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Unterkategorien : Stories , Themen
20 Jul 2014
Zu den Favoriten hinzufügen [1 Benutzer]   Jens Tanz  

Mietwagen, neu

Mietwagen, neu

Zwischen Land und Meer

Ich, sie und sie in Portugal, Teil 1
Es ist mir fast schon ein bisschen peinlich. Also peinlich auf mehreren Ebenen. Ich bin ja kein Neuwagenblogger und werde das auch niemals sein, aber WENN ich einen Neuwagen fahre, fotografiere und drüber schreibe, dann muss der schon sehr geil sein. Also vielleicht ein CLS AMG wie damals in Kalifornien:-) Und jetzt? Jetzt sitze ich hier neben einem nagelneuen Kleinwagen, den ich sehr hässlich finde. Der total lahm ist. Das ist mir peinlich. Aber ich werde jetzt nicht wie ein allesfahrender Neuwagenblogger trotzdem die tollen Vorzüge dieser langweiligen Karre beschreiben, denn es geht heute um … MIETWAGEN:-) Darüber habe ich noch nie getextet. Sandmanns klugscheißender Wissens-Blog. Und das – ist mir auch peinlich.

Mietwagen, neu

Nun mal mit Kindersitz, bitte.

Miet-Wagen. Meet-Wagen. Meat-Wagen. Need-Wagen. Miet-Plagen. Viele sagenhaft witzige Kalauer sind mir eingefallen, eigentlich wollte ich sie als roten Faden durch die Geschichte spinnen, aber ich bekomme nicht genügend sinnstiftende Zusammenhänge hin. Im Süden gibt es da einige viele, GoldCar, AutoEurope und wie sie alle heißen. Während eine nette junge Dame an der Rezeption bei “Drive on Holidays” irgendwo in Suburbia nahe des Flughafens Lissabon den zum Toyota dazugebuchten Kindersitz einbaut, rekapituliere ich kurz ein paar vergangene Urlaube, bei denen ich auch schon das Vergnügen mit unterdimensionierten Leikarren hatte:

Alle waren sie klein, diese Transportmöglichkeiten. Sehr klein. Und alle hatten was gemeinsam: Sie waren billig, und ich habe sie im Internet über das Portal billiger-mietwagen.de gebucht, weil der Name mir eben genau das anbietet. Im Urlaub brauche ich keinen Komfort, ich will nur motorisiert von a nach b kommen. Für Hotels und Ferienreisen gibt’s Portale, für gebrauchte Autos gibt’s Portale, für Klüngelkrams und Kindheitsspielzeug gibt’s Portale, für Mietwohnungen gibt’s Portale… und für Mietwagen gibt’s die auch. Das wird nun eine kleine Lobhudelei auf diese spezielle Plattform, denn die haben bisher jedes Mal alles richtig gemacht. Und wenn man sich im Vorfeld über ein paar spezielle Modalitäten der südeuropäischen Mietwagenanbieter im Klaren ist tut das meistens auch alles gar nicht so weh. WENN. Dafür haben Sie nun ja mich. Ich liste mal ein paar Stolpersteine auf und hebe die fett hervor. Denn nicht alles, was auf mich zukommen kann erfahre ich offiziell vor meiner Reise :-(

Mietwagen, neu

Kofferraum? Na ja… TASCHENraum eher.

Was wir in Wales mit dem Fiat 500 schon in einer Selbststudie erarbeitet haben: Mit einem Kind dabei muss das Gefährt mindestens VIER Türen haben! Und ‘ne Klimaanlage. Dabei ist billiger-mietwagen als Vergleichsportal sehr bemüht, den Onlinebucher mit allen Informationen nicht nur über Sehenswürdigkeiten vor Ort, sondern auch über Haken und Ösen der südländischen Mietwagen-Mentalität zu versorgen. Wo finde ich im Flughafen den Anbieter, wie schnell darf ich im Urlaubsland fahren, ist Maut fällig, kommen Extrakosten auf mich zu? Aber sie sind eben “nur” das Portal, sie wissen nicht immer was am Ende beim Anbieter vor Ort noch abgeht, weisen aber per Mail darauf hin dass eventuell am Ende beim Anbieter vor Ort noch was abgeht. Eben jener Kindersitz, der uns mit 5 Euro pro Tag zusätzlich berechnet wird :-( Der in Deutschland gebliebene Testsieger “Römer King” hat im Portal für Klüngelkrams und Kindheitsspielzeug neuwertig gerade mal 35 Euro gekostet, da sind wir hier in Portugal preislich schon nach 7 Tagen. Und wir bleiben 11 Tage. Urks. Aber mal ehrlich – wollen Sie einen dicken Kindersitz im sowieso schon viel zu engen Flugzeug mitschleppen? Nein. Trotzdem ne kleine Frechheit, aber wenn schon nicht am Auto verdient wird dann eben hier. Wir wurden schließlich vorher darauf hingewiesen *röchel*, sind also selbst Schuld.

Mietwagen, neu

Er fährt. Wenn auch träge.

Auch dass die GANZ billigen Anbieter (“Drive on Holidays” scheint so einer zu sein) kein eigenes Büro im Flughafen haben und dich am Gate abholen, um dann mit dir in einem klapperigen Ford Transit in die düsteren Favelas der Stadt zu fahren (wo die Autos stehen) kennen wir bereits. Nicht wundern, keine Angst haben, alles ist gut und man spart hier einen Haufen Geld :-) was sich in den Kindersitz investieren lässt. Alles Gepäck hinten drin? Ja. Aber die Ablage musste ausgehängt und auf den Rücksitz neben das viertelfinnische Sandfräulein gelegt werden, was sich in ihrem “neuen” Kindersitz (der so richtig gar nicht einen auch nur ansatzweise lebenserhaltenden Eindruck macht) ein bisschen unglücklich umsieht. Wie erwartet wird beim Anbieter versucht, mir ein Versicherungspaket für nur 5 Euro am Tag zuzubuchen, was Reifenpannen, Diebstahl und Unfälle ohne Selbstbeteiligung abdeckt. Danke nein. Das habe ich vorher schon direkt für 3 Euro am Tag abgeschlossen.
Der knubbelige, verkrampft jugendlich wirkende Toyota Yaris hat erst 2500 Kilometer auf dem Display und deshalb nur wenige Kratzer, die von der jungen Frau auf einer visuellen Checkliste kunsvoll aufgemalt und von mir unterschrieben werden. Hier muss der akribische Deutsche sich ebenfalls noch ein bisschen locker machen, das ist denen hier unten zumeist total egal, wie die Kiste zurückgegeben wird. Beim vorletzten mal fehlte sogar der Tankdeckel. Egal :-) Wichtig zu wissen: Man kann den Wagen als alleiniger Fahrer oder mit mehreren Fahrern buchen. Das macht bei 11 Tagen einen Unterschied von über 100 Euro, also fahr ich doch lieber als Einzelfahrer, mein halbfinnisches Fräulein Altona hat sowieso keine Lust, hinters plastikumbaute Steuer zu schlüpfen.

Mietwagen, neu

Klein passt überall durch

Eine Kaution von 750 Euro wird auf einer Kreditkarte geblockt, also bietet es sich an, eine ausreichend gedeckte Kreditkarte mitnehmen. Was das Benzin betrifft, da gibt es einmal die Möglichkeit Vollen Tank bezahlen und leer wieder abgeben, was je nach Kraftfahrzeug und geplanter Strecke ein finanzielles Desaster werden kann. Mit dem Smart auf Mallorca hat mich das 70 Euro gekostet (“Was haben Sie denn hier für Literpreise, junge Frau???” – “Das ist normal, der Ölpreis, die Weltwirtschaft, wissen Sie….“), und wir haben den Zweisitzer in den 5 Tagen nicht mal halbleer gefahren. Obwohl ich am letzten Abend noch einen Ziegelstein auf das Gaspedal gelegt und den vier Stunden im Kreis habe kacheln lassen, der war einfach nicht leer zu kriegen. Da wurde also gleich zwei mal verdient :-( Dann doch lieber die Variante Vollgetankt mitnehmen und vollgetankt wieder abgeben. Die ist pauschal ein bisschen teurer, passt mir aber irgendwie besser. Auch wenn wir einige 100 Kilometer auf portugiesischem Festland zurücklegen werden und man das bestimmt irgendwie hingezirkelt bekäme, aber sowas ist mir inzwischen zu blöd. Mit südländischer Gelassenheit zeigt die junge Frau mir den ungefähr halbvollen Tank und sagt, wir sollen den Yaris-Wagen einfach wieder ungefähr halbvoll zurückbringen. Ich bin inzwischen ganz entspannt. Ob wir ein Navi für 10 Euro am Tag brauchen würden? Nein. Das — habe ich nun tatsächlich aus Kiel mitgenommen, und das bringt uns jetzt gleich mal von Lissabon nach Aldeia das Dez in den Bergen im Norden.

Mietwagen, neu

Ponte des Tres Entradas

Bevor es über diese einem Mercedes-Stern gleiche Brücke mit ihren drei Zufahrten hoch zum gemütlichen Boutique-Hotel (wieder ein neues Wort gelernt) in den Bergen geht wollen wir noch schnellstmöglich dem Meer hallo sagen, und schnellstmöglich bedeutet in Portugal: Autobahn. Maut. Gerade bei längeren Etappen, zumal mit ab Werk ungeduldigem 17 Monate alten Mädchen auf dem teuer gemieteten Kindersitz im Fond, treibt einen die Navioption “Mautstraßen vermeiden” erst in den Wahnsinn, dann in die Kotzerei und am Ende in ein permanentes zu-spät-Kommen, weil die Fahrtzeiten sich bei diesen gedärmgleichen Nebenstraßen verdoppeln. Also Maut. Die Autobahnen sind angenehm frei, weil kaum ein Einheimischer sie benutzt. Mein Unvermögen, Portugiesisch zu sprechen und die genuschelten englischen Nebensätze der jungen Dame am Tresen von “Drive on Holidays” ließen mich in dem Glauben, dass ich mit dem Tagespreis von 1,80 Euro für den kleinen Sender oben in der Scheibe des Autos die pauschale Tagesmaut und freie Durchfahrt an den Mautstellen gebucht hätte. Freie Durchfahrt stimmt. Aber jedes mal piept die kleine Kiste beim Durchfahren einer Schrankenanlage, und am Ende wird mir klar, dass die 1,80 Euro nur die Tagesmiete für den Sender sind. Die Maut kommt noch oben drauf, in unserem Fall bitte noch einmal 76 Euro nach 11 Tagen, vielen Dank. Das erklärt, warum die Autobahnen so schön frei sind….. *grummel*

Mietwagen, neu

Hallo Atlantik

Der Toyota, der aus irgend einem unerfindlichen Grund aus den Lüftungsdüsen nach Tutti Frutti riecht kühlt uns, hat ein fettes Soundsystem und röchelt einigermaßen müde vor sich hin. Wenns bergauf geht muss ich vom fünften erst in den vierten und dann in den dritten Gang schalten, weil das Motörchen irgendwie sagenhaft schwachbrüstig ist. Da man aber vor allem in den schmalen Bergstraßen im Norden Portugals sowieso immer einen lebensmüden Einheimischen und seine halbe Verwandtschaft direkt an der hinteren Stoßstange kleben hat, egal wie schnell man unterwegs ist, hat sich auch hier bei mir eine gewisse Gelassenheit breitgemacht und ich fahre nur so schnell, wir ich es für angemessen halte. Was ich in Sachen Toyota Yaris lerne: Er ist hässlich, aber schluckt uns drei mit Gepäck. Er fährt laut und träge und schluckt nicht nur Gepäck, sondern auch 8 Liter auf 100 Kilometern, erfüllt aber seinen Zweck und hat gute Lautsprecher. Und zwischen Tanknadel auf halbvoll und Tanknadel auf komplett leer liegen nur knapp 200 Kilometer. Wenn man das weiß kann man sich auch drauf einstellen, rechtzeitig zu tanken ;-)

Mietwagen, neu

Wetter – na ja, das muss besser werden

Jetzt muss ich nur noch damit klar kommen, dass wir mit Regen begrüßt werden. Ich fasse mal zusammen, denn das ist ja ein klugscheißender Lern-Blog für Sie da draußen, den Sie gern immer wieder als Checkliste rausholen können, wenn Sie mal im Süden ein Auto mieten wollen:

  • Alles genau durchlesen, was in den vorab per Mail zugesendeten Reiseunterlagen des Mietwagenportals steht.
  • Ein Fahrer ist wesentlich preiswerter als mehrere.
  • Vor Ort klären wo der Anbieter zu finden ist, meist lächelnd im Terminal mit Schild in der Hand.
  • Es gibt große Unterschiede zwischen “Voll hin und voll zurück” oder “Voll hin und leer zurück”.
  • Versicherungen ja, aber vorher buchen und dann vor Ort KEINE weiteren abschließen.
  • Alle Kratzer und Beulen checken und aufmalen.
  • Genug Deckung auf der Kreditkarte für die Kaution haben.
  • Kindersitze kosten bis zu 5 Euro am Tag.
  • Navigationssysteme kosten bis zu 10 Euro am Tag.
  • Maut ist nicht gleich Maut.
  • Locker bleiben.

Das steht auch alles sinngemäß in den Unterlagen des Portals, aber wer liest denn sowas? Und jetzt die gute Nachricht für alle die von Ihnen, die bis hier immer noch gedacht haben: Wieso sollte ich mir ÜBERHAUPT einen teuren Mietwagen im Urlaub leisten, wenn ich nicht wie der Sandmann an zwei Orten in einem Land für je 5 Tage ein Hotel gebucht habe und im Monat mindestens vier Millionen Euro berdiene? Die Antwort: Weil es dank des vergleichenden Mietwagenportals in unserem Fall nur 130 Euro gekostet hat. Das sind keine 12 Euro pro Tag. Krass, oder wollen Sie bei diesem Preis etwa zu Fuß gehen oder mit dem Bus fahren? Okay, plus die optionale Versicherung plus den optionalen Kindersitz plus Maut und plus Benzin, aber das hat man ja selbst weitestgehend im Griff, wenn man es vorher weiß. Die schlechten Bewertungen der Anbieter im Netz, in unserem Fall ging es um mangelnde Höflichkeit und fehlenden Service, kommen vorwiegend von immer nörgelnden deutschen Mittfünfzigern, die glauben, für einen Appel und ein Ei erste Klasse Highlights hinterhergetragen zu bekommen. Die erstmal alle Kratzer am Auto fotografieren und hinterher ihre Rechtschutzversicherung belasten, um nochmal 20 Euro rauszupressen. Traurig sowas. Ich bin mehr als zufrieden! Ich musste das jetzt mal loswerden. Und nein, ihr featured-Blog-Enttarner da draußen, billiger-mietwagen hat mir kein Geld dafür gegeben ;-) Ich bin tatsächlich begeistert und teile das mit euch und Ihnen. Das musste einfach mal raus. Und jetzt öffne ich mir ein Fläschchen Rotwein auf unserem Balkon mit einem sagenhaft schönen abendlichen Blick über die Berge.

Mietwagen, neu

Am Ende eines langen Tages

Frankreich, dachten Sie? Mit dem Mercedes, war die Ansage? Später, ihr ungeduldigen Leser, das kommt danach. Erstmal: Hallo Portugal. Das Foto ist unscharf. 11 Tage mit meinem halbfinnischen Fräulein Altona und meinem viertelfinnischen Sandmädchen und einem Toyota Yaris. 11 Tage Familie, Zusammensein, lecker essen und tief und lange schlafen. Äh. Streichen Sie lecker essen. Dazu ein andermal mehr. Und öhm…. lange schlafen ist vielleicht auch nicht so eine der Überschriften, wenn man mit dem quirligen Sandmädchen unterwegs ist. Aber der Rest passt. Morgen früh überlege ich noch, ob ich mein Navi in den Ruhestand schicke oder wieder auf Straßenkarten aus Papier umsteige, aber das ist eine andere Geschichte. Dazu morgen mehr. Heute seid ihr erstmal umfassend auf euren nächsten Mietwagen vorbereitet ;-)

Sandmann

www.billiger-mietwagen.de

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Created Sonntag, 20. Juli 2014 Tags billiger-mietwagen.de | buchen | internet | Kindersitz | Maut | mietwagen | Navi | Online | Portugal | Reise Reise | Südeuropa | toyota yaris Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
18 Jul 2014
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Ein neuer Stern.

Ein neuer Stern.

Folgen Sie dem Stern

Neuland? Neuwagen? Ja und nein. Weil ich mir natürlich NICHT einen Neuwagen gekauft habe, ohgottogott wo denken Sie hin? Es fühlt sich aber (für mich) so an. Meine Freundin war immer jünger als meine Autos. Immer! Okay, mit steigendem Alter wurde das schwieriger, dann brach plötzlich der Audi V8 elfjährig als nagelneuestes Auto in der Familie die Tradition, das Taxi war sogar von 1997 und jetzt – JEEEEETZT — ist im Fuhrpark erstmals eine 2 vorn im Baujahr. 2001. Ich werd bekloppt. Oder spießig? Zur Freundin: so tief in der Midlife-Crisis stecke ich nicht, dass ich mich mit so einem jungen Huhn schmücken müsste. Nein. Automobil gesehen ist das hier aber tatsächlich Neuland, und wenn ich mir die Eckdaten des dunkelblauen Herren angucke könnte das eine Affäre für eine kleine Ewigkeit werden. Ich fahr mal hin und hol ihn ab…

Ein neuer Stern.

Sandmann fährt Bahn

Strenggenommen begebe ich mich in keine gute Verhandlungsgrundlage, wenn ich mit einem One Way Ticket per S-Bahn zum Autoangucken fahre. Ein klassischer Fehler, denn der Vorbesitzer geht in so einem Fall davon aus, dass man den Wagen sowieso mitnehme und bleibt auf seinem ausgerufenen Preis kleben. Normalerweise. Wenn man von Kiel nach München oder so fährt. Diesen Vorbesitzer kenne ich allerdings inzwischen persönlich und mache mir im Vorfeld keine Sorgen, dass ich den Wagen NICHT erwerben werde. Zumal es von Hamburg nach Hamburg geht und ich im Eskalationsfall auch mit einer anderen S-Bahn wieder zurück fahren könnte :-) Flashback: Das Autoschicksal spann schon wieder spinnengleich seine seltsamen, klebrigen Fäden, gerade noch vor ein paar Wochen auf dem Drivestyle Sunday vom DAZ Verlag stand ich so mit einem Kumpel zwischen feinen Autos rum, über dessen weißen 280 S ich gerade eine Geschichte geschrieben habe. Da merkt sein ebenfalls rumstehender Bruder beiläufig an, dass er einen Benz ähnlich meinem aus Funk und Netz bekannten Klappertaxi besäße und dass der jetzt weg solle. Ach? Erzähl? Vielleicht schraube ich mir ja doch nicht für den nächsten Tüv am cremefarbenen T-Modell die Finger blutig sondern sattel um…? Und er erzählte.

Ein neuer Stern.

One Way Ticket

Alles neu macht der Mai. Sandmann und Sandmann fahren raus in die Hamburger Suburbs. Mit ganz vielen Gedanken im Kopf. Ich habe nach den Erzählungen von Bruder Marcus versucht, das Taxi am Stück zu verkaufen – keine Chance. Das Thema hatten wir schon. Jetzt steht der alte Herr trocken eingelagert beim Markus1975, also noch einem Mark/cus, und wartet auf seine Filetierung. Aber das ist eine andere Geschichte. Das, was da wiederum in ein paar Minuten vor mir stehen wird ist prinzipiell das gleiche dieselnde Auto – aber eben auch nur prinzipiell. Ich werde mit diesem Wagen, so ich ihn denn mitnehme, erneut ein paar meiner felsenfesten Grundsätze über den Haufen werfen, als da wären:

  • kaufe keinen Common Rail Diesel
  • kaufe kein Auto mit CAN Bus
  • nur noch Leder, nie mehr Stoff
  • vermeide Xenon Lampen
  • Standheizungen sind überflüssig
  • Radios müssen einen AUX Anschluss haben
  • möglichst keine Displays im Tacho

Ohauerha. Ohauerhauerha :-( Nun werden einige von Ihnen den einen oder anderen Gedanken der Liste oben nicht ganz verstehen oder nachvollziehen können. Der vor 20 Jahren einmal gefasste Grundsatz hinter den meisten Punkten ist meine Vermeidung von zu viel Elektronik oder sensibler Motorentechnik. Weil ich ganz gern selbst schraube. Und über den Einspritzdruck von rund 1300 Bar der CDI Motoren haben wir uns an anderer Stelle bereits ausgetauscht, die können einem sauber den Finger mit einem leckeren Dieselstrahl abscheren, wenn man blauäugig an den Injektoren nestelt. Nun. Mit blauen Augen kann ich dienen, mit Blind- oder Dummheit nicht, jedenfalls nicht beim Autokauf, woanders schon mehr. Auf der JAJAJAA!!!!-Seite dieses T-Modells (immerhin habe ich mich langsam an die Präsenz eines Kombis gewöhnt, auch das war mal anders…) stehen auch noch ein paar Fakten. Viele.

Ein neuer Stern.

Reise Reise mit der HVV

JA – es ist wieder dieses Vieraugengesicht, das ich inzwischen lieb gewonnen habe. Ein Mercedes-Benz S210, der ungeliebte, der rostige, der Taxi Benz mit dem Kombiarsch. Der hier ist ein Nach-MOPF, also das überarbeitete Modell (bei Mercedes, wer von Ihnen das vielleicht nicht weiß, heißen die “Modellpflegen” immer MOPF. Das fällt mal umfassender und mal weniger umfassend aus. Bei diesem dicken Daimlerwagen sind nach meinem Taxi im August 1999 über 1800 Bauteile ersetzt oder modifiziert worden, man erkennt den damals noch zum Chrysler Konzern gehörenden so überarbeiteten Dampfer an den Blinkern in den Rückspiegeln (auch das fand ich eigentlich immer doof) und den geänderten Front- und Heckschürzen. Ach ja – und die Nase ist flacher. Aber man kann angeblich noch immer auf der Haube sitzen. Ich werde das testen :-) JA – er ist nicht mehr taxielfenbein getüncht, sondern tief dunkelblau. JA – es sind echte 140.000 Kilometer auf dem Tacho(display), weitestgehend durch das Scheckheft nachgewiesen. Der Kahn ist noch nicht mal richtig eingefahren und hat innen auf Sitzen und Armaturen keinen sichtbaren Verschleiß. JA – er ist immer in einer Mercedes Werkstatt gewartet und repariert worden. Bremsen, Reifen, Anbauteile, da ist nix vom osteuropäischen ebay-billig-Anbieter mit Zerfallszeiten von einem halben Jahr. JA – er hat noch über ein Jahr TÜV. JA – die Avantgarde-Ausstattung ist cool, elektrische Fensterheber (geht), Glasschiebedach (geht), Klimaanlage (geht), serienmäßige Xenonbrenner der ersten Generation (gehen), Zuheizer, graues Wurzelholz, ab Werk ein bisschen tiefer, Alufelgen, Standheizung von Vebasto mit Fernbedienung (geht). Ein Ackerhaken ist abnehmbar dabei… Und der Preis ist mehr als okay. Und schon bin ich da.

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Der neue Sternenkreuzer.

Groß und edel wirkt der erst 13 Jahre alte Herr mit der geringen Laufleistung. Im Vergleich zu meinem Taxi, und sehen Sie mir diesen Vergleich bitte nach denn ich habe keinen aktuelleren Benchmark, ist das blaue Wunder tatsächlich wie ein Neuwagen. Ein paar Kratzer sind im Lack und auf den Alus, aber na und? Unter den Gummidichtungen der hinteren Türen blühen einige Rostblumen, aber na und? Im Inneren riecht es sehr stark nach Rauch, aber na un…. urks. Nee :-( Bah. Mensch Marcus, das ist aber doch ziemlich muffig. Puh. Ich selbst bin ja dem gemeinen Zigarillo oder dem Pfeifchen nicht abgeneigt, aber niemals im Auto. Er ist durchaus gepflegt und sauber von innen, der Daimler, aber im Himmel, in den grauen Stoffsitzen, in jeder Naht hängt der kalte Kippenhecht. Mist. Und zwar so nachhaltig, dass ich überlege, ihn deshalb nicht zu nehmen, weil ich nicht sicher bin, ob das jemals wieder rausgeht. Dabei passt alles andere doch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge…

Ein neuer Stern.

MOPF. Aber irgendwie wohnlich.

Drei Dinge stimmen mich milde.
Da ist zunächst einmal eine Probefahrt mit offenen Fenstern und offenem Schiebedach. Überhaupt, endlich wieder ein Schiebedach. Der rechte Fensterheber ist aus der Führungsschiene ausgehakt, aber im Taxi wartet ja Ersatz auf Abruf. Es fächelt durch die anderen Öffnungen nicht nur Frischluft in den großen Wagen rein und vertreibt ein wenig den alten Rauch, es kommt auch Freude am Fahren auf. Der 220 CDI zieht sauber und kraftvoll, ist sagenhaft leise im Vergleich zum 290er Nagelklotz und die ganze Fuhre schnurrt wie am ersten Tag durch die Vorstadtstraßen. Ein wahrhaft gesundes Auto. Auch wenn es hinten links an der Achse beim Einfedern so komisch knarzt, aber auch das wird man beheben können. Es werfe den ersten Stein, wer ohne Mängel sei… Die Klimaanlage kühlt, ohne zu zischen, alle Warnlampen sind aus und alle Instrumente zeigen das, was sie zeigen sollen. Übers Lenkrad (ohne speckigen 70er Jahre Bezug) lässt sich das fette Becker Radio mit Kasettenschacht steuern (ja, das geht Dank CAN Bus), außerdem kann ich das große mittlere Display lustig in seinen Funktionen durchblättern. Cool.

Ein neuer Stern.

Ich sitze, also bin ich.

Wieder vor der Tür des geduldig wartenden Vorbesitzers angekommen und von der Technik des sonor nagelnden Stuttgarters komplett überzeugt fällt das milde stimmende Wort “Ozonbehandlung”. Davon habe ich schon mal gehört, ist das nicht diese Schicht da oben über der Erde, die mal von Spraydosen kaputt gemacht wurde und wegen dessen Fehlen wir zum Dank jetzt alle im Sommer ganz schnell braun werden? Nein, nicht ausschließlich, mit Ozon lassen sich offensichtlich auch stinkende Geruchsmoleküle knacken und kaputt machen, damit sie anschließend nicht mehr stinken. Ach? Cool. Das kostet aber ein bisschen Geld, und damit kommen wir zum milde stimmenden Ding Nummer drei: Dem Preis. Vorbesitzer Marcus und ich werden uns nach ein bisschen hin und her einig, und ich kaufe das Auto. Handschlag drauf, passt. Sandmann hat das bisher neueste Auto in seiner 25 Jahre währenden Histoire des Voitures erworben. Glück. Freude. Seeligkeit. Neu ist immer gut, ich bekomme sogar noch den Kasettenadapter dazu, über den ich mein iPhone als Musikspender anschließen kann. AUX? Braucht man nicht. Und fangen Sie mir hier nicht an mit FM Transmittern, die taugen überland nicht so weit wie man sie werfen kann. Werfen wir stattdessen einen Blick unter die geschwungene Haube:

Ein neuer Stern.

220 CDI, der typische Taximotor

Der Motor mit der internen Bezeichnung OM 611 hat nur vier Töpfe und ist noch mehr mit Plastik umbaut als der klotzige Reihenfünfer meines Taxis. Aber er hat einen nachgerüsteten Dieselkat und mit seiner grünen Plakette freie Fahrt durch die Smog-Städte der Republik :-) Uuuuund…. er genehmigt sich angeblich nur rund 7 Liter von der stinkenden Brühe, aber das muss noch bewiesen werden. Alle Anbauteile sehen gesund aus, alles um den Motor herum wirkt quasi neuwertig, alles klackt und klickt und funktioniert. Ich kann mein Glück kaum im Zaum halten und hüpfe singend und lachend mit dem Dampfstrahler an der Tanke um mein neues Auto herum und produziere Regenbögen. Ungefähr so lange, bis ein freundlicher, aber bestimmt guckender junger Mann aus dem Kassenhäuschen kommt und mich darauf hinweist, dass ich hier doch bitte die Aktivitäten rund um meine Motorwäsche in Grenzen halten möge. Na gut. Ist ja eh alles nicht nur sauber, sondern rein. Und deshalb kann ich Euch und Ihnen nun endlich meinen neuen Sternenkreuzer präsentieren, nicht mehr nur in geschnipselten Bildern – sondern mal in seiner ganzen Pracht. Tataaaaaaa ♫

Ein neuer Stern.

Avantgarde. Na ja, damals zumindest.

:-) Er ist nicht so kultig wie das Taxi, sondern eher dezent. Aber schick. Er hat keinen Riss in der Frontscheibe, und man rupft ihm beim Einlegen der Fahrstufe nicht den Wahlhebel aus dem Schaltbock. Er trampelt nicht mit der Hinterachse wie ein tiefergelegter Opel Astra, weil die Druckspeicherkugeln der Niveauregulierung gerissene Membranen haben. Er lässt nicht jede Nacht die Heckklappe einfach so offen. All das, was mein Taxi sich herausgenommen hatte. Er ist fast schwarz und funkelt fein in der Sonne. Seine kleinen Kratzer und Schmarren erzählen schon jetzt von einem bewegten Leben, das in meinen Händen nun weitergehen wird. Aber hoffentlich nicht mehr so bewegt, denn das Leben als solches bewegt sich schon genug dieser Tage. Ich hege die vage Hoffnung, hier ein Automobil erworben zu haben, das über einen längeren Zeitraum einfach mal nur so funktioniert. Und zwar so gut, dass auch mein halbfinnisches Fräulein Altona ihm Vertrauen entgegen bringt und mit Kindersitz nebst viertelfinnischem Sandmädchen auch mal allein und behütet unterwegs sein wird. Ohne auf dem Weg nach Berlin den Auspuff zu verlieren (Rudolf) oder mit herausgerupftem Automatik-Wahlhebel ohne Rückwärtsgang an der Tanke stehend (Taxi). Mein Neuwagen. Alles ist ja relativ :-)

Ein neuer Stern.

Der Schlüssel zu Ali Babas Schatzkammer

Jetzt habt Ihr ihn gesehen. Jetzt wisst Ihr, was Sache ist. Und der erste Trip geht gleich mal ganz weit weg – mit meinen beiden großen Töchtern nebst Freund auf einen Campingplatz zwischen Montpellier und der spanischen Grenze. Über Paris. Zwar nicht mehr mit einem Taxi (nur für eiiiinen Taaaaag), aber angesichts der 1700 Kilometer mit einem sehr beruhigenden Gefühl der Zuverlässigkeit. Cool. Ich freu mich drauf. Und ich nenne die Karre irgendwie noch immer “Taxi”, hat jemand einen besseren Vorschlag…?

À bientôt.
Sandmann

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Created Freitag, 18. Juli 2014 Tags Avantgarde | daimler | Ich fahr... TAXI! | kombi | S210 | Schiebedach | Standheizung | Sternstunden | T-Modell | taxi | Vieraugengesicht | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
01 Jul 2014
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Vier / zwei / viele Räder

Tod eines Taxis, Teil 2

Schichtwechsel

Schichtwechsel

Der Stern, abgestellt vor der Halle. Ein letztes mal warngeblinkt. Aber noch nicht gestorben und begraben. Ciao Taxi, erstmal, wenn wir uns wiedersehen habe ich einen Schraubenschlüssel in der Hand und rücke dir auf den Pelz ;-) Und nur genug gejammert, der zweite Teil der Reise erfolgt in der rappeligen goldenen Zeitmaschine. Unter anderem. Hallo KaSi. Das erste von vielen HALLOs heute. Du hast hier den ganzen Winter lang auf mich gewartet, und jetzt bringst du mich nach Hause. Endlich mal wieder. Geht es dir gut? Viel Bewegung bekommst du ja nicht gerade… Na, wollen wir doch mal hören ob du die 40 Kilometer nach Kiel ohne Murren abspulen kannst…

So ein K70 ist ja ein seltsames Ding.

Vier / zwei / viele Räder

Opel HEISST Agila, KaSi IST agiler

Ich will nun gar nicht die ganzen Geschichten hier verlinken, die ich persönlich mit dieser Karre schon erlebt habe, vielleicht erinnern Sie sich an die eine oder andere. Oft lag Schnee :-) Auch referiere ich nicht über die lesenswerte Historie dieses seltsamen Autos, das habe ich schon oft und das haben andere noch viel ausführlicher. Ich fahre den heute einfach nur. Der gute Markus hat den alten Herren sauber gewedelt und gut vorbereitet, Luft auf die uralten Reifen gepustet, die Batterie durchgeladen und den Motor einmal so lange laufen lassen, bis das Thermostat aufmacht. Er funktioniert. Einfach so. Wenn das alte NSU Triebwerk, was optisch auch in einem alten Jagdflugzeug stecken könnte,  erst einmal warm ist schnattert es wie ein Uhrwerk vor sich hin und saugt die frische Luft durch den seitlich hängenden Vergaser, als hätte es nicht das Herz und die Lunge eines starken Rauchers.
Hallo Autobahn 21 von Bargteheide nach Kiel, du ewige Baustelle, auf der aber der Verkehr im Gegensatz zur A7 immer rollt und sich nicht staut. Stau mag KaSi nicht. Ich auch nicht.

Vier / zwei / viele Räder

das könnte ich den ganzen Tag machen

Alles andere, egal was es ist, scheint dem wegrationalisierten Wunderwagen aus Salzgitter gut zu bekommen. Der 43 Jahre alte NSU rollt und bremst agil durch die Welt, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Als würde er nicht die meiste Zeit irgendwo gut behütet rumstehen. Geht so ein K70 eigentlich überhaupt irgendwann mal kaputt? Ach ja, da war mal was, vor ein paar Jahren. Mit den Bremsen. Ist aber lange her :-) Ich bin wieder zurückversetzt in andere Zeiten. Gar nicht die Kindheit, das war ja eine andere Geschichte (und beinhaltet den Blick vom Rücksitz nach vorn), mehr die Zeit zwischen meinem ersten Leben und jetzt. Irgendwo rund um 2007 oder 2008. Mein Papa guckt mich von dem Bild auf dem Armaturenbrett irgendwie herausfordernd und fragend an. Aber er lächelt. Ups? Der Plan geht auf, das alte Auto lenkt mich so sagenhaft gut ab dass ich nicht über taxischlachten nachdenke und *schwupps* in Kiel ankomme. Ich habe nicht mal Bilder unterwegs auf irgendwelchen Rastplätzen gemacht, aber ich glaube da sind auch gar keine. Nur zwei Tankstellen, da, wo der Schaufelradbagger des norddeutschen Autobahnbaus noch nicht seine vernichtende Schneise in die ehemalige B404 gefräst hat. Eine Esso und eine NordOel. Bald sind die auch dicht und eingeebnet. Dann ist da nur noch eine vierspurige Asphaltpiste.

dem Horizont entgegen

dem Horizont entgegen

Hallo Kiel.
Ich bin schlecht auf diesen Moment vorbereitet. Der ganze zusammengetragene Mist eines langen, wenn auch warmen Winters stapelt sich in meiner Garage. Ich sollte da öfter mal mein Auto reinstellen, groß genug ist sie ja :-) Jetzt muss ich hier erstmal irgendwie den wannabe VW reinzirkeln, Mofa beiseite, Kinderwagen raus, Winterreifen vom Taxi nach hinten an die Wand und dann mit viiiiiel Gefühl rückwärts schräg von links kommend rein. *knack* War klar. Das alte Bild an der Wand, das mit dem Holzrahmen und den Engeln mit röhrendem Hirsch in den Bergen, hat nach Feindkontakt den zweiten Riss bekommen. Warum sollte heute irgend etwas anders sein als sonst, wenn ich dieses Auto rückwärts in die Garage fahre? Irgendwann hänge ich den Schinken mal an die Wand. Wo kommt der eigentlich her? Ich glaube, den habe ich mitgenommen, als ich vor gefühlt 100 Jahren einen antiken Schreibtisch für mein halbfinnisches Fräulein Altona geholt habe. Mit dem Golf Bon Jovi. Ach ja, und Markus, dem Hallenhüter. Okay, da schließt sich der Kreis. Ansonsten brauchen Sie nicht jedem Gedankengang am heutigen Tag folgen, ich bin ein wenig durcheinander.

Vier / zwei / viele Räder

Das lernt man in keiner Fahrschule

Mit ein bisschen Hin und Her passt die gar nicht so kleine Limousine tatsächlich noch in das gemauerte Fahrzeugdomizil rein. Alles, was ich nicht mehr daneben stapeln kann lege ich auf die Motorhaube oder davor. Die gelben Säcke muss ich auch beizeiten mal raus auf die Straße stellen…. In Kiel haben wir den gelben Wertstoffsack, der (glaube ich) jeden zweiten Montag abgeholt wird. Das sind dann die Tage, wo große Mengen von wiederverwertbarem Plastikmüll durch die Straßen wehen, weil hungrige Katzen schon am Vorabend die durchwachsen riechenden Säcke gefleddert und sich an Joghurtresten und anderem Zivilisationsmist satt geschleckt haben. Ciao KaSi. Lange bist du nicht alleine, aber jetzt drückt meine Zeit ein bisschen, denn ich muss zurück nach Hamburg und bin noch nicht mal am Bahnhof.

Vier / zwei / viele Räder

bald wird er unter Krams verschwunden sein

Hallo Fahrrad. Fahren Sie Fahrrad? Fährt überhaupt noch irgend jemand Fahrrad heute? Ich habe das zeitlebens gemacht, zur Schule, zum Ausbildungsplatz, zur Uni, zur Firma, in den Verlag…. ich bin immer Fahrrad gefahren. Bei Hitze und Sonne, bei Wind und Regen und auch bei Schnee. Ganz früher war es ein sportliches Herrenrad von Brennabor (huch? :-) ) – seit ich nicht mehr zu Hause bei meinen Eltern wohne habe ich mein Mountainbike, eines der ersten damals Anfang der 90er und seinerzeit entsprechend teuer. Das scheint sich aber irgendwie gerechnet zu haben, ich hatte nie das Bedürfnis, ein anderes Fahrrad zu besitzen, und außer ein paar neuen Kettenblättern und Bremsbacken geht ja daran auch nix kaputt. Schweife ich ab? Von Kiel nach Hamburg ist es ein bisschen zu weit für eine Fahrradtour, 100 Kilometer, dass muss heute nicht wirklich sein. Aber zum Bahnhof, mit leichtem Gepäck, das ist okay, das geht fast nur bergab (ja, Kiel ist ganz schön bergig) und ist fast schneller als mit dem Auto. So, hab ich alles? Nummernschilder, Kamera, Zigarillos…

Auf, auf und davoooon

Auf, auf und davoooon

Irgendwie ist fahrradfahren klasse. Wieso ist eigentlich Kiel – Hamburg zu weit??? Als Teenager bin ich im Sommer regelmäßig von Plön in meine Heimatstadt Uelzen geradelt, mal alleine, mal mit einem Freund. Bei meiner Sandkastenfreundin Silke in Ripdorf konnten wir dann immer unter dem Kirschbaum zelten und so die ewig langen Sommerferien ein bisschen abwechslungsreicher gestalten. Zelten, Stephen King lesen, Kirschen und Erdbeeren essen, Gitarre spielen und Rotwein trinken. Eigentlich könnte ich das mal wieder machen. Ob ich die Strecke noch schaffe? 190 Kilometer? :-) Ich alter Mann. Ich setze das mal auf meine Agenda der noch zu erledigenden Dinge in meinem Leben, inklusive Gitarrenabend mit Kerze und Silke und Rotwein und Lebkuchenherzen. Und vielleicht einer Hollywoodschaukel. Es gibt nicht viele Menschen auf der Welt, die jetzt wissen, was ich meine. Agenda hin oder her, wenn ich den Zug um halb noch erreichen will muss ich mich mal sputen.

Vier / zwei / viele Räder

Kiel, heute mit guter Ökobilanz

Schnell mit dem Zahlenschloss den Drahtesel an einen Poller geknotet und rein in die Halle. Hallo Deutsche Bahn. Ich habe nicht mal mehr ‘ne Bahncard… Jahrelang hatte ich eine Bahncard 50 und die auch immer fleißig genutzt, mal war ich hier, mal mein halbfinnisches Fräulein Altona da, mal in Berlin, mal in Hamburg, mal in Kiel. Das Leben hat sich auf Kiel und Hamburg eingeschossen, keine Kapriolen rund um verschobene Lebensmittelpunkte mehr, also auch keine Bahncard. Für diese 100 Kilometer Distanz fahre ich auch viel zu gern Auto. Na mal sehen, wie das mit der A7 und ihren Großbaustellen um den Elbtunnel rum weitergeht und wie die A21 als Alternativroute damit korrespondieren, vielleicht nutze ich ja bald doch wieder mehr Bahn? ;-) Immerhin sitzt man da entspannt bei seinem Kaffee, schaut aus dem Fenster auf die öde norddeutsche Steppe, liest oder schreibt was… Hauptsache nicht telefonieren, wer noch immer behauptet das deutsche Mobilfunknetz sei gut ausgebaut hat sich noch nicht mit einer Eisenbahn telefonierend zwischen Kiel und Hamburg und Berlin aufgehalten. Und hey – ich bin sogar bei der Telekom, wer noch immer Kunde von E Plus oder so ist sollte die Ballungsgebiete lieber erst gar nicht verlassen…

Vier / zwei / viele Räder

von Zuhause nach Zuhause

Einen heißen Kaffee von dem Mann mit dem Kaffeewagen, ein banales und nicht weltbewegendes PC Spielemagazin und der immer gleiche Gedanke, den ich in einem fahrenden Zug habe: Wenn dieser Zug mit Lichtgeschwindigkeit in Richtung Hamburg fährt und der Mann mit dem Kaffeewagen in diesem Zug in Fahrtrichtung läuft – bewegt er sich dann für einen außenstehenden Beobachter schneller als das Licht? :-D Da können Sie ja mal drüber nachdenken. Einstein sagt: nein. Und ich nach ein paar Jahren des Physikstudiums auch. Meine 13jährige Tochter will das unbedingt in den kommenden Wochen mal erläutert haben, ich denke, das wird möglich sein. Ich gucke noch ein bisschen aus dem Fenster, lese noch ein bisschen über die neuen sexy Open World Egoshooter in diesem Jahr und bin – schwupps – auch schon am Bahnhof Dammtor in Hamburg. Wenn auch nicht ganz so schnell wie das Licht.

Vier / zwei / viele Räder

und der Tag ist noch immer jung.

Hallo Hamburg. Helloooo again ♫ würde Howard Carpendale trällern. Hier fing heute Morgen alles an, ich weiß im Moment grad nicht wie spät es ist, ich habe unter all den Fortbewegungsmitteln ein bisschen mein Zeitgefühl verloren. Wilde, wühlige Zeiten liegen auch ganz ohne Relativitätskonstante gerade über meinem Leben, dieser Taxi-Transport-Hick-Hack steht ein bisschen Pate dafür und während ich diese Zeilen schreibe fällt mir obendrein noch ein, dass mein Fahrrad in Kiel noch immer vorm Bahnhof steht. Verdammt. Das muss ich dann wohl bald mal abholen, wenn es noch nicht gefleddert wurde. Jetzt bin ich erstmal richtig müde, der Kaffee des freundlichen Bahnbeamten wirkt nicht so wie er soll (weil er eben NICHT schneller als das Licht war) und ich steige auf das nächste Fahrrad. Das alte Brennabor, was ich hier abgestellt hatte, Sie erinnern sich vielleicht. Das ist noch immer da. Warum sollte das auch jemand klauen?

Vier / zwei / viele Räder

was vom Tage übrig blieb

Hallo Abend. Nun ist das Taxi also eingelagert. Sein würdiger Nachfolger steht in Altona unter Hamburger Linden und lässt sich von diesen verdammten Läusen genau so klebrig vollpissen wie alle anderen Autos, die ich vor ihm da geparkt habe. Wer hat sich denn ausgedacht, in Großstädten Linden zu pflanzen? Aber ich will nicht noch einen Off-Topic aufmachen. Übrig bleibt, neben vielen vielen ungeordneten Gedanken über diesen langen Tag verteilt, eine weitere Plastiktüte. In ihr sind Radio, Parkscheibe, Kleinkram aus den Seitentaschen, Kugelschreiber und die Christopherus Medallie. Alles, was an persönlichem Kram eben aus einem Auto rauskommt, wenn es den Weg alles irdischen gehen wird. Die Madonna ist schon im neuen Auto eingezogen, das Kleingeld aus dem Aschenbecher auch. Ich habe die Tüte erstmal zu den anderen in die Garage gestellt. Schauen wir mal, wie es so weitergeht, mit den Autos und mit ein paar anderen Sachen. So oder so – ich werde Sie und euch damit volltexten :-)

Sandmann

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Created Dienstag, 01. Juli 2014 Tags Ersatzteile | Fahrrad | hamburg | Ich fahr... TAXI! | K 70 | K70 | K70 - Goldene Zeiten | KaSi | Kiel | S210 | schlachten | Sternstunden | taxi | VW K70 | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
25 Jun 2014
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Der letzte Fahrgast

Tod eines Taxis, Teil 1

Der letzte Fahrgast

Danke für diesen guten Morgen ♫

Ein Jahr Taxiwitze. Ein Jahr das beruhigende, stoische Nageln eines unzerstörbaren Motors, während um mich rum so ziemlich alles zerstörbar scheint. Das fühlte sich trutzburgig an. Irgendwie. Aber so treu die vier Augen auch gucken, nun ist Schluss. Kein Anruf “Was is letzte Preisch?“, kein Angebot, ein schweigendes Telefon und nur vereinzelt ein bisschen eifersüchtiges Rumgehupe unten vor meinem Haus, weil der Nachfolger, den Konkurrent in der sandmann’schen Personenbeförderung schon ein zugelassenes Nummernschild hat. Auch ein Taxi hat Gefühle, aber ich muss Prioritäten setzen und fange damit heute mal an. Zeit? Hab ich die kommenden sechs Wochen nicht, also wird das Elfenbein eingelagert. Endgelagert. Auf Umwegen, selbstverständlich, ein bisschen Pathos sei erlaubt…

Denn ich muss ja irgendwie hin und zurück.

Der letzte Fahrgast

Ein letztes mal über Hamburgs Straßen

Wenn Sie erst jetzt eingeschaltet haben: Ich habe mir ein anderes Auto gekauft und muss ja nun was mit dem “alten” anstellen. Weil ich nicht irgend einen armen Freund oder Kollegen mit meinen Autogeschichten behelligen will versuche ich das mal wieder im Alleingang. Dafür brauche ich:

  • Zeit (ach Mist, die hab ich ja nicht… also nehme ich sie mir),
  • ein Fahrrad in Hamburg,
  • einen Markus in Wahlstedt,
  • seine Halle,
  • einen KaSi,
  • ein Fahrrad in Kiel und
  • einen Regionalexpress.

Mir ist schon ein bisschen komisch, wie immer, wenn ich mich von einem Auto verabschiede. Das war schon beim V8 nicht leicht (die Geschichte schulde ich Ihnen noch), beim Taunus auch nicht (die Geschichte schulde ich Ihnen AUCH noch) und sogar das Auswildern des Bon Jovi meines halbfinnischen Fräulein Altonas ging nicht ohne Tränen über die Bühne (auch da gibt’s noch einen Nachruf). Und jetzt bin ich allein unterwegs, allein mit Tori Amos, und die singt mir ein paar frühmorgendliche Klavierballaden in die Ohren. Und hinten im sagenhaft großen “Kombi? – braucht man nicht Memorial Gepäckraum” liegt kommod mein Hamburg Fahrrad. Das stelle ich am Bahnhof Altona ab, denn das brauche ich nachher noch. Später.

Der letzte Fahrgast

Muskelkraft auf Abruf, für später

Ich platziere den Drahtesel neben den Taxiparkplätzen :-) Auch auf die Gefahr hin, dass ich entgegen aller journalistischen Grundsätze schon wieder ständig abschweife: Ich gebe inzwischen zu, dass ein Kombi (in diesem Fall ein T-Modell) schon echt heftig praktisch ist. Einfach alles rein da. Schön ist anders, stilvoll geht besser, aber hey – es gibt Phasen im Leben, da freut man sich über den Raum, der einem gelassen wird. Wo man schlimmstenfalls sogar wohnen könnte. Dieses Auto macht das mit Bestnote, für ein durchschnittliches 20-Euro Flohmarkt Herrenrad der Marke “Brennabor” mit Sachs Torpedo Dreigangschaltung muss nicht mal der Rücksitz umgeklappt werden ;-) Schön. Nun ist also auch das Fahrrad raus und Tori und ich sind allein auf dem Weg erst über die A1 und dann die A21 nach Wahlstedt. Zum Endlager. Zum Abdecker…?

Der letzte Fahrgast

Ein letztes mal Roadmovie auf MB Tex Sitzen

Jammer nicht Kerl, es ist nur ein Auto. Oder? Nee. Wenn das so einfach wäre, schriebe ich keine Alltagsgeschichten, in denen diese runtergerockten Karren meistens die Hauptfiguren sind. Ein Auto ist für mich nicht einfach nur ein kostspieliges, unwirtschaftliches Fortbewegungsmittel von A nach B. Dieses Taxi hat mein Leben begleitet, wie jedes Auto vor ihm auch. Besonders wenn die See stürmisch ist gebe ich das schwimmfähige Schiff nur ungern aus der Hand, denn es hat zu mir gehalten im Rahmen seiner Aufgaben. *schluck* als mir das bewusst wird, jetzt wo ich mit Tori so allein bin und sie mich in Ruhe lässt, weil sie sich aufs Singen konzentriert werde ich sogar ein bisschen… traurig? Hubs :-( Ich nehme mir vor, nachher noch ein paar Sachen aufzulisten, die mich vielleicht an die Zeit und den Wagen erinnern werden, wenn er mal nicht mehr ist. Und das dauert ja gar nicht mehr lange, so der Plan. Huch? Was singt die älter werdende rothaarige Frau denn da?

Der letzte Fahrgast

Als hätte sie es gewusst?

Gniiihihi :-) Ich hatte vergessen, dass es dieses Lied weiter hinten auf der CD gibt. Bezeichnend. Ich schwanke noch ein bisschen zwischen Belustigung und NOCH mehr Melancholie, entscheide mich dann für Belustigung und mache ein bisschen lauter. Das Wetter ist schön, das Leben geht ja weiter (wie albern, merke ich gerade, am Ende IST es ja tatsächlich nur ein Auto) und irgendwie machen “neue” alte Autos ja auch Spaß. Das einzig Konstante im Leben ist die Veränderung. Außerdem kann man nicht behaupten, das alte Taxi habe nichts von der Welt gesehen. Ich tröste mich mit der Metapher eines knochigen Mannes, der im Leben schon viel erlebt hat, nun aber sehr sehr alt und müde ist und seinen Frieden mit dem Leben, was er lebte, gemacht hat. Und nun kann er gehen. Ja. Hm. Doch. Passt. Ich bin in Fotolaune, da vorn kommt der letzte Rastplatz vor der Ausfahrt Wahlstedt und ich will nochmal ein paar klassische Bilder machen. Sowas wie… nachdenklich auf dem Kantstein sitzen. Und auf der Haube. Und so. Sie kennen das ja.

Der letzte Fahrgast

Das Ende der Rast

Und das alles noch nicht mal mit der guten Spiegelreflexkamera, die ist kaputt :-( Runtergefallen. Bumms knack. Bis die wieder heile gemacht wird muss es eine Leihkamera tun, aber wen interessiert das, wir sind hier in einem Blog und nicht in einem Retina-Display-4K-Wahnsinn. Während ich so auf dem klassischen Bordstein sitze und selbstverliebt auf das *klick* des Selbstauslösers warte frage ich mich, ob dieses Beige, dieses Hell Elfenbein eigentlich gut für Fotos ist? Das kommt wohl auf den Hintergrund an, vor schneereichen dänischen Tundren macht es sich sicherlich nicht so gut wie vor frühsommerlich sattgrünen norddeutschen Autobahnbäumen. *klick* Na gut, die dänischen Tundren bekommt die Karre eh nicht mehr zu sehen. *snief* Hab ich bei diesem Autowagen denn überhaupt schon mal auf der Haube gesessen? Ich glaube nicht. Da war immer zu viel um die Ohren. Na dann los :-D

Haubensitzen

Haubensitzen

Jaaaaaaahhhh super. Ich MUSS einfach Autos fahren, auf deren Hauben man sich setzen kann. Diese schräg abfallenden Dünnblech-Regenrutschen neuerer Vernunftskutschen werden niemals meine Philosophie entern. Schlimm genug, dass ich mich auf Kombis einlasse, statt der klassischen Stufenhecklimousine einen täglichen Altar zu bauen. Aber ich habe ja noch den Audi. Das ist dann wieder eine andere Geschichte. Während ich so auf der Haube rumsitze und das neuerliche *klick* des Selbstauslösers schon längst an den Flanken vorbeidonnernder 30Tonner abgeprallt ist kommt mir wieder das Thema “Rost” in den Sinn. Der W210, oder in meinem Fall der S210 hat die Marke Mercedes-Benz leider damals in ein tiefes Tal der Häme geschleudert, weil es Jahrgänge gab, die einfach überall gerostet haben. Überall, sogar mitten auf dem Dach. Der hier nicht. Die vorderen Federteller sind auch schon mal neu gemacht worden. Und das ist gut. Vielleicht kann ich die fast rostfreien Türen doch noch in Gold aufwiegen? Oder zumindest in … äh… nun vielleicht kauft sie mir ja jemand ab. Weiter geht’s. Nach wenigen Minuten der akustisch Amos-untermalten Weiterfahrt erreichen wir das sagenumwobene Endlager Wahlstedt, nein, keine Wiederaufbereitungsanlage. Hier ist es zu Ende. Und das wird dem Anreisenden auch gleich unmissverständlich gezeigt.

Der letzte Fahrgast

angekommen auf dem Schrott?

Mein guter Kumpel Markus hat hier seine Schrauberhalle, ein helles, sauberes Gebäude mit allem drin, was das Herz eines Bastlers begehrt. Außen rum liegt eine Menge Mist, der allerdings nicht von ihm kommt. Hier wildern noch andere. Zittert der alte Daimler ein bisschen, während er hier auf den Hof rollt…? Och… Zwischen Bauschutthügeln und zerbeulten Autowracks ballert eine unerbittliche Junisonne auf die Szene. Warm ist es. Und irgendwie wird meine Laune besser, auch wenn ich gleich ein letztes mal den Schlüssel drehe und den treuen Motor stoppe. Aber vorher bereite ich mich noch ein paar einsame Minuten lang auf den Moment vor. Irgendwie freue ich mich auch auf’s Schlachten. Ich werde ohne Rücksicht auf kaputt gehende Kleinteile mal wieder ein Auto zerlegen, von dem ich viele Baugruppen sogar noch selbst gebrauchen kann (aber auch das ist eine andere Geschichte), außerdem habe ich schon lange keinen Motor mehr komplett ausgebaut, geschweige denn ein Getriebe. Da lauern viele abgefuckte Tage mit dem guten Markus, dem einen oder anderen Bier und auch sicherlich ein paar Schraubergeschichten aus den Tiefen der 90er Jahre Technik eines alten Mercedes. Cool.

Der letzte Fahrgast

Taxi vor Zivilisationsmüll

Mein Zeitplan hier und jetzt ist ein wenig fremdgesteuert, denn ich bin erst auf halbem Weg nach Kiel und muss heute, also ehrlich gesagt jetzt gleich, ohne Auto weiterreisen. Erst nach Kiel, dann zurück nach Hamburg. Dabei hilft mir ein weiterer alter treuer Freund, nicht ganz als Auto zu bezeichnen, aber golden wie die Herbstsonne und genau so alt wie ich. Doch bevor ich ein letztes, ein wirklich allerletztes mal die Tür des Taxis zuwerfe schau ich mich noch einmal um.

Was für ein sagenhafter Platz.

Der letzte Fahrgast

mehr Platz als so manches WG-Zimmer

Der Mix aus Schafsfell auf MB-Tex und ziemlich gut erhaltenem Wagenhimmel hinterlassen einen pflegeleichten, altgedienten Mix aus Bequemlichkeit und unfassbarem Raumangebot. Gab es in der 90ern eigentlich irgend einen anderen Serienkombi, der so viel Platz bot wie ein S210? Ich glaube nicht. Die Lampen überall, die sich nach dem Aussteigen langsam runterdimmen geben Nachts eine Lounge-Atmosphäre, aber das ist jetzt ziemlich egal. Und Platz hat mein neuer auch.

Was für ein griffiges Lenkrad.

Der letzte Fahrgast

Die 70er sind zurück

Der platte Vor-MOPF-Topf, umwickelt mit irgend so einem Schrubbel-Band aus den 70er Jahren. Nicht, weil jemand es vielleicht schick oder stylisch gefunden hätte. Nein. Nach 652.000 Kilometern ist das einst ledern umhäkelte Volant einfach schon so derbe abgegriffen, dass ohne so eine Kunststoffschicht niemand mehr seine Hände darum legen wollen würde. Ich habe mal drunter geguckt. Glauben Sie mir, das wollen Sie nicht sehen. Aus dem gleichen Grund sind übrigens auch die gehäuteten MähMähs auf den vorderen Sitzen, glauben Sie mal nicht, dass ich die besonders toll finde…

Was für ein Rück-Blick.

Der letzte Fahrgast

Spieglein Spieglein an dem Dach

Das ist mir erst nach Wochen aufgefallen. Über dem Spiegel steckt ein Spiegel. Das Original ist blind und ranzig, und statt den gegen ein gebrauchtes 13-Euro-ebay-Teil auszutauschen hat jemand einen zweiten Spiegel mit Gmmibändern draufgepflanzt. Wahrscheinlich aus dem Supermarktuniversalzubehör. Auch die Halterung des Teils in Kombination mit den Leselampen im Dach scheint nicht von diesem Stern, jedenfalls war man in der Mercedes-Benz Hauptfiliale in Hamburg Süd nicht in der Lage, mir die passenden Leselampen im Ersatz zu verkaufen. Weil es diese Ausführung schlicht nicht gibt. Was auch erklärt, dass ich den Wagen damals ohne diese Leselampen gekauft habe. Seltsam.

Was für ein Glauben.

Der letzte Fahrgast

Madonna ist immer dabei.

Gekauft auf dem Ätna und erstmals in Erscheinung getreten in einem Blog über einen Urlaub mit einem Fiat in Sizilien ist sie immer dabei, die Dashboard Madonna. In diesem Mercedes habe ich sie erstmals direkt auf eine Zierleiste geklebt, und jetzt wandert sie schon wieder ins nächste Auto. Sie macht ihren Job bisher gut, die Heilige, und ich habe sie schon mehr als ein mal zärtlich über den Kopf gestreichelt. Danke. Ab ins nächste Cockpit, ich darf die nachher nicht vergessen.

Was für ein Kaufrausch.

Der letzte Fahrgast

Wollen Sie ihr Auto verkaufen?

Und es sind noch nicht einmal alle Karten, die mir ans Fenster gesteckt wurden. Irgendwann habe ich angefangen, die hinter die linke Fondscheibe zu stecken, teils, weil der Fensterheber da eh nicht geht und teils weil ich glaubte, dass so ein Vorgehen weitere Karten fernhalten würde. Aber nee. Noch eine und noch eine. Und nun? Jetzt WILL ich ihn verkaufen, und niemand will ihn haben. Pah. Dann eben nicht.

Was für eine Laufleistung.

Der letzte Fahrgast

Da bleibt er nun stehen

Ein mal zum Mond und wieder zurück. 16 mal um die ganze Welt. 3273 mal von Kiel nach Hamburg und zurück. Legt man eine zügige Fahrweise und keine Staus zugrunde, schafft man das in 2,5 Stunden. Also, hin und zurück. So gesehen würde man ein ganzes Jahr non stop in diesem Auto von Kiel nach Hamburg und zurück fahren, bis man diese Kilometerzahl erreicht hat. Das flößt mir Respekt ein, unabhängig von meiner tiefen Verneigung vor der Technik, die das gepackt hat. Gutes Auto. Du hättest noch mehr geschafft. Ich sattel jetzt mal temporär um auf vierrädrige goldene Zeiten, der läuft schon warm…

Der letzte Fahrgast

Einer bleibt immer dabei

Jetzt steht er vor der Halle, der dicke Daimler. *rumms* ist die Tür zu, nun endgültig, und der Schlüssel liegt hinten im Kofferraum, damit Markus den heute Abend reinfahren kann. Den KaSi hat er ja schon rausgefahren, mit dem wird es gleich weiter gehen. Eigentlich also nicht mit einem Auto, sondern mit meiner persönlichen Zeitmaschine. Meine Autos kommen und gehen, aber seit 2007 ist das kleine goldene Ding eine Art Konstante in meinem automobilen Alltag geworden. Seit der Tour in den Pfälzer Wald ist der KaSi da. Und warum sollte ich den jemals wieder hergeben? Reinsetzen, starten, losfahren. Egal wann. Egal wie kalt oder warm. Er ist wie ein unsterblicher, treuer Hund, der vergessene NSU aus Salzgitter. Sein Job heute: Mich zurück nach Kiel bringen und da auf weitere Einsätze warten :-) Denn da geht es mit dem Fahrrad weiter zum Bahnhof. Die Taxifahrt jedenfalls endet hier. Ich war der allerletzte Fahrgast dieses genügsamen, geduldigen Autos.

Nie wieder

Nie wieder

Wie geht es auf dieser Reise weiter? Na ja, erstmal über Kiel nach Hamburg, davon erzähle ich Ihnen die nächsten Tage. Und dann raus aus Deutschland, für zwei Wochen, um anschließend einmal vorzufühlen, was Sie und ihr zu dem offiziellen Nachfolger des T-Modells sagen. Dunkelblau ist er. Und ein bisschen neuer als der elfenbeinfarbene Selbstzünder. Ich bin ziemlich gespannt, wie im Herbst das Zerlegen und Filetieren des Sternenkreuzers voran gehen wird. Die Preise für einzelne Teile (besonders am Motor) sind ziemlich lecker, vielleicht werde ich ja noch wahnsinnig reich ;-) Ich bin dann mal unterwegs in einem 43 Jahre alten Auto mit 15 Jahre alten Reifen. Der Sonne entgegen. Ohne Musik, also auch ohne Tori Amos, das Leben singt in diesen Tagen seine Dissonanzen in Moll sowieso laut genug. Ich höre aufmerksam zu. Vielleicht kann ich noch was lernen.

Sandmann

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Created Mittwoch, 25. Juni 2014 Tags abmelden | Ersatzteile | Fahrrad | halle | Ich fahr... TAXI! | letzte Reise | letzter Fahrgast | S210 | schlachten | Sternstunden | taxi | Tori Amos | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
12 Jun 2014
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Seine Zeit läuft ab

Taxi und Tic Tac

Taxi und Tic Tac

Jedes Auto hat seine Zeit. Einige Freunde auf vier Rädern bleiben lange, manche sogar ewig. Andere nicht, und das hat dann seine Gründe. Bevor ich Ihnen die letzte Fahrt des Taxis um die Augen haue gebe ich noch eine offizielle, verworrene Presseerklärung zur Lage ab. Das macht man ja heute so. Denn ich bin schon ziemlich überrascht, wie viele Mails, SMS oder Facebook-Kommentare ich zum Thema “Taxi geht weg” bekomme. Haben Sie den runtergerittenen Schlitten gar mehr ins Herz geschlossen als ich? :-) Also – nichts ohne Grund. Das hier sind gleich mehrere…

Seine Zeit läuft ab

Auch ein Rücken kann entzücken

Mobilität. Die muss gegeben sein, wenn man wie ich zwischen zwei Städten pendelt und nebenbei beruflich im ganzen Land plus Berlin unterwegs ist, um andere Autos zu fotografieren und darüber Geschichten zu schreiben. Ja, ich habe auch einen Beruf :-) Krass, oder? Genaugenommen sogar zwei. Wenn sich in solchen Lebenssituationen das Alltagsauto als unzuverlässig erweist ist das kein gutes Gefühl, schon gar nicht, wenn der bisher als Backup fungierende Wagen der Freundin auch nicht mehr unter den klebrigen Linden Hamburgs parkt. Auf den hätte man ja ausweichen können. Nun wäre bei einer Havarie ausschließlich der alte Audi 100 da, das ist ganz okay, aber nicht für quer durch die Republik. “Aber das Taxi läuft doch…???” denken Sie jetzt. Stimmt. Inzwischen tut es das ganz hervorragend, aber letzten Winter habe ich ihn an so manchem Morgen nicht bewegen können, weil entweder die Glühkerzen platt waren oder dann als Resultat der Anlasser. Oder das Abgasregelventil. Oder das Saugrohr. Das tritt zwar lustige Geschichten los, wenn Papa und Tochter spontan bei -5 Grad auf dem Mofa lachend zur Schule knattern, aber schön ist das auf Dauer nicht… Ich brauche einfach und unbedingt ein zuverlässiges Auto, und nach 650.000 Kilometern auf dem Tacho kann ALLES passieren.

Seine Zeit läuft ab

Große Klappe, viel dahinter

Arbeitsaufwand und Zeit. Ich habe immer gern an meinen Autos geschraubt und werde das auch immer machen. Das entspannt, das spart Geld, das macht glücklich. Aber in diesen Monaten des Sommers 2014 habe ich aus verschiedenen Gründen schlicht keine Zeit, mich um Schweißarbeiten, neu zu verlegende Handbremsseile, neue Kotflügel und auszutauschende “Bulleneier” zu kümmern. Und der TÜV ruft laut. Ich könnte das Taxi in die Werkstatt geben, aber das würde seinen Kaufpreis übersteigen. Und sogar WENN ich mit euer an verschiedenen Stellen selbstlos angebotenen Hilfe den dicken Daimler nochmal über die HU bringen würde – er wäre noch immer eine (ich zitiere) “runtergerittene Hure”, klapperig, rostig, ausgejackelt und schon weit hinter dem Zenit seines Lebens. Örg findet sowas toll. Bei Bamako Motors oder dem Fusselblogkönnte ich damit wohl auch punkten :-) Aber da ist dann noch immer mein halbfinnisches Fräulein Altona, das einfach keine Lust hat, beim Schalten den Wählhebel aus dem Getriebe rauszuziehen, die Heckklappe nicht abschließen zu können oder mit ausgeschlagenen Achslagern über die Autobahn zu hüpfen wie ein tiefer gelegter Opel Astra. Kann ich verstehen.

Seine Zeit läuft ab

aber er guckt so freundlich

Geld. Immer wieder Geld. Während der Taxilaufbahn des alten S210 wurde jährlich in sein Überleben investiert, denn es rief jährlich die Hauptuntersuchung. Er war ein Werkzeug, was funktionieren musste, damit sein Besitzer seinen Lebensunterhalt damit verdienen konnte. Das hatte ihm vor nicht allzu langer Zeit neue Bremsen, ein neues Lenkgetriebe, neue Scheinwerfergläser und viele andere kleine Neuteile beschert. Jetzt ist ein Riss in der Frontscheibe (und ich scheue mich, die Teilkasko dafür zu belangen, denn ich habe diesen Riss nicht selbst verursacht), besagte “Bulleneier” sind platt, der Unterboden hat ein paar Löcher, die Feststellbremse geht nicht und die Klimaanlage ist irgendwo undicht. Und der Sommer ist warm, sehr warm. Das alles zusammen, ohne Scheibe, kostet schon 600-700 Euro. Und wer weiß was die emsigen Ingenieure beim TÜV noch finden. Soll ich wirklich nochmal Geld in so ein altes Auto stecken, was keiner außer mir zu mögen scheint und was schon 16 mal um die ganze Welt gefahren ist? Nein. Und komplett verkaufen? :-) Hab ich versucht. Gestern hat sich ein einziger Interessent gemeldet. Und danach nie wieder.

Seine Zeit läuft ab

Tick Tack lebe wohl

Das Taxi verlässt mein Leben und meinen Alltag dem selben Grund wie der treue Rudolf Diesel vor gut einem Jahr. Vernunft. Ich bin schon auf so vielen Ebenen durchgeknallt und unvernünftig, ich kann es mir erlauben, an dieser Stelle einmal ruhig und fast emotionslos kalkulierend zu bleiben. Aber der lange, elfenbeinfarbende Nagelkreuzer wird anteilig weiterleben. Wir zerlegen ihn komplett, so dass nur noch eine rollbare Rohkarosse übrig bleiben wird. Alle Türen und Klappen, Antriebswellen, Motor, Getriebe, Interieur – alles muss raus. Und für die Einzelteile bekommt man wiederum bei ebay richtig viel Knete. Vielleicht sogar so viel, dass ich den Preis von seinem Nachfolger, der inzwischen zugelassen vor meiner Tür steht, wieder reinbekomme. Der ist AUCH nicht vernünftig, der ist AUCH alt und der ist AUCH groß. Aber nicht ganz so … äh … ich nenne es mal “streckenerfahren”. Braucht noch jemand Teile von einem 290 Turbodiesel? Ich hab da ein paar. Und ein paar andere werde ich auch behalten, vielleicht bin ich ja doch nicht so emotionslos bei dem Thema wie ich behaupte….

Sandmann

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Created Donnerstag, 12. Juni 2014 Tags e-klasse | Ersatzteile | Ich fahr... TAXI! | S210 | schlachten | Sternstunden | T-Modell | taxi | Teile | Vernunft | W210 Document type Video
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06 Jun 2014
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Auto Blog of the year 2014 – Katzen gehen immer.

Och bitteeeeee

Och bitteeeeee

Man kann mit verschiedenen Aktionen die Aufmerksamkeit und vor allem die Klicks auf seine Seite ziehen. Das geht mehr oder weniger perfide, am besten klappt das, wenn man einen Wettbewerb auslobt und ein paar Verrückte dazu bringt, für einander zu voten. Abzustimmen. Am besten täglich :-) Das ist der Direct Line Versicherungs AG zusammen mit Motor-Talk nahezu perfekt gelungen – sie haben aufgerufen, die besten Auto Blogs aus deutschen Landen zu nominieren und dafür zu voten. Gniihihi. Und da haben sie sich mindestens zwei feine Querulanten eingefangen 8-)

Man konnte eine Zeit lang nominieren. Das hab ich natürlich auch gemacht :-) Gleich als erster.

Voraussetzungen waren:

  • Der Blog muss älter als drei Monate sein
  • Innerhalb der letzten 4 Wochen muss ein Beitrag erschienen sein
  • Das Thema ist Auto/Mobilität
  • Es wird Deutsch geschrieben

Okay, das erfüllt Sandmanns Welt weitestgehend :-) Und da schau her, ich hab mich nicht nur selbst nominiert, meine Welt war am Ende einer der meist vorgeschlagenen Blogs. Von Menschen, die ich gar nicht kenne. Geil. Und dann gab’s die Top 15, schon irgendwie eine Ehre, allein dazu zu gehören, bei 70 nominierten Blogs. Die Auswahl war bunt gemischt, alte Freunde wie der Mercedes Passion Blog von meinen Daimler-Kumpels Markus Jordan und Philipp Deppe über Highlights wie den Fusselblog von KLE und impulsee von der bezaubernden Dajana bis zur V8 Kultur des sagenhafterweise immer noch Audi V8 fahrenden Fräulein Katze aus München – klasse. Ein guter Mix. Definitiv. In der Liste sind auch ne Menge Plattformen, die mich schlicht überhaupt nicht interessieren, aber Meinungen im Netz und Texte über Autos sind IMMER gut. Egal, ob es Neuwagen, Prollkarren, grüne Stromschlurren oder Marken-Maniacs sind.

Klick auf die 5

Klick auf die 5

Und nun hatten die User zwei Wochen Zeit, unter den kurz vorgestellten Blogs auf einen bis fünf Sterne zu klicken. Das hat sich zunächst nicht gleich jedem erschlossen, das musste einigen auf Facebook noch persönlich erklärt werden. 5 Sterne: gut. Und das am besten täglich, denn sofern die IP des Routers eine andere war konnte man dann gleich nochmal abstimmen. Also hab ich natürlich auf meiner Facebookseite fleißig geworben und das erstmals seit einer halben Ewigkeit auch auf mein privates Profil mit rübergezogen. Auch auf die Gefahr hin, dass ein paar Homies genervt sein könnten ;-) Und dann war da noch Bernd. Der hat das auch gemacht…

Fusselvoting

Fusselvoting

Sowohl den Fusselblog als auch die ähnlich gelagerten farbenprächtigen Ergüsse von Bamako Motors lese ich regelmäßig mit einer Flasche Wein im Kopf und fühle mich dann immer so unfassbar normal und langweilig :-) Umso glücklicher war ich, als ich den Kotelettenkönig und Jägermeistervernichter KLE nach ein paar Tagen in den Top 3 sah. Neben Sandmanns Welt und dem Passion Blog, was eine super Plattform ist, aber die Jungs haben doch letztes Jahr schon gewonnen. Nun ist auch mal gut. Da sich Bernd und ich auch in den “privaten” Facebookprofilen ab und an unsere Neurosen um die Augen hauen war schnell eins klar: Wer gewinnt ist eigentlich egal, aber wir beide müssen am Passion Blog vorbeiziehen!

das hat die Tierschützer motiviert

das hat die Tierschützer motiviert

Also haben wir fast täglich die Jungs auf Facebook genervt und irgendwann angefangen, den anderen jeweils mitzuziehen. Ich konnte mein Glück ohnehin nicht fassen, so weit vorn zu sein, und mit einem Gewinnen des Schrauberhelden hätte ich niemals ein Problem. Also haben wir uns beide als Ziel gesetzt: Fussel und Sandmann aufs Podest, egal wie. Und den jeweils anderen in die Marketing Strategien mit einbezogen:

Die Masse macht's

Die Masse macht’s

Bernd alias KLE scheint allerdings täglich mit ein bisschen mehr Enthusiasmus als ich vor seinen Bildbearbeitungsprogrammen zu sitzen, vielleicht liegt das daran dass ich lieber texte als male? Was macht Bernd eigentlich beruflich? Ich muss ihn mal fragen. Plötzlich war klar: Wir können die Massen aktivieren. Freunde von mir sind durch Universitäten gezogen und haben von jedem verfügbaren Rechner einen Klick gemacht. Freunde von Bernd haben begriffen, dass ein Router-Reset eine neue IP vergibt und seit dem 10 Stunden am Tag immer wieder den Stecker gezogen und gleich nochmal abgestimmt. Und meine Leute auch für ihn, und seine Leute auch für mich. Glaube ich zumindest :-)

Die tägliche Erinnerung

Die tägliche Erinnerung

auspeitschen auf der SackRatte

auspeitschen auf der SackRatte

Chronologie einer Klickveranstaltung :roll:
Für mich selbst war es gleich morgens der erste Akt, erstmal ein paar Sternchen zu vergeben. Noch vor dem ersten Kaffee. Wenn ich ein paar Facebook Kommentare richtig lese haben das so einige andere auch so gemacht. Und weil ich ein generell sehr dankbarer Mensch bin habe ich dann auch öffentlich angeboten, alle Leute, die für mich klicken, bei einem Platz unter den ersten drei in die Casa Sandmann nach Kiel einzuladen und ne Menge Bier für alle im Kühlschrank bereit zu stellen. Mit Zeltübernachtung unter meinen Obstbäumen optional. Ich weiß nicht ob das gezogen hat oder das Katzenbild vom Anfang, auf jeden Fall ging der Fusselblog steil nach oben und Sandmanns Welt am Passion Blog vorbei. Krass. Vielleicht waren Markus und Phillip auch nur zu beschäftigt mit coolen Autos, als dass sie sich auch noch um die Aktvierung ihrer Fans zum Klicken auf der Direct Line Seite hätten bemühen wollen… Wie auch immer :-)

Gebt beiden Sterne

Gebt beiden Sterne

Zwischendurch kam auf Facebook die Frage auf, wie das Geklicke denn eigentlich ausgewertet würde. Augenscheinlich der Durchschnitt der angeklickten Sterne geteilt durch die abgegebenen Stimmen. Das bedeutet, wenn nur ein einziger bei einem Blog auf 5 Sterne klickt und dann nie wieder irgend jemand, hat der mehr Punkte als ein Blog, bei dem 10.000 Menschen auf 4 Sterne geklickt haben? Ich verstehe das alles nicht. Aber ich sah, dass der Fusselblog weit vorn und Sandmanns Welt gleich dahinter waren. Jetzt durfte der Passion Blog nur nicht mehr an mir vorbei ziehen…

der tägliche Wahnsinn

der tägliche Wahnsinn

mal ein sachlicher Aufruf

mal ein sachlicher Aufruf

Tiere kommen gut

Tiere kommen gut

Babys gehen fast immer

Babys gehen fast immer

Sie sehen schon, der auf halbnackte schöne Frauen einprügelnde Mann mit der Uniform hat die besseren Argumente auf Facebook verbreitet. Es sei ihm vergönnt :-D Kurz vor Schluss ging noch einmal ein Gerücht durch die sozialen Netzwerke, dass es wohl möglich sei, den Durchschnitt runterzuziehen, wenn man bei jemandem nur auf einen Stern klicke. Aha. Wie arm ist das denn bitte? Voten ist toll, jemandem seinen Tribut für die Arbeit zollen auch – aber einen Blog RUNTERzuziehen geht gar nicht. Warum? Mit welchem Recht? Wenn mir ein Programm nicht gefällt, muss ich es doch nicht gucken/lesen/hören? Warum sollte jemand die gute Arbeit von anderen abwerten, statt sich in dieser Sache einfach zu enthalten? Schlimm :-( Also haben wir zwei beiden nochmal aufgerufen, das Gas gegeben werde. Sex sells. So weit bin ich dann nicht gegangen :-D

Er hat Titten versprochen und Wort gehalten

Er hat Titten versprochen und Wort gehalten

Aber ich hatte neben den Katzen auch andere süße Tiere für meine Zwecke benutzen können. Leider kam ich erst vorgestern aus verschiedenen Gründen auf Mangusten, aber Eichhörnchen, Hamster und was weiß ich noch alles eignet sich doch auch super, um die Massen zu begeistern. Ich bekomme langsam einen Einblick, wie diese ganzen Facebook-Spielchen funktionieren :-) Aber leider bin ich glaube ich zu gutherzig, um mein Wissen auszureizen…

Fell macht glücklich

Fell macht glücklich

Und am Ende? Waren alle unsere virtuellen Freunde zugeballert mit Votingaufrufen, denen sie erstaunlich emsig gefolgt sind. 16.000 abgegebene Stimmen sind nach dem 25. Mai ausgewertet worden, und die 5 bestplatzierten wurden nach Berlin zu einem Mampf unter Gleichgesinnten eingeladen. Leider nur eingeladen. Kurz darauf wurde das Date, was eigentlich HEUTE :-) Abend stattfinden sollte, abgesagt. Zu kurzfristig, zu wenige Zusagen, aber man wolle es nachholen. So oder so hat Zucker, der Vermarkter dieses Events, vorgestern offiziell bekannt gegeben, dass die Bemühungen des sackrattigen Fusseltuners mit seinem “speziellen und eher nischigen Blog (großartig)” und des Typen, der abseits des Mainstream über ein Leben in alten Karren schreibt erfolgreich waren.

Fussel holt den Pott

Fussel holt den Pott

Platz 2

Platz 2

Hihi :-) Was bleibt? Ne Menge. Vor allem ne Menge Klicks für Direct Line, was auch das Ziel der Aktion war. Außerdem meine Dankbarkeit für euren Klickeinsatz, das ich ECHT cool!!! Aber auch ein paar Trophäen und symbolische Riesenschecks bleiben, mit denen wir uns noch fotografieren müssen. Viele User, die nun froh sind, nicht mehr täglich zum Voten aufgerufen zu werden und in meinem Fall viele User, die sich nun fragen, wann sie ihr Bier bekommen ;-) Bald. Nach dem Sommer. Ich werde mein Wort halten und nach Kiel einladen, und ich werde es rechtzeitig bekannt geben. Aber nur denen, die auch wirklich 5 Sterne gegeben haben. Die mit dem Geklicke auf nur einen Stern sollten mal ihr Gewissen durchkämmen… Danke Direct Line, danke Zucker, danke Motor Talk. Hat Spaß gemacht. Aber was ich mich frage…. wenn wir alle DEUTSCH schreiben müssen, warum heißt es dann nicht einfach “Auto Blog des Jahres 2014″?

ABOTY-Badge-2014
Ich darf jetzt für ein Jahr ein “Badge” auf meinen Kopfzeilenbildern tragen und mach einfach so weiter wir immer. Das scheint ihr ja zu mögen ;-)

Schöne Pfingsten und viel Sonne in dieser verrückten Welt wünscht

Sandmann

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04 Jun 2014
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Der Straßenarbeiter

Der Straßenarbeiter

Essen auf Rädern

Streetworker wär’ nicht mein Job. Nicht im klassischen Sinn, also Menschen da draußen in schwierigen Lebenssituationen Hoffnung und Perspektiven in homöopathischen Dosen in den Alltag zerstäuben. Auch mit Helm, oranger Jacke und Presslufthammer könnte ich nicht auf der Straße arbeiten, zu wenig Armmuskeln, und die klassischen Klischees erfülle ich auch nicht – ich bin nicht so der Bier- und Fußballfan. Pfeif auch keinen Frauen nach. Ich schreib lieber Texte und Geschichten. Und weil die zwar oft, aber nicht immer von alleine zu mir kommen fahre ich manchmal zu ihnen, quer durch eine kleine Welt aus Asphalt, Rädern, Staus, Musik und ungesunden Nahrungsmitteln. Immer mit dem Büro auf dem fellbezogenen Beifahrersitz…

Der Straßenarbeiter

Nicht direkt um die Ecke

Wenn Ihnen ganz ganz früh morgens der Bildschirm des alten TomTom links und rechts neben der Route schon anteilig Neubrandenburg und die Niederlande zeigt wissen Sie, dass es zumindest nicht nur ins Nachbardorf zu Hans-Peter und seinem Opel Corsa geht. Diesmal ist es Minden. Irgendwo bei Bielefeld (was es aber gar nicht gibt, warum zeigt mir das Navi das dann an?). Ich muss mal ein Update machen…. Ach nee, das ist ja zu alt :-) Egal, mit stark veraltetem Kartenmaterial unterwegs sein ist ein bisschen wie eine Schatzsuche mit einem alten Plan aus einer Flaschenpost, das erhöht die Spannung unterwegs. Minden liegt in einer kleinen Ecke in einem Flächenland mit Atomkraftwerken und Schafherden, dort ist die “Classic Car Ranch” und da warten 4-6 ziemlich coole Autos auf mich, fahrbar und sehr artikelwürdig. Ab Hamburg ist das wahrhaftig keine Weltreise, aber schon ein bisschen Strecke zu fahren (zumal entlang meiner verhassten A7). Schauen wir also lieber nochmal nach dem Öl, der Funktion der Bordsteckdose und werfen wir ein Ohr auf das mitgeführte Musikprogramm.

Der Straßenarbeiter

Vor ein paar Jahren noch mit freiem Oberkörper

Öl ist fein. Knapp unter Maximum. Was mich immer wieder beeindruckt, dieser Motor hat nun schon 652.000 Kilometer hinter sich, aber nennenswerter Ölverbrauch ist da nicht zu beklagen. RUMMS Klappe zu. Ich stecke die dicke aktiv gekühlte Bordsteckdose in den Anschluss auf der Mittelkonsole neben dem Aschenbecher/Eurodepot, damit mein Laptop, das Navi und das Handy ausreichend mit Strom versorgt werden und breite die digitale Informations- und Schreibtechnik auf dem zubbeligen Fell des Beifahrersitzes aus. Regelmäßig nach den Mails gucken, Facebook-Postings absetzen (beruflich wie privat) und erreichbar sein. Doof? Nein. Das muss so, schließlich ist es ein Arbeitstag, auch wenn ich den mit insgesamt sechs Autos auf der Straße verbringe. Streetworker. Irgendwie krass, dass sowas heute problemlos möglich ist, online von überall und im Auto sitzend. Kann’s los gehen?

Der Straßenarbeiter

Sonne scheint, dann kann es ja losgehen

Ich denke schon. Die schon gut wärmende Sonne krabbelt hinter hohen hamburger Häusern langsam nach oben. Sowohl mein Taxi als auch ich haben Hunger, diesen Task werde ich gleich noch vor dem Eintauchen in den Elbtunnel von der ToDo Liste streichen. Und jetzt schreibe ich auch wieder auf Deutsch. Der Verkehrsfunk orakelt zumindest bis ins nördliche Niedersachsen entspannte Straßen (wie kann das sein?), bevor Radio Schleswig-Holstein zu “Radio Gaga” von Queen wechselt und ich daraufhin den Sender, weil ich das echt nicht mehr hören kann. Haben sich eigentlich fast alle Radiostationen bundesweit abgesprochen, dass man aus den 70ern und 80ern nur genau die Lieder in Dauerschleife wiederholen darf, die uns allen schon in den 90ern auf den Sack gegangen sind? Dieses klebrige Repertoire von rund 20 perma-repetierten Dauerbrenneroldies werde ich niemals verstehen, schon gar nicht bei den Öffentlich Rechtlichen mit einem angeblichen Bildungsauftrag, für den ich auch noch unfreiwillig Gebühren bezahle. Radio 1 in Berlin/Brandenburg schafft das doch auch. Die machen, dass ich nachgucke, was das für ein Lied ist und bei iTunes dann das Album kaufe. Aber Berlin ist leider weit weg. Obwohl… wenn ich mein Navi so angucke… oh Verzeihung, ich habe mich gehen lassen. Zurück zum Thema Hunger.

Der Straßenarbeiter

Diesel fürs Taxi, Mettbrötchen für den Fahrer

In den Tank des großen elfenbeinfarbenen Sternenkreuzers gluggern viele Liter schmieriges, stinkendes Zeug. Ich kauf mir an der Kasse für mich selbst auch sowas ähnliches. Ob das meinem Körper mehr schaden wird als ein Liter Diesel kann erst durch Langzeitstudien herausgefunden werden, der Nährwert ist jedenfalls vergleichbar, der Brennwert nicht ganz – aber geben wir dem allgemeinen Mettbrötchen noch vor 8:00 Uhr eine echte Chance, okay? Dazu kalte Erdbeermilch aus der Flasche, die gibt es gefühlt seit 40 Jahren in dieser Form, ich kenne absolut niemanden außer mir der die kauft aber sie ist immer da. Schön :-) Ach ja, und Kaffee. VIEL Kaffee. Das alles zusammen kostet mehr als ein Dreigängemenü im Maritim, ich denke oberflächlich über alternative Ernährungspläne nach und setze mich derart gut bestückt wieder ans Steuer des vollgetankten automatischen Fünfgängemenüs. Es riecht nach Zwiebeln vom Mettbrötchen und Diesel von meinen Fingern. Mit dem sicheren Gefühl, hier und heute mit meinem Auto nicht den Preis für den Sexiest Place on Earth zu gewinnen beschleunige ich auf die A7 in Richtung Süden.

Tunnelblick

Tunnelblick

Vergrößern Sie sich dieses Bild, drucken Sie es aus und hängen Sie es sich gerahmt über das Bett. Das ist der Elbtunnel in Richtung Süden OHNE stehenden Verkehr. Wenn ich mir die Bauvorhaben rund um dieses Loch unter dem großen Fluss in den kommenden 10 Jahren anschaue wird dieses Foto schon sehr bald Seltenheitswert haben, und man wird beim Betrachten sowas sagen wie: “Weißt du noch damals…? Als man durch den Elbtunnel einfach so durchgefahren und am anderen Ende wieder rausgekommen ist? Das waren gute Zeiten…“. So wie heute. Vielleicht wird das gar eine komplett unstressige Reise, geprägt von Eindrücken einer längst vergangenen Sauriermotorengeneration? Vielleicht. Ein freier Elbtunnel verströmt noch keinen Optimismus im Sinne einer absurden Navi-Zeitberechnung oder solchen hahnebüchenen Stau-Echtzeitberechnungen, wie sie die lokalen Radiosender hier rausblasen. Wer die A7 kennt weiß, wie viel Zeit sie einen kosten kann. Also nutze ich diese unerwartete Freiheit unter Tage, bemerke vor lauter Glück erst bei der zweiten Strophe dass auch mein Senderwechsel zu Hamburgs Oldie 95 nun mit “Radio Gaga” von Queen belohnt wird und lasse den USB-Stick seine Einsen und Nullen ins Radio drücken, was dieses dann in analoge Wellen umwandelt.

Der Straßenarbeiter

fahn faaahn faaahn auf der…

Ah. Angenehm. Fernab von totgespielten Hits der 80er umschmeichelt die neue CD von Tori Amos meine Ohren und lässt mich auch im Kopf ein bisschen davongleiten. Wenn du erstmal durch bist ist schon fast München. So denken wir Norddeutschen, also wir GANZ Norddeutschen (alles nördlich der Elbe) über den Tunnel. Dahinter geht die Sonne gleich noch ein bisschen heller auf und beleuchtet golden und optimistisch riesige Hafenkräne, ganze Felder mit saftigen Containern, eine kleine alte Kirche mittendrin und unglaublich große Windgeneratoren.

Der Straßenarbeiter

Strom für die anderen

Und weil ich gefühlt schon fast in München bin, schlägt der schnell Hunger zu. Gnadenlos und unbeherrscht wächst mein Verlangen nach diesem Mettbrötchen. Und ich gebe dem nach. Zwiebelmett ist streng genommen das ekeligste, was man auf nährwertlose weiße Weizenbrötchen streichen kann. Zusammen mit Butter, Pfeffer und frischen Zwiebeln wird vom ersten Moment des Reinbeißens jeglicher Lippenkontakt zum anderen Geschlecht an diesem Tag bis 18:00 Uhr kategorisch ausgeschlossen, außerdem muss man schlimm pupsen von den Dingern und sie hängen noch stundenlang zwischen den Zähnen. Na und? Rohes Schweinefleisch! Ich liebe diese Teile, und vor 20:00 Uhr heute will ich maximal reden, aber nicht knutschen. Den fehlenden Nährwert wird der heiße Kaffee sicher ausgleichen.

Mampf!

Mampf!

Argh. Extreme Closeup :-) Ich hoffe ich habe Sie nicht erschreckt? Das mit dem futtern im Auto geht immer so lange gut, wie man nicht auf fleckenfreie Kleidung angewiesen ist. Die Krümel auf Hose, Sitz und Teppich kann man später irgendwann mal ausklopfen oder wegsaugen. Außerdem ist natürlich eine entspannte, möglichst dreispurige verkehrsarme Streckenführung vorteilhaft, in der Innenstadt bräuchte ich ja beide Hände zum Lenken, Blinken und Radio bedienen. Überhaupt, ich mach das mal kurz wieder an, ist gerade halb. Irgend ein niedersächsischer Sender wird mir hoffentlich sagen, dass die Verkehrslage so entspannt bleibt wie sie zurzeit ist? Äh. Nein. Knapp zu spät, NDR 1 Niedersachsen hat gerade die Blitzer durchgegeben und spielt jetzt “Radio Gaga” von Queen.

Der Straßenarbeiter

Arbeitsplatz? Ja, manchmal.

Ich wechsel zu Radio FFN und starte mit der rechten Hand das Laptop, was neben mir auf dem Sitz liegt und über mein Handy theoretisch mit dem Internet verbunden ist. Diese Theorie ist oft, aber nicht immer in die Praxis umzusetzen, denn selbst in dem tatsächlich ausgesprochen guten Netz der Deutschen Telekom wundere ich mich immer wieder, dass sogar entlang von Autobahnen die Datenrate erst von 3G auf Edge krückt, manchmal komplett zusammenbricht und im Jahr 2014 noch immer nicht stabil ist. Warum können das die Skandinavier schon seit Jahrzehnten? Komisch. Da hinten kommt ein Parkplatz, das Netz sieht gut genährt aus, ich wittere eine datenübertragende Chance und fahr mal raus und arbeite ein bisschen. Ich kenne Leute, die das suizidal während der Fahrt machen, als Fahrer wohlgemerkt, aber für solche Kapriolen hänge ich doch ein bisschen zu sehr an meinem Leben und möchte da auch Unbeteiligte nicht reinziehen. Mailtausch, Facebook Posting vorbereiten und hochladen, Seiten checken…. was da gerade alles durch mein kleines Telefon klappert flößt mir einen tiefen Respekt vor moderner Technik ein.

Der Straßenarbeiter

einige Dinge macht man lieber auf dem Parkplatz

Andere sitzen den ganzen Tag im Büro und gucken nach draußen. An einigen Tagen in der Woche mache ich das ja auch, aber hier und heute genieße ich in genau diesem “draußen” die Freiheit, unterwegs zu sein. Geil. Sitzen tu ich allerdings auch schon ganz schön lange, und was da alles wiederum seit heute Morgen durch meinen Körper klappert beeindruckt mich zwar nicht, will aber raus. Haben Sie auch das Problem, dass Sie ausgerechnet auf Rastplätzen mit WC-Anlagen lieber in die Büsche pinkeln? Ich weiß gar nicht warum. Restaurants mit Mondpreisen für Nahrungsmittel und Sanifair Gutscheinen zum schöner Pissen meide ich sowieso, das ist zwar immer alles fein sauber und duftig da – aber dank einer Laune der Natur können wir Männer die flüssigen Kleinigkeiten des Lebens komfortabel im Stehen rauslassen (es soll Frauen geben, die das auch können), das geht schneller und befreit irgendwie mehr. Hm. Hier sind nicht mal Büsche. Und jetzt? Vielleicht doch ins WC-Häuschen, das allerdings bis hier hin zu riechen ist, obwohl ich 100 Meter entfernt bin? Nee. Niemals.

Der Straßenarbeiter

Raus muss es ja doch

In dem Moment fahren selbstverständlich fünf Autos mit neugierigen Familien, drei Trucks und ein vollbesetzter Reisebus gleichzeitig los. Das Leben ist ein einziger Murmeltiertag :-) Ich strecke noch die knirschenden Ü-40 Gliedmaßen wie ein Kompass von mir, stelle irgendwo im Nacken einen fortwährenden Anstieg der Temperaturen fest und beschließe, ein paar Fotos vom Außenthermometer zu machen. Ja, auch das kennzeichnet uns Norddeutsche. Also uns RICHTIG Norddeutsche. Fahren durch Niedersachsen fühlt sich für uns schon wie der Weg in den Urlaub an, und sobald die Temperaturen mal über 10 Grad klettern lassen wir alle Hüllen fallen und holen uns einen Sonnenbrand plus Erkältung. Aber lieber in Extremen leben als gelangweilt sterben. Als ich wieder im Taxi sitze, die Mettbrötchenkrümel aus den Ritzen der Sitze fege und ein paar faserige Fettstreifen aus den Zahnlücken ziehe erbricht sich der FFN Moderator mit der Ankündigung eines sagenhaften, schon ewig nicht mehr gespielten musikalischen Klassikers in meine Ohren und legt “Radio Gaga” von Queen auf. Ach Jungs. Darauf noch einen tiefen Schluck Erdbeermilch und ein paar Sequenzen vom USB-Stick. Klick.

Das tut gut...

Das tut gut…

Das klingt bis hier alles gechillt und super? Also, nicht die Wiederholungs-Hits, sondern der Ablauf? Na ja. Ich schränke das mal ein bisschen ein, autofahren auf der A7 ist generell ziemlich anstrengend, auch wenn autofahren mehr Spaß macht als Steuererklärungen ausfüllen. Parallel immer online sein und regelmäßig die Sozialen Netzwerke checken ist Stress im Kopf und nicht so entspannt, wie man das sonst von langen Touren mit dem Auto gewohnt sein könnte. Verantwortung zu tragen ist auch ohne körperlichen Einsatz fordernd. Auch die zu erwartenden Autos in Minden werden einen Haufen Spaß machen, aber zwei Stunden Fotosession mit jedem Wagen, Datenaufnahme… und ich muss heute ja auch wieder nach Hamburg zurück… das kann schon ganz schön müde machen. Trotzdem will ich mit keinem anderen Job mehr tauschen. Denn alles findet in und um Autos statt. Das kann ja so verkehrt nicht sein :-) Und es wird immer wärmer und wärmer. Ist das ein Anflug von Sommer? Geil.

es wird Sommer

es wird Sommer

Jetzt habe ich Sie und euch mit banalen, wirr zusammengewürfelten Themen zugequatscht, eben das, was mir durch den Kopf geht, wenn ich unterwegs bin. Und in diesem Leben bin ich momentan immer unterwegs, vielleicht muss ich deshalb auch so viel Unsinn niederschreiben, sonst platzt mir der Kopf. Und ihr hört mir wenigstens zu ;-) So langsam, nach rund drei Stunden, komme ich an meinem Ziel an. Wenn ich sonst in Sachen Fotos unterwegs war haben immer irgendwelche LKWs gebrannt, sind mit einer Ladung lebendiger Schweine quer durch Obstplantagen havariert oder haben sonstwelche Gründe produziert, um Vollsperrungen zu erzeugen. Heute liegt mein Büro meistens auf dem Beifahrersitz rum und ich komme tatsächlich zwischendurch mal zum Musik hören und nachdenken. Wie Sie vielleicht gemerkt haben. Und jetzt steigt auch die Vorfreude auf die dicken Amis der Classic Car Ranch.

Der Straßenarbeiter

unaufgeräumt – wie zu Hause

Ich kann mal aufzählen, was ich gleich vor Ort fahren werde…..?

  • Ein 1941er Ford Business Coupé,
  • eine 1969er Corcette C3 Stingray,
  • ein 1965er Pontiac GTO Cabrio,
  • ein 1968er Camaro 2-door Hardtop Coupé,
  • ein 1963er Galaxie Hardtop Coupé und
  • einen Ford Torino Cobra…

Also alles Autos, die man nicht von der Bettkante schubbst, und Sie können die Geschichten in den kommenden Ausgaben der TRÄUME WAGEN lesen. Und später natürlich auch hier 8-) Gut gelaunt und bei strahlendem Sonnenschein parke ich vor der Halle und stapfe mit Kamera und Stativ vorbei an fetten, chrombeladenen Autos ins Büro. Michael, der Chef, grinst mich an. Auf dem Regal hinter seinem Schreibtisch steht ein Radio, ich weiß nicht, welcher Sender eingestellt ist aber es spielt “Radio Gaga” von Queen.

Ja. Das ist es.

Ja. Das ist es.

Leben im Auto. Leben mit Autos. Manchmal ein bisschen ekelig, ich habe noch immer einen gewissen Zwiebelhecht mit Erdbeermilchanteilen im Hals, aber ich erzähle Ihnen diese intimen Details ja nur sehr selten :-) In meinem Auto bin ich ich. So sehr wie nur an wenigen anderen Plätzen. Zwei Sachen sind ein bisschen schade. Es war die letzte längere Tour mit meinem Dieseltaxi. Ich werde noch ein paar Abschiedsfotos machen, und dann geht es zum Abdecker. Er hat sein Leben gelebt und wird als Organspender viele andere W210 und S210 glücklich machen. Und dann ist da noch dieser Freddie Mercury, der einst über den ganzen belanglosen neuen Mist in seinem geliebten alten Radio sang und dank der Endlosschleifen der Massensender nun selbst dazu geworden ist. Schade. Ich wünsche mir mehr mutiges Radio. Aber das ist eine andere Geschichte. Deshalb gibt’s als kleinen Clip am Ende auch nicht Queen, sondern Tori Amos. In die bin ich seit 20 Jahren ein bisschen verknallt.

Sandmann

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Created Mittwoch, 04. Juni 2014 Tags 3G | Arbeitsplatz | autobahn | Büro | Elbtunnel | handynetz | Ich fahr... TAXI! | laptop | Rastplatz | S210 | Sternstunden | telekom | W210 Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
31 May 2014
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Sichtbarer Konsum

Sichtbarer Konsum

Mal flott den Taschenrechner bemühen…

Ja, der Dottore (also der alte Audi 100 Typ 43 von 1977, wem dieser Name noch immer nicht geläufig sein sollte) läuft wieder. Das erfreut. Allerdings habe ich einen Kollateralschaden des maladen Registervergasers noch nicht in meine ganz persönlichen, splatterigen Zahlen gefasst… So… quasi… als statistischer Abschluss dieser kleinen Schrauberei, als Ausklang des Geschichtentrios, als Epilog einer Havarie vor dem Zaun einer Kindertagesstätte. Was noch offen war und wie ein Damoklesschwert über dem Kopf eines Normalverdieners mit begrenztem Einkommen pendelte: Die Fahrt zur Tankstelle. Und ich würde hier nicht drei Sätze darüber verlieren, wenn es mir nicht stumpf die Sprache verschlagen hätte, wie viel ein kleiner Vierzylinder verbrauchen KANN.

Wozu er in der Lage ist. Was er vermag. Wo bleibt das teure, energiereiche Nass in meinem Fall?

Ich erinnere mich an meinen Audi V8, da kam ich mit einem Tank immer rund 400 Kilometer weit. Das waren aber auch 280 Quattro-PS, 400NM Drehmoment und in zügige Bewegung gebrachte, voll ausgestattete Oberklasse der frühen 90er. Irgendwas bei 15 Litern, mal mehr, mal weniger. Oder der Cadillac von Marc, den ich mir für das Treffen in Lensahn ausgeliehen habe. Die gefahrenen Kilometer habe ich nicht abgelesen, aber getankt habe ich für über 110 Euro :-( Gegenbeispiel war Rudolf, mein treuer Passat TDI. 1200 Kilometer mit einem Tank, Diesel, das waren dann knapp 5 Liter auf 100 Kilometern. Warum ich hier so in vergangenen Durchschnittsverbräuchen rumhänge? Weil der Sprit läuft und läuft, das ist ja nicht zu fassen!

Sichtbarer Konsum

Mehr als der Cadillac von Marc!

*klick* Urks. Na Endlich. Die Rechnung ist nicht schwer. Getankte Liter mal 100 geteilt durch gefahrene Kilometer. Weil meine letzte Mathestunde schon einige Tage her ist bemühe ich mein Handy und rechne 41 mal 100 geteilt durch 164. Und dann rechne ich das gleich nochmal, denn ich hab mich irgendwo vertippt. Nee. Hab ich nicht. Mit dem alten Vergaser war der Tank nach 164 Kilometern leer. LEER. Der Vierzylinder hat mal eben 25 Liter auf 100 Kilometern verarbeitet, und das noch nicht mal sehr spektakulär :roll: Ich wusste gar nicht, dass das möglich ist…? WAH! Aber wie dem auch sei, nun ist ein “neuer” Vergaser drauf, und seit dem steht der Wagen unter Linden in Hamburg und wird jeden Tag ein bisschen klebriger. Aber ich will ihn da nicht wegfahren, denn mein kleines viertelfinnisches Sandmädchen sagt ihm jetzt jeden Abend von oben aus der Wohnung durch ihren Schnuller “guuuuuuunaacht Auuuudiiiii ♫” Und wenn Sie einmal hören würden, wie zärtlich und liebevoll sie dieses “Auuudiiii” säuselt könnten Sie mich verstehen. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe gelernt: Ein falsch/schlecht/gar nicht eingestellter kleiner Motor kann ganz schön viel Benzin verbrauchen. Und jetzt schalte ich zurück in die Taxizentrale, da gibt es Neuigkeiten.

Sandmann

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Created Samstag, 31. Mai 2014 Tags 1977 | 2-Liter | 2B3 | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Sandmann | Typ 43 | Verbrauch | Vergaser | vierzylinder Document type Video
Categories Timeline Author Jens Tanz
25 May 2014
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Start – Hilfe – Kabel

Start – Hilfe – Kabel

So, jetzt wird sauber gezündet, klar?

Ach – der Herr Dottore. Er hat sich in den vergangenen Monaten so ein bisschen zum fünften Auto im Carport entwickelt, der diamantsilberne Entschleuniger aus Neckarsulm, der mit Vinyldach, was doch so selten ist. Der. Neuer Vergaser drauf, man erinnert sich, er läuft noch schlechter - aber ich hänge an dem Eisen und gebe nicht auf. Unser aller Vergaserpapst Klaus ahnt fernmündlich den Fehler und bietet mir umfassende Hilfe und Tausch an. Und er habe noch einen weiteren Zenith Vergaser liegen, wie neu und sauber eingestellt, den könne ich derweil haben. Ich sage laut JA, und noch während die Silbe von den Hamburger Hausfassaden wiederhallt ist das Paket auch schon da. Ha. Kommt es am Ende gar zur finalen Starthilfe?

Start – Hilfe – Kabel

Tauschparty vor der Kita

Plug and Play. Ohne Hebebühne oder Grube, ohne Garage (die habe ich in Kiel vergessen) und ohne Carport. Unter dem grünen Dach der Linden, von denen diese komischen Läuse eine ekelig klebende Kleisterpisse runterkleckern und mit Werkzeug, gutem Wetter und einem fröhlichen Publikum, das ich Ihnen an anderer Stelle ja schon vorgestellt habe. Schon bei der zweiten Bühnenshow habe ich den revidierten Vergaser in wenigen Minuten getauscht bekommen, heute überlege ich, ob ich mir dabei noch die Augen verbinde, um die Zuschauer angemessen zu unterhalten. Nee, lieber nicht. Das sieht hier schon alles albern genug aus mit dem rot/schwarzen dicken Kabel seitlich raushängend und dem graubärtigen Mann, der mit schmutzigen Fingern ständig Fotos knipst und um das alte Auto rumhoppst wie ein Eichhörnchen um den Wintervorrat. Und am Ende die Kamera fallen lässt und kaputt macht, aber das ist eine andere Geschichte. So. Die dritte doppelläufige Beatmungsmaschine ist so gut wie drauf, ein wahrhaft schöner Klotz aus der allerersten Serie, der hat sogar noch kleine Ablassschrauben an den Schwimmerkammern! Falls mal zu viel Benzin drin sein sollte und ich nicht weiß wohin damit :roll: Ich schau noch mal mit spießiger deutscher Gründlichkeit, ob ich alle Anschlüsse richtig zurecht gelegt habe, zählen Sie mit…?

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sieht kompliziert aus – ist es aber nicht

Aaaaaaaalso: Vier Schrauben einmal quer durch festdrehen, Unterdruckschläuche auf die richtigen Dosen, alle kleinen Stecker wieder drauf, Benzinleitung anschließen, Gaszug einhängen und einstellen, fertig. Fertig? Klaus schreibt mir, dass dieser Vergaser theoretisch perfekt sein müsste, sozusagen der Charles Atlas der Gemischaufbereitung, die Tori Amos auf der Ansaugbrücke, der Stephen Hawking der werksseitigen Grundeinstellung – er habe sogar noch die Einspritzmenge ausgelitert. Zu Stephen Hawking kommen wir gleich nochmal. Jetzt und hier stehe ich erstmal zweifelnd vor meinem nach Benzin stinkenden Tagwerk. Sollte jetzt wirklich alles gut sein? Ich mag da schon gar nicht mehr dran glauben, so sehr habe ich mich an einen schlecht anspringenden und irgendwie echt scheiße laufenden Audi 100 gewöhnt. Beziehungsweise ihn einfach stehen lassen, mit so einem Eimer will ja niemand fahren, außerdem werde ich das Gefühl nicht los dass der wirklich viel getrunken hat. Zuletzt. Das geht noch besser? Gerüchten zufolge ja. Ein Auto, auch ein altes, muss anspringen und fahren. Punkt.

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Rodeo mit einer Menge Ampere

Fein, wenn man als pannenerprobter Altautofahrer überhaupt ein Starthilfekabel und ein Abschleppseil im herbeigerufenen T-Modell liegen hat. Ich habe zwar noch immer nicht die Batterie der alten E-Klasse gefunden (man munkelt, die sei unter dem Rücksitz?), aber Ostern ist schon lange vorbei und die Suche kann entspannt abgeblasen werden denn: die alten Taxis haben eine praktische Fremdstartdose im Motorraum. Ein dicker Pluspol, da kann sich der Altaudifahrer mit Überbrückungsbedarf direkt von unter der Haube eine Schippe Gleichstrom holen. Beim Dottore steht der kleine, im Winter gern mal die Backen dick machende Energiespeicher klassisch zwischen Motor und Frontscheibe in dem Kasten, wo auch das Gebläse und das Wischergerumpel untergebracht sind. Der Kandidat kommt aus Polen und hat inzwischen all’ seine ursprüngliche Emsigkeit verloren. Nachvollziehbar, so oft wie ich mit diesem kleinen Bleiklotz schon ein Orgelkonzert allerfeinster Güte und vor allem Dauer abgehalten habe. Aber vielleicht hat das Orgeln nun ein Ende, womöglich würde der gute alte Zweiliter OHC sogar noch mit dem Restsaft der polnischen Batterie anspringen? Egal, nun habe ich den elfenbeifarbenen Raumgleiter schon mal hergeholt, dann kann ich den auch gleich andocken.

Spenderlunge

Spenderlunge

Ui ja. Man spürt den Moment, wo Plus mit Plus und Minus mit irgendwo an der Karosserie verbunden sind. Die Drehzahl des nagelnden Turbodiesels geht kurz ein bisschen runter und pendelt sich dann wieder stoisch zurück. Da wird jetzt gerade eine Menge Energie von dem einen Auto rüber zu dem anderen Transportiert, und gleich geht noch viel mehr ab. Um noch einmal kurz zum genialen Physiker im Rollstuhl zurück zu kommen: Haben Sie eigentlich mit den noch aus dem Physikunterricht übrig gebliebenen Formeln mal überschlagen, was beim Starten Ihres Autos so an freien Ladungsträgern durch die Gegend springt? Wenn Sie mit dem Anlasser für einen kurzen Moment die Batterie kurzschließen? Das ist schon sehr beeindruckend. Leistung ist das Produkt aus Strom und Spannung. Anders ausgedrückt: P=I*U. Noch anders ausgedrückt: Wenn Sie ne Menge Watt haben wollen aber nur 12 Volt da sind brauchen Sie ne Menge Ampère, um auf die vielen Watt zu kommen. Comprende? Beim Drehen des Zündschlüssels macht sich eine Stromstärke von rund -> 100 Ampére! beim Anlasser breit, nicht sehr gefährlich, weil es Gleichstrom ist, aber durchaus in der Lage, das dicke Kabel hübsch warm zu machen. Okay, genug Physik, nach nur zwei Umdrehungen des kleinen Elektromotörchens am Audi macht es BROAMMMMM und der Vierzylinder läuft. Huch?

Start – Hilfe – Kabel

Partystimmung unter der Haube

Nicht zu fassen. Was für ein schöner Moment. Ich würde Ihnen gern ein Tondokument einspielen, aber das gestaltete sich unspektakulär bei diesem Auto. Er läuft. Einfach so, kalt, lange Standzeit, total verwarzt in den vergangenen Monaten – und er läuft. Läuft läuft läuft ♫. YIIIHAAAA. Läuft. Die Ventile klackern auf und zu, kleine Bläschen wandern durch den transparenten Benzinspeicher und die beiden Klappen saugen die frische Luft gierig und laut ein, als würden sie vor einem langen Tauchgang ein bisschen hyperventilieren. Mein minderjähriges Publikum am Zaun applaudiert, ich weiß noch nicht ob sie das wegen meines Erfolges tun oder weil nun doch nicht die gesamte Umgebung in einem gewaltigen Feuerball untergegangen ist, wie ich das vorhergesagt hatte. Geil. Ich schraube noch den Luftfilterkasten fest und klippse den Deckel drauf, was den Sauglärm auf das nuschelnde Geschnorchel von Darth Vader reduziert und genieße einfach nur das gesunde Brabbeln und Pöppeln des Motors im Stand. Ein paar Gasstöße – er nimmt sie an. Läuft. Vorne und hinten. Hinten finde ich toll. Der 37jährige Audi 100 des 43jährigen Typen (Typ 43, ein sagenhaft findiges Wortspiel…) war bockig und durstig (also… das Auto), keiner wollte ihn kaufen und ich selbst fand nicht die Zeit, ihm die Menge an Liebe und Zuneigung zu geben, die ihm eigentlich zustünde. Und jetzt kommen kleine blaue Wölkchen aus dem Auspuff. Er atmet. Laut und deutlich. Willkommen zurück, alter Audi.

Genusslauscher

Genusslauscher

Heute also mal kein Haubensitzen, heute mal gut gelauntes Kofferraumsitzen. Sozusagen als Etappensieg. Das geht ja bei den meisten Autos heute nicht mehr. Kinder, wisst ihr was das da hinten ist? Ja. Genau. Das ist ein Kofferraum, da macht man den Deckel auf und tut seine Koffer rein. Dadrüber ist kein Platz für ergonomischen anderen Krams, dadrüber ist das Auto nach oben einfach zu Ende. Weil es schön aussieht und es damals noch nicht um Effizienz in der Raumausnutzung ging. Heute teilen sich Mama und Papa das Auto mit ihrem Gepäck, früher hatte man das noch hinten weggesperrt. Ich finde das cool. Und hey – man kann drauf sitzen und dem Auspuff zuhören, wie er das unkatalysierte Abgas zufrieden und sonor in die Umwelt bläst. Das ist toll :-) Und schon ist die Betriebstemperatur erreicht, das warme Kühlwasser sorgt dafür, dass der Vergaser mechanisch den Leerlauf wieder runterregelt und noch immer brabbelt der Audi sauber vor sich hin. So wie es eigentlich sein soll und so wie es aber noch nie war, seit ich den habe. Und Sie da draußen haben vielleicht was gelernt über Stromstärken, dicke zweifarbige Kabel und vergessene Karosserieformen. Und dass man nie, nie aufgeben sollte. *hach* Komm, ich mach mal ne Probefahrt zur Tankstelle.

Sandmann

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20 May 2014
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NIE NIE NIE… vor der Kita schrauben!

Kleine Automechaniker

Kleine Automechaniker

Was machst du daaaa?” – “Ich… äh… Moment… ich mach mein Auto heile!” – “Machst du dein Auto heile?” – “Jahaaa ♫” Schwitzend und ölig verkante ich mich im Motorraum des Dottore und versuche, dem revidierten Vergaser Leben einzuhauchen. Neben dem alten Audi steht der nicht ganz so alte Daimler mit offener Haube und ist bereit, der leergeorgelten Batterie Strom zu spenden. Irgendwelche Eltern haben anscheinend ihre Kinder noch nicht aus der angrenzenden Kita abgeholt. “Sind das beides deine Autos?” – “Jaaa.” – “Der andere gelbe da auch?” – “Ja, das ist auch meiner” – “Darfst du den nehmen?” – “Ja, das ist doch meiner…….” – “Ist das auch deiner?

:-)

Ich nehme mein Handy und bedeute meinem halbfinnischen Fräulein Altona per SMS, dass sie hier nichts verpasse. Ich würde erstmal versuchen, den Audi zum Laufen zu bringen, um ihn umzuparken und dann dort weiter zu schrauben. “Kuck mal das Auto hat auf den Boden gespuckt!” Manchmal stellt einen die Menschheit selbst auf die Probe.

Was hat denn dein Auto?” – “Das weiß ich noch nicht so richtig, das versuche ich gerade rauszubekommen….” – “Weißt du das nicht?” – “Nein.” – “Ist das Auto kaputt?” – “Ja. Wo ist denn euer Erzieher?” – “Da hinten, hier ist das viel spannender… magst du das, wenn dein Auto kaputt ist?” – “Hey nein natürlich nicht, deshalb mache ich ihn ja heile”. – “Warum magst du das nicht?” – “Weil ich mit einem kaputten Auto nicht fahren kann.” – “Kannst du damit nicht fahren?” Die lieben Kleinen. Ich sehe mich selbst vor 40 Jahren am Gartenzaun stehen und alle Vorbeikommenden unter fadenscheinigen Begründungen zum Stehenbleiben bewegen. Dann zählte ich stolz langsam und laut bis 100. Heute bekomme ich eine Ahnung, was ich diesen Menschen angetan habe.

beam me up Scotty

beam me up Scotty

Warum ist das andere Auto ein Taxi?” – “Das ist kein Taxi, das war nur mal ein Taxi…” – “Bist du Taxifahrer?” – “Äh… nein, das ist ja kein Taxi mehr, das sieht nur noch so aus, wisst ihr…?” – “Ist das kein Taxi?” – “Nein.” – “Warum nicht?” Wie sangen sie in der Sesamstraße? Wer nicht fragt bleibt dumm. Okay. Hier wird gerade eine Menge gelernt. Ich überlege kurz, ob ich den Nachwuchs mit einem kleinen Vortrag über Drosselklappen, Vollast-Anreicherungsventile und Vergaserfußdichtungen so doll langweile, dass sie sich lieber wieder fröhlich Sand in den Mund stecken oder sich gegenseitig so lange die Gummistiefel in die Bäume schmeißen, bis sie oben hängen bleiben. Ich habe aber Angst, dass ich damit Schlimmeres anrichte. “Ich will später auch mal Autos heile machen.” – Ah. Ein guter Ansatz, der meine Theorie bestätigt. “Ja, das macht auch Spaß!” – “Macht das Spaß…?” – “Ja.” – “Wieso macht das Spaß?” – “Ich….” – “Findest du das gut, wenn dein Auto kaputt ist?” – *grummel* “Nein, ich finde es gut, wenn ich es selbst wieder heile machen kann…” – “Wieso?” – “Ja, weil das in der Werkstatt ganz teuer wäre.” – “Was kostet dein Auto?” – “Viermillionen Euro!” – “Ooooah ist das viel?” – “Ja.” – So, der Vergaser ist getauscht, jetzt muss ich nur noch….. “Darfst du das Ding da auf den Boden legen?” – “Öh…. ja na klar, warum denn nicht?” – “Darfst du das?” – “Ja.” – “Warum darfst du das?” Langsam komme ich an meine pädagogischen Grenzen. “Was machst du da?

Ich habe heute etwas gelernt.

Ich habe heute etwas gelernt.

Wenn ich Ihnen einen gut gemeinten Rat geben darf – parken Sie Ihr Auto nur vor einer Kita, wenn Sie sicher sind, dass Sie den da auch wieder wegkriegen. Einsteigen und los. So ein dickes Fell hat man nämlich nicht jeden Tag. Die kleinen angehenden Automechaniker bleiben standhaft, obwohl ich ihnen andeute, dass gleich hier in dem Motor eine riesen Explosion stattfindet, die alles bekannte Leben mit sich reißt und Tod und Verderben über diesen Stadtteil bringen wird. Verdammt. Das wollen sie unbedingt sehen! Gegen Ende des Szenarios kommt ein Satz, der mich innehalten lässt: “Tut das dem Audi weh, was du da machst?” – “… Du weißt, dass das ein Audi ist?” – “Ja, das ist doch ein Audi, tut dem das weh?” – “Äh…. nein, das tut ihm nicht weh. Der ist gleich ganz glücklich, dass er vielleicht wieder heile ist. Glaube ich.” Die Kleine wird vielleicht tatsächlich mal Automechanikerin. Was ich hier und heute am Dottore gemacht habe und ob ich erfolgreich war? Wer weiß. Aber in Hamburg gilt für mich ab heute: Nicht unter Linden parken, nicht unter Bäumen mit Vogelnestern parken und… nicht vor Kitas parken. Die konsequent neugierige, stumpf abgespulte Litanei geballter Vorschulintelligenz lässt Sie komische Dinge tun. Starthilfekabel lassoähnlich schwingen und dabei Bonanza singen und so. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sandmann

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Created Dienstag, 20. Mai 2014 Tags 1977 | 2-Liter | 2B3 | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Benzin | Fragen | Kinder | Kita | LS | Starthilfe | Typ 43 | Vergaser | vierzylinder Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
 
19 May 2014
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Frühlingsgefühle

Frühlingsgefühle

“Gleich fertig, mein Schatz”…wer´s glaubt!

…werden im Keim erstickt, wenn Mann mal wieder nur an das Eine denkt. Echt der Hammer!

Wie herrlich, endlich Frühling und die Sonne wärmt so richtig das Gemüt. Also, mich zieht es jetzt raus in den Garten. Die Blumenkübel wollen bepflanzt werden, Tisch und Stühle brauchen einen neuen Anstrich und das Chaos im Gartenhäusle gehört dringend aufgeräumt. Mein Mann sieht das anders. Die Reifen am S6 wollen gewechselt werden, der Kotflügel vom Granada braucht eine neue Lackierung und das Chaos in der Garage gehört dringend aufgeräumt. Schon klar, der Garten fällt in mein Ressort, zumindest der Teil, der Arbeit macht. Als ich mich des Gartenhausgerümpels annehmen will und schwungvoll die Tür aufmache bricht diese halb auseinander. Da war meine Reparatur vom letzten Jahr wohl nicht besonders nachhaltig gewesen. Ich gestehe, ich bin nicht gut in so was. Ich mache mich also seufzend auf den Weg in den Keller, um Hammer und Nägel zu holen. Vielleicht schau ich mal im Hof vorbei und erkundige mich, wie weit die Wartung des Fuhrparks gediehen ist. Die Radiomusik dröhnt hier so laut, dass man sein eigenes Wort kaum versteht, bestimmt wollen ja auch die Nachbarn etwas Unterhaltung haben. Da steht mein Liebster, schmutzig und glücklich, mit der Rätsche in der Hand und brüllt mir ein zuversichtliches “Gleich fertig , mein Schatz” zu.

Schön, vielleicht habe ich ja doch noch Glück und die Arbeit an der maroden Türe übernimmt der Herr des Hauses. Einstweilen fange ich an im Gartenhaus aufzuräumen, was sich da so über den Winter angesammelt hat: 5 Bobbycars, 3 Fußbälle, Spaten, Schaufel, Rechen, alles kreuz und quer, dazwischen Grill und Rasenmäher, Säcke mit Blumenerde und Dünger, ein platter Hüpfball und ganz hinten die Liege. Eine Stunde ist vergangen, ich bin schon fast wieder fertig mit Einräumen und frage mich, wann wohl “gleich” sein wird. Im Radio spielen sie “Dream on” von Anastacia, während ich beschließe, dass die Liege ganz vorne hinkommt, man könnte ja möglicherweise nachher…
Frühlingsgefühle Ah da kommt mein Göttergatte, er ist erschöpft, hat schließlich hart gearbeitet. Und dann sieht er die Liege. Na was für ein glücklicher Zufall, dass die direkt griffbereit dasteht. Ansonsten sieht er nichts und gleich, nachdem er sich noch ein Deckchen geholt hat, macht er sowieso die Augen zu. So kann er auch nicht sehen, dass ich jetzt den Hammer nehme. Meine Hand umklammert wütend den Griff. Da liegt er und schnarcht in seinem verschmierten T-Shirt, die Fingernägel rabenschwarz. Mit grimmiger Miene hole ich aus und treffe mit solcher Wucht den ersten Nagel, dass die Tür vollends in sich zusammenfällt. Mein Mann schreckt aus dem Schlaf hoch und brummt vorwurfsvoll: “Was machst Du für einen Lärm, jetzt hab ich gerade von einem wunderschönen Mustang Cabrio geträumt“. Neiiiiiiiiiin!!!

Karin

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Created Montag, 19. Mai 2014 Tags audi | Frauen | Frühling | garage | garten | Gartenhaus | Granada | hammer | Karins Kolumne | Liege | Männer | mustang | Rätsche | reparieren | S6 | Selbstlose Schreiber | träumen | Wut Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
15 May 2014
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Einfach mal die Dose halten.

Einfach mal die Dose halten.

Wohin mit den Getränken?

Sie kennen das Problem. Da schlürft man eine kühle Cola, hört Marillion, hat vor sich die weite Straße – und kann nirgendwo die halbvolle Dose abstellen. Tragisch. Wo in Neuwagen aus jeder Plastiksicke verschmitzt ein kleiner Cupholder erwächst, da ist bei älteren Autos Sense. Nada. Ich weiß nicht warum. Damals war man anscheinend noch nicht in der Lage, Getränke im Kraftfahrzeug zu sich zu nehmen, oder die Beifahrerinnen waren hilfsbereiter als heute und haben den Becher einfach gehalten. Goldene Zeiten. Ebenso verhält es sich in meinem Mercedes, ich könnte mit Abstellmöglichkeiten im aufgeklapptem Handschuhfachdeckel das Land durchmessen, aber wer will denn sowas? Es muss eine ordentliche Lösung her. Nicht die vom Vorbesitzer. Und hey – direkt beim Hersteller finde ich ein sen-sa-tio-nelles Produkt :-)

Ein Blog über einen Cupholder?

Einfach mal die Dose halten.

Das sieht sehr sehr seltsam aus.

Ja. Ein Blog über einen Cupholder. Beziehungsweise einen Getränkehalter, diese ewigen Anglizismen kotzen mich langsam an. Wenn Sie was krasseres lesen wollen genehmigen Sie sich doch noch mal den Cadillacoder meine Mofatour nach Dänemark. Ich halte hier und jetzt ein seltsames Gerät in der Hand, von dem ich mir momentan noch nicht vorstellen kann, wie ich es stilsicher und funktional mit meinem Auto verbinden soll. Es sieht aus wie eine alte Dachantenne mit UHF und VHF, irgendwie unbeholfen, so ähnlich wie auf dem Bild bei ebay, wo ich’s gekauft habe. Und ich fragte mich noch, warum ich so einen Scheiß an meine Mittelkonsole pappen soll, aber der gute Kay Paffrath, der mit dem weißen 280 S vor der Elbphilharmonie (Sie müssen TRÄUME WAGEN Leser sein, um jetzt zu wissen wen ich meine) hat mir den empfohlen, und wenn er das sagt dann ist der wohl auch gut. Besser als mein zerbrochenes, in die Lüftungsschlitze gestecktes Billigteil vom Vorbesitzer allemal. Wenn ich da ne Dose reinstelle passt das Navi nicht mehr in die Halterung, und jedes Getränk kleckert mir immer auf das linke Knie. Weil die “Bulleneier” kaputt sind und das alte T-Modell mehr hüpft als es soll. Aber das ist eine andere Geschichte.

Einfach mal die Dose halten.

Ich wusste gar nicht dass da ein Fach ist?

In der Mittelkonsole vor der Armlehne, da wo beim entspannten Rumlungern während der Fahrt die Hand des rechten Arms immer lose rumfingert und letztendlich unnötigerweise am Schaltknauf der Automatik verweilt befindet sich beim W210 ein kleines, holzverkleidetes Fach. Ja, es ist tatsächlich Holz. Während andere Hersteller mit Hingabe ihre Fertigungstaktiken dahingehend perfektionieren, dass sie Kunststoff tatsächlich wie Holz aussehen lassen schafft Mercedes-Benz es in den 80ern und 90ern fast genau so perfekt, ihr echtes Holz wie billigen Kunststoff aussehen zu lassen ;-) Jedenfalls ist so ein Drück- und Schwingdeckelchen direkt vor dem Kombinations-Safe-Verschluss des Armlehnendeckels. Mysterien. Ich wüsste nicht, was ich in dieser Mittelkonsole mit einer dreistelligen Kombination sichern sollte (den Deckel könnte man mit einem leichten Ruck einfach abbrechen, er hat den Sicherheitslevel eines YPS-Geheimtresors) und ich stelle außerdem fest, dass ich dieses Klappfach seit dem Erwerb des Autos nie benutzt habe. Es liegen immer noch die Cockpitlämpchen drin, die ich ein paar Tage nach meiner Reise in den Osten gekauft und aus Faulheit nie eingebaut habe. Und ein paar Centmünzen. Hier soll angeblich der neue Cupholder wohnen… Also raus mit dem kleinen nutzlosen Kasten.

Einfach mal die Dose halten.

darunter lauert Tod und Verwesung

Uärks. Einige Sachen sollte man lieber unberührt lassen. Mittelkonsolen sind die Einrichtungsgegenstände im Auto, die man eher selten zerlegt. Die aber immer in der Nähe von einem sind und alles mitbekommen, was Menschen so an menschlichen Dingen im Laufe der Jahre absondern. In diesem 17 Jahre alten Kraftwagen haben schon eine Menge Menschen während der letzten 650.000 Kilometer verschiedene Dinge und Substanzen von sich gegeben, und ein wenig davon erzählt, was ich unter dem leicht herausziehbaren Schubfach finde. Ganz unten. Ich möchte ehrlich gesagt nicht darüber sprechen, bin aber froh, dass mit einer Menge Meister Proper, Küchentüchern und Ekelanfällen diese flusigen Konglomerate aus jahrzehntealtem Schmutz nun ihren Weg in Sandmanns Mülleimer gefunden haben. R.I.P. Irgendwie riecht es seit dem in meinem Auto ein bisschen frischer.

Zack drin

Zack drin

Die beigelegte Anleitung des nagelneuen original Mercedes-Benz Ersatzteils vom Autohaus Rosier umfasst nur eine einzige Zeichnung. Da bin ich von IKEA anderes gewohnt. Und diese Zeichnung sagt mir auch lediglich, dass ich meine UHF-VHF Doppelantenne genau da beherzt reinrasten lassen soll, wo vorher dieses kleine geimelumgebene Fach mit Münzen und Cockpitlämpchen war. Mehr nicht. Ich trau dem Frieden nicht. So einfach? *klack* *knarz* Und dann? Ah…..

Einfach mal die Dose halten.

Raum in der kleinsten Klappe

Plötzlich verstehe ich das Prinzip und schmunzel über alle Werbefotografen, die es hinbekommen haben, mir dieses Produkt wie ein unpraktisches, klotziges und klapperiges Bastelgebilde zu verkaufen. Vielleicht erklärt das auch, warum es noch immer originale Neuteile für weniger als 30 Euro im Netz gibt. Nur wegen des Bildes hätte sich niemals jemand diesen Getränkehalter gekauft, und einen Kay Paffrath hat ja auch nicht jeder zur Hand… Das Ding ist nicht praktisch – es ist genial. Diese zweiarmige Antenne entpuppt sich bei richtigem Einbau als ein zweiteiliger Dosenhalter, der seine eine Halterung ein wenig zum Beifahrer hinschwenkt und die andere weiter unten versetzt beim Fahrer belässt. Ein kleiner runder chromiger Knopf lädt zum Draufdrücken ein, und mechanisch perfekt herabgelassen drehen sich die beiden Halter und falten sich im dafür vorgesehenen Fach klein zusammen. Geil. Nochmal drücken, und die beiden drehen sich gemächlich spiralartig nach oben und entfalten ihre Haltebereitschaft. Und wieder rein. Und wieder raus. Ich freu mich :-D Und wenn ich den Holzdeckel schließe ist das Teil komplett verschwunden…

Ich bin begeistert

Ich bin begeistert

So viel Aufhebens, weil nun ein Stück Plastik in diesem Auto in der Lage ist, zwei Getränke zu halten, denken Sie? Stimmt. Aber haben Sie auch nur ansatzweise eine Ahnung, was mir dieser Moment bedeutet? Ich hatte noch NIE NIE NIE einen vernünftigen Getränkehalter :roll: Im Audi V8 gab’s mal so einen Doppeldoseneinsatz für die Mittelkonsole, aber dafür hätte ja das gute alte Siemens Koffertelefon weichen müssen. Nee. Der W124 hatte keinen, Rudolf auch nicht und die Oldtimer um mich herum sowieso nicht, die sind ja noch viel älter. In den 70ern trank man definitiv keinen Kaffee oder Cola im Auto. Da saß man schweigend nebeneinander, dachte über den letzten Sex mit jungen Menschen hinter dem Rücken des Ehepartners nach und ließ sich dann scheiden. Aber getrunken – wurd nix. Jedenfalls nicht im Auto. Meistens. Sie verstehen also, was es für mich für ein Ankommen, ein Abfeiern und ein Etappensieg ist, nun endlich mal einen unerwartet stilvollen doppelten Getränkedosenhalter zu besitzen? Manchmal ist mehr drin als man erwartet. Ich hol ihn nochmal raus…

Einfach mal die Dose halten.

rein raus rein raus das macht SPASS

Und nochmal rein. Und nochmal raus. Es sind diese kleinen Ingenieursleistungen, die mir ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht treiben. Nicht die hochbezahlten Motoren-Techniker, die es hinbekommen haben, Triebwerke komplizierter und leiser zu machen, aber nicht nennenswert effizienter. Es gab schon Anfang der 80er Jahre einen Passat und einen Golf, der mit 5 Litern Diesel ausgekommen ist. Heute, 30 Jahre später, sind es vielleicht 4. Das beeindruckt mich nicht. Aber so ein kleines, preiswertes Mechanikwunder, was mir tagein tagaus das Leben erleichtert und bereichert, das beeindruckt mich. Wer mag es erdacht, wer konstruiert haben? :-) Ich werde es nie erfahren. Aber ich probiere es gleich mal aus, hole mir eine Dose Cola, eine Dose Valensina und ein Wiener Würstchen (“einpacken oder auf die Hand…?”) und mach mich auf den Weg von Kiel nach Hamburg.

Einfach mal die Dose halten.

alles was glücklich macht

Kommt mir die A7 heute entspannter vor? Vielleicht. Vielleicht ist das sogar eines der letzten male, dass ich diese Autobahn im kommenden Jahrzehnt fahre, denn rund um den Elbtunnel sind umfassende Baumaßnahmen geplant, die das Stauaufkommen definitiv nicht besser machen werden. Und die Staus auf diesem Stück asphaltierter Zeitverbrennung sind schon heute eine Alltagskatastrophe. Da helfen auch Getränke aus dem super Dosenhalter und ein Wiener nicht. Vielleicht kommt die Autobahn mir heute auch entspannter vor, weil hinten auf der Ladefläche ein Paket mit einem frisch revidierten 2B3 Vergaser für den Dottore Audi 100 liegt und ich mich schon gespannt drauf freue, den einzubauen und vielleicht endlich mal den silbernen Typ 43 ohne Mucken zu fahren…? Es wird gerade alles gut. Und das personifiziert sich an diesem Getränkehalter. Finden Sie nicht auch? – Oder wo stellen Sie ihren Kaffee ab?

Sandmann

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Created Donnerstag, 15. Mai 2014 Tags Cupholder | e-klasse | Getränkehalter | Ich fahr... TAXI! | Mittelkonsole | Originalteil | S210 | Sternstunden | T-Modell | taxi | W210 Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
12 May 2014
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Harm-los? Nicht wirklich.

Kaffee der Herr?

Kaffee der Herr?

Blues Brothers sind unsterblich. Jake und Elwood wurden allerdings schon so oft zitiert, dass sie inzwischen längere Bärte haben als die Jungs von ZZ Top. Schwer, aus dieser Schublade wieder rauszuklettern, wenn man mit einer Wayfarer aus den 70ern und einem Auto mit Bullenreifen, Bullenmotor und Bullengetriebe unterwegs ist. Heute ist der Tag, an dem Harm & me die Ostküste entlanggullern, nicht etwa von Boston nach Miami, aber fast. Von Kiel nach Lensahn. Kennen Sie nicht? Muss man auch nicht kennen. Da gibt es ein chromiges Diner, bei dem man sich kennen lernt, sonst ist da nix. Na ja doch, ein paar Autos, heute zumindest. Begleiten Sie me & Harm auf einer HARMonischen Reise mit dem dicken durstigen Dampfer? Es ist 7 Uhr, es geht loooooos….

Do no harm – do know Harm.

Matrosen im Hafen

Matrosen im Hafen

Wir kennen uns indirekt schon länger, sind uns aber erst so richtig bei der Hochzeit meines Freundes Örg am Nikolaus 2013 über den Weg gelaufen. Wie das halt so ist, Bier, Zigarren, Musik und Autos Autos Autos. Da der Tag des Mannes mit dem roten Sack nun schon ein bisschen zurück liegt stand beschnuppern auf dem Plan, ja nun da bieten sich ja die unendlichen Weiten des Cadillac an. Denn von Kiel nach Lensahn ist’s ein rundes Stündchen zu gleiten. Eigentlich hätten wir uns auch eine Halle mieten können, das wäre dann nicht so weitläufig. Der frühe Vogel tankt Super, und statt an diesem grauen Samstag liegenzubleiben, sich nochmal leicht bekleidet an die schlafende Herzdame ranzuwanzen oder so absurde Sachen wie Brötchen holen abzuwickeln finde ich mich auf dem Lidl Parkplatz am kieler Südfriedhof wieder und lade ihn ein, den Matrosen mit dem friesischen Namen. Er gesteht mir, dass er lange darüber nachgedacht habe, Kaffee mitzubringen. Er wusste aber nicht, ob mich irgendwelche Allergien, Laktoseintoleranzen oder Diabetisse plagen, daher habe er es gelassen. Macht nix. Ich bin NOCH ein bisschen früher als er aufgestanden und köchelte eine große orange Thermoskanne randvoll mit heißem schwarzen Koffein-Sud. Mit meiner schönen orangen Melitta aus den 70ern. Denn mich plagen weder Allergien, Laktoseintoleranzen noch Diabetisse. Harm auch nicht. Also teilen wir uns den Becher, prost.

Harm-los? Nicht wirklich.

Supertanker DeVille mit Besatzung

Das Radio hat sich nicht über Nacht selbst repariert, also sind wir gezwungen, uns zu unterhalten. Da wir uns in den letzten 43 Jahren erst ein- oder zweimal gesehen haben, besteht nachweislich nicht die Gefahr, dass uns die Geschichten ausgehen :-) Wobei es für mich zur Abwechslung mal sehr entspannt ist, nicht pausenlos zu plaudern, sondern einfach mal zuzuhören, große Augen zu bekommen und ab und an mal ungläubig mit dem Kopf zu schütteln. Gewürzt mit einem “Aaaaaalder waaas???” Zeitdruck besteht nicht, der Cadillac gluggert zufrieden wie eine volle Regenrinne bei Gewitter und die Tankanzeige ist immer noch kaputt. Jetzt ist angeblich schon fast die Hälfte raus aus dem benzinbunkernden Bottich, haha, die lügt doch wie gedruckt. Niemals. Der Weg führt uns über Holsteiner Rapsfelder, an meiner alten Schrauberscheune vorbei, durch endlose Alleen im frühlingshaften Blattgrün über Selent und Lütjenburg immer weiter der Küste entgegen. Wenn man hier wohnt ist das nix ungewöhnliches, aber alle Touristen drehen spätestens bei den Schildern “Hohwacht” oder “Strand” total durch. Es ist schon was selten feines, am Meer zu leben, zu arbeiten und autozufahren. Ein cHARMantes Gefühl. Machst du noch einen Kaffee klar?

Harm-los? Nicht wirklich.

Hinterm Horizont geht’s weiter

Kaffee könnte ich so viel in mich reinkippen wie in einen Cadillac DeVille das gute Super. Mit dem Unterschied, dass der Cadi das Super verbrennt und mehr oder weniger effizient in Bewegungsenergie umsetzt. Ich setze den Kaffee um in Kalauer, einen irren Blick, wache Gedanken und den wiederkehrenden Wunsch, mal rechts ran zu fahren und einen Teil der zugeführten Flüssigkeiten auch wieder rauszulassen. Allein in dieser Stunde nach Lensahn zwei mal. Ist das schon das Alter? Weiß jemand ein gutes pHARMazeutisches Mittelchen? Oder ist das der Litermenge geschuldet? Der Matrose läuft ebenfalls zu ungeahnten Hochtouren der kreativen Wortschöpfungen auf, und spätestens ab dem klassischen “Cadi lecken” sind wir ganz froh, dass nichts davon nach außen dringt. Zwischendurch wird die Aufmerksamkeit immer wieder auf das antike Fortbewegungsmittel aus dem Hause General Motors gelenkt, sei es in engen Kurven, sei es, wenn der Fahrer seine Sätze zum Beifahrer etwas lauter rüberrufen muss (weil der so sagenhaft weit weg sitzt) oder sei es einfach nur in Hochachtung vor der schieren Größe und dem wohnzimmergleichen 60er Appeal des fast-sechs-Meter-Schiffes, den ausufernden metallenen Flächen um uns herum und dem tuffigen Plüsch der Zierkissen. Mein kaffee-kalauernder Nebenmann selbst fährt übrigens einen restaurierten T3-Bulli. Ein Cadillac steht wohl für immer in den Sternen, er ist so harm, er kann sich nicht mal Chromleisten.

Harm-los? Nicht wirklich.

Letzte Pinkelpause vor dem großen Treffen

Und in LensHARM, am Chrome Diner? Exakt um 7:00 Uhr kommen wir an. Da ist Chrom. Da ist Diner. Da sind Burger und Pommes. Und viele alte Autos, viele Menschen und wir mit dem Cadillac mittendrin. Petrus schickt uns außer einer sibirischen Kaltfront freundlicherweise geschlossene Schleusen, die Wolken sind HARMlos und es regnet tatsächlich nicht einen einzigen Tropfen. Das wird Marc freuen, allerdings wird das für mich persönlich später ganz andere Probleme aufwerfen. Ich muss irgendwie die ganzen zerklatschten norddeutschen Insekten von der windbrechenden Nase des Dickschiffes wieder runterpolieren, das würde mit ein wenig Regenwasser viel einfacher gehen. Aber da fallen mir wieder die noch nicht lackierten Innenkotflügel ein, also lieber Trockenheit. Und ich bereite mich schon mal verständnisvoll auf die Tank- und Saubermachorgie heute Abend vor. Juhuu.

Männer, behütet

Männer, behütet

Das US-Car Treffen wird sicher noch Thema in einer der nächsten TRÄUME WAGEN Ausgaben sein, deshalb halte ich mich mit einem Bericht und Bildern einmal dezent zurück. Das ist schon eine recht coole Community hier im Norden, und ich habe mehr Visitenkarten mitgenommen als ich tragen kann. Frisches Blech für neue Artikel. Nebenbei könnte ich jetzt noch ein paar Sätze verlieren über die Jungs, die entlang der Hauptstraße zwischen den hunterten von Menschen (Männern, Frauen und Kindern) brennendes Gummi auf die Straße legen. Oder lieber über die Menschen selbst, die freiwillig am Rand im Qualm stehen und nur eine Radmutter vom Tod entfernt sind. Über die Fahrer, die es cool finden, den V8 brachial 10 Sekunden lang im Vollgas brüllen zu lassen, obwohl hier jeder so einen Motor hat. Nein, ich lasse das lieber. Ich werde ja bekanntlich altersmilde, jeder wie er möchte, und wenn das jemand toll findet soll er das eben machen. Ich stelle mich nicht mitten in diese S.HARMützel und lunger den Tag über lieber um die schönen alten Autos rum. Und friere.

Harm-los? Nicht wirklich.

Frühstück und Drivestyle

So ein Treffen macht neben den maifeiertäglichen Temperatur-Grenzerfahrungen erstaunlich müde, und nach einer guten Packung Pommes steuern wir den Cadillac am Nachmittag wieder zurück in den Hafen nach Kiel. Das ist allerdings erst der Zwischenstopp für mich, ich muss das nordamerikanische Schmiedeeisen heute ja noch bei seinem Herrchen in Hamburg Jenfeld abgeben. Geputzt und gestriegelt. Das wird gar nicht so leicht, abgesehen davon, dass man eine LKW Waschanlage benötigen wird, um diese Flächen wieder sauber zu bekommen. Geregnet hat’s ja auch nicht. Hm. Und mich plagen noch ganz andere Gedanken – ich will auch so ein Auto haben :-( Ich will nicht mit irgendwas Gewöhnlichem durchs Land cruisen, und ich will zusätzlich noch einen Sponsor, der mir mindestens eine Benzinflatrate spendiert. Ein Mann muss Ziele im Leben haben, die ihn vorantreiben – und ich hab noch so einige, und über die denke ich verträumt nach, während ich von Kiel wieder über Land in Richtung Hamburg fahre. Wieder ohne Musik, aber der Abendwind drückt die Pappeln am Straßenrand zusammen und lässt sie hin und her schaukeln wie eine ZieHARMonika. Ach ja. Der ist natürlich schon wieder zu Hause.

Harm-los? Nicht wirklich.

Geb ich gar nicht gern wieder her

Kurz vor Hamburg erhasche ich tatsächlich eine Tankstelle, die in den späten 70ern einmal dafür konstruiert wurde, havarierenden Jumbos auf dem Weg nach HH Fuhlsbüttel eine Notlandemöglichkeit zu bieten. Da passt der Cadillac einigermaßen rauf. Der Deckel auf den Kavernen des Treibstoff sitzt im Heck hinter dem Nummernschild, also fahre ich an der Zapfsäule vorbei und fahre vorbei und vorbei und vorbei. Als ich sie im Rückspiegel nur noch als kleinen Punkt am Horizont wahrnehmen kann wähne ich das Ende vom Auto ungefähr auf ihrer Höhe, halte den Tanker an und drehe am Schlüssel. Der Big Block verstummt. Plötzlich ist es wieder sagenhaft still, ich höre schüchtern piepsende Vögelchen in entfernten Bäumen, und auch die Gräser und Büsche zittern nicht mehr unter dem permanenten Erdbeben der kontrollierten Benzinverbrennung. Wie friedlich Hamburg sein kann. Während ich aussteige und am Cadillac entlang den langen Weg zum hinteren Nummernschild zurücklege sehe ich im Augenwinkel den Tankstellenpächter, der just in diesem Moment das Auto entdeckt hat und gerade dabei ist, eine Flasche Champagner zu entkorken. Verstehe ich nicht. Aber egal, ich bastel den Super Plus Rüssel irgendwie zwischen abgeklapptem Nummernschild und den gesammelten Chromvorräten der ganzen Umgebung in das Rohr und lasse laufen. Mal sehen, wieviel der nun wirklich verbraucht hat, die kaputte Tankanzeige behauptet ja frecherweise der Bottich wäre fast leer…

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Es läuft und läuft und läuft…

Hui. Na da geht ja ordentlich was rein. Während die fossilen Brennstoffe laufen und laufen und laufen sehe ich den großen Zettel auf der Tanksäule, dass heute nur mit Bargeld bezahlt werden könne. Ich glaube ich habe aber noch genug im Portemonnaie, ich war gestern erst am Geldautomaten, das wird schon reichen. Läuft und läuft. In diesen Minuten überkommt mich auch die Erkenntnis, warum an Tankstellen überall steht, man möge bitte den Motor beim Tanken ausmachen. Klar. Sonst wird der Tank ja niemals voll. Ich habe über 40 Jahre lang geglaubt das habe was mit Brandgefahr und so zu tun, aber hier ist nur Beton und Metall, was sollte da brennen? Man muss erst einen Cadillac fahren, um die wichtigen Dinge im Leben zu begreifen. Das Benzin läuft und läuft. Im Hintergrund treffen Freunde, Familie und Bekannte des Pächters ein und werfen mit Luftschlangen und Konfetti. Mir ist so, als höre ich Satzfetzen wie “Freibier für alle er tankt noch immer!” oder “nachher mach ich zu und buche erstmal drei Wochen DomRep“. Was meinen die? Eigentlich könnte ich zwischendurch die Zeit nutzen und den Wagen noch ein bisschen überpolieren statt hier rumzuhocken und Benzol einzuatmen. Nehme ich für den weiten Weg vom Heck zur Front was zu Essen und zu Trinken mit? Nee, das schaffe ich auch so.

Harm-los? Nicht wirklich.

An der Nase eines Autos….

Einen 1969er Cadillac von zermatschten Fliegen zu befreien gleicht im Aufwand einer Fassadensanierung des Reichstags. Was ich schon in Kiel liebevoll weggekärchert hatte hinterlässt noch immer vereinzelt buntflüssige Spuren, garniert mit Füßen und Flügeln. Mit Lackreiniger, Flauschlappen und viel Kraft scheuer ich endlose Garnisionen von geschlagenen Chitinpanzern und Stechgleitern von Lack und Chrom und ahne, dass diese beiden Tage mit dem Auto in der freien Natur vermutlich für das Aussterben zahlloser Insektenarten verantwortlich gemacht werden können. Ich glaube ich schaffe das niemals alles mit der mir noch verbleibenden Kraft in den Handgelenken, das fühlt sich an als würde man den Rasen auf einem Fußballplatz mit der Nagelschere mähen. Währenddessen läuft das Super munter weiter in den Tank. Ich sehe den Tankstellenpächter hinten an der Straße “Wegen Auslastung geschlossen”-Schilder aufstellen. Teure, hübsche Callgirls schenken ihm dabei Champagner nach. Na hier ist was los.
Nach einigen Stunden ist der Tank voll und das Auto sauber. Es ist auch schon 7 Uhr. Als ich die Zapfpistole wieder einhänge schwinden mir beim Blick auf das Zählwerk fast die Sinne. So wie es aussieht habe ich mich eben gerade auf 10 Jahre verschuldet und einen Tankstellenbesitzer zum Millionär gemacht. Ich denke nicht darüber nach und fahre voller Ehrfurcht den Cadillac zu Marc in die Halle. Anscheinend ist die Tankuhr völlig in Ordnung, meine Weltanschauung allerdings nicht mehr. Im nächsten Leben werde ich Scheich. So.

Harm-los? Nicht wirklich.

Du hast was mit mir gemacht…

Die Tatsache, dass ich nicht an Ort und Stelle hingerichtet werde scheint für eine erfolgreiche Säuberungsaktion zu sprechen. Sie müssen sich Marc ein bisschen so wie diesen Wagen vorstellen. Kantig, brutal, schwer. Aber irgendwie ganz geil. Jedenfalls möchte man nicht seine schlechte Laune auf den Schultern oder im Gesicht erfahren, glücklicherweise ist das auch nicht nötig. Wenn Sie den Artikel über dieses Auto und seinen Besitzer in der TRÄUME WAGEN vor ein paar Monaten verfolgten werden Sie ein Bild vor Augen haben. Meine Krankenversicherung hatte mir schon schriftlich mitgeteilt, dass sie mir den Vertrag kündigen würde für den Fall, dass ich eine Beule in dem Wagen hinterließe. Feiglinge, die. Aber jetzt ist alles gut :-) Nein, eigentlich nicht alles. Ich will auch so ein Auto. Ich will ich will ich will *stampf*. Nach dem grauen 1978er Ford LTD Sedan so um 1995 rum und dem weißen Cadillac Eldorado Biarritz um die Jahrtausendwende sitzt auch in mir der Amivirus noch immer tief, und jetzt ist er wieder ausgebrochen. Verdammt. Als ich mich von Marc und seiner nun endlich auch wieder tiefenentspannten Frau verabschiedet habe und wieder in meinem Mercedes sitze werde ich so traurig, dass ich nicht mal einen unverwackelten Selfie hinbekomme.

Harm-los? Nicht wirklich.

Alltag grau und normal

Hallo Hamburg. Da sind wir wieder, ich und mein eigentlich auch gar nicht soooo alltägliches Rappeltaxi. Manchmal frage ich mich wirklich, warum man nicht noch ein bisschen unvernünftiger ist. Nun habe ich es schon geschafft, meine Passion zum Beruf zu machen und mit Geschichten über alte und neue Autos mein Geld zu verdienen. Da muss dann doch eigentlich auch im Alltag mal ein Big Block drin sein, oder nicht? Andere Leute geben viel Geld für Briefmarken oder Kunstwerke aus, haben alle sechs Monate ein neues Smartphone oder Tablet und bauen sich Häuser für eine halbe Millionen Euro. Brauch ich alles nicht. Also warum nicht in Benzin investieren? Ich denke die Tage mal darüber nach. Während der Fünfzylinder Diesel sonor vor sich hinnagelt, schwärme ich noch ein bisschen von dem 1969er Cadillac DeVille und seinem Überfluss in allem. Von einem überheblichen und trotzdem wundervoll designten Schlachtschiff, was nicht polarisiert, sondern freundliche Ehrfurcht einflößt. Was Spaß macht und lachen lässt. Ein Auto, was Sehnsüchte in einem weckt und in dem es immer Freitag Abend, 7:00 Uhr ist.

Sandmann

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Created Montag, 12. Mai 2014 Tags 1969 | cadillac | Chrome Diner | DeVille | Fremde Federungen | Gas Guzzler | Lensahn | Super Plus | tanken | Tankstelle | volltanken Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
03 May 2014
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Prosecco Cadillac

Prosecco Cadillac

Mit Tanz in den Mai

WAAAHAHAHAAAAA” *klirr* “lass das doch mal!” … *gacker* “Ey JÄÄÄÄÄNSSSSS was das für ein geiles Auto da vor der Tür hä?” *rück, knarz* “JÄÄÄÄÄÄÄNSSSSSS?” “nu lass den doch mal die grillen doch grad schenk ma lieber was nach” *gluckgluck* “Dange. Pröhösterchen ♫” “Prohoost” *kliingg* “Jungs was’ mit euch nochn Bier?” *klopfklopf* “N’Abeeend…. :-) Na hier is ja was los. Das ist ein 1969er Cadillac, cool oder? Damit will ich morgen auf ein Treffen nach Lensahn…” … “AH GEIIIIIL da bissu ja!” – *gluckgluck* “wadde ma, hast du nicht Lust uns ans Hindenburgufer ssu fahren?” “Prooooooost!” “HAHAHAAAAAAA WAAAHHHH” “Stößcheeen ♫” – “Klar, warum nicht? Macht euch fertig und dann rein in die gute Stube…” “YAYYYYY EEECHT???” *schrei* rumpel polter “Los jetzt Mädelssss“…..

Dasss totaaal nett von dir!

Prosecco Cadillac

Kennen Sie diese Menschen?

“Mach ich doch gern…” – “Ey du bis soooooo n nedder Nachbar! Voll geiles Auto was ist das jetzt? Is ra riiiisig” “Cadillac DeVille” *raschel* “KUCK MA DIE KISSEEEEEEN!!! :-D AAAHAHA sind die GEIIIL!!!!” *knautsch* “Proohoost!” “wa has du das Bier mitgenommen bissu blöd mach keine Fleckn!” *hick* “neee ich pass auf” … wuwuwuwu broooooooohhhhmmAAAHHHHH” *schreiiiii* *gacker* “mahaaa GEIIIIL ist der geil wie der KLINGT!!!” “nu rück mal ich sitz mein Nachbarn ja schon fast aufm Schoß” *hick* “oooaaaah die HAUBE!” *gluckgluck” “und Fensterheber ey schon damals!” *siiiirrrr* *rrrrrrr* *siiirrrrrrr* “was das nochmal fürn Modell ich muss das morgen meim Sohn sagen was jetzt? N willi? De. Wa?” “DeVille…. wo müsst ihr denn hin da unten am Wasser?” – “Stück weiter noch, da is Tanz in den Mai” “geil sssu dritt vorn der is echt riesich” gullergullerguller “Boah das’ Cruising, so, nech? Cruising jetzt.” “oooaaahhhh ich komm nich über die Kissen weg die sind voll geil” *tuff* *streichel* “gib mal bisschen Gas wie klingt der dann?gullergullerBROOOOOOO *schreiii* “WAHAHAAAAAA” *eskalier* “YAYYYYYYY” *gröhl*

Prosecco Cadillac

besser als busfahren auf jeden Fall

MUUUHAHAHA” “schnurch” *hust* “oaahr das war das Highlight des Aabns echt du bester Nachbar du” “machsu noch n Bild von uns vor dem… was’ das nochmal? Für Facebook das muss Lennart unbedingt sehn!” – *klonk* “Na klar, baut euch mal vor dem Wagen auf. Und lächeeeeeln…” “hahahaaaaaa!” “hihiiiiii” “WAAAHHHHHAHAH” “hallööööööö ♫” *klick* “ey sssoooo geil wir gehn jetzt tanzen und Tanz ey danke das war richtig geil!” “Gern :-)” “bis dahaaaann!” “ey diese Kissen willich auch” *taptap* *kling* “hasstu auch n GLAS mitgenomm??” “PROOHOOOST!” *tapptapp* *murmel* *brummel* “ey die KISSEN!” … *leiserwerdend* “was war dasjetz fürn Auto…?

*windweht*

Ich mag meine Nachbarinnen und deren Freunde :-) Der Mike fährt einen Commodore A. Cool. Jetzt aber ab ins Bettchen, auch wenn es erst 7 Uhr ist. Und wie bekomme ich bloß dieses Fernlicht wieder aus?

Sandmann

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Created Samstag, 03. Mai 2014 Tags cadillac | DeVille | Fremde Federungen | Hindenburgufer | Kiel | Party | Prosecco | Tanz in den Mai | taxi Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
02 May 2014
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Das rollende WG-Zimmer

Das rollende WG-Zimmer

Auch in DIR steckt ein James Dean

Dee-heeer Maiii ist gekooommen ♫ die Bäume schlagen auuuus. Sollen sie doch. Ich sitze in einem knapp 6 Meter langen und gut 2 Meter breiten Cadillac DeVille, älter als ich selbst und allen in Deutschland gewohnten Dimensionen einen deutlichen und provokanten Fickfinger zeigend. Ich treibe ihn durch den leichten Druck meines rechten Fußes tsunamigleich vorwärts und male mir im Kopf eine bunte Karte der umliegenden Tankstellen. Gleichzeitig durchströmt mich ein warmes Glücksgefühl, das niemand kennt, der einen vernünftigen Kleinwagen neueren Baujahres fährt. Freiheit. Geilheit. Unabhängigkeit. Wenn auch nicht von der Mineralölindustrie, dann aber vom Hier und Jetzt. Und es ist immer Freitag Abend, 7 Uhr. Steigen Sie mit ein?

Weiter, immer weiter.

Das rollende WG-Zimmer

eine nicht enden wollende Haube

Dahaaa bleibeee wer Lust hat ♫ mit Sohoorgen zu Haauuus. Nö. Heute nicht. Doch fangen wir vorn an. Spätestens mit dem Mai beginnt die Saison der Youngtimer, Oldtimer und Klassiker und ich lasse mich über diversen Treffen treiben. Rein dienstlich, selbstverständlich. Aber was nun, wenn der Verlags-Dienstwagen (der 1973er Mustang Mach 1) noch in der Werkstatt steht, obwohl ein wahrhaft prominenter Platz auf dem US-Car Treffen morgen schon reserviert ist? Mit meinem Taxi kann ich mich in der Community nicht blicken lassen, die teeren und federn mich. Also? Rumfragen. Jemanden finden, mit dem man vielleicht nicht die politischen Weltansichten teilt, aber die Liebe zu alten Autos. Den Marc zum Beispiel. Der will morgen mit seinem krawalligen D-Kadett GTE (“geht ab wie Hupe“, hallo Schwager Andreas) zum Treffen der Alt-Opel-IG und braucht demnach seinen geliebten Amerikaner nicht. Also kann ich ihn für einen Tag haben. Dass diese Zusage im Nordosten Hamburgs eine mittlere Ehekrise auslösen würde vermag ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu ahnen.

Das rollende WG-Zimmer

seltsam, aber plausibel

Sorgenvoll blickt mich mein gewichtiger V8-Freund an, als wir in der Tiefgarage vor diesem Ding stehen, was sehr viel mehr als nur ein Auto ist. Er liebt den Wagen. Seine Frau hat ihm schon heftig die Hölle heiß gemacht, warum er den denn überhaupt weggeben würde. Das Argument, dass wir uns schon lange kennen, ich schon ganz andere Autos gefahren bin und wieder heil zurückgegeben habe und wir doch schon einen gemeinsamen Leitartikel in einer TRÄUME WAGEN im vergangenen Jahr zum Thema Cadillac und Mafia zündeten beruhigt hier in Hamburg Jenfeld niemanden. Auch das versprochene Jahresabo tröstet nur ihn, nicht die Dame des Hauses. Was gibt es zu wissen, wenn man 400 Kilometer in einem amerikanischen Auto aus den 60er Jahren zurücklegen möchte? Gar nicht so viel. Wo das Licht angeht zum Beispiel :-) Und auch wo das Fernlicht wieder ausgeht. Da habe ich nicht richtig zugehört, ich war wohl von den plüschigen Zierkissen abgelenkt, aber das ist eine andere Geschichte.

Das rollende WG-Zimmer

Irgendwie geht er überall an, aber nicht wider aus.

Eine kurze Einweisung auf den Wischer ist hier ebenfalls angebracht, der norddeutsche Himmel ergraut manchmal schneller als meine Haare und dann möchte man doch wissen, wie die feuchten Tropfen von der sagenhaft breiten Windschutzscheibe geschoben werden. Der Schalter ist stellungsunabhängig, die Wischer wischen immer gleich schnell. Und manchmal bleiben sie zuckend unten vor der Scheibe liegen, in dem Fall müsste ich rechts ran fahren, den Motor kurz ausmachen und dann geht’s wieder. Ich hoffe also, dass es nicht regnen wird. Marc auch, die vorderen frisch geschweißten Kotflügel sind innen noch nicht grundiert.
Ein paar nachvollziehbare Ansagen muss ich natürlich auch unterwürfig über mich ergehen lassen. Keine Burnouts bitte. Vor dem Abgeben morgen alles wieder sauber machen (“HANDwäsche, Sandmann, nicht in die Waschstraße!“) und es wird auch nicht gefickt im Auto. Zitat Ende. Das hatte ich ehrlich gesagt auch nicht vor, meine morgige Begleitung ist männlich und heterosexuell. Der Tank ist hinter dem Nummernschild hinten. Das Radio geht nicht. Die wunderschöne Zeituhr auch nicht, aber das macht nichts. Im Gegenteil, in diesem Wagen ist es immer Freitag Abend, 7 Uhr. Immer.

Das rollende WG-Zimmer

Freitag Abend, 7 Uhr. Immer. Jeden Tag.

Ich merke schon, Marc kann sich gar nicht so richtig lösen. Er schlurft ein wenig kopflos durch die Gegend und wirkt wie eine überforderte Mutter, die zum ersten mal die kleine Tochter bei der Kindergartenfreundin übernachten lässt. Zum ersten Mal gibt er sein Baby her. Der Cadillac ist mit den mitgebrachten und ordnungsgemäß eingetragenen roten 06-Nummern komplett vollkaskoversichert, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich trotzdem aufpassen muss. Wenn mir da jemand einen Kratzer oder schlimmeres reinmacht wird er mich langsam und qualvoll umbringen. Und wenn nicht er selbst (wegen des Jahresabos…), dann spätestens seine Frau. Das macht mir ein bisschen Angst, und etwas verunsichert lege ich die Fahrstufe mit dem dicken Hebel am Lenkrad ein. Nach Gefühl, die Anzeige geht nicht mehr. Aber P — N — D ist bei allen alten Autos gleich. So. Es ist 7 Uhr Abends, ab nach Kiel. Nicht über die Drecks-A7, nein, über die sehr entspannte A21 mit ihren langen Geraden zwischen gelben Rapsfeldern. Der Weg ist das Ziel. Respektvoll lenke ich das schwankende Schlachtschiff in Richtung Autobahnzubringer. Eigentlich will ich noch zum Abschied auf die Hupe drücken, finde die aber trotz intensivem Rumgefingers rund um das Lenkrad nicht. Egal. Kick it.

Das rollende WG-Zimmer

Man gewöhnt sich an alles…

BROOOOOOOOO. YAYYY! Endlich mal wieder. Es ist etwas ganz besonderes, einen alten Ami zu fahren, und es ist noch eine Spur besonderer, wenn es ein Cadillac ist. Und noch besonderer mit einem DeVille aus den späten 60ern. Der Virus sitzt bei mir eh schon tief, aber mehr Auto als das hier um mich rum ist gefühlt nicht möglich. Vor meinen Augen erstreckt sich eine wirklich unfassbar lange Motorhaube, ich denke mal, bei Herbstnebel kann man die Nase des Autos von hier aus nicht sehen. Darunter stampft stoisch die Mutter aller Big Blocks, ein aus dem Vollen geschmiedeter 7.7 Liter V8 mit 380 PS. Der hält sich dezent im Hintergrund, obwohl man vor 45 Jahren mit Innenraumdämmung noch nicht viel am Hut hatte. Überhaupt, wo ist mein Hut? In Kiel – den darf ich morgen auf keinen Fall vergessen! Aber zurück in den benzingetriebenen Wohnraum. Das Lenkrad steht sehr hoch, irgendwie kann man das doch bestimmt verstellen? Wenn ich an dem kleinen Hebel an der Lenksäule ziehe wackelt es leicht, jetzt ertönt sogar kurz die Hupe! aber es bewegt sich nicht weiter nach unten. Na egal, geht ja auch so, und der Sound des V8 tröstet über alles hinweg. Wenn ich beherzt zutrete, anfangs noch aus Versehen, später dann dezent geplant, brüllt der Ballermann kraftvoll hinten raus, eben genau der Sound, der diese Karren so begehrenswert macht.

Das rollende WG-Zimmer

nicht übertreiben

Die Reisegeschwindigkeit ist schnell erreicht, ich sinniere kurz darüber nach, ob ich hier auf Meilen oder Kilometer blicke und entscheide mich dann mit peilendem Blick auf die anderen Verkehrsteilnehmer dafür, dass es sich wohl um eine europäische Tachoeinheit handelt. Laut Marc sei es theoretisch möglich, bei einem gemäßigten Gasfuß jeweils die nächste Tankstelle zu erreichen, ohne sich da vom ADAC mit leerem Tank hinschleppen zu lassen. Wir werden sehen, mit 120 bin ich fein links unterwegs, schneller darf man hier eh nicht. Der Wind zischelt um mich rum, er bleibt hauptsächlich am bulligen Kühler hängen, was da noch drüber weg kommt säuselt um den einen kleinen mechanisch verstellbaren Seitenspiegel auf der Fahrerseite. Mehr Rückblick war im Land der unbegrenzten Straßenbreite damals nicht nötig, wen interessiert in einem Cadillac schon, was hinter einem passiert? An den Fensterdichtungen zischelt es, aber dafür dass dieser Raumgleiter keine B-Säule hat ist es erstaunlich ruhig. Oberklasse. Hinter dem Auto, im nicht einsehbaren luftleeren Raum, vermischen sich Zeit und unkatalysierte Auspuffgase zu einem Strudel aus Ungläubigkeit und lassen normalsterbliche norddeutsche Autofahrer erschreckt, verängstigt und ehrfürchtig auf der rechten Spur zurück.

Das rollende WG-Zimmer

cooler als alles andere, was rollt

Ich habe heute Abend Zeit, es ist erst 7 Uhr und das basslastige Gegrummel des Achtzylinders schüttet einige Endorphine aus. Der Tacho steht auf 120, einen Drehzahlmesser gibt es nicht, aber ich glaube der V8 zündet gerade mal im Standgas. Ein Kühlwasserthermometer gibt es auch nicht, General Motors wollte damals den solventen Neuwagenkäufer nicht mit zu vielen Informationen belasten. Eine vertikal angeordnete Tankanzeite ist wohl da, aber die ist auch kaputt, jedenfalls steht die schon ne ganze Ecke tiefer als noch in Hamburg. Schade, dass das schöne Drehskala Radio nicht geht, aber ich kann zur Not auch selbst singen. Marc hasst das. Ach ja, vielleicht war das auch eine seiner Bedingungen, unter denen ich den Wagen bekomme: “Trobadix darf nicht singen:-( Ich ignoriere das mal, es ist nicht meine Schuld, schließlich hätte ER sich ja um ein funktionierendes Soundsystem kümmern können… Und auch wenn er nie mein Groupie werden wird, ich singe ♫ trotzdem. Und *zack* klappern die Scheibenwischer einmal unaufgefordert los und zucken dann vor der Windschutzscheibe hin und her. Super. Die Karre ist ihrem Chef anscheinend hörig. Da hinten kommt ein Parkplatz…

Das rollende WG-Zimmer

Wahre Größe all überall

Wie die Wo-ho-lken dort wa-han-dern ♫ am hihimmlischen Zeeelt. Okay, man MUSS das alte Liedgut nicht mögen, das gebe ich zu. Mir kommen aber in den letzten Monaten immer mehr Lieder in den Kopf, die wir damals im Urlaub mit unseren Eltern gesungen haben, mein großes Schwesterchen und ich. Lieder aus der Mundorgel. Ich kenne sie alle noch, und manchmal summe ich sie unbewusst vor mich hin. Heute regieren Spongebob und Germanys next Top Model die Kinderzimmer. Heute singen Eltern ihren Kindern keine Lieder mehr vor. Ich schon. Ich erfinde Windelwechsellieder, Zahnputzlieder und In-die-Kita-Bringlieder. Mir hat das damals nicht geschadet, meinem viertelfinnischen Sandmädchen heute wohl auch nicht. Aber dem Cadillac. Also rolle ich auf den Parkplatz und rolle auf den Parkplatz und rolle und rolle (himmel der ist so unglaublich lang, man fühlt sich als würde man mit die ganze Zeit einem Anhänger fahren) und mache den Motor wie mir erklärt wurde aus. Was für eine Ruhe.

Das rollende WG-Zimmer

Größe ist eine Frage des Standpunkts

Während die Wo-holken wa-handern (hoffentlich regnet das nicht hoffentlich regnet das nicht) nehme ich mir einen kleinen Moment des Innehaltens. Und gucke dieses Auto an. Zwischen all den Liedern im Kopf blättere ich seit meiner Abfahrt virtuell in einem Thesaurus der Steigerungsformen. Kein Mensch braucht so viel Blech um sich rum, geschweige denn diesen selbst für einen Ozeanriesen beeindruckend großen Motor. Auch damals nicht, auch nicht in Nordamerika. Hier bei uns noch viel weniger, die meisten deutschen Spießbürger fuhren noch immer mit einem Käfer oder einem Opel Olympia durch die Gegend und regten sich über die Überheblichkeit der blöden Amis auf. Der Zweite Weltkrieg war gerade mal 24 Jahre her, 24 Jahre!!! also ungefähr wie aus heutiger Sicht das Jahr 1990. Daran erinnern wir uns fast alle, noch Fragen? Amerikaner durften überheblich sein, weil sie es KONNTEN. Die Marke Cadillac hat in diesen Jahren zeitlose, stilvolle Meisterwerke des Kapitalismus geschaffen. Lincolns waren noch länger, sahen aber aus wie ein gestrandeter Wal.

Das rollende WG-Zimmer

Sauber halten? Dann muss ich ihn wegSCHIEBEN

Eigentlich wollte ich mich für das Foto auf diesem Parkplatz lasziv auf das Schild setzen und die Beine baumeln lassen. Ich habe es während der 10 Sekunden des Selbstauslösers fünf mal versucht und dann mit hochrotem Kopf aufgegeben. Ich bin eben keine 20 mehr. Die Bilder kommen vielleicht eines Tages in einem “making of”… :-) Der Cadillac ist auch keine 20 mehr, startet aber gleich wieder auf Anhieb und macht auch keine Anstalten, die Scheibenwischer unaufgefordert zucken zu lassen. Dann kann es ja weitergehen, die letzten Kilometer nach Kiel. Da warten schon meine beiden großen Töchter auf mich, mal gucken ob der Kahn die Smartphone-Generation vielleicht noch ein bisschen begeistern kann. Immerhin habe ich ihnen damals auch Lieder vorgesungen, Lieder von großen Autos und Kleinwagen, die als Altglascontainer benutzt wurden, weil man die Fenster offen gelassen hatte. Hoffentlich hat das geprägt. Vielleicht zieht auch das Argument, dass dieses Auto mit fast 6 Metern Länge und über 2 Metern Breite mehr Quadratmeter über die Straßen wuchtet als Papa in seinem ersten Zimmerchen damals während seiner Ausbildung in Kiel zur Verfügung hatte. Hier fahren 12, ich hatte nur 9. Mal sehen.

Das rollende WG-Zimmer

Wohnraum und Lounge in einem

Langsam gehen mir auch die Lieder aus. So-ho ste-heeet auch mir der Sinn ♫ in die weite weite Weeelt. Aber erst morgen. Morgen geht es mit Harm nach Lensahn zum US Car Treffen am Chrome Diner. Ich freu mich drauf, Harm hat mindestens genau so bekloppte Geschichten an Bord wie ich meine Lieder aus der Mundorgel und die Zeit wird nicht ausreichen, über alles zu quatschen, was es zu bequatschen gäbe. Aber dazu morgen mehr. Nun ist es inzwischen 7 Uhr, ich bin in Kiel und die Tankanzeige scheint tatsächlich kaputt zu sein, ein Viertel ist angeblich schon raus. Blöd. Das muss ich Marc morgen Abend mal sagen.

Müde und ziemlich beeindruckt von diesem wunderbaren Auto lasse ich mich begrillen und lausche dem proseccoseligen Gegacker meiner Nachbarinnen. Die ebenfalls anwesenden Jungs sind dem klassischen Kraftfahrzeug auch nicht abgeneigt, einer von ihnen hat einen begehrenswerten Opel Commodore A unten vor der Einfahrt stehen. Vielleicht hätte ich nicht rüberrufen sollen: “Na? Wer hat heute Abend den Größten???” Denn schon stagniert das Gegacker und es entbrennt der Wunsch der Trinkenden, mit dem “Größten” zur Maifeier ans Hindenburgufer gebracht zu werden. Statt mit dem Taxi. Aber davon erzähle ich morgen. Heute bin ich erstmal froh und glücklich, schadenfrei angekommen zu sein. Das verlängert meine Lebenserwartung :-) Und hey – ein Cadillac verändert den Menschen. Size matters, glauben Sie mir.

Sandmann

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Created Freitag, 02. Mai 2014 Tags 1969 | Big Block | cadillac | DeVille | Fremde Federungen | Gas Guzzler | Saurier Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz

24 Apr 2014
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Angemessen eingetopft

Angemessen eingetopft

Gänseblümchen kann ja jeder…

Grünpflanzen heben die Stimmung, sorgen für gute Luft und verbessern ganz allgemein das Wohnklima. Sowohl im stickigen Eigenheim als auch im vollgepupsten Kraftfahrzeug. Das gilt nicht nur für die grauen 50er, als die berühmte Blumenvase im VW Käfer modern wurde, das ist auch heute in Zeiten noch eine gültige Bauernregel. Nun fahre ich im Alltag keinen Käfer (schade…) sondern eine E-Klasse mit langem Heck, einen S210, und da ist alles ein bisschen größer. Der selbstzündende Motor, der unermessliche Stauraum, die … äh … Blumenvase. Man muss ja mit der Zeit gehen, und im Jahr 2014 kommt es eben doch auf die Größe an. 8-) Oder?

Hm. Na ja. Ich weiß noch nicht so recht.

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schöne alte Käferzeit

Das florale Zubehörteil für das volksnahe Krabbelchen oder seine wanna-be-Nachfolger gibt es noch immer von der Firma Kamei, es ist heute nicht mehr aus Keramik und es passt noch immer nur ein klitzekleines Sträußchen rein. Oder ein Gänseblümchen vom Wegesrand. Der Luftverbesserungsfaktor ist nicht zu vergleichen mit dem eines südamerikanischen Regenwaldes oder den Weltmeeren, aber es sieht schön aus. Ganz seltsame Menschen stecken sich da auch gern mal was blühendes aus Plastik rein, vor allem wenn sie keinen Käfer sondern einen New Beetle fahren, das finde ich ungefähr so sexy wie eine aufgesteckte Doppelauspuff-Blende beim 70-PS-Astra. Egal. Die Rundumsicht ist weiterhin gewährleistet, der Wasserverbrauch liegt pro Tag ungefähr bei dem eines durchschnittlichen Goldhamsters und die ohnehin schon gute Laune wird Kilometer für Kilometer leicht angehoben. Lasst Blumen sprechen. Laber Rhabarber.

Moderne Zeiten

Moderne Zeiten

Die Blumenvase in meinem alten Taxi ist endlich wieder aus Keramik, zwar auch nicht von Kamei sondern aus dem Baumarkt, aber authentisch und massiv :-) Darin befindet sich ein… äh, nun, das ist ein… ich weiß es nicht. Das Ding heißt schon seit Jahren wegen seiner Blattform “Ufo-Pflanze” und stammt von einem kleinen, emsigen Ableger aus Berlin. Einmal in der Muttererde angewachsen, kennt es keinen Halt mehr. Vergleichen wir es mit dem Gänseblümchen im Käfer, fallen sofort Gegensätze und Parallelen auf. Wobei die Parallelen schnell aufgezählt sind: Es ist eine Pflanze in einem Gefäß. Das war’s dann auch schon. Anders als bei der dezent eingewässerten Einzel-Primel ist meine Ufo-Pflanze in Sachen Sauerstoffhaushalt allein schon aufgrund ihrer Größe gegenüber einem Stück Regenwald durchaus konkurrenzfähig. Oder mit den Weltmeeren, auch was ihren Durst betrifft. Das Ding zieht am Tag mehr Wasser als ein Kamel in der Wüste und trocknet den Innenraum meines Autos besser als jede Klimaanlage.

Angemessen eingetopft

Sind wir noch auf der Straße…?

Das mit der Rundumsicht muss allerdings in Frage gestellt werden. Zu den Seiten und nach hinten raus kann ich super gucken. Nach vorn ist die Sicht ein wenig eingeschränkt, dafür fühle ich mich aber anregend umgeben von frischem, grünen Leben. Das ist doch auch was feines. Ob es allerdings die Laune hebt muss ich erst noch auf einem Langstreckentest ergründen. Diese moderne, größenmäßig angepasste Blumenvase behindert den Lenkvorgang ein wenig, was vorhin zu einigen unangenehmen Schlenkern auf einer dafür nicht vorgesehenen schmalen zweispurigen Hauptverkehrsstraße im Herzen Hamburgs geführt hat. Andere Menschen haben auch schöne Hupen. Man wundert sich. Darüber hinaus kann ich nicht gänzlich ausschließen, dass durch das nach vorn eingeschränkte Sichtfeld tendenziell Menschenleben auf Fahrrädern gefährdet werden. Aber was soll ich machen? Wo soll sie denn sonst hin? Die kleine Kamei-Vase klebt laut Bedienungsanleitung satt und fest mit einem Saugnapf am Armaturenbrett. Meine aktuelle Variante wiegt mit Erde und Topf rund 8 Kilo, dieser Saugnapf muss erst noch geboren werden. Und das passende Armaturenbrett auch. Ist ja alles aus Plastik heute, also, alles bis auf meine Vase.

Angemessen eingetopft

Vielleicht doch eine andere Lösung?

Mist. Ich muss das nochmal überdenken. Pro und Contra abwiegen (abwägen? wie sagt man?) und dann vielleicht irgend etwas im direkten Umfeld meiner vorderen Sitze anpflanzen, was weniger die Sicht versperrt und vor allem nicht so viel Pflege benötigt. Bis dahin wandert die Ufo-Pflanze in die Küche der Casa Sandmann. Möge sie dort wachsen und gedeihen. Grün ist die Hoffnung. Haben Sie Blumen im Auto? Und kann mir irgend jemand sagen, was das für eine Grünpflanze ist? Gründaumige Grüße und schon jetzt ein schönes Wochenende wünscht:

Sandmann

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Created Donnerstag, 24. April 2014 Tags 50er | Armaturenbrett | Blumenvase | Gänseblümchen | Grünpflanze | Ich fahr... TAXI! | käfer | Kamei | taxi | Vase Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
22 Apr 2014
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Weg mit dem Dreck

Weg mit dem Dreck

Gut festhalten, Jungs

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. 2014 wird nicht nur mein Leben aufgeräumt (ich bin gerade dabei), sondern auch das Umfeld der Casa Sandmann. Das betraf unter anderem einen… nun… ich nenne es mal “Wintergarten” hinter meinem kleinen Häuschen in Kiel, der jetzt endlich mal weg sollte. Umhauen. Rumms Bumms. Problem: Ich kleiner Messie hab da immer schön alles reingestapelt, was ich in Ermangelung eines Dachbodens grad nicht im Haus haben wollte. 10 Jahre lang. Also raus mit dem Kram, und du jemineh, was man da alles findet :-) Und wozu Spülmaschinen dann so gut sind. *hach*

Ich habe schon vor zwei oder drei Jahren begonnen, vermoderte Teile meiner jüngeren Vergangenheit zu entsorgen. Meine zwei Schuppen im Garten und mein leider feuchter Keller haben mich da tatkräftig bei unterstützt, ich musste nur den Krams lange genug drin liegen lassen, dann war alles so schimmelig dass es in den Müll wanderte.

Weg mit dem Dreck

Sherriff… da geht doch noch was.

Aber irgendwann stößt man auf den Kern, auf die Sachen, die einem entweder am Herzen hängen, weil sie aus der eigenen liebgewonnenen Vergangenheit kommen oder weil sie einfach zu schade sind, um sie vermodern zu lassen oder gar wegzuschmeißen. Mir geht das so mit Büchern, Stofftieren und mit allem vorhandenen Spielzeug. Vertreter dieser drei Kategorien mag ich niemals wegwerfen. Also habe ich schon einmal im Vorfeld acht Bananenkartons randvoll mit Büchern in meinen Daimler geladen und einem Sozialkaufhaus in der Kieler Innenstadt gespendet. Dafür bekam ich einen Gutschein über 10% Rabatt auf alle meine Einkäufe :-) Das Leben ist schön, auch wenn ich diesen Gutschein nie einlösen werde. Die Stofftiere habe ich gewaschen, ein Teil von ihnen ist in die Arme meines viertelfinnischen Sandmädchens gewandert, die anderen zum Roten Kreuz. Vielleicht erfreuen sie eines Tages Kinder, die ansonsten nicht so viel Fröhlichkeit erfahren. Bleibt das Spielzeug.
Bei dem Kram aus meiner eigenen Kindheit bin ich ja eigen. Die Sachen, die es noch gibt behandel ich teilweise wie Reliquien, aber das ist eine andere Geschichte. Hier und heute finde ich noch einen ganzen Sack mit Playmobil Figuren aller Farben und Formen, Bauarbeiter, Kinder, Eltern, Cowboys und einen Sherriff. Die hab ich wohl mal auf irgend einem Flohmarkt gekauft, in einer Zeit, in der ich an keiner günstigen Gelegenheit vorbeigehen konnte. Deshalb war dieser Wintergarten ja auch so zugemüllt.

Weg mit dem Dreck

immer schön der Reihe nach

Playmobil, wenn sie bemalt und bespielt sind, kannst du bei ebay nicht verkaufen, das wird dann wieder so eine Auktion, wo vier verstörte Anthroposophen-Mütter dir 42 Fragen zum Artikel und seiner Umweltverträglichkeit stellen, um dann am Ende die Auktion für 1,00 Euro zu gewinnen und noch an den 2,90 Euro Versandkosten rumzumeckern. Nee danke, damit bin ich durch. Und dreckig sind die Jungs, ich sach euch das. Die praktisch veranlagte Halbfinnin an meiner Seite hat eine quasi glänzende Idee: Ab in die Spülmaschine mit den Kollegen. Ja, in voller Bekleidung, und das tollste daran ist: Die können sich in den Besteckkästen auch noch mit ihren kleinen Grapsch-Fingern selbst festhalten :-) Playmobil ist einfach großartig. Am Boden der Baumwolltüte finde ich noch vier längst verschollen geglaubte Gummiautos. Kennen Sie noch Gummiautos? So irgendwie weich und aus einem Stück und mit rollenden Rädern, ich habe damit damals in der Sandkiste gespielt, deshalb sind die Achsen auch ganz verrostet.

Weg mit dem Dreck

Gummiautos. Cool.

Ach was soll’s, auch rein damit in die gute Bosch. Irgendwo in meinem “Petterson”-Schuppen (ich nenn den so, weil er irgendwie so aussieht) hab ich auch noch einen Gummi-Taunus. Ein Coupé. Egal. Da sind noch ganz andere Sachen drin, die hier alle gar nicht reinpassen würden. Tab rein, Klappe zu, Vollgas – und nach einer Stunde sind die Plastikteile porentief rein und duften angenehm nach einem dieser 18-in-1-Reiniger. Dafür liebe ich mein halbfinnisches Fräulein Altona. Sie hat manchmal echt gute Ideen :-) Der Meute ist sauber, ich weiß noch immer nicht wohin damit aber sie ist sauber.
Was haben Sie denn schon mal so alles durch die Spülmaschine gejagt? Irgendwelche Tipps für mich? Ich bin auf den Geschmack gekommen! Und den Rest von meinem Leben bekomme ich auch noch klargespült, keine Sorge.

Sandmann

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Created Dienstag, 22. April 2014 Tags Absurdistan | Gummiauto | Gummiautos | Playmo | playmobil | reinigen | sauber | spülen | Spülmaschine Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
16 Apr 2014
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Fehlgezündet

Fehlgezündet

Schlechte Laune kommt irgendwann von allein…

Vorsprung durch Technik hieß es vor fast 40 Jahren bei Audi. Viel Technik ist gar nicht dran an den innovativen Vorreitern aus Neckarsulm, jedenfalls nicht aus heutiger Sicht. Was eben 1977 so state of the art war, eine Zündspule mit Kondensator, ein Unterbrecher, Kappe, Finger, Kerzen. Gegenüber ein 2B3 Vergaser, Zenith, Pierburg, Unterdruckdosen, was weiß ich. Das Konglomerat aus Funken, Schlürfen und geleitetem Benzin hat es heute auf meine gute Laune abgesehen, denn die alle zusammen wollen nicht so wie sie sollen. Und keiner kann mir direkt und akut helfen. Was für ein Scheißtag :-(

Das Audi Zentrum in Hamburg, ehemals Raffay, bekleckert sich momentan auf der Kommunikatinsebene nicht mit Ruhm. Ich hatte schon vor 10 Tagen freundlich und umfassend per Mail angefragt, ob ich a) den Dottore mal in seiner “Geburtsstätte” grundeinstellen lassen kann, also Zündung und Vergaser, und ob man b) diesbezüglich und für weitere Wartungsarbeiten nicht an einer Kooperation interessiert sei. Und hab mich als Journalist im automobilen Printbereich und Blogger in meiner Welt zu erkennen gegeben. Fein. Nach einer Woche und drei mal telefonisch nachhaken hat mich die Dame für Public Relations freundlich an die Pressereferentin weitergereicht. Also habe ich meine Mail noch einmal formuliert. Und bekomme bis heute keine Antwort. So lange säuft der kleine Vierzylinder aber wie ein Loch, rußt, spuckt und spotzt beim Gasgeben und eiert unrund bei Halblast. Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt, ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass man bei Ex-Raffay nicht interessiert ist an Geschichten über ein Auto, was 1977 dort neu gekauft wurde? Eine preiswertere Werbung gibt es doch gar nicht, ich will doch nur dass er wieder läuft…

Fehlgezündet

nochmal von Vorn

Ein Kumpel von mir im Porsche Zentrum Hamburg ist zwar spontan von der Idee begeistert, den Motor des Dottore (der auch im Porsche 924 verbaut wurde) bei denen durchzumessen und einzustellen, musste aber nach kurzer Euphorie feststellen, dass seit dem vergangenen Jahr die alten Bosch Tester alle entsorgt worden sind. Es gibt nur noch Motortester mit Fehlerspeicherausleser und Diagnosestecker, aber keine Strobolampe mehr. Krass. Dabei hätten der diamantsilberne Audi 100 und das Porsche Zentrum ein gutes Bild abgegeben. Schade.

Also habe ich heute Früh noch einen nagelneuen Flansch unter den revidierten Vergaser gesetzt (um hier Nebenluft auszuschließen) und bin zur freien Werkstatt meines Vertrauens in Kiel gefahren. Zündung ist okay, 10 Grad, passt. Vergaser ist nicht okay, 13% CO Gehalt!! Kein Wunder, dass der entschleunigende Viertürer so geräuchert und gesoffen hat. Normal sind 0,2 oder so. Beim stoßweise Gas geben kam dem Mechaniker und mir jedes mal eine feine Stichflamme aus dem Vergaser entgegen und einen Knall wie im besten Tarantino Film. Irgendwie Cool. Aber in der Sache doof.

Fehlgezündet

das einzige Beweisbild…

Drehen an der CO Schraube hat keine Besserung gebracht, auch bei Vollgas sind die Werte im Motortester nicht runtergegangen. Der Auspuff ist inzwischen total verrußt und der Asphalt hinter und unter ihm sieht aus wie ein Schlachtfeld.
Der arme Klaus, seines Zeichens Vergaserüberholer und “Verursacher” meines gereinigten und neu abgedichteten Registerklotzes, hat mich sofort mit Bildern versorgt, was man wo alles prüfen und einstellen kann und gleich gemutmaßt, dass ein nicht überprüftes Anreicherungsventil im Fuß des 2B3 Schuld sein könnte. Er habe das noch neu liegen und würde den Vergaser natürlich sofort noch einmal überarbeiten.

Fehlgezündet

Theorie und Praxis

Der Mann ist sagenhaft, aber das hilft mir hier und jetzt nicht.
Weil ich nicht mit 20 Litern Super auf 100 Kilometern von Kiel nach Hamburg fahren will bin ich nach Hause in die Casa Sandmann gehüstelt und habe – inzwischen sehr routiniert – den alten Vergaser wieder draufgebaut. Der Wagen sprang an und lief auch, also hab ich nochmal selbstüberschätzend nach dem Unterbrecherabstand im Verteiler geguckt und den für ein bisschen zu klein befunden. 0.4 soll er sein, also wird er mit einer alten Fühlerblattlehre auf 0.4 eingestellt — und danach geht GAR nichts mehr :-( Orgeln, kein Zünden, nicht mal ein Husten, überhaupt nichts!

Argh

Völlig paranoid vermute ich den Fehler selbstverursacht im Unterbrecher und drehe ihn wieder ein bisschen zurück, das hat aber auch nichts gebracht. Na geil. Faxen dicke, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit und muss hier nachher auch wieder weg. ADAC rufen. Ha.

Der Kollege mit dem gelben Auto ist extrem entspannt, hat erstmal den Audi rundrum bewundert und sich dies und das über Vorgänger und Nachfolger erklären lassen. Er orakelt, wen ein derartiger Vergasermotor GAR nicht anspringt, also nicht mal hustet und spuckt, ist es eigentlich niemals der Vergaser, sondern die Zündung. Also checkt er Kappe, Unterbrecher und Finger und findet nach Abziehen der Hauptleitung auch einen Zündfunken. Das ist ja schonmal gut. Dann setzt er auf das erste Zündkabel seinen Tester und bittet mich, mal zu starten. Und was macht der Drecks-Dottore? Springt auf Anhieb an, sogar auf nur drei Zylindern! Also wieder aus, vierten Stecker auch wieder auf die Kerze und nochmal starten… und er läuft rund wie aus dem Laden… :roll:

Fehlgezündet

Töchterchens Auftritt

Wir haben dann noch 15 Minuten philosophiert, der gelbe Engel ist echt ein netter gelber Engel. Helfen kann er mir zwar nicht, aber der Wagen läuft wieder. Wenn ich jetzt noch Kondensator und Zündspule austausche ist eigentlich die ganze Zündung neu…
Ich habe ein bisschen hilflos noch die Kontakte an der Spule blank geschliffen und neu verschraubt und wieder alles zusammen gebaut. Die Ferien habende Horde meiner Tochter und ihrer Freundinnen braucht den Wagen für ein kleines Filmprojekt. Mit 13 kann man schon alte Autos fahren. Aber das ist eine andere Geschichte. Na ja, und bei der Probefahrt habe ich die üblichen Probleme, wegen denen mir Vergaser-Klaus den überarbeiteten Vergaser geschickt hat. Bocken beim Gas geben, unruhiger, ruckiger Lauf bei Halblast, räuchern und verschlucken beim Durchtreten. :-( Morgen früh geht es mit dem “alten” Vergaser nochmal an den Abgastester, den “neuen” Vergaser bekommt Klaus nochmal auf den Tisch und irgendwann wird irgend ein Fehler gefunden sein. Zum Aufgeben ist es jetzt zu spät ;-) Mal sehen ob Audi sich noch meldet.
Schockt echt nicht, wenn der Hobel so scheiße läuft…

Schönes Osterfest euch allen!

Sandmann

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Created Mittwoch, 16. April 2014 Tags Abgas | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | CO2 | einstellen | Finger | Kappe | motor | Registervergaser | Typ 43 | unrund | Unterbrecherkontakt | Vergaser | Verteiler | Zenith | zu fett | Zündung Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
12 Apr 2014
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Sich Schrott Leisten

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Ich könnte heulen

Die Titel werden immer kryptischer, oder? :-) Na gut, ich erklär das mal. Ich hab einen Leistenbruch und brauche Ersatz. Nein? Doch. Halt. Zwei Falschaussagen, nein, drei. Nicht ICH habe einen Leistenbruch sondern mein alter Mercedes. Genau genommen handelt es sich um die Einstiegsleiste der hinteren rechten Tür, sie ist auch nicht gebrochen sondern nur weg. Verschwunden. Und Ersatz BRAUCHE ich nicht, ich WILL ihn. Haben Sie den Faden nun komplett verloren? Ich fasse zusammen: Ich hab mal wieder Bock, zwischen alten Autos auf dem Schrottplatz rumzuklettern. Also los.

Looooove, loooove will tear us apart one day ♫ Oder Rost. Oder das Alter.

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Ein Paralleluniversum

Es gibt sie noch, die Autoverwerter, bei denen man auch selbst schrauben darf. In Kiel haben wir einen, der ist besser gesichert als der Jugendknast in Schleswig. Aber wenn man wie ich ein freundliches Gesicht hat, am Eingang einen klaren Wunsch verbalisiert (“Leiste Tür hinten rechts, W210″), keine riesigen Werkzeugtaschen mit reinnimmt und den Retina-Eyescan sowie den genetischen Fingerabdrucktest besteht wird man auf den Platz gelassen. “Da stehen noch zwei von irgendwo rum, musst du mal gucken“. Schatzsuche 2014, ein bisschen wie Ostern, die bunten Eier sind geschickt zwischen, über und unter den Eiern anderen Marken versteckt. Allein das macht schon Spaß :-D Ich muss an SeineKleineSchwester denken, die am Wochenende immer nach Geocaches sucht. Ist so ähnlich hier, nur die stumpfe Variante für Männer. Kein GPS, der Schatz muss mit den bloßen Augen gefunden werden. Da ist einer! Eine Limousine, vorMOPF, schöne Farbe. Mal sehen was mein Taxi da noch alles von gebrauchen kann!

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ehemals stolz und edel, jetzt ein Jammerbild

Hm. Ich bin nicht der erste, der hier im Goldrausch wildert. Auch das macht die Schatzsuche interessant, ich muss nicht nur das Osterei selbst finden, ich kann mir auch nicht pauschal sicher sein, ob ich seine Füllung mag. Cool. Abgesehen davon, dass mir einige fehlende Teile beim hier vor sich hinsterbenden Mittelklassedampfer einen tiefen, nicht uninteressanten Einblick in die verborgenen Eingeweide des W210 gewähren fallen mir tatsächlich noch ein paar Sachen ein, die ich fernab der Leiste brauchen könnte. Einen Rückspiegel links außen, einen neuen Innenspiegel (meiner ist blind und von so einem ATU Überzieher-Teil verunstaltet), Leselampen im Wagenhimmel, die sich auch anschalten lassen… Aber alles ist hier schon abgebaut :roll: Keine Außenspiegel mehr vorhanden, offensichtlich ein sehr begehrtes Teil. Meinen habe ich eigenhändig zerbrochen und hielt mich für bescheuerter als die anderen. Und die Innenspiegel verstehe ich nicht, wie sind die festgeschraubt? Na egal, ein neuer Innenspiegel wird sich auch woanders auftreiben lassen. Ich will ja auch nichts kaputt machen hier, so wie die anderen…

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Alles schon weg…

Die Innenräume des altehrenwürdigen Daimler sind durch das wildernde Volk und das norddeutsche Wetter schon sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier holt sich jeder nur das raus, was er braucht, alles auf dem Weg dahin wird rausgerissen oder abgebrochen. Die Airbags sind explodiert oder ausgebaut. Dichtungen hängen lose im Türrahmen, das Handschuhfach ist rausgebrochen und der Fußraum mit Schrauben übersät. Der ganze Wurzelholzkram, den ich noch vor einem halben Jahr für die Mittelkonsole suchte ist paradoxerweise komplett vorhanden. Tachos, Schalter, alles da, aber das geht ja auch nie kaputt bei diesen Kisten. Auch ein Automatik-Schaltbock ist noch drin, aber bevor ich den ausgebaut habe ist die Sonne untergegangen… Und der gefundenen Sternenkreuzer hat ein Schiebedach :-( Das bedeutet, dass die Lämpchen oben im Dach über dem Spiegel nicht passen. Ich bin sagenhaft erfolglos. Desinteressiert finde ich noch zwei lückenlose, komplette Bordbücher und lasse sie liegen. Was soll ich damit?

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Wie in einem technischen Irrgarten

Hinter dem zweiten Fund, sogar einem T-Modell, steht in oberster Reihe überraschend ein Trabi. Wow, selten, inzwischen. Aber nicht meine Welt. In der Heckklappe des dreimal so großen dunkelblauen Stuttgarters ist sogar noch das Schloss mit ZV drin. Bei mir schließt das nicht immer. Also, selten. Sozusagen nie. Ich glaube ich muss nochmal herkommen ;-) Während ich so gazellengleich zwischen den gestapelten Reihen vergessenen Altblechs umherhopse und hier und da mal hochkletter und in die geplünderten Innenräume luscher fällt mir meine Ursprungsmission ein: Leiste hinten rechts. Ach ja. Wie überflüssig eigentlich, der Wagen fährt auch sehr gut ohne die. Ich nehme mir noch einmal das dunkelblaue Raumwunder vor und denke beiläufig, dass es doch wirklich schönere Farben als dieses Taxi-Elfenbein gibt. Hm. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Leiste ist in zwei Minuten vorsichtig aus ihren drei Plastiknuppsis rausgehebelt, die drei Plastiknuppsis folgen sogleich und wandern unzerbrochen in meine Hosentasche. Keine Außenspiegel an dem T-Modell. Und ein Schiebedach. Tandaradei.

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ordentlich was geleistet

Ich bin ja auch nicht in erster Linie hier, um mein altes Auto wieder zum Laufen zu bekommen. Das läuft ja. Nennen wir es mal einen “Marktcheck” nach langer Abstinenz, sinnvoll begründet durch die Mitnahme eines kleinen, preiswerten Anbauteils. Ich schleiche gedankenverloren noch ein bisschen mit meinen beiden Schraubendrehern zwischen den Reihen umher und finde es immer wieder faszinierend, was Menschen für Autos wegwerfen und was vor allem andere Menschen von diesen Autos dann noch alles abbauen! Und WO Autos überall rosten können, und ich spreche hier nicht von den beiden Daimlern. Sagenhaft. Ich bin gern hier. Da hinten liegt eine S-Klasse auf einem Mondeo, daneben ein W124 T-Modell auf einem Passat. Es gibt in der Autoverwertung keine Klassenunterschiede. Es riecht nach Öl und Moder, und jede Schatzsuche endet mit einem kleinen Erfolg, der das eigene Auto ein bisschen heiler macht. Für die einen ist es Schrott, für die anderen sind es Ersatzteile. Die einen sind froh, ihre alte tüvfällige Scheißkarre loszuwerden und die anderen verdienen damit einen Haufen Geld. Ein gutes Geschäftsmodell, mal sehen, wie lange das noch funktioniert in einer alles recycelnden Welt voller Elektronik.

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Mission erfolgreich

Eigentlich mache ich mir viel zu viele Gedanken über alte Autos. Ein paar Dinge muss ich bei meinem für den nächsten TÜV aber wirklich noch ersetzen. Die hinteren Dämpfer der Niveauregulierung brauchen neue “Bulleneier”, der manchmal aushakende Automatikhebel auf der Mittelkonsole soll das nicht mehr machen und das Schloss in der Heckklappe soll sich wieder automatisch schließen. Das wird wohl nur ein kleiner Unterdruckschlauch sein. Mehr nicht. Vieles an diesem Wagen ist hässlich und rostig, aber na und? Er fährt super mit Diesel, ist sparsam und gibt einem hinter der geschwungenen Haube dieses unvergleichliche Gefühl, wie es wohl nur ein Mercedes kann. Auch wenn er wirklich alt ist und billig war :-) Die Zierleiste ist jedenfalls drin, 5€ für einen etwas weniger kaputt aussehenden Einstieg. Und der alte Benz läuft gleich ein bisschen besser. Ich habe das Gefühl, er lächelt ein bisschen….

Sandmann

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Created Samstag, 12. April 2014 Tags Autverwertung | Einstiegsleiste | Ich fahr... TAXI! | rückspiegel | S210 | Schaltbock | Schrottplatz | Sternstunden | W210 Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
07 Apr 2014
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Er macht Musik

Carpe diem

Carpe diem

Fototermin mit einem sehr speziellen Porsche und einem sehr speziellen Typen. Der ist mit seinen 35 Jahren ein bisschen überrascht, allein im vergangenen Jahr zwölf Mal in der BRAVO gewesen zu sein. Tom Beck geht optisch als einwandfreier Leckerbissen durch. Während ich noch überlege vor wie vielen Jahren ich das letzte mal “Cobra 11″ geguckt habe :roll: drückt er meine Hand fest und stahlt ein Lächeln aus, dass ich ihm am liebsten sofort ein Bier spendieren würde. Oder’n Kaffee. Dann mach ich das doch einfach mal. Es gibt mindestens drei gute Gründe, diesen Mann vielleicht zu kennen und irgendwo außerhalb des TV schon mal gesehen zu haben.

Er macht Musik

Na dann erzähl doch mal…

Grund 1: Man war vor langer Zeit mal auf einer Veranstaltung, die er mit Musik beschallt hat. Wer weiß? Tom spielt seit seinem fünften Lebensjahr Akkordeon und Orgel, außerdem noch Klavier, Gitarre und Schlagzeug. Kaum stand er einigermaßen auf seinen eigenen Beinen, verdiente er ein hervorragendes Beibrot als Alleinunterhalter auf Ü-70-Veranstaltungen dazu – mit dem ganzen Equipment, was dazu nötig ist, hinten drin im roten Passat Variant von 1983, den ihm seine Eltern zum 18. Geburtstag geschenkt hatten. Der war wesentlich hässlicher als seine erste Freundin, aber ein durch und durch praktisches Auto. Perfekt geeignet auch für kleine Fluchten, wenn er sich nach dem schwermütigen La-Paloma-Geschwoofe der Festgesellschaft vor den ganzen gleichaltrigen Enkeln der Veranstalter zurückziehen wollte, die ihn in ihren Slayer- und Overkill-Kutten schweigend und verständnislos anglotzten. In dem Passat konnte man auch gern mal zu sechst schlafen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Er macht Musik

Späte Ehre für eine alte Gitarre

Es klingelt noch nicht? Verstehe ich gar nicht ;-) Dann zieht vielleicht Grund 2: Wir holen etwas aus – es musste immer Musik sein. Die Instrumente, die er spielt, die Musik von Elvis im Ohr, die vielen Geschichten und der Groove – das muss raus, da muss was draus gemacht werden. Tom hält jede Melodie, die ihm in den Kopf kommt, entweder auf seinem iPhone fest – oder er klimpert sie gleich auf seiner immer präsenten Gitarre in eine erste grobe Form. Die englischen Texte kommen dann später dazu, je nach Stimmung und den Phrasen, die ihn gerade beschäftigen. Sein erstes Album Superficial Animal kam 2011 und ist ein Mix aus Westcoast Rock mit Blues und Soulelementen. Eine große Portion des American Way of Life, den er lebt und bewundert.

Er macht Musik

Irgendwo haben wir noch eine Gitarre…

Noch während ihm sein Erstlingswerk Auftritte im Fernsehen, bei Rock am Ring und Rock im Park beschert, bastelt der junge Mann gleich weiter am Nachfolgealbum.  Das zweite Werk Americanized ist erwachsener und weniger überfrachtet vom Pathos der ersten CD. Es sind Stücke seiner Seele, eingefangen in den geschichtsträchtigen “Quad Studios” in Nashville/Tennessee, wo noch die Geister von Elvis Presley und Johnny Cash in die Mikrofone hauchen. Tom hat die besten Musiker für diese CD rangeholt. Der Drummer, der einst für John Mayer und Jason Mraz trommelte, spielt jetzt für Genesis. Der Bassist ist gerade mit Keith Urban unterwegs. Das sind ganz andere Nummern als Tante Lene und Onkel Walter, die im Dorfkrug ihre Silberhochzeit mit der Orgel befeuern lassen… Es klingt jetzt fetter, und inzwischen füllt Tom die Hallen komplett. Die sehr erwachsene Musik lockt in Verbindung mit dem Sänger Mütter mit ihren Töchtern gleichermaßen an und macht jeden Gig zur Traum-Datingbörse für Männer jeden Alters. Aber das muss sich trotz ausverkaufter Häuser bei den Jungs noch rumsprechen.

Er macht Musik

Vollgas für den Fotografen

Sie warten noch auf Grund 3, richtig? Der liegt eigentlich auf der Hand – Autos. Und zwar mit richtig BUMMS und KRACH. Tom Beck spielt seit 2008 den Autobahn-Cop Ben Jäger an der Seite von Erdogan Atalay in der RTL-Serie Alarm für Cobra 11. Passt das zu dem Musiker? Na klar. Eigentlich fährt Tom selbst sehr gern Auto, sei es (als Wahl-Kölner) zu seinen Eltern nach Nürnberg oder auch auf seinen Touren durch die USA entlang endloser Highways. Dabei hört er Musik, auch seine eigene, feiert sich dann richtig ab und schmettert die Texte durchs Auto. Nie gab es aber eine wirkliche Beziehung zwischen ihm und seinen Kisten, die waren immer nur praktisch orientiert (wegen der Zulademöglichkeiten in Sachen Orgel). Klar mag er auch schöne alte Autos, ein Freund von ihm in Köln hat einen Diplomat V8, mit dem sie manchmal durch die Stadt gullern 8-)

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Alarm. Diesmal für Cobra 11

Tom Beck ist Schauspieler, kein Polizist. Das verstehen einige Zeitgenossen im realen Leben nicht immer und kritisieren die Realitätsfremde der Serie, die jede Woche mehr als vier Millionen Zuschauer vor den Fernseher lockt. Es geht um reine Action, um fliegende Autos und gewaltige Explosionen. Das hat mit einem echten Polizeialltag ungefähr so viel zu tun wie ein Multipla Fiat mit gutem Geschmack, aber wer es beamten-realistisch möchte kann sich gern das “Großstadtrevier” angucken. Auch wenn der fast schon selbstironische Bruce-Willis-Style der ersten Staffeln sich inzwischen beruhigt hat, waren die 160 Drehtage pro Jahr noch immer Knochenarbeit. Tom fährt oft selbst, hängt an Helikoptern und ist mit ganzem Körpereinsatz an der Seite seines Kollegen. Die wirklich gefährlichen Szenen werden von Stuntmen gedeckelt, allein schon weil sonst die Versicherungen blass werden. Sprünge mit den Autos… äh… darf Tom jetzt auch nicht mehr machen.

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Vollgas an allen vorbei

Jede Folge beinhaltet meist ein exotisches, schnelles Hauptfahrzeug, was bei Gut oder Böse eine besondere Rolle spielt. Ich erinnere mich an so den einen oder anderen Audi V8, der unter den Tränen des Audi-Forums geschrottet wurde. Alle Autos, die in Feuerbällen oder in quergestellten Bussen havarieren, waren aber ohnehin meistens nur noch bedingt fahrtauglich, und die Cops jagen die Bösen mit neuen 3er-BMW und Mercedes C-Coupés. Autos, Autos, Autos – es ist ja auch die Autobahnpolizei. Wir lassen ihn deshalb einen 78er Porsche 911 am Rand der Hamburger Hafencity über das Kopfsteinpflaster schrubben, während er mir von seinen eigenen Angewohnheiten am Steuer erzählt. Trotz seines chaotischen Schreibtisches im Büro ist Tom im Auto “sauber” geworden, vielleicht liegt das an seinem Markenbotschafter-Seat, den er irgendwann wieder zurückgeben muss. Gut erzogen. Überhaupt echt gut drauf, ich bin ja eigentlich kein Cobra 11 Gucker, jetzt wo er nicht mehr mitspielt sowieso nicht, aber den Typ mag ich :-)

Er macht Musik

Der kann Musik UND Auto

Tom Beck selbst braucht keine Autobahnpolizei, seine kleinen privaten Scharmützel klärt er ganz gern im Rahmen der Gesetze selbst. Und ein einziges Mal gab es sogar schon einen netten Nebeneffekt seines Berufs, als sein Navi ihn auf einer Autobahnauffahrt hat wenden lassen – direkt vor den Kühler der echten Autobahnpolizei. Als die freundlichen Herren sahen, dass sie einen virtuellen Kollegen ertappt hatten, ließen sie ihn freundlich ermahnt seiner Wege ziehen. Diesmal in die richtige Richtung. Ach guck, wie die Zeit vergeht – inzwischen ist das Kamerateam von RTL Nord aufgetaucht, die wollen auch noch ein paar Aufnahmen machen. Also steig ich mal aus dem Porsche aus ;-)

Er macht Musik

RTL Nord greift sich den Musiker

Tom wird in Deutschland immer als der singende Schauspieler gesehen, und die Radiosender nehmen seine wirklich gute Musik deshalb erst gar nicht mit ins Programm. Er war schon immer eher ein schauspielender Musiker! Der Tag ist noch jung, die Sonne scheint…. Im Kofferraum habe ich noch meine gute alte Gitarre liegen, auf der mir schon diese wunderschöne blonde Holländerin damals auf den Kreidefelsen der Calanques in Cassis Lieder von Neil Young vorgesungen hat. Tom, hast du Lust? Na klar hat er. Vor der Graffiti-Wand am alten Verladebahnhof soult er ein wenig vor sich hin, während RTL Nord noch einen Clip für ein Interview dreht. Der Mann hat den Blues, daran besteht kein Zweifel. Und als die von RTL fertig sind….

Er macht Musik

Das alte Holz und der Cop

… singen wir noch ein bisschen zusammen :-) Ich singe mit Tom Beck. Das ist so wie: Ich koche mit Bruce Willis. Oder: Ich laufe Schlittschuh mit Peter Maffay :-D Eigentlich sollten wir zusammen Auto fahren, haben wir ja auch, aber jetzt wissen Sie inzwischen dass er ja eigentlich mehr Musiker als Autobahncop ist. Und irgendwann hat er es auch hinbekommen, mit einer App meine störrische Klampfe zu stimmen. Also wird gesungen, ein paar Stücke seines neuen Albums, irgendwo hab ich auch noch ein Video auf dem iPhone, ich frag ihn mal ob ich das posten darf…. Ein ganz bisschen ehrfürchtig vor dieser geilen Stimme und den groovigen Riffs lasse ich mein Diktiergerät seit den Interviews vorhin nicht los, und nun soll ich auch noch selbst mal was spielen. Er ist der perfekte selbstlose Entertainer ;-)

Er macht Musik

Wish you were here

Aber wtf so oft hat man nicht solche Gelegenheiten. Also sitzen wir vor diesem alten Lagerschuppen am Hafen in der Nachmittagssonne und singen zusammen Pink Floyd’s “Wish you were here“, das singe ich immer wenn ich nervös bin… Tom singt die zweite Stimme. Und die Summe der drei Gründe, warum Sie ihn denn nun vielleicht schon kennen, macht einen vierten Punkt aus. Nämlich den, dass es großartig ist, diesen Mann zu kennen, mit ihm zu sprechen und ihn singen zu hören. Wenn Sie die Gelegenheit haben, ihn live in einem Konzert zu besuchen, empfehle ich das dringend. Und wenn Sie ihn mal im Auto hinter sich haben und merken, dass er es eiliger als Sie hat – dann lassen Sie ihn doch einfach durch. Ein bisschen Benzin hat er im Blut. Und das mischt sich hervorragend mit der Seele der Musik…

Sandmann

www.tom-beck.de
Fotos: Sven Krieger
Den TRÄUME WAGEN Artikel gibt es hier *klick*

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Created Montag, 07. April 2014 Tags Alarm für Cobra 11 | Americanized | Cobra 11 | Gitarre | Hafen | hamburg | Musiker | porsche | Tom Beck | TRÄUME WAGEN Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
02 Apr 2014
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Plug and Play

Plug and Play

Anspringen oder NICHT anspringen?

Wer will denn schon alles verstehen? Ich weiß nicht, wie ein Intel-Prozessor aufgebaut ist, stehe immer wieder mit großen Augen und Ohren vor einem Transistorradio und kenne nicht alle Düsen eines Doppelvergasers. Gerade der ist aber in meinem 1977er Audi 100 zickig und bockt rum wie eine Einjährige, der man in der Sandkiste die Schaufel weggenommen hat. Zerlegen und revidieren? Dafür fehlt mir die Zeit. In die Werkstatt bringen? Dafür fehlt mir das Geld. Aber da ist ja noch ein Kumpel aus dem Audiforum, der sich mit diesen Kraftwerken auskennt und mir einen komplett neu abgedichteten und gereinigten 2B3 Doppelvergaser anbietet. Grundeinstellung, Plug and Play, alten raus und neuen rein und der Wagen müsste eigentlich rund laufen. Hallo Sommerzeit, es ist noch hell, das probiere ich doch gleich mal aus. ♫

*hach* und frühlingshaft warm ist es auch in Hamburg. Endlich mal wieder. Schrauben vor der Haustür war nie angenehmer. Der Motorraum eines Audi 100 Typ 43 C2 ist nicht gerade eine Schlangengrube, ich möchte ihn nach 10 Jahren Audi V8 sogar übersichtlich und aufgeräumt nennen. Man sieht sogar die Straße unter ihm.

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viele Schläuche und viel Platz

Den 2-Liter Vierzylinder mit 85KW bezeichnen Feingeister als einen der schönsten Motoren der damaligen Zeit. Der aus dem alten Mitteldruckmotor herauskonstruierte Klotz (er fand auch im VW LT seinen ächzenden Einsatz und verhalf dem Porsche 924 zum zweifelhaften Ruf des “Hausfrauenporsche” – zumeist von Zeitgenossen, die noch nie so einen Wagen gefahren sind) ist eigentlich rau, genügsam und drehfreudig, wenn der Vergaser ihn lässt. Dieser hier atmende Zenith Fallstrom-Registervergaser wiederum, gemeinsam mit seinen Brüdern 2B2 und 2B5 vom Auto Union C1 bis zum Typ 44 verbaut, gilt als einer der besten Vergaser der Welt. Wenn nicht gar des Universums. Vergaser gibt es schon seit 200 Jahren, und noch vor 100 Jahren war das dann mal eine Kammer, in der wurde zerstäubtes Benzin mit Luft vermischt und dem Zylinder zur Verbrennung zugeführt. Später wurde hier noch was drangebaut, da noch was automatisiert und dort noch die Abgaswerte optimiert – und schon unterscheidet sich das Teil gar nicht mehr so sehr von einem Intel Prozessor. Also ICH steige da jedenfalls nicht durch.

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Hallo, ich bin der Neue

Muss ich aber auch nicht, ich muss mir nur nach Entfernen des Luftfiltergehäuses merken, wo alle diese porösen Unterdruckleitungen nun rein und raus geschlaucht werden. Eine fehlt gleich ganz, die zum Zündverteiler, das könnte erklären, warum ab 140 km/h nix mehr ging. Ich schieße so viele Fotos, damit ich meinem mindestens genau so porösen Hirn eine kleine Schlauch-Stütze geben kann. Jessas. Okay, ich bin ein alter Mann und muss mich mal ordnen. Eine dieser wichtigen Schlürf-Schlangen geht zur Unterdruckdose am Verteiler, das ist die, die inzwischen gegangen ist. Wohin auch immer, ich wünsche ihr ein schönes Leben. Eine schlängelte sich hoch zum Temperraturregler im Luftfilter und liegt jetzt unten auf der Straße, nachdem ich den abgerupft habe, eine geht an den Unterdruckschlauch am Bremskraftverstärker, zwei enden im thermopneumatischen Ventil für die 2. Vergaserstufe und eine am Thermoschalter der Startautomatik. Was für ein Rumgeschlauche.

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Also erstmal raus damit

Letzte Woche frickel ich noch ne Einspritzdüse aus dem dicken Kopf meines Diesels, jetzt kurbel ich so ziemlich an dem genauen Gegenstück zum selbstzündenden Direkteinspritzer. Vergaser gibt es heute nicht mehr, die minütlich strenger werdenden Abgasnormen haben ihnen den Gar ausgemacht (schreibt man das so?). Diese letzten Ausbaustufen der späten 70er und frühen 80er sind wahre mechanische Wunderwerke und genau so wetterfühlig wie die immer kalten Füße jeder zweiten Frau auf diesem Planeten. Leider brauchen sie im Alter auch einen Merlin der Düsen, einen Gandalf der Spaltmaße und einen Miraculix der Einspritzmengen. Wenn man sich mit dem Zaubertrank und seiner Verarbeitung ein paar Tage befasst ist vermutlich alles logisch und besteht aus Metall, Kunststoff und Dichtungen. Wenn man das nicht tut und denen vertraut, die damals in drei Jahren Ausbildung alles über Gemischaufbereitung gelernt haben, ist so ein Doppelvergaser ein kleines Zauberschächtelchen, dass man besser nicht öffnet. Pandora hat das damals trotzdem gemacht hat, und nun haben wir den Salat.

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Neu und Alt, finde 20 Gemeinsamkeiten

Nebenbei finde ich unter dem bratpfannengroßen Luftfilter bis dato nicht entdeckte Besonderheiten wie ein kleines, thermosflaschenartiges Gefäß mit einer Menge Benzin drin und einer Menge Benzinleitungen dran. Es sieht so aus, als hätte da jemand eine unkonventionelle Baumarktlösung auf den Ansaugkrümmer gebastelt. Als ich mit faltiger Stirn und benzingetränkten Fingern die ausgedruckten Seiten aus der omnipotenten Bibel des Hans-Rüdiger Etzold studiere lerne ich, dass es sich hier um das offizielle Reservoir für zu verarbeitenden Kraftstoff handele und alles seine Richtigkeit habe. Hm. Also so eine Art Schwimmerkammer-Vorhof? Dann ist das hier vorn am Kopf also die Benzinpumpe. Ah. Einfach so, gut zugänglich und schön aus Metall – einfach mag ich ja :-) Der alte 2B3 ist raus, dann kommt jetzt der neue rein. Gut, denn es dämmert nämlich langsam und meine vorhin noch großkotzig und völlig selbstüberschätzend prognostizierte Zeitangabe ist mal wieder um 150% überschritten worden. Das gibt Mecker.

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Das Ende ist offen, und nicht nur das Ende

Aber das ist ja irgendwie immer so :-) Mein asthmatischer Patient jedenfalls steht geduldig mit geöffneten Arterien und Venen auf der Straße, unter ihm tröpfelt eine kleine Pfütze Kühlwasser aus den Anschlüssen der Startautomatik und aus dem alten, ausgebauten Vergaser kleckert ein bisschen Super bleifrei. Anwohner führen ihre Hunde gassi, lassen sie ungeniert direkt neben meine Werkzeugkiste mitten auf den Gehweg scheißen und plappern die alten Floskeln, dass sie oder ihre Väter auch mal so einen Wagen hatten. Gute alte Zeiten. Ja ja, euch zwingt doch niemand, einen Toyota Aygo zu fahren?! Die Ansaugbrücke des 2-Liter-Motors lächelt mich sauber und jungfräulich unter der Gummidichtung an. Ach wenn doch der ganze Motor so frisch glänzen würde. Jetzt muss ich nur aus dem alten, oxidierten und schmutzigen Kraftwerk alle Anschlüsse auf das gereinigte und saubere Neuteil umstöpseln – und dann sollte der Dottore wieder laufen…? Ich setze auf rot. Und lasse die Kugel laufen.

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leichte Skepsis und Benzol

Der Gummifuß des schweren Gaswerks scheint noch okay zu sein, na dann mal wieder rauf mit dem neuen Mitarbeiter. Aus einem Rest Benzinleitung und einem übrig gebliebenen Kunststoffschlauch schnitze ich noch das fehlende Unterdruck-Teilstück zum Verteiler, schließe alles an und hänge am Ende den Gaszug wieder ein. Die drei Gewinde, die den Luftfilter halten fehlen an meinem Austauschteil, also drehe ich die noch mit je zwei gekonterten Muttern aus dem alten Vergaser raus und siedel sie in ihrer neuen Heimat an. Wow. Aussehen tut das schonmal gut, aber darauf kommt es ja unter einer 37 Jahre alten Haube nicht wirklich an. Trotzdem macht so ein grundgereinigtes mechanisches Kraftwerk schon beim puren Anblick Freude. Ich sollte mir das mal merken, wenn ich so im Motorraum herumgucke sind da noch ein paar mehr Anbauteile, die auch gern so aussehen würden wie der Vergaser. Vom rostbraunen Bremskraftverstärker über den Ausgleichsbehälter der Servolenkung (wow – Zahnradfabrik Friedrichshafen. ZF!) bis zum Ventildeckel könnte man alles die Tage mal schön polieren und sauber machen. Bald.

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Alles drin, alles dran?

Alle elektrischen Anschlüsse sind dran, Sprit ist da, Starterklappe ist zu (was sie auch sein soll bei kaltem Motor) und ich wische mir an einem alten Lappen grob die schmutzigen Hände sauber. Dann steige ich ein und mache die Zündung an, um mal zu hören, was sich so in Sachen kontrollierte Verbrennung tut. Faites vos jeux.

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Zündung an…

Spannend, gell? ;-) Also ICH finde es spannend, denn jetzt kann von “gar nichts” bis “Explosion tötet gutaussehenden Blogger in Hamburg” alles passieren. Wenn ich nicht andauernd Fotos machen würde wäre ich schon längst oben in der Wohnung beim Abendbrot, aber meine verständnisvolle große Liebe hat mir schon fernmündlich bedeutet, dass ich das hier unten ruhig zu Ende bringen solle. Sie kennt die therapeutische Wirkung von erfolgreichen Schraubereien… also bei mir. Die Gute. Okay, hoffentlich hat sich der Zeitaufwand gelohnt. Die schlappe kleine 44 AH-Stunden Batterie osteuropäischer Herkunft habe ich vergangene Woche nochmal aufgeladen, die hatte im Winter ein bisschen gelitten aber sollte nun genug freie elektrische Ladungsträger durch ein paar Kupferadern zum Anlasser und zur Zündspule senden, wo sie als Starkstrom und Hochspannung letztendlich fossile Brennstoffe in Wärme umwandeln sollen. Teilen wir ihnen also diese Aufgabe zu und schicken sie von Minus nach Plus. Rien ne va plus.

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der Moment der Wahrheit

Die Kugel fällt auf rot. YAYYY :-D Drei Anlasserumdrehungen, und der Motor läuft! Klasse. Und geht wieder aus. Mist. Nochmal gestartet … und er läuft wieder, verschluckt sich, fängt sich und schnurrt dann endgültig vor sich hin. Leider nur, solange mein Fuß ein bisschen auf dem Gaspedal rumdrückt, da muss ich morgen früh wohl nochmal das Standgas einstellen. Aber alles ist gut. Ich konnte wieder einmal vom Segen der einfachen und überschaubaren Technik profitieren, einen Vergaser komplett getauscht habe ich bis dato auch noch nicht. Heute bin ich auch gar nicht sooooo schmutzig geworden, dafür stinke ich nach Benzin wie ein Tankwart in den 70ern. Hätte ich vielleicht meine Schrauberklamotten und nicht die gute Jeans und das schwarze Hemd anziehen sollen? Ach quatsch, das geht schon. Wie spät ist das eigentlich inzwischen? Ich soll glaube ich langsam mal Feierabend machen.

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na bitte, geht doch

Nach 200 Kilometern am folgenden Tag (also… heute…) hab ich noch eine nette kleine To-Do-Liste. Nach der morgendlichen Korrektur des Standgases geht der Dottore nicht mehr an jeder Ampel aus, läuft aber noch immer nicht so wie er soll. Was allerdings auch bei einer Grundeinstellung, die auf der Werkbank und nicht am Auto vorgenommen wurde nicht verwunderlich ist. Das Gas nimmt der Motor nun gut an, ich hab ihn auch zügig bis 170 km/h (nahe Lichtgeschwindigkeit) bekommen, aber im Teillastbetrieb ruckelt er, bockt und läuft nicht rund. Trotz neuer Kappe, neuem Finger und neuer Kerzen, die hab ich dann auch gleich noch am frühen Morgen reingebastelt. Da ist also noch Einstellbedarf, auch ist der Auspuff rußiger als er soll und der Durst für einen Vierzylinder noch immer zu hoch. 10 Liter sind mir zu viel. Ich habe heute mal bei Raffay in Hamburg angerufen, da wurde der Dottore vor 37 Jahren neu gekauft – ob man mir da nicht mal klassisch beim “Freundlichen” den Motor rund einstellen könne. Ich erwarte einen Rückruf von der Dame der Abteilung Public Relations :-) Und wo bitte ist bloß diese Roulettekugel gelandet…? Wir lesen uns.

Sandmann

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Created Mittwoch, 02. April 2014 Tags 1977 | 2-Liter Motor | 2B3 | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Benzin | Etzold | LS | Pierburg | Typ 43 | unrund | Unterdruckschläuche | Vergaser | vierzylinder | Zenith Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
28 Mar 2014
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Mir geht die Düse!

Mir geht die Düse!

Der Schreck sitzt unter der Haube

Zwischen “Motorschaden” und “Sonntagsschrauben”
Ich fahr’ Taxxxxiiii ♫ Tag und Nacht. Hahaha. Das Lied werde ich wohl nie mehr los, aber egal, weil ich den alten vieräugigen Herren Tag und Nacht bewege (wenn auch nicht als Taxi) kenne ich seine Macken, seine Rascheleien, Knurrereien und Klappereien. Also alle seine ureigenen Geräusche. Und das hier heute Morgen, das ist neu. POPP-POPP-POPP-POPP kommt es von vorn aus dem Motorraum. Und wenn ich Gas gebe macht er PAFF!!-PAFF!!-PAFF!!-PAFF!!! Aaaaaaah! Hilfe :-( Dies ist eine kleine Schraubergeschichte über die Angst des Unwissenden, verunsichernde Weisheiten im Internet und den Segen des selbst Anpackens und Ausprobierens. Und hey – trotz schmutziger Hände hat sie ein Happy End :-) *sandstreu*

Jede Geschichte hat aber erstmal einen Anfang. Dieser hier spielt in Hamburg, Stresemannstraße.

Mir geht die Düse!

Da stimmt doch was nicht?

Schon gestern klang der alte Turbodiesel irgendwie anders als sonst, kraftvoller, kerniger. Man möchte meinen, dass ich mich darüber freuen würde, aber neeeeeeee….. Jedes neue Geräusch bedeutet bei einem Motor mit 650.000 Kilometern Laufleistung keinen Lustgewinn durch gesteigerte akustische Klangkulisse, sondern meist ein Problem. Und ich bin vorbelastet, suchte sich doch in der Vergangenheit das Abgas mehrfach seinen Weg durch ungeplante Öffnungen (statt durch den Auspuff) ins Freie. Stichwort Saugrohr. Aus dem popp popp popp popp von gestern ist heute Morgen ein PAFF!!-PAFF!!-PAFF!!-PAFF!! geworden, wenn ich an der Ampel beherzt zutrete sogar ein BALLER!BALLER!BALLER! :-O Scheiße. Was ist da denn passiert? Ich bringe den Kahn schlecht gelaunt am rechten Straßenrand zum Stehen und höre ihm im Standgas mal unter die Haube…

Mir geht die Düse!

Abgas. Wo es nicht sein soll.

Verdammt. Am Kopf des Triebwerks mit der internen Bezeichnung OM602, des als unverwüstlich geltenden Fünfzylinders 290 Turbodiesel, pöppelt es raus. Da wo es nicht soll. Oben drauf, rund um die erste Einspritzdüse, macht es diese komischen Geräusche und ist auch fühlbar. Alles ist verrußt, stinkt und pafft da ballernd und unter dieseltypischem Hochdruck raus :-( Und jetzt? Mit Einspritzdüsen habe ich mich noch nie auseinandergesetzt, ist die kaputt? Ist die undicht? Darf ich noch fahren und was muss ich machen? Ich bewege den dicken Daimler noch bis vor die Haustür meines halbfinnischen Fräulein Altonas, schleppe mich mit epischen gedanklichen Weltuntergangsszenarien in den vierten Stock und gehe mit einer dunklen Wolke über meinem Haupt und Grabesmine online, um mal zu schauen, was die weite Wissens-Welt zu diesem Phänomen sagt.

Mir geht die Düse!

Links und rechts von ihr alles voller Ruß

Okay, gute Nachricht 1: Das kann im Alter schon mal passieren, dass eine Einspritzdüse (es sind keine Injektoren, wie ich lerne) nicht mehr abdichtet. Also… beim Auto meine ich jetzt. Ich habe (er hat) keinen Riss im Zylinderkopf oder sowas. Gute Nachricht Nummer 2: Hätte ich einen CDI, dessen Injektoren mit über 1000 Bar Druck einem schnell mal den Finger mit einem kleinen schlanken Strahl Diesel abschneiden können, würde es jetzt aufwändig werden. Hab ich aber nicht. Nur den Turbodiesel, ohne Common Rail. Aber das war es auch schon mit den guten Nachrichten, der Rest liest sich uneindeutig bis beunruhigend. Eine Torxschraube mit Vorspannung, die gern mal abreißen kann. Festsitzende Düsen, besonders bei alten Motoren, es gebe dafür extra ein Abziehwerkzeug. Argh. Teerartige Dichtmasse, die man ganz schlecht abbekommt und die komplett aus dem Loch im Zylinderkopf raus muss, ohne in den Brennraum zu fallen. Drehmomente und vergebliche mehrfache Versuche, sowas wieder dicht zu bekommen.
Brauch ich denn nun noch einen Spezialschlüssel, um die Düse rauszuschrauben? Kann die abreißen, so wie eine festsitzende Glühkerze? Ich finde in den Suchfunktionen immer nur Beispiele für kleinere oder größere Motoren und CDIs. Ach manno :-( Also schnappe ich mir den Audi 100 und erbitte verbale Hilfe beim Erbauer selbst.

Mir geht die Düse!

Mehr brauche ich nicht?

Denn der Audi läuft. Einfach so. Aber der hat ja auch erst 1/5 der Meilen vom Benz auf dem Tacho… Ich frage auf halber Strecke bei Matthies nach eventuellen Spezialwerkzeugen für die Entfernung der Einspritzdüsen einer 1997er E-Klasse, aber man verkauft mir nur einen Drehmomentschlüssel. Na gut. Ein paar Ecken weiter beim Mercedes-Benz Partner in Hamburg Süd erfahre ich vom freundlichen Neuwagenverkäufer, dass mein Audi durchaus bekannt sei, und ob ich den nicht gerade im Internet inserieren würde? :-) Äh, ja, tatsächlich, aber aktuell bräuchte ich mal IRGEND jemanden, der mir sagen kann, ob ich mit hohen Hürden rechnen muss, wenn ich morgen früh in Kiel ne Einspritzdüse abdichten will. Denn wenn das schief geht komme ich nicht mehr zurück nach Hamburg.
Nein. Halb so schlimm, kein Spezialwerkzeug, alles gut. Ah? Also mache ich mich mit dem pöppelnden Selbstzünder am Abend halbherzig auf in die 100 Kilometer entfernte Stadt an der Ostsee und hole kurz vor Ladenschluss noch die vorbestellten Teile bei Mercedes in der Daimlerstraße ab. Die Jungs haben mir noch unaufgefordert eine Explosionszeichnung der Einspritzdüse ausgedruckt. So liebe ich das, DANKE! Also ich habe:

  • Den Düsenhalter
  • eine einzige Schraube
  • eine Unterlegscheibe und
  • ein Töpfchen weißes Fett?

Das ist alles? Langsam bekomme ich Angst vor dem Morgen, beschließe aber, trotzdem hoffnungsvoll und unbelastet schlafen zu gehen…

Mir geht die Düse!

Schraubers Heaven sieht anders aus

… und der Morgen ist auch noch grau und verregnet :-( Nun denn, das Schicksal nimmt seinen Lauf. Ich verfrachte das Fahrrad meiner Tochter auf die lagerhallenmäßig große Ladefläche des maladen Daimlers, sie selbst auf den Beifahrersitz und kutschiere beide in der norddeutschen Dämmerung zur Schule. Man soll den Motor ordentlich warm fahren, sagen sie im Netz, damit diese teerartige schwarze Masse möglichst weich wird und nicht wie Plastik am Metall klebt. Check. Als ich wieder vor meiner Garage ankomme steht mir der Sinn eigentlich mehr nach einem Croissant und einem guten Kaffee, es ist 7:30 Uhr und ich bin gefühlt weltweit der einzige, der in diesem Moment eine Einspritzdüse an seinem Auto abdichten will, während ein kalter Märzregen auf eine schlafende Vorstadt niedergeht.

Mir geht die Düse!

aber eigentlich macht es ja Spaß…

Ohne nun wirklich zu wissen, was eigentlich auf mich zukommt (schlicht und ergreifend weil ich das noch nie gemacht habe) fang’ ich einfach mal an :-) Um 9:00 muss ich online sein, das ist ja vielleicht zu schaffen? Hm. Der Plastikdeckel über dem Motor ist immer noch ab, seit ich am Saugrohr geschraubt habe. Ich komme also gut an die Einspritzdüsen ran, netterweise ist die erste ganz vorn undicht. Also bekomme ich maximal Rückenschmerzen vom Vorbeugen, muss mir aber nicht mehrfach die Unterarme brechen, um an versteckte Schrauben ran zu kommen. Ich hab zwar keine Hebebühne oder Grube, zahl dafür aber auch keine extra Monatsmiete und bin in 30 Sekunden wieder vorm Ofen. Cool. Ach – irgendwie geht der Morgen ja doch ganz gut los. Aber ich schweife ab. Ich zieh’ gleich mal die Leckleitung für den Rückfluss des überschüssigen Diesels von der maladen Düse runter und lege los. CKRAAACK.

Mir geht die Düse!

17 Jahre hinterlassen Spuren

Ups. Der Gewebeschlauch ist nach 17 Jahren ungefähr so geschmeidig wie eine 10 Tage in der Sonne liegende Toastscheibe. Und reißt, nein bricht regelrecht ab. Ein Schelm, der jetzt kapituliert und denkt: “NEIIIIINNNN jetzt ist ja alles undicht und ich komm hier nicht mehr WEG!!!:-) Nicht doch. Selbstverständlich habe ich schon im Rahmen der Saugrohr-Aktion zwei Meter frischen Benzinschlauch gekauft, die noch ungenutzt im Regal rumliegen. Ein angenehmer Zufall. Bitte notieren Sie für den Fall, dass Sie an einem alten 290er Turbodiesel mal die Einspritzdüsen rausholen wollen: Vorher ein paar Meter Benzinschlauch bei Mercedes kaufen. Gut. Mit einem 10er Ring schraube ich die Halterung jener Leckleitung ab und rette die beiden Unterlegscheiben, mit dem 17er Maul löse ich die oben aufliegende Dieselleitung (und muss in diesem Fall keine Angst haben, dass 1000 Bar mir den Finger abreißen) und wunder mich, dass alles so einfach ist. Ich bin hier in dieser Garage erst seit gut 5 Minuten.

Mir geht die Düse!

Fast alles ab. Nun noch die Torx

Und nun kommt der Teil, der für mich neu ist und über den das große weite Internet sich ausschweigt. Vielleicht, weil ich zu blöd bin für die richtigen Suchbegriffe, vielleicht aber auch, weil es so idioteneinfach ist, dass niemand sich berufen fühlt, darüber Worte zu verlieren. Peinlicherweise scheint zweiteres der Fall zu sein. So einen 40er Innentorx hat zwar nicht jeder in seinem Küchenbuffet liegen, aber er gehört schon zur normalen Ausstattung eines gut sortierten Schrauberwerkzeugkastens. Also – ich habe zumindest einen da. Kleine Knarre angesetzt, losgeschraubt das Ding und lächelnd den Düsenhalter herausgenommen. Und dann lachend, nicht mehr nur lächelnd die gesamte Einspritzdüse einfach so aus dem Zylinderkopf rausgezogen. Kein Abzieher, kein Teer, keine Gewalt. Nur eine Menge Ruß und Dreck von einigen 100 Kilometern, bei denen die Abgase an der Düse vorbei in den Motorraum gepöppelt sind.

Mir geht die Düse!

draußen nach 10 Minuten

Gegen Ruß gibt es in der sandmann’schen Garage jede Menge Mittelchen, vom Caramba Teerentferner bis hin zum Bremsenreiniger, alle diese kleinen Dosen voller Chemikalien, die man immer genau dann nicht findet, wenn man sie benötigt, sie deshalb immer wieder neu kauft und irgendwann doppelt und dreifach im Regal stehen hat. Ist das Teil denn nun wirklich schon raus? Wo ist der Haken? Es scheint keiner da zu sein. Ich brauche aber einen, um an die alte Unterlegscheibe tief in dem Loch da unten ranzukommen :-) Mein ebenfalls autobegeisterter Nachbar Patrick kommt gerade aus der Haustür geschlurft und will sich auf den Weg zur Arbeit machen. Ob er einen Tipp hat, frage ich ihn. Wie bekomme ich die Unterlegscheibe raus, die ist ja nicht magnetisch? Ich komme mir vor wie ein Student im ersten Semester am ersten Tag in der Uni. Draht. Sagt er.

Mir geht die Düse!

das lässt tief blicken.

Na gut, was in der Kita meiner Allerkleinsten zum Tagesablauf gehört geht auch bei mir zu Hause. Angeln mit irgend so einem Haken, nicht in einem bunt bemalten Papp-Aquarium sondern in einem schmutzigen Fünfzylindermotor, also vom Flair ein bisschen so wie in der Elbe :-) Irgendwo hinten im Regal hängt noch ein langer alter Schweißdraht, gut dass ich mich immer so schlecht von Dingen trennen kann. Irgendwann kann man ja alles noch mal gebrauchen. Den breche ich erst aus Versehen mehrfach ab, biege ihn letztendlich zu einem kleinen L und schiebe das Ding tief in die Eingeweide des alten Motors. Genau so tief in mir drin frage ich mich immer noch, ob ich nicht irgendwas übersehen habe, das ist alles ein bisschen zu einfach.

Mir geht die Düse!

Wir angeln. Nicht magnetisch

Aber bisher ist alles nachvollziehbar gewesen. Die Düse wird vom Düsenhalter auf den Dichtring gedrückt. Fertig. Also alter Dichtring aus Kupfer raus aus dem Loch und neuer Dichtring auf der Düse nachher wieder rein. Und das soll halten? Das soll dem Druck des Kolbens derart entgegenwirken, dass nicht die ganze Düse nach oben durch die Motorhaube in den Himmel schießt und womöglich eine tief fliegende Amsel umbringt? Der Druck im Zylinder ist immerhin so hoch, dass sich ein Diesel-Luft-Gemisch ohne Zündkerze in eine Explosion verwandelt und den Kolben nach unten treibt. Also ich weiß nicht. Als Kind habe ich ein altes kupferfarbenes Klappfahrrad gehabt, und irgendwann sind die Tretkurbeln altersschwach vom Ketten-Zahnkranz abkorrodiert. Ich habe einen halben Tag verzweifelt versucht, das mit Unmengen von Tesafilm wieder in Ordnung zu bringen. Nachvollziehbar ohne Erfolg, die Enttäuschung kann ich noch heute spüren. Und ich fühl mich gerade wieder ein bisschen wie damals bei dem Gedanken, dass die kleine Schraube die schwere lange Düse wirklich in ihrem Loch festhalten soll. Nu aber zunächst raus mit der Scheibe!

Mir geht die Düse!

da ist sie ja…

Mein Nachbar ist inzwischen schmunzelnd in sein Auto gestiegen. Mache ich eigentlich einen seltsamen Eindruck auf meine Mitmenschen, weil ich ständig mit einem Fotoapparat rumhantiere? :-D  Die alte Scheibe ist nun jedenfalls raus. Die Einspritzdüse ist auch sauber, alle meine alten Putzlappen dafür umso dreckiger und jetzt stehe ich im morgendlichen Nieselregen mit einer funkelnden Düse, einer Unterlegscheibe und einem Topf teurem Spezialfett, von dem ich nicht weiß, ob ich es eigentlich überhaupt benötige und wenn ja, wo ich es denn genau hinschmieren soll? Peinlich. Der ganze Scheiß, den ein Auszubildender bei Daimler im ersten Lehrjahr schon ohne Aufsicht macht ist mir völlig neu, und ich habe irgendwie ein bisschen Angst, was falsch zu machen. Also stapfe ich mit meinen völlig verschmierten Händen ins Haus und rufe bei Mercedes an. Ein Meister erklärt mir, dass die Düsen bei meinem Motor tatsächlich nur vom Düsenhalter reingedrückt werden. Dass man aber seit ein paar Jahren noch das Fett außen herum benutzt, damit sie nicht im Alter festgammeln. Klare Aussage. Und noch einmal DANKE Mercedes-Benz in Kiel. Schade nur um mein Telefon, das sieht jetzt echt schlimm aus.

Mir geht die Düse!

ja kann denn nun alles wieder rein?

Ich fasse zusammen: Düse sauber, untenrum eingefettet und mit einem neuen Kupferring versehen. Düsenhalter sauber und mit neuer Klemme und der neuen Torx-Schraube bestückt. Rund um das Loch im Motor alles sauber. Und es ist so gut wie nix von dem Dreck in den Brennraum geplumpst. Außerdem habe ich die Bedienungsanleitung des Drehmomentschlüssels von 5NM bis 30NM gelesen, 7NM eingestellt und noch einmal nachgedacht. Es ist 8:30 Uhr. Habe ich etwa alle Postings im Internet in den entsprechenden Foren falsch verstanden, oder habe ich einfach mit meiner Einspritzdüse sagenhaftes Glück gehabt? Wenn ich nicht zwischendurch Fotos gemacht, mit Leuten geredet oder telefoniert und ab und an mal nachdenkend inne gehalten hätte wäre das bis jetzt eine Sache von 20 Minuten gewesen…?

Mir geht die Düse!

Na dann mal rein mit dem Lump

Knarre angesetzt und Torx festgezogen. Dann kommt der Drehmomentschlüssel zum Einsatz und knackt bei 7 Newtonmetern. Nun noch einmal die Schraube um 90° weiterdrehen und dann ein weiteres mal die Schraube um 90° weiterdrehen. Warum nicht gleich einmal um 180°? Man muss ja nicht alles hinterfragen. Fest. Wirklich? Das werden wir nachher sehen. Ich schraube die Dieselleitung auf die Einspritzdüse und die Leckleitung wieder an ihre Seite. Und wenn ich schonmal dabei bin ersetze ich nicht nur die zerbröselte, zum S gebogene Schlauchleitung an dieser Düse, die für den Rücktransport des überschüssigen Treibstoffs sorgt – sondern auch gleich die anderen genau so in die Jahre gekommenen Stücke zwischen den insgesamt 5 Einspritzelementen. Die sind alle extrem porös, soviel Zeit muss sein.

Mir geht die Düse!

alter Kram, alles muss raus

Meine Laune steigt. Ein bisschen Sprühöl in die Enden der neuen Leckleitungen, und sie schmatzen sauber auf die Stutzen an den Anschlüssen. Und meine Hoffnung wächst. Kennen Sie das auch? Immer wenn ich alte Teile am Auto ausgetauscht habe bekomme ich das Gefühl, dass der Wagen hinterher irgendwie dankbar ist und viel besser läuft… Ich hatte an diesem frühen grauen Morgen noch keine Gelegenheit, meinen Daimler nach seiner Dankbarkeit zu fragen, aber das hole ich gleich nach. Jetzt sind erst einmal alle Leitungen wieder dicht, die erste Düse hoffentlich auch. Ich merke meine derbe Lust auf einen frischen Kaffee (Himmel es ist 8:45 Uhr mitten in der Woche, und ich habe noch nicht gefrühstückt!) und werde ein wenig ungeduldig. Ich will fertig werden.

Mir geht die Düse!

Sieht sehr mechanisch aus. Ist es auch.

Retrospektiv ein Kinderspiel, das alles. Ein paar Stecker, ein paar Schrauben, ein paar Schläuche. Keine Zauberei. Wie bisher bei jedem kleinen oder großen Problem an diesem Auto, wenn man es einmal gemacht hat, kann man es blind. Also, Watson, notieren Sie: Eine Einspritzdüse (nein, es ist KEIN Injektor) an einem 290 Turbodiesel VorMOPF ausbauen und abdichten dauert rund 30 Minuten. Kosten dafür (ohne den Drehmomentschlüssel): 11 Euro für den Düsenhaltersatz und 16 Euro für das Fett. Wobei das noch für alle neu abzudichtenden Einspritzdüsen der kommenden 42 Jahre reichen wird. Ob diese weiße Masse wohl so lange haltbar ist? Schauen Sie mal. Das sieht doch jetzt wieder richtig gut aus:

Mir geht die Düse!

Alles neu macht der… März

Ich sammel das ganze auf dem Fußboden verteilte Werkzeug zusammen. Alle Sprühdosen, Fettpackungen und Reinigungssubstanzen wandern an ihre vorbestimmten Plätze in dem Regal an der Seitenwand meiner Garage. Ich habe gelernt. Ich bin mit zunehmendem Alter ein bisschen ordentlicher geworden. Die alten, rußigen Lappen kann ich bestimmt nochmal für einen Ölwechsel gebrauchen. Noch ein letzter Blick in den Motorraum, ob ich nicht (wie sonst immer) irgend einen Schraubenschlüssel oder eine kleine Schraube irgendwo habe liegen lassen? Meistens bemerkt man das erst, wenn die Motorhaube krachend nicht ganz sauber schließt oder irgendwann während einer Autobahnfahrt erst ein Klötern, dann ein Poltern von vorn kommt, dann etwas metallisches unter dem Auto klüngelnd gegen den Unterboden prallt und hinter dem Wagen im Straßengraben verschwindet. Nein? Sind alle Stecker wieder drauf und alle Druckleitungen fest gezogen? Dann wagen ich doch mal einen Startversuch. Sie lachen, weil ich das so episch auswalze? Haben SIE ‘ne Ahnung, wie viele Sorgen ich mir noch vor 60 Minuten gemacht habe, dass der heutige Tag mit einer bis nach München geschossenen Einspritzdüse enden wird. Also lassen Sie mich diese wenigen Minuten auskosten, in denen ich noch nicht weiß, was passieren wird.

Mir geht die Düse!

alles wieder an Ort und Stelle?

Der Anlasser dreht sich, der Diesel kommt langsam auf Touren, und nach kurzer Zeit und einer dicken blauen Wolke hinten (hinten!) raus läuft er rund und ohne zu pöppeln. Alles ist dicht. Alle Warnlampen erlöschen wieder. So einfach kann das also sein. Geil. Mit einem lustigen Lied auf den Lippen packe ich die restlichen Sachen zusammen, fahre den Daimler von der Garage vor meine Haustür und bin wieder einmal begeistert, wie einfach und unkompliziert Technik an alten Autos sein kann. Damit die Nachwelt auch an diesen banalen Erfahrungen teilhat und vielleicht die kommenden 290er TD Schrauber nicht ganz so verunsichert sind wie ich schreibe ich gleich noch eine Kurzanleitung in das entsprechende Forum von MotorTalk. Und sei es noch so banal – wenn du es noch nie gemacht hast, ist der Respekt vor den Folgen einfach groß. Einen Motorschaden kann ich mir momentan nicht leisten. Muss ich aber auch nicht :-)

Mir geht die Düse!

das wird mich tagelang beglücken

Nur noch die ewig schmutzigen Hände abbürsten, bevor ich mich an mein Laptop setze und den ersehnten Kaffee schlürfe, der schon in der Küche vor sich hin zischelt. Ich mag nicht mit Handschuhen arbeiten. Das ist wie mit extradicken Kondomen, man merkt einfach nichts und es dauert dreimal so lange. Der Preis dafür sind tagelang schmutzige Finger. Egal. Mein Klapprad ist damals übrigens von unserem Nachbarn geschweißt worden, das hat dann doch besser gehalten als mein Tesafilm.
Der Sommer kommt! Sonntag wird schon wieder die Uhr umgestellt. Auf dass wir Schrauber und Nichtschrauber uns alle mal (wieder)sehen und bei gutem Wetter gemeinsam an unseren Autos basteln. Das entspannt (wenn es erfolgreich ist) und macht glücklich. In diesem Sinne

Sandmann

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Created Freitag, 28. März 2014 Tags 290 | ausbauen | Drehmoment | e-klasse | Einspritzdüse | fett | Ich fahr... TAXI! | Injektor | mercedes | OM602 | TD | Torx | Turbodiesel | wechseln Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
20 Mar 2014
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Viel Lärm um Nichts

Viel Lärm um Nichts

Die Idylle trügt – gleich wirds laut

Karins Kolumne
Hilfe, Ohropax…. der V8 ist wieder unterwegs!
Es ist Montag Abend, wohlig schnuckle ich mich in mein Kissen und stelle genüsslich den Wecker ab, denn morgen ist ein besonderer Dienstag. Ich darf ausschlafen, ausnahmsweise muss mal kein Kind in aller Herrgottsfrühe in die Schule geschickt werden, welch glückliche Fügung des Schicksals denke ich und entschlummere sanft ins Land der Träume… Es ist stockfinster als ich plötzlich hochschrecke. Es brummt und dröhnt, mein Bett wackelt, die Scheiben zittern. Was ist los? Erdbeben? Krieg? Fährt gerade eine russische Panzerdivision durch unser Sträßchen?

Nach kurzer Benommenheit wird mir klar, es ist der Feind aus meinem Bett, der sich zu nachtschlafender Zeit auf die Socken gemacht hat, um den nachbarschaftlichen Frieden zu zerstören. Acht Zylinder und eine Fox-Edelstahlanlage leisten hier ganze Arbeit. Und weil der liebe Audi ja so lange nicht bewegt wurde, muss man den Motor ganz besonders lange laufen lassen. Wahrscheinlich wird jeder Zylinder einzeln geweckt, um dann im Schneckentempo den Hof hinauszugurgeln, bis auch der letzte in unserem Viertel es mitbekommen hat: mein Mann fährt zur Arbeit. Wütend lasse ich mich zurück ins Kissen fallen, und die Zeilen aus Grönemeyers Mambo kommen mir in den Sinn: “Es trommeln die Motoren, es dröhnt in meinen Ohren“. Langsam weicht die Wut einer Verzweiflung, die an der Gewissheit wächst, dass die Tage definitiv gezählt sind, an denen die friedliche Stille des beginnenden Tages nicht von Motorenlärm zerrissen wird. In dieser Hinsicht mag ich den Winter. Dann stehen die Altautos fein zugedeckt in der Garage und zur frühen Stunde setzt sich der S6 fast lautlos in Bewegung und gleitet sanft wie ein schnurrendes Kätzchen davon. Es wäre wirklich nicht nötig gewesen, ausgerechnet heute den alten Karren aus dem Winterschlaf zu zerren, dann würde ich nämlich jetzt auch noch schlafen. Aber der Lauf der Dinge lässt sich ebenso wenig aufhalten wie von fossiler Fortbewegung besessene Männer.
Karin Mit dem Frühling kommt eben auch der Lärm zurück… und hier meine ich weder das liebreizende Vogelgezwitscher in der Morgendämmerung vor dem Schlafzimmerfenster, noch die nachmittäglichen Rasenmähersinfonien aus den Nachbargärten. All dies ist sanftes Gesäusel gegen das stimmgewaltige, ohrenbetäubende
Organ eines gewissen V8, welches ganz besonders gut zur Geltung kommt, wenn sich zu diesem einmaligen Hörerlebnis auch noch ein nasenbetäubender Gestank gesellt. Der einzige Vorteil dieser Krawallkiste besteht darin, dass ich schon lang, lang vorher weiß, wann mein Gatte nach Hause kommt, ist das nicht praktisch? Da kann ich ihm schon mal das Essen warmmachen und das Bier kaltstellen.

Karin

 

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Created Donnerstag, 20. März 2014 Tags audi v8 | Fox-Edelstahlanlage | Frühling | Gestank | Karins Kolumne | Krieg | Lärm | motor | oldtimer | schlafen | wecken Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
17 Mar 2014
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Das Mädchen Kosmetik

Das Mädchen Kosmetik

Sein oder nicht sein?

Ernüchternd. Da hast du ein Auto, was fast so alt ist wie deine Freundin. Was eine zeitlose Farbe und ein schwarzes Vinyldach hat, gut im Blech steht und technisch besser daher kommt als die meisten anderen weggerosteten Vertreter dieser Gattung. Ein Auto mit Geschichte und mit Geschichten. Dann willst du es eines Tages aus verschiedenen guten Gründen verkaufen und stellst fest, dass es keine Lobby hat. Alle wollen nur CD 5E oder Avant, niemand will einen Null-Ausstatter mit großvolumigem Vierzylinder (von Porsche!) und Servolenkung. Jedenfalls nicht in einem Zustand, der ein bisschen Liebe braucht. Aber tatsächlich nur ein bisschen. Und jetzt?

Das Mädchen Kosmetik

Hallo Parkplatz, hallo Unfallflucht

Liebe brauchen hier noch ganz andere Protagonisten! Da ist diese kleine Kerbe im linken Kotflügel. “War die schon immer da?” Ja was weiß ich? Habe ich den alten Herren so gekauft? Nee, ich glaube die kam später, vermutlich ist auf irgend einem Supermarktparkplatz irgend jemand mit seinem Cayenne oder X7 hochbeinig an dem alten Audi hängen geblieben, hat ihn ein paar Meter mitgeschleift und hat das noch nicht mal gemerkt. Stört mich eigentlich nicht. Andere schon. Hier oben sehen wir das tadellose und nicht unterrostete originale Vinyldach aus einer Zeit, wo nicht mal mehr Ford die ohne Sonderwunsch auf den Taunus geklebt hat. Äh… jemand neben mir rechnet noch immer im Geiste einen neuen Kotflügel mit Grundierung und Lackierung aus und subtrahiert das von seiner anfänglichen Preisvorstellung, die von der ersten Minute an ungefähr halb so viel war wie das, was ich VHB haben will.

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Nur weil es glänzt sieht man es

Dann ist da die leichte Delle in der vorderen Stoßstange, die einen Zwillingsbruder in der hinteren hat. Man sieht das eigentlich nur, weil der Chrom so wunderbar glänzt, ansonsten machen diese Bauteile ihrem Namen alle Ehre und sind eben massive STOSS-Stangen :-) Irgend jemand hat da in diamantsilberner Vorzeit die Entfernung zum Vorder- und zum Hintermann nicht so genau genommen. Es ist kein Kunststoff gebrochen, ich müsste eigentlich nur vier Schrauben lösen und hätte das schwere Teil in der Hand, um es wieder gerade zu drücken. Anschließend könnte ich noch eventuellen Flugrost dahinter beseitigen, ein bisschen Wachs überall draufsprühen und die nächsten 10 Jahre Ruhe haben. Aber nee, will ich nicht. Ach ja – Beulen in der Stoßstange drücken den Preis, wie ich gerade erfahre.

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Nur ein kleines Bläschen

Ist der Scheibenrahmen gesund???” Ja, ist er. Beim Audi 100 Typ 43 gab es das Problem, dass die geklippsten Zierleisten aus Edelstahl rund um die geklebten Scheiben gern mal vom Dreck unterwandert wurden. Dann fingen die Klammern an zu rosten, und irgendwann war das ganze Blech durch. Dann hat man nasse Füße bekommen. Bei dem Dottore nicht – der stand offensichtlich immer trocken. Nur ein kleines Blisterchen, nicht viel mehr als ein Herpes auf der Lippe meiner Klassenlehrerin, kommt auf der Fahrerseite durch und harmoniert ganz gut mit der zerbröselnden ehemaligen Klebefolie innen rundrum an den Rändern der Windschutzscheibe. Das Bläschen ein Fall für den Rostumwandler, die Folienfusseln ein Fall für einen spitzen, nicht kratzenden Gegenstand, einen Staubsauger und ein bisschen Zeit. Sieht aber doof aus. Sagte man mir. Ein Sonnenuntergang sieht auch doof aus, wenn man rot nicht mag.

Kantenrost

Kantenrost

Boah die Kanten der Türen sind ja TOTAAAAL verrostet!” Öh. Nein, nicht wirklich. Das bei allen Autos aus den 70ern schlecht konservierte Blech gibt eben nach so vielen Jahren da auf, wo der Lack sich über Problemzonen spannt. Gewebeschwäche, schauen Sie mal Ihre Oberschenkel hinten an :-) Hier sind das die Falze, besonders die unten im Bereich von Regen, Schmutz und manchmal auch Salz und Sand. Das ist nichts, was man nicht mit einer ordentlichen Schruppscheibe in ein paar Minuten restlos weg bekommt und dann fein konservieren kann. Wenn man das denn will, und wenn man das nicht nur als Argument nutzen möchte, seine Kaufabsichten auf das finanzielle Niveau eines Baumarkt-Benzinrasenmähers zu drücken. Ja sind wir denn hier in einem Showroom??? Reden wir hier vor irgendwelchen vergessenen 30.000 Euro teuren Neuwagen, die in verschütteten Schatzkammern konserviert wurden? Dieses Auto ist GEFAHREN worden, Tag und Nacht, seit 1977. Es ist gesund mit Gebrauchsspuren, wäre es perfekt kostete es das dreifache.

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Sein Steinschlag sind meine Falten

Langsam bin ich genervt. Ja. Steinschlag hier, Lackplatzer da. Hab ich doch auch im Inserat geschrieben, und der Lack auf der Motorhaube ist matt und fast wegpoliert. Dass alle vier Türen schmatzend und ohne Verzug schließen, dass der Kofferraumdeckel ansonsten satt ins Schloss fällt und ihm das Hohlraumwachs aus allen eigentlich bei diesem Typ komplett durchgerosteten Ecken tropft scheint niemanden zu interessieren. Ich fühl mich ein bisschen so wie damals bei den Wohnungsübergabe des ersten WG-Zimmers, als der Vermieter von mir noch verlangt hatte, dass ich das blütenweiße Nichtraucherzimmer NOCH mal streiche. Obwohl ich doch ausziehen will, dazu gar keine Lust mehr habe und mein Nachmieter die Wände sowieso grün tüncht. Mannmann :-( Ach und ehe ich das vergesse, in diesem Audi 100 LS haben schon Menschen gesessen. Seit 140.000 Kilometern. Ja, das sieht man auch.

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Stoff, der besessen ist

Die Sitzwange des Fahrersitzes ist klassisch verschlissen. Das liegt, wie auch die Ursache des Allgemeinzustandes der Inneneinrichtung, an der nicht vorhandenen Tönung der Scheiben. Ja, Sie lesen richtig, es gibt Menschen, die damals KEINE wie auch immer getönten Scheiben bestellt hatten. Die vom Audi sind einfach nur hell und klar, wenn man das erste mal drin sitzt fragt man sich was hier eigentlich nicht stimmt. Und die Sonne mit ihrem aggressiven UV Licht hat auf dem nicht unsterblichen blauen Stoff (nein, kein Velours, es ist normaler Stoff) ganze Arbeit geleistet. Er wirft Falten, ist porös und auch die Rücksitzbank ist oben zerbröselt. Das ändert nichts an der Bequemlichkeit der Fauteuils, sieht aber scheiße aus. Wenn man einen Neuwagen erwartet. Und hey, nicht nur der Stoff leidet…

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Kleine Risse in der blauen Lagune

Ist das blaue Armaturenbrett tadellos und ohne Risse?” Nein. Eben weil die Scheiben nicht getönt sind. Da reißt der Kunststoff irgendwann mal ein. Ist aber nicht schlimm, finde ich, so sieht fast jeder alte Audi 100 aus, der nicht sein Leben lang in irgendwelchen Garagen gestanden hat. Tacho nebst Tageskilometerzähler gehen, genau so wie die original Zusatzscheinwerfer unter der Stoßstange, die Heckscheibenheizung, das Gebläse und die Heizung. Eine neue Kupplung ist drin, neue Bremsen, neuer Auspuff und… äh… interessiert Sie nicht? Okay…. Wissen Sie was? Warum fahren Sie nicht einfach wieder zurück dorthin, wo Sie hergekommen sind, anstatt mich hier mit absurden Zahlen zuzutexten und dieses Auto schlecht zu reden? Niemand zwingt Sie, den zu kaufen. Tschüss. Ich bau jetzt mal die Stoßstange ab und mach die Kunststoffteile wieder sauber und mit dem Heißluftgebläse schön schwarz.

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Irgendwie… ist alles in Ordnung…

Und jetzt stehe ich hier in der Küche meines halbfinnischen Fräulein Altonas. Die Teile der hinteren Stoßstange liegen neben der Spüle, eine Dose Rostschutz und eine Dose diamantsilber L97A für das Blech darunter sind schon bestellt. Der Audi da unten ist mir in den letzten Tagen extrem ans Herz gewachsen. Warum? Weil ihn keiner haben will. Weil alle potenziellen Interessenten nur nach tadellosem Lack oder einwandfreien Sitzen gesucht haben. Und mir, mir ganz persönlich, kommt es eben genau darauf nicht an. Ich erinnere mich an die Touren mit diesem Auto, wie ich ihn tief aus dem Osten geholt habe, wie er mich durch Staus begleitet hat, wie ich in ihm gern meine alten Tapes hörte und wie ich die Blog-Gemeinde spaltete, weil ich gern auf Hauben sitze. Weihnachten mit den Poesiealbenund dem Tannenbaum, der nicht auf dem Dach bleiben wollte. Bin ich eigentlich bescheuert? Ich lass mich doch nicht von diesen Wattestäbchen-Idioten verarschen. Wenn das so weitergeht dann behalte ich ihn. Und schreibe noch viel mehr Geschichten über einen Adi 100, der mit seinen 37 Jahren nicht mehr perfekt ist. Und genau deshalb gewinne ich ihn lieb.

Sandmann

[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]

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Created Montag, 17. März 2014 Tags 1977 | Audi 100 | Audi 100 LS 1977 | Diamantsilber | L97A | LS | Servo | Typ 43 | verkaufen | vierzylinder | Vinyldach | zustand Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
14 Mar 2014
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Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

Scheibe raus und losballern

Scheibe raus und losballern

Hier stimmt doch was nicht – ihr seid nicht von der Polizei…?” “Nein, wir sind schlimmer. Viel schlimmer…” Dieser kurze Dialog beschreibt ziemlich exakt, was den Zuschauer in den 57 Episoden mit dem Originaltitel “The Professionals” von 1977-1983 erwartet. Gar nicht zeittypisch wurde hier einfache, klare Härte mit unerwarteter Action kombiniert und ein heute noch brutal unterhaltsamer Klassiker geschaffen. Escort, Capri und Granada – sie hatten sie alle: die leidensfähigen Ford-Einsatzfahrzeuge des Fernseh-CI5 in der britischen Actionserie der 70er Jahre. Ich hab mir drei DVD Sets gekauft, durchgeguckt und von Universal Pictures abgenickt die geilsten Screenshots zusammengetragen.

Autor Brian Clemens hatte einen guten Lauf. Gerade erst “Mit Schirm, Charme und Melone” einen vollen Erfolg gelandet, sollte er noch einen draufsetzen. Der britische Fernsehsender London Weekend Television gab ihm den Auftrag, eine weitere neue Serie im Stil der erfolgreichen Füchse zu schaffen. Ergebnis: “Die Profis“.

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

Die Jungs machen ihre eigenen Gesetze

Major George Cowley (Gordon Jackson) ist der Kopf des Trios bei der nur dem Premierminister unterstellten Spezialeinheit CI5, die gegen alle Terroristen, Spione und Verräter kämpft, die den Sicherheitskräften bisher entwischen konnten. Und das mit Methoden, welche die träge britische Polizei aus guten Gründen nicht anwenden darf.

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

auch privat hatten die beiden Anfangs Spaß

Der zynische Bodie (Lewis Collins) und der sensible Doyle (Martin Shaw) erledigen die von Cowley erteilten Aufträge als Agent 3.7 und Agent 4.5. Und wer effektiv gegen das Böse kämpft darf alles und untersteht keiner Kontrolle. Grundregeln, wie man mit Gefangenen oder Verdächtigen umzugehen hatte, gelten nicht für die CI5. Besonders wichtig im Kampf gegen den Terrorismus und skrupellose Verbrecher ist vor allem die Fähigkeit, im Londoner Straßenverkehr ein heckgetriebenes Fahrzeug mit der Handbremse zur abrupten Kehrtwende bewegen zu können. Und hier beginnt das Fest für jeden Klassiker-Freak, besonders für mich als alten Ford Freund :-) Die dominierenden Autoszenen als tragender Bestandteil der Serie sind nicht nur Zeitgeschichte, sondern an Action auch heute noch sehenswert.

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

Rock hard, schalten will gelernt sein

Ford Escort Mk II RS2000

In den allerersten Folgen waren die beiden Agenten eigentlich mit dem einen oder anderen Triumph oder Rover recht träge unterwegs. Nach Meinung der Produzenten passten die biederen Britenautos aber nicht zum Image der schnellen Eingreiftruppe, also wurde der Fuhrpark auf die damals zumindest optisch sehr kraftvollen Modelle von Ford umgestellt. Doyles flippiger kleiner Escort RS2000 von 1977 ist das kleine, kompakte Anfangsmodell aus der Palette der Profis.

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

Vollgas auf der Jagd nach dem Gesindel

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

Der Escort war damals die Speerspitze der Agilität

Die Rechnung der Ford Werke war damals einfach, aber effektiv: Kriegsbemalung mit schwarzen Streifen, Sportlenkrad und Tieferlegung genügten für ein sportliches Image. Der 2-Liter-Grauguss-Vierzylinder mit zahnriemengetriebener Nockenwelle war eigentlich alles andere als sportlich. Aber als kerngesund konstruierter “Bauernmotor” hatte er fast grenzenloses Tuningpotenzial und zog schon damals eine kreative Fangemeinde an, die dem weißen Flitzer Flügel verleihte. Die Kombination aus kleinem Auto und großem Motor mit Heckantrieb sorgte augenscheinlich auch bei den Protagonisten der Serie für puren Fahrspaß, regelmäßig auch gern mal quer zur Straße.

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

An allen vorbei, hauptsache gut aussehen

Das wird in den Folgen der ersten beiden Staffeln bis zur Perfektion getrieben und flößt noch heute Respekt vor den beiden Hauptdarstellern ein – sie machten fast alle Stunts selbst und ritten die Autos bis an die Grenze des Machbaren. Special Effects? Ich bitte Sie, wir schreiben das Jahr 1978. Da kommt der Qualm noch echt von den Reifen. Und wie das Schicksal so spielt verdankt das automobile Upgrade Väterchen Zufall sein Coming-Out: Während der Dreharbeiten 1980 wurde der RS2000 vor irgendwelchen autgeilen Idioten vom Set gestohlen (und bis heute nicht gefunden). Die Produzenten überbrückten das Dilemma kurzerhand mit den kräftigeren Capris, die von da an regelmäßig als Dienstfahrzeuge zum Einsatz kamen.

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

Haben Sie hier einen Dieb gesehen?

Ford Escort RS2000
Baujahr: 1975-1980
Preis bei Einführung: 13.800,- DM
Leistung: 110 PS bei 5.500/min
Drehmoment: 164 Nm bei 3.750/min
Antriebsart: Hinterrad
Beschleunigung (0-100 km/h): 8,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

Ford Capri Mk II 3.0 S und Mk III 3.0 S

Insgesamt acht verschiedene Modelle des Ford Capri II und III aus den Baujahren 1977 bis 1981 kamen in den fünf Staffeln zum Einsatz und wurden wie ihre etwas kleineren Vorgänger von Doyle und Bodie nicht geschont. Der 3.0 S war mit einem speziellen Rallye-Sport-Tuning-Kit ausgestattet, Ford machte seit 1977 bescheiden nur hin und wieder damit Werbung. Der legendäre 3,0-Liter-Essex-V6 speziell für die Insel drückte bei 138 PS immerhin 253 Newtonmeter auf die gequälte Hinterachse und ließ die etwas freizügigen Agenten spektakulär durch britische Kieseinfahrten oder über brach liegende Fabrikgelände driften, lange bevor “The Fast and The Furious” diese Fahrweise perfektionierte. Ich erinnere mich noch gut an meine Faszination beim Anblick der beiden Auspuffrohre, wenn ich damals als Kind einen Capri sah. Eins links, eins rechts. Ich glaubte, dass hier ein sagenhaft großer Motor drin sein musste, und für damalige Verhältnisse war das auch so.

Frag nicht und tritt drauf

Frag nicht und tritt drauf

Lass den Kies brennen Baby

Lass den Kies brennen Baby

Mit schmissigen, ironischen Dialogen auf karierten Sportsitzen juxten sich die beiden Agenten in die Herzen der Zuschauer und schossen auch gern einmal mit schwerem Geschütz durch die zuvor zu Bruch gegangene Winschutzscheibe. Verfolgungsjagden über die immer verregneten britischen Feldwege oder mitten durch das wühlige London ließen sich mit keinen anderen Autos besser in Szene setzen als mit den Capris. Die lange Motorhaube und das kurze Heck verliehen dem Sportler das kernige Aussehen eines deutschen Mustang und machte den Wagen wie geschaffen für die gnadenlose Spezialeinheit. Eigentlich vergeht keine einzige Szene, in der nicht Matsch fliegt oder Gummi vaporisiert wird, der Zuschauer kommt niemals zum Durchatmen. Geil.

Auch die Bösen fahren Capri

Auch die Bösen fahren Capri

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

… und weiter geht es auf der Felge

Während ich mich am Rechner Folge für Folge auf die Fälle der Briten, die Verfolgungsjagten mit diesen aus heutiger Sicht einfach nur sagenhaften Autos und die supercoolen Dialoge einlasse frage ich mich immer wieder, wie diese Serie damals an mir komplett vorbei rasen konnte. Klar – ich kannte “Die Profis”. Aber ich glaube ich habe sie nie gesehen. Durfte ich nicht? Ich muss Mama mal fragen. Stattdessen habe ich mir so einen Quatsch wie “Polizeiarzt Simon Lark” oder “Eine amerikanische Familie” angetan, okay, was man halt so als 10jähriger macht und vor allem machen darf. Ich glaube, Doyle und Bodie hätten mich damals aus den Pantoffeln gehauen. Umso offener steht mein Mund fast 35 Jahre später. Die Jungs machen immer noch Laune, der Serie haftet nicht diese Unbeholfenheit der 70er an und *hach* diese Autos…..

da wurde es schon moderner...

da wurde es schon moderner…

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

brüll und weg mit Doppelauspuff

Ford Capri Mk II und Mk III 3,0 S
Baujahr: 1974-1986
Preis bei Einführung: 15.950,- DM
Leistung: 138 PS bei 5.000/min
Drehmoment: 253 Nm bei 3.000/min
Antriebsart: Hinterrad
Beschleunigung (0-100 km/h): 8,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h

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Ford Granada Mk II 2.0 L und 2.8 Ghia

Ich bin ja ein großer Freund der Kölner Oberklasse und nenne noch immer ein 1975er Coupé mein Eigen…. Das Modell danach war eigentlich nie so meins, ich fand den Granada Mk II damals zu kantig, zu klar und nicht wirklich attraktiv. Das war so in den 90ern…. Cowley, der etwas zurückhaltende Kopf und Auftraggeber von Doyle und Bodie, ließ es eben genau so ein wenig gediegener, aber sicherlich nicht unspektakulärer angehen. In insgesamt vier verschiedenen Versionen des heute gesuchten und begehrten Kanten-Königs Granada der zweiten Generation befördert er entweder sein Team zum Einsatzort oder transportiert verhaftete Schurken ab. Wenn sie denn noch leben.

Der Chef in Eile

Der Chef in Eile

Hauptsache V6 und Heckantrieb

Hauptsache V6 und Heckantrieb

Allgegenwärtig ist das plüschige Wohnzimmerambiente der Ghia-Ausstattung und das schrankwandgleiche Armaturenbrett, das seinem Namen alle Ehre macht. Das, was ich damals als unattraktiv empfunden habe wirkt heute so unfassbar sexy dass ich mich wieder und wieder ohrfeigen könnte, weil ich mir nicht 5 Stück dieser Raumgleiter weggestellt habe, als sie noch rostfrei und voll ausgestattet für 500 Mark zu haben waren.

Alles was heilig ist

Alles was heilig ist

Taunus, Granada, Escort? Die Profis!

und manchmal muss es auch zu Fuß weiter gehen

Die unzerstörbare Maschine des Granada Mark II ist eine deutsche Entwicklung und galt als Konkurrenz zu BMW und Mercedes. In der Serie kommen ein 2,0-V6 sowie ein 2,8i Executive zum Einsatz und sorgen für starken, klangvollen Vortrieb – natürlich wieder über die Hinterachse. Ich bekomme Sehnsucht nach meinem Coupé. Verdammt. In vielen wundervoll zeitgenössischen Straßenszenen taucht der quirlige Boss immer wieder am Rand des Geschehens mit seinem Auto auf, koordiniert Einsätze über sein analoges Autotelefon oder kommt wieder einmal in allerletzter Minute, um Bodie und Doyle den sprichwörtlichen Arsch zu retten…

Vollgas für die Kollegen

Vollgas für die Kollegen

Ford Granada Mk II
Modell Ford Granada 2.0 – Ford Granada 2.8i
Neupreis Mai 1978 (Mark): ab 20.450,- – ab 27.750,-
Leistung: 90 PS bei 5.100/min – 160 PS bei 5.700/min
Drehmoment: 144 Nm bei 3.000 – 221 Nm bei 4.300/min
Antriebsart: Hinterrad
Beschleunigung (0-100 km/h): 16,5 – 10 s

Alle Screenshots fertig, alle relevanten Daten über diese wundervollen Autos aus dem Netz recherchiert. Ich habe die ersten drei Staffeln durchgeguckt und nach vier Tagen ein wenig eckige Augen, aber ich bin fasziniert. Während der letzte Abspann läuft sinniere ich noch ein bisschen über das, was ich da gerade gesehen habe. Gordon Jackson, der durchgetaktete Chef der Ford-verheizenden Haudegen, ist schon seit über 20 Jahren tot. Letztes Jahr starb auch Lewis Collins. An Krebs. Also ist nur noch Martin Shaw übrig, und vielleicht die Erinnerung an ein paar wirklich coole Autos mit Heckantrieb… Wenn Sie mal wieder nach einer Serie suchen, die irgendwie anders ist und nicht ganz so bescheuert wie das, was heute im sogenannten Free-TV läuft… dann mal los ;-)

Sandmann

Den TRÄUME WAGEN Artikel gibt es HIER *klick*
Bilder: mit freundlicher Genehmigung von Universal Pictures

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Created Freitag, 14. März 2014 Tags Bauernmotor | Capri | Die Profis | Escort RS2000 | Essex V6 | ford | Granada | Lewis Collins | Martin Shaw | Serie | TRÄUME WAGEN Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
10 Mar 2014
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Spiel, waren?

Spiel, waren?

Ewiger Zauber Autorennbahn

Irgendwann ist man einfach zu alt, um ohne Ausrede durch die Spielwarenabteilung eines Kaufhauses zu schleichen. Kurzfristig Abhilfe schafft die Produktion eigener Kinder, da bekommt ja sogar Weihnachten wieder den alten Zauber, aber ehe die dann alt genug sind und einen da zwischen den Autos, Modellen und LEGOsteinen ohne laut angemeldeten Eigenbedarf in Ruhe lassen haben sich die Uhren schon wieder weitergedreht… und der online Billigwahn im Internet hat auch das allerletzte, zu Fuß begehbare Kaufhaus platt gemacht :-( Aber noch…. NOCH gibt es Spielwarenabteilungen! Und ne Ausrede hab ich auch: Geburtstagsgeschenk! Rein da. YIPPIE :-D

Es ist nicht alles virtuell im Jahr 2014 – obwohl ich als Onliner damit meine Brötchen und meinen Wein verdiene. Manchmal, oh ja sehr oft sogar machen die Dinge, die ich anfassen kann glücklich. Die nach irgendwas riechen oder schmecken und deren Gewicht in der Hand wiegt. Hamburg City. Tatort Galeria Kaufhof, 3. Stock, Spielwarenabteilung. Es leuchten die Augen des erwachsenen Sandmanns.

Spiel, waren?

Das Paradies. Nicht nur für Kinder.

Ich werde natürlich nicht jünger, wenn ich hier stehe und staune. Ich werde hier auch nicht wieder zum Kind und ich habe nachher, wenn ich in den Alltag rausgehe die gleichen Probleme am Hacken wie vorher. Das ist wie mit dem Alkohol und dem Liebeskummer. Whiskey macht den Abend entspannt und schiebt alles beiseite, aber am nächsten Morgen bricht Armageddon doppelt so brutal herein. Da gibt es Lieder drüber… Aber hey gucken Sie sich DAS doch mal an! Der Plastik gewordene Traum eines jeden Kindes und eines jeden Erwachsenen, der irgendwann mal ein Kind war. Regale voller Figuren, Modellautos, Bastelkrams und ferngesteuertem Tand. Lego. Playmobil. Eisenbahnen und Autorennbahnen. Flugzeuge und Schiffe! ARGH.

Spiel, waren?

Hier will ich wohnen

Eine Welt, die schon immer so etwas wie ein Paralleluniversum zum Alltag war. Als es in meiner Heimatstadt Uelzen noch das große Kaufhaus Klappenbach gab wollte ich UNBEDINGT immer mit zum Einkaufen. Unten durch die Glastüren rein und zwischen Kosmetika und Socken durchflitzen, zwei Rolltreppen hoch, rechts um die Ecke an dem langen weißen Packtresen mit den Kassen vorbei und dann langsam den Schritt drosseln. Es roch nach Kaufhaus, nach Teppich und Menschen. Je näher ich den Regalen da hinten kam, randvoll mit fast allen meinen kindlichen Wünschen, desto mehr mischte sich auch Kunststoff, Gummi und lackiertes Metall darunter. Wissen Sie, wie das lackierte Metall eines SIKU- oder Matchbox-Autos riecht? Probieren Sie das mal aus. Als kleines Kind stand ich in meinen schlecht sitzenden Latzhosen vor diesem riiiiesigen Matchbox-Hängeregal an der linken Wand, gleich bei der Notausgangstür. Immer wieder entdeckte ich neue Autos, und ich wollte sie fast alle haben. Ich hatte sie auch fas alle. Oh, guck mal. Zumindest von SIKU gibt es noch immer kleine, eingeschweißte Metallautos. Finden die heute überhaupt noch minderjährige solvente Freunde, wo sie doch weder Lärm machen noch ferngesteuert sind oder sich übers iPhone steuern lassen…?

Spiel, waren?

Spielen Kinder noch mit Autos?

Wenn ich mir genug Taschengeld zusammengespart hatte fuhr ich von Oldenstadt West mit meinem Klapprad zu einem kleinen Laden in Oldenstadt, auf der anderen Seite des Elbe Seitenkanals. Heers. Dort gab es ein Regal, in dem Schiffs- und Flugzeugmodelle von Airfix und Revell verkauft wurden. Rein, geradeaus und links hinten an der Wand, gegenüber der Kasse. Und wenn mein Geld gereicht hat fuhr ich voller Vorfreude mit einem länglichen Karton auf dem Gepäckträger wieder nach Hause und igelte mich für Stunden oder Tage mit dem Plastikmodellbausatz und einer Tube Klebstoff ein. Die gigantische “Tirpitz” oder die “Scharnhorst”, detailreiche Flugzeugträger mit Begleitflotte, sie alle “schwammen” dann im Sommer über den Rasen im Garten, der für mich weitläufiger war als das Meer, was ich noch nie gesehen hatte. Sogar zum Erdkundeunterricht trugen meine grauen kleinen Kriegsschiffe bei! Die “Admiral Graf Spee” (mein absolutes Lieblings-Kriegsschiff, weil es pro Geschütz drei Kanonen nebeneinander und so einen riesigen Suchscheinwerfer am Kommandoturm hatte) wurde ein paar Kilometer vor Buenos Aires in der Mündung des Rio de la Plata von ihrem Kommandanten selbst versenkt, wie ich auf der Verpackung las. Ich drehte an diesem Abend so lange an unserem beleuchteten Globus herum, bis ich diese Flussmündung an der südamerikanischen Ostküste fand. Hier und heute gibt es noch immer lustige graue Schlachtschiffe als Bausatz zu kaufen. Faszinierend, dass in Zeiten der Spielekonsolen anscheinend noch immer Menschen mit Klebstoff kleine graue Plastikteile zusammenkleistern.

Spiel, waren?

Ich hätte so lange genörgelt bis man es mir gekauft hätte…

Ich könnte hier noch stundenlang wühlen, anfassen und ausprobieren. Ich stromere vorbei an großen Regalen mit Playmobil Figuren und Accessoires, Star Wars, Ninja, mit LEGOsteinen, Technik, Creator und was weiß ich noch alles. Tobi und Nils, die beiden Brüder von gegenüber hatten alles voller LEGO und Playmo. In Tobis Zimmer gab es so viel Playmobilkrams, dass damit ein ganzer Kindergarten hätte spielen könnte – und beim älteren Nils lagerte die gleiche Menge LEGO. Das glich Ali Babas Schatzkammer, und sie befand sich nur einen Druck auf eine Türklingel von mir entfernt. Irgendwie war es bei den beiden immer ein bisschen siffig und es roch nach Pizza und Miracoli, aber meine Mutter musste mich da regelmäßig an den Haaren wieder rausziehen. Doch wie schön – anscheinend spielt das Kind von 2014 noch immer das gerade Erlebte mit diesen kleinen Plastikfiguren nach :-) Es gibt Playmobil Familiensets, Trennungsszenarien, Patchwork-Spezialeditionen, Obdachlose mit Einkaufswagen, Entzugskliniken und was noch so um einen herum spannend ist. Und anscheinend hat die Technik auch vor LEGO nicht halt gemacht, man kann die komplizierten Modelle inzwischen fernsteuern. Cool. Und der ganze Kram kostet teilweise mehr als die 1:1 Originale, deutsche Eltern scheinen heute mehr Geld zu haben als immer behauptet wird.

Spiel, waren?

Leben – nachgespielt

Dieses kunterbunte Eldorado lässt mich erst abheben und holt mich dann auf den Teppich runter. Nein, warten Sie, Teppiche lagen bei Klappenbach in Uelzen, hier ist alles gefliest oder laminiert und pflegeleicht. Was geht in einem 42 Jahre alten Mann vor, der drei Jahre lang bei ebay genau den Modellbaukatalog von Airfix (13. Ausgabe) sucht, der 1976 bei Heers in Oldenstadt auslag? Der ihn dann endlich findet, für 13 Euro kauft, sich bei seiner Ankunft quietschend wie ein Kind zu Weihnachten mit einer Tafel Schokolade für ne Stunde zurückzieht und die ins Gehirn gebrannten Bilder der muffigen Seiten schwärmend aufsaugt? Ich glaube, das ist ein Fest für jeden Therapeuten. Ist das Leben mit all seinen Nebenstraßen und Verantwortungen so unübersichtlich geworden, dass ich mich danach sehne, einfach mal wieder zu spielen? Auf dem Boden zu sitzen und mit LEGO was zu bauen? Vielleicht. Ich bin inzwischen so vernünftig, mir nicht wieder ein Kriegsschiff mit 500 Teilen oder ein ferngesteuertes Auto zu kaufen… obwohl…… :-D Nein nein, auf dem Boden sitzen und spielen geht wieder ganz ohne schräge Blicke der anderen mit meinem heute einjährigen kleinen Sandmädchen. Und ihretwegen bin ich eigentlich hier, denn sie soll noch ein Auto bekommen, was einfach so rollt und was aber auch ein kleines bisschen Krach macht. Ein Krankenwagen zum Beispiel. TATÜÜÜÜÜ TATAAAAA ♫ Sowas findet sie toll und lustig, und wenn dieses kleine Mädchen lacht und in die Hände klatscht dann kann mich dieses erwachsene Leben mit seinen zermürbenden Stolpersteinen und Fallgruben für einen kleinen Moment am Arsch lecken. Dann ist alles gut.

Spiel, waren?

Deshalb bin ich eigentlich hier…

Kindergeburtstag. Herrjeh, ich komme vom 100sten ins 1000ste ;-) Aber da gab’s immer eine Menge Plastikmodelle für mich… Stoppessen, Kuchen und Brause und wenn das Wetter gut war (gefühlt war es das immer, der Mensch verdrängt ja gern blöde Erinnerungen) ist Papa mit uns an den See bei Oldenstadt gefahren, und wir haben quer durch den Wald Verstecken mit Abschlagen gespielt. Heute geht man mit der Brut ins Cinemaxx, den Indoorspielpark oder zu McDonald’s, gibt 200 Euro oder mehr für deren Entertainment aus und bereitet den kleinen Damen und Herren einen guten Tag nach der Definition des 21. Jahrhunderts. Ich bleibe ein bisschen oldschool. Den eigenen roten Plastikkoffer mit meinen gesammelten, bespielten Matchbox und SIKU Schätzen habe ich gehütet wie den heiligen Gral, er ist vor ein paar Wochen teilweise an mein kleines Sandfräulein übergeben worden :-)  Ich löse mich jetzt sehr ungern von den vielen bunten Dingen in der Spielwarenabteilung, aber ich muss noch reichlich was schreiben heute. Auf dem Weg zur Kasse komme ich noch an weiteren wundervollen Dingen vorbei, mit denen ich am liebsten sofort spielen möchte. Mannmann.

Spiel, waren?

Glücklich 2014

Ka-Chingg ♫ Meine Kleine wird sich freuen :-) Und vielleicht gibt es ja immer noch diese großen bunten Kaufhäuser, wenn sie alt genug ist, da rein zu wollen. Vielleicht begreifen die Menschen eines Tages bei allem Preisvergleich und der riiiiiesigen Auswahl im World Wide Web, dass es ein ganz anderes Gefühl ist, Waren anzufassen, sie zu hören, sie zu riechen! Kaufhäuser riechen eben wie Kaufhäuser, nichts anderes auf der Welt riecht so. Hier kann man mit den Verkäuferinnen quatschen und immer wieder Neues entdecken. Auch ohne die automatisierte “das könnte Ihnen auch gefallen”-Funktion oder irgendwelche Werbe-Algorithmen, die aufgrund meines Surf-Verhaltens im Netz genau wissen, was sie mir bei Facebook anbieten sollen. Spiele sind nicht mehr, Spiele waren. Keine Angst, ich werde nicht alt und grantelig, und früher war auch garantiert nicht alles besser. Aber es war ruhiger. Es gab mehr Raum für das Wesentliche und die kleinen Freuden. Ich habe mit jedem weiteren Jahr mehr Mühe, mir diesen Zauber zu erhalten…

Sandmann

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07 Mar 2014
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Strata post noctem

Homeward Bound

Homeward Bound

Nach dem Abendbrot zurück nach Deutschland
Über 900 Kilometer an einem einzigen Tag. Gemeinsam mit einem 13jährigen Mädchen in dem 17jährigen Daimler, der diese Strecke als persönliche Gesamtlaufleistung sozusagen schon 722 mal gefahren ist. Quer durch die Republik nach Hause, von ganz im Süden nach hoch im Norden, fällt mir noch mehr deskriptiver Mist ein? Außer dem bevorstehenden Latein Vokabeltest eben dieses Mädchens? Nein. Ich muss auch erstmal wach werden, irgendwo läuten die Glocken und die Sonne steht noch gar nicht am Himmel. Irgendwo in der Schweiz…

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Aufwachen als Ausländer

Gnaah. Mein Magen ist leicht verklebt vom Käse und mein Kopf ein bisschen benebelt vom Hallauer Weißwein. DAS — war ein schöner Abend, wenn nur die anschließenden Nächte nicht immer so kurz wären. Müssten sie zwar nicht, denn jeder andere im Hause Remo und auch das ganze Dorf außenrum scheint noch zu schlafen, aber wir haben ein interessantes Bündel an Kilometern vor uns und ich will nicht erst mitten in der Nacht in der Stadt an der Förde ankommen. Ich klapp das schweizer Veluxfenster mal weit auf, höre wie die Zimmerluft zischend in die Natur der Weinberge entweicht :-) und knuddel mein Töchterchen aus dem Tiefschlaf. Irgendwo unten in der Küche schlurft Remo herum, schmeißt die klassische Jura an (in der Schweiz ist jedes andere Kaffeemaschinenmodell bei Strafe verboten) und serviert Kaffee und Hefezopf mit Marmelädli oder wie man das hier nennt. Ich trau mich gar nicht, meinem Navi den “Nach Hause” Befehl zu geben, denn heute rechnet es ein bisschen länger an der Route und ich habe Angst vor den Zahlen, die ich sehen werde….

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So groß ist Deutschland ja gar nicht

Uff. Gut. Vorausgeplante Ankunftszeit 17:00 Uhr, ich denke, das werden wir sicher nicht einhalten können. Staus und LKW gibt es am Sonntag zum Glück meistens nicht, und wenn wir immer ein bisschen schneller fahren als wir jeweils dürfen fallen die Pausen in der Gesamtzeit gar nicht ins Gewicht :-) Na dann mal los. Unten auf der Straße, vor der noch immer im Käsenebel liegenden Garage, verabschieden wir uns von unseren freundlichen Gastgebern, werfen die Fragmente des Nachtlagers, die Gitarre und unsere Taschen in den tiefen Schlund hinter der Heckklappe des elfenbeinfarbenen S210 und hören noch einmal innehaltend auf den Klang der Stille hier in Hallau. 8:00 Uhr morgens in der Schweiz. In der NORDschweiz. Es geht zunächst in Richtung Weinberge, ganz grob Richtung Schaffhausen, und mein Lisa-Navi findet ihre Satelliten noch nicht. Die Gute scheint auch noch nicht ganz wach zu sein :-)

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Schweizweit. Im Sommer definitiv schöner

Na klar halte ich auf dem Weg rüber nach Deutschland kurz an und mache eines dieser pathetischen Bilder mit auf den Horizont blickendem Sandmann und altem rostigen Auto. Nein, ich mache sogar zwei davon, weil es hier so schön ist und die frische Kälte des Morgens körperlich spürbar unter die Jacke kriecht. Irgendwann muss ich mir noch mal angewöhnen, immer, IMMER mein Stativ dabei zu haben. Irgendwo in Kiel liegt das rum, keine Ahnung wo, also krieche ich mal wieder im Hocksitz über saftige Grasnaben und bastel meine Kamera auf einen jahrhunderte alten Betonsockel. Irgendwie. Aber man kann sowas ja auch als Challenge sehen :-)

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Tschüüühüüüss

Gefühlt vor vielen vielen Tagen, oder war es vielleicht erst vorgestern?, sind wir an einem verregneten Nachmittag in Hamburg aufgebrochen und in Richtung Hildesheim gedieselt. Das kommt mir vor, als läge es eine Woche zurück. Sind das die vielen Kilometer? Oder füllen die multiplen gebündelten Eindrücke die Erinnerung so doll auf dass die Gedanken für mehr als eine Woche Alltag reichen und daher die Zeit anfängt zu spinnen? Ich weiß es nicht, ich werde das beizeiten mal meinen Neurologen oder meinen Therapeuten fragen. Mein Töchterchen und ich haben noch ein paar ländliche, bergige Streckenabschnitte in der Schweiz vor uns, bis wir bundesdeutsches Gebiet erreichen und bald darauf auch die Autobahn…

da gehts lang

da gehts lang

Lustig. Irgendwie kann ich mich ab Stuttgart an die angeblich gestern in die andere Richtung gefahrene Strecke nicht mehr erinnern. Ich frage nochmal mein alterndes Navi, was hier los ist, und mit patziger Computerstimme (die heißt “Lisa”, wie mein kleines Schwesterchen, deshalb nenne ich das ganze Gerät seit 2007 so) sagt es mir, dass wir gerade Karlsruhe passieren. Ach? Auf dem Hinweg ging’s über Würzburg, zurück geht’s über Frankfurt? Und das ohne irgendwelche Traffic-Stauumleitungen oder minutengenauen Feierabendverkehrsmiteinberechnungen… Na ja, die Dame wird sich da schon was bei gedacht haben, und ich fahr ja ohnehin nicht gern den gleichen Weg zurück, den ich schon hin gefahren bin. So lernen wir mal diese Seite des Landes kennen, zumindest durch die Winschutzscheibe. Und ohne Reisebrötchen. Ran an die Tanke, Nahrung erwerben und Scheiben sauber machen. “Zu meiner Zeit” war das noch im Service mit drin…

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wasche wasche sauber mache

Die Straßen sind vom in diesem Jahr nicht dagewesenen Winter noch extrem salzig, mein altes Taxi sieht untenrum aus wie spontan ergraut! Kein Wunder, dass der Wagen rostet… Vollgetankt und nach einem Check sämtlicher verflüchtigender Flüssigkeiten ist der Daimler wieder bereit für ein paar weitere 100 Kilometer mit konstanten 150 km/h. Nur mein Portemonnaie ist nach dieser Autobahnraststätte nicht mehr ganz so gut drauf. Diesel mehr als 10 Cent teurer als in Norddeutschland, und für unsere Reisebrötchen und eine Cola habe ich über 10 Euro bezahlt :-( Mannmann. Nächstmal nehmen wir lieber ein bisschen von Remos köstlichem Hefezopf mit. Petrus allerdings zeigt sein gesamtes Wetterkönnen in Form von Sonnenstrahlen durch faserige Wolken und macht unseren Trip zu einem dahingleitenden Sonnenbad. Herrlich. So fahre ich am liebsten, und jetzt wo die Windschutzscheibe wieder sauber ist sehe ich sogar ein bisschen was von der Landschaft :-) Hunger. Also Reisebrötchen.

Strata post noctem

Reisebrötchen, wenn auch nicht selbst belegt

Miam. Okay, die sind wirklich sehr lecker, vielleicht war der Preis zumindest angemessen. Der Diesel fühlt sich heute irgendwie anders an. So…. freigeblasen. Kann das sein? Er nimmt das Gas spontaner an, klingt kerniger und qualmt auch nicht mehr beim Beschleunigen (und glauben Sie mir… DAS hat er vorher heftigst gemacht). Das Saugrohr hält auch, was man mir versprach, also ist doch eigentlich alles gut? Ja. Auch ohne “eigentlich”, zumindest was diese Fahrt betrifft. Mein Töchterchen versucht, sich die Entfernung anhand der Strecke Kiel – Hamburg zu verdeutlichen. Wir sind also nach Hamburg gefahren, haben dann da festgestellt dass ich mein Laptop vergessen habe und sind wieder zurück nach Kiel. Und wieder nach Hamburg, nun fehlte aber ihre Handtasche. Aus Hamburg nehmen wir das kleine Sandmädchen mit nach Kiel und fahren nach geholter Handtasche wieder nach Hamburg, stellen dann da aber fest dass wir die Kleine in Kiel vergessen haben. Und so weiter. Eine Menge Kiel – Hamburg – Kiel, und eh wir uns versehen sind wir schon wieder mitten in den Kasseler Bergen. Und es ist erst früher Nachmittag :-)

Strata post noctem

unscharf, aber schnell

Sorry, das Lenkrad ist scharf, der Tacho nicht, aber vielleicht lässt sich trotzdem erahnen, dass dieser alte Daimlerwagen durchaus noch agile 160 fahren kann, ohne dass eine Unterhaltung unmöglich wird ;-) Bei diesem Tempo kann man ja nicht auch noch super Fotos erwarten… Ich bin tatsächlich äußerst positiv überrascht, was der alte Herr noch zu leisten vermag. Und nichts klappert, nichts klingelt, sogar die vier Werkslautsprecher sind mit einem satten Bass und brillanten Höhen in der Lage, das nagelnde Dreiliter-Triebwerk mit dem Soundtrack vom “Little Shop of Horrors” zu übertönen. Wieder ein Wunsch meiner Tochter. Ich bin glücklich…

Dreamteam

Dreamteam

Die Annahme, dass Papa und Tochter seit Jahren ein Reise-Dreamteam sind sollte sich auch langsam rumgesprochen haben. Auch wenn wir das Grüppchen um die große Schwester erweitern, und das wird in diesem Sommer wieder der Fall sein, ist die Reise ganz sicher eine Reise, an die man sich erinnern wird. Und bestimmt wird auch das kleine Sandmädchen, wenn es erst einmal laufen kann, in diese kleine unternehmungslustige Gesellschaft integriert und ihren ganz eigenen Platz in einem Auto und an den Orten dieser Welt finden :-) Bis dahin wird noch eine Menge Diesel die selbstzündenden Brennräume fluten, schauen wir mal wie das Leben so weitergehen wird. Auch wenn außenrum momentan einige Sachen echt nicht leicht zu knacken sind (aber das ist eine andere Geschichte) hat sich nach einigem Hin und Her ein Familienpatchwork eingependelt, mit dem nicht nur alle gut leben können – der den meisten Beteiligten sogar Spaß macht. Ich glaube ich bin ein ganz cooler Papa 8-) Eine letzte Futterpause bei dem Laden mit dem goldenen M, bald sind wir wieder in Kiel.

Strata post noctem

Kaffee, Abendessen, egal.

Na klar war das eine anstrengende Tour. Als wir tatsächlich um 17:30 Uhr vor der Casa Sandmann den Motor ausmachen würde ich am liebsten gleich ins Bett plumpsen. Aber es sind noch ein paar Sachen auszuladen, mein Töchterchen muss noch ein paar Hausaufgaben nachholen und die lateinischen Vokabeln sollen noch gelernt werden. Da kann ich ihr nun GAR nicht helfen, ich bin Physik- und Kunstlehrer….. Wenn überhaupt ;-) Waren wir heute Morgen nicht noch in der Schweiz? Echt? Irgendwie war das überhaupt kein Problem… Der Benz hat im Schnitt 6,8 Liter genommen, so billig kommt man nicht mal per Anhalter durch die Republik. Und er läuft und läuft und läuft. Mein Töchterchen und ich sind wieder auf dem neuesten Stand der Geschichten aus zwei verschiedenen Welten, haben unseren Musikgeschmack erweitert und drei echt gute Tage gehabt. Machen Sie das auch mal wieder. Einfach mal weit weg fahren, zu lieben Menschen. Das bringt mehr als ein zweiwöchiger Pauschalurlaub irgendwo da, wo man niemanden kennt…

Sandmann

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Created Freitag, 07. März 2014 Tags autobahn | bab | Hallau | heimweg | Ich fahr... TAXI! | karlsruhe | Käsefondue | Reise Reise | Reisebrötchen | Remo | S210 | Sandmann | schweiz | W210 | wein Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
04 Mar 2014
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100 Oktan im Käsekeller

100 Oktan im Käsekeller

Don’t drink and drive

Zum Abendbrot in die Schweiz
Nach dem kompletten Durchmessen der Bundesrepublik Deutschland steht das klapperige Daimler-Taxi unten in der schmalen Straße in Hallau/Schweiz und kühlt tickend und knackend ab. Mein reisefreudiges Töchterchen und ich sind für ein leckeres Abendbrot hier her gefahren, tatsächlich einigermaßen rechtzeitig angekommen und stehen vor einem Abend voller Autos, Käse, Weißwein, Dampfmaschinen und Benzingesprächen mit gut gelaunten Menschen in einem unterirdischen Kellergewölbe. Dafür sind ja nicht nur die Österreicher bekannt. Bevor das traditionelle blubbernde Milchprodukt den Magen verklebt fangen wir aber mit einem Spaziergang zu der auf der anderen Seite des Berges rumliegenden Seilbahn an.

Wir waren ja angeblich schon einmal hier….. Uhrenvergleich:

2009:

100 Oktan im Käsekeller

Das etwas andere Gasthaus

und dann 2011:

100 Oktan im Käsekeller

Bei der angestürzten Gondel…

okay und jetzt 2014:

100 Oktan im Käsekeller

Die Gondel ist noch immer da

Einige Dinge bleiben einfach da, wo sie sind und geben mir das gute Gefühl, vielleicht doch ein bisschen unsterblich zu sein :-) Vielleicht reise ich aus diesem Grund auch immer wieder in meine eigene Vergangenheit. Die Erkenntnis, dass einige Sachen beständig sind geben Halt in aufgewühlten Zeiten. Rund um die Seilbahngondel hat sich einiges verändert, heute liegt kein Schnee und auch der kleine rumpelige Kiosk nebenan ist inzwischen zum nett ausgebauten Kleinimbiss mit richtiger Toilette geworden! Und suuuper: Hier hat man noch immer das deutsche Netz am Ohr, also kann ich noch ein paar zärtlich gehauchte Herzen nach Hamburg senden, bevor wir im dunklen Gewölbe später endgültig von jeglicher Zivilisation abgeschnitten werden. Mit den angereisten Jungs und Mädels geht es also in erster Instanz wieder einmal mit dem Auto hoch auf den Parkplatz und dann zu Fuß über den Hallauer Berg runter zur Gondel, wo es für die Großen ein Bierchen und für die noch nicht ganz so Großen einen Saft oder eine Heissi Schoggi gibt. Prost.

100 Oktan im Käsekeller

Tischrunde Teil 1, noch ohne Käse

Was mich an dieser ersten Vorkoster-Runde besonders freut ist die körperliche Gegenwart eines eigentlich virtuellen “Freundes” von meiner Facebookseite. Lutz, im digitalen Leben als Baur Eta unterwegs wohnt nicht weit von hier und hat uns die Ehre erwiesen, mit seinem 30 Jahre alten 3er BMW reinzuschauen. So -> mag ich Facebook besonders, wenn man sich nicht nur Katzenfotos um die Augen postet sondern sich auch mal leibhaftig sehen kann. Der Schrauber aus Leidenschaft passt ganz hervorragend in die Runde, und Gastgeber Remo zeigt sich entzückt, dass auch mal neue Gesichter da sind. Und muss lachen, als er sieht, dass Lutz und ich uns hier und heute ebenfalls das erste mal begegnen ;-) Und schon hängt der Gute auch tief im Gespräch mit dem Kioskbetreiber, der seineszeichens seit einigen Dekaden historischen Rennsport betreibt – natürlich mit BMW. Okay Jungs, wir lassen euch dann mal alleine und gehen zum Remo zurück ;-) Oder wollt ihr mit? Das Taxi wartet schon…

100 Oktan im Käsekeller

Töchterchen, Baur Eta, Stefan H. und ich

Nu kommt der Lutz doch mit. Und zerrt den Kioskbetreiber gleich am Bärtchen hinterher, aber es ist bestimmt genug Käse für alle da. Sparsam und umweltbewusst, wie man uns Altautobeweger kennt verteilen wir uns natürlich auf die zufällig vorhandenen Gefährte, und so kommt es, dass ich den Baur Eta und den Hinti als Hüter der heiligen Hallen auf meinem Rücksitz begrüßen darf. Tach Jungs. Willkommen in dem Kombi der Wahrheit, in dem Taxi in die Schweiz, in dem weitgereisten rostigen Diesel aus den ganzen Geschichten und in dem Sparmobil, das weniger gekostet hat als die Monatsmiete einer Zweizimmerwohnung in Zürich. Im Tiefflug geht es hinunter durch die jetzt laub- und traubenlosen Weinberge, auf denen das wuchs, was wir später noch verköstigen sollen. Ja tatsächlich, ich kann es nur immer wieder sagen: In der Schweiz leben zwar nicht viele Menschen, aber man versteht es hier, einen wahrhaft guten Wein zu keltern. Ich bekomme Durst.

100 Oktan im Käsekeller

Leben, wo andere parken

Angekommen in der Casa parke ich den Benz für heute final auf einem blau umrandeten Parkplatz an der Straße und hoffe, dass diese Farbe bedeutet, dass ich das auch darf. Neues erforschen, Gutes bewahren. Remo hat seinen ragusafarbenen Audi V8 (das ist so eine Art dunkles Jägergrün) mit der travertinfarbenen Innenausstattung (das ist so eine Art Durchfall nach viel Toastbrot) immer noch. Die Katze in München besitzt das Pendant dazu, diese wie ich doch jedes mal wieder feststellen muss extrem gewöhnungsbedürftige Farbkombination scheint den Neckarsulmer Technologieträger tief mit seinem Besitzer zu verbinden. Man kennt ja die Geschichten. Mit einem Gläschen Hallauer Weißwein in der Hand sitze ich mal wieder in einem Audi V8 (das Aufmacherbild ganz oben), es riecht ein bisschen wie in meinem damals und es fühlt sich trotz der schwierigen Farbe (“Papa…. wie sieht DER denn drin aus, da ist ja sogar das Lenkrad hellbraun…”) ein bisschen wie nach Hause kommen an. Aber nein, ich vermisse ihn nicht. Nein :-( nein. Kann ich bitte noch einen Wein haben?

Darum sind wir hier

Darum sind wir hier

Chasfondü. Oder wie auch immer die das hier nennen, ich bin mal wieder fasziniert von der Divergenz aus dem, was geschrieben und dem, was gesprochen wird ;-) Im Schwabenländle und in Sachsen hat man dieses Problem ja auch. So oder so sind nun auch alle angemeldeten Helden versammelt, meine allerliebste Vreni ist mit ihrem Kai nach erfolgreichem Kinder-Wegorganisieren im weißen SL vorgefahren und hat sich in diesem tiefen Gewölbekeller direkt neben mich auf einen Stuhl geworfen. Da wo Vreni ist ist die gute Laune, eben gerade hat Kai angeboten, dass er wohl später den Job des Fahrers übernehmen würde und von diesem Moment an habe ich trotz geschärftem Blick nicht mehr erlebt, dass mein Glas irgendwann mal leer war. Was ist denn eigentlich so toll an so ner alten Steinhöhle, in der ein paar Bekloppte ihr Weißbrot durch den heißen Käse ziehen und dazu vergorenen Traubensaft verköstigen? Ich weiß das auch nicht so genau. Aber wenn man hier einmal mit dabei war bekommt man eine Ahnung :-)

100 Oktan im Käsekeller

Tischrunde Teil 2, diesmal MIT Käse

Ich wundere mich, wie viel Käse ich essen kann. Und parallel habe ich ein bisschen Angst vor der Nacht und dem morgigen Tag, aber beides ist noch sehr weit weg. Die benzinbetriebenen Chaquelons blubbern dampfend vor sich hin, das Weißbrot knuspert und ab und an höre ich spitze, kurze Schreie, wenn wieder jemandem ein Stückchen Brot vom Pieker gerutscht ist. Gut, dass wir hier nicht im Asterix Heft sind ;-) Der altehrwürdige Raum ist erfüllt vom zufriedenen Gemurmel der Anwesenden. Die Gesprächsthemen reichen von Nagellack (als meine Tochter noch dabei ist) über seltene Autos bis hin zu… Dampfmaschinen. Dampfmaschinen? Ja genau, diese dicken alten Dinger, die schon für Bewegung gesorgt haben, als der Verbrennungsmotor noch nicht in attraktive Hüllen zur Personenbeförderung gepresst wurde. Stefan, der Hüter der heiligen Hallen hat eine echte als Miniatur dabei und baut sie gleich mal mitten auf dem Tisch auf!

100 Oktan im Käsekeller

Wat isn Dampfmaschin?

Und da gucken, glauben Sie mir, nicht nur die Vertreter der U-18-Fraktion neugierig! Eine Dampfmaschine aus Metall, mit Heizkessel, Wassertank und zwei Zylindern. So eine hatte der Sohn unseres Nachbarn damals auch, und ich erinnere mich, dass wir der auf unserer Terrasse so manches mal ordentlich Zunder gegeben haben um zu schauen, wie viele Umdrehungen das schwere Schwungrad wohl machen kann. Vermutlich sind die Schmauchspuren heute noch immer auf dem Waschbeton im hinteren Garten zu sehen, ich muss die Leute mal fragen, die das Haus meiner Kindheit gekauft haben. Feuer, Wasser, Dampf, Bewegung. Was für eine Faszination, ich habe so ein “Spielzeug” seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Geil. Stefan heizt ein, und er hätte wohl seinen Beruf verfehlt wenn an der Antriebsachse nicht ein paar kleine Generatoren angeschlossen wären, mit denen sich – Achtung – STROM erzeugen ließe :-D Oder, wie Illia Richter in seiner Disco in den 70ern immer sagte: “Licht aus. WOM! Spot an! YEAH

100 Oktan im Käsekeller

Physikunterricht zum Anfassen

Das Ding rappelt und klappert und dampft und stinkt Licht erzeugend in der Dunkelheit, großartig, da merken wir gar nicht, wie der Käsemief langsam in jede Faser unserer Klamotten zieht :-) Soweit also zur magenverklebenden Nahrungsaufnahme und zum anschaulichen Showteil des Abends, der weitere Verlauf ist dann offiziell als zwanglos und gesellig zu bezeichnen. Bedeutet: An den Tischen rumsitzen und mit lustigen Menschen bei Wein und Bier Blödsinn reden. Oder das gleiche unten in den Autos machen, es sind noch ein paar neue beringte Schätzchen dazu gekommen. Nun hat Remo keinen Platz mehr in seinen Garagen, also muss er entweder anbauen oder sich endlich mal mit den Autos, die er nun besitzt zufrieden geben. Bei Stefan ist auch kein Platz mehr in den heiligen Hallen, seit er ein 1975er Mazda 929 Coupé ergattert hat. Schaut euch diesen wunderschönen Wahnsinn mal an: *KLICK* Hach ja. Ich schleich nochmal leise zwischen den Audis umher, streichel hier mal übers Blech, schnupper da mal in den Innenraum und frage mich, ob ich wohl irgendwann mal wieder einen V8 haben werde…

100 Oktan im Käsekeller

Sprit zwischen Metall

Aus dem Gewölbe ruft Vreni, ich soll den sentimentalen Scheiß lassen und wieder zurück kommen. Na gut. Mein Töchterchen hat sich inzwischen dem Sündenpfuhl entzogen und berieselt sich ein paar Stockwerke weiter oben mit Animationsfilmen am mitgeführten Laptop. Gut, dass Remo einen Adapterstecker hatte, irgendwie vergesse ich immer wieder dass in der Schweiz alles anders ist als in Deutschland, sogar die Steckdosen. Unten im Gewölbe sind die ganz Harten inzwischen zu hochoktanigem Treibstoff übergegangen, und als ein aus seinen Fehlern lernender Mann im mittleren Alter halte ich mich erfolgreich von der Schnapsauswahl fern. Auch schmeckt mir der hiesige Weißwein viel zu gut, als dass ich irgendwelche klaren Pflaumenzwitscherer verköstigen möchte. Prost ♫ Und HEY :-D Mensch Vreni! Ich bin hier und heute nicht der einzige mit bunten Socken, so wie sonst immer! Geil. Von diesem Moment an bin ich ganz froh, dass hier im Gewölbe weder ein schweizer noch irgend ein anderes Mobilfunknetz vorhanden ist, ich glaube die Fotos hätten alle anderen mindestens so genervt wie mich sonst die Katzen- und Hundebilder ;-)

Sockenhomies

Sockenhomies

Heute hat ja jeder immer seine eigene Bildersammlung dabei, das ist bei Vreni und mir nicht anders. Nachdem die wie immer sagenhaft peinlichen Führerscheinbilder abgeglichen wurden gackern wir zwei alten Ur-Niedersachsen über festgehaltene Szenen aus unserem Leben, ihres in der Schweiz, meines in Norddeutschland. Vielleicht ist es der Wein, vielleicht sind es auch die vielen netten Leute hier um mich herum und die so sagenhaft gastfreundliche Familie des Herrn Remo, die mich nun doch kurzfristig ein bisschen sentimental werden lassen. Oder fehlt mir mein Audi V8? Vielleicht liegt das auch daran, dass die vergangenen drei Jahre nicht immer die schönsten und einfachsten waren, da kommt mir ein unbeschwerter, fröhlicher und ausgelassener Abend schon fast unwirklich vor. Familie und Freundschaft sind zwei sehr sehr wertvolle Dinge im Leben, das wird mir wieder einmal mehr bewusst. Und nach einigen familiären Aussetzern in meinem näheren Umfeld scheint 2014 das Jahr zu werden, wo Freundschaften wieder aufleben. Schön. Damit mache ich weiter. Freunde sind die Familie, die ich mir aussuchen kann :-)

100 Oktan im Käsekeller

gackern über sich selbst

Nach und nach gestehen die ersten Gäste, doch ein wenig müde zu werden. Und da einige auch noch das Auto bewegen müssen war in diesen Fällen der Genuss von alkoholischen Getränken auf ein Minimum beschränkt, was zu dieser späten Stunde die Definitionen von Humor ein wenig auseinandergehen lässt ;-) Ich meine mich erinnern zu können, dass irgendwann plötzlich Kuchen auf dem Tisch stand, dass wir ein paar Lieder zur Gitarre sangen, dass es regelrecht epische Verabschiedungsszenen (vor allem mit einem gähnenden Kai und einer süß gackernden Vreni) draußen auf der Straße in der Dunkelheit gab und dass sich irgendwann eine sagenhafte Ruhe über das mittelalterliche Anwesen legte. Und nun hocke ich hier noch einmal alleine vor Remos V8. Irgendwo oben in der Küche klappert noch jemand mit Geschirr und Gläsern, der dickflüssige gelbe Nebel des erkalteten Käsefondues hängt in den Räumen und neben der Müdigkeit durchströmt mich eine große, sehnsuchtsvolle Zufriedenheit.

100 Oktan im Käsekeller

als könnte es einfach immer so sein

Zu Hause sind Menschen, die ich liebe. Eine davon hab ich mit hergebracht, inzwischen dürfte sie wohl längst eingeschlafen sein. Hier und in so vielen anderen Ecken der Welt sind Menschen, die wie ich das Einfache schätzen. Die unkompliziert und freundlich sind, die nicht engstirnig oder überheblich daherreden und mit denen ich einen super Abend haben kann. Obwohl ich sie doch eigentlich gar nicht so richtig kenne. Vielleicht macht auch gerade das den Reiz aus. Nun dann, ich werde mich wohl auch mal nach oben begeben, wo mein Schlafsack schon ausgebreitet ist. Unter einem Dach in der Nordschweiz. Cool. Gute Nacht du grüner Audi. Morgen dieseln wir in aller Herrgottsfrühe mit dem Mercedes wieder zurück, an einem Stück bis hoch nach Kiel. Und allein dieser Abend war jeden einzelnen Kilometer wert.

Sandmann

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Created Dienstag, 04. März 2014 Tags audi v8 | Dampfmaschine | Gondel | Hallau | Ich fahr... TAXI! | Käsefondue | Reise Reise | Remo | S210 | schweiz | Seilbahn | taxi | W210 | wein Document type Article
Categories Timeline Author Jens Tanz
27 Feb 2014
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Tempomates Meilenfressen

Tempomates Meilenfressen

Und die Händeeeee zum Himmeeeeell

Zum Abendbrot in die Schweiz.
Fahren, essen, fahren, essen. Das heutige Programm von Vater und Tochter im Taxi nach Hallau, was, wenn Sie aufmerksam mitgelesen haben, in der Schweiz liegt. Wir starten in der frühen Morgensonne in Hildesheim und freuen uns auf dieses schöne Ländli, in dem man so schmissige Lieder singt wie “Det äne am Bergli“. Das geht ungefähr so:
♫ Det äne am Bergli,
Det schtat e wiessi Geiß.
I ha si welle mälche,
Da haut sie mer eis.
Holeduliduliduli.
Holeduliduliduli
Holeduliduliduli
Holeduliduli o.
Hm…. äh… Mir kommen erste Zweifel.

Tempomates Meilenfressen

Reisebrötchen, immer wieder großartig

Das Phänomen “Reisebrötchen”. Ich ließ mich hier und da schon einmal drüber aus, aber heute schießen wir den Vogel ab *knall* Die heute Morgen bei Nick aufgebutterten und liebevoll mit Wurst und Käse belegten Knusperstückchen halten nicht einmal bis zum Autobahnzubringer hinter Hildesheim. Laut Mike Krüger fangen hier dann auch gleich die Staus an (Sie erinnern sich an den gestrigen Tag? *klick*), heute wäre das ein bisschen blöder als gestern denn heute wollen wir Strecke machen. Wär’ schon fein, bei Tageslicht in der Schweiz anzukommen und noch die legendäre Strecke zur Seilbahngondel zu laufen. Zu Fuß. So als Einstimmung. Aber hey – gleich hinter Hildesheim geht es nicht los mit einem Stau sondern mit dem, was wir Norddeutschen als ersten Urlaubsschub mitnehmen: Berge!

Tempomates Meilenfressen

Anders als das Flachland

“Berg” nennen wir alles, was dem Horizont im Weg steht. Den alpin geprägten Lesern unter Ihnen werden die Ausläufer des Harz oder die Kasseler Berge vermutlich vorkommen wie eine Sandburg vor der Steilküste, aber für mich sind die schon beeindruckend. Immerhin bin ich extrem flachländisch aufgewachsen (rund um Uelzen in der Lüneburger Heide ist die höchste Erhebung der Schornstein der Zuckerfabrik) und habe auch später eher vom Wind plattgefegte Lokalitäten besiedelt. Kiel ist zwar aus der Sicht eines Radfahrers durchaus hügelig, global gesehen aber eher mit einem weiten Horizont gesegnet. Außerdem erinnere ich mich, dass ich mit dem Taunus auf dem Weg nach Südfrankreich früher in der Gegend um Kassel immer in den dritten Gang schalten musste, weil das so steil war. Also. Berge = Urlaub. Das passiert dem hubraumgesegneten Selbstzünder heute nicht, die fünfte Fahrstufe bleibt bei tempomatgesteuerten konstant 130 wo sie ist und meine Füße entspannen sich irgendwo im Fußraum.

Tempomates Meilenfressen

Raum in der kleinsten Hütte

Gut, wenn auch auf langen Strecken das Entertainment-Paket gut vorbereitet ist. Gestern haben wir noch die Themen des Lebens durchdiskutiert und dann “The Wall” gehört, heute ist aufgrund der kurzen Nacht chillen angesagt. Mein Töchterchen kuschelt sich mit Ihrem Laptop, einem Kopfhörer und der Bordsteckdose in die Kissen auf dem Rücksitz und überbrückt ein paar 100 Kilometer der sich dann doch irgendwie repetierenden Streckenführung mit dem einen oder anderen Animationsfilmchen. Ich entspanne mich auch und… nun, äh… na gut, ich muss fahren. Aber was soll’s, bei diesem schönen, von den Mittelgebirgen reflektierten Sonnenschein und einer einigermaßen entspannten Verkehrslage hängt die gute Laune fast ausschließlich an der Musikauswahl, und da die mir jetzt allein obliegt geht es munter weiter mit den Kings of Leon und den White Lies. Renn, mein Taxi, renn und bring uns in das kleine, europafeindliche Ländchen.

Tempomates Meilenfressen

fahn fahn fahn auf der Autobahn

Und fürwahr, es rennt. Ich habe das Gefühl, der alte Fünfzylinder freut sich extrem, dass er endlich mal wieder dauerhaft freigeblasen wird. Auf den Schildern über der Autobahn tauchen für einen Kieler so fremdländische Namen wie Würzburg oder Frankfurt auf und geben mir das Gefühl, irre weit weg von Schleswig-Holstein zu sein :-) Und irgendwie stimmt das ja auch, heute Nachmittag haben wir schon fast 1000 Kilometer zwischen uns und der Stadt an der Förde gebracht. Aber jetzt noch nicht. Die frühen Reisebrötchen schreien nach einem frühen, deftigen Mittag und das Taxi schreit so nach und nach nach einem Schluck Diesel. nach nach. Fahren, essen, fahren, essen. Doch vorher noch ein wenig Schweizer Liedgut als kurze Unterbrechung meiner CD. Strophe 2:
♫ Sie hät mer eis g’haue,
Das tuet mer so weh.
Jetzt mälch i miner Läbtig
Kei wiessi Geiß meh’
Holeduliduliduli.

Tempomates Meilenfressen

gesundes Fleisch und Salat

Sie merken schon – es zieht sich. Aber das ist ja auch kein Wunder, das sind schließlich auch haufenweise Meilen bis runter in die Schweiz. Wann haben Sie denn das letzte mal eine solche Distanz in einem handelsüblichen alten Auto zurück gelegt? Im Zeitalter der Scheiß-kerosinsubventionierten-Billigflieger ist die Welt sehr klein geworden, ich glaube dass die meisten Menschen überhaupt kein Gefühl mehr für Entfernungen haben :-( Dementsprechend ist es eine kulturelle Bereicherung mindestens für mein Töchterchen, mal mit offenen Augen die Bundesrepublik Deutschland zu erFAHREN. Ach ja, Kultur. Wir werden jetzt einmal die lokalen Essgewohnheiten kurz vor Stuttgart testen, indem wir in einem lokalen Etablissement absteigen und die einheimische Küche auf die Probe stellen. *burps* Notiz an mich selbst: Macht wie immer satt und ist lecker, aber ich werde heute Abend eine Menge Hunger haben. Geil. Das passt ja :-D Und der Daimler wird gleich nebenan gefüttert.

Tempomates Meilenfressen

Alle bekommen was zu essen

Für mein Auto muss das sowas wie eine dieser Kindheits-Touren sein, bei denen ich entweder allein oder mit Freunden oder Töchtern zurück reise an die Orte, wo mein früheres Leben stattgefunden hat. Wissen Sie was ich meine? Sowas wie die Tour mit dem K70 an die Stellen, wo meine damals noch intakte Familie Urlaub machte und wir 35 Jahre später die Fotos nachgestellt haben. Kennen Sie nicht? Dann holen Sie sich eine Flasche Wein und klicken Sie HIER *klick* und dann die folgenden 4 Geschichten :-) Und nochmal *klick*, der Tank ist voll. Das 17 Jahre alte und schon 645.000 Kilometer gereiste T-Modell hat im Schnitt 6,4 Liter Diesel auf 100 Kilometern verdichtet und gezündet. Fragen? Jetzt ist der alte Mercedes satt, entspannt und gut vorbereitet für die Gegenüberstellung mit dem Ort, an dem er geboren wurde. Hallo Stuttgart, Stadt der Sterne!

Tempomates Meilenfressen

Ich erklär ihm das mal…

Er wirkt ein bisschen nervös. Ob er sich erinnern kann? Wir fahren an den gewaltigen Hallen vorbei (schonmal Hiergewesene werden bemerken, dass dieses Bild ein bisschen gefaked ist, das Werk befindet sich in Richtung Süden fahrend eigentlich RECHTS von der Autobahn aber wir waren zu schnell für ein scharfes Foto vom Auto UND den Hallen…), und in dem Moment, als ich mal wieder auf die Idee komme, das Radio für ein paar Verkehrsinformationen zu illuminieren kommen auch schon Nachrichten von Staus auf Autobahnen, deren Zahlen ich doch irgendwie eben gerade gelesen habe? 81? Ja. Stimmt. Der Raum Stuttgart sollte weitläufig umfahren werden, weil Baumfällarbeiten den Verkehr massiv behindern würden. Argh. 140, 120, 80, 50, Stillstand. Danke.

Tempomates Meilenfressen

Gute Idee, aus drei macht eins am Samstag Nachmittag

Ich könnte mich jetzt und hier episch aufregen, warum irgend ein Verkehrsplaner auf diesem Planeten auf die Idee kommt, die A81 wegen Baumfällarbeiten an einem Samstag von drei Spuren auf eine zurückzubauen. Aber das machen die Hörer der lokalen Sender schon für mich, die wild fluchend in die Hotline pöbeln. Na gut. Ich greife mir mein Handy und schreibe Remo, dass wir 15:00 Uhr wohl nicht schaffen werden. Und mit schweizer Gelassenheit schreibt er zurück: “Kein Problem, ihr kommt wann ihr kommt. Die Seilbahngondel wird nicht weglaufen.” Cooler Mann. Da möchte man glatt das bekannte schweizer Volkslied weitersingen, als Hommage an die Gelassenheit dieses Volkes. Zumal es hier laut Schild nach Singen geht. Also los:
♫ Vo Basel uf Züri,
Det häts es Tunell,
Wänn mer ine chunt wirds dunkel,
Wänn mer use chunt wirds hell.
Holeduliduliduli.

Tempomates Meilenfressen

sonores Dieseln schläfert ein

Oh. Okay. Schweizer Volkslieder scheinen nicht in der Lage zu sein, eine 13jährige Teenagerin wach zu halten. Disneys “König der Löwen” offensichtlich auch nicht. Das Leben ist aber auch anstrengend, und vielleicht sind noch nicht alle Schnitzel von gestern Abend verdaut ;-) Mist, nun klappt das nicht ganz lückenlos mit dem erFAHREN der Bundesrepublik Deutschland. Verbuchen wir es als eine Art Werbeblock für Wellness oder so. Während also mein Töchterchen inzwischen den Schlaf der gerechten schläft und vielleicht sogar auch ein kleines bisschen schnarcht, verlässt das Taxi nach vielen vielen Kilometern die Bundesautobahnen und schlängelt sich entlang von Flüsschen und Schlüchtlein in Richtung Grenze zur Schweiz. Ob man uns reinlässt? In letzter Zeit ist das mit der Zuwanderung da so eine Sache, aber wir wollen ja nicht lange bleiben. Nur bis morgen früh, dann sind wir schon wieder weg. Bescheuert? Ja. Aber es macht einen Riesenspaß. Und heeee TOCHTEEEERRRRRR aufwachen, da ist die Grenze zur SCHWEIIIIIIIZ!!!! :-D

Tempomates Meilenfressen

Links abbiegen und da sein

Das ist ja kommod. Keine Selbstschussanlagen und keine Passkontrolle.

Tempomates Meilenfressen

Im Land der Endungen auf “…li”

Irgend jemand sagte mir mal, dass der Sprit hier inzwischen günstiger sei als in Allemagne? Egal, ich habe noch reichlich schwappendes Petrol dabei und rolle mit meinem fröhlich quiekenden Töchterchen in die Schweiz.

Tempomates Meilenfressen

Was für ein Rheinfall.

Sie will nicht aussteigen und Poser-Fotos machen. Sie will endlich ankommen. Sie ist schon so erwachsen :-) Also heben wir nur den Daumen, für uns und fürs Taxi.

Tempomates Meilenfressen

Wir geben und ein LIKE

Irgendwie ist das cool. Gestern noch in Hamburg, heute Morgen noch in Hildesheim und jetzt in der Schweiz. Wie ich schon schrieb – Deutschland ist gar nicht so groß :-) Oben auf dem Kamm der Berge, von wo aus man Hallau schon sehen kann sehen wir auch — die Alpen! *hach* Sie schimmern schneeweiß in der Abendsonne irgendwo hinter dem Zürichsee. Aber das Foto zeige ich Ihnen hier nicht, das habe ich exklusiv meinem halbfinnischen Fräulein Altona gesendet. Mit den letzten Balken des langsam dünner werdenden Telekom-Netztes. Es ist tatsächlich erst halb vier. Das heißt wir haben von Hildesheim bis hier her mit Pausen 7,5 Stunden gebraucht – klasse. Und nach ein paar nicht erwähnenswerten Irrwegen durch die Weinberge stehen wir nach drei Jahren auch wieder vor Remos Haus mit der großen Dachterasse. Letztes mal waren wir noch mit dem Audi V8 hier. Himmel kommt mir das lange her vor….. Angekommen. Super.

Tempomates Meilenfressen

Arriviert in der Schweiz

Es wird dieses Jahr eine kleine, aber sehr nette Runde. Doch davon möchte ich in der nächsten Geschichte erzählen. Da geht es um Weißwein und geschmolzenen Käse, um eine Dampfmaschine mit Stromgenerator, geringelte Socken und wunderschöne Autos. Jetzt sind meine Tochter und ich erstmal trotz allem Spaß froh, angekommen zu sein. Wir tragen unsere Taschen und das mitgebrachte Bettzeug nach oben in das neu ausgebaute Gästezimmer, und ich freu mich jetzt schon auf das irgendwie gemütlich aussehende Doppelbett. Wir lösen mit Remos Hilfe noch kurz das Problem der Inkompatibilität von deutschen Steckern und schweizer Steckdosen, verabschieden uns für heute von jeglichem Telefonnetz und lassen den Abend mal ganz langsam auf uns zukommen. Was für ein Ritt. Und morgen das alles am Stück zurück – aber vorher gibt es noch das leckere Abendessen, wegen dem wir hier sind.

Na gut.

Na gut.

Ich sehe bekannte Menschen und höre einen Dialekt, den ich nie richtig verstehen werde. Lutz, den ich endlich mal live kennen lerne (nach gefühlten Dekaden des Internetkontakts) bietet sich als Übersetzer an, aber ich komme glaube ich auch so klar. Irgendwie. Mal abwarten, was für eine Babelfischfunktion der einheimische Wein übernimmt. Bevor wir uns also auf den Abend stürzen schließe ich für heute mit der letzten Strophe des fröhlichen, inhaltsschwangeren Volksliedes:
♫ Min Vater und d’Muetter
Sind sparsami Lüt.
Sie flicket mer d’Hose
Mit Härdöpfelhüt.
Holeduliduliduli.

Eigentlich bleibt jetzt nur noch die Frage offen, was Härdöpfelhüt ist ;-)

Sandmann

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Created Donnerstag, 27. Februar 2014 Tags Hallau | Hildesheim | Ich fahr... TAXI! | Käsefondue | Reise Reise | S210 | schweiz | stuttgart | T-Modell | taxi | W210 | wein Document type Article
26 Feb 2014
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Hin und Weg

Hin und Weg

Adios, norddeutsches Regenwetter

Zum Abendbrot in die Schweiz
Ah – nein, das wäre gelogen! Heute Abend gibt es Schnitzel in Hildesheim, aber die Richtung stimmt schon mal. Weinbergbewohner Remo hat das Taxi und mich nebst reisefreudigem Töchterchen zum Käsefondue nach Hallau in die Nordschweiz eingeladen, allerdings erst am Samstag. Das ist morgen. Auf dem südgerichteten Weg über die A7 in die Schweiz kommt man fast nicht an Hildesheim vorbei, wo ein Freund von mir sein gastfreundliches, niedersächsisches Dasein fristet. Okay, unterbrechen wir die Meilenfresserei dort, um an diesem Freitag Abend noch ein bisschen Schlaf zu tanken und am Samstag einen nicht GANZ so weiten Weg zu haben. Schlaf. Hahaha. Nicht so weiter Weg. Hihihiiiii.

Hin und Weg

Wahre Größe kommt von innen

Genaugenommen schummel ich sogar doppelt. Ich fahr mit dem rappelnden Saugrohrmörderwagen gar nicht in Kiel los, sondern in Hamburg. :-) Mein Töchterchen sitzt schon vorfreudig im Regionalexpress von Kiel zum Hauptbahnhof, als ich am Hühnerposten noch mal kurz mein weltoffenes Grundverständnis für Kunst neu kalibriere. Morgen um diese Zeit sollten bestenfalls schon die Alpen hinter der Windschutzscheibe zu sehen sein, aber nach einer langen Arbeitswoche bin ich doch irgendwie ein bisschen dankbar ob der Tatsache, heute nicht mal zwei Stunden Strecke zu haben und bei netten Menschen den Abend zu verbringen. Hildesheim. Da war ich bis dato noch nie, warum auch? Umso besser, jemanden zu kennen, der da seit kurzem wohnt. Auf diese Weise kommt man in Deutschland mal ein bisschen rum und kennt die ganzen Städte nicht nur von ihren Autobahnausfahrten… Hallo Tochter, da bist du ja. Und ab geht’s aus der Bahn auf die Bahn.

Hin und Weg

Da sind wir wieder…

Es gehört zu den Themen, die mich mit einer gewissen Dankbarkeit belegen: Als autobekloppter Blogger eine Tochter zu haben, die es cool findet, fast das ganze Wochenende mit Papa in einem alte lauten Auto zu verbringen, Musik zu hören und zu quatschen. Eine seltene Spezies. Das GANZ kleine Töchterchen wollte bei Mama in Hamburg bleiben und das GANZ große lernt fürs Abi. Okay. Die goldene, jeden Tag gefühlt 5cm wachsende Mitte und ich lenken das fast vollgetankte T-Modell am (Freitags) immer dichtgeparkten Elbtunnel vorbei über die Elbbrücken und drehen den Kompass nach Süden. Ich habe eine alte Liedzeile von Mike Krüger im Ohr: “Mein Beifahrer sich auf die Schenkel haut, hinter Hildesheim hat es sich wieder gestaut”. Nun ist es ein typisches Charakterisierungsmerkmal der A7, dass sie auf ihrer gesamten Länge von Norden nach Süden primär aus Baustellen, Fahrbahnverengungen, spontanen Verkehrsunfällen und Liegenbleibern auf der linken Spur besteht. Also alles das, was im Verkehrsfunk zu Hause im Küchenradio sagenhaft unterhaltsam klingt, bei konkreter Reiseabsicht vor Ort allerdings die freitägliche Gelassenheit auf die harte Probe stellt.

Hin und Weg

Aprilwetter auf der A7

Gerade waren wir noch froh, dass der Stau wegen der Baustelle südlich von Hamburg (quer durch den Tunnel auf 20 Kilometern hoch bis Quickborn) unbefahren hinter uns liegt, da geht es mit den ungeplanten Bremsmanövern auch schon weiter. Mittelstreifen aufgerissen, mit vielen kleinen Sandhügeln garniert und träges Dahingleiten der südwärts gewandten auf nur noch zwei Spuren. Egal. Wir haben Zeit und überbrücken auch diese Baustelle mit lauter Musik. Hat Ihre 13jährige Tochter Sie auch schon mal gefragt, ob Sie “The Wall” von Pink Floyd anmachen können? Nein? :-D Irgendwo bei Soltau bekommt der geschätzte Fahrer eines alten Autos mit vielleicht nicht mehr ganz so taufrischen Stoßdämpfern dann noch eine Ahnung, warum auf dieser BAB derart umfangreiche Baumaßnahmen stattfinden. Spurrillen-Rodeo. Hotte hü! Eh’ wir uns versehen taucht der Hildesheimer Dom am Horizont auf und wir dieseln durch die malerische Altstadt, während die Februarsonne pathetisch über einem Gewässerchen hinter Fachwerkhäusern versinkt. Ding Dong. Hallo Nick, mein Freund, da sind wir, zeig mir doch mal das Haus :-)

Hin und Weg

Ein Weinkeller voller Überraschungen

Über genaue Details betreffend den Verlauf des Abends lege ich den Mantel des Schweigens, die meisten von Ihnen hier wissen sowieso schon mehr über mich als meine eigene Familie ;-) Nur so viel: Der Rundgang beschränkt sich selbstverständlich nicht ausschließlich auf den großen Weinkeller. Von der Dame des Hauses werden nach der Besichtigung der zahlreichen Räumlichkeiten frisch panierte Schnitzel zu Kartoffelsalat gereicht, und ich bekomme eine Ahnung, warum mein Töchterchen so groß geworden ist. Das scheint ihr wirklich zu schmecken… Später versuchen ein aktiver und ein ehemaliger Motorjournalist noch die uneinige Frage zu beantworten, ob man im Mercedes-Benz CLS gut und aufrecht sitzen kann oder nicht? Wo ich doch mit meinen 1,90 behaupte, seinerzeit in San Diego sehr komfortable Zeit auf dem Sternen-Fauteuil verbracht zu haben während der 5cm kleinere Nick sich den Kopf stieß? Wir lassen die Hausherrin einmal mit gutem Augenmaß die männlichen Oberkörper vergleichen. So, als säßen wir in einem CLS, das kann man sich ja dazudenken. Position einnehmen, bitte:

Hin und Weg

Fahrercheck, Typ MB CLS

Hm. Kein Ergebnis. Vielleicht bin ich mehr der Liegesitz-Typ? Ist es wirklich eine Frage der Länge des Oberkörpers? Fährt Nick ausschließlich mit Tempomat? Ach komm, lass uns noch ein Schnitzel essen. Irgendwann, nach ein paar bewusstseinserweiternden Getränkepröbchen aus dem Weinkeller, wühle ich mich dann tatsächlich im Gästezimmer irgendeiner Etage dieses großen Hauses aus den 20ern in mein Kuschelkissen und finde anteilig den Schlaf, den ich angestrebt hatte. Nicht ganz so viel wie ursprünglich geplant, wenn man sich lange nicht gesehen hat und viel los ist in den jeweiligen Leben kann so ein Abend auch mal länger werden.
BRRRIIIIINGGGGG ♫ Und der Wecker bimmelt früh in Hildesheim, denn wir wollen am folgenden Nachmittag noch einen Spaziergang über die Schweizer Berge machen. Bei Helligkeit… Mein Töchterchen erzählt mir verschlafen von wirren Träumen, in denen die Sandhügel auf dem Mittelstreifen der Baustelle und ein paar langhaarige Monster vorkamen. Oh. Heute dann vielleicht kein Pink Floyd sondern etwas leichtere Musik.

Hin und Weg

andere würden dafür das Flugzeug nehmen…

634 Kilometer von Hildesheim bis Hallau, und mein altes überhebliches Navi sagt, das sei in knapp sechs Stunden zu schaffen. Ha. Hahaaahaaaa. Ich habe schon vor langer Zeit die TMC Verkehrsfunk-Antenne aus dem Fenster geworfen, weil die einberechneten Stauzeiten bei diesem Modell einem Algorithmus aus dem Mittelalter zu folgen scheinen. Also sechs Stunden netto, plus Stau und plus Pausen, denn bei aller Gelassenheit – die braucht ein alter Mann wie ich ja nun doch ab und an. Ich hoffe heimlich, dass das gespeicherte Kartenmaterial von 2007 wenigstens noch einigermaßen zielsicher ist und verabschiede mich bei unseren verschlafen lächelnden Gastgebern der ersten Etappe. Im Handgepäck sind ein paar liebe Geschenke für mein kleines Sandmädchen, diverse frisch belegte Reisebrötchen mit Wurst und Käse und der Vorsatz, bald mal wieder nach Hildesheim zu fahren. Schön ist es hier. Wer hätte das gedacht?

Hin und Weg

Wenn Helden reisen

Mit einem Taxiiii nach Pariiiiis….. :roll: Nein, nicht ganz. Aber fast, weit ist es von Hallau auch nicht mehr bis in die französische Hauptstadt. Aber dazu mehr in diesem Sommer, jetzt und hier sagen wir erstmal dieser südniedersächsischen 100.000-Einwohner-Universitäts-Metropole tschüss. Es ist tatsächlich erst 8:00 Uhr, müde Sonnenstrahlen kriechen wie Honig über den noch gefrorenen Boden und irgendwann heute Nachmittag werden mein Töchterchen und ich hoffentlich in der Schweiz sein. Wenn das Saugrohrhält. Und die Achsen. Und die Antriebswellen. Aber ich mache mir da keine Sorgen, der alte 290er Direkteinspritzer nagelt zufrieden und sonor auf dem Domvorplatz vor sich hin und weckt die ersten Frühlingsvögel. Ich glaube, es tut dem alten Herren mal ganz gut, über eine lange Strecke quasi freigeblasen zu werden. Ich hör sie schon rufen, die Kasseler Berge. Und ich nehme Sie auf dem Rücksitz mit nach Hallau. Wir lesen uns… :-)

Sandmann

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Created Mittwoch, 26. Februar 2014 Tags A7 | autobahn | Hildesheim | Ich fahr... TAXI! | Reise | Reise Reise | S210 | T-Modell | taxi | W210 Document type Article
20 Feb 2014
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Schweizweit

Schweizweit

Auf ans andere Ende der Republik

Die aktuelle Wochenendplanung hat für mich ab heute einen neuen Arbeitstitel: “Käsefondue in der Schweiz“. Traditionell findet diese Milchproduktvernichtung für ein paar geladene Autobekloppte aus der Umgebung beim Remo in Hallau/Nordschweiz statt. Auf dem Weinberg, tief unten in seinem Gewölbekeller. Ob man Kiel nun zur Umgebung von Hallau zählen kann ist interpretationsfähig, aber ich wurde gefragt und sagte gern ja. Kurz mal da runter. Die notwendigen Vorbereitungen an meinem alten Taxi für diesen 1900-Kilometer-Trip an zwei Tagen lassen sich mit fünf Begriffen beschreiben: Piep (1), Piep (2), Piep (3), wisch und schrumm.

Schweizweit

Da muss wohl noch was dazu…

Piep (1) der Schrei nach Öl
Der alte Daimler sagt seinem misstrauischen Fahrer ziemlich zeitig bescheid, wenn der Peilstab nur noch an der unteren Marke benetzt ist. Na gut, das bekomme ich gerade noch in der Mittagspause geregelt, das Wetter ist schön und viel zu warm für Ende Februar, dann kippe ich mal einen Schluck Öl nach. Man hat ja immer alles hinten drin.

Schweizweit

Und rein damit, und nach der Schweiz mal einen neuen Filter

Dieses mal bewerkstellige ich das aber nicht mit freiem Oberkörper wie damals in Südfrankreich am Audi V8, auch wenn mir das viele lüsterne Kommentare eingebracht hat ;-) Nein, dafür ist es dann doch wiederum noch nicht warm genug, und man wird ja nicht jünger. Und so ne mehrspurige Straße im Nacken, neeee, was sollen die denn von mir denken… Später vielleicht mal. In der Schweiz. So. Ölstand: Check, und der Zigarillo ist auch noch nicht ganz aus. Gut dass Diesel nicht brennt.

Piep (2) der Schrei nach Kühlwasser
Verdammt. Das habe ich nun schon das dritte mal in einem halben Jahr, dass ich rund einen Liter Frostschutz nachkippen muss, weil auch hier ein Fühler bescheid tutet.

Schweizweit

Oha, wieder ein Liter…..

Nein, ich kippe nicht nach weil der Fühler Alarm schlägt sondern weil im Behälter was fehlt. Das ist ja nicht ganz so unproblematisch wie der sehr moderate Ölverbrauch des 645.000 Kilometer alten Fünfzylinders. Wo bleibt das Zeug? Ein kleiner Riss am Kühler? Eine undichte Zylinderkopfdichtung, also quasi eine Undichtung? Kleckert der Wärmetauscher vielleicht? Dem werde ich beizeiten mal auf den Grund gehen, momentan muss stumpfes Nachfüllen reichen. Auch hier tut es ein runder Liter, und die Sensoren sind erstmal befriedigt. Zigarillo brennt noch immer. Reicht? Nein. So ein Mercedes spricht mit einem, besonders wenn ihm Flüssigkeiten fehlen. Kommen wir also zu

Piep (3) der Schrei nach Wischwaschwasser
Wischwaschwasser (oder auch WWW) ist in diesen Tagen ein kostbares Gut. Es friert mal und mal nicht, dann regnet es oder auch mal nicht und die Sonne scheint durch verschmierte Scheiben oder auch nicht. So oder so, der Behälter für die Plörre soll PIEP nachgefüllt werden behauptet das Kombiinstrument.

Schweizweit

Nee, der ist noch voll

Bei der Behauptung bleibt es auch. Ich schaue verdutzt in den großen Pott rein und sehe das anders, da fehlt höchstens ein Liter? Wer hat sich denn hier verhaspelt, lieber Benz, dass du mir Fehler vorgaukelst wo gar keine sind? Ich habe neulich schon mit ihm schimpfen müssen, weil eine der Lampen im Heck einen kleinen Wackler hatte (ich möchte nicht von Kontaktschwierigkeiten sprechen, das klingt dann so menschlich) und das Auto ständig behauptet hat, ein Lichtlein würde irgendwo vermisst werden. Gnarf. Aber den Kollegen habe ich inzwischen auch ausfindig machen können, er war genau so unschuldig wie der Wischwaschwasserbehälter, der eindeutig voll ist. Lump, der. Ich bin schon fast durch mit der kleinen Inspektion für die große Reise, es fehlt noch

wisch – der Schrei nach Sauberkeit
Na klar. Das einzige sichtbare Neuteilan diesem Auto, das Teil, was immer im Sichtfeld von Fahrer und Beifahrer ist kann ich doch nicht sträflich vernachlässigen.

Schweizweit

Er blitzt und blinkt vor blauem Himmel

Ich habe mir sogar extra einen neuen Lappen dafür besorgt, und was soll ich euch sagen, das ist gar nicht so einfach, den Stern sauber zu bekommen. Er ist ja auch Tag und Nacht dem Wind und dem Wetter ausgesetzt :-( So. Vor dem wolkenlosen Himmel Hamburgs macht er sich jetzt besonders gut, er funkelt in der Mittagssonne und ist wieder funkelnd bereit, die Strecke fadenkreuzartig anzupeilen.

Was habe ich eigentlich nun genau vor?
Ich lade morgen Mittag meine charmante Reisebegleitung in das alte Taxi, und dann geht es zunächst nach Hildesheim, einen schon lange fälligen Freundesbesuch abhalten. Man sagt, es soll Schnitzel geben, was ich jetzt gar nicht so schlecht finde. Und am Morgen des Samstags treibt es uns, sie und mich dann tatsächlich quer durch die Republik in die schöne Schweiz. Das dauert angeblich nur sieben Stunden:

Schweizweit

Reise Reise

Wir haben einen Haufen Gute Laune, ein paar Hörbücher und jede Menge konservierte Musik dabei, außerdem ein paar Präsente aus Norddeutschland und reichlich Themen, über die eine 13jährige und ihr 42jähriger Papa so quatschen können. Ein Roadmovie. Ich wünschte, wir hätten ein bisschen mehr Zeit, aber immer nur jammern bringt einen auch nicht weiter. Und da ich gerade ein altes Effektgerät bei ebay überraschend profitabel verkauft habe ist die Bezahlung des Diesels auch gesichert, ohne dass irgendein Budget überreizt würde. Also warum nicht mal total bekloppt sein und sowas machen?

Schweizweit

Schweizweit

Das titelgebende Schweizweit ist übrigens ein lecker Frühstücksladen in Hamburg, der mich letztendlich auf die Idee gebracht hat, meine alten Freunde da unten mal wieder heimzusuchen. Ich bin da ja nicht zum ersten mal, wollt ihr mal schauen? HIER *klick* haben wir schon mal eben genau bei Remo gefeiert und weils so schön war HIER *klick* gleich nochmal. Auch links und rechts davon sind tagebuchähnliche Geschichten, die inzwischen alle schon recht lange her sind. Damals alles noch mit dem Audi V8 und meinen BEIDEN bezaubernden Töchterchen. Inzwischen sind es ja drei, aber die kleinste ist noch zu klein für so eine lange Fahrt und die älteste ist inzwischen volljährig und hat zwar Bock auf die Reise, muss sich aber aufs Abi vorbereiten. Auf das ABI!!! Da rent sie mal wieder, die Zeit. Also bleibt mir noch das mittlere Töchterlein, und das freut sich schon ganz doll. Ich auch. Denn außer Remo sehe ich auch den Stefan H., Hüter der heiligen Hallen wieder! Und mal sehen wen noch alles :-D

schrumm – der Schrei nach Musik ♫
Ich spiele nicht mehr so viel Gitarre dieser Tage. Das hat Gründe, die tief in mir schlummern und hoffentlich bald ausgetrieben worden sind. Aber auf so einem Roadtrip darf die Klampfe nicht fehlen, zumal mir in Hildesheim die Anwesenheit eines klassischen Klavieres angekündigt wurde. Alles drin? Ja.

Schweizweit

Kombi? – Braucht man nicht?

Jetzt habe ich Ihnen episch beschrieben, wie ich ein paar Flüssigkeiten in meine alte Karre gekippt habe und Kopfkissen, Schlafsäcke, Geschenke und eine Gitarre einplante. Andere schreiben über Nahtoderfahrungen oder Flugzeugabstürze. Warum ich nicht? Weil ich irgendwie meine Vorfreude über diese kleine, banale Reise einmal quer durch die Bundesrepublik hier zum Ausdruck bringen möchte :-) Ein ganz paar Kleinigkeiten einpacken, volltanken, gute Musik rein und los. Den ganzen langen Tag autofahren, durch Berge und Täler, über Brücken und Trassen in ein anderes Land und am Abend bei lieben Menschen ankommen. Es ist eines dieser letzten Erlebnisse, die zwar unspektakulär sind, mich aber wunderbar auf die Erde zurückholen. Oder wie sehen Sie das? Wir werden uns lesen!

Sandmann

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Created Donnerstag, 20. Februar 2014 Tags autobahn | Gitarre | Hallau | Hildesheim | Ich fahr... TAXI! | Käsefondue | Kühlwasser | Öl | Reise Reise | roadtrip | S210 | schweiz | stern | Sternstunden | W210 | Wischwaschwasser Document type Article
16 Feb 2014
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Wieder unter Druck!

Wieder unter Druck!

PFRÖÖÖÖÖÖT

Saugrohr-Blues Teil 3
Nach einem ganzen Wochenende unterwegs mit dem geliehenen und zwangsläufig geliebten Golf Bon Jovi meiner Liebsten – da wird es am Montag mal Zeit, ein Rohr im eigenen Auto zu verlegen. Sie erinnern sich vielleicht, das ist nämlich ein bisschen kaputt. Bei meinem Daimler. Und das nicht zum ersten mal. KLICK hier für den Anfang und KLICK hier für Teil 2:-) Nun halte ich das hochglänzende, nagelneue Teil in der noch sauberen Hand, müsste eigentlich zur Arbeit und es hat auch ein bisschen geschneit…. aber was soll’s, am Straßenrand schraubt es sich am lustigsten, also mach ich das mal schnell noch vor dem ersten Kaffee. Halle mit Bühne und Heizung kann ja jeder…

Dabei weiß ich noch immer nicht, warum das alte Rohr zerbrach…

Wieder unter Druck!

Original Mercedes-Benz muss nicht unbedingt teuer sein

Bei einem Bruttopreis von 14 Euro (ich weiß nicht wie oft ich das nun schon erzählt habe) gehe ich jedenfalls das Neurohr-Experiment geduldig ein zweites mal ein, vielleicht auch aus Mangel an Alternativen. Es ist wirklich schweinekalt da draußen, also fahr ich mit meinem brüllenden und stinkenden Seitenrausblas-Daimler ein paar mal um den Block und nerve alle daheimgebliebenen Nachbarn. Wer um 7:30 Uhr noch schläft hat kein Mitleid verdient. Jetzt ist jedenfalls der Motor ein bisschen warm und ich laufe nicht Gefahr, unplanmäßig irgendwo festzufrieren. Vielleicht hätte ich mir noch ein paar geeignete Schrauberklamotten überwerfen sollen…? Ach nee, ich versuche mich schmutzmäßig auf die Hände zu beschränken, außerdem habe ich keine Zeit für so einen Modenschau-Firlefanz.

Wieder unter Druck!

Alt und neu, finden Sie den Unterschied

Das alte neue Rohr sollte schnell draußen sein, das sind ja nur zwei große Schellen mit je einer 10er Mutter, an die man seitlich am Motor gut rankommt. Auch wenn der Diesel ein bisschen wie der DB 601 eines Messerschmitt Jagdflugzeugs aussieht, ist im Benz sagenhaft viel Platz links und rechts neben dem großen, längs eingebauten Klotz. Da bin ich andere Sünden gewohnt… *KLONK* da haben wir den Kleinen ja schon, noch mit Resten von GunGum benetzt. Krass, einfach im Knick durchgerappelt. Und ich habe auch eine Ahnung, woran das gelegen haben könnte. Das Luftverteilergehäuse (wo das Saugrohr dran sitzt) ist mit drei langen Schrauben am Block befestigt, und weil bei zweien davon die Unterlegscheiben fehlen saß es nicht atombombenfest… hm… :roll: Wie dem auch sei, wenn ich schon mal dabei bin hol ich diese Schrauben auch gleich aus ihren tiefen Löchern raus und lege je zwei neue Scheiben unter. Doppelt hält besser. Oh. Ganz schön schmutzig hier, wo es rausgedieselt hat…..

Wieder unter Druck!

Wie eine Unterwasseraufnahme der TITANIC

Hier sieht man fein die beiden Stellen, zwischen denen das Rohr sitzt. Und man sieht auch ziemlich gut, wo die Abgase rausgeblasen sind. Am besten sieht man das momentan jedoch an meinen Händen, die seit wenigen Minuten von einer interessanten, handschuhartigen Schicht aus Ruß und Öl überzogen sind. Meine Jacke ist von diesem Phänomen noch nicht betroffen. Erstaunlich. Rein mit dem neuen Rohr!

Wieder unter Druck!

Wunderschön, es kann weitergehen

Japadapaduuuu ♫ Meine Euphorie ist etwas gedämpft, weil ich ja genau diesen Moment vor rund vier Wochen schon einmal erlebt habe. Aber trotzdem ist es toll, an einem grauen frühen Morgen jetzt das Auto anzuschmeißen und alle Abgase da zu wissen, wo sie hingehören. Und nicht irgendwo im Motorraum. Druck ist wieder da, und das höchst kritische Abgasrückführventil sieht keinen Anlass mehr, dem Steuergerät einen Fehler zu melden. Zufrieden und gesund schnurrt der große Diesel nach nur einer Anlasserumdrehung sein selbstzündendes Lied, ist den Umständen entsprechend leise (das ist eine SEHR relativ zu sehende Aussage), alles ist fest, nix klappert und ich weiß noch nicht so richtig, ob ich meine Hände jemals wieder sauber bekomme. Das ist ein bissche  so wie bei König Midas, nur dass bei dem sich alles in GOLD verwandelt hat, was er anfasste. Das kann ich so von mir nicht behaupten, aber ich bin ja auch nicht Midas. Eher BadeDas. Gibt’s das noch? Ich muss dringend aus der Kälte raus :-)

Wieder unter Druck!

Klappe zu, Affe tot. Oder wie sagt man?

Notlauf war gestern. Es verwundert schon, wie sehr man sich an einen schlechten Zustand gewöhnt und sich ein bisschen damit abfindet. Das kann ich ganz gut, und ich freu mich immer wie ein kleines Kind, wenn so ein schlechter Zustand dann behoben ist. Also… ich will damit sagen, dass ich mich auch sehr gut über so selbstverständliche Sachen wie ein dichtes Abgassystem, ein funktionierendes Radio oder ein zu öffnendes Seitenfenster freuen kann, wenn die entsprechenden Teile vorher lange Zeit ihrer Funktion beraubt waren ;-) Das muss ich jetzt mit ein paar Teilen meines Lebens auch noch hinbekommen, dann freue ich mich darüber vermutlich noch viel mehr, aber das ist eine andere Geschichte. Im Hier und Jetzt muss ich zunächst einen Plan schmieden, wie ich es nachher nach dem Aussteigen und dem Gang zu meinem Schreibtisch hinbekomme, irgendwann heute nochmal irgendwas anzufassen, ohne dass sich alles in Öl verwandelt oder ich mindestens rabenschwarze Flecken hinterlasse. Fragen Sie bis dahin schon mal mein Lenkrad. Himmel ist das ein Siff!

Wieder unter Druck!

Und das ist schon dreimal gewaschen!

Wenn Sie also ein paar Reinigungstipps für verschmierte Hände haben (außer Handwaschpaste, die habe ich selbst, aber nicht in Hamburg) – immer gern her damit. Und nein, ich möchte beim Schrauben keine Handschuhe tragen :-) Irgendwie bin ich unter Zuhilfenahme zweier Kollegen fleckenfrei aus meiner Jacke rausgekommen und habe endlich den ersehnten Kaffee in der Hand. Tasse: ölig jetzt. Nun läuft das alte Taxi erstmal wieder. Und wenn nichts dazwischen kommt wird es mich und mein Reise-Töchterchen am kommenden Freitag erst nach Hildesheim und dann Samstag weiter in die Schweiz tragen. Da ist’s schön, da sind ein paar nette Menschen, da gibt’s Käsefondue und soooo weit weg ist das ja eigentlich gar nicht. Wenigstens das Wellrohr sollte die knapp 2000 Kilometer überleben. Ich werde berichten.

Ich wasch mir dann noch ein viertes Mal die Hände…
Sandmann

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Created Sonntag, 16. Februar 2014 Tags Abgaskrümmer | Ich fahr... TAXI! | mercedes | Neuteil | Öl | S210 | Saugrohr | Schelle | Schmutz | W210 | Wellrohr Document type Article
16 Feb 2014
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Alles freut sich und hoffet, wenn der Frühling sich erneut*

Na, wie ist es Euch in den letzten vier Monaten ergangen? Schon sehr lange habt Ihr hier jedenfalls nichts mehr von mir und dem REDSTAR gelesen.

Doch das ist kein Wunder, ich hatte zumeist an den Wochenenden nämlich reichlich damit zu tun, den tornadoroten T3 wieder in ein ansehnliches Fahrzeug zu verwandeln.

Under Construction

Under Construction

Auch wenn es jetzt erst Mitte Februar ist, fällt auf, dass die Sonne langsam höher kommt und die Tage auch länger werden. Das langte an unterschiedlichen trockenen Tagen immerhin schon mal zur einen oder anderen kurzen Ausfahrt – ein paar Bilder auf Facebook zeigten das bereits.

Schöne Ansichten

Schöne Ansicht 1

Schöne Ansichten

Schöne Ansicht 2

Schöne Ansichten

Schöne Ansicht 3

Schöne Ansichten

Schöne Ansicht 4

Wie steht es denn nun um den REDSTAR? Schlicht gesagt: er ist nahezu fertig! Die To-Do-Liste wird ständig überschaubarer. Sie fordert nur noch:

* Drehzahlmesser muss überprüft werden – er weigert sich momentan noch seinen Dienst zu erfüllen,
* Korrosionsschutz in ein paar wenige Hohlräume einbringen,
* Ersatzradmulde wieder einbauen,
* Zwei neue Reifen (sind schon bestellt!) für die Vorderachse,
* Achsvermessung,
* TÜV,
* Anmelden.

Vorher-Nachher

Klassischer Vorher-Nachher-Vergleich dank Photoshop

Somit geht der Baustellenmodus bei unserem REDSTAR-Projekt nach aktuell etwa 560 Tagen gottlob so langsam seinem Ende entgegen.

Eine der letzten Aktionen:

Loch im Dach

Loch im Dach

Einbau eines Sonnendachs

Einbau eines Sonnendachs

Altmodische Klimaanlage

Altmodische Klimaanlage

Seine ersten Touren werden übrigens bereits geplant. So soll er Anfang Juni zusammen mit unserem K70 und Marcel’s Audi Coupé am Pfingsttreffen des 1. Internationalen K70-Clubs in der Eifel teilnehmen. Auf dem Heimweg werden wir dann auch gleich den im Westerwald organisierten JX-Motor (70-PS Turbodiesel) mitbringen – so beugen wir einem möglichen Herzversagen unseres REDSTAR frühzeitig vor!

Seine Langstreckenqualitäten muss der Multivan dann Ende Juli/Anfang August beweisen: 2.700 Kilometer soll er uns an einem Stück nach Sizilien bringen. Zur Belohnung ersparen wir ihm dann den Rückweg auf heissen italienischen Autobahnen und lassen ihn auf der Fähre von Palermo nach Genua Mittelmeerluft schnuppern.

Dann wird es viel zu erleben und viel zu erzählen geben – wir freuen uns schon!

* Zitat: Friedrich Schiller

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11 Feb 2014
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Rohrbruch im Benz

Rohrbruch im Benz

GUN GUM gegen den Lärm…

Das Schicksal ist heute fies zu meinem Taxi. Das erst vor 4 Wochen neu erworbene und eingebaute Saugrohr (HIER ist die Geschichte *klick*) springt aufdringlich wieder in mein Alltagsbild. Distanzlos, spektakulär und akustisch: Irgendwo auf der A7 merke ich erst einen nennenswerten Leistungseinbruch, dann piept es und ein paar Warnlampen flackern auf und dann…. bricht das Armageddon über mich herein. BROOOAAAAAARRRRRRR!!!!!!! RAAAAAAHHHHH!!!!! Ogottogott. Ich kenne die Symptome und auch das Geräusch. Vorn unter der Haube gehen die Abgase vom Krümmer direkt und hörbar ins Freie. Das Saugrohr ist schon wieder zerbrochen. Und jetzt?

Vielleicht erläutere ich Ihnen das Phänomen einmal anhand eines kleinen Filmchens, denn die Problematik kommt ja nun nicht jeden Tag auf den Plan:

[Im Feed kann dieses Video nicht angezeigt werden.Klicke zum Blogeintrag um das Video anzusehen.]

Krass, oder? Kann man hören wie laut die Karre ist? :-) Leider nicht so richtig, auch ein total kaputter Benz ist immer noch ein komfortabler und gut gedämmter Benz. Übel ist dabei die Tatsache, dass in diesem Fall ein paar Regeleinrichtungen nicht mehr die Werte bekommen, die sie erwarten und den Kahn in den Notlauf zwingen. Mal wieder. Nur noch halbe Leistung, nicht mehr als 3000 Umdrehungen und das alles wegen dieses 14 Euro teuren Rohres. Anruf bei Mercedes im Süden Hamburgs. Ja, na klar, man bestellt mir sofort ein neues Saugrohr, aber das sei erst nach dem Wochenende da. Und nein, ich kann eigentlich beim Einbau nichts falsch gemacht haben, aber gern sehe sich dann am Montag ein Meister das nochmal an, wenn das neue Teil da ist. Hm. Und bis dahin? Das sind noch vier Tage… :-) Idee: GunGum von Holts. Hat schon den Pott meines Taunus vor 20 Jahren aus Südfrankreich raus gerettet. Gibt es das noch immer?

Rohrbruch im Benz

Na ob das halten tut?

Ja. Das gibt es noch immer, zum Beispiel in Form einer flexiblen Matte, die angefeuchtet um die schadhafte Stelle gewurstet und mit beiliegendem Draht fixiert wird. Das mache ich schnell mal direkt auf dem Hof beim Teilehöker mitten in Hamburg, draußen sind Minusgrade aber das frisch gebrochene Rohr ist von den Abgasen noch schön warm. Alles außen rum auch, und rußig :-( Ich fühl mich ein bisschen wie im Töpferkurs, meine Finger werden von der schmierigen Matte langsam terrakottafarben, aber irgendwie scheint das ja zu halten. Und so zusammengezwirbelt soll die Hitze des Rohres dann die Matte aushärten und alles soll gut werden. Wer weiß? Vielleicht hält diese Konstruktion ja die nächsten 640.000 Kilometer und erweist sich standhafter als das durchgeschüttelte, starre Original?

Rohrbruch im Benz

Waidwund, aber bandagiert

Na ja. Nicht ganz 640.000 Kilometer, es hält… ich überschlage mal kurz… rund 800 Meter. Runter von dem Teilehöker-Parkdach, rauf auf die Amsinckstraße, Gas geben und BROOOOOAAAAAAAAAAAAAARRRR!!!! da ist er wieder. Töpferkurs-Matte und Draht haben dem Abgasdruck nicht standgehalten. Schade. 3,50 Euro umsonst ausgegeben :-( Also wird es noch einen dritten Saugrohr-Blog geben, wenn das neue Ding da ist. Bis dahin nehme ich den treuen Golf III Bon Jovi des halbfinnischen Fräulein Altonas. Der Diesel macht mir zu viel Krach und ist mit dem Notlauf-Beschleunigungsverhalten eines Deutschen Mittelgebirges nicht autobahnkompatibel. *seufz* Warum passiert sowas eigentlich IMMER im Winter, wenn es kalt und dunkel ist? Wir lesen uns.

Sandmann

HIER gibt’s alle meine Artikel auch auf Motorkultur 8-)

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Created Dienstag, 11. Februar 2014 Tags Abgaskrümmer | defekt | gebrochen | GunGum | Holts | Ich fahr... TAXI! | mercedes | provisorisch | S210 | Saugrohr | W210 | Wellrohr Document type Article
06 Feb 2014
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Vollständige Langsamkeit

Willkommen im Gestern

Willkommen im Gestern

Eine überraschende Selbsterfahrung in einem 1958er Käfer
Die Kalender zeigen das 21. Jahrhundert. Die automobile Welt hat sich in 125 Jahren rasend schnell gedreht.  Komfort, Sicherheit und elektronische Assistenzsysteme täuschen heute geschickt hinweg über Verbrennung, Öl und Gestank, noch hat sich der Elektromotor nicht durchgesetzt. Dabei ist der steinalte Grundgedanke des Automobils noch immer am Leben: ein Motor, eine Karosserie, vier Räder. Wie viel Auto ist notwendig, um sich in der heutigen Zeit fortzubewegen? Ich habe mir von einem Oldtimerfreund einen alten Käfer ausgeliehen und mich fast selbstlos auf die Spuren von Herrn Müller, Beamter mit Freizeit, begeben.

Mit dem Gestern durchs Heute

Vollständige Langsamkeit

Hallo Welt – ich komme

Herr Müller möchte den sonnigen Maitag nutzen, um mit seinem Volkswagen 1200 in ein kleines Anwesen im schönen Schleswig-Holstein zu reisen. Er will dort ein paar Tage von seinem Bürojob abschalten, einmal keine Schreibmaschinen und keine Akten in großen Regalen um ihn herum sehen. Und vor allem keine Kollegen. Einfach mal er selbst sein. Seinen fjordblauen 1958er Käfer hat er schon am Wochenende poliert und den Reifendruck geprüft. Nach dem Kühlwasser muss er nicht schauen, diesen Teil übernimmt praktischerweise die vom schnatterigen Gebläse um den Motor herum geschaufelte Außenluft. Alles, was er benötigt, passt in seinen kleinen Reisekoffer. Dazu legt er noch ein gutes Buch und seinen Spazierstock mit den vielen schönen aufgenagelten Erinnerungswappen vergangener Urlaubsziele und Wandertage.

Vollständige Langsamkeit

Genug Platz, und sei es der Rücksitz

Der Rücksitz ist ein wundervoller Platz für dieses Utensil, und statt Laptop, Playstation und Smartphone-Accessoires platziert Herr Müller unter der vorderen Haube schnell noch sein gut gefülltes Picknick-Körbchen, direkt hinter dem Tank. Vielleicht lädt ein schönes Plätzchen am Wegesrand zum Verweilen ein.

Vollständige Langsamkeit

Navigation in den 60ern. Mit Augen und Verstand

Ein dickes rotes Buch mit vielen bunten Linien quer durch Europa eignet sich hervorragend zum Abschätzen der bevorstehenden Strecke. In Kombination mit vielen gelben Schildern an den großen Kreuzungen ist Herr Müller in der Lage, den Weg nur mit seinen Augen und diesem Straßenatlas zu finden. Die A7 heißt hier noch E10 und endet in Richtung Norden kurz vor Schleswig. Na gut. Aber die Notwendigkeit einer Jog-Shuttle gesteuerten oder Touch-Screen gestützten Navigationsprogrammierung entfällt so oder so, das überlässt er seinem Nachbarn. Der ist Inder und arbeitet für Microsoft.

Vollständige Langsamkeit

Genug Öl, mehr braucht es nicht

Noch eine kurze Kontrolle des Motorölstands im Heck, alles im Rahmen. Die Haube schließt sich schwer und strahlt Zuverlässigkeit aus. Ein chromiger Knopf statt keyless-Entry öffnet die wuchtige Fahrertür, die hinter ihm “klonkend” ins Schloss fällt. Die Morgensonne hat schon viel Kraft. In diesem Moment könnte man die mehrseitige Bedienungsanleitung der Achtzonen-Klimatronic studieren, um über zwölf beleuchtete Knöpfe eines der 42 möglichen Belüftungsprogramme über das Menü noch zu individualisieren. Oder man kurbelt das Seitenfenster einen Spalt herunter und dreht das filigrane Dreiecksfenster so, dass frischer Fahrtwind über die Unterarme streichelt.

Vollständige Langsamkeit

analoge Klimaanlage 1958

Mehr als sechs Volt Bordspannung sind nicht notwendig, um den Boxermotor mit Zündfunken zu versorgen. Das plattgedrückte, kleinvolumige Motörchen schrabbelt hinten gesund und drehfreudig vor sich hin und scheint nur darauf zu warten, den Krabbler nach vorn drücken zu dürfen. Durch die plane, direkt vor ihm liegende Windschutzscheibe  sieht Herr Müller die Landstraße und ein paar Rehe, die auf dem angrenzenden Feld äsen. Im Sichtfeld liebevoll zusammengestellt, da wo in plastikmuffeligen Aygos oder Matizen oft der Wunderbaum pendelt, befindet sich in der Vase noch ein kleines Blumensträußchen, das seine Frau Ilse ihm gepflückt hat. Das Leben meint es gut mit ihm, keine aufregenden Themen zerfressen sein Gewissen, keine Facebook-Freunde nerven mit Katzenbildern und solche Worte wie “Pitch“, “Meeting” oder “Jour Fixe” kennt er noch gar nicht. Der analoge Beamte setzt mit dem kleinen Hebelchen den Blinker, der schnarrend aus der B-Säule klappt, und rollt dem sonnigen Tag entgegen.

Vollständige Langsamkeit

Nichts lenkt von der Straße ab, außer vielleicht Ilses Blümchen

Vollständige Langsamkeit

Blinken vor 55 Jahren, das hat sich nicht geändert.

Ein Liedchen auf den Lippen ersetzt das Soundsystem mit den integrierten digitalen Aktiv-Endstufen und der 100seitigen koreanischen Bedienungsanleitung. Wo eigentlich beleuchtete Disco-Displays blinkend den Interpreten, den Songtitel und die Kontonummer des Plattenlabels preisgeben, befindet sich in Herrn Müllers Auto eine kleine, ebenfalls fjordblaue Metallblende. Gesang macht glücklich, befreit von der Schwere des Alltags und trainiert das Gehirn. Schließlich muss man sich die ganzen Texte aus der Mundorgel irgendwie merken, während der Fahr darin zu blättern ist zu gefährlich. “Da-has muss ein schle-hechte-her Müller sein, de-hem niemals fie-hiel das Wandern ein ♫ ….

Vollständige Langsamkeit

Autowandern ist des Müllers Lust

Und holla die Waldfee! – Parallelen zum landläufigen Wandern sind in einem Käfer während ungehetzter Überlandfahrten durchaus zu entdecken. Müllers breite Füße spielen geschickt stapfend und liebevoll tretend mit den drei schmalen Pedalen im Fußraum, während er beherzt über den langen dünnen Knüppel die Gänge einlegt. Das erfordert manchmal ein bisschen Zwischengas. Die Auslegeware auf dem Wolfsburger Metall riecht leicht nach Rucksack, und von vorn aus dem Picknickkorb diffundiert ein Hauch von Wurstbrot durch den Innenraum.

Vollständige Langsamkeit

Das will gut sortiert sein

Die Reise geht zunächst durch Rapsfelder und kleine Ortschaften, der freundliche Krabbler schnurrt sein sonores Lied und ist zügig unterwegs. Kerngesund klingt das Maschinchen, keine Warnlampen weisen auf bevorstehende Inspektionen hin. Nichts stört den Genuss der Landschaft oder des Reisens, noch nicht einmal eine Tankanzeige. Herr Müller beschließt, in einem der nächsten Orte noch eine kleine Kaffeepause einzulegen und bei der Gelegenheit auch gleich noch einmal nach dem Benzin zu sehen, bevor es auf die Bundesautobahn geht. Bei einer Nussecke und einem Kännchen Jacobs Krönung im Dorfkrug studiert er das Wochenmagazin, während auch der Käfer sich tickend und knackend eine kleine Auszeit in der Mittagssonne gönnt. Er ist nicht verschlossen. Warum sollte jemand etwas aus ihm entwenden?

Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel

Etwas später genehmigt Herr Müller sich noch eines seiner mitgebrachten Brote und fährt weiter. An der Tankstelle belächelt man den Herrn mit Hut, als er die vordere Haube öffnet, einen Metalldeckel aufschraubt und aus der Zapfsäule Benzin in den kleinen Tank laufen lässt. Immer mit einem halben Auge den Pegelstand im Inneren begutachtend, wenn es überläuft ist das nicht gut für die verbleibenden Brote im Picknickkorb. Es gab einmal eine Zeit, und die ist noch gar nicht so lange her, da half einem ein freundlicher Tankwart beim Zwischenstop. Während das Benzin lief säuberte er die Scheibe und schaute im Motorraum auf Wunsch einmal nach, ob noch alles an Ort und Stelle ist. Einige Markentankstellen, bei denen der Liter Super ohnehin schon ein paar Cent teurer ist, bieten diesen Service inzwischen wieder an – gegen Bezahlung, versteht sich. Nein, da tankt Herr Müller lieber selbst, und nach dem Öl hat er ja schon geguckt. Ist er das, was man heute “oldschool” nennt? Ein schrulliger Eremit?

Vollständige Langsamkeit

Tanken mit Blick und Maß

Einzig der Motorradfahrer gegenüber scheint ihn zu verstehen. Die beiden fachsimpeln ein wenig über Baujahre und Höchstgeschwindigkeiten. Etwas verwirrt ist Herr Müller im Verkaufsraum der Tankstelle. Er möchte vorsichthalber noch einen halben Liter Öl mitführen, wird von der Aushilfskraft an der Kasse aber nur fragend angeschaut. Einen 2009er Chardonnay hätten sie im Angebot, und zum Jack Daniels gäbe es heute sogar noch einen Schlüsselanhänger. Vielleicht ein paar Chips oder einen RedBull? Motoröl habe man nicht. Wofür braucht man das denn? :-( Das macht ihn irgendwie traurig, und noch viel später auf der Autobahn fragt er sich, was eigentlich aus den ehemaligen echten Servicepunkten für Durchreisende geworden ist.

Vollständige Langsamkeit

Tankfreunde vergangener Zeiten

100 Stundenkilometer genügen völlig, um auf deutschen Straßen entspannt das Ziel zu erreichen. Der Stress der linken Spur ist komplett nicht vorhanden, kein pfeifender Turbo muss sich beruhigen und kein Verkehrsfunk rät ihm, ungeplante und völlig verstopfte alternative Routen einzuschlagen. Die Leistung des Käfers reicht, um an langsamen LKW vorbeizukommen, ohne selbst ein Verkehrshindernis zu sein. Der Weg ist das Ziel. Lauer Fahrtwind fächelt den Geruch des späten Frühlings herein und Herr Müller kann hier, auf dem flachen Land sogar selbst ein bisschen über seine Wanderlieder lachen. Da ist von Hohen Tannen die Rede, vom Gipfelkreuz und dem Lagerfeuer am Hang. Nun gut, das alles kann einen Norddeutschen nicht beeindrucken, nur maximal mit Reisefieber infizieren.

Vollständige Langsamkeit

Blick zurück? Na klar, warum auch nicht?

Eben gerade, als er alle Lieder durchgesungen hat sieht Herr Müller die Ausfahrt zum Anwesen, in dem er vor zwei Wochen telefonisch sein Zimmer reservierte. Die netten Menschen nehmen ihm Stock und Hut ab, den Koffer trägt er traditionell selbst. Das Auto kann bleiben, wo es ist, die nächsten Gäste werden erst übermorgen erwartet. Das Bett ist frisch gemacht, der Fernseher hat ARD und ZDF und das Abendessen beginnt bitte pünktlich um 19:00 Uhr. Hausmannskost, und zu diesem schönen Anlass vielleicht einmal ganz verwegen ein kleines Pils. Es versprechen schöne Tage zu werden.

Vollständige Langsamkeit

Angekommen. Wie erwartet.

Herr Müller ist im klassischen Sinn verreist. Ohne Internet und Billig-Wahn, ohne Smartphone und Facebook hat er für eine mehrere 100 Kilometer umfassende Strecke vielleicht 30 Minuten länger gebraucht als sein Abteilungsleiter mit seinem 5er-BMW. Er muss sich nicht vom alles infiltrierenden Entertainment und den rasenden Psychos erholen, er kommt schon vorentspannt und gut gelaunt an seinem Ziel an. Er lässt sich weder von informationsintensiven Multifunktionsdisplays noch von 24-stündiger Erreichbarkeit  wahnsinnig machen.

Hallo Freizeit

Hallo Freizeit

In einer Welt der elektrischen Helferchen und alles draußen lassenden Highspeed-Kapseln fehlt es in einem über 50 Jahre alten Automobil genau genommen an – NICHTS. Diese Art des Verreisens macht glücklich und entspannt schon beim Hinweg. Lassen Sie sich wieder mal drauf ein. Der Sommer kommt ja erst noch.

Sandmann

Einige Bilder mit freundlicher Genehmigung von Schloss Tremsbüttel, www.tremsbuettel.de
D
er ursprüngliche Artikel ist hier: TRÄUME WAGEN

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05 Feb 2014
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Forever Young

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Granada im Winterkleid

Der Granada wird einbalsamiert – für ein Leben bis in alle Ewigkeit
In letzter Zeit ist mein Mann auffallend oft im Haus anzutreffen. Ich frage mich, woran das liegen mag? Nagt womöglich noch immer die Schmach des missglückten Carports an ihm? Oder kam ihm vielleicht im weihnachtlichen Besinnungstaumel die späte Einsicht, dass altes Blech auf Dauer doch nicht heilbringend und seligmachend ist? Ich fürchte – weder noch. Denn kaum habe ich mir diesen Gedanken genüsslich im Kopf zergehen lassen, da wirft sich mein Gatte in seine allerbesten Schrauberklamotten, marschiert entschlossenen Schrittes Richtung Garage und verkündet feierlich: “Jetzt ist der Granada dran“.

Was hat das wohl zu bedeuten? “Dran? Womit?” Grinsend bekomme ich zur Antwort: “Er wird mumifiziert.” “Wie bitte? Ist er tot?” Nicht dass ich ihm das wünschen würde. Andererseits hätte es durchaus seinen Reiz, wenn ein Auto weniger herumstünde. Aber nein, wie komme ich auch darauf, selbstverständlich würde er auch weiterhin und mindestens bis zum Ende aller Tage in unserer Garage stehen, vielleicht in einem Glaskasten. In meiner Fantasie verwandelt sich die Garage langsam in eine Pyramide….”Natürlich ist er nicht tot, was für ein Unsinn!” unterbricht mein Mann jäh meine Gedanken. Wie dumm von mir, wie konnte ich es vergessen, der Granada ist im Grunde genommen unsterblich. Im Winter befindet er sich lediglich in einem todesähnlichen Zustand, Winterstarre nennt man das glaube ich.  Und dann scheut mein treusorgender Ehemann keine Kosten und Mühen, dass er diese harte Zeit gut übersteht. Da werden die altehrwürdigen Brennräume mit Öl einbalsamiert (Vollsynthethik, versteht sich), die Riemen gehören entspannt, damit die empfindlichen Lager keinen Schaden nehmen, die Reifen muss man ganz prall aufpumpen, sonst werden sie plattfüßig, und schließlich ist es wichtig, Auspuff und Vergaser zu versiegeln, um sie vor bösen Flüssigkeiten zu bewahren.

Als mein Mann drei Stunden später noch nicht wieder aufgetaucht ist, begebe ich mich in die heiligen Hallen, um nach ihm zu sehen. Nicht, dass er sich aus Solidarität gleich mit einbalsamiert und daneben gelegt hat. Er ist nicht da. Als ich einen Blick unter das Auto werfe, bin ich entsetzt: Nur noch eine Hand schaut aus dem Auspuff, der Granada hat ihn gefressen!

Forever Young

Erschreckt fahre ich zusammen, als mein Liebster die Kellertür aufreißt und hinter mir steht. Doch nicht gefressen. “Der Latexhandschuh schützt den Auspuff  vor Feuchtigkeit, dann rostet er nicht, weißt Du?” werde ich lachend aufgeklärt. Na klar, ich gehe zurück ins warme Haus und lasse meiner Fantasie noch einmal freien Lauf: In vielleicht 3000 Jahren wird unser Haus längst nicht mehr sein, vielleicht gibt es auch unseren Ort nicht mehr. Das Einzige was man noch finden wird in dieser Gegend ist eine pyramidenartige Höhle, in der sich ein altertümliches Fahrzeug befindet, das aber erstaunlicherweise aussieht wie neu. Und wenn es noch Menschen – nein, Männer gibt auf dieser Erde, dann wird ganz sicher eines Tages einer kommen, den Schlüssel umdrehen und einfach losfahren. Na, und dann soll noch einer sagen, die Mühe hat sich nicht gelohnt.

Karin

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Created Mittwoch, 05. Februar 2014 Tags Einbalsamieren | garage | Granada | Karins Kolumne | Konservieren | Männer | Mumifizieren | Pyramide | unsterblich | Winter Document type Article
01 Feb 2014
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Zeig’s mir, Christine

Zeig’s mir, Christine

Angst? Ja – vielleicht…

Das rote Auto ist für viele ein alter Plymouth mit Flossen aus den späten 50ern, einer dieser Saurier. Der schräge Vogel, der dem Wagen einen Roman gewidmet hat ist für viele zwar ein weltberühmter Schriftsteller, der triviale Horrorgeschichten verfasst – aber er wird damit niemals in den Olymp der tiefgeistigen Literatur aufsteigen. “Christine” ist meine Jugendsehnsucht, ein Roman aus den 80ern, seine Verfilmung von John Carpenter ist für den kleinen 12jährigen Jens der Beginn seiner Autoverrücktheit. Und dann kommt so ein Typ, Andreas Schmidt, und fragt ob ich mal Christine live erleben will. Fertig ist der ganz persönliche Film. Gerettet in die Gegenwart, bezahlt, gegruselt und gefahren. Dies ist die Geschichte von einem roten Monster in einem grünen Tal. Sogar mit Happy End.

Zeig’s mir, Christine

Adolph Beck – und Christine

Klappe, die erste: Es sind gute Zeiten im Amerika der späten 50er Jahre. Rock ‘n‘ Roll sägt aus den Röhrenradios, und der American Way of Life eskaliert im Design der Automobile. Am 6. Februar 1958 rollt in den Chrysler-Werken in Evansville, Indiana, ein rot/weißes Plymouth Savoy Hardtop Coupé vom Band und wird in die Ausstellungsräume der Barker Implement and Motor Company in Lenox, Iowa, geliefert. Der in Deutschland geborene Adolph Beck, mit seinen 70 Jahren längst im Ruhestand, verliebt sich auf den ersten Blick und gönnt sich das für seine Ausstattung und Motorisierung relativ preiswerte Auto für seinen Lebensabend.

Zeig’s mir, Christine

Was Feines für den Rentner, damals

Ein Plymouth gilt als robust und arbeitsam, eine für Europäer nicht nachvollziehbare Form von Understatement der Chrysler Corporation im Schatten von Cadillac und General Motors. Beck fährt mit seinem Auto jeden Sonntag bei gutem Wetter raus an den See zum Angeln. Bei dem noch heute existenten Autohaus erinnert man sich noch gut an seine Angelruten und die Reusen, die immer aus dem heruntergelassenen hinteren Fenster hingen. Der Plymouth begleitet den alten Mann bis zu seinem Tod 1975. Die Witwe kann mit dem schon lange nicht mehr zeitgemäßen Saurier aus dem Pleistozän nichts anfangen und gibt ihn gegen einen Duster in Zahlung.

Zeig’s mir, Christine

Flossen hoch! Gott wie sexy das ist!

Wenige Jahre später schreibt der amerikanische Bestsellerautor Stephen King den Horror-Roman “Christine”, in dem er einen rot-weißen Plymouth Fury von 1958 die Titelrolle spielen lässt. John Carpenter verfilmt die Romanvorlage 1983 und verschafft damit dem Auto einen unsterblichen Platz in meinem Kopf. Mit 12 Jahren sehe ich den “Horror”film, höre den Soundtrack aus 50er Jahre Rock’n Roll und bin fasziniert von diesem Auto, von seiner Farbe, seiner Größe und seinem Sound. Von seiner schieren Kraft und Einfachheit. Die Parallelen zu diesem Auto hier lassen sich mit bunten Farben nachzeichnen: Im Film läuft das Coupé mit der herausstechenden Sonderlackierung neben all den beigen Normalkarossen vom Band. Und “beißt” dann auch gleich einen Vorarbeiter. Na ja, die Kiste ist halt durch und durch böse ;-) Ich hab mir gleich nach dem Film das Buch gekauft und an drei Tagen komplett verschlungen. Nicht schlecht für einen 12jährigen, oder?

Zeig’s mir, Christine

Ein wahrhaft eigenwilliges Cockpit

Stephen King, von dem Tag an bis heute mein Lieblingsautor, lässt den ziemlich spießigen und gemobten Teenager Arnie Cunningham gegen den Willen seiner Eltern das völlig verwahrloste Fahrzeug in den frühen 80ern vom alten George Lebay kaufen (der erschreckende Ähnlichkeit mit Erstbesitzer Adolph Beck hat). Arnie nennt den Wagen “Christine”. Und damit beginnt der Horror: Der Plymouth stellt sich zwischen Arnie und alle seine Peiniger und radiert diese in Eigenregie der Reihe nach aus. Der Gruselfilm, für den 20 Fahrzeuge über die Klinge springen mussten, weckt trotzdem Begehrlichkeiten und verschafft dem in Vergessenheit geratenen Auto aus den späten 50ern eine neue Fangemeinde. Dabei war es gar kein echter “Fury” da auf der Leinwand, denn das top ausgestattete und hochmotorisierte Modell war schon 1983 schwer zu bekommen. Also mussten Fahrzeuge vom Typ “Belvedere” und “Savoy” herhalten. Die sahen aber fast genau so aus, und mir als kleinem Anfangs-Teenager war das egal.

Zeig’s mir, Christine

Wundervolle Details wohin ich sehe

Klappe, die zweite: Beck’s Witwe kachelt mit dem Duster durch die Gegend, und die rote Flossenfuhre findet einen neuen Freund. Todd A. Timmerding, der unser Savoy Hardtop Coupé von George Lebay – nein, verzeihen Sie – von Adolph Becks Witwe ersteht, will daraus auch eine “Christine” machen. In den 90ern kann er mit Hilfe eines verunfallten “echten” Fury seinen Savoy fast ebenbildlich ausstatten: mit den “Hockey-Stick”-Zierleisten an den Seiten, dem originalen Interieur und den “Bumper Wings”, den krönenden Stoßstangenecken. Die Zeit läuft einfach weiter. Ich habe den Film inzwischen vier mal gesehen und mit unzähligen Zeichnungen das Auto in meinem Kopf festgebrannt. Sogar das Nummernschild habe ich mir aufgemalt. Christine lässt mich nicht mehr los, bleibt aber nur im Hinterkopf, den wo in Deutschland sieht man schon so ein Auto? Amerika kann ich mir damals noch nicht leisten. Und das Auto bewegt sich ebenfalls weiter: Aus Hauptdarsteller Arnie Cunningham (schüchterner Teenager) wird der real existierende Andy Schmidt (Dipl. Ing aus Erkrath), als das neue Jahrtausend schon lange in Gange ist.

Zeig’s mir, Christine

LeBay? Nein, Schmidt.

Auch Andy kennt den Film, auch Andy entwickelt daraufhin in jungen Jahren eine Vorliebe für Amis aus den 50ern. Und auch Andy hat, so wie im Film, irgendwann genug Geld zusammen, um im Internet nach einem 1958er Plymouth zu suchen und 2010 bei ebay über Christine zu stolpern. Er macht sozusagen das, was ich mit 12 aus verschiedenen Gründen noch nicht hinbekommen habe. Andy ist nicht ganz so besessen wie Arnie Cunningham, deshalb erbittet er fachkundige Hilfe von Wolfgang, denn das Zeitfenster der ebay-Auktion wird kleiner. Wolfgang rät jedoch zu Umsicht, denn man liest und hört (auch hier bei uns) ja die haarsträubendsten Geschichten von Blindkäufen in den USA. Und so endet die Auktion um das rassige, zweitürige Hardtop-Coupé zwar mit vielen Mails an den aktuellen Besitzer Scott, aber ohne ein Gebot von Andy.

Zeig’s mir, Christine

SO rücken Träume in greifbare Nähe

Halt: der Höchstbietende kauft das Auto nicht. Ein lustiger Spaßbieter. Vielleicht hat Christine ihn auch nur einmal böse schräge angesehen – jedenfalls kneift er. Scott meldet sich bei Andy, und man beschließt, die Sache außerhalb des Onlineauktionshauses zu regeln. Der Gutachter von Carchex begutachtet, Wolfgang berät – und nach 52 Jahren auf amerikanischen Straßen verlässt der zum Fury “gepimpte” Plymouth sein Heimatland mit einem Schiff in Richtung Rotterdam. Andy erfüllt sich nervös den Traum, den ich seit meinem 12. Lebensjahr habe.

Zeig’s mir, Christine

Böse? Das liegt im Auge des Betrachters.

Klappe, die dritte: Böse wirkt das rote Auto, was da aus dem Container herausrollt auf Andy nicht. Aber auch nicht gesund. Eine spätere Leistungsmessung am Motor ergibt riefige und rostige Zylinderlaufbuchsen, zwei Risse im Block, eingeschlagene Ventilsitze und eine lose Steuerkette. Die Dame ist ein wenig malade. Diese Christine kann sich aber nicht wie im Film selbst heilen und braucht eine komplette Herzüberholung, was eine fünfstellige Summe verschlingt. Und sie trotz Andys Euphorie erst einmal monatelang lahmlegt.

Zeig’s mir, Christine

Das krasse Herz eines wahnsinnigen Autos

Der Block wird gebohrt und gehont auf +0,03″. Neu kommen: Kolben, Pleuel, Nockenwelle, Ventile, bleifrei-Ventilsitze, Ventilführungen, Kipphebel und Wellen, Ölpumpe, Wasserpumpe, elektrische Benzinpumpe… Zur Krönung wird das Ergebnis noch Gold lackiert, wie beim original Fury-350cui-Motor “Golden Commando“. Verschiedene Scharmützel mit “Bob, dem Blechmeister” und einer eingestürzten Halle verzögern Christines Fertigstellung weiterhin, aber Andy gibt nicht auf. Er baut alles aus, was er mit nach Hause nehmen kann und legt selbst Hand an. Ölwanne, Ansaugbrücke, Abgaskrümmer, Kettengehäuse, Ventildeckel, Antriebswellen, Hinterachse… alles wird im Wohnzimmer zwischen Sofa und Fernseher vom Jahrzehnte alten Öldreck befreit und neu aufgearbeitet. Sowas verbindet. Glauben Sie mir. Nach Fertigstellung des Motors wird auch das Zweistufen-Getriebe plus Wandler in einer Spezialwerkstatt aufgearbeitet, zwei neue verchromte Stoßstangen geordert, die Felgen gestrahlt und pulverbeschichtet und eine neue Inneneinrichtung sowie neue Weißwandreifen bestellt. Im Mai 2012 erwacht das Fahrzeug erstmals seit der Überführung wieder zu neuem Leben – und besteht den Soundcheck auf Anhieb. Christines Herz schlägt und schlägt und schlägt.

Rock'n Roll

Rock’n Roll

Das Wertgutachten weist eine echte 2+ auf, und getrübt wird Andys Freude nur vom Prüfer, der das H-Kennzeichen abnehmen soll. Nach all der perfekten Arbeit scheitert der Plymouth an einem kleinen Riss im Fahrersitz, ein paar Bläschen an den Schwellern und einer “unzureichenden” Lackierung der unteren Aufbauflächen. Keine Plakette. Im Film hätte sich Christine in der kommenden Nacht aus der Garage geschlichen und den schreienden Prüfer brennend und fauchend direkt vor seinem Haus überrollt. So etwas lässt sie nicht mit sich machen und beendet, was ihr Besitzer nur im Kopf durchspielt.

Zeig’s mir, Christine

Schaurige Beleuchtung mit verdrehter Zeituhr

In der realen Welt flickt Andy den Riss im Sitz notdürftig (die neuen Bezüge sind noch unterwegs) und fährt kurzerhand zu einer anderen Prüfstelle, wo man dem fast perfekten Wagen ein wenig offener gegenübersteht. Es ist doch immer wieder der gleiche Vorgang, Prüfer ist pissig und sperrt sich, anderer Prüfer ist begeistert und erteilt das Go. Wie die Gezeiten hier oben bei uns an Nord- und Ostsee, das ist der ewige Kreislauf, das wird auch immer noch so sein wenn es uns schon lange nicht mehr gibt. Das Kennzeichen wird mangelfrei erteilt. Vielleicht hat Andys Geduld dem ersten Prüfer das Leben gerettet, Christine ist nun jedenfalls “Street-Legal”.

Zeig’s mir, Christine

Er fährt sie. Endlich mit Zulassung!

Klappe, die vierte: Ich selbst stehe vor dem Auto. Leibhaftig. Christine ist relativ gut gelaunt, obwohl es regnet. Sie wartet ruhig, fast ein bisschen lauernd in ihrer klimatisierten Halle und lässt sich geduldig von mir fotografieren. Nach ein paar Minuten gehen ihre so fotogenen Lichter unvermutet aus… Einfach so. Klick, dunkel. Verwundert spricht Arnie – sorry, Andy – mit dem Auto, nimmt das Batterie-Hauptkabel ab und verschraubt es neu. ZOSCH – alles leuchtet wieder. Er versichert mir mir beruhigenden Gesten, dass Christine mit mir kein Problem habe, ich brauche mir keine Sorgen zu machen. Sehr witzig – im Kofferraum liegt Chucky, die Mörderpuppe. Nur, um das mal ein wenig zu untermalen.

Zeig’s mir, Christine

Alles dabei, auch Chucky

Der Mann hat Humor und ich habe Herzklopfen. Meine eigene Nervosität verwundert mich selbst ein bisschen, ich kaue auf meinen Fingernägeln rum. Wie so viele andere stehe auch ich hier nun ebenfalls vor DEM Auto meiner Teenagerzeit, und es ist genau so geil wie damals. Vor dem Auto, das mich mit dem Virus der alten Amis infiziert hat. Kombiniert mit der Verehrung für die triviale Prosa des Herrn King fühle ich mich wie bei der Gegenüberstellung mit dem leibhaftigen Teufel in einer Promi-Show. Meine Nackenhaare stellen sich auf, als der goldene 5,2-Liter-V8 brüllend zum Leben erwacht und die Halle mit Donner und wundervollem Abgas füllt. Andy legt die Fahrstufe ein. Christine fährt an mir vorbei und fährt an mir vorbei und vorbei.

Zeig’s mir, Christine

Auf der Schaumkrone der Überheblichkeits-Welle

Die Wuchtigkeit, die fast schon erotischen Linien eskalieren in diesen kraftvollen, fleischigen Heckflossen und gleiten mürrisch grummelnd in die reale Welt da draußen. Andy kurbelt am klein übersetzten, nicht servounterstützten Riesenlenkrad wie ein Ritter, der eine Zugbrücke zur schützenden Burg hochzieht. Ich muss darüber ein bisschen schmunzeln, verfalle aber umgehend wieder in ein andächtiges Schweigen, weil ich dieses Zusammentreffen noch immer nicht so recht glauben kann. Gekonnt zirkelt er die hier überall deplatziert wirkende amerikanische Farbpfütze auf die dunkle, schmale Asphaltstraße in Richtung Wald. Ein leichter Nieselregen geht nieder, und das Tageslicht versteckt sich heute Nachmittag verschlagen, als würde es die Götterdämmerung prophezeien. “Willst du mal fahren? Christine würde das sicher erlauben…”

Zeig’s mir, Christine

Ich und der leibhaftige Teufel

Seit rund 30 Jahren habe ich auf diesen Satz gewartet, hätte mir jemand im Jahr 1983 vor dem Kino erzählt, dass er eines Tages an mich gerichtet werden würde hätte ich ihm an Ort und Stelle einen Altar gebaut. Ja, ich will! JAAAA! Wie ein kleiner Junge laufe ich hinten um das Flossenschiff herum, was am Straßenrand im Standgas vor sich hingullert. Andy rutscht auf den Beifahrersitz und… ich fahre den Plymouth Fury.

Zeig’s mir, Christine

Mein Herz schlägt bis zum Hals

Die Welt da draußen verschwindet hinter dem Nebel der Begeisterung, der Mystik und des Nieselregens. Es treibt uns tief in das sagenumwobene Neandertal bei Dortmund, wo der bärtige Vorfahre der Menschheit entdeckt wurde. Der Motor knurrt gesund und beherrschbar, das nur zweistufige PowerFlite mit den Wahltasten am Armaturenbrett schaltet weich und sauber. Irgendwie ist das trotzdem alles unheimlich. Liegt das nun an den eingebrannten Szenen des Films, liegt es an dem Auto oder womöglich an der düsteren, stark bewaldeten Gegend? Andy beugt sich von der beifahrerseite vor und schaltet das Radio ein. Aus einem versteckten MP3-Player tönt “Bad tot he Bone” von George Thorogood and the Destroyers – der Soundtrack des Films. Schon wieder Gänsehaut. Andy hat wirklich Humor :-) .

Zeig’s mir, Christine

Objects in the rear viev mirror may…..

Der Blick zurück geht über die mehrfarbigen Polster entlang der flachen Dachlinie ohne B-Säule und über den Kofferraum bis zu den Flossen irgendwo da ganz weit hinter uns. In einem amerikanischen Straßenkreuzer der 50er Jahre hat man eine Menge Auto um sich herum (die heißen ja nicht ohne Grund so), aber diese tiefen Einblicke bleiben den meisten Fans des Films und des Buches verwährt. Läuft der Tacho etwa auch rückwärts? Und was ist denn mit der Zeituhr passiert, warum ist die falsch herum eingebaut? Das Neandertal scheint uns zu verschlucken, Christines Lampen durchschneiden eine gruselige Dunkelheit, die sich hier im tiefen Wald trotz des grauen Tageslichts nicht besiegen lässt. Kaum andere Autos hier. Huch? Aus dem Augenwinkel sind dort tief im Grün der Bäume Stoßstangen und Lampen zu erkennen. Ist hier ein Autofriedhof? Stirbt hier noch mehr als nur ein Mensch, der erst 100.000 Jahre später gefunden wurde?

Zeig’s mir, Christine

Todesfälle im Neandertal

Träge, fast provozierend wischen die Scheibenwischer die Regentropfen von der gebogenen Panoramascheibe und lassen die Konturen der wenigen Menschen am Straßenrand erkennen, die uns ungläubig hinterherblicken. Wir fahren Christine. Und Christine fährt uns. Nach ein paar Minuten dirigiert sich der schwere Plymouth eigentlich ganz leicht, tritt kraftvoll an und lässt sich auch trotz fehlender Servounterstützung gut lenken – wenn man sich daran gewöhnt hat, wirklich sehr viele Umdrehungen am extrem kurz untersetzten Volant zu kurbeln, um die Fahrtrichtung nennenswert zu beeinflussen. Vor den ersten Kurven weist Andy noch darauf hin, und das ist auch gut so. Einfach so lenken ist nicht, da passiert gefühlt gar nichts. Ich muss mich bei all der Faszination regelrecht ein bisschen konzentrieren und habe in den nun dichter besiedelten Gebieten sinngemäß alle Hände voll zu tun. Aber so hat jedes Auto seine Eigenarten, und ich weiß aus sicheren Quellen, dass es bei Christine noch ganz andere gibt ;-)

Zeig’s mir, Christine

Christine. Wir fahren Christine!

Wir sind wieder vor der Halle. Christine gibt mich wieder frei, ich steige aus und lasse die Tür schmatzend ins Schloss fallen. All die Namen und Geschichten, die fiktiven und realen Menschen und die immer wieder unglaubliche Erscheinung eines amerikanischen Autos aus den späten 50er Jahren vereinen sich in diesem Moment zu einem kribbeligen, nicht erklärbaren Gefühl. Während das Auto tickend abkühlt und der Regen auf der heißen Motorhaube zischend abperlt, schlage ich ein Kapitel in meinem eigenen Buch zu und mache einen Haken.

Zeig’s mir, Christine

Komm, zeigs mir, Christine

Andy versichert noch einmal, dass Christine sich nur an denen rächt, die sich zwischen ihn und sie stellen. Das habe ich nicht vor. Im Gegenteil. Er ist in Gedanken mit dem Plymouth Fury gerade vermutlich schon auf dem Weg zum nächsten US-Car-Treffen, während dieses gewaltige Auto in meinem Rückspiegel langsam kleiner wird. Irgendwie flößt es mehr als nur Respekt ein. Ich habe noch immer Herzklopfen, und ich glaube, das liegt nicht nur an dieser Gegenüberstellung zwischen mir und einem Relikt aus meiner Jugend. Irgendwas ist da. Da sind doch gerade noch einmal kurz die Scheinwerfer angegangen?

Sandmann

TECHNISCHE DATEN

Plymouth Fury
Baujahr: 1958
Motor: Chrysler Dual Fury V-800 (Poly)
Hubraum: 5,2 Liter
Leistung: 290 SAE PS bei 4.000/min
Gemischaufbereitung: 2 Vierfach Vergaser Edelbrock Performer 1.403/1.404
Getriebe: PowerFlite 2-Gang Automatik
Antrieb: starre Hinterachse mit Halbelliptik Blattfedern
Bereifung: 7,50-14
Länge: 5.197 mm, Breite: 2.015 mm, Höhe: 1.478 mm
Gewicht: 1.580 kg
Wendekreis: 12,90 m
Verbrauch: ca. 18 Liter

 

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29 Jan 2014
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Tank-Termine???

Tank-Termine???

Terminplaner im Tank

Früher war das alles ganz einfach. Am Montag war Benzin ein bisschen billiger als am Samstag und zu den Ferien und Feiertagen wurde es immer SEHR teuer, was natürlich jedes mal ausschließlich an den spontan explodierten Rohölpreisen lag. Heute gibt es eine Meldepflicht für Tankstellenpreise, um mehr Transparenz für den Verbraucher zu schaffen und Kartellbildung und Preisabsprachen zu unterbinden. Ach? Mag ja sein, dass die sich nicht mehr absprechen – aber abgesehen davon haben die komplett den Bezug zum Alltag der Autofahrer verloren. Die Preise gehen in einer Art und Weise rauf und runter zwischen Kiel und Hamburg, ich finde kein Konzept mehr in den Regionen oder Uhrzeiten und schwanke zwischen Verzweiflung und Sprachlosigkeit.

Bin ich da ganz alleine? Nervt das nur mich?

Tank-Termine???

10 Cent mehr als in Hamburg

Ich nehme den treuen Golf Bon ♫ Jovi :-) meines halbfinnischen Fräulein Altonas (weil mein Taxi grad wie ein Trecker ballert, ich muss erstmal das neue Saugrohr einbauen…) und brummel kurz nach’m Losfahren wie üblich darüber, dass der Tank fast leer ist. Aber von Hamburg nach Kiel reicht es noch. Aus dem Augenwinkel sehe ich die Preise für Normalbenzin auf der Kieler Straße in Richtung Autobahn und freue mich schon, dass ich oben in Kiel nicht ganz so tief in die Tasche greifen muss. Wer Diesel gewohnt ist, schreit bei Super immer ein bisschen auf… Und in Kiel, bei meiner eigentlich sehr preiswerten Discounter-Tanke? Ist die Suppe 10 Cent teurer! Pro Liter. Ich bin doch nur 100 Kilometer gefahren, was ist denn hier passiert? Mist. Aber ich habe den tieflila Kleinwagen jetzt so leergefahren, dass ich keine Alternative habe. Zumal ich ja auch nicht weiß, wie es drei Kilometer weiter um den Spritpreis bestellt ist, wahrscheinlich liegt der da bei 1,20 für Super. Oder bei 1,80. Wer weiß das denn noch?

Tank-Termine???

Nüza nix, muss ja rein.

Ich bin niemand, der sich mit dem Auto an lange Schlangen stellt, wenn der Sprit mal drei Cent billiger ist. Oder der gar einen Umweg dafür fährt (sowas bescheuertes!). Aber bei einem Unterschied von 10 Cent pro Liter macht das bei einem vollen Tank schon 5 Euro! Das… finde ich jetzt ganz schön viel, die trage ich dann eigentlich lieber zu McDonald’s oder hole mir da ein kleines Fläschchen Rotwein aus Italien für. Mist Mist. Also dann eben nicht volltanken, das kann ja kein Mensch mehr bezahlen! Leicht genervt setze ich mich in den agilen Sonderausstatter und höre im Radio den Entwickler einer Tank-App, der sich über die besten Zeiten zum Tanken auslässt. Aktuell scheint es der Vormittag zu sein. Hallo? Eine Tank-App??? Was soll ich denn noch alles ständig über das Internet abfragen? Brauche ich nun auch eine Brötchen-App mit Vollkornindikator und Croissant-Bestpreis-Wegweiser? Oder eine Friseur-App, die mir immer und überall anzeigt, was mich entlang meiner Route ein Trockenhaarschnitt kostet? Ich bin doch nicht bekloppt…… :roll:

Tank-Termine???

Halbleer oder halbvoll?

Oder doch? Komme ich da vielleicht bald gar nicht mehr dran vorbei? Ich will doch einfach nur FAHREN und wenn der Tank fast leer ist tanken. Vielleicht einen kleinen Unterschied zwischen Marken- und Freier Tankstelle wegstecken, aber ich will doch nicht den Tankvorgang nach der Tageszeit oder der ganz persönlichen Befindlichkeit des Tankstellenpächters planen müssen! Erschütternd. Ich musste das mal rauskotzen, kann da nicht mal jemand was gegen machen? :-( Ich setze mich jetzt in den halbvoll getankten Bon Jovi und fahr wieder zurück nach Hamburg. Der ist ja zum Glück nicht so wahnsinnig durstig. Ich sollte vielleicht ganz froh sein, dass ich an einer Tankstelle neben vielfältigen Alkoholika, Zigarren und Tiefkühlpizza überhaupt noch Treibstoff bekommen kann. Wahrscheinlich wird das auch bald vorbei sein und wir kaufen den Saft wieder in der Apotheke, weil alle nur noch Elektroautos fahren. Das Leben eines Autofahrers wird immer unübersichtlicher…

Sandmann

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Created Mittwoch, 29. Januar 2014 Tags 10 Cent | Absprache | Absurdistan | Änderung | app | Meldepflicht | Preis | super | Tageszeit | Tanke | Tankstelle | teuer | Uhrzeit | unterschied Document type Article
27 Jan 2014
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Das Ende des Bullis

T1 Kastenwagen

T1 Kastenwagen

Bulli-Produktion endet in Brasilien
Er war erst der Lastesel der Nation, dann wurde er die Kultkarre der Hippies und heute ist er die Wertanlage für Lifestylisten und wohlhabende Surfer. 6,23 Millionen VW Transporter der Modellreihen T1 und T2 wurden seit den 50ern weltweit verkauft, und noch immer streiten sich die Fans darüber was denn eigentlich T1 und T2 sei. Einige wissen es einfach nicht. Was ebenfalls nur wenige wissen: Noch bis Dezember 2013 liefen fabrikneue T2-Bullis in Brasilien vom Band. Schon seit 1957 produzierte das VW-Werk Anchieta im brasilianischen São Bernardo do Campo die legendären Bullis und werfen von dort aus rund 1,5 Millionen Exemplare auf den Markt. Zum Jahresende 2013 endete jetzt die Geschichte des VW Bulli.

T2 fällt neuen Sicherheitsauflagen zum Opfer
Wer jemals in Brasilien mit dem Auto unterwegs war, könnte zwar ernsthafte Zweifel daran hegen, trotzdem gibt es sie: Die brasilianischen Verkehrsgesetze. Ab 2014 fordern sie für alle neuen Fahrzeuge ab Werk solch neumodischen Krams wie Airbags und ABS, was bei uns inzwischen schon Armbanduhren erhältlich ist. Der gute alte Bulli kann da nicht mehr mithalten. Zwar verfügen die seit 50 Jahren fast unverändert gebauten VW Transporter über zahlreiche “moderne” Ausstattungselemente wie ein MP3-Radio oder USB-Anschlüsse, sicherheitstechnisch allerdings bewegen sie sich noch auf einem Niveau wie zu Zeiten Konrad Adenauers. Das ist auch durchaus den Brasilianern bewusst. Der Kombi, wie der Bulli in Südamerika schlicht und einfach genannt wird, trägt hier den Spitznamen “Jesus me chama“: Jesus ruft mich :-)

Das Ende des Bullis

Kombi – die Last Edition

1200 Fahrzeuge der „Last Edition“
Zum Abschied spendiert Volkswagen allen Bulli-Fans die „Last Edition“. Mit Gardinen, Weißwandreifen und weiß-blauem Lack liefen jetzt noch einmal 1200 T2-Transporter in Anchieta vom Band. Damit läuft nach über 60 Jahren die Produktion endgültig aus – tschüss Bulli. Nicht nur El Gigante wird traurig sein :-(

Das Ende des Bullis

So könnte er in Zukunft aussehen

Oder doch nicht? Schwappt die Retro-Welle in der Neuwagenindustrie etwas auch auf den Bulli über, nachdem der Käfer ja bereits als New Beetle für Aufsehen gesorgt hat? Auf dem Genfer Autosalon 2011 erlebten Besucher am Volkswagen-Stand eine Überraschung: die Fahrzeugstudie „Bulli”, ein moderner Lifestyle-Transporter mit E-Motor, einem Bordrechner inklusive iPad-Touchscreen und immerhin 1600 Liter Ladevolumen (bei umgeklappter Rücksitzbank) steht da so herum und sieht irgendwie… irgendwie gar nicht schlecht aus. Oder was denken Sie? Wird das der neue Bulli?

Das Ende des Bullis

Leider nicht den Motor hinten.

Ich bin mir da persönlich noch nicht so ganz sicher, zumal für mich der Bulli nur ein Bulli ist, wenn er den Motor hinten hat. Das heißt, mein Bulliverständnis endet nach Einstellung der Produktion des guten alten T3, dem kantigen Kasten. Wahrscheinlich wird der auch noch irgendwo gebaut. Aber generell finde ich es mutig, neue Van-Studien zu entwerfen, das Volk mag es dem Wagen danken.Ob und wann die T1-Neuauflage jedoch genau in Serie gehen soll, ist noch ungewiss. Hm. Ich mit Kombi und E-Motor? Chchch ;-) Bleiben wir neugierig :-)

Sandmann

HIER noch ein weiterer Artikel zum Produktionsende und
HIER noch mehr Informationen zur neuen Bulli Studie

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Created Montag, 27. Januar 2014 Tags Brasilien | Bulli | Elektrobus | Fremde Federungen | Last Edition | T1 | Volkswagen-Studie | VW-Bus Document type Article
24 Jan 2014
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Saugen und Blasen

Saugen und Blasen

Hier bläst es, es soll aber saugen

Motz- und Kotzgeschichten mit dem Frosch, Teil 1
Ja, liebe Kinder, da hat sich der Onkel Daimler damals was Schlaues einfallen lassen. Ihr wisst ja wie die Kühe es machen, oder? Die schlingen ihr Gras runter und würgen es dann nochmal hoch, um es besser verdauen zu können. Und damit sie nicht so doll pupsen müssen. Denn Kuh-Pups macht, dass die Erde wärmer wird. Das wusste Onkel Daimler alles, obwohl er kein Landwirt war. Nein, er baute Autos. Das machen seine Nachkommen noch immer. Und er hat sich etwas ausgedacht, das macht, dass seine Autos nicht mehr so doll pupsen. Und bei meinem ist das kaputt gegangen, und wie ich das heile gemacht habe und dann aber doch nicht das zeige ich euch jetzt mal zusammen mit dem Frosch.

Ich mache dazu mal den Motor obenrum nackidei:

Saugen und Blasen

Weg mit dem Plastik, das stört

Den Motor nackig machen ist wichtig. So kommen wir gleich viel besser an alles ran. Versteht ihr, das ist wie wenn ihr Abends eigentlich schon im Bettchen gelegen habt und nochmal aufsteht und ins Wohnzimmer schleicht, weil euer Lieblingskuscheltier noch auf dem Sofa rumliegt. Ohne das kann man ja nicht schlafen. Und da hat eure Mama wenn ihr zur Stubentür reinkommt manchmal auch nichts mehr an, und Papa kommt viel besser an alles ran. Aber wir wollen ja von pupsenden Autos sprechen und nicht von Mama und Papa. Total cool, was dieser dicke schwere Motor hier alles kann. Wenn er mit seinen fünf Mägen ein bisschen saubere Luft und das gute Diesel erstmal verdaut hat, dann pupst er es an der Seite raus. Das riecht dann so ein bisschen wie ein großer Lastwagen oder ein dickes Schiff im Hafen. Das ist ja nicht so schön. Deshalb hat Onkel Daimler sich überlegt, dass er von diesen Pupsen einen Teil nochmal wieder verwerten möchte. Und hat ein Loch oben in das dicke Rohr aus Eisen gemacht, von wo er die nochmal zurück holen holen will, bevor die hinten unter dem Auto rausgehen auf die Straße. Guckt mal, da sieht man das Loch:

Saugen und Blasen

Abgaskrümmer mit Abzweigung

Das dicke dunkle runde Ding mit dem riffeligen Rohr dran meine ich nicht, das ist nochmal was anderes. Turbolader heißt das. Das macht sowas wie eure Nachbarin, wenn die der armen jungen Weihnachtsgans einen Trichter in den Hals steckt und ganz viel Essen reinstopft, damit sie schneller dick wird. Die muss dazu auch nicht nackig gemacht werden. Nur manchmal, wenn Mama nicht da ist und Papa mal rüber geht, um nach ihr zu schauen. Also, nach der Nachbarin, nicht nach der Gans.

Saugen und Blasen

Fragen Sie den Frosch!

Nein, ich meine das kleine runde Loch wo grad nichts drauf steckt. Das kann blasen. Das ist so groß wie ein Fünfmarkstück. Ach verdammt, nein, äh… das ist so groß wie euer Ladegerät vom Smartphone, nur rund. Von dem Loch bis zu einem kleinen, teuren Teil weiter oben geht normalerweise ein Röhrchen, so wie ein Darm. Dieses kleine, teure Teil entscheidet, wie viel von den Pupsen abgezweigt und über ein anderes dickes Rohr auf der anderen Seite dem Motor zusammen mit frischem Diesel wieder zu essen gegeben werden. Das ist dann Saugen. Denn dann ist das wie bei der Kuh, dann wird das alles einfach nochmal gegessen und ist hinterher viel sauberer und macht nicht noch mehr frische Luft kaputt, die der Regenwald mühsam herstellen muss. Dieses Teil, was entscheidet, habe ich hier abgebaut, denn das kleine, darmähnliche Rohr ist bei unserem Auto hier leider kaputt gebrochen. Und wenn das kaputt ist dann pupst der Motor nämlich nicht nur hinten raus, sondern auch vorn und alles ist ganz doll laut und stinkt dann auch drinnen nach Lastwagen oder Schiff. Ich habe ein neues eingebaut, schaut mal:

Saugen und Blasen

Das Corpus Delicti

Der Onkel Daimler hat da nicht nur eine tolle Idee gehabt – er ist auch ein Menschenfreund, denn das Rohr hat nur 14 Euro gekostet. Das finde ich super. Und jetzt, liebe Kinder? Jetzt pupst das alte Auto wie immer hinten raus, das Ding was entscheidet (ihr seht das in dem Bild hier oben rechts) lässt einen Teil der rausgeblasenen Pupse durch und die werden dann auf der anderen Seite wieder zusammen mit frischem Diesel angesaugt und neu verdaut. Saugen und Blasen. Habt ihr euch das jetzt gemerkt? Super! Dann habt ihr das Prinzip des AGR-Ventils und des Saugrohrs bei einem Mercedes-Benz 290 Turbodiesel verstanden. Ein paar der “Speiseröhren” sind auch schon ein bisschen alt und porös, und damit da nicht der gute teure Diesel irgendwo hinläuft oder das Auto gar am frühen, kalten Morgen deshalb nicht anspringt tausche ich die auch gleich noch aus. Und mach mich ganz doll schmutzig dabei. Eure Mama findet das total geil, wenn sie einen schmutzigen Mann sieht, der an alten Autos schraubt. Und bekommt gar nicht mit, dass euer Papa schon wieder bei der Nachbarin ist. Aber guckt mal, da sind die neuen und die alten Speiseröhren. Der große alte Motor wird sich totaaaaaal freuen :-)

Saugen und Blasen

Nun sollte alles wieder funktionieren…

Ich baue das jetzt alles wieder schön säuberlich zusammen, denn wenn man ein Teilchen vergisst oder irgendwelche Schläuche nicht richtig wieder zusammensteckt, dann geht die Verdauung nicht so wie sie soll. Und dann sagt das Gehirn vom Auto, dass was nicht stimmt und dass alle Teile mal ein bisschen vorsichtig sein sollen. Und dann wird der Motor bockig und das Auto fährt nicht mehr so schnell. Bockig ist der ja sowieso, denn der ist einer der allerersten, der den leckeren Diesel direkt ohne Umwege in die fünf Mägen gedrückt bekommt. Der spritzt das da mit ganz doll viel Druck ein, so wie bei Papa und Mama wenn ihr im Wohnzimmer euer Kuscheltier holt oder wie bei Papa und der Nachbarin, wenn die mit der Gans fertig ist. Mama ist auch manchmal bockig, genau wie der Motor hier wenn nicht alles richtig zusammen gesteckt ist, deshalb geht Papa dann ja zur Nachbarin. Die fünf Mägen rütteln und schütteln sich und nageln und rumpeln ganz laut, wenn sie noch nicht warm sind, das ist aber ganz normal. Gleich bin ich fertig. Guckt mal, so sieht das vor meiner Schraubergarage aus:

Saugen und Blasen

Halle kann ja jeder, ich mach das draußen

Habt ihr das jetzt auch alles verstanden? Wenn nicht, könnt ihr gern noch einmal den Frosch fragen. Und die Geschichten mit Mama und Papa und der Nachbarin behaltet mal lieber für euch, da seid ihr noch nicht groß genug für. Sowas macht ihr später auch, passt mal auf, und ehe ihr es merkt habt ihr keine Zeit mehr für euren Motor. Also immer schön in der Schule und in Sandmanns Welt aufpassen, denn dann werdet ihr ganz doll schlau und bekommt einen tollen Beruf und könnt euch eure Zeit selbst einteilen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hinweis für Eltern:

Saugen und Blasen

Fragen Sie den Frosch!

Fragen Sie den Frosch ®. Eine Traditionsmarke der Motz- und Kotzgeschichten auf Sandmanns Welt. Wir erklären hier in anschaulichen Metaphern den Jüngsten unter uns, wie die Welt um sie herum funktioniert, warum ihr Auto nicht so funktioniert wie sie es in der Schule erklärt bekommen haben und warum Mama und Papa sich irgendwann trennen, obwohl sie verfickt nochmal versprochen haben, immer füreinander und auch für die Kinder da zu sein. Das mit der Nachbarin erklären wir nicht, aber in der nächsten Geschichte kommen wir noch einmal auf den Motor zurück, der sich so schüttelt. Und auf das neue Rohr, das so ist wie ein Darm, was das Geschüttel irgendwie nicht mag. So eine Art Darmbruch. Das passt doch ganz hervorragend, bald ist Murmeltiertag und ich weiß ja nun, was ich alles abschrauben muss, um es auszutauschen. Bleiben Sie neugierig. Und sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder wirklich fest schlafen, bevor Sie sich gegenseitig vor der Glotze freilegen, um besser an alles ranzukommen :-)

Sandmann

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Created Freitag, 24. Januar 2014 Tags 290 TD | Abgasrückführung | AGR | Diesel | Fragen Sie den Frosch | Ich fahr... TAXI! | mercedes | S210 | Saugrohr | turbolader Document type Article
21 Jan 2014
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Die Lichter der Stadt

Frischer Backwahn

Frischer Backwahn

De temps en temps habe ich mich hier über die automobilen Pendeleien eines verliebten Arbeitnehmers und die endlosen Kilometer zwischen den Welten ausgelassen. Mal überzeugt, mal verzweifelt. Mal schwitzend, mal frierend. Es gibt noch eine andere Variante des Roadmovies, und die öffnet mir allein beim Gedanken daran den Horizont zwischen Förde und Elbe: Samstag Morgen von Kiel nach Hamburg, nicht zur Arbeit, nein, zu meinem halbfinnischen Fräulein Altona und dem kleinen Sandmädchen. Mit frischen Brötchen, guter Musik und einem kuschelig warmen gesund nagelnden Taxi. Das Wochenende ist noch weitestgehend unberührt :-) *seufz* und ich habe – theoretisch ohne Stau – mal wieder die Zeit, mich asketisch meines Daseins und der abgespulten Kilometer zu erfreuen. Tandaradei ♫

Aufstehen, wenn es noch dunkel ist. Nicht meins :-(

Die Lichter der Stadt

Die Lichter der Stadt

Was dieses Ereignis aber mildert ist die Tatsache, dass es Samstag Morgen ist. Und nicht etwa Montag oder so. Die Straßen sind frei weil alle normalen Menschen noch pennen, Kiel verabschiedet mich festlich beleuchtet und die Aussicht auf zwei freie Tage ohne irgendwelche Sachen, die man sich vorgenommen hätte lassen mein Herz ein bisschen hoppsen. Die kleinen, verschlafenen Augen der Bäckereifachverkäuferin vorhin sagen mir, dass es aber auch Menschen gibt, die heute definitiv noch viel früher als ich das Bett verlassen haben und die jetzt nicht in einem brummeligen, aber warmen Mercedes-Benz über das Leben philosophieren. Schade für sie, bin ich ihr doch so dankbar für die köstlich duftenden, noch warmen Brötchen auf dem Beifahrersitz. Aber auch sie wird heute irgendwann Feierabend haben und diesen dann hoffentlich entsprechend genießen.

Die Lichter der Stadt

die duften wir in der Backstube

Keine Cupholder?
Habe ich schon mal erwähnt, dass ich auch nach 25 Jahren noch gern Auto fahre? SEHR gern? Ich glaube ja, mehr als einmal ;-) Ich hab’s mir an diesem frühen Morgen gemütlich gemacht in meinem alten, angerosteten Daimler mit dem großen Herzen und dem gewaltigen Innenraum. Es duftet nicht nur nach diesen Brötchen, sondern auch noch ein bissche nach der Kühle der schwindenden Nacht und nach dem frisch gebrühten Kaffee aus meiner alten, orangen Melitta Kaffeemaschine aus den 70ern. Der schwappt jetzt im Thermobecher in einem klapperigen Zubehör-Cupholder links am Armaturenbrett. Für offizielle getränkebecherhaltende Abstellflächen hatte man anno 1997 markenübergreifend noch kein Gespür, offensichtlich genoss man damals noch keinen Kaffee im Auto. Wer eine bessere Lösung als diese in die Lüftungsdüsen geklippsten Plastikkatastrophen weiß, mag sich gern einmal bei mir melden. Mercedes Modell S210, Baujahr 1997 vor MoPf. Dieser hier ist nicht schön, aber der Zweck wird immerhin erfüllt.

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Frischer Kaffee, das Sandmännchen passt drauf auf.

Irgendwo auf dem kieler Autobahnzubringer, ich bin schon 10 Minuten unterwegs, bequemt sich das direkteinspritzende Selbstzündertriebwerk auch endlich mal dazu, Abwärme zu erzeugen, die ich mir sogleich über die frierenden Füße fächeln lasse. Das ist der Haken an den sparsamen, effizienten Fünfzylindern von Mercedes-Benz. Sie nutzen den Treibstoff tatsächlich so gut aus, dass sie ihn wie vor über 100 Jahren mal erdacht vorwiegend in Bewegungsenergie umwandeln. Und nicht in Abwärme. Diese Sparsamkeit reduziert zwar den Verbrauch, die Behaglichkeit im Innenraum besonders im Winter lässt aber ein wenig länger auf sich warten. Nun hachelt es mild aus den Luftdüsen. *schnurr* Darauf trinke ich gleich einmal einen tiefen Schluck schwarzes Gold mit Milch und ein ganz klein bisschen Zucker. Manchmal Zucker. Aber ganz selten. Heute ja.

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Prost Kaffee. Auf dass die Sonne bald aufwachen möge.

Stau App?
Heute? Heute ist es mir einigermaßen egal, aber was mich an Wochentagen auf dem Weg zur Arbeit wahnsinnig macht: Das Umschalten der Radiosender neuerdings auf lokale Frequenzen bei Werbung, Wetter und Nachrichten! AAAH! Ich will um halb und um voll meine Nachrichten hören und danach den Verkehrsfunk. Mehr nicht. Kurz vorher ist der Sender weg, weil die regionale Werbung kommt und mein altes Blaupunkt Radio nicht so schnell mit dem Suchen der richtigen Frequenz hinterher kommt :-( Hat es diese dann gefunden, kommen die Nachrichten wieder überregional, also schaltet es zurück. Das dauert ein bisschen, in der Zeit höre ich Rauschen. Am Ende der Nachrichten wird es dann richtig spannend, sind es vorm Elbtunnel heute nur magere 15 Kilometer Stau – oder wieder wie vergangenen Montag fast 30 wegen eines Unfalls? Ich werde es nie erfahren, denn der Sender schaltet wieder auf eine andere Frequenz. Kennt jemand eine gute Stau-App fürs iPhone? Auch hier bin ich dankbar für Tipps und wechsel frustriert vom Radio auf CD.

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Mach ich doch, mach ich doch.

Plattenkritiken?
Und damit zurück zu Wohlsein und guten Gedanken. Im Moment ist eine Menge gute Musik unterwegs, je nach Geschmack zumindest :-) Die neue von Glasvegas (wo ich Ende Januar auf dem Konzert weilen werde, yippie), Kashmir lässt sich auch immer wieder gut hören und Boxer Rebellion hat ein feines Album auf den Markt geworfen, was mir jetzt bei wärmer werdendem Innenraum, Kaffee und Brötchenduft um die Ohren schleicht. Ich sollte einmal im Monat oder so eine ganz persönliche Plattenkritik schreiben, vielleicht wär das ja mal was für euch? Es muss ja nicht immer nur Chartgedudel sein ♫ Der instrumentgewaltige Klangteppich, ein bisschen wir die alten U2 und ein bisschen wie Marillion taucht die langsam hinter den Bäumen hervorktiechende Morgendämmerung in einen angenehmen Pathos, ich glaube, ich kann dem alten Taxi mal ein bisschen die Sporen geben. Die Bahn ist ja frei. Glaube ich. Der Verkehrsfunk war ja nicht abkömmlich.

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zurück gucke ich nicht mehr so oft

Keiner hinter mir, neben mir, vor mir? Ungewöhnlich. Keine Warnlampen leuchten im Display, alle analogen Zeiger stehen auf nominal, Flight Control do I have Permission? Yes. Ab und an will auch mal ein 645.000 Kilometer alter Turbodiesel durchatmen. Während ich im letzten Jahr schon Autos gefahren bin, die für den Sprint von 0 auf 200 km/h keine sechs Sekunden brauchen (nein, die 2 vor den beiden Nullen ist kein Schreibfehler) lässt es ein 290er Turbodiesel etwas gemütlicher angehen. Das ist mir ganz recht, denn die Stoßdämpfer sind nicht mehr die allerbesten, die A7 zwischen Kiel und Hamburg unterhält ihre Besucher mit der einen oder anderen unerwarteten Bodenwelle und ich möchte keinen wertvollen Kaffee verschütten. Sagenhafte 150 oder 160 sind ohne Lärmbelästigung drin, das grenzt bei diesem Auto schon an Lichtgeschwindigkeit. Bei Reisegeschwindigkeit wird der Tempomat eingelegt, und dann muss ich eigentlich nur noch den Kurs korrigieren und ab und an mal am Kaffee nippen.

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sowas wie WARP II für einen alten Diesel

Übertreiben wir es mal lieber nicht. Der Fünftöpfer kann glaube ich noch wesentlich mehr drehen, aber ich stelle mir gerade vor, dass man mich in meinem gesetzten Alter im Sprint 10 mal das Treppenhaus bis in den vierten Stock scheucht. Eigentlich hatte ich eine andere Metapher im Kopf, aber aus Rücksicht auf die minderjährigen Leser nehme ich die lieber nicht :-) Also, äh, jedenfalls wäre ich ganz schön außer Atem, und das möchte ich dem treuen alten Diesel nicht antun. Gleichwohl es ein erhabenes Gefühl ist, diese Geschwindigkeit überhaupt einmal auf diesem Streckenabschnitt fahren zu können. Es gab Zeiten, da habe ich hier die Grashalme auf dem Mittelstreifen gezählt und mich über die kilometerlang stehenden Autos vor mir geärgert. Heute nicht. Heute beobachte ich mich mal selbst und stelle schmunzelnd und ein bisschen überrascht fest, dass meine rechte Hand auf dem Automatik-Wahlhebel liegt :-)

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Albern, ist mir eben erst aufgefallen…

Ablagen.
Ich fahre dieses Auto nun schon ein halbes Jahr, aber das ist mir bisher nicht aufgefallen. Lustig. Der Arm muss da nicht sein, schalten ist weder nötig noch erwünscht. Aber irgendwie ist diese Position bequem, ich habe mein Auto “im Griff”, spüre die gesunden, beruhigenden Vibrationen vom Getriebe und kann den vom Vorbesitzer nachgerüsteten, handschmeichelnden Holzknauf liebkosen. Gniiihihi. Vielleicht wandert meine Hand auch unbemerkt ein bisschen nach rechts auf den Sitz, da ist kein Knie einer Beifahrerin sondern noch immer die Brötchentüte. Es fällt sicher nicht auf, dass ich schon mal ein leckeres Ätnabrötchen (gebacken mit Olivenöl – mjam) trocken und knusprig zum Kaffee gefuttert habe, die duften einfach so sagenhaft gut und ich bin noch nicht in Hamburg…. Aber fast. Während gleich nach Kiel die Ränder der Autobahn so langweilig werden wie ein Geländewagen-Vergleichstest der Auto Motor und Sport, beginnt ab Quickborn wieder eine zarte Besiedelung. Brücken, Lampen, Strommasten und Gewerbegebiete versprühen mit urbanem Charme das Gefühl, nicht allein auf der Welt zu sein. Und die Sonne geht auch auf. Irgendwo hinter den Wolken.

Die Lichter der Stadt

Die Landschaft wird urbaner

Ein rundes Stündchen dauert es von meinen kleinen alten Häuschen bis vor die Wohnung des halbfinnischen Fräulein Altonas. Vor gar nicht allzu langer Zeit (Biene Maja Musik dazu, bitte ♫) habe ich diese Stunde mit Telefonaten oder Facebook-Postings gefüllt. Heute mache ich nichts mehr dergleichen. Ich fahre Auto und höre Musik. Das genügt. Die Welt da draußen ist so rastlos, effizient und schnell geworden, dass ich diese kleinen Auszeiten am Steuer nicht auch noch mit Action füllen muss. Zumal alle, die ich kenne noch schlafen und ich schon lange bei Facebook nicht mehr das Gefühl habe, irgend etwas eklatant wichtiges zu verpassen. Die Tachonadel fällt langsam runter auf 120 km/h, in der 5. Fahrstufe dahingleitend, die große Stadt wacht langsam auf und Boxer Rebellion sind mit ihrem Latein fast am Ende. Man sollte viel öfter den Rückspiegel fotografieren, gerade als so retroverliebter aber vorwärts orientierter Mensch wie ich :-)

Die Lichter der Stadt

Objects in the Rear Viev Mirror may….

Dämliche Autofahrer.
Okay, das hätten wir auch. Inzwischen befinde ich mich in urbanen Gefilden, die wegen der allgemeinen Verkehrsdichte erhöhte Konzentration erfordern. Die Ausfahrt Stellingen ist schon oft mein ganz persönlicher Freund gewesen, denn ab hier spätestens stehen morgens die Pendler aus Norden kommend vor dem Elbtunnel. Weil wieder irgend jemand klaustrophobisch verblendet in Röhre 2 trotz freier, gut beleuchteter  doppelspuriger Straße auf die Bremse getreten ist und damit bewirkt hat, dass 10.000 Arbeitnehmer zu spät zu ihren Jobs kommen. Blödspaten, diese deutschen Autofahrer. Stellingen ist deshalb mein Freund, weil ich die verhasste A7 hier spätestens verlasse, ob mit oder ohne Stau. In der langgezogenen Rechtskurve gibt es ab und an noch ein bisschen Entertainment, wenn ein überheblich dimensionierter Hamburger in seinem Porsche Cayenne oder Audi Q8 (auf jeden Fall mit HSV Nummernschildträger und der Nummer HH-SV…) noch vermeintlich stadtbewandert links vorbei will, die Rechtskurve wie üblich völlig unterschätzt (das Schild mit 40 steht da nicht ganz umsonst) und einen Abflug geradeaus über die grüne Insel macht. Ich hab’s nun schon 5 mal erlebt. Und es wird immer wieder so sein.

Die Lichter der Stadt

Nun bin ich drin. Das war ja einfach

Man soll sein Ziel nicht aus den Augen verlieren, und bei allen Gedanken über die Schönheiten und die Unzulänglichkeiten des Daseins fallen mir wieder das Frühstück und das Wochenende ein. Da war ja noch was :-) Nun bin ich fast da, und die noch nicht komplett weggenaschten Brötchen duften noch genau so gut wie in Kiel. Immer wenn ich hier langfahre, und das mache ich seit über fünf Jahren, denke ich an das erste mal. Irgendwann an einem lauen Augustabend 2008. Ich wusste zwar schon, wer mich auf der anderen Seite der Gegensprechanlage erwartet aber ich hatte noch überhaupt keine Ahnung, was sich daraus entwickeln wird. Das Leben ist doch echt verrückt, Leute. Jeder Tag, jede Woche, jeder Monat – jedes Jahr ist anders und bunt. Nicht alles ist immer so wundervoll wie es sein könnte, aber hier und heute freue ich mich vor allem auf den frischen leckeren Kaffee an der Seite von zwei Frauen. Und alles, was da noch kommt.

Die Lichter der Stadt

Kieler Park. Kiel ist überall

Zu Hause.
Der “Kieler Park”. Ich habe keine Ahnung was da eigentlich drin ist, das Gebäude ist wie so viele andere am Straßenrand für mich wie die Fassade einer Westernstadt. Da arbeiten und wohnen Menschen drin, jeden Tag, jede Nacht, und ich kenne sie alle nicht. Verrückt, schon wieder. Aber ich habe so eine Art Wahrzeichen des Gleich-da-Seins, und so ein paar namentliche Verquickungen der beiden Städte, in denen ich mich so rumtreibe können nicht so verkehrt sein. Mit den gleichen toten Stoßdämpfern, die mir manchmal den Kaffee aus dem Thermobecher schütteln holper ich über das hamburger Katzenbuckelpflaster und finde direkt vor der Tür einen Parkplatz unter den im Winter glücklicherweise nicht so klebrig siffenden Linden. Mein zweites Zu Hause. Abgefahren, gleich zwei davon zu haben, die ich auch beide als solche empfinde. Vielleicht hänge ich so an diesem Gefühl, weil ich mit 12 Jahren aus meinem eigentlichen Zu Hause rausgerissen und umgetopft wurde. Das mache ich mit meinen Kindern besser…

Klick Blink zu

Klick Blink zu

Ich steige seufzend aus dem gut durchgewärmten alten Kombi aus (ab einem bestimmten Alter seufzt man bei sowas IMMER, auch wenn es gar nicht nötig ist) und schaue hoch zu der einladend beleuchteten Wohnung. Hallo Wochenende, da bin ich wieder. Mit viel Zeit, vielen guten Gedanken und ganz viel Sonne im Herzen. Wie so eine banale Stunde auf einer extrem uninteressanten norddeutschen Autobahn einen doch erden kann. Und so geht es immer weiter. Jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr. Ein Leben lang, und egal was die Zukunft bringen mag – es wird immer wieder einen Samstag Vormittag geben.

Sandmann

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Created Dienstag, 21. Januar 2014 Tags A7 | altona | autobahn | Cupholder | hamburg | Ich fahr... TAXI! | Kiel | mercedes | pendeln | S210 | Stellingen Document type Article
17 Jan 2014
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Bad Taste Parties 1995

Bad Taste Parties 1995

Paradiesvogel auf LTD

Mir kribbelt ein bisschen das Zwerchfell, während ich diese Bilder hochlade :-D Mein einziger Trost: Diese Kleidung war auch 1995 schon nicht ernst gemeint. Das Auto wiederum…. Kennen Sie noch Bad Taste Parties? Wo man sich so schlimm wie möglich anzieht und irgendwelchen optisch ekeligen Kram zu essen mitbringt? Da bin ich heute Abend eingeladen, bei einem alten Klassenkameraden in der Garage seiner Eltern in Plön. Ich will anschließend in meinem Auto schlafen, was kein Problem sein sollte, bei einer INNENbreite von 1,90 Metern und zwei durchgehenden Sitzbänken. Für möglichst schlimme Klamotten greife ich einfach nur in meinen Kleiderschrank und optisch ekelig ist mein Auto ab Werk. Essen? Braucht man nicht.

Zwei Sünden gleichzeitig.

Bad Taste Parties 1995

Schlimmer Typ, schlimmes Auto

Die erste Sünde ist das Auto selbst, vielleicht erinnern Sie sich noch an