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08 Dec 2009

Die klassische Hutablage

Am Ende des Autos fängt es anEs regnet. Es stürmt. Es hagelt. Zeit und Muße, ein lange irgnoriertes Kapitel aufzureißen: Was steht eigentlich so auf den deutschen Hutablagen rum? Wenn Sie einen Kombi haben, dürfen Sie weiterblättern, Sie spielen nicht mit. Und alle anderen? Verkommt der gute Wackeldackel aus den 70ern zu einem billigen China-Nachbau-Scherz aus dem 1-Euro-Shop? Liegt da bei Ihnen vielleicht sogar ein HUT, wie der Name vermuten lässt? Wann haben Sie zuletzt einen Autofahrer unter 80 mit einem Hut auf dem Haupt gesehen? Na gut, ich mache einen Anfang und stelle Ihnen meinen Schrein jenseits der hinteren Kopfstützen vor. Und verkneifen Sie sich das Lächeln, ich mein es ernst.

"Die Hutablage bezeichnet den waagerechten Bereich im Automobil zwischen Heckscheibe und Rücksitzlehne" sagt irgend jemand bei Wikipedia. Das war einmal so, damals, in den Zeiten der Limousinen. Heute, wo SUVs und Kleinstbusse den flexiblen modellverwässernden Automobilmarkt wie eine Pest unterwandern, endet mit der Heckscheibe zumeist das ganze Auto, zwischen ihr und dem Rücksitz befindet sich maximaler Stauraum, aber keine Hutablage. Ein ernstes Problem für jeden Lautsprecher-Einbau-Freak, wohin mit den Dingern??? Und wohin bloß mit all den anderen schönen Sachen?

Regen über dem schimmernden SchreinZwischen meinen BOSE-Boxen befinden sich seit einigen Jahren genau vier Dinge, und die werden da wohl auch bis in alle Zeit bleiben. Von draußen sieht man , wenn überhaup, nur die braune Mütze mit dem Bommel... Ja, es ist wahr, ich habe seinerzeit meine Oma gebeten, mir für meinen Audi 100 5E Typ 43 bitte ein Klorollen-Mützchen zu häkeln, mit Bommel oben drauf und mit einer Troddel. Insofern authentisch, einzig die braune Farbe harmonierte damals ein wenig besser mit dem vorhandenen Interieur. Nun, so eine Klorolle gehört in der Retro-Generation einfach dazu, und seien wir mal ehrlich, wie oft haben meine Kinder schon nach hinten gegriffen und sich mit dem Klopapier die eisverschmierten Münder abgewischt? Eine tolle Sache, praktisch, preiswert, dekorativ. Kann ich nur jedem empfehlen.

KlausBitte folgen Sie mir nach links. Gegenüber fällt ein gerahmtes schwarz-weißes Bild hinter Glas auf, aber nur, wenn man neben dem Auto steht und reinschaut. Ich werde manchmal gefragt, ob das Brösel ist oder Werner, "wie cool, du hast ein Foto von dem?" Nein. Das ist Klaus. Klaus ist so alt wie ich und am 1. Mai 2005 gestorben. Auf seiner Trauerfeier habe ich ihm zum Abschied ein Lied gesungen. Es standen eine Menge gerahmte Fotos von dem Guten rum, und ich habe eins mitnehmen dürfen. Lange Zeit ist er auf dem Beifahrersitz mitgefahren, und ich habe ihm gezeigt, wie die Welt jetzt ohne ihn so aussieht. Heute guckt er durch die Heckscheibe die Wolken und die Sterne an. Wenn es regnet, denke ich oft an ihn.

Zwischen den PsalmenNeben Klaus liegt eine Bibel. Jetzt denken einige, ich sei unter die Prediger gegangen. Nein, nein, ich glaube zwar an einen Gott, aber ich versuche das nicht meinen Mitmenschen aufzudrängen. Es handelt sich um eine altdeutsche Bibel, wie sie früher in jedem Hotelzimmer zu finden war. Auf einer grandiosen Party vor einer Disco auf Fehmarn in meinem Cadillac Eldorado (die Party IN der Disco war katastrophal) haben Markus, Joe, Jan und ich uns aus dieser Bibel vorgelesen, N-Joy-Radio gehört, und eine Menge Bier und Cheeseburger verdrückt. Ich habe einige gute Erinnerungen an diesen Abend, vielleicht war es einer der letzten unbeschwerten Abende meiner Zeit. Die Bibel ist geblieben, sie ist alt und abgegriffen und macht sich gut auf der Hutablage. Niemand liest mehr daraus vor, aber bei schwierigen Überholmanövern ist sie noch immer dabei.

Das Kreuz aus Messing rundet die vermeintliche Religiösität hinter Glas noch ab, ich hab es seit meiner Konfirmation und es passt ganz gut zur Bibel. Wenn schon, denn schon. Meine Kinder nehmen es manchmal und schauen sich die Bilder darauf an. Da habe Sie jetzt nicht mit gerechnet, wie? Ein nachdenklicher Sandmann... Noch dazu mit so einem Jesuskrams. Das ist da halt alles hinten so drauf, wenn Sie sich belästigt fühlen, stellen Sie eben bei sich was anderes da hin.

Klaus ist immer dabeiEinen Hut tragen dieser Tage nur noch wenige Menschen. Ich finde das eigentlich schade, denn es gibt noch immer ziemlich coole Hüte zu kaufen. Aber in heutigen Autos ist ohnehin nicht daran zu denken, einen Hut zu tragen, Kopffreiheit ist dem Windkanal gewichen. Na ja, und weglegen kann man ihn ohne Hutablage ja auch nicht... Vielleicht denken Sie jetzt über eine Neuorganisation Ihres Heck-Schaukastens nach? Nehmen Sie doch mal die Schalke-Wimpelkette raus und hängen was neues auf. Waschen Sie mal das Kuschelkissen, auf das Oma Ihr Nummernschild gestickt hat. Und schimpfen Sie mich bitte nicht aus, weil bei einem Unfall meine vier Teile wie Geschosse nach vorne fliegen können. Schließlich sind es gutherzige religiöse Fragmente, und die Klorolle ist samtweich.

Es regnet noch immer. Lebe wohl, Klaus. Was du jetzt wohl gerade machst?

Sandmann

Created Dienstag, 08. Dezember 2009 Created by Sandmann Categories Timeline Tags audi v8 | Bibel | Heckablage | Hutablage | Klorolle | Sandmann
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03 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Endgültig hin.

Ich schweiße seitdem ich etwas mit Autos am Hut habe immer noch mit meinem ersten Scheißgerät, einem Einhell SGA 175 Turbo. Neu gekauft, wenn ich mich recht erinnere, im Jahre 1992 beim seligen Praktiker. All den Vorurteilen gegenüber Baumarktgeräten - ich finde 23 Jahre kein schlechtes Alter für ein Schweißgerät, das angeblich nur von 12 Uhr bis Mittag halten soll. Man muss dazusagen, dass in späteren Geräten mit derselben Bezeichnung weniger drin war, als noch in meinem guten Freund, dem Einhell.

Letzthin fragte mich ein Kumpel, ob ich im in Mainz etwas schweißen könnte. Ich sagte ihm, dass ich nicht "schön" schweißen kann, das war ihm egal. Na gut, dann musste er durch. Gestern hab ich das dann durchgezogen. Schweißgerät eingepackt und hingefahren.

Endgültig hin.

Aufgebaut, die ersten Punkte gesetzt und huch! Aus der Pistole kam kein Gas mehr. Buddel alle? Kann nicht sein. Aber aus dem Druckminderer zischte es. Ich hab alles durchgecheckt von der Gasflasche bis zur Pistole, da stimmte alles, der Fehler musste im Druckminderer liegen. Da, wo das Gas ausströmte, ist das Gehäuse verpresst. Na danke. Aber das Teil war eh nur so halb in Funktion. Die Gläser der zwei Instrumente waren schon vor Jahren abgefallen, der Zeiger des Gesamtdrucks schon ewig ohne jegliche Funktion. Aber man konnte noch mit Schweißen.

Endgültig hin.

Der Druckminderer hat es nun wohl endgültig hinter sich. Alles aufgebaut, ich wollte schaffen - also ab in den Bauhaus Baumarkt. Das war eben der, der am nähesten war. Die verkaufen auch Schutzgasschweißgeräte - Druckminderer haben die aber nicht. Verkaufen sich wohl nicht. Ich hab einen Laden gefunden, die ausschließlich Schweißtechnik verkaufen.

"So ein billiges Zeug führen wir nicht. Das taugt ja eh nix". Als ich dem Verkäufer gesagt habe, wie lange das getaugt hat - das Gesicht war Gold wert. Gut, die hatten nur hochwertigere Druckminderer, den der Verkäufer als einfachen Standard bezeichnete. Im Internet hätte ich auch für weniger als die Hälfte einen bekommen, aber ich wollte ja noch am selben Tag schweißen. Da musste ich dann durch. Für mich purer Luxus:

Endgültig hin.

Dass mein Schweißgerät danach deutlich besser geschweißt hat, ist wahrscheinlich reine Einbildung, aber irgendwie muss ich mir diese Ausgabe jetzt Schönreden ;-)

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Werkstatt/endgueltig-hin

02 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Karl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202

Fahrbericht Opel Karl

Noch nicht erstelltKarl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202

Kein holländischer Käse, der Karl ist durchaus gut gemacht.

Die Liste seiner Konkurrenten ist lang, sehr lang. Vw Up!, Renault Twingo, Hyundai i10 über den Toyota Aygo (und natürlich die entsprechenden Brüder dieser Modelle mit anderem Markenemblem) bis hin zum Fiat Panda. Der Opel Karl wird es also nicht leicht haben. Er tritt mit 367 cm Länge an, um seine Konkurrenten das Fürchten zu lehren, und einer Breite von nur gut 160 cm (ohne Aussenspiegel), da sollte er auch engste Gassen schaffen. Und, man kann den ausschliesslich als Fünftürer lieferbaren Karl auch als Fünfsitzer haben, was in dieser Fahrzeugkategorie keineswegs der Standard ist. Aber sonst? Was kann der Karl, was andere in seiner Klasse nicht können? Das ist nach den ersten kurzen Testfahrten im topografisch nicht gerade spannenden Umland von Amsterdam schwierig einzuschätzen. Zumal wir ja nicht zu den Kleinwagen-Spezialisten gehören. Wir versuchen trotzdem, was intelligentes über den Karl zu schreiben. Zum Beispiel, dass sich die hinteren Seitenscheiben öffnen lassen und komplett in den Fondtüren verschwinden. Das kann fast niemand in dieser Fahrzeugklasse. Oder, dass er mit 75 PS ziemlich üppig motorisiert ist. Der Dreizylinder mit einem Liter Hubraum wurde laut Opel extra für den Karl entwickelt. Wir sagen, sie haben beim normalen Dreizylinder einfach den Turbolader weggelassen. Egal, die 75 Pferdchen sind okay für so ein Auto. Nicht okay finden wir: wenn man schon ein Triebwerk für ein einziges Modell entwickelt wäre es heutzutage wohl opportun, eine Stopp-Start-Automatik zu integrieren, oder? Wobei, der Motor wird wohl auch in einem anderen Modell seinen Dienst tun, nur werden wir das in Europa nie sehen. der neue, kleine Chevrolet soll die technische Basis mit dem Karl teilen. Aber GM hat ja beschlossen, die Kimchi-Chevy's nicht mehr in Europa zu verkaufen.Karl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202

Kein holländischer Käse, der Karl ist durchaus gut gemacht.

Karl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202

Wie gesagt, so richtig Dampf hat der Karl nicht, aber da steht ihm ein Renault Twingo oder ein Hyundai i10 in nichts nach. Bei diesen Autos geht es ja auch höchstens um die Kinderwagen-Nordschleife, auch bekannt als Ikea-Parkplatz. Aber, fahren und vor allem federn tut der kleine Opel hochanständig. Und, die Geräuschdämmung ist ebenfalls hervorragend. Also, wenn kein Sportmotor dann auch kein Sportauspuff und kein Sportsound. Da ist es nur konsequent von Opel das man versucht hat, dass Auto so leise wie möglich zu machen. Was uns auch gefallen hat ist der Armaturenträger. Klar gegliedert, schön aufgeräumt und ohne die unzähligen Schalterchen, die so viele Opel-Modlele zieren. Dazu Sitze die, zumindest vorne, wirklich gut sind und ordentlich stützen. Je länger wir mit dem Karl unterwegs sind, desto mehr freunden wir uns mit ihm an. Für den Stadtbetrieb hat man ein Feature verbaut, dass man sich bei Allianzpartner Fiat abgeschaut hat. Es gibt eine City-Taste für die Lenkung. Drückt man die, kommt man sich vor wie am Steuer eines Cadillacs aus den 60ern. So leichtgängig ist das dann. Und so - ungenau...Karl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202

Kein holländischer Käse, der Karl ist durchaus gut gemacht.

Karl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202

Karl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202
Karl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202
Karl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202
Fahrwerk: Check: Motor, naja, auch Check. Sitze vorne: Check. Kofferraum? Ja, der Kofferraum, der ist: klein. Klar klingt es toll, wenn man in der Pressemappe etwas von 1013 Litern schreiben kann. Aber das ist der maximale Stauraum, wenn man die Rücksitze anklappt. Das ist etwas kompliziert, wir empfehlen den Ingenieuren aus Rüsselsheim mal einen Blick zu Honda (Jazz). Da spielt die Musik in Sachen Variabilität. Klappt man die Sitze nicht ab sinds dann noch: 215 Liter. Das ist okay, aber von einer Revolution ist der Karl in etwa so weit weg wie Amsterdam von drogenfreien Coffee Shops... Trotzdem, wir wollen auch Loben. Das Gewicht zum Beispiel. Deutlich unter einer Tonne wiegt der Fünftürer, das ist sehr okay. Und, er soll mit 4,5 Liter pro 100 Kilometer auskommen. Das könnte einigermassen realistisch sein, weil: kein Turbo. Mit einem speziellen Eco-Paket (Spoiler am Heck, spezielle Reifen) sollen sogar 4,3 L/100 km möglich sein. Wir werden es testen, irgendwann.
Cool ist auch die Sicherheitsausstattung. ESP, Traktionskontrolle (wozu bloss???) und eine Berganfahrhilfe sind ebenso serienmässig wie sechs Airbags. Wer etwas mehr ausgeben will als die 11'950 Franken, die ein Basis-Karl kostet, bekommt auch einen Tempomaten, Sitz- und Lenkradheizung und natürlich ein Multimediasystem, wie es «besser nicht sein könnte». Und, wer nicht die Basisversion nimmt, muss dann auch nicht auf 14-Zoll-Stahlfrädern vors schicke Innenstadt-Café rollen.
Ohne zynisch zu sein: Der Opel Karl kann was, aber er kann auch nicht viel mehr als seine Konkurrenten. Opel will 1000 Autos loswerden (im ersten Jahr), das scheint realistisch. Aber, ob der Kunde bei der Opel-Auswahl bei den Kleinwagen (Adam, Corsa, Karl) noch weiss, was er nun kaufen soll? Wir wissen, dass der Karl gut gemacht ist, sehr komfortabel und leise fährt. Aber aus emotionalen Gründen wird ihn wohl niemand in seine Garage stellen.
Mehr Opel gibts im Archiv.

Karl, nicht der Grosse, Fahrbericht Opel Karl 2202

Kein holländischer Käse, der Karl ist durchaus gut gemacht.

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/fahrbericht-opel-karl-2202/seite_1-2

02 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Peter Ruch  

Freudenspender, Fahrbericht Honda Civic Type R-1709

Fahrbericht Honda Civic Type R

Fahrbericht Honda Civic Type R

Gut, so ein Allradler ist schwerer. Und sicher auch langweiliger. Aber man darf sich in Anbetracht des Honda Civic Type R schon fragen, wieviel Kraft es allein auf die Vorderräder noch erträgt. Ob das auch wirklich Sinn ergibt, dass der Japaner jetzt «benchmark» ist bei den frontgetriebenen «hot hatches», 310 PS, 400 Nm maximales Drehmoment, 5,7 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100, Vmax 270, knapp über 7:50 auf der Nordschleife. Wir wagen da mal die Prognose: es wird dies der letzte frontgetriebene Type R sein. Und fügen da gleich noch dazu: allein das ist schon ein guter Grund, sich dieses Fahrzeug zuzulegen. Denn, eben, die Zukunft wird nicht besser, nur schwerer. Und langweiliger.

Er zeigt noch andere Grenzen auf, der schnellste Civic. Seine optischen, zum Beispiel: man muss schon ein paar Folgen zu viel von «Fast & Furious» gesehen haben, um das noch wirklich toll zu finden. Der mächtige, immerhin schön geschwungene Flügel hinten geht ja noch einigermassen, da lässt sich ja gut die Espresso-Tasse auf der richtigen Höhe abstellen, aber es gibt halt auch sonst Spoilerchen und Flügelchen und Flaps allerorten. Und eine vierflutige Auspuffanlage, die nur Show ist, aufgesteckt auf zwei dünne Röhrchen. Auch innen ist es ein bisschen too much, erstens einmal die Anzahl der verwendeten Materialien, die man kaum mehr zählen mag, zweitens die Mischung aus Standard-Civic und Type-R-Insignien, die nicht überall total gelungen ist. Aber die Geschmäcker sind ja zum Glück verschiedenen, nicht alle brauchen die Haptik, Ergonomie und Effizienz der Volkswagen-Gruppen-Produkte. Schön, liebevoll gemacht ist der Civic aber auf jeden Fall, Honda erhebt zwar nicht den ewigen Premium-Anspruch, doch qualitativ sind die Fahrzeuge immer auf sehr hohem Niveau.

Fahrbericht Honda Civic Type R
Fahrbericht Honda Civic Type R

Was man ebenfalls uneingeschränkt loben kann: die Sitze. Die zweitbequemsten Schraubstöcke, ever. Was noch viel mehr Lob verdient: dieses winzige Schältstöcklein. Es liegt perfekt zur Hand (mir zumindest), richtige Entfernung, richtige Höhe. Und man bedient damit vielleicht eines der aktuell besten Getriebe überhaupt, wunderbar kurze Wege, ausgezeichnete Präzision - und perfekte Anschlüsse. Dass es den Type R nur mit dem manuellen 6-Gang-Getriebe gibt, ist auch eine deutliche Ansage: ein Auto für Fahrer will er sein, der beflügelte Civic.

Nun, dem können wir nicht ganz zustimmen: es ist da schon ganz viel Elektronik am Werk. Gut, das ist immer so, sowieso dann, wenn es noch ein Knöpfchen gibt, mit dem sich ein Wagen scharf stellen lässt: beim Honda ist es links aussen, der R-Modus.

Honda Civic Type R
Honda Civic Type R
Honda Civic Type R
Honda Civic Type R
Honda Civic Type R

Dann werden die Ührlein rot, die Lenkung wird schwergängiger, der ganze Wagen steifer, die Gasannahme nochmals verschärft, der Ton etwas rauher. Um ehrlich zu sein: erst dann wird der Honda zum Spielzeug, das man in ihm erwarten will. Im Standard-Modus ist er etwas zu weich, vor allem an der Hinterachse, die in schnell gefahrenen, engen Kurven ein erstaunliches Eigenleben entwickelt. Im R-Modus liegt der Wagen aber wie ein Brett, herrliche Präzision, ausserordentliche Balance - das ist so gut, dass das ESP, zwar grosszügig ausgelegt, kaum mehr ja eingreift, auch auf der Rennstrecke nicht. Was natürlich auch am Limited Slip Diffential liegt, dessen Abstimmung Honda aus den WTTC-Autos übernommen hat. Auch die Bremse ist fein, vorne Brembo, 350 Millimeter, innenbelüftet, sehr gut dosierbar, auch über längere Strecken rennstreckentauglich; hinten sieht es allerdings etwas dürr aus, auch optisch.

Dass es Honda mit den Motoren kann, ist ja nicht wirklich neu, die Japaner sind ja schliesslich die grössten Motorenhersteller der Welt. Auch der 2-Liter-Vierzylinder, der erstmals die Honda-VTec-Technik mit einem Turbo kombiniert, ist ein wirklich feines Aggregat. Zwar geschieht bis etwa 2400/min nicht viel, doch dann wird vom klein dimensionierten Gebläse herrlich Druck aufgebaut, wunderbar linear bis 7000/min; ein Schaltblitz zeigt an, was man akkustisch ja auch längst mitbekommen hat. Und dann muss man ja sowieso die nächste Welle reinhauen, was aber, wie geschildert, mit dem Traum-Getriebe eine wahre Freud' ist. 7,3 Liter will das Wunderwerk auf 100 km verbrauchen, das ist ein beachtlicher Wert ist diesem Feld der kleinen Sportler. Knapp 1400 Kilo Kampfgewicht sind aber auch eine gute Ansage, da können nur wenige Konkurrenten mithalten.

Honda Civic Type R

Wir fuhren den flotten Civic zuerst auf der Strasse, dann auch auf der Rennstrecke, dem nicht ganz einfachen Slowakia-Ring. Im Alltag ist der Honda zivil genug, um auch mal Brötchen holen zu fahren, zwar hart, aber nicht unkonfortabel, zwar laut, aber nicht Prolo, optisch zwar ziemlich aufdringlich, aber das sieht man ja nicht, wenn man drinnen sitzt. Auch der Wochenendausflug ist keine Qual, der Viertürer ist so geräumig, wie es Fahrzeuge in diesem Segment halt sind. Auf der Rennstrecke macht er seine Sache auch ausgezeichnet, wir durften ihn 10 Runden prügeln, was er ohne Probleme schaffte. Einzig die Reifen, eine spezielle Entwicklung für den Type R von Continental, 235/35 R 19 (rundum, also nicht vorne breiter...), waren nicht besonders begeistert, aber dafür darf man Verständnis haben; mit Semi-Slicks dürfte der Spass richtig gross werden im Honda. Wir, die wir ja auch mangels Können nicht auf der Jagd sind nach Hunderstelsekunden, schätzen die Balance, die Leichtigkeit und Souveränität, mit der sich der Type R der Herausforderung stellt, auch Fehler verzeiht - und kaum je über die Vorderräder weggeht. Da kennen wir Allradler in diesem Segment, die es viel heftiger nach aussen drängt. Ausserdem: kaum spürbare Einflüsse auf die Lenkung, auch wenn man da voll auf dem Pinsel steht am Kurvenausgang.

Und dann schreiben wir dann auch mal noch von Geld: 36'000 Franken kostet so ein Honda Civic Type R in der Schweiz in der Basis, mit dem eigentlich unabdingbaren GT-Paket sind es 39'000 Franken. Damit ist der Honda immer noch ein Schnäppchen, schlägt sogar den Subaru WRX STi, der bisher am meisten PS fürs Geld bot (ok, der hat dann halt auch noch Allradantrieb...), vom Golf R (auch mit Allrad) ganz zu schweigen. Als härtesten Konkurrenten sehen wir den Seat Leon Cupra (ganz besonders fein: als ST) und vielleicht noch den nicht mehr ganz taufrischen Renault Megane R.S.. Doch der Type R, von allen am konsequentesten auf puren Fahrspass ausgerichtet, dürfte derzeit bei den «hot hatches» schon die Zielgrösse sein. Und das sicher nicht nur deshalb, weil er das beste Verhältnis von Preis zu Leistung bietet.

Mehr Honda gibt es in unserem Archiv.

 

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/fahrbericht-honda-civic-type-r-1709/seite_1-2

02 Jun 2015

Brohltal Classic 2015 – Die Oldtimerrallye der Burgen

6. Brohltal-Classic

Mit dem Audi 80 Avant 2.8 quattro auf der Piste der Brohltal Classic 2015.

Die sportliche Oldtimerrallye Brohltal Classic ist eines meiner Highlights auf der Piste - Jahr für Jahr! Beim Oldtimer Sport in der Eifel heißt es in den Wertungsprüfungen Sollzeiten und Gleichmäßigkeitsfahrten auf den Sekundenbruchteil genau absolvieren – und sonst nichts! Ein Tag, ein Auto, ein Fahrer und ein Gehirn auf dem Beifahrersitz mit Uhren und Bordbuch voll beschäftigt. Vollkommenheit!

Presse-Nennung für Team MotorMarketing

Bereits zum 3ten Mal hatte ich zur Brohltal Classic, der Oldtimerrallye des AMC Brohltal e.V., genannt. Eigentlich war für mich die Nennung mehr Formsache, denn mit meiner Agentur MotorMarketing mache ich nun bereits im zweiten Jahr die Pressearbeit und die Facebook Fanseite zur Brohltal Classic Rallye. Und in diesem Jahr war die Veranstaltung bis zum nahezu letzten Platz ausgebucht. Langer Rede, kurzer Sinn – Der Quattro war wieder mit am Start.
Brohltal Classic Oldtimerrallye 2015 - 28

Das Gehirn sitzt rechts

Brohltal Classic Oldtimerrallye 2015 - 21

Vor der Rallye heißt es Bordbuch checken.

Nicht ganz gewöhnlich war in diesem Jahr die Besetzung auf dem Beifahrersitz. Ganz kurzfristig musste hier mein Freund Frank einspringen, da meine rallyeerprobte Partnerin krankheitsbedingt ausgefallen war. Frank hatte bisher noch nie an einer Rallye teilgenommen und hatte somit auch keine Ahnung, was ein Co-Pilot mit den Computern, Rechnern und dem Bordbuch macht. Das bedeutete am Vorabend eine regelrechte Rallye-Druckbetankung. Zwei Stunden lang den Umgang mit Rallyehandbüchern, Bordbüchern, Rechner, Schnitttabellen und Co lernen. So fand sich der Gute am nächsten Morgen neben mir am Start der Brohltal Classic 2015.

Mit der noch freien dritten Hand

Brohltal Classic Oldtimerrallye 2015 - 69

Kurze, aber sehr willkommene Wartepausen vor den Wertungsprüfungen der Brohltal Classic.

5, 4, 3, 2, 1, ab. Pünktlich auf die Sekunde ging es dann für uns um 10:22 Uhr auf die Strecke. Nach wenigen Minuten wusste ich, dass ich Frank getrost die Streckenführung überlassen konnte. Das Nullen am Scheitelpunkt, das Anzählen der Abzweigungen und die Vorbereitungen auf die Wertungsprüfungen. Passt! Auch in den WP´s kam Frank erstaunlich gut zurecht. Kilometrierung nullen, Stoppuhr starten, Schnitt lesen und mit der noch freien dritten Hand umblättern. Ich hatte somit vollkommen Zeit mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Fahren und eine der wohl schönsten Strecken der letzten Jahre genießen!

Eine Burgenreise von Schiefer bis Lavagestein

Ernsthaft – So viele Burgen wie bei der Brohltal Classic habe ich noch bei keiner Oldtimerrallye gesehen. Ob Genovaburg in Mayen, Burg Pyrmont, Burg Eltz oder Burg Olbrück bis hin zum alten Kloster am Laacher See, um nur ein paar zu nennen, führte der AMC Brohltal e.V. seine Teilnehmer auf eine Reise durch Burgen und Lavagestein.
Brohltal Classic Oldtimerrallye 2015 - 33
Die Streckenführung dieser Oldtimerrallye war dieses Jahr wirklich genial. Das Roadbook führte die Teilnehmer in Young- und Oldtimer über schmale, abgelegene Sträßchen der Eifel bis hinab an die Mosel. Wenig später ging es gleich wieder hinauf in die Eifel. Es war extrem kurzweilig, denn ein stetiges Auf-und-ab bestimmte das Treiben. Rund um das Brohltal blieben auf der Strecke über Mayen, Hatzenport, Treis-Karden bis hinüber nach Bad Breisig und das Brohltal selbst die kleinsten Straßen kaum unentdeckt. Steile Schieferlagen an der Mosel wechselten sich mit Birkenalleen am Rhein ab. Nur zu gerne haben wir auf den kurvigen Straßen der Zwischenetappen dem Quattro freien Lauf gelassen, um an anderer Stelle wieder inne zu halten.
Brohltal Classic Oldtimerrallye 2015 - 25

 

6. Brohltal-Classic

Immer diese Zivilisten in den WP´s ...

 

Sollzeit und Gleichmäßigkeitsprüfungen

Am Abend und acht Wertungsprüfungen später führte uns das Bordbuch zurück zum historischen Bahnhof der Brohltal Eisenbahn in Kempenich-Engeln. Bordkarte abgeben und auf die Ergebnisse warten, hieß es dann. Und die folgten im 10 Minuten-Takt. WP für WP wurde ausgehängt und die Teilnehmer drängten sich um den Aushang. Am Ende hatten wir es doch wirklich auf den 9ten Platz in der Gesamtwertung geschafft. Nicht ganz ohne stolz, denn die Brohltal Classic war leistungsmäßig gut besucht, wurde sie unter anderem als Wertungslauf der ADAC Südwestpokal Meisterschaft gewertet.
Brohltal Classic Oldtimerrallye 2015 - 80
Beim darauf folgenden leckeren Buffet konnten wir dann den Tag in der Runde Aller noch einmal Revue passieren lassen und das ein oder andere Kaltgetränk genießen. Bereits in der Mittagspause hatte der AMC Brohltal für eine sehr willkommene Rast am Ufer der Mosel gesorgt. Wie bereits im Vorjahr wurde hier das Hotel Restaurant Pfeiffer außerhalb von Brodenbach gut gewählt.
Brohltal Classic Oldtimerrallye 2015 - 61

Auf Wiedersehen bei der Brohltal Classic 2016

Brohltal Classic Oldtimerrallye 2015 - 106

In den Top 10 der Gesamtwertung reichte es für uns mit dem 4ten Platz in unserer Klasse sogar noch in die Pokalränge.

Zum Abschluss bleibt es mir nur noch einmal beim AMC Brohltal danke für die gelungene und top organisierte Veranstaltung zu sagen. Ich hoffe auch nächstes Jahr wieder am Start der Brohltal Classic 2016 sein zu können. Danke aber auch an Frank für den spontanen und wirklich hervorragenden Einsatz auf dem Beifahrersitz! Bis zum nächsten Mal!

Ihr möchtet noch mehr Bilder zu Brohltal Classic 2015 sehen? Rund 200 Stück gibt es dieses Mal in der eigenen Galerie auf GermanMotorKult mit einem Klick.

Brohltal Classic Oldtimerrallye 2015 - 111

Gesamtsieger der Brohltal Classic 2015 - Joachim und Antje Diesler mit Fahrtleiter Horst Friedrichs (links) und dem 1. Vorsitzenden des AMC Brohltal e.V. Christian Vormann (rechts)

 

Street-Fotografie by PhotoAHRt.de

Bilder von der Strecke findet Ihr nicht nur hier in der PhotoAHRt-Galerie auf GermanMotorKult, sondern auch auf der Homepage der Street-Fotografen! Das Team von PhotoAHRt finanziert sich ihr Hobby durch den Verkauf von Bildern. Unterstützt die Jungs dabei und ladet Euch die Bilder dort zum kleinen Preis runter.

Michael Peschel

Michael ist der Inhaber von GermanMotorKult. Gleichzeitig auch Verfasser der meisten Artikel im Blog Magazin. Zudem Social Media Spezialist, Editor und Inhaber der Agentur MP Medien sowie MotorMarketing.

Original http://germanmotorkult.de/brohltal-classic-2015-die-oldtimerrallye-der-burgen/

02 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Endlich einmal wieder ein Cooles Framo Hot Rod Projekt

Auf Facebook wurde ich von einem Freund auf ein tschechisches Framo Hot Rod Projekt hingewiesen. Der Wagen ist noch nicht fertig, aber man kann sehen, dass da etwas wirklich Cooles am Entstehen ist. Basis war auch hier ein verotteter alter Framo V901/2.

Framo V901/2

Jirka von HAMASAKR Customs geht da seinen eigenen Weg. Er hat einen eigenen Rahmen gebaut und verwendet die Achsen und den Motor von einem Lada Zhiguli (in Deutschland als Lada 1200 verkauft).

Framo Hot Rod

Um anständig auf Tiefgang zu kommen, arbeitet er mit einem Airride Fahrwerk.

Airride

Airride

Da er wahrscheinlich den Radstand vom Lada übernommen hat, hat er einen geringeren Radstand und so bekommt er mit dem originalen Fahrerhaus auch vernünftige Proportionen hin. Die Karosserie ist wirklich stimmig geworden.

Framo Hot Rod

Die Ladefläche und die hinteren Kotflügel sind tief heruntergezogen. Ich nehme mal an, das Bild entstand mit heruntergelassenem Airride.

Framo Hot Rod

Die vorderen Kotflügel hat er verbreitert, indem er einen Blechstreifen eingesetzt hat. Vielleicht sollte ich das auch tun, um meine Räder weiter freigängig zu machen.

Framo Hot Rod

Ich finde, das ist alles sehr stimmig geworden, was Jirka da gebaut hat.

Framo Hot Rod

Wenn Ihr mehr über das Projekt wissen wollt, verfolgt Jirka auf Facebook.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/endlich-einmal-wieder-ein-cooles?blog=16

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01 Jun 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Abdeckkappen für exakt 10 Cent

Ich mag Autowaschen nicht. Das letzte Mal habe ich den Titan vor dem Lacken gewaschen. Obwohl? Könnte auch sein, dass ich den Dreck beim Abschleifen mit abgetragen habe. Aber am Freitag hatte ich den Titan unter einem Baum geparkt, der bei Regen eine ekelhafte klebrige Schicht hinterlassen hat. Wi-der-lich. Man konnte den Wagen nirgendwo mehr anpacken, ohne klebrigen Hände zu bekommen. Es ging nicht anders, ich musste ihn Waschen.

Waschanlage

Unter Kennern hat die Zastrow Lufthutze den Spitznamen "Vogeltränke". Beim Waschen sieht man warum - sammelt sich wunderbar das Wasser drin.

Waschanlage

Da der Wagen frisch gewaschen war, dachte ich, das wär eine gute Gelegenheit mal wieder ein paar Bilder zu machen mit den neuen Anbauten bei Tageslicht.

Focht Titan

Focht Titan

Focht Titan

Focht Titan

Ich muss sagen: Ja, er wirkt jetzt ausgewogener. Als ich die Haube mit der Hutze montiert hatte, da war es sehr unausgewogen. Vorne überladen, der Rest quasi nackt. Das passte einfach nicht. Jetzt ist er rundum überladen, ergibt wieder ein Bild.

Eine Kleinigkeit habe ich günstig behoben. Mir fehlten beim Heckspoiler die Abdeckungen der Schraubenlöcher. Und das sah ziemlich assi aus. Ich habe viel ausprobiert, was passen könnte, aber jetzt habe ich eine Lösung gefunden. Kostete genau 10 Cent pro Loch.

Heckspoiler

Passen perfekt in die Löcher. Würden sogar von alleine halten. Ich habe trotzdem einmal vorsichtshalber überall ein paar Tropfen Sekundenkleber verschwendet. Ich bin mal gespannt, ob ich die ab und an ersetzen muss. Wegen 10 Cent macht sich doch keiner die Mühe, die rauszupopeln - ich hoffe es wenigstens...

Original http://www.fusselblog.de/index.php/focht/abdeckkappen-fuer-exakt-10-cent

31 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   T Sälzle und M Haub  

27. Lufthansa Klassikertage Hattersheim

Einmal im Jahr steht das kleine Dorf Hattersheim bei Frankfurt Kopf. 60000 Besucher mit ca. 2700 Oldtimern kommen zu einer der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland. Die Terrassen der Straßencafés in der Innenstadt sind proppenvoll, Klassiker stehen an allen Ecken und vor allem im Park um den kleinen See. Viele Besitzer postieren sich stolz auf Klappmöbeln neben ihren Gefährten, Clubs und Interessengemeinschaften kommen seit Jahren und beschlagnahmen die angestammten Plätze. Es hat was von einem großen Familientreffen. In einer Sonderausstellung unter dem Motte „Roadster, Cabriolet – einfach offen“ werden interessante Exponate gezeigt. Der Einsitzer Brütsch Mopetta mit 2PS zum Beispiel. Es existieren nur noch fünf Exemplare. Aber auch der letztgebauten Lorenz und Rankl Silver Falcon mit BMW Motor, der Porsche 984 Prototyp aus dem Porsche Museums Depot, ein Puma Spyder, Isdera Spyder 036i oder ein Kleinschnittger F125. Der Termin fürs nächste Jahr steht schon fest: 21./22. Mai 2016

Lufthansa Klassikertage

formfreu.de: 25. Lufthansa Klassikertage Hattersheim

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Original http://www.formfreu.de/2015/06/01/27-lufthansa-klassikertage-hattersheim/

31 May 2015
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Plakettengeschichten

Plakettengeschichten

Alle zwei Jahre wieder

Aaaaaa_lle Jaaahre wiiiiie_deeeer … koommt da_haaas Prüferkind
Untern Daimler nie_hiiie_der wo die_hie Mängel sind ♫
Es ist soweit. Der treue S210, das ach so verschriene “Rostmodell”, muss zur Hauptuntersuchung. Hatte ich den nicht grad erst gekauft, mit fast frischem TÜV? Ist das schon wieder so lange her? Verdammt. Er fährt ja sehr souverän und fluffig, zuverlässig und sparsam, ging während all dieser Kilometer niemals kaputt (im Gegensatz zum Taxi) und rostet, soweit ich das sehen kann auch nur unter den Dichtungen der hinteren Türen. Also denke ich mir – fahr ich doch einfach mal hin zu den freundlichen plakettenklebenden Jungs und nehme, wie beim Audi, gleich einen frischen runden duftigen Aufkleber in rosa mit nach Hause. Äh…. nein. Das war falsch gedacht :-( Und es ist der Anfang einer Bestell- und Schrauberodyssee, die so nicht eingeplant war.

Eine Mängelliste, länger als ein Weihnachtslied.

Plakettengeschichten

Mehr Text als ein Weihnachtslied

Es ist mehr als eine Mängelliste – es ist eine kleine Katastrophe. Nicht in den Augen von jemandem, der professionell Autos restauriert und auch nicht in den Augen von jemandem, der ne Menge Zeit zum Schrauben an seinen Autos hat. Aber in meinen schon, denn der Benz wird täglich gebraucht, ich habe sowieso im Sommer chronisch kein Geld übrig und überhaupt war das jetzt so echt nicht eingeplant. Dreck. Nebelleuchten sind Pipifax, ein “undichtes” Diffi auch (das ist einfach seit 2 Jahren niemals sauber gemacht worden) – aber gebrochene Federn vorn? Verdammt. Ein Klassiker beim W210 und S210. Und der damit zusammenhängende Reifenverschleiß, na gut, selbst Schuld, wenn sich die Karre korrodierend selbst tiefer legt laufen auch die Reifen unrund ab. Der Rost hält sich in Grenzen, nur zwei Stellen, was um alles in der Welt ist denn der “Hilfsrahmen”? Ist das die hintere Achsaufhängung? Na super. Und die Bremsschläuche und die Bremsen gehören offensichtlich zu den bedrohten Arten, wenn auch nicht akut. Und der Auspuff. Ach? Hört man gar nicht. Genaugenommen eine gute Bilanz für ein 14 Jahre altes Auto, das bisher nicht viel Liebe von mir bekommen hat. Ich habe nicht ein einziges mal drunter gelegen. Das sollte, nein das MUSS ich wohl jetzt mal nachholen. Erstmal zu Markus1975 nach Wahlstedt, da steht noch mein Taxi. Schauen wir doch einmal, was wir von dem noch so retten können.

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Er schwindet dahin, der weit Gereiste

Da ist er wieder. Der alte Herr mit den 650.000 Kilometern auf dem Tacho. Er liegt da rum, als hätte ich ihn grad erst geholt. In schweren Zeiten hat er meistens funktioniert. Ja, es gibt ihn noch, aber auch nur weil ihn niemand, ich betone NIEMAND nicht mal mit TÜV und einem Haufen neuer Teile (Servolenkgetriebe, Bremsen, Scheinwerfer, Saugrohr, Dieselleitungen und und und) für magere 900€ haben wollte. Tz. Egal, zu spät, das Schlachtfest hat begonnen. Schlösser, Türverkleidungen und Fensterheber sind schon raus, die hinteren Leuchten auch, da könnte ich die Nebelschlussleuchte abzweigen. Aber der Rest… Hm. Für meinen Daimler ist da quasi nix dabei, jedenfalls nicht, wenn man es ernst meint mit seinem Leben. Gebrauchte Bremsen baue ich nicht ein, da kommen nur neue Teile an die Achse. Die alten Federn kann ich auch nicht nehmen, weil ich jetzt ja die Ausstattung “Avantgarde” fahre, der ist ab Werk ein bisschen tiefer als der “Classic” und hat andere – kürzere – Federn. Na super.

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Brauch ich alles nicht – also ab zu ebay

Dann schleppe ich eben den ganzen Kram in der Pappkiste mit und beginne, den beigen Truppentransporter bei ebay rauszukloppen. Irgendwann mal. Wenn ich dazu Zeit habe, meine Uhr tickt jetzt erstmal die Tage bis zur 5 Euro teuren Nachprüfung runter. Warum hat mir in der Werkstatt eigentlich niemand gesagt, dass da der TÜV selbst prüft? Also der “TÜV” TÜV? Mit der DEKRA oder der GTÜ habe ich zeitlebens wesentlich entspanntere Erfahrungen gemacht. Okay, gebrochene Federn müssen bemängelt werden. Aber der Auspuff und der Hilfsrahmen… Nächstes mal stehe ich wieder mit dem Prüfer gemeinsam unter dem Auto. Markus, lass uns den Dicken mal auf die Bühne nehmen bitte. Ich will das mit eigenen Augen sehen.

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Oh. Ach DAS meinte der Prüfer.

Ups. Ja nun. Der fette quer eingebaute Endtopf hängt nur noch an einer einzigen Aufhängung, die sich bei genauerem Hingucken als bereits schon mal nachgeflickte winkelig gedengelte und stümperhaft angeschweißte Gewindestange entpuppt. Die Außenhaut ist quasi nicht mehr dran. Das sind Fluch und Segen des Turbodiesels mit Kat. Segen: Der ist hinter dem Kat so leise, dass ich auch komplett ohne Endtopf fahren könnte. Es… äh… es ist ja nicht so, dass ich das nicht auch schon mal über ein Jahr lang mit meinem Rudolf gemacht hättePlakettengeschichten *flööt* Fluch: Es scheint noch der allererste Topf unter der Heckklappe zu hängen (Hut ab Mercedes-Benz), und niemand bekommt es mit, dass der sich nun endgültig aufgelöst hat. Weil man es nicht hört. Ach doch, einer hat es mitbekommen – der Prüfer. Vielleicht hätte ich mich vorher wenigstens einmal drunter legen sollen, mit so einer porösen Altblechatrappe ist es ja schon fast peinlich, auf eine Plakette zu hoffen. Wie unangenehm. Schauen wir mal, was das Rostmodell an Rost zu bieten hat:

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Der Klassiker unter den Rostlöchern

Die Reserveradwanne. Ein Klassiker. Die tiefste Stelle im hinteren Fahrzeugbereich, wo sich alles sammelt, was so in einem Autoleben auf der Ladefläche ausläuft. Wasser, Brause, Bier, Wein, Farben und Lacke, Lösungsmittel, Urin von diversen Haustieren und was weiß ich was man alles in einem T-Modell durch die Gegend kutschiert. Das ätzt von oben. Von unten wirft in diesem Bereich das linke Hinterrad fleißig Wasser, Dreck und Salz dagegen. Da kapituliert irgendwann jedes Blech, das ist nicht nur bei Mercedes so. Also. Die ist nun durch. Die Wanne. Aber das sollte kein Problem sein, der Bereich ist nach Demontage des inneren Plastik-Radkastens (drei Schrauben) gut zugänglich. Vorher muss natürlich das Reserverad raus Plakettengeschichten Bei modernen Autos kennt man dieses Problem nicht, die haben ja keine Reserveräder mehr. Da steckt nur noch eine Dose Reifenpilot in der Seitenablage, na wenn das bei einem Platten mal wirklich reicht? Ich habe gern noch ein altes, schweres Reserverad und das gute Gefühl, definitiv nicht wegen einer kalten Lötstelle in irgendeinem bekloppten Steuergerät liegenzubleiben. Aber ich schweife ab.
Hallo Hilfsrahmen.

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Das ist ja fast schon albern.

Spiegelverkehrt zur durchgerosteten Reserveradwanne ist im Spritzwasser des rechten Hinterrades ein Winkelblech, an dem der rechte innere Radkasten angeschraubt wird. Mehr nicht. Keine tragenden Teile und eigentlich auch keine weitere Funktion. Hier verzeichnen wir den aus Funk und Fernsehen bekannten Lochfraß, der sonst nur an den Heizstäben von nicht-Kalgon-gepflegte Waschmaschinen auftritt und von einem Herrn Bürgi demonstriert wurde. Genaugenommen kein Grund zur Bemängelung, aber ich denke der Prüfer zeigte sich von dem rotten Auspuff und den gebrochenen Federn derart provoziert, dass er sich gleich das ganze Paket aufgeschrieben hat. Wenn schon denn schon. Okay, es ist wie es ist, ich habe ab jetzt noch drei Wochen Zeit und eigentlich keine Zeit.
Auf ins Netz, zum Start der Aktion die benötigten Ersatzteile ranschaffen. Die Zeit läuft. Mein Schwerpunkt: NICHT den billigsten Schrott, den man gern mal bei ebay in zweifelhaften Shops bekommt. Ich will BOSCH, ATE oder andere Erstausrüster. Zumindest, was das Fahrwerk betrifft, beim Auspuff lasse ich noch mit mir handeln, da kostet so einer gern mal halb so viel wie der ganze Daimler. Was sind die bekannten Plattformen? kfzteile24.de? departo.de? autoteile-guenstig.de? Ich finde was ganz anderes. www.motointegrator.de:-) Schon mal gehört? Ich noch nicht. Liest sich aber gut, was dort geschrieben steht.

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Ab ins Netz, Teile kaufen.

Bau ich das doch mal in meine Geschichte ein: Motointegrator gehört zur Inter Cars SA, die seit 25 Jahren weltweit Ersatzteile vertreibt. Die bieten auch Teile für ältere, auch für SEHR viel ältere Autos an (auch für meinen 38 Jahre alten Audi, aber das ist eine andere Geschichte) und es gibt die Möglichkeit, zwischen Premiumanbietern und Budgetanbietern mit guten Kundenbewertungen zu wählen. Für europäische, amerikanische und asiatische Autos. Klingt wie ein Pressetext? Plakettengeschichten Nicht ganz, ich habe mich da ein bisschen reingelesen und dann meine Bestellung aufgegeben. Federn vorn von Lesjöfors, Bremsscheiben und Klötze von BOSCH hinten und vorn, dann gleich noch neue Traggelenke und Koppelstangen vorn. Bremsschläuche, einen Auspuff (da hab ich einen billigen genommen :roll: ) und wenn ich schon mal dabei bin neue Radlager hinten und vorn. Weil ich immer Lust habe, aus meinem Alltag eine Geschichte zu machen und weil ich ein kommunikativer Knopf bin rufe ich da einfach mal an:

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Investigativ Telefonate

Drrriinggg hallo. Ich erfahre nicht nur, wie schnell die Teile da sein können (zwei Tage) sondern auch die weiter oben zitierten Firmeninformationen. Und ich bekomme noch ein kleines Schnäppchen: Einen Gutscheincode für Sie und euch hier im Blog. YES. Denn ich gehe mal davon aus, dass ihr die Website genau so wenig kennt wie ich, und wenn ich dermaßen freundlich behandelt werde gebe ich den Support gern weiter. Ab heute bis zum 01.06.2016 (also ein Jahr lang!) bekommt ihr auf alle eure Bestellungen bei Motointegrator.de einen Rabatt von 10% auf den Gesamtbetrag. Immer wieder. Und was müsst ihr dafür tun? Nix. Kein Gewinnspiel, kein Online-Seelenstrip, schaut einfach mal da rein und wenn ihr für euer Auto was findet – bestellt es mit dem Code und schönen Grüßen :-) Code? Code. Der hier:
SANDMANNSWE
Der gilt für Ersatzteile (und bitte NUR für Ersatzteile) und wird im Warenkorb eingegeben. Und dann gibt es 10%. Die Differenz nehme ich gern persönlich als Rotweinspende entgegen :-) Ich schick meine Liste jetzt mal ab und harre dem Postmann, dass er zweimal klingelt. 4. Stock. Na der wird sich freuen.

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Augen auf bei der Berufswahl

Wer einmal drei Kartons mit Bremsscheiben und Klötzen, Radlagern, Traggelenken und ähnlichen Artikeln, die definitiv nicht aus leichtem Material hergestellt wurden, bis in den 4. Stock getragen hat der überlegt sich danach, ob er wirklich bei DHL oder GLS oder HERMES hauptberuflich Paketbote werden möchte. Der gute Mann, der das hier hochgebuckelt hat ist es schon, überlegt aber nun, den Job zu wechseln. Ich für meinen Teil finde seinen Einsatz super, fluche aber in mich rein weil ich die Pakete alle wieder RUNTER tragen muss. Ich kann die Arbeiten ja nicht hier oben in der Wohnung ausführen :-( Na toll. Aber beeindruckend ist, dass tatsächlich nach zwei Tagen alles da war. Sauber. Ich telefoniere derart euphorisch bestückt noch mit Markus und Alex. Beide haben Hebebühnen. Bei Markus wollen wir die Vorderachse angehen, bei Alex die Schweißarbeiten. With a little Help from my Friends, sangen die Beatles damals. Ich bin so dankbar über meine Kumpels aus der schraubenden Fraktion. Alleine würde ich das diesmal nicht stemmen….

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Kombi? Braucht man nicht.

Sie erinnern sich an das Bild ganz oben? Da habe ich den Kram gerade ins Auto gebuckelt. Kombi – braucht man nicht? Hm. Vielleicht doch, es kommen nachher noch der Auspuff und die Federn dazu. Morgen schrauben und schweißen wir los. Und Sie werden gefühlt live dabei sein. Geschichten von Schweiß, Funken und Unterbodenschutz. Von Auspuffen und Blechtafeln. Von Fett, mitdrehenden Muttern und Rost. Und von der Erkenntnis, dass man bei dem W210 regelmäßig die Traggelenke wechseln sollte, sonst… aber bleiben Sie neugierig :-) Es geht bald weiter. Bis dahin mal alle ab auf  www.motointegrator.de, fein mit dem Code arbeiten, und berichtet mal ob ihr da für euer Auto fündig geworden seid. Bei mir hat alles wunderbar geklappt!
Und schimpft nicht auf das Vierauge. Andere Autos rosten und verschleißen auch. Wir lesen uns dann von unter der Hebebühne…

Sandmann

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Created Sonntag, 31. Mai 2015 Tags Alltag im W210 | erhebliche Mängel | HU | Mängelbericht | mercedes | Mercedes S210 | T-Modell | TÜV | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
30 May 2015
Zu den Favoriten hinzufügen   Bernd Frank  

Manchmal ist langsamer besser

Was für eine Aussage in der Überschrift. In diesem speziellen Fall trifft das aber zu.

Ich habe in der Werkstatthölle ja einen Rechner stehen, über den ich Livebilder ins Netz übertrage. Da ich keinerlei Telefonanschluss habe, reicht dafür ein Surfstick mit Flatrate. Das ist schnell genug, um das zu realisieren. Und so ein Surfstick geht auch schon mal kaputt, besonders, wenn man ihn im USB Port an der Rechnerfront stecken hat und man depperterweise dagegen rennt.

Werkstattrechner

Also habe ich einen neuen besorgt und den angeschlossen - ich berichtete bereits. Eigentlich sollte jetzt alles schneller gehen. Aber der Stick (Huawei E352) kam nur sporadisch ins Netz. Man beachte die Balken links beim Empfang.

Kein Netz

Ich besorgte mir eine Antenne. Absichtlich nicht die billigste, sondern eine, die ein wenig mehr Empfangsverstärkung hat laut eBay Anbieter. Verbesserung: Nicht messbar. Mit dem alten Stick hat doch alles gut geklappt. Offenbar kann der neue Stick zwar eine größere Übertragungsrate, aber hat schlechteren Empfang. Never stopp a running System sag ich nur. Also wieder das alte Modell Surfstick (Huawei E160) geordert bei eBay.

Surfstick

Das Branding war mir egal, ich hab eigentlich O2 in der Werkstatthölle, aber das war der günstigste Simlockfreie Stick von dem Modell. Antenne, wenn ich sie schon habe, drangesteckt und siehe da:

Online

Volles Netz - na also.

Keine Verbesserung der Datenübertragungsgeschwindigkeit, aber es funktioniert wenigstens. Und das ist mir dann doch wichtiger, als die Geschwindigkeit. Mörderdownloads lade ich in der Werkstatthölle eh nicht runter.

Original http://www.fusselblog.de/index.php/Werkstatt/manchmal-ist-langsamer-besser

29 May 2015

Zeig uns Dein Kultstück und gewinne eine Fahrt im Lambo!

Gemeinsam mit Smava, dem Blog für Finanznachrichten, will ich wissen, warum Du Dein Auto liebst! Doch das fragen wir nicht einfach so, denn es gibt auch etwas zu gewinnen! Die coolste Story mit dem kultigsten Young- oder Oldtimer, ob Serie oder getuned, gewinnt eine Fahrt mit einem waschechten italienischen Kultstück, dem Lamborghini. 

Zeig uns Dein Kultstück und gewinne eine Fahrt im Lambo!

Kein Auto ist einfach nur ein Auto! Jedes Auto erzählt eine Geschichte, hat eine Persönlichkeit und hat uns bei wichtigen Etappen in unserem Leben begleitet. Zum Beispiel am ersten Tag im neuen Job, zum Standesamt oder auf die schönste Reise unseres Lebens. Hast Du vielleicht jahrelang auf den absoluten Traumwagen gespart? Oder einen Gebrauchtwagen mit viel Liebe eigenhändig zum Retro-Hingucker gemacht? Oder verbindet Dich und Dein Auto ein ganz besonderes Erlebnis?

Auf die beste und kultigste Car-Story wartet eine aufregende Lamborghini-Fahrt! Lass Dir eine Stunde lang den Wind um die Nase wehen und zeig der Welt Ihre Rücklichter! Lege einfach hier Dein Foto in den Upload und beschreib uns kurz, was Dein Auto für Dich so besonders macht.

Übrigens: Die Fahrt kann an einem von 65 frei wählbaren Standorten in ganz Deutschland durchgeführt werden. Das Gewinnspiel endet am 03. Juni 2015. Offizieller Veranstalter dieses Gewinnspiels ist die smava GmbH. Hier geht es zu den Teilnahmebdingungen.

Oldtimer Classics Dueren

Michael Peschel

Michael ist der Inhaber von GermanMotorKult. Gleichzeitig auch Verfasser der meisten Artikel im Blog Magazin. Zudem Social Media Spezialist, Editor und Inhaber der Agentur MP Medien sowie MotorMarketing.

Original http://germanmotorkult.de/zeig-uns-dein-kultstueck-und-gewinne-eine-fahrt-im-lambo/

Created Freitag, 29. Mai 2015 Tags gewinnspiel | GMK Document type Video
Categories Timeline Author Michael Peschel
 
29 May 2015
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Bauchgefühl, Test Abarth 695 Biposto 2201

Test Abarth 695 Biposto

Bauchgefühl, Test Abarth 695 Biposto 2201

Abarth hat Mut. Kein grösserer Hersteller hat in den letzten Jahren den Mut gehabt, ein so kompromissloses Auto auf die Strasse zu bringen wie die Fiat-Tochter mit dem 695 Biposto. Wir sind das Teil ja schon ausgiebig gefahren. Damals, an der Präsentation in Varano. Und sind an dieser Stelle auch auf viele der technischen Details eingegangen. Die Lektüre des Fahrberichts sei an dieser Stelle also empfohlen. Aber, ab und zu wollen wir es ja auch ganz genau wissen. Und deshalb hat ein Biposto unser normales Testprogramm durchlaufen. Also, so Sachen wie im Morgenstau ins Büro fahren. Oder über Mittag schnell Zigaretten holen. Oder gar: Einkaufen gehen. Geht das mit einem Auto, dessen Getriebe zwar superkurze Schaltwege hat (nein, ein für alle Mal, es ist kein sequenzielles Getriebe), eine Federung, die vor Furcht vor dem eigenen Schatten reagiert und Scheiben, die man nicht runterkurbeln kann? Soll man sich so etwas antun?

Soll man nicht! Aber man kann. Sogar das Ticket vom Parkhaus lässt sich durchs kleine Schiebefenster erhaschen. Also zumindest dann, wenn man nahe genug zum Automaten fährt. Und ja, der Abarth Biposto federt auf öffentlichen Strassen gerade so viel, dass die Bandscheiben nicht von selbst aus dem Rücken hüpfen. Wohl auch deshalb, weil die Sportsitze ihnen keinen Raum dafür lassen. Und ja, wer mit der etwas rupfenden Sportkupplung und dem leichten Schwungrad des 1400ers zurecht kommt, der kann sogar im Stau seinen Mann stehen. Ich höre die ersten schon: «das ist doch kein Alltagsauto, das gehört auf die Rennstrecke». Stimmt, und klar waren wir mit dem 695 auf dem Circuit. Einen ganzen Tag lang, auf dem Anneau du Rhin. Relativ eng die Strecke, nur eine längere Gerade, das passt doch perfekt zum Biposto. Dachten wir.

Bauchgefühl, Test Abarth 695 Biposto 2201
Bauchgefühl, Test Abarth 695 Biposto 2201

Und ja, wir hatten Spass. Und vor allem: fast 50 Runden, ohne dass der Abarth gezickt hätte. Das Konzept scheint also zu funktionieren, die einzelnen Komponenten auch. Und klar ist es wunderbar, sich vor den engen Ecken von hinten an die Konkurrenz heranzuschleichen, in der Schikane beim Wchsel voll Stoff zu geben und zu merken, wie die mechanische Sperre die Hufe nicht scharren lässt. Da schnupft man so manchen «Bösen” auf, wackelt am Kurvenausgang keck mit den Hintern und lässt sich dann: wieder überholen. Ja, es fehlt dem kleinen Italiener einfach an Dampf. Ein kleiner Fight mit einem 911 Carrera SC aus den 80gern hat dies deutlich gezeigt. So viel wie der Porsche (er hatte immerhin Slicks montiert, der Biposto leider Strassenreifen) auf der Geraden schneller war, kann man mit dem kleinen Italiener gar nicht später Bremsen oder schneller durch die Kurve. Also, Porsche-Killer, nee! Aber, und jetzt kommen wir zum Bauchgefühl: Du musst im Biposto alles selber machen. Die Lenkung ist schwergängig, immerzu Schalten, schwitzen wie ein Bär und am Schluss hast du dennoch: ein wunderbares Gefühl. Weil du gefahren bist. Mit dem Auto. Nicht das Auto für dich!

Bauchgefühl, Test Abarth 695 Biposto 2201
Bauchgefühl, Test Abarth 695 Biposto 2201
Bauchgefühl, Test Abarth 695 Biposto 2201
Bauchgefühl, Test Abarth 695 Biposto 2201
Bauchgefühl, Test Abarth 695 Biposto 2201

Über den Preis mögen wir gar nicht diskutieren. Knapp 80'000 Eier kostete unserer mit dem Komplettpaket. Also auch: ultraleichten Radschrauben aus Titan. Oder: Carbon wohin das Auge blickt. Das ist in unseren Augen zu viel. Aber es ist, angesichts der Komponenten, angemessen. Aber, das Fahrgefühl im Biposto, dass ist den Betrag wert. Denn den 695 musst du Fahren wollen, es ist kein Gebrauchsgegenstand. Kein iPhone, dass du zum Handydoktor bringst, wenns streikt. Wenn der Biposto hustet, willst du wissen wieso. Was du wieder falsch gemacht hast, dass er dich nicht mehr liebt. Und wir verneigen uns vor dem Mut von Abarth, dieses Auto auf die Strasse zu bringen. Und vor Akrapovic. Noch nie, aber noch gar nie hat ein 1,4 Liter grosser Vierzylinder so böse geklungen. Klar ist er etwas laut, aber das ist nicht Punkt. Dieser kehlige Sound, uff, die Haut des Fahrers sieht nach 10 Sekunden aus wie eine ganze Orangenplantage in Spanien. Dieses Klack, wenn du nach dem dritten Gang den vierten reinhaust, der sofortige Kraftschluss und das erneute Fauchen des kleinen Turbos. Eigentlich unbezahlbar.

Der Abarth Biposto ist - zumindest für mich - das emotionalste Auto seit dem Alfa 4C. Und erst viel, viel später kommen die Bomber aus Germanien. Aber das ist nur meine Meinung, bei Radical gibt es ab und zu auch zwei Meinungen zu einem Auto. Die kommt etwas später...

Mehr Fiat/Abarth gibts im Archiv.

 

Original http://www.radical-mag.com/fahrfreude/test-abarth-695-biposto-2201/seite_1-2

29 May 2015
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In aller Ruhe, Test Mazda 6 AWD-1708

Test Mazda 6 AWD

Test Mazda 6 AWD

Der Mazda 6 gehörte schon bis anhin sicher zu den erfreulicheren Anblicken auf unseren Strassen, ganz besonders als Kombi. Kürzlich haben die Japaner die Baureihe aufgefrischt, zwar nur sanft, doch wer genau hinschaut, der sieht den Feinschliff gut. Noch eleganter ist er geworden, ohne verspielt zu wirken, ein paar Korrekturen hier und da lassen die Figur noch harmonischer wirken. Die grössten Fortschritte hat Mazda aber innen gemacht, da wurde vereinfacht und damit deutlich verbessert - es war auch nötig. Auch das Bediensystem ist mittlerweile so logisch wie bei den deutschen Konkurrenten, es braucht da kein Studium der Gebrauchsanweisung mehr - das war ebenfalls nötig. Dass Mazda aber von einem Touchscrenn absieht, mag zwar auch gute Gründe haben, doch vielleicht sollten die Japaner diese Strategie mittelfristig noch einmal überdenken - zu sehr hat man sich bei anderen Marken (und vor allem den Smartphones und Tablets) in den vergangenen Jahren, alles mit den Fingern bedienen zu können.

Dafür sitzt man im Mazda 6 schön tief. Das gibt ein gutes Gefühl für die Strasse, nicht so, wie bei diesem so modischen SUVs und Pseudo-Geländewagen. Überhaupt gehört das gute Fahrgefühl zu den Stärken des Mittelklasse-Mazda, man fühlt sich ausgesprochen wohl in diesem Japaner, ein Gefühl von Behaglichkeit und Sicherheit. Was sicher viel mit der vorbildlichen Ruhe im Innenraum zu tun hat. Das gilt auch für den 175 PS starken Diesel, der unseren Testbetrieb durchlaufen hat - und aufzeigte, dass ruhigere Selbstzünder gibt als jene aus deutschen Landen, also sagen wir mal: aus dem baldschon-Weltführerschaft-Konzern.
Unser Testwagen war zudem mit einer feinen 6-Stufen-Automatik sowie Allradantrieb ausgerüstet.

Test Mazda 6 AWD
Test Mazda 6 AWD

Diese Kombination, Kombi. starker Diesel, Allrad, Automat wird in der Schweiz hoch geschätzt und war bisher von Mazda nicht erhältlich - was sicher den einen oder anderen potenziellen Käufer zu einer anderen Marke getrieben hat. Zumal man vom Allrad ja auch gar nichts spürt - ausser wohl dann, wenn man ihn gebrauchen kann, auf Schnee etwa. Die nun geschlossene Lücke im Programm macht den 6er sicher noch attraktiver. Zumal er voll ausgestattet nur wegen der (verzichtbaren) Lederausstattung die Marke von 50'000 Franken knackt - bei gewissen deutschen Konkurrenten beginnt da erst das Rechnen, was man sich denn noch alles reinpacken und leisten kann, welches Kreuzchen man denn noch machen kann. Was die Assi- und Infotainment-Systeme betrifft, ist der Mazda auf der Höhe der Zeit; manches ist inbegriffen im Verkaufspreis, anders unnötig.

In aller Ruhe, Test Mazda 6 AWD-1708
In aller Ruhe, Test Mazda 6 AWD-1708
In aller Ruhe, Test Mazda 6 AWD-1708
In aller Ruhe, Test Mazda 6 AWD-1708
In aller Ruhe, Test Mazda 6 AWD-1708

Zwar bieten andere Hersteller unterdessen Automaten mit neun Stufen an, doch beim Mazda vermisst man das nicht. Der 2,2-Liter-Diesel hat ein sehr soveränes Drehmoment von 420 Nm schon bei 2000/min, da ist immer genug Durchzugskraft vorhanden. Gelobt werden müssen die sehr sanften Schaltvorgänge. Andererseits: der Mazda scheint sich immer etwas dagegen zu wehren, dass seine volle Leistung abgerufen wird. Er kommt nicht unwillig in Fahrt, doch irgendwie fragt er den Piloten: willst Du das wirklich, ist das jetzt wirklich nötig, dass Du derart heftig auf das Fahrpedal trampelst? Theoretisch ist das auch eine Form von Sparsamkeit, doch der Durchschnittsverbrauch von 7,4 Litern im Test ist jetzt nicht das, was man als wirklich sensationell bezeichnen möchte, aber für ein Fahrzeug dieser Grösse und mit diesen Möglichkeiten ist so schlecht auch nicht. Gemäss Norm sollten es 4,8 Liter sein, aber das bleibt graue Theorie.

So ein Riesenwegpack-Kombi ist der 6er von Mazda nicht. Doch er ist halt gut zu beladen, einfach zu bedienen, die Rücksitzbank lässt sich mit einer Handbewegung wegwischen. 520 Liter schafft er sowieso, bei abgeklappten Rücksitzen sind es 1665 Liter - und das, wie erwähnt, erfreulich elegant verpackt. Man sitzt gut vorne und auch hinten, wobei, die Kinderchen mögen den 6er nicht so sehr, sie sitzen zu tief, die Fensterflächen sind nicht gerade riesig.

Mazda, im Vergleich ein kleiner Hersteller, gefällt seit einigen Jahren nicht nur mit interessanten technischen Lösungen, etwa der Skyactiv-Technik für Motoren und Getriebe und dem clever betriebenen Leichtbau, sondern auch mit ausgezeichneter Verarbeitungsqualität, die sich durchaus auf Premium-Niveau befindet. Das gilt natürlich auch für den Mazda 6, das Top-Modell der Marke, das nach der Überarbeitung und mit der «Schweizer» Konfiguration durchaus mehr Kunden verdient hätte. Denn im Vergleich zu den Premium-Produkten ist er günstig, im Vergleich zu einem VW Passat, dem Marktleader im Segment, halt deutlich hübscher.
Mehr Mazda gibt es in unserem Archiv.

In aller Ruhe, Test Mazda 6 AWD-1708

Original http://www.radical-mag.com/erfahrungen/test-mazda-6-awd-1708/seite_1-2

Mehr lesen von : Jens Tanz

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24 Sep 2013

Jens Tanz (Sandmann)

Das Leben ist zu kurz für kleine Autos und abgegriffene Geschichten. Steht auf: Deutsche Oldtimer im Alltag und die 70er. Leidenschaft: Rotwein, Kaminfeuer und Gitarre.

Website: sandmanns-welt.de

 

Created Dienstag, 24. September 2013 Created by Jens Tanz Categories Autoren
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Aaaaaa_lle Jaaahre wiiiiie_deeeer … koommt da_haaas Prüferkind
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Mehr Text als ein Weihnachtslied

Es ist mehr als eine Mängelliste – es ist eine kleine Katastrophe. Nicht in den Augen von jemandem, der professionell Autos restauriert und auch nicht in den Augen von jemandem, der ne Menge Zeit zum Schrauben an seinen Autos hat. Aber in meinen schon, denn der Benz wird täglich gebraucht, ich habe sowieso im Sommer chronisch kein Geld übrig und überhaupt war das jetzt so echt nicht eingeplant. Dreck. Nebelleuchten sind Pipifax, ein “undichtes” Diffi auch (das ist einfach seit 2 Jahren niemals sauber gemacht worden) – aber gebrochene Federn vorn? Verdammt. Ein Klassiker beim W210 und S210. Und der damit zusammenhängende Reifenverschleiß, na gut, selbst Schuld, wenn sich die Karre korrodierend selbst tiefer legt laufen auch die Reifen unrund ab. Der Rost hält sich in Grenzen, nur zwei Stellen, was um alles in der Welt ist denn der “Hilfsrahmen”? Ist das die hintere Achsaufhängung? Na super. Und die Bremsschläuche und die Bremsen gehören offensichtlich zu den bedrohten Arten, wenn auch nicht akut. Und der Auspuff. Ach? Hört man gar nicht. Genaugenommen eine gute Bilanz für ein 14 Jahre altes Auto, das bisher nicht viel Liebe von mir bekommen hat. Ich habe nicht ein einziges mal drunter gelegen. Das sollte, nein das MUSS ich wohl jetzt mal nachholen. Erstmal zu Markus1975 nach Wahlstedt, da steht noch mein Taxi. Schauen wir doch einmal, was wir von dem noch so retten können.

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Er schwindet dahin, der weit Gereiste

Da ist er wieder. Der alte Herr mit den 650.000 Kilometern auf dem Tacho. Er liegt da rum, als hätte ich ihn grad erst geholt. In schweren Zeiten hat er meistens funktioniert. Ja, es gibt ihn noch, aber auch nur weil ihn niemand, ich betone NIEMAND nicht mal mit TÜV und einem Haufen neuer Teile (Servolenkgetriebe, Bremsen, Scheinwerfer, Saugrohr, Dieselleitungen und und und) für magere 900€ haben wollte. Tz. Egal, zu spät, das Schlachtfest hat begonnen. Schlösser, Türverkleidungen und Fensterheber sind schon raus, die hinteren Leuchten auch, da könnte ich die Nebelschlussleuchte abzweigen. Aber der Rest… Hm. Für meinen Daimler ist da quasi nix dabei, jedenfalls nicht, wenn man es ernst meint mit seinem Leben. Gebrauchte Bremsen baue ich nicht ein, da kommen nur neue Teile an die Achse. Die alten Federn kann ich auch nicht nehmen, weil ich jetzt ja die Ausstattung “Avantgarde” fahre, der ist ab Werk ein bisschen tiefer als der “Classic” und hat andere – kürzere – Federn. Na super.

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Brauch ich alles nicht – also ab zu ebay

Dann schleppe ich eben den ganzen Kram in der Pappkiste mit und beginne, den beigen Truppentransporter bei ebay rauszukloppen. Irgendwann mal. Wenn ich dazu Zeit habe, meine Uhr tickt jetzt erstmal die Tage bis zur 5 Euro teuren Nachprüfung runter. Warum hat mir in der Werkstatt eigentlich niemand gesagt, dass da der TÜV selbst prüft? Also der “TÜV” TÜV? Mit der DEKRA oder der GTÜ habe ich zeitlebens wesentlich entspanntere Erfahrungen gemacht. Okay, gebrochene Federn müssen bemängelt werden. Aber der Auspuff und der Hilfsrahmen… Nächstes mal stehe ich wieder mit dem Prüfer gemeinsam unter dem Auto. Markus, lass uns den Dicken mal auf die Bühne nehmen bitte. Ich will das mit eigenen Augen sehen.

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Oh. Ach DAS meinte der Prüfer.

Ups. Ja nun. Der fette quer eingebaute Endtopf hängt nur noch an einer einzigen Aufhängung, die sich bei genauerem Hingucken als bereits schon mal nachgeflickte winkelig gedengelte und stümperhaft angeschweißte Gewindestange entpuppt. Die Außenhaut ist quasi nicht mehr dran. Das sind Fluch und Segen des Turbodiesels mit Kat. Segen: Der ist hinter dem Kat so leise, dass ich auch komplett ohne Endtopf fahren könnte. Es… äh… es ist ja nicht so, dass ich das nicht auch schon mal über ein Jahr lang mit meinem Rudolf gemacht hättePlakettengeschichten *flööt* Fluch: Es scheint noch der allererste Topf unter der Heckklappe zu hängen (Hut ab Mercedes-Benz), und niemand bekommt es mit, dass der sich nun endgültig aufgelöst hat. Weil man es nicht hört. Ach doch, einer hat es mitbekommen – der Prüfer. Vielleicht hätte ich mich vorher wenigstens einmal drunter legen sollen, mit so einer porösen Altblechatrappe ist es ja schon fast peinlich, auf eine Plakette zu hoffen. Wie unangenehm. Schauen wir mal, was das Rostmodell an Rost zu bieten hat:

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Der Klassiker unter den Rostlöchern

Die Reserveradwanne. Ein Klassiker. Die tiefste Stelle im hinteren Fahrzeugbereich, wo sich alles sammelt, was so in einem Autoleben auf der Ladefläche ausläuft. Wasser, Brause, Bier, Wein, Farben und Lacke, Lösungsmittel, Urin von diversen Haustieren und was weiß ich was man alles in einem T-Modell durch die Gegend kutschiert. Das ätzt von oben. Von unten wirft in diesem Bereich das linke Hinterrad fleißig Wasser, Dreck und Salz dagegen. Da kapituliert irgendwann jedes Blech, das ist nicht nur bei Mercedes so. Also. Die ist nun durch. Die Wanne. Aber das sollte kein Problem sein, der Bereich ist nach Demontage des inneren Plastik-Radkastens (drei Schrauben) gut zugänglich. Vorher muss natürlich das Reserverad raus Plakettengeschichten Bei modernen Autos kennt man dieses Problem nicht, die haben ja keine Reserveräder mehr. Da steckt nur noch eine Dose Reifenpilot in der Seitenablage, na wenn das bei einem Platten mal wirklich reicht? Ich habe gern noch ein altes, schweres Reserverad und das gute Gefühl, definitiv nicht wegen einer kalten Lötstelle in irgendeinem bekloppten Steuergerät liegenzubleiben. Aber ich schweife ab.
Hallo Hilfsrahmen.

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Das ist ja fast schon albern.

Spiegelverkehrt zur durchgerosteten Reserveradwanne ist im Spritzwasser des rechten Hinterrades ein Winkelblech, an dem der rechte innere Radkasten angeschraubt wird. Mehr nicht. Keine tragenden Teile und eigentlich auch keine weitere Funktion. Hier verzeichnen wir den aus Funk und Fernsehen bekannten Lochfraß, der sonst nur an den Heizstäben von nicht-Kalgon-gepflegte Waschmaschinen auftritt und von einem Herrn Bürgi demonstriert wurde. Genaugenommen kein Grund zur Bemängelung, aber ich denke der Prüfer zeigte sich von dem rotten Auspuff und den gebrochenen Federn derart provoziert, dass er sich gleich das ganze Paket aufgeschrieben hat. Wenn schon denn schon. Okay, es ist wie es ist, ich habe ab jetzt noch drei Wochen Zeit und eigentlich keine Zeit.
Auf ins Netz, zum Start der Aktion die benötigten Ersatzteile ranschaffen. Die Zeit läuft. Mein Schwerpunkt: NICHT den billigsten Schrott, den man gern mal bei ebay in zweifelhaften Shops bekommt. Ich will BOSCH, ATE oder andere Erstausrüster. Zumindest, was das Fahrwerk betrifft, beim Auspuff lasse ich noch mit mir handeln, da kostet so einer gern mal halb so viel wie der ganze Daimler. Was sind die bekannten Plattformen? kfzteile24.de? departo.de? autoteile-guenstig.de? Ich finde was ganz anderes. www.motointegrator.de:-) Schon mal gehört? Ich noch nicht. Liest sich aber gut, was dort geschrieben steht.

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Ab ins Netz, Teile kaufen.

Bau ich das doch mal in meine Geschichte ein: Motointegrator gehört zur Inter Cars SA, die seit 25 Jahren weltweit Ersatzteile vertreibt. Die bieten auch Teile für ältere, auch für SEHR viel ältere Autos an (auch für meinen 38 Jahre alten Audi, aber das ist eine andere Geschichte) und es gibt die Möglichkeit, zwischen Premiumanbietern und Budgetanbietern mit guten Kundenbewertungen zu wählen. Für europäische, amerikanische und asiatische Autos. Klingt wie ein Pressetext? Plakettengeschichten Nicht ganz, ich habe mich da ein bisschen reingelesen und dann meine Bestellung aufgegeben. Federn vorn von Lesjöfors, Bremsscheiben und Klötze von BOSCH hinten und vorn, dann gleich noch neue Traggelenke und Koppelstangen vorn. Bremsschläuche, einen Auspuff (da hab ich einen billigen genommen :roll: ) und wenn ich schon mal dabei bin neue Radlager hinten und vorn. Weil ich immer Lust habe, aus meinem Alltag eine Geschichte zu machen und weil ich ein kommunikativer Knopf bin rufe ich da einfach mal an:

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Investigativ Telefonate

Drrriinggg hallo. Ich erfahre nicht nur, wie schnell die Teile da sein können (zwei Tage) sondern auch die weiter oben zitierten Firmeninformationen. Und ich bekomme noch ein kleines Schnäppchen: Einen Gutscheincode für Sie und euch hier im Blog. YES. Denn ich gehe mal davon aus, dass ihr die Website genau so wenig kennt wie ich, und wenn ich dermaßen freundlich behandelt werde gebe ich den Support gern weiter. Ab heute bis zum 01.06.2016 (also ein Jahr lang!) bekommt ihr auf alle eure Bestellungen bei Motointegrator.de einen Rabatt von 10% auf den Gesamtbetrag. Immer wieder. Und was müsst ihr dafür tun? Nix. Kein Gewinnspiel, kein Online-Seelenstrip, schaut einfach mal da rein und wenn ihr für euer Auto was findet – bestellt es mit dem Code und schönen Grüßen :-) Code? Code. Der hier:
SANDMANNSWE
Der gilt für Ersatzteile (und bitte NUR für Ersatzteile) und wird im Warenkorb eingegeben. Und dann gibt es 10%. Die Differenz nehme ich gern persönlich als Rotweinspende entgegen :-) Ich schick meine Liste jetzt mal ab und harre dem Postmann, dass er zweimal klingelt. 4. Stock. Na der wird sich freuen.

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Augen auf bei der Berufswahl

Wer einmal drei Kartons mit Bremsscheiben und Klötzen, Radlagern, Traggelenken und ähnlichen Artikeln, die definitiv nicht aus leichtem Material hergestellt wurden, bis in den 4. Stock getragen hat der überlegt sich danach, ob er wirklich bei DHL oder GLS oder HERMES hauptberuflich Paketbote werden möchte. Der gute Mann, der das hier hochgebuckelt hat ist es schon, überlegt aber nun, den Job zu wechseln. Ich für meinen Teil finde seinen Einsatz super, fluche aber in mich rein weil ich die Pakete alle wieder RUNTER tragen muss. Ich kann die Arbeiten ja nicht hier oben in der Wohnung ausführen :-( Na toll. Aber beeindruckend ist, dass tatsächlich nach zwei Tagen alles da war. Sauber. Ich telefoniere derart euphorisch bestückt noch mit Markus und Alex. Beide haben Hebebühnen. Bei Markus wollen wir die Vorderachse angehen, bei Alex die Schweißarbeiten. With a little Help from my Friends, sangen die Beatles damals. Ich bin so dankbar über meine Kumpels aus der schraubenden Fraktion. Alleine würde ich das diesmal nicht stemmen….

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Kombi? Braucht man nicht.

Sie erinnern sich an das Bild ganz oben? Da habe ich den Kram gerade ins Auto gebuckelt. Kombi – braucht man nicht? Hm. Vielleicht doch, es kommen nachher noch der Auspuff und die Federn dazu. Morgen schrauben und schweißen wir los. Und Sie werden gefühlt live dabei sein. Geschichten von Schweiß, Funken und Unterbodenschutz. Von Auspuffen und Blechtafeln. Von Fett, mitdrehenden Muttern und Rost. Und von der Erkenntnis, dass man bei dem W210 regelmäßig die Traggelenke wechseln sollte, sonst… aber bleiben Sie neugierig :-) Es geht bald weiter. Bis dahin mal alle ab auf  www.motointegrator.de, fein mit dem Code arbeiten, und berichtet mal ob ihr da für euer Auto fündig geworden seid. Bei mir hat alles wunderbar geklappt!
Und schimpft nicht auf das Vierauge. Andere Autos rosten und verschleißen auch. Wir lesen uns dann von unter der Hebebühne…

Sandmann

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Created Sonntag, 31. Mai 2015 Tags Alltag im W210 | erhebliche Mängel | HU | Mängelbericht | mercedes | Mercedes S210 | T-Modell | TÜV | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
18 May 2015
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Wo ist mein Auto?

Wo ist mein Auto?

Vergessen? Nicht… GANZ.

Jugendlieben. Jugendsünden.
Die Karre, die in meinem Leben beides vereint existiert noch immer. Granada Coupé, Baujahr 1975. Gefahren von 1993 bis 1995 und dann so wie er war weggestellt, weil ich ihn damals eigentlich verschrotten oder verschenken wollte. Das habe ich nie getan. Nun stolpert ein Fernsehteam des NDR über meinen Blog und fragt, was denn aus dem Auto geworden sei? Und ob man mit mir eine kleine Reportage über das Thema “Unsere Geschichte – mein erstes Auto” drehen könnte? :-)Ja aber sehr gern!, sage ich der freundlichen Dame am Telefon. Wir machen einen Drehtermin. Und nur wenige Minuten später stehe ich total bedröppelt da. Wo hatte ich die Karre den rostigen Saurier eigentlich eingelagert? Ich habe weder einen Namen noch eine Adresse, und es ist fast 5 Jahre her dass ich mal da war. Verdammt. Wo ist mein Auto???

Total bescheuert, oder? Stimmt.

Wo ist mein Auto?

Ersatzteile rein und ab in die Garage

Jeden Monat überweise ich einen kleinen Betrag Garagenmiete für dieses alte V6 Schiff aus meiner Sturm-und-Drang-Zeit. Aber ich habe vergessen, wo der Örg und ich den damals hingeschleppt hatten. Ich war der Meinung, dass es ein Bekannter von ihm war und rufe ihn an. “Wa? Neee, ich hab keine Ahnung wer das war, der Kontakt kam von dir. Ich kenn den gar nicht!” Oh. Das hilft mir nicht wirklich weiter. Wer hatte mir denn diesen Stellplatz vermittelt??? Himmel! Das war irgendwo bei Rendsburg, ich erinnere mich noch daran, dass wir den Granada damals mit allen Ersatzteilen vollgeladen haben und von Örgs Werkstatt mit dem V8 und einem Trailer da hin zogen. Wann? Keine Ahnung, 2010 oder so. Ein Resthof, Wiesen und ein paar Garagen. Ein netter Kerl, der das alles gekauft hatte und da auch Konzerte veranstaltet. Ich frage auf Facebook rum und ernte vor allem Schmäh :-( Wie bescheuert man sein kann, dass man nicht mehr weiß, wo man sein Auto abgestellt hat. Ja nun. Ich hatte halt ein paar Jahre lang andere Sorgen, was soll ich denn machen? Keiner kann sich erinnern, woher der Kontakt zu dem Bauernhof herkam oder wo der überhaupt ist. Niemand. Außer Steffi, “Seinekleineschwester“, die mir einen Namen nennt, der sich mit dem Namen auf meinen Kontoauszügen deckt. Ah. Nun habe ich noch immer keine Nummer, aber einen Namen.

Wo ist mein Auto?

Ein Prosit auf den Stellplatz. Aber WO?

Obwohl….
Doch, eine Nummer habe ich schon. Nur eben keine Telefonnummer. Sondern eine Kontonummer. Der Drehtermin rückt näher, und ich komme mir täglich ein bisschen bekloppter vor, dass ich dem Redaktionsteam am Telefon regelmäßig sagen muss, ich wisse noch nicht genau, wo der Wagen eigentlich stehen würde, aber ich arbeite daran. Gut organisierten Menschen passiert sowas nicht, die wissen im Allgemeinen, wo ihre Autos stehen. Ich bin nicht gut organisiert. Und der Granada… steht da ja sogar schon recht lange…
Ich überweise dem Garagenbesitzer einen Euro, schreibe in den Betreff der Überweisung meine Handynummer und die Bitte, mich doch dringend einmal anzurufen :-) Ha. Ich Fuchs. Was Ole drei Tage später dann auch macht. Und ich falle aus allen Wolken. Ja klar. Ole!! Den habe ich auch als Ole im Telefon gespeichert, das ist der Typ wo mein Auto steht??? Und sein Resthof ist der Resthof, auf dem ich erst vor drei Wochen bei einem Konzert meinem Freund Danny zugehört und zwei Bier getrunken habe???? Ohne den Ort wiederzuerkennen, wo mein Coupé steht????? Ohgottogott es wird ja immer peinlicher. Ole ist umfassend amüsiert, ich frage ob er zu Hause ist und mache mich auf den Weg. Ich war ja grad erst da :roll:

Wo ist mein Auto?

Erkenntnisse…

Ja klar. Unter diesen Vorzeichen erkenne ich den Ort jetzt auch wieder. Ich denke, es ist ein deutliches Zeichen, sein Leben dringend zu entschleunigen, wenn man auf einem Konzert ist und noch denkt: Mensch das wär hier doch super, um alte Autos unterzustellen! – ohne das mit dem Platz übereinanderzubringen, an dem genau das eigene alte Auto bereits seit Jahren steht! Ole lacht und lacht, als ich ihm das erzähle. Ja na klar, Ole. Jetzt erkenne ich auch den Typen wieder, der uns damals in Empfang genommen und den Wagen eingelagert hat. Es ist der gleiche, der mir auf dem Konzert vor drei Wochen zwei Bier verkauft hat. Ich muss entschleunigen, noch mehr, echt dringend.
Ein Garagentor. Ich rufe das Filmteam an und gebe Entwarnung. Ja, sie können kommen. Ich habe mein Auto vermutlich wiedergefunden.

Wo ist mein Auto?

Ali Babas Schatzkammer

Da steht er. So, wie er 1995 abgemeldet wurde. Die Aufkleber sind noch drauf, die Bonbons im Handschuhfach und der Pizzazettel und ein Parkschein liegen im Fußraum. Es hat sich nichts verändert. Warum auch? Ich wollte ihn ja damals nicht verkaufen und habe ihn weder aufgeräumt noch sauber gemacht. Das Jahr 1995 ist direkt in ihm eingefroren worden.
Die Geschichte verdient eigentlich noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und noch mehr Bilder, und glauben Sie mir – die kommen auch noch. Aber jetzt steht das Kamerateam neben mir und filmt mich, wie ich zum ersten mal seit all diesen Jahren das Tor öffne. Und was so in mir vorgeht, als ich mich wieder in meinen alten Granada setze. Nicht ganz mein erstes Auto, aber fast. Und dieser Film kommt am Mittwoch Abend um 21:00 Uhr im NDR Fernsehen: Unsere Geschichte – Mein erstes Auto.
Vorher bin ich noch ab 16:10 Uhr live zu sehen auf dem Sofa in: Mein Nachmittag.

So, und nun kommt ihr :-) Habt ihr auch schon mal euer Auto nicht gefunden? Und dann? Ich bin gespannt auf das Interview (ich habe KEINE Ahnung wie das laufen wird) und ich bin gespannt auf die kleine Reportage (ich habe KEINE Ahnung was da von dem gefilmten Material gesendet wird). Und ich hoffe, Sie und ihr seid dabei?

Sandmann

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Created Montag, 18. Mai 2015 Tags Absurdistan | Coupé | finden | Ford Granada | Granada Coupe | Granada MK 1 | Heimwärts Highways | Scheune | vergessen Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
13 May 2015
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Brot und Spiele

Brot und Spiele

Groß, rund, unfassbar

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Drei Tage sind viel zu kurz, um alle gegessenen Pizzen hier zu zeigen. Ich bin ja kein Food-Blogger, ich finde es schon anstrengend genug, auf Facebook ständig sehen zu müssen, was andere gerade essen, wie sie es kochen oder in welchem Etablissement sie gerade sitzen :-) Heute kommen zu unserem städtischen Etablissement noch ein paar kleine Katastrophen dazu, ähnlich wie auf dem Hinweg, viele alte Steine und jede Menge ganz alte Geschichte zum Anfassen unter einem blauen, italienischen Himmel. Ein paar der geschichtsträchtigsten Plätze Roms und Bestandteil der meisten Asterix Hefte – der große Zirkus und die klassische Tempel- und Shoppingmeile. Beides rund 2000 Jahre alt, beides nicht mehr ganz so gut erhalten und beides natürlich mit sagenhaft langen Schlangen von blöden Touristen belagert. Endspurt, los, ich will heute mal was altes sehen! Und ne Pizza.

Man –könnte– wie zu all den anderen Plätzen in den vergangenen Tagen zum Kolosseum von hier aus zu Fuß gehen, aber heute sind wir faul.

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unter der Erde

U-Bahn fahren in Rom klingt vielleicht auf den ersten Blick abenteuerlich, auf den zweiten ist es das auch. Nicht etwa, weil das Schienennetz so verwirrend ist, nein, daran liegt es nicht. Ich hatte mich schon gewundert, warum die freundliche Dame in der unter Tage befindlichen Information zwischen Pennern und Selfie Stick Verkäufern lachend zusammengebrochen ist, als ich sie nach einem Linienplan für das U-Bahn Netz fragte. Sie hätte mir auch fast einen verkauft, aber ich wollte keine drei Euro zahlen. Später wusste ich dann, warum wir ihr Lachen noch zwei Stationen weiter hören konnten: Es gibt unter Rom nur zwei U-Bahn Linien, die in einem Kreuz unter der Stadt laufen. Zwei. Es ist quasi unmöglich, in die falsche einzusteigen. Ah. Was diese Art der Fortbewegung aber trotzdem abenteuerlich macht ist die schiere Menge an Menschen, die an besonders bekannten Haltestellen gleichzeitig in die Züge ein- oder aussteigen will. Aber irgendwas ist ja immer. Wir sind da.

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Ich hatte mir das größer vorgestellt

Das Kolosseum. Endlich! Während wir noch überlegen, ob wir uns hinten an die Schlange anstellen oder wieder die zeitraffende Touristenfalle “Skip the Line” kaufen lese ich mich ein bisschen in die Geschichte dieses gigantischen Theaters. Denn hier war ich damals nicht drin. Ungefähr ein Menschenleben nach Christi Geburt ist das Kolosseum fertig geworden und bot damals 50.000, ja FÜNFZIGTAUSEND Menschen Platz. Die saßen auf mehreren Rängen auf Marmorklötzen, der Eintritt war frei, es fanden den ganzen Tag Veranstaltungen statt. Das Volk wollte bei Laune gehalten werden, denn wenn es genug zu Essen und gute Unterhaltung hatte fing es nicht an, die Regierungsform zu hinterfragen. Der Zirkus muss beeindruckend gewesen sein, wilde Tiere, aus den fernen römischen Kolonien auf der ganzen Welt mit Schiffen rangeschafft wurden über den Sand der Arena in der Mitte getrieben. Für die Giraffen gab es sogar extra hohe Tore. Und natürlich sahen sich Kinder wie Erwachsene nicht nur die lustigen Tiere an, sondern auch die nicht ganz so lustigen Menschen, die auch da unten waren. Und dann wurde es krass. Aber Moment, da wanzt sich ein britischer Einpeitscher an uns ran und will uns geführte Kombitickets für den Zirkus und das Forum Romanum verkaufen. Jep. Nehmen wir. Und jetzt bin ich erstmal pleite, aber drin.

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Echt und groß. Skip the Line.

Die diesmal nicht ganz so attraktive, aber trotzdem sehr belesene Führerin kniet sich professionell rein und erzählt uns allerhand von der Architektur und den Dingen, die zwischen den Mauern passiert sind. Damals. Zwischendurch betont sie ein paar mal, dass wir alle zunächst bei der Gruppe bleiben sollen, weil wir keine einzelnen Tickets haben und nur im Verbund mit dieser Gruppe nachher raus und auch ins angrenzende Forum Romanum und den Palatin wieder REIN kommen. Check. Und dann blende ich sie langsam aus und versinke in Vorstellungen, Geräuschen und haptischem Begreifen.
Es gibt nur noch eine kleine Ecke, in der die Bänke aus Marmor so sind wie sie mal waren. Alle anderen Steine hat man nach und nach als Baumaterial für andere Gebäude verwendet, Petersdom und so. Aber trotzdem vibrieren die Steine vor lauter Geschichte. Was muss hier für ein Wuseln, für eine Stimmung gewesen sein, als die tausende von Zuschauern in den Morgenstunden aus den Vomitorien auf die Ränge gekotzt wurden? Die Arena in der Mitte war mit Holzplanken belegt, auf denen frischer weißer Sand lag. Darunter schlängelten sich im Dunkeln, spärlich und stinkend beleuchtet von Fackeln, die Gänge und Räume für die Kämpfer, die Gladiatoren, und die wilden Tiere. Es waren verurteilte Verbrecher und Sklaven, die hier ihrem fast sicheren Tod entgegen sahen.

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Die Sprengung von allem Fassbaren

Zur Belustigung des Volkes kämpften Menschen gegen Menschen oder gegen Tiere. Sie hatten verschiedene Waffen, vom Netz bis zum Schwert, und wurden sogar in eigens dafür eingerichteten Schulen für diese Kämpfe ausgebildet. Ihre einzige Überlebenschance war, den Kampf zu gewinnen oder eine so gute Nummer hinzulegen, dass der oft anwesende Imperator, der Caesar, seinen Daumen hob und damit dem Gladiator die Freiheit schenkte. Ihm zumindest seinen Tod ersparte. Oft stimmte auch das Publikum ab. Nach einer bestimmten Anzahl von überlebten Kämpfen konnten einige der Statisten sich auch freikaufen. Soweit die historische Theorie. In der Praxis erstachen und zerfleischten sich täglich Menschen und Tiere, und jeden Abend war der weiße Sand rot von Blut und Leichenteilen und muss besonders an warmen Tagen erbärmlich gestunken haben. Und wer nicht oben in der Arena gestorben ist verreckte später elendig an seinen infizierten Wunden. Die Zuschauer aßen dabei Knabberkram und amüsierten sich köstlich.
Und wissen Sie, was mich an all dem jetzt so fasziniert? Es ist HIER gewesen. Das ist kein Museum oder ein Film, es war genau HIER. Ich fasse die Mauern an, die schon vor 2000 Jahren todgeweihte Menschen berührt haben. GENAU diese Mauern. Sie sind genau diesen Wen über genau diese Steine gegangen. Das plättet mich immer wieder.

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Alle da? Dann kann es ja losgehen.

Wie muss die Luft gekocht haben unter den riesigen Sonnensegeln, die an hölzernen Masten über der Arena gespannt waren? Und was für ein krasser Kontrast zum Geruch von Schweiß, Blut und Tod unter dem Sandboden in den Gängen, wo man die Tiere schon fauchen und scharren hören konnte. Ich streiche über die Brüstungen, fasse alles an, versuche es zu begreifen und stelle mir die Szenen vor. Unsere Führern ist inzwischen zum Ende gekommen und ermahnt uns, um 16:30 Uhr an dem Bücherladen am Ausgang zu sein, von wo man uns geschlossen rüber zum Forum führen wolle. Meine große Tochter und ich stromern noch die Ränge rauf und runter, lachen über die Selfie Stick Fraktion und genießen ganz nebenbei auch die echt bräunende Sonne Italiens, während Norddeutschland im Regen ersäuft. Ach ja, einen Selfie machen wir natürlich auch noch, nein, SIE macht ihn. Ganz ohne Stick. Wie sich das gehört für eine angehende Fotografin Brot und Spiele Hübsch ist sie. Und ich kann herrlich blöd gucken. So haben wir eben alle unsere Gaben…

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Selfie ohne Stick

Um 16:25 Uhr stehen wir am Bücherladen.
Um 16:35 merken wir, dass es zwei gibt, und der hier ist nicht der am Ausgang.
Um 16:38 ist niemand mehr da, mit dem wir mitgehen könnten.
Na klasse. Rausgehen bedeutet endgültig raus, ich habe aber sehr viel Geld für das Kolosseum UND das Forum bezahlt und ärgere mich grün und blau.
Greg, ein smarter Brite mit vielen neugierigen Menschen im Schlepptau fragt mich, wie denn unsere Führerin geheißen habe. Das weiß ich doch nicht! Klein, 50, schwarze Haare, wenig Humor. Er telefoniert. Er erklärt ein paar Leuten die Situation. Verrücktes Business, die kennen sich alle. Und er schickt uns raus aus dem Kolosseum, raus auf den Vorplatz. Denn da steht die nächste Gruppe mit einer neuen smarten Führerin, die uns zwei kostenlose Tickets in die Hand drückt, die eigentlich die Guides bekommen. Bei einer Kontrolle müssten wir wohl draußen bleiben, wir seien ja schließlich keine Guides, aber man könne es ja mal versuchen, sagt sie. Das finde ich cool. Sehr cool.

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Menschlichkeit. Überraschend.

Ein Stück Restglauben an die Menschlichkeit zurück gewinnend sitzen wir zwei noch ein bisschen vor dem Forum und dem Palatin, dem ersten besiedelten der sieben Hügel Roms rum und mampfen ein Sandwich mit luftgetrocknetem Schinken und Mozzarella. Pizza gibt es hier nicht. Wir üben den unbeteiligten Blick, den die Guides beim Passieren der Schranken immer aufsetzen und glauben fest an unseren Erfolg. Bisher hat doch alles einwandfrei geklappt, wenn auch mit Stolperfallen. Und 15 Minuten später stehen wir zwischen alten Mauern und erfahren auf Englisch wissenswertes über die Paläste auf dem Palatin, die Geschichte der ersten Besiedlung Roms und die Zeit um Christi Geburt. Nun weiß ich auch, warm es nur zwei U-Bahnen gibt. Es ist fast unmöglich, Tunnel unter der ewigen Stadt zu graben, ohne nennenswerte Mengen an historischem Material zu zerstören. In den Jahrtausenden ist der Sand und Matsch um etwa sechs Meter nach oben gewandert, man vermutet dass rund 2/3 der antiken Mauern noch immer unter dem Erdboden darauf warte, ausgegraben zu werden. Nicht jeden hat freilich das antike Welterbe beeindrucken können. Mussolini ließ ohne Rücksicht auf Verluste eine breite Prachtstraße quer durch die Ruinen und Ausgrabungen ziehen, um seinen Kollegen Hitler mit einer Fahrt in Richtung Kolosseum zu beeindrucken. Seltsame Prioritäten. Wir stehen derweil unter einem Triumphbogen, der von Kaiser Titus, auf dem ein Gespann mit vier Pferden zu sehen ist. Hinten drauf steht die griechische Siegesgöttin Nike, und ich mag dieses Motiv so gern, weil ihr geschwungener Flügel ganz rechts im Bild das Logo einer ähnlich klingenden Bekleidungsmarke geworden ist Brot und Spiele

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Nike? Ja, Nike.b

Vom Palatin aus, auf den Ruinen der gigantischen Villa von Augustus stehend, hat man einen grandiosen Blick auf den Circus Maximus, die vermutlich größte Arena der Antike und der Neuzeit. Der Welt. Des Universums. Es hat nie wieder einen größeren Veranstaltunsort gegeben. Und wissen Sie was? Der Anblick ist relativ unspektakulär, man ahnt das Oval der Rennbahn für die Wagenrennen und die Anhöhe der Tribünen, alles mit Gras bewachsen. Keine Steine. Na klar – die liegen ja auch alle ein paar Meter unter Dreck und Schlamm, und weil es da recht sumpfig ist hat man noch nicht mit den Ausgrabungen angefangen.
Es gibt fesselnde Bücher, welche die Plätze dieses Zentrums des kulturellen und politischen Lebens der Stadt mit durchsichtigen Folien im Heute und Damals darstellen. Es muss hier wunderschön und beeindruckend urban gewesen sein. Es gab Brunnen, Basiliken und Kirchen, der Senat tagte hier und mittendurch geht die Via Sacra, die berühmte alte Straße vom Kapitolhügel zum Kolosseum, auf der schon so mancher Imperator in seinen Sandalen stapfte. Und da ist es wieder. HIER war es. Ich laufe den gleichen Weg, das ist kein Museum. Noch um 1800 guckten hier nur ein paar vereinzelte Säulen aus dem Rasen raus, mit den Ausgrabungen im hochgelevelten Boden hat man erst vor rund 200 Jahren begonnen.

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Wandeln wie der Imperator

Schwer, die Sicherungen drin zu behalten. Die anderen Touristen verteilen sich angenehm auf die Fläche und die schmeißfliegigen Selfie Stick Verkäufer dürfen nicht rein. Ich streichel hier einen Stein, fasse da eine Mauer an und lege meine Arme dort um eine Säule. Wenn diese Mauern doch erzählen könnten. Was mögen die bloß alles schon gesehen haben! Vielleicht will ich das auch gar nicht so genau wissen. Meuchelmorde, Ehrungen, Paraden. Geschäftiges Treiben und profane Einkaufstouren in die Basiliken, eben um die Dinge des täglichen Lebens zu besorgen. Meine attraktive Begleiterin philosophiert vor sich hin, wie es wohl wäre, wenn man ein paar Tage im Damals leben könnte. Der klassische Zeitmaschinen Gedanke, und das in dem Jahr, in dem Marty McFly in der Zukunft gelandet ist. Ich habe mich das aber auch schon oft gefragt, wie es wohl wäre, mal im Damals zu sein. Die Luft zu riechen. Die Menschen reden zu hören. Zu essen und zu trinken, was sie gegessen und getrunken haben. und schon fühle ich mich wieder sehr vergänglich, denn ich habe definitiv nichts erschaffen, was 2000 Jahre später noch von Menschen angefasst wird. Aber okay, ich bin auch kein Kaiser oder Caesar, und das ist ja auch ganz gut so. Guck mal. Säulen, die stehen hier schon sehr lange, die sind auch auf vielen ganz alten Bildern und Zeichnungen drauf.

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Ich und 2000 Jahre alter Kram

Mann war das alles groß und prachtvoll.
Wenn ich mir vorstelle, wie lange ich allein an einem einzigen Bauteil so einer Säule mit Hammer und Meißel rumkloppen würde, bis sie diese perfekt symmetrische Form hat – man bekommt tatsächlich einen Eindruck von der Ewigkeit. Und nun rufen die Schuhe von unten, dass sie schon echt weit gelaufen sind. Der Schrittzähler im Samsung Handy meiner Großen behauptet, dass wir jeden Tag mehr als 15 Kilometer gestapft sind, und heute wird das bestimmt nicht anders sein. Also gönnen wir uns einen Platz in der U-Bahn für den Rückweg und überlegen, was wir noch nicht gesehen haben.Eigentlich war ziemlich viel dabei, auch Orte, die ich hier jetzt mal stumpf weggelassen habe. Die Engelsburg, die Piazza Navona, die Piazza Popolo, das Patheon und was weiß ich nicht noch alles. Man kommt ja ständig an irgendwelchen berühmten Gebäuden vorbei, mit den Bildern die wir gemacht haben könnte ich 10 Geschichten füllen. Aber das will ja keiner Brot und Spiele Außerdem haben wir Hunger. Also ab nach “Hause” in Richtung Vatikan.

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Liebe unter Tage in der ewigen Stadt

Karierte Decken, fast nur Einheimische (so weit ich das beurteilen kann, jedenfalls reden alle sehr schnell und sehr Italienisch), lustige Musik und ein mürrischer, aber aufmerksamer Kellner. So stelle ich mir eine gute Pizzeria vor, und so ist genau diese hier mal wieder. Die Pizza Quattro Stagioni hat es mir hier echt angetan. Nicht, weil da alte Audi-Gefühle hochkommen und nicht, weil die auch nur IRGEND etwas mit diesen überfrachteten, käsetriefenden Teigwürsten in Deutschland zu tun haben könnte. Nein. Sondern weil sie eine Offenbarung ist. Noch während Sie die frischen Champignons auf dem Gaumen zerdrücken steigt Ihnen der Duft der Oliven in die Nase (ich mag keine Oliven, aber auf Pizza mag ich sie). Der luftgetrocknete Parmaschinken rundet alles ab, der Rand knuspert leicht, der Boden ist dünn und heiß und schmeckt nach Holzofen. Dazu einen offenen Hauswein aus der Karaffe. Das Leben kann so verdammt einfach, so köstlich und so schön sein. Unsere letzte Pizza in Rom. Irgendwie traurig, dass gute Zeiten immer so schnell vorbei gehen.

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Da weiß man was man hat

Aber wissen Sie was? Ich habe endlich, nach Jahren, ein Versprechen eingelöst. Das hat nun ein paar hart ersparte Kröten gekostet, aber ich glaube es hat jemanden an meiner Seite, der bald 20 wird und eine Ausbildung in einem Fotoatelier anfängt sehr glücklich gemacht. Daheim in Kiel dreht sich die Welt leider auch weiter, und nicht alles läuft so rund wie sich das manche der Anwesenden wünschen würden (und da stehe ich ausnahmsweise mal nicht alleine da) aber erstens ist das weit weg in Kiel und zweitens haben wir jetzt Papst Franziskus dabei. Der wird das schon richten :-) Auf dem kleinen Bild erzählt er mehrsprachig und goldglänzend irgend etwas vom Frieden und wie wichtig der ist. Ich mag das. Also, den Frieden sowieso, aber auch so kleine Superkitsch-Teile. Den hänge ich mir zu Hause gleich mal neben den Badezimmerspiegel, und ins Regal stelle ich den Petersdom und das Kolosseum als kleine Spreckstein-Miniaturen für je einen Euro. Wer kann denn da schon nein sagen? War günstig. Nech, Papa Kalle?

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Wir sind Papst. Jetzt in meinem Badezimmer.

Ciao Roma.
Zwei Tage länger wären auch okay gewesen. So sehr ich mich schon nach einer einzigen Nacht fern von Hamburg nach meinem Zuhause sehne – so ein paar Tage ohne Plan, ohne Verpflichtungen und ohne Termine (aber mit viel Pizza und Hauswein) sind schon etwas sehr Besonderes. Etwas besonders Erholsames! Ich habe ganz neue Einblicke in die erwachsene, reife Denke meiner Tochter bekommen, ich weiß jetzt, dass Grafikkarten von Laptops kaputt gehen können. Ich habe nach Jahren mal wieder zwei Folgen Lost geguckt und der alte FIAT 500 ist im Straßenbild von Rom noch durchaus präsent. Klein und rostig. Aber das sind alles andere Geschichten. Ich bin so dankbar für diese drei wunderbaren Kinder, die ich habe, und nach so einer kleinen Reise stelle ich wieder einmal fest, was das wichtigste im Leben ist. Familie und Freunde. Und den Rest wird man schon irgendwie hinbekommen. In diesem Sinne, schlafen Sie gut.

Sandmann

Davor war der Selfie Stick Wahn…

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Created Mittwoch, 13. Mai 2015 Tags Colosseo | Foro Romano | Forum Romanum | Kolosseum | Palatin | pizza | Reise | Reise Reise | rom | Skip the line | Ticket Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
12 May 2015
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Selfie-Stick Wahn

Selfie-Stick Wahn

Sie sind im Bild. Definitiv.

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Ich hätte niemals gedacht, dass ich diesen Artikel einmal schreiben werde. Jedenfalls hätte ich das vor… sagen wir mal 10 Jahren noch nicht gedacht. Ich, der gern mal selbst ins Bild springt, der sich ständig pathetisch auf den Horizont blickend neben Autos stellt und der sich andauernd beim Autofahren knipst. Mit ausgestrecktem Arm. Oder – der Typ mit dem abgegriffenen Selbstauslöser. Ausgerechnet ich bekomme in Rom eine mittlere Krise. Erst wegen der distanzlosen Menschen, die mir den ganze Tag Selfie Sticks für mein Handy verkaufen wollen (is gutt praiss, make cheap) und dann wegen der Menschen, die diese Selfie Sticks exzessiv einsetzen. Das sind unfassbar viele. Was macht man dagegen oder damit? Ein paar kleine Ideen hatte ich dann ja doch…

Wissen Sie denn überhaupt, was ein Selfie Stick ist?

Selfie-Stick Wahn

Wir alle vorm Sankt Peter

Das ist so eine kleine ausziehbare Teleskopstange, auf die man ans eine Ende sein Smartphone klemmen kann und die einem den Arm verlängert. Um einen Selfie von sich und seinen Lieben zu machen, und wenn dank des Teleskops die Kamera dann weiter weg ist kommt natürlich auch noch die ganze schöne Landschaft mit drauf. Denn so ein Arm ist ja relativ kurz. Sagen alle. Finde ich eigentlich gar nicht. Die Dinger haben einen Auslöser am Griff, einige können auch als selbst stehendes Stativ ausgeklappt werden. Wolle Selfie Stick? Want? YOU want? Cheap! Die Theorie zur Benutzerfreundlichkeit tut keinem weh, die Dinger kosten im Netz rund 15 Euro, ich weiß nicht was sie bei unseren redseligen Freunden in Rom kosten. Die Jungs sollte man ja lieber einfach stehen lassen, sonst wird man die nie mehr los. Wenn Sie nur einmal nach dem Preis fragen sitzt der Typ eine Woche später noch bei Ihnen zu Hause auf dem Sofa und handelt. Also bleibt der Selfie-Stick-Preis im Zentrum von Rom ein gut gehütetes Geheimnis, zumindest vor meiner großen Tochter und mir. Hey you. Come here, good stuff. Cheap. Etliche andere könnten darüber in epischer Breite philosophieren und Zahlen nennen, denn es ist schier unglaublich, wie viele Touristen durch die Stadt rennen, so eine bekloppte Antenne vor sich hertragen und sich entweder permanent filmen oder endlose Fotos machen. Ich vor dem Pantheon, ich vor dem Kolosseum, ich vor ihr. Das geht ja sogar mir auf den Sack! Das ist narzistischer Hardcore. Ich muss gegensteuern, fotografiere mit der richtigen Seite des Telefons (was für sich genommen schon ein ziemlich lustiger Satz ist, den vor 20 Jahren niemand verstanden hätte) und genieße mal wieder, dass ich nicht andauernd mit drauf bin. Sondern diesmal ein lustiger Römer, der mit seiner Kamera telefoniert. Ist doch toll sowas, und ganz ohne Stick.

Selfie-Stick Wahn

Römer mit Selfie-Cam

Der lustige Römer ist hinterher gar nicht mehr so lustig, denn er verlangt eigentlich Geld dafür, dass man sich selbst mit ihm fotografiert. Dass man also einen Selfie mit diesem liebevoll verkleideten Feingeist macht, vielleicht mit einem Stick? Ah you! Deutsch? Bratwurst? Gut, wir gehen dann mal weiter. Notiz an mich selbst: Römer, die wie Römer aussehen nur mit Geld in der Hand und als Selfie fotografieren. Neben uns labern zwei Amerikaner Texte ins teleskopisch weit weg gehaltene Handy, während sie mit starrem Blick über den Platz laufen. Ein Perma-Selfie-Video. Das sechste von insgesamt 42 Stück heute vermutlich. Selfie Stick? Selfie Stick? Wanna look?.NEIN MANN!!! Ich raunze den klettigen und leicht überraschten Verkäufer mit den bunten Stangen und der irgendwie leberwurstfarbenen Haut an. “Look here! I have ARMS. Long Arms. You wanna touch? Come here, touch it. Enough to make Selfies. Come on TOUCH it!” Der Mann scheint mit dieser Reaktion nicht gerechnet zu haben und wechselt die Himmelsrichtung, in der seine Füße laufen. Anfassen wollte er meinen Arm nicht. Komisch. Ein weiterer junger Amerikaner läuft sich selbst mit Stick filmend rückwärts und rennt meine Tochter fast über den Haufen. Sorry. Ob sie einen Selfie mit ihm vor der Säule da machen möchte? Nein, möchte sie nicht.
Der nächste fliegende Händler bietet seine Billigware feil und wanzt sich an mich ran. “Selfie? Wanna Selfie?” Ha. Na klar. Mit einem strahlenden YES!!! zücke ich mein Telefon und mache einen Selfie von mir und dem Selfie Stick Verkäufer :-) Er versucht gar nicht erst, mir zu erklären, dass er was anderes gemeint hat. Ich glaube, er hat es verstanden. An diesem Tag unternimmt zumindest dieser jetzt leicht verwirrte Mann nicht mehr den Versuch, mir so einen Scheiß zu verkaufen.

Selfie-Stick Wahn

Selfie mit dem Selfie Stick Verkäufer

Himmel ist das alles albern und lästig.
Früher, in den Zeiten wo Menschen noch miteinander gesprochen haben frug man einen vorbeikommenden Passanten, ob der mal ein Bild von einem machen kann. Bitte. Oder (und da bin ich ein großer Freund von) man suchte sich einen Mülleimer oder eine Mauer, stellte die Kamera drauf und benutzte den Selbstauslöser. Meine schönsten Bilder halten genau die Momente fest, in denen während der 10 Sekunden alles schief ging, was auf dem Weg von der Kamera zum vorgesehenen Motiv schief gehen konnte. Ich möchte das auch heute nicht missen Selfie-Stick Wahn Zumindest das iPhone kann das doch auch, finden die Leute sich denn nicht furchtbar albern mit diesen Antennen in der Hand, an deren Ende das Telefon klemmt? Und achten Sie mal drauf – es gibt einen süffisanten Selfie-Blick. Der ist neu. Der ist total panne. Da wiederum profitiere ich von meiner jahrealten Macke, mich schon immer gern mal selbst fotografiert zu haben. Ist ja irgendwie auch ne Kunstform… Gniiihihi. Komm, Töchterchen, ich mach nochmal einen Selfie von uns, während du grad einen Selfie von dir vor dem Forum Romanum machst. Das ist dann doppelter Unsinn, genau wie der Selfie mit dem Stick-Verkäufer, ich glaube wenn man sowas richtig angeht öffnet sich ein Wurmloch und setzt nie gekannte Energien frei. *klick*

Selfie-Stick Wahn

Selfie mit Selfie machender Tochter

Oder wie stehen Sie dazu?
Plötzlich (na ja, seit ein paar Jahren) fotografieren sich die Leute auf einmal alle selbst, im Bad, auf Parties, im Urlaub. Finde ich cool, aber warum ist das denn auf einmal so hip? Und was genau ist so geil daran, mit der Frontkamera (die meist nicht mehr als nur normale HD Auflösung macht) mit sich selbst ständig im Bild durch eine so schöne Stadt wie Rom zu laufen? Man verpasst ja die ganze wundervolle Realität, weil man ständig nur damit beschäftigt ist, die Stange vor sich gerade zu halten. Was für ein Schwachsinn. Wenden wir uns wieder den schönen Bauwerken und der köstlichen Pizza zu. Morgen gibt’s mehr davon. Garantiert ohne Teleskopstange.

Sandmann

Was davor war…

Und weiter zum Brot. Und den Spielen.

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Created Dienstag, 12. Mai 2015 Tags Absurdistan | albern | fail | Italien | Petersdom | Reise Reise | rom | Selfie | Selfie Stick | Selfiestick | Verkäufer Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
05 May 2015
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Skip the line

Skip the line

Menschen. Viele Menschen.

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Rom ist ganz schön voll. Randvoll mit Menschen. Aber dazu später. Gestern Abend saßen mein Töchterchen und ich noch in einer Pizzaria in der eher einsamen Ecke des Vatikans, heute ist eine große Kirche dran. Ohne Holzofen und ohne Hauswein. Eine wirklich ganz doll große. Eine, die so groß ist, dass ich 1997, als ich das erste mal da reingegangen bin weinen musste. Ja, liebes Tagebuch, beim Betreten einer Kirche. Weinen. Hausweinen. Viele andere weinen heute auch, vor allem, weil sie wertvolle Zeit mit schlangestehen verbrennen, statt wie wir in eine clevere Touristenfalle zu tappen, die uns mit Lichtgeschwindigkeit in eben diese Kirche beschleunigt. Cool. Stellen Sie sich mit uns hinten an? Nein? Okay, wir auch nicht.

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Mercado in der Basilika

Der erste ganze Tag in Rom beginnt fruchtig. Nein, eigentlich beginnt er süß. Damit meine ich nicht mein großes Töchterchen, das sich im Morgenlicht neben mir knurrend und schnurzelnd nochmal zur Seite dreht. Das ist zwar auch irgendwie süß, aber ich spreche von dem typisch italienischen Frühstück, was uns in dem kleinen B&B in die noch viel kleinere Küche gestellt wurde :-) Schokocroissants, süße Croissants, zuckersüße Marmelade, Orangensaft (süß), keine Butter aber guter italienischer Kaffee. Wir nehmen noch vor 9:00 Uhr mehr Zucker zu uns als man in einer ganzen Woche sollte und haben schon jetzt echt Bock auf eine Wildschweinhälfte oder was man sonst noch so in Deutschland zum Frühstück gewohnt ist. Die paar Meter zu den Säulen, die vor dieser großen Kirche rumstehen beginnen wir erstmal mit einem kleinen Rundgang in einer großen Markthalle, wo jeden Tag Markt ist. Einfach so. Jeden Tag. Gemüse, Obst, Fleisch und Brot so weit das Auge reicht. Warum gibt es sowas nicht in Kiel?
Bevor wir bereit sind für die Konfrontation mit der kompletten Heiligkeit drückt der Durst. Vielleicht drückt bei 50% der Anwesenden auch der Wunsch, eine nicht völlig echte aber fast originale Michael Kors Tasche zu kaufen, aber erstmal drückt der Durst. In Rom gibt es, wie in Zürich von mir so geliebt, vielleicht keine Mona Lisa aber öffentliche Brunnen, die frisches klares Wasser ausspucken.

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italienisches Wasser trinken Teil 1

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italienisches Wasser trinken Teil 2

Wir vergleichen je ein Bild von iPhone 5 und Galaxy 6. Das finden Sie banal? Haben Sie mitten in einer großen Stadt schon mal so richtig doll Durst bekommen? Sie glauben gar nicht, wie köstlich da so schlichtes kaltes Trinkwasser sein kann, und wenn man sich vorstellt, dass es vielleicht sogar durch mehrere sagenhafte Gesteinsschichten und geschichtsträchtige Gebeine geflossen ist (statt eine grob von menschlichen Fäkalien befreite geklärte Brühe zu sein) dann schmeckt es wahrhaft phantastisch. Wasser in Rom. Wie einfach Glück sein kann. Nicht ganz so einfach ist Glück, wenn man plötzlich umringt ist von sehr dunkelhäutigen Menschen, die mit gehetzten Blicken die Umgebung scannen und einem eine fast echte Ledertaschen verkaufen wollen. Die Freude auf der anderen Seite ist riesengroß, wenn unsereiner oder ihrereiner tatsächlich Interesse bekundet und fachmännisch das Kunstleder streichelt und die Reißverschlüsse prüft. Die Jungs sind schnell. Noch bevor wir die Cops überhaupt gesehen haben sind die plötzlich alle komplett wegvaporisiert, quasi in Lichtgeschwindigkeit. Na gut. Wir sind ja auch wegen etwas anderem hier. Richten wir also den Blick auf diese Kirche.

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Da sind wir endlich

San Pietro in Vaticano, landläufig der Petersdom genannt, ist die größte Kirche der Welt und das erklärte Zentrum der Heiligkeit des Westens, denn hier haust der Papst, also laut dem katholischen Glauben der Vertreter Gottes auf Erden. Da sind nun viele anzweifelbare Informationen drin, ich teile Ihnen jetzt und hier schlicht mal meine Meinung mit, wenn Sie eine andere haben ist das völlig okay: Ich bin gläubig, wenn auch nur sporadisch und vor allem nicht katholisch. Den aktuellen Papst finde ich verglichen mit seinen Vorgängern so dermaßen revolutionär, dass ich mir noch ein kleines Bildchen von ihm kaufen werde. Ich mag Franziskus. Glauben, jeglicher Glauben ist etwas Gutes, wenn er nicht übertrieben wird und die Gläubigen in realitätsfremde Menschen oder Fanatiker umwandelt. Kriege im Namen des Glaubens lehne ich ab. Für mich ist Religion eine Bereicherung, und jeder der Götter, an die wir glauben ist ein gütiger Gott. Was schlimm ist sind die Menschen, nicht die Religionen. So denke ich. So ähnlich dachte ich schon immer, aber heute noch ein bisschen deutlicher. Und jetzt klicken Sie mal auf das nächste Bild und machen Sie es größer. Schauen Sie sich einmal diese Dimensionen an!

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Säulen und Menschen

Ich erzähle Ihnen heute nichts von der Geschichte des Petersplatzes, auch nicht von der des Petersdoms selbst oder seinen vielen Baumeistern über die Jahrzehnte. Das können Sie alles super ausformuliert im Netz nachlesen. Aber lassen Sie uns von Größe sprechen. Kirchen sind ja nicht nur weit nach oben gebaut worden, um die Antenne möglichst nah an den göttlichen Sender zu bringen. Das ging ja vor allem in Babylon nachweislich in die Hose. Kirchen sind vor allem in bestimmten Epochen auch groß gebaut worden, um die kleinen Gläubigen in Ehrfurcht erstarren zu lassen. Um Macht zu demonstrieren. Dieses Thema lag auch über vielen wirklich ziemlich blöden und grausamen Taten, die im Namen der einen oder anderen Kirche erfolgten, aber was geblieben ist sind die Gebäude. Und die hier wirken auf norddeutsche Flachländler wie ein Auszug aus Disneyland, nur noch getoppt von den Zuckerbäcker-Marmorfassaden in Pisa oder Florenz. Es ist der pure Wahnsinn, was hier rumsteht, es ist wirklich nur zu glauben wenn man es selbst gesehen hat. Ich sah es 1997. Da steckte ich mitten im Kunststudium und war mit wirklich netten Menschen für zwei Wochen in Italien. Viel weiß ich nicht mehr, das liegt am exzessiven Rotweingenuss während dieser Tage, aber Rom ist hängen geblieben. Erst hielt ich nägelkauend ein Referat über die Fassade des Doms vor versammelter Mannschaft (in Frauke war ich ein bisschen verknallt), dann gingen wir rein und ich fing an zu flennen. Ich philosophiere schon wieder ausschweifend vor mich hin. Ich war kurz abgelenkt. Meine Tochter hat plötzlich eine echte Michael Kors Tasche. So schnell kann’s gehen.

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Sie und eine Tasche von Michael

Ich habe ihr schon vor vier oder fünf Jahren diese Heul-Geschichte und die Dimensionen des Petersdoms verklickert und ihr versprochen, mit ihr einmal hier hin zu reisen und das alles anzugucken. Es kam so einiges dazwischen, was ich heute mal als “Leben” verbuche, aber ein Sandmann-Papa hält sein Wort. Früher oder später. Und nun sind wir endlich hier, wollen da rein und stoßen kleine säuerliche Wölkchen aus Puderzucker und Erdbeermarmelade auf. Ein wahrhaft nachhaltiges Frühstück. Aktuelles Problem: Schauen Sie sich noch einmal das breite Bild weiter oben an. Das mit den Säulen. Lassen Sie eine mehrreihige Menschenschlange links vom Dom beginnen, führen Sie diese nach links hinter dem Fotografen entlang weiter und rechts wieder an den Dom ran. Die Meute steht tatsächlich einmal komplett um den ganzen Petersplatz rum, um ein Ticket für 12 Euro in den Dom zu bekommen. Und glauben Sie mir, der Petersplatz ist wirklich rund und groß! Da habe ich keinen Bock drauf. Ich schiebe die distanzlosen privaten Touristenführer beiseite, die mir Skip-the-Line-Tickets inklusive Führung in den Petersdom verkaufen wollen und kaufe dann an einem offiziellen römischen Touristeninformationszentrum ein Skip-the-Line-Tickets inklusive Führung in den Petersdom. Nein, zwei. Das bedeutet, dass mein Töchterchen und ich für nur 8 Euro mehr wieder in Lichtgeschwindigkeit an allen anderen vorbei gehen und sogar eine Führung mit Knopf im Ohr im Dom erwarten können. Wissen Sie was? Das finde ich richtig gut. Schnell mal einen Selfie vor all den Wartenden. Ganz hinten sehen Sie noch nicht mal das Ende der Schlange, die Menschen hier vorn sind teilweise schon mumifiziert.

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Ich will nicht den ganzen Tag in Rom rumstehen

Und man mag über das korrupte Italien denken was man will, das mit dem Treffpunkt am Brunnen und der Führung klappt schon mal. Unsere aus welchem Grund auch immer ziemlich gut gelaunte blonde langhaarige Führerin plaudert lustig auf Englisch, geht auf Fragen ein und erweckt den Anschein, als ob sie ihren Job echt gerne machen würde. Der kleine rote Aufkleber an unseren Shirts lässt uns tatsächlich an allen Leuten und auch an der Security vorbei, und plötzlich verschwimmt ihr fuchtelndes kleines Fähnchen vor meinen Augen und ich stehe wieder in dieser Vorhalle des Doms. Die für sich genommen ist schon sagenhaft, allein da passen vermutlich alle Kirchen von Kiel rein. Aber es ist nur die Vorhalle. Das schöne an sehr sehr alten Gebäuden ist, dass sie immer gleich aussehen, egal wie viele Jahre zwischen zwei Besuchen liegen. Ich erinnere mich, wie ich damals völlig verstrahlt durch die schweren Türen in die eigentliche Basilika gegangen bin. Es öffnete sich mir ein von Menschen geschaffener, kunstvoll verzierter Raum, der in seiner Größe meine Vorstellungskraft sprengte. Dieser Raum öffnet sich mir heute genau so. Vielleicht sprengt er nicht mehr meine Vorstellungskraft, aber für einen kleinen Moment halte ich wieder inne, nehme den Knopf aus meinem Ohr und stehe einfach nur da. Blicke um mich. Und auch wenn ich dieses mal nicht in Tränen ausbreche bin ich ihnen zumindest nahe.

Skip the line

Keine Tränen diesmal. Aber fast.

Himmel, dieser Haufen aus vergoldeten Marmorplatten ist so unglaublich groß!
Ja, mein Töchterchen kann es nachempfinden. Es entfleuchen ihr boahs und ooohhhhs und sie guckt nicht so oft auf ihr Handy wie sonst. Unsere Führerin zeigt uns warm beleuchtete aufgebahrte Päpste im original Mumienoutfit (die sind alle echt, da liegen echt jede Menge echte tote Päpste in Särgen aus Glas) und ich habe zu viel Respekt, um die zu fotografieren. Auch wenn sie echt klein sind und irgendwie komisch aussehen. Immer, wenn ich nach oben gucke kann ich nicht fassen, was hier alles gebaut, bemalt und vor allem geklebt wurde. Da stehst du vor meterhohen Bildern und denkst, dass du sowas in 10 Jahren nicht malen könntest und dann sagt dir diese blonde Italienerin in ihrem irgendwie süßen Englisch, dass das gar kein Bild ist. Im gesamten Petersdom sind nur drei gemalte Bilder. Alles andere sind Mosaike, also aus kleinen farbigen Marmorsplittern zusammengesetzte Puzzle. Was? Wahnsinn. Die Pixel, die Bits und Bytes der Renaissance, so kunstvoll komponiert dass jeder Maler in Depressionen versinken könnte. Wir lauschen. Wir sehen die ersten Definitionen von HD und 4K. Und wir stehen und staunen.

Skip the line

kuck – dir – das – an

Ich könnte mich noch stundenlang in meinen Ansichten über den Katholischen Glauben, diese Bauwerke und ihre Bedeutung, nicht gemalte Bilder oder die Rolle eines Papstes verlieren, aber eigentlich ist das hier ja ein Autoblog :-) Und ich habe schon lange keine Autobilder mehr gebracht. Vermissen Sie die? Die kommen wieder, keine Sorge. Das ist ja Sandmanns WELT, und da gehören solche Touren nun mal dazu. Der Petersdom ist eines der wohl faszinierendsten Gebäude, die ich jemals betreten habe. Später kommen noch das Colosseum, das Pantheon und na klar das Forum Romanum. Später. Ich nehme Sie jetzt ohne weitere Erklärungen noch mit in ein paar Impressionen dieses Doms, dieses sagenhaften Bauwerks, was man eigentlich nur unter Alkohleinfluss ertragen und begreifen kann. Haben Sie schon einen Rotwein im Glas? Oder noch? Wenn nicht, holen Sie sich einen und genießen Sie diese Weite des Raumes dann noch einmal. Und gucken Sie mal, wie klein die Menschen sind…

Skip the lineSkip the lineSkip the line

Eigentlich ist es schade, dass ich irgendwann aufgehört habe zu malen. Nicht, dass ich diese Fresken hier (moment, nein, es sind MOSAIKE!) in irgend einer Weise nachmalen könnte. Aber wir haben damals in Italien ziemlich abgefahrene Bilder produziert, wenn auch teils zu Lasten der individuellen Gesundheit. Was mag aus den anderen Kunstnasen geworden sein? “Nasen” ist so ein 90er Wort oder? Ich glaube, ich nehme mal wieder Kontakt auf. Unsere Führung ist jedenfalls jetzt zu Ende, wir dürfen aber noch im Dom bleiben, so lange wir wollen. Auf Klassenfahrten nannte man das “Zeit zur freien Verfügung” :-) Ein bisschen nutzen wir das auch noch. Irgendwann beginnt dann allerdings der weltliche Hunger sein Revier abzustecken, kein Wunder, nach dem eher kuchenartigen Frühstück. Pizza? Och ja, warum eigentlich nicht? Wenn wir schon mal hier sind. Aber bevor die kleine Tanz und der große Tanz aus dem mächtigen Portal wieder heraustanzen verneigen wir uns vor dem Altar. Hier auf dem Berg soll damals der Apostel Petrus mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden sein. Was auch immer damals geschehen ist – es waren grausame Zeiten. Jetzt sind sie besser, definitiv. Und es fällt schwer, sich solche Gräuel vorzustellen, aber hier drin geht es ein bisschen besser als da draußen. Menschen, die solche Bauwerke errichten sind wohl zu allem anderen ebenfalls fähig.

Skip the line

Ich habe den Himmel gesehen

Ciao Petersdom.
Mein Michael Kors betaschtes Töchterchen und ich pilgern zurück an der Schlange entlang, die während der ganzen Zeit vielleicht sechs Meter kürzer geworden ist. Skip the Line. Klasse. Gern wieder. Ich frage mich, warum diese unfassbaren Touristenmassen (waren das in den 90ern auch schon so viele?) nicht diese handvoll Euro mehr investieren und sich eine Führung kaufen, die sie direkt reinbringt? Die nun gesparten Sunden, wenn nicht gar gesparten Tage setzen wir mit der Suche nach einer schönen Pizzaria um, die nicht ganz so touristisch belagert ist. Das wiederum ist in einem Umkreis von rund zwei Kiloemtern um den Dom schlicht nicht möglich. Der Schrittzähler im Handy der fast 20jährigen Audi A3 Fahrerin berichtet schon jetzt von einem Erreichen des Tagesdurchschnitts, also setzen wir uns alsbald in die mit den schönsten Blumen Skip the line Und wie das in Rom so ist (wir können uns daran nicht gewöhnen) – die Pizza ist köstlich. Klar ist der Schuppen touristisch, aber Pizza ist hier überall preiswert und sie scheint überall einfach nur unglaublich gut zu schmecken. Na dann rein damit, sie soll unser Mittagessen sein, die Sache mit dem Abendmahl und so haben wir drin im Dom gelassen.

Skip the line

Endlich wieder Pizza

Ach, Sie wollten lieber ein Bild von den Pizzen sehen? Das holen wir heute Abend nach. Da gibt es dann die nächste. Bis dahin muss ich erstmal ein paar Eindrücke sacken lassen und ein bisschen die Seele auswringen, wie ich das immer nach einem Kirchenbesuch mache. Was für eine wundervolle Stadt, was für eine sagenhafte Zeitreise. Nicht Retro diesmal, sondern zurück zu den Wurzeln Europas, auch wenn die nicht immer ganz fleckenfrei waren. Mission erfüllt. Ich habe sie in den Petersdom gebracht. Und heute Nachmittag und morgen geht es weiter, denn wir haben Zeit. Was für ein Luxus. Waren Sie schon einmal in Rom? In Italien? Ich bin gespannt, was Sie zu erzählen haben. Na los. Bald gibt es schon wieder Pizza!

Sandmann

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Created Dienstag, 05. Mai 2015 Tags Führung | Guide | Italien | Petersdom | Peterskirche | pizza | Reise Reise | rom | Schlange | Skip the line | St. Peter | Ticket Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
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24 Apr 2015
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Zur Pizza fliegen

Zur Pizza fliegen

Nehmen Sie Drogen? Ja, aber nur in Rom.

Von zweien, die drei Tage in der Antike waren
Liebes Tagebuch.
Rom ist sehr schön, glaube ich. Es ist fast 20 Jahre her, dass ich als Kunststudent durch die Straßen der ewigen Stadt schlurfte und mich mit Fassadenbeschreibungen, Säulenkapitellen und Imperatorengehabe befassen musste. Antikes und zeitgenössisches. Ende des vergangenen Jahrzehnts trieb es mich an meinem Geburtstag erneut für eine kurze Nacht hier hin, aber das jetzt wird anders. Seit viel zu vielen Jahren verspreche ich meiner grooooooßen Tochter eine Reise in die Stadt am Tiber, allein schon damit sie den Petersdom mal von innen sehen kann. Nun ist sie bald 20 Jahre alt, und ich habe endlich mal ein bisschen im Netz rumgeklickt, preiswerte Flüge gebucht und ein Bed&Breakfast ganz in der Nähe von Gottes direktem Vertreter auf Erden gebucht. Nägel mit Köppen. Auch wenn andere dort vor 2000 Jahren keine so guten Erfahrungen mit Nägeln gemacht haben, aber dazu später. Wie erwartet geht natürlich nicht alles reibungslos, aber Perfektion verlangsamt Emotion. Wir… äh… wir sind dann mal am Flughafen, kommen Sie mit?

Ganz billig will ich ja gar nicht.

Zur Pizza fliegen

Warten. Immer nur warten.

Der Kompromiss heißt also: Nicht so einen Dumping-Seelenverkäufer wie Ryanair, dafür aber zur Not keine ganz direkte Verbindung von Hamburg nach Rom. Passt. Eine blaue KLM nach Amsterdam-Schiphol, da bleiben uns 45 Minuten Zeit und dann eine blaue KLM nach Rom. Landung in Rom-Fiumicino: So gegen 17:30 Uhr. Perfekt, Starts und Landungen kribbeln im Bauch und die Atmosphäre auf den Flughäfen ist toll. Und die Ankunftszeit erlaubt sogar noch einen lockeren Bus-Shuttle zum Hotel vor 19:00 Uhr (danach ist keiner mehr an der Rezeption) und eine erste leckere Pizza in der milden Abendsonne. Soweit die Theorie.
In der Praxis ist auch die niederländische blaue KLM am Ende des Tages nur eine Fluglinie, die von Menschen geleitet wird und die Menschen befördert. Und was auch immer heute Morgen zwischen einigen beteiligten Menschen passiert ist, es hat dafür gesorgt dass unser Flieger nach Amsterdam 40 Minuten später abfliegt, weil er schlicht noch gar nicht hier angekommen ist. Na geil, das geht ja super los. Die leicht pampige Dame am Tresen vor dem vollen Gate schreibt mir mit einem blauen Kugelschreiber lachs “Information KLM” auf mein Ticket, da soll ich mich dann in Amsterdam hin wenden, um meine Weiterreise umzubuchen. Dieses Schicksal würde ich mit den Reisenden nach Frankreich teilen. Toll. KLM, ich hasse dich. Das bedeutet also, dass wir heute wohl noch irgendwie nach Rom kommen, aber sehr spät am Abend. Na gut, gucken wir uns also am Abend stattdessen den Amsterdamer Flughafen an, irgendwas ist ja immer.

Alles blau

Alles blau

Argh. Irgendwann sitzen meine hübsche Begleitung und ich unruhig auf unseren Plätzen Mittig auf Höhe der Tragflächen. Wir haben nur Handgepäck dabei, reicht ja bei drei Tagen getrent vom eigenen Bett und verringert bei insgesamt vier Flügen die Wahrscheinlichkeit, dass die Koffer woanders landen als man selbst. So ein bisschen Freude ist trotz der bevorstehenden Verzögerung da, andere Flugreisende haben in der Vergangenheit ganz andere Sorgen zu bewältigen gehabt. Wir kommen, so wie es momentan aussieht nur ein bisschen später nach Rom, und alles wird ein bisschen teurer. Ich telefoniere vor dem Start noch mit der freundlichen Inhaberin des “Vatican Holiday“, unser klitzekleines 5-Zimmer B&B. Ich hoffe, der Name ist Programm. Die fröhliche Stefania am anderen Ende der Leitung (nee… wie sagt man heute? Der Verbindung? Des Netzes?) spricht nur ein gebrochenes Englisch, aber ich kann ihr unsere Verspätungs-Problematik unter Einsatz von Händen und Füßen erklären. No Problemo sagt sie, sie würde aber nach 19:00 Uhr einen Aufschlag von 15 Euro berechnen, weil jemand uns die Schlüssel bringen müsste. Na klar. Das kann dann ja KLM zahlen :-) Nun muss ich aber mein Handy ausmachen, es soll nach oben gehen. Ist eigentlich weltweit auch nur ein Fall bekannt, bei dem die Benutzung eines Mobiltelefons das Flugzeug in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hat? Ich glaube nicht. Egal. Auf geht’s. Oder?

Zur Pizza fliegen

… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

Ja, auf geht’s. Über Hamburg ist es schön, aber kalt. Rom lockt mit wärmeren Temperaturen, wunderschönen antiken Bauwerken und der besten Pizza, die man sich vorstellen kann. Wir philosophieren ein bisschen über die Plätze, die wir zu besuchen gedenken und vertiefen uns dann für ein paar Minuten in die nebenan bei den Zeitungsständern der Lufthansa ausgeliehenen Magazine. Und schon geht es wieder runter, Amsterdam ist ja irgendwie nicht wirklich sehr weit von Hamburg weg. Hm. Wir werden (so die Ansage) um 14:20 Uhr am Gate andocken. Der zweite Flieger, den wir definitiv verpassen werden startet um 14:25 Uhr. Startet. Also – hebt ab. Wie groß ist Schiphol? Nicht so groß glaube ich, aber groß genug als dass ich mir sicher bin, dass wir da garantiert nicht mehr mitkommen. Mist.
Um 14:15 Uhr stehen mein großes Töchterchen und ich mit unseren Koffern in der Hand im Gang, und die Türen zum Gate werden geöffnet. Sie guckt mich an. “Rennen…?” Ich weiß nicht. Aber irgendwas in ihrem Blick überzeugt mich. “Rennen!” sage ich. Und wir rennen.
Sie werden Verständnis dafür haben, dass dieser Teil der Reise nicht fotografisch dokumentiert wurde. Ich habe zwar ein Déja Vu, denn ich bin schon mal sehr schnell gerannt, auf einem noch viel größeren Flughafen (und habe da sogar gefilmt…), aber ich setze heute klare Prioritäten. Während wir in Richtung Gate D60 rennen bekomme ich zwei SMS von KLM, dass unser Weiterflug erfolgreich umgebucht wurde und wir nun um 17:40 Uhr starten. Neeee Kollegen, das sehen wir noch nicht so. Neeeee! Rennen!
Um 14:23 stehen wir keuchend an Gate 60. Schiphol ist klein. Da ist niemand mehr, na klar, da ist allerdings auch kein Flugzeug und kein “Boarding Completed” Monitor. Da ist eigentlich überhaupt niemand, und es erweckt auch nicht den Anschein, als wenn hier heute schon mal jemand gewesen wäre. Verdammt. Hätten wir mal auf die Anzeigetafeln gucken sollen? Die haben doch jetzt nicht tatsächlich das Gate geändert???
Äh. Doch. Die erste der beiden SMS vorhin sagt, wir starten an Gate D62 statt an Gate D60. Na geil, jetzt verpassen wir deshalb den Flieger? Tochter? Rennen! Jetzt. Zwei Gates weiter, es ist 14:25 Uhr, sitzt eine blau gekleidete Dame am Schalter und schüttelt freundlich mit dem Kopf, als wir ankommen. Nein! Aber das Flugzeug steht da doch? Dieses Rolldings ist doch noch angeschlossen? Ich rede freundlich und flehend auf Englisch auf sie ein und bedeute ihr, dass bei einem umgebuchten Abflug um 17:40 Uhr unser Bus Shuttle weg ist und wir nicht mehr in das Hotel einchecken können. Dabei hätten wir uns doch sooooo auf die kleine Reise gefreut. Well. Sie guckt aus dem Fenster auf das blaue Flugzeug, klackert dann ein paar Zeilen in ihren Computer und telefoniert. Dann kommen aus ihrem Drucker zwei Tickets, die sie mir in die Hand drückt. “Go on” sagt sie lächelnd. Ich hauche ihr ein ernst gemeintes “I love you” entgegen, und wir rollern mit unseren Koffern in das Flugzeug und setzen uns auf unsere beiden Sitze :-) Geil.

Zur Pizza fliegen

Man sieht uns nicht an, was warjbs

KLM, ich hasse dich nicht, ich find dich toll!
Das war unkompliziert und unbürokratisch, da verschmerze ich es auch, dass unser zweiter Flieger erst 15 Minuten später abhebt. Das war wohl auch der Grund, warum wir das überhaupt noch geschafft haben Zur Pizza fliegen Es ist Zeit für einen Snack und einen Rotwein, denn wir sind wieder da, wir sind zurück. Zurück im Zeitplan. Das bedeutet, wir landen in Rom, noch bevor unser umgebuchter Flieger Amsterdam überhaupt verlassen würde. Ein paar Stunden gerettete Lebenszeit, die man nicht auf dem Flughafen in überteuerten Boutiken verbrennt, sondern hoffentlich in einer gemütlichen Pizzaria in der Stadt auf sieben Hügeln. Momentan sieht das durchaus danach aus. Unter uns, wirklich sehr weit unter uns ziehen die schneebedeckten Alpen dahin. Ich muss an den Piloten denken, der nach momentanen Erkenntnissen irgendwo nicht weit von hier einen Airbus in die Gipfel gejagt und 150 Menschenleben mit allen großen und kleinen Geschichten und Emotionen ausradiert hat. Pulverisiert. Einfach ausgelöscht. Traurig, gruselig und durchaus geeignet, mich an meine eigene Sterblichkeit zu erinnern. Das wird vermutlich in den kommenden drei Tagen, in denen wir die Geschichtsbücher direkt anfassen können, noch öfter passieren.

Zur Pizza fliegen

Sehr hoch und sehr kalt

Wissen Sie was? Das mag jetzt echt bescheuert klingen, aber auf diesem rund 2 Stunden dauernden Flug haben die Damen in Blau mir das vielleicht beste Hähnchen-Sandwich serviert, was ich jemals gegessen habe. Nix Business Class, das ist so ein eingeblistertes Teil in einem kleinen Pappkarton, auf dem steht, wie bio die Hühner gelebt haben, wie liebevoll das Brot gebacken wurde und wie erlesen die drei Salatblätter sind. Und irgendwas von Remoulade. Vielleicht ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass ich mich durchaus an kleinen Dingen erfreuen kann, und ich hoffe Sie lachen mich nicht aus, wenn ich von dem fluffigen Brot, dem saftigen Fleisch und der köstlichen Saucen berichte Zur Pizza fliegen Nein, ich habe keine Kooperation mit KLM, ich bin schlicht überrascht von diesem Sandwich, und die mit glänzenden Augen kauende junge Frau neben mir, die noch niemals im Petersdom war scheint das ähnlich zu sehen. Lecker. Von dem südafrikanischen Shiraz gar nicht zu sprechen, der kann auch was. Später gibt es noch einen Karamel-Keks und guten Kaffee. Ein Traum. Wo sind wir eigentlich gerade?

Zur Pizza fliegen

Schnell. Und kalt…

Liebes Tagebuch. Man macht sich selten klar, was da draußen eigentlich abgeht während man drin ein leckeres Sandwich mümmelt und an Rotwein nippt. Wir sind echt schnell, wir sind echt hoch und da draußen ist es echt kalt. Wie klein die Welt ist, wenn man fliegt. Und wie nah plötzlich die Staaten und Länder sind, in denen Krieg tobt, in denen Menschen sterben und auf der Flucht sind. Und wie kleinkariert einem dann fette, rotbackige, gelangweilte Deutsche vorkommen, die sich über todesängstliche Kriegsflüchtlinge echauffieren, die ihre Heimat verlassen und auf der Flucht ihre Kinder und Freunde sterben sehen. Diese Flüchtlinge könnten ihnen ja den Wohlstand wegnehmen. Und dann rotten sie sich in inhaltslosen parolenbrüllenden Mitläufergruppen zusammen oder zünden leerstehende Wohnungen an, statt denen zu helfen, die es wirklich brauchen. Viele Menschen in diesem Land sind so scheißkrank in ihrem Denken, so intolerant und engstirnig, dass ich erneut über ein kleines Häuschen irgendwo am anderen Ende der Welt nachdenke, wo man freundlich und offen ist. Aber jetzt erstmal:
Hallo Rom.
Nächste kleine Aufgabe: Ich habe ein Ticket für den S.I.T. Bus Shuttle gebucht, ein privates Unternehmen, das einen (in unserem Fall) vom Flughafen in 40 Minuten bis fast vor die Hoteltür bringt. Für 6 Euro pro Person, ein Taxi kostet im Vergleich rund einen Fuffi. Die Differenz will gern in Pizza und Rotwein umgesetzt werden. Aber wo fahren die los? Wir haben noch 10 Minuten, um “Terminal 3 Plattform 1″ zu finden, bevor der losfährt. Und der nächste kommt erst in einer Stunde :-( …. Aber auch das gelingt wie ferngesteuert, am Ende einer langen Reihe von Bussen und mürrischen Fahrern ohne jegliche Englischkenntnisse sehen wir einen großen Bus mit den bunten Aufklebern drauf gerade einparken. Und der entpuppt sich direkt als unser. Ohne dem katholischen Glauben wirklich zugetan zu sein – aber die Nähe des Papstes macht das alles vielleicht noch ein bisschen einfacher hier Zur Pizza fliegen

Zur Pizza fliegen

Noch n Selfie. Diesmal im Bus.

Roll roll roll roll. Am Ende des Tages klappt heute alles, wie es scheint. Als wir aus dem Bus aussteigen ist es warm und sonnig, und der Blick auf meine analoge Nicht-von-Apple Armbanduhr zeigt mir eine Zeit, zu der unser eigentlich umgebuchter Flieger in Amsterdam noch nicht mal mit dem Boarding begonnen hat. Traumhaft. Ich rufe unsere Gastgeberin Stefania noch einmal an, die mit fröhlichen Quietschlauten zur Kenntnis nimmt, dass wir nun doch noch vor 19:00 Uhr bei ihr ankommen würden. Ich glaube, ich mag diese Frau. Roll roll roll. Ich mag ebenfalls den Klang von Rollkoffern auf dem Asphalt, das klingt nach Reise, nach unterwegs, nach woanders. An der Piazza Cavour, mit Blick auf die Engelsburg, sind wir aus dem Bus rausgepurzelt und schreddern jetzt die Via Crescenzio hoch in Richtung Vatikan. Es riecht nach Blüten, nach Pizza und nach warmem Asphalt. Hier und da lungern Handtaschenverkäufer rum (good price, Prada, Gucci, look good price), noch mehr ins Auge fallen die Selfie-Stick Verkäufer. Aber das ist eine andere Geschichte Zur Pizza fliegen Wir sind tatsächlich in Rom. Rom!! Waren wir nicht gerade noch in Hamburg?
Einmal um die hohen Mauern des Vatikans rum sind wir auf einer belebten Nebenstraße, und da ist auch schon unser kleines B&B. Quer durch den Hinterhof, und wir sind endlich da.

Zur Pizza fliegen

Auf den ersten Blick schon wie nach Hause kommens

Chillig. Supergemütlich, extrem klein (nur 5 Zimmer) und weit weg vom Lärm der Stadt und den Touristen. Stefania ist so, wie ich sie mir nach den Telefonaten vorgestellt habe und erklärt uns auf einem kleinen Faltplan mit einem Kugelschreiber und fuchtelnden Händen die Sehenswürdigkeiten Roms. Das ist toll, aber eigentlich wollen wir heute Abend nur noch eine gute, eine wirklich gute Pizza essen. Und dann schlafen, Sehenswürdigkeiten kommen dann morgen :-) Ah. Pizza. Ob wir lieber die flauschige dicke im Napoli Stil oder die mit dem klassisch dünnen Boden bevorzugen würden? Zweiteres! Definitiv. Ich verabscheue Pizza, die aus einem drei Zentimeter dicken Teig besteht, dann mit allerhand Separatorenfleisch, Wurstresten und Glutamat belegt ist und am Ende in einer noch dickeren Schicht Käse ertrinkt. Deutsche Kühltruhen sind voll von sowas, weil niemand den Leuten die echte italienische Pizza zeigt. Die, die man nur in Italien bekommt. Es ist leider so. Also schlägt Stefania nach einem kurzen, emotionalen Telefonat mit ihrem Gemahl Carlo die kleine Pizzaria “Il Bersagliere” gleich um die Ecke vor. Die wäre was für uns. Beim epischen Verabschieden frage ich mich kurz, ob Stefania vielleicht denkt, meine Tochter könnte meine junge Freundin sein und nehme mir vor, das an einem der kommenden Tage mal aufzuklären. Okay, lass uns Pizza essen.

Zur Pizza fliegen

So möchte ich es. SO und nicht anders.

Liebes Tagebuch. Lass uns über Pizza sprechen.
Der beschriebene Laden hat alles, was ihn für uns sympathisch machen kann. Er liegt direkt an einer stark befahrenen Straße, draußen sind Tische mit karierten Decken und Plastikmöbeln, drinnen ist echt viel los und alle sprechen italienisch. Kein einziger Tourist, das Essen kann gar nicht schlecht sein. Aus irgend einem Grund ist es noch immer warm draußen (vielleicht liegt das an der geografischen Lage), ein milder warmer Wind weht und das bunte Treiben auf der gerade zum Leben erwachten Stadt ist einfach phantastisch. Mein Töchterchen und ich setzen uns natürlich draußen an einen Tisch und lassen den Abend auf uns wirken. Motorroller knattern vorbei, aus offenen Autofenstern düdelt fröhliche Musik. Menschen sehen sich und begrüßen sich, Kussi links, Kussi rechts. Alle sind laut und fröhlich, reden, telefonieren, sind so wie sie vermutlich hier immer sind. Der Kellner stellt uns frisches, knuspriges Brot in einem Korb auf den Tisch und bringt uns kurz danach eine Karaffe Hauswein und eine große Flasche eiskaltes Tafelwasser. Die Auswahl an Pizzen ist nicht riesig, und sowas wie Döner-Pizza, Gyros-Pizza oder Spargel-Pizza mit Schinken und Sauce Hollandaise gibt es dankenswerterweise gar nicht. Wenn ich Bock auf Döner habe esse ich Döner. Wenn ich Bock auf Gyros habe esse ich Gyros beim Griechen. Und wenn ich Bock auf Spargel habe dann mach ich mir welchen, aber was hat das alles auf deutschen Pizzen zu suchen? Wenn ich Pizza bestelle will ich Pizza. In meinem Fall eine Diavola mit scharfer Salami und Mozzarella, in ihrem Fall eine Vier Jahreszeiten mit je einem Viertel Schinken, Oliven, Artischocken, Champignons. Dünner knuspriger Boden, wenig Belag, ein Traum.

Zur Pizza fliegen

Glück hat zwei Namen: Diavola und Quattro Stagioni

Ich soll in den kommenden Tagen noch öfter feststellen, dass das Handy meiner Tochter, die weniger als halb so alt ist wie ich und noch nicht viel eigenes Geld verdient viel bessere Bilder macht als meins. Samsung Galaxy S6 kontra iPhone 5s. Mist. Also müssen wir uns wohl zusammentun, sie wird ja sowieso in den kommenden drei Jahren eine gefragte Fotografin werden :-) Aber das nur am Rande. Die Pizzen sind wie erwartet unfassbar lecker, der preiswerte Hauswein auch (ist Ihnen mal aufgefallen, dass der einfache Wein im Urlaub klasse schmeckt, aber wenn man davon was mit nach Hause nimmt ist der irgendwie nicht mehr so toll?) und hinterher runden ein Eis mit frischen Erdbeeren und ein Espresso das einfache kulinarische Erlebnis inmitten von lauten Autos und Menschen ab. Das mit dem Bus Shuttle ersparte Geld ist hier gut angelegt. Roma. Ay Roma. Die Ecke von dir hier ist toll, preiswert und genau so wie der Ausgangspunkt für ein paar kleine Reisen in die Antike ab morgen früh sein soll. Wir stapfen zurück zu unserem B&B, sind froh dass die Schlüssel passen (nach so einem Tag hätte mich nichts mehr überraschen können) und nehmen erstmalig das Zimmer wahr.

Zur Pizza fliegen

Finale. Gute Nacht.

Es ist klein, es ist gemütlich und es ist vor allem ruhig. Klasse. Klimaanlage aus, Fenster auf. Tochter und Vater müssen sich zwar eine einzige Decke teilen, die ist aber drei Meter oder so breit, das bekommen wir schon hin :-)Reisen können wir ja. Morgen, wenn die Pizza verdaut ist schauen wir mal in den Petersdom, das Pantheon und was noch so seit ein paar 1000 Jahren da rumsteht. Wir sprechen über Selfie-Stick-Verkäufer. Und wir begreifen Geschichten.
Heute baden wir erstmal in erreichten Anschlussflügen trotz Verspätung, gefundenen Bus Shuttles trotz unzureichender Beschreibung, gemütlichen Unterkünften trotz kleinem Preis und großartigen Pizzen trotz… ja trotz? Kein trotz. “Alles, was schief laufen kann läuft schief” war 2014. Jetzt ist 2015, und wir sind in Rom. Noch zwei Tage. Und vielleicht sind Sie ja bei uns.

Sandmann

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Created Freitag, 24. April 2015 Tags amsterdam | Antike | Bus-Shuttle | ewige Stadt | KLM | pizza | Reise Reise | rom | Rotwein | S.I.T. | Schiphol | Vatica Holiday | Vatikan | Verspätung Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
10 Apr 2015
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Für immer Musik

Für immer Musik

Drittes Lied, erste Seite

Was für eine Macht dieser Aneinanderreihung von Tönen.
Mit Musik verbinde ich ganze Blockbuster-Episoden des Lebens. Musik lief im Auto meines Papas, in der Stereoanlage im Wohnzimmer und im Radio meiner großen Schwester. Musik war tanzbares für die Schulfeten und der Soundtrack für den ersten richtig schlimmen Liebeskummer. Musik untermalte Kinofilme und ließ die Momente unsterblich werden, wenn ich sie später wieder hörte. Ich kann mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Heute kamen zwei Pakete von ebay, und die haben mich zu meinen allerersten musikalischen Momenten zurückgeworfen. Die lassen mich über ihre Bedeutung in meinen ganz frühen Jahren nachdenken, als Musik mehr war als ein überall vorhandener Dauerbeschaller. Sie war wertvoll.

Platten. Kassetten.
Ich sitze im Wohnzimmer meiner Eltern in Uelzen vor der schicken Telefunken Anlage aus Holz und Chrom und dem DUAL Plattenspieler. Mein Papa hat mir kapitulierend eine seiner LPs geschenkt, weil ich die immer und immer wieder hören wollte. David Dundas. Den kennt heute keine Sau mehr, aber sein One-Hit-Werbe-Wonder “Jeans On” kennen zumindest die etwas Älteren noch. Das fand ich gar nicht so super. Vielleicht weil ich’s nicht richtig verstanden habe, ich dachte immer, er singt: “I put maggel Jeans on, I put my aggel Jeans on“. Hm. “Tsch Tsch“. Was maggel und aggel Jeans sind wollte sich mir damals nicht erschließen, also widmete ich mich lieber dem dritten Lied auf der ersten Seite. Ja, erste Seite, liebe Kinder. So eine Platte konnte (musste) man nach der Hälfte einigermaßen aufwändig umdrehen :-) Der gute Mann sang da über “Another funny Honeymoon“, was das war wusste ich auch nicht aber das alte Wurlitzer Klavier und der Synthi klangen irgendwie toll. Immer und immer wieder. Ich setzte die Nadel alle drei Minuten an den Anfang des Liedes zurück, während ich auf dem großen Wohnzimmertisch verträumt ein 500-Teile Puzzle vom Hamburger Hafen zusammenlegte.
Keine Ahnung wo diese Platte geblieben ist, aber im ersten ebay Paket ist so eine drin und die höre ich jetzt gerade. *schluck* Alles wieder da. Ohjeohje…

Für immer Musik

Manchmal muss ich die Zeit zurückdrehen

Meine erste richtige, eigene, selbstgewünschte Platte war Truck Stop – Nicht zu bremsen. Von den Jungs aus dem Raum Hamburg hört man heute vor allem, dass sie einer nach dem anderen sterben. Damals hörte man “Die Frau mit dem Gurt” oder “Der Wilde Wilde Westen:-) Peinlich? Na ja, deutsche Country Musik ist schon sehr speziell, vor allem, wenn sie viele Jahrzehnte alt ist. Ich fand es damals super. Die Platte hab ich noch immer, vorn drauf ist ein fetter US Truck. Ich glaube ich wollte das Vinylstück damals haben, weil ich gerade den Film Convoy gesehen hatte. Amerikanische Trucks waren bei mir in den frühen 80ern ganz hoch im Kurs, und die Jungs haben das auf dem Kamm der Welle ihres Erfolgs werbewirksam umgesetzt. Truck Stop lösten Herrn Dundas auf dem DUAL Plattenspieler ab, und diese neue LP hörte ich sogar regelmäßig ganz durch, während ich verträumt Plastikmodellbausätze von Autos, Flugzeugen und Kriegsschiffen zusammenklebte.
Heute hab ich ein paar mp3s rausgelöscht, die ich schon damals doof fand und höre das Album manchmal im Audi. Und ich singe jedes einzelne Lied mit.

Für immer Musik

Wer kennt die Frau die nichts an hat als den Gurt?

Tiffy war meine erste große Liebe. Sie hieß nicht wirklich Tiffy, aber ich hieß damals Samson (was man so in der Grundschule eben spielt) und da bot sich das an, rote Haare hatte sie jedenfalls. Auf ihren legendären Geburtstagsparties im vertäfelten Partykeller mit gedimmtem Licht und allerhand süßem Kram zum Essen und Trinken lief auf dem Plattenspieler das Album Rom von Dschinghis Khan. Immer und immer wieder :-) Ich war fasziniert von den historischen Geschichten, welche die bunten Damen und Herren, von Ralph Siegel produziert, in ihren Kostümen so dahinschlagerten. “Rom” selbst ist noch immer ein musikalischer Epos, Madagaskar rührte mich damals zu Tränen und Die Fremden versprüht zeitlose esotherische Weisheit. Die Platte war mir zu teuer. Aber mein Freund Klaus hatte einen Kasettenrecorder mit einem Mikrofon, also lieh ich mir das Album von Tiffy aus, kaufte im Kaufhaus Klappenbach eine Kassette und nahm die Lieder mit dem Mikrofon von den Lautsprecherboxen im Wohnzimmer auf, während ich ganz leise, damit keine Störgeräusche kamen, ein paar farbige Liebesgedichte für Tiffy zusammenklebte.
Heute habe ich das Album im Schrank, ich fand es für einen Euro auf dem Flohmarkt. Tiffy ist inzwischen verheiratetund meine großen Töchter tanzen auf den Abtanzbällen noch immer ausgelassen im Kreis zu Moskau.

Für immer Musik

Rom. Wo die Liebe auf der Straße liegt.

Und ich wollte unbedingt ein eigenes Radio mit Kassettenteil haben, so was wie Klaus. Vor allem weil ich aus dem Radio kostenlos meine Lieblingslieder aufnehmen wollte. Die Neue Deutsche Welle tobte gerade los, und der kleine Jens baute seine allgemeine Begeisterung für etwas seltsame Musik aus. Immerhin hatte ich schon zwei Platten (nein, drei, Micky Maus Starparade war auch noch dabei, aber da spreche ich nicht gern drüber ;-) ). Meine große Schwester Anita war gerade – warum auch immer – zu unerwartetem Reichtum gekommen und vertickte mir ihren alten Kassettenrecorder. So ein Stereoding, links ne Box, rechts ne Box, in der Mitte das Tape und oben die Skala für das Radio und ne Menge Knöpfe. Von ISP. Und dann ging’s los. Jedes Wochenende saß ich Abends vor NDR2 und dem Club Wunschkonzert, bei jeder Moderation von Günter Fink einen Finger auf REC und einen auf PLAY. Endlich hatte ich Major Tom eingefangen, nebenbei noch Perlen wie “Aloa He” von der Neuen Heimat oder “John Wayne is big leggy” von Haysi Fantayzee. Geil. Und alles mit Wortfetzen am Anfang und am Ende, zurückspulen und beschneiden war nicht, da konnte man ja das nächste Lied verpassen ♫ Es waren aufregende Abende, aber es war später unter der sicheren Bettdecke liegend ein super Gefühl, diese Musik konserviert zu haben, ohne jeweils 6 Mark für die Single ausgeben zu müssen.
Ich habe diese Kassetten noch. Und im zweiten ebay Paket steckte eben so ein Recorder der Firma ISP. Genau der gleiche, STR-793. Vor dem sitze ich jetzt…

Für immer Musik

Das Leben ist kein Wunschkonzert

David Dundas ist fertig, mein Plattenspieler hat sich mit einem leisen *schnarrklack* ausgeschaltet. Der lebt in Südfrankreich und ist zwischendurch mal ein Lord gewesen oder noch immer, ich weiß es nicht. Ob er noch singt? Die Überlebenden von Truck Stop sind so alt wie meine Eltern und machen weiter Musik. Was aus Dschinghis Khan geworden ist weiß ich nicht so richtig, einige sind ebenfalls verstorben und Ralph Siegel produziert ja noch immer dies und das.
Die Platten drehen sich nicht mehr. Macht aber nichts, ich habe jetzt Radio an. Als Kind verkroch ich mich bei dieser Musik gedankenverloren in einer Menge Basteleien, während sich gar nicht so heimlich, still und leise meine Mama und mein Papa auseinandergerissen haben. Diese Jahre brannten sich gemeinsam mit der Musik in meine Seele, und ich glaube inzwischen, dass ich das nicht mehr aufarbeiten kann. Obwohl ich meine old Bluejeans an habe. Das ist dann wohl so. Ich sitze mit einem Glas Wein in der Hand vor diesem ISP Kasettenrecorder, das rote “Stereo” Lämpchen leuchtet und es ist dunkel draußen. Das Plastik von dem Ding RIECHT sogar so vertraut wie damals, können Sie sich das vorstellen? Auf dem Oldiesender läuft Maffays Es war Sommer. In den 90ern habe ich mit meiner Gitarre im Irish Pub in Kiel damit 150 besoffene Iren begeistert. Heute Abend macht es mich traurig. Sachen sind vorbei. Sachen sind kaputt. Aber die Musik wird immer da sein. Sie wird uns immer begleiten, und sie wird auch in Zukunft Momente in unserem Leben konservieren. Für später. Manchmal für die Ewigkeit. Ich ziehe den Stecker vom Recorder und trinke mein Glas aus. Und dann weine ich ein bisschen.

Sandmann

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05 Apr 2015
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Baggaaaaa Papa!

Baggaaaaa Papa!

Entertainment entlang der Autobahn

Sturm, Regen, eine zweijährige Mitreisende und keine Kinderlieder.
Eine Pendelei von Hamburg nach Kiel dauert normalerweise eine Stunde, mit dem alten Audi 100 eher 1,5 Stunden, bei Regen noch ein wenig länger und seit ein paar Wochen (seit der Ausbau der A7 zur dreispurigen Pendelachse nach Dänemark begonnen hat) unabschätzbar lange. 60km/h bis 80km/h. Parken auf 100 Kilometern. Das viertelfinnische Sandmädchen, jäh der Kita entrissen, sitzt leicht pampig auf dem Kindersitz neben mir – und Kiel ist noch weit weg. So um Ostern rum sind eine Menge bunte Bagger entlang der A7 versteckt, vielleicht…..? Stationen einer Autofahrt, während Sturmtief Niklas unbefestigte Gegenstände quer durch das Sichtfeld treibt.

16:10 Uhr.
Dieses Wetter macht mich fertig.

Baggaaaaa Papa!

Ein sagenhaft eintöniges Stück Norddeutschland

Und nicht nur das Wetter. Und nicht nur mich :-( Die Bundesautobahn 7 zwischen Hamburg und Kiel war schon mehrfach Thema meiner verworrendsten Albträume, meistens hatte das aber mit hohem Verkehrsaufkommen und den entsprechenden Folgen in Richtung Süden zu tun. Heute fahren wir in Richtung Norden. Neben mir sitzt ein kleines viertelfinnisches Mädchen mit einem großen vollfinnischen Willen und blickt finster aus ihren blauen Augen. Der Gurt des Kindersitzes schränkt ihre Bewegungsfreiheit leicht ein, da ist es auch nach wenigen Minuten nicht mehr supercool, vorn neben Papa im Audi zu sitzen. Im Mercedes muss sie immer hinten sitzen, der Audi hat da aber keine Gurte. An diesen blauen Augen zieht jetzt die A7 vorbei, die auf diesem Teilstück noch nie sagenhaft unterhaltsam war. Abgeschaltete Windgeneratoren vor einem tiefgrauen Himmel, aus dem eine Menge Regen fällt. Kaum Häuser. Selten Büsche, noch ohne Blätter. Ein Szenario, wie geschaffen um einen zwei Jahre alten Menschen bei der Stange zu halten. Nicht.
Der Wind reißt am Audi. Mein Kind beginnt zu nörgeln.

16:23 Uhr
Wo gebaut wird, stehen Bagger. Kinder finden Bagger toll, allein schon wegen der leuchtenden Farben. Okay, hallo Ostern, es geht los. Ich zeige meiner kleinsten Tochter den ersten Bagger und jauchze euphorisch in der Hoffnung, so etwas wie Begeisterung säen zu können.

Baggaaaaa Papa!

Endlich. Lasst die Spiele beginnen!

Es funktioniert. Nun ist das mit Baggern so eine Sache. Die sind sicherlich toll, wenn sie da sind. Aber wenn die Lunte erstmal brennt, brennt sie schnell. Das Kind will jetzt Bagger sehen und ist in ihrer noch recht kleinen Welt der Meinung, Papa kann machen, dass welche kommen. Das kann Papa aber nicht. Papa kann den Radiosender verändern, und er kann es im Auto wärmer machen. Das war es dann auch schon. Er kann nicht mal das Tempo bestimmen, denn das machen die anderen Autos vor ihm, und die haben heute beschlossen, sich Zeit zu lassen. Die meisten norddeutschen Autofahrer reagieren auf Regen, Schnee oder Wind mit dem Absenken der eigenen Geschwindigkeit auf Schritttempo und dem angestrengten Lauschen der Verkehrsmeldungen, die sie mit ihrem Verhalten gerade selbst produzieren. Lobpreiset das Bundesverkehrsministerium, denn es hat gemacht, dass noch mehr Bagger kommen :-) Da. Guck.

Baggaaaaa Papa!

Bagger. Sie ist glücklich.

Wenn Sie bei diesen Bildern mutmaßen, dass wir auf einem kleinen Bundesstraßen-Teilstück irgendwo bei Quickborn dahindödeln – nein nein. Quickborn ist zwar nicht ganz falsch, aber was man hier sieht ist die Hauptverkehrsader quer von oben nach unten durch Schleswig-Holstein, die in den nächsten Jahren (JA-HREN!) eine Dauerbaustelle ist. Hurra. Wenigstens gibt es Bagger für die Dame, und das nicht zu knapp. Mein viertelfinnisches Sandmädchen giekst vor Wonne und zeigt emsig mit ihrem kleinen Fingerchen auf die gelben, orangen und türkisen sandbewegenden Kolosse. Einige blinken, andere fahren, die meisten stehen einfach nur rum.

Baggaaaaa Papa!

Ganz aufregend. Gut so.

16:35 Uhr.
Zeigefinger wohin das Auge blickt. Die Straßenplaner haben alles gegeben. Wenn mal für ein paar Meter kein Bagger zu sehen ist taucht das kleine Köpfchen mit fragendem Blick hinter den Sitzwangen auf: “Baggaaaa, Papa?” Ich versuche ihr zu erklären, dass ich nicht machen kann, dass noch mehr Bagger kommen, aber dass bestimmt gleich noch einer am Rand der Autobahn stehen wird. Wir werden schneller. Der Verkehr läuft inzwischen so gut, dass ich es wagen kann, 60 zu fahren. Cool. Vielleicht sind wir ja doch noch vor Einbruch der Dunkelheit in Kiel? Flott fließender Individualverkehr wiederum hat in unserem Falll als Hintergrund das streckenweise Nicht-Vorhandensein von Fahrbahnverengungen. Hier ist die A7 noch die gute alte A7, zweispurig und ohne Baustelle. Allerdings deshalb auch ohne Bagger. Ich ahne nichts gutes.

Baggaaaaa Papa!

Läuft. Aber nun ohne Baggaaa

16:39 Uhr
Seit 4 Minuten keine Bagger am Straßenrand. Nicht einmal die großen Werbetafeln von Dodenhof, die man hier nur aufgestellt hat, damit Berufspendler nicht vor Eintönigkeit sterben können den immer böser werdenden Blick der kleinen Dame erhellen. “Baggaaaa?” Sie wird ungeduldig. “BAGGAAAAAA???? PAPAAAA???” Es sind aber keine da. Wo ist eine Baustelle, wenn man sie mal braucht? Verdammt. Ich greife zum vorletzten Mittel der allgemeinen Kindesberuhigung auf eintönigen Überlandstrecken: Lebensmittel. In meiner Jackentasche ist noch ein Zwieback. Den habe ich da vor ein paar Tagen mal drin vergessen. Das trockene, komplett nährwertbefreite Stück verbranntes Weizenmehl zaubert ein Lächeln ins Gesicht meiner Beifahrerin und scheint prädestiniert dafür zu sein, einige Kilometer für glückliches Schweigen zu sorgen.

Baggaaaaa Papa!

Nährstoffbefreite Pausenfüller

16:42 Uhr
Rechts von mir schnurpst es leise vor sich hin, während der Regen weiter gegen die Scheiben geweht wird. Doof: Am Straßenrand stehen schon wieder extrem viele Bagger, die aber ungesehen verdampfen, weil die kleine Genießerin gedankenverloren auf dem trockenen Knusperteil rumkaut. Was für eine Verschwendung von optischem Entertainment, ich muss mir mal merken, bei welchen Kilometermarken es sich lohnt, Nahrungsmittel aus der Tasche zu zaubern. Hier nicht. Der blöde Nebeneffekt des uneigennützig angebotenen Zwieback ist, dass ich ebenfalls Hunger bekomme :-( Meine grundsätzlich teilungsbereite Tochter scheint meinen knurrenden Magen gehört zu haben, beugt sich leicht vor und hält mir den Zwieback hin. Die Süße. Ich verbuche das wohlwollend für meine küntfigen Reaktionen auf die kleinen, aber lautstarken Willensdurchsetzer, die da noch kommen werden. Heute, morgen, übermorgen. Man nennt dieses Alter auch “Terrible Two”.

Baggaaaaa Papa!

Jetzt will Papa auch.kf

Jetzt knurpsen wir beide. Aber ich lasse ihr selbstlos den Rest und bin neugierig, wie lange der Motz-Stopper aus dem Hause Brandt seinen Dienst verrichten wird. Knurps. Lecker irgendwie, ich bin im Kopf immer sofort im Freibad oder am Strand, wenn ich Zwieback oder Butterkekse esse :-) Kennen Sie das? Man sollte viel öfter Zwieback schnurpsen.
Für die nächsten Minuten bin ich mit mir, meinen Gedanken, ein paar Krümeln auf dem Hemd und der Musik allein auf der träge dahinfließenden A7. Weil ich persönlich die tobende Begeisterung für im Regen stehende Baustellenfahrzeuge nicht teilen kann fällt mein Blick auf das Display vom Radio, und zum ersten mal seit ich es eingebaut habe fällt mir auf, dass die Sendefrequenzen irgendwie nicht stimmen. Nanu? NDR1 sendet hier doch auf 89.5 und nicht auf 89.3?

Baggaaaaa Papa!

Off Topic. Sendefrequenzen.

Ich tippe auf dem Suchlauf rum. Hamburg II ist eigentlich auf 95.0, heute bei mir aber auf 94.8 :roll: Am auffälligsten ist die Verschiebung beim lokalen Rentnersender NDR Neunzig Komma Drei, den ich trotz seines eindeutigen Namens auf 90.1 finde. Was ist denn mit meinem Radio los? Frequenzen ohne Grenzen? Kann auch eine elektronische Skala sowas wie einen Versatz haben? Ist es wetterfühlig? Langweilt es sich? Schräg. Bisher war mir das nie aufgefallen, denn die Sender waren eingespeichert und zeigen dank fehlendem RDS ihre Namen sowieso nicht. Na gut, da habe ich wieder was dazu gelernt. Ich habe anscheinend eine Art behindertes Radio, aber solange da Musik rauskommt ist ja alles okay.
16:55 Uhr
Lustig wie die Zeit vergeht wenn man Spaß hat. Der Zwieback auf dem Beifahrersitz neigt sich gefährlich dem Ende entgegen…

Baggaaaaa Papa!

bald ist das Pulver verschossen

Dabei bietet dieser Autobahnabschnitt doch so viel Schönes!
Die Dauerbaustelle hat sich inzwischen auf die Fahrbahnmitte verlagert und ich erkläre meiner kleinen Zwieback-Schnurpserin, dass sie meistens dann mit frischen Baggern rechnen kann, wenn plötzlich überall diese kleinen Schildchen mit den roten und weißen Streifen rumstehen. Sie klatscht fröhlich verstehend in die Hände und spendiert mit dieser Aktion generös ein weiteres Stück Knuspergebäck dem blauen Teppich im Fußraum. Das klaut mir Zeit. Mist.

17:00 Uhr
Hey – für Papa ist da draußen auch mal etwas zum Gucken unterwegs. Ein schönes T-Modell vom W124, was einen Trailer mit einem wundervollen alten Auto zieht. Leider fahren die beiden viel langsamer als wir, und schwupps sind wir dran vorbei. Da kommt vor der Brücke der nächste Bagger, und trotz letzten Zwiebackfragmenten in Hand und Mund skandiert mein viertelfinnisches Sandfräulein ihre Entdeckung: “DA! PAPAAA! BAGGAAAAAAAAA!!!” Nun befindet sich auch Zwieback auf der Windschutzscheibe und dem Armaturenbrett.

Baggaaaaa Papa!

Nicht nur Baggaaaaa. Auch Oldiesg

17:20 Uhr
Kiel ist nicht mehr weit, aber wir haben bereits die baggerintensive A7 verlassen. Nicht, dass es hier irgendwie spannender vor den Fenstern wäre, und für das Wort “gleich” ist mein kleines Töchterchen noch zu klein. Die Synapsen einer Zweijährigen sind vorhersehbar geschaltet, nach über einer Stunde perfekter Passgenauigkeit beginnt nun plötzlich der bequem geschnallte Gurt zu drücken und zu eng zu sein. Ah ja. Sie jammert theatralisch ein wenig vor sich hin. Dann beugt sie sich leicht nach vorn, guckt mich mit diesen riesengroßen blauen Augen an und fragt: “Papa? BAGGAAAAAAA???” Und nun ist auch noch der Zwieback alle.

Baggaaaaa Papa!

Alle. Und nun?

Der Haken an so einem Automobil auf einer Autobahn ist, dass man nicht rauskommt, wenn es brennt. Und das Feuer wird genährt von fehlenden Baggern, aufgegessenem Zwieback und der voranschreitenden Zeit. In diesem Alter können Kinder unangenehm werden. Sehr unangenehm. Das erfordert Kreativität – aber es ist nicht viel in meiner direkten Erreichbarkeit, womit ich noch in den letzten Minuten um ihre Gunst werben könnte. Die Wasserflasche will sie nicht. Der neue Mitfahrer im Audi, “Fragen-Sie-den-Frosch”, ist auch schon im Fußraum gelandet. Ah. Fußraum. Moment, das könnte klappen.
17:23 Uhr
Sie lacht. Ich auch.

Baggaaaaa Papa!

Was man nicht alles macht.

Es gibt zahllose Bücher über Zeitgestaltung mit kleinen Kindern auf Reisen. Es gibt mindestens genau so viele Kassetten oder CDs mit Kinderliedern drauf. Ich besitze sowas alles nicht. Vielleicht sollte ich mal losziehen und ein paar doofmopsige klitsch-klatsch-in-die-Händeeee ♫ Tonbanalitäten erwerben, vielleicht zieht das ja. Wissen Sie was? Ich glaube nicht. Dieses Kind ist schon in Mamas Bauch mit Rammstein, den Ramones und Depeche Mode beschallt worden, die Zuckowskis dieser Welt könnten sie eher verstören. Sie liebt Wiederholungen und Routine. Bagger können gar nicht oft genug kommen. Ach ja, und Brücken. Brücken tun es auch.

17:30 Uhr
Die Brücken von Kiel. Wir haben es geschafft.

Baggaaaaa Papa!

Wenn der Bogen kommt, sind wir da.

Ich habe die rosa Mütze aus verschiedenen Gründen inzwischen wieder abgenommen. Sie war ein bisschen zu klein, sie roch und schmeckte in der Mundgegend überraschend nach längst vergangenen Lebensmitteln und einige überholende Menschen haben etwas verstört rübergeguckt. Ich will die Osterreisenden nicht unnötig verängstigen, heute wird man derartig vermummt ja leicht in eine Schublade gesteckt und hat schnell das LKA im Nacken. “BRÜCKEEEEE!!! DA! Huiiiiii!” Kurz vor Kiel kommen ungefähr 10 Brücken hintereinander, und wissen Sie was? Die nächsten Jahre können wir auf der A7 zu jeder Jahreszeit noch Bagger zählen. Das wird ein Spaß :-) Und bis dahin lassen Sie es sich gut gehen. Wir tun das jetzt auch. Ei Ei Ei.

Sandmann

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Created Sonntag, 05. April 2015 Tags A7 | Absurdistan | Audi 100 LS 1977 | Autobahn 7 | Bagger | Baustelle | Dauerbaustelle | Stau Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
26 Mar 2015
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Abschied und Lebewohl?

Abschied und Lebewohl?

Das Eckige muss ins Eckige.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Egal, wie alt man ist.
Zehn Jahre an der Seite ein und desselben Partners sind heute eine Seltenheit. Ein Schatz, der gehütet werden sollte, wenn er noch immer funkelt und beide Partner sich Zeit für einander nehmen. Die Generation unserer Eltern hat das Leben ausgehalten. In guten wie in schlechten Zeiten, das haben sie sich irgendwann einmal vor Gott geschworen, das mussten sie dann auch durchziehen. Heute ist man ein bisschen liberaler. Wenn es nicht mehr passt, wird darüber geredet. Wird versucht, eine Lösung zu finden. Und wenn die nicht gefunden wird, dann trennt man sich. Nach 10 Jahren fand ich keine Lösung mehr für mich und meinen Audi V8. Jedenfalls keine, die mir UND ihm gut getan hätte und bei der wir zusammen bleiben konnten.
Ein später Nachruf zwischen Garagentoren.

Das Rad der Zeit dreht sich weiter.

Abschied und Lebewohl?

Weg, weit weg von Kiel

Neulich hatte ich noch relativ viel Zeit, arbeitete in Kiel und war immer rechtzeitig zu Hause. Da stand dann der Audi, konnte bei Bedarf beschraubt werden und bekam alle Unterstützung, die ihn bis zu seinen 520.000 Kilometern auf dem Tacho brachte. Und wollte er einmal nicht, dann nahm ich das Fahrrad zur Arbeit, ging früher nach Hause und reparierte dann abends die zumeist kleinen Defekte. Neulich.
Neulich war 2011. Jetzt ist alles anders. Ich arbeite meistens in Hamburg und manchmal in Kiel, und seit zwei Jahren gibt es zudem ein süßes kleines Sandmädchen, was meine beiden wundervollen großen Mädels im Tochter sein ordentlich unterstützt. Auch sie lebt weitestgehend in Hamburg. Ich bin also jeden Morgen und jeden Abend auf ein Auto angewiesen, das auch wirklich fährt. Mit dem Fahrrad ist Hamburg nämlich von aus Kiel ein bisschen weit.

Nacht und Nebel

Nacht und Nebel

Sie sollte also nicht mehr sein, die 10 Jahre währende Beziehung mit dem 1993er Audi V8 4.2 Quattro, mit BOSE Soundsystem, Klimatronic, beheizten Sportledersitzen mit Memory, elektrischem Heckrollo und LPG Gasanlage. Wer stöbern möchte – rechts am Rand von Sandmanns Welt hat das Auto eine eigene Rubrik. Ich habe es schon gefahren, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und ich gerade erst mein Staatsexamen in der Tasche hatte. Ja, wirklich. Ich wäre fast Lehrer geworden, da sehen Sie mal, wie lange das her ist. Heute stecken noch ganz andere Dinge in den Kinderschuhen, kleine tappsige Kinderfüße zum Beispiel. Dem V8 folgte mit einem beruflichen Neuanfang mein erster Mercedes nach, auch nicht gerade eine super Entscheidung, aber super Entscheidungen sind die berühmten “Sprungbretter” direkt nach langen Beziehungen ja nie. Wir haben das treue Auto in einer Nacht-und-Nebel Aktion nach Wahlstedt zu Markus1975 gebracht, der hier auch regelmäßig seinen geschätzten Senf dazu gibt und sich dem sehr besonderen Audi, der aber trotz aller Besonderheit sehr Liebebedürftig war, annehmen wollte.

Abschied und Lebewohl?

Markus – und Audi V8 Nummer 2

Warum komme ich denn erst jetzt mit dem Kram raus, vier Jahre später?
Keine Ahnung, wirklich nicht. Ein Entwurf der Geschichte lag seit damals im Speicher meines Blogs rum, ich habe ihn niemals beendet. Seit 2011 ist wiederum so viel passiert, dass der alte Textentwurf mir heute wie eine Komödie vorkommt, also habe ich ihn gelöscht. Die superschlechten, viel zu dunklen Bilder habe ich nochmal neu bearbeitet. Und jetzt hacke ich endlos sentimental in die beleuchteten Tasten, trinke Rotwein und drehe komische Gedanken in meinem Kopf. Kann mich da mal ganz schnell jemand wieder rausholen, bitte? Hm, tja. Wir haben den Kahn damals erst in Markus’ Garage gebracht, dann zog er um in die erste Schrauberhalle (deren Adresse noch immer in meinem Navi gespeichert ist) und heute steht er neben seiner aktuellen Schrauberwerkstatt. Draußen. Glaube ich.

Abschied und Lebewohl?

runter kommen sie immer.

Die Diva und die Lady. Das sind sie, die beiden Audis von Markus, einer davon ist “meiner” und inzwischen hat der Mann sich eine ganze Menge Ahnung angeschraubt. Aber den V8 hat er nie fertiggestellt. Immer kam was dazwischen, die Alltagsautos mussten am Laufen gehalten werden, sein eigenes V8-Baby wollte ebenfalls Zuneigung und am Ende des Tages hat auch Markus eine Frau und eine Tochter, die ihn ab und an mal sehen wollen. Ich glaube, dass mir während meiner Ausformulierungen jetzt und hier ein Grund dämmert, warum ich das ausgerechnet JETZT online bringe. Wo doch schon so viele Autos danach kamen, der W124, Rudolf Diesel, dann das Taxiund bis heute der dunkelblaue Avantgarde. Der V8 steht nämlich noch immer so da, ein Stück meiner eigenen Vergangenheit, ein Stück Blech gewordene Unvernunft und ein wirklich teures Stück Automobil. Wer die Ersatzteilpolitik von Audi kennt weiß, was ich meine.

Abschied und Lebewohl?

links, rechts, rückwärts rein

Ich hasse diese Sentimentalität!
Mir schwirren grad total bescheuerte Gedanken im Kopf rum. Schwachsinnige Gedanken. Teure Gedanken. Gedanken, die mit meinem aktuellen Leben gar nicht vereinbar sind, von meinem Portemonnaie und der Geduld meines halbfinnischen Fräulein Altonas will ich gar nicht reden. Ich glaube, das liegt daran, dass ich in den letzten Jahren sehr viel losgelassen habe. Da waren Dinge bei, die wirklich entbehrlich waren, da waren aber auch Dinge bei, die ich unter normalen Umständen niemals freiwillig losgelassen hätte. Und doch habe ich es getan. Und es tat sehr oft sehr weh. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie stehen plötzlich vor Ihrem Lieblingsauto, was Sie vor vielen Jahren mal jemand anderem gegeben haben. Vor Ihrer großen Liebe. Vor einem Pool voller Geschichten, vor der Karre, in der Ihre Kinder autofahren gelernt haben, in die sie reingekotzt haben. Und es gibt da noch so eine klitzekleine Restmöglichkeit….. nnngghhhhhh…..
Moment, ich schreib Markus mal ne SMS…

Abschied und Lebewohl?

Steht. Wie lange…..?

GNARGH. Er hat mit der Zerlegung begonnen. Es müsste zu viel Geld in den Wagen fließen, mehr als 3000 Euro, bevor der wieder ne HU bekommt. Eigentlich weiß ich das ja. Ich hab ihm grad geschrieben, dass er zügig damit weitermachen soll, die Kiste auseinanderzureißen. Sonst komme ich noch auf GANZ blöde Gedanken. Und während ich hier sitze schreiben wir uns hin und her. “Der Wagen ist nicht mehr existent. Er ist aus deinem Blickfeld verschwunden“…. so viel Poesie hätte ich ihm gar nicht zugetraut ;-) Aber er hat ja Recht. Ich kann mit so einem Zeit- und Geldfresser nichts mehr anfangen, und er kann das Geld für die Einzelteile sehr gut gebrauchen. So wie es aussieht schließe ich also heute offiziell ein weiteres Kapitel meiner Vergangenheit ab. Darauf ein Astra, Markus, alter Kumpel.

Abschied und Lebewohl?

Prost. Endgültig.

Es ist schon…. komisch. So viel habe ich über das Leben mit diesem Auto geschrieben, von Anfang an im V8-Forum, noch ohne Bilder. Ob es diese Beiträge noch gibt? Was waren da für verrückte Geschichten dabei. Und das jetzt hier… das ist Sandmanns letzter Audi V8 Blog. Ever. Vermutlich. Was im Forum begann, was im AutoBild Blog weiterging und was in Sandmanns Welt mündete hat nun ein Ende. Aber es gibt über 100 Geschichten, und die wird es immer geben. Kennen Sie die mit dem Zahn? Egal. Lebewohl, mein Audi V8. Du hast einen bewegten Abschnitt in meinem Leben begleitet. Du warst Hochzeitskutsche, Urlaubsauto, du warst Kombi-braucht-man-nicht, Fahrschulwagen meiner Kinder, Kummermobil nach der Trennung, hast mich zur Scheidung getragen und durch viele Urlaube begleitet. Du warst immer dabei. Und jetzt bist du Geschichte. Du hast deine Aufgabe gut gemacht. Ich kalibriere mich jetzt darauf, dass du am Ende – nur ein Auto bist. Der Rest ist in meinem Kopf.

Sandmann

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Created Donnerstag, 26. März 2015 Tags 2 Quattro | Abschied | audi v8 | Audi V8 4 | d11 | Quattro | teuer | Unterhaltskosten Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
23 Mar 2015
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Salima und Laura

Salima und Laura

Weder Thelma – noch Louise. Egal.

Thelma und Louise, aber ohne Klippe am Ende.
Das wäre auch eine sagenhafte Verschwendung von Mensch und Material, würden ich diese Geschichte so enden lassen wie den Film von 1991. Dabei sind die beiden Ladies in dem Mustang Convertible nicht weniger sweet und quirlig als Geena Davis und Susan Sarandon. Heute wurde allerdings niemand erschossen, und niemand ist auf der Flucht. Aber dazu später. Salima strahlt trotz oder gerade wegen ihrer dunklen Hautfarbe noch heller als die heute schon recht heftig scheinende Sonne, und ihre Freundin Laura setzt noch einen oben drauf. Weiße Klamotten, helle Hüte und ein silberner Mustang mit dem Namen “Jonny”. Ich alter Mann mit Hut und Kamera auf dem blauen Rücksitz. Es verspricht, ein wundervoller Tag zu werden :-)

Salima und Laura

sowas wie Patriotismus.

Ich fang mal vorn an. Ganz vorn. Ein typisches Mädchen ist die kleine Salima mit den großen Augen nämlich nicht, auch damals schon (ist diese Zeitform grammatikalisch okay?). Sie spielt nicht mit goldmähnigen großäugigen Plastikpferdchen oder dämlich lächelnden rosa Frisierköpfen, sondern begeistert sich für das Auto ihres Vaters. In Papas silbergrauem 1971er E-Type Coupé mit der roten Innenausstattung lässt sie während ausgedehnter Wochenendtouren den Wind in ihren Haaren wühlen, wäscht und pflegt den damals etwas über 20 Jahre alten Klassiker mit Inbrunst und wünscht sich brummelig, auch endlich!!! autofahren zu dürfen. Wie wir alle. Die für ein Kind nahezu ewige Zeit bis dahin überbrückt sie mit Modellautos. Das erste in einer langen Reihe ist ein 65er Mustang Convertible, ausgelöst durch den James Bond Film “Goldfinger“. Shirley Eaton bewegt in dem Streifen ein weißes Cabrio, und mit Erlaubnis ihrer Mutter bestellt sich Salima so eins im Internet. Es folgen Corvette C1 und C3, Camaro Trans Am, KITT und KARR und ergänzend diverse Oldtimerzeitschriften im Abo, die sich in ihrem Kinderzimmer stapeln. Als 2001 Anne Hathaway als Mia in “Plötzlich Prinzessin” in einem etwas abgerockten 65er Mustang Convertible durch die Gegend schrabbelt ist Salima endgültig verknallt. Nicht wie alle ihre Freundinnen in Michael, den Freund von Mia. Nein nein, in das Auto.

Salima und Laura

Endlich erwachsen…

Papa wird weiter fleißig jeden Sonntag um Touren mit dem Jaguar angebettelt, und irgendwann ist Mia, nein sorry: Salima, endlich nicht plötzlich Prinzessin, sondern 17,5 Jahre alt und kann mit dem eigenen Führerschein loslegen! Endlich!!! :roll: Papas Heiligtum darf sie allerdings nur in seinem Beisein bewegen und kann daher an vielen Ausfahrten der “Wormser Oldtimerfreunde” nicht teilnehmen. Papa hat auch noch etwas anderes zu tun als mit dem Auto durch die Gegend zu fahren. Der Wunsch nach einem eigenen Auto wird also täglich größer, und ein spontan angebotenes Mustang Coupé bei einem Händler in der Nähe bringt sie erneut zurück auf ihre all-time Autoliebe. Aber kein Coupé, ein Convertible muss es sein! Nach oben wird Luft gewünscht. Oma, Opa und die Eltern sind sich aber irgendwie nicht ganz einig, wer denn gern das erste Auto der quirligen Lady bezahlen wird. Einigkeit besteht allerdings in der Verwunderung darüber, dass nicht wie vorherbestimmt ein zuverlässiger Mercedes werden soll. Ein Amerikaner? Will man so etwas unterstützen?

Salima und Laura

Unter der Haube. Zumindest der Motor.

Die Beharrlichkeit der jungen Dame lässt die Verwandtschaft einlenken (oder kapitulieren), und kurz darauf bekommt ein weiterer Händler in Baden-Baden den Suchauftrag nach einem Pony ohne Dach, am liebsten Schwarz oder Nightmist-Blue und auf jeden Fall aus den Jahren 1967 oder 1968. In diesen Jahren war der Mustang seiner allerersten Serie entwachsen und wurde von Ford zwar optisch an den Vorgänger angelehnt, aber etwas massiger proportioniert, um Platz für die großvolumigen Motoren zu schaffen. Die Ära der Muscle Cars, also der viel zu kleinen Autos mit viel zu großen Motoren hatte begonnen. Die Heckblende mit dem mittigen Tankstutzen wurde konkav gestaltet und gilt unter Fans heute als der Pony-Po mit dem meisten Sexappeal. Die geniale und massive Werbekampagne für die erste Serie ließ den Mustang in den Verkaufszahlen-Olymp der USA explodieren und löste bei Ford intern den Thunderbird (Thelma? Louise??) als Verkaufsschlager ab. Die Möglichkeit, den Wagen auf Wunsch quasi nackt für sehr kleines Geld oder vollausgestattet für nicht wesentlich mehr Geld (mit allen Varianten dazwischen) zu ordern schmeckte den freiheitsliebenden Amerikanern.

Salima und Laura

Ein frühes Pony mit V8. Geil.

Und Salima stellt es vor die Frage, welches der angebotenen Fahrzeuge sie denn nun nehmen soll. Die Motorenpalette reicht beim Mustang aus den Baujahren vom 3,3 Liter Reihensechser bis hin zum 7,0 Liter Big Block V8. Und die Popularität des (damals) preiswerten Sportlers ist ungebrochen, trotz der hohen Stückzahlen. Allein in den Jahren 1967-1968 verkaufte der Konzern 789.000 Mustangs, davon 113.000 Fastbacks und 70.000 Convertibles.
Betrachtet man den Kleider- oder Schuhschrank einer Frau, weiß man, wie schwer sie sich mit Entscheidungen tut. Oha. Aber wie wir ja wissen, ist Salima anders als die anderen. Außerdem kommt ihr ein wenig entgegen, dass der Händler aktuell nur zwei Convertibles im Importprogramm hat: Einen roten 1967er mit dem dicken 390cui V8 und einen 1967er mit der klassischen 289er Maschine in “Silver Frost” mit blauem Interieur.  Nee, also Silber? Niemals. Hm… Es ist ausgerechnet Papa, der die Dame mit eher weiblichen Argumenten zur Vernunft bringt: Auf silbernem Lack sähe man den Dreck nicht so. Vielleicht ist Salima doch nicht so anders als die anderen Frauen. Der Mustang wird ihr erstes Auto.

Salima und Laura

Erstaunlich viel Platz da drin.

Auf dem Hof des Händlers traut sich Salima erst gar nicht, das sehr erhaben wirkende Fahrzeug anzufassen. Silver Frost. Yo. Passt ja zur Jahreszeit, irgendwie :-) Vielleicht ist die Farbe ja doch gar nicht so übel? Der Zustand des Ponies ist super, und irgendwie harmoniert das blaue Interieur super mit dem silbernen Lack. Und nach einer kleinen Gewöhnungsphase fährt sie auf trockenen Januarstraßen mit ihrer eigentlich für Mercedes plädierenden Oma neben sich und einem geschlossenen Verdeck über sich zurück nach Worms. Die Automatik legt die Gänge sauber ein, alles funktioniert und fühlt sich richtig gut an.

Salima und LauraSalima und LauraSalima und Laura

Sie nennt ihn Jonny.
Jonny bekommt noch einen Bremskraftverstärker (das Auto wurde ursprünglich zum vorwärts Fahren gebaut, eher nicht zu Bremsen…), einen Ölwechsel und frischen deutschen TÜV. Derweil recherchiert Salima ein bisschen über die Wurzeln des Autos, viel erfährt sie allerdings anfangs nicht über die Geschichte ihres Ponys. Ein einziger Name im Title, ausgeliefert am 06. Juni 1967 in Texas an einen Händler zusammen mit einem identischen Zwilling in eben diesem Sonderlack. Die Fahrzeuge sollten als Showroom-Kundenfänger dienen, und das scheint ihnen gelungen zu sein, denn schon am 30. Juni 1967 wurde Salimas Exemplar von einem jungen Schüler aus der High School gekauft. Der soll ihn lange, sehr lange gefahren haben, um das Pony dann eines Tages an seinen Sohn weiterzugeben. Der fuhr damit ebenfalls zur High School und beschloss 2009 eine Komplettrestauration in den Auslieferungszustand, mit Bildern und Belegen. Es gibt vermutlich nur ganz wenige Mustangs auf der Welt, die nicht irgendwann schon einmal restauriert wurden. Und es gibt vermutlich überhaupt keine Restaurationen, die sich finanziell gelohnt haben. Schwupps kam die Wirtschaftskrise – und der Wagen wurde verkauft.

Salima und Laura

eines der attraktivsten Cockpits der 60er

Das war’s auch schon an Details zu Jonnys Historie, aber Salima ist ja noch jung und hat sich vorgenommen, weitere Details über den Oldtimer mit dem guten Herzen und der robusten Technik herauszufinden.
Jonny ist ein Junge. Definitiv. Allein schon, weil er wenig rumzickt oder Probleme macht. Einen einzigen Liegenbleiber kann sie verbuchen: Eine defekte Zündspule, die den Convertible auf den Standstreifen zwingt. Da Salima an dem Tag auf dem Weg zu einem Oldtimertreffen ist finden sich umgehend sechs hilfsbereite Herren, die ihre Köpfe in den Motorraum stecken, aber trotz richtiger Diagnose nicht helfen können. Defekte Zündspulen heilt die Zeit, zumindest kurzfristig, als der Wagen wieder kalt ist kommt die Lady weiter. Immerhin bis vor den Wormser Puff, da bleibt Jonny wieder stehen. Ein wenig verlegen und lieber das Verdeck schließend kontaktiert die Dame ihren Papa, und kurz darauf wird der Mustang abgeschleppt und der Defekt in einer Werkstatt behoben. Jonny legt den Heimweg auf eigener Achse zurück. Er macht süchtig nach Ausfahrten in die Pfalz, allein oder mit ihrer Freundin Laura, die sie auf einer Party kennen gelernt hat und die von den endlosen Benzingesprächen nicht genug bekommen konnte.

Salima und Laura

Achte Sie bitte auf das Auto!

Alle drei zusammen verdrehen der Herrenwelt gehörig den Kopf und rocken den First Mustang Club of Germany, wenn auch mit diesem klischeebehafteten “Küken”-Status! Und wieder ist es dieser Film, an den mich die Fotos erinnern. Ausgerechnet in Salimas Geburtsjahr kommt “Thelma und Louise” in die Kinos. In dem Film flüchten die von ihrem despotischen Ehemann genervte Hausfrau Thelma und ihre überdrehte Freundin Louise in einem Ford Thunderbird Convertible (na gut) raus in die Freiheit. Das geht aus verschiedenen Gründen ganz schön schief und endet ganz hinten bei dieser Klippe auch nicht happy, aber wenn die Mädels auf den vorderen Sitzen jetzt noch Kopftücher umbinden würden wäre die Illusion fast perfekt. Ein bisschen vorsichtig sind sie schon, als sie sich an und auf dem polierten Mustang posieren. Und die permanente Pflege zahlt sich schon jetzt aus. Auf dem Treffen in Sinsheim erreicht Jonny  in der Kategorie “Originalgetreuester Bestzustand” den 3. Platz.

Salima und Laura

da lässt Mann sich gern mal chauffieren

Was man so erlebt auf US-Car-Treffen. Eigentlich ist mir nur die hübsche junge Frau in dem tollen Auto aufgefallen. Kurz darauf springt ihre nicht weniger hübsche Freundin dazu, und nicht viel später cruisen wir zusammen durch die Stadt und sabbeln und lachen und haben den Wind in den Haaren ;-) Ich bin ein bisschen beseelt und habe ein bisschen dazugelernt über eine heute unübliche Definition von Liebe. Eine Liebe zwischen Salima und Jonny. Ab und an klemmt mal eine Visitenkarte hinter einem Scheibenwischer, zumeist sind es zurückhaltende Herren mittleren Alters, die den Wagen kaufen wollen. Und sie bieten wirklich eine Menge Geld. Auch wenn das stolz macht – Salima gibt ihren Jonny nicht mehr her. Er hat zwar “nur” den kleinen 289cui V8, aber auch hier zeigt sich wieder, dass sie vielleicht doch anders als die anderen Frauen ist: Sie will nichts verändern. Sie liebt ihn so, wie er ist…

Sandmann

Salima und Laura

Vollgas zum Horizont

Ford Mustang Convertible
Baujahr: 1967
Motor: 289 V8
Hubraum: 4736 ccm (289 cui)
Leistung: 148 KW (200 PS) bei 4400 u/min
Max. Drehmoment: 407 NM bei 2800 u/min
Getriebe: 3 Gang Automatik
Antrieb: Hinterrad
Länge/Breite/Höhe: 4663/1801/1311 mm
Leergewicht: 1800 kg
Beschleunigung: 0-100 in 13 Sek.
Top Speed: ca 190 km/h
Preis / Wert: ca. 38.000€

Originalartikel auf TRÄUME WAGEN

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Created Montag, 23. März 2015 Tags 1967 | 1967 Convertible | cabrio | ford mustang | Laura | Salima | TRÄUME WAGEN Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
15 Mar 2015
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Lecker Kabelsalat

Lecker Kabelsalat

Viele viele Brandbeschleuniger

Salat ist nicht so mein Fall.
Manchmal lasse ich mich zu einem Caesar’s (Cesars? Cäsar’s??) Salad hinreißen, mein halbfinnisches Fräulein Altona zaubert darüber hinaus ein ganz hervorragendes Senfdressing für Feldsalat und ähnliche Knusperblättchen – aber zu oft, das macht mich nicht glücklich. Salat im Auto macht mich sogar UNglücklich, vor allem wenn es sich dabei um einen farbenfrohen Kabeldschungel (Jungel? Djungle?) hinter dem Armaturenbrett handelt. Willkommen beim Tatort “Nicht-Ersthand-Auto”. Eigentlich möchte ich nur einen alten Zusatzverstärker aus den 80ern hinter das Radio schleifen. Am Ende habe ich wenigstens die Frontscheibe an ihren Rändern von der 38 Jahre alten Klebefolie befreit *grummel*

Samstag, Wetter kalt aber gut, Kinder versorgt.

Lecker Kabelsalat

Fragmente der 80er Jahre

Aus den Tiefen meines Kellers habe ich heißen Scheiß geborgen, jedenfalls in meiner Welt sind das coole Sachen: Den alten Interconti Equalizer Booster 8-) den ich schon 1990 im lila Taunus drin hatte und der zwar hektisch und albern rumblinkt, aber den Klang der zu kleinen Lautsprecher tatsächlich dramatisch verbessert. Als etwas dezentere Alternative liegt da noch ne kleine Blaupunkt Endstufe für zwei Euro vom Flohmarkt, wenn ich gaaaanz schnell bin und viel Zeit übrig habe (hahahaaaaa) warten auch noch zwei Lautsprecher auf ihren Einbau in die Heckablage.
Aufgabe 1: Die unlängst entdeckten bunten Kabelhinter dem Kombiinstrument in die Tiefen des Armaturenbretts verfolgen und ergründen, was die eigentlich treiben. Mysteriös.
Aufgabe 2: Klären, ob die weißen Lautsprecherkabel, die im Fahrerfußraum zwischen meinen Füßen rumpendeln noch irgendwo anfangen und gar irgendwo enden. Sie kommen weder beim Radio noch bei den Lautsprechern an. Mysteriös.
Aufgabe 3: Die Interconti Endstufe hinter das alte Blaupunkt hängen und Bass abfeiern.

Lecker Kabelsalat

Ansatzweise nachgebastelt. Wo gehen die hin?

Ich schätze Ordnung in der Bordelektrik. Sehr. Nun ist der Kabelbaum eines 1977er Audi 100 LS zwar schon ab Werk einigermaßen überschaubar, aber spätere Besitzer haben bei so alten Autos gern mal das eine oder andere Teilchen aus dem Zubehör nachgerüstet. Und das nicht immer mit ausgeprägtem Sinn für stromführende Verbindungen, die in der Geborgenheit eines Armaturenbretts schnell mal ein kleines Feuerchen in der Dämmwolle oder dem Teppich entfachen können. Drehzahlmesser mit Lüsterklemmen angeschraubt? Super! Radio und CD Wechsler reingestopft, mit dem Küchenmesser freigelegte Kupferlitzen zusammengedreht und mit Malerkrepp isoliert? Klasse! Rote Dauerpluskabel mit grün oder gelb verlängert und offen rumliegen lassen? Großartig! Einen ersten Eindruck von den tätig gewordenen Spezialisten konnte ich mir schon vor rund zwei Jahren verschaffen, als ich nur das Radio einbauen wollte…
Ich fang’ mit meinen Forschungen heute oben an, Deckel ab, Kombiinstrument raus und abtauchen unter die Lenksäule, mal schauen wo rot/gelb/blau/weiß, sauber über Gewindeschrauben mit der Leiterfolie hinten am Tacho verschraubt, am Ende hinführen.

Ah. Sackgasse.

Ah. Sackgasse.

Urks. Werde ich langsam alt? Oder dick? Oder ist in einem Audi 100 Fußraum einfach nicht so viel Platz? Hinter der Presspappe und dem blauen Kunststoff ist es jedenfalls, über Kopf betrachtet, tugendhaft 70er-deutsch aufgeräumt. Da sind ein sauber verlegter Kabelbaum, etwas Dämmung und die Luftkanäle zu den in diesem Modell reichlich vorhandenen Lüftungsdüsen. Die gehen von links nach rechts einmal quer rüber, das hat mich schon als kleines Kind begeistert ;-) Und weil das so ordentlich hier ist findet sich auch gleich der vierfarbige Kabelkandidat, beendet durch eine Lüsterklemme. Ah. Also wird hier nicht wie zuerst befürchtet der Armaturenträger wegen Kontaktproblemen mit neu verlegter Fremdspannung versorgt – es wurden vielmehr an seiner Rückseite in die andere Richtung Signalleitungen und Spannungsversorgung abgegriffen. Handwerklich gut gemacht, auch wenn ich selbst das jetzt vielleicht woanders abgezweigt hätte, aber egal. Wofür wohl? Was immer es war, es ist nicht mehr da. Also raus mit den vier Litzen. Aufgabe 1 erledigt. Enorm schrauberentgegenkommend finde ich (nebenbei bemerkt) den gerade entdeckten Massepol hier unten, direkt an der Karosserie angeschraubt. Mehrere blanke gut zugängliche Steckplätze im Kreis, auf die sich super massebedürftige Kabelschuhe stecken lassen. Audi hat seinerzeit mitgedacht.

Na immerhin.

Na immerhin.

Auch das weiße, lange Lautsprecherkabel lässt sich nach dem Entwirren von zwei gelben Kabelbindern komplett aus dem Fußraum rausziehen. Nach hinten auf die Hutablage führte das nicht, die ist noch jungfräulich. Na gut, Aufgabe 2 ist auch erledigt, dann kann ich jetzt ja noch mit dem vorhandenen Material die kleine Endstufe aus den 80ern einbauen *freu*
Das wiederum…. äh… gestaltet sich schwieriger, als ich dachte. Die weiter hinten liegenden Kabel, die hinter dem Radio zum Vorschein kommen stecken noch immer in klapperigen Lüsterklemmen. Die stromführenden Leitungen sind unzureichend mit Gaffer isoliert und die Anschlüsse an dem Interconti Booster habe ich damals zwar sauber verlötet – heute, 20 Jahre später, sind sie aber ausgehärtet und brechen wie Kekse ab. Toll.
Dabei war der Plan einfach: Stromversorgung der Endstufe über den Automatik-Antennen-Ausgang des Radios, Masse vom eben entdeckten Massepol. Stecker krimpen, Leitungen legen. Hm. Immer noch zu viele Lüsterklemmen, das gefällt mir nicht. Die zwei langen Leitungen der Endstufe zum Lautsprecherausgang des Radios hinter der Mittelkonsole durchwursteln. *rups* ein weiterer Stecker abgefallen. Aber jetzt will ich es wissen, den Lötkolben kann ich später noch immer anwerfen. Frontlautsprecher in die Endstufe stöpseln, Strom drauf und los. Wow. Klingt fett. Leider nur links :-(

Lecker Kabelsalat

Nee, so wird das nix

Alle Leitungen sind fest verdrahtet, aber rechts kommt nix. Gar nix. Hurra. Ich tausche die Stecker durch und nehme die anderen beiden der vier Ausgänge des Boosters – das gleiche Problem. Laut, leise, mal drauf klopfen und wackeln. Nichts. Der “Graphic Equalizer” meiner automobilen Sturm und Drang Zeit ist anscheinend halbseitig gelähmt. Angesichts der inzwischen ziemlich wüsten Verkabelung ist das nun nicht so schlimm, so hätte ich das eh nicht einbauen können ;-) Die optionale, aber optisch ansprechendere Variante mit der Blaupunkt Endstufe vom Flohmarkt macht es mir noch einfacher, die funktioniert gleich überhaupt nicht. Yay. Ein voller Erfolg. Aufgabe 3 ist heute nicht lösbar. Immerhin habe ich mir mit diesem wild verlegten 12-Volt-Kabelsalat nicht den Sicherungskasten hochgejagt. Notiz an mich selbst: Neue Endstufe oder gleich ein dickeres Radio besorgen und dann sämtliche Anschlussleitungen neu verlöten und mit Schrumpfschlauch isolieren. Ich bastel das ganze Geraffel sauber wieder zurück.
Und als die Sonne zärtlich durch die Wolken bricht, sehen meine trüben Augen diese mistige Folie an den Rändern der Frontscheibe. Einst vor 38 Jahren beim Einkleben eben dieser verwendet und als schmaler schwarzer Rand drumrumlaufend, jetzt von der Sonne zerbröselt, abbröckelnd, extrem doof aussehend. Das stört den ungetrübten Blick auf die Straße vor mir schon seit jenem Tag im März 2013. Ha! Zusatzaufgabe 4: endlich, endlich mal wegkratzen, da Shit!

Lecker Kabelsalat

was lange bröselt verschwindet endlich

Ich liebe Off-Topics und bekloppte thematische Wendungen.
Die fröhlich blauen A-Säulen-Verkleidungen lassen sich bei einem Audi 100 mit einer einzigen Schraube lösen und abklippsen. Und die Folie, so hartnäckig, statisch aufgeladen und klebend sie ist, weicht kapitulierend dem liebevollen Zuleiberücken mit einem flachen Schraubendreher. Nein, liebe Wattestäbchenfanatiker und Politurpuristen, keine Sorge, die Scheibe leidet darunter nicht. Das ist ein bisschen so wie mit dem Ceranfeldkratzer, der macht seinen Job ja auch ganz sorgenfrei. Und Viss KANN nicht kratzen.
Kennen Sie diesen Effekt, wenn irgend etwas über Jahre ein Dorn im Auge war, aber aus Faulheit oder Vergesslichkeit (oder Zeitmangel) hatte man gelernt, damit zu leben? Bestimmt. Ich meine heute mal nicht Ihre Lebensgefährtin. So banal die Entfernung dieser Folienreste auch ist, plötzlich sehen die Ränder der Windschutzscheibe nicht mehr geborsten und abgerockt aus. Plötzlich habe ich wieder einen unausgefransten Blick auf die Straße :-) Ein Traum. Zusatzaufgabe 4 ist erledigt. Dafür sind jetzt das Armaturenbrett, meine Hose, meine Hände und der Teppich voller klitzekleiner schwarzer klebender Folienfrisselchen. Aber irgendwas ist ja immer.

Lecker Kabelsalat

vorher – nachher

Ich ziehe Bilanz eines zwei-Stunden-Einsatzes an einem Samstag Mittag im März.
Es dümpeln ein paar nutzlose Leitungen weniger hinter dem Armaturenträger des Dottore rum. Das ist gut. Die beiden alten Endstufen aus meinem Keller sind anscheinend kaputt. Das ist doof, aber halb so wild. Ich hab ja das Radio, und es funktioniert einwandfrei. Ich schau die Tage mal bei ebay Kleinanzeigen, was so in der Gegend angeboten wird. Und dann werden die vorhandenen Leitungen gleich sauber durchgelötet. Die Bröselfolie rund um die Frontscheibe ist weitestgehend weg. Das ist toll :-D Es sind noch Reste unter der Dichtkante oben beim Wagenhimmel, da wollte ich heute nicht ran. Die Heckscheibe, das nur am Rand, leidet unter dem gleichen Problem. Das mache ich dann auch noch irgendwann. Nach zwei Stunden merke ich, dass wir erst Anfang März haben und die Kälte meinen Rücken hochkrabbelt.
Also nehme ich aus diesem Tag vorwiegend Erkenntnisse mit, leider keine satt bassige Musik. Ich werde jetzt mal heiß und laaaange duschen und fahr dann Frustshoppen :-( So ein Vergaserreiniger-Additiv für den Tank macht ja glücklich. Und vielleicht kaufe ich mir gleich noch einen neuen Staubsauger, dem alten geht’s nicht so gut. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe mit dem Dottore noch eine Menge vor, musikalisch akustisch gesehen ♫ Oder funktioniert bei IHNEN das Radio aus den 80ern etwa einwandfrei??

Sandmann

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08 Mar 2015
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*Click* passt. Äh… fast.

*Click* passt. Äh… fast.

Drehn drehn und endlich sehn

Der Dottore. Ja, der Dottore. Der gute alte Nullausstatter Baujahr 1977, ich schätze es prinzipiell sehr, dass dem alten Neckarsulmer quasi sämtliche elektronischen Helferchen fehlen. Wo nix ist kann auch nix kaputt gehen. Nicht mal getönte Scheiben hat er, was einzig die obenrum bröselnden Stoffsitze kapitulierend bemängeln, ich wiederum find’s schön hell drinnen :-) Nun entdeckte ich beim Schrotti ein sehr seltenes und begehrenswertes Kombiinstrument, passend für meinen VorFacelift. Mit einem Drehzahlmesser trotz Vierzylinder. Eigentlich war der den geil röhrigen 5-Bangern vorbehalten, aber ein paar Ausstattungsvarianten hatten den auch “weiter unten”. Mein LS nicht. Und irgendwie wollte ich schon immer wissen, was da so wie doll dreht, also rein damit. Original? Nö. Egal ;-)

Die Kellerordnung geht ja ihre ganz eigenen Wege.

*Click* passt. Äh… fast.

Ich habe es tatsächlich gefunden…

Wobei ich da nicht weiß, wie es Ihnen geht. Ob Sie sich auch in den vergangenen Jahrzehnten genau so zugemüllt haben wie ich, zu Weihnachten immer den Osterkram finden und zu Ostern dann den Weihnachtsschmuck? Es fehlt eigentlich immer an 13er Schlüsseln, 10er Nüssen, Wasserpumpenzangen und Hammern. Immer. Also kauft man das immer alles neu. Seit ich im Herbst nicht nur mein Leben, sondern auch meinen Keller aufgeräumt und umgelagert habe weiß ich wo Weihnachten und Ostern versteckt sind. Ich bin Besitzer von sieben 13er Schlüsseln, sechs 10er Stecknüssen, drei Wasserpumpenzangen und acht Hammern. Tendenz steigend. Das ist toll, und vor allem finde ich die paar Auditeile, die ich fein gebündelt in einem Regal gelagert habe sofort wieder. Werkzeug? Brauche ich nicht viel. Kreuzschlitz, Schlitz, Kombizange. Mehr ist nicht nötig.

*Click* passt. Äh… fast.

man muss nur wissen wo…..

Ich spreche selten von Liebe. Heute liebe ich das Wetter, wir haben den ersten richtigen Frühlingstag und die sonntägliche Sonne strahlt auf ein sich langsam erwärmendes Kiel. Ich mag diese Stadt. Sie mag mich nicht, jedenfalls nicht immer, aber da kann die Sonne nichts für. In diesem Fall heute liebe ich aber auch die Einfachheit der Technik in einem 38 Jahre alten Auto, was damals als Technologieträger abging und noch immer irgendwie zeitlos ist. Irgendwo in den Tiefen des Kofferraums klappert ein kleiner Werkzeugkasten rum, von dem ich heute nur sehr wenige Inhalte benutzen werde. Ich habe schon unzählige male am Kombiinstrument irgend eines Typ 43 zwischen 1976 und 1979 geschraubt (den Facelift ab 1980 mag ich nicht), der Dottore ist mein dritter in 20 Jahren, da sollten keine unvorhergesehenen Vorkommnisse die Bastelei bremsen. Links die unechte Holzleiste ab, darunter ist eine Schraube vom Armaturendeckel. Am unteren Rand sind nochmal zwei, alles normale Kreuzschlitz, dann kann man das blaue Ding auch schon runternehmen. Versuchen Sie sowas mal bei einem aktuellen Auto. Nein. Vergessen Sie’s.

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fast schon raus der Lump

Danach noch zwei Kreuzschlitz, die das Kombiinstrument halten – und das war’s dann schon. Jetzt hängt es nur noch an der mechanischen Tachowelle, zwei breiten flachen Steckern vom Kabelbaum und dem Blinkrelais. Jawoll, ein Relais. Hier wird kein elektronisches *klick* *klack* akustisch simuliert, was die ansonsten geräuschfreie Arbeitsweise einer elektronischen Kippstufe vertont. Hier ziehen noch Spulen und Elektromagneten Kontakte auf und zu, die dann Glühlampen blinken lassen. Und das macht dann *klick* *klack* :-) Äh… ja. Die Hoffnung, das ordinäre LS Cockpit (mit links Tank und Temperatur, Mitte Tacho und rechts der Uhr) einfach so gegen den neuen besser bestückten Mitbewohner (links Drehzahlmesser mit Temperatur, Mitte Tacho und rechts Uhr mit Tank) zu tauschen gestaltet sich nicht ganz so sorgenfrei wie ich gehofft hatte. Audi hat in diesem Fall alles richtig gemacht, die Stecker im Kabelbaum sind komplett durchkontaktiert und passen 1 zu 1 auf das neue Kombiinstrument. Allerdings… sind da hinten dran ein paar Kabel, die da nicht hingehören. Angeschraubt an Stellen, an denen nichts angeschraubt wird.

was ist DAS denn nun?

was ist DAS denn nun?

Zwei Möglichkeiten….
Hier hat irgend ein Vorbesitzer Teile des vielleicht völlig maroden und irgendwo innen gebrochenen Kabelbaums überbrückt und das originale Cockpit mit selbst gezogenen Strippen angeschlossen, damit es überhaupt funktioniert. Diese Annahme ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, weil die Funktion der Rückfahrscheinwerfer des Dottore auf genau so einem selbst gezogenen Kabel basiert. Sagte mir der Vorbesitzer. Hm.
Oder aber hier wurde irgend ein zusätzliches Gerät angeschlossen, was mal am anderen Ende dieser bunten Leitungen war und irgendwas gemacht hat. Was weiß ich, eine Endstufe, ein Navi, ich weiß ja nicht woran genau diese rot/gelb/blauen Litzen angeschraubt worden sind. Um das zu prüfen müsste ich hinter dem Armaturenbrett verfolgen, wohin diese drei Leiter gehen. Da hab ich jetzt keine Lust drauf. Also….. schraube ich sie einfach genau an die gleichen Anschlüsse am neuen Cockpit wieder an. Wird schon funktionieren :-) Glaube ich.

*Click* passt. Äh… fast.

Altes raus, neues rein

Mein liebes treues Kombiinstrument. Du warst mir zwei Jahre lang ein warm beleuchteter Freund, der mich mit den wesentlichen Informationen über dieses alte Auto versorgt hat. Ich hebe dich natürlich auf, falls ich es mal über den Kopp bekomme und den Dottore wieder in den Auslieferungszustand zurückversetzen will. Man weiß ja nie. Der Kilometerstand wird fotografisch festgehalten (der “neue” Tacho hat ein paar weniger drauf, ich glaube ich tausche die Tage einfach noch mal das einzeln ausbaubare Instrument damit das wieder stimmt) und jetzt ist es richtig ein bisschen spannend. Geht alles? Die Erfahrung hat mich gelehrt, einmal die wichtigsten Funktionen eines Umbaus auszuprobieren, bevor man alles wieder zusammenschraubt. Zündung an – drei rote Lampen leuchten. Motor springt an. Drehzahlmesser dreht hoch :-D YES! Blinker blinkt, Licht geht, Fernlicht auch. Tank klettert hoch, Temperatur auch. Da kann ich ja gleich eine kleine Probefahrt in den Sonnenuntergang das Westufer hoch machen, da wird ein Radiowecker aus den 80ern verkauft. Den will ich haben.

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Ohne 80er geht es nicht

Der steht nun, wie Sie sehen, auf meinem Nachttisch und wird mich hoffentlich morgen zur neuen Arbeitswoche pünktlich mit einem von sechs speicherbaren Sendern wecken ;-) Aber das ist eine andere Geschichte. Was mir während des Tiefflugs über die Holtenauer Hochbrücke und den Nord-Ostsee-Kanal dämmerig in den Augen brennt: Die Cockpitbeleuchtung geht nicht :-( Natürlich geht die nicht! Die geht nach Jahrzehnten des Drehens an den immer defekten kleinen Potentiometern in irgend einer Ecke der Tachoeinheit NIE. *grummel* Und ich habe echt keine Lust mehr, mit der Zunge zwischen den Zähnen feinfühlig und konzentriert so lange an diesem kleinen runden Plastiknuppel mikrometerweise zu popeln, bis der Schleifer irgendwann mal einen Rest Kupfer erwischt und für ein paar Minuten wieder Licht auf die Instrumente scheint – bis zur nächsten Bodenwelle. So ein Unsinn. Also ziehe ich auf die ESSO Tanke beim Holtenauer Flughafen und hol das Werkzeug wieder raus. Blauer Deckel ab. Schrauben weg, Tachowelle ab und umgedreht das Ding. Ach guck. Na klar. Das kleine Plastikteil, in dem der Schleifer für die Dimmung der Cockpitbeleuchtung sitzt quillt schon auf vor Oxid und zerbröseltem Metall. Wie immer.
Kurzer Prozess: Aus den Tiefen des Armaturenbretts ziehe ich ein Ex-Lautsprecherkabel (was liegt denn da NOCH alles so rum?), knippse 5cm ab, mache die Enden blank und lege es mit zusammengedrehten Litzen unter die beiden Schrauben, die den Dimmer halten. Und überbrücke den damit. So wie ich das schon beim Taunus, beim Granada, beim KaSi und bei den anderen beiden Audi 100 gemacht habe. Jetzt kann man das Licht zwar nicht mehr dimmen – aber das habe ich sowieso nie gemacht :-) Leucht leucht. Hell. Alles fein.

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es werde Licht! Jahaaaa!!!

Das Leben ist schön. Bei gutem Wetter durfte ich mal wieder ein ganz klein bisschen schrauben, und das auch noch mit Erfolg. Ein paar Mysterien bleiben. Wo gehen diese drei Leiter hin, die hinten angeschraubt sind? Ist es normal, dass der 2-Liter Vierzylinder bei 100 km/h “nur” 3000 Umdrehungen macht? Der klingt eigentlich eher nach 4500…
Na ja, und die üblichen Verdächtigen. Wie bekomme ich den Verbrauch des neu abgedichteten Motors unter 10 Liter? Wann komme ich dazu, die linke Antriebswellenmanschette zu ersetzen? Wo packe ich den blinkenden 90er-Jahre Interconti Booster Equalizer hin, den ich aus meinem Taunus gerettet habe? :-) Für mehr BUMMS im Dottore. Und wo kriege ich die kleinen Ausstellfensterchen für die vorderen Türen her?
… Aber das hat alles nichts mit dieser weitestgehend Plug and Play getauschten Tachoeinheit zu tun. Die geht nu. Und wenn wieder Blätter an den Bäumen sind sehen wir weiter.
Oder… juckt es Ihnen etwa NICHT in Ihren Schrauberfingern?

Sandmann

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Created Sonntag, 08. März 2015 Tags Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Audi 100 Typ 43 | ausbauen | Beleuchtung | C2 | Dimmer | Drehzahlmesser | Kombiinstrument | LS | tacho | tauschen | wechseln Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz