza | Passat 35i | Reise | Reise Reise | Rudolf | Südfrankreich | teuer | Urlaub
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22 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Bier her!, Zagato Mostro 2197

Zagato Mostro

Zagato zeigt beim Schaulaufen in und um die Villa d'Este das Mostro. Zum Glück gibts den Wagen auch ohne die Biertheke am Heck.

Zagato, die habe ich nie gemocht. Viele der Autos der von vielen als Edel-Karosserieschmiede bezeichneten Werkstatt waren für mich vor allem eines: hässlich. Nun kommt das «Mostro», ein Auto, welches an die glorreichen Zeiten von Maserati erinnern soll. Pate stand das Maserati  450 S Coupé in Monster-Optik von 1957. Stirling Moss wollte damals einen, von der Neuauflage soll es fünft Stück geben. Alle schon fest versprochen heisst es von Zagato. Es scheint also noch reiche Gemüsehändler zu geben...Unter der Haube, vor der Vorderachse, schlummert ein V8 von Maserati (also eine Ferrari-Entwicklung), der den Carbon-Renner ordentlich vorantreiben soll. Das Teil soll ein Tracktool sein, aber auch die Strassenzulassung erhalten. Wobei, Tracktool mit Sechsgang-Automatik? Egal, eine Rennstrecke werden die jeweils über eine Million Euro teuren Exemplare wohl eh nicht sehen.


Bier her!, Zagato Mostro 2197

Text: Cha, Fotos: Zagato

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/zagato-mostro-2197/seite_1-2

22 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Tut das Not?, Fiat Aegea 2196

Fiat Aegea

Ach, wie uns der Fiat-Konzern beutelt. Erst werden wir vom Alfa 4C Spider aber so was von verwöhnt. Und dann kommt der Fiat Aegea.

Noch ist der Name der neuen, kompakten Fiat Limousine nicht bekannt. Die Italiener nennen das Teil erst Mal Aegea. Hässlicher Name, aber er passt damit auch zum Auto. Klar, in der Schweiz sind kompakte Limousinen in etwa so beliebt wie Linksautonome an einem Schwingfest. Aber, der Aegea kommt, erst mal in: der Türkei. Und das noch in diesem Jahr. 2016 sollen weitere 39 Märkte folgen, ob die Schweiz dabei ist, wollen wir gar nicht wissen. Wir haben die Prototypen vor wenigen Tagen noch live gesehen. Klar, noch getarnt, aber auch trotz der Maskerade war zu erkennen: schön wird das nicht... Innen aber sieht der Aegea gar nicht so schlecht aus, so wie ein Fiat 500X. Und das kann man durchaus als Lob verstehen. 450 cm lang soll er werden, der neue Fiat, nur knapp 180 cm breit und dennoch ein Kofferraumvolumen von 510 Litern vorweisen können. Motoren bekommt er auch, zwischen 95 und 120 PS sollen sie leisten und nicht mehr verbrauchen als die Triebwerke in einem Panda. Das lässt den Schluss zu, dass die Limo ziemlich leicht wird. Gebaut wird er in der Türkei, in der Fabrik, in der einst die Tofas-Modelle gebaut wurden. Mehr fällt uns zum neusten Mitglied der Fiat-Familie derzeit nicht ein, wer will kann sich ja noch die Bildergalerie antun.
Mehr Fiat gibts im Archiv.


Tut das Not?, Fiat Aegea 2196

Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/fiat-aegea-2196/seite_1-2

22 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Werkstattallerlei

Ich ärgere mich gerade über die Internetverbindung in meiner Werkstatt. Die bisherige Verbindung war lahm, aber ausreichend, um die Webcam zu betreiben, Mails zu checken und mal zwischendrin etwas nachgoogeln zu können. Leider ist der alte Surfstick über den Jordan gegangen. Also habe ich mir einen neuen (gebrauchten) geholt. Und wenn man schon mal etwas Neues holt, dann will man gleich mehr. 21,6 MBit/s statt 7.2 MBit/s - wenn das geht... Es geht nicht.

Kein Netz

Ich hab mit dem neuen Stick fast nie wirklich Empfang trotz Zusatzantenne. Die Werkstatthölle hat wohl einfach zu dicke Mauern und der Ort zu schlechtes Netz. Ende vom Lied: Ich habe wieder dasselbe Modell, wie meinen alten Stick geordert. Wie schon geschrieben: Lahm, aber ausreichend - und mit dem funktionierte es wenigstens.

Es stand gestern nichts an, das abendfüllend war, aber das bedeutet nicht, dass ich faul war. Ich hab die Löcher im Längsträger für den Pirat zugebraten. Nicht schön, aber sieht man ja eh nicht.

Werkstattallerlei

Innen habe ich die Längsträger anschließend mit Brantho Korrux 3 in 1 rausgestrichen. Da komme ich später schlecht hin. Die Kanten habe ich mit Inox Spray (Schweißprimer) lackiert.

Werkstattallerlei

Ich habe die Kisten, die ich ersteigert habe, erst einmal in den Keller ausgelagert, teilweise mit Veterama Ware gefüllt. Den Hänger habe ich wieder aus der Werkstatthölle gezogen, den Grill verräumt... Lauter unspannende Dinge.

Um die Schweller für den Titan habe ich mich auch noch gekümmert. Die werden verklebt und verschraubt. Und da sie gebraucht sind, hing da noch einiges vom Spenderfahrzeug dran und das ist wohl den Rosttod gestorben.

Werkstattallerlei

Das musste alles ab, ich will mir ja nicht Rost an die Karre kleben, zudem hält darauf ja die Klebemasse nicht wirklich. Sieht immer noch nicht hübsch aus, aber was jetzt noch dran ist, ist bedenkenlos.

Werkstattallerlei

Vielleicht sollte ich zu Pfingsten mal eine Sonderschicht einlegen und die Dinger endlich mal dranpappen.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Werkstatt/werkstattallerlei

21 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Michael Peschel  

24h Classic am Nürburgring 2015 – Es war legendär!

Ob BMW E30, Opel Ascona A, Renault Alpine A110, BMW M1 oder Porsche 944 Turbo – Beim legendären 24 Stunden Rennen am Nürburgring 2015 waren sie alle dabei. Genauer gesagt beim 24h Classic Rennen in der Grünen Hölle.

24h Classic Nuerburgring 2015 - 34

Auch wenn höhe Zäune, Tempolimits und der Verkauf des Nürburgring am vergangenen Wochenende in allen Medien und auf dem Ring natürlich Thema waren, so darf eines natürlich nicht unter gehen: Die Klassiker auf der Piste. Bei dem am Freitag Nachmittag ausgetragenen 24h Classic Rennen bolzten die Piloten in ihren alten Kisten durch die Grüne Hölle - und zwar nicht mit Halbgas, sondern mit dem Fuß auf dem rechten Pin! Bei der 180-minütigen Hatz über die Nordschleife gab es so für die Enthusiasten von Rennsportlegenden so einiges zu sehen.

24h Classic Nuerburgring 2015

Die Bilder in der Galerie sind natürlich von Martin Hillmann, der es sich nicht hat nehmen lassen für GermanMotorKult am Ring eindrucksvolle Impressionen in der Box zu schießen. Und wer genau hinschaut, der kann sicher auch etwas Oktan riechen.

Mit einem Klick auf ein Bild könnt Ihr die 24h Classic Slideshow starten. Vergesst aber nicht bei Martin´s Fanpage mal auf „gefällt mir“ zu drücken!

Michael Peschel

Michael ist der Inhaber von GermanMotorKult. Gleichzeitig auch Verfasser der meisten Artikel im Blog Magazin. Zudem Social Media Spezialist, Editor und Inhaber der Agentur MP Medien sowie MotorMarketing.

Original http://germanmotorkult.de/24h-classic-am-nuerburgring-2015-es-war-legendaer/

Created Donnerstag, 21. Mai 2015 Tags Classic & Rallye | Featured Document type Video
Categories Timeline Author Michael Peschel
21 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Sandspielchen

Ich hatte ja das Problem, dass ich zum Entrosten der herausfiletieren Längsträger nicht wirklich reinkam. Da ist es gut, wenn man auf seine Netzwerke zurückgreifen kann. In der Hobbywerkstatt von Felix und Thomas steht die größte Sandstrahlkabine, die ich in Privathand kenne. Ich hatte mitgeholfen, das Ding aufzustellen - das war damals ein Riesenakt. Aber das lief unter dem Motto: Unter Schrauberfreunden hilft man sich eben.

Gut, die Dimensionen brauchte ich eigentlich nicht, das war mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Aber in dem Fall gibt es nicht zu groß - wenn dann gäbe es höchstens zu klein. Gestern durfte ich mal ran, hab das erste Mal damit gearbeitet.

Sandspielchen

Die Längsträger sind dabei schön sauber geworden.

Sandspielchen

Nur an einer Stelle war das Material bereits zu dünn, so dass ich ein paar kleine Löcher reingestrahlt habe - das ist die Stelle, wo der Sockel für den Abschlepphaken darunter sitzt. Da hat sich wohl Dreck gesammelt und hat die Stelle schön feucht gehalten.

Loch

Sieht später keine Sau und die Stabilität wird wohl auch nicht derbe drunter leiden. Das ist da schon üppig dimensioniert - aber ich brate das wohl zu. Das wird dann mit Brantho Korrux rausgepinselt, bevor ich es einschweiße und nachdem alles zusammen ist, wird auch noch Mike Sanders Fett durchgeblasen. Ich möchte die Arbeit kein zweites Mal machen.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/sandspielchen?blog=29

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21 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Bella Macchina, Fahrbericht Alfa 4C Spider 2195

Fahrbericht Alfa 4C Spider

 

Bella Macchina, Fahrbericht Alfa 4C Spider 2195

Ach es ist eine Freude. Während einem bei den «Premium»-Herstellern vor lauter Assistenzsystemen die Füsse vor Langeweile abfaulen, kommt Alfa mit dem 4C ums Eck. Und, er hat unser Herz im Sturm erobert. So völlig unnötig, so pur uns so schräg war seit Jahren kein Auto mehr. Der 4C hat auch bei radical14 ziemlich eingeschlagen. Und beweisen, dass 240 PS genug sein können, um glücklich zu sein. Lange hat man bei Alfa nun eine offene Version angekündigt. Durch das abnehmbare Dach soll der Fahreindruck noch direkter sein, die Lautäusserungen des Vierzylinders hinter Fahrer und Beifahrer sollen sich noch tiefer in die Gehörgänge graben. Aber nein, ich mag keine Cabrios. Auch wenn sie von Alfa kommen nicht. Wer fische Luft im Gesicht will, soll sich ein Motorrad kaufen. Wobei, von einem Cabrio im eigentlichen Sinn kann man beim 940 kg schweren Spider nicht reden. Denn das Stoffdach, welches mit etwas Aufwand von Hand entfernt werden muss, gibt nicht gerade eine riesige Öffnung frei. Eher ein Targa dieser 4C Spider. Also umso besser für mich. So bin ich halt trotzdem zur Fahrvorstellung des 4C Spider gegangen. Weil die Kiste ob mit oder ohne Dach einfach nur hot ist.

Ja, auch offen ist die Karre heiss! Die Fahrleistungen entsprechen exakt den des Coupé (0-100 km/h in 4,5 s, Vmax 258 km/h), das Gewicht ist nur leicht erhöht (das Stoffteil wiegt 7 Kilogramm) und der Rahmen der Windschutzscheibe ist ebenfalls aus Carbon. Auch beim Getriebe gibts keinerlei Änderungen, sechs Gänge, Doppelkupplung und etwas sehr billig wirkende Schalttasten hinter dem Lenkradkranz. Dazu relativ schmale Reifen, neu ein Launch-Control ( so was von überflüssig, das Auto ist ein tolles Kurvengerät, kein Dragster) und eben - diese Rundungen. Vorne das klassische Scudetto, hinten ein satter Hüftschwung - bella macchina! Und dann: der Sound! Aber hoppla, was ist denn jetzt los? Das Ding ist ja deutlich leiser als das Coupé, welches letztes Jahr bei radical14 antrat! Was soll das? Wieso ist der 4C auf einmal leiser?

Bella Macchina, Fahrbericht Alfa 4C Spider 2195
Bella Macchina, Fahrbericht Alfa 4C Spider 2195

Die einfache Antwort: das Marketing will es so. Wer den lauthals schreienden 4C will, muss noch etwas Kohle hinlegen. Und die Akrapovic-Anlage mit Staudruckklappe bestellen. Das bedeutet, mehr Sound und in unseren Augen auch eine bessere Optik. Denn die zwei Endrohre münden mittig am Heck. Live haben wirs weder gesehen noch gehört, aber ab Konserve wars doch eindrücklich. Nein, der 4C Spider klingt nicht wie ein defekter Dyson-Staubsauger. Er bellt, zischt und gurgelt nach wie vor wunderbar. Nur mit der Standardauspuffanlage einfach etwas «nachbarschaftsfreundlicher». Also, Dach weg (dauert mit etwas Fingerfertigkeit etwa 20 Sekunden), das Stoffteil in die separate Tasche im Kofferraum verstauen (dauert ohne Fingerfertigkeit ewig) und ab durch die Mitte. Kurz das Motoröl auf Temperatur bringen, die wenig belasteten Vorderräder (Gewichtsverteilung 40:60) anwärmen und her mit den Kurven.

Bella Macchina, Fahrbericht Alfa 4C Spider 2195
Bella Macchina, Fahrbericht Alfa 4C Spider 2195
Bella Macchina, Fahrbericht Alfa 4C Spider 2195
Bella Macchina, Fahrbericht Alfa 4C Spider 2195

Kurven haben wir gefunden, aber: auch viel Verkehr. Also zurück nach Balocco, dem Testzentrum des Fiat-Konzerns in Norditalien. Die haben da eine ganz feine Rennstrecke. Und da kann auch der Spider zeigen, was ih ihm steckt. Doch vor den heissen Runden im Alfa noch ein paar Worte zum Thema Cabriolet. Offen fährt sich der Alfa genauso wie geschlossen, schliesslich kann das Stoffteil nicht den geringsten Anteil an der Karosseriesteifigkeit leisten. Deshalb bekam der Spider neben dem Monocoque aus Carbon auch einen Frontscheibenrahmen aus dem teuren Material. Und damit ist das Cabrio, auch auf den Schlaglochpisten welche die Italiener Strassen nennen, absolut verwindungssteif. Der Spider ist mit dem Coupé gleichauf - ganz schön gut. Zwar sitzt man bei offenem Dach draussen, aber die Öffnung ist wie erwähnt ziemlich klein. Was den Vorteil hat, dass man nicht so viel Wind abbekommt, dass man sich Sorgen um sein künstliches Haarteil machen müsste. Aber dafür gibts was auf die Ohren. Der Mix aus dem Zischen des Pop-off-Ventils, der Ansaug- und Auspuffgeräusche und des Fahrtwinds - wie umschreibt man das am Besten? Wohl mit: Amore!

Wie versprochen widmen wir uns auch dem Verhalten des Spiders auf der Rennstrecke. Und dort merkt man, dass Alfa doch mehr gemacht hat, als nur das Dach aufgeschnitten. Federung und Dämpfung wirken harmonischer als beim Coupé, trotzdem lässt sich das Heck ganz leicht mit einem Lastwechsel zum mitspielen animieren. Ach wie schön! Der Fahrer lenkt, das Auto folgt. Und wenns der Fahrer übertreibt mit Lenken, macht das Teil ihn unmissverständlich darauf aufmerksam. Lass es fliessen Junge, ich bin da. Ich habe Grip, ich bin leicht, ich will dir Freude bereiten. Man muss sich etwas darauf einlassen, sich von all den fetten Sportwagen emanzipieren. Es auch mal einfach nur geschehen lassen. Der 4C wird die Spur schon wieder finden. So war schnelles Autofahren einmal. Arbeiten am Lenkrad (keine Servolenkung), arbeiten beim Bremsen (kein Bremskraftvertärker) und trotzdem in vollen Zügen geniessen. Ach ich weiss wieder ganz genau, wieso ich meinen Beruf so liebe.

Bella Macchina, Fahrbericht Alfa 4C Spider 2195

Geneigte Alfisti werden auf einigen Bildern einen zusätzlichen Lufteinlass hinter der Fahrertür bemerkt haben. Diese Hutze ist optional erhältlich und erfüllt sogar einen Zweck. Sie leitet kühlende Luft zum Getriebe. Dadurch soll der 4C (ist auch für das Coupé lieferbar, Fr. 1400.-) noch Rennstreckentauglicher werden. Und noch etwas kann man Wählen. Die Scheinwerfer. Denn der Spider hat richtig schöne Leuchten bekommen, weit entfernt vom Design «überfahrene Kröte» des Coupé. Man kann ab sofort auch das Coupé mit diesen Lampen bestellen - umrüsten hingegen geht leider nicht. Und, wir wagen es kaum zu sagen: man kann auch die Kröten beim Spider bestellen. Sollte das jemand tun werden wir ihn vor versammelter Dorfbevölkerung in unserem Käse-Chessi waterboarden. Versprochen!

Unser Fazit? Ach, was soll man da bloss schreiben. Der 4C ist eines der faszinierendsten Sportautos der letzten Jahr. Billige Schaltwippen hin oder her. Ein echter Alfa zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht perfekt ist. Und ein echter Alfa ist kein leicht modifizierter Fiat. Damit ist der 4C - egal ob offen oder nicht - ein echter, purer Alfa! Und er wäre uns 81'000 Franken wert. Nicht weniger als 140 Spider sollen ab Juli zu uns kommen, hoffentlich auch einer in die Käserei...

Mehr Italiener gibts im Archiv.

Original http://www.radical-mag.com/fahrfreude/fahrbericht-alfa-4c-spider-2195/seite_1-2

20 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Der Mai Altautotreff in Darmstadt war gut besucht

Ein wenig die Werbetrommel gerührt und geniales Wetter - was genau der ausschlaggebende Punkt war, der so viele Fahrzeuge zum Altautotreff nach Darmstadt gelockt hat ist eigentlich egal. Was aber Tatsache ist, es reichte eine Parkreihe nicht aus für alle Fahrzeuge.

Altautotreff Darmstadt Mai 2015

Für mich waren gleich 2 Highlights dabei. Da war zum einen ein Ford Capri I im vollen Renntrimm.

Ford Capri

So muss ein Capri aussehen!

Ford Capri

Er kam übrigens zusammen mit einem zweiten Capri - ebenfalls im Renntrimm und einem Ford Escort MK3 Cabrio.

Altautotreff Darmstadt Mai 2015

Ja, auch die sind inzwischen recht selten geworden - und auch im H-Kennzeichen Alter. Man achte auf das passsende Kennzeichen.

Altautotreff Darmstadt Mai 2015

Mein zweites Highlight ist ein Youngtimer, den ich ewig nicht mehr auf der Straße gesehen habe: Ein Fiat Uno Turbo i.e. aus der ersten Serie.

Fiat Uno Turbo i.e.

Das war in meiner Jugend eine beliebte Waffe, die Dinger gingen wie die Hölle und wurden alle verheizt, wenn sie nicht weggerostet sind. Der hier ist restauriert und zeigte sich erstaunlich original.

Fiat Uno Turbo i.e.

Fiat Uno Turbo i.e.

Aber auch dieser Opel Manta A ist lecker.

Opel Manta A

Ich liebe das Bett der Ronal Kleeblätter.

Ronal Kleeblatt

Natürlich war auch wieder eine Fraktion mit amerikanischem Altblech anwesend.

Altautotreff Darmstadt Mai 2015

Altautotreff Darmstadt Mai 2015

Altautotreff Darmstadt Mai 2015

Ein wunderbar sonniger Nachmittag mit einer interessanten Mischung an Fahrzeugen. Mehr Bilder in der Galerie.

Der nächste Altautotreff ist am 21.06.2015 - schaut doch mal vorbei!

Original http://www.fusselblog.de/index.php/der-mai-altautotreff-in-darmstadt?blog=14

19 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194

Fahrbericht Audi Q7

 

Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194

Es ist schon erstaunlich, wie sich Audi die Klientel des neuen Q7 so vorstellt. Das preist man an, dass im neuen Gross-SUV bis zu sechs Kindersitze Platz finden. Aha. Also, wer es schafft in der Schweiz sechs Kinder zu zeigen und sich dabei noch einen Audi Q7 zu bestellen der ist wirklich potent. Nicht nur finanziell. Denn sind die sechs Kinderchen mal platziert, muss ja die Dame des Hauses auch noch mit. Doch dafür gibts ja den Audi A1. Oder so was in der Art... Jaja, wir schnöden wieder über SUV's, eine Fahrzeuggattung, die wir bekannterweise nicht sonderlich mögen. Und, als die Einladung für die ersten Testfahrten mit dem Q7 kam waren wir doch erheitert. Wir sollen den Schulbus testen? Ausgerechnet wir? Okay, wir sagten zu, schliesslich waren wir lange nicht mehr in Verbier. Und eine internationale Fahrzeugpräsentation im Wallis gabs ewig nicht mehr. Das muss was mit Elefanten und einem karthagischen Heerführer gewesen sein, damals. Ach nein, der kam ja gar nicht übers Wallis... Egal. Die beste Nachricht gabs gleich zu Beginn, der Q7 hat massiv abgespeckt. bis zu 375 kg sollen es sein, die er leichter ist als sein Vorgänger. «Hossa» würde da Jürgen Drews (oder ists Roberto Blanco?) wohl sagen. Wir sagen, 2070 kg (ECE) sind immer noch eine Menge Holz. Der Wert bezieht sich auf den Dreiliter-Diesel mit 272 PS und 600 Nm sowie fünf Sitzen, den Benziner (ebenfalls ein 3,0-V6, 333 PS, 440 Nm) lassen wir mal aussen vor. Denn der Diesel ist einfach der fettere Motor, er passt besser zum Q7. Also, zwei Tonnen, das ist wirklich nicht wenig. Und, einfach so hat der Audi nicht so viel abgespeckt. Denn er ist auch kleiner als der Vorgänger, der seit Ewigkeiten gebaut wurde. Das hat auch sein Gutes. Denn der neue Q7 ist irgendwie eleganter geworden. Nicht mehr so aufdringlich. Immer noch mit viel LED-Lametta um die Scheinwerfer aber eben von der Figur und von den schieren Abmessungen her nicht so aufdringlich. Das gefällt, durchaus.

Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194
Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194

Man mag jetzt sagen, dass der V6-Benziner mit seinem Plus an Leistung der coolere Motor sei. Klar, er klingt besser, aber so im Alltag ist der starke Diesel einfach die bessere Wahl. Er klingt gar nicht, aber das stört wenig weil man ihn auch kaum hört. Aber das Gefühl, wenn dich die Drehmomentwoge aus dem Spitzkehre spühlt - schon nett.  Und, wir durften auch den Effizienz-Diesel fahren. Der soll nur statt 5,5 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Aber ehrlich, die zwei Deziliter die der 272 Pferder mehr verbraucht sind den Spass allemal wert.Der schwache Selbstzünder ( 218 PS) kommt im Januar 2016 zusammen mit dem Plug-in-Hybrid auf den Markt. Der aufladbare Q7 soll dann sogar mit weniger als zwei Liter Diesel auskommen. We will see.

Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194
Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194
Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194
Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194
Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194

Kommen wir zurück zu den Elefanten. Die hatten ein Feature serienmässig, das jeden Schulbusfahrer neidisch macht: Allradlenkung. Das hat der Q7 nun auch und wir geben ehrlich zu: die funktioniert perfekt. Denn: man spürt sie nicht. Ein grösseres Kompliment kann man dem elektrohydraulischem System an der Hinterachse wohl kaum machen. Ob es etwas bringt? Ist doch egal, der Audi-Kunde will es einfach haben. Punkt. Kommen wir zum Innenraum. Wie erwähnt gibt es auf Wunsch auch sieben Sitze. Und damit man auch besser nach hinten kommt, lassen sich die Sitze der zweiten Reihe weiter umklappen, die hinteren Türen sind grösser und Fahrgastraum ist ganz, ganz edel ausgeschlagen. Ja, das können sie bei Audi, wenn sie wollen. Eine solche Detailverarbeitung ist wirklich nicht leicht zu finden. Für einmal gestehen wir Audi zu, dass sie in einem Bereich die Benchmark sind. Hinzu kommt ein gewaltiger Packen an Assistenzsystemen. Vom Stau-Tempomaten der sogar Lenken kann mögen wir - die wir autonomes Fahren für Teufelszeug halten - gar nicht erst reden. Aber offenbar mögen die Herren der Ringe das.

Wir konzentrieren uns da lieber aufs Fahren. Und das macht er richtig gut der Audi. Nein, im ernst. «Koa Schmäh» wie unsere österreichischen Freunde sagen würden. Der Audi liegt richtig satt auf der Strasse und die elektronisch im Zaum gehaltenen Dämpfer sorgen dafür, dass der Schulbus in Kurven nicht so enorm kippt wie die Costa Concordia. Ein Grund für die hohe Spurtreue des Vehikels dürfte auch in der Bereifung der Testwagen liegen. 285/40 R 20, da kann man viel Grip aufbauen. Wer allerdings vier neue Reifen braucht, kann sich auch einen gebrauchten Ford für das Geld kaufen. Original sind allerdings nur mickrige 18-Zöller verbaut. Klar, das interessiert jemanden nicht, der Audi Q7 fährt und sechs Kinder hat. Und Hannibal erst recht nicht, seine Vehikel hatten Pneus aus nachrasenden Rohstoffen.

Mehr Audi gibts im Archiv.

Schulbus, Fahrbericht Audi Q7 2194

Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/fahrbericht-audi-q7-2194/seite_1-2

19 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Filet

Ich habe viele Blechteile zusammengetragen für das Schweißen des Piraten, aber ein Problem hatte ich noch: Die Längsträger. Zur Not hätten wir die selbst gebaut, aber ich ging auf die Suche, ob nicht doch einer einen Schlachter stehen hat, bei dem die noch gut sind. War gar nicht so einfach, denn das ist jetzt nichts Besonderes, dass da Rost sitzt.

Über verschiedene Kanäle angefragt und übers Fusselforum wurde ich fündig. Zum Hallengrillen verließ mich eine Kiste Bier und im Gegenzug bekam ich 2 großzügig herausgetrennte Längsträger.

Filet

So können wir das natürlich einschweißen. Das musste ich erst einmal Filetieren. Bedeutet: Schweißpunkt für Schweißpunkt aufbohren. Eine Fleißarbeit.

Filet

Ich war den ganzen Abend gestern drüber, die beiden Längsträger freizulegen.

Filet

Aber es hat sich gelohnt - ich habe so auch wieder einen massiven Abschlepphaken.

Filet

Leider ganz rostfrei sind die Teile nicht, aber der Rost ist größtenteils nur oberflächlich. Schade, dass man da beschissen zum Entrosten drankommt.

Filet

Ich muss mal sehen - Sandstrahlen wäre das Beste. Irgendwie muss der Rost da raus, bevor ich das einschweiße.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/filet?blog=29

18 May 2015

Der VW Golf II GTI „The Gambler“ vom Schokomann

Schon längst sind alte VW Golf zum Kultobjekt gereift. Nachdem die ersten Einser mit H-Kennzeichen über den Asphalt rollen, machen auch die betagten Zweier als gefragte Youngtimer von sich reden. Unsere Szene kennt viele schöne Exemplare. Das muss schon etwas ganz Besonderes her, um heraus zu stecken. Dieser VW Golf II mit dem Projektnamen „The Gambler“ ist sicherlich eines der schönsten Tuning-Exponate auf unseren Straßen!

VW Golf 2 GTI Schokomann

Der VW Golf 2 wurde von 1983 bis 1992 über 6,3 Millionen Mal gebaut. Im Jahr 2013 waren von dem kompakten Wolfsburger mit den charakteristischen Rundscheinwerfern noch gut 126.000 Stück in Deutschland zugelassen. Damit ist er hinter dem Mercedes W 124 und dem Audi 80 B3/B4 der dritthäufigste Youngtimer in Deutschland. Mit großen Versorgungsengpässen haben Fans des VW Golf dank der Ersatzteileversorgung von Volkswagen Classic Parts nicht zu kämpfen. Auf 24.000 Quadratmeter lagern in dem ehemaligen Ersatzteil-Verteilzentrum rund sechs Millionen Artikel für Volkswagen aller Art.

VW Golf 2 Projekt "The Gambler"

VW Golf 2 GTI Schokomann

Daniel, den Besitzer dieses VW Golf 2, kenne ich schon seit Jahren. Zumindest so lange er mit einem VW Golf auf den Tuningtreffen erscheint. Und eigentlich hatte ich auch schon immer vor etwas über den Golf des Schokomanns zu schreiben. Immer wieder laufen wir uns über den Weg und auf der Tuningworld Bodensee haben wir nun endlich einmal die Gunst der Stunde für ein paar smarte Aufnahmen genutzt. Den Spitznamen Schokomann hat Daniel übrigens seinem Beruf zu verdanken. Der Schrauber verdient sich seine Brötchen nämlich mit allerhand Leckereien es exklusiven Schokoladenfabrikanten.

VW Golf 2 GTI Schokomann

VW Golf spielt mit Materialien von Porsche, Mercedes und Audi

Veredelt wurde das VW Golf 2 GTI Projekt von Daniel mit so ziemlich allem, was wir an feinen Materialien kennen. So findet der Betrachter feinstes Leder aus dem Hause Porsche und Mercedes den Farbvarianten Cognac und Biscuit im Innenraum. Sei es auf den Sportsitzen vom Audi TT, dem Armaturenbrett, dem Teppich und dem Himmel, bis hin zu den Fußmatten. On Top ließ Daniel hier alle Plastikteile hochglänzend lackieren.

VW Golf 2 GTI Schokomann

Auch unter der Motorhaube, welche auf Treffen übrigens gerne einmal neben dem Wagen liegt, geht es edel weiter. Chrom, Lack und Leder finden hier ein stimmiges miteinander. Zuvor wurde hier jedoch ordentlich gecleant. So wanderte zum Beispiel der komplette Kabelbaum in den Radkasten des VW Golf 2. Womit wir auch gleich beim nächsten Punkt wären.

VW Golf 2 GTI Schokomann

In den Radhäusern des VW Golf II drehen sich originale Audi S3 Felgen, welche schwarz glänzend gepulvert wurden. Für den szenetauglichen Tiefgang sorgt ein GAS Airride Luftfahrwerk. Dieses lässt „The Gambler“ bei  Null Bar saugend auf den Asphalt nieder und hinterlässt Eindruck. Was der Zweier im Detail zu bieten hat zeigt Euch die Bildergalerie und das folgende Datenblatt.

Eindrucksvoll ist auch die Liste der Modifikationen aus dem Datenblatt von Daniels VW Golf 2 GTI. 

Golf 2 GTI

„The Gambler“

Baujahr 1989

107 PS

-

Außen:

Lackiert in Montegoblau Metalic (M3) von BMW

Original Audi S3 Felgen 7x5/17 schwarz glänzend gepulvert

Nankang 185/35/17

Airride/GAS Luft/ViAir Luftfahrwerk

Spiegel , Türgriffe, Scheibenwischer, Grill, Spoiler in Hochglanz schwarz lackiert

Heckwischer entfernt

Spritzdüsen entfernt

Stoßstangen gecleant - Blinker entfernt

Blinker in Grill versetzt

Radläufe gecleant und auslackiert

Heckscheibe ohne Heizdrähte

Alle Embleme und Löcher in der Karosse gecleant

Heckscheinwerfer Klarglas smoked lackiert

Frontscheinwerfer mit Fadenkreuz

Achsen in Lamborgini Orange gepulvert

Abdeckungen mit Airbrush und Pinstripes lackiert

Friedrich Motorsport Abgasanlage ab Kat

-

VW Golf Interieur

Lederaustattung aus Porsche/Mercedesleder Cognac/Biskuit

Audi TT 8N Sitze

Raid Lesmo Sportlenkrad geledert mit 12 UHR Stellung

Fußmatten aus Leder

Armaturenbrett, Teppich, Himmel in Leder

Hutablage geledert

Kofferraum Ausbau mit Alcantara überzogen

Edelstahl Überrollbügel

TT Pedalauflagen

Alle Plastikteile hochglanz-schwarz lackiert

 

HiFi:

Clarion Headunit

Audio System Boxen

Audio System Verstärker

 

Motor:

1,8l 8v GTI Motor PF

 

Motorraum:

K&N Luftfilter mit verchromten Halter

Block und Getriebe schwarz lackiert

Sämtliche Anbauteile in Chrom

Alle Wasserschläuche in Leder bezogen

Alle Löcher gecleant

Schlossträger clean mit verchromter Haubenstange

Alle Halterungen gecleant

Batterie in Kofferraum verlegt

Ausgleichsbehälter im Kühler

Kabelbaum in Radkasten verlegt

Motorhaube innen mit Haubenspiegeln versehen

Alle Plastikabdeckungen in hochglanz-schwarz lackiert oder verchromt

 

Bremsen:

Standart GTI Bremse

Michael Peschel

Michael ist der Inhaber von GermanMotorKult. Gleichzeitig auch Verfasser der meisten Artikel im Blog Magazin. Zudem Social Media Spezialist, Editor und Inhaber der Agentur MP Medien sowie MotorMarketing.

Original http://germanmotorkult.de/der-vw-golf-ii-gti-the-gambler-vom-schokomann/

Created Montag, 18. Mai 2015 Tags Classic & Tuning | Featured | vw golf | VW Golf II Document type Video
Categories Timeline Author Michael Peschel
 
18 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Es war wie immer ein Fest

Am vergangenen Freitag feierten wir mein traditionelles Hallengrillen in der Werkstatthölle. Es ist immer spannend - wer wird kommen? Wer schaut nur kurz vorbei und wer bleibt über Nacht? Herausgekommen ist eine lustige Truppe und auch meine Nachbarn ließen es sich teilweise nicht nehmen, vorbeizukommen.

Hallengrillen 2015

Der erste kam am frühen Nachmittag, die letzten gingen am nächsten Morgen nach einem kleinen Frühstück und dem groben Aufräumen. Einen Rekord konnten wir gegenüber den vergangenen Veranstaltungen verzeichnen: Den jüngsten Gast mit knapp 5 Wochen.

Hallengrillen 2015

Dem ging die ganze Veranstaltung tiefenentspannt komplett am Allerwertesten vorbei. Ich war schon etwas in meinem Stolz gekränkt, dass er sich nicht einmal den EuroHotRod näher angesehen hat. Diese Arroganz - furchtbar ;-)

Weitest angereister Gast war diesmal Nina aus der Umgebung von Hamburg. Nachts fiel uns auf: Scheiße, ich hatte dieses Jahr gar keinen Pokal dafür gebaut. Also griff ich kurzerhand zum Schweißgerät und improvisierte einen Pokal.

Pokal

Gezählt habe ich nicht, wie viele da waren, was auch schwierig war. Denn einige kamen nur zum Essen, manche verbanden es mit Teiledeals, andere hielten bis in den frühen Morgen durch. Auch hab ich nicht großartig nach den Anreisefahrzeuge gesehen. Da es wenig Parkplätze gibt bei mir rund um die Werkstatt, verteilt sich das eh über einen größeren Bereich. Gut, Best of Show wird der Fox gewesen sein, der es leid ist, dass sein Ovali Anlasser frisst. Er kurbelt derzeit die Karre einfach an.

Fox

Der Grill wurde schon nachmittags angefeuert - traditionell mit Bremsenreiniger - und immer wieder reanimiert bis weit nach Mitternacht. Dabei wurde ein Experiment leicht verfälscht. Der Versuch, wie klein ein vergessenes Steak auf dem Grill schrumpfen kann, wenn man es permanent auf dem Grill lässt, ging wortwörtlich in Flammen auf, als bei einer Grillreanimation ein wenig Bremsenreiniger darauf kam. Es ist schlichtweg weggebrannt.

Hallengrillen 2015

Den Brennwert haben wir nicht bestimmt ;-)

Angeblich gab es auch alkoholhaltige Getränke. In meiner Jägermeister Zapfmaschine war auf jeden Fall keine Milch. Es war ein runder Tag/Abend unter Freunden, Bekannten, Autoschraubern. Schön, dass Ihr alle da wart! Auch nächstes Jahr wird es wieder ein Hallengrillen geben - schon alleine, weil ich mich dadurch selber zwingen kann, mal ordentlich durch die Werkstatthölle zu kehren...

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Werkstatt/es-war-wie-immer-ein

18 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Kleinwüchsig?, Chevrolet Camaro 2193

Chevrolet Camaro

Tatsächlich, die Amerikaner haben ein Auto kleiner gemacht! Der neue Camaro ist etwas kleiner und leichter als der Vorgänger, soll dafür in Sachen Sportlichkeit ein Grosser sein.

Die sechste Generation des Camaro von Chevrolet soll - wie könnte es anders sein - alles besser machen. Mehr Sport, besserer Innenraum, steiferes Chassis und so weiter. Das klingt auf dem Papier alles gut, die Realität sieht dann auf europäischen Strassen meist etwas anders aus. Aber, vielleicht gelingt GM mit dem neusten Camaro tatsächlich der ganz grosse Wurf. Auf den ersten Bildern jedenfalls sieht er ganz schön knackig aus und das Interieur scheint auch hochwertiger. Unter der Haube gibts das volle Programm: von Zweiliter-Vierzylinder (mit Turbolader, 275 PS; 400 Nm) über den Sechsender (3,6 L, 375 PS, 385 PS) bis hin zum fetten 6,2-Liter-V8 aus der aktuellen Corvette (455 PS, 617 Nm). Und, es gibt auf Wunsch auch ein manuelles Getriebe. Das Auto ist aber nicht nur kleiner (Länge -6 cm, nun 478 cm) geworden sondern auch etwas leichter. Bis zu 60 kg soll die Gewichtsreduktion betragen. Wir sind gespannt, wie sich das Teil fährt. Denn neu ist auch das adaptive Dämpfersystem (Magna-Ride) in den Camaro-Modellen verfügbar. Noch ist völlig unklar, wann und zu welchen Preisen das Auto in die Schweiz kommt. Sicher ist, dass auch die 6. Generation bei uns ihre Abnehmer findet.
Mehr Chevrolet gibts im Archiv.


Kleinwüchsig?, Chevrolet Camaro 2193

Text: Cha, Fotos: Werk.

Original http://www.radical-mag.com/neuheiten/chevrolet-camaro-2193/seite_1-2

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24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
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13 May 2015
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Brot und Spiele

Brot und Spiele

Groß, rund, unfassbar

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Drei Tage sind viel zu kurz, um alle gegessenen Pizzen hier zu zeigen. Ich bin ja kein Food-Blogger, ich finde es schon anstrengend genug, auf Facebook ständig sehen zu müssen, was andere gerade essen, wie sie es kochen oder in welchem Etablissement sie gerade sitzen :-) Heute kommen zu unserem städtischen Etablissement noch ein paar kleine Katastrophen dazu, ähnlich wie auf dem Hinweg, viele alte Steine und jede Menge ganz alte Geschichte zum Anfassen unter einem blauen, italienischen Himmel. Ein paar der geschichtsträchtigsten Plätze Roms und Bestandteil der meisten Asterix Hefte – der große Zirkus und die klassische Tempel- und Shoppingmeile. Beides rund 2000 Jahre alt, beides nicht mehr ganz so gut erhalten und beides natürlich mit sagenhaft langen Schlangen von blöden Touristen belagert. Endspurt, los, ich will heute mal was altes sehen! Und ne Pizza.

Man –könnte– wie zu all den anderen Plätzen in den vergangenen Tagen zum Kolosseum von hier aus zu Fuß gehen, aber heute sind wir faul.

Brot und Spiele

unter der Erde

U-Bahn fahren in Rom klingt vielleicht auf den ersten Blick abenteuerlich, auf den zweiten ist es das auch. Nicht etwa, weil das Schienennetz so verwirrend ist, nein, daran liegt es nicht. Ich hatte mich schon gewundert, warum die freundliche Dame in der unter Tage befindlichen Information zwischen Pennern und Selfie Stick Verkäufern lachend zusammengebrochen ist, als ich sie nach einem Linienplan für das U-Bahn Netz fragte. Sie hätte mir auch fast einen verkauft, aber ich wollte keine drei Euro zahlen. Später wusste ich dann, warum wir ihr Lachen noch zwei Stationen weiter hören konnten: Es gibt unter Rom nur zwei U-Bahn Linien, die in einem Kreuz unter der Stadt laufen. Zwei. Es ist quasi unmöglich, in die falsche einzusteigen. Ah. Was diese Art der Fortbewegung aber trotzdem abenteuerlich macht ist die schiere Menge an Menschen, die an besonders bekannten Haltestellen gleichzeitig in die Züge ein- oder aussteigen will. Aber irgendwas ist ja immer. Wir sind da.

Brot und Spiele

Ich hatte mir das größer vorgestellt

Das Kolosseum. Endlich! Während wir noch überlegen, ob wir uns hinten an die Schlange anstellen oder wieder die zeitraffende Touristenfalle “Skip the Line” kaufen lese ich mich ein bisschen in die Geschichte dieses gigantischen Theaters. Denn hier war ich damals nicht drin. Ungefähr ein Menschenleben nach Christi Geburt ist das Kolosseum fertig geworden und bot damals 50.000, ja FÜNFZIGTAUSEND Menschen Platz. Die saßen auf mehreren Rängen auf Marmorklötzen, der Eintritt war frei, es fanden den ganzen Tag Veranstaltungen statt. Das Volk wollte bei Laune gehalten werden, denn wenn es genug zu Essen und gute Unterhaltung hatte fing es nicht an, die Regierungsform zu hinterfragen. Der Zirkus muss beeindruckend gewesen sein, wilde Tiere, aus den fernen römischen Kolonien auf der ganzen Welt mit Schiffen rangeschafft wurden über den Sand der Arena in der Mitte getrieben. Für die Giraffen gab es sogar extra hohe Tore. Und natürlich sahen sich Kinder wie Erwachsene nicht nur die lustigen Tiere an, sondern auch die nicht ganz so lustigen Menschen, die auch da unten waren. Und dann wurde es krass. Aber Moment, da wanzt sich ein britischer Einpeitscher an uns ran und will uns geführte Kombitickets für den Zirkus und das Forum Romanum verkaufen. Jep. Nehmen wir. Und jetzt bin ich erstmal pleite, aber drin.

Brot und Spiele

Echt und groß. Skip the Line.

Die diesmal nicht ganz so attraktive, aber trotzdem sehr belesene Führerin kniet sich professionell rein und erzählt uns allerhand von der Architektur und den Dingen, die zwischen den Mauern passiert sind. Damals. Zwischendurch betont sie ein paar mal, dass wir alle zunächst bei der Gruppe bleiben sollen, weil wir keine einzelnen Tickets haben und nur im Verbund mit dieser Gruppe nachher raus und auch ins angrenzende Forum Romanum und den Palatin wieder REIN kommen. Check. Und dann blende ich sie langsam aus und versinke in Vorstellungen, Geräuschen und haptischem Begreifen.
Es gibt nur noch eine kleine Ecke, in der die Bänke aus Marmor so sind wie sie mal waren. Alle anderen Steine hat man nach und nach als Baumaterial für andere Gebäude verwendet, Petersdom und so. Aber trotzdem vibrieren die Steine vor lauter Geschichte. Was muss hier für ein Wuseln, für eine Stimmung gewesen sein, als die tausende von Zuschauern in den Morgenstunden aus den Vomitorien auf die Ränge gekotzt wurden? Die Arena in der Mitte war mit Holzplanken belegt, auf denen frischer weißer Sand lag. Darunter schlängelten sich im Dunkeln, spärlich und stinkend beleuchtet von Fackeln, die Gänge und Räume für die Kämpfer, die Gladiatoren, und die wilden Tiere. Es waren verurteilte Verbrecher und Sklaven, die hier ihrem fast sicheren Tod entgegen sahen.

Brot und Spiele

Die Sprengung von allem Fassbaren

Zur Belustigung des Volkes kämpften Menschen gegen Menschen oder gegen Tiere. Sie hatten verschiedene Waffen, vom Netz bis zum Schwert, und wurden sogar in eigens dafür eingerichteten Schulen für diese Kämpfe ausgebildet. Ihre einzige Überlebenschance war, den Kampf zu gewinnen oder eine so gute Nummer hinzulegen, dass der oft anwesende Imperator, der Caesar, seinen Daumen hob und damit dem Gladiator die Freiheit schenkte. Ihm zumindest seinen Tod ersparte. Oft stimmte auch das Publikum ab. Nach einer bestimmten Anzahl von überlebten Kämpfen konnten einige der Statisten sich auch freikaufen. Soweit die historische Theorie. In der Praxis erstachen und zerfleischten sich täglich Menschen und Tiere, und jeden Abend war der weiße Sand rot von Blut und Leichenteilen und muss besonders an warmen Tagen erbärmlich gestunken haben. Und wer nicht oben in der Arena gestorben ist verreckte später elendig an seinen infizierten Wunden. Die Zuschauer aßen dabei Knabberkram und amüsierten sich köstlich.
Und wissen Sie, was mich an all dem jetzt so fasziniert? Es ist HIER gewesen. Das ist kein Museum oder ein Film, es war genau HIER. Ich fasse die Mauern an, die schon vor 2000 Jahren todgeweihte Menschen berührt haben. GENAU diese Mauern. Sie sind genau diesen Wen über genau diese Steine gegangen. Das plättet mich immer wieder.

Brot und Spiele

Alle da? Dann kann es ja losgehen.

Wie muss die Luft gekocht haben unter den riesigen Sonnensegeln, die an hölzernen Masten über der Arena gespannt waren? Und was für ein krasser Kontrast zum Geruch von Schweiß, Blut und Tod unter dem Sandboden in den Gängen, wo man die Tiere schon fauchen und scharren hören konnte. Ich streiche über die Brüstungen, fasse alles an, versuche es zu begreifen und stelle mir die Szenen vor. Unsere Führern ist inzwischen zum Ende gekommen und ermahnt uns, um 16:30 Uhr an dem Bücherladen am Ausgang zu sein, von wo man uns geschlossen rüber zum Forum führen wolle. Meine große Tochter und ich stromern noch die Ränge rauf und runter, lachen über die Selfie Stick Fraktion und genießen ganz nebenbei auch die echt bräunende Sonne Italiens, während Norddeutschland im Regen ersäuft. Ach ja, einen Selfie machen wir natürlich auch noch, nein, SIE macht ihn. Ganz ohne Stick. Wie sich das gehört für eine angehende Fotografin Brot und Spiele Hübsch ist sie. Und ich kann herrlich blöd gucken. So haben wir eben alle unsere Gaben…

Brot und Spiele

Selfie ohne Stick

Um 16:25 Uhr stehen wir am Bücherladen.
Um 16:35 merken wir, dass es zwei gibt, und der hier ist nicht der am Ausgang.
Um 16:38 ist niemand mehr da, mit dem wir mitgehen könnten.
Na klasse. Rausgehen bedeutet endgültig raus, ich habe aber sehr viel Geld für das Kolosseum UND das Forum bezahlt und ärgere mich grün und blau.
Greg, ein smarter Brite mit vielen neugierigen Menschen im Schlepptau fragt mich, wie denn unsere Führerin geheißen habe. Das weiß ich doch nicht! Klein, 50, schwarze Haare, wenig Humor. Er telefoniert. Er erklärt ein paar Leuten die Situation. Verrücktes Business, die kennen sich alle. Und er schickt uns raus aus dem Kolosseum, raus auf den Vorplatz. Denn da steht die nächste Gruppe mit einer neuen smarten Führerin, die uns zwei kostenlose Tickets in die Hand drückt, die eigentlich die Guides bekommen. Bei einer Kontrolle müssten wir wohl draußen bleiben, wir seien ja schließlich keine Guides, aber man könne es ja mal versuchen, sagt sie. Das finde ich cool. Sehr cool.

Brot und Spiele

Menschlichkeit. Überraschend.

Ein Stück Restglauben an die Menschlichkeit zurück gewinnend sitzen wir zwei noch ein bisschen vor dem Forum und dem Palatin, dem ersten besiedelten der sieben Hügel Roms rum und mampfen ein Sandwich mit luftgetrocknetem Schinken und Mozzarella. Pizza gibt es hier nicht. Wir üben den unbeteiligten Blick, den die Guides beim Passieren der Schranken immer aufsetzen und glauben fest an unseren Erfolg. Bisher hat doch alles einwandfrei geklappt, wenn auch mit Stolperfallen. Und 15 Minuten später stehen wir zwischen alten Mauern und erfahren auf Englisch wissenswertes über die Paläste auf dem Palatin, die Geschichte der ersten Besiedlung Roms und die Zeit um Christi Geburt. Nun weiß ich auch, warm es nur zwei U-Bahnen gibt. Es ist fast unmöglich, Tunnel unter der ewigen Stadt zu graben, ohne nennenswerte Mengen an historischem Material zu zerstören. In den Jahrtausenden ist der Sand und Matsch um etwa sechs Meter nach oben gewandert, man vermutet dass rund 2/3 der antiken Mauern noch immer unter dem Erdboden darauf warte, ausgegraben zu werden. Nicht jeden hat freilich das antike Welterbe beeindrucken können. Mussolini ließ ohne Rücksicht auf Verluste eine breite Prachtstraße quer durch die Ruinen und Ausgrabungen ziehen, um seinen Kollegen Hitler mit einer Fahrt in Richtung Kolosseum zu beeindrucken. Seltsame Prioritäten. Wir stehen derweil unter einem Triumphbogen, der von Kaiser Titus, auf dem ein Gespann mit vier Pferden zu sehen ist. Hinten drauf steht die griechische Siegesgöttin Nike, und ich mag dieses Motiv so gern, weil ihr geschwungener Flügel ganz rechts im Bild das Logo einer ähnlich klingenden Bekleidungsmarke geworden ist Brot und Spiele

Brot und Spiele

Nike? Ja, Nike.b

Vom Palatin aus, auf den Ruinen der gigantischen Villa von Augustus stehend, hat man einen grandiosen Blick auf den Circus Maximus, die vermutlich größte Arena der Antike und der Neuzeit. Der Welt. Des Universums. Es hat nie wieder einen größeren Veranstaltunsort gegeben. Und wissen Sie was? Der Anblick ist relativ unspektakulär, man ahnt das Oval der Rennbahn für die Wagenrennen und die Anhöhe der Tribünen, alles mit Gras bewachsen. Keine Steine. Na klar – die liegen ja auch alle ein paar Meter unter Dreck und Schlamm, und weil es da recht sumpfig ist hat man noch nicht mit den Ausgrabungen angefangen.
Es gibt fesselnde Bücher, welche die Plätze dieses Zentrums des kulturellen und politischen Lebens der Stadt mit durchsichtigen Folien im Heute und Damals darstellen. Es muss hier wunderschön und beeindruckend urban gewesen sein. Es gab Brunnen, Basiliken und Kirchen, der Senat tagte hier und mittendurch geht die Via Sacra, die berühmte alte Straße vom Kapitolhügel zum Kolosseum, auf der schon so mancher Imperator in seinen Sandalen stapfte. Und da ist es wieder. HIER war es. Ich laufe den gleichen Weg, das ist kein Museum. Noch um 1800 guckten hier nur ein paar vereinzelte Säulen aus dem Rasen raus, mit den Ausgrabungen im hochgelevelten Boden hat man erst vor rund 200 Jahren begonnen.

Brot und Spiele

Wandeln wie der Imperator

Schwer, die Sicherungen drin zu behalten. Die anderen Touristen verteilen sich angenehm auf die Fläche und die schmeißfliegigen Selfie Stick Verkäufer dürfen nicht rein. Ich streichel hier einen Stein, fasse da eine Mauer an und lege meine Arme dort um eine Säule. Wenn diese Mauern doch erzählen könnten. Was mögen die bloß alles schon gesehen haben! Vielleicht will ich das auch gar nicht so genau wissen. Meuchelmorde, Ehrungen, Paraden. Geschäftiges Treiben und profane Einkaufstouren in die Basiliken, eben um die Dinge des täglichen Lebens zu besorgen. Meine attraktive Begleiterin philosophiert vor sich hin, wie es wohl wäre, wenn man ein paar Tage im Damals leben könnte. Der klassische Zeitmaschinen Gedanke, und das in dem Jahr, in dem Marty McFly in der Zukunft gelandet ist. Ich habe mich das aber auch schon oft gefragt, wie es wohl wäre, mal im Damals zu sein. Die Luft zu riechen. Die Menschen reden zu hören. Zu essen und zu trinken, was sie gegessen und getrunken haben. und schon fühle ich mich wieder sehr vergänglich, denn ich habe definitiv nichts erschaffen, was 2000 Jahre später noch von Menschen angefasst wird. Aber okay, ich bin auch kein Kaiser oder Caesar, und das ist ja auch ganz gut so. Guck mal. Säulen, die stehen hier schon sehr lange, die sind auch auf vielen ganz alten Bildern und Zeichnungen drauf.

Brot und Spiele

Ich und 2000 Jahre alter Kram

Mann war das alles groß und prachtvoll.
Wenn ich mir vorstelle, wie lange ich allein an einem einzigen Bauteil so einer Säule mit Hammer und Meißel rumkloppen würde, bis sie diese perfekt symmetrische Form hat – man bekommt tatsächlich einen Eindruck von der Ewigkeit. Und nun rufen die Schuhe von unten, dass sie schon echt weit gelaufen sind. Der Schrittzähler im Samsung Handy meiner Großen behauptet, dass wir jeden Tag mehr als 15 Kilometer gestapft sind, und heute wird das bestimmt nicht anders sein. Also gönnen wir uns einen Platz in der U-Bahn für den Rückweg und überlegen, was wir noch nicht gesehen haben.Eigentlich war ziemlich viel dabei, auch Orte, die ich hier jetzt mal stumpf weggelassen habe. Die Engelsburg, die Piazza Navona, die Piazza Popolo, das Patheon und was weiß ich nicht noch alles. Man kommt ja ständig an irgendwelchen berühmten Gebäuden vorbei, mit den Bildern die wir gemacht haben könnte ich 10 Geschichten füllen. Aber das will ja keiner Brot und Spiele Außerdem haben wir Hunger. Also ab nach “Hause” in Richtung Vatikan.

Brot und Spiele

Liebe unter Tage in der ewigen Stadt

Karierte Decken, fast nur Einheimische (so weit ich das beurteilen kann, jedenfalls reden alle sehr schnell und sehr Italienisch), lustige Musik und ein mürrischer, aber aufmerksamer Kellner. So stelle ich mir eine gute Pizzeria vor, und so ist genau diese hier mal wieder. Die Pizza Quattro Stagioni hat es mir hier echt angetan. Nicht, weil da alte Audi-Gefühle hochkommen und nicht, weil die auch nur IRGEND etwas mit diesen überfrachteten, käsetriefenden Teigwürsten in Deutschland zu tun haben könnte. Nein. Sondern weil sie eine Offenbarung ist. Noch während Sie die frischen Champignons auf dem Gaumen zerdrücken steigt Ihnen der Duft der Oliven in die Nase (ich mag keine Oliven, aber auf Pizza mag ich sie). Der luftgetrocknete Parmaschinken rundet alles ab, der Rand knuspert leicht, der Boden ist dünn und heiß und schmeckt nach Holzofen. Dazu einen offenen Hauswein aus der Karaffe. Das Leben kann so verdammt einfach, so köstlich und so schön sein. Unsere letzte Pizza in Rom. Irgendwie traurig, dass gute Zeiten immer so schnell vorbei gehen.

Brot und Spiele

Da weiß man was man hat

Aber wissen Sie was? Ich habe endlich, nach Jahren, ein Versprechen eingelöst. Das hat nun ein paar hart ersparte Kröten gekostet, aber ich glaube es hat jemanden an meiner Seite, der bald 20 wird und eine Ausbildung in einem Fotoatelier anfängt sehr glücklich gemacht. Daheim in Kiel dreht sich die Welt leider auch weiter, und nicht alles läuft so rund wie sich das manche der Anwesenden wünschen würden (und da stehe ich ausnahmsweise mal nicht alleine da) aber erstens ist das weit weg in Kiel und zweitens haben wir jetzt Papst Franziskus dabei. Der wird das schon richten :-) Auf dem kleinen Bild erzählt er mehrsprachig und goldglänzend irgend etwas vom Frieden und wie wichtig der ist. Ich mag das. Also, den Frieden sowieso, aber auch so kleine Superkitsch-Teile. Den hänge ich mir zu Hause gleich mal neben den Badezimmerspiegel, und ins Regal stelle ich den Petersdom und das Kolosseum als kleine Spreckstein-Miniaturen für je einen Euro. Wer kann denn da schon nein sagen? War günstig. Nech, Papa Kalle?

Brot und Spiele

Wir sind Papst. Jetzt in meinem Badezimmer.

Ciao Roma.
Zwei Tage länger wären auch okay gewesen. So sehr ich mich schon nach einer einzigen Nacht fern von Hamburg nach meinem Zuhause sehne – so ein paar Tage ohne Plan, ohne Verpflichtungen und ohne Termine (aber mit viel Pizza und Hauswein) sind schon etwas sehr Besonderes. Etwas besonders Erholsames! Ich habe ganz neue Einblicke in die erwachsene, reife Denke meiner Tochter bekommen, ich weiß jetzt, dass Grafikkarten von Laptops kaputt gehen können. Ich habe nach Jahren mal wieder zwei Folgen Lost geguckt und der alte FIAT 500 ist im Straßenbild von Rom noch durchaus präsent. Klein und rostig. Aber das sind alles andere Geschichten. Ich bin so dankbar für diese drei wunderbaren Kinder, die ich habe, und nach so einer kleinen Reise stelle ich wieder einmal fest, was das wichtigste im Leben ist. Familie und Freunde. Und den Rest wird man schon irgendwie hinbekommen. In diesem Sinne, schlafen Sie gut.

Sandmann

Davor war der Selfie Stick Wahn…

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Created Mittwoch, 13. Mai 2015 Tags Colosseo | Foro Romano | Forum Romanum | Kolosseum | Palatin | pizza | Reise | Reise Reise | rom | Skip the line | Ticket Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
12 May 2015
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Selfie-Stick Wahn

Selfie-Stick Wahn

Sie sind im Bild. Definitiv.

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Ich hätte niemals gedacht, dass ich diesen Artikel einmal schreiben werde. Jedenfalls hätte ich das vor… sagen wir mal 10 Jahren noch nicht gedacht. Ich, der gern mal selbst ins Bild springt, der sich ständig pathetisch auf den Horizont blickend neben Autos stellt und der sich andauernd beim Autofahren knipst. Mit ausgestrecktem Arm. Oder – der Typ mit dem abgegriffenen Selbstauslöser. Ausgerechnet ich bekomme in Rom eine mittlere Krise. Erst wegen der distanzlosen Menschen, die mir den ganze Tag Selfie Sticks für mein Handy verkaufen wollen (is gutt praiss, make cheap) und dann wegen der Menschen, die diese Selfie Sticks exzessiv einsetzen. Das sind unfassbar viele. Was macht man dagegen oder damit? Ein paar kleine Ideen hatte ich dann ja doch…

Wissen Sie denn überhaupt, was ein Selfie Stick ist?

Selfie-Stick Wahn

Wir alle vorm Sankt Peter

Das ist so eine kleine ausziehbare Teleskopstange, auf die man ans eine Ende sein Smartphone klemmen kann und die einem den Arm verlängert. Um einen Selfie von sich und seinen Lieben zu machen, und wenn dank des Teleskops die Kamera dann weiter weg ist kommt natürlich auch noch die ganze schöne Landschaft mit drauf. Denn so ein Arm ist ja relativ kurz. Sagen alle. Finde ich eigentlich gar nicht. Die Dinger haben einen Auslöser am Griff, einige können auch als selbst stehendes Stativ ausgeklappt werden. Wolle Selfie Stick? Want? YOU want? Cheap! Die Theorie zur Benutzerfreundlichkeit tut keinem weh, die Dinger kosten im Netz rund 15 Euro, ich weiß nicht was sie bei unseren redseligen Freunden in Rom kosten. Die Jungs sollte man ja lieber einfach stehen lassen, sonst wird man die nie mehr los. Wenn Sie nur einmal nach dem Preis fragen sitzt der Typ eine Woche später noch bei Ihnen zu Hause auf dem Sofa und handelt. Also bleibt der Selfie-Stick-Preis im Zentrum von Rom ein gut gehütetes Geheimnis, zumindest vor meiner großen Tochter und mir. Hey you. Come here, good stuff. Cheap. Etliche andere könnten darüber in epischer Breite philosophieren und Zahlen nennen, denn es ist schier unglaublich, wie viele Touristen durch die Stadt rennen, so eine bekloppte Antenne vor sich hertragen und sich entweder permanent filmen oder endlose Fotos machen. Ich vor dem Pantheon, ich vor dem Kolosseum, ich vor ihr. Das geht ja sogar mir auf den Sack! Das ist narzistischer Hardcore. Ich muss gegensteuern, fotografiere mit der richtigen Seite des Telefons (was für sich genommen schon ein ziemlich lustiger Satz ist, den vor 20 Jahren niemand verstanden hätte) und genieße mal wieder, dass ich nicht andauernd mit drauf bin. Sondern diesmal ein lustiger Römer, der mit seiner Kamera telefoniert. Ist doch toll sowas, und ganz ohne Stick.

Selfie-Stick Wahn

Römer mit Selfie-Cam

Der lustige Römer ist hinterher gar nicht mehr so lustig, denn er verlangt eigentlich Geld dafür, dass man sich selbst mit ihm fotografiert. Dass man also einen Selfie mit diesem liebevoll verkleideten Feingeist macht, vielleicht mit einem Stick? Ah you! Deutsch? Bratwurst? Gut, wir gehen dann mal weiter. Notiz an mich selbst: Römer, die wie Römer aussehen nur mit Geld in der Hand und als Selfie fotografieren. Neben uns labern zwei Amerikaner Texte ins teleskopisch weit weg gehaltene Handy, während sie mit starrem Blick über den Platz laufen. Ein Perma-Selfie-Video. Das sechste von insgesamt 42 Stück heute vermutlich. Selfie Stick? Selfie Stick? Wanna look?.NEIN MANN!!! Ich raunze den klettigen und leicht überraschten Verkäufer mit den bunten Stangen und der irgendwie leberwurstfarbenen Haut an. “Look here! I have ARMS. Long Arms. You wanna touch? Come here, touch it. Enough to make Selfies. Come on TOUCH it!” Der Mann scheint mit dieser Reaktion nicht gerechnet zu haben und wechselt die Himmelsrichtung, in der seine Füße laufen. Anfassen wollte er meinen Arm nicht. Komisch. Ein weiterer junger Amerikaner läuft sich selbst mit Stick filmend rückwärts und rennt meine Tochter fast über den Haufen. Sorry. Ob sie einen Selfie mit ihm vor der Säule da machen möchte? Nein, möchte sie nicht.
Der nächste fliegende Händler bietet seine Billigware feil und wanzt sich an mich ran. “Selfie? Wanna Selfie?” Ha. Na klar. Mit einem strahlenden YES!!! zücke ich mein Telefon und mache einen Selfie von mir und dem Selfie Stick Verkäufer :-) Er versucht gar nicht erst, mir zu erklären, dass er was anderes gemeint hat. Ich glaube, er hat es verstanden. An diesem Tag unternimmt zumindest dieser jetzt leicht verwirrte Mann nicht mehr den Versuch, mir so einen Scheiß zu verkaufen.

Selfie-Stick Wahn

Selfie mit dem Selfie Stick Verkäufer

Himmel ist das alles albern und lästig.
Früher, in den Zeiten wo Menschen noch miteinander gesprochen haben frug man einen vorbeikommenden Passanten, ob der mal ein Bild von einem machen kann. Bitte. Oder (und da bin ich ein großer Freund von) man suchte sich einen Mülleimer oder eine Mauer, stellte die Kamera drauf und benutzte den Selbstauslöser. Meine schönsten Bilder halten genau die Momente fest, in denen während der 10 Sekunden alles schief ging, was auf dem Weg von der Kamera zum vorgesehenen Motiv schief gehen konnte. Ich möchte das auch heute nicht missen Selfie-Stick Wahn Zumindest das iPhone kann das doch auch, finden die Leute sich denn nicht furchtbar albern mit diesen Antennen in der Hand, an deren Ende das Telefon klemmt? Und achten Sie mal drauf – es gibt einen süffisanten Selfie-Blick. Der ist neu. Der ist total panne. Da wiederum profitiere ich von meiner jahrealten Macke, mich schon immer gern mal selbst fotografiert zu haben. Ist ja irgendwie auch ne Kunstform… Gniiihihi. Komm, Töchterchen, ich mach nochmal einen Selfie von uns, während du grad einen Selfie von dir vor dem Forum Romanum machst. Das ist dann doppelter Unsinn, genau wie der Selfie mit dem Stick-Verkäufer, ich glaube wenn man sowas richtig angeht öffnet sich ein Wurmloch und setzt nie gekannte Energien frei. *klick*

Selfie-Stick Wahn

Selfie mit Selfie machender Tochter

Oder wie stehen Sie dazu?
Plötzlich (na ja, seit ein paar Jahren) fotografieren sich die Leute auf einmal alle selbst, im Bad, auf Parties, im Urlaub. Finde ich cool, aber warum ist das denn auf einmal so hip? Und was genau ist so geil daran, mit der Frontkamera (die meist nicht mehr als nur normale HD Auflösung macht) mit sich selbst ständig im Bild durch eine so schöne Stadt wie Rom zu laufen? Man verpasst ja die ganze wundervolle Realität, weil man ständig nur damit beschäftigt ist, die Stange vor sich gerade zu halten. Was für ein Schwachsinn. Wenden wir uns wieder den schönen Bauwerken und der köstlichen Pizza zu. Morgen gibt’s mehr davon. Garantiert ohne Teleskopstange.

Sandmann

Was davor war…

Und weiter zum Brot. Und den Spielen.

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Created Dienstag, 12. Mai 2015 Tags Absurdistan | albern | fail | Italien | Petersdom | Reise Reise | rom | Selfie | Selfie Stick | Selfiestick | Verkäufer Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
05 May 2015
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Menschen. Viele Menschen.

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Rom ist ganz schön voll. Randvoll mit Menschen. Aber dazu später. Gestern Abend saßen mein Töchterchen und ich noch in einer Pizzaria in der eher einsamen Ecke des Vatikans, heute ist eine große Kirche dran. Ohne Holzofen und ohne Hauswein. Eine wirklich ganz doll große. Eine, die so groß ist, dass ich 1997, als ich das erste mal da reingegangen bin weinen musste. Ja, liebes Tagebuch, beim Betreten einer Kirche. Weinen. Hausweinen. Viele andere weinen heute auch, vor allem, weil sie wertvolle Zeit mit schlangestehen verbrennen, statt wie wir in eine clevere Touristenfalle zu tappen, die uns mit Lichtgeschwindigkeit in eben diese Kirche beschleunigt. Cool. Stellen Sie sich mit uns hinten an? Nein? Okay, wir auch nicht.

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Mercado in der Basilika

Der erste ganze Tag in Rom beginnt fruchtig. Nein, eigentlich beginnt er süß. Damit meine ich nicht mein großes Töchterchen, das sich im Morgenlicht neben mir knurrend und schnurzelnd nochmal zur Seite dreht. Das ist zwar auch irgendwie süß, aber ich spreche von dem typisch italienischen Frühstück, was uns in dem kleinen B&B in die noch viel kleinere Küche gestellt wurde :-) Schokocroissants, süße Croissants, zuckersüße Marmelade, Orangensaft (süß), keine Butter aber guter italienischer Kaffee. Wir nehmen noch vor 9:00 Uhr mehr Zucker zu uns als man in einer ganzen Woche sollte und haben schon jetzt echt Bock auf eine Wildschweinhälfte oder was man sonst noch so in Deutschland zum Frühstück gewohnt ist. Die paar Meter zu den Säulen, die vor dieser großen Kirche rumstehen beginnen wir erstmal mit einem kleinen Rundgang in einer großen Markthalle, wo jeden Tag Markt ist. Einfach so. Jeden Tag. Gemüse, Obst, Fleisch und Brot so weit das Auge reicht. Warum gibt es sowas nicht in Kiel?
Bevor wir bereit sind für die Konfrontation mit der kompletten Heiligkeit drückt der Durst. Vielleicht drückt bei 50% der Anwesenden auch der Wunsch, eine nicht völlig echte aber fast originale Michael Kors Tasche zu kaufen, aber erstmal drückt der Durst. In Rom gibt es, wie in Zürich von mir so geliebt, vielleicht keine Mona Lisa aber öffentliche Brunnen, die frisches klares Wasser ausspucken.

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italienisches Wasser trinken Teil 1

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italienisches Wasser trinken Teil 2

Wir vergleichen je ein Bild von iPhone 5 und Galaxy 6. Das finden Sie banal? Haben Sie mitten in einer großen Stadt schon mal so richtig doll Durst bekommen? Sie glauben gar nicht, wie köstlich da so schlichtes kaltes Trinkwasser sein kann, und wenn man sich vorstellt, dass es vielleicht sogar durch mehrere sagenhafte Gesteinsschichten und geschichtsträchtige Gebeine geflossen ist (statt eine grob von menschlichen Fäkalien befreite geklärte Brühe zu sein) dann schmeckt es wahrhaft phantastisch. Wasser in Rom. Wie einfach Glück sein kann. Nicht ganz so einfach ist Glück, wenn man plötzlich umringt ist von sehr dunkelhäutigen Menschen, die mit gehetzten Blicken die Umgebung scannen und einem eine fast echte Ledertaschen verkaufen wollen. Die Freude auf der anderen Seite ist riesengroß, wenn unsereiner oder ihrereiner tatsächlich Interesse bekundet und fachmännisch das Kunstleder streichelt und die Reißverschlüsse prüft. Die Jungs sind schnell. Noch bevor wir die Cops überhaupt gesehen haben sind die plötzlich alle komplett wegvaporisiert, quasi in Lichtgeschwindigkeit. Na gut. Wir sind ja auch wegen etwas anderem hier. Richten wir also den Blick auf diese Kirche.

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Da sind wir endlich

San Pietro in Vaticano, landläufig der Petersdom genannt, ist die größte Kirche der Welt und das erklärte Zentrum der Heiligkeit des Westens, denn hier haust der Papst, also laut dem katholischen Glauben der Vertreter Gottes auf Erden. Da sind nun viele anzweifelbare Informationen drin, ich teile Ihnen jetzt und hier schlicht mal meine Meinung mit, wenn Sie eine andere haben ist das völlig okay: Ich bin gläubig, wenn auch nur sporadisch und vor allem nicht katholisch. Den aktuellen Papst finde ich verglichen mit seinen Vorgängern so dermaßen revolutionär, dass ich mir noch ein kleines Bildchen von ihm kaufen werde. Ich mag Franziskus. Glauben, jeglicher Glauben ist etwas Gutes, wenn er nicht übertrieben wird und die Gläubigen in realitätsfremde Menschen oder Fanatiker umwandelt. Kriege im Namen des Glaubens lehne ich ab. Für mich ist Religion eine Bereicherung, und jeder der Götter, an die wir glauben ist ein gütiger Gott. Was schlimm ist sind die Menschen, nicht die Religionen. So denke ich. So ähnlich dachte ich schon immer, aber heute noch ein bisschen deutlicher. Und jetzt klicken Sie mal auf das nächste Bild und machen Sie es größer. Schauen Sie sich einmal diese Dimensionen an!

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Säulen und Menschen

Ich erzähle Ihnen heute nichts von der Geschichte des Petersplatzes, auch nicht von der des Petersdoms selbst oder seinen vielen Baumeistern über die Jahrzehnte. Das können Sie alles super ausformuliert im Netz nachlesen. Aber lassen Sie uns von Größe sprechen. Kirchen sind ja nicht nur weit nach oben gebaut worden, um die Antenne möglichst nah an den göttlichen Sender zu bringen. Das ging ja vor allem in Babylon nachweislich in die Hose. Kirchen sind vor allem in bestimmten Epochen auch groß gebaut worden, um die kleinen Gläubigen in Ehrfurcht erstarren zu lassen. Um Macht zu demonstrieren. Dieses Thema lag auch über vielen wirklich ziemlich blöden und grausamen Taten, die im Namen der einen oder anderen Kirche erfolgten, aber was geblieben ist sind die Gebäude. Und die hier wirken auf norddeutsche Flachländler wie ein Auszug aus Disneyland, nur noch getoppt von den Zuckerbäcker-Marmorfassaden in Pisa oder Florenz. Es ist der pure Wahnsinn, was hier rumsteht, es ist wirklich nur zu glauben wenn man es selbst gesehen hat. Ich sah es 1997. Da steckte ich mitten im Kunststudium und war mit wirklich netten Menschen für zwei Wochen in Italien. Viel weiß ich nicht mehr, das liegt am exzessiven Rotweingenuss während dieser Tage, aber Rom ist hängen geblieben. Erst hielt ich nägelkauend ein Referat über die Fassade des Doms vor versammelter Mannschaft (in Frauke war ich ein bisschen verknallt), dann gingen wir rein und ich fing an zu flennen. Ich philosophiere schon wieder ausschweifend vor mich hin. Ich war kurz abgelenkt. Meine Tochter hat plötzlich eine echte Michael Kors Tasche. So schnell kann’s gehen.

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Sie und eine Tasche von Michael

Ich habe ihr schon vor vier oder fünf Jahren diese Heul-Geschichte und die Dimensionen des Petersdoms verklickert und ihr versprochen, mit ihr einmal hier hin zu reisen und das alles anzugucken. Es kam so einiges dazwischen, was ich heute mal als “Leben” verbuche, aber ein Sandmann-Papa hält sein Wort. Früher oder später. Und nun sind wir endlich hier, wollen da rein und stoßen kleine säuerliche Wölkchen aus Puderzucker und Erdbeermarmelade auf. Ein wahrhaft nachhaltiges Frühstück. Aktuelles Problem: Schauen Sie sich noch einmal das breite Bild weiter oben an. Das mit den Säulen. Lassen Sie eine mehrreihige Menschenschlange links vom Dom beginnen, führen Sie diese nach links hinter dem Fotografen entlang weiter und rechts wieder an den Dom ran. Die Meute steht tatsächlich einmal komplett um den ganzen Petersplatz rum, um ein Ticket für 12 Euro in den Dom zu bekommen. Und glauben Sie mir, der Petersplatz ist wirklich rund und groß! Da habe ich keinen Bock drauf. Ich schiebe die distanzlosen privaten Touristenführer beiseite, die mir Skip-the-Line-Tickets inklusive Führung in den Petersdom verkaufen wollen und kaufe dann an einem offiziellen römischen Touristeninformationszentrum ein Skip-the-Line-Tickets inklusive Führung in den Petersdom. Nein, zwei. Das bedeutet, dass mein Töchterchen und ich für nur 8 Euro mehr wieder in Lichtgeschwindigkeit an allen anderen vorbei gehen und sogar eine Führung mit Knopf im Ohr im Dom erwarten können. Wissen Sie was? Das finde ich richtig gut. Schnell mal einen Selfie vor all den Wartenden. Ganz hinten sehen Sie noch nicht mal das Ende der Schlange, die Menschen hier vorn sind teilweise schon mumifiziert.

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Ich will nicht den ganzen Tag in Rom rumstehen

Und man mag über das korrupte Italien denken was man will, das mit dem Treffpunkt am Brunnen und der Führung klappt schon mal. Unsere aus welchem Grund auch immer ziemlich gut gelaunte blonde langhaarige Führerin plaudert lustig auf Englisch, geht auf Fragen ein und erweckt den Anschein, als ob sie ihren Job echt gerne machen würde. Der kleine rote Aufkleber an unseren Shirts lässt uns tatsächlich an allen Leuten und auch an der Security vorbei, und plötzlich verschwimmt ihr fuchtelndes kleines Fähnchen vor meinen Augen und ich stehe wieder in dieser Vorhalle des Doms. Die für sich genommen ist schon sagenhaft, allein da passen vermutlich alle Kirchen von Kiel rein. Aber es ist nur die Vorhalle. Das schöne an sehr sehr alten Gebäuden ist, dass sie immer gleich aussehen, egal wie viele Jahre zwischen zwei Besuchen liegen. Ich erinnere mich, wie ich damals völlig verstrahlt durch die schweren Türen in die eigentliche Basilika gegangen bin. Es öffnete sich mir ein von Menschen geschaffener, kunstvoll verzierter Raum, der in seiner Größe meine Vorstellungskraft sprengte. Dieser Raum öffnet sich mir heute genau so. Vielleicht sprengt er nicht mehr meine Vorstellungskraft, aber für einen kleinen Moment halte ich wieder inne, nehme den Knopf aus meinem Ohr und stehe einfach nur da. Blicke um mich. Und auch wenn ich dieses mal nicht in Tränen ausbreche bin ich ihnen zumindest nahe.

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Keine Tränen diesmal. Aber fast.

Himmel, dieser Haufen aus vergoldeten Marmorplatten ist so unglaublich groß!
Ja, mein Töchterchen kann es nachempfinden. Es entfleuchen ihr boahs und ooohhhhs und sie guckt nicht so oft auf ihr Handy wie sonst. Unsere Führerin zeigt uns warm beleuchtete aufgebahrte Päpste im original Mumienoutfit (die sind alle echt, da liegen echt jede Menge echte tote Päpste in Särgen aus Glas) und ich habe zu viel Respekt, um die zu fotografieren. Auch wenn sie echt klein sind und irgendwie komisch aussehen. Immer, wenn ich nach oben gucke kann ich nicht fassen, was hier alles gebaut, bemalt und vor allem geklebt wurde. Da stehst du vor meterhohen Bildern und denkst, dass du sowas in 10 Jahren nicht malen könntest und dann sagt dir diese blonde Italienerin in ihrem irgendwie süßen Englisch, dass das gar kein Bild ist. Im gesamten Petersdom sind nur drei gemalte Bilder. Alles andere sind Mosaike, also aus kleinen farbigen Marmorsplittern zusammengesetzte Puzzle. Was? Wahnsinn. Die Pixel, die Bits und Bytes der Renaissance, so kunstvoll komponiert dass jeder Maler in Depressionen versinken könnte. Wir lauschen. Wir sehen die ersten Definitionen von HD und 4K. Und wir stehen und staunen.

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kuck – dir – das – an

Ich könnte mich noch stundenlang in meinen Ansichten über den Katholischen Glauben, diese Bauwerke und ihre Bedeutung, nicht gemalte Bilder oder die Rolle eines Papstes verlieren, aber eigentlich ist das hier ja ein Autoblog :-) Und ich habe schon lange keine Autobilder mehr gebracht. Vermissen Sie die? Die kommen wieder, keine Sorge. Das ist ja Sandmanns WELT, und da gehören solche Touren nun mal dazu. Der Petersdom ist eines der wohl faszinierendsten Gebäude, die ich jemals betreten habe. Später kommen noch das Colosseum, das Pantheon und na klar das Forum Romanum. Später. Ich nehme Sie jetzt ohne weitere Erklärungen noch mit in ein paar Impressionen dieses Doms, dieses sagenhaften Bauwerks, was man eigentlich nur unter Alkohleinfluss ertragen und begreifen kann. Haben Sie schon einen Rotwein im Glas? Oder noch? Wenn nicht, holen Sie sich einen und genießen Sie diese Weite des Raumes dann noch einmal. Und gucken Sie mal, wie klein die Menschen sind…

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Eigentlich ist es schade, dass ich irgendwann aufgehört habe zu malen. Nicht, dass ich diese Fresken hier (moment, nein, es sind MOSAIKE!) in irgend einer Weise nachmalen könnte. Aber wir haben damals in Italien ziemlich abgefahrene Bilder produziert, wenn auch teils zu Lasten der individuellen Gesundheit. Was mag aus den anderen Kunstnasen geworden sein? “Nasen” ist so ein 90er Wort oder? Ich glaube, ich nehme mal wieder Kontakt auf. Unsere Führung ist jedenfalls jetzt zu Ende, wir dürfen aber noch im Dom bleiben, so lange wir wollen. Auf Klassenfahrten nannte man das “Zeit zur freien Verfügung” :-) Ein bisschen nutzen wir das auch noch. Irgendwann beginnt dann allerdings der weltliche Hunger sein Revier abzustecken, kein Wunder, nach dem eher kuchenartigen Frühstück. Pizza? Och ja, warum eigentlich nicht? Wenn wir schon mal hier sind. Aber bevor die kleine Tanz und der große Tanz aus dem mächtigen Portal wieder heraustanzen verneigen wir uns vor dem Altar. Hier auf dem Berg soll damals der Apostel Petrus mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden sein. Was auch immer damals geschehen ist – es waren grausame Zeiten. Jetzt sind sie besser, definitiv. Und es fällt schwer, sich solche Gräuel vorzustellen, aber hier drin geht es ein bisschen besser als da draußen. Menschen, die solche Bauwerke errichten sind wohl zu allem anderen ebenfalls fähig.

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Ich habe den Himmel gesehen

Ciao Petersdom.
Mein Michael Kors betaschtes Töchterchen und ich pilgern zurück an der Schlange entlang, die während der ganzen Zeit vielleicht sechs Meter kürzer geworden ist. Skip the Line. Klasse. Gern wieder. Ich frage mich, warum diese unfassbaren Touristenmassen (waren das in den 90ern auch schon so viele?) nicht diese handvoll Euro mehr investieren und sich eine Führung kaufen, die sie direkt reinbringt? Die nun gesparten Sunden, wenn nicht gar gesparten Tage setzen wir mit der Suche nach einer schönen Pizzaria um, die nicht ganz so touristisch belagert ist. Das wiederum ist in einem Umkreis von rund zwei Kiloemtern um den Dom schlicht nicht möglich. Der Schrittzähler im Handy der fast 20jährigen Audi A3 Fahrerin berichtet schon jetzt von einem Erreichen des Tagesdurchschnitts, also setzen wir uns alsbald in die mit den schönsten Blumen Skip the line Und wie das in Rom so ist (wir können uns daran nicht gewöhnen) – die Pizza ist köstlich. Klar ist der Schuppen touristisch, aber Pizza ist hier überall preiswert und sie scheint überall einfach nur unglaublich gut zu schmecken. Na dann rein damit, sie soll unser Mittagessen sein, die Sache mit dem Abendmahl und so haben wir drin im Dom gelassen.

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Endlich wieder Pizza

Ach, Sie wollten lieber ein Bild von den Pizzen sehen? Das holen wir heute Abend nach. Da gibt es dann die nächste. Bis dahin muss ich erstmal ein paar Eindrücke sacken lassen und ein bisschen die Seele auswringen, wie ich das immer nach einem Kirchenbesuch mache. Was für eine wundervolle Stadt, was für eine sagenhafte Zeitreise. Nicht Retro diesmal, sondern zurück zu den Wurzeln Europas, auch wenn die nicht immer ganz fleckenfrei waren. Mission erfüllt. Ich habe sie in den Petersdom gebracht. Und heute Nachmittag und morgen geht es weiter, denn wir haben Zeit. Was für ein Luxus. Waren Sie schon einmal in Rom? In Italien? Ich bin gespannt, was Sie zu erzählen haben. Na los. Bald gibt es schon wieder Pizza!

Sandmann

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Created Dienstag, 05. Mai 2015 Tags Führung | Guide | Italien | Petersdom | Peterskirche | pizza | Reise Reise | rom | Schlange | Skip the line | St. Peter | Ticket Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
24 Apr 2015
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Zur Pizza fliegen

Zur Pizza fliegen

Nehmen Sie Drogen? Ja, aber nur in Rom.

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Rom ist sehr schön, glaube ich. Es ist fast 20 Jahre her, dass ich als Kunststudent durch die Straßen der ewigen Stadt schlurfte und mich mit Fassadenbeschreibungen, Säulenkapitellen und Imperatorengehabe befassen musste. Antikes und zeitgenössisches. Ende des vergangenen Jahrzehnts trieb es mich an meinem Geburtstag erneut für eine kurze Nacht hier hin, aber das jetzt wird anders. Seit viel zu vielen Jahren verspreche ich meiner grooooooßen Tochter eine Reise in die Stadt am Tiber, allein schon damit sie den Petersdom mal von innen sehen kann. Nun ist sie bald 20 Jahre alt, und ich habe endlich mal ein bisschen im Netz rumgeklickt, preiswerte Flüge gebucht und ein Bed&Breakfast ganz in der Nähe von Gottes direktem Vertreter auf Erden gebucht. Nägel mit Köppen. Auch wenn andere dort vor 2000 Jahren keine so guten Erfahrungen mit Nägeln gemacht haben, aber dazu später. Wie erwartet geht natürlich nicht alles reibungslos, aber Perfektion verlangsamt Emotion. Wir… äh… wir sind dann mal am Flughafen, kommen Sie mit?

Ganz billig will ich ja gar nicht.

Zur Pizza fliegen

Warten. Immer nur warten.

Der Kompromiss heißt also: Nicht so einen Dumping-Seelenverkäufer wie Ryanair, dafür aber zur Not keine ganz direkte Verbindung von Hamburg nach Rom. Passt. Eine blaue KLM nach Amsterdam-Schiphol, da bleiben uns 45 Minuten Zeit und dann eine blaue KLM nach Rom. Landung in Rom-Fiumicino: So gegen 17:30 Uhr. Perfekt, Starts und Landungen kribbeln im Bauch und die Atmosphäre auf den Flughäfen ist toll. Und die Ankunftszeit erlaubt sogar noch einen lockeren Bus-Shuttle zum Hotel vor 19:00 Uhr (danach ist keiner mehr an der Rezeption) und eine erste leckere Pizza in der milden Abendsonne. Soweit die Theorie.
In der Praxis ist auch die niederländische blaue KLM am Ende des Tages nur eine Fluglinie, die von Menschen geleitet wird und die Menschen befördert. Und was auch immer heute Morgen zwischen einigen beteiligten Menschen passiert ist, es hat dafür gesorgt dass unser Flieger nach Amsterdam 40 Minuten später abfliegt, weil er schlicht noch gar nicht hier angekommen ist. Na geil, das geht ja super los. Die leicht pampige Dame am Tresen vor dem vollen Gate schreibt mir mit einem blauen Kugelschreiber lachs “Information KLM” auf mein Ticket, da soll ich mich dann in Amsterdam hin wenden, um meine Weiterreise umzubuchen. Dieses Schicksal würde ich mit den Reisenden nach Frankreich teilen. Toll. KLM, ich hasse dich. Das bedeutet also, dass wir heute wohl noch irgendwie nach Rom kommen, aber sehr spät am Abend. Na gut, gucken wir uns also am Abend stattdessen den Amsterdamer Flughafen an, irgendwas ist ja immer.

Alles blau

Alles blau

Argh. Irgendwann sitzen meine hübsche Begleitung und ich unruhig auf unseren Plätzen Mittig auf Höhe der Tragflächen. Wir haben nur Handgepäck dabei, reicht ja bei drei Tagen getrent vom eigenen Bett und verringert bei insgesamt vier Flügen die Wahrscheinlichkeit, dass die Koffer woanders landen als man selbst. So ein bisschen Freude ist trotz der bevorstehenden Verzögerung da, andere Flugreisende haben in der Vergangenheit ganz andere Sorgen zu bewältigen gehabt. Wir kommen, so wie es momentan aussieht nur ein bisschen später nach Rom, und alles wird ein bisschen teurer. Ich telefoniere vor dem Start noch mit der freundlichen Inhaberin des “Vatican Holiday“, unser klitzekleines 5-Zimmer B&B. Ich hoffe, der Name ist Programm. Die fröhliche Stefania am anderen Ende der Leitung (nee… wie sagt man heute? Der Verbindung? Des Netzes?) spricht nur ein gebrochenes Englisch, aber ich kann ihr unsere Verspätungs-Problematik unter Einsatz von Händen und Füßen erklären. No Problemo sagt sie, sie würde aber nach 19:00 Uhr einen Aufschlag von 15 Euro berechnen, weil jemand uns die Schlüssel bringen müsste. Na klar. Das kann dann ja KLM zahlen :-) Nun muss ich aber mein Handy ausmachen, es soll nach oben gehen. Ist eigentlich weltweit auch nur ein Fall bekannt, bei dem die Benutzung eines Mobiltelefons das Flugzeug in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hat? Ich glaube nicht. Egal. Auf geht’s. Oder?

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… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

Ja, auf geht’s. Über Hamburg ist es schön, aber kalt. Rom lockt mit wärmeren Temperaturen, wunderschönen antiken Bauwerken und der besten Pizza, die man sich vorstellen kann. Wir philosophieren ein bisschen über die Plätze, die wir zu besuchen gedenken und vertiefen uns dann für ein paar Minuten in die nebenan bei den Zeitungsständern der Lufthansa ausgeliehenen Magazine. Und schon geht es wieder runter, Amsterdam ist ja irgendwie nicht wirklich sehr weit von Hamburg weg. Hm. Wir werden (so die Ansage) um 14:20 Uhr am Gate andocken. Der zweite Flieger, den wir definitiv verpassen werden startet um 14:25 Uhr. Startet. Also – hebt ab. Wie groß ist Schiphol? Nicht so groß glaube ich, aber groß genug als dass ich mir sicher bin, dass wir da garantiert nicht mehr mitkommen. Mist.
Um 14:15 Uhr stehen mein großes Töchterchen und ich mit unseren Koffern in der Hand im Gang, und die Türen zum Gate werden geöffnet. Sie guckt mich an. “Rennen…?” Ich weiß nicht. Aber irgendwas in ihrem Blick überzeugt mich. “Rennen!” sage ich. Und wir rennen.
Sie werden Verständnis dafür haben, dass dieser Teil der Reise nicht fotografisch dokumentiert wurde. Ich habe zwar ein Déja Vu, denn ich bin schon mal sehr schnell gerannt, auf einem noch viel größeren Flughafen (und habe da sogar gefilmt…), aber ich setze heute klare Prioritäten. Während wir in Richtung Gate D60 rennen bekomme ich zwei SMS von KLM, dass unser Weiterflug erfolgreich umgebucht wurde und wir nun um 17:40 Uhr starten. Neeee Kollegen, das sehen wir noch nicht so. Neeeee! Rennen!
Um 14:23 stehen wir keuchend an Gate 60. Schiphol ist klein. Da ist niemand mehr, na klar, da ist allerdings auch kein Flugzeug und kein “Boarding Completed” Monitor. Da ist eigentlich überhaupt niemand, und es erweckt auch nicht den Anschein, als wenn hier heute schon mal jemand gewesen wäre. Verdammt. Hätten wir mal auf die Anzeigetafeln gucken sollen? Die haben doch jetzt nicht tatsächlich das Gate geändert???
Äh. Doch. Die erste der beiden SMS vorhin sagt, wir starten an Gate D62 statt an Gate D60. Na geil, jetzt verpassen wir deshalb den Flieger? Tochter? Rennen! Jetzt. Zwei Gates weiter, es ist 14:25 Uhr, sitzt eine blau gekleidete Dame am Schalter und schüttelt freundlich mit dem Kopf, als wir ankommen. Nein! Aber das Flugzeug steht da doch? Dieses Rolldings ist doch noch angeschlossen? Ich rede freundlich und flehend auf Englisch auf sie ein und bedeute ihr, dass bei einem umgebuchten Abflug um 17:40 Uhr unser Bus Shuttle weg ist und wir nicht mehr in das Hotel einchecken können. Dabei hätten wir uns doch sooooo auf die kleine Reise gefreut. Well. Sie guckt aus dem Fenster auf das blaue Flugzeug, klackert dann ein paar Zeilen in ihren Computer und telefoniert. Dann kommen aus ihrem Drucker zwei Tickets, die sie mir in die Hand drückt. “Go on” sagt sie lächelnd. Ich hauche ihr ein ernst gemeintes “I love you” entgegen, und wir rollern mit unseren Koffern in das Flugzeug und setzen uns auf unsere beiden Sitze :-) Geil.

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Man sieht uns nicht an, was warjbs

KLM, ich hasse dich nicht, ich find dich toll!
Das war unkompliziert und unbürokratisch, da verschmerze ich es auch, dass unser zweiter Flieger erst 15 Minuten später abhebt. Das war wohl auch der Grund, warum wir das überhaupt noch geschafft haben Zur Pizza fliegen Es ist Zeit für einen Snack und einen Rotwein, denn wir sind wieder da, wir sind zurück. Zurück im Zeitplan. Das bedeutet, wir landen in Rom, noch bevor unser umgebuchter Flieger Amsterdam überhaupt verlassen würde. Ein paar Stunden gerettete Lebenszeit, die man nicht auf dem Flughafen in überteuerten Boutiken verbrennt, sondern hoffentlich in einer gemütlichen Pizzaria in der Stadt auf sieben Hügeln. Momentan sieht das durchaus danach aus. Unter uns, wirklich sehr weit unter uns ziehen die schneebedeckten Alpen dahin. Ich muss an den Piloten denken, der nach momentanen Erkenntnissen irgendwo nicht weit von hier einen Airbus in die Gipfel gejagt und 150 Menschenleben mit allen großen und kleinen Geschichten und Emotionen ausradiert hat. Pulverisiert. Einfach ausgelöscht. Traurig, gruselig und durchaus geeignet, mich an meine eigene Sterblichkeit zu erinnern. Das wird vermutlich in den kommenden drei Tagen, in denen wir die Geschichtsbücher direkt anfassen können, noch öfter passieren.

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Sehr hoch und sehr kalt

Wissen Sie was? Das mag jetzt echt bescheuert klingen, aber auf diesem rund 2 Stunden dauernden Flug haben die Damen in Blau mir das vielleicht beste Hähnchen-Sandwich serviert, was ich jemals gegessen habe. Nix Business Class, das ist so ein eingeblistertes Teil in einem kleinen Pappkarton, auf dem steht, wie bio die Hühner gelebt haben, wie liebevoll das Brot gebacken wurde und wie erlesen die drei Salatblätter sind. Und irgendwas von Remoulade. Vielleicht ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass ich mich durchaus an kleinen Dingen erfreuen kann, und ich hoffe Sie lachen mich nicht aus, wenn ich von dem fluffigen Brot, dem saftigen Fleisch und der köstlichen Saucen berichte Zur Pizza fliegen Nein, ich habe keine Kooperation mit KLM, ich bin schlicht überrascht von diesem Sandwich, und die mit glänzenden Augen kauende junge Frau neben mir, die noch niemals im Petersdom war scheint das ähnlich zu sehen. Lecker. Von dem südafrikanischen Shiraz gar nicht zu sprechen, der kann auch was. Später gibt es noch einen Karamel-Keks und guten Kaffee. Ein Traum. Wo sind wir eigentlich gerade?

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Schnell. Und kalt…

Liebes Tagebuch. Man macht sich selten klar, was da draußen eigentlich abgeht während man drin ein leckeres Sandwich mümmelt und an Rotwein nippt. Wir sind echt schnell, wir sind echt hoch und da draußen ist es echt kalt. Wie klein die Welt ist, wenn man fliegt. Und wie nah plötzlich die Staaten und Länder sind, in denen Krieg tobt, in denen Menschen sterben und auf der Flucht sind. Und wie kleinkariert einem dann fette, rotbackige, gelangweilte Deutsche vorkommen, die sich über todesängstliche Kriegsflüchtlinge echauffieren, die ihre Heimat verlassen und auf der Flucht ihre Kinder und Freunde sterben sehen. Diese Flüchtlinge könnten ihnen ja den Wohlstand wegnehmen. Und dann rotten sie sich in inhaltslosen parolenbrüllenden Mitläufergruppen zusammen oder zünden leerstehende Wohnungen an, statt denen zu helfen, die es wirklich brauchen. Viele Menschen in diesem Land sind so scheißkrank in ihrem Denken, so intolerant und engstirnig, dass ich erneut über ein kleines Häuschen irgendwo am anderen Ende der Welt nachdenke, wo man freundlich und offen ist. Aber jetzt erstmal:
Hallo Rom.
Nächste kleine Aufgabe: Ich habe ein Ticket für den S.I.T. Bus Shuttle gebucht, ein privates Unternehmen, das einen (in unserem Fall) vom Flughafen in 40 Minuten bis fast vor die Hoteltür bringt. Für 6 Euro pro Person, ein Taxi kostet im Vergleich rund einen Fuffi. Die Differenz will gern in Pizza und Rotwein umgesetzt werden. Aber wo fahren die los? Wir haben noch 10 Minuten, um “Terminal 3 Plattform 1″ zu finden, bevor der losfährt. Und der nächste kommt erst in einer Stunde :-( …. Aber auch das gelingt wie ferngesteuert, am Ende einer langen Reihe von Bussen und mürrischen Fahrern ohne jegliche Englischkenntnisse sehen wir einen großen Bus mit den bunten Aufklebern drauf gerade einparken. Und der entpuppt sich direkt als unser. Ohne dem katholischen Glauben wirklich zugetan zu sein – aber die Nähe des Papstes macht das alles vielleicht noch ein bisschen einfacher hier Zur Pizza fliegen

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Noch n Selfie. Diesmal im Bus.

Roll roll roll roll. Am Ende des Tages klappt heute alles, wie es scheint. Als wir aus dem Bus aussteigen ist es warm und sonnig, und der Blick auf meine analoge Nicht-von-Apple Armbanduhr zeigt mir eine Zeit, zu der unser eigentlich umgebuchter Flieger in Amsterdam noch nicht mal mit dem Boarding begonnen hat. Traumhaft. Ich rufe unsere Gastgeberin Stefania noch einmal an, die mit fröhlichen Quietschlauten zur Kenntnis nimmt, dass wir nun doch noch vor 19:00 Uhr bei ihr ankommen würden. Ich glaube, ich mag diese Frau. Roll roll roll. Ich mag ebenfalls den Klang von Rollkoffern auf dem Asphalt, das klingt nach Reise, nach unterwegs, nach woanders. An der Piazza Cavour, mit Blick auf die Engelsburg, sind wir aus dem Bus rausgepurzelt und schreddern jetzt die Via Crescenzio hoch in Richtung Vatikan. Es riecht nach Blüten, nach Pizza und nach warmem Asphalt. Hier und da lungern Handtaschenverkäufer rum (good price, Prada, Gucci, look good price), noch mehr ins Auge fallen die Selfie-Stick Verkäufer. Aber das ist eine andere Geschichte Zur Pizza fliegen Wir sind tatsächlich in Rom. Rom!! Waren wir nicht gerade noch in Hamburg?
Einmal um die hohen Mauern des Vatikans rum sind wir auf einer belebten Nebenstraße, und da ist auch schon unser kleines B&B. Quer durch den Hinterhof, und wir sind endlich da.

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Auf den ersten Blick schon wie nach Hause kommens

Chillig. Supergemütlich, extrem klein (nur 5 Zimmer) und weit weg vom Lärm der Stadt und den Touristen. Stefania ist so, wie ich sie mir nach den Telefonaten vorgestellt habe und erklärt uns auf einem kleinen Faltplan mit einem Kugelschreiber und fuchtelnden Händen die Sehenswürdigkeiten Roms. Das ist toll, aber eigentlich wollen wir heute Abend nur noch eine gute, eine wirklich gute Pizza essen. Und dann schlafen, Sehenswürdigkeiten kommen dann morgen :-) Ah. Pizza. Ob wir lieber die flauschige dicke im Napoli Stil oder die mit dem klassisch dünnen Boden bevorzugen würden? Zweiteres! Definitiv. Ich verabscheue Pizza, die aus einem drei Zentimeter dicken Teig besteht, dann mit allerhand Separatorenfleisch, Wurstresten und Glutamat belegt ist und am Ende in einer noch dickeren Schicht Käse ertrinkt. Deutsche Kühltruhen sind voll von sowas, weil niemand den Leuten die echte italienische Pizza zeigt. Die, die man nur in Italien bekommt. Es ist leider so. Also schlägt Stefania nach einem kurzen, emotionalen Telefonat mit ihrem Gemahl Carlo die kleine Pizzaria “Il Bersagliere” gleich um die Ecke vor. Die wäre was für uns. Beim epischen Verabschieden frage ich mich kurz, ob Stefania vielleicht denkt, meine Tochter könnte meine junge Freundin sein und nehme mir vor, das an einem der kommenden Tage mal aufzuklären. Okay, lass uns Pizza essen.

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So möchte ich es. SO und nicht anders.

Liebes Tagebuch. Lass uns über Pizza sprechen.
Der beschriebene Laden hat alles, was ihn für uns sympathisch machen kann. Er liegt direkt an einer stark befahrenen Straße, draußen sind Tische mit karierten Decken und Plastikmöbeln, drinnen ist echt viel los und alle sprechen italienisch. Kein einziger Tourist, das Essen kann gar nicht schlecht sein. Aus irgend einem Grund ist es noch immer warm draußen (vielleicht liegt das an der geografischen Lage), ein milder warmer Wind weht und das bunte Treiben auf der gerade zum Leben erwachten Stadt ist einfach phantastisch. Mein Töchterchen und ich setzen uns natürlich draußen an einen Tisch und lassen den Abend auf uns wirken. Motorroller knattern vorbei, aus offenen Autofenstern düdelt fröhliche Musik. Menschen sehen sich und begrüßen sich, Kussi links, Kussi rechts. Alle sind laut und fröhlich, reden, telefonieren, sind so wie sie vermutlich hier immer sind. Der Kellner stellt uns frisches, knuspriges Brot in einem Korb auf den Tisch und bringt uns kurz danach eine Karaffe Hauswein und eine große Flasche eiskaltes Tafelwasser. Die Auswahl an Pizzen ist nicht riesig, und sowas wie Döner-Pizza, Gyros-Pizza oder Spargel-Pizza mit Schinken und Sauce Hollandaise gibt es dankenswerterweise gar nicht. Wenn ich Bock auf Döner habe esse ich Döner. Wenn ich Bock auf Gyros habe esse ich Gyros beim Griechen. Und wenn ich Bock auf Spargel habe dann mach ich mir welchen, aber was hat das alles auf deutschen Pizzen zu suchen? Wenn ich Pizza bestelle will ich Pizza. In meinem Fall eine Diavola mit scharfer Salami und Mozzarella, in ihrem Fall eine Vier Jahreszeiten mit je einem Viertel Schinken, Oliven, Artischocken, Champignons. Dünner knuspriger Boden, wenig Belag, ein Traum.

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Glück hat zwei Namen: Diavola und Quattro Stagioni

Ich soll in den kommenden Tagen noch öfter feststellen, dass das Handy meiner Tochter, die weniger als halb so alt ist wie ich und noch nicht viel eigenes Geld verdient viel bessere Bilder macht als meins. Samsung Galaxy S6 kontra iPhone 5s. Mist. Also müssen wir uns wohl zusammentun, sie wird ja sowieso in den kommenden drei Jahren eine gefragte Fotografin werden :-) Aber das nur am Rande. Die Pizzen sind wie erwartet unfassbar lecker, der preiswerte Hauswein auch (ist Ihnen mal aufgefallen, dass der einfache Wein im Urlaub klasse schmeckt, aber wenn man davon was mit nach Hause nimmt ist der irgendwie nicht mehr so toll?) und hinterher runden ein Eis mit frischen Erdbeeren und ein Espresso das einfache kulinarische Erlebnis inmitten von lauten Autos und Menschen ab. Das mit dem Bus Shuttle ersparte Geld ist hier gut angelegt. Roma. Ay Roma. Die Ecke von dir hier ist toll, preiswert und genau so wie der Ausgangspunkt für ein paar kleine Reisen in die Antike ab morgen früh sein soll. Wir stapfen zurück zu unserem B&B, sind froh dass die Schlüssel passen (nach so einem Tag hätte mich nichts mehr überraschen können) und nehmen erstmalig das Zimmer wahr.

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Finale. Gute Nacht.

Es ist klein, es ist gemütlich und es ist vor allem ruhig. Klasse. Klimaanlage aus, Fenster auf. Tochter und Vater müssen sich zwar eine einzige Decke teilen, die ist aber drei Meter oder so breit, das bekommen wir schon hin :-)Reisen können wir ja. Morgen, wenn die Pizza verdaut ist schauen wir mal in den Petersdom, das Pantheon und was noch so seit ein paar 1000 Jahren da rumsteht. Wir sprechen über Selfie-Stick-Verkäufer. Und wir begreifen Geschichten.
Heute baden wir erstmal in erreichten Anschlussflügen trotz Verspätung, gefundenen Bus Shuttles trotz unzureichender Beschreibung, gemütlichen Unterkünften trotz kleinem Preis und großartigen Pizzen trotz… ja trotz? Kein trotz. “Alles, was schief laufen kann läuft schief” war 2014. Jetzt ist 2015, und wir sind in Rom. Noch zwei Tage. Und vielleicht sind Sie ja bei uns.

Sandmann

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Created Freitag, 24. April 2015 Tags amsterdam | Antike | Bus-Shuttle | ewige Stadt | KLM | pizza | Reise Reise | rom | Rotwein | S.I.T. | Schiphol | Vatica Holiday | Vatikan | Verspätung Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
10 Apr 2015
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Für immer Musik

Für immer Musik

Drittes Lied, erste Seite

Was für eine Macht dieser Aneinanderreihung von Tönen.
Mit Musik verbinde ich ganze Blockbuster-Episoden des Lebens. Musik lief im Auto meines Papas, in der Stereoanlage im Wohnzimmer und im Radio meiner großen Schwester. Musik war tanzbares für die Schulfeten und der Soundtrack für den ersten richtig schlimmen Liebeskummer. Musik untermalte Kinofilme und ließ die Momente unsterblich werden, wenn ich sie später wieder hörte. Ich kann mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Heute kamen zwei Pakete von ebay, und die haben mich zu meinen allerersten musikalischen Momenten zurückgeworfen. Die lassen mich über ihre Bedeutung in meinen ganz frühen Jahren nachdenken, als Musik mehr war als ein überall vorhandener Dauerbeschaller. Sie war wertvoll.

Platten. Kassetten.
Ich sitze im Wohnzimmer meiner Eltern in Uelzen vor der schicken Telefunken Anlage aus Holz und Chrom und dem DUAL Plattenspieler. Mein Papa hat mir kapitulierend eine seiner LPs geschenkt, weil ich die immer und immer wieder hören wollte. David Dundas. Den kennt heute keine Sau mehr, aber sein One-Hit-Werbe-Wonder “Jeans On” kennen zumindest die etwas Älteren noch. Das fand ich gar nicht so super. Vielleicht weil ich’s nicht richtig verstanden habe, ich dachte immer, er singt: “I put maggel Jeans on, I put my aggel Jeans on“. Hm. “Tsch Tsch“. Was maggel und aggel Jeans sind wollte sich mir damals nicht erschließen, also widmete ich mich lieber dem dritten Lied auf der ersten Seite. Ja, erste Seite, liebe Kinder. So eine Platte konnte (musste) man nach der Hälfte einigermaßen aufwändig umdrehen :-) Der gute Mann sang da über “Another funny Honeymoon“, was das war wusste ich auch nicht aber das alte Wurlitzer Klavier und der Synthi klangen irgendwie toll. Immer und immer wieder. Ich setzte die Nadel alle drei Minuten an den Anfang des Liedes zurück, während ich auf dem großen Wohnzimmertisch verträumt ein 500-Teile Puzzle vom Hamburger Hafen zusammenlegte.
Keine Ahnung wo diese Platte geblieben ist, aber im ersten ebay Paket ist so eine drin und die höre ich jetzt gerade. *schluck* Alles wieder da. Ohjeohje…

Für immer Musik

Manchmal muss ich die Zeit zurückdrehen

Meine erste richtige, eigene, selbstgewünschte Platte war Truck Stop – Nicht zu bremsen. Von den Jungs aus dem Raum Hamburg hört man heute vor allem, dass sie einer nach dem anderen sterben. Damals hörte man “Die Frau mit dem Gurt” oder “Der Wilde Wilde Westen:-) Peinlich? Na ja, deutsche Country Musik ist schon sehr speziell, vor allem, wenn sie viele Jahrzehnte alt ist. Ich fand es damals super. Die Platte hab ich noch immer, vorn drauf ist ein fetter US Truck. Ich glaube ich wollte das Vinylstück damals haben, weil ich gerade den Film Convoy gesehen hatte. Amerikanische Trucks waren bei mir in den frühen 80ern ganz hoch im Kurs, und die Jungs haben das auf dem Kamm der Welle ihres Erfolgs werbewirksam umgesetzt. Truck Stop lösten Herrn Dundas auf dem DUAL Plattenspieler ab, und diese neue LP hörte ich sogar regelmäßig ganz durch, während ich verträumt Plastikmodellbausätze von Autos, Flugzeugen und Kriegsschiffen zusammenklebte.
Heute hab ich ein paar mp3s rausgelöscht, die ich schon damals doof fand und höre das Album manchmal im Audi. Und ich singe jedes einzelne Lied mit.

Für immer Musik

Wer kennt die Frau die nichts an hat als den Gurt?

Tiffy war meine erste große Liebe. Sie hieß nicht wirklich Tiffy, aber ich hieß damals Samson (was man so in der Grundschule eben spielt) und da bot sich das an, rote Haare hatte sie jedenfalls. Auf ihren legendären Geburtstagsparties im vertäfelten Partykeller mit gedimmtem Licht und allerhand süßem Kram zum Essen und Trinken lief auf dem Plattenspieler das Album Rom von Dschinghis Khan. Immer und immer wieder :-) Ich war fasziniert von den historischen Geschichten, welche die bunten Damen und Herren, von Ralph Siegel produziert, in ihren Kostümen so dahinschlagerten. “Rom” selbst ist noch immer ein musikalischer Epos, Madagaskar rührte mich damals zu Tränen und Die Fremden versprüht zeitlose esotherische Weisheit. Die Platte war mir zu teuer. Aber mein Freund Klaus hatte einen Kasettenrecorder mit einem Mikrofon, also lieh ich mir das Album von Tiffy aus, kaufte im Kaufhaus Klappenbach eine Kassette und nahm die Lieder mit dem Mikrofon von den Lautsprecherboxen im Wohnzimmer auf, während ich ganz leise, damit keine Störgeräusche kamen, ein paar farbige Liebesgedichte für Tiffy zusammenklebte.
Heute habe ich das Album im Schrank, ich fand es für einen Euro auf dem Flohmarkt. Tiffy ist inzwischen verheiratetund meine großen Töchter tanzen auf den Abtanzbällen noch immer ausgelassen im Kreis zu Moskau.

Für immer Musik

Rom. Wo die Liebe auf der Straße liegt.

Und ich wollte unbedingt ein eigenes Radio mit Kassettenteil haben, so was wie Klaus. Vor allem weil ich aus dem Radio kostenlos meine Lieblingslieder aufnehmen wollte. Die Neue Deutsche Welle tobte gerade los, und der kleine Jens baute seine allgemeine Begeisterung für etwas seltsame Musik aus. Immerhin hatte ich schon zwei Platten (nein, drei, Micky Maus Starparade war auch noch dabei, aber da spreche ich nicht gern drüber ;-) ). Meine große Schwester Anita war gerade – warum auch immer – zu unerwartetem Reichtum gekommen und vertickte mir ihren alten Kassettenrecorder. So ein Stereoding, links ne Box, rechts ne Box, in der Mitte das Tape und oben die Skala für das Radio und ne Menge Knöpfe. Von ISP. Und dann ging’s los. Jedes Wochenende saß ich Abends vor NDR2 und dem Club Wunschkonzert, bei jeder Moderation von Günter Fink einen Finger auf REC und einen auf PLAY. Endlich hatte ich Major Tom eingefangen, nebenbei noch Perlen wie “Aloa He” von der Neuen Heimat oder “John Wayne is big leggy” von Haysi Fantayzee. Geil. Und alles mit Wortfetzen am Anfang und am Ende, zurückspulen und beschneiden war nicht, da konnte man ja das nächste Lied verpassen ♫ Es waren aufregende Abende, aber es war später unter der sicheren Bettdecke liegend ein super Gefühl, diese Musik konserviert zu haben, ohne jeweils 6 Mark für die Single ausgeben zu müssen.
Ich habe diese Kassetten noch. Und im zweiten ebay Paket steckte eben so ein Recorder der Firma ISP. Genau der gleiche, STR-793. Vor dem sitze ich jetzt…

Für immer Musik

Das Leben ist kein Wunschkonzert

David Dundas ist fertig, mein Plattenspieler hat sich mit einem leisen *schnarrklack* ausgeschaltet. Der lebt in Südfrankreich und ist zwischendurch mal ein Lord gewesen oder noch immer, ich weiß es nicht. Ob er noch singt? Die Überlebenden von Truck Stop sind so alt wie meine Eltern und machen weiter Musik. Was aus Dschinghis Khan geworden ist weiß ich nicht so richtig, einige sind ebenfalls verstorben und Ralph Siegel produziert ja noch immer dies und das.
Die Platten drehen sich nicht mehr. Macht aber nichts, ich habe jetzt Radio an. Als Kind verkroch ich mich bei dieser Musik gedankenverloren in einer Menge Basteleien, während sich gar nicht so heimlich, still und leise meine Mama und mein Papa auseinandergerissen haben. Diese Jahre brannten sich gemeinsam mit der Musik in meine Seele, und ich glaube inzwischen, dass ich das nicht mehr aufarbeiten kann. Obwohl ich meine old Bluejeans an habe. Das ist dann wohl so. Ich sitze mit einem Glas Wein in der Hand vor diesem ISP Kasettenrecorder, das rote “Stereo” Lämpchen leuchtet und es ist dunkel draußen. Das Plastik von dem Ding RIECHT sogar so vertraut wie damals, können Sie sich das vorstellen? Auf dem Oldiesender läuft Maffays Es war Sommer. In den 90ern habe ich mit meiner Gitarre im Irish Pub in Kiel damit 150 besoffene Iren begeistert. Heute Abend macht es mich traurig. Sachen sind vorbei. Sachen sind kaputt. Aber die Musik wird immer da sein. Sie wird uns immer begleiten, und sie wird auch in Zukunft Momente in unserem Leben konservieren. Für später. Manchmal für die Ewigkeit. Ich ziehe den Stecker vom Recorder und trinke mein Glas aus. Und dann weine ich ein bisschen.

Sandmann

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05 Apr 2015
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Baggaaaaa Papa!

Baggaaaaa Papa!

Entertainment entlang der Autobahn

Sturm, Regen, eine zweijährige Mitreisende und keine Kinderlieder.
Eine Pendelei von Hamburg nach Kiel dauert normalerweise eine Stunde, mit dem alten Audi 100 eher 1,5 Stunden, bei Regen noch ein wenig länger und seit ein paar Wochen (seit der Ausbau der A7 zur dreispurigen Pendelachse nach Dänemark begonnen hat) unabschätzbar lange. 60km/h bis 80km/h. Parken auf 100 Kilometern. Das viertelfinnische Sandmädchen, jäh der Kita entrissen, sitzt leicht pampig auf dem Kindersitz neben mir – und Kiel ist noch weit weg. So um Ostern rum sind eine Menge bunte Bagger entlang der A7 versteckt, vielleicht…..? Stationen einer Autofahrt, während Sturmtief Niklas unbefestigte Gegenstände quer durch das Sichtfeld treibt.

16:10 Uhr.
Dieses Wetter macht mich fertig.

Baggaaaaa Papa!

Ein sagenhaft eintöniges Stück Norddeutschland

Und nicht nur das Wetter. Und nicht nur mich :-( Die Bundesautobahn 7 zwischen Hamburg und Kiel war schon mehrfach Thema meiner verworrendsten Albträume, meistens hatte das aber mit hohem Verkehrsaufkommen und den entsprechenden Folgen in Richtung Süden zu tun. Heute fahren wir in Richtung Norden. Neben mir sitzt ein kleines viertelfinnisches Mädchen mit einem großen vollfinnischen Willen und blickt finster aus ihren blauen Augen. Der Gurt des Kindersitzes schränkt ihre Bewegungsfreiheit leicht ein, da ist es auch nach wenigen Minuten nicht mehr supercool, vorn neben Papa im Audi zu sitzen. Im Mercedes muss sie immer hinten sitzen, der Audi hat da aber keine Gurte. An diesen blauen Augen zieht jetzt die A7 vorbei, die auf diesem Teilstück noch nie sagenhaft unterhaltsam war. Abgeschaltete Windgeneratoren vor einem tiefgrauen Himmel, aus dem eine Menge Regen fällt. Kaum Häuser. Selten Büsche, noch ohne Blätter. Ein Szenario, wie geschaffen um einen zwei Jahre alten Menschen bei der Stange zu halten. Nicht.
Der Wind reißt am Audi. Mein Kind beginnt zu nörgeln.

16:23 Uhr
Wo gebaut wird, stehen Bagger. Kinder finden Bagger toll, allein schon wegen der leuchtenden Farben. Okay, hallo Ostern, es geht los. Ich zeige meiner kleinsten Tochter den ersten Bagger und jauchze euphorisch in der Hoffnung, so etwas wie Begeisterung säen zu können.

Baggaaaaa Papa!

Endlich. Lasst die Spiele beginnen!

Es funktioniert. Nun ist das mit Baggern so eine Sache. Die sind sicherlich toll, wenn sie da sind. Aber wenn die Lunte erstmal brennt, brennt sie schnell. Das Kind will jetzt Bagger sehen und ist in ihrer noch recht kleinen Welt der Meinung, Papa kann machen, dass welche kommen. Das kann Papa aber nicht. Papa kann den Radiosender verändern, und er kann es im Auto wärmer machen. Das war es dann auch schon. Er kann nicht mal das Tempo bestimmen, denn das machen die anderen Autos vor ihm, und die haben heute beschlossen, sich Zeit zu lassen. Die meisten norddeutschen Autofahrer reagieren auf Regen, Schnee oder Wind mit dem Absenken der eigenen Geschwindigkeit auf Schritttempo und dem angestrengten Lauschen der Verkehrsmeldungen, die sie mit ihrem Verhalten gerade selbst produzieren. Lobpreiset das Bundesverkehrsministerium, denn es hat gemacht, dass noch mehr Bagger kommen :-) Da. Guck.

Baggaaaaa Papa!

Bagger. Sie ist glücklich.

Wenn Sie bei diesen Bildern mutmaßen, dass wir auf einem kleinen Bundesstraßen-Teilstück irgendwo bei Quickborn dahindödeln – nein nein. Quickborn ist zwar nicht ganz falsch, aber was man hier sieht ist die Hauptverkehrsader quer von oben nach unten durch Schleswig-Holstein, die in den nächsten Jahren (JA-HREN!) eine Dauerbaustelle ist. Hurra. Wenigstens gibt es Bagger für die Dame, und das nicht zu knapp. Mein viertelfinnisches Sandmädchen giekst vor Wonne und zeigt emsig mit ihrem kleinen Fingerchen auf die gelben, orangen und türkisen sandbewegenden Kolosse. Einige blinken, andere fahren, die meisten stehen einfach nur rum.

Baggaaaaa Papa!

Ganz aufregend. Gut so.

16:35 Uhr.
Zeigefinger wohin das Auge blickt. Die Straßenplaner haben alles gegeben. Wenn mal für ein paar Meter kein Bagger zu sehen ist taucht das kleine Köpfchen mit fragendem Blick hinter den Sitzwangen auf: “Baggaaaa, Papa?” Ich versuche ihr zu erklären, dass ich nicht machen kann, dass noch mehr Bagger kommen, aber dass bestimmt gleich noch einer am Rand der Autobahn stehen wird. Wir werden schneller. Der Verkehr läuft inzwischen so gut, dass ich es wagen kann, 60 zu fahren. Cool. Vielleicht sind wir ja doch noch vor Einbruch der Dunkelheit in Kiel? Flott fließender Individualverkehr wiederum hat in unserem Falll als Hintergrund das streckenweise Nicht-Vorhandensein von Fahrbahnverengungen. Hier ist die A7 noch die gute alte A7, zweispurig und ohne Baustelle. Allerdings deshalb auch ohne Bagger. Ich ahne nichts gutes.

Baggaaaaa Papa!

Läuft. Aber nun ohne Baggaaa

16:39 Uhr
Seit 4 Minuten keine Bagger am Straßenrand. Nicht einmal die großen Werbetafeln von Dodenhof, die man hier nur aufgestellt hat, damit Berufspendler nicht vor Eintönigkeit sterben können den immer böser werdenden Blick der kleinen Dame erhellen. “Baggaaaa?” Sie wird ungeduldig. “BAGGAAAAAA???? PAPAAAA???” Es sind aber keine da. Wo ist eine Baustelle, wenn man sie mal braucht? Verdammt. Ich greife zum vorletzten Mittel der allgemeinen Kindesberuhigung auf eintönigen Überlandstrecken: Lebensmittel. In meiner Jackentasche ist noch ein Zwieback. Den habe ich da vor ein paar Tagen mal drin vergessen. Das trockene, komplett nährwertbefreite Stück verbranntes Weizenmehl zaubert ein Lächeln ins Gesicht meiner Beifahrerin und scheint prädestiniert dafür zu sein, einige Kilometer für glückliches Schweigen zu sorgen.

Baggaaaaa Papa!

Nährstoffbefreite Pausenfüller

16:42 Uhr
Rechts von mir schnurpst es leise vor sich hin, während der Regen weiter gegen die Scheiben geweht wird. Doof: Am Straßenrand stehen schon wieder extrem viele Bagger, die aber ungesehen verdampfen, weil die kleine Genießerin gedankenverloren auf dem trockenen Knusperteil rumkaut. Was für eine Verschwendung von optischem Entertainment, ich muss mir mal merken, bei welchen Kilometermarken es sich lohnt, Nahrungsmittel aus der Tasche zu zaubern. Hier nicht. Der blöde Nebeneffekt des uneigennützig angebotenen Zwieback ist, dass ich ebenfalls Hunger bekomme :-( Meine grundsätzlich teilungsbereite Tochter scheint meinen knurrenden Magen gehört zu haben, beugt sich leicht vor und hält mir den Zwieback hin. Die Süße. Ich verbuche das wohlwollend für meine küntfigen Reaktionen auf die kleinen, aber lautstarken Willensdurchsetzer, die da noch kommen werden. Heute, morgen, übermorgen. Man nennt dieses Alter auch “Terrible Two”.

Baggaaaaa Papa!

Jetzt will Papa auch.kf

Jetzt knurpsen wir beide. Aber ich lasse ihr selbstlos den Rest und bin neugierig, wie lange der Motz-Stopper aus dem Hause Brandt seinen Dienst verrichten wird. Knurps. Lecker irgendwie, ich bin im Kopf immer sofort im Freibad oder am Strand, wenn ich Zwieback oder Butterkekse esse :-) Kennen Sie das? Man sollte viel öfter Zwieback schnurpsen.
Für die nächsten Minuten bin ich mit mir, meinen Gedanken, ein paar Krümeln auf dem Hemd und der Musik allein auf der träge dahinfließenden A7. Weil ich persönlich die tobende Begeisterung für im Regen stehende Baustellenfahrzeuge nicht teilen kann fällt mein Blick auf das Display vom Radio, und zum ersten mal seit ich es eingebaut habe fällt mir auf, dass die Sendefrequenzen irgendwie nicht stimmen. Nanu? NDR1 sendet hier doch auf 89.5 und nicht auf 89.3?

Baggaaaaa Papa!

Off Topic. Sendefrequenzen.

Ich tippe auf dem Suchlauf rum. Hamburg II ist eigentlich auf 95.0, heute bei mir aber auf 94.8 :roll: Am auffälligsten ist die Verschiebung beim lokalen Rentnersender NDR Neunzig Komma Drei, den ich trotz seines eindeutigen Namens auf 90.1 finde. Was ist denn mit meinem Radio los? Frequenzen ohne Grenzen? Kann auch eine elektronische Skala sowas wie einen Versatz haben? Ist es wetterfühlig? Langweilt es sich? Schräg. Bisher war mir das nie aufgefallen, denn die Sender waren eingespeichert und zeigen dank fehlendem RDS ihre Namen sowieso nicht. Na gut, da habe ich wieder was dazu gelernt. Ich habe anscheinend eine Art behindertes Radio, aber solange da Musik rauskommt ist ja alles okay.
16:55 Uhr
Lustig wie die Zeit vergeht wenn man Spaß hat. Der Zwieback auf dem Beifahrersitz neigt sich gefährlich dem Ende entgegen…

Baggaaaaa Papa!

bald ist das Pulver verschossen

Dabei bietet dieser Autobahnabschnitt doch so viel Schönes!
Die Dauerbaustelle hat sich inzwischen auf die Fahrbahnmitte verlagert und ich erkläre meiner kleinen Zwieback-Schnurpserin, dass sie meistens dann mit frischen Baggern rechnen kann, wenn plötzlich überall diese kleinen Schildchen mit den roten und weißen Streifen rumstehen. Sie klatscht fröhlich verstehend in die Hände und spendiert mit dieser Aktion generös ein weiteres Stück Knuspergebäck dem blauen Teppich im Fußraum. Das klaut mir Zeit. Mist.

17:00 Uhr
Hey – für Papa ist da draußen auch mal etwas zum Gucken unterwegs. Ein schönes T-Modell vom W124, was einen Trailer mit einem wundervollen alten Auto zieht. Leider fahren die beiden viel langsamer als wir, und schwupps sind wir dran vorbei. Da kommt vor der Brücke der nächste Bagger, und trotz letzten Zwiebackfragmenten in Hand und Mund skandiert mein viertelfinnisches Sandfräulein ihre Entdeckung: “DA! PAPAAA! BAGGAAAAAAAAA!!!” Nun befindet sich auch Zwieback auf der Windschutzscheibe und dem Armaturenbrett.

Baggaaaaa Papa!

Nicht nur Baggaaaaa. Auch Oldiesg

17:20 Uhr
Kiel ist nicht mehr weit, aber wir haben bereits die baggerintensive A7 verlassen. Nicht, dass es hier irgendwie spannender vor den Fenstern wäre, und für das Wort “gleich” ist mein kleines Töchterchen noch zu klein. Die Synapsen einer Zweijährigen sind vorhersehbar geschaltet, nach über einer Stunde perfekter Passgenauigkeit beginnt nun plötzlich der bequem geschnallte Gurt zu drücken und zu eng zu sein. Ah ja. Sie jammert theatralisch ein wenig vor sich hin. Dann beugt sie sich leicht nach vorn, guckt mich mit diesen riesengroßen blauen Augen an und fragt: “Papa? BAGGAAAAAAA???” Und nun ist auch noch der Zwieback alle.

Baggaaaaa Papa!

Alle. Und nun?

Der Haken an so einem Automobil auf einer Autobahn ist, dass man nicht rauskommt, wenn es brennt. Und das Feuer wird genährt von fehlenden Baggern, aufgegessenem Zwieback und der voranschreitenden Zeit. In diesem Alter können Kinder unangenehm werden. Sehr unangenehm. Das erfordert Kreativität – aber es ist nicht viel in meiner direkten Erreichbarkeit, womit ich noch in den letzten Minuten um ihre Gunst werben könnte. Die Wasserflasche will sie nicht. Der neue Mitfahrer im Audi, “Fragen-Sie-den-Frosch”, ist auch schon im Fußraum gelandet. Ah. Fußraum. Moment, das könnte klappen.
17:23 Uhr
Sie lacht. Ich auch.

Baggaaaaa Papa!

Was man nicht alles macht.

Es gibt zahllose Bücher über Zeitgestaltung mit kleinen Kindern auf Reisen. Es gibt mindestens genau so viele Kassetten oder CDs mit Kinderliedern drauf. Ich besitze sowas alles nicht. Vielleicht sollte ich mal losziehen und ein paar doofmopsige klitsch-klatsch-in-die-Händeeee ♫ Tonbanalitäten erwerben, vielleicht zieht das ja. Wissen Sie was? Ich glaube nicht. Dieses Kind ist schon in Mamas Bauch mit Rammstein, den Ramones und Depeche Mode beschallt worden, die Zuckowskis dieser Welt könnten sie eher verstören. Sie liebt Wiederholungen und Routine. Bagger können gar nicht oft genug kommen. Ach ja, und Brücken. Brücken tun es auch.

17:30 Uhr
Die Brücken von Kiel. Wir haben es geschafft.

Baggaaaaa Papa!

Wenn der Bogen kommt, sind wir da.

Ich habe die rosa Mütze aus verschiedenen Gründen inzwischen wieder abgenommen. Sie war ein bisschen zu klein, sie roch und schmeckte in der Mundgegend überraschend nach längst vergangenen Lebensmitteln und einige überholende Menschen haben etwas verstört rübergeguckt. Ich will die Osterreisenden nicht unnötig verängstigen, heute wird man derartig vermummt ja leicht in eine Schublade gesteckt und hat schnell das LKA im Nacken. “BRÜCKEEEEE!!! DA! Huiiiiii!” Kurz vor Kiel kommen ungefähr 10 Brücken hintereinander, und wissen Sie was? Die nächsten Jahre können wir auf der A7 zu jeder Jahreszeit noch Bagger zählen. Das wird ein Spaß :-) Und bis dahin lassen Sie es sich gut gehen. Wir tun das jetzt auch. Ei Ei Ei.

Sandmann

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Created Sonntag, 05. April 2015 Tags A7 | Absurdistan | Audi 100 LS 1977 | Autobahn 7 | Bagger | Baustelle | Dauerbaustelle | Stau Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
26 Mar 2015
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Abschied und Lebewohl?

Abschied und Lebewohl?

Das Eckige muss ins Eckige.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Egal, wie alt man ist.
Zehn Jahre an der Seite ein und desselben Partners sind heute eine Seltenheit. Ein Schatz, der gehütet werden sollte, wenn er noch immer funkelt und beide Partner sich Zeit für einander nehmen. Die Generation unserer Eltern hat das Leben ausgehalten. In guten wie in schlechten Zeiten, das haben sie sich irgendwann einmal vor Gott geschworen, das mussten sie dann auch durchziehen. Heute ist man ein bisschen liberaler. Wenn es nicht mehr passt, wird darüber geredet. Wird versucht, eine Lösung zu finden. Und wenn die nicht gefunden wird, dann trennt man sich. Nach 10 Jahren fand ich keine Lösung mehr für mich und meinen Audi V8. Jedenfalls keine, die mir UND ihm gut getan hätte und bei der wir zusammen bleiben konnten.
Ein später Nachruf zwischen Garagentoren.

Das Rad der Zeit dreht sich weiter.

Abschied und Lebewohl?

Weg, weit weg von Kiel

Neulich hatte ich noch relativ viel Zeit, arbeitete in Kiel und war immer rechtzeitig zu Hause. Da stand dann der Audi, konnte bei Bedarf beschraubt werden und bekam alle Unterstützung, die ihn bis zu seinen 520.000 Kilometern auf dem Tacho brachte. Und wollte er einmal nicht, dann nahm ich das Fahrrad zur Arbeit, ging früher nach Hause und reparierte dann abends die zumeist kleinen Defekte. Neulich.
Neulich war 2011. Jetzt ist alles anders. Ich arbeite meistens in Hamburg und manchmal in Kiel, und seit zwei Jahren gibt es zudem ein süßes kleines Sandmädchen, was meine beiden wundervollen großen Mädels im Tochter sein ordentlich unterstützt. Auch sie lebt weitestgehend in Hamburg. Ich bin also jeden Morgen und jeden Abend auf ein Auto angewiesen, das auch wirklich fährt. Mit dem Fahrrad ist Hamburg nämlich von aus Kiel ein bisschen weit.

Nacht und Nebel

Nacht und Nebel

Sie sollte also nicht mehr sein, die 10 Jahre währende Beziehung mit dem 1993er Audi V8 4.2 Quattro, mit BOSE Soundsystem, Klimatronic, beheizten Sportledersitzen mit Memory, elektrischem Heckrollo und LPG Gasanlage. Wer stöbern möchte – rechts am Rand von Sandmanns Welt hat das Auto eine eigene Rubrik. Ich habe es schon gefahren, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und ich gerade erst mein Staatsexamen in der Tasche hatte. Ja, wirklich. Ich wäre fast Lehrer geworden, da sehen Sie mal, wie lange das her ist. Heute stecken noch ganz andere Dinge in den Kinderschuhen, kleine tappsige Kinderfüße zum Beispiel. Dem V8 folgte mit einem beruflichen Neuanfang mein erster Mercedes nach, auch nicht gerade eine super Entscheidung, aber super Entscheidungen sind die berühmten “Sprungbretter” direkt nach langen Beziehungen ja nie. Wir haben das treue Auto in einer Nacht-und-Nebel Aktion nach Wahlstedt zu Markus1975 gebracht, der hier auch regelmäßig seinen geschätzten Senf dazu gibt und sich dem sehr besonderen Audi, der aber trotz aller Besonderheit sehr Liebebedürftig war, annehmen wollte.

Abschied und Lebewohl?

Markus – und Audi V8 Nummer 2

Warum komme ich denn erst jetzt mit dem Kram raus, vier Jahre später?
Keine Ahnung, wirklich nicht. Ein Entwurf der Geschichte lag seit damals im Speicher meines Blogs rum, ich habe ihn niemals beendet. Seit 2011 ist wiederum so viel passiert, dass der alte Textentwurf mir heute wie eine Komödie vorkommt, also habe ich ihn gelöscht. Die superschlechten, viel zu dunklen Bilder habe ich nochmal neu bearbeitet. Und jetzt hacke ich endlos sentimental in die beleuchteten Tasten, trinke Rotwein und drehe komische Gedanken in meinem Kopf. Kann mich da mal ganz schnell jemand wieder rausholen, bitte? Hm, tja. Wir haben den Kahn damals erst in Markus’ Garage gebracht, dann zog er um in die erste Schrauberhalle (deren Adresse noch immer in meinem Navi gespeichert ist) und heute steht er neben seiner aktuellen Schrauberwerkstatt. Draußen. Glaube ich.

Abschied und Lebewohl?

runter kommen sie immer.

Die Diva und die Lady. Das sind sie, die beiden Audis von Markus, einer davon ist “meiner” und inzwischen hat der Mann sich eine ganze Menge Ahnung angeschraubt. Aber den V8 hat er nie fertiggestellt. Immer kam was dazwischen, die Alltagsautos mussten am Laufen gehalten werden, sein eigenes V8-Baby wollte ebenfalls Zuneigung und am Ende des Tages hat auch Markus eine Frau und eine Tochter, die ihn ab und an mal sehen wollen. Ich glaube, dass mir während meiner Ausformulierungen jetzt und hier ein Grund dämmert, warum ich das ausgerechnet JETZT online bringe. Wo doch schon so viele Autos danach kamen, der W124, Rudolf Diesel, dann das Taxiund bis heute der dunkelblaue Avantgarde. Der V8 steht nämlich noch immer so da, ein Stück meiner eigenen Vergangenheit, ein Stück Blech gewordene Unvernunft und ein wirklich teures Stück Automobil. Wer die Ersatzteilpolitik von Audi kennt weiß, was ich meine.

Abschied und Lebewohl?

links, rechts, rückwärts rein

Ich hasse diese Sentimentalität!
Mir schwirren grad total bescheuerte Gedanken im Kopf rum. Schwachsinnige Gedanken. Teure Gedanken. Gedanken, die mit meinem aktuellen Leben gar nicht vereinbar sind, von meinem Portemonnaie und der Geduld meines halbfinnischen Fräulein Altonas will ich gar nicht reden. Ich glaube, das liegt daran, dass ich in den letzten Jahren sehr viel losgelassen habe. Da waren Dinge bei, die wirklich entbehrlich waren, da waren aber auch Dinge bei, die ich unter normalen Umständen niemals freiwillig losgelassen hätte. Und doch habe ich es getan. Und es tat sehr oft sehr weh. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie stehen plötzlich vor Ihrem Lieblingsauto, was Sie vor vielen Jahren mal jemand anderem gegeben haben. Vor Ihrer großen Liebe. Vor einem Pool voller Geschichten, vor der Karre, in der Ihre Kinder autofahren gelernt haben, in die sie reingekotzt haben. Und es gibt da noch so eine klitzekleine Restmöglichkeit….. nnngghhhhhh…..
Moment, ich schreib Markus mal ne SMS…

Abschied und Lebewohl?

Steht. Wie lange…..?

GNARGH. Er hat mit der Zerlegung begonnen. Es müsste zu viel Geld in den Wagen fließen, mehr als 3000 Euro, bevor der wieder ne HU bekommt. Eigentlich weiß ich das ja. Ich hab ihm grad geschrieben, dass er zügig damit weitermachen soll, die Kiste auseinanderzureißen. Sonst komme ich noch auf GANZ blöde Gedanken. Und während ich hier sitze schreiben wir uns hin und her. “Der Wagen ist nicht mehr existent. Er ist aus deinem Blickfeld verschwunden“…. so viel Poesie hätte ich ihm gar nicht zugetraut ;-) Aber er hat ja Recht. Ich kann mit so einem Zeit- und Geldfresser nichts mehr anfangen, und er kann das Geld für die Einzelteile sehr gut gebrauchen. So wie es aussieht schließe ich also heute offiziell ein weiteres Kapitel meiner Vergangenheit ab. Darauf ein Astra, Markus, alter Kumpel.

Abschied und Lebewohl?

Prost. Endgültig.

Es ist schon…. komisch. So viel habe ich über das Leben mit diesem Auto geschrieben, von Anfang an im V8-Forum, noch ohne Bilder. Ob es diese Beiträge noch gibt? Was waren da für verrückte Geschichten dabei. Und das jetzt hier… das ist Sandmanns letzter Audi V8 Blog. Ever. Vermutlich. Was im Forum begann, was im AutoBild Blog weiterging und was in Sandmanns Welt mündete hat nun ein Ende. Aber es gibt über 100 Geschichten, und die wird es immer geben. Kennen Sie die mit dem Zahn? Egal. Lebewohl, mein Audi V8. Du hast einen bewegten Abschnitt in meinem Leben begleitet. Du warst Hochzeitskutsche, Urlaubsauto, du warst Kombi-braucht-man-nicht, Fahrschulwagen meiner Kinder, Kummermobil nach der Trennung, hast mich zur Scheidung getragen und durch viele Urlaube begleitet. Du warst immer dabei. Und jetzt bist du Geschichte. Du hast deine Aufgabe gut gemacht. Ich kalibriere mich jetzt darauf, dass du am Ende – nur ein Auto bist. Der Rest ist in meinem Kopf.

Sandmann

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Created Donnerstag, 26. März 2015 Tags 2 Quattro | Abschied | audi v8 | Audi V8 4 | d11 | Quattro | teuer | Unterhaltskosten Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
23 Mar 2015
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Salima und Laura

Salima und Laura

Weder Thelma – noch Louise. Egal.

Thelma und Louise, aber ohne Klippe am Ende.
Das wäre auch eine sagenhafte Verschwendung von Mensch und Material, würden ich diese Geschichte so enden lassen wie den Film von 1991. Dabei sind die beiden Ladies in dem Mustang Convertible nicht weniger sweet und quirlig als Geena Davis und Susan Sarandon. Heute wurde allerdings niemand erschossen, und niemand ist auf der Flucht. Aber dazu später. Salima strahlt trotz oder gerade wegen ihrer dunklen Hautfarbe noch heller als die heute schon recht heftig scheinende Sonne, und ihre Freundin Laura setzt noch einen oben drauf. Weiße Klamotten, helle Hüte und ein silberner Mustang mit dem Namen “Jonny”. Ich alter Mann mit Hut und Kamera auf dem blauen Rücksitz. Es verspricht, ein wundervoller Tag zu werden :-)

Salima und Laura

sowas wie Patriotismus.

Ich fang mal vorn an. Ganz vorn. Ein typisches Mädchen ist die kleine Salima mit den großen Augen nämlich nicht, auch damals schon (ist diese Zeitform grammatikalisch okay?). Sie spielt nicht mit goldmähnigen großäugigen Plastikpferdchen oder dämlich lächelnden rosa Frisierköpfen, sondern begeistert sich für das Auto ihres Vaters. In Papas silbergrauem 1971er E-Type Coupé mit der roten Innenausstattung lässt sie während ausgedehnter Wochenendtouren den Wind in ihren Haaren wühlen, wäscht und pflegt den damals etwas über 20 Jahre alten Klassiker mit Inbrunst und wünscht sich brummelig, auch endlich!!! autofahren zu dürfen. Wie wir alle. Die für ein Kind nahezu ewige Zeit bis dahin überbrückt sie mit Modellautos. Das erste in einer langen Reihe ist ein 65er Mustang Convertible, ausgelöst durch den James Bond Film “Goldfinger“. Shirley Eaton bewegt in dem Streifen ein weißes Cabrio, und mit Erlaubnis ihrer Mutter bestellt sich Salima so eins im Internet. Es folgen Corvette C1 und C3, Camaro Trans Am, KITT und KARR und ergänzend diverse Oldtimerzeitschriften im Abo, die sich in ihrem Kinderzimmer stapeln. Als 2001 Anne Hathaway als Mia in “Plötzlich Prinzessin” in einem etwas abgerockten 65er Mustang Convertible durch die Gegend schrabbelt ist Salima endgültig verknallt. Nicht wie alle ihre Freundinnen in Michael, den Freund von Mia. Nein nein, in das Auto.

Salima und Laura

Endlich erwachsen…

Papa wird weiter fleißig jeden Sonntag um Touren mit dem Jaguar angebettelt, und irgendwann ist Mia, nein sorry: Salima, endlich nicht plötzlich Prinzessin, sondern 17,5 Jahre alt und kann mit dem eigenen Führerschein loslegen! Endlich!!! :roll: Papas Heiligtum darf sie allerdings nur in seinem Beisein bewegen und kann daher an vielen Ausfahrten der “Wormser Oldtimerfreunde” nicht teilnehmen. Papa hat auch noch etwas anderes zu tun als mit dem Auto durch die Gegend zu fahren. Der Wunsch nach einem eigenen Auto wird also täglich größer, und ein spontan angebotenes Mustang Coupé bei einem Händler in der Nähe bringt sie erneut zurück auf ihre all-time Autoliebe. Aber kein Coupé, ein Convertible muss es sein! Nach oben wird Luft gewünscht. Oma, Opa und die Eltern sind sich aber irgendwie nicht ganz einig, wer denn gern das erste Auto der quirligen Lady bezahlen wird. Einigkeit besteht allerdings in der Verwunderung darüber, dass nicht wie vorherbestimmt ein zuverlässiger Mercedes werden soll. Ein Amerikaner? Will man so etwas unterstützen?

Salima und Laura

Unter der Haube. Zumindest der Motor.

Die Beharrlichkeit der jungen Dame lässt die Verwandtschaft einlenken (oder kapitulieren), und kurz darauf bekommt ein weiterer Händler in Baden-Baden den Suchauftrag nach einem Pony ohne Dach, am liebsten Schwarz oder Nightmist-Blue und auf jeden Fall aus den Jahren 1967 oder 1968. In diesen Jahren war der Mustang seiner allerersten Serie entwachsen und wurde von Ford zwar optisch an den Vorgänger angelehnt, aber etwas massiger proportioniert, um Platz für die großvolumigen Motoren zu schaffen. Die Ära der Muscle Cars, also der viel zu kleinen Autos mit viel zu großen Motoren hatte begonnen. Die Heckblende mit dem mittigen Tankstutzen wurde konkav gestaltet und gilt unter Fans heute als der Pony-Po mit dem meisten Sexappeal. Die geniale und massive Werbekampagne für die erste Serie ließ den Mustang in den Verkaufszahlen-Olymp der USA explodieren und löste bei Ford intern den Thunderbird (Thelma? Louise??) als Verkaufsschlager ab. Die Möglichkeit, den Wagen auf Wunsch quasi nackt für sehr kleines Geld oder vollausgestattet für nicht wesentlich mehr Geld (mit allen Varianten dazwischen) zu ordern schmeckte den freiheitsliebenden Amerikanern.

Salima und Laura

Ein frühes Pony mit V8. Geil.

Und Salima stellt es vor die Frage, welches der angebotenen Fahrzeuge sie denn nun nehmen soll. Die Motorenpalette reicht beim Mustang aus den Baujahren vom 3,3 Liter Reihensechser bis hin zum 7,0 Liter Big Block V8. Und die Popularität des (damals) preiswerten Sportlers ist ungebrochen, trotz der hohen Stückzahlen. Allein in den Jahren 1967-1968 verkaufte der Konzern 789.000 Mustangs, davon 113.000 Fastbacks und 70.000 Convertibles.
Betrachtet man den Kleider- oder Schuhschrank einer Frau, weiß man, wie schwer sie sich mit Entscheidungen tut. Oha. Aber wie wir ja wissen, ist Salima anders als die anderen. Außerdem kommt ihr ein wenig entgegen, dass der Händler aktuell nur zwei Convertibles im Importprogramm hat: Einen roten 1967er mit dem dicken 390cui V8 und einen 1967er mit der klassischen 289er Maschine in “Silver Frost” mit blauem Interieur.  Nee, also Silber? Niemals. Hm… Es ist ausgerechnet Papa, der die Dame mit eher weiblichen Argumenten zur Vernunft bringt: Auf silbernem Lack sähe man den Dreck nicht so. Vielleicht ist Salima doch nicht so anders als die anderen Frauen. Der Mustang wird ihr erstes Auto.

Salima und Laura

Erstaunlich viel Platz da drin.

Auf dem Hof des Händlers traut sich Salima erst gar nicht, das sehr erhaben wirkende Fahrzeug anzufassen. Silver Frost. Yo. Passt ja zur Jahreszeit, irgendwie :-) Vielleicht ist die Farbe ja doch gar nicht so übel? Der Zustand des Ponies ist super, und irgendwie harmoniert das blaue Interieur super mit dem silbernen Lack. Und nach einer kleinen Gewöhnungsphase fährt sie auf trockenen Januarstraßen mit ihrer eigentlich für Mercedes plädierenden Oma neben sich und einem geschlossenen Verdeck über sich zurück nach Worms. Die Automatik legt die Gänge sauber ein, alles funktioniert und fühlt sich richtig gut an.

Salima und LauraSalima und LauraSalima und Laura

Sie nennt ihn Jonny.
Jonny bekommt noch einen Bremskraftverstärker (das Auto wurde ursprünglich zum vorwärts Fahren gebaut, eher nicht zu Bremsen…), einen Ölwechsel und frischen deutschen TÜV. Derweil recherchiert Salima ein bisschen über die Wurzeln des Autos, viel erfährt sie allerdings anfangs nicht über die Geschichte ihres Ponys. Ein einziger Name im Title, ausgeliefert am 06. Juni 1967 in Texas an einen Händler zusammen mit einem identischen Zwilling in eben diesem Sonderlack. Die Fahrzeuge sollten als Showroom-Kundenfänger dienen, und das scheint ihnen gelungen zu sein, denn schon am 30. Juni 1967 wurde Salimas Exemplar von einem jungen Schüler aus der High School gekauft. Der soll ihn lange, sehr lange gefahren haben, um das Pony dann eines Tages an seinen Sohn weiterzugeben. Der fuhr damit ebenfalls zur High School und beschloss 2009 eine Komplettrestauration in den Auslieferungszustand, mit Bildern und Belegen. Es gibt vermutlich nur ganz wenige Mustangs auf der Welt, die nicht irgendwann schon einmal restauriert wurden. Und es gibt vermutlich überhaupt keine Restaurationen, die sich finanziell gelohnt haben. Schwupps kam die Wirtschaftskrise – und der Wagen wurde verkauft.

Salima und Laura

eines der attraktivsten Cockpits der 60er

Das war’s auch schon an Details zu Jonnys Historie, aber Salima ist ja noch jung und hat sich vorgenommen, weitere Details über den Oldtimer mit dem guten Herzen und der robusten Technik herauszufinden.
Jonny ist ein Junge. Definitiv. Allein schon, weil er wenig rumzickt oder Probleme macht. Einen einzigen Liegenbleiber kann sie verbuchen: Eine defekte Zündspule, die den Convertible auf den Standstreifen zwingt. Da Salima an dem Tag auf dem Weg zu einem Oldtimertreffen ist finden sich umgehend sechs hilfsbereite Herren, die ihre Köpfe in den Motorraum stecken, aber trotz richtiger Diagnose nicht helfen können. Defekte Zündspulen heilt die Zeit, zumindest kurzfristig, als der Wagen wieder kalt ist kommt die Lady weiter. Immerhin bis vor den Wormser Puff, da bleibt Jonny wieder stehen. Ein wenig verlegen und lieber das Verdeck schließend kontaktiert die Dame ihren Papa, und kurz darauf wird der Mustang abgeschleppt und der Defekt in einer Werkstatt behoben. Jonny legt den Heimweg auf eigener Achse zurück. Er macht süchtig nach Ausfahrten in die Pfalz, allein oder mit ihrer Freundin Laura, die sie auf einer Party kennen gelernt hat und die von den endlosen Benzingesprächen nicht genug bekommen konnte.

Salima und Laura

Achte Sie bitte auf das Auto!

Alle drei zusammen verdrehen der Herrenwelt gehörig den Kopf und rocken den First Mustang Club of Germany, wenn auch mit diesem klischeebehafteten “Küken”-Status! Und wieder ist es dieser Film, an den mich die Fotos erinnern. Ausgerechnet in Salimas Geburtsjahr kommt “Thelma und Louise” in die Kinos. In dem Film flüchten die von ihrem despotischen Ehemann genervte Hausfrau Thelma und ihre überdrehte Freundin Louise in einem Ford Thunderbird Convertible (na gut) raus in die Freiheit. Das geht aus verschiedenen Gründen ganz schön schief und endet ganz hinten bei dieser Klippe auch nicht happy, aber wenn die Mädels auf den vorderen Sitzen jetzt noch Kopftücher umbinden würden wäre die Illusion fast perfekt. Ein bisschen vorsichtig sind sie schon, als sie sich an und auf dem polierten Mustang posieren. Und die permanente Pflege zahlt sich schon jetzt aus. Auf dem Treffen in Sinsheim erreicht Jonny  in der Kategorie “Originalgetreuester Bestzustand” den 3. Platz.

Salima und Laura

da lässt Mann sich gern mal chauffieren

Was man so erlebt auf US-Car-Treffen. Eigentlich ist mir nur die hübsche junge Frau in dem tollen Auto aufgefallen. Kurz darauf springt ihre nicht weniger hübsche Freundin dazu, und nicht viel später cruisen wir zusammen durch die Stadt und sabbeln und lachen und haben den Wind in den Haaren ;-) Ich bin ein bisschen beseelt und habe ein bisschen dazugelernt über eine heute unübliche Definition von Liebe. Eine Liebe zwischen Salima und Jonny. Ab und an klemmt mal eine Visitenkarte hinter einem Scheibenwischer, zumeist sind es zurückhaltende Herren mittleren Alters, die den Wagen kaufen wollen. Und sie bieten wirklich eine Menge Geld. Auch wenn das stolz macht – Salima gibt ihren Jonny nicht mehr her. Er hat zwar “nur” den kleinen 289cui V8, aber auch hier zeigt sich wieder, dass sie vielleicht doch anders als die anderen Frauen ist: Sie will nichts verändern. Sie liebt ihn so, wie er ist…

Sandmann

Salima und Laura

Vollgas zum Horizont

Ford Mustang Convertible
Baujahr: 1967
Motor: 289 V8
Hubraum: 4736 ccm (289 cui)
Leistung: 148 KW (200 PS) bei 4400 u/min
Max. Drehmoment: 407 NM bei 2800 u/min
Getriebe: 3 Gang Automatik
Antrieb: Hinterrad
Länge/Breite/Höhe: 4663/1801/1311 mm
Leergewicht: 1800 kg
Beschleunigung: 0-100 in 13 Sek.
Top Speed: ca 190 km/h
Preis / Wert: ca. 38.000€

Originalartikel auf TRÄUME WAGEN

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Created Montag, 23. März 2015 Tags 1967 | 1967 Convertible | cabrio | ford mustang | Laura | Salima | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
15 Mar 2015
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Lecker Kabelsalat

Lecker Kabelsalat

Viele viele Brandbeschleuniger

Salat ist nicht so mein Fall.
Manchmal lasse ich mich zu einem Caesar’s (Cesars? Cäsar’s??) Salad hinreißen, mein halbfinnisches Fräulein Altona zaubert darüber hinaus ein ganz hervorragendes Senfdressing für Feldsalat und ähnliche Knusperblättchen – aber zu oft, das macht mich nicht glücklich. Salat im Auto macht mich sogar UNglücklich, vor allem wenn es sich dabei um einen farbenfrohen Kabeldschungel (Jungel? Djungle?) hinter dem Armaturenbrett handelt. Willkommen beim Tatort “Nicht-Ersthand-Auto”. Eigentlich möchte ich nur einen alten Zusatzverstärker aus den 80ern hinter das Radio schleifen. Am Ende habe ich wenigstens die Frontscheibe an ihren Rändern von der 38 Jahre alten Klebefolie befreit *grummel*

Samstag, Wetter kalt aber gut, Kinder versorgt.

Lecker Kabelsalat

Fragmente der 80er Jahre

Aus den Tiefen meines Kellers habe ich heißen Scheiß geborgen, jedenfalls in meiner Welt sind das coole Sachen: Den alten Interconti Equalizer Booster 8-) den ich schon 1990 im lila Taunus drin hatte und der zwar hektisch und albern rumblinkt, aber den Klang der zu kleinen Lautsprecher tatsächlich dramatisch verbessert. Als etwas dezentere Alternative liegt da noch ne kleine Blaupunkt Endstufe für zwei Euro vom Flohmarkt, wenn ich gaaaanz schnell bin und viel Zeit übrig habe (hahahaaaaa) warten auch noch zwei Lautsprecher auf ihren Einbau in die Heckablage.
Aufgabe 1: Die unlängst entdeckten bunten Kabelhinter dem Kombiinstrument in die Tiefen des Armaturenbretts verfolgen und ergründen, was die eigentlich treiben. Mysteriös.
Aufgabe 2: Klären, ob die weißen Lautsprecherkabel, die im Fahrerfußraum zwischen meinen Füßen rumpendeln noch irgendwo anfangen und gar irgendwo enden. Sie kommen weder beim Radio noch bei den Lautsprechern an. Mysteriös.
Aufgabe 3: Die Interconti Endstufe hinter das alte Blaupunkt hängen und Bass abfeiern.

Lecker Kabelsalat

Ansatzweise nachgebastelt. Wo gehen die hin?

Ich schätze Ordnung in der Bordelektrik. Sehr. Nun ist der Kabelbaum eines 1977er Audi 100 LS zwar schon ab Werk einigermaßen überschaubar, aber spätere Besitzer haben bei so alten Autos gern mal das eine oder andere Teilchen aus dem Zubehör nachgerüstet. Und das nicht immer mit ausgeprägtem Sinn für stromführende Verbindungen, die in der Geborgenheit eines Armaturenbretts schnell mal ein kleines Feuerchen in der Dämmwolle oder dem Teppich entfachen können. Drehzahlmesser mit Lüsterklemmen angeschraubt? Super! Radio und CD Wechsler reingestopft, mit dem Küchenmesser freigelegte Kupferlitzen zusammengedreht und mit Malerkrepp isoliert? Klasse! Rote Dauerpluskabel mit grün oder gelb verlängert und offen rumliegen lassen? Großartig! Einen ersten Eindruck von den tätig gewordenen Spezialisten konnte ich mir schon vor rund zwei Jahren verschaffen, als ich nur das Radio einbauen wollte…
Ich fang’ mit meinen Forschungen heute oben an, Deckel ab, Kombiinstrument raus und abtauchen unter die Lenksäule, mal schauen wo rot/gelb/blau/weiß, sauber über Gewindeschrauben mit der Leiterfolie hinten am Tacho verschraubt, am Ende hinführen.

Ah. Sackgasse.

Ah. Sackgasse.

Urks. Werde ich langsam alt? Oder dick? Oder ist in einem Audi 100 Fußraum einfach nicht so viel Platz? Hinter der Presspappe und dem blauen Kunststoff ist es jedenfalls, über Kopf betrachtet, tugendhaft 70er-deutsch aufgeräumt. Da sind ein sauber verlegter Kabelbaum, etwas Dämmung und die Luftkanäle zu den in diesem Modell reichlich vorhandenen Lüftungsdüsen. Die gehen von links nach rechts einmal quer rüber, das hat mich schon als kleines Kind begeistert ;-) Und weil das so ordentlich hier ist findet sich auch gleich der vierfarbige Kabelkandidat, beendet durch eine Lüsterklemme. Ah. Also wird hier nicht wie zuerst befürchtet der Armaturenträger wegen Kontaktproblemen mit neu verlegter Fremdspannung versorgt – es wurden vielmehr an seiner Rückseite in die andere Richtung Signalleitungen und Spannungsversorgung abgegriffen. Handwerklich gut gemacht, auch wenn ich selbst das jetzt vielleicht woanders abgezweigt hätte, aber egal. Wofür wohl? Was immer es war, es ist nicht mehr da. Also raus mit den vier Litzen. Aufgabe 1 erledigt. Enorm schrauberentgegenkommend finde ich (nebenbei bemerkt) den gerade entdeckten Massepol hier unten, direkt an der Karosserie angeschraubt. Mehrere blanke gut zugängliche Steckplätze im Kreis, auf die sich super massebedürftige Kabelschuhe stecken lassen. Audi hat seinerzeit mitgedacht.

Na immerhin.

Na immerhin.

Auch das weiße, lange Lautsprecherkabel lässt sich nach dem Entwirren von zwei gelben Kabelbindern komplett aus dem Fußraum rausziehen. Nach hinten auf die Hutablage führte das nicht, die ist noch jungfräulich. Na gut, Aufgabe 2 ist auch erledigt, dann kann ich jetzt ja noch mit dem vorhandenen Material die kleine Endstufe aus den 80ern einbauen *freu*
Das wiederum…. äh… gestaltet sich schwieriger, als ich dachte. Die weiter hinten liegenden Kabel, die hinter dem Radio zum Vorschein kommen stecken noch immer in klapperigen Lüsterklemmen. Die stromführenden Leitungen sind unzureichend mit Gaffer isoliert und die Anschlüsse an dem Interconti Booster habe ich damals zwar sauber verlötet – heute, 20 Jahre später, sind sie aber ausgehärtet und brechen wie Kekse ab. Toll.
Dabei war der Plan einfach: Stromversorgung der Endstufe über den Automatik-Antennen-Ausgang des Radios, Masse vom eben entdeckten Massepol. Stecker krimpen, Leitungen legen. Hm. Immer noch zu viele Lüsterklemmen, das gefällt mir nicht. Die zwei langen Leitungen der Endstufe zum Lautsprecherausgang des Radios hinter der Mittelkonsole durchwursteln. *rups* ein weiterer Stecker abgefallen. Aber jetzt will ich es wissen, den Lötkolben kann ich später noch immer anwerfen. Frontlautsprecher in die Endstufe stöpseln, Strom drauf und los. Wow. Klingt fett. Leider nur links :-(

Lecker Kabelsalat

Nee, so wird das nix

Alle Leitungen sind fest verdrahtet, aber rechts kommt nix. Gar nix. Hurra. Ich tausche die Stecker durch und nehme die anderen beiden der vier Ausgänge des Boosters – das gleiche Problem. Laut, leise, mal drauf klopfen und wackeln. Nichts. Der “Graphic Equalizer” meiner automobilen Sturm und Drang Zeit ist anscheinend halbseitig gelähmt. Angesichts der inzwischen ziemlich wüsten Verkabelung ist das nun nicht so schlimm, so hätte ich das eh nicht einbauen können ;-) Die optionale, aber optisch ansprechendere Variante mit der Blaupunkt Endstufe vom Flohmarkt macht es mir noch einfacher, die funktioniert gleich überhaupt nicht. Yay. Ein voller Erfolg. Aufgabe 3 ist heute nicht lösbar. Immerhin habe ich mir mit diesem wild verlegten 12-Volt-Kabelsalat nicht den Sicherungskasten hochgejagt. Notiz an mich selbst: Neue Endstufe oder gleich ein dickeres Radio besorgen und dann sämtliche Anschlussleitungen neu verlöten und mit Schrumpfschlauch isolieren. Ich bastel das ganze Geraffel sauber wieder zurück.
Und als die Sonne zärtlich durch die Wolken bricht, sehen meine trüben Augen diese mistige Folie an den Rändern der Frontscheibe. Einst vor 38 Jahren beim Einkleben eben dieser verwendet und als schmaler schwarzer Rand drumrumlaufend, jetzt von der Sonne zerbröselt, abbröckelnd, extrem doof aussehend. Das stört den ungetrübten Blick auf die Straße vor mir schon seit jenem Tag im März 2013. Ha! Zusatzaufgabe 4: endlich, endlich mal wegkratzen, da Shit!

Lecker Kabelsalat

was lange bröselt verschwindet endlich

Ich liebe Off-Topics und bekloppte thematische Wendungen.
Die fröhlich blauen A-Säulen-Verkleidungen lassen sich bei einem Audi 100 mit einer einzigen Schraube lösen und abklippsen. Und die Folie, so hartnäckig, statisch aufgeladen und klebend sie ist, weicht kapitulierend dem liebevollen Zuleiberücken mit einem flachen Schraubendreher. Nein, liebe Wattestäbchenfanatiker und Politurpuristen, keine Sorge, die Scheibe leidet darunter nicht. Das ist ein bisschen so wie mit dem Ceranfeldkratzer, der macht seinen Job ja auch ganz sorgenfrei. Und Viss KANN nicht kratzen.
Kennen Sie diesen Effekt, wenn irgend etwas über Jahre ein Dorn im Auge war, aber aus Faulheit oder Vergesslichkeit (oder Zeitmangel) hatte man gelernt, damit zu leben? Bestimmt. Ich meine heute mal nicht Ihre Lebensgefährtin. So banal die Entfernung dieser Folienreste auch ist, plötzlich sehen die Ränder der Windschutzscheibe nicht mehr geborsten und abgerockt aus. Plötzlich habe ich wieder einen unausgefransten Blick auf die Straße :-) Ein Traum. Zusatzaufgabe 4 ist erledigt. Dafür sind jetzt das Armaturenbrett, meine Hose, meine Hände und der Teppich voller klitzekleiner schwarzer klebender Folienfrisselchen. Aber irgendwas ist ja immer.

Lecker Kabelsalat

vorher – nachher

Ich ziehe Bilanz eines zwei-Stunden-Einsatzes an einem Samstag Mittag im März.
Es dümpeln ein paar nutzlose Leitungen weniger hinter dem Armaturenträger des Dottore rum. Das ist gut. Die beiden alten Endstufen aus meinem Keller sind anscheinend kaputt. Das ist doof, aber halb so wild. Ich hab ja das Radio, und es funktioniert einwandfrei. Ich schau die Tage mal bei ebay Kleinanzeigen, was so in der Gegend angeboten wird. Und dann werden die vorhandenen Leitungen gleich sauber durchgelötet. Die Bröselfolie rund um die Frontscheibe ist weitestgehend weg. Das ist toll :-D Es sind noch Reste unter der Dichtkante oben beim Wagenhimmel, da wollte ich heute nicht ran. Die Heckscheibe, das nur am Rand, leidet unter dem gleichen Problem. Das mache ich dann auch noch irgendwann. Nach zwei Stunden merke ich, dass wir erst Anfang März haben und die Kälte meinen Rücken hochkrabbelt.
Also nehme ich aus diesem Tag vorwiegend Erkenntnisse mit, leider keine satt bassige Musik. Ich werde jetzt mal heiß und laaaange duschen und fahr dann Frustshoppen :-( So ein Vergaserreiniger-Additiv für den Tank macht ja glücklich. Und vielleicht kaufe ich mir gleich noch einen neuen Staubsauger, dem alten geht’s nicht so gut. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe mit dem Dottore noch eine Menge vor, musikalisch akustisch gesehen ♫ Oder funktioniert bei IHNEN das Radio aus den 80ern etwa einwandfrei??

Sandmann

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08 Mar 2015
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*Click* passt. Äh… fast.

*Click* passt. Äh… fast.

Drehn drehn und endlich sehn

Der Dottore. Ja, der Dottore. Der gute alte Nullausstatter Baujahr 1977, ich schätze es prinzipiell sehr, dass dem alten Neckarsulmer quasi sämtliche elektronischen Helferchen fehlen. Wo nix ist kann auch nix kaputt gehen. Nicht mal getönte Scheiben hat er, was einzig die obenrum bröselnden Stoffsitze kapitulierend bemängeln, ich wiederum find’s schön hell drinnen :-) Nun entdeckte ich beim Schrotti ein sehr seltenes und begehrenswertes Kombiinstrument, passend für meinen VorFacelift. Mit einem Drehzahlmesser trotz Vierzylinder. Eigentlich war der den geil röhrigen 5-Bangern vorbehalten, aber ein paar Ausstattungsvarianten hatten den auch “weiter unten”. Mein LS nicht. Und irgendwie wollte ich schon immer wissen, was da so wie doll dreht, also rein damit. Original? Nö. Egal ;-)

Die Kellerordnung geht ja ihre ganz eigenen Wege.

*Click* passt. Äh… fast.

Ich habe es tatsächlich gefunden…

Wobei ich da nicht weiß, wie es Ihnen geht. Ob Sie sich auch in den vergangenen Jahrzehnten genau so zugemüllt haben wie ich, zu Weihnachten immer den Osterkram finden und zu Ostern dann den Weihnachtsschmuck? Es fehlt eigentlich immer an 13er Schlüsseln, 10er Nüssen, Wasserpumpenzangen und Hammern. Immer. Also kauft man das immer alles neu. Seit ich im Herbst nicht nur mein Leben, sondern auch meinen Keller aufgeräumt und umgelagert habe weiß ich wo Weihnachten und Ostern versteckt sind. Ich bin Besitzer von sieben 13er Schlüsseln, sechs 10er Stecknüssen, drei Wasserpumpenzangen und acht Hammern. Tendenz steigend. Das ist toll, und vor allem finde ich die paar Auditeile, die ich fein gebündelt in einem Regal gelagert habe sofort wieder. Werkzeug? Brauche ich nicht viel. Kreuzschlitz, Schlitz, Kombizange. Mehr ist nicht nötig.

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man muss nur wissen wo…..

Ich spreche selten von Liebe. Heute liebe ich das Wetter, wir haben den ersten richtigen Frühlingstag und die sonntägliche Sonne strahlt auf ein sich langsam erwärmendes Kiel. Ich mag diese Stadt. Sie mag mich nicht, jedenfalls nicht immer, aber da kann die Sonne nichts für. In diesem Fall heute liebe ich aber auch die Einfachheit der Technik in einem 38 Jahre alten Auto, was damals als Technologieträger abging und noch immer irgendwie zeitlos ist. Irgendwo in den Tiefen des Kofferraums klappert ein kleiner Werkzeugkasten rum, von dem ich heute nur sehr wenige Inhalte benutzen werde. Ich habe schon unzählige male am Kombiinstrument irgend eines Typ 43 zwischen 1976 und 1979 geschraubt (den Facelift ab 1980 mag ich nicht), der Dottore ist mein dritter in 20 Jahren, da sollten keine unvorhergesehenen Vorkommnisse die Bastelei bremsen. Links die unechte Holzleiste ab, darunter ist eine Schraube vom Armaturendeckel. Am unteren Rand sind nochmal zwei, alles normale Kreuzschlitz, dann kann man das blaue Ding auch schon runternehmen. Versuchen Sie sowas mal bei einem aktuellen Auto. Nein. Vergessen Sie’s.

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fast schon raus der Lump

Danach noch zwei Kreuzschlitz, die das Kombiinstrument halten – und das war’s dann schon. Jetzt hängt es nur noch an der mechanischen Tachowelle, zwei breiten flachen Steckern vom Kabelbaum und dem Blinkrelais. Jawoll, ein Relais. Hier wird kein elektronisches *klick* *klack* akustisch simuliert, was die ansonsten geräuschfreie Arbeitsweise einer elektronischen Kippstufe vertont. Hier ziehen noch Spulen und Elektromagneten Kontakte auf und zu, die dann Glühlampen blinken lassen. Und das macht dann *klick* *klack* :-) Äh… ja. Die Hoffnung, das ordinäre LS Cockpit (mit links Tank und Temperatur, Mitte Tacho und rechts der Uhr) einfach so gegen den neuen besser bestückten Mitbewohner (links Drehzahlmesser mit Temperatur, Mitte Tacho und rechts Uhr mit Tank) zu tauschen gestaltet sich nicht ganz so sorgenfrei wie ich gehofft hatte. Audi hat in diesem Fall alles richtig gemacht, die Stecker im Kabelbaum sind komplett durchkontaktiert und passen 1 zu 1 auf das neue Kombiinstrument. Allerdings… sind da hinten dran ein paar Kabel, die da nicht hingehören. Angeschraubt an Stellen, an denen nichts angeschraubt wird.

was ist DAS denn nun?

was ist DAS denn nun?

Zwei Möglichkeiten….
Hier hat irgend ein Vorbesitzer Teile des vielleicht völlig maroden und irgendwo innen gebrochenen Kabelbaums überbrückt und das originale Cockpit mit selbst gezogenen Strippen angeschlossen, damit es überhaupt funktioniert. Diese Annahme ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, weil die Funktion der Rückfahrscheinwerfer des Dottore auf genau so einem selbst gezogenen Kabel basiert. Sagte mir der Vorbesitzer. Hm.
Oder aber hier wurde irgend ein zusätzliches Gerät angeschlossen, was mal am anderen Ende dieser bunten Leitungen war und irgendwas gemacht hat. Was weiß ich, eine Endstufe, ein Navi, ich weiß ja nicht woran genau diese rot/gelb/blauen Litzen angeschraubt worden sind. Um das zu prüfen müsste ich hinter dem Armaturenbrett verfolgen, wohin diese drei Leiter gehen. Da hab ich jetzt keine Lust drauf. Also….. schraube ich sie einfach genau an die gleichen Anschlüsse am neuen Cockpit wieder an. Wird schon funktionieren :-) Glaube ich.

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Altes raus, neues rein

Mein liebes treues Kombiinstrument. Du warst mir zwei Jahre lang ein warm beleuchteter Freund, der mich mit den wesentlichen Informationen über dieses alte Auto versorgt hat. Ich hebe dich natürlich auf, falls ich es mal über den Kopp bekomme und den Dottore wieder in den Auslieferungszustand zurückversetzen will. Man weiß ja nie. Der Kilometerstand wird fotografisch festgehalten (der “neue” Tacho hat ein paar weniger drauf, ich glaube ich tausche die Tage einfach noch mal das einzeln ausbaubare Instrument damit das wieder stimmt) und jetzt ist es richtig ein bisschen spannend. Geht alles? Die Erfahrung hat mich gelehrt, einmal die wichtigsten Funktionen eines Umbaus auszuprobieren, bevor man alles wieder zusammenschraubt. Zündung an – drei rote Lampen leuchten. Motor springt an. Drehzahlmesser dreht hoch :-D YES! Blinker blinkt, Licht geht, Fernlicht auch. Tank klettert hoch, Temperatur auch. Da kann ich ja gleich eine kleine Probefahrt in den Sonnenuntergang das Westufer hoch machen, da wird ein Radiowecker aus den 80ern verkauft. Den will ich haben.

*Click* passt. Äh… fast.

Ohne 80er geht es nicht

Der steht nun, wie Sie sehen, auf meinem Nachttisch und wird mich hoffentlich morgen zur neuen Arbeitswoche pünktlich mit einem von sechs speicherbaren Sendern wecken ;-) Aber das ist eine andere Geschichte. Was mir während des Tiefflugs über die Holtenauer Hochbrücke und den Nord-Ostsee-Kanal dämmerig in den Augen brennt: Die Cockpitbeleuchtung geht nicht :-( Natürlich geht die nicht! Die geht nach Jahrzehnten des Drehens an den immer defekten kleinen Potentiometern in irgend einer Ecke der Tachoeinheit NIE. *grummel* Und ich habe echt keine Lust mehr, mit der Zunge zwischen den Zähnen feinfühlig und konzentriert so lange an diesem kleinen runden Plastiknuppel mikrometerweise zu popeln, bis der Schleifer irgendwann mal einen Rest Kupfer erwischt und für ein paar Minuten wieder Licht auf die Instrumente scheint – bis zur nächsten Bodenwelle. So ein Unsinn. Also ziehe ich auf die ESSO Tanke beim Holtenauer Flughafen und hol das Werkzeug wieder raus. Blauer Deckel ab. Schrauben weg, Tachowelle ab und umgedreht das Ding. Ach guck. Na klar. Das kleine Plastikteil, in dem der Schleifer für die Dimmung der Cockpitbeleuchtung sitzt quillt schon auf vor Oxid und zerbröseltem Metall. Wie immer.
Kurzer Prozess: Aus den Tiefen des Armaturenbretts ziehe ich ein Ex-Lautsprecherkabel (was liegt denn da NOCH alles so rum?), knippse 5cm ab, mache die Enden blank und lege es mit zusammengedrehten Litzen unter die beiden Schrauben, die den Dimmer halten. Und überbrücke den damit. So wie ich das schon beim Taunus, beim Granada, beim KaSi und bei den anderen beiden Audi 100 gemacht habe. Jetzt kann man das Licht zwar nicht mehr dimmen – aber das habe ich sowieso nie gemacht :-) Leucht leucht. Hell. Alles fein.

*Click* passt. Äh… fast.

es werde Licht! Jahaaaa!!!

Das Leben ist schön. Bei gutem Wetter durfte ich mal wieder ein ganz klein bisschen schrauben, und das auch noch mit Erfolg. Ein paar Mysterien bleiben. Wo gehen diese drei Leiter hin, die hinten angeschraubt sind? Ist es normal, dass der 2-Liter Vierzylinder bei 100 km/h “nur” 3000 Umdrehungen macht? Der klingt eigentlich eher nach 4500…
Na ja, und die üblichen Verdächtigen. Wie bekomme ich den Verbrauch des neu abgedichteten Motors unter 10 Liter? Wann komme ich dazu, die linke Antriebswellenmanschette zu ersetzen? Wo packe ich den blinkenden 90er-Jahre Interconti Booster Equalizer hin, den ich aus meinem Taunus gerettet habe? :-) Für mehr BUMMS im Dottore. Und wo kriege ich die kleinen Ausstellfensterchen für die vorderen Türen her?
… Aber das hat alles nichts mit dieser weitestgehend Plug and Play getauschten Tachoeinheit zu tun. Die geht nu. Und wenn wieder Blätter an den Bäumen sind sehen wir weiter.
Oder… juckt es Ihnen etwa NICHT in Ihren Schrauberfingern?

Sandmann

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Created Sonntag, 08. März 2015 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Audi 100 Typ 43 | ausbauen | Beleuchtung | C2 | Dimmer | Drehzahlmesser | Kombiinstrument | LS | tacho | tauschen | wechseln Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
07 Mar 2015
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Zu spät geboren

Zu spät geboren

Ende und (Neu)Anfang zweier Marken

Von Sven Bortlisch
Kleinwagen…   1.4 Liter…   Oder sowas wie “87 PS” – dürften bisher nicht zu den Suchbegriffen gezählt haben, die Leser auf diese Seite geführt haben. Eigentlich habe ich sogar ein schlechtes Gewissen, falls sich das nach diesem Beitrag ändern sollte. Ein Lobgesang auf umweltfreundliche, platzsparende Autos soll das hier gar nicht werden, da bin ich hier auch falsch. Als jemand der hofft, irgendwann in seinem Leben einen gebrauchten Jaguar F-Type oder Aston Martin neben den Adam (und den Tesla) stellen zu dürfen, möchte ich einfach ein paar Sätze über die besondere Beziehung zu meinem ersten eigenen Auto beitragen. Ich bin Sven. Und ja – mein erstes Auto ist ein Opel Adam.

In den 90ern geboren beneide ich frühere Generationen, die sich in den 70er/80er Jahren als Student gebrauchte Opel oder Ford Coupés gekauft haben und damit zur Uni gefahren sind. Heute landet man irgendwie zwangsläufig beim Corsa oder anderen vergleichbaren Kleinwagen. Mag vielleicht auch daran liegen, dass die 90er und frühen 2000er Jahre nicht unbedingt die Glanzzeit des guten Designs bei bezahlbaren Autos darstellten und es deshalb an Modellen mit Charakter fehlt. Ein Kadett C Coupé hat für mich eindeutig mehr Charme als ein Tigra. Aber man liest ja eh immer öfter, dass der heutigen Jugend das neueste iPhone wichtiger als das eigene Auto ist. Im Prinzip reichen Bus und Bahn im Ruhrgebiet vollkommen – so lange man nicht nach 23:00 Uhr von Dortmund nach Mülheim muss und der Bahnhof auf der anderen Seite der Ruhr liegt.

Zu spät geboren

Farben der Vernunft

Wäre meine Familiengeschichte eine andere, würde mich das Thema Auto wahrscheinlich überhaupt nicht interessieren und wie den anderen der ÖPNV reichen. Allerdings ist mein Vater KfZ-Meister und hat – wie man Großvater und mein Großonkel – im Opel Werk in Bochum gearbeitet. Die ersten Autos, in denen ich unterwegs war, waren ein Kadett GSi 16v und ein Corsa A GSi. Manta A und GT kenne ich auch nicht nur von Fotos, Vati hatte sie alle und ich war dabei. Später wurde es praktischer und der Kindersitz landete im Omega A Caravan mit sechs Zylindern. Mittlerweile stehen zwar keine OPC-Modelle vorm Haus, aber es gibt sicher vernünftigeres, als einen Corsa D mit dem 130 PS Turbodiesel zu bestellen. Mein Clan ist schon immer Opel verBlitzt gewesen.

Es war also niemand da, der Ende 2013 glaubhaft dagegen argumentieren konnte, sämtliche Ersparnisse für einen nagelneuen Opel Adam zu opfern und die Kreuze bei den Farbkombinationen zu setzen, die einen schnellen Wiederverkauf unmöglich machen (zu dem es aber hoffentlich nie kommen wird). Gelb/Schwarz wäre vielleicht nicht gerade meine erste Wahl gewesen, aber was will man dagegen machen, wenn die weibliche Hälfte des Haushalts ein Auto haben möchte, dass sich aus der Masse abhebt (was im Prinzip nichts schlechtes ist)? Die selbst gewählte, eigenwillige Zusammenstellung sorgt natürlich dafür, dass mir der Kleine noch ein bisschen mehr ans Herz wächst und irgendwie ein bisschen besonderer wird.

Zu spät geboren

Ein bisschen Sandmann steckt in uns allen

Und als wäre das noch nicht genug, wurde mir im Dezember letzten Jahres zusätzlich bewusst: Der Adam besitzt auch in anderer Hinsicht eine Eigenschaft, die ihn von den anderen Autos in meinem Leben abhebt und abheben wird. Viele Stunden meiner Kindheit habe ich damit verbracht, am Werk in Bochum mit meinen Eltern und Großeltern neue Autos zu bestellen und abzuholen. Als Mitarbeiter hat man die Möglichkeit, zu besonderen Konditionen jedes Jahr einen neuen Wagen zu leasen beziehungsweise zu kaufen. Mit der Schließung des Werkes war klar, dass unser Auto das letzte sein würde, welches dort ausgeliefert wurde. Es ist zwar nur ein kurzes Kapitel im Leben, aber es ist zu Ende und es kommt so nicht mehr wieder. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, dass mein Großvater, der quasi von Anfang an in Bochum dabei war, die Schließung nicht mehr miterleben musste.

Der Adam mag zwar nur ein Kleinwagen sein, aber auch ohne Vorgeschichte mit anderen Besitzern konnte er schnell etwas besonderes werden. Oder vielleicht gerade deshalb. Die Geschichten – erleben wir zusammen, er und ich. Wenn mich Jens lässt (und ich hier nicht vom Hof gejagt werde), ließe sich nach diesem Einstieg in Zukunft vielleicht noch das ein oder andere Thema anfangen und fortsetzen. Manche Geschichten beinhalten zwar die Worte „E-Carsharing“ und „BMW i3“, aber warum nicht die Suchanfragen gleich vollkommen in eine falsche Richtung lenken?

Sven

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Created Samstag, 07. März 2015 Tags bochum | erstes auto | Fremde Federungen | gelb | Kleinwagen | opel | opel adam | Opelwerk | Selbstlose Schreiber Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
02 Mar 2015
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Das Lichtschwert deines Vaters

Luke. Ich bin's!

Luke. Ich bin’s!

Die Beleuchteten. Teil 3: LED
Luke! *pchchchch* *zschschsch* Was habe ich seit der Tour im Reyrol von 1909 gelernt? In über 100 Jahren ist nicht viel passiert in der Entwicklung des Mythos Automobil. Es hat noch immer meistens vier Räder, einen Motor, ein Getriebe. Alles wurde nur emsig immer weiter verbessert, das Grundprinzip ist geblieben. Aber nicht – beim Licht (Reim!). Man mag es mögen oder man mag es hassen (aus welchen persönlichen Gründen auch immer), aber im neuen Jahrtausend hat der olle Glühfaden ausgedient. Weg. Britz! *knack* Heute schimmern Halbleiter heller als die Sonne und verbrauchen dabei weniger Strom als der Vibrator der Nachbarin. Das macht die Nacht über Barcelona am Ende der Reise zum Tag.

Die Generation der Hipster

Die Generation der Hipster

Nach Bilux kam ja noch was. Mit Bilux ist das Leucht-Latein ja noch nicht am Ende. Schon in den frühen 60er Jahren gab es H1 und H3 Glaskörper mit Halogenfüllung, 1966 präsentiert Philips die Zweifaden Halogenlampe für Fern- und Abblendlicht. Ja ja, die Niederländer. Seit 1971 (ein wirklich gutes Jahr) kennen Sie diese Zweifadenlampe  in diversen Fahrzeugen als H4 Lampe. Die ist auch heute noch in vielen jung gebliebenen Karren drin und an jeder Tanke zu haben. Jahaaa so alt ist das Teil schon. So alt wie ich. Ich muss unbedingt noch Wein nachkippen, Moment….

Wo war ich?
Fabra leuchtet hell. Vor dem alten Observatorium leuchten neue Autos, eigentlich nicht wirklich im Fokus meiner Begierde, aber einige tragen immerhin einen Stern auf der Nase, und sie alle gemeinsam erhellen die Straße vor ihnen wesentlich besser als all die anderen heute schon gefahrenen Karossen. So schön sie waren – für angemessenes Licht haben sie nicht gesorgt. Gut geschult erklären mir die Jungs an den Lenkrädern der neuen Limousinen, die ausnahmslos meine Kinder sein könnten, die Funktionsweise und die Lichtausbeute dessen, was da vorne strahlt. Luke! Luuuuke!!

Am Observatorium

Am Observatorium

Schon um 1876 erzählte Ferdinand Braun (der mit der Röhre) seiner lauschenden Gefolgschaft etwas über den Stromfluss durch Kristalle. Das war ungefähr zur gleichen Zeit, wie der Jahrmarkt oben auf dem Tibidabo eröffnet wurde. Um 1907, als der Reyrol das Licht der Welt erblickte beobachtete ein Herr Round, dass einige anorganische Stoffe anfangen zu leuchten, wenn man Strom durch sie durchschickt. Es ist nicht überliefert, warum er damals auf gut Glück Strom durch anorganische Stoffe geschickt hat, aber na gut. Das klingt ein bisschen so, als ob ich morgen mal eine … hm … sagen wir mal eine Mango mit einem Zahlencode füttere und schau, was passiert. Oder nicht? Na ja, es hat schon Gründe, warum ich kein Erfinder bin und nicht in den Geschichtsbüchern stehen werde. Es sollte noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg dauern, dann wurde der Transistor erfunden und mit ihm die Erklärung für das Rumgeleuchte von bestimmten Halbleitermaterialien. Nebenbei war das auch der Startschuss für den Computer, wie wir ihn heute kennen. Schlafen Sie schon? Eigentlich ist das voll spannend! 1962 wurde die erste echte Leuchtdiode erwähnt :-) 1977 kam Star Wars in die Kinos. Damals ahnte man noch nicht, dass die Autos bald aussehen werden wie einige der Protagonisten der Weltraum-Oper… Und das mit den Lichtschwertern… nun…

ziemlich hell

ziemlich hell

Das Licht aus modernen Autoscheinwerfern ist nicht zu vergleichen mit dem Gefunzel von Bilux- oder Halogenlampen, so ungern ich das auch zugebe. Das ist schlicht … besser! VIEL besser. Xenon-Brenner der neuesten Generation und LED Scheinwerfer zieren schon längst nicht mehr nur die Gesichter von Oberklasselimousinen. Die Brenner bedienen sich dabei eines Lichtbogens zwischen zwei Wolfram Elektroden, sie sind wesentlich heller und halten vier mal so lange wie Halogenlampen. Vor allem ist ihr Farbspektrum ermüdungsfreier und näher am Tageslicht als das der anderen Leuchtmittel. Und wenn Sie mal derbe geblendet werden – das geht auch mit ollen Bilux Lampen, wenn die Scheinwerfer nicht richtig eingestellt sind. Da kann Xenon nichts dafür :-) In meinem alten Daimler sind auch Xenons der ersten Generation drin, und ich möchte die nicht mehr missen. In den hier umherflitzenden Daimlern sind entweder die allerneuesten Xenons drin oder – LED. Beeindruckend, wie die S-Klasse die nächtliche Straße vor ihr gestochen scharf in einen fröhlichen Tag verwandelt.

LED der ersten GenerationDas Lichtschwert deines Vatersvon hinten erkennnbar...

Ich habe wahrlich genug gesehen, um von einem völlig anderen, mir bisher nicht bekannten Lichtsystem überzeugt zu sein. LEDs waren in meiner Welt bis dato nur in Lichterketten am Weihnachtsbaum, in Schaltern oder maximal in Kombiinstrumenten. Das sind sie noch immer, und ich will eigentlich nie wieder aus dieser S-Klasse aussteigen (Sie sehen das Interieur im Aufmacherbild, das ist schon… ziemlich geil). Die Jungs bei Philips haben tatsächlich über die Jahrzehnte nicht geschlafen und eine Menge auf den Weg beleuchtetes gebracht. Dass man Mittel und Wege finden wird, so viel Strom durch einen geschickt kombinierten Halbleiter zu schicken, dass er reinweiß und hell leuchtet, hätte ich mir während meiner Ausbildung zum Kommunikationselektroniker Anfang der 90er nicht träumen lassen. Okay, damals hatten Computer auch noch 4MB RAM und Festplatten waren 70MB groß. Das Internet stand noch vor der Tür und überhaupt ist das alles schon ziemlich lange her. Mehr Wein! Luuuuuuke!!!! *chchchch* *tschschsch*

Das Lichtschwert deines Vaters

Wein können sie, die Spanier

Wein. Daran mangelt es hier in Südspanien nicht. Ich muss heute nicht mehr fahren, also was soll’s. Bevor es mit den 2015er Limousinen runter in eine Cocktailbar nach Downtown Barcelona geht lerne ich noch ein wenig über die Lasertechnologie, die schon vereinzelt zum Einsatz kommt. Laser. Als Lichtquelle. Luke? Aber davon werden mir meine Kinder vermutlich dann irgendwann mehr erzählen können, wenn das Serie geworden ist :roll: Krass was da geht, und beeindruckend, wie Philips alles ins Licht gesetzt hat. Das war definitiv mal eine Veranstaltung, die ein bisschen… anders als die anderen war. Vielleicht ist es der Wein, vielleicht die Masse an Eindrücken… aber ich werde schon wieder ein bisschen pathetisch. Vielleicht ist es auch einfach dieser sagenhafte Blick aus den Bergen runter auf diese spanische Stadt, die niemals schläft.

Das Lichtschwert deines Vaters

Am Ende ist wohl alles Licht

*phschschsch* *hhhhhhchchchchch* Luke! Luke!!! So, ausgereizt der Gag, ja, Lasertechnologie wird es bald auch in IHREM Auto geben und das Lichtschwert gehört nicht meinem Vater. Der hat noch H4 Lampen in seinem Space Star. Glaube ich. Ich lege mal den Mantel des Schweigens über den Rest der Nacht, aber ich kann versichern, dass ich ordnungsgemäß mir dem letzten Shuttle wieder hoch zum Hotel gefahren bin. Das haben bei weitem nicht alle geschafft, wie ich am nächsten Morgen erfahre :-)
Ich bin in diesen Tagen eine Menge sehr abgefahrener und besonderer Autos gefahren. Das muss ich erstmal verdauen. Was haben Sie denn so an Licht vorn in Ihrem Auto? Na? Gar was von Philips? Würde mich nicht wundern. In diesem Sinne – Prost.
Luke!!!

Sandmann

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Created Montag, 02. März 2015 Tags Barcelona | Bilux | Fremde Federungen | H4 | Laser | Philips | S-Klasse | xenon Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz